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	<title>Ausgabe 2019–2020 Archive - Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</title>
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	<title>Ausgabe 2019–2020 Archive - Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</title>
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		<title>Editorial</title>
		<link>https://halbjahresschrift.de/editorial-19-20/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[IKGS-Admin_2]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Sep 2022 09:31:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2019–2020]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser der Halbjahresschrift,  noch befinden wir uns in der „Aufholphase“ nach der Übernahme der Halbjahresschrift durch das Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München (IKGS). Nachdem wir die Doppelausgabe 2017/2018 als erstes vom IKGS verantwortetes Heft im vergangenen Jahr publizieren konnten, stehen nun gleich zwei weitere [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/editorial-19-20/">Editorial</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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<p>Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser der <em>Halbjahresschrift</em>, </p>



<p>noch befinden wir uns in der „Aufholphase“ nach der Übernahme der <em>Halbjahresschrift</em> durch das Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München (IKGS). Nachdem wir die Doppelausgabe 2017/2018 als erstes vom IKGS verantwortetes Heft im vergangenen Jahr publizieren konnten, stehen nun gleich zwei weitere an: das Doppelheft 2019/2020, das Ihnen hier vorliegt, und die Ausgabe mit den beiden Bänden des Jahres 2021, das in wenigen Wochen folgen wird. Den Inhalt beider Bände können Sie auch Online auf unserer Website www.halbjahresschrift.de im Volltext abrufen. </p>



<p>Die vorliegende Ausgabe wird unserer Absicht, eine breites thematisches und räumliches Spektrum abzudecken, in besonderer Weise gerecht: Björn Opfer-Klinger widmet sich der Rolle Bulgariens im Zweiten Weltkrieg, Agnes Tóth der stalinistischen Nationalitätenpolitik in Ungarn. Unser Redaktionsmitglied William Totok stellt den vierten Teil seiner auf Forschungen im rumänischen Securitate-Archiv basierenden Reihe „Ambivalente Lebensläufe“ vor. Und Bernd Florath verdanken wir den zweiten Teil der Quellenedition von Stasi-Akten über die Lage der ČSSR im historischen Jahr 1968.</p>



<p>Dr. Florian Kührer-Wielach&nbsp;<br>Herausgeber&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/editorial-19-20/">Editorial</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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		<title>Die nationalsozialistische Presse- und Propagandaarbeit unter Volksgruppenführer Andreas Schmidt 1940 bis 1944 und die missbrauchte deutsche Minderheit in Rumänien</title>
		<link>https://halbjahresschrift.de/nationalsozialistische-presse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[IKGS-Admin_2]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Feb 2022 09:41:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2019–2020]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Johann Böhm Einleitung Nach jahrelangen Recherchen über die Zwischen- und Kriegszeit der deutschen Volksgruppe in Rumänien hat mich der Alltag dieser Deutschen bezüglich der Auseinandersetzung der nationalsozialistischen Erneuerungsbewegung1 mit der Volksführung und der Evangelischen Landeskirche A.B. in Rumänien und deren Gleichschaltung nach 1940 in seinen Bann geschlagen, was meinerseits zu mehreren Veröffentlichungen führte. Mit Bedauern [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/nationalsozialistische-presse/">Die nationalsozialistische Presse- und Propagandaarbeit unter Volksgruppenführer Andreas Schmidt 1940 bis 1944 und die missbrauchte deutsche Minderheit in Rumänien</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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<p>Johann Böhm</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="einleitung">Einleitung</h2>



<p>Nach jahrelangen Recherchen über die Zwischen- und Kriegszeit der deutschen Volksgruppe in Rumänien hat mich der Alltag dieser Deutschen bezüglich der Auseinandersetzung der nationalsozialistischen Erneuerungsbewegung<sup class="modern-footnotes-footnote ">1</sup> mit der Volksführung und der Evangelischen Landeskirche A.B. in Rumänien und deren Gleichschaltung nach 1940 in seinen Bann geschlagen, was meinerseits zu mehreren Veröffentlichungen führte. Mit Bedauern musste ich jedoch feststellen, dass nur wenige Jugendliche dieser Deutschen wissen wollten, wie sich Nachbarschaftsbeziehungen, Kontakte zwischen Schülern, Verhältnisse zwischen Kindern und Eltern sowie Veränderungen im geistigen und geistlichen Leben bis 1940 und ganz besonders nach der Einsetzung von Andreas Schmidt durch die SS-Zentrale Berlin zum Volksgruppenführer am 27. September 1940 veränderten und gestalteten. Der Untergang des politischen Liberalismus bei den Deutschen in Rumänien kam mit der Gründung der NSDAP der Deutschen Volksgruppe in Rumänien (NSDAP der DViR) durch Andreas Schmidt am 9. November 1940<sup class="modern-footnotes-footnote ">2</sup> wie das stille Erlöschen einer Flamme, die einst die Mehrheit der deutschen Bevölkerung erfasst hatte. Durch die Niederlagen des Liberalismus in den 30er-Jahren, die Gleichschaltungsakte in allen Verbänden und Vereinen und der politisch-gesellschaftlichen Gruppen ab 1940 brauchte Schmidt mit dem Widerstand ehemaliger liberaler deutscher Parlamentarier nicht mehr zu rechnen. Ein wesentlicher Teil der Deutschen in Rumänien, der in den 30er-Jahren eine skeptische Einstellung zur nationalsozialistischen Erneuerungsbewegung des Fritz Fabritius pflegte, schlüpfte nun in die Rolle der Mitläufer.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="methoden-und-ideologie-der-gleichschaltung-der-deutschen-bevolkerung-rumaniens-mit-dem-nationalsozialismus">Methoden und Ideologie der Gleichschaltung der deutschen Bevölkerung Rumäniens mit dem Nationalsozialismus</h2>



<p>Im Folgenden möchte ich diesen Aspekt des nationalsozialistischen Erfolgs darstellen, der auf Gleichschaltung der deutschen Bevölkerung auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens zielte; hierbei wurde die NS-Volksgruppenführung durch keinerlei Hemmung und Reflexion in ihrer Gewaltanwendung gebremst. Diese Gewaltsamkeit war Anlass und faktischer Hintergrund von Angst und Anpassung, folglich auch für Schweigen und Hinnehmen, für „Nicht-sehen-Wollen“ und „Nicht-sehen-Können“. Denn Angst macht vielfach blind, begünstigt Selbstentschuldigung und blanken Überlebenswillen, ist Voraussetzung für Mitgehen und unreflektierte Befehlsausübung, für „Selbstgleichschaltung“ gesellschaftlicher Gruppen und einzelner Individuen. Angst entsteht aus Zukunftssorgen, aus Existenznot, aus konkreter Furcht – sie entsteht im Inneren des Menschen, der durch die Angst, die er empfindet, vielfach gelähmt wird und aus dieser Lähmung heraus „erliegt“. Aber Angst wird auch erzeugt, geschürt, sie wird aus politischen Gründen gewollt, denn sie macht aus vielen verschiedenen Menschen eine Herde, sie ebnet Vielfalt und Individualität ein. Darum lehnte die NS-Volksgruppenführung die Vielfalt ab und proklamierte den absoluten Wert der Einheit und der Einheitlichkeit:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Es ist für unsere Volksgruppe eine freudig bejahte deutsche Pflicht gewesen, ihren Beitrag zum Bestand durch den Einsatz des Blutes ihrer Söhne zu leisten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">3</sup></p></blockquote>



<p>Ausdruck des Strebens nach Einheitlichkeit mit dem „Dritten Reich“ war der Wille, das Bewusstsein der deutschen Minderheit durch Propaganda gleichzuschalten. Warum gerade die NS-Funktionäre in der Volksgruppenführung, fragte ich mich und gelangte zu der Antwort: Nur sie kamen der vielfach aus Angst resultierenden Einheitserwartung, dem konfliktfeindlichen Harmoniestreben, dem ersehnten Zukunftsoptimismus, dem Streben nach einer Alternative zum bekämpften, unverstandenen und ungeliebten Liberalismus der Deutschen in Rumänien entgegen, indem sie bereit waren, mit gewaltsamen Mitteln diese ersehnten Ziele zu erfüllen:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Es ist uns eine heilige Verpflichtung und unser größter Stolz, zu bekennen, dass in Jahrhunderten des Kampfes unser Dasein, unser Bestand, unsere Sendung allein im mächtigen Strom deutschen Blutes, deutschen Geistes und deutscher Kultur denkbar war. Durch dieses Bekenntnis brechen wir mit einer Tradition, die in unserer Vergangenheit die geschichtliche deutsche Leistung im Südosten auf die Eigenständigkeit und Bodenständigkeit eines sächsischen Volkes in Siebenbürgen oder eines schwäbischen Volkes im Banat zurückführen wollte – denken Sie doch daran, dass in unserer ganzen Literatur der Begriff des „sächsischen Volkes“ einen hohen ethnischen Wert darstellte – und wir biegen vom Wege kultureller Verschweizerung in den Weg großdeutscher Sendung. Für uns gibt es kein Wunder einer achthundertjährigen Bestandserhaltung der sogenannten „Siebenbürger Sachsen“, oder einer zweihundertjährigen Kolonisationsleistung der „Banater Schwaben“’ –, für uns gibt es allein das Einbegriffensein in die zweitausendjährige germanisch-deutsche Kontinuität und Leistung in Europa.<sup class="modern-footnotes-footnote ">4</sup></p></blockquote>



<p>Die NS-Volksgruppenführung verfügte über den Willen und den Rückhalt, die proklamierte deutsche Einheitsgemeinschaft zu schaffen, die Ausdruck eines „monopolisierten Nationalbewusstseins“ war. Alle, die sich diesem Monopolanspruch nicht unterwarfen – Christen, Pazifisten, Demokraten, Liberale, nonkonformistische Intellektuelle oder Künstler – wurden dennoch, und mit Duldung der rumänischen Regierung, dieser Nazi-Clique unterstellt und zugleich einer unwürdigen Behandlung ausgesetzt. Sie litten unter einer unkontrollierten Machtausübung, die Ausdruck entfesselter und ungezügelter Willkür war.</p>



<p>Überraschend war die weitgehende und mühelos anmutende Gleichschaltung der Evangelischen Landeskirche A.B. in Rumänien sowie deren konfessioneller Schulen und Vereine nach der Einsetzung des Nazi-Bischofs Wilhelm Staedel, aber auch die Formung der öffentlichen Meinung. Die Deutung der Vorgänge als nationale Erhebung entfachte offensichtlich eine Stimmung, eine Art „Schweigespirale“, aus der sich kaum ein Zeitgenosse zu entwinden vermochte. Nur wenige Mitglieder des Landeskonsistoriums wie Magister Edgar Müller (Apotheker in Karansebesch, rum. Caransebeş), Michael Thut (Bauer in Petersdorf, rum. Petrești), Dr. Helmut Wolff (Zahnarzt in Hermannstadt, rum. Sibiu), Dr. Gustav Sontag (Arzt in Bukarest, rum. București), Dr. Konrad Möckel (Stadtpfarrer in Kronstadt, rum. Brașov), Dr. Wilhelm G. Seraphin (Pfarrer in Rosenau, rum. Râșnov), Dr. Karl Gündisch (Rechtsanwalt in Hermannstadt) und Dr. Otto Herzog (Fabrikdirektor in Lugosch, rum. Lugoj) protestierten gegen das Gesamtabkommen zwischen Kirche und NS-Volksgruppenführung vom 3. November 1941, bei dem die Übergabe der Schul- und Erziehungsanstalten sowie des gesamten beweglichen wie unbeweglichen Schulvermögens an die Volksgruppenführung beschlossen wurde. Die oben erwähnten Personen sowie Pfarrer Heinrich Wagner aus Leschkirch (rum. Nocrich), der sich weigerte, die Gemeindeschule und das Schulvermögen an die Volksgruppenführung zu übergeben, wurden ihres Amtes enthoben und einem schonungslosen Druck ausgesetzt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">5</sup> Selbstständige Denker wie Bischof Viktor Glondys und der Politiker Dr. Hans Otto Roth wurden gewaltsam isoliert.<sup class="modern-footnotes-footnote ">6</sup></p>



<p>In der Regel versuchte die NS-Volksgruppenführung, sich als eine legal gebundene „Erfüllung“ nationaler Träume darzustellen, die den offensichtlichen Bevölkerungswillen vollziehen würde. Denken wir an die Richtlinien des neuen Volksgruppenrechts, die im Dekret-Gesetz Nr. 830 vom 20. November 1940 als „Volksgruppen-Gesetz“ mit sechs Artikeln veröffentlicht wurden. Das Dekret-Gesetz sicherte der deutschen Volksgruppe die Anerkennung als juristische Persönlichkeit, die Schul- und Kulturautonomie sowie den verstärkten Ausbau des deutschen Schulwesens.<sup class="modern-footnotes-footnote ">7</sup></p>



<p>Die Kritiker des Nationalsozialismus, die sich von der NS-Volksgruppenführung gelöst hatten, wurden gegenüber der angeblichen Volksmeinung ausgespielt. Dabei verschwieg die Nazi-Clique um Andreas Schmidt wohlweislich, dass sie alle ihre Energien auf die Formierung ebendieser Volksmeinung konzentrierte. Ihr Ausschließlichkeitsbewusstsein vertraute allerdings nicht allein auf die Stimmungen, sondern drückte sich in Anordnungen und Anweisungen aus, die die Gewichte im Kampf um die öffentliche Meinung entscheidend verschoben und so die Zerstörung der alten Ordnung der Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben besiegeln sollten.</p>



<p>Mit einer marktschreierischen Propaganda, die das Misstrauen der rumänischen Regierung erweckte, versuchte Schmidt die Deutschen in Rumänien im Sinne der nationalsozialistischen Politik zu beeinflussen. Ihr Denken, Fühlen und Wollen geriet begreiflicherweise in Unordnung. Ihre frühere normale Geschlossenheit wurde gestört, sie selbst nahmen teilweise einen anderen Charakter an. Höchst bezeichnend war die elementare, hasserfüllte Feindschaft der neuen NS-Volksgruppenführung um Andreas Schmidt gegenüber allem Streben nach Objektivität, die einst als eine Haupttugend der Deutschen in Siebenbürgen und im Banat während der Habsburger Monarchie und nach 1918 in Rumänien angesehen wurde. Selbst vor der Tradition sowie vor der Kultur und dem Seelenleben machten Schmidt und seine Amtswalter nicht halt. Sie steigerten sich in etwas wie eine grundsätzliche „Denk-Abstinenz“ hinein: möglichst wenig denken und sich stattdessen Kräften hingeben, die man lebensvoller empfand als das Denken; ihnen allen war aber das eine gemein – den Deutschen in Rumänien die nationalsozialistische Ideologie mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln aufzuzwingen.</p>



<p>Schmidt stützte sich von Anfang an auf die primären Begriffe der nationalsozialistischen Weltanschauung „Volk und Rasse“. Das Volk sei nicht staatsgebunden, darum verkündete er, wie im Reich, den nationalsozialistischen Gedanken der großdeutschen Volksgemeinschaft über alle staatlichen Grenzen hinweg.<sup class="modern-footnotes-footnote ">8</sup> Diese Ansicht fußte in der Konzeption des nationalsozialistischen Denkens, wonach nicht das „internationale Minderheitenproblem“ wichtig war, sondern die Frage nach der deutschen Volksgruppe. Darum sollte der nationalsozialistische Staat auch über die Grenzen des Deutschen Reiches hinaus der Ordnungsfaktor im Lebensraum des deutschen Volkes sein.</p>



<p>Die ersten Bestrebungen Schmidts zielten darauf ab, die deutsche Volksgruppe innerhalb des selbst noch nicht gefestigten legionären Rumäniens fest zu verankern. Hierbei stützte er sich auf die Karlsburger Beschlüsse (18. November 1918), die durch das Abkommen des „Dritten Reiches“ mit Rumänien vom 30. August 1940 zur Rechtsgrundlage der Deutschen Volksgruppe erklärt worden waren. Als Ergebnis dieser Arbeit konnte dann hinsichtlich der Deutschen Volksgruppe in Rumänien das bereits erwähnte Dekret-Gesetz vom 20. November 1940 eingebracht werden und die Volksgruppe erhielt wieder einen Teil jener Rechte zurück, die die Siebenbürger Sachsen jahrhundertelang als eigene Körperschaft in diesem Raum besessen und erst durch die Auflösung der Nationsuniversität<sup class="modern-footnotes-footnote ">9</sup> im Jahr 1876 Schritt für Schritt verloren hatten.</p>



<p>Diese neu erhaltenen Rechte und die Art und Weise ihrer Anwendung wurden unmittelbar in den Dienst der nationalsozialistischen Doktrin gestellt: Recht ist, was dem Volk nützt. Aber was nützten diese erworbenen Rechte den Deutschen in Rumänien, wenn die betriebene Unterdrückung durch die NS-Volksgruppenführung sie jeder Freiheit beraubte und zur Aufhebung jeglicher Rechtssicherheit führte? Ein ungeistiger Nationalsozialismus wurde in einseitiger Weise entgegen der natürlichen oder der gottgewollten Ordnung propagiert und der „Volksbegriff“ zum letzten und höchsten aller Werte inflationistisch aufgebläht und übersteigert.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Unser Glaube aber ist das heiße Gebet an Gott und die Vorsehung, dass unser Blut und die Erbwerte unseres Volkes auch weiterhin rein erhalten bleiben, damit seine ewigen Werte wie Ehre, Freiheit, Mut, Reinheit der Gesinnung, Charakterstärke, Arbeits- und Lebensfreude bestehen bleiben. Denn in der Fortpflanzung dieser Erbwerte und im Willen zum Kind, zum ewig fließenden Strom deutschen Blutes, bestehet allein die Lebenskraft unseres Volkes.<sup class="modern-footnotes-footnote ">10</sup></p></blockquote>



<p>Dieser unrechtmäßige, verabsolutierte „Volksbegriff“ wurde zu einer wirksamen Waffe, mit dem die NS-Volksgruppenführung einen „Zweifrontenkrieg“ führte: einerseits gegen die einzelmenschliche Individualität, andererseits gegen die Solidarität oppositioneller Gemeinschaften. Der einseitige, triebhaft-ungeistige Nationalsozialismus nahm unerträgliche Formen an und übte eine verheerende und zerstörende Wirkung aus.</p>



<p>Bei einer Analyse der Voraussetzungen, die diese Entwicklungen ermöglicht hatten, gelangt man an den Punkt, an dem die Frage nach den politischen Einsatzstellen des Nationalsozialismus und damit der NS-Volksgruppenführung vertieft werden muss durch einen Blick auf die Kreise, derer sie sich zur Fundierung ihres politischen Machtwillens bediente oder die sie doch so nahe an sich heranziehen konnte, dass der NS-Volksgruppenführung im entscheidenden Augenblick tatsächlich ein Heer von Mitläufern zugefallen war, auch außerhalb der 14.000 Mitglieder und 43.000 Parteianwärter,<sup class="modern-footnotes-footnote ">11</sup> und nicht zuletzt waren auch Einzelne unter den deutschen Kultur- und Bildungsträgern dabei, ja, sogar aus dem Bereich der evangelischen und katholischen Kirche. Schaut man sich die literarischen Äußerungen der Zeit an, so lehren sie in der Tat, dass die Kapitulation eines großen Teils der deutschen Bevölkerung Rumäniens 1940 nicht nur ein politisches, sondern ganz wesentlich auch ein soziales und geistiges Ereignis darstellte und vor allem die politischen Erfolge des „Dritten Reiches“ repräsentierte, die aus einer beträchtlichen Vorbereitungs- und Inkubationsperiode hervorgegangen waren. Gewiss haben Opportunismus und Furcht vor der beginnenden Gewaltanwendung der NS-Volksgruppenführung und ihrer Unterorganisationen Einsatz-Staffel (ES), Deutsche Mannschaft (DM), Deutsche Jugend (DJ), NS-Frauenwerk und anderer im Hinblick auf die Ereignisse mitgewirkt; aber Gleichschaltung und Selbstidentifizierung mit der totalitären Volksgruppenführung geschahen in so erstaunlichem Maße und mit solcher Schnelligkeit, dass man nicht umhinkommt, von einer hohen Prädisponiertheit und Anfälligkeit eines Großteils der Deutschen in Rumänien zu sprechen. Dieses Phänomen erscheint umso bedeutsamer, je klarer einem wird, dass die NS-Volksgruppenführung selbst gerade in dieser Hinsicht keineswegs über die „Fachkräfte“ verfügte, die der proklamierte Ausbau einer neuen Weltanschauung und ihre pseudowissenschaftliche Fundierung erfordert hätten.</p>



<p>Mit der Heranziehung der jungen nationalsozialistisch angehauchten Kräfte und ihrem Einbau in die Führung der Volksgruppe brach sich auch die Anschauung Bahn, dass die Deutsche Volksgruppe in Rumänien nicht mehr ein selbstständiges Gebilde, wie es die Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen früher war, sondern nur noch ein Teil des nationalsozialistischen Deutschlands darstellte und daher die eigenen Interessen denen des „Dritten Reiches“ unterzuordnen hatte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">12</sup></p>



<p>Die leitenden Personen in der NS-Volksgruppenführung ab 1940 entsprachen vermutlich am ehesten dem Stereotyp des Gestapo-Beamten im Reich. Wie ihr Chef, Andreas Schmidt, waren sie jung, ein beachtlicher Teil war akademisch gebildet und hatte sich früh zur nationalsozialistischen Bewegung bekannt. Und ebenso wie Andreas Schmidt waren viele von ihnen unsichere Persönlichkeiten. Der Nationalsozialismus gab diesen Männern eine berufliche Perspektive und eine Identität, mochte sie auch unecht und brüchig sein. Nach kurzer Zeit war die NSDAP der DViR für sie die einzige Autorität auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens. Dadurch sank die große Bedeutung der Konfessionen, die diese bis dahin in Siebenbürgen und im Banat gehabt hatten – die Kirchen wurden entpolitisiert und der NS-Volksgruppenführung unterworfen. Die Aufgaben der „Nachbarschaften“, die die Deutschen nach Wohngebieten zusammenfassten, wurden ebenfalls der Partei unterstellt, die damit zur Treuhänderin der gesamten Volksgemeinschaft wurde. Mit ihren über Gebiet, Kreis, Ort, Zellen und Blocks hierarchisch nach dem Führerprinzip gegliederten Organisationen stellte die Partei den nationalsozialistischen Führungsapparat dar, der den politischen Befehl von der obersten Spitze bis zur Basis durchführte. Die Führerschaft wurde nach den für die SS geltenden Grundsätzen ausgewählt und musste auch in rassischer Hinsicht die Auslese der Volksgruppe darstellen.</p>



<p>Dieses System der Täuschungen und die Führungsmethoden der Volksgruppenführung waren sorgfältig ausgeklügelt, wurden ständig neuen Möglichkeiten angepasst und vielfach geändert. Es war jederzeit zu durchschauen. Zweckinformationen, vorbedachte „Anmerkungen“, als „vertraulich“ bezeichnete Aussagen, hingeworfene Nebensächlichkeiten, denen die Volksgruppenführung – tatsächlich oder scheinbar – Bedeutung zumaß: Diese und andere Methoden der Lenkung zu erkennen und zu entlarven war die Aufgabe für den kritischen Beobachter, deren Erfüllung jedoch nur selten der Fall war.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="im-gleichschritt-die-nationalsozialistische-presse-und-propagandaarbeit-unter-volksgruppenfuhrer-andreas-schmidt">Im Gleichschritt: Die nationalsozialistische Presse- und Propagandaarbeit unter Volksgruppenführer Andreas Schmidt</h2>



<p>Mit Hilfe des Amtes für Presse und Propaganda hatte sich Andreas Schmidt ein bisher in der Geschichte der deutschen Minderheit noch nicht bekannt gewesenes Instrument geschaffen. Die Neuerung hatte Schmidt ohne Schwierigkeiten bei der rumänischen Regierung durchsetzen können. Dieses Amt sollte Aufklärung und Propaganda unter der deutschen Bevölkerung über die Politik der NS-Volksgruppenführung wie auch des „Dritten Reiches“ und über die rumänische Politik sowie über den nationalen Aufbau im deutschen Siedlungsraum von Rumänien betreiben. Das Amt bekam durch Anweisungen und Verordnungen und durch das Vertrauen, das der Chef des Amtes, Walter May, bei Schmidt persönlich genoss, ein erheblich größeres Gewicht, als es die anderen Ämter hatten. Infolgedessen wurde die Aufgabe des Amtes für Presse und Propaganda wesentlich erweitert, sodass Walter May alle Bereiche der Publizistik sowie Journalistik bis zum einfachen Artikelschreiber kontrollierte. Literatur, Theater, Film, bildende Kunst und auch die Musik unterstanden ebenfalls May und sollten mit ihren verschiedenen Ausdrucksmitteln auf sublime Weise die deutsche Bevölkerung permanent im Sinne der nationalsozialistischen Politik und des totalen Krieges beeinflussen und so eine grundsätzliche Aufnahmebereitschaft für die in der Tageszeitung verbreitete aktuelle Propaganda schaffen.</p>



<p>Die Literaturpolitik der Volksgruppenführung, die vom Amt für Presse und Propaganda in die Tat umgesetzt wurde, begann mit dem Aufbau von Kontroll- und Aufsichtsinstanzen. Durch Werbeaktionen, die vom Schriftstellerverband veranstaltet wurden, etwa Dichterlesungen,<sup class="modern-footnotes-footnote ">13</sup> sowie durch Vergabe von Literaturpreisen wurden diejenigen Schriftsteller gefördert, deren Werke geeignet waren, die Politik der Volksgruppenführung zu unterstützen. Neben der parteiamtlichen Kontrolle prüfte das Amt für Presse und Propaganda die gesamte geistige und weltanschauliche Schulung der NSDAP der DViR sowie das gesamte Schrifttum, soweit es eine weltanschauliche, politische, kulturelle oder erzieherische Ausrichtung hatte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">14</sup> Darunter fielen selbst Romane. Die Jugendliteratur wurde außer vom Amt für Presse und Propaganda auch vom Propagandaamt der Landesjugendführung und dem NS-Lehrerverband geprüft. Die von parteiamtlichen Stellen der Volksführung getragene Literaturpolitik beschränkte sich nicht nur auf Verbote für unliebsame Schriftsteller und deren Ausschaltung aus literarischen Gesellschaften, sondern schuf darüber hinaus durch die Kontrolle von Buchhandel und Büchereien und die Steuerung der Werbung durch die Kulturkammer einen Filter, durch den nur ein bestimmter Teil der publizierten (und nicht verbotenen) Schriften an die Öffentlichkeit gelangte. Damit diese Arbeit durchgeführt werden konnte, waren neben den 24 hauptamtlichen NS-Amtswaltern noch 738 ehrenamtliche tätig.<sup class="modern-footnotes-footnote ">15</sup></p>



<p>In den folgenden Jahren wurde immer deutlicher, wie lebhaft Alfred Hönig, Hauptschriftleiter der Südostdeutschen Tagezeitung – eine Art Völkischer Beobachter Südosteuropas –, und Hans Hartl, stellvertretender Chefredakteur derselben Tageszeitung, an der Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie in diesem Raum beteiligt waren. Um ihren Einfluss bei Volksgruppenführer Andreas Schmidt und beim Chef des Presse- und Propagandaamtes Walter May geltend zu machen, waren sie bereit, den Einfluss anderer zu zerstören.<sup class="modern-footnotes-footnote ">16</sup> Sie schreckten dabei nicht zurück, sich auch bei solchen anzubiedern, mit denen sie sonst nichts gemein hatten. Wenn man heute ihre Artikel in der Südostdeutschen Tageszeitung liest, wird man sich ihrer Formulierungskunst bewusst, die täuschen und verdecken wollte und doch freilegte, was die Nazi-Ideologie von ihnen verlangte. Es war eine Afterkunst spitzfindiger Scharlatanerie, heimtückischer Scharfmalerei, zynischer Doppelzüngigkeit von Ehrgeizigen in hohen NS-Posten.</p>



<p>Dass die Herausgeber der Neuen Kronstädter Zeitung im Jahr 1988 noch immer nicht begriffen hatten, welch verheerende Rolle Hans Hartl von 1940 bis zum 23. August 1944 im deutschen Siedlungsraum von Rumänien gespielt hatte, ist für einen halbwegs gebildeten Menschen nur schwer zu verstehen. Zum 75. Geburtstag von Hans Hartl würdigte ein gewisser „B“ dessen fragwürdige Verdienste, indem er folgende geschichtsfälschende Äußerung machte: „Hartl musste aus Rumänien fliehen, weil er – zu hoher Haftstrafe verurteilt – in den Jahren davor durchaus nicht im kommunistischen Sinne und Geiste Journalismus betrieben hatte“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">17</sup> Korrekt müsste es heißen: „in menschenverachtendem Sinne und Geiste Journalismus betrieben hatte“. Seine in der Würdigung angeführten Funktionen in der Bundesrepublik Deutschland als Leiter der Abteilung für Gegenwartsforschung am Südost-Institut, als Herausgeber des Wissenschaftlichen Dienstes Südosteuropa, als Gründer der Kulturpolitischen Korrespondenz und als Redakteur der Südosteuropa-Mitteilungen sowie als Präsidiumsmitglied der Südosteuropa-Gesellschaft und als „heimatpolitischer“ Sprecher und stellvertretender Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen hat Hartl dazu benutzt, die historische Entwicklung der Deutschen in Südosteuropa und ganz besonders in Rumänien in der Zwischen- und Kriegszeit sowie seine verhängnisvolle Rolle darin in nationalsozialistischem Sinne zu vertuschen und zu entstellen.</p>



<p>Wahrscheinlich ist zu keiner Zeit von Bürgern eines modernen Staates und von deutschen Volksgruppen in Ostmittel- und Südosteuropa jemals intensiver und beständiger analysiert, diskutiert und geflüstert, spekuliert und gehöhnt, geflucht und verdammt worden als in jenen Jahren, in denen die Nazis das Sagen hatten. Es war eine der Zeiten, in der man im deutschen Siedlungsraum von Rumänien lernte, dass schon allein die Ahnung, getäuscht und belogen zu werden, einen in die innere Emigration zwingen konnte, auch dann, wenn der Zweifel zwar nicht bestätigt, aber ebenso wenig beseitigt wurde – mochte ein Dementi noch so geschmeidig formuliert sein.</p>



<p>Im Zuge der Neuordnung des deutschen Pressewesens der NSDAP der DViR fand vom 7. bis 9. Februar 1941 in Hermannstadt eine Schulung statt, in der Walter May den Schrift- und Pressestellenleitern zu verstehen gab, dass in Zukunft ein reibungsloser Ablauf zwischen Volksgruppenführung und Presse gewährleistet werden müsse.<sup class="modern-footnotes-footnote ">18</sup> Von nun an bestimmte dieses Amt, was den Deutschen in Rumänien nützen oder schaden würde – der „Dienst am Volksganzen“ hatte nach May „hygienische Erfordernisse“ und musste der „Sanierung des Volkskörpers“ Rechnung tragen.</p>



<p>Was die deutsche Presse in Rumänien nach 1940 anbelangte, wurde eine „radikale Bereinigung durchgeführt“, sodass all jene Personen, die mit der Nazi-Politik der NS-Volksgruppenführung nicht einverstanden waren, aus den Redaktionen entfernt wurden. In Bukarest wurde eine Pressestelle der Volksgruppenführung ins Leben gerufen, die als Zentrale für das gesamte Nachrichtenwesen der deutschen Presse in Rumänien diente.</p>



<p>Den Journalisten wurde nicht nur vorgeschrieben, über welche Ereignisse sie berichten durften oder nicht, sondern auch wie sie diese zu kommentieren hatten, häufig auch, wie lang einzelne Artikel sein mussten oder durften und an welcher Stelle oder Seite der Zeitung sie platziert werden sollten. Zu allen für wichtig gehaltenen Fragen wurden den Journalisten (Artikelschreibern) ausformulierte Kommentare zugeteilt, die von den deutschen Zeitungen vollständig abgedruckt werden konnten.</p>



<p>Nach nur zwei Ausgaben betrug die Gesamtauflage der im März 1941 gegründeten <em>Südostdeutschen Tageszeitung</em> 15.000 Exemplare. Die Wochenzeitung <em>Südostdeutsche Landpost</em> hatte eine Auflage von 30.000 und <em>Schaffendes Volk</em> 47.000, während die Monatsschrift <em>Volk im Osten</em> mit einer Auflage von 2.500 Exemplaren erschien. Das monatliche Schulungsheft <em>Der Parteigenosse</em> trug zur weltanschaulichen und politischen Willensbildung bei. In einer kurzen Zeit (1. Juli 1941 bis 1. Juli 1942) wurden an monatlichen Pflichtschulungsabenden 32.000 Mitglieder und Amtswalter der Bewegung für die Arbeit innerhalb der Volksgruppe ausgebildet.<sup class="modern-footnotes-footnote ">19</sup> Sie erhielten die Anweisung, über Berufsangelegenheiten, besonders über Schulungskurse und Lehrgänge, die einer weiteren Indoktrinierung dienten, in der Öffentlichkeit Stillschweigen zu bewahren. Trotzdem konnte die detaillierte Reglementierung der deutschen Presse nicht verborgen bleiben. Die weitgehende Uniformierung der oben angeführten Zeitungen und Monatsschriften führte bald zu einem starken Verlust ihrer Glaubwürdigkeit. Die mit der Presseleitung befassten Personen reagierten darauf jedoch nicht mit einer teilweisen Liberalisierung der Pressepolitik, sondern versuchten im Gegenteil, eine Differenzierung zwischen den einzelnen Zeitungen und Monatsschriften durch noch intensivere Reglementierungen zu erreichen. Immer wieder wurden Sonderaufgaben an die einzelnen Blätter ausgegeben, die genau auf den entsprechenden Leserkreis abgestimmt waren, und schließlich wurden Artikel wie Rollen verteilt, die alle das gleiche Thema jeweils unter einem anderen Aspekt behandelten. Dadurch sollte Eigenständigkeit bei gleichzeitiger politischer und weltanschaulicher Geschlossenheit demonstriert werden.</p>



<p>Das entsprechende Monopol für Nachrichten, welche die Partei, ihre Gliederungen und angeschlossene Verbände betrafen, hatte – wie bereits erwähnt – das Amt für Presse und Propaganda, das die einheitliche Lenkung der deutschen Presse sicherte. Es war bemüht, Personen mit geringem nationalsozialistischem Engagement über deren berufliche oder private Interessen mit den Zielen der Volksgruppenpolitik bekannt zu machen und, wenn möglich, für deren Durchsetzung zu aktivieren. Das Prinzip der Politisierung gemeinhin als unpolitisch verstandener Bereiche der deutschen Presse galt auch für die einzelnen Zeitungen selbst: Feuilleton, Lokal- und Wirtschaftsteil, Sport- und Frauenbeilagen sollten so konzipiert werden, dass sie für den jeweils Interessierten die Eingangspforte zum Verständnis des politischen Werdegangs und Geschehens sein konnten.</p>



<p>Die aktive Propaganda setzte sich bis zum 1. September 1943 vor allem mit anstehenden Problemen wie „Für die deutsche Schule“, „Volksbeitrag“, „Alles für die Front“ oder „Die Waffen-SS ruft Dich“ auseinander. Vom 1. Juli 1942 bis zum 1. September 1943 wurden weitere „30.000 Parteigenossen und Parteianwärter an Hand des Schulungsheftes <em>Der Parteigenosse</em>, dessen Auflage von 2.500 auf 4.100 Exemplare erhöht wurde, politisch geschult“. Außerdem wurden „1.800.000 Exemplare verschiedener Propagandaschriften verteilt“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">20</sup></p>



<p>Mit so einem ausgeprägten und vielfältigen deutschen Pressewesen war es dem Presse- und Propagandaamt der NSDAP der DViR ein Leichtes, die deutsche Bevölkerung mit der nationalsozialistischen Ideologie zu infizieren. Die Nazi-Partei war keine Partei (Verband) mehr unter anderen, sondern etwas Anderes, Neues. Vor allem fielen die Gegner weg, die die Existenz der Partei infrage gestellt hätten. Walter May war sich dessen bewusst, dass die Presse nicht nur informieren, sondern auch instruieren müsse. Er betonte immer wieder, dass die Presse in der Hand der NS-Volksgruppenführung ein Musikinstrument sein müsse, auf dem sie spielen können müsse, dass sie ein ungeheuer wichtiges und bedeutsames Massenbeeinflussungsinstrument sei, dessen sich die Volksgruppenführung in ihrer verantwortlichen Arbeit bedienen könne. Das zu erreichen betrachtete May als eine seiner Hauptaufgaben:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Jeder einzelne Volksgenosse ist eingereiht in die große Erziehungsschule des Nationalsozialismus. Jeder einzelne wird dazu erzogen, der <em>Ewigkeit seines</em> <em>Volkes</em> zu dienen durch die Stärkung der nationalsozialistischen Gemeinschaft und dem tiefsten Zweck jeder Ordnung: Der Höherpflanzung des Lebens durch Hebung der besten Werte und Weitergabe des besten Blutes.<sup class="modern-footnotes-footnote ">21</sup></p></blockquote>



<p>Die Presse – berufen zum hingebungsvollen, stets opferbereiten Dienst für die NS-Volksgruppenführung – forderte von jedem, der zu ihrer Gestaltung mit berufen war, strenge Erfüllung auch der kleinsten Pflicht und höchstes Verantwortungsbewusstsein. Es war für jeden mitwirkenden Journalisten und Artikelschreiber erklärlich, dass er aus diesem Bewusstsein heraus in vorderster Linie mit ständigem Einsatz aller Kräfte für das Volksganze mitkämpfen musste. Dies festigte alle Schaffenden der deutschen Presse in Rumänien zu einem soliden Block, aus dem alle „Schlacke“ und alles, was gegen den Nationalsozialismus sprach, durch den harten Hammerschlag der Pflicht entfernt wurde. Die Objektivität war für die NS-Volksgruppenführung eine Gefahr, darum führte sie eine „Objektivität“ ein, die nur einen Wertmesser kannte: das Volk. Bei allem, was geschah, wurde zunächst gefragt: Nützt es den Deutschen in Rumänien oder schadet es ihnen? Schadete es ihnen aus Sicht der Volksgruppenführung, dann musste es verschwinden. Das geschriebene Wort sollte Aktionen auslösen und vorbereiten.Seit der Einsetzung von Andreas Schmidt zum Volksgruppenführer der Deutschen in Rumänien hatte der politische Kampf in der deutschen Presse Formen angenommen, wie sie bis dahin unbekannt waren. Die Bestimmungen des Presse- und Propagandaamtes bezüglich der Schriftmedien, die Verordnungen zur Bekämpfung politischer Gegner und die Verordnungen zum Schutze des deutschen Volkes waren der Reflex dieser Art des politischen Kampfes. Mit der Zusammenfassung des gesamten deutschen Kulturschaffens im Presse- und Propagandaamt war die Kulturpolitik einheitlich auf das Ganze, auf die deutsche Bevölkerung, ausgerichtet. Damit war die Presse als politischer Faktor und als kulturschaffende Einrichtung von der NS-Volksgruppenführung selbst geordnet und geleitet. Als körperschaftliches Einzelamt traf das Presse- und Propagandaamt seine Maßnahmen in Form von Anordnungen und Bekanntmachungen.</p>



<p>Seit der Einsetzung von Andreas Schmidt zum Volksgruppenführer der Deutschen in Rumänien hatte der politische Kampf in der deutschen Presse Formen angenommen, wie sie bis dahin unbekannt waren. Die Bestimmungen des Presse- und Propagandaamtes bezüglich der Schriftmedien, die Verordnungen zur Bekämpfung politischer Gegner und die Verordnungen zum Schutze des deutschen Volkes waren der Reflex dieser Art des politischen Kampfes. Mit der Zusammenfassung des gesamten deutschen Kulturschaffens im Presse- und Propagandaamt war die Kulturpolitik einheitlich auf das Ganze, auf die deutsche Bevölkerung, ausgerichtet. Damit war die Presse als politischer Faktor und als kulturschaffende Einrichtung von der NS-Volksgruppenführung selbst geordnet und geleitet. Als körperschaftliches Einzelamt traf das Presse- und Propagandaamt seine Maßnahmen in Form von Anordnungen und Bekanntmachungen.</p>



<p>Der politische Journalist musste auch im deutschen Siedlungsraum von Rumänien „Vollnationalsozialist“ sein, was als jene fast metaphysische Verbundenheit mit der Idee des Führers zu verstehen ist, die zur virtuosen Beherrschung politischer Stoffe unumgänglich erscheint. Er musste die Forderung der seelischen Verbundenheit mit den tragenden Ideen des Nationalsozialismus erheben, aus der die eigentliche schöpferische Fruchtbarkeit seiner Arbeit entströmte:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Die deutsche Revolution hat eine Umwertung aller Werte gebracht. Sie stellt den Grundsatz, dass „Gemeinnutz vor Eigennutz“ geht, der Auffassung früherer Geschlechter entgegen, dass das „höchste Glück der Erdenkinder die Persönlichkeit“ sei. Sie fordert, dass der einzelne Mensch sich willig und unbedingt der Parole fügt, die ihm von der Führung gegeben wird, während früher der ehrenwerte Mensch die letzten Weisungen von der Stimme seines Gewissens erhielt. Wenn früher jemand sagte, dass er nur seinem Gewissen folgen könne, wenn jemand nach einer Abstimmung mutig seine Sondermeinung zu Protokoll gab, so erregte er die Bewunderung seiner Mitbürger. Der nationalsozialistische Mensch von heute aber versteht ihn nicht. Er sieht in ihm einen Volksschädling, der, statt der Parole zu folgen, eigene Wege zu gehen versucht und dadurch die Ziele, die sich die Führung gesetzt hat, gefährdet. [&#8230;] Der Nationalsozialismus ist nicht nur eine nationale, sondern auch eine sozialistische Bewegung. Eine sozialistische Bewegung aber ist eine Gemeinschaftsbewegung. Sie muss den Individualismus ausrotten, wenn sie erreichen will, dass der Gemeinnutz wirklich über den Eigennutz gestellt wird.<sup class="modern-footnotes-footnote ">22</sup></p></blockquote>



<p>Nur wer dieses fanatische Gefühl für die Größe und Schicksalhaftigkeit der damaligen Zeit – wie Jickeli – besaß, konnte seine Aufgabe als politischer Journalist erfüllen. In diesem Sinne sind die Äußerungen von Jickeli, etwa: „So gesehen, ist der Nationalsozialismus gewiss die größte Revolution, die sich jemals in dem deutschen Volk abgespielt hat. [&#8230;] Unsere Siedlungsgruppe zeigt sich nur dann der neuen Zeit würdig, wenn wir geistig ein kleiner Teil der großen deutschen Revolution werden“,<sup class="modern-footnotes-footnote ">23</sup> so zu verstehen, dass nicht ein politischer Imperialismus, sondern eine Neuschöpfung der Welt durch den Nationalsozialismus entstehe. Freilich erfordern diese Gedankengänge Jickelis hohe geistige Fähigkeiten, ohne die solche weltanschaulichen Betrachtungen eines politischen Journalisten ihrer wesentlichen Aufgabe nicht entsprechen könnten.</p>



<p>So wie die NS-Volksgruppenführung war auch ihre Presse eine Apparatur, die einem Selbstzweck diente. Nur wenige fähige Köpfe ließen sich von der NSDAP der DViR nach 1940 begeistern, Männer wie Walter May,<sup class="modern-footnotes-footnote ">24</sup> Dr. Otto Fritz Jickeli,<sup class="modern-footnotes-footnote ">25</sup> Alfred Hönig,<sup class="modern-footnotes-footnote ">26</sup> Hans Hartl,<sup class="modern-footnotes-footnote ">27</sup> Josef Gaßner,<sup class="modern-footnotes-footnote ">28</sup> Hans Philippi<sup class="modern-footnotes-footnote ">29</sup> und Dr. Otto Ließ<sup class="modern-footnotes-footnote ">30</sup> standen mit Herz und Hirn gleichzeitig fast immer auch außerhalb der Redaktion in irgendeiner Formation aktiv unter der Fahne der NSDAP der DViR. Diese Jahre (1940 bis 1944) formten einen Typus von Journalisten im deutschen Siedlungsraum von Rumänien, der völlig neu und anders sein musste als derjenige vor 1940, einen Journalisten, der sein Können in erster Linie als Berufung auffasste – so wie Alfred Hönig und Hans Hartl –, der Kämpfer für die Verwirklichung der nationalsozialistischen Ideologie war. Dieser Journalistentypus hatte als Person den Journalisten der Vergangenheit überwunden, er war deshalb des Vertrauens der NSDAP der DViR würdig, denn er war in erster Linie Kämpfer der Partei. Der Nationalsozialismus hatte ihm ein neues journalistisches Ethos gegeben: das Ethos des Dienstes an der nationalsozialistischen Politik. Dieses Ethos, das sich in der deutschen Presse niederschlug, sollte der Welt die Gewissheit geben, dass dieser neue Journalist die politischen Gedanken des Führers verstand und dessen Parolen die seinigen seien, sodass er seinen Eindruck auf die Leser weiterwirken ließ. Hier lag seine Aufgabe. Er konnte das in der Weise tun, dass eine gute Schilderung nach Vorstellung der Partei daraus erwuchs. In welche Form er das Geschehen goss, das bestimmte das Presse- und Propagandaamt Walter Mays. Es musste jedenfalls ein Spiegelbild entstehen, das dem Leser die Politik der NS-Volksgruppenführung schmackhaft machte.</p>



<p>Dass die Neuordnung der deutschen Bevölkerung in Rumänien durch die NSDAP der DViR nach 1940 einen Wandel hervorrief, war von Anfang an jedem einsichtigen Deutschen bewusst. Und jene Redakteure, die gewillt waren, ihre sogenannte kulturelle Aufbauarbeit in einem umfassenden nationalsozialistischen Geist fortzusetzen, wurden von der NS-Volksgruppenführung voll und ganz unterstützt.</p>



<p>„Blut und Boden“, diese beiden Worte schließen das gesamte nationalsozialistische Programm in sich ein und waren daher aus der deutschen Presse von Rumänien nach 1940 – und teilweise auch schon in den 30er-Jahren – nicht mehr wegzudenken. Die Blut-und-Boden-Ideologie erhob die Rasse (Blut) zur Legitimation für eine Nation, sich auszudehnen und den Bestand des eigenen Volkes durch die Vernichtung anderer Völker und durch die Erschließung von Lebensraum (Boden) zu garantieren. Sie entstand aus dem Rassismus und dem Nationalismus des späten 19. Jahrhundert und wurde dann im 20. Jahrhundert zu einer der zentralen Dogmen des Nationalsozialismus. Der Siebenbürger Sachse August Georg Kenstler gab in den Jahren 1929 bis 1934 die Zeitschrift Blut und Boden heraus,<sup class="modern-footnotes-footnote ">31</sup> die dem völkischen politischen Lager entstammte und stark an der Verbindung der Landwirtschaft mit Rassefragen orientiert war. Die Zeitschrift, die mit dem Untertitel Monatsschrift für wurzelstarkes Bauerntum, deutsche Wesensart und nationale Freiheit bereits programmatische Züge aufwies, arbeitete eng zusammen mit einigen völkischen Institutionen sowie mit Sachs’, halte Wacht, der Zeitschrift heimattreuer Siebenbürger Sachsen und ihrer Freunde. Von Sachs’, halte Wacht, deren Herausgeber Fritz Fabritius war und als deren Schriftleiter August Georg Kenstler fungierte, erschienen nur zwei Hefte – 1927 und 1928 im Verlag für deutsche Art in Hellerau bei Dresden –, wobei die Redaktion zum Teil in Personalunion vom Herausgeber und dessen Freundeskreis besetzt war.</p>



<p>Noch bevor der NS-Funktionär Richard Walther Darré 1930 in München sein Blut-und-Boden-Buch veröffentlichte – das übrigens von Kenstler lektoriert wurde –, prägte Kenstler bereits den gleichnamigen Mythos, der später in der NS-Programmatik so großes Gewicht erhalten sollte. Doch die „Erbverbundenheit“ von Mensch und Erde war bei Weitem nicht die einzige Motivation.</p>



<p>Der Schaffung von „Erbgesundheitsämtern“ und der Zwangssterilisation „rassisch Minderwertiger“ stand man deutlich positiv gegenüber. Geistige Erneuerung, Führerprinzip, Schaffung einer Herrenschicht, völkische Siedlung im Osten, Wehrhaftigkeit und Kampfbereitschaft waren weitere gesellschaftliche Ziele der deutschen Presse in Rumänien. Die strikte Ablehnung des als Knechtschaftsinstrument empfundenen Versailler Vertrages, eine Gegnerschaft zum Marxismus, Bolschewismus, Pazifismus, Sozialismus, Kapitalismus, Judentum, Jesuitismus, zur Freimaurerei und Demokratie – all das waren Themen, mit denen sich die deutsche Presse im nationalsozialistischen Sinne auseinandersetzte.</p>



<p>Die „Reinhaltung der Rasse“ und die Widernatürlichkeit des demokratischen Prinzips beherrschte das deutsche Pressewesen in Rumänien:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Die Menschen gehen nicht an verlorenen Kriegen zu Grunde, sondern durch den Verlust ihrer Widerstandsfähigkeit, die nur dem reinen Blute zu eigen ist. Der Mensch ist ein Lebewesen, wie alle anderen und ist deshalb allen Naturgesetzen unterworfen. [&#8230;] Die Gegenauslese müsste beseitigt und durch natürliche Auslese ersetzt werden. Da das jedoch unmöglich ist, müssen wir uns auf Beseitigung der ärgsten Schäden beschränken. Die Asylierung von Menschen mit krankhaften Erbanlagen ist zwar wirksam, aber sie kostete das deutsche Volk allein im Jahre 1928 eine Milliarde Reichsmark, die den gesunden Menschen entzogen werden musste. So ist man zur „Sterilisierung“, Unfruchtbarmachung, geschritten, die den Betroffenen keinerlei Schäden oder Einschränkungen aufzwingt und trotzdem die Zeugung lebensunfähiger Kinder verhindert.<sup class="modern-footnotes-footnote ">32</sup></p></blockquote>



<p>In seinem Vortrag „Rasse und Volk“, der im Rahmen einer Veranstaltung des Instituts zur Erforschung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben gehalten wurde, betonte Dr. Albert Hermanns, dass die Geschichte gezeigt habe, dass Völker, die die „Rassengesetze außer acht ließen, verfielen“ und vom Erdboden verschwunden seien, „während die anderen, die die Gesetze des Blutes hochhielten, mächtig und größer wurden“. Darum sei es „Aufgabe der neuen deutschen Schule“ in Rumänien und der NS-Volksgruppenführung, „die Jugend so zu erziehen, dass sie biologisch denkt und handelt“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">33</sup></p>



<p>Das „Naturgesetz“ der „Abgeschlossenheit der Rassen“, von der Nazi-Ideologie durch Gleichsetzung menschlicher Rassen mit tierischen Arten „bewiesen“, ließ jede rassische Vermischung als widernatürlich und grotesk erscheinen. Das „Gesetz“ wurde von der deutschen Presse in Rumänien aufgegriffen und in verschiedenen Artikeln und Ansprachen dahingehend interpretiert, dass jede Rasse verschieden stark sei und daher die Rassenmischung immer eine Schwächung der stärkeren Rasse sei; eine Schwächung nicht nur ihrer physischen Leistungsfähigkeit, sondern auch eine geistige und moralische Schwächung. Das Rassenprinzip beanspruche die Erklärbarkeit des Menschen in der Ganzheit seines Seins:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Rasse ist Erde. Alles was erblich ist, hat mit Rasse zu tun und alles, was nicht erblich ist, hat mit Rasse nichts zu tun. [&#8230;] Wenn man erkennt, wie die Geschichte eines Volkes von den geistigen und seelischen Werten des Volkstums abhängt, so erkennt man die Rasse als geschichtsbildende Kraft. Schon diese Behauptung und Erkenntnis hat als Voraussetzung, dass die Rasseneigenschaften fortleben über Jahrhunderte und Jahrtausende und dass zu diesen Eigenschaften der Rasse auch geistige Fähigkeiten treten, die sich zusammen mit diesen Werten durch dieselben auswirken.<sup class="modern-footnotes-footnote ">34</sup></p></blockquote>



<p>Walter May sorgte dafür, dass die Deutsche Volksgruppe unter der Führung von Andreas Schmidt zu einer autoritären Führerbewegung umfunktioniert wurde, in der die großen Werte und Ideale der freiheitlichen Demokratie keinen Platz mehr fanden: Die Idee der Humanität wurde nicht nur in der Presse, sondern auch in unzähligen Broschüren, Flugschriften und Filmvorführungen als Gefühlsduselei verunglimpft. Die Freiheit der Persönlichkeit wurde bedingungslos dem Willen der Volksgruppenführung untergeordnet. Diese verschworene Kampfgemeinschaft, so wurde die angestrebte „nationalsozialistische Volksgemeinschaft“ von der deutschen Presse in Rumänien – ähnlich wie im Reich – propagiert, sollte durch eine Reihe von Maßnahmen zustande gebracht werden: durch Reinigung der Rasse, vor allem durch Überwindung der Klassengegensätze sowie durch Beseitigung aller trennenden Elemente wie Parteien, Ideologien, Konfessionen, und schließlich durch eine neue, artgemäße Erziehung und Ethik.</p>



<p>Das Amt für Presse und Propagandalegte den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Abschirmung des „deutschen Wesens“ von allen fremden Einflüssen: Alles Internationale war dem „Völkischen“ suspekt und verhasst, darum verfolgte das Amt ein Programm völkischer Autarkie auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens der Deutschen in Rumänien: Reinerhaltung des deutschen Blutes; Konzentrierung auf deutsches Denken unter Ausschaltung fremden Geistesgutes, insbesondere durch Ausmerzung widerdeutschen jüdischen Literaturgeistes; Pflege artgemäßer, das deutsche Wesen verherrlichender Kunst; Abschaffung früherer Vereine, Verbände und Institutionen und ihre Ersetzung durch einen völkischen Neuaufbau sowie die Ersetzung des jüdischen Gottes durch einen „deutschen Gott“.</p>



<p>Diese vom Amt für Presse und Propaganda aufgegriffenen und verfochtenen Ideen waren ein wesentlicher Bestandteil des nationalsozialistischen Denkens der Volksgruppenführung. Der Unterschied zwischen der Volksgruppenführung und den völkischen Formationen der NSDAP der DViR bestand darin, dass sie alles daran setzte, dieses gemeinsame Gedankengut in den aktuellen Tageskampf einzubeziehen. Mit Verachtung blickte sie auf die „theoretisierenden völkischen Sekten“ herab, was in jeder Ausgabe der deutschen Presse in Rumänien nach 1941 zu lesen war. Da für die Volksgruppenführung „völkisches Bewusstsein“ gleichbedeutend mit „deutschem Bewusstsein“ war, „völkische“ Ziele als „deutsche“ Ziele angesehen wurden und die deutsche Presse das gekonnt verbreitete, gelang es Andreas Schmidt und seiner Nazi-Clique unter Betonung der „nationalen“ Ziele der NSDAP der DViR, Anklang bei den Deutschen in Rumänien zu finden. Erstaunlich ist nur, dass diese Niveausenkung, dieser Kulturschwund und diese Verdummungsversuche die Intellektuellen im deutschen Siedlungsgebiet nicht mit Schrecken erfüllten.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="schlussbetrachtung">Schlussbetrachtung</h2>



<p>Was mich nach meiner Ausreise 1969 in die Bundesrepublik Deutschland bewegte, war das Nachdenken über die Zeit von 1933 bis 1945, die etwas Zwingendes, etwas Schicksalhaftes in mir auslöste. Es war das Beispiel der Siebenbürger Sachsen, die sich mit großen Anstrengungen und mit einer bewundernswerten Zähigkeit eine lebenswerte Heimat aufgebaut hatten. Weil sie oft bedroht wurden, umgaben sie sich mit Burgen und Mauern, die auch in ihre Seelen drangen. Die Sachsen wurden hart, hingen an ihren Grenzen, versuchten immer wieder, die Angreifer abzuwehren, die ihre Burgen unerbittlich bestürmten. Selten aber war der Zusammenstoß zweier Systeme – Demokratie und Nationalsozialismus – so folgenreich, kaum ein System so gewaltsam, so zerstörerisch wie der Nationalsozialismus und die moralischen Folgen so tiefgreifend, die Ratlosigkeit vor der eigenen Geschichte der Zwischen- und Kriegszeit so groß wie in den Jahrzehnten nach 1945. Das Leiden während einer Übergangszeit, die bitteren Erfahrungen, die Zerstörung ihres „Hab und Guts“ und der alten Werte sowie der Zweifel an einem erfüllten Leben – all das trug sich bei vielen Siebenbürger Sachsen und auch bei mir nach 1945 zu. Als ich dann, nach meiner Auswanderung in die Bundesrepublik Deutschland 1969, die Erklärungen und Behauptungen ehemaliger hoher Nazi-Funktionäre in der Landsmannschaftsführung der Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben in ihren Publikationen las, riefen sie bei mir eine tiefe Empörung hervor. Ich sah mich moralisch verpflichtet, in mehreren Veröffentlichungen gegen die innere Verknöcherung meiner Landsleute zu kämpfen und die Faktoren der politischen Entwicklung so darzustellen, wie sie in Wirklichkeit waren, und nicht, wie man sie gerne gehabt hätte. Dabei wurde ich von ehemaligen Nazis um Fritz Cloos ‒ ehemaliger SD-Mann und rechte Hand von NS-Volksgruppenführer Andreas Schmidt von 1940 bis Ende 1944, dann von 1956 bis 1987 aktiver Securitate-Agent und 1966 Gründer der Arbeitsgemeinschaft für südostdeutsche Volks- und Heimatforschung mit Sitz in Bad Tölz, in der er mit alten NS-Kameraden eine geschichtsrevisionistische Sicht der eigenen NS-Verstrickung pflegte und verbreitete – als Brunnenvergifter und Volksverräter geschmäht. Da ich wusste, was die sogenannten Ehemaligen damit bezweckten, wurde mir bewusst, dass ich nicht für alle betroffenen Landsleute oder gar alle meiner Generation, die von 1933 bis 1945 unter den Nazis leiden mussten, schreiben kann, sondern nur von meinem Gesichtswinkel her, wie etwa über die Verhältnisse, in denen ich groß geworden bin, und die damaligen Informationen, von den Einflüssen der Familie, der Schule und den Lehrern, die ich achtete und verehrte.</p>



<p>Da der heutigen Generation der Siebenbürger Sachsen die nationalsozialistische Zeit zu entfernt ist und ihr das historische Wissen und Denken weitgehend fehlt, habe ich diesen Aufsatz geschrieben. Als Gymnasiast habe ich hautnah die Fakten, um die es geht, in Siebenbürgen miterlebt. Und nur um die Darstellung der zeitgeschichtlichen Ereignisse geht es hier. Die Verdrängung eines Zeitalters wie das von 1933 bis 1945 wird niemandem gelingen, weil es viele unwiderlegbare Beweise gibt.</p>



<p>Auch nach 1945 versuchten ehemalige NS-Journalisten und NS-Funktionäre im Verband der Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben und nach 1950 in der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben den Trick der Nationalsozialisten gegen Andersdenkende durchzusetzen: „Man nehme eine wissenschaftliche Theorie und erkläre sie zur endgültigen und absoluten Wahrheit, auch wenn sie der gängigen wissenschaftlichen Praxis widerspricht.“ Bei einigen Deutschen und Akademikern aus Rumänien fand ihre Theorie Anklang, was die historische Aufarbeitung der Zwischen- und Kriegszeit eine Zeit lang bremste. Es gelang ihnen, die Faktoren der politischen Entwicklung in eine andere Richtung zu lenken und fälschliche Behauptungen aufzustellen<sup class="modern-footnotes-footnote ">35</sup> und so die Masse der Deutschen aus Rumänien zu täuschen.</p>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Dr. Johann Böhm</strong>, geb. 1929 in Botsch/Batoș, Rumänien, ist Historiker, Politologe, Germanist und Rumänist. Nach seiner Auswanderung 1969 setzte er sein in Klausenburg/Cluj-Napoca begonnenes Studium in Bochum und Köln fort. 1984 wurde er in Köln mit der Arbeit Das Nationalsozialistische Deutschland und die Deutsche Volksgruppe in Rumänien 1936–1944 promoviert. 1988 begründete er den Arbeitskreis für Geschichte und Kultur in Ostmittel- und Südosteuropa e.V., dessen Vorsitzender er lange Jahre war. 1989 erfolgte die Gründung der Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik, als deren Herausgeber er bis 2016 fungierte. Er ist Träger mehrerer Auszeichnungen, darunter der Hauptpreis der Nikolaus Lenau Kulturstiftung (1998) und die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2006).</p>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Hierzu zählten insbesondere die Nationalsozialistische Selbsthilfebewegung der Deutschen in Rumänien (NSDR) unter Fritz Fabritius, die sich ab 1934 Nationale Erneuerungsbewegung der Deutschen in Rumänien (NEDR) nannte, sowie die Deutsche Volkspartei Rumäniens (DVR) unter Alfred Bonfert und Waldemar Gust.</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Vgl. Johann Böhm: Die Deutschen in Rumänien und das „Dritte Reich“ 1933–1940. Frankfurt/M. 1999, S. 258f.</p>



<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Auszug aus der Rede Andreas Schmidts beim Gründungsakt der NSDAP der DViR am 9. November 1940. In: Nationalsozialistischer Volkstumskampf. Reden und Aufsätze eines Kampfjahres von Andreas Schmidt, Führer der Deutschen Volksgruppe in Rumänien. Herausgegeben vom Amt für Presse und Propaganda. Hermannstadt [1942].</p>



<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Walter May: Deutsche Kultursendung im Osten. In: Volk im Osten, Dezember 1941, S. 16.</p>



<p><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Vgl. Johann Böhm: Die Gleichschaltung der Deutschen Volksgruppe in Rumänien und das „Dritte Reich“ 1941–1944. Frankfurt/M. 2003, S. 120.</p>



<p><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Vgl. Klaus Popa (Hg.): Die Rumäniendeutschen zwischen Demokratie und Diktatur. Der politische Nachlass von Hans Otto Roth 1919–1951. Frankfurt/M. 2003, S. 645f., Nr. 378 und Nr. 391 III.</p>



<p><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> Vgl. Böhm: Die Deutschen in Rumänien und das „Dritte Reich“ 1933–1940, S. 258f.</p>



<p><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> Vgl. Punkt 1 des Programms der NSDAP.</p>



<p><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> Oberste politische Verwaltungs- und Gerichtsbehörde der Siebenbürger Sachsen zwischen 1486 und 1876. Ausführlich darüber in: Walter Myss (Hg.): Lexikon der Siebenbürger Sachsen. Thaur bei Innsbruck 1993, S. 364f.</p>



<p><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> Rede bei der Jugendkundgebung zur Prinz-Eugen-Feier am 12.10.1941. In: Nationalsozialistischer Volkstumskampf. Reden und Aufsätze eines Kampfjahres von Andreas Schmidt, S. 2.</p>



<p><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> Vgl. Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes Berlin (i.F.: PA AA), Inl. II D (R100543), Leistungs- und Lagebericht der Deutschen Volksgruppe in Rumänien vom Beginn des Russland-Feldzuges bis zum 1.7.1942, S. 19–22.</p>



<p><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> Vgl. PA AA, Inl. IIg / 214, Ganz geheim! An den Leiter der Volksdeutschen Mittelstelle, SS-Obergruppenführer Lorenz, Fuschl, den 16.1.1941, Blatt D 653141–654143.</p>



<p><a id="_ftn13" href="#_ftnref13">[13]</a> Vgl. PA AA, Inl. II D (R100543), Leistungs- und Lagebericht (wie Anm. 11), S. 19–22.</p>



<p><a href="#_ftnref14" id="_ftn14">[14]</a> Vgl. ebenda.</p>



<p><a href="#_ftnref15" id="_ftn15">[15]</a> Vgl. ebenda, S. 19.</p>



<p><a href="#_ftnref16" id="_ftn16">[16]</a> Vgl. Johann Böhm: Hitlers Vasallen der Deutschen Volksgruppe in Rumänien vor und nach 1945. Frankfurt/M. 2006, S. 77 und S. 90.</p>



<p><a href="#_ftnref17" id="_ftn17">[17]</a> Neue Kronstädter Zeitung, 15.10.1988, S. 5.</p>



<p><a href="#_ftnref18" id="_ftn18">[18]</a> Vgl. Schulung der Schriftleiter und Pressestellenleiter der Volksgruppe. In: Volk im Osten, H. 3 und 4, Februar 1941, S. 41.</p>



<p><a href="#_ftnref19" id="_ftn19">[19]</a> Vgl. PA AA, Inl. II D (R100543), Leistungs- und Lagebericht (wie Anm. 11), S. 21.</p>



<p><a href="#_ftnref20" id="_ftn20">[20]</a> PA AA, Inl. II D (R100543), Leistungs- und Lagebericht (wie Anm. 11), S. 17.</p>



<p><a href="#_ftnref21" id="_ftn21">[21]</a> Walter May: Ein Jahr Partei..In: Südostdeutsche Tageszeitung [i.F.: SdT], 31.10.1941.</p>



<p><a href="#_ftnref22" id="_ftn22">[22]</a> Dr. Otto Fritz Jickeli: Parole oder Gewissen? In: SdT, 8.4.1942.</p>



<p><a href="#_ftnref23" id="_ftn23">[23]</a> Dr. Otto Fritz Jickeli: Deutsche Revolution. In: SdT, 10.5.1942.</p>



<p><a href="#_ftnref24" id="_ftn24">[24]</a> Walter May, 1941–1944 Chef des Amtes für Presse und Propaganda der NSDAP der DViR.</p>



<p><a href="#_ftnref25" id="_ftn25">[25]</a> Dr. Otto Fritz Jickeli, bis 1941 Gauleiter von Siebenbürgen, nach 1941 NS-Spitzenjournalist der NSDAP der DViR.</p>



<p><a href="#_ftnref26" id="_ftn26">[26]</a> Alfred Hönig, Hauptschriftleiter der Südostdeutschen Tageszeitung, eine Art Völkischer Beobachter Südosteuropas.</p>



<p><a href="#_ftnref27" id="_ftn27">[27]</a> Hans Hartl, stellvertretender Chefredakteur der Südostdeutschen Tageszeitung und NS-Spitzenjournalist der NSDAP der DViR.</p>



<p><a href="#_ftnref28" id="_ftn28">[28]</a> Josef Gaßner, Hauptschriftleiter der Südostdeutschen Tageszeitung, Ausgabe Banat.</p>



<p><a href="#_ftnref29" id="_ftn29">[29]</a> Hans Philippi, Leiter der Abteilung „Presse“ der Arbeiterschaft der NSDAP der DViR.</p>



<p><a href="#_ftnref30" id="_ftn30">[30]</a> Dr. Otto Ließ, Hauptabteilungsleiter der NS-Volksgruppenführung und Stellvertreter von Volksgruppenführer Andreas Schmidt.</p>



<p><a href="#_ftnref31" id="_ftn31">[31]</a> Ausführlich darüber bei Johann Böhm: August Georg Kenstler, Herausgeber der Monatsschrift Blut und Boden und aktiver Vorkämpfer der nationalsozialistischen Agrarpolitik. In: Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik 15 (2003) H. 1, S. 19–43.</p>



<p><a href="#_ftnref32" id="_ftn32">[32]</a> Dr. Albert Hermanns: Rasse und Volk. Vortrag. In: SdT, 6.2.1942.</p>



<p><a href="#_ftnref33" id="_ftn33">[33]</a> Ebenda; vgl. auch Böhm: Die Gleichschaltung der Deutschen Volksgruppe in Rumänien und das „Dritte Reich“ 1941–1944, S. 126f.</p>



<p><a href="#_ftnref34" id="_ftn34">[34]</a> Univ. Prof. Dr. Eugen Fischer: Rasse als geschichtsbildender Faktor. Vortrag an der Temeschburger [korrekt: Temeswarer] Universität. In: SdT, 3.11.1941.</p>



<p><a href="#_ftnref35" id="_ftn35">[35]</a> Ausführlich darüber bei Johann Böhm, Klaus Popa: Vom NS-Volkstum- zum Vertriebenenfunktionär. Die Gründungsmitglieder des Südostdeutschen Kulturwerks München und der Landsmannschaften der Deutschen aus Rumänien, Ungarn und Jugoslawien. Frankfurt/M. 2014. Vgl. auch Böhm: Hitlers Vasallen der Deutschen Volksgruppe in Rumänien vor und nach 1945.</p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hierzu zählten insbesondere die Nationalsozialistische Selbsthilfebewegung der Deutschen in Rumänien (NSDR) unter Fritz Fabritius, die sich ab 1934 Nationale Erneuerungsbewegung der Deutschen in Rumänien (NEDR) nannte, sowie die Deutsche Volkspartei Rumäniens (DVR) unter Alfred Bonfert und Waldemar Gust.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Johann Böhm: Die Deutschen in Rumänien und das „Dritte Reich“ 1933–1940. Frankfurt/M. 1999, S. 258f.</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Auszug aus der Rede Andreas Schmidts beim Gründungsakt der NSDAP der DViR am 9. November 1940. In: Nationalsozialistischer Volkstumskampf. Reden und Aufsätze eines Kampfjahres von Andreas Schmidt, Führer der Deutschen Volksgruppe in Rumänien. Herausgegeben vom Amt für Presse und Propaganda. Hermannstadt [1942].</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Walter May: Deutsche Kultursendung im Osten. In: Volk im Osten, Dezember 1941, S. 16.</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Johann Böhm: Die Gleichschaltung der Deutschen Volksgruppe in Rumänien und das „Dritte Reich“ 1941–1944. Frankfurt/M. 2003, S. 120.</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Klaus Popa (Hg.): Die Rumäniendeutschen zwischen Demokratie und Diktatur. Der politische Nachlass von Hans Otto Roth 1919–1951. Frankfurt/M. 2003, S. 645f., Nr. 378 und Nr. 391 III.</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Böhm: Die Deutschen in Rumänien und das „Dritte Reich“ 1933–1940, S. 258f.</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Punkt 1 des Programms der NSDAP.</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Oberste politische Verwaltungs- und Gerichtsbehörde der Siebenbürger Sachsen zwischen 1486 und 1876. Ausführlich darüber in: Walter Myss (Hg.): Lexikon der Siebenbürger Sachsen. Thaur bei Innsbruck 1993, S. 364f.</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Rede bei der Jugendkundgebung zur Prinz-Eugen-Feier am 12.10.1941. In: Nationalsozialistischer Volkstumskampf. Reden und Aufsätze eines Kampfjahres von Andreas Schmidt, S. 2.</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes Berlin (i.F.: PA AA), Inl. II D (R100543), Leistungs- und Lagebericht der Deutschen Volksgruppe in Rumänien vom Beginn des Russland-Feldzuges bis zum 1.7.1942, S. 19–22.</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. PA AA, Inl. IIg / 214, Ganz geheim! An den Leiter der Volksdeutschen Mittelstelle, SS-Obergruppenführer Lorenz, Fuschl, den 16.1.1941, Blatt D 653141–654143.</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. PA AA, Inl. II D (R100543), Leistungs- und Lagebericht (wie Anm. 11), S. 19–22.</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. ebenda.</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. ebenda, S. 19.</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Johann Böhm: Hitlers Vasallen der Deutschen Volksgruppe in Rumänien vor und nach 1945. Frankfurt/M. 2006, S. 77 und S. 90.</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Neue Kronstädter Zeitung, 15.10.1988, S. 5.</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Schulung der Schriftleiter und Pressestellenleiter der Volksgruppe. In: Volk im Osten, H. 3 und 4, Februar 1941, S. 41.</div><div>19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. PA AA, Inl. II D (R100543), Leistungs- und Lagebericht (wie Anm. 11), S. 21.</div><div>20&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;PA AA, Inl. II D (R100543), Leistungs- und Lagebericht (wie Anm. 11), S. 17.</div><div>21&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Walter May: Ein Jahr Partei..In: Südostdeutsche Tageszeitung [i.F.: SdT], 31.10.1941.</div><div>22&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dr. Otto Fritz Jickeli: Parole oder Gewissen? In: SdT, 8.4.1942.</div><div>23&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dr. Otto Fritz Jickeli: Deutsche Revolution. In: SdT, 10.5.1942.</div><div>24&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Walter May, 1941–1944 Chef des Amtes für Presse und Propaganda der NSDAP der DViR.</div><div>25&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dr. Otto Fritz Jickeli, bis 1941 Gauleiter von Siebenbürgen, nach 1941 NS-Spitzenjournalist der NSDAP der DViR.</div><div>26&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Alfred Hönig, Hauptschriftleiter der Südostdeutschen Tageszeitung, eine Art Völkischer Beobachter Südosteuropas.</div><div>27&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hans Hartl, stellvertretender Chefredakteur der Südostdeutschen Tageszeitung und NS-Spitzenjournalist der NSDAP der DViR.</div><div>28&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Josef Gaßner, Hauptschriftleiter der Südostdeutschen Tageszeitung, Ausgabe Banat.</div><div>29&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hans Philippi, Leiter der Abteilung „Presse“ der Arbeiterschaft der NSDAP der DViR.</div><div>30&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dr. Otto Ließ, Hauptabteilungsleiter der NS-Volksgruppenführung und Stellvertreter von Volksgruppenführer Andreas Schmidt.</div><div>31&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ausführlich darüber bei Johann Böhm: August Georg Kenstler, Herausgeber der Monatsschrift Blut und Boden und aktiver Vorkämpfer der nationalsozialistischen Agrarpolitik. In: Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik 15 (2003) H. 1, S. 19–43.</div><div>32&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dr. Albert Hermanns: Rasse und Volk. Vortrag. In: SdT, 6.2.1942.</div><div>33&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ebenda; vgl. auch Böhm: Die Gleichschaltung der Deutschen Volksgruppe in Rumänien und das „Dritte Reich“ 1941–1944, S. 126f.</div><div>34&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Univ. Prof. Dr. Eugen Fischer: Rasse als geschichtsbildender Faktor. Vortrag an der Temeschburger [korrekt: Temeswarer] Universität. In: SdT, 3.11.1941.</div><div>35&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ausführlich darüber bei Johann Böhm, Klaus Popa: Vom NS-Volkstum- zum Vertriebenenfunktionär. Die Gründungsmitglieder des Südostdeutschen Kulturwerks München und der Landsmannschaften der Deutschen aus Rumänien, Ungarn und Jugoslawien. Frankfurt/M. 2014. Vgl. auch Böhm: Hitlers Vasallen der Deutschen Volksgruppe in Rumänien vor und nach 1945.</div><p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/nationalsozialistische-presse/">Die nationalsozialistische Presse- und Propagandaarbeit unter Volksgruppenführer Andreas Schmidt 1940 bis 1944 und die missbrauchte deutsche Minderheit in Rumänien</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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		<title>Korrekturen der stalinistischen Nationalitätenpolitik in Ungarn?</title>
		<link>https://halbjahresschrift.de/korrekturen-der-stalinistischen-nationalitatenpolitik-in-ungarn/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[IKGS-Admin_2]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Jan 2022 15:23:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2019–2020]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zu den Entwicklungen in den Jahren 1950 bis 1965 Ágnes Tóth Nach der kommunistischen Machtübernahme wurde die Nationalitätenpolitik in Ungarn1 – ähnlich, wie in den anderen Ländern des Sowjetblocks – gemäß den von Lenin ausgearbeiteten, dann von seinen Nachfolgern mehrfach modifizierten Prinzipien sowie durch die praktischen Erfahrungen in der Sowjetunion bestimmt.2 Lenins Ausgangspunkt war – [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading" id="zu-den-entwicklungen-in-den-jahren-1950-bis-1965">Zu den Entwicklungen in den Jahren 1950 bis 1965</h2>



<p>Ágnes Tóth</p>



<p>Nach der kommunistischen Machtübernahme wurde die Nationalitätenpolitik in Ungarn<sup class="modern-footnotes-footnote ">1</sup> – ähnlich, wie in den anderen Ländern des Sowjetblocks – gemäß den von Lenin ausgearbeiteten, dann von seinen Nachfolgern mehrfach modifizierten Prinzipien sowie durch die praktischen Erfahrungen in der Sowjetunion bestimmt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">2</sup> Lenins Ausgangspunkt war – entsprechend den Prinzipien des Marxismus –, dass die Identität einer gegebenen Person oder gesellschaftlichen Gruppe im Wesentlichen durch seinen, im Zuge des Klassenkampfes erstrittenen Status definiert werde. Die Aneignung der Macht sah er mittels der Schaffung und der Anwendung des demokratischen Zentralismus als gesichert an. Aus all dem folgte auch, dass er langfristig die gesellschaftsorganisierende Kraft und Bedeutung der nationalen Identität leugnete. Gleichzeitig rechneten sowohl Lenin als auch Stalin damit, dass man im Interesse der Festigung der Macht der Mehrheit bzw. der nach Hegemonie strebenden ethnischen Gruppe für längere oder kürzere Zeit gezwungen sein könne, die Selbstbestimmung und Autonomie der auf ihrem Territorium lebenden Nationalitäten sicherzustellen. Die Gewährung dieser Rechte betrachteten sie allerdings strikt als ein vorübergehendes Phänomen und als Mittel, um Konflikte, die im Laufe des historischen Zusammenlebens entstanden seien, zu lösen und damit die Hindernisse für eine spätere freiwillige Assimilation aus dem Weg zu schaffen.</p>



<p>„Die allgemeine menschliche Kultur, die in Richtung des Sozialismus fortschreitet, ist hinsichtlich ihres Inhalts eine proletarische Kultur, hinsichtlich ihrer Form eine nationale Kultur. Die proletarische Kultur hebt die nationale Kultur nicht auf, sondern verleiht ihr einen Inhalt. Und umgekehrt: Die nationale Kultur hebt die proletarische Kultur nicht auf, sondern gibt ihr eine Form“<sup class="modern-footnotes-footnote ">3</sup> – so Stalin im Jahre 1925, womit er für lange Zeit die Richtlinien der sozialistischen Minderheitenpolitik festlegte.</p>



<p>Aus dem Obigen – aus der Leugnung der Bedeutung der nationalen Bindung und dem Primat des proletarischen Internationalismus – folgte automatisch, dass im Sozialismus nicht nur die nationalen und Nationalitätenkonflikte ein Ende finden würden, sondern dass nach einer Übergangszeit auch die vollständige Assimilation der Minderheiten eintreten würde. Gemäß der sogenannten Automatismus-Konzeption sollten „die nationalen Bestrebungen der Sache des allgemeinen menschlichen Fortschritts, der das höchste Interesse auch der einzelnen Nationen darstelle, untergeordnet werden.“<sup class="modern-footnotes-footnote ">4</sup></p>



<p>In Ungarn begann die Adaption der leninistisch-stalinistischen Minderheitenpolitik zur Jahreswende 1949/50. Auch auf diesem Gebiet wurden sämtliche Vorstellungen und Schritte durch die Stellungnahmen der Partei bestimmt. Der Spielraum der verschiedenen staatlichen Organisationen sowie die Aktivitäten der Nationalitätenverbände und örtlichen Gemeinschaften wurde beendet oder auf ein Minimum beschränkt. Das angestrebte Stalin’sche Ideal „nationale Form, sozialistischer Inhalt“ verlangte in Wirklichkeit von allen Mitgliedern der Nationalitäten- und Mehrheitsgesellschaft eine vollständige Nationalitätslosigkeit. Die politische Macht ging währenddessen auf pharisäische Weise vor. Jede Manifestation, die in Zusammenhang mit einer nationalen Identität stand, wurde als „nationalistisch“ oder „chauvinistisch“ gebrandmarkt, gleichzeitig wurde aber in vielen Fällen die Gegensätze zwischen der Mehrheitsgesellschaft und den Minderheitengemeinschaften von ihr selbst geschürt. Dieses Mittel wandte sie insbesondere gegen die deutsche und die südslawischen Minderheitengemeinschaften an.</p>



<p>Die politische Macht schuf zwar in den Jahren zwischen 1949 und 1955 die rechtlichen Voraussetzungen für die gesellschaftliche Integration der deutschen Minderheit, sie beendete aber nicht ihre Stigmatisierung. Die Mitgliedschaft im nationalsozialistisch ausgerichteten „Volksbund der Deutschen in Ungarn“ wurde als politisch diskreditierender Faktor praktisch nicht nur auf die eine oder andere Person, sondern auf die gesamte Gemeinschaft bezogen. Der Kontakt zu vertriebenen Familienmitgliedern wurde nicht als menschliche Reaktion, sondern als Zusammenarbeit mit den Feinden des Sozialismus angesehen. Das verschlossene Verhalten der deutschen Minderheit innerhalb der lokalen Gemeinschaft, insbesondere gegenüber den Neusiedlern, wurde nicht ihrer marginalisierten Situation und ihrer Einschüchterung, sondern dem Weiterleben ihrer einstigen Organisation und Einheit zugeschrieben.</p>



<p>Die durch die Vertreibung zerstreuten örtlichen deutschen Gemeinschaften wandten sich tatsächlich allein ihrer Gemeinschaft zu und stützten sich in erster Linie auf das zwischen ihnen noch bestehende Beziehungsnetz und auf die gemeinsamen Sozialisationserfahrungen. Wenn sie es konnten, dann bildeten sie ausschließlich mit deutschen Mitgliedern eigene Produktionsgenossenschaften oder arbeiteten innerhalb der wirtschaftlichen Organisationen in eigenständigen deutschen Brigaden. Die Machthaber aber brandmarkten die elementarsten Anzeichen dieses Bestrebens bzw. dieses Zusammenhaltens, ihre aktive Religionsübung und die Bevorzugung ihrer eigenen Kultur bereits als Chauvinismus.</p>



<p>Auch die Partei- und Ratsorgane der verschiedenen Ebenen erkannten an, dass die Deutschen fleißig seien. Sie würden ihrer Ablieferungs- und Steuerpflicht rechtzeitig und vollständig nachkommen und in den Industriebetrieben eine herausragende Arbeit leisten. Ein Mitarbeiter der Staatssicherheitsbehörde (Staatssicherheitsdienst) ÁVH des Komitats Baranya formulierte es in einem Bericht folgendermaßen: Sie haben die „Bedeutung der Staatsdisziplin“ erkannt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">5</sup></p>



<p>Die Parteiführung erwartete von den Mitgliedern der örtlichen Partei- und Räteapparate, die in früheren Jahrzehnten aufgestauten wirtschaftlichen und sozialen Spannungen zu beenden und die Deutschen dazu zu bringen, gemäß den Stalin’schen Postulaten der These von der „nationalen Form, sozialistischen Gesellschaft“ in die Partei- und Massenorganisationen einzutreten. Hierdurch sollten sie politisch pazifiziert werden. Dies war allerdings nicht nur aufgrund der personellen Zusammensetzung der lokalen Apparate – also der mangelnden Bildung ihrer Funktionäre und widersprüchlicher Interessenslagen –, sondern auch wegen des Widerstands der Deutschen nicht zu verwirklichen. Ihre Mehrzahl wurde aufgrund der Kollektivbestrafung und Vermögensenteignung wegen ihrer Tätigkeit in der Volksbundorganisation von der geringsten politischen Rollenübernahme abgeschreckt.</p>



<p>Im Interesse der Sicherstellung der totalen Kontrolle durch die Partei wurde in den Jahren 1950/51 die innere Struktur der Nationalitätenverbände umgestaltet und die Tätigkeit der Basisorganisationen auf dem Land verboten. Die Verbände wurden durch die Reorganisation zugleich zu Massenorganisationen und zu staatlichen Ämtern, die zum Ministerium für Volksbildung gehörten. Ihre Aktivitäten wurden auf das kulturelle Gebiet beschränkt, und innerhalb dieses Bereichs auf die Organisation von Gruppen zur Traditionspflege, auf die Koordinierung von Kulturveranstaltungen der nationalen Minderheiten (wie die Auftritte von Chor-, Tanz- und Orchestergruppen) sowie auf die Abhaltung von populärwissenschaftlichen Vorträgen.</p>



<p>Nach dem Tode Stalins kam es infolge des beginnenden Öffnungsprozesses in der Sowjetunion bzw. entsprechend der direkten Anweisungen der sowjetischen Parteiführung auch innerhalb der ungarischen kommunistischen Partei zu einer Machtverschiebung.</p>



<p>Die grundsätzliche Regelung der Nationalitätenfrage gehörte – verständlicherweise – nicht zu den entscheidenden Aufgaben der von Imre Nagy verkündeten „neue[n] Phase“. Es ist allerdings offensichtlich, dass die Milderung der politischen Diktatur und die Veränderung der wirtschaftspolitischen Schwerpunkte auch die Nationalitätenbevölkerung positiv berührten. Die Gesetzesdirektive, die der Ministerrat am 24. Juli 1953 zur Praktizierung einer allgemeinen Amnestie annahm, bzw. die Beendigung der Polizeihaft (Internierung) sowie die teilweise Aufhebung der Ausschließungen wirkte sich besonders auf die deutsche und südslawische Bevölkerung positiv aus.<sup class="modern-footnotes-footnote ">6</sup></p>



<p>Der Regierungsantritt von Imre Nagy im Juni 1953 wurde in den Nationalitätendörfern von positiven Erwartungen begleitet. Zum einen befürworteten sie die Möglichkeit der Auflösung schlecht funktionierender Produktionsgenossenschaften und die Zurückdrängung der Investitionen in der Schwerindustrie, zum anderen hofften sie auf eine Beendigung der Diskriminierung der Nationalitäten und auf eine Stabilisierung der Eigentumsverhältnisse.<sup class="modern-footnotes-footnote ">7</sup> Und die Deutschen warteten auf die – lange verwehrte – Genehmigung, insbesondere ihre einst beschlagnahmten Häuser zurückkaufen zu können.</p>



<p>Die Zentralabteilung für Agitation und Propaganda der Ungarischen Partei der Werktätigen (MDP) warf in der zweiten Jahreshälfte 1953 den Gedanken auf, dass es notwendig sei, die gesellschaftliche Situation der Nationalitäten und die lokale Verwirklichung der Nationalitätenpolitik systematisch offenzulegen und die Frage vor das Politbüro zu bringen. Hierzu sollte es allerdings erst zwei Jahre später, nach der Entmachtung Imre Nagys, in der Phase der Restauration kommen.</p>



<p>Das tatsächliche Ziel der von der Abteilung für Wissenschaft und Kultur der Zentralen Führung der Partei der Ungarischen Werktätigen koordinierten, im Herbst 1955 durchgeführten Erhebung war es allerdings nicht – wie die Gesichtspunkte der Datensammlung und noch mehr die Ereignisse der folgenden Jahre zeigen –, die rechtlichen und institutionellen Möglichkeiten zur Wahrung der Identität der Nationalitäten zu stärken. Die kommunistische Partei wollte sich vielmehr vor allem über die Assimilationswirkung des sozialistischen Strukturwechsels und der teils vernachlässigenden, teils diskriminierenden Nationalitätenpolitik auf die einzelnen Gemeinschaften informieren.</p>



<p>Die Datensammlung erstreckte sich in diesem Sinne auf die Untersuchung des Einflusses der Partei auf die Nationalitäten, des Verhältnisses der Nationalitäten zur Partei, der politischen Zuverlässigkeit der Nationalitäten sowie ihrer formalen anteilsmäßigen Repräsentation in den verschiedenen Gremien. In den Berichten erhielt die Analyse der Konflikte zwischen der Mehrheitsgesellschaft und den Nationalitäten sowie der Phänomene Nationalismus und Chauvinismus besonderes Gewicht.</p>



<p>Die wirtschaftliche Lage der Nationalitäten unterschied sich im Wesentlichen nicht von der Situation der Gesamtheit der dörflichen Gesellschaft. Die früher vorherrschenden Vermögensunterschiede wurden durch die Enteignung der Deutschen, die – im Falle der Südslawen, Rumänen und Slowaken – durchgeführte Zuteilungen von 5 bis 10 Katastraljoch Boden bzw. die Kollektivierung der Landwirtschaft nivelliert. Ähnlich wie die Mehrheit der Dorfbevölkerung arbeiteten sie entweder in Produktionsgenossenschaften oder wirtschafteten auf den Resten ihres Besitzes als selbstständige Landwirte. Trotz der materiellen Verluste, die die Deutschen nach dem Krieg erlitten hatten, kämpften sie sich bis Mitte der 1950er Jahre – aufgrund herausragender Arbeitsleistungen und dem Pendeln einzelner Familienmitglieder in Industriebetriebe – in die Mittelschicht der bäuerlichen Gesellschaft zurück.</p>



<p>Gemäß den Berichten der Partei waren hinsichtlich der Verwendung der Muttersprache und des Festhaltens an der eigenen Kultur bei den einzelnen Nationalitäten bereits beträchtliche territoriale Unterschiede festzustellen. Als allgemeines Merkmal wurde festgestellt, dass die Assimilation bei allen Nationalitäten weit fortgeschritten sei und sich der Sprachgebrauch auf den persönlichen und den Kontakt untereinander beschränke. Dies war keineswegs erstaunlich, da der lokale Staats- und Verwaltungsapparat in einzelnen Gemeinden den Deutschen einfach verboten hatte, ihre Muttersprache zu verwenden. Aber die Erwartung „sprich ungarisch, wenn du ungarisches Brot isst“ offenbarte sich auch im Falle der anderen Nationalitäten. Früher war in Gemeinden, in denen Ungarn, Deutsche und Südslawen zusammenlebten, abhängig von der jeweiligen Kontaktsituation zwischen den Sprachen gewechselt worden. Bis Mitte der 1950er Jahre trat dieses Phänomen vollständig in den Hintergrund. Als einziger öffentlicher Ort der Verwendung der Muttersprache verblieb die Kirche. Gemäß den Berichten war es beachtenswert, dass die ältere Generation und die kleinen Kinder vor Schulbeginn kaum Ungarisch konnten. Bei den Schulkindern und den Jugendlichen hingegen verringerte sich die muttersprachliche Kompetenz rasant, was das Ausbildungsniveau der Nationalitätenschule bzw. ihren Einfluss auf den Sprachgebrauch gut vor Augen führte. Natürlich wurde die Ausschließlichkeit der Verwendung der ungarischen Sprache auch durch Erfahrungen, wie sie die Einwohner von Drávasztára machten, bekräftigt: „Egal, wohin sie sich bei den Kreisorganen und im Handel wenden, sie kommen nur mit der ungarischen Sprache weiter.“<sup class="modern-footnotes-footnote ">8</sup></p>



<p>Die Traditionen und Kultur der Nationalitäten betrachtete der Komitatsapparat in der Regel als – im Vergleich zur Mehrheitsgesellschaft – untergeordnet. Das Festhalten der Minderheiten an der Muttersprache und an den Volkstraditionen wurde als übertrieben und nationalistisch verurteilt. Für ethnografische Forschungen wurden weder die materiellen noch persönlichen Voraussetzungen sichergestellt.</p>



<p>Obwohl in vielen Gemeinden Kulturgruppen (Tanz, Theater und Musikgruppen) gegründet worden waren, waren die Bedingungen für ihre Tätigkeit nicht sichergestellt. Die lokale Verwaltung unterstützte die Leitung der Kulturgruppen durch die Nationalitätenverbände und das Auftreten der Gruppen nicht.</p>



<p>In Verbindung mit den Aktivitäten der Partei im Kreise der Nationalitäten – mit denen sich die Berichte ausführlich befassten – erkannten die Parteiausschüsse mit einer gewissen Selbstkritik an, dass auf diesem Gebiet keine regelmäßige und planmäßige Arbeit erfolgt sei. Sie betonten aber, dass sie diesbezüglich keine entsprechenden Informationen oder Anweisungen höherer Stellen erhalten hätten und deshalb in dieser Frage selbst ratlos seien.</p>



<p>In sämtlichen Komitatsberichten kann eine Dichotomie in der Anschauung festgestellt werden, die sich am markantesten bei der Parteiführung des Komitats Nógrád offenbarte: Einerseits hielt sie die Einengung der Nationalitätenpolitik auf das Gebiet der Kultur für schädlich, andererseits betrachtete sie die Stärkung des Selbstbewusstseins der Nationalitäten als gefährlich. Die „Nationalitätenfrage hat sich in unserem Komitat ziemlich auf die Linie des Unterrichts und der Volkserziehung verschoben, obwohl es aber auch hier noch Einiges zu tun gibt. Man muss sich unbedingt mehr darum kümmern. Bei der Durchführung des Beschlusses ist dann allerdings aufzupassen, weil es sich um eine sehr empfindliche Frage handelt. Es gibt eine gewisse Furcht (auch ein Gefühl von Schande, weil „sie“ nur Slowaken [Totok]<sup class="modern-footnotes-footnote ">9</sup> seien!) und es besteht auch Ratlosigkeit (hat es einen Sinn, sich intensiver damit zu beschäftigen, was ist die Perspektive?). Bereits jetzt, da mehrere Organe die Frage untersuchen, wagen es viele nicht, eine Erklärung abzugeben, sie wissen nicht, warum wir uns jetzt damit befassen.“<sup class="modern-footnotes-footnote ">10</sup></p>



<p>Manifestationen des ungarischen Nationalismus erhielten hingegen sogar institutionelle Unterstützung. Die örtliche Gesellschaft spürte genau, dass die Staats- und Parteiorganisationen der gesamten deutschen und südslawischen Gemeinschaft nicht vertrauten und diese – unter Berufung auf ihr Verhalten in der Vergangenheit – verurteilten. Die deutschen Muttersprachler wurden als Kriegsverbrecher, die Südslawen als Titoisten betrachtet. Die verschiedenen Behörden waren, auch wenn sie dieses Verhalten nicht direkt nährten, gegenüber nationalitätenfeindlichen Äußerungen nachsichtiger.</p>



<p>In der zum Kreis Villány gehörenden Gemeinde Pécsdevecser verhinderten ungarische Siedler, dass der Deutsche János Hoffmann, der die Genossenschaftsgruppe seit Jahre erfolgreich führte, sein leerstehendes Haus zurückerhielt. Sie argumentierten, dass es einen Präzedenzfall schaffen würde, wenn ein Schwabe in sein Haus zurückziehen könnte. Obwohl sich der Kreisparteiausschuss ursprünglich dafür ausgesprochen hatte, dem Ersuchen stattzugeben, wich er schließlich aufgrund der Forderung der ebenfalls kommunistischen Siedler zurück. In Lippó versuchten Ungarn aus der Slowakei mit dem Aufruf „uns Ungarn sollen diese 10% Südslawen nicht führen“, eine Absetzung des südslawischen Ratsvorsitzenden zu erreichen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">11</sup></p>



<p>Nach der Zustimmung der Führungsgremien der Partei verabschiedete die Zentrale Führung der Partei der Ungarischen Werktätigen am 21. Mai 1956 ihren Beschluss über die politische, kulturelle und Unterrichtsarbeit unter den Minderheiten in Ungarn. Der Beschluss wurde allerdings nicht an die Öffentlichkeit gebracht. Den vollständigen Text erhielt nur ein enger Kreis von Parteiführern und der Ministerrat.<sup class="modern-footnotes-footnote ">12</sup></p>



<p>Auf eine für die damalige Zeit charakteristische Weise stellte der Beschluss der Zentralen Führung (auch) bezüglich der Nationalitätenpolitik fest, dass diese einerseits „in die richtige Richtung gehe und den Lehren des Marxismus-Leninismus entspreche“, dass es andererseits „bei der Verwirklichung aber noch Fehler und Unzulänglichkeiten“ gebe.</p>



<p>Als Ziel wurde formuliert, die Minderheiten effektiver in den Aufbau des Sozialismus einzubeziehen, ihnen eine Bildung in der Muttersprache zu gewährleisten, die Gegensätze zwischen den Nationalitäten zu beenden und wechselseitiges Vertrauen zu schaffen. Unter Berücksichtigung der Feststellungen in den Komitatsberichten erkannte der Bericht zwar die Probleme an, die auf dem Gebiet des muttersprachlichen Unterrichts und der zahlenmäßig proportionalen Repräsentation im Staatsapparat bestanden, also die Diskriminierung der Deutschen und der Südslawen, zu ihrer Überwindung unterbreitete er aber keinerlei konkrete Vorschläge. Und auch die einzelnen Ministerien wurden nicht angewiesen, konkrete Maßnahmen zur Lösung der signalisierten Probleme zu unternehmen. Auch die Intensität des Assimilierungsprozesses wurde eingestanden, er wurde aber auf die Nachwirkung der Nationalitätenpolitik in der Zwischenkriegszeit zurückgeführt. Aufgrund der Qualifizierung als „streng geheim“ konnten weder die Betroffenen noch die Räteapparate der Komitate und Kreise Einblick in das Dokument nehmen. Lediglich auf Parteimitgliederversammlungen im kleinen Kreis wurden seine wichtigsten Feststellungen vorgestellt. Der Beschluss hatte keinerlei Auswirkungen auf die Lage der Nationalitäten – und konnte auch keine haben.<sup class="modern-footnotes-footnote ">13</sup></p>



<p>Während der Revolution 1956 wurde die Minderheitenfrage nicht oder nur wenig diskutiert. Im Gegensatz zu den ungarischen Gemeinschaften im Ausland formulierten die Nationalitäten in Ungarn im Grunde keine eigenen Nationalitätenforderungen. Sie beteiligten sich an den örtlichen revolutionären Ereignissen und ihre Forderungen stimmten mit den Bestrebungen der Mehrheitsgesellschaft, die sich die Gewährung der Bürgerrechte und die Erkämpfung der Unabhängigkeit zum Ziel setzte, überein. Die Tatsache der Teilnahme der Nationalitäten an den Ereignissen wird auch dadurch ersichtlich, dass sie in den revolutionären Organen – in den Nationalausschüssen und in den Arbeiterräten –Funktionen übernahmen. Die Deutschen und Südslawen wollten damit auch eine Überwindung des Stigmas der Kollektivschuld und eine Beendigung ihrer früheren vermögensrechtlichen und staatsbürgerlichen Diskriminierung erreichen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">14</sup></p>



<p>Einige Monate nach der Revolution signalisierte die Partei- und Staatsführung, dass sie nicht nach einer Vertiefung der Konflikte mit den Minderheiten, sondern nach ihrer Lösung strebe. In einer im Juni 1957 für die Regierung erstellten Vorlage wurde erklärt, die Nationalitäten seien „zur Zeit der Konterrevolution im Allgemeinen der Volksmacht treu geblieben“ und hätten „in ihrer Mehrheit die sich im Nationalismus verbergenden Gefahren erkannt. Nur ab und zu gab es Personen, die die Ereignisse zur Abhilfe ihrer individuellen Unbilligkeiten ausnutzen wollten.“<sup class="modern-footnotes-footnote ">15</sup></p>



<p>Im Interesse der Stabilisierung und Legitimierung ihrer Position ging die neue politische Führung parallel zu ihren Vergeltungsmaßnahmen daran, die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen zu pazifizieren. Es kann als Teil dieses Prozesses betrachtet werden, dass sich verschiedene Gremien der obersten Staats- und Parteiorganisationen in der zweiten Jahreshälfte 1957 erneut mit der Situation der Nationalitäten befassten.</p>



<p>An erster Stelle wurde auf eine Regelung des Rechtsstatus der Minderheiten gedrängt. Diesbezüglich wurde argumentiert, man habe „die Rechte der Nationalitäten bislang nicht umfassend geregelt, weswegen es notwendig [sei], eine Verordnung zu erlassen, die die Nationalitätenrechte detailliert und zusammenfassend“ enthalte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">16</sup></p>



<p>Am 7. Oktober 1958 wurde der Beschluss über die politische, kulturelle und Unterrichtsarbeit unter den Nationalitäten vom Politbüro der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei veröffentlicht. Das Dokument bestimmte für lange Zeit die Grundprinzipien der ungarischen Nationalitätenpolitik.</p>



<p>Wenn wir den Text von den typischen sprachlichen Wendungen der marxistisch-leninistischen Phraseologie befreien – so beispielsweise von dem Satz „das Zentralkomitee wacht streng über die Einhaltung und Durchsetzung der Rechte der Nationalitäten“ –, dann bleiben nur wenige inhaltliche Elemente übrig.</p>



<p>Obwohl der Beschluss die diskriminierende staatliche Politik gegenüber den Deutschen und Südslawen berührte, so tat er dies einseitig und auf der Ebene von Allgemeinplätzen. Konkrete Lösungsvorschläge waren demgegenüber nicht enthalten. Verurteilend sprach er über die Rolle der Kirchen bei der Wahrung der Identität der Nationalitäten und bewertete die Tätigkeiten des Klerus als feindliche Propaganda und verhüllten Nationalismus. Sowohl bezüglich der ungarischen Mehrheitsgesellschaft als auch mit Blick auf die Nationalitätengemeinschaften wurde das Schwergewicht auf den Kampf gegen den Nationalismus gelegt. Den konkreten Gründen für nationalistische Manifestationen wurde keine Aufmerksamkeit geschenkt, diese wurden im Wesentlichen „auf die herabschätzende Politik des alten Systems gegenüber den nationalen Minderheiten“ zurückgeführt bzw. als Auswirkung der Zwangsmigration nach dem Krieg bewertet. Die Lage der Nationalitäten wurde mit der Gewährung der staatsbürgerlichen Rechtsgleichheit als gelöst betrachtet. Und als einziges Kriterium für ihre Beurteilung betrachtete man die Frage, „wie sie ihre Aufgaben beim sozialistischen Aufbau des Landes und wie sie ihre staatsbürgerlichen Pflichten erfüllen“ würden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">17</sup> Die Frage der Anerkennung der Bedürfnisse der Nationalitäten auf Gemeinschaftsebene wurde überhaupt nicht aufgeworfen. Den Nationalitätenverbänden wurde vielmehr vorgeschrieben, die „politische und kulturelle Aufklärungsarbeit mit sozialistischem Inhalt“ in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten zu rücken.</p>



<p>In der ersten Hälfte der 1960er Jahre wurden auf den verschiedenen Ebenen der Staats- und Parteiführung zu den verschiedensten Zwecken Meldungen und Berichte über die Wirkung des Politbüro-Beschlusses aus dem Jahre 1958 auf die Lage der Nationalitäten und über die Erfahrungen bei seiner Durchführung verfasst.<sup class="modern-footnotes-footnote ">18</sup> Die unausgesprochene, aber eindeutige Erwartung der Staats- und Parteiführung war, die Intensität der Assimilation zu steigern. Als geeignetes Mittel hierfür erwies sich die Ende der 1950er Jahre gewaltsam durchgeführte Kollektivierung der Landwirtschaft. Infolge dieser Maßnahme zerfiel die bäuerliche Gesellschaft endgültig, und die letzten Keime wirtschaftlicher Autonomie verschwanden. Ein bedeutender Teil der Dorfbewohner zog in die Städte und übernahm in verschiedenen Industriebetrieben Arbeit. Dieser Prozess traf die zu einem überwiegenden Teil auf dem Land lebende und sich mit Landwirtschaft beschäftigende Nationalitätenbevölkerung besonders schwer. Mit dem Umzug in die Stadt verloren sie ihre örtlichen Gemeinschaften, die bei der Bewahrung ihrer nationalen Identität eine wichtige Rolle gespielt hatten.</p>



<p>Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass sich die obersten Gremien der kommunistischen Partei in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre mit der Situation der Nationalitäten beschäftigten. Damit erweckten sie den Eindruck, dass die Minderheiten bzw. die Minderheitenpolitik sowohl in innenpolitischer als auch außenpolitischer Hinsicht eine Aufwertung erfahren würden. Meines Erachtens war das Verfassen der Beschlüsse der Zentralen Führung und des Politbüros durch taktische Erwägungen motiviert und bezweckte nicht die prinzipielle Regelung der Lage der Minderheiten. Der Automatismus war bereits nach dem Abschluss der Zwangsmigrationsprozesse seit dem Ende der 1940er Jahre zu einem entscheidenden Element der Nationalitätenpolitik geworden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">19</sup> Deklariertes Ziel der Parteibeschlüsse war es, die Prinzipien des Verhältnisses von Nationalitäten und Staat bzw. Partei zu definieren, dies wurde allerdings nur als Formalität betrachtet, als Teil einer – um eine heutige Wortwendung zu benützen – Kommunikationsstrategie. Die formulierten Prinzipien wurden nämlich in der Praxis nicht oder nur selten umgesetzt. Zweifellos gelang es der kommunistischen Partei in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre, auch den Führern der Minderheiten eine Zeit lang glauben zu machen, dass für sie die Nationalitätenpolitik eine höhere Bedeutung gewonnen habe und sie eine Korrektur der Stalin’schen Prinzipien betreibe, d. h., dass sie der Selbstorganisation der Nationalitäten und ihrer kulturellen Autonomie einen größeren Platz einräumen würde. Hierzu sollte es allerdings erst in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre kommen. Zu diesem Zeitpunkt musste (auch) die Parteiführung in Ungarn einsehen, dass es trotz des starken Assimilationsdrucks zu keiner Verschmelzung der Minderheitengemeinschaften mit der Mehrheitsgesellschaft gekommen war, dass also ihre gesellschaftliche Integration nicht durch die Leugnung ihrer nationalen Identität erfolgen konnte. Die ungarische Regierung wurde dann aber auch durch die Situation der ungarischen Minderheitengemeinschaften in den Nachbarstaaten zu einer Überprüfung ihrer Nationalitätenpolitik veranlasst.</p>



<p class="has-text-align-right">Übersetzung aus dem Ungarischen: Andreas Schmidt-Schweizer</p>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Ágnes Tóth</strong>, geb. 1961, Historikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Forschungszentrums für Sozialwissenschaften in Budapest. Studium der Geschichte und ungarischen Literatur an der József Attila-Universität in Szeged. Habilitation 2010 mit einer Arbeit über Rückkehr nach Ungarn 1946–1950. Erlebnisberichte ungarndeutscher Vertriebener. Berufliche Positionen zunächst als Bibliothekarin und als Archivarin, 1996 bis 2002 Direktorin des Komitatsarchivs Bács-Kiskun in Kecskemét. Seit 2002 am Institut für Minderheitenforschung in Budapest als stellvertretende Direktorin, 2010–2013 als Direktorin. 2015–2020 Leitung des Lehrstuhls für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der Universität Pécs.<br>Gremienarbeit u. a. am Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm (Wissenschaftlicher Beirat seit 2011) und in der Kommission für Geschichte und Kultur der Deutschen in Südosteuropa e. V. (Mitglied des Vorstands seit 2014).<br>Zahlreiche Publikationen zur Lage nationaler Minderheiten in Ungarn seit 1920, insbesondere zur Geschichte der Ungarndeutschen und den Zwangsmigrationen.</p>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> „Nationalitätenpolitik“ bezeichnet die Politik gegenüber den ethnischen bzw. nationalen Minderheiten; „Nationalitäten“ bezeichnet die ethnischen bzw. nationalen Minderheiten.</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Zu den grundlegenden Merkmalen der Lenin’schen und Stalin’schen Nationalitätenpolitik siehe Gerhard Seewann, A magyarországi németek története 1860–2006 [Geschichte der Deutschen in Ungarn 1860–2006], Bd. 2. Marburg, 2012, S. 372–377; Stefano Bottoni, A várva várt Nyugat. Kelet-Európa története 1944-től napjainkig [Der sehnlichst erwartete Westen. Geschichte Osteuropas von 1944 bis in die Gegenwart]. Budapest 2015, S. 88–92.</p>



<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Seewann, A magyarországi németek története, S. 375.</p>



<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Erzsébet Andics, Nemzetiségi kérdés, nemzetiségi politika [Nationalitätenfrage, Nationalitätenpolitik]. Budapest 1946, S.12.</p>



<p><a id="_ftn5" href="#_ftnref5">[5]</a> „In den drei untersuchten Gemeinden kommen die Werktätigen mit deutscher Muttersprache im Allgemeinen ihren Aufgaben in der Produktion gut nach, was sich daran zeigt, dass sie beispielsweise in Püspöklakon die meisten Arbeitseinheiten der Genossenschaftsmitglieder bilden, in Ófalun die werktätigen Bauern ihre Arbeit rechtzeitig erledigen und jeden Fußbreit der schwer zu bearbeitenden Fläche bestellen. [&#8230;] Die Werktätigen mit deutscher Muttersprache in diesen Gemeinden erfüllen ihre Abgaben zu 100 Prozent und haben keine Steuerschulden. Hier ragt insbesondere das Pflichtbewusstsein der deutschsprachigen Werktätigen der Gemeinde Ófalu heraus, denn Ófalu hat die Wanderfahne für Ablieferung erhalten (Bericht über die Bewertung der parteipolitischen Arbeit unter den deutschsprachigen Werktätigen, 2. Dezember 1952; Magyar Nemzeti Levéltár (Ungarisches Staatsarchiv, MNL), Baranya Megyei Levéltára (Kreisarchiv Baranya, BML) XXXV. 36., 2. cs. (Korrespondenz und Aufzeichnungen in Nationalitätenangelegenheiten), 73/4. ö.e.</p>



<p><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Törvények és Rendeletek Hivatalos Gyűjteménye – 1953 [Offizielles Kompendium der Gesetze und Verordnungen – 1953]. Budapest 1953, S. 14–15 und S. 193.</p>



<p><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> „In der Gemeinde Lapáncsa sagte József Havasi, dass er keinen Boden aus der LPG bräuchte, sie sollten damit machen, was sie wollten. Er verwendete drastische Ausdrücke und bemerkte, dass er auf alle Fälle die LPG verlassen werde. [&#8230;] Henrik Schmidt verbreitet in der Gemeinde (Illocska), dass die Volksbündler, Kulaken, Pfeilkreuzler und ausgesiedelten Schwaben jetzt zurückkommen würden, und sie würden alles zurückbekommen, was sie gehabt hätten, und wer jetzt in ihren Häusern wohne, würde vertrieben werden.” (ÁVH-Bericht, 9. Juli 1953; MNL BML XXXV. 36., 1. cs., 124. ö.e.).</p>



<p><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> Bericht von Nedusics Dragutity über die Nationalitätengemeinden, 2. Oktober 1955 (MNL OL M-KS 276. f., 91. cs., 83. ö.e.). Der örtliche Apparat leugnete das Vorhandensein von spezifischen Bedürfnissen der Nationalitäten auch an Orten, wo er selbst Anzeichen dafür aufzählte: „In der Gemeindebevölkerung wird die Tracht sehr stark gepflegt. [&#8230;] Der Anspruch, dass es einen ständigen Slowakisch-Unterricht oder irgendeine andere Form von Nationalitätenansprüchen geben solle, besteht nicht. Die Bestrebung des slowakischen Verbandes, sich eine Basis zu schaffen, besteht meines Erachtens nur deshalb, damit er seine Existenzberechtigung nachweisen kann. Obwohl die Älteren noch slowakisch [&#8230;] sprechen, kann man keinen einzigen Menschen treffen, der sich nicht als Ungarn bekennen würde. Sie sind auch verletzt, wenn die Nationalitätenfrage forciert wird.“ – schreibt der Sekretär des Exekutivausschusses Imre Lakatos (MNL OL M-KS 276. f. ,91. cs,. 84. ö.e. und Pártállam és nemzetiségek 1950–1973 [Parteistaat und Nationalitäten 1950–1973]. Zusammengestellt, annotiert und eingeleitet von Ágnes Tóth. Kecskemét 2003, S. 105–106.</p>



<p><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> Bis Ende des 19. Jahrhunderts verwendete man offiziell z. B. bei der Volkszählung (und auch als Selbstbezeichnung) das Wort „tót“ = „Slowake“. Im 20. Jahrhundert bekam das Wort „tót“ eine abschätzige Bedeutung.</p>



<p><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> MNL OL M-KS 276.f., 91.cs., 84.ö.e. und Pártállam, S. 178–185.</p>



<p><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> Bericht des MDP-Exekutivausschusses im Bezirk Villány, 20. Oktober 1955 (MNL OL M-KS 276.f., 91.cs., 83.ö.e.]</p>



<p><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> Sándor Balogh/ Levente Sipos (Hrsg.), A magyar állam és a nemzetiségek. A magyarországi nemzetiségi kérdés történetének jogforrásai 1848–1993 [Der ungarische staat und die Nationalitäten. Rechtsquellen der Geschichte der Nationalitätenfrage in Ungarn 1848–1993]. Budapest 2002, S. 680–688.</p>



<p><a id="_ftn13" href="#_ftnref13">[13]</a> Zur Bewertung des Beschlusses der Zentralen Führung vom 21. Mai 1956 siehe Balázs Dobos, A kisebbség joga. Kisebbségi törvénykezés Magyarországon (1988–2006) [Das Recht der Minderheit. Minderheitenrechtsprechung in Ungarn (1988–2006). Budapest 2011, S. 81–82.</p>



<p><a href="#_ftnref14" id="_ftn14">[14]</a> Zu den weiteren Zusammenhängen siehe Ádám Szesztay, Nemzetiségi kérdés a Kárpát- medencében 1956–1962. Az ötvenhatos forradalom hatása a kelet-közép-európai kisebbségpolitikára [Nationalitätenfrage im Karpatenbecken 1956–1962. Die Auswirkung der sechsundfünfziger Revolution auf die Minderheitenpolitik in Ostmitteleuropa]. Budapest 2003.</p>



<p><a href="#_ftnref15" id="_ftn15">[15]</a> Szesztay, Nemzetiségi kérdés, S. 58. Die Vorlage wurde von Kultusminister Gyula Kállai gezeichnet, der Ministerrat setzte sie aber nicht auf seine Tagesordnung.</p>



<p><a href="#_ftnref16" id="_ftn16">[16]</a> MNL OL, XIX-B-1-j (Hauptabteilung für Öffentliche Ordnung des Innenministeriums) 236/6-1498/1957.</p>



<p><a href="#_ftnref17" id="_ftn17">[17]</a> Pártállam, S. 285.</p>



<p><a href="#_ftnref18" id="_ftn18">[18]</a> Siehe hierzu Aufzeichung für Béla Köpeczi, 10. Juli 1961 (MNL OL M-KS MSZMP, 288.f., 1945–2004, 35. cs., 1964–1966, 9. ö.e.); Bericht von Zyulyevics János über die Erfahrungen mit dem Nationalismus, 28. September 1962 (XIX-I-4-g 12. t.); Aufzeichnung für die Abteilung für Wissenschaft und Kultur des ZK der MSZMP über die politische und kulturelle Arbeit unter den Nationalitäten, 23. April 1963 (XIX-I-4-g 4.t.); Bericht der Nationalitätenabteilung des Kultusministeriums über die unter den Nationalitäten zu verrichtende politische und kulturelle Arbeit, 3. Juli 1964 (XIX-I-4-g 4. t.); Bericht des MSZMP-Ausschusses im Komitat Nógrád, 3. April 1964 (M-KS 288. f., 35.cs., 11.ö.e.); Bericht des MSZMP-Ausschusses im Komitat Békés, April 1965 (M-KS 288.f., 35.cs., 9.ö.e.); Aufzeichnung für Béla Köpeczi, 26. Juli 1965 (M-KS 288., 35.cs., 9.ö.e).</p>



<p><a href="#_ftnref19" id="_ftn19">[19]</a> Die Prinzipien des Automatismus in der Nationalitätenpolitik besagten, dass alle Nationalitäten im Sozialismus innerhalb von zehn bis fünfzehn Jahren assimiliert werden würden, weil die nationale Identität nicht mehr zählt, sondern nur der Klassenstatus. Somit müsste die Regierung den Nationalitäten keine eigenen Schulen usw. zusichern.</p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;„Nationalitätenpolitik“ bezeichnet die Politik gegenüber den ethnischen bzw. nationalen Minderheiten; „Nationalitäten“ bezeichnet die ethnischen bzw. nationalen Minderheiten.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zu den grundlegenden Merkmalen der Lenin’schen und Stalin’schen Nationalitätenpolitik siehe Gerhard Seewann, A magyarországi németek története 1860–2006 [Geschichte der Deutschen in Ungarn 1860–2006], Bd. 2. Marburg, 2012, S. 372–377; Stefano Bottoni, A várva várt Nyugat. Kelet-Európa története 1944-től napjainkig [Der sehnlichst erwartete Westen. Geschichte Osteuropas von 1944 bis in die Gegenwart]. Budapest 2015, S. 88–92.</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Seewann, A magyarországi németek története, S. 375.</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Erzsébet Andics, Nemzetiségi kérdés, nemzetiségi politika [Nationalitätenfrage, Nationalitätenpolitik]. Budapest 1946, S.12.</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;„In den drei untersuchten Gemeinden kommen die Werktätigen mit deutscher Muttersprache im Allgemeinen ihren Aufgaben in der Produktion gut nach, was sich daran zeigt, dass sie beispielsweise in Püspöklakon die meisten Arbeitseinheiten der Genossenschaftsmitglieder bilden, in Ófalun die werktätigen Bauern ihre Arbeit rechtzeitig erledigen und jeden Fußbreit der schwer zu bearbeitenden Fläche bestellen. […] Die Werktätigen mit deutscher Muttersprache in diesen Gemeinden erfüllen ihre Abgaben zu 100 Prozent und haben keine Steuerschulden. Hier ragt insbesondere das Pflichtbewusstsein der deutschsprachigen Werktätigen der Gemeinde Ófalu heraus, denn Ófalu hat die Wanderfahne für Ablieferung erhalten (Bericht über die Bewertung der parteipolitischen Arbeit unter den deutschsprachigen Werktätigen, 2. Dezember 1952; Magyar Nemzeti Levéltár (Ungarisches Staatsarchiv, MNL), Baranya Megyei Levéltára (Kreisarchiv Baranya, BML) XXXV. 36., 2. cs. (Korrespondenz und Aufzeichnungen in Nationalitätenangelegenheiten), 73/4. ö.e.</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Törvények és Rendeletek Hivatalos Gyűjteménye – 1953 [Offizielles Kompendium der Gesetze und Verordnungen – 1953]. Budapest 1953, S. 14–15 und S. 193.</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;„In der Gemeinde Lapáncsa sagte József Havasi, dass er keinen Boden aus der LPG bräuchte, sie sollten damit machen, was sie wollten. Er verwendete drastische Ausdrücke und bemerkte, dass er auf alle Fälle die LPG verlassen werde. […] Henrik Schmidt verbreitet in der Gemeinde (Illocska), dass die Volksbündler, Kulaken, Pfeilkreuzler und ausgesiedelten Schwaben jetzt zurückkommen würden, und sie würden alles zurückbekommen, was sie gehabt hätten, und wer jetzt in ihren Häusern wohne, würde vertrieben werden.” (ÁVH-Bericht, 9. Juli 1953; MNL BML XXXV. 36., 1. cs., 124. ö.e.).</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bericht von Nedusics Dragutity über die Nationalitätengemeinden, 2. Oktober 1955 (MNL OL M-KS 276. f., 91. cs., 83. ö.e.). Der örtliche Apparat leugnete das Vorhandensein von spezifischen Bedürfnissen der Nationalitäten auch an Orten, wo er selbst Anzeichen dafür aufzählte: „In der Gemeindebevölkerung wird die Tracht sehr stark gepflegt. […] Der Anspruch, dass es einen ständigen Slowakisch-Unterricht oder irgendeine andere Form von Nationalitätenansprüchen geben solle, besteht nicht. Die Bestrebung des slowakischen Verbandes, sich eine Basis zu schaffen, besteht meines Erachtens nur deshalb, damit er seine Existenzberechtigung nachweisen kann. Obwohl die Älteren noch slowakisch […] sprechen, kann man keinen einzigen Menschen treffen, der sich nicht als Ungarn bekennen würde. Sie sind auch verletzt, wenn die Nationalitätenfrage forciert wird.“ – schreibt der Sekretär des Exekutivausschusses Imre Lakatos (MNL OL M-KS 276. f. ,91. cs,. 84. ö.e. und Pártállam és nemzetiségek 1950–1973 [Parteistaat und Nationalitäten 1950–1973]. Zusammengestellt, annotiert und eingeleitet von Ágnes Tóth. Kecskemét 2003, S. 105–106.</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bis Ende des 19. Jahrhunderts verwendete man offiziell z. B. bei der Volkszählung (und auch als Selbstbezeichnung) das Wort „tót“ = „Slowake“. Im 20. Jahrhundert bekam das Wort „tót“ eine abschätzige Bedeutung.</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;MNL OL M-KS 276.f., 91.cs., 84.ö.e. und Pártállam, S. 178–185.</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bericht des MDP-Exekutivausschusses im Bezirk Villány, 20. Oktober 1955 (MNL OL M-KS 276.f., 91.cs., 83.ö.e.]</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sándor Balogh/ Levente Sipos (Hrsg.), A magyar állam és a nemzetiségek. A magyarországi nemzetiségi kérdés történetének jogforrásai 1848–1993 [Der ungarische staat und die Nationalitäten. Rechtsquellen der Geschichte der Nationalitätenfrage in Ungarn 1848–1993]. Budapest 2002, S. 680–688.</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zur Bewertung des Beschlusses der Zentralen Führung vom 21. Mai 1956 siehe Balázs Dobos, A kisebbség joga. Kisebbségi törvénykezés Magyarországon (1988–2006) [Das Recht der Minderheit. Minderheitenrechtsprechung in Ungarn (1988–2006). Budapest 2011, S. 81–82.</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zu den weiteren Zusammenhängen siehe Ádám Szesztay, Nemzetiségi kérdés a Kárpát- medencében 1956–1962. Az ötvenhatos forradalom hatása a kelet-közép-európai kisebbségpolitikára [Nationalitätenfrage im Karpatenbecken 1956–1962. Die Auswirkung der sechsundfünfziger Revolution auf die Minderheitenpolitik in Ostmitteleuropa]. Budapest 2003.</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Szesztay, Nemzetiségi kérdés, S. 58. Die Vorlage wurde von Kultusminister Gyula Kállai gezeichnet, der Ministerrat setzte sie aber nicht auf seine Tagesordnung.</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;MNL OL, XIX-B-1-j (Hauptabteilung für Öffentliche Ordnung des Innenministeriums) 236/6-1498/1957.</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Pártállam, S. 285.</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe hierzu Aufzeichung für Béla Köpeczi, 10. Juli 1961 (MNL OL M-KS MSZMP, 288.f., 1945–2004, 35. cs., 1964–1966, 9. ö.e.); Bericht von Zyulyevics János über die Erfahrungen mit dem Nationalismus, 28. September 1962 (XIX-I-4-g 12. t.); Aufzeichnung für die Abteilung für Wissenschaft und Kultur des ZK der MSZMP über die politische und kulturelle Arbeit unter den Nationalitäten, 23. April 1963 (XIX-I-4-g 4.t.); Bericht der Nationalitätenabteilung des Kultusministeriums über die unter den Nationalitäten zu verrichtende politische und kulturelle Arbeit, 3. Juli 1964 (XIX-I-4-g 4. t.); Bericht des MSZMP-Ausschusses im Komitat Nógrád, 3. April 1964 (M-KS 288. f., 35.cs., 11.ö.e.); Bericht des MSZMP-Ausschusses im Komitat Békés, April 1965 (M-KS 288.f., 35.cs., 9.ö.e.); Aufzeichnung für Béla Köpeczi, 26. Juli 1965 (M-KS 288., 35.cs., 9.ö.e).</div><div>19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Prinzipien des Automatismus in der Nationalitätenpolitik besagten, dass alle Nationalitäten im Sozialismus innerhalb von zehn bis fünfzehn Jahren assimiliert werden würden, weil die nationale Identität nicht mehr zählt, sondern nur der Klassenstatus. Somit müsste die Regierung den Nationalitäten keine eigenen Schulen usw. zusichern.</div><p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/korrekturen-der-stalinistischen-nationalitatenpolitik-in-ungarn/">Korrekturen der stalinistischen Nationalitätenpolitik in Ungarn?</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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		<title>Ein offenes Feld und offene Türen</title>
		<link>https://halbjahresschrift.de/ekkehard-hallensleben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[IKGS-Admin_2]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Jan 2022 09:51:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2019–2020]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumente]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dr. Ekkehard Hallensleben im Gespräch mit Michaela Nowotnick Ekkehard Hallensleben war von 1965 bis 1969 der erste Kulturreferent der Handelsvertretung der Bundesrepublik Deutschland in Rumänien. Der promovierte Romanist und Germanist sprach mit Michaela Nowotnick über seine Bukarester Zeit und seine damalige Tätigkeit in dem Land, das sich unter Nicolae Ceaușescu Richtung Westen zu öffnen schien. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/ekkehard-hallensleben/">Ein offenes Feld und offene Türen</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading"><strong>Dr. Ekkehard Hallensleben im Gespräch mit Michaela Nowotnick</strong></h2>



<p><strong>Ekkehard Hallensleben war von 1965 bis 1969 der erste Kulturreferent der Handelsvertretung der Bundesrepublik Deutschland in Rumänien. Der promovierte Romanist und Germanist sprach mit Michaela Nowotnick über seine Bukarester Zeit und seine damalige Tätigkeit in dem Land, das sich unter Nicolae Ceau</strong><strong>șescu Richtung Westen zu öffnen schien.</strong></p>



<h4 class="wp-block-heading">Haben Sie vielen Dank, dass wir uns zu einem Gespräch über Ihre Zeit in Rumänien treffen können. Wenn man sich hier in Ihrem Haus umsieht, kann man das eine oder andere entdecken, das sicherlich aus Rumänien stammt, wie Hinterglasikonen oder siebenbürgisch-sächsische Krüge. Sie sind 1965, jenem Jahr, in dem Nicolae Ceaușescu die Nachfolge von Gheorghe Gheorghiu-Dej als Parteichef angetreten hatte, in den diplomatischen Dienst nach Bukarest gegangen. Woher stammt Ihre Faszination für Rumänien, und warum haben Sie sich für dieses Land entschieden?</h4>



<p>Ich habe mich mit den romanischen Sprachen beschäftigt, im Hauptfach Französisch studiert. Dann dachte ich, Rumänisch musst Du eigentlich auch noch lernen, und habe einen Sprachkurs – ich war an der Uni Köln mit meinen Examina – belegt. Im Herbst 1963 kamen Rumänien und die Bundesrepublik Deutschland überein, offizielle Beziehungen in der Form einer Handelsvertretung aufzunehmen – sozusagen Ostpolitik, die erst ab 1969 offiziell so genannt wurde, avant la lettre. Und für mich – ich hatte meinen Vorbereitungsdienst im Auswärtigen Amt beendet – stellte sich 1965 die Frage: „Wohin?“ – Da habe ich mich sofort für Rumänien gemeldet und diesen Posten auch bekommen. Es war schlichte persönliche Neugier, und ich wollte Rumänisch als weitere romanische Sprache lernen. Ich hatte von Rumänien keine Ahnung, und von Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben wusste ich praktisch ebenfalls nichts. Meine Sprachkenntnisse waren auch nicht weit gediehen. Das war eine Konstellation, in der sich die allgemeine Atmosphäre, der Wechsel von Gheorghiu-Dej zu Nicolae Ceaușescu 1965 in Rumänien und meine persönliche Situation trafen. Und so kam ich im Dezember 1965 dahin und wurde Ostern 1969 nach Bonn zurückversetzt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Wie kam es dazu, dass die Bundesrepublik Deutschland eine Handelsvertretung für ihre diplomatisch-kulturellen Tätigkeiten nutzte, und wie schätzen Sie das Interesse von Rumänien zur damaligen Zeit ein?</h4>



<p>Das waren sehr spannende Jahre. Rumänien war der erste der osteuropäischen beziehungsweise südosteuropäischen kommunistischen Staaten, der geraume Zeit vor den ‚Bruderstaaten‘ und der Sowjetunion den Schritt zur Normalisierung der Beziehungen zu uns tat. Wegen des Alleinvertretungsanspruchs<sup class="modern-footnotes-footnote ">1</sup> kam eine Aufnahme diplomatischer Beziehungen zunächst nicht in Frage; denn alle diese Länder hatten diplomatische Beziehungen mit der DDR. Also lief es in der Bundesrepublik Deutschland unter der Überschrift ‚Handelsvertretung‘. Eigentlich würde das bedeuten, dass nur Handelsinteressen verfolgt werden dürften. Es kam aber sofort eine gewisse konsularische Zuständigkeit hinzu. Und die Rumänen haben sich umgehend bereit erklärt, jemanden kommen zu lassen, der sich um kulturelle Beziehungen kümmert. Das war dann ich, als erster.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Wie setzte sich die Handelsvertretung zusammen, und wie wurde sie vom rumänischen Staat wahrgenommen?</h4>



<p>Es gab einen Chef, eine Stellvertreterin, und mich für Kultur und Presse – das waren die Referenten. Später kam noch jemand für Wirtschaft hinzu. 1967 habe ich auch den Übergang zur Botschaft erlebt, sodass wir – natürlich auf beiden Seiten – den vollen diplomatischen Status hatten. Der Alleinvertretungsanspruch führte dazu, dass es ständig Auseinandersetzungen darüber gab, wie wir uns auf Rumänisch nennen. Wir sagten „Germania“ im Nominativ. Die Rumänen gingen ja davon aus, dass es zwei Deutschlands gab. Deswegen benutzten sie die Genetivform „Republică Federală a Germaniei“. Das sollte zum Ausdruck bringen, dass wir nur ein Teilstaat waren. Wir verwendeten natürlich die Form „Republică Federală Germania“. Das war ein ausgesprochen politisches Problem. Aber da das Interesse an Beziehungen auf beiden Seiten überwog, haben wir und die Rumänen auf Durchzug gestellt, wenn – vor allem schriftlich – die jeweilige „falsche“ Form benutzt wurde.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Wie gestaltete sich Ihr Ankommen in Bukarest, und wie haben Sie dort gelebt?</h4>



<p>Zunächst wurden neue Mitarbeiter im Hotel untergebracht. Danach war man nicht wie in Moskau abgeschirmt in einem großen Block, sondern es gab ein <em>Oficiu pentru deservirea corpului diplomatic</em> (dt. Diplomatenbetreuungsbüro). Es hatte die Aufgabe, für die Diplomaten Unterkünfte zu beschaffen. Weil ich der erste auf dem Posten war, gab es also noch keinen Vorgänger, und es gab auch noch keine Vorgängerwohnung. Alle, die bis dahin aus Bonn beziehungsweise aus dem Westen gekommen waren, mussten warten, bis das <em>Oficiu</em> ein Haus oder eine Wohnung fand, die es anbieten konnte. Das hat bei uns sehr lange gedauert. Ich bin zunächst allein dorthin gegangen; ein halbes Jahr später kam meine Familie nach. Im Grunde viel zu früh, weil ich mich darauf verlassen hatte, dass die Zusage für ein Haus zeitlich klappen würde. Wir haben dann allerdings noch ein weiteres Jahr in Übergangswohnungen, auch im Hotel, wohnen müssen, bis es soweit war. Das Haus befand sich auf dem Bulevardul Dacia. Diese Anwesen wurden vom rumänischen Staat angemietet und zur Verfügung gestellt. Der rumänische Staat, das <em>Oficiu</em>, behielt die Hand darauf. Und deswegen stand es weiter zur Verfügung für die Nachfolger und Nachfolgerinnen.</p>



<p>Rumänisch habe ich hauptsächlich vor Ort gelernt. Von einer Studentin, die mir das beigebracht hat – und learning by doing. Zunächst fand ich das nicht ganz einfach, weil es vor allem im Wortschatz so viele slawische und auch türkische Einsprengsel gibt. Mit der Zeit habe ich mich mit dem Rumänischen sehr gut angefreundet und meine Frau auch.</p>



<p>Als ich wieder in Bonn war, hat mir das noch zwei besondere Aufgaben eingebracht. Nachdem Außenminister Brandt 1968 einen ersten politischen Akzent mit seinem Besuch in Rumänien gesetzt hatte, machte Ministerpräsident Ion Gheorghe Maurer 1969 einen „Gegenbesuch“ – also eine Hierarchiestufe höher – mit mehreren Stationen in Deutschland. Da es im Auswärtigen Amt noch keinen Dolmetscher für Rumänisch gab, fragte mich unser Sprachendienst, ob ich mir diese Aufgabe zutraue. Das bejahte ich ohne Umschweife – mein rumänischer Kollege und ich dolmetschten also jeweils in die Muttersprache. Das gleiche Vergnügen hatte ich ein weiteres Mal, als Bundespräsident Heinemann und seine Frau 1972 einen Staatsbesuch in Rumänien machten. Wie damals üblich, saß man bei Tisch unmittelbar hinter dem Sprecher – für mich also Präsident Ceaușescu – „auf dem Trockenen“, das heißt ohne Essen und Getränk (das wurde Jahre später nach vielen Bemühungen unserer Chefdolmetscher – man saß dann zwischen den Gesprächspartnern – „menschlicher“, ob auch praktischer habe ich nicht mehr ausprobieren können). Mein rumänisches Gegenüber war dieses Mal die mir gut bekannte Banater Schwäbin Hedi Hauser. Ich fand das Ganze spannend und unterhaltsam und hatte den großen Vorteil, dass ich, im politischen Referat unter anderem für Rumänien zuständig, die aktuellen Themen der Gespräche kannte und die Ausarbeitungen dazu für die deutsche Seite selbst verfertigt hatte.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Wie haben Sie Kontakt zu Institutionen und Personen aufgenommen?</h4>



<p>Ich fand ein offenes Feld und überall offene Türen vor. Die eine Seite war meine Neugier, und die andere Seite war das große Interesse der Menschen in Rumänien, mit dem westlichen Deutschland in Verbindung zu kommen. Das galt für Kultur besonders, für Wissenschaft aber auch. Infolgedessen, wo auch immer ich anklopfte, um meine ersten Besuche zu machen, um Verbindungen aufzunehmen, war große Bereitschaft vorhanden.</p>



<p>Ich bin systematisch vorgegangen und habe mit der Zeit, die – ich nenne sie mal: Provinzhauptstädte wie Hermannstadt (rum. Sibiu), Klausenburg (rum. Cluj-Napoca), Alba Iulia (dt. Karlsburg), Temeswar (rum. Timișoara) oder Iași (dt. Jassy) besucht. Dann habe ich mich bei allen möglichen Stellen von Zeitungsredaktionen bis zu Universitäten, bis zu Künstlern, Theatern und anderen Institutionen angemeldet und Besuche gemacht. Auf diese Weise habe ich Verbindungen aufgenommen und auch weiter gepflegt, natürlich auch zu Institutionen, die mit der deutschen Besiedlung zu tun hatten. So hat sich das beinahe von selbst entwickelt. Alles, was ich tat, musste auf meinem eigenen Mist wachsen. Zum Beispiel gab es eine Institution in Bukarest für die kulturellen Verbindungen zum Ausland, die Veranstaltungen im Ausland organisierte und durchführte und sich um die Besuche aus Deutschland kümmerte. Dort machte ich Besuch, damit man erfuhr, dass ich da bin und der künftige Ansprechpartner für jedwede Interessen der Rumänen bin. Zu den Universitäten bin ich gegangen und zu den Berufsorganisationen, zum Komponistenverband, Schriftstellerverband, Verband der bildenden Künstler und was es sonst noch gab, um zu sagen: „Hier bin ich, und ich kann für die Verbindung zur Bundesrepublik Deutschland von Nutzen sein.“ Es gab ja auch damals noch eine Generation, die nicht nur mit engen Verbindungen zu Frankreich und damit zur französischen Sprache groß geworden war, sondern mit Deutsch. Das waren die damals 50- bis 60-Jährigen, die auch teilweise zur Ausbildung in Deutschland gewesen waren, wissenschaftliche Beziehungen pflegten und fließend Deutsch sprachen. Da gab es also Anknüpfungspunkte; für diese Personen waren es Wiederanknüpfungspunkte. Ich sage bewusst Wiederanknüpfungspunkte, denn die DDR war ja schon längst da. Und mein Chef ließ mir bei allem völlig freie Hand.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Auf welchen Ebenen kam es zu einer Zusammenarbeit, und wie haben Sie in Rumänien und in Deutschland jeweils die Interessen des anderen vermittelt?</h4>



<p>Das ist eine Grundsatzfrage, wenn man einem Angehörigen des Außenministeriums gegenübersitzt, und dieser spricht von kulturellen Beziehungen. Was Angehörige von Botschaften tun, ist in jedem Falle zweiseitig. Einerseits sollen sie das, was ihr eigenes Land, das Entsendeland ausmacht, kulturell in Gesprächen oder auch peu à peu in Aktivitäten und Programmen vermitteln. Umgekehrt soll sich der Kulturreferent seinerseits über die kulturellen und wissenschaftlichen Aktivitäten in seinem Gastland informieren und die Heimatbehörde unterrichten. Und aus solchen Besuchen und Gesprächen ergeben sich dann unter Umständen Anknüpfungspunkte. Nach Jahren kam es dann auch – in allen diesen Fällen war Rumänien das erste Land – zur Eröffnung eines Goethe-Instituts in Bukarest. Da war ich aber schon nicht mehr vor Ort.</p>



<p>Über meine Reisen, die Kontakte und die Gespräche, die ich dort geführt habe, habe ich ans Auswärtige Amt natürlich ebenfalls berichtet – und auch die Reaktionen weitergegeben, die ich erfahren habe.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Befanden Sie sich in einer Konkurrenz mit den Vertretern der DDR, und standen Sie miteinander in Verbindung?</h4>



<p>Um es grob auszudrücken: Die Entsandten der DDR gerieten von einem Tag auf den anderen ins Hintertreffen, ohne dass ich etwas Besonderes dafür tun musste, denn das Interesse an Verbindung zum westlichen Deutschland war eben sehr groß, ob das Rumänen waren oder Siebenbürger Sachsen oder Banater Schwaben. Und für viele war es ein Wiederanknüpfen an frühere Zeiten. Wir sind zum Beispiel mit einem Geologen in sehr nahen Kontakt gekommen, der in Freiberg in Sachsen studiert und promoviert hatte. Er war sofort in der Vertretung und stellte sich vor, um wieder anzuknüpfen an die Zeiten der 1930er- und 1940er-Jahre, als er in Deutschland gewesen war.</p>



<p>Faktisch war es eine Konkurrenz zur DDR, auch wenn ich das so nicht empfunden habe. Ich habe festgestellt, dass das für die DDR-Leute natürlich schwierig war. Das konnte man auch bei großen Veranstaltungen sehen. Oft standen sie für sich zusammen und nicht unbedingt in der großen Schar der Gäste – und auch nicht so offensichtlich mit den Vertretern der anderen kommunistischen Länder. Und wenn wir dann beide da waren, von der einen und der anderen Seite, dann musste ich überhaupt nichts tun, um mit jemandem ins Gespräch zu kommen. Es war de facto eine Konkurrenz, aber keine gesuchte.</p>



<p>Kontakte zwischen unseren beiden Vertretungen waren damals noch gar nicht etabliert. Vonseiten der DDR sowieso nicht, die gingen auf absolute Distanz. Später war das anders, da war es gang und gäbe, dass man mit den Mitarbeitern der DDR-Botschaft dienstlichen Kontakt hatte. Zu meiner Zeit in Bukarest noch nicht.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Wie haben Sie das Kulturleben in Bukarest und die dortigen Kulturschaffenden erlebt?</h4>



<p>Diese Jahre von Ende 1965 bis Ostern 1969 waren für uns sehr prägend – nicht nur, weil es der erste Auslandsposten war, sondern eine gewisse offene und bereite Stimmung vermittelte. Ich muss hierbei immer wieder auf die einzelnen Personen kommen. Wenn Liviu Ciulei<sup class="modern-footnotes-footnote ">2</sup> mir zum Beispiel gesagt hat, kommen Sie zu mir ins Theater, und ich zeige Ihnen mein Haus, dann gingen wir natürlich hin. Und in der Pause haben wir mit ihm gesprochen. Damit hatte sich’s. Und wir konnten dann bald tatsächlich genug Rumänisch, um zum Beispiel im Bukarester Teatrul Mic Aufführungen auf Rumänisch zu verfolgen. Da sind wir dann hin. In die Oper und in die Konzerte sowieso. Opernsänger kamen zu mir ins Büro, weil sie hofften, ich könnte Engagements vermitteln. Bildende Künstler kamen, weil ich sie auf einer gesellschaftlichen Veranstaltung getroffen hatte. Sie sagten, „kommen Sie gern einmal in mein Atelier“, zum Beispiel Ion Pacea und Marcel Chirnoaga. Oder Marianne Ambrosi, die Malerin, oder das Ehepaar Jacobi – die waren Textilkünstler. Ich meldete mich zunächst überall einfach an. Dann war eine gewisse Verbindung da, und die blieb überwiegend beruflich, freundlich neutral. Aber sie vermittelte ja immer neue Eindrücke. Im Orchester in Klausenburg habe ich den Dirigenten Erich Bergel kennengelernt, mit dem wir dann auch mehrere Jahre befreundet waren. Die Begegnung mit dem dortigen Theaterchef Vlad Mugur ist mir noch heute in lebhafter Erinnerung. Es ergab sich einfach sehr viel durch meine Initiative, überall hinzugehen.</p>



<p>Ungefähr ein Mal pro Jahr war ich bei den Institutionen. Die Türen waren offen, und sie waren offen von beiden Seiten. Ich musste bloß ein bisschen was tun. Aber ich musste mich nicht über Gebühr bemühen. Und das war das Schöne. Ich kann mich nicht erinnern – wenn ich irgendwo versuchte, Besuche zu machen oder hinzugehen –, dass ich eine Abfuhr erhielt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Hat man auch über Probleme im kommunistischen Land gesprochen, zum Beispiel über die Deportationswellen nach dem Zweiten Weltkrieg, die auch zahlreiche Deutsche betrafen, oder andere Repressalien?</h4>



<p>Man hat über die Zeit vorher nicht konkret gesprochen. Dass sich die Leute furchtbar zurückgehalten haben, ist wahrscheinlich, vielleicht auch aus anderen Gründen, die wir nicht kannten. Im privaten Rahmen hat man über die Deportation gesprochen, das schon, aber mit allen, mit denen ich offiziell Kontakt hatte, mit denen überhaupt nicht.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Welche Begegnungen sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?</h4>



<p>Eduard Eisenburger von der <em>Karpatenrundschau</em> in Brașov (dt. Kronstadt), Ernst Breitenstein vom <em>Neuen Weg</em> in Sibiu, mit dem habe ich viel Kontakt gehabt. Ja, das waren alles sehr intelligente Leute, die alle mit uns Kontakte hatten, natürlich Kontakt haben durften und auf der entsprechenden offiziellen Ebene und mit der entsprechenden Zurückhaltung diesen Kontakt auch pflegten. Dann bei der <em>Neuen Literatur</em> Emmerich Stoffel und der gute Arnold Hauser. Den habe ich einmal auch hier in Bonn getroffen. Ich sage das mal so mit meinen Worten: Er war durchaus Sozialist, aber auf der anderen Seite wusste und empfand er ganz klar, dass man nicht machen kann und sagen kann, was man für richtig hält und sich überall absichern musste. In Bukarest kamen unter anderen Paul Schuster mit seinem humordurchtränkten Roman <em>Fünf Liter Zuika</em> und Dieter Schlesak, der sehr bald von einer Reise „nach oben“ – also nach Deutschland – nicht zurückkehrte, hinzu. Auch die Germanisten Viktor Theiß sowie die Linguisten Bruno Colbert und Mihai Isbǎșescu waren häufige Gesprächspartner. Hierhin gehört auch Gisela Richter mit ihrer fast lebenslangen Beschäftigung mit dem nach Jahrzehnten immer noch nicht fertiggestellten <em>Siebenbürgischen Wörterbuch</em> in Hermannstadt. Mit dem Ehepaar Martha und Klaus Kessler, er Arzt und Schriftsteller, sie vorzügliche Altistin vor allem für Oratorien, wurden wir vertraut. Und die Komponisten Tudor Ciortea und Zeno Vancea, beide eine Generation älter als ich, mit ihrer ausgezeichneten Kenntnis nicht nur der deutschen Sprache, dürfen hier ebenfalls nicht fehlen. Bis heute besteht eine freundschaftliche Verbindung zu Götz Teutsch, damals ein vielversprechender Cellist aus Kronstadt und später jahrzehntelanges Mitglied der berühmten „12 Cellisten“ der Berliner Philharmoniker.</p>



<p>Ich habe mich natürlich sozusagen herangetastet und habe versucht, festzustellen, wie reagiert man auf das eine oder andere. Ich habe mich von mir aus zurückgehalten und nicht etwa gefragt „Was halten Sie von Ceaușescu?“ oder „Wie finden Sie denn die heutige Situation in Rumänien?“ oder so etwas. Ich war interessiert oder habe versucht, Verbindungen herzustellen. Verbindungen, die bestehen bleiben, auf die man zurückkommen konnte, und habe nicht im Sinne eines politischen Reporters drängende oder eventuell sogar Fangfragen gestellt.</p>



<p>Einmal fuhren wir durch Mühlbach (rum. Sebeș), und da habe ich zu meiner Frau gesagt: „Die Kirche, die müssen wir ansehen.“ Und dann habe ich da beim Pfarrer geklingelt. Da kam Albert Klein<sup class="modern-footnotes-footnote ">3</sup> an die Tür und hat uns reingebeten, und dann haben wir eine Tasse Tee getrunken und uns unterhalten. Und später habe ich seine Einführung als Pfarrer an der Schwarzen Kirche in Brașov, in Kronstadt, erlebt und ihn dann später, da war er bereits Bischof, verschiedentlich in Bukarest getroffen.</p>



<p>Ich habe auch alle orthodoxen Metropoliten besucht. Mit dem damaligen Metropoliten von Alba Iulia hatte ich sogar ein „wirkliches“ Gespräch. Der Metropolit in Iași, das war so ein richtiger Fürst. Das war dann ein völlig oberflächliches Gespräch, logischerweise.</p>



<p>Wir haben nicht zuletzt die ersten großen Ereignisse des kulturellen Austauschs zwischen beiden Ländern erlebt: Schon 1966 kam Wilhelm Kempf und begeisterte das Publikum mit den fünf Klavierkonzerten von Beethoven. Er war mit dem früheren Chef des Bukarester Sinfonieorchesters Georgescu befreundet gewesen. Kempf war offensichtlich gern der Bitte von dessen Witwe für ein Gastspiel gefolgt. Die persönliche Begegnung war für meine Frau und mich natürlich ein Erlebnis.</p>



<p>Ähnlich begeisternd für Publikum und uns persönlich war 1968 das Gastspiel der seinerzeit überall „hoch gehandelten“ Stuttgarter Oper mit Intendant Prof. Schäfer, Chefdirigent Ferdinand Leitner und Sängerinnenstars wie Inge Borckh, Martha Mödl und Hildegard Hillebrecht mit <em>Elektra</em> von Richard Strauß und <em>Bluthochzeit</em> von Wolfgang Fortner, der natürlich mitgereist war.</p>



<p>1967 erlebten wir als rumänischen „Beitrag“ zu diesem Austausch die traditionellen Enescu-Festspiele mit einer eindrucksvollen Anzahl weltberühmter Künstler. Für uns schoss allerdings der Madrigalchor aus Bukarest den Vogel ab: Eine technisch und atmosphärisch so vollkommene Darbietung hatten wir noch nicht erlebt. Nicht nur an diesem Abend zeigten die Künstler, dass die große Musiktradition des Landes unverändert sehr lebendig war – und bis heute ist.</p>



<p>Einen sozusagen persönlichen Höhepunkt erlebte ich ebenfalls 1968, als ich anlässlich des Internationalen Romanistenkongresses meine beiden früheren Lehrer aus Köln in unserem Haus begrüßen konnte.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Wie ging es 1969, nach Ihrer Rückkehr nach Deutschland, weiter? Haben Sie die Problematik der Auswanderung der deutschen Minderheit verfolgt?</h4>



<p>Nach meiner Rückkehr war ich zunächst im politischen Referat im Auswärtigen Amt für Rumänien und Ungarn zuständig. Das passte natürlich ausgezeichnet. Ich bin seither auch Mitglied des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde und bin in den ersten Jahren auch öfter bei den Jahrestagungen gewesen. Ich war mit dem Problem der siebenbürgischen Pfarrer „Bleiben oder gehen“ schon in Rumänien selbst in Berührung gekommen. Das hat mich auch persönlich sehr bewegt.</p>



<p>Die Siebenbürger Pfarrer waren ja schlecht dran. Die siebenbürgisch-sächsische Kirche hatte mit der evangelischen Kirche Deutschlands eine Vereinbarung geschlossen: Wenn ein siebenbürgischer Pfarrer weggeht, dann kriegt er in Deutschland keine Stelle. Und deswegen bekamen die entweder tatsächlich keine Stelle, oder sie gingen in die Schweiz. Und wir kannten einen Pfarrer, der war schon während unserer Zeit zerrissen zwischen dem Gehen und dem Bleiben. Er sah sich in der Pflicht, bei seinen „Schäfchen“ auszuharren. Seine Frau wollte unbedingt weg wegen der Kinder. Die Frage „Ausreise“ war ja überall präsent. Ihr Ursprung ging auf jene Rumäniendeutschen zurück, die auf deutscher Seite am Krieg teilgenommen hatten, in russische Gefangenschaft geraten waren und nach Deutschland entlassen wurden. Das war jedenfalls ein gewichtiges Motiv, das der sogenannten Familienzusammenführung zugrunde lag und die betroffenen Familien in Rumänien nachhaltig beschäftigte.</p>



<p>Paul PhilippiPaul Philippi (1923–2018) war ein siebe<sup class="modern-footnotes-footnote ">4</sup>, mit dem habe ich intensiv auch in Deutschland Verbindung gehabt. Das ist lange, lange her. Er ist dann schließlich nach Rumänien zurückgegangen. Ihm hat man alles Mögliche vorgeworfen: „Du hast es leicht, Du kannst da ohne Probleme hingehen“ und so weiter. Das hat mich dann auch sehr beschäftigt. Mit der Zeit aber bin ich ja vollkommen im südamerikanischen Raum „untergetaucht“ und habe diese Diskussion, die dann auch langsam auslief und sich totlief, als unfruchtbar empfunden und vor allen Dingen für mich doch nicht mehr genügend nahe, um weiter intensiv damit verbunden zu bleiben. Das Problem im Auswärtigen Dienst ist ja: Alle drei, vier Jahre kommt man woanders hin. Dann „gewinnt“ natürlich, wenn man sich jeweils interessiert, das neue Gastland. Es muss ja auch mehr an Gewicht bekommen, sodass Eindrücke, Erlebnisse von früher fortbestehen, aber nicht – jedenfalls bei mir oder bei uns – das unverändert gleiche Maß an Interesse und Engagement auf sich ziehen, wie man es 30 Jahre früher hatte.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Waren Sie in die Problematik des Freikaufs<sup class="modern-footnotes-footnote ">5</sup> involviert?</h4>



<p>Ich persönlich hatte damit nichts zu tun. Auch mit dem politischen Referat nur indirekt, denn das wurde ganz woanders im Auswärtigen Amt geregelt. In der Tat habe ich mich, aber ich meine nur von der Peripherie, nicht als Beteiligter, dafür interessiert. Darüber informieren oder mich informieren, das konnte ich nicht. Das war ein abgeschlossener Bereich für die, die unmittelbar damit im Amt zu tun hatten.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Haben Sie auch Autoren aus dem deutsch-jüdischen Umfeld kennengelernt?</h4>



<p>Ich habe weder mit Alfred Margul-Sperber<sup class="modern-footnotes-footnote ">6</sup> noch mit anderen Verbindung gehabt. Ich könnte mir vorstellen, dass die Leute, mit denen ich Kontakt hatte, wiederum Vorbehalte hatten, mich mit diesen Autoren in Verbindung zu bringen. Ich habe erst hinterher gemerkt, dass mir da interessanter- oder seltsamerweise wirklich ein paar wichtige oder interessante Leute völlig durch das Sieb gegangen sind, auch weil sie nicht bei den offiziellen Veranstaltungen waren. Da war vermutlich auch von ihrer Seite aus Vorsicht mit im Spiel. Juden waren ja damals zwar nicht verfolgt in Rumänien, sie hatten aber – wie es mir schien – einen schweren Stand.</p>



<p>Wir sind allerdings mehrfach im jüdischen Theater gewesen und haben auch Kontakt gehabt zu der Leiterin. Aber eine kulturelle Rolle hat das nicht gespielt.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Haben Sie Überwachung seitens des rumänischen Staates wahrgenommen; gab es in Ihrer Funktion als Angehöriger des Auswärtigen Amtes Kontakte zur Securitate?</h4>



<p>Wir waren uns natürlich bewusst, haben uns rational klargemacht, dass man davon ausgehen muss, ständig irgendwie, irgendwo von irgendjemandem beobachtet zu werden. Wir hatten aber überhaupt keine Beschränkungen, uns im Land zu bewegen. Ceaușescu fuhr ja zunächst eine sehr eigenständige Politik im Verhältnis zum übrigen Ostblock und vor allem zur Sowjetunion, die im Westen ein wenig die Erwartung oder auch Illusion auslöste, dass er einen eigenen Kurs verfolgt. Was sich sehr bald als ein großer Irrtum herausstellte, was die ideologische Verlässlichkeit und Linientreue anbelangte. Aber den Versuch, eine gewisse eigenständige Politik nach außen zu führen, hat er fortgesetzt. Dazu gehörte ja auch schon, dass Rumänien der erste kommunistische Staat war, der mit uns offizielle Beziehungen aufnahm. So waren wir in unserer Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt. In dem Haus, das wir bezogen hatten, war selbstverständlich klar, dass dort Abhöranlagen eingebaut waren. Wenn meine Frau und ich persönlich etwas Wichtigeres zu besprechen hatten, gingen wir spazieren, das machten wir nie im Haus. Noch als wir nach dreieinhalb Jahren nach Deutschland zurückgekehrt waren, haben wir in die Zimmerecken geguckt. Das hatte sich so eingefleischt. Das zweite waren dann die Verbindungen mit den Menschen. Da konnte man auch davon ausgehen, dass sie der Securitate berichten mussten. Eigentlich hätte ich jeden Kontakt über das Außenministerium anmelden müssen. In vielen Fällen habe ich das auch getan, um den Anfang machen zu können. In anderen Fällen aber nicht.</p>



<p>Wenn Leute mit mir Verbindung aufnahmen, dachte ich mir: Entweder ist er sogar auf mich angesetzt, oder er weiß auf jeden Fall, dass er hinterher berichten muss. Wenn er von sich aus das Risiko eingegangen ist, mit mir Verbindung aufzunehmen und mich einzuladen, dann sehe ich nicht ein, warum ich meinerseits erst das Außenministerium fragen sollte.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Wurden Sie auf mögliche Kontakte mit dem Geheimdienst vorbereitet?</h4>



<p>Die Beziehungen zu diesen Ländern – außer der Sowjetunion natürlich – waren ja alle neu. Es gab nur eine allgemeine Vorbereitung: „Sie wissen, Sie kommen in ein kommunistisches Land“ und so weiter. Im Einzelnen musste man im Land vor Ort die Kollegen fragen, die schon dort waren. Die Vertretung bestand ja schon. Es gab ein Hotel auf dem Bulevard Nicolae Bălcescu; dort wurden unsere Neuankömmlinge untergebracht. Und die haben dann mal ausprobiert, welche Hotelzimmer sie bekommen und ob da abgehört wird. Ein kleines Erlebnis einer Kollegin habe ich bis heute nicht vergessen: Wenn das Wasser tröpfelte oder irgendetwas nicht in Ordnung war, dann geschah nichts. Wenn sie aber in ihrem Zimmer lauthals über das tropfende Waser schimpften, war am nächsten Tag die Reparatur gemacht. Daraus haben wir dann geschlossen, dass – was sowieso zu erwarten war – unsere Leute in Zimmern untergebracht wurden, in denen Abhörvorrichtungen vorhanden waren.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Gab es im privaten Bereich Beschränkungen, und haben Sie später einmal Ihre Geheimdienstakten eingesehen?</h4>



<p>Weder meine Frau noch ich haben das als Einschränkung empfunden. Ich habe es als vorhanden registriert und weiter gar nichts. Es waren die Bewegungsmöglichkeiten, die Kontaktmöglichkeiten, die dann auch nicht selten schon persönliche Züge bekamen und so anregend waren, so befriedigend, so inspirierend, dass mich diese Seite überhaupt nicht berührt hat. Und ich war ja überhaupt nicht eingeschränkt.</p>



<p>Mit einer rumänischen Familie stehen wir immer noch in Verbindung. Deren Sohn hatte vorzügliche Verbindungen zu dem Schriftsteller Mircea Dinescu, der Mitglied der rumänischen „Gauck-Behörde“<sup class="modern-footnotes-footnote ">7</sup> ist. Unser Freund sagte: „Wir fahren da hin, und dann mache ich Dich bekannt.“ Und so kam es dann. Man sicherte mir Nachforschungen zu. Einige Zeit später kam mit der Post eine dünne Akte. Es standen auch nur idiotische Lächerlichkeiten drin. Interessantes gab es nicht. Mit Sicherheit muss es von mir mehr geben, das wäre sonst komisch. Diese internen Berichte stehen aber offenbar unverändert unter Verschluss, vermute ich. Inzwischen kann man im Übrigen via Internet eine solche Information beantragen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Haben Sie das Gefühl, dass Sie etwas bewegen konnten, oder gab es unüberwindbare Grenzen?</h4>



<p>Ja, absolut. Und zwar wieder komme ich mit dem allgemeinen Hinweis: Interesse an der Ingangsetzung der Beziehungen, einmal formell, offiziell, aber dann eben auch persönlich. Denn alle diese persönlichen Verbindungen waren ein Erlebnis und eine unglaubliche Bereicherung für uns. Aber sie haben ja auch Früchte getragen. Grenzen habe ich nicht gesehen. Vielleicht lag das auch daran, dass ich nicht versucht habe, unübersteigbare Hürden zu überwinden. Ich habe also kein Enttäuschungserlebnis in Erinnerung. Als ich ins Auswärtige Amt eintrat, mich entschied, da möchtest du hin, da habe ich mir gedacht, an dem, was jetzt geschaffen werden muss oder wieder geschaffen werden muss oder aufgebaut werden muss oder wie man das nennen mag, da willst du ein ganz kleines Rädchen mitdrehen. Und dieses ganz kleine Rädchen, davon bin ich heute noch überzeugt, habe ich in Rumänien drehen können.</p>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Ekkehard Hallensleben</strong> wurde 1930 in Celle geboren. Er studierte Romanistik und Germanistik in Braunschweig, Marburg, Perugia, Innsbruck, Dijon und Köln, wo er 1958 promovierte. Von 1959 bis 1961 war er Lektor für Deutsch an der Cairo University sowie an der Ain-Schams-Universität in Kairo. Anschließend war Hallensleben bis 1993 im Auswärtigen Amt tätig. Sein erster Einsatz im Ausland führte ihn nach der Ausbildung für den Höheren Dienst nach Rumänien, wo er von Dezember 1965 bis 1968 Kulturreferent an der Handelsvertretung und bis April 1969 Botschafter in Bukarest war. Von 1969 bis 1971 war er Referent für Rumänien und Ungarn und fungierte in dieser Zeit auch als Dolmetscher – unter anderem beim Besuch des Ministerpräsidenten Ion Gheorghe Maurer in Bonn (1969) und dem Staatsbesuch von Bundespräsident Gustav Heinemann in Rumänien (1972). Weitere Stationen führten ihn nach Santiago de Chile, Belgrad, Brasilia und La Paz.</p>



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<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_136-scaled.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1722" height="2560" data-id="709" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_136-scaled.jpg" alt="Kirchenburg von Deutsch Weißkirch (Viscri) © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-709" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_136-scaled.jpg 1722w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_136-202x300.jpg 202w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_136-689x1024.jpg 689w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_136-768x1142.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_136-1033x1536.jpg 1033w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_136-1378x2048.jpg 1378w" sizes="(max-width: 1722px) 100vw, 1722px" /></a><figcaption>Kirchenburg von Deutsch Weißkirch (Viscri) © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_146-scaled.jpg"><img decoding="async" width="1722" height="2560" data-id="708" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_146-scaled.jpg" alt="Alte Kaufhäuser am Kleinen Ring (Piaţa Mica) in Hermannstadt (Sibiu) © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-708" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_146-scaled.jpg 1722w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_146-202x300.jpg 202w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_146-689x1024.jpg 689w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_146-768x1142.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_146-1033x1536.jpg 1033w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_146-1378x2048.jpg 1378w" sizes="(max-width: 1722px) 100vw, 1722px" /></a><figcaption>Alte Kaufhäuser am Kleinen Ring (Piaţa Mica) in Hermannstadt (Sibiu) © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_170-scaled.jpg"><img decoding="async" width="2560" height="1722" data-id="707" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_170-scaled.jpg" alt="Feierlichkeiten anl. 1. Mai 1968: Ehrenmal für die Gefallenen Flieger (Bd. Aviatorilor) © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-707" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_170-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_170-300x202.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_170-1024x689.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_170-768x517.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_170-1536x1033.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_170-2048x1378.jpg 2048w" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption>Feierlichkeiten anl. 1. Mai 1968: Ehrenmal für die Gefallenen Flieger (Bd. Aviatorilor) © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_175-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1695" data-id="706" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_175-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-706" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_175-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_175-300x199.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_175-1024x678.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_175-768x509.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_175-1536x1017.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_175-2048x1356.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/IMG_20201017_103046-cut_gk98yak5_1-scaled.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1098" data-id="701" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/IMG_20201017_103046-cut_gk98yak5_1-scaled.jpeg" alt="Besuch von Bundespräsident Gustav Heinemann in Rumänien auf Einladung von Nicolae Ceaușescu 1972. (In der vorderen Reihe zwischen Elena und Nicolae Ceaușescu) © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-701" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/IMG_20201017_103046-cut_gk98yak5_1-scaled.jpeg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/IMG_20201017_103046-cut_gk98yak5_1-300x129.jpeg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/IMG_20201017_103046-cut_gk98yak5_1-1024x439.jpeg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/IMG_20201017_103046-cut_gk98yak5_1-768x329.jpeg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/IMG_20201017_103046-cut_gk98yak5_1-1536x659.jpeg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/IMG_20201017_103046-cut_gk98yak5_1-2048x878.jpeg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption>Besuch von Bundespräsident Gustav Heinemann in Rumänien auf Einladung von Nicolae Ceaușescu 1972. (In der vorderen Reihe zwischen Elena und Nicolae Ceaușescu) © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/IMG_20201017_102850-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1920" data-id="700" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/IMG_20201017_102850-scaled.jpg" alt="Überreichung Beglaubigungsschreiben 1968 (oder 1967), mit dem die Botschaft der BRD offiziell anerkannt wurde. © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-700" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/IMG_20201017_102850-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/IMG_20201017_102850-300x225.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/IMG_20201017_102850-1024x768.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/IMG_20201017_102850-768x576.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/IMG_20201017_102850-1536x1152.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/IMG_20201017_102850-2048x1536.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption>Überreichung Beglaubigungsschreiben 1968 (oder 1967), mit dem die Botschaft der BRD offiziell anerkannt wurde. © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_179-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1667" height="2560" data-id="694" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_179-scaled.jpg" alt="Staatsbesuch von Bundespräsident Gustav Heinemann und Frau 12. – 20. Mai 1972: Nicolae Ceausescu begleitet seinen Gast zur Empfangszeremonie auf dem Flughafen © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-694" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_179-scaled.jpg 1667w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_179-195x300.jpg 195w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_179-667x1024.jpg 667w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_179-768x1180.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_179-1000x1536.jpg 1000w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_179-1333x2048.jpg 1333w" sizes="auto, (max-width: 1667px) 100vw, 1667px" /></a><figcaption>Staatsbesuch von Bundespräsident  Gustav Heinemann und Frau 12. – 20. Mai 1972: Nicolae Ceausescu begleitet seinen Gast zur Empfangszeremonie auf dem Flughafen © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_177-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1664" data-id="693" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_177-scaled.jpg" alt="Erster offizieller Besuch 1967 kurz nach dem Übergang von Handelsvertretung zur Botschaft: Außenminister Willy Brandt wird von seinem Amtskollegen Corneliu Manescu verabschiedet © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-693" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_177-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_177-300x195.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_177-1024x666.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_177-768x499.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_177-1536x998.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_177-2048x1331.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption>Erster offizieller Besuch 1967 kurz nach dem Übergang von Handelsvertretung zur Botschaft: Außenminister Willy Brandt wird von seinem Amtskollegen Corneliu Manescu verabschiedet © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_176-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1659" height="2560" data-id="692" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_176-scaled.jpg" alt="Eintreffen von Partei- und Staatschef Nicolai Ceausescu sowie Ministerpräsident Ion Gheorghe Maurer (re.) am 23. August 1968 © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-692" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_176-scaled.jpg 1659w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_176-194x300.jpg 194w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_176-664x1024.jpg 664w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_176-768x1185.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_176-995x1536.jpg 995w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_176-1327x2048.jpg 1327w" sizes="auto, (max-width: 1659px) 100vw, 1659px" /></a><figcaption>Eintreffen von Partei- und Staatschef Nicolai Ceausescu sowie Ministerpräsident Ion Gheorghe Maurer (re.) am 23. August 1968 © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_173-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1669" height="2560" data-id="691" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_173-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-691" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_173-scaled.jpg 1669w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_173-196x300.jpg 196w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_173-667x1024.jpg 667w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_173-768x1178.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_173-1001x1536.jpg 1001w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_173-1335x2048.jpg 1335w" sizes="auto, (max-width: 1669px) 100vw, 1669px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_172-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1660" data-id="690" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_172-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-690" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_172-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_172-300x195.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_172-1024x664.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_172-768x498.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_172-1536x996.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_172-2048x1328.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_169-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1687" height="2560" data-id="689" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_169-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-689" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_169-scaled.jpg 1687w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_169-198x300.jpg 198w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_169-675x1024.jpg 675w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_169-768x1166.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_169-1012x1536.jpg 1012w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_169-1349x2048.jpg 1349w" sizes="auto, (max-width: 1687px) 100vw, 1687px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_168-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1670" data-id="688" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_168-scaled.jpg" alt="Feierlichkeiten anl. 20. Jahrestages Der Inthronisierung von Patriarch Justinian Marin (6. Juni 1968). Mit Kappe: Bischof Friedrich Müller-Langenthal © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-688" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_168-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_168-300x196.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_168-1024x668.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_168-768x501.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_168-1536x1002.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_168-2048x1336.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption>Feierlichkeiten anl. 20. Jahrestages Der Inthronisierung von Patriarch Justinian Marin (6. Juni 1968). Mit Kappe: Bischof Friedrich Müller-Langenthal © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_167-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1680" height="2560" data-id="687" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_167-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-687" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_167-scaled.jpg 1680w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_167-197x300.jpg 197w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_167-672x1024.jpg 672w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_167-768x1170.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_167-1008x1536.jpg 1008w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_167-1344x2048.jpg 1344w" sizes="auto, (max-width: 1680px) 100vw, 1680px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_166-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1674" height="2560" data-id="686" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_166-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-686" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_166-scaled.jpg 1674w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_166-196x300.jpg 196w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_166-670x1024.jpg 670w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_166-768x1174.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_166-1005x1536.jpg 1005w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_166-1339x2048.jpg 1339w" sizes="auto, (max-width: 1674px) 100vw, 1674px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_164-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1733" data-id="685" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_164-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-685" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_164-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_164-300x203.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_164-1024x693.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_164-768x520.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_164-1536x1040.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_164-2048x1387.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_163-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1664" data-id="684" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_163-scaled.jpg" alt="Neues Viertel anstelle des völlig erhaltenen alten Viertel jenseits der Dimbovita (Hintergrund Palast des Volkes) © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-684" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_163-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_163-300x195.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_163-1024x666.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_163-768x499.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_163-1536x998.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_163-2048x1331.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption>Neues Viertel anstelle des völlig erhaltenen alten Viertel jenseits der Dimbovita (Hintergrund Palast des Volkes) © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_162-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1666" data-id="683" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_162-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-683" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_162-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_162-300x195.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_162-1024x666.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_162-768x500.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_162-1536x999.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_162-2048x1333.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_161-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1665" data-id="682" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_161-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-682" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_161-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_161-300x195.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_161-1024x666.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_161-768x500.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_161-1536x999.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_161-2048x1332.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_160-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1661" data-id="681" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_160-scaled.jpg" alt="Palast der Republik und Sitz der RKP in Bukarest © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-681" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_160-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_160-300x195.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_160-1024x664.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_160-768x498.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_160-1536x996.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_160-2048x1328.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption>Palast der Republik und Sitz der RKP in Bukarest © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_158-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1673" height="2560" data-id="680" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_158-scaled.jpg" alt="Mönch in Kloster Cernica bei Bukarest © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-680" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_158-scaled.jpg 1673w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_158-196x300.jpg 196w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_158-669x1024.jpg 669w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_158-768x1176.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_158-1004x1536.jpg 1004w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_158-1338x2048.jpg 1338w" sizes="auto, (max-width: 1673px) 100vw, 1673px" /></a><figcaption>Mönch in Kloster Cernica bei Bukarest © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_157-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1672" height="2560" data-id="679" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_157-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-679" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_157-scaled.jpg 1672w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_157-196x300.jpg 196w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_157-669x1024.jpg 669w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_157-768x1176.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_157-1003x1536.jpg 1003w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_157-1338x2048.jpg 1338w" sizes="auto, (max-width: 1672px) 100vw, 1672px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_156-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1666" data-id="678" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_156-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-678" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_156-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_156-300x195.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_156-1024x667.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_156-768x500.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_156-1536x1000.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_156-2048x1333.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_155-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1675" height="2560" data-id="677" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_155-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-677" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_155-scaled.jpg 1675w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_155-196x300.jpg 196w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_155-670x1024.jpg 670w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_155-768x1174.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_155-1005x1536.jpg 1005w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_155-1340x2048.jpg 1340w" sizes="auto, (max-width: 1675px) 100vw, 1675px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_154-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1669" height="2560" data-id="676" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_154-scaled.jpg" alt="Mädchen im Winterpelz nach dem Gottesdienst in Urwegen (Gârbova) © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-676" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_154-scaled.jpg 1669w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_154-196x300.jpg 196w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_154-668x1024.jpg 668w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_154-768x1178.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_154-1001x1536.jpg 1001w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_154-1335x2048.jpg 1335w" sizes="auto, (max-width: 1669px) 100vw, 1669px" /></a><figcaption>Mädchen im Winterpelz nach dem Gottesdienst in Urwegen (Gârbova) © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_153-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1670" height="2560" data-id="675" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_153-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-675" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_153-scaled.jpg 1670w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_153-196x300.jpg 196w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_153-668x1024.jpg 668w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_153-768x1178.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_153-1002x1536.jpg 1002w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_153-1336x2048.jpg 1336w" sizes="auto, (max-width: 1670px) 100vw, 1670px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_152-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1670" height="2560" data-id="674" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_152-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-674" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_152-scaled.jpg 1670w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_152-196x300.jpg 196w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_152-668x1024.jpg 668w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_152-768x1177.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_152-1002x1536.jpg 1002w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_152-1336x2048.jpg 1336w" sizes="auto, (max-width: 1670px) 100vw, 1670px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_150-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1672" data-id="673" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_150-scaled.jpg" alt="Kirchenburg von Holzmengen (Hosman) © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-673" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_150-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_150-300x196.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_150-1024x669.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_150-768x502.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_150-1536x1003.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_150-2048x1338.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption>Kirchenburg von Holzmengen (Hosman) © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_148-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1673" height="2560" data-id="672" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_148-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-672" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_148-scaled.jpg 1673w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_148-196x300.jpg 196w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_148-669x1024.jpg 669w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_148-768x1176.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_148-1004x1536.jpg 1004w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_148-1338x2048.jpg 1338w" sizes="auto, (max-width: 1673px) 100vw, 1673px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_147-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1681" height="2560" data-id="671" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_147-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-671" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_147-scaled.jpg 1681w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_147-197x300.jpg 197w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_147-672x1024.jpg 672w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_147-768x1170.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_147-1009x1536.jpg 1009w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_147-1345x2048.jpg 1345w" sizes="auto, (max-width: 1681px) 100vw, 1681px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_145-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1684" data-id="670" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_145-scaled.jpg" alt="Piaţa Republici (Platz der Republik) in Hermannstadt (Sibiu), heute Großer Ring (Piaţa Mare) © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-670" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_145-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_145-300x197.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_145-1024x674.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_145-768x505.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_145-1536x1011.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_145-2048x1348.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption>Piaţa Republici (Platz der Republik) in Hermannstadt (Sibiu), heute Großer Ring (Piaţa Mare) © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_144-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1670" height="2560" data-id="669" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_144-scaled.jpg" alt="Hirtenjunge bei Hermannstadt (Sibiu) © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-669" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_144-scaled.jpg 1670w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_144-196x300.jpg 196w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_144-668x1024.jpg 668w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_144-768x1178.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_144-1002x1536.jpg 1002w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_144-1336x2048.jpg 1336w" sizes="auto, (max-width: 1670px) 100vw, 1670px" /></a><figcaption>Hirtenjunge bei Hermannstadt (Sibiu) © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_143-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1658" height="2560" data-id="668" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_143-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-668" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_143-scaled.jpg 1658w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_143-194x300.jpg 194w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_143-663x1024.jpg 663w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_143-768x1186.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_143-995x1536.jpg 995w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_143-1327x2048.jpg 1327w" sizes="auto, (max-width: 1658px) 100vw, 1658px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_141-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1680" height="2560" data-id="667" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_141-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-667" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_141-scaled.jpg 1680w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_141-197x300.jpg 197w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_141-672x1024.jpg 672w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_141-768x1170.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_141-1008x1536.jpg 1008w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_141-1344x2048.jpg 1344w" sizes="auto, (max-width: 1680px) 100vw, 1680px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_140-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1674" height="2560" data-id="666" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_140-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-666" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_140-scaled.jpg 1674w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_140-196x300.jpg 196w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_140-669x1024.jpg 669w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_140-768x1175.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_140-1004x1536.jpg 1004w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_140-1339x2048.jpg 1339w" sizes="auto, (max-width: 1674px) 100vw, 1674px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_139-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1670" height="2560" data-id="665" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_139-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-665" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_139-scaled.jpg 1670w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_139-196x300.jpg 196w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_139-668x1024.jpg 668w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_139-768x1177.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_139-1002x1536.jpg 1002w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_139-1336x2048.jpg 1336w" sizes="auto, (max-width: 1670px) 100vw, 1670px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_138-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1677" height="2560" data-id="664" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_138-scaled.jpg" alt="Zunftturm an der Stadtmauer von Schäßburg (Sighișoara) © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-664" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_138-scaled.jpg 1677w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_138-196x300.jpg 196w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_138-671x1024.jpg 671w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_138-768x1173.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_138-1006x1536.jpg 1006w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_138-1341x2048.jpg 1341w" sizes="auto, (max-width: 1677px) 100vw, 1677px" /></a><figcaption>Zunftturm an der Stadtmauer von Schäßburg (Sighișoara) © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_135-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1673" height="2560" data-id="663" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_135-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-663" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_135-scaled.jpg 1673w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_135-196x300.jpg 196w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_135-669x1024.jpg 669w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_135-768x1175.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_135-1004x1536.jpg 1004w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_135-1338x2048.jpg 1338w" sizes="auto, (max-width: 1673px) 100vw, 1673px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_134-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1667" height="2560" data-id="662" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_134-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-662" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_134-scaled.jpg 1667w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_134-195x300.jpg 195w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_134-667x1024.jpg 667w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_134-768x1179.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_134-1000x1536.jpg 1000w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_134-1334x2048.jpg 1334w" sizes="auto, (max-width: 1667px) 100vw, 1667px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_133-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1665" data-id="661" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_133-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-661" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_133-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_133-300x195.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_133-1024x666.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_133-768x500.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_133-1536x999.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_133-2048x1332.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_130-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1670" data-id="660" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_130-scaled.jpg" alt="Pfarrereinführung des neugewählte Stadtpfarrers Albert Klein (ab 1969 Bischof der EKR). am 31. März 1968 in Kronstadt (Brașov) © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-660" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_130-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_130-300x196.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_130-1024x668.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_130-768x501.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_130-1536x1002.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_130-2048x1336.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption>Pfarrereinführung des neugewählte Stadtpfarrers Albert Klein (ab 1969 Bischof der EKR). am 31. März 1968 in Kronstadt (Brașov)  © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_126-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1677" data-id="659" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_126-scaled.jpg" alt="Nachrichten am Gemeindehaus in Kronstadt (Brașov) © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-659" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_126-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_126-300x196.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_126-1024x671.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_126-768x503.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_126-1536x1006.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_126-2048x1341.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption>Nachrichten am Gemeindehaus in Kronstadt (Brașov) © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_125-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1683" height="2560" data-id="658" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_125-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-658" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_125-scaled.jpg 1683w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_125-197x300.jpg 197w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_125-673x1024.jpg 673w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_125-768x1168.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_125-1010x1536.jpg 1010w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_125-1347x2048.jpg 1347w" sizes="auto, (max-width: 1683px) 100vw, 1683px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_124-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1670" data-id="657" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_124-scaled.jpg" alt="Schwarze Kirche in Kronstadt (Brașov) © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-657" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_124-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_124-300x196.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_124-1024x668.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_124-768x501.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_124-1536x1002.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_124-2048x1336.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption>Schwarze Kirche in Kronstadt (Brașov) © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_120-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1628" data-id="656" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_120-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-656" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_120-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_120-300x191.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_120-1024x651.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_120-768x488.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_120-1536x977.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_120-2048x1303.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_119-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1664" data-id="655" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_119-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-655" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_119-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_119-300x195.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_119-1024x666.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_119-768x499.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_119-1536x998.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_119-2048x1331.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_118-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1662" height="2560" data-id="654" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_118-scaled.jpg" alt="Romajunge mit Kupferkessel, Bistritz-Tal (Valea Bistriţei) © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-654" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_118-scaled.jpg 1662w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_118-195x300.jpg 195w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_118-665x1024.jpg 665w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_118-768x1183.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_118-997x1536.jpg 997w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_118-1330x2048.jpg 1330w" sizes="auto, (max-width: 1662px) 100vw, 1662px" /></a><figcaption>Romajunge mit Kupferkessel, Bistritz-Tal (Valea Bistriţei) © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_117-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1666" height="2560" data-id="653" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_117-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-653" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_117-scaled.jpg 1666w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_117-195x300.jpg 195w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_117-666x1024.jpg 666w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_117-768x1180.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_117-999x1536.jpg 999w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_117-1333x2048.jpg 1333w" sizes="auto, (max-width: 1666px) 100vw, 1666px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_116-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1671" height="2560" data-id="652" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_116-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-652" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_116-scaled.jpg 1671w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_116-196x300.jpg 196w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_116-668x1024.jpg 668w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_116-768x1177.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_116-1002x1536.jpg 1002w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_116-1337x2048.jpg 1337w" sizes="auto, (max-width: 1671px) 100vw, 1671px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_114-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1670" height="2560" data-id="651" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_114-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-651" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_114-scaled.jpg 1670w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_114-196x300.jpg 196w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_114-668x1024.jpg 668w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_114-768x1178.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_114-1002x1536.jpg 1002w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_114-1336x2048.jpg 1336w" sizes="auto, (max-width: 1670px) 100vw, 1670px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_113-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1676" height="2560" data-id="650" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_113-scaled.jpg" alt="Männer am Ziehbrunnen in Strâmtura, Maramureș © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-650" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_113-scaled.jpg 1676w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_113-196x300.jpg 196w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_113-670x1024.jpg 670w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_113-768x1173.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_113-1006x1536.jpg 1006w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_113-1341x2048.jpg 1341w" sizes="auto, (max-width: 1676px) 100vw, 1676px" /></a><figcaption>Männer am Ziehbrunnen in Strâmtura, Maramureș © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_112-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1674" height="2560" data-id="649" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_112-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-649" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_112-scaled.jpg 1674w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_112-196x300.jpg 196w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_112-670x1024.jpg 670w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_112-768x1174.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_112-1005x1536.jpg 1005w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_112-1339x2048.jpg 1339w" sizes="auto, (max-width: 1674px) 100vw, 1674px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_111-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1668" height="2560" data-id="648" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_111-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-648" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_111-scaled.jpg 1668w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_111-195x300.jpg 195w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_111-667x1024.jpg 667w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_111-768x1179.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_111-1001x1536.jpg 1001w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_111-1334x2048.jpg 1334w" sizes="auto, (max-width: 1668px) 100vw, 1668px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_110-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1677" height="2560" data-id="647" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_110-scaled.jpg" alt="Nonne in Kloster Suceviţa, Moldau © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-647" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_110-scaled.jpg 1677w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_110-197x300.jpg 197w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_110-671x1024.jpg 671w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_110-768x1172.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_110-1006x1536.jpg 1006w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_110-1342x2048.jpg 1342w" sizes="auto, (max-width: 1677px) 100vw, 1677px" /></a><figcaption>Nonne in Kloster Suceviţa, Moldau © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_109-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1725" data-id="646" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_109-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-646" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_109-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_109-300x202.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_109-1024x690.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_109-768x517.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_109-1536x1035.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_109-2048x1380.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_108-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1650" height="2560" data-id="645" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_108-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-645" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_108-scaled.jpg 1650w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_108-193x300.jpg 193w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_108-660x1024.jpg 660w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_108-768x1191.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_108-990x1536.jpg 990w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_108-1320x2048.jpg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1650px) 100vw, 1650px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_106-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1696" data-id="644" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_106-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-644" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_106-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_106-300x199.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_106-1024x679.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_106-768x509.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_106-1536x1018.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_106-2048x1357.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_105-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1690" height="2560" data-id="643" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_105-scaled.jpg" alt="© Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-643" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_105-scaled.jpg 1690w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_105-198x300.jpg 198w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_105-676x1024.jpg 676w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_105-768x1163.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_105-1014x1536.jpg 1014w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_105-1352x2048.jpg 1352w" sizes="auto, (max-width: 1690px) 100vw, 1690px" /></a><figcaption> © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_104-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1674" data-id="642" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_104-scaled.jpg" alt="Kulturpalast und russisch-orthodoxe Kirche (Biserica Lipovenească), Iași © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-642" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_104-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_104-300x196.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_104-1024x670.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_104-768x502.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_104-1536x1005.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_104-2048x1339.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption>Kulturpalast und russisch-orthodoxe Kirche (Biserica Lipovenească), Iași © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_103-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1680" height="2560" data-id="641" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_103-scaled.jpg" alt="Romamädchen, Brăila © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-641" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_103-scaled.jpg 1680w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_103-197x300.jpg 197w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_103-672x1024.jpg 672w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_103-768x1170.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_103-1008x1536.jpg 1008w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_103-1344x2048.jpg 1344w" sizes="auto, (max-width: 1680px) 100vw, 1680px" /></a><figcaption>Romamädchen, Brăila © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_101-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1666" data-id="640" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_101-scaled.jpg" alt="Alter Mann, Brăila © Ekkehard Hallensleben" class="wp-image-640" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_101-scaled.jpg 2560w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_101-300x195.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_101-1024x667.jpg 1024w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_101-768x500.jpg 768w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_101-1536x1000.jpg 1536w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2022/01/R_101-2048x1333.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></a><figcaption>Alter Mann, Brăila © Ekkehard Hallensleben</figcaption></figure>
</figure>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1">[1]</a> Die Bundesrepublik beanspruchte von 1949 bis 1969 die Alleinvertretung für das gesamte deutsche Volk.</p>



<p><a href="#_ftnref2">[2]</a> Liviu Ciulei (1923–2011) war ein rumänischer Schauspieler, Filmregisseur und Theaterleiter.</p>



<p><a href="#_ftnref3">[3]</a> Albert Klein (1910–1990) war ein evangelischer Geistlicher. Von 1969 bis 1990 fungierte er als Bischof der Evangelischen Kirche A.&nbsp;B. in Rumänien.</p>



<p><a href="#_ftnref4">[4]</a> Paul Philippi (1923–2018) war ein siebenbürgischer Theologe und nach 1989 Minderheitenpolitiker. Bis in die späten 1970er-Jahre lebte Philippi hauptsächlich in der Bundesrepublik Deutschland, anschließend verlagerte er seinen Lebensmittelpunkt wieder nach Rumänien.</p>



<p><a href="#_ftnref5">[5]</a> Mit dem sogenannten Freikauf von Rumäniendeutschen seitens der deutschen Bundesregierung, der Zahlung eines „Kopfgeldes“, wurde zwischen 1967 und 1989 die Ausreise von 226.654 Rumäniendeutschen aus dem kommunistischen Rumänien in die Bundesrepublik Deutschland ermöglicht.</p>



<p><a href="#_ftnref6">[6]</a> Alfred Margul-Sperber (1898–1967) war ein bukowinischer deutschsprachiger Schriftsteller jüdischer Herkunft in Rumänien.</p>



<p><a href="#_ftnref7">[7]</a> Gemeint ist die CNSAS, das Consiliul Național pentru Studierea Arhivelor Securității [dt.: Nationaler Rat für das Studium der Archive der Securitate].</p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Von 1949 bis 1969 die Alleinvertretung für das gesamte deutsche Volk.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Liviu Ciulei (1923–2011) war ein rumänischer Schauspieler, Filmregisseur und Theaterleiter.</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Albert Klein (1910–1990) war ein evangelischer Geistlicher. Von 1969 bis 1990 fungierte er als Bischof der Evangelischen Kirche A.&nbsp;B. in Rumänien.</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;nbürgischer Theologe und nach 1989 Minderheitenpolitiker. Bis in die späten 1970er-Jahre lebte Philippi hauptsächlich in der Bundesrepublik Deutschland, anschließend verlagerte er seinen Lebensmittelpunkt wieder nach Rumänien.</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Mit dem sogenannten Freikauf von Rumäniendeutschen seitens der deutschen Bundesregierung, der Zahlung eines „Kopfgeldes“, wurde zwischen 1967 und 1989 die Ausreise von 226.654 Rumäniendeutschen aus dem kommunistischen Rumänien in die Bundesrepublik Deutschland ermöglicht.</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Alfred Margul-Sperber (1898–1967) war ein bukowinischer deutschsprachiger Schriftsteller jüdischer Herkunft in Rumänien.</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gemeint ist die CNSAS, das Consiliul Național pentru Studierea Arhivelor Securității [dt.: Nationaler Rat für das Studium der Archive der Securitate].</div><p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/ekkehard-hallensleben/">Ein offenes Feld und offene Türen</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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		<title>Jüdische Überlebende des Holocaust</title>
		<link>https://halbjahresschrift.de/juedische-ueberlebende-des-holocaust/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[IKGS-Admin_2]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Dec 2021 09:16:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2019–2020]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Neubeginn in der kommunistischen Gesellschaft Jugoslawiens Anna Grünfelder In den ersten beiden Nachkriegsjahren kehrten aus dem Deutschen Reich und den von ihm besetzten Ländern mehrere Tausend jüdische Überlebende der Konzentrations- und Vernichtungslager aus Jugoslawien in ihre Heimat zurück.1 Rückkehrer kamen auch aus den ehemals italienischen Besatzungsgebieten, wohin sich ab Mai 1941 zwischen 3.000 und 4.000 [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Neubeginn in der kommunistischen Gesellschaft Jugoslawiens</h2>



<p>Anna Grünfelder</p>



<p>In den ersten beiden Nachkriegsjahren kehrten aus dem Deutschen Reich und den von ihm besetzten Ländern mehrere Tausend jüdische Überlebende der Konzentrations- und Vernichtungslager aus Jugoslawien in ihre Heimat zurück.<sup class="modern-footnotes-footnote ">1</sup> Rückkehrer kamen auch aus den ehemals italienischen Besatzungsgebieten, wohin sich ab Mai 1941 zwischen 3.000 und 4.000 Jüdinnen und Juden aus ganz Jugoslawien und ungefähr 200 nach Jugoslawien geflüchtete Juden aus dem Deutschen Reich und seinen besetzten und annektierten Ländern gerettet hatten. Aus dem Küstenland und Dalmatien wurden diese Jüdinnen und Juden in italienische Internierungslager verbracht. Mehr als 200 dieser ehemals italienischen Internierten waren aber nach der deutschen Besetzung Dalmatiens und der Inseln den Deutschen in die Hände gefallen und über das Triester Konzentrationslager Risiera di San Sabba nach Osten deportiert worden. Nur vereinzelt meldeten sich Überlebende nach dem Krieg in ihrer Heimat zu Wort.<sup class="modern-footnotes-footnote ">2</sup> Als nach der Kapitulation Italiens im Sommer 1943 die italienischen Internierungslager mit Juden geöffnet wurden und die Internierten sich selbst überlassen blieben, schlugen sich jugoslawische Juden vor der deutschen Besetzung Italiens zu den italienischen Partisanen durch und wurden von ihnen auf jugoslawisches Territorium geschleust. Dort traten sie zu den jugoslawischen Partisanen über.<sup class="modern-footnotes-footnote ">3</sup> Ebenfalls in Italien internierte jugoslawische Jüdinnen und Juden wurden nach der Kapitulation Italiens von den Alliierten gemeinsam mit der vor der deutschen Besatzung flüchtetenden Zivilbevölkerung Jugoslawiens ab September 1943 in ehemals britische Militärlager in Nordafrika eingewiesen und von dort 1945/46 repatriiert.<sup class="modern-footnotes-footnote ">4</sup></p>



<p>Staatlich organisierte Repatriierungstransporte gab es aus Italien und der Schweiz nach Jugoslawien. </p>



<p>Die Zahl der jüdischen Rückkehrer nach Jugoslawien wird – je nach Definition des Begriffes „jüdisch“ – auf neun- bis zwölftausend Personen angesetzt. Das sind etwa zehn Prozent der Gesamtzahl jugoslawischer Juden vor dem Krieg. Von diesen wanderten im Rahmen der jugoslawischen Alija<sup class="modern-footnotes-footnote ">5</sup>von 1948 bis 1952 circa 7.000 Juden nach Israel aus.<sup class="modern-footnotes-footnote ">6</sup></p>



<p>Die vorliegende Studie sucht Antworten auf die Frage, was die kommunistischen Behörden Jugoslawiens zur Reintegration der Heimkehrer unternommen haben und wie sie die Überlebenden des Holocaust empfingen und weiterhin behandelten. Damit wird auch der Frage nachgegangen, welche Bedeutung in Jugoslawien der nationalsozialistischen „Endlösung“ beigemessen wurde: Das kommunistische Regime reduzierte die Geschichte des deutschen Besatzungsregimes in Jugoslawien auf seinen Krieg gegen die „Volksbefreiungsbewegung“, die Anstiftung zum Krieg der jugoslawischen Nationaliäten gegeneinander und den Sieg der Partisanen über diese Kräfte. Die Verfolgung der jugoslawischen Juden rückte erst in das Bewusstsein der jugoslawischen Bevölkerung, als im Jerusalemer Eichmann-Prozess auch jugoslawische Jüdinnen und Juden als Zeugen der Verfolgung der Juden in Jugoslawien auftraten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">7</sup> Als Fazit ergibt sich, dass die Überlebenden des Holocaust zwar zur Rückkehr aufgefordert wurden (anders als in den anderen von der deutschen Besetzung befreiten Ländern, speziell Österreich), ihre Erfahrungen aber keine besondere Bewertung und Berücksichtigung in der Gesetzgebung und Praxis fanden. Der vorliegende Beitrag führt die Untersuchungen der Autorin fort, die sie im Aufsatz „,Displaced Personsʻ aus Jugoslawien. Repatrierung und Reintegration seit 1945“<sup class="modern-footnotes-footnote ">8</sup> begonnen hat. Darin geht es um die Vielfalt der Kategorien jugoslawischer „Displaced Persons“ (DPs) und ausländischer „DPs“ und die Modalitäten ihrer Repatriierung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wie ging es mit den jugoslawischen Überlebenden weiter?</h3>



<p>Die Literatur zur Judenverfolgung in Jugoslawien<sup class="modern-footnotes-footnote ">9</sup> (ebenso wie außerhalb Jugoslawiens<sup class="modern-footnotes-footnote ">10</sup> und in seinen Nachfolgestaaten<sup class="modern-footnotes-footnote ">11</sup>) endet mit dem 8. Mai 1945. Die Zeit danach wird als „Übergangsphase“, als „Anfang vom Ende des jugoslawischen Judentums“, betrachtet. Hat das kommunistische Jugoslawien die überlebenden Juden zur Auswanderung gezwungen, wie die UdSSR? Oder hat es ihnen Lebensmöglichkeiten in Aussicht gestellt, so dass sich Auswanderungswillige entschieden, doch zu bleiben,<sup class="modern-footnotes-footnote ">12</sup> und Ausgewanderte nach Jugoslawien zurückkehrten?<sup class="modern-footnotes-footnote ">13</sup> Wie behandelte das kommunistische Jugoslawien seine Rückkehrer, und welche Behandlung konnte die Menschen entweder zur Auswanderung oder zum Verbleib motivieren? Für eine Untersuchung dieser Fragen bieten sich als Zeitrahmen die Jahre von 1945 bis 1948/49 an, als die Entscheidung über Bleiben oder Gehen zu treffen war. In diesen Jahren hatten die Heimkehrer sich in ein kommunistisches System und in ein vom Krieg schwer gezeichnetes Land zu integrieren, dessen Landwirtschaft, Industrie und Verkehrswege zerstört waren, das circa zehn Prozent seiner Bevölkerung, 1,7 Millionen Menschen, im Krieg verloren hatte und dessen Bevölkerung von der Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen (UNRRA) in der Hungersnot unterstützt wurde. Nicht nur ihre Erfahrungsberichte<a>,</a><sup class="modern-footnotes-footnote ">14</sup> sondern auch die Akten der Behörden, die mit der Repatriierung von Überlebenden befasst waren,<sup class="modern-footnotes-footnote ">15</sup> zeigen, dass die Heimkehrer den Neubeginn überwiegend aus eigenen Kräften schaffen mussten und Unterstützung vor allem von den internationalen jüdischen Organisationen erhielten. Die Behörden förderten jedoch die Reaktivierung der jüdischen Kultusgemeinden trotz ihrer religiösen Konnotation: Schließlich sprangen die Gemeinden bei der sozialen Betreuung der Überlebenden ein und beschafften zudem von internationalen jüdischen Organisationen Hilfe aus dem Ausland. Daher gestalteten die Behörden ihre Beziehungen zu den Gemeinden möglichst konstruktiv. Das Misstrauen bekamen die „einfachen“ Gemeindemitglieder zu spüren; sie glaubten, dass der Antisemitismus in der Bevölkerung den Zusammenbruch des Ustascha-Regimes und der deutschen Besatzung überlebt habe und auch den Kommunisten nie ganz fremd gewesen sei. Benachteiligungen bei Postenbesetzungen und bei der Vergabe von Wohnungen sowie bei der Rückerstattung beschlagnahmten Vermögens schienen diese Annahme zu bestätigen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">16</sup> Es ist aber auch anzunehmen, dass in der Not der unmittelbaren Nachkriegszeit jedermann sich selbst der Nächste war und Animositäten mit „Verteilungskämpfen“ begründet werden können.</p>



<p>Die Heimkehrer fanden einen Staat vor, der ab 1945 in Wirtschaft, Kultur und Politik das sowjetische System mit so großem Bemühen kopierte, dass Jugoslawien als verlässlichster Trabant Moskaus galt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">17</sup> Das Klima der Furcht und des Denunziantentums verschärfte sich – einerseits durch die Verteilungskämpfe in der Mangelwirtschaft, andererseits auch, weil nicht nur in der Staatsführung, sondern bis in das öffentliche Leben hinein Furcht vor einer militärischen Besetzung Jugoslawiens durch die Sowjetunion herrschte, da dieser Titos außenpolitische Alleingänge missfielen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">18</sup> Naida Mihal Brandl zufolge erlebten jüdische Mitbürger eine Judenfeindschaft, die es in allen osteuropäischen Staaten gab und die von den Herrschenden genährt wurde, aber ihrer Meinung nach nur in der Tschechoslowakei so ausgeprägt gewesen sei wie in Jugoslawien.<sup class="modern-footnotes-footnote ">19</sup> Diese Behauptung ist jedoch zu relativieren: Jüdinnen und Juden bekleideten auch in der unmittelbaren Nachkriegszeit gehobene und hohe Positionen in den Ministerien<sup class="modern-footnotes-footnote ">20</sup>, in der Justiz<sup class="modern-footnotes-footnote ">21</sup> und Medizin: Dr. Stjepan Steiner (1915–2006),<sup class="modern-footnotes-footnote ">22</sup> Arzt in der Partisanenarmee, und seine Frau Dr. Zora Steiner<sup class="modern-footnotes-footnote ">23</sup> betreuten Präsident Tito als Leibärzte; Dr. Zdenko Njemirovskij (1911–1990) wurde zur Neueinrichtung der Zahnklinik Zagreb und zur Einrichtung einer eigenen Fakultät für Zahnmedizin berufen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">24</sup></p>



<p>Einer der führenden Wirtschaftsexperten in ganz Jugoslawien war der Generaldirektor der Firma Energoinvest in Sarajevo, Emerik Blum (1911–1984), Überlebender des Ustascha-Konzentrationslagers Jasenovac, zeitweilig Vorsitzender des Bundes der Kommunisten von Bosnien und Herzegowina (SK BiH) und von 1981 bis 1983 auch Bürgermeister Sarajevos.<sup class="modern-footnotes-footnote ">25</sup></p>



<p>Die Gleichberechtigung und die Chancen, die Jüdinnen und Juden in der unmittelbaren Nachkriegszeit in Jugoslawien genossen, war die eine Seite der Medaille – die andere war die Fortdauer der stalinistischen Repression auch nach dem Bruch zwischen Belgrad und Moskau (Mai 1948<sup class="modern-footnotes-footnote ">26</sup>). Tendenzen, nach Stalins Vorbild Juden sogar aus dem Land abzuschieben, hielten sich, so dass die Jahre von 1948/49 bis 1953 als „Stalinismus nach Stalin“<sup class="modern-footnotes-footnote ">27</sup> bezeichnet wurden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Empfang in der Heimat</h3>



<p>Die Aufforderung zur – obligaten – Repatriierung<sup class="modern-footnotes-footnote ">28</sup> von „jugoslawischen Staatsbürgern, die sich während des Krieges im Ausland aufgehalten hatten“, wurde vom Präsidium des Antifaschistischen Rats der Nationalen Befreiung Jugoslawiens (Antifašističko vijeće/veće narodnog oslobođenja Jugoslavije, AVNOJ) am 28. April 1945 verkündet. Die Verordnung mit gleichem Datum bestimmte die Bildung einer Repatriierungskommission und ihr untergeordneter Repatriierungsstäbe zum Empfang der Repatriierungstransporte an den Grenzübergängen zwischen Jugoslawien und den von den Alliierten besetzten bzw. befreiten Ländern.<sup class="modern-footnotes-footnote ">29</sup></p>



<p>Zur Organisation der staatlichen Transporte ab den Lagern gibt es im Bestand „Repatriierungskommission“ im kroatischen Staatsarchiv keine Unterlagen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">30</sup> Repatriierungsverläufe im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald schilderte der damit befasste jugoslawische Exhäftling Rudi Supek, der mit den kommunistischen Leitern der deutschen, französischen und tschechischen Lagergemeinschaften zusammenarbeitete.<sup class="modern-footnotes-footnote ">31</sup> Eine Erinnerung an die Tätigkeit der jugoslawischen Repatriierungskommission überlieferte der Exhäftling des Konzentrationslagers Dachau, Lazar Weinberger: Ihn fand das ärztliche Mitglied der Kommission, Dr. Goran Nikolić, nach der Befreiung des Lagers (29. April 1945) und stabilisierte den von der Zwangsarbeit erschöpften, teilnahmslosen Jugendlichen so weit, dass er den Heimtransport antreten konnte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">32</sup></p>



<p>In den von der Staatlichen Repatriierungskommission eingerichteten Repatriierungsbasen für den Empfang der Transporte wurden die Ankömmlinge verpflegt, mit lebensnotwendigen Gütern erstversorgt, ärztlich untersucht und zu „Informationsgesprächen“ mit den Beamten der Geheimpolizei OZNA<sup class="modern-footnotes-footnote ">33</sup> vorgeladen. Diese Gespräche entpuppten sich als entscheidende Momente für ihr weiteres Schicksal: Das Hauptinteresse der Geheimpolizei galt dem Verhalten der Repatriierten im Krieg, unter der Besatzung und in den Konzentrationslagern, eventueller Komplizenschaft mit der Lagerverwaltung, SS und Gestapo – zum Schaden von Mitgefangenen. Die Offiziere entschieden, ob die Repatriierten sofort nach Hause weiterreisen durften (sofern sie ein Zuhause erwartete) oder ob sie in staatlichen Aufnahmequartieren, ab 1946 in Aufnahmelagern in den Städten, weiteren Überprüfungen unterzogen werden sollten. Diese Befragungen erlebten Zeitzeugen als Verdächtigungen, weil allein schon die Tatsache des Überlebens in den Konzentrationslagern möglicher Kollaboration mit dem Feind – Gestapo, SS, SD – zugeschrieben werden konnte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">34</sup></p>



<p>Im Laufe des Jahres 1946 wurden in den Städten Wohnobjekte der früheren Besatzer zu Aufnahmelagern umfunktioniert; diese dienten auch als vorübergehende Unterkunft für jene, die kein Zuhause erwartete. Die Jüdische Kultusgemeinde in Zagreb, die auch nach der Deportation aller ihrer Führungspersönlichkeiten nach Auschwitz 1943 weiterhin funktionieren konnte und 1945 ihre von der Ustascha 1941 beschlagnahmten Räume zurückerhielt, richtete darin Schlafräume und eine zentrale Küche für jüdische Rückkehrer ein.<sup class="modern-footnotes-footnote ">35</sup></p>



<p>Die Kosten für den Aufenthalt in den Aufnahmezentren trugen das jugoslawische Sozialministerium und sein Pendant, das Sozialministerium der Volksrepublik Kroatiens, gemeinsam: Das Geld dafür kam aus von den Kollaborationsregierungen nicht ins Ausland geschafften Konten. Die Repatriierten erhielten aus diesen Fonds bis Jahresende 1945 einmalige Unterstützungen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">36</sup> Das Jugoslawische Rote Kreuz half mit Lebensmittelspenden, um den durchwegs unterernährten und geschwächten Repatriierten trotz der Lebensmittelknappheit hochwertige Mahlzeiten zu bieten. Auch die internationale Hilfsorganisation UNRRA, mit der Jugoslawien am 25. März 1945 seinen ersten internationalen Vertrag über Humanitär- und Wiederaufbauhilfe geschlossen hatte, sprang bei der Versorgung ein.<sup class="modern-footnotes-footnote ">37</sup></p>



<p>Der Gesundheitszustand der meisten Repatriierten erforderte ärztliche Maßnahmen. Deshalb wurden schon bald nach Beginn der staatlichen Repatriierung 40 Quarantänestationen im Land eingerichtet, um Patienten mit TBC, psychischen und venerischen Krankheiten herauszufiltern und in Krankenhäuser einzuliefern.<sup class="modern-footnotes-footnote ">38</sup> Die psychiatrische Behandlung von ehemaligen Konzentrationslagerhäftlingen übernahmen Ärzte „illegal“, denn Psychiatrie wurde von dogmatischen Kommunisten als „bourgoises“ Relikt und als unvereinbar mit dem Profil des neuen jugoslawischen Staatsbürgers betrachtet. Ärztliche Behandlung und Rehabilitierung wurde primär den Verwundeten und Kriegsinvaliden zuteil; aber in den Zagreber Kliniken wurde die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) mit körperlichen Störungen studiert.<sup class="modern-footnotes-footnote ">39</sup> Schon 1952 wurde in der 1. Auflage des Diagnostisch-Statistischen Handbuches auch das Syndrom der Lagertraumata behandelt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">40</sup></p>



<h3 class="wp-block-heading">Reintegrierung in Jugoslawien</h3>



<h4 class="wp-block-heading">Unterstützungen</h4>



<p>Überlebende der Konzentrations- und Vernichtungslager sowie Heimkehrer aus der Emigration gingen nach ihrer Rückkehr ungeachtet ihrer körperlichen und seelischen Verfassung daran, sich aus eigenen Kräften eine neue Existenz aufzubauen. Zahlreiche erfolgreiche Universitäts- und Wirtschaftskarrieren sprechen für ihre Willenskraft. Lazar Weinberger (keine biografischen Daten bekannt), nach der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau erschöpft und apathisch, nahm im Herbst 1945 das Studium der Medizin auf;<sup class="modern-footnotes-footnote ">41</sup> Natan Langer studierte Elektrotechnik und wurde wegen seines herausragenden Studienerfolges von der deutschen Firma Siemens zu einem Studienaufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland eingeladen. Seine Familie habe ihm zwar gedroht, wenn er wirklich nach Deutschland gehe, brauche er nicht mehr nach Hause zu kommen. Doch er nahm die Einladung an, und die Familie fand sich damit ab.<sup class="modern-footnotes-footnote ">42</sup> Boris Braun, der Auschwitz, die Todesmärsche und Buchenwald überlebt hatte, studierte ab 1945 Agronomie und habilitierte sich.<sup class="modern-footnotes-footnote ">43</sup> Lea Kriesbacher Fürth, die aus dem Ghetto in Budapest entkommen konnte, holte 1945 im Zagreber Partisanengymnasium die Matura nach und absolvierte die Übersetzerausbildung für Deutsch, Ungarisch und Jiddisch.<sup class="modern-footnotes-footnote ">44</sup> Die ehemalige Ordinaria für Zeitgeschichte mit besonderer Berücksichtigung der kroatischen Geschichte des 19.&nbsp;Jahrhunderts Mirjana (Mirijam) Gross (1922–2012), Rückkehrerin aus den Konzentrationslagern Buchenwald und Ravensbrück, musste nach der Repatriierung aus Buchenwald in einem Sanatorium eine durch die Lagerhaft verursachte Erkrankung ausheilen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">45</sup></p>



<p>Die Erfahrungen mit Lagern, Flucht und Todesgefahr behielten die Heimkehrer für sich. Diejenigen, die 1941 auf der Seite der Verfolger standen, mussten in den ersten Jahren des kommunistischen Systems um ihre Freiheit, ja um ihr Leben bangen<sup class="modern-footnotes-footnote ">46</sup> und vermieden daher Kontakte zu ihren ehemaligen Opfern oder versuchten, sich zu rechtfertigen. Reue oder den Willen zu einer wenigstens symbolischen Wiedergutmachung konnten die Opfer bei den ehemaligen Tätern nicht erkennen, berichtet ein Zeitzeuge.<sup class="modern-footnotes-footnote ">47</sup> Die nachfolgenden Generationen konnten von den Überlebenden nur sporadisch und andeutungsweise erfahren, was diese in den Lagern erlebt hatten.</p>



<p>In der Mangelwirtschaft der unmittelbaren Nachkriegszeit halfen die jüdischen Kultusgemeinden bei der Erfüllung der elementaren Bedürfnisse der Überlebenden aus. Der Bund der Jüdischen Gemeinden Jugoslawiens, der sich schon einen Tag nach der Befreiung Belgrads, am 21. Oktober 1944, wieder konstituiert hatte,<sup class="modern-footnotes-footnote ">48</sup> nahm Kontakt zu internationalen jüdischen Hilfsorganisationen auf.<sup class="modern-footnotes-footnote ">49</sup> Finanzielle Unterstützung und Sachspenden im Wert von mehreren Hundert Millionen Dinaren kamen von jüdischen Organisationen in den USA und von der nach der Gründung des Staates Israel offiziell anerkannten (aber schon vor dem Zweiten Weltkrieg bestehenden) Vereinigung jugoslawischer Immigranten (Udruženje useljenika iz Jugoslavije – Hitahdut olej Ex Jugoslavija, HOJ)<sup class="modern-footnotes-footnote ">50</sup> sowie aus der Schweiz.<sup class="modern-footnotes-footnote ">51</sup> Allerdings durften die Gelder aus dem Ausland nicht direkt in die Kassen der Gemeinde fließen, sondern mussten im kommunistischen Jugoslawien, ab 1945, über ein „Autonomes Komitee“ (unter staatlicher Aufsicht) überwiesen werden, was nicht alle Donatoren aus den USA und dem späteren Staat Israel akzeptierten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">52</sup> Der Bund der jüdischen Gemeinden Jugoslawiens akzeptierte diese staatliche Auflage, bemühte sich aber gegenüber den ausländischen Organisationen, diese von seiner autonomen Verwaltung der Spenden zu überzeugen. Manche Gemeindemitglieder betrachteten die Zustimmung des Bundes zur staatlichen Kontrolle ihrer Hilfsgelder als „übertriebene Loyalität“, ja Servilität, gegenüber dem kommunistischen Regime.<sup class="modern-footnotes-footnote ">53</sup></p>



<p>Finanzielle Unterstützung erhielten vom Bund der Jüdischen Gemeinden die Hinterbliebenen, auch wenn diese nicht mehr Konfessionsjuden waren. Die Mehrheit der Jüdinnen und Juden Jugoslawiens – 8.000 oder zwei Drittel der 1946 auf 12.000 Menschen geschätzten jüdischen Bevölkerung – war im Jahr 1946 noch arbeitslos oder „geringfügig beschäftigt“ und bedurfte der finanziellen Zuwendungen. Wie Branko Polić sich erinnerte, konnte es sich seine Familie bis 1948 finanziell nicht leisten, zu Hause zu kochen, sondern war auf die öffentlichen Mensen angewiesen, die alle Unternehmen und öffentlichen Dienste ihren Angestellten boten. Die Jüdischen Gemeinden<sup class="modern-footnotes-footnote ">54</sup> sahen eine ihrer Hauptaufgaben in der Organisation von Mensen und ärztlicher Ordinationen, zu denen sie auch konvertierte Juden und – im Falle von Mischehen – auch die nichtjüdischen Ehepartner zuließen. Hilfe aus dem Ausland kam auch in Form von Sachspenden und der Finanzierung von Rehabilitationsbehandlung, besonders für Kinder und Jugendliche.<sup class="modern-footnotes-footnote ">55</sup></p>



<h4 class="wp-block-heading">Kampf um Anerkennung des Opferstatus und um soziale Rechte</h4>



<p>Die Betreuung der Repatriierten durch die jüdischen Gemeinden, die diese Aufgabe dank der Hilfe internationaler jüdischer Organisationen leisten konnten, musste im Jahre 1945 die staatliche Fürsorge weitgehend ersetzen. Die Sozialgesetzgebung, die 1945 sukzessive erneuert wurde, war auf den Partisanenkampf und die zivilen Opfer des Krieges in Jugoslawien zugeschnitten, die gesundheitliche Schäden durch Verfolgung, Folter oder andere traumatische Ereignisse erlitten hatten. Dies wurde in einem Beschluss der provisorischen Regierung Jugoslawiens vom 19. Dezember 1944 geregelt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">56</sup> Repatriierte kamen in diesem Beschluss nicht vor. Ihnen wurden jedoch aufgrund der Verordnung des Antifaschistischen Rates der Volksbefreiung Jugoslawiens über die Annullierung aller zwischen dem 6. April 1941 (dem Tag des deutschen Angriffs auf Jugoslawien) und dem 8. Mai 1945 erlassenen Gesetze und anderer Rechtsakte die vom Ustascha-Regime aberkannten sozial-, arbeitsrechtlichen und (mit Einschränkungen) vermögensrechtlichen Ansprüche restituiert.<sup class="modern-footnotes-footnote ">57</sup> Doch es gibt keine Hinweise darauf, dass die Adressaten dieses Erlasses ihn tatsächlich als Geste der Wiedergutmachung erlebten. Seine Wirkung war mehr eine symbolische denn eine real-finanzielle und materielle, zumal nur wenige Überlebende pensionsrelevante Arbeitszeiten aufweisen konnten.</p>



<p>Als tatsächlich wirksame Leistung und Hilfe konnten überlebende KZ-Insassen Zusatzpensionen empfinden, wie sie die Partisanen und die Hinterbliebenen Gefallener des „Volksbefreiungskampfes“ erhielten. Aber die Rückkehrer aus den nationalsozialistischen Konzentrationslagern, wie das Ehepaar Richard und Ema Glasl, das alt und krank repatriiert wurde, hatten es schwer, die Behörden von ihrer KZ-Haft zu überzeugen und auch ohne Dokumente Glauben zu finden. Sie erlebten, dass die Referenten in den Dienststellen kaum Kenntnisse von den Ereignissen während des Krieges außerhalb ihrer engeren Heimat hatten und von den Vernichtungslagern nichts wussten. Dem Ehepaar Glasl wurde eine einmalige Überbrückungshilfe bis zur Anerkennung ihrer Ansprüche zuerkannt. Die beiden wurden „von Pontius zu Pilatus geschickt“, klagte Richard Glasl.<sup class="modern-footnotes-footnote ">58</sup> Im Jahr 1946 erlangten auch Zivilisten, die für ihre politische Gesinnung das Leben gelassen hatten, und die rassisch oder national Verfolgten (Juden und Serben) den Status als „Opfer des faschistischen Terrors“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">59</sup> Vermögensrechtlich war den Repatriierten der nationalsozialistischen Lager schon 1945 durch das Gesetz über hinterlassenes Vermögen vom 24. Mai 1945 der Status als zwangsweise Geflüchtete oder Vertriebene zuerkannt worden,<sup class="modern-footnotes-footnote ">60</sup> doch das Sozialrecht trug diesem Umstand nicht Rechnung. Als die Koordination<sup class="modern-footnotes-footnote ">61</sup> der Jüdischen Gemeinden Jugoslawiens 1951 den Kontakt zur „Claims-Conference“<sup class="modern-footnotes-footnote ">62</sup> aufnahm, wurden auch die kroatischen Überlebenden in die Hilfe der „Claims Conference“ mit einbezogen. Es dauerte aber noch bis zum Jahr 1998&nbsp;[!], bis die Juden in Kroatien zum ersten Mal das Recht auf Unterstützung und „Kompensationszahlungen“ für Holocaust-Überlebende der „Central &amp; Eastern European Fund – Claims Conference“ (CEEF) erhielten. Die ersten Direktauszahlungen von Unterstützungsgeldern erfolgten in Kroatien erst im Jahr 2013.<sup class="modern-footnotes-footnote ">63</sup></p>



<h4 class="wp-block-heading">Vermögensrestitution</h4>



<p>Die Repatriierungswilligen in den DP-Lagern wurden von den jugoslawischen Militärmissionen und den sie begleitenden Mitgliedern der Repatriierungskommission informiert, dass das Eigentum rassisch, politisch und national Verfolgter des Ustascha-Regimes und der Personen, die ihr Eigentum wegen Verfolgung hatten zurücklassen müssen, gemäß Artikel 2 des AVNOJ-Beschlusses vom 21. November 1944 bis zur endgültigen Regelung der Eigentumsfrage unter staatliche Verwaltung gestellt (sequestriert) werde. Dies galt auch für Vermögen, das auf Druck der Besatzungsmächte ins Eigentum von Dritten übergegangen war.<sup class="modern-footnotes-footnote ">64</sup></p>



<p> Die Sequestrierung sollte unrechtmäßige Veräußerung, Beschädigungen sowie ungesetzliche Nutzung verhindern und das Recht der Vorbesitzer darauf schützen. Bei den Debatten in der Nationalversammlung zu diesem Gesetz betonte der Abgeordnete der Verfassunggebenden Nationalversammlung, Moše Pijade,<sup class="modern-footnotes-footnote ">65</sup> dass der Gesetzgeber gerade die Beschlagnahmung von Vermögen aus rassischen Gründen bei der Formulierung der Rückgabepflicht im Auge behalten habe.<sup class="modern-footnotes-footnote ">66</sup></p>



<p>Jüdische Überlebende, die sich im Vertrauen auf diese Zusicherung an die kommunistischen Behörden um den Rückerhalt ihrer ehemaligen Wohnungen und Häuser wandten, machten unterschiedliche Erfahrungen. Die neue Zagreber Stadtverwaltung, die am 8. Mai 1945 ihr Amt antrat, half manchen Rückkehrern, indem sie jene Wohnungsbesetzer delogierte, die sich 1941 eigenmächtig in jüdische Wohnungen und Häuser einquartiert hatten. Illegale Inbesitznahme von vermeintlich „herrenlosen“ Wohnungen gab es aber auch, als vor dem absehbaren Ende des Krieges im Mai 1945 die Städte von Flüchtlingen aus den Regionen der großen Militäroffensiven überflutet wurden. In solchen Fällen gewährten die Beamten Unterstützung sichtlich selektiv, nach eigenem Gutdünken und je nach Position des Wohnungsbesetzers: Der Zagreber Jude Vladimir Müller (in Israel Zeev Milo) musste mit seinen Eltern nach ihrer Rückkehr aus dem Partisanenkampf „antichambrieren“, um die eigene Wohnung wieder beziehen zu dürfen. Der Profiteur seines Eigentums hatte rechtzeitig die Seite gewechselt und genoss den Schutz der neuen Herren. Die Suche nach Ersatzquartieren wurde von den Behörden auf die Antragsteller abgewälzt; sie gestaltete sich mühsam, nicht nur angesichts der vielen Kategorien von Obdachlosen, die um Wohnungen konkurrierten: Jede ausgewählte Wohnung war schon „vergeben“, erinnerte sich Zeev Milo.<sup class="modern-footnotes-footnote ">67</sup> Eine ähnliche Erfahrung machten Mila Ajzenštajn und ihre Mutter nach ihrer Rückkehr aus der Partisanenarmee ins Zivilleben.<sup class="modern-footnotes-footnote ">68</sup> Ihnen legte der Volksbefreiungsausschuss von Zagreb eine Liste von leeren Wohnungen vor, aus der sie sich eine aussuchen sollten. Sie aber wollten nicht in eine fremde Wohnung einziehen und fremde Dinge benutzen. In einer Pension fanden sie einen Schlafraum mit sechs Betten. Sie teilten sich diesen Raum mit einer vom Stadtkomitee für Wohnungsfragen eingewiesenen Russin und deren Freundin. Später zogen Mila Ajzenštajn und ihre Mutter zu einer Bekannten, die mit der Aufnahme der beiden Frauen die Zwangseinquartierung fremder Menschen verhindern konnte. Aber die Stadtkommission quartierte alle aus, weil die Wohnung für ein höherrangiges Parteimitglied reserviert worden war.<sup class="modern-footnotes-footnote ">69</sup></p>



<p>Das Zentralkomitee der KP Kroatiens monierte die „Privilegierung diverser Serben und Juden, die den ganzen Krieg über in der Emigration zugebracht haben, und denen nun ohne weiteres ihre Wohnungen, Geschäfte und Werkstätten zurückgegeben werden, ohne zu prüfen, wie sie sich im Krieg verhalten haben“. Diese Juden und Serben hätten „typisch“ Bekannte und Verbindungen, so dass ihre Anliegen beschleunigt würden, während Aufgaben von allgemeinem Interesse deshalb unerledigt liegen blieben.<sup class="modern-footnotes-footnote ">70</sup></p>



<p>Unmittelbar nach der Machtübernahme der Partisanen vergaben die neuen Behörden die verfügbaren Wohnungen chaotisch, willkürlich, ohne nachvollziehbare Kriterien. Aber am 24. Mai 1945 wurde der Umgang mit den von Geflüchteten hinterlassenen Immobilien und beweglichem Gut vom Gesetz über den Umgang mit Vermögen, das ihre Eigentümer unter dem Druck der Besatzer aufgeben mussten, geregelt. Es fußte auf Artikel 2 der AVNOJ-Bestimmung von 21. November 1944 über die unverzügliche Rückgabe solchen Vermögens an die Ersteigentümer. Aber es enthielt zusätzliche Bedingungen: Eigentümer, die nach dem 6. April 1941 solches Eigentum hinterlassen mussten, hatten für die unverzügliche Rückerstattung nachzuweisen, dass sie zwischen dem 6. April 1941 und dem 8. Mai 1945 nicht mit den Besatzern kollaboriert hatten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">71</sup> Diese Bedingung wurde auch auf gesetzliche Erben ausgedehnt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">72</sup></p>



<p>Aber die Gesetzespraxis führte zu gegensätzlichen Folgerungen: Unter Anwendung des Ermessensrechtes, von dem die Behörden reichlich Gebrauch machten, konnten sie Jüdinnen und Juden, die von der Ustascha als „unabkömmliche“ Fachkräfte in ihren ehemaligen, aber von Ustascha-Kommissaren geführten Unternehmen weiterbeschäftigt wurden, „Zusammenarbeit mit dem Besatzungsregime und seinen Kollaborateuren“ unterstellen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">73</sup> Angelo Adam, Jude aus Rijeka, Spanienkämpfer in den Internationalen Brigaden, Mitglied der französischen Resistance und KZ-Häftling in Dachau, konnte bis zur Kapitulation Italiens und dem Abzug der Italiener aus dem Küstenland sein Geschäft in Rijeka (it. Fiume) führen. Aus genau diesem Grund wurden 1945 er, seine Frau und schließlich seine Tochter, die sich nach dem Verschwinden der Eltern auf die Suche gemacht hatte, ermordet.<sup class="modern-footnotes-footnote ">74</sup></p>



<p>Wenn die „illegalen Wohnungsbesetzer“ die Wohnungen nicht freiwillig räumten und die Ersteigentümer ihr Recht mit Unterstützung der Volksbefreiungskomitees und Polizeieinsatz durchzusetzen versuchten, wurden zwar die „Illegalen“ als „Übernehmer“ fremden Eigentums als Kriegsverbrecher verurteilt und mit Konfiszierung, Zwangsarbeit und Verlust der bürgerlichen Rechte auf mehrere Jahre bestraft. Aber der frühere Wohnungseigentümer musste in solchen Fällen in der Regel seinen Anspruch bei Gericht anmelden, sein Eigentumsrecht nachweisen und den Abschluss des Verfahrens abwarten. Es war ein Weg mit vielen Hürden. Da Wohnungseigentümer 1941/42 Knall auf Fall aus ihren Wohnungen vertrieben wurden, konnten sie nicht in jedem Fall die entsprechenden Dokumente vorlegen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">75</sup></p>



<p>Während der laufenden Konfiszierungsverfahren durfte der zum Rückerhalt Berechtigte aus seiner (ehemaligen) Wohnung (bzw. seinem ehemaligen Haus) Inventar „leihweise“ in seine neue Unterkunft mitnehmen; aber er haftete strafrechtlich und materiell für eventuelle Beschädigungen und eventuelle Wertminderung, was seine Verfügungsgewalt über sein ehemaliges Eigentum mehr oder weniger einschränkte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">76</sup></p>



<h4 class="wp-block-heading">Rückerhalt beweglichen Eigentums</h4>



<p>Am 8. Mai 1945 begann die Finanzsektion des Landesrates der Volksverteidigung Kroatiens mit der Übernahme der Banken des Unabhängigen Staates Kroatien. In der Kroatischen Staatsbank (Hrvatska državna banka, die als Nationalbank des „Unabhängigen Staates Kroatien“ fungierte) fanden die neuen Beamten 178 Colli Preziosen – Wertsachen, die das Ustascha-Regime vor dem fluchtartigen Verlassen Zagrebs am 6. Mai 1945 dort zurückgelassen hatte. Der wertvolle Inhalt stammte aus der „Kontribution von Juden für den Bedarf des Staates“, die die kroatischen Juden bis 31. Oktober 1941 an die Ustascha-Polizei abliefern mussten: Bargeld und Wertbriefe, Diamanten, Perlen, Bruch- und Zahngold<sup class="modern-footnotes-footnote ">77</sup> im Gesamtwert von 53.266.964 RM).<sup class="modern-footnotes-footnote ">78</sup> Nur eine einzige kommerzielle Bank des Unabhängigen Staates Kroatien zahlte ihren jüdischen Kunden die Einlagen aus, bevor der Staat 1941 sich dieser Einlagen bemächtigte und ihre Bankkonten und Safes beschlagnahmte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">79</sup></p>



<p>In der ehemaligen Kroatischen Nationalbank entdeckten die Beamten des Finanzministeriums des provisorischen Demokratischen Föderativen Jugoslawien (DFJ) „schlafende Konten“ – Konten, deren Besitzer sich nicht innerhalb eines Jahres ab dem Ende der Ustascha-Herrschaft gemeldet hatten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">80</sup> Diese waren, gemäß Artikel 2 der AVNOJ-Beschlüsse vom 21. November 1944, den Eigentümern auszufolgen. Das Finanzministerium der Volksrepublik Kroatien entschied, in Abstimmung mit dem gesamt-jugoslawischen Finanzministerium, dass erbenloses Vermögen an den Staat zu fallen habe und nicht vererbbar sei. Anträge internationaler jüdischer Organisationen auf herrenloses, ehemals jüdisches Vermögen lehnte Jugoslawien ab.<sup class="modern-footnotes-footnote ">81</sup> Erben konnten nur Familienangehörige oder testamentarisch eingesetzte Erbberechtigte, unter der Bedingung, dass sie eine rechtskräftige Todeserklärung des vermissten Safeeigentümers vorlegten, aufgrund derer das Gericht ein Verlassenschaftsverfahren durchführte und die Erbfolge bestätigte. Die Frist für die Erlangung der Todeserklärung betrug ein Jahr vom Datum des Inkrafttretens des Erbgesetzes (17.8.1946).<sup class="modern-footnotes-footnote ">82</sup> Der Gesetzgeber musste gewusst haben, dass diese Frist im Hinblick auf die Umstände des Verschwindens oder des Ablebens im Krieg kaum einzuhalten war. Aber dem Staat lag daran, den Übergang möglichst viel herrenlosen Vermögens per Gesetzeskraft in Staatseigentum zu ermöglichen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">83</sup> Dies wird durch eine Weisung des Justizministeriums der Volksrepublik Kroatien an die Verlassenschaftsgerichte bestätigt, den Umfang des zu vererbenden Nachlasses möglichst einzuschränken, „zugunsten des Staates, um nicht zu viel Vermögen in private Hand zu geben“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">84</sup></p>



<p>Im Jahr 1941 mussten Kunstgegenstände in Privatbesitz, sofern sie nicht bei Razzien weggeschafft wurden, zum „Schutz vor Kriegseinwirkungen“ an das nächstgelegene Museum oder eine Galerie abgeliefert werden. Nichtbefolgung der Meldepflicht wurde mit Gefängnis bis zu fünf Jahren und empfindlichen Geldstrafen geahndet. Diese Pflicht erwies sich als „Zwangsablieferung“. Museen und Galerien verleibten diese „Leihgaben“ ihren Beständen ein und verweigerten nach dem Krieg generell die Rückgabe.<sup class="modern-footnotes-footnote ">85</sup></p>



<p>Die Führung des Unabhängigen Staates Kroatien begann im Herbst 1944 mit der Ausschaffung von Bargeld, Goldreserven und Wertgegenständen zu Schweizer Banken.<sup class="modern-footnotes-footnote ">86</sup> Im Frühjahr 1945 wurden kroatische Politiker und Spitzenbeamte in der britischen Besatzungszone in Kärnten gefangen genommen und an Jugoslawien ausgeliefert. Was mit dem von ihnen mitgeführten Geld und den Preziosen weiter geschah, ist nicht festzustellen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">87</sup></p>



<p>Die Depots in der Schweiz wurden aufgrund der Friedenskonferenz 1947 in Paris auf Diktat der Alliierten von der Schweiz an Jugoslawien zurückverwiesen. Die ehemaligen Eigentümer gingen leer aus. Hinterbliebene von Konten- und Safeinhabern in Schweizer Banken, die nicht damit rechneten, dass ihnen der jugoslawische Staat behilflich sein würde, bemühten sich selbst um Herausgabe des hinterlassenen Vermögens – aber vergeblich.<sup class="modern-footnotes-footnote ">88</sup></p>



<h3 class="wp-block-heading">Fazit: Die Überlebenden des Holocaust und die kommunistische Gesellschaft</h3>



<p>Den Neubeginn nach der Heimkehr in die Heimat schafften die Überlebenden des Holocaust, die sich 1948 und 1949 nicht zur Auswanderung nach Israel entschieden, im Wesentlichen aus eigenen Kräften. Die „Beiträge zur Erforschung der Geschichte jüdischer Familien“<sup class="modern-footnotes-footnote ">89</sup> enthalten durchwegs Geschichten von Überlebenden, die die Erinnerungen an das Erlebte, aber auch die Enttäuschungen mit dem neuen, kommunistischen Staat, ohne Larmoyanz schildern. Alle erlebten die Diskrepanz zwischen propagandistischen Versprechen und tatsächlichen Leistungen, besonders bei der Vermögensrestitution. Sie erkannten, dass ihnen auch die nach dem Krieg reaktivierten Jüdischen Kultusgemeinden nicht umfassend helfen konnten, da das kommunistische Regime ihre Wirkungsmöglichkeiten einschränkte. Die Gemeinden bemühten sich dennoch um eine positive Einstellung zu den staatlichen Behörden, und auch diese kooperierten, obwohl es sich um „Kultusgemeinden“ handelte, deren Duldung durch das kommunistische Regime nicht selbstverständlich war. Naida Mihal Brandl und Emil Kerenji stimmen darin überein, dass die Beziehungen zwischen den Spitzen des Bundes der Jüdischen Gemeinden Jugoslawiens und den staatlichen Stellen, auch der KPJ, „ungetrübt gut“, jene in den Gemeinden gegenüber den kommunistischen Stellen „bemüht gut“ waren. Die „einfachen“ Gemeindemitglieder erlebten direkter und häufiger behördliches Misstrauen und Beschattung sowie Antisemitismus<sup class="modern-footnotes-footnote ">90</sup>, ja sogar Versuche, missliebige Jüdinnen und Juden nach dem Vorbild der Sowjetunion ins Ausland abzuschieben.<sup class="modern-footnotes-footnote ">91</sup> Aber nicht jedes behördliche Versagen, jede unterlassene Hilfeleistung muss auf Antisemitismus hindeuten, sondern kann auch mit dem „Verteilungskampf“ um die knappen Ressourcen in der Not der ersten Nachkriegszeit begründet werden.</p>



<p>Bis zum Jahr 1948 kamen Novellen des Nationalisierungsgesetzes vom 6. Dezember 1946 heraus, die die Verstaatlichungen durch das Gesetz über die Nationalisierung privater wirtschaftlicher Unternehmen „abrundeten“: Die kleinen Geschäfte und Handwerksbetriebe, die den Überlebenden als Existenzsicherung 1945 belassen wurden, wurden durch Steuern in die Knie gezwungen und verloren Ende 1946 definitiv ihre Existenz. Die jüdischen Aktionäre der großen Industrien und die Fabrikeigentümer, die ebenfalls 1941 enteignet worden waren, durften bzw. mussten gewusst haben, dass die Machtergreifung der Kommunisten mit der Verstaatlichung der Produktion und Rohstoffe einhergehen würde. Überlebende Großindustrielle kehrten daher aus der Emigration von vornherein nicht zurück. Mittelständische Kaufleute und Gewerbetreibende wurden von der Verstaatlichung im Jahr 1948 getroffen; sie hatten daher Zeit, sich darauf einzustellen und sich in der Heimat als Ersatzlösung in einem verwandten Gewerbe oder Handwerk ausbilden zu lassen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">92</sup> Für jene, die in der Heimat bleiben wollten, war dies eine naheliegende Alternative. Doch weitaus mehr bevorzugten die Emigration. Ihre Angehörigen bildeten nebst den Vertretern freier Berufe das größte Kontingent der jugoslawischen Auswanderung nach Palästina zwischen 1945 und 1948.<sup class="modern-footnotes-footnote ">93</sup></p>



<p>In zahlreichen Eingaben an die Kommission für Petitionen des Kroatischen Parlamentes (Hrvatski Sabor) baten Opfer der Nationalisierung um Ausnahme von der Enteignung wegen des bereits 1941 erfolgten existenzschädigenden Vermögensentzuges. Schon damals seien sie, „bis dahin wohlhabende und wirtschaftlich-beruflich erfolgreiche Mitbürger, Wohltäter und Mäzene, auf das Niveau von Sozialfällen und Bittstellern um staatliche Hilfe herabgesunken“. Das kroatische Parlament antwortete den Petenten stereotyp: Rückgabe des nationalisierten Vermögens sei <em>„</em>nach geltendem Gesetz prinzipiell nicht möglich“. Sollte eine Gesetzesänderung erfolgen, würden die von der Nationalisierung Betroffenen rechtzeitig in Kenntnis gesetzt und zu neuerlicher Antragstellung eingeladen werden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">94</sup> Doch das geschah bis zum Zerfall Jugoslawiens 1990 nicht.</p>



<p>Der Wiederaufbau der Existenz erwies sich für die jüdischen Überlebenden des Holocaust somit als schwieriges, ja traumatisches Vorhaben, denn es galt, nicht nur mit den Verlusten von Familienmitgliedern und Vermögen zurechtzukommen, sondern auch mit einem Staat, der die Überlebenden prinzipiell verdächtigte und als „Klassenfeinde“, als ehemalige Bourgeoise und „Ausbeuter“ bestrafte – durch eine neuerliche Enteignung, die sogar im Widerspruch zur Verfassung von 1946 stand. Nicht einmal jene Jüdinnen und Juden, die für Jugoslawien gekämpft hatten, konnten diesen Staat vorbehaltlos bejahen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">95</sup></p>



<p>Die jüdischen Bürgerinnen und Bürger verhielten sich während der 45 Jahre kommunistischer Herrschaft still, zurückgezogen und loyal. Sie taten das aus Vorsicht, denn sie konnten die Ambivalenz der jugoslawischen Politik und Behörden ihnen gegenüber nicht übersehen. Jene, die ihr Judentum aus Respekt vor seinen Traditionen praktizierten, verloren die Beziehung zum Judentum als Religion, denn religiöses Leben fand bis 1990 nicht statt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">96</sup> Sie scharten sich um die Gemeinden, die ihnen eine Heimat und einen Ort für ihre Erinnerungen an den Holocaust boten: Dort lernte die Enkelgeneration von ihnen. In der Öffentlichkeit konnten die nach 1945 Geborenen allenfalls von der Verfolgung der Juden in Kroatien selbst – von den Konzentrationslagern Jasenovac, Stara Gradiška, Jadovno, Slano und Metajna auf der Insel Pag, Đakovo und Loborgrad – erfahren, aber nur bruchstückhaft die Geschichte der Zwangsarbeit, Sklavenarbeit und der nationalsozialistischen Vernichtungslager.<sup class="modern-footnotes-footnote ">97</sup></p>



<p>Den Behörden war daran gelegen, die Mitglieder der jüdischen Gemeinden als „Repräsentanten eines Jugoslawiens der Brüderlichkeit und Einheit aller jugoslawischen Völker und Völkerschaften“ zu „sozialisieren“. Diese Identität nahmen sie auch an, so dass Jude-Sein und die Mitgliedschaft im Bund der Kommunisten Jugoslawiens (Savez komunista Jugoslavije, SKJ) sowohl für die „Holocaust-Generation“ als auch für deren Kinder und Enkel vereinbar waren.<sup class="modern-footnotes-footnote ">98</sup></p>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Dr. phil. Anna Maria Grünfelder</strong>, Studium der Geschichte und Kunstgeschichte an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Promotion 1974 mit dem Dissertationsthema: Die Zengger Uskoken in ihrer Bedeutung für die habsburgischen Länder. Tätigkeit als Dolmetscherin und Übersetzerin, anschließend bis 2010 im Dienst des österreichischen Bundesministeriums für auswärtige Angelegenheiten als Pressereferentin und Dolmetscherin/Übersetzerin. Verfasserin mehrerer Studien zur Geschichte Jugoslawiens im und nach dem Zweiten Weltkrieg mit besonderer Berücksichtigung der jüdischen Gemeinschaft.</p>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator has-css-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1">[1]</a> Hrvatski Državni arhiv Zagreb (i.&nbsp;F.: HR-HDA; Kroatisches Staatsarchiv Zagreb), Privatarchiv Rudi Supek, Bestands-Nr.&nbsp;1578, darin finden sich die Nummern 1–20 des Bulletins des Jugoslawischen Lagerkomitees Buchenwald „Naš glas“ („Unsere Stimme“), siehe hier Nr.&nbsp;7 vom 30.5.1945, Blatt&nbsp;3. – Rudi Supek (1913–1993) war ein Zagreber Soziologe, der im Jänner 1943 in Paris, wo er als Student in der Resistance mitarbeitete, von der Gestapo gefasst und in das KZ Buchenwald eingeliefert wurde.</p>



<p><a href="#_ftnref2">[2]</a> Edita Armut (verheiratete Kašiković, *1922 in Banja Luka, † [?] in Zagreb) geriet als Internierte des italienischen Lagers Kampor (Insel Rab) 1944 über Triest nach Auschwitz, siehe Edit Kašiković: Everyone carries their own fate with them – Svako svoju sudbinu nosi sa sobom. In: Aleksandar Gaon (Hg.), Steve Agnew u.&nbsp;a. (Mitarb.): We Survived. Yugoslav Jews on the Holocaust. Hg. vom Savez jevrejskih opština Srbije / Federation of Jewish Communities in Serbia. Beograd 2001, ˂http://www.jevrejskadigitalnabiblioteka.rs/handle/123456789/803/browse?type=author&amp;value=Ka%C5%A1ikovi%C4%87+Armut%2C+Edita˃, 20.1.2021. – Biografische Daten: Ivo Goldstein (Hg.): Židovski biografski leksikon on-line [Jüdisches biographisches Lexikon]. Hrvatski leksikografski zavod „Miroslav Krleža“ [Kroatisches Lexikographisches Institut „Miroslav Krleža“]. Zagreb 2017, ˂https://www.lzmk.hr/˃, 16.3.2021. Bei allen biografischen Daten stütze ich mich auf dieses Lexikon; i.&nbsp;F.: Jüdisches biographisches Lexikon.</p>



<p><a href="#_ftnref3">[3]</a> So der aus Italien repatriierte Partisan Veljko Auferber aus Osijek; siehe Branka Cimermanović: Moja majka Ljerka Auferber [Meine Mutter Ljerka Auferber]. In: Jasminka Domaš (Red.): Glasovi, sjećanja, život. Prilog istraživanju povijesti židovskih obitelji [Stimmen, Erinnerungen, Leben. Beitrag zur Erforschung der Geschichte jüdischer Familien]. Zagreb 2015, S.&nbsp;15–28. Veljko Auferber war der Ehemann von Ljerka Auferber, Branka Cimermanović ist deren Tochter.</p>



<p><a href="#_ftnref4">[4]</a> Anna Grünfelder: „Displaced Persons“ aus Jugoslawien. Repatriierung und Reintegration seit 1945. In: Südost-Forschungen 74. Regensburg 2015, S.&nbsp;73–110, hier: S. 95.</p>



<p><a href="#_ftnref5">[5]</a> Alija (Aliyah) bezeichnet im Judentum generell die Rückkehr von Juden in das Land Israel. Zur jugoslawischen Aliyah bet&#8216;: Mladenka Ivanković: Jevreji Jugoslavije 1944–1953 [Die Juden Jugoslawiens 1944–1953]. Beograd 2006, S. 199–206; Melita Švob: Židovi Hrvatske i Izrael. Osvrt [Die Juden Kroatiens und Israel. Eine Reflexion]. In: Migracijske teme [Migrationsthemen], Nr. 13. Zagreb 1997, S.&nbsp;363–392. – Beispiele: Sonja Makek [auch Sonja Bar-Sela nach ihrem zweiten Ehemann]: Povijest moje obitelji [Geschichte meiner Familie]. In: Domaš (Red.): Glasovi, S. 81–190; Dan Bar-Sela: Sin stijene [Sohn des Felsens]. In: ebenda, S. 199–211. Sonja Makek [Bar Sela], geb. Keršner, *1945 in Zagreb; keine Angaben über ihren zweiten Ehemann Dan (Dragutin) Bar-Sela im Jüdischen biographischen Lexikon, nach persönlicher Information des Genannten *1928 in Zagreb.</p>



<p><a href="#_ftnref6">[6]</a> Emil Kerenji: Jewish Citizens of Socialist Yugoslavia. Politics of Jewish Identity in a Socialist State, 1944–1974. Diss. University of Michigan, 2008, S. 183.</p>



<p><a href="#_ftnref7">[7]</a> Solveg Sasson: Čovjek u svjetlom odijelu [Der Mann im hellen Anzug]. In: Domaš (Red.): Ako tebe zaboravim. Prilog istraživanju povijesti židovskih obitelji [Wenn ich dich vergesse. Beitrag zur Erforschung der Geschichte jüdischer Familien]. Zagreb 2018, S.&nbsp;71–91, hier: S.&nbsp;89. Die Familie des Fabrikanten Mario Sasson, der in Auschwitz ums Leben kam, erfuhr davon erst aus den Transkripten des Eichmann-Prozesses und den jugoslawischen Medien, die wegen der jugoslawischen Zeugen ausführlich über den Prozess berichteten. Eichmann soll demnach persönlich die Deportation des Unternehmers und Fabrikanten Mario Sasson und seiner ganzen Familie „nach dem Osten“ gefordert haben, weil sich Mario Sasson geweigert haben soll, Kohle aus Jugoslawien statt in die Schweiz ins Deutsche Reich zu liefern.</p>



<p><a href="#_ftnref8">[8]</a> Vgl. Anm. 4.</p>



<p><a href="#_ftnref9">[9]</a> Harriet Pass Freidenreich: The Jews of Yugoslavia. A Question for Community. Jewish Pubn Society. Philadelphia 1979, S. 179f.</p>



<p><a href="#_ftnref10">[10]</a> Marija Vulesica: Die Ermordung der Juden in den jugoslawischen Gebieten 1941–1945. In: Đorđe Tomić, Roland Zschächner, Mara Puškarević u.&nbsp;a. (Hgg.): Mythos Partisan. Münster <sup>1</sup>2013, S. 90–109.</p>



<p><a href="#_ftnref11">[11]</a> Ivo Goldstein: Holokaust u Zagrebu [Der Holocaust in Zagreb]. Zagreb 2001, S. 649.</p>



<p><a href="#_ftnref12">[12]</a> Beispiel: Der Osijeker Großindustrielle Makso Herman, siehe Vilim Herman: Kronika obitelji Herman [Chronik der Familie Herman]. In: Domaš (Red.): Glasovi, S. 119–127, hier: S. 125f. Vilim Herman, *1949 in Osijek. Zu seinem Vorfahren Makso gibt es keine Angaben im Jüdischen biographischen Lexikon.</p>



<p><a href="#_ftnref13">[13]</a> Beispiele: Makek [Bar-Sela]: Povijest, S. 205; Slavko Goldstein: 1941: Godina koja se vraća [1941: Das Jahr, das sich wiederholt]. Zagreb <sup>2</sup>2007, S. 497. Weitere Beispiele gibt es auch in den Akten der Repatriierungskommission, vorhanden in: HR-HDA-1522, Faszikel 2. Heimkehrer aus Israel nach Rijeka und Split.</p>



<p><a href="#_ftnref14">[14]</a> Trilogie Jasminka Domaš (Red.): Glasovi, sježanja, život [Stimmen, Erinnerungen, Leben]. Zagreb 2015 (= 1. Band); Obitelji [Familien]. Zagreb 2016 (= 2. Band); Ako Tebe zaboravim [Wenn ich dich vergesse]. Zagreb 2018 (= 3. Band); Untertitel aller drei Bände: Prilog za istraživanje povijesti židovskih obitelju [Beitrag zur Erforschung der Geschichte jüdischer Familien].</p>



<p><a href="#_ftnref15">[15]</a> Zemaljska komisija za repatrijaciju [Landesrepatriierungskommission], HR-HDA-1522, ZKRH); Ministarstvo socijalnog staranja [Ministerium für Sozialfürsorge], HR-HDA-296 MSS NRH; HR-HDA-283, Ministarstvo financija Narodne Republike Hrvatske [Finanzministerium der Volksrepublik Kroatien], MF NRH; HR-HDA-313, Zemaljska uprava narodnih dobara [Landesverwaltung von Volksvermögen], ZUND; HR-HDA-306, Zemaljska komisija za utvrđivanje zločina okupatora i njihovih pomagača [Landeskommission zur Ermittlung von Kriegsverbrechen der Besatzer und ihrer Kollaborateure], ZKRZ. Das Archiv der Jüdischen Kultusgemeinde Zagreb aus der Vorkriegs- und Kriegszeit findet sich, soweit es unter den Bedingungen der deutschen Besatzung und des Ustascha-Regimes erhalten werden konnte, in Abschriften im Archiv des Jevrejski Istorijski Muzej (JIM; Jüdisches Historisches Museum) in Belgrad und wird noch geordnet. Es ist derzeit nur eingeschränkt benutzbar.</p>



<p><a href="#_ftnref16">[16]</a> Branko Polić: Na pragu zrelosti. Autobiografski zapisi [An der Schwelle zur Reife. Autobiografische Notizen]. Zagreb 2010, S. 40; S. Goldstein: 1941, S. 425; Zeev Milo: Im Satellitenstaat Kroatien. Eine Odyssee des Überlebens 1941–1945. Mit ausführlicher Beschreibung der historischen Ereignisse. Klagenfurt <sup>2</sup>2002, S. 179–191. (Lebensdaten: Branko Polić: 1924–2014; Slavko Goldstein: 1928–2017; Zeev Milo alias Vladimir Miller [auch Müller oder Miler]: Zagreb 1925–[?]).</p>



<p><a href="#_ftnref17">[17]</a> S. Goldstein: 1941, S. 425. Irritationen zwischen Tito und Stalin, zwischen dem Generalstab der jugoslawischen Volksbefreiungsarmee und der Komintern gab es seit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion, als die Komintern alle kommunistischen Parteien zur gemeinsamen Hilfe für die UdSSR aufforderte. Jugoslawien verweigerte die Teilnahme, weil es selbst schon besetzt war. Einmischungen der Komintern in die Kriegsführung in Jugoslawien wurden von der Partisanenarmee ignoriert oder zurückgewiesen. Diesen Aspekt der Kriegsführung schilderte der Dolmetscher im Generalstab der Partisanen Vladimir Velebit (Zadar 1907 – Zagreb 2004; nach dem Krieg einer von Titos Spitzendiplomaten, 1951 jugoslawischer Botschafter in Rom, 1952–1956 Botschafter in London, 1960–1970 in UNO-Kommissionen und als Delegierter der Carnegie-Foundation im Israelisch-Palästinensischen Konflikt tätig): Vladimir Velebit: Moj život [Mein Leben]. Zagreb 2015, S. 248, S. 317–320, S. 343 und passim.</p>



<p><a href="#_ftnref18">[18]</a> Velebit: Moj život, S. 343; S. Goldstein: 1941, S. 425f.</p>



<p><a href="#_ftnref19">[19]</a> Naida Mihal Brandl: Jews between Two Totalitaran Regimes. In: Židovski identitet/i u Hrvatskoj nakon Drugog svjetskog rata. Pregled [Jüdische Identität/en in Kroatien nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein Überblick]. In: Ljiljana Dobrovšak, Ivana Žebec Šilj (Hgg.): Nacionalne manjine u Hrvatskoj i Hrvati kao manjina – europski izazovi [Nationale Minderheiten in Kroatien und Kroaten als Minderheit. Europäische Herausforderungen]. Zagreb 2005, S. 167–194, hier: S. 173f; auch in Review of Croatian history 12 (2016) H.&nbsp;1, Zagreb 2016, S. 103–127. Ihre Feststellung wurde übernommen von Ari Kerkkänen: Yugoslav Jewry. Beograd 1999, S. 40f, aber widersprochen von Lea Šiljak: Jewish Identities in Croatia – a socijal psychological perspective. In: Migracijske teme 19 (2003) H.&nbsp;4, S. 363–390, hier: S. 364, ˂https://hrcak.srce.hr/7848˃, 26.4.2021.</p>



<p><a href="#_ftnref20">[20]</a> HR-HDA-291, Ministarstvo prosvjete Narodne Republike Hrvatske [Erziehungsministerium der VR Kroatien], MP NRH, Fasz.62, 65, 66; HR-HDA-296, Ministarstvo socijalnog staranja Narodne Republike Hrvatske [Sozialministerium der Volksrepublik Kroatien], MSS NRH, Fasz. 65.</p>



<p><a href="#_ftnref21">[21]</a> Beispiele: Dr. Pavle Vinski wirkte seit der Gründung der Kroatischen Kriegsverbrecherkommission (1944) bis zu deren Einstellung (1947) als ihr Leiter: HR-HDA-306, ZKRZ, Mikrofilm Z-2944, Azl.2235/45; Univ.-Prof. Dr. Mladen Singer (1930–2014) war Jugendstrafrichter und lehrte an der Fakultät für Heilpädagogik in Zagreb, siehe: Ljiljana Mikšaj-Todorović, Irma Kovčo-Vukadin: In memorian prof. dr. sc. Mladen Singer. Nekrolog, Obituarij [In memoriam Prof. Dr. Mladen Singer. Ein Nachruf]. In: Kriminologija &amp; socijalna integracija: časopis za kriminologiju, penologiju i poremećaje u ponašanju [Kriminalwissenschaft und soziale Integration: Zeitschrift für Kriminalwissenschaft, Strafrechtswissenschaft und Sozialintegration], 22 (2014) H.&nbsp;1, S. 240–242, ˂https://hrcak.srce.hr/134065˃, 24.3.2021. Einen der höchsten militärischen Dienstgrade erreichte die Partisanenärztin Dr. Rosa Papo aus Sarajevo: Jaša Romano: Jevreji Jugoslavije 1941–1945. Žrtve genocida i učesnici Narodnooslobodilačke borbe. [Die Juden Jugoslawiens 1941–1945. Opfer des Genozids und Teilnehmer des Volksbefreiungskampfes]. Beograd 1979, S. 364.</p>



<p><a href="#_ftnref22">[22]</a> Jüdisches biographisches Lexikon (wie Anm. 2), ˂https://zbl.lzmk.hr/?p=2384˃, 24.3.2021.</p>



<p><a href="#_ftnref23">[23]</a> Angaben zu Dr. Zora Steiner, geb. Goldschmidt (1902–1985), finden sich im Nachlass des Paares im Kroatischen Staatsarchiv Zagreb, HR-HDA-1889, Ostavština Dr. Stjepan Steiner.</p>



<p><a href="#_ftnref24">[24]</a> Jüdisches biographisches Lexikon (wie Anm. 2), ˂https://zbl.lzmk.hr/?p=1494˃, 24.3.2021; der Gründungsprozess dauerte bis 1962.</p>



<p><a href="#_ftnref25">[25]</a> Dragan Golubović: Kako je Emerik Blum stvorio ekonomsko čudo [Wie Emerik Blum das Wirtschaftswunder bewirkte], ˂https://analiziraj.ba/kako-je-emerik-blum-stvorio-ekonomsko-cudo/˃.</p>



<p><a href="#_ftnref26">[26]</a> Am 24. Mai 1948 beschloss das „Informbiro“ (dt.: Kominform, Kommunistisches Informationsbüro, das Zentrum der kommunistischen Bewegung), den Ausschluss Jugoslawiens als „Abweichler“. Berislav Jandrić: Djelatnost sljedbenika rezolucije informbiroa u Hrvatskoj 1948–1953 [Die Tätigkeit der Anhänger der Resolution des Kominform in Kroatien 1948–1953]. In: Časopis za suvremenu povijest [Zeitschrift für Zeitgeschichte], i.&nbsp;F.: ČSP], 26 (1994) H.&nbsp;2, S. 317–336, hier: S. 321–324.</p>



<p><a href="#_ftnref27">[27]</a> S. Goldstein: 1941, S. 425.</p>



<p><a href="#_ftnref28">[28]</a> Die Verpflichtung zur Rückkehr in das Heimatland widersprach dem alliierten Beschluss bei der Konferenz von Jalta. Die Westalliierten bestanden auf Freiwilligkeit und räumten nur der Sowjetunion eine Ausnahmeregelung ein: W(ilhelm). Jacobmeyer: Vom Zwangsarbeiter zum heimatlosen Ausländer. Die Displaced Persons in Westdeutschland 1945–1951. Göttingen 1985, S. 30.</p>



<p><a href="#_ftnref29">[29]</a> Službeni list DFJ (i.&nbsp;F.: SL DFJ; Amtsblatt des Demokratischen Föderativen Jugoslawien) Nr. 30 vom 28. April 1945 und SL DF Nr. 64 vom 23. August 1945. Details zur gesetzlichen Lage und Repatriierungsinstitutionen: Grünfelder: „Displaced Persons“, S. 80.</p>



<p><a href="#_ftnref30">[30]</a> HR-HDA-1512, Zemaljska komisija za repatrijaciju (Landesrepatriierungskommission, ZKRH).</p>



<p><a href="#_ftnref31">[31]</a> Zum Verlauf der Repatriierung der jugoslawischen Insassen von Buchenwald mit Hilfe der tschechoslowakischen KP siehe: Grünfelder: „Displaced Persons“, S. 90f.</p>



<p><a href="#_ftnref32">[32]</a> Lazar Weinberger: Dachau. In: Domaš (Red.): Glasovi, S. 151–169, hier: S. 166f.</p>



<p><a href="#_ftnref33">[33]</a> Die Geheimpolizei OZNA (Odelenje za zaštitu naroda, dt.: Abteilung für Volksschutz) wurde 1943 von AVNOJ gegründet, um die Bevölkerung in den von den Partisanen eroberten oder kontrollierten Territorien auf ihre politische Gesinnung hin zu kontrollieren: William Klinger: Il terrore del popolo. Storia della polizia politica di Tito. Trieste 2012. Kroatische Ausgabe: Teror narodu. Povijest Titove političke policije. Zagreb: Večernji list, 2014.</p>



<p><a href="#_ftnref34">[34]</a> Der Zagreber Philosoph Rudi Supek machte nach seiner Heimkehr aus dem KZ Buchenwald nach Zagreb die Erfahrung, dass die Staatspolizei OZNA noch während seiner KZ-Internierung (1943–1945) Belastungsmaterial über sein Verhalten als KZ-Insasse gesammelt hatte und ihn der Komplizenschaft mit der SS zum Schaden der Mitinternierten beschuldigte: HR-HDA-1780, Fasz. 29, Chronologie des activités politiques 1939–1940 (dans la Résistance et dans la Déportation à Buchenwald), verfasst am 14.12.1971.</p>



<p><a href="#_ftnref35">[35]</a> Die Jüdische Kultusgemeinde Zagreb durfte während der Ustascha-Herrschaft weiterbestehen, weil sie von der Verwaltung der Konzentrationslager zur Lieferung von Lebensmittelrationen an die Häftlinge verpflichtet wurde: I. Goldstein: Holokaust, S. 387. Die diesbezügliche Verordnung des Innenministeriums des Unabhängigen Staates Kroatien (Ministarstvo unutrašnjih poslova Nezavisne Države Hrvatske, MUP NDH), HR-HDA-223, Zl.13520-3095/1942, ist nicht datiert.</p>



<p><a href="#_ftnref36">[36]</a> HR HDA-296, Ministarstvo socijalnog staranja Narodne Republike Hrvatske [Sozialministerium der Volksrepublik Kroatien] MSS NRH, Fasz. 3, Zl. 4362-VII/1945 vom 4.7.1945; HR-HDA-1522, ZKRH, Fasz. 6, Zl. 64/48 und 65/48 vom 29.1.1948.</p>



<p><a href="#_ftnref37">[37]</a> Die internationale humanitäre Organisaiton UNRRA lieferte monatlich Lebensmittel für Repatriierte, aber die Sendungen durften nur für Zivilisten verwendet werden, nicht für die Armee. Auch Hilfsgüter zum Wiederaufbau wie Baumaterial und Baumaschinen umfasste das Hilfsprogramm: Međunarodni odnosi Jugoslavije: ˂https://hrcak.srce.hr/file/138_72.pdf˃, 20.6.2020. Zum Ausmaß der Hilfe: Vera Kržisnik Bukić: Hrana kao glavni vid UNRRA-ine pomoći Jugsolaviji 1943–1948 [Lebensmittel als wichtigste Hilfsgüter der UNRRA für Jugoslawien 1943–1948]. In: ČSP 20 (1988) H.&nbsp;3, S. 59–76, hier: S. 60, S. 67f.</p>



<p><a href="#_ftnref38">[38]</a> HR-HDA, Ministerium für Volksgesundheit [Ministarstvoi narodnog zdravlja], Sig. HR-HDA-287, MNZ, Fasz. 6, Zl. 5508, 5781; Siniša Zrinščak: Zdravstvena politika Hrvatske [Gesundheitspolitik in Kroatien]. In: Revija socijalne politike [Revue für Sozialpolitik], 14 (2007) H.&nbsp;2, S. 193–220, hier: S. 197.</p>



<p><a href="#_ftnref39">[39]</a> HR-HDA-287, Ministarstvo narodnog zdravlja Narodne Republike Hrvatske [Ministerium der Volksgesundheit der VR Kroatien), MNZ NRH, Fasz. 6-10 enthält Krankengeschichten. Die Auswertung der Dokumente konnte wegen der Corona-bedingten Einschränkung der Archivbenützung 2020/2021 nicht geleistet werden, wird jedoch aufgenommen, da sie Hinweise auf Patienten mit KZ-Erfahrung geben dürften.</p>



<p><a href="#_ftnref40">[40]</a> Dragica Kozarić-Kovačić, Zrinka Kovačić, Lea Rukavina (Universitätsklinik für Psychiatrie Zagreb-Dubrava), und Dario Kovač: Što je posttraumatski stresni poremećaj (PTSP) [Was ist die Posttraumatische Belastungsstörung]. In: Klinička psihologija [Klinische Psychologie], Zagreb 2013.</p>



<p><a href="#_ftnref41">[41]</a> Weinberger: Dachau. In: Domaš (Red.): Glasovi, S. 167.</p>



<p><a href="#_ftnref42">[42]</a> Natan Langer: Život s vjerom i u vjeri [Leben mit dem Glauben und aus dem Glauben]. In: Domaš (Red.): Glasovi, S. 233–250, hier: S. 246. (Zu Natan Langer sind keine biografischen Daten bekannt).</p>



<p><a href="#_ftnref43">[43]</a> Mario Braun: Skupljanje krhotina [Splitter zusammensuchen]. In: Domaš (Red.): Ako Tebe zaboravim. Prilog [Wenn ich dich vergesse. Beitrag]. Zagreb 2018, S. 31–59, hier: S. 54–57. (Boris Braun, Marios Vater, *1920 in Djurdjevac – Zagreb 2018).</p>



<p><a href="#_ftnref44">[44]</a> Lea Kriesbacher Fürth: Na obali Dunava [Am Donauufer]. In: Domaš (Red.): Glasovi, S. 137–140. (Lea Kriesbacher geb. Fürth, 1926–2019).</p>



<p><a href="#_ftnref45">[45]</a> Mirjana Gross begann vor dem Krieg noch mit dem Medizinstudium. 1941–1943 konnte sie mit ihren Eltern in Verstecken überleben. 1943 wurde sie aufgespürt und deportiert. Sie und ihre Mutter überlebten. Nach der Rückkehr und Heilung fand sie eine Anstellung im Sozialministerium der Volksrepublik Kroatien, sodann im Kultur- und Erziehungsektor des Erziehungsministeriums, ehe sie sich zum Studium der Geschichte und Kunstgeschichte entschloss. Publikationsliste: ˂https://www.enciklopedija.hr/natuknica.aspx?id=23501˃.</p>



<p><a href="#_ftnref46">[46]</a> Todesurteile für Mitgliedschaft in der Ustascha, mit der die Beteiligung und Mitschuld an Kriegsverbrechen ohne Nachweis einfach vorausgesetzt wurde, finden sich im Bestand Zemaljska komisija za utvrđivanje zločina okupatora&nbsp;&#8230; (Landeskommission zur Ermittlung von Kriegsverbrechen der Besatzer&nbsp;…), HR-HDA-306, ZKRZ, Z-2958, ZM 22/25, kutija 28, Urteil Zl. 1573/45 vom 25.7.1945, Z-2953, ZM 22/24, Z-2982, ZM 22/49, Fasz. 60, Zl. 2753/45 und Z-2983, ZM/22/50, Zl. 2754.</p>



<p><a href="#_ftnref47">[47]</a> Mündliche Auskunft von Darko F. an die Autorin, Jänner 2021. Auf Wunsch des Zeitzeugen wurde der Familienname abgekürzt.</p>



<p><a href="#_ftnref48">[48]</a> Avram Mevorah: O radu Saveza jevrejskih opština Jugoslavije prvih dana po oslobođenju [Zur Tätigkeit des Bundes der Jüdischen Gemeinden Jugoslawiens in den ersten Tagen nach der Befreiung]. In: Jevrejski Almanah [Jüdischer Almanach], Beograd 1955/1956, hg. v. Žak Konfino, Aleksandar Levi, Zdenko Levntal. Beograd 1956, S. 123–126, hier: S. 123; Kerenji: Jewish Citizens, S. 134f.</p>



<p><a href="#_ftnref49">[49]</a> Briefwechsel des Präsidenten der Jüdischen Kultusgemeinde Zagreb und des Präsidenten des Bundes der jugoslawischen Kultusgemeinden an JOINT, in: Kerenji: Jewish Citizens, S. 134–136.</p>



<p><a href="#_ftnref50">[50]</a> Aleksandar Lebl: Prekid diplomatskih odnosa SFRJ i Izraela 1967. godine [Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien und Israel im Jahre 1967]. In: Tokovi istorije [Historische Prozesse], 1-4. Beograd 2001, S. 39–75, hier: S. 41f, ˂http://jevrejskadigitalnabiblioteka.rs/bitstream/id/4363/LeblPrekidDiplomatskihOdnosaOCR.pdf˃, 21.3.2021. Diese Vereinigung wurde noch vor dem Zweiten Weltkrieg gegründet, um den Flüchtlingen, die über Jugoslawien nach Palästina einwanderten, zu helfen; A. Lebl: ebenda, S.&nbsp;42.</p>



<p><a href="#_ftnref51">[51]</a> Kerenji: Jewish Citizens, S. 136, S. 138f.</p>



<p><a href="#_ftnref52">[52]</a> Ebenda, S. 138; die Quellen dazu fand der Autor im Archiv des Jüdischen Museums (Jevrejski Istorijski arhiv, JIM) in Belgrad. Die Verteilung der Unterstützungsgelder bezieht sich, Kerenjis Ausführungen zufolge, auf jüdische Gemeinden in Serbien und der Woiwodina.</p>



<p><a href="#_ftnref53">[53]</a><em> </em>Albert Vajs: Jevreji u novoj Jugoslaviji [Die Juden im neuen Jugoslawien]. In: Jevrejski Almanah [Jüdisches Jahrbuch], Beograd 1954, S. 125–144, ˂http://www.jevrejskadigitalnabiblioteka.rs/handle/123456789/255˃; Mladenka Ivanković: Jevreji Jugoslavije 1944–1953 [Die Juden Jugoslawiens 1944–1953]. Beograd 2006, S. 65. – Univ.-Prof. Dr. Albert Vajs (*1905 in Zemun/Semlin – gest. 1964 in Belgrad); 1941 wurde er als Angehöriger der Königlich-Jugoslawischen Armee von den Deutschen als Kriegsgefangener in mehreren Kriegsgefangenenlagern interniert und kehrte 1945 nach Jugoslawien zurück. Er leitetete die Staatskommission zur Ermittlung der Kriegsverbrechen der Besatzer und ihrer Kollaborateure; als Strafrechtsexperte mit internationalem Ruf vertrat er die Klagen jugoslawischer Opfer vor dem Nürnberger Tribunal und dem Eichmann-Prozess in Jerusalem, siehe: Jüdisches biographisches Lexikon (wie Anm. 2), ˂https://zbl.lzmk.hr/?p=2650˃.</p>



<p><a href="#_ftnref54">[54]</a> Bis 1946 nahmen in ganz Jugoslawien 35 von den 117 vor dem Krieg bestehenden Gemeinden ihre Tätigkeit auf: Mevorah: O radu Saveza, S. 23. Kerenji: Jewish Citizens, S. 165.</p>



<p><a href="#_ftnref55">[55]</a> Kerenji: Jewish Citizens, S. 163.</p>



<p><a href="#_ftnref56">[56]</a> HR-HDA-207, Zemaljsko antifašističko vijeće narodnog oslobođenja Hrvatske [Antifaschistischer Landesrat der Volksverteidigung Kroatiens], ZAVNOH, Fasz. 131, Zl. 13348-2355; Amtsblatt „Službeni list DFJ“ Nr. 3 vom 9. Februar 1945.</p>



<p><a href="#_ftnref57">[57]</a> Amtsblatt des Demokratischen Föderativen Jugoslawien: „Službeni list DFJ“ Nr. 2 vom 6. Februar 1945, S. 13f.</p>



<p><a href="#_ftnref58">[58]</a> HR-HDA-1115, Savjet za narodno zdravlje i socijalu [Rat für Volksgesundheit und soziale Angelegenheiten], Fasz. 21, Nr. 3978-IV-Rad-1952 vom 19.5.1952.</p>



<p><a href="#_ftnref59">[59]</a> HR HDA-207, ZAVNOH Fasz. 132, Zl. 13.483-2670; 352/45, 353/45 I 354/55, alle vom 12.3.1945. Roma wurden in den Dokumenten der Frühzeit der kommunistischen Verwaltung nicht genannt, obwohl auch sie zu den zur Ausrottung bestimmten Personengruppen gehörten und auch dem Massenmord in Jasenovac zum Opfer fielen. Siehe dazu: Narcisa Lengel-Križman: Prilog proučavanju terora u tzv. NDH: Sudbina Roma 1941–1945. [Ein Beitrag zur Erforschung des Terrors im USK (im Unabhängigen Staat Kroatien): Das Schicksal der Roma 1941–1945]. In: ČSP 18 (1986) H.&nbsp;1, S. 29–42.</p>



<p><a href="#_ftnref60">[60]</a> Zakon o postupanju s imovinom koju su vlasnici morali napustiti u toku okupacije i imovinom koja im je oduzeta od strane okupatora i njihovih pomagača [Gesetz über die Behandlung von Vermögen, das die Eigentümer unter dem Druck der Besatzer und ihrer Kollaborateure hinterlassen mussten]: Amtsblatt „Službeni list DNRJ“, Nr. 36 vom 24. Mai 1945.</p>



<p><a href="#_ftnref61">[61]</a> Die „Koordination“ entsprach in etwa einer „Dachvereinigung“, hatte in der Praxis aber weniger Einfluss auf die einzelnen Gemeinden, als es dem Verständnis von „Dachverbänden“ entspricht.</p>



<p><a href="#_ftnref62">[62]</a> Am 10. September 1952 schloss die Bundesrepublik Deutschland mit Israel und der Jewish Claims Conference das Luxemburger Abkommen. Die Bundesrepublik verpflichtete sich zur Zahlung von drei Milliarden DM an den Staat Israel sowie 450 Millionen DM an die Jewish Claims Conference zur Unterstützung, Rehabilitierung und Wiederansiedlung jüdischer NS-Opfer.</p>



<p><a href="#_ftnref63">[63]</a> Židovska općina Zagreb (Jüdische Gemeinde Zagreb), www.zoz.hr: Die für Kroatien zuständige Stelle des Claims-Fonds ist der Central &amp; Eastern European Fund – Claims Conference, ˂http://www.claimscon.org/regions/eastern-europe/croatia/˃, 26.4.2021.</p>



<p><a href="#_ftnref64">[64]</a> Der AVNOJ-Beschluss findet sich veröffentlicht im Amtsblatt SL DFJ, Nr. 2, vom 6.2.1945, S. 13f. Dazu Tomislav Anić: Normativni okvir podržavljenja imovine u Jugoslavij/Hrvatskoj 1944–1946 [Normativer Rahmen für die Verstaatlichung von Vermögen in Jugoslawien/Kroatien 1944–1946]. In: ČSP 39 (2007) H.&nbsp;1, S. 25–62, ˂https://hrcak.srce.hr/16176˃, 8.2.2021. Das Gesetz über die Behandlung von Vermögen, das die Eigentümer unter dem Druck der Besatzer und ihrer Kollaborateure hinterlassen mussten, findet sich im Amtsblatt des Demokratischen Föderativen Jugoslawien, „Službeni list DFJ“, Nr. 36 vom 24. Mai 1945 (siehe Anm. 60).</p>



<p><a href="#_ftnref65">[65]</a> Moše Pijade (Beograd 1890 – Paris 1957), Studium der Malerei in München und Paris, Kunsterzieher und Journalist, seit 1920 Mitglied der in Jugoslawien verbotenen KPJ im Untergrund, wurde verhaftet und verbrachte insgesamt 14 Jahre im Gefängnis. Wegen der unmenschlichen Haftbedingungen in den berüchtigten Gefängnissen des Königreiches Jugoslawien streikte er mit seinen Mitgefangenen, Kommunisten wie er selbst. In der Haft verfasste er theoretische Schriften zum „Kommunistischen Manifest“. Nach dem deutschen Angriff auf Jugoslawien konnte er aus der Haft entkommen und ging im Auftrag der Partei nach Montenegro, um dort den Aufstand gegen die Besatzer vorzubereiten. Im Dezember 1941 wurde er in den Generalstab der Partisanenarmee (NO-POJ) aufgenommen. Seit 1943 wirkte er als Vizepräsident des Präsidiums von AVNOJ und als Koautor der neuen jugoslawischen Verfassung vom 31. Jänner 1946. In der Nachkriegszeit gehörte er zu den prominentesten Juden in der politischen Führungsspitze Jugoslawiens, vertrat sein Land bei der Friedenskonferenz in Paris. 1957 starb er in Paris, auf der Rückkehr aus London, wohin er eine jugoslawische Parlamentarierdelegation geführt hatte; siehe <em>Hrvatska enciklopedija, mrežno izdanje [Kroatische Enzyklopädie. Elektronische Ausgabe].</em>&nbsp;Leksikografski zavod Miroslav Krleža [Lexikographisches Institut Miroslav Krleža], Zagreb 2021: ˂www.enciklopedija.hr/Natuknica.aspx?ID=48186˃.</p>



<p><a href="#_ftnref66">[66]</a> Marijan Maticka: Zakonski propisi o vlasničkim odnosima u Jugoslaviji 1944–1948. godine, [Eigentümerrechtliche Gesetzesbestimmungen in Jugoslawien 1944–1948]. In: Radovi-Zavod za hrvatsku povijest [Arbeiten des Institutes für kroatische Geschichte], 24 (1992) H.&nbsp;3, S. 123–148, hier: S. 135, ˂www/hrcak.srce.hr/file/34247˃, 8.2.2021.</p>



<p><a href="#_ftnref67">[67]</a> Zeev Milo (alias Vladimir Müller): Im Satellitenstaat Kroatien, S. 272f.</p>



<p><a href="#_ftnref68">[68]</a> Mila Ajzenštajn: Od mjesta do mjesta [Von Ort zu Ort]. In: Domaš (Red.): Glasovi, S. 87–94.</p>



<p><a href="#_ftnref69">[69]</a> Mila Ajzenštajn (*1922 in Wien) wuchs im bosnischen Tuzla auf und studierte in Zagreb Pharmazie. 1941 flüchtete die Familie in die italienische Besatzungszone, wurde im italienischen Lager Kraljevica, 1943 auf Kampor (Insel Rab) interniert. Nach der Auflösung dieses Lagers schloss sich die Familie den Partisanen an; Mila wurde Leiterin der Zentralapotheke des Landesrates der Volksbefreiung Jugoslawiens (ZAVNOH). Dazu HR-HDA-287, Ministarstvoi narodnog zdravlja Narodne Republike Hrvatske [Ministerium für Volksgesundheit der Volksrepublik Kroatien], MNZ NRH, Fasz. 4, Zl. 1509, 5. Juni 1945 und 1519 vom 7. Juni 1945 – Ernennungsurkunde. Nach dem Krieg arbeitete sie in den Laboratorien von Pharmazieunternehmen. Selbst im kroatischen Unabhängigkeitskrieg (1991–1995) engagierte sie sich, obwohl sie seit 1985 in Pension war, ˂http://zbl.lzmk.hr/?p=2002˃, 10.8.2019.</p>



<p><a href="#_ftnref70">[70]</a> HR HDA-1220, Centralni komitet Komunističke partije Hrvatske [Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Kroatiens [CK KPH], Fasz. 5, 1945/IX, Zl. 1898 vom 4.9.1945.</p>



<p><a href="#_ftnref71">[71]</a> Amtsblatt SL DFJ, Nr. 2 vom 6.2.1945, S. 13f; Anić: Normativni okvir, S. 35.</p>



<p><a href="#_ftnref72">[72]</a> Amtsblatt SL DFJ, Nr. 36/1945, mit Änderungen und Ergänzungen Nr. 68/1945, Nr. 4/1946, Nr. 105/1946, Nr. 88/1947, Nr. 99/1948; N. Mihal Brandl: Jews between Two Totalitarian Regimes. In: Židovski identitet/i u Hrvatskoj nakon Drugog svjetskog rata, S. 181.</p>



<p><a href="#_ftnref73">[73]</a> Tomislav Anić belegt diese Konsequenz anhand mehrerer Beispiele, siehe Anić: Normativni okvir, S. 25–62 bzw. ˂https://hrcak.srce.hr/16176˃; ders.: Podržavljenje stranog kapitala u Hrvatskoj/Jugoslaviji [Verstaatlichung von Auslandskapital in Kroatien/Jugoslawien 1945–1946]. In ČSP 40 (2008) H.&nbsp;3, Zagreb 2008, S. 819–832, hier: S.&nbsp;832, ˂https://hrcak.srce.hr/39776˃; ders.: Povijest poduzeća „La Dalmatienne“ – imovinsko-pravne mijene [Geschichte des Unternehmens „La Dalmatienne“ – Änderung des Rechtsstatus]. In: Radovi Zavoda za hrvatsku povijest [Arbeiten des Institutes für kroatische Geschichte], Bd. 48. Zagreb 2016, S. 405–426.</p>



<p><a href="#_ftnref74">[74]</a> Raoul Pupo: Fiume cittá di passione [Fiume, Stadt der Leidenschaft]. Napoli 2018, S. 241f.</p>



<p><a href="#_ftnref75">[75]</a> Ljubomir Mayer: Tragom jedne skoro izgubljene priče. Prilog&nbsp;… [Einer fast vergessenen Geschichte auf der Spur. Beitrag&nbsp;… ]. In: Domaš (Red.): Glasovi, S. 251–262.</p>



<p><a href="#_ftnref76">[76]</a> HR HDA-313, Zemaljska uprava narodnih dobara [Landesverwaltung von Volkseigentum], ZUND, Fasz. 11, Zl. 775/31.5.1945. i Zl. 726/45 vom 31.5.1945. Ein Beispiel: Silvija Freiberger, die mit ihrer Mutter Fany Molnar 1943 in ein „Nazilager“ deportiert wurde, wo ihre Mutter ums Leben kam, kehrte am 21. Mai 1945 nach Zagreb zurück. In die ehemalige Wohnung konnte sie nicht mehr einziehen, da der neue Besitzer (seit 1941) die Wohnung vermietet hatte. Die Vermögensverwaltung (ZUND) gestattete Silvija, nach Unterzeichnung einer Haftungserklärung, aus ihrer ehemaligen Wohnung Mobiliar, elektrische Haushaltsgeräte, etwas Wäsche, Kleidung und Schuhe, Geschirr und Lebensmittel in die Ersatzwohnung mitzunehmen. Ebenso Dedijer Abraham, vor dem Krieg ein Mitglied der Kultusgemeinde und dann Partisan, sowie sein Neffe Josip Abraham.</p>



<p><a href="#_ftnref77">[77]</a> HR HDA-1520, Odbor za podavanja Židova za potrebe Države [Komitee für jüdische Kontributionen zum staatlichen Bedarf], Fasz. 2, Liste „Iskaz“, Blätter 1–6.</p>



<p><a href="#_ftnref78">[78]</a> HR HDA-283 Ministarstvo financija Narodne Republike Hrvatske [Finanzministerium der Volksrepublik Kroatien], Fasz. 2, Abschlussbericht der Kommission mit Aufstellung der Eingänge.</p>



<p><a href="#_ftnref79"> <a href="#_ftnref78">[79]</a> </a>Jere Jareb: Zlato i novac NDH izneseni u inozemstvo. Dokumentarni prikaz [Gold und Geld des Unabhängigen Staates Kroatien, das ins Ausland geschafft wurde. Eine Dokumentation]. Zagreb 1997, S. 263f. Die Dokumentation beruht auf den Unterlagen des Militärgerichts, das den Ministerpräsidenten Dr. Nikola Mandic und Außenminister Mile Budak zum Tode verurteilte und hinrichten ließ. – Zur Beschlagnahmung von jüdischem Vermögen: Nada Kisić Kolanović: Podržavljanje imovine Židova u NDH [Verstaatlichung des jüdischen Vermögens im Unabhängigen Staat Kroatien]. In: ČSP 30 (1998) H. 3, S. 450f.; siehe auch Susanne Rolinek: Raub und Restitution jüdischen Kulturgutes (= Handbuch Jüdische Kulturgeschichte, Kap. C. VIII. 5), ˂http://hbjk.sbg.ac.at/kapitel/raub-und-restitution-juedischen-kulturgutes/˃, 23.2.2021.</p>



<p> <a href="#_ftnref78">[80]</a> HR HDA-283, Ministarstvo financija Narodne Republike Hrvatske [Finanzmiisterium der Volksepublik Kroatien], MF NRH, Fasz. 69, Listen von Konten- und Safeinhabern, Zl. 11749 vom 19.5.1947.</p>



<p><a href="#_ftnref81">[81]</a> Mevorah: O radu Saveza [Zur Tätigkeit des Bundes], S.123f. – HR HDA-283, Finanzministerium der Volksrepublik Kroatien [Ministarstvo financija NRH], MF NRH, Fasz. 75, Zl. 18585/47 vom 19.9.1947: Dort findet sich die Weisung des Justizministeriums der Volksrepublik Kroatien [Ministarstvo pravosuđa &#8218;Narodne Republike Hrvatske].</p>



<p> <a href="#_ftnref78">[82]</a><strong> </strong> HR HDA-283, Finanzministerium der Volksrepublik Kroatien [Ministarstvo financija NRH], MF NRH, Fasz.75, Zl. 18585/47 vom 19.9.1947.</p>



<p><a href="#_ftnref78">[83]</a>  Expertise der Rechtsabteilung des Jugoslawischen Finanzministeriums im Akt des Finanzministeriums der Volksrepublik Kroatien [Ministarstvo financija NRH], HR-HDA-283, MF NRH, Fasz. 76, Zl. 24601 vom 29.11.1947.</p>



<p><a href="#_ftnref84">[84]</a> HR HDA-283, MF NRH, Fasz. 1, br. 18585/47 od 19.9.1947.</p>



<p><a href="#_ftnref78">[85]</a>  HR HDA-1076, Ponova [„Erneuerung“, Wiederaufbau]: Abteilung im Schatzministerium des Unabhängigen Staates Kroatien – Sektion für Finanzen, Staatsvermögen und Schulden [Ministarstvo državne riznice – Odjel za novčarstvo, državnu imovinu i dugove (Schatzministerium – Abteilung für Finanzen, Staatsermögen und Schulden], Nr. 502042 od 4.1.1944., Fasz. 248.</p>



<p><a href="#_ftnref86">[86]</a> Die Führung des Ustaschastaates flüchtete am 6. Mai 1945 Richtung Kärnten, als die Partisanen schon vor Zagreb standen, siehe Fikreta Jelić Butić: Ustaše i Nezavisna Država Hrvatska 1941–1945. [Die Ustascha und der Unabhängige Staat Kroatien 1941–1945]. Zagreb <sup>2</sup>1978, S. 301–303. Reprint der Philosophischen Fakultät Zagreb: ˂http://darhiv.ffzg.unizg.hr/id/eprint/1874/1/labus.pdf˃.</p>



<p> <a href="#_ftnref78">[87]</a> Jareb: Zlato i novac [Gold und Geld], S. 249–256.</p>



<p><a href="#_ftnref88">[88]</a> Sasson: Čovjek u svjetlom odjelu [Der Mann im hellen Anzug]. In: Domaš (Red.): Ako Tebe zaboravim [Wenn ich dich vergesse], S. 87f. Wegen dieser herren- und erbenlosen Konten intervenierte der US-Staatssekretär Stewart Eizenstadt in den Neunzigerjahren auf Betreiben von US-Anwälten geschädigter ehemaliger jüdischer Konten- und Safebesitzer beim Schweizer Bankenverein: Herrenlose Konten in der Schweiz. Auf der Suche nach dem verlorenen Geld. In: Wirtschaftswoche, 26.9.2016, ˂https://www.wiwo.de/politik/europa/herrenlose-konten-in-der-schweiz-auf-der-suche-nach-dem-verlorenen-geld/˃, 8.2.2021.</p>



<p><a href="#_ftnref89">[89]</a> Siehe Anm. 13.</p>



<p><a href="#_ftnref90">[90]</a> Naida Mihal Brandl: Židovski identiteti nakon Drugog Svjetskog Rata – kratki pregled [Jüdische Identitäten nach dem Zweiten Weltkrieg – eine Kurzdarstellung], ˂http://www.academia.edu/18764910/%C5%BDidovski_identiteti_nakon_Drugog_svjetskog_rata_-_kratki_pregled_2015˃, 8.2.2021.</p>



<p><a href="#_ftnref91">[91]</a> Brandl führt als Beleg jüdische Angeklagte eines großen Wirtschaftsprozesses in Zagreb gegen Angestellte der staatlichen Verkaufsagentur für herrenloses Vermögen (NAMA) an. Einige wurden zum Tod, andere zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Strafe wurde ihnen gegen die Zusicherung der Auswanderung mit der jugoslawischen Alija erlassen: N. Mihal Brandl: Jews between Two Totalitarian Regimes. In: Židovski identitet/i u Hrvatskoj nakon Drugog svjetskog rata, S. 173f.; auch in Review of Croation History, 12 (2016) H.&nbsp;1, S. 124.</p>



<p><a href="#_ftnref92">[92]</a> Ein Beispiel: Der Sohn des Großindustriellen und Eigentümers der Fabrik für Keramikfliesen Armin Schreiner (1941 in Jasenovac ermordet), Paul Schreiner (Zagreb 1928 – Novara, 22.2.2021), wurde von einer Bauernfamilie versteckt und wurde 1945 mit der Tatsache konfrontiert, dass die Fabrik seines Vaters unwiederbringlich verloren war. Er ließ sich zum Konditor ausbilden und beabsichtigte, sich selbständig zu machen. Die Besteuerung kleiner Privatbetriebe kam einem „administrativen Mord“ gleich, so dass Paul Schreiner doch nach Israel auswanderte. Dort wurde er zu einem anerkannten Experten für die Keramikproduktion. 1960 folgte er der Einladung italienischer Fabrikanten und ließ sich in Novara nieder: Paul Schreiner: Spašeni u Zagrebu. Sjećanja troje preživjelih srodnika na hrvatski Holokaust [In Zagreb gerettet. Erinnerungen dreier überlebender Verwandter an den kroatischen Holocaust]. Zagreb 2014, S. 93f.</p>



<p><a href="#_ftnref93">[93]</a> Marica Karakaš Obradov: Iseljavanje Židova iz Hrvatske nakon Drugoga svjetskog rata [Emigration der Juden aus Kroatien nach dem Zweiten Weltkrieg]. In: Historijski zbornik [Historischer Almanach], Jg. LXVI (2013) H.&nbsp;1, S. 391–404, hier: S. 396f.</p>



<p><a href="#_ftnref94">[94]</a> HR HDA-278, Sabor NRH [Parlament der Volksrepublik Kroatien]: Petenten in Fasz. 1, Zl 40/47, 72/47.</p>



<p><a href="#_ftnref95">[95]</a> S. Goldstein: 1941, S. 426.</p>



<p><a href="#_ftnref96">[96]</a> Nach der Jugoslawischen Alija blieb in ganz Jugoslawien nur mehr der Rabbiner von Sarajevo, Menahem Romano, im Amt: Vajs: Jevreji, im Text auf S. 14; siehe zu Romano auch ˂https://www.jta.org/1968/11/14/archive/menahem-romano-dead-at-87-last-surviving-yugoslavian-pre-war-rabbi˃ und ˂http://elmundosefarad.wikidot.com/nezaboravni-voljeni-rabin-nadrabin-menahem-avrama-&nbsp;romano˃.</p>



<p><a href="#_ftnref97">[97]</a> Šiljak: Jewish Identities, ˂https://hrcak.srce.hr/7848˃, 26.4.2021. Auch jüdische Historikerinnen und Historiker mieden bis in die 1970er-Jahre Themen im Zusammenhang mit dem Holocaust: Damir Agičić, Magdalena Najbar-Agičić, Hrvatska historiografija o 1941. – polemika bez dijaloga [Die kroatische Geschichtsschreibung zum Jahr 1941 – Polemik ohne Dialog]. In: Sulejman Bosto, Tihomir Cipek, Olivera Milosavljević (Hgg.): Kultura sjećanja 1941. Povijesni lomovi: 1941 u sjećanju nacijā [Erinnerungskultur 1941. Historische Brüche: Das Jahr 1941 in der Erinnerung der Nationen]. Hg. von der Friedrich-Ebert-Stiftung Banja Luka. Zagreb 2008, S.&nbsp;145–156, hier: S.&nbsp;147–150, ˂library.fes.de/pdf-files/bueros/sarajevo/06043.pdf˃, 26.4.2021.</p>



<p><a href="#_ftnref98">[98]</a> Šiljak: Jewish Identites, S. 378f., S. 383, S. 386.</p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hrvatski Državni arhiv Zagreb (i.&nbsp;F.: HR-HDA; Kroatisches Staatsarchiv Zagreb), Privatarchiv Rudi Supek, Bestands-Nr.&nbsp;1578, darin finden sich die Nummern 1–20 des Bulletins des Jugoslawischen Lagerkomitees Buchenwald „Naš glas“ („Unsere Stimme“), siehe hier Nr.&nbsp;7 vom 30.5.1945, Blatt&nbsp;3. – Rudi Supek (1913–1993) war ein Zagreber Soziologe, der im Jänner 1943 in Paris, wo er als Student in der Resistance mitarbeitete, von der Gestapo gefasst und in das KZ Buchenwald eingeliefert wurde.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Edita Armut (verheiratete Kašiković, *1922 in Banja Luka, † [?] in Zagreb) geriet als Internierte des italienischen Lagers Kampor (Insel Rab) 1944 über Triest nach Auschwitz, siehe Edit Kašiković: Everyone carries their own fate with them – Svako svoju sudbinu nosi sa sobom. In: Aleksandar Gaon (Hg.), Steve Agnew u.&nbsp;a. (Mitarb.): We Survived. Yugoslav Jews on the Holocaust. Hg. vom Savez jevrejskih opština Srbije / Federation of Jewish Communities in Serbia. Beograd 2001, ˂http://www.jevrejskadigitalnabiblioteka.rs/handle/123456789/803/browse?type=author&amp;value=Ka%C5%A1ikovi%C4%87+Armut%2C+Edita˃, 20.1.2021. – Biografische Daten: Ivo Goldstein (Hg.): Židovski biografski leksikon on-line [Jüdisches biographisches Lexikon]. Hrvatski leksikografski zavod „Miroslav Krleža“ [Kroatisches Lexikographisches Institut „Miroslav Krleža“]. Zagreb 2017, ˂https://www.lzmk.hr/˃, 16.3.2021. Bei allen biografischen Daten stütze ich mich auf dieses Lexikon; i.&nbsp;F.: Jüdisches biographisches Lexikon.</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;So der aus Italien repatriierte Partisan Veljko Auferber aus Osijek; siehe Branka Cimermanović: Moja majka Ljerka Auferber [Meine Mutter Ljerka Auferber]. In: Jasminka Domaš (Red.): Glasovi, sjećanja, život. Prilog istraživanju povijesti židovskih obitelji [Stimmen, Erinnerungen, Leben. Beitrag zur Erforschung der Geschichte jüdischer Familien]. Zagreb 2015, S.&nbsp;15–28. Veljko Auferber war der Ehemann von Ljerka Auferber, Branka Cimermanović ist deren Tochter.</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Anna Grünfelder: „Displaced Persons“ aus Jugoslawien. Repatriierung und Reintegration seit 1945. In: Südost-Forschungen 74. Regensburg 2015, S.&nbsp;73–110, hier: S. 95.</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Alija (Aliyah) bezeichnet im Judentum generell die Rückkehr von Juden in das Land Israel. Zur jugoslawischen Aliyah bet‘: Mladenka Ivanković: Jevreji Jugoslavije 1944–1953 [Die Juden Jugoslawiens 1944–1953]. Beograd 2006, S. 199–206; Melita Švob: Židovi Hrvatske i Izrael. Osvrt [Die Juden Kroatiens und Israel. Eine Reflexion]. In: Migracijske teme [Migrationsthemen], Nr. 13. Zagreb 1997, S.&nbsp;363–392. – Beispiele: Sonja Makek [auch Sonja Bar-Sela nach ihrem zweiten Ehemann]: Povijest moje obitelji [Geschichte meiner Familie]. In: Domaš (Red.): Glasovi, S. 81–190; Dan Bar-Sela: Sin stijene [Sohn des Felsens]. In: ebenda, S. 199–211. Sonja Makek [Bar Sela], geb. Keršner, *1945 in Zagreb; keine Angaben über ihren zweiten Ehemann Dan (Dragutin) Bar-Sela im Jüdischen biographischen Lexikon, nach persönlicher Information des Genannten *1928 in Zagreb. </div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Emil Kerenji: Jewish Citizens of Socialist Yugoslavia. Politics of Jewish Identity in a Socialist State, 1944–1974. Diss. University of Michigan, 2008, S. 183.</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Solveg Sasson: Čovjek u svjetlom odijelu [Der Mann im hellen Anzug]. In: Domaš (Red.): Ako tebe zaboravim. Prilog istraživanju povijesti židovskih obitelji [Wenn ich dich vergesse. Beitrag zur Erforschung der Geschichte jüdischer Familien]. Zagreb 2018, S.&nbsp;71–91, hier: S.&nbsp;89. Die Familie des Fabrikanten Mario Sasson, der in Auschwitz ums Leben kam, erfuhr davon erst aus den Transkripten des Eichmann-Prozesses und den jugoslawischen Medien, die wegen der jugoslawischen Zeugen ausführlich über den Prozess berichteten. Eichmann soll demnach persönlich die Deportation des Unternehmers und Fabrikanten Mario Sasson und seiner ganzen Familie „nach dem Osten“ gefordert haben, weil sich Mario Sasson geweigert haben soll, Kohle aus Jugoslawien statt in die Schweiz ins Deutsche Reich zu liefern.</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Anm. 4.</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Harriet Pass Freidenreich: The Jews of Yugoslavia. A Question for Community. Jewish Pubn Society. Philadelphia 1979, S. 179f.</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Marija Vulesica: Die Ermordung der Juden in den jugoslawischen Gebieten 1941–1945. In: Đorđe Tomić, Roland Zschächner, Mara Puškarević u.&nbsp;a. (Hgg.): Mythos Partisan. Münster&nbsp;<sup>1</sup>2013, S. 90–109.</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ivo Goldstein: Holokaust u Zagrebu [Der Holocaust in Zagreb]. Zagreb 2001, S. 649.</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Beispiel: Der Osijeker Großindustrielle Makso Herman, siehe Vilim Herman: Kronika obitelji Herman [Chronik der Familie Herman]. In: Domaš (Red.): Glasovi, S. 119–127, hier: S. 125f. Vilim Herman, *1949 in Osijek. Zu seinem Vorfahren Makso gibt es keine Angaben im Jüdischen biographischen Lexikon.</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Beispiele: Makek [Bar-Sela]: Povijest, S. 205; Slavko Goldstein: 1941: Godina koja se vraća [1941: Das Jahr, das sich wiederholt]. Zagreb&nbsp;<sup>2</sup>2007, S. 497. Weitere Beispiele gibt es auch in den Akten der Repatriierungskommission, vorhanden in: HR-HDA-1522, Faszikel 2. Heimkehrer aus Israel nach Rijeka und Split.</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Trilogie Jasminka Domaš (Red.): Glasovi, sježanja, život [Stimmen, Erinnerungen, Leben]. Zagreb 2015 (= 1. Band); Obitelji [Familien]. Zagreb 2016 (= 2. Band); Ako Tebe zaboravim [Wenn ich dich vergesse]. Zagreb 2018 (= 3. Band); Untertitel aller drei Bände: Prilog za istraživanje povijesti židovskih obitelju [Beitrag zur Erforschung der Geschichte jüdischer Familien].</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zemaljska komisija za repatrijaciju [Landesrepatriierungskommission], HR-HDA-1522, ZKRH); Ministarstvo socijalnog staranja [Ministerium für Sozialfürsorge], HR-HDA-296 MSS NRH; HR-HDA-283, Ministarstvo financija Narodne Republike Hrvatske [Finanzministerium der Volksrepublik Kroatien], MF NRH; HR-HDA-313, Zemaljska uprava narodnih dobara [Landesverwaltung von Volksvermögen], ZUND; HR-HDA-306, Zemaljska komisija za utvrđivanje zločina okupatora i njihovih pomagača [Landeskommission zur Ermittlung von Kriegsverbrechen der Besatzer und ihrer Kollaborateure], ZKRZ. Das Archiv der Jüdischen Kultusgemeinde Zagreb aus der Vorkriegs- und Kriegszeit findet sich, soweit es unter den Bedingungen der deutschen Besatzung und des Ustascha-Regimes erhalten werden konnte, in Abschriften im Archiv des Jevrejski Istorijski Muzej (JIM; Jüdisches Historisches Museum) in Belgrad und wird noch geordnet. Es ist derzeit nur eingeschränkt benutzbar.</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Branko Polić: Na pragu zrelosti. Autobiografski zapisi [An der Schwelle zur Reife. Autobiografische Notizen]. Zagreb 2010, S. 40; S. Goldstein: 1941, S. 425; Zeev Milo: Im Satellitenstaat Kroatien. Eine Odyssee des Überlebens 1941–1945. Mit ausführlicher Beschreibung der historischen Ereignisse. Klagenfurt&nbsp;<sup>2</sup>2002, S. 179–191. (Lebensdaten: Branko Polić: 1924–2014; Slavko Goldstein: 1928–2017; Zeev Milo alias Vladimir Miller [auch Müller oder Miler]: Zagreb 1925–[?]).</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;S. Goldstein: 1941, S. 425. Irritationen zwischen Tito und Stalin, zwischen dem Generalstab der jugoslawischen Volksbefreiungsarmee und der Komintern gab es seit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion, als die Komintern alle kommunistischen Parteien zur gemeinsamen Hilfe für die UdSSR aufforderte. Jugoslawien verweigerte die Teilnahme, weil es selbst schon besetzt war. Einmischungen der Komintern in die Kriegsführung in Jugoslawien wurden von der Partisanenarmee ignoriert oder zurückgewiesen. Diesen Aspekt der Kriegsführung schilderte der Dolmetscher im Generalstab der Partisanen Vladimir Velebit (Zadar 1907 – Zagreb 2004; nach dem Krieg einer von Titos Spitzendiplomaten, 1951 jugoslawischer Botschafter in Rom, 1952–1956 Botschafter in London, 1960–1970 in UNO-Kommissionen und als Delegierter der Carnegie-Foundation im Israelisch-Palästinensischen Konflikt tätig): Vladimir Velebit: Moj život [Mein Leben]. Zagreb 2015, S. 248, S. 317–320, S. 343 und passim.</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Velebit: Moj život, S. 343; S. Goldstein: 1941, S. 425f.</div><div>19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Naida Mihal Brandl: Jews between Two Totalitaran Regimes. In: Židovski identitet/i u Hrvatskoj nakon Drugog svjetskog rata. Pregled [Jüdische Identität/en in Kroatien nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein Überblick]. In: Ljiljana Dobrovšak, Ivana Žebec Šilj (Hgg.): Nacionalne manjine u Hrvatskoj i Hrvati kao manjina – europski izazovi [Nationale Minderheiten in Kroatien und Kroaten als Minderheit. Europäische Herausforderungen]. Zagreb 2005, S. 167–194, hier: S. 173f; auch in&nbsp;Review of Croatian history 12 (2016) H.&nbsp;1, Zagreb 2016, S. 103–127. Ihre Feststellung wurde übernommen von Ari Kerkkänen: Yugoslav Jewry. Beograd 1999, S. 40f, aber widersprochen von Lea Šiljak: Jewish Identities in Croatia – a socijal psychological perspective. In: Migracijske teme 19 (2003) H.&nbsp;4, S. 363–390, hier: S. 364, ˂https://hrcak.srce.hr/7848˃, 26.4.2021.</div><div>20&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;HR-HDA-291, Ministarstvo prosvjete Narodne Republike Hrvatske [Erziehungsministerium der VR Kroatien], MP NRH, Fasz.62, 65, 66; HR-HDA-296, Ministarstvo socijalnog staranja Narodne Republike Hrvatske [Sozialministerium der Volksrepublik Kroatien], MSS NRH, Fasz. 65.</div><div>21&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Beispiele: Dr. Pavle Vinski wirkte seit der Gründung der Kroatischen Kriegsverbrecherkommission (1944) bis zu deren Einstellung (1947) als ihr Leiter: HR-HDA-306, ZKRZ, Mikrofilm Z-2944, Azl.2235/45; Univ.-Prof. Dr. Mladen Singer (1930–2014) war Jugendstrafrichter und lehrte an der Fakultät für Heilpädagogik in Zagreb, siehe: Ljiljana Mikšaj-Todorović, Irma Kovčo-Vukadin: In memorian prof. dr. sc. Mladen Singer. Nekrolog, Obituarij [In memoriam Prof. Dr. Mladen Singer. Ein Nachruf]. In: Kriminologija &amp; socijalna integracija: časopis za kriminologiju, penologiju i poremećaje u ponašanju [Kriminalwissenschaft und soziale Integration: Zeitschrift für Kriminalwissenschaft, Strafrechtswissenschaft und Sozialintegration], 22 (2014) H.&nbsp;1, S. 240–242, ˂https://hrcak.srce.hr/134065˃, 24.3.2021. Einen der höchsten militärischen Dienstgrade erreichte die Partisanenärztin Dr. Rosa Papo aus Sarajevo: Jaša Romano: Jevreji Jugoslavije 1941–1945. Žrtve genocida i učesnici Narodnooslobodilačke borbe. [Die Juden Jugoslawiens 1941–1945. Opfer des Genozids und Teilnehmer des Volksbefreiungskampfes]. Beograd 1979, S. 364.</div><div>22&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Jüdisches biographisches Lexikon (wie Anm. 2), ˂https://zbl.lzmk.hr/?p=2384˃, 24.3.2021.</div><div>23&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Angaben zu Dr. Zora Steiner, geb. Goldschmidt (1902–1985), finden sich im Nachlass des Paares im Kroatischen Staatsarchiv Zagreb, HR-HDA-1889, Ostavština Dr. Stjepan Steiner.</div><div>24&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Jüdisches biographisches Lexikon (wie Anm. 2), ˂https://zbl.lzmk.hr/?p=1494˃, 24.3.2021; der Gründungsprozess dauerte bis 1962.</div><div>25&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dragan Golubović: Kako je Emerik Blum stvorio ekonomsko čudo [Wie Emerik Blum das Wirtschaftswunder bewirkte], ˂<a href="https://analiziraj.ba/kako-je-emerik-blum-stvorio-ekonomsko-cudo/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://analiziraj.ba/kako-je-emerik-blum-stvorio-ekonomsko-cudo/</a>˃.</div><div>26&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Am 24. Mai 1948 beschloss das „Informbiro“ (dt.: Kominform, Kommunistisches Informationsbüro, das Zentrum der kommunistischen Bewegung), den Ausschluss Jugoslawiens als „Abweichler“.&nbsp;Berislav Jandrić: Djelatnost sljedbenika rezolucije informbiroa u Hrvatskoj 1948–1953 [Die Tätigkeit der Anhänger der Resolution des Kominform in Kroatien 1948–1953]. In: Časopis za suvremenu povijest [Zeitschrift für Zeitgeschichte], i.&nbsp;F.: ČSP], 26 (1994) H.&nbsp;2, S. 317–336, hier: S. 321–324.</div><div>27&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;S. Goldstein: 1941, S. 425.</div><div>28&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Verpflichtung zur Rückkehr in das Heimatland widersprach dem alliierten Beschluss bei der Konferenz von Jalta. Die Westalliierten bestanden auf Freiwilligkeit und räumten nur der Sowjetunion eine Ausnahmeregelung ein: W(ilhelm). Jacobmeyer: Vom Zwangsarbeiter zum heimatlosen Ausländer. Die Displaced Persons in Westdeutschland 1945–1951. Göttingen 1985, S. 30.</div><div>29&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Službeni list DFJ (i.&nbsp;F.: SL DFJ; Amtsblatt des Demokratischen Föderativen Jugoslawien) Nr. 30 vom 28. April 1945 und SL DF Nr. 64 vom 23. August 1945. Details zur gesetzlichen Lage und Repatriierungsinstitutionen: Grünfelder: „Displaced Persons“, S. 80.</div><div>30&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;HR-HDA-1512, Zemaljska komisija za repatrijaciju (Landesrepatriierungskommission, ZKRH).</div><div>31&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zum Verlauf der Repatriierung der jugoslawischen Insassen von Buchenwald mit Hilfe der tschechoslowakischen KP siehe: Grünfelder: „Displaced Persons“, S. 90f.</div><div>32&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Lazar Weinberger: Dachau. In: Domaš (Red.): Glasovi, S. 151–169, hier: S. 166f.</div><div>33&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Geheimpolizei OZNA (Odelenje za zaštitu naroda, dt.: Abteilung für Volksschutz) wurde 1943 von AVNOJ gegründet, um die Bevölkerung in den von den Partisanen eroberten oder kontrollierten Territorien auf ihre politische Gesinnung hin zu kontrollieren: William Klinger: Il terrore del popolo. Storia della polizia politica di Tito. Trieste 2012. Kroatische Ausgabe: Teror narodu. Povijest Titove političke policije. Zagreb: Večernji list, 2014.</div><div>34&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Zagreber Philosoph Rudi Supek machte nach seiner Heimkehr aus dem KZ Buchenwald nach Zagreb die Erfahrung, dass die Staatspolizei OZNA noch während seiner KZ-Internierung (1943–1945) Belastungsmaterial über sein Verhalten als KZ-Insasse gesammelt hatte und ihn der Komplizenschaft mit der SS zum Schaden der Mitinternierten beschuldigte: HR-HDA-1780, Fasz. 29, Chronologie des activités politiques 1939–1940 (dans la Résistance et dans la Déportation à Buchenwald), verfasst am 14.12.1971.</div><div>35&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Jüdische Kultusgemeinde Zagreb durfte während der Ustascha-Herrschaft weiterbestehen, weil sie von der Verwaltung der Konzentrationslager zur Lieferung von Lebensmittelrationen an die Häftlinge verpflichtet wurde: I. Goldstein: Holokaust, S. 387. Die diesbezügliche Verordnung des Innenministeriums des Unabhängigen Staates Kroatien (Ministarstvo unutrašnjih poslova Nezavisne Države Hrvatske, MUP NDH), HR-HDA-223, Zl.13520-3095/1942, ist nicht datiert.</div><div>36&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;HR HDA-296, Ministarstvo socijalnog staranja Narodne Republike Hrvatske [Sozialministerium der Volksrepublik Kroatien] MSS NRH, Fasz. 3, Zl. 4362-VII/1945 vom 4.7.1945; HR-HDA-1522, ZKRH, Fasz. 6, Zl. 64/48 und 65/48 vom 29.1.1948.</div><div>37&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die internationale humanitäre Organisaiton UNRRA lieferte monatlich Lebensmittel für Repatriierte, aber die Sendungen durften nur für Zivilisten verwendet werden, nicht für die Armee. Auch Hilfsgüter zum Wiederaufbau wie Baumaterial und Baumaschinen umfasste das Hilfsprogramm: Međunarodni odnosi Jugoslavije: ˂https://hrcak.srce.hr/file/138_72.pdf˃, 20.6.2020. Zum Ausmaß der Hilfe: Vera Kržisnik Bukić: Hrana kao glavni vid UNRRA-ine pomoći Jugsolaviji 1943–1948 [Lebensmittel als wichtigste Hilfsgüter der UNRRA für Jugoslawien 1943–1948]. In: ČSP 20 (1988) H.&nbsp;3, S. 59–76, hier: S. 60, S. 67f.</div><div>38&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;HR-HDA, Ministerium für Volksgesundheit [Ministarstvoi narodnog zdravlja], Sig. HR-HDA-287, MNZ, Fasz. 6, Zl. 5508, 5781; Siniša Zrinščak: Zdravstvena politika Hrvatske [Gesundheitspolitik in Kroatien]. In: Revija socijalne politike [Revue für Sozialpolitik], 14 (2007) H.&nbsp;2, S. 193–220, hier: S. 197.</div><div>39&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;HR-HDA-287, Ministarstvo narodnog zdravlja Narodne Republike Hrvatske [Ministerium der Volksgesundheit der VR Kroatien), MNZ NRH, Fasz. 6-10 enthält Krankengeschichten. Die Auswertung der Dokumente konnte wegen der Corona-bedingten Einschränkung der Archivbenützung 2020/2021 nicht geleistet werden, wird jedoch aufgenommen, da sie Hinweise auf Patienten mit KZ-Erfahrung geben dürften.</div><div>40&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dragica Kozarić-Kovačić, Zrinka Kovačić, Lea Rukavina (Universitätsklinik für Psychiatrie Zagreb-Dubrava), und Dario Kovač: Što je posttraumatski stresni poremećaj (PTSP) [Was ist die Posttraumatische Belastungsstörung]. In: Klinička psihologija [Klinische Psychologie], Zagreb 2013.</div><div>41&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Weinberger: Dachau. In: Domaš (Red.): Glasovi, S. 167.</div><div>42&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Natan Langer: Život s vjerom i u vjeri [Leben mit dem Glauben und aus dem Glauben]. In: Domaš (Red.): Glasovi, S. 233–250, hier: S. 246. (Zu Natan Langer sind keine biografischen Daten bekannt).</div><div>43&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Mario Braun: Skupljanje krhotina [Splitter zusammensuchen]. In: Domaš (Red.): Ako Tebe zaboravim. Prilog [Wenn ich dich vergesse. Beitrag]. Zagreb 2018, S. 31–59, hier: S. 54–57. (Boris Braun, Marios Vater, *1920 in Djurdjevac – Zagreb 2018).</div><div>44&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Lea Kriesbacher Fürth: Na obali Dunava [Am Donauufer]. In: Domaš (Red.): Glasovi, S. 137–140. (Lea Kriesbacher geb. Fürth, 1926–2019).</div><div>45&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Mirjana Gross begann vor dem Krieg noch mit dem Medizinstudium. 1941–1943 konnte sie mit ihren Eltern in Verstecken überleben. 1943 wurde sie aufgespürt und deportiert. Sie und ihre Mutter überlebten. Nach der Rückkehr und Heilung fand sie eine Anstellung im Sozialministerium der Volksrepublik Kroatien, sodann im Kultur- und Erziehungsektor des Erziehungsministeriums, ehe sie sich zum Studium der Geschichte und Kunstgeschichte entschloss. Publikationsliste: ˂<a href="https://www.enciklopedija.hr/natuknica.aspx?id=23501" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.enciklopedija.hr/natuknica.aspx?id=23501</a>˃.</div><div>46&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Todesurteile für Mitgliedschaft in der Ustascha, mit der die Beteiligung und Mitschuld an Kriegsverbrechen ohne Nachweis einfach vorausgesetzt wurde, finden sich im Bestand Zemaljska komisija za utvrđivanje zločina okupatora&nbsp;… (Landeskommission zur Ermittlung von Kriegsverbrechen der Besatzer&nbsp;…), HR-HDA-306, ZKRZ, Z-2958, ZM 22/25, kutija 28, Urteil Zl. 1573/45 vom 25.7.1945, Z-2953, ZM 22/24, Z-2982, ZM 22/49, Fasz. 60, Zl. 2753/45 und Z-2983, ZM/22/50, Zl. 2754.</div><div>47&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Mündliche Auskunft von Darko F. an die Autorin, Jänner 2021. Auf Wunsch des Zeitzeugen wurde der Familienname abgekürzt.</div><div>48&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Avram Mevorah: O radu Saveza jevrejskih opština Jugoslavije prvih dana po oslobođenju [Zur Tätigkeit des Bundes der Jüdischen Gemeinden Jugoslawiens in den ersten Tagen nach der Befreiung]. In: Jevrejski Almanah [Jüdischer Almanach], Beograd 1955/1956, hg. v. Žak Konfino, Aleksandar Levi, Zdenko Levntal. Beograd 1956, S. 123–126, hier: S. 123; Kerenji: Jewish Citizens, S. 134f.</div><div>49&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Briefwechsel des Präsidenten der Jüdischen Kultusgemeinde Zagreb und des Präsidenten des Bundes der jugoslawischen Kultusgemeinden an JOINT, in: Kerenji: Jewish Citizens, S. 134–136.</div><div>50&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Aleksandar Lebl: Prekid diplomatskih odnosa SFRJ i Izraela 1967. godine [Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien und Israel im Jahre 1967]. In: Tokovi istorije [Historische Prozesse], 1-4. Beograd 2001, S. 39–75, hier: S. 41f, <a href="http://˂http://jevrejskadigitalnabiblioteka.rs/bitstream/id/4363/LeblPrekidDiplomatskihOdnosaOCR.pdf˃" target="_blank" rel="noreferrer noopener">˂http://jevrejskadigitalnabiblioteka.rs/bitstream/id/4363/LeblPrekidDiplomatskihOdnosaOCR.pdf˃</a>, 21.3.2021. Diese Vereinigung wurde noch vor dem Zweiten Weltkrieg gegründet, um den Flüchtlingen, die über Jugoslawien nach Palästina einwanderten, zu helfen; A. Lebl: ebenda, S.&nbsp;42.</div><div>51&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kerenji: Jewish Citizens, S. 136, S. 138f.</div><div>52&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ebenda, S. 138; die Quellen dazu fand der Autor im Archiv des Jüdischen Museums (Jevrejski Istorijski arhiv, JIM) in Belgrad. Die Verteilung der Unterstützungsgelder bezieht sich, Kerenjis Ausführungen zufolge, auf jüdische Gemeinden in Serbien und der Woiwodina.</div><div>53&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Albert Vajs: Jevreji u novoj Jugoslaviji [Die Juden im neuen Jugoslawien]. In: Jevrejski Almanah [Jüdisches Jahrbuch], Beograd 1954, S. 125–144, ˂<a href="http://www.jevrejskadigitalnabiblioteka.rs/handle/123456789/255" target="_blank" rel="noreferrer noopener">http://www.jevrejskadigitalnabiblioteka.rs/handle/123456789/255</a>˃; Mladenka Ivanković: Jevreji Jugoslavije 1944–1953 [Die Juden Jugoslawiens 1944–1953]. Beograd 2006, S. 65. – Univ.-Prof. Dr. Albert Vajs (*1905 in Zemun/Semlin – gest. 1964 in Belgrad); 1941 wurde er als Angehöriger der Königlich-Jugoslawischen Armee von den Deutschen als Kriegsgefangener in mehreren Kriegsgefangenenlagern interniert und kehrte 1945 nach Jugoslawien zurück. Er leitetete die Staatskommission zur Ermittlung der Kriegsverbrechen der Besatzer und ihrer Kollaborateure; als Strafrechtsexperte mit internationalem Ruf vertrat er die Klagen jugoslawischer Opfer vor dem Nürnberger Tribunal und dem Eichmann-Prozess in Jerusalem, siehe: Jüdisches biographisches Lexikon (wie Anm. 2), ˂<a href="https://zbl.lzmk.hr/?p=2650" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://zbl.lzmk.hr/?p=2650</a>˃.</div><div>54&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bis 1946 nahmen in ganz Jugoslawien 35 von den 117 vor dem Krieg bestehenden Gemeinden ihre Tätigkeit auf: Mevorah: O radu Saveza, S. 23. Kerenji: Jewish Citizens, S. 165.</div><div>55&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kerenji: Jewish Citizens, S. 163.</div><div>56&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;HR-HDA-207, Zemaljsko antifašističko vijeće narodnog oslobođenja Hrvatske [Antifaschistischer Landesrat der Volksverteidigung Kroatiens], ZAVNOH, Fasz. 131, Zl. 13348-2355; Amtsblatt „Službeni list DFJ“ Nr. 3 vom 9. Februar 1945.</div><div>57&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Amtsblatt des Demokratischen Föderativen Jugoslawien: „Službeni list DFJ“ Nr. 2 vom 6. Februar 1945, S. 13f.</div><div>58&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;HR-HDA-1115, Savjet za narodno zdravlje i socijalu [Rat für Volksgesundheit und soziale Angelegenheiten], Fasz. 21, Nr. 3978-IV-Rad-1952 vom 19.5.1952.</div><div>59&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;HR HDA-207, ZAVNOH Fasz. 132, Zl. 13.483-2670; 352/45, 353/45 I 354/55, alle vom 12.3.1945. Roma wurden in den Dokumenten der Frühzeit der kommunistischen Verwaltung nicht genannt, obwohl auch sie zu den zur Ausrottung bestimmten Personengruppen gehörten und auch dem Massenmord in Jasenovac zum Opfer fielen. Siehe dazu: Narcisa Lengel-Križman: Prilog proučavanju terora u tzv. NDH: Sudbina Roma 1941–1945. [Ein Beitrag zur Erforschung des Terrors im USK (im Unabhängigen Staat Kroatien): Das Schicksal der Roma 1941–1945]. In: ČSP 18 (1986) H.&nbsp;1, S. 29–42.</div><div>60&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zakon o postupanju s imovinom koju su vlasnici morali napustiti u toku okupacije i imovinom koja im je oduzeta od strane okupatora i njihovih pomagača [Gesetz über die Behandlung von Vermögen, das die Eigentümer unter dem Druck der Besatzer und ihrer Kollaborateure hinterlassen mussten]: Amtsblatt „Službeni list DNRJ“, Nr. 36 vom 24. Mai 1945.</div><div>61&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die „Koordination“ entsprach in etwa einer „Dachvereinigung“, hatte in der Praxis aber weniger Einfluss auf die einzelnen Gemeinden, als es dem Verständnis von „Dachverbänden“ entspricht.</div><div>62&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Am 10. September 1952 schloss die Bundesrepublik Deutschland mit Israel und der Jewish Claims Conference das Luxemburger Abkommen. Die Bundesrepublik verpflichtete sich zur Zahlung von drei Milliarden DM an den Staat Israel sowie 450 Millionen DM an die Jewish Claims Conference zur Unterstützung, Rehabilitierung und Wiederansiedlung jüdischer NS-Opfer.</div><div>63&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Židovska općina Zagreb (Jüdische Gemeinde Zagreb), www.zoz.hr: Die für Kroatien zuständige Stelle des Claims-Fonds ist der Central &amp; Eastern European Fund – Claims Conference, ˂<a href="http://www.claimscon.org/regions/eastern-europe/croatia/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">http://www.claimscon.org/regions/eastern-europe/croatia/</a>˃, 26.4.2021.</div><div>64&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der AVNOJ-Beschluss findet sich veröffentlicht im Amtsblatt SL DFJ, Nr. 2, vom 6.2.1945, S. 13f. Dazu&nbsp;Tomislav Anić: Normativni okvir&nbsp;podržavljenja imovine u Jugoslavij/Hrvatskoj 1944–1946 [Normativer Rahmen für die Verstaatlichung von Vermögen in Jugoslawien/Kroatien 1944–1946]. In: ČSP 39 (2007) H.&nbsp;1, S. 25–62, ˂<a href="https://hrcak.srce.hr/16176" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://hrcak.srce.hr/16176</a>˃, 8.2.2021. Das Gesetz über die Behandlung von Vermögen, das die Eigentümer unter dem Druck der Besatzer und ihrer Kollaborateure hinterlassen mussten, findet sich im Amtsblatt des Demokratischen Föderativen Jugoslawien, „Službeni list DFJ“, Nr. 36 vom 24. Mai 1945 (siehe Anm. 60).</div><div>65&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Moše Pijade (Beograd 1890 – Paris 1957), Studium der Malerei in München und Paris, Kunsterzieher und Journalist, seit 1920 Mitglied der in Jugoslawien verbotenen KPJ im Untergrund, wurde verhaftet und verbrachte insgesamt 14 Jahre im Gefängnis. Wegen der unmenschlichen Haftbedingungen in den berüchtigten Gefängnissen des Königreiches Jugoslawien streikte er mit seinen Mitgefangenen, Kommunisten wie er selbst. In der Haft verfasste er theoretische Schriften zum „Kommunistischen Manifest“. Nach dem deutschen Angriff auf Jugoslawien konnte er aus der Haft entkommen und ging im Auftrag der Partei nach Montenegro, um dort den Aufstand gegen die Besatzer vorzubereiten. Im Dezember 1941 wurde er in den Generalstab der Partisanenarmee (NO-POJ) aufgenommen. Seit 1943 wirkte er als Vizepräsident des Präsidiums von AVNOJ und als Koautor der neuen jugoslawischen Verfassung vom 31. Jänner 1946. In der Nachkriegszeit gehörte er zu den prominentesten Juden in der politischen Führungsspitze Jugoslawiens, vertrat sein Land bei der Friedenskonferenz in Paris. 1957 starb er in Paris, auf der Rückkehr aus London, wohin er eine jugoslawische Parlamentarierdelegation geführt hatte; siehe&nbsp;<em>Hrvatska enciklopedija, mrežno izdanje [Kroatische Enzyklopädie. Elektronische Ausgabe].</em>&nbsp;Leksikografski zavod Miroslav Krleža [Lexikographisches Institut Miroslav Krleža], Zagreb 2021: ˂<a href="http://www.enciklopedija.hr/Natuknica.aspx?ID=48186" target="_blank" rel="noreferrer noopener">www.enciklopedija.hr/Natuknica.aspx?ID=48186</a>˃.</div><div>66&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Marijan Maticka: Zakonski propisi o vlasničkim odnosima u Jugoslaviji 1944–1948. godine, [Eigentümerrechtliche Gesetzesbestimmungen in Jugoslawien 1944–1948]. In: Radovi-Zavod za hrvatsku povijest [Arbeiten des Institutes für kroatische Geschichte], 24 (1992) H.&nbsp;3, S. 123–148, hier: S. 135, ˂<a href="http://www/hrcak.srce.hr/file/34247" target="_blank" rel="noreferrer noopener">www/hrcak.srce.hr/file/34247</a>˃, 8.2.2021.</div><div>67&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zeev Milo (alias Vladimir Müller): Im Satellitenstaat Kroatien, S. 272f.</div><div>68&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Mila Ajzenštajn: Od mjesta do mjesta [Von Ort zu Ort]. In: Domaš (Red.): Glasovi, S. 87–94.</div><div>69&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Mila Ajzenštajn (*1922 in Wien) wuchs im bosnischen Tuzla auf und studierte in Zagreb Pharmazie. 1941 flüchtete die Familie in die italienische Besatzungszone, wurde im italienischen Lager Kraljevica, 1943 auf Kampor (Insel Rab) interniert. Nach der Auflösung dieses Lagers schloss sich die Familie den Partisanen an; Mila wurde Leiterin der Zentralapotheke des Landesrates der Volksbefreiung Jugoslawiens (ZAVNOH). Dazu HR-HDA-287, Ministarstvoi narodnog zdravlja Narodne Republike Hrvatske [Ministerium für Volksgesundheit der Volksrepublik Kroatien], MNZ NRH, Fasz. 4, Zl. 1509, 5. Juni 1945 und 1519 vom 7. Juni 1945 – Ernennungsurkunde. Nach dem Krieg arbeitete sie in den Laboratorien von Pharmazieunternehmen. Selbst im kroatischen Unabhängigkeitskrieg (1991–1995) engagierte sie sich, obwohl sie seit 1985 in Pension war, ˂<a href="http://zbl.lzmk.hr/?p=2002" target="_blank" rel="noreferrer noopener">http://zbl.lzmk.hr/?p=2002</a>˃, 10.8.2019.</div><div>70&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;HR HDA-1220, Centralni komitet Komunističke partije Hrvatske [Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Kroatiens [CK KPH], Fasz. 5, 1945/IX, Zl. 1898 vom 4.9.1945.</div><div>71&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Amtsblatt SL DFJ, Nr. 2 vom 6.2.1945, S. 13f; Anić: Normativni okvir, S. 35.</div><div>72&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Amtsblatt SL DFJ, Nr. 36/1945, mit Änderungen und Ergänzungen Nr. 68/1945, Nr. 4/1946, Nr. 105/1946, Nr. 88/1947, Nr. 99/1948; N. Mihal Brandl: Jews between Two Totalitarian Regimes. In: Židovski identitet/i u Hrvatskoj nakon Drugog svjetskog rata, S. 181.</div><div>73&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Tomislav Anić belegt diese Konsequenz anhand mehrerer Beispiele, siehe Anić: Normativni okvir, S. 25–62 bzw. ˂https://hrcak.srce.hr/16176˃; ders.: Podržavljenje stranog kapitala u Hrvatskoj/Jugoslaviji [Verstaatlichung von Auslandskapital in Kroatien/Jugoslawien 1945–1946]. In ČSP 40 (2008) H.&nbsp;3, Zagreb 2008, S. 819–832, hier: S.&nbsp;832, ˂<a href="https://hrcak.srce.hr/39776" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://hrcak.srce.hr/39776</a>˃; ders.: Povijest poduzeća „La Dalmatienne“ – imovinsko-pravne mijene [Geschichte des Unternehmens „La Dalmatienne“ – Änderung des Rechtsstatus]. In: Radovi Zavoda za hrvatsku povijest [Arbeiten des Institutes für kroatische Geschichte], Bd. 48. Zagreb 2016, S. 405–426.</div><div>74&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Raoul Pupo: Fiume cittá di passione [Fiume, Stadt der Leidenschaft]. Napoli 2018, S. 241f.</div><div>75&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ljubomir Mayer: Tragom jedne skoro izgubljene priče. Prilog&nbsp;… [Einer fast vergessenen Geschichte auf der Spur. Beitrag&nbsp;… ]. In: Domaš (Red.): Glasovi, S. 251–262.</div><div>76&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;HR HDA-313, Zemaljska uprava narodnih dobara [Landesverwaltung von Volkseigentum], ZUND, Fasz. 11, Zl. 775/31.5.1945. i Zl. 726/45 vom 31.5.1945. Ein Beispiel: Silvija Freiberger, die mit ihrer Mutter Fany Molnar 1943 in ein „Nazilager“ deportiert wurde, wo ihre Mutter ums Leben kam, kehrte am 21. Mai 1945 nach Zagreb zurück. In die ehemalige Wohnung konnte sie nicht mehr einziehen, da der neue Besitzer (seit 1941) die Wohnung vermietet hatte. Die Vermögensverwaltung (ZUND) gestattete Silvija, nach Unterzeichnung einer Haftungserklärung, aus ihrer ehemaligen Wohnung Mobiliar, elektrische Haushaltsgeräte, etwas Wäsche, Kleidung und Schuhe, Geschirr und Lebensmittel in die Ersatzwohnung mitzunehmen. Ebenso Dedijer Abraham, vor dem Krieg ein Mitglied der Kultusgemeinde und dann Partisan, sowie sein Neffe Josip Abraham.</div><div>77&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;HR HDA-1520, Odbor za podavanja Židova za potrebe Države [Komitee für jüdische Kontributionen zum staatlichen Bedarf], Fasz. 2, Liste „Iskaz“, Blätter 1–6.</div><div>78&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;HR HDA-283 Ministarstvo financija Narodne Republike Hrvatske [Finanzministerium der Volksrepublik Kroatien], Fasz. 2, Abschlussbericht der Kommission mit Aufstellung der Eingänge.</div><div>79&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Jere Jareb: Zlato i novac NDH izneseni u inozemstvo. Dokumentarni prikaz [Gold und Geld des Unabhängigen Staates Kroatien, das ins Ausland geschafft wurde. Eine Dokumentation]. Zagreb 1997, S. 263f. Die Dokumentation beruht auf den Unterlagen des Militärgerichts, das den Ministerpräsidenten Dr. Nikola Mandic und Außenminister Mile Budak zum Tode verurteilte und hinrichten ließ. – Zur Beschlagnahmung von jüdischem Vermögen: Nada Kisić Kolanović: Podržavljanje imovine Židova u NDH [Verstaatlichung des jüdischen Vermögens im Unabhängigen Staat Kroatien]. In: ČSP 30 (1998) H.&nbsp;3, S. 450f.; siehe auch Susanne Rolinek: Raub und Restitution jüdischen Kulturgutes (= Handbuch Jüdische Kulturgeschichte, Kap. C. VIII. 5), ˂<a href="http://hbjk.sbg.ac.at/kapitel/raub-und-restitution-juedischen-kulturgutes/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">http://hbjk.sbg.ac.at/kapitel/raub-und-restitution-juedischen-kulturgutes/</a>˃, 23.2.2021.</div><div>80&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;HR HDA-283, Ministarstvo financija Narodne Republike Hrvatske [Finanzmiisterium der Volksepublik Kroatien], MF NRH, Fasz. 69, Listen von Konten- und Safeinhabern, Zl. 11749 vom 19.5.1947.</div><div>81&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Mevorah: O radu Saveza [Zur Tätigkeit des Bundes], S.123f. – HR HDA-283, Finanzministerium der Volksrepublik Kroatien [Ministarstvo financija NRH], MF NRH, Fasz. 75, Zl. 18585/47 vom 19.9.1947: Dort findet sich die Weisung des Justizministeriums der Volksrepublik Kroatien [Ministarstvo pravosuđa ‚Narodne Republike Hrvatske].</div><div>82&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;HR HDA-283, Finanzministerium der Volksrepublik Kroatien [Ministarstvo financija NRH], MF NRH, Fasz.75, Zl. 18585/47 vom 19.9.1947.</div><div>83&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Expertise der Rechtsabteilung des Jugoslawischen Finanzministeriums im Akt des Finanzministeriums der Volksrepublik Kroatien [Ministarstvo financija NRH], HR-HDA-283, MF NRH, Fasz. 76, Zl. 24601 vom 29.11.1947.</div><div>84&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;HR HDA-283, MF NRH, Fasz. 1, br. 18585/47 od 19.9.1947.</div><div>85&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;HR HDA-1076, Ponova [„Erneuerung“, Wiederaufbau]: Abteilung im Schatzministerium des Unabhängigen Staates Kroatien – Sektion für Finanzen, Staatsvermögen und Schulden [Ministarstvo državne riznice – Odjel za novčarstvo, državnu imovinu i dugove (Schatzministerium – Abteilung für Finanzen, Staatsermögen und Schulden], Nr. 502042 od 4.1.1944., Fasz. 248.</div><div>86&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Führung des Ustaschastaates flüchtete am 6. Mai 1945 Richtung Kärnten, als die Partisanen schon vor Zagreb standen, siehe Fikreta Jelić Butić: Ustaše i Nezavisna Država Hrvatska 1941–1945. [Die Ustascha und der Unabhängige Staat Kroatien 1941–1945]. Zagreb&nbsp;<sup>2</sup>1978, S. 301–303. Reprint der Philosophischen Fakultät Zagreb: ˂<a href="http://darhiv.ffzg.unizg.hr/id/eprint/1874/1/labus.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">http://darhiv.ffzg.unizg.hr/id/eprint/1874/1/labus.pdf</a>˃.</div><div>87&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Jareb: Zlato i novac [Gold und Geld], S. 249–256.</div><div>88&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sasson: Čovjek u svjetlom odjelu [Der Mann im hellen Anzug]. In: Domaš (Red.): Ako Tebe zaboravim [Wenn ich dich vergesse], S. 87f. Wegen dieser herren- und erbenlosen Konten intervenierte der US-Staatssekretär Stewart Eizenstadt in den Neunzigerjahren auf Betreiben von US-Anwälten geschädigter ehemaliger jüdischer Konten- und Safebesitzer beim Schweizer Bankenverein: Herrenlose Konten in der Schweiz. Auf der Suche nach dem verlorenen Geld. In: Wirtschaftswoche, 26.9.2016, ˂https://www.wiwo.de/politik/europa/herrenlose-konten-in-der-schweiz-auf-der-suche-nach-dem-verlorenen-geld/˃, 8.2.2021.</div><div>89&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe Anm. 13.</div><div>90&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Naida Mihal Brandl: Židovski identiteti nakon Drugog Svjetskog Rata – kratki pregled [Jüdische Identitäten nach dem Zweiten Weltkrieg – eine Kurzdarstellung], ˂<a href="http://www.academia.edu/18764910/%C5%BDidovski_identiteti_nakon_Drugog_svjetskog_rata_-_kratki_pregled_2015" target="_blank" rel="noreferrer noopener">http://www.academia.edu/18764910/%C5%BDidovski_identiteti_nakon_Drugog_svjetskog_rata_-_kratki_pregled_2015</a>˃, 8.2.2021.</div><div>91&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Brandl führt als Beleg jüdische Angeklagte eines großen Wirtschaftsprozesses in Zagreb gegen Angestellte der staatlichen Verkaufsagentur für herrenloses Vermögen (NAMA) an. Einige wurden zum Tod, andere zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Strafe wurde ihnen gegen die Zusicherung der Auswanderung mit der jugoslawischen Alija erlassen: N. Mihal Brandl: Jews between Two Totalitarian Regimes. In: Židovski identitet/i u Hrvatskoj nakon Drugog svjetskog rata, S. 173f.; auch in Review of Croation History, 12 (2016) H.&nbsp;1, S. 124.</div><div>92&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ein Beispiel: Der Sohn des Großindustriellen und Eigentümers der Fabrik für Keramikfliesen Armin Schreiner (1941 in Jasenovac ermordet), Paul Schreiner (Zagreb 1928 – Novara, 22.2.2021), wurde von einer Bauernfamilie versteckt und wurde 1945 mit der Tatsache konfrontiert, dass die Fabrik seines Vaters unwiederbringlich verloren war. Er ließ sich zum Konditor ausbilden und beabsichtigte, sich selbständig zu machen. Die Besteuerung kleiner Privatbetriebe kam einem „administrativen Mord“ gleich, so dass Paul Schreiner doch nach Israel auswanderte. Dort wurde er zu einem anerkannten Experten für die Keramikproduktion. 1960 folgte er der Einladung italienischer Fabrikanten und ließ sich in Novara nieder: Paul Schreiner: Spašeni u Zagrebu. Sjećanja troje preživjelih srodnika na hrvatski Holokaust [In Zagreb gerettet. Erinnerungen dreier überlebender Verwandter an den kroatischen Holocaust]. Zagreb 2014, S. 93f.</div><div>93&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Marica Karakaš Obradov: Iseljavanje Židova iz Hrvatske nakon Drugoga svjetskog rata [Emigration der Juden aus Kroatien nach dem Zweiten Weltkrieg]. In: Historijski zbornik [Historischer Almanach], Jg. LXVI (2013) H.&nbsp;1, S. 391–404, hier: S. 396f.</div><div>94&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;HR HDA-278, Sabor NRH [Parlament der Volksrepublik Kroatien]: Petenten in Fasz. 1, Zl 40/47, 72/47.</div><div>95&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;S. Goldstein: 1941, S. 426.</div><div>96&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nach der Jugoslawischen Alija blieb in ganz Jugoslawien nur mehr der Rabbiner von Sarajevo, Menahem Romano, im Amt: Vajs: Jevreji, im Text auf S. 14; siehe zu Romano auch ˂<a href="https://www.jta.org/1968/11/14/archive/menahem-romano-dead-at-87-last-surviving-yugoslavian-pre-war-rabbi" target="_blank" rel="noreferrer noopener">https://www.jta.org/1968/11/14/archive/menahem-romano-dead-at-87-last-surviving-yugoslavian-pre-war-rabbi</a>˃ und ˂<a href="http://elmundosefarad.wikidot.com/nezaboravni-voljeni-rabin-nadrabin-menahem-avrama-&nbsp;romano" target="_blank" rel="noreferrer noopener">http://elmundosefarad.wikidot.com/nezaboravni-voljeni-rabin-nadrabin-menahem-avrama-&nbsp;romano</a>˃.</div><div>97&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Šiljak: Jewish Identities, ˂https://hrcak.srce.hr/7848˃, 26.4.2021. Auch jüdische Historikerinnen und Historiker mieden bis in die 1970er-Jahre Themen im Zusammenhang mit dem Holocaust: Damir Agičić, Magdalena Najbar-Agičić, Hrvatska historiografija o 1941. – polemika bez dijaloga [Die kroatische Geschichtsschreibung zum Jahr 1941 – Polemik ohne Dialog]. In: Sulejman Bosto, Tihomir Cipek, Olivera Milosavljević (Hgg.): Kultura sjećanja 1941. Povijesni lomovi: 1941 u sjećanju nacijā [Erinnerungskultur 1941. Historische Brüche: Das Jahr 1941 in der Erinnerung der Nationen]. Hg. von der Friedrich-Ebert-Stiftung Banja Luka. Zagreb 2008, S.&nbsp;145–156, hier: S.&nbsp;147–150, ˂<a href="http://library.fes.de/pdf-files/bueros/sarajevo/06043.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">library.fes.de/pdf-files/bueros/sarajevo/06043.pdf</a>˃, 26.4.2021.</div><div>98&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Šiljak: Jewish Identites, S. 378f., S. 383, S. 386.</div><p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/juedische-ueberlebende-des-holocaust/">Jüdische Überlebende des Holocaust</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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		<title>War der „reale Sozialismus“ modern? – Kritische Nachfragen</title>
		<link>https://halbjahresschrift.de/war-der-reale-sozialismus-modern/</link>
		
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		<pubDate>Thu, 02 Dec 2021 10:24:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2019–2020]]></category>
		<category><![CDATA[Tribüne]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anton Sterbling In den Jahren 1989/1990, als sich im östlichen Europa der Niedergang der kommunistischen Herrschaft und in den meisten Fällen auch bereits ein demokratischer Aufbruch abzeichnete, brachte dies die deutsche Soziologie in die bedenkliche Situation, zu diesem Zeitpunkt auf dem Gebiet der soziologischen Osteuropaforschung so etwas wie einen „blinden Fleck“, eine jahrelange weitgehende Vernachlässigung [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/war-der-reale-sozialismus-modern/">War der „reale Sozialismus“ modern? – Kritische Nachfragen</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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<p>Anton Sterbling</p>



<p>In den Jahren 1989/1990, als sich im östlichen Europa der Niedergang der kommunistischen Herrschaft und in den meisten Fällen auch bereits ein demokratischer Aufbruch abzeichnete, brachte dies die deutsche Soziologie in die bedenkliche Situation, zu diesem Zeitpunkt auf dem Gebiet der soziologischen Osteuropaforschung so etwas wie einen „blinden Fleck“, eine jahrelange weitgehende Vernachlässigung dieser Region und ihrer Probleme in der Forschung und Lehre, einräumen zu müssen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">1</sup> In der deutschen Soziologie fanden sich damals nur wenige, die sich – teils aus biografischen, teils aus anderen Gründen<sup class="modern-footnotes-footnote ">2</sup> – kontinuierlich und intensiver mit dem östlichen Europa oder mit einzelnen ost-, ostmittel- und südosteuropäischen Gesellschaften beschäftigten. Zu den auffälligsten und danach auch vielfach zitierten Publikationen, die im Rahmen der deutschsprachigen Soziologie in der ersten Welle nach dem Umbruch im östlichen Europa erschienen, zählte Ilja Srubars Aufsatz <em>Wie modern war der Sozialismus?</em>,<sup class="modern-footnotes-footnote ">3</sup> der ohne Zweifel den „Nerv“ der damals aktuellen Zeitfragen um eine soziologisch passende Einschätzung des gerade untergegangenen „realen Sozialismus“ und seiner Nachwirkungen traf. Es handelte sich um einen gleichermaßen sachkundigen, analytisch eindringlichen wie theoretisch gründlich reflektierten Beitrag, den es sich daher auch nach dreißig Jahren nochmals kritisch und mit Aussicht auf entsprechenden Erkenntnisgewinn zu lesen lohnt.</p>



<p>In meinem Beitrag soll es demnach zunächst um eine auf das Wesentliche konzentrierte Rekonstruktion der drei Überlegungsschritte des Aufsatzes, bei eher zurückhaltenden interpretativen oder kritischen Stellungnahmen, mit einigen ergänzenden Kommentaren wie auch Ausblicken auf später vertiefte Diskussionen gehen. Dabei sind die „Typik westlicher Modernisierung“, die zentralen strukturellen Merkmale und spezifischen „Integrationsmechanismen“ realsozialistischer Gesellschaften und schließlich die Fragen nach deren modernen und nichtmodernen Seiten und den Auswirkungen dieser strukturellen Gegebenheiten auf die Folgezeit zu behandeln. An den dritten Gedankenschritt anschließend, soll sodann aufgezeigt werden, inwiefern meine eigenen, etwa zur gleichen Zeit entwickelten und vorgestellten Gedanken zur Strukturanalyse ost- und südosteuropäischer Gesellschaften<sup class="modern-footnotes-footnote ">4</sup> dazu anschlussfähig und damit kompatibel erscheinen. Schließlich soll eine weitere Möglichkeit kurz umrissen werden, Ilja Srubars Überlegungen in den in seinem Aufsatz bereits angedeuteten, aber hier nicht näher ausgearbeiteten theoretischen Bezugsrahmen von „System“ und „Lebenswelt“ einzuordnen,<sup class="modern-footnotes-footnote ">5</sup> wie dies nicht nur in der theoretischen Diskussion, sondern auch in späteren Untersuchungen zu ost- und südosteuropäischen Gesellschaften erfolgte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">6</sup></p>



<h2 class="wp-block-heading">Grundgedanken und Überlegungsschritte</h2>



<p>In den einführenden Überlegungen verweist Srubar zunächst zu Recht auf den bereits 1922 von William F. Ogburn mit vielfältiger Resonanz in die soziologische Diskussion eingebrachten Gedanken der kulturellen Phasenverschiebungen zwischen der materiellen und nichtmateriellen Kultur, auf die Theorie des „cultural lag“,<sup class="modern-footnotes-footnote ">7</sup> wobei Srubar vor allem auf die mit der kommunistischen Machtübernahme im östlichen Europa eingetretenen ungleichzeitigen Entwicklungen der „Wirtschafts- und Herrschaftsverhältnisse“ einerseits und die auf die alltägliche „Lebensführung“ bezogenen „normativen Erwartungsstrukturen“ und „Handlungsmuster“ anderseits abhebt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">8</sup> Sein Blick richtet sich insbesondere auf den Übergang von der sozialistischen zur postsozialistischen Gesellschaft, wobei man die Theorie des „cultural lag“, des Überdauerns oder der langsameren Entwicklung bestimmter Aspekte der immateriellen Kultur, natürlich ebenso ergiebig und analytisch aufschlussreich auf den Übergang von der vorsozialistischen zur sozialistischen Gesellschafts- und Herrschaftsordnung anwenden kann. In diesem Falle müsste allerdings der Unterschied zwischen dem Entwicklungsniveau verschiedener sozialistischer Gesellschaften, auf den Srubar im dritten Teil seiner Ausführungen explizit aufmerksam macht,<sup class="modern-footnotes-footnote ">9</sup> natürlich eingehend berücksichtigt werden, handelte es sich bei der DDR und der Tschechoslowakei und teilweise auch bei Polen und Ungarn doch um bereits mehr oder weniger industrialisierte Gesellschaften, während die anderen Staaten des östlichen und südöstlichen Europa am Anfang ihrer sozialistischen Transformation noch weitgehend agrarwirtschaftlich-ländlich verfasst und strukturiert waren.<sup class="modern-footnotes-footnote ">10</sup> So ist es nicht erstaunlich, dass sich auch längerfristige folgenreiche Kontinuitäten der „Orientierung sozialen Handelns“, die vielfach von der vorsozialistischen bis in die postsozialistische Zeit reichen, ausmachen lassen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">11</sup></p>



<h2 class="wp-block-heading">Grundzüge westlicher Modernisierung</h2>



<p>In seiner Kennzeichnung der „Typik westlicher Modernisierung“ folgt Srubar ausdrücklich einer modernisierungstheoretischen Vorstellung in der Denktradition Max Webers.<sup class="modern-footnotes-footnote ">12</sup> Dabei stellt er die Rationalisierung der Wirtschaft und der politischen Herrschaft wie auch die „Autonomie des Subjekts“ in den Vordergrund.</p>



<p>Die wirtschaftliche Rationalisierung geht in der westlichen Modernisierung auf die industrielle Produktionsweise und die Integrationsmechanismen der Märkte und des Geldes als Grundlage abstrakter „generalisierter Tauschfunktionen“ mittels universaler Austauschmedien<sup class="modern-footnotes-footnote ">13</sup> sowie auf die damit verbundene „Produktivität des Kapitals“ und auf entsprechende individuelle Motivationsstrukturen und Leistungsbereitschaften zurück. Damit hängen zugleich eine vertiefte Arbeitsteilung und eine weitreichende und folgenreiche „Disziplinierung und Koordinierung“ des sozialen Handelns zusam­men.</p>



<p>Die Rationalisierung der Herrschaft beruht auf spezifischen Institutionalisierungsformen des öffentlichen Diskurses und der Machtkontrolle, insbesondere in der Gestalt des Parlamentarismus, der Gewaltenteilung und der „bürgerlichen Öffentlichkeit“,<sup class="modern-footnotes-footnote ">14</sup> sowie auf damit eng zusammenhängenden Vorgängen der „diskursiven Konfliktregelung“. Ebenso greift sie auf Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit und insbesondere der Formalisierung der Rechtsbeziehungen unter „Absehung der Person“ und ihrer „sozialen Stellung“ zurück.<sup class="modern-footnotes-footnote ">15</sup> Dies schafft allgemeine Rechtssicherheit und Berechenbarkeit des sozialen Handelns, wobei die gleichzeitig gegebenen, spezifischen institutionellen Differenzierungen und insbesondere die Ausdifferenzierung gesellschaftlicher „Funktionssysteme“ die Zugriffsmöglichkeiten auf das individuelle Handeln beschränken und damit weitgehende Möglichkeiten der Emanzipation und der persönlichen Freiheit, nicht zuletzt in einer vom wirtschaftlichen, politischen und öffentlichen Bereich abgesonderten Privatsphäre, eröffnen und absichern.<sup class="modern-footnotes-footnote ">16</sup></p>



<p>Die im Prozess der westlichen Modernisierung fortschreitende Individualisierung und die Erweiterung der Autonomie des Subjekts<sup class="modern-footnotes-footnote ">17</sup> sind nicht nur an die „fundamentaldemokratischen“ Bedingungen der formalen Gleichheit und persönlichen Freiheit gebunden,<sup class="modern-footnotes-footnote ">18</sup> sondern begründen zugleich leistungsorientierte Motivationsstrukturen wie auch auf den Wettbewerb marktwirtschaftlicher Koordinationsprinzipien ausgerichtete Handlungsneigungen und Leistungsbereitschaften. Darauf gehen in einem weitreichenden Maße die Produktivität, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und das hohe materielle Lebensniveau fortgeschrittener westlicher Gesellschaften zurück, wobei die allgemeine Wohlfahrt zugleich durch sozialstaatliche Vorkehrungen, Maßnahmen und Einrichtungen abgesichert wird.<sup class="modern-footnotes-footnote ">19</sup></p>



<h2 class="wp-block-heading">Strukturelle Gegebenheiten und Integrationsmechanismen realsozialistischer Gesellschaften</h2>



<p>Vorab sei festgehalten, dass Srubar in seinen Darlegungen zu den „Integrationsmechanismen im realen Sozialismus“<sup class="modern-footnotes-footnote ">20</sup> nicht nur wichtige Überlegungen und Argumentationsfiguren der damaligen sozialwissenschaftlichen Diskussionen über kommunistische Herrschaftsstrukturen,<sup class="modern-footnotes-footnote ">21</sup> über Neotraditionalismus und Neopatrimonialismus<sup class="modern-footnotes-footnote ">22</sup> und über die sozialistische Wirtschaftsweise<sup class="modern-footnotes-footnote ">23</sup> aufgreift, sondern auch Erkenntnisse zu partikularistischen und klientelistischen Handlungsorientierungen und Sozialbeziehungen und davon bestimmten sozialen Identitätsvorstellungen herausarbeitet, die für das Verständnis entsprechender Strukturgegebenheiten in postsozialistischen Gesellschaften Ost-, Ostmittel- und Südosteuropas sehr wichtig erscheinen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">24</sup></p>



<p>Im durch das kommunistische Machtmonopol bestimmten realen Sozialismus ist die „Formalisierung“, also die Bindung an formale Rechtsprinzipien, und die „Abstraktheit“ der Integration durch Märkte und Geld oder – in marxistischer Terminologie – ein Stück der damit gegebenen „Entfremdung“ aufgehoben. Ebenso verliert die Ausdifferenzierung gesellschaftlicher Funktionssysteme in einem durchgängig politisch und ideologisch kontrollierten, hierarchisch-monolithischen Institutionensystem<sup class="modern-footnotes-footnote ">25</sup> in weitgehendem Maße ihre Relevanz und Wirksamkeit. Die Gleichschaltung der Institutionen und die Verstaatlichung der Wirtschaft haben zur Kehrseite, dass eine öffentliche Kontrolle der politischen Herrschaftsausübung unterbunden wird und zugleich – wie Srubar es formuliert – eine „Privatisierung des Staates“,<sup class="modern-footnotes-footnote ">26</sup> des staatlichen Patrimoniums, durch die kommunistischen Parteien erfolgt.</p>



<p>Das Machtmonopol der kommunistischen Parteien wird durch den revolutionären Weg der Herrschaftsübernahme und durch eine entsprechende historische Mission im Sinne einer kollektiv „charismatischen Legitimation“ begründet.<sup class="modern-footnotes-footnote ">27</sup> Dies ermöglicht permanente, „außerordentliche“ und willkürliche Entscheidungen im Sinne der allein maßgeblichen „Parteiinteressen“ in allen Bereichen und auf allen Ebenen. Trotz bestehender hierarchisch-bürokratischer Verwaltungsstrukturen erscheinen diese durch den absoluten Vorrang parteiinteressengebundener ideologischer Entscheidungskriterien und nicht zuletzt auch persönlicher Willkür der Inhaber von Machtpositionen nahezu als das Gegenteil einer auf Sachkompetenz, Professionalität und „gesatzten“ formalen Ordnungen beruhenden bürokratisch-rationalen Verwaltung.<sup class="modern-footnotes-footnote ">28</sup> Die Beliebigkeit von Verfahren und die Unberechenbarkeit politischer und staatlicher Entscheidungsprozesse gehen auf die angesprochene „charismatische“ Herrschaftslegitimation, eine weitgehend fehlende formale Rechtssicherheit und eine vielfach gewaltsame Unterbindung des öffentlichen Diskurses<sup class="modern-footnotes-footnote ">29</sup> als Möglichkeit der Kontrolle politischer Herrschaft und des Funktionierens staatlicher Institutionen zurück. Die mit vielfältigen Privilegien und Zugriffsmöglichkeiten der „Nomenklatura“<sup class="modern-footnotes-footnote ">30</sup> auf das staatliche Patrimonium verbundene „politische“ Privatisierung des Staates bildet nach Srubar eine „erste Ebene“, an die eine „zweite“, die der „persönlichen“ Privatisierung in Form von Korruption, Patronage usw. anschließt.</p>



<p>Eine wichtige Bedingung der Koppelung beider Ebenen, die nicht nur zu Willkür und Unberechenbarkeit der Herrschaft und der Funktionsweise staatlicher Institutionen, sondern auch zu deren korruptiven Deformationen im Sinne einer „Zweckverschiebung innerhalb der Organisation“<sup class="modern-footnotes-footnote ">31</sup> beitrug, war die notorische „Mangelwirtschaft“ als nahezu durchgängiges Strukturmerkmal sozialistischer Gesellschaften. Die Wirtschaftsverhältnisse erfuhren in der Mangelwirtschaft gleichsam eine paradoxe Umkehrung, denn die hauptsächlichen wirtschaftlichen Bestrebungen und Aktivitäten waren nicht – wie in der Marktwirtschaft – auf den Wettbewerb um den Absatzerfolg gerichtet, sondern auf den Zugang zu den stets knappen Gütern und insbesondere Konsumgütern und den willkürlich knapp gehaltenen öffentlichen Dienstleistungen (Bewilligungen, Genehmigungen, Zuteilungen usw.). Damit wird, folgt man Srubar,<sup class="modern-footnotes-footnote ">32</sup> die „Ressourcenkontrolle“ zum entscheidenden „Kapital“ auf dem Markt „privater Netzwerke“. Darauf wird noch zurückzukommen sein.</p>



<p>Zunächst stellt sich indes die Frage nach den wichtigsten Einzelgründen der permanenten Mangelwirtschaft im Sozialismus,<sup class="modern-footnotes-footnote ">33</sup> wobei auch diesbezüglich – wie bei den Ausführungen zur vorhin dargestellten Aufhebung der Rationalisierung politischer Herrschaft durch das kommunistische Machtmonopol im realen Sozialismus – an die Überlegungen im vorausgegangenen Teil, insbesondere zur wirtschaftlichen Rationalisierung westlicher Gesellschaften, angeschlossen werden kann. Durch diese, dem Überlegungsgang Srubars folgende vergleichende Analyse werden die Funktionsdefizite und Deformationen realsozialistischer Wirtschaftssysteme besonders prägnant fassbar und gut erklärbar.</p>



<p>Die Leistungen der Märkte im Sinne eines ständigen, dynamischen Such- und Anpassungsprozesses von Angebot und Nachfrage wurden im Sozialismus durch planwirtschaftliche Koordinationsprinzipien wirtschaftlicher Abläufe substituiert. Dies ging in vielen Bereichen mit einer „Unterdetermination“ der Wirtschaftspläne gegenüber der viel komplexeren Realität wirtschaftlicher Einzel- und Gesamtprozesse einher.<sup class="modern-footnotes-footnote ">34</sup> Fehlender Wettbewerb auf den Gütermärkten und administrativ festgelegte Preise führten zu mangelnden Anreizen für technologische oder arbeitsorganisatorische Innovationen wie auch zu einer geringen Risikobereitschaft, zumal riskante wirtschaftliche Entscheidungen im Erfolgsfall selten angemessen prämiiert, aber im Falle des Misserfolgs oft drastisch politisch bestraft wurden. Eine Folge davon war eine zumeist niedrige Produktivität. Geld hatte – nicht nur wegen den oft willkürlichen administrativen oder politischen Preisfestlegungen – lediglich eine eingeschränkte Steuerungsfunktion gegenüber den im planwirtschaftlichen System fest eingebundenen und auch darüber hinaus wirksamen „Distributionsmechanismen“. Geld stellte – wie Srubar trefflich festhielt – eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung des Zugangs und Erwerbs von knappen Gütern und Leistungen dar, denn neben dem Geld waren dafür stets weitergehende Informationen, soziale Verbindungen, Netzwerkzugehörigkeiten, Schattenwirtschaftsbeziehungen usw. erforderlich. Dabei ergaben und verfestigten sich vielfältig ineinander übergreifende und miteinander verschränkte soziale Netzwerkbeziehungen und informelle Austauschprozesse zwischen einzelnen staatlichen Unternehmen und Branchen, schattenwirtschaftlichen Bereichen und der Sphäre des privaten Konsums. Dadurch wurden Planungsmängel teilweise kompensiert, aber natürlich auch – aufgrund der in einzelnen Positionen jeweils gegebenen Einfluss- und Wirkungschancen und Zugangsmöglichkeiten – private Vorteile verfolgt und nicht selten mit beachtlichem Erfolg erreicht. Hierbei ergab sich ein schwer durchschaubares Gesamtgefüge der Überlagerung und Durchdringung betrieblicher Strukturen durch informelle Netzwerke und der dadurch ermöglichten „Reprivatisierung sozialistischen Eigentums“.</p>



<p>Zum besseren Verständnis sollten dem noch einige Anmerkungen hinzugefügt werden. Das sozialistische Wirtschaftssystem bestand vielfach aus unrentablen und mithin subventionierten Betrieben mit geringer Innovations- und Risikobereitschaft und niedriger Produktivität. Die planwirtschaftlich festgelegten Kennzahlen der Produktion wurden durch „Extensivierung der Arbeit“<sup class="modern-footnotes-footnote ">35</sup> bei oft geringer Qualifikations- und Leistungsorientierung des Arbeitseinsatzes zu erreichen versucht. Hinzu kamen – nicht zuletzt zur Abfederung von Planungsmängeln und Produktionsrisiken – extensive Lagerhaltungen, Hortungsprozesse und die Bildung „stiller Reserven“ jeder Art. All dies ermöglichte den Beschäftigten eine relativ „freizügige Disposition über bezahlte Arbeit“ und natürlich auch Einzelnen in entsprechenden Zugangs- und Distributionsstellen leichte Zugriffe auf betriebliche Ressourcen.</p>



<p>Mit der Mangelwirtschaft und der angesprochenen ausgeprägten „Informalität“<sup class="modern-footnotes-footnote ">36</sup> gewinnt ein Integrationsmechanismus realsozialistischer Gesellschaften eine besondere strukturelle Relevanz, die bei Srubar sodann in den Mittelpunkt der weiteren Analysen gestellt wird: die sogenannten „Umverteilungsnetzwerke“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">37</sup> Es handelt sich dabei um längerfristig angelegte, reziproke Beziehungen von zumeist eine weite Skala von Leistungen und Gegenleistungen umfassenden Austauschvorgängen, die sowohl durch direkte wie auch durch indirekte, symmetrische wie auch durch asymmetrische Momente gekennzeichnet sein können und in der Form von Verwandtschaftsbeziehungen, Freundschaften oder „funktionalen Freundschaften“, direkten oder indirekten Bekanntschaften usw. zumindest den Anschein einer ge­wissen „Solidarität“ erwecken. Wichtig erscheint, dass es sich um persönliche Verbundenheits-, Verpflichtungs-, Loyalitäts- und Abhängigkeitsbeziehungen handelt,<sup class="modern-footnotes-footnote ">38</sup> die im realen Sozialismus vor allem darauf angelegt waren, entsprechenden Umverteilungsnetzwerken den Zugang zur Redistribution von Ressourcen des staatlichen Sektors zu sichern.</p>



<p>Bevor auf die spezifischen strukturellen Erscheinungsformen und Folgen der zentralen Bedeutung dieser Umverteilungsnetzwerke einzugehen sein wird, sei mit Srubar<sup class="modern-footnotes-footnote ">39</sup> noch kurz der Frage nachgegangen, warum die kommunistischen Machthaber diese Gegebenheiten akzeptierten oder nur inkonsequent und mit geringem Erfolg zu unterbinden suchten? Dazu lassen sich zumindest drei Antworten finden: Erstens korrigierten und kompensierten die Umverteilungsnetzwerke bestimmte Steuerungsmängel und Versorgungsdefizite des planwirtschaftlichen Systems. Zweitens diente dies der Ablenkung der Bevölkerungsinteressen von politisch relevanten Unzufriedenheitsaspekten auf Konsumfragen. Und drittens führte es zu einer Mitverstrickung und entsprechenden Erpressbarkeit eines erheblichen Teils der Bevölkerung in die korrumpierten Machenschaften des Herrschaftssystems.<sup class="modern-footnotes-footnote ">40</sup></p>



<p>Die hervorragende Strukturrelevanz der Umverteilungsnetzwerke ergibt sich – so zeigt Srubar<sup class="modern-footnotes-footnote ">41</sup> überzeugend – aus mehreren wichtigen Gründen. „Schlüsselstellungen“ in Umverteilungsnetzwerken und das Ausmaß des damit verbundenen „sozialen Kapitals“ resultieren vor allem aus individuellen Zugangs- und Zugriffschancen im staatlichen „Material- und Warenverteilungssystem“ und entsprechenden Positionen im „bürokratischen Entscheidungssystem“. Dies durchbricht und relativiert weitgehend die Strukturbedeutung formaler Qualifikationen und fachlicher Leistungen. Werden schon dadurch universalistische durch partikularistische soziale Erfolgs- und Anerkennungskriterien ersetzt, so gewinnen partikularistische Orientierungen auch deshalb eine darüber hinausgehende, die kollektive Identität prägende Bedeutung, weil Umverteilungsnetzwerke auf personalisierten Zusammengehörigkeits- und Verpflichtungsbeziehungen beruhende soziale Gebilde darstellen, die auf einer entsprechenden partikularistischen Unterscheidung zwischen „Wir“ und den „Anderen“ beruhen. Also liegen – so könnte man zugespitzt befinden – nicht „objektive“ soziale Lagen, sondern vor allem solche partikularistisch ausgerichtete subjektive Selbstzurechnungen den identitätsbildenden Vergesellschaftungsprozessen zugrunde, so dass gegebene strukturelle Grundlagen der „Statusassoziation“ durch entsprechende Vorgänge der „Statussegregation“<sup class="modern-footnotes-footnote ">42</sup> durchkreuzt und aufgehoben werden. All dies bedeutete in den realsozialistischen Gesellschaften auch, dass kein allgemeines Vertrauen in staatliche Institutionen oder in den „generalisierten Anderen“, insbesondere in der Gestalt anderer Staatsbürger gegeben war, sondern dass personalisierte, durch partikularistische Kriterien bestimmte Vertrauensbeziehungen vorherrschten, also, dass die sozialistischen Gesellschaften, insbesondere diejenigen Südosteuropas, als „Gesellschaften des öffentlichen Misstrauens“ zu verstehen sind.<sup class="modern-footnotes-footnote ">43</sup></p>



<p>Umverteilungsnetzwerke sind als mehr oder weniger spontan entstandene, kompensatorische Ergebnisse der Privatisierung des Staates durch die kommunistischen Parteien, der Dysfunktionalität der Planwirtschaft und der permanenten Mangelwirtschaft zu betrachten. Sie hatten im realen Sozialismus sowohl stabilisierende wie auch anomische Tendenzen sowie weit in die postsozialistische Zeit hineinragende sozialstrukturelle und sozialmoralische Auswirkungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Realer Sozialismus als „partielle Modernisierung“</h2>



<p>Im abschließenden Teil seiner Ausführungen machte Ilja Srubar zutreffend darauf aufmerksam, dass die realsozialistischen Transformationen im östlichen Europa eigentlich zwei Seiten hatten: eine deutlicher Modernisierungsvorgänge und eine andere der „demodernisierenden Wirkungen“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">44</sup> Bei durchaus ungleichen Ausgangsbedingungen, auf die bereits hingewiesen wurde, erfolgte in allen sozialistischen Gesellschaften eine teilweise stark forcierte Industrialisierung und ein damit einhergehender sektoraler Wandel, der den Anteil der Industriearbeiter und auch den der Angestelltenschaft stark anwachsen und den der landwirtschaftlich Beschäftigten schrumpfen ließ.<sup class="modern-footnotes-footnote ">45</sup> Dies ging mit Bildungsexpansionen, mit Urbanisierungsprozessen sowie mit umfangreichen räumlichen und sozialen Mobilitätsprozessen einher. Und es gab den Sozialstrukturen dieser Gesellschaften, zumindest vordergründig, mehr oder weniger die Gestalt „nivellierter“, stark auf Mittelschichtlagen konzentrierter Gesellschaften.</p>



<p>Auf der anderen Seite sind die angesprochenen Demodernisierungserscheinungen festzustellen, die sich im kommunistischen Machtmonopol und seiner kollektiv charismatischen Legitimation, in seiner damit zusammenhängenden weitgehenden Willkür und Unberechenbarkeit, in der mangelnden öffentlichen Kontrolle der politischen Herrschaft und der staatlichen Institutionen, in den fehlenden diskursiven Konfliktlösungen und mangelhafter Rechtsstaatlichkeit feststellen lassen – ebenso in den Defiziten der Planwirtschaft und der notorischen Mangelwirtschaft aufgrund des weitgehenden Verzichts auf die effizienteren wirtschaftlichen Koordinations- und Steuerungsleistungen der Märkte und des Geldes.</p>



<p>Ein folgenreiches Ergebnis dessen war die weitreichende sozialstrukturelle Relevanz der von Ilja Srubar besonders hervorgehobenen „Umverteilungsnetzwerke“ mit ihren partikularistischen Grundlagen, der Dominanz personalisierter Abhängigkeits-, Loyalitäts-, Austausch- und Vertrauensbeziehungen in einer Umgebung des öffentlichen Misstrauens – und mit der Kehrseite der tendenziellen Entwertung von formalen Qualifikationen und qualifizierten Leistungen, von „erworbenen“ gegenüber „zugeschriebenen“ Sozialmerkmalen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">46</sup></p>



<p>Auf der individuellen Ebene bedeutete all dies eine stets bedrohte persönliche Freiheit und mehr oder weniger weitgehende Einschränkungen der Emanzipationsmöglichkeiten des Subjekts, ein Leben unter mehr oder weniger prekären materiellen Verhältnissen großer Teile der Bevölkerung, spezifische Abhängigkeiten mit entsprechenden Auswirkungen auf die sozialmoralischen Vorstellungen und individuellen Motivationsstrukturen oder eingeschränkte Eigeninitiativen und Anerkennungsmöglichkeiten persönlicher Leistungen.</p>



<p>Auf die Entwicklungen der realsozialistischen Gesellschaften trifft mithin weitgehend das Theorem der „partiellen Modernisierung“ zu, das in den Worten Dietrich Rüschemeyers lautet:</p>



<p>In vielen Gesellschaften verbinden sich moderne und traditionale Elemente zu komplizierten Strukturen. Oft sind solche Inkonsistenzen der Gesellschaftsstruktur vorübergehende Begleiterscheinungen rapiden sozialen Wandels; nicht selten stabilisieren sie sich jedoch und erhalten sich über Generationen hinweg.<sup class="modern-footnotes-footnote ">47</sup></p>



<p>Im Sinne der Theorie des „cultural lag“ haben indes gerade die identitätsbildenden Integrationsmechanismen und die auf die alltägliche „Lebensführung“ bezogenen „normativen Erwartungsstrukturen“ und „Handlungsmuster“ eine gewisse Persistenz und Nachwirkung, auch wenn sich die „Wirtschafts- und Herrschaftsverhältnisse“,<sup class="modern-footnotes-footnote ">48</sup> wie nach dem Niedergang der kommunistischen Herrschaft im östlichen Europa, tiefgreifend gewandelt haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zur Strukturanalyse ost-, ostmittel- und südosteuropäischer Gesellschaften – Versuch einer Zusammenschau</h2>



<p>Im Folgenden möchte ich der Frage nachgehen, wie sich die bisher nachgezeichneten Überlegungen mit meinen eigenen Vorstellungen zur Sozialstruktur ost-, ostmittel- und südosteuropäischer Gesellschaften unter kommunistischer Herrschaft verbinden lassen. Ich habe in meinen Untersuchungen wiederholt drei strukturbestimmende Mechanismen der sozialen Ungleichheit in solchen Gesellschaften – nämlich politische Ausschließung, soziokulturelle Schließung und meritokratisch-funktionale Differenzierung – herausgearbeitet.<sup class="modern-footnotes-footnote ">49</sup></p>



<p>Mit dem kommunistischen Machtmonopol und dem politisch kontrollierten und weitgehend monolithisch verfassten Institutionensystem in unmittelbarem Zusammenhang stand die politische Ausschließung<sup class="modern-footnotes-footnote ">50</sup> auf der Grundlage weltanschaulicher Bekenntnisse und ideologischer Konformität wie auch – und dies war möglicherweise noch wichtiger – persönlicher Abhängigkeits- und Loyalitätsbeziehungen. Die politische Ausschließung bildete ein überaus wirkungsvolles und gleichsam umfassendes Strukturprinzip vertikal-hierarchischer Gliederung innerhalb des kommunistischen Herrschafts- und sozialistischen Gesellschaftssystems. Durch die politische Ausschließung wurden die Teilhabe an der Entscheidungsmacht und der Zugang zu besonderen Privilegien nach außen hin begrenzt und intern in abgestufter Form reguliert.<sup class="modern-footnotes-footnote ">51</sup> Da persönliche Loyalität, neben ideologischer Konformität, eine wesentliche Grundlage der Zugangs- und Aufstiegsprozesse im Parteiapparat und im politisch kontrollierten staatlichen Wirtschafts- und Institutionensystem bildete, brachte die politische Schließung zugleich ein kompliziertes und weitverzweigtes Netz von persönlichen klientelistischen Abhängigkeitsbeziehungen hervor. Diese Netzwerke persönlicher Patronage- und Abhängigkeitsbeziehungen haben den Niedergang der kommunistischen Herrschaft zumindest teilweise überdauert.<sup class="modern-footnotes-footnote ">52</sup> Es ist wohl leicht erkennbar, dass diese Überlegungen zur politischen Ausschließung mit Srubars Darlegungen zur ersten Ebene der „Privatisierung des Staates“ weitgehend anschlussfähig und kompatibel erscheinen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">53</sup></p>



<p>Prozesse der Ausschließung bewirken – nicht zuletzt als soziale Reaktion auf damit einhergehende Diskriminierungen und Deprivationen – ihrerseits soziale Schließungen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">54</sup> In den ost- und südosteuropäischen Gesellschaften erfolgten solche Schließungsprozesse – auch schon in der vorsozialistischen Zeit – vornehmlich auf der Grundlage soziokultureller Gemeinsamkeiten, etwa entlang ethnischer oder religiöser Differenzierungslinien. Ebenso auf der Grundlage gegen die kommunistische Ideologie und den sozialistischen Alltag sich abschirmender traditionaler Wertorientierungen und Lebensformen oder gegen das kommunistische Herrschaftssystem sich abgrenzender künstlerisch-intellektueller „Enklaven“ oder Dissidentenmilieus. Solche Schließungsprozesse betrafen vor allem die „privaten“ und „lebensweltlichen“ Assoziationsformen und kollektiven Selbstzurechnungen. Sie fanden in mehr oder weniger deutlich gegeneinander abgegrenzten sozialen Verkehrskreisen, in selektiven Heiratsmustern, in spezifischen sozialmoralischen Überzeugungen, in sozialer Nähe und Distanz, in der partikularistischen Wertschätzung oder Verachtung anderen sozialen Gruppen gegenüber und ähnlichen, die Lebensführung, die sozialen Umgangsformen und die kollektive Selbst- und Fremdzurechnungen betreffenden Gegebenheiten ihren Ausdruck. Die Strukturrelevanz und nachhaltige Wirksamkeit solcher soziokultureller Schließungsprozesse zeigte sich nicht zuletzt auch nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft.</p>



<p>Diese Überlegungen zur sozialen Schließung sind – wie leicht zu erkennen ist – an Srubars Ausführungen zu den „Umverteilungsnetzwerken“ durchgängig anschlussfähig. Zutreffend zeigt Srubar<sup class="modern-footnotes-footnote ">55</sup> aber auch, dass die Grundlagen dieser sozialen Netzwerke nicht nur überkommen sind, sondern zumeist auch eine Reaktion auf die Gegebenheiten der realsozialistischen Plan- und Mangelwirtschaft bildeten. Dieser Aspekt ist in meinem Hinweis auf die Wechselbeziehungen von politischer Ausschließung und sozialer Schließung zwar angedeutet, aber nicht so ausführlich und genau wie bei Srubar ausgearbeitet. In dieser Hinsicht beinhalten seine Ausführungen sehr wichtige zusätzliche Erkenntnisse über die Eigenart realsozialistischer Gesellschaften.</p>



<p>Waren höhere Bildungsabschlüsse schon in der vorsozialistischen Zeit<sup class="modern-footnotes-footnote ">56</sup> – nicht zuletzt als notwendige Zugangsvoraussetzungen zu privilegierten Positionen des staatlichen Beschäftigungs- und des etatistischen Alimentationssystems – im östlichen Europa von erheblicher Relevanz, so nahm ihre sozialstrukturelle Bedeutung mit der forcierten sozialistischen Industrialisierung und der Bildungsexpansion der 1960er-Jahre erneut erheblich zu, so dass man in der auf Bildungs- und Ausbildungsabschlüssen und entsprechenden Leistungsqualifikationen beruhenden meritokratisch-funktionalen Differenzierung ebenfalls einen wichtigen Erzeugungs- und Reproduktionsmechanismus sozialer Ungleichheit in den sozialistischen Gesellschaften Ost- und Südosteuropas erkennen kann. Die meritokratisch-funktionale Differenzierung, soweit sie zur Entfaltung kam, kann sicherlich – wie auch Srubar hervorgehoben hat<sup class="modern-footnotes-footnote ">57</sup> – als die „moderne“ Seite der Sozialstrukturen ost-, ostmittel- und südosteuropäischer Gesellschaften angesehen werden. Allerdings war der Einfluss dieses Strukturprinzips, nicht zuletzt auf Grund der gleichzeitigen massiven Wirksamkeit der beiden anderen Erzeugungs- und Reproduktionsmechanismen sozialer Ungleichheit relativ begrenzt, und ist dies – zum Teil aus anderen Gründen – auch heute noch.</p>



<p>Die drei knapp umrissenen ungleichheitserzeugenden Mechanismen sind zunächst „gegensätzliche Prinzipien“<sup class="modern-footnotes-footnote ">58</sup> zwischen denen vielfältige Spannungsverhältnisse zu erkennen sind. Dies betrifft den Gegensatz zwischen ideologischer Konformität und persönlicher Loyalität einerseits und Leistungsqualifikation und formalen Bildungsabschlüssen andererseits – ein Gegensatz, der nicht zuletzt als unterschwelliger Dauerkonflikt zwischen machtorientierten Ideologen und reformwilligen Technokraten in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten kommunistischer Herrschaft ausgetragen wurde und letztlich auch eine wesentliche Ursache des Endes der kommunistischen Alleinherrschaft darstellte. Aber auch der Gegensatz zwischen kommunistischer Ideologie einerseits und religiösen oder traditionalen Wertorientierungen andererseits bestand während des gesamten sozialistischen Zeitraums fort, wie das oft angespannte Verhältnis zwischen Staat und Kirche,<sup class="modern-footnotes-footnote ">59</sup> zwischen den politisch Herrschenden und den verschiedenen ethnischen oder religiösen Minderheiten oder das repressive Verhältnis Dissidenten-, Künstler- und Intellektuellenkreisen gegenüber deutlich zeigten. Auch ein Gegensatz zwischen meritokratisch-funktionaler Statuszuweisung und soziokultureller Schließung ist, gerade in ethnisch heterogenen Gesellschaften, durchaus auszumachen. Dennoch ist nicht nur ein ausgeprägtes Spannungsverhältnis zwischen diesen Strukturprinzipien festzustellen, sondern es waren auch komplizierte Verschränkungsbeziehungen zwischen ihnen gegeben. Gerade auf diesem komplexen Spannungs- und Verschränkungszusammenhang, den auch Srubar<sup class="modern-footnotes-footnote ">60</sup> in seiner Betrachtung der „Umverteilungsnetzwerke“ herausarbeitete, beruht die zwar in manchen Aspekten modifizierte, aber ohne Zweifel nachhaltige Relevanz dieser ungleichheitserzeugenden Strukturmechanismen. Dies lässt sich vor allem im Rahmen von Analysen des Klientelismus und der Korruption, aber auch der Krisen und Schwierigkeiten demokratischer Entwicklungen im östlichen und südöstlichen Europa zeigen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">61</sup></p>



<p>Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle noch darauf hingewiesen, dass neben den in modifizierter Weise weiterhin wirksamen Mechanismen der sozialen Schließungen und der meritokratisch-funktionalen Differenzierung auch die soziostrukturellen Auswirkungen der demokratischen, marktwirtschaftlichen und rechtsstaatlichen Modernisierungsprozesse sowie die teilweise massiven transnationalen Migrationsprozesse und ihre Rückwirkungen in den gegenwärtigen Strukturanalysen der Gesellschaften des östlichen Europa zu berücksichtigen sind.<sup class="modern-footnotes-footnote ">62</sup> Dabei gilt es, auch weiterhin eingehend zu beachten, dass zwischen all diesen Erzeugungs- und Reproduktionsmechanismen sozialer Ungleichheit komplizierte Spannungs- und Verschränkungsbeziehungen bestehen, die es in den soziostrukturellen Feinanalysen systematisch zu erschließen und einzuordnen gilt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">„System“ und „Lebenswelt“ als weitere Analyseperspektive</h2>



<p>Die Darlegungen Srubars<sup class="modern-footnotes-footnote ">63</sup> ließen sich noch in einen anderen, seiner Denkweise eigentlich naheliegenden theoretischen Bezugsrahmen einordnen und mit erheblichem Erkenntnisgewinn lesen – in der Analyseperspektive der Unterscheidung von „System“ und „Lebenswelt“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">64</sup> Dazu nur einige Anmerkungen, die sich hauptsächlich auf Srubars Feststellungen zur sozialistischen Wirtschaftsweise und insbesondere die Umverteilungsnetzwerke beziehen lassen.</p>



<p>Folgt man der Vorstellung verschiedener Integrationsgrundlagen der Gesellschaft unter dem Gesichtspunkt der „Entkoppelung“ und Reintegrationsmöglichkeiten von „System“ und „Lebenswelt“ und unterscheidet man in der empirisch gegebenen sozialen Realität entwickelter Gesellschaften zwischen systemisch koordinierten Handlungsweisen, wie sie beispielsweise in bürokratischen Organisationen moderner Gesellschaften vorherrschen, und lebensweltlichen Handlungszusammenhängen, die das sonstige alltägliche, insbesondere auf intersubjektive Kommunikation und Verstän­digung gestützte soziale Geschehen kennzeichnen, so treten aus kritischer Sicht mehrere und zugleich unterschiedliche Probleme in Erscheinung. Im Kontext moderner Gesellschaften erscheint nicht nur die mehr oder weniger weitgehende „Entkoppelung“ von „System“ und „Lebenswelt“, sondern auch und vor allem die erkennbare Tendenz, dass die von den Prinzipien der Zweckrationalität und Verdinglichung bestimmten systemischen Beziehungen die „Lebenswelten“ durchdringen und teilweise oder vollständig aushöhlen, besonders problematisch.</p>



<p>In den realsozialistischen Gesellschaften und ihren Wirtschaftsystemen sieht diese Problematik, allerdings etwas anders aus. Zwar zielte die kommunistische Herrschaft – insbesondere in ihrer stalinistischen Phase – auf eine intensive, vielfach gewaltgestützte und möglichst lückenlose systemische Durchdringung und Kontrolle aller lebensweltlichen Bereiche, bis in die letzten Winkel des menschlichen Denkens, Empfindens und Handelns.<sup class="modern-footnotes-footnote ">65</sup> Allerdings scheiterten diese ideologischen Bestrebungen auf Dauer weitgehend nicht nur am lebensweltlichen Widerstand, sondern – wie auch Srubars Analysen der sozialistischen Wirtschaftsweise und insbesondere der Umverteilungsnetzwerke anschaulich zeigen<sup class="modern-footnotes-footnote ">66</sup> – wiesen die sozialistischen Betriebe und der gesamte staatliche Wirtschaftssektor vielfältige lebensweltliche Züge und Einlagerungen auf,<sup class="modern-footnotes-footnote ">67</sup> die sich in solcher Ausprägung und in diesem Ausmaß, in systemisch durchrationalisierten kapitalistischen Betrieben unter marktwirtschaftlichen Wettbewerbsbedingungen kaum finden lassen dürften. In diesem Sinne ließen sich Srubars Darlegungen sicherlich noch eingehender aufschlussreich weiterlesen, insbesondere, wenn man aus heutiger Sicht verstehen will, warum in bestimmten Bevölkerungskreisen durchrationalisierte und verdinglichte Wirtschafts- und Sozialbeziehungen kritisch empfunden werden und eine gewisse Sozialismusnostalgie<sup class="modern-footnotes-footnote ">68</sup> fortbesteht.</p>



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<p><strong>Anton Sterbling</strong>, geb. 1953 in Großsanktnikolaus (Rumänien), Soziologe und Schriftsteller, Mitglied der „Aktionsgruppe Banat“ (1972-1975), Übersiedlung in die Bundesrepublik 1975. Bis 2019 Hochschullehrer. Verfasser zahlreicher sozialwissenschaftlicher Studien und literarischer Werke. Jüngste Veröffentlichungen: Am Rande Mitteleuropas. Über das Banat und Rumänien, Aachen 2018; Die versunkene Republik. Erzählungen, Ludwigsburg 2021.</p>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p><a href="#_ftnref1">[1]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Anton Sterbling: Strukturfragen und Modernisierungsprobleme südosteuropäischer Gesellschaften. Hamburg 1993, insb. S.&nbsp;23f.</p>



<p><a href="#_ftnref2">[2]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Auf dem Deutschen Soziologentag 1990 in Frankfurt a.&nbsp;M. wurde von Prof. Dr. Bálint Balla und von mir eine Arbeitsgruppe, aus der die spätere Sektion „Ost- und Ostmitteleuropa-Soziologie“ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie hervorging, initiiert. Von Anfang an zu den Mitgliedern des Sprecherrates dieser Arbeitsgruppe und Sektion gehörte der aus Prag stammende Prof. Dr. Ilja Srubar, der später auch zeitweilig Sektionssprecher war. Aus dieser Sektion ist übrigens die heutige Sektion „Europasoziologie“ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie hervorgegangen.</p>



<p><a href="#_ftnref3">[3]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ilja Srubar: War der Sozialismus modern? Versuch einer strukturellen Bestimmung. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 43 (1991), S.&nbsp;415–432.</p>



<p><a href="#_ftnref4">[4]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Anton Sterbling: Eliten, Strukturwandel und Machtfragen in Südosteuropa. In: Südosteuropa. Zeitschrift für Gegenwartsforschung 38 (1989) H.&nbsp;7/8, S.&nbsp;395–413; Anton Sterbling: Modernisierung und soziologisches Denken. Analysen und Betrachtungen. Hamburg 1991; Anton Sterbling: Strukturfragen und Modernisierungsprobleme südosteuropäischer Gesellschaften. Hamburg 1991.</p>



<p><a href="#_ftnref5">[5]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Jürgen Habermas: Theorie des kommunikativen Handelns. Band 2: Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft. Frankfurt a.&nbsp;M. 1981; Jürgen Habermas: Der philosophische Diskurs der Moderne. Zwölf Vorlesungen. Frankfurt a.&nbsp;M. 1985; Ilja Srubar: Phänomenologie und soziologische Theorie. Aufsätze zur pragmatischen Lebenswelttheorie. Wiesbaden 2007.</p>



<p><a href="#_ftnref6">[6]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Klaus Roth (Hg.): Sozialismus: Realität und Illusionen. Ethnologische Aspekte der sozialistischen Alltagskultur. Wien 2005; Klaus Roth (Hg.): Arbeitswelt – Lebenswelt. Facetten einer spannungsreichen Beziehung im östlichen Europa. Berlin 2006; Anton Sterbling: „System“ und „Lebenswelten“ im Sozialismus. Das Beispiel des multiethnischen Banats. In: Anton Sterbling: Entwicklungsverläufe, Lebenswelten und Migrationsprozesse. Studien zu ländlichen Fragen Südosteuropas. Aachen 2010, S.&nbsp;109–133.</p>



<p><a href="#_ftnref7">[7]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; William F. Ogburn: Social Change with Respect to Culture and Original Nature. New York 1966 (zuerst 1922).</p>



<p><a href="#_ftnref8">[8]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 415.</p>



<p><a href="#_ftnref9">[9]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ebenda, insb. S. 427.</p>



<p><a href="#_ftnref10">[10]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe auch: Anton Sterbling: Zur Sozialstruktur südosteuropäischer Gesellschaften und den Grenzen klassentheoretischer Analysekategorien. In: Berliner Journal für Soziologie 6 (1996) H.&nbsp;4, S.&nbsp;489–499.</p>



<p><a href="#_ftnref11">[11]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. Christian Giordano, Nicolas Hayoz (Hgg.): Informality in Eastern Europe. Structures, Political Cultures and Social Practices. Bern u.&nbsp;a. 2013.</p>



<p><a href="#_ftnref12">[12]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S.&nbsp;416f.; Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie. Tübingen <sup>5</sup>1976; Max Weber: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, I. Tübingen <sup>9</sup>1988; M.&nbsp;Rainer Lepsius: Interessen, Ideen und Institutionen. Opladen 1990.</p>



<p><a href="#_ftnref13">[13]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Georg Simmel: Philosophie des Geldes. Berlin <sup>7</sup>1977; Talcott Parsons: Zur Theorie der sozialen Interaktionsmedien. Opladen 1980.</p>



<p><a href="#_ftnref14">[14]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; In diesem Zusammenhang ist das Prinzip der Kritik, der Gegenmeinungen und der Vertretungsmöglichkeit alternativer Lösungsvorstellungen von zentraler Bedeutung. Allerdings geht es nicht nur um eine ideelle Entfaltungsmöglichkeit dieses Prinzips, sondern auch um wirksame Vorkehrungen ihrer institutionellen Absicherung in der gesellschaftlichen Praxis. Siehe: Karl R. Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde. Tübingen <sup>7</sup>1992 (2 Bde); Amitai Etzioni: Die aktive Gesellschaft. Eine Theorie gesellschaftlicher und politischer Prozesse. Wiesbaden <sup>2</sup>2009; Anton Sterbling: Zum Prinzip der Kritik im modernen europäischen Denken. In: Anton Sterbling: Wege der Modernisierung und Konturen der Moderne im westlichen und östlichen Europa. Wiesbaden 2015, S. 9–37.</p>



<p><a href="#_ftnref15">[15]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft.</p>



<p><a href="#_ftnref16">[16]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Niklas Luhmann: Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. Frankfurt a.&nbsp;M. 1984.</p>



<p><a href="#_ftnref17">[17]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ulrich Beck: Jenseits von Stand und Klasse? Soziale Ungleichheiten, gesellschaftliche Individualisierung und die Entstehung neuer sozialer Formationen und Identitäten. In: Reinhard Kreckel (Hg.): Soziale Ungleichheiten, Soziale Welt, Sonderband 2, 1983, S.&nbsp;35–74; Heinrich Popitz: Autoritätsbedürfnisse. Der Wandel der sozialen Subjektivität. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 39 (1987), S.&nbsp;633–647; Nicola Ebers: „Individualisierung“. Georg Simmel – Norbert Elias – Ulrich Beck. Würzburg 1995.</p>



<p><a href="#_ftnref18">[18]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Karl Mannheim: Mensch und Gesellschaft im Zeitalter des Umbaus. Bad Homburg u.&nbsp;a. 1967.</p>



<p><a href="#_ftnref19">[19]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Anton Sterbling: Bürgerliche Gesellschaft, ihre Leistungen und ihre Feinde. Stuttgart 2020.</p>



<p><a href="#_ftnref20">[20]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 418–427.</p>



<p><a href="#_ftnref21">[21]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Michail S. Voslensky: Nomenklatura. Die herrschende Klasse der Sowjetunion. München u.&nbsp;a. 1980.</p>



<p><a href="#_ftnref22">[22]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Samuel N. Eisenstadt: Tradition, Wandel und Modernität. Frankfurt a.&nbsp;M. 1979; Ken Jowitt: Soviet Neotraditionalism: The Political Corruption of a Leninist Regime. In: Soviet Studies 30 (1983), S.&nbsp;275–297.</p>



<p><a href="#_ftnref23">[23]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; János Kornai: Economics of Shortage (2 Bde). Amsterdam 1980.</p>



<p><a href="#_ftnref24">[24]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Klaus Roth (Hg.): Soziale Netzwerke und soziales Vertrauen in den Transformationsländern. Wien u.&nbsp;a. 2007; Klaus Roth, Ioannis Zelepos (Hgg.): Klientelismus in Südosteuropa. Südosteuropa-Jahrbuch 43. Berlin u.&nbsp;a. 2018; Anton Sterbling: Entstehung sozialer Ungleichheit in ost- und südosteuropäischen Gesellschaften. In: Maurizio Bach, Anton Sterbling (Hgg.): Soziale Ungleichheit in der erweiterten Europäischen Union. Beiträge zur Osteuropaforschung 14. Hamburg 2008, S.&nbsp;39–62.</p>



<p><a href="#_ftnref25">[25]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Anton Sterbling: Eliten, Intellektuelle, Institutionenwandel. Untersuchungen zu Rumänien und Südosteuropa. Hamburg 2001, insb. S.&nbsp;13f.</p>



<p><a href="#_ftnref26">[26]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, vgl. S. 418.</p>



<p><a href="#_ftnref27">[27]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Günther Roth: Politische Herrschaft und persönliche Freiheit. Heidelberger Max Weber-Vorlesungen 1983. Frankfurt a.&nbsp;M. 1987; Stefan Breuer: Bürokratie und Charisma. Zur politischen Soziologie Max Webers. Darmstadt 1994; Anton Sterbling: Nationalstaaten und Europa. Problemfacetten komplizierter Wechselbeziehungen. Dresden 2018, insb. S.&nbsp;113f.</p>



<p><a href="#_ftnref28">[28]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bálint Balla: Kaderverwaltung. Versuch zur Idealtypisierung der ,Bürokratie‘ sowjetisch-volksdemokratischen Typs. Stuttgart 1972; Stephan Hensell: Die Willkür des Staates. Herrschaft und Verwaltung in Osteuropa. Wiesbaden 2009.</p>



<p><a href="#_ftnref29">[29]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Anton Sterbling: Stalinismus in den Köpfen. Zur kommunistischen Gewaltherrschaft in Rumänien. In: Anton Sterbling: „Am Anfang war das Gespräch“. Reflexionen und Beiträge zur „Aktionsgruppe Banat“ und andere literatur- und kunstbezogene Arbeiten. Hamburg 2008, S.&nbsp;125–154.</p>



<p><a href="#_ftnref30">[30]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Michail S. Voslensky: Nomenklatura.</p>



<p><a href="#_ftnref31">[31]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, S. 415–432, vgl. S.&nbsp;418. Srubar greift in diesen Überlegungszusammenhängen auf einen Gedanken Luhmanns zu. Siehe: Niklas Luhmann: Funktionen und Folgen formaler Organisationen. Berlin 1978.</p>



<p><a href="#_ftnref32">[32]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 420f.</p>



<p><a href="#_ftnref33">[33]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; János Kornai: Economics of Shortage.</p>



<p><a href="#_ftnref34">[34]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Michael Masuch: Die sowjetische Entscheidungsweise. Ein Beitrag zur Theorie des realen Sozialismus. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 33 (1981), S. 642–667.</p>



<p><a href="#_ftnref35">[35]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 421.</p>



<p><a href="#_ftnref36">[36]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Christian Giordano, Nicolas Hayoz (Hgg.): Informality in Eastern Europe.</p>



<p><a href="#_ftnref37">[37]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 422f.</p>



<p><a href="#_ftnref38">[38]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Christian Giordano: Privates Vertrauen und informelle Netzwerke: Zur Organisationsstruktur in Gesellschaften des öffentlichen Misstrauens. Südosteuropa im Blickpunkt. In: Klaus Roth (Hg.): Soziale Netzwerke und soziales Vertrauen in den Transformationsländern. Wien u.&nbsp;a. 2007, S. 21–49.</p>



<p><a href="#_ftnref39">[39]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 423.</p>



<p><a href="#_ftnref40">[40]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bálint Balla, Wolfgang Dahmen, Anton Sterbling (Hgg.): Korruption, soziales Vertrauen und politische Verwerfungen – unter besonderer Berücksichtigung südosteuropäischer Gesellschaften. Beiträge zur Osteuropaforschung 18. Hamburg 2012.</p>



<p><a href="#_ftnref41">[41]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 423f.</p>



<p><a href="#_ftnref42">[42]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zu den Strukturprinzipien der „Statusassoziation“ und „Statussegregation“ siehe: Samuel N. Eisenstadt: Revolution und Transformation von Gesellschaften. Eine vergleichende Untersuchung verschiedener Kulturen. Opladen 1982; Anton Sterbling: Entstehung sozialer Ungleichheit in ost- und südosteuropäischen Gesellschaften.</p>



<p><a href="#_ftnref43">[43]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Christian Giordano: Privates Vertrauen und informelle Netzwerke: Zur Organisationsstruktur in Gesellschaften des öffentlichen Misstrauens; Anton Sterbling: Institutionenwandel in Gesellschaften des öffentlichen Misstrauens. In: Gert Albert u.&nbsp;a. (Hgg.): Soziale Konstellation und historische Perspektive. Festschrift für M. Rainer Lepsius. Wiesbaden 2008, S.&nbsp;104–120; Anton Sterbling: Die „Unseren“ und die „Anderen“. Klientelismus in Südosteuropa, unter besonderer Berücksichtigung Rumäniens. In: Klaus Roth, Ioannis Zelepos (Hgg.): Klientelismus in Südosteuropa. Südosteuropa-Jahrbuch 43. Berlin u.&nbsp;a. 2018, S.&nbsp;49–64.</p>



<p><a href="#_ftnref44">[44]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 427f.</p>



<p><a href="#_ftnref45">[45]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Rudolf Andorka: Einführung in die soziologische Gesellschaftsanalyse. Ein Studienbuch zur ungarischen Gesellschaft im europäischen Vergleich. Opladen 2001; Anton Sterbling: Einführung in die Grundlagen der Soziologie. Stuttgart 2020, insb. Kapitel 10.</p>



<p><a href="#_ftnref46">[46]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Talcott Parsons: The Social System. Glencoe 1951.</p>



<p><a href="#_ftnref47">[47]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Dietrich Rüschemeyer: Partielle Modernisierung. In: Wolfgang Zapf (Hg.): Theorien des sozialen Wandels. Köln-Berlin <sup>3</sup>1971, S. 382–396, vgl. S.&nbsp;382.</p>



<p><a href="#_ftnref48">[48]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; William F. Ogburn: Social Change with Respect to Culture and Original Nature; Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S.&nbsp;415.</p>



<p><a href="#_ftnref49">[49]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Anton Sterbling: Strukturfragen und Modernisierungsprobleme südosteuropäischer Gesellschaften; Anton Sterbling: Zur Sozialstruktur südosteuropäischer Gesellschaften und den Grenzen klassentheoretischer Analysekategorien; Anton Sterbling: Entstehung sozialer Ungleichheit in ost- und südosteuropäischen Gesellschaften.</p>



<p><a href="#_ftnref50">[50]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe: Anton Sterbling: Modernisierung und soziologisches Denken, insb. S. 201f.</p>



<p><a href="#_ftnref51">[51]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Frank Parkin: Strategien sozialer Schließung und Klassenbildung. In: Reinhard Kreckel (Hg.): Soziale Ungleichheiten, Soziale Welt. Sonderband 2, 1983, S.&nbsp;121–135.</p>



<p><a href="#_ftnref52">[52]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Anton Sterbling: Aspects of Informality in Southeastern Europe.</p>



<p><a href="#_ftnref53">[53]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 418f.</p>



<p><a href="#_ftnref54">[54]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Frank Parkin: Strategien sozialer Schließung und Klassenbildung.</p>



<p><a href="#_ftnref55">[55]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 422f.</p>



<p><a href="#_ftnref56">[56]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Hugh Seton-Watson: Osteuropa zwischen den Kriegen 1918–1941. Paderborn 1948.</p>



<p><a href="#_ftnref57">[57]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 427f.</p>



<p><a href="#_ftnref58">[58]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; M. Rainer Lepsius: Soziale Ungleichheit und Klassenstrukturen in der Bundesrepublik Deutschland. In: M. Rainer Lepsius: Interessen, Ideen und Institutionen. Opladen 1990, S.&nbsp;117–152, vgl. S.&nbsp;118.</p>



<p><a href="#_ftnref59">[59]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; William Totok: Episcopul, Hitler și Securitatea. Procesul stalinist împotriva „spionilor Vaticanului“ din România [Der Bischof, Hitler und die Securitate. Der stalinistische Prozess gegen die „Spione des Vatikans“ in Rumänien]. Iași 2008.</p>



<p><a href="#_ftnref60">[60]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 427f.</p>



<p><a href="#_ftnref61">[61]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bálint Balla, Wolfgang Dahmen, Anton Sterbling (Hgg.): Korruption, soziales Vertrauen und politische Verwerfungen – unter besonderer Berücksichtigung südosteuropäischer Gesellschaften; Bálint Balla, Wolfgang Dahmen, Anton Sterbling (Hgg.): Demokratische Entwicklungen in der Krise? Politische und gesellschaftliche Verwerfungen in Rumänien, Ungarn und Bulgarien. Beiträge zur Osteuropaforschung 19. Hamburg 2015; Klaus Roth, Ioannis Zelepos (Hgg.): Klientelismus in Südosteuropa.</p>



<p><a href="#_ftnref62">[62]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Anton Sterbling: Entstehung sozialer Ungleichheit in ost- und südosteuropäischen Gesellschaften.</p>



<p><a href="#_ftnref63">[63]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?</p>



<p><a href="#_ftnref64">[64]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Jürgen Habermas: Theorie des kommunikativen Handelns. Band 2: Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft; Jürgen Habermas: Der philosophische Diskurs der Moderne; Ilja Srubar: Phänomenologie und soziologische Theorie.</p>



<p><a href="#_ftnref65">[65]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Anton Sterbling: Stalinismus in den Köpfen.</p>



<p><a href="#_ftnref66">[66]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 422f.</p>



<p><a href="#_ftnref67">[67]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Klaus Roth (Hg.): Sozialismus: Realität und Illusionen; Klaus Roth (Hg.): Arbeitswelt – Lebenswelt; Anton Sterbling: „System“ und „Lebenswelten“ im Sozialismus.</p>



<p><a href="#_ftnref68">[68]</a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ulf Brunnbauer, Stefan Troebst (Hgg.): Zwischen Amnesie und Nostalgie. Die Erinnerung an den Kommunismus in Südosteuropa. Köln, Weimar, Wien 2007.</p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Anton Sterbling: Strukturfragen und Modernisierungsprobleme südosteuropäischer Gesellschaften. Hamburg 1993, insb. S. 23f.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Auf dem Deutschen Soziologentag 1990 in Frankfurt a. M. wurde von Prof. Dr. Bálint Balla und von mir eine Arbeitsgruppe, aus der die spätere Sektion „Ost- und Ostmitteleuropa-Soziologie“ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie hervorging, initiiert. Von Anfang an zu den Mitgliedern des Sprecherrates dieser Arbeitsgruppe und Sektion gehörte der aus Prag stammende Prof. Dr. Ilja Srubar, der später auch zeitweilig Sektionssprecher war. Aus dieser Sektion ist übrigens die heutige Sektion „Europasoziologie“ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie hervorgegangen.</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ilja Srubar: War der Sozialismus modern? Versuch einer strukturellen Bestimmung. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 43 (1991), S. 415–432.</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Anton Sterbling: Eliten, Strukturwandel und Machtfragen in Südosteuropa. In: Südosteuropa. Zeitschrift für Gegenwartsforschung 38 (1989) H. 7/8, S. 395–413; Anton Sterbling: Modernisierung und soziologisches Denken. Analysen und Betrachtungen. Hamburg 1991; Anton Sterbling: Strukturfragen und Modernisierungsprobleme südosteuropäischer Gesellschaften. Hamburg 1991.</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Jürgen Habermas: Theorie des kommunikativen Handelns. Band 2: Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft. Frankfurt a. M. 1981; Jürgen Habermas: Der philosophische Diskurs der Moderne. Zwölf Vorlesungen. Frankfurt a. M. 1985; Ilja Srubar: Phänomenologie und soziologische Theorie. Aufsätze zur pragmatischen Lebenswelttheorie. Wiesbaden 2007.</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Klaus Roth (Hg.): Sozialismus: Realität und Illusionen. Ethnologische Aspekte der sozialistischen Alltagskultur. Wien 2005; Klaus Roth (Hg.): Arbeitswelt – Lebenswelt. Facetten einer spannungsreichen Beziehung im östlichen Europa. Berlin 2006; Anton Sterbling: „System“ und „Lebenswelten“ im Sozialismus. Das Beispiel des multiethnischen Banats. In: Anton Sterbling: Entwicklungsverläufe, Lebenswelten und Migrationsprozesse. Studien zu ländlichen Fragen Südosteuropas. Aachen 2010, S. 109–133.</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;William F. Ogburn: Social Change with Respect to Culture and Original Nature. New York 1966 (zuerst 1922).</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 415.</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ebenda, insb. S. 427.</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe auch: Anton Sterbling: Zur Sozialstruktur südosteuropäischer Gesellschaften und den Grenzen klassentheoretischer Analysekategorien. In: Berliner Journal für Soziologie 6 (1996) H. 4, S. 489–499.</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Christian Giordano, Nicolas Hayoz (Hgg.): Informality in Eastern Europe. Structures, Political Cultures and Social Practices. Bern u. a. 2013.</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 416f.; Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie. Tübingen <sup>5</sup>1976; Max Weber: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, I. Tübingen <sup>9</sup>1988; M. Rainer Lepsius: Interessen, Ideen und Institutionen. Opladen 1990.</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Georg Simmel: Philosophie des Geldes. Berlin <sup>7</sup>1977; Talcott Parsons: Zur Theorie der sozialen Interaktionsmedien. Opladen 1980.</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;In diesem Zusammenhang ist das Prinzip der Kritik, der Gegenmeinungen und der Vertretungsmöglichkeit alternativer Lösungsvorstellungen von zentraler Bedeutung. Allerdings geht es nicht nur um eine ideelle Entfaltungsmöglichkeit dieses Prinzips, sondern auch um wirksame Vorkehrungen ihrer institutionellen Absicherung in der gesellschaftlichen Praxis. Siehe: Karl R. Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde. Tübingen <sup>7</sup>1992 (2 Bde); Amitai Etzioni: Die aktive Gesellschaft. Eine Theorie gesellschaftlicher und politischer Prozesse. Wiesbaden <sup>2</sup>2009; Anton Sterbling: Zum Prinzip der Kritik im modernen europäischen Denken. In: Anton Sterbling: Wege der Modernisierung und Konturen der Moderne im westlichen und östlichen Europa. Wiesbaden 2015, S. 9–37.</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft.</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Niklas Luhmann: Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. Frankfurt a. M. 1984.</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ulrich Beck: Jenseits von Stand und Klasse? Soziale Ungleichheiten, gesellschaftliche Individualisierung und die Entstehung neuer sozialer Formationen und Identitäten. In: Reinhard Kreckel (Hg.): Soziale Ungleichheiten, Soziale Welt, Sonderband 2, 1983, S. 35–74; Heinrich Popitz: Autoritätsbedürfnisse. Der Wandel der sozialen Subjektivität. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 39 (1987), S. 633–647; Nicola Ebers: „Individualisierung“. Georg Simmel – Norbert Elias – Ulrich Beck. Würzburg 1995.</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Karl Mannheim: Mensch und Gesellschaft im Zeitalter des Umbaus. Bad Homburg u. a. 1967.</div><div>19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Anton Sterbling: Bürgerliche Gesellschaft, ihre Leistungen und ihre Feinde. Stuttgart 2020.</div><div>20&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 418–427.</div><div>21&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Michail S. Voslensky: Nomenklatura. Die herrschende Klasse der Sowjetunion. München u. a. 1980.</div><div>22&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Samuel N. Eisenstadt: Tradition, Wandel und Modernität. Frankfurt a. M. 1979; Ken Jowitt: Soviet Neotraditionalism: The Political Corruption of a Leninist Regime. In: Soviet Studies 30 (1983), S. 275–297.</div><div>23&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;János Kornai: Economics of Shortage (2 Bde). Amsterdam 1980.</div><div>24&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Klaus Roth (Hg.): Soziale Netzwerke und soziales Vertrauen in den Transformationsländern. Wien u. a. 2007; Klaus Roth, Ioannis Zelepos (Hgg.): Klientelismus in Südosteuropa. Südosteuropa-Jahrbuch 43. Berlin u. a. 2018; Anton Sterbling: Entstehung sozialer Ungleichheit in ost- und südosteuropäischen Gesellschaften. In: Maurizio Bach, Anton Sterbling (Hgg.): Soziale Ungleichheit in der erweiterten Europäischen Union. Beiträge zur Osteuropaforschung 14. Hamburg 2008, S. 39–62.</div><div>25&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Anton Sterbling: Eliten, Intellektuelle, Institutionenwandel. Untersuchungen zu Rumänien und Südosteuropa. Hamburg 2001, insb. S. 13f.</div><div>26&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, vgl. S. 418.</div><div>27&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Günther Roth: Politische Herrschaft und persönliche Freiheit. Heidelberger Max Weber-Vorlesungen 1983. Frankfurt a. M. 1987; Stefan Breuer: Bürokratie und Charisma. Zur politischen Soziologie Max Webers. Darmstadt 1994; Anton Sterbling: Nationalstaaten und Europa. Problemfacetten komplizierter Wechselbeziehungen. Dresden 2018, insb. S. 113f.</div><div>28&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bálint Balla: Kaderverwaltung. Versuch zur Idealtypisierung der ,Bürokratie‘ sowjetisch-volksdemokratischen Typs. Stuttgart 1972; Stephan Hensell: Die Willkür des Staates. Herrschaft und Verwaltung in Osteuropa. Wiesbaden 2009.</div><div>29&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Anton Sterbling: Stalinismus in den Köpfen. Zur kommunistischen Gewaltherrschaft in Rumänien. In: Anton Sterbling: „Am Anfang war das Gespräch“. Reflexionen und Beiträge zur „Aktionsgruppe Banat“ und andere literatur- und kunstbezogene Arbeiten. Hamburg 2008, S. 125–154.</div><div>30&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Michail S. Voslensky: Nomenklatura.</div><div>31&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, S. 415–432, vgl. S. 418. Srubar greift in diesen Überlegungszusammenhängen auf einen Gedanken Luhmanns zu. Siehe: Niklas Luhmann: Funktionen und Folgen formaler Organisationen. Berlin 1978.</div><div>32&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 420f.</div><div>33&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;János Kornai: Economics of Shortage.</div><div>34&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Michael Masuch: Die sowjetische Entscheidungsweise. Ein Beitrag zur Theorie des realen Sozialismus. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 33 (1981), S. 642–667.</div><div>35&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 421.</div><div>36&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Christian Giordano, Nicolas Hayoz (Hgg.): Informality in Eastern Europe.</div><div>37&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 422f.</div><div>38&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Christian Giordano: Privates Vertrauen und informelle Netzwerke: Zur Organisationsstruktur in Gesellschaften des öffentlichen Misstrauens. Südosteuropa im Blickpunkt. In: Klaus Roth (Hg.): Soziale Netzwerke und soziales Vertrauen in den Transformationsländern. Wien u. a. 2007, S. 21–49.</div><div>39&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 423.</div><div>40&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bálint Balla, Wolfgang Dahmen, Anton Sterbling (Hgg.): Korruption, soziales Vertrauen und politische Verwerfungen – unter besonderer Berücksichtigung südosteuropäischer Gesellschaften. Beiträge zur Osteuropaforschung 18. Hamburg 2012.</div><div>41&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 423f.</div><div>42&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zu den Strukturprinzipien der „Statusassoziation“ und „Statussegregation“ siehe: Samuel N. Eisenstadt: Revolution und Transformation von Gesellschaften. Eine vergleichende Untersuchung verschiedener Kulturen. Opladen 1982; Anton Sterbling: Entstehung sozialer Ungleichheit in ost- und südosteuropäischen Gesellschaften.</div><div>43&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Christian Giordano: Privates Vertrauen und informelle Netzwerke: Zur Organisationsstruktur in Gesellschaften des öffentlichen Misstrauens; Anton Sterbling: Institutionenwandel in Gesellschaften des öffentlichen Misstrauens. In: Gert Albert u. a. (Hgg.): Soziale Konstellation und historische Perspektive. Festschrift für M. Rainer Lepsius. Wiesbaden 2008, S. 104–120; Anton Sterbling: Die „Unseren“ und die „Anderen“. Klientelismus in Südosteuropa, unter besonderer Berücksichtigung Rumäniens. In: Klaus Roth, Ioannis Zelepos (Hgg.): Klientelismus in Südosteuropa. Südosteuropa-Jahrbuch 43. Berlin u. a. 2018, S. 49–64.</div><div>44&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 427f.</div><div>45&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Rudolf Andorka: Einführung in die soziologische Gesellschaftsanalyse. Ein Studienbuch zur ungarischen Gesellschaft im europäischen Vergleich. Opladen 2001; Anton Sterbling: Einführung in die Grundlagen der Soziologie. Stuttgart 2020, insb. Kapitel 10.</div><div>46&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Talcott Parsons: The Social System. Glencoe 1951.</div><div>47&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dietrich Rüschemeyer: Partielle Modernisierung. In: Wolfgang Zapf (Hg.): Theorien des sozialen Wandels. Köln-Berlin <sup>3</sup>1971, S. 382–396, vgl. S. 382.</div><div>48&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;William F. Ogburn: Social Change with Respect to Culture and Original Nature; Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 415.</div><div>49&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Anton Sterbling: Strukturfragen und Modernisierungsprobleme südosteuropäischer Gesellschaften; Anton Sterbling: Zur Sozialstruktur südosteuropäischer Gesellschaften und den Grenzen klassentheoretischer Analysekategorien; Anton Sterbling: Entstehung sozialer Ungleichheit in ost- und südosteuropäischen Gesellschaften.</div><div>50&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe: Anton Sterbling: Modernisierung und soziologisches Denken, insb. S. 201f.</div><div>51&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Frank Parkin: Strategien sozialer Schließung und Klassenbildung. In: Reinhard Kreckel (Hg.): Soziale Ungleichheiten, Soziale Welt. Sonderband 2, 1983, S. 121–135.</div><div>52&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Anton Sterbling: Aspects of Informality in Southeastern Europe.</div><div>53&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 418f.</div><div>54&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Frank Parkin: Strategien sozialer Schließung und Klassenbildung.</div><div>55&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 422f.</div><div>56&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hugh Seton-Watson: Osteuropa zwischen den Kriegen 1918–1941. Paderborn 1948.</div><div>57&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 427f.</div><div>58&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;M. Rainer Lepsius: Soziale Ungleichheit und Klassenstrukturen in der Bundesrepublik Deutschland. In: M. Rainer Lepsius: Interessen, Ideen und Institutionen. Opladen 1990, S. 117–152, vgl. S. 118.</div><div>59&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;William Totok: Episcopul, Hitler și Securitatea. Procesul stalinist împotriva „spionilor Vaticanului“ din România [Der Bischof, Hitler und die Securitate. Der stalinistische Prozess gegen die „Spione des Vatikans“ in Rumänien]. Iași 2008.</div><div>60&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 427f.</div><div>61&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bálint Balla, Wolfgang Dahmen, Anton Sterbling (Hgg.): Korruption, soziales Vertrauen und politische Verwerfungen – unter besonderer Berücksichtigung südosteuropäischer Gesellschaften; Bálint Balla, Wolfgang Dahmen, Anton Sterbling (Hgg.): Demokratische Entwicklungen in der Krise? Politische und gesellschaftliche Verwerfungen in Rumänien, Ungarn und Bulgarien. Beiträge zur Osteuropaforschung 19. Hamburg 2015; Klaus Roth, Ioannis Zelepos (Hgg.): Klientelismus in Südosteuropa.</div><div>62&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Anton Sterbling: Entstehung sozialer Ungleichheit in ost- und südosteuropäischen Gesellschaften.</div><div>63&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?</div><div>64&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Jürgen Habermas: Theorie des kommunikativen Handelns. Band 2: Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft; Jürgen Habermas: Der philosophische Diskurs der Moderne; Ilja Srubar: Phänomenologie und soziologische Theorie.</div><div>65&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Anton Sterbling: Stalinismus in den Köpfen.</div><div>66&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ilja Srubar: War der Sozialismus modern?, insb. S. 422f.</div><div>67&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Klaus Roth (Hg.): Sozialismus: Realität und Illusionen; Klaus Roth (Hg.): Arbeitswelt – Lebenswelt; Anton Sterbling: „System“ und „Lebenswelten“ im Sozialismus.</div><div>68&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ulf Brunnbauer, Stefan Troebst (Hgg.): Zwischen Amnesie und Nostalgie. Die Erinnerung an den Kommunismus in Südosteuropa. Köln, Weimar, Wien 2007.</div><p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/war-der-reale-sozialismus-modern/">War der „reale Sozialismus“ modern? – Kritische Nachfragen</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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		<title>Informationen der DDR-Staatssicherheit über die Lage in der ČSSR 1968 (II)</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Dec 2021 09:53:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2019–2020]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumente]]></category>
		<category><![CDATA[1968]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bernd Florath 30. August 1968 Einzelinformation Nr.&#160;954/68 über Absichten Westdeutscher katholischer Revanchisten-Organisationen im Zusammenhang mit den Ereignissen in der ČSSR Quelle: BStU, MfS, ZAIG 1552, Bl. 1–2 (4. Expl.).Serie: Informationen.Verteiler: Verner, Barth (über HA XX/4) – MfS: Schröder/HA XX/4, Ablage.Datum: Zusätzlicher Datumsstempel vom 30.8.1968. Dem MfS wurde bekannt, dass der Leiter der „Königsteiner Anstalten“ in [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/ddr-staatssicherheit-cssr-1968-ii/">Informationen der DDR-Staatssicherheit über die Lage in der ČSSR 1968 (II)</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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<p>Bernd Florath</p>



<p><strong>30. August 1968</strong></p>



<p><strong>Einzelinformation Nr.&nbsp;954/68 über Absichten Westdeutscher katholischer Revanchisten-Organisationen im Zusammenhang mit den Ereignissen in der ČSSR</strong></p>



<p><em>Quelle: BStU, MfS, ZAIG 1552, Bl. 1–2 (4. Expl.).</em><br><em>Serie: Informationen.</em><br><em>Verteiler: Verner, Barth (über HA XX/4) – MfS: Schröder/HA XX/4, Ablage.</em><br><em>Datum: Zusätzlicher Datumsstempel vom 30.8.1968.</em></p>



<p>Dem MfS wurde bekannt, dass der Leiter der „Königsteiner Anstalten“ in Königstein/Taunus, Westdeutschland, Weihbischof Adolf <em>Kindermann</em>,<sup class="modern-footnotes-footnote ">1</sup> am 24.8.1968 ein persönliches Schreiben an alle sudetendeutschen Priester in Westdeutschland mit der Bitte sandte, durch Fürbitte und Gebet das tschechoslowakische Volk gegen die „Besatzungsmächte“ zu unterstützen.</p>



<p>Kindermann, der 1946 aus der ČSSR ausgewiesen wurde,<sup class="modern-footnotes-footnote ">2</sup> ist Gründer und Leiter der „Königsteiner Anstalten“, außerdem seit Juli 1966 Weihbischof des westdeutschen „Flüchtlingsbischofs“. Die „Königsteiner Anstalten“ sind das revanchistische und antikommunistische Zentrum der katholischen Kirche in Westdeutschland, von dem aus die Arbeit der katholischen landsmannschaftlichen Zusammenschlüsse koordiniert und angeleitet wird. In ihnen erfolgt außerdem die Betreuung des Umsiedler-Klerus bzw. die Ausbildung des Priesternachwuchses unter dem Aspekt einer späteren Verwendung in den sozialistischen Ländern.</p>



<p>Die klerikal-revanchistischen Kreise der katholischen Kirche in Westdeutschland planen, den vom 4. bis 8.9.1968 in Essen stattfindenden Katholikentag dazu zu benutzen, eine antikommunistische Welle gegen die fünf Warschauer Vertragsstaaten auszulösen. Unter anderem soll am 7.9.1968 die sogenannte „Begegnung der Heimatvertriebenen“ in einem solchen Umfang stattfinden, wie er zu den letzten Katholikentagen vermieden wurde. So werden sich treffen:</p>



<p>die sudetendeutschen Katholiken,<br>die südostdeutschen Katholiken,<br>die Katholiken der Grafschaft Glatz,<br>der Grafschaft Schneidemühl,<br>des Bistums Breslau,<br>der Diözese Ermland,<br>der Diözese Danzig,<br>der Diözese Brainz,<br>der Diözese Kattowitz u.&nbsp;a.</p>



<p>Diese Revanchistenverbände werden Verlautbarungen bzw. Stellungnahmen zu den Ereignissen in der ČSSR abgeben.</p>



<p><strong>12. September 1968</strong></p>



<p><strong>Einzelinformation Nr. 1022/68 über Reaktionen in der Westberliner SPD auf die Vorgänge in der ČSSR</strong></p>



<p><em>Quelle: BStU, MfS, HV&nbsp;A 135, Bl. 225–228 (9. Expl.).</em><br><em>Serie: Informationen.</em><br><em>Verteiler: Ulbricht, Honecker, Verner, Axen, Lamberz, Kohrt, KGB Karlshorst – MfS: Ablage.</em><br><em>Datum: Zusätzlicher Datumsstempel vom 16.9.1968.</em></p>



<p>Die Vorgänge in der ČSSR nach dem 21.8.1968 haben in der Westberliner SPD zu unterschiedlichen Reaktionen geführt. Die oppositionellen Kräfte um den ehemaligen Charlottenburger Kreisvorsitzenden <em>Ristock</em><sup class="modern-footnotes-footnote ">3</sup> werfen dem Senat und dem Landesvorstand vor, untätig gegen die Maßnahmen vom 21.8.1968 geblieben zu sein. Sie fordern eine politische Mobilisierung der Bevölkerung zur Unterstützung der revisionistischen Kräfte in der ČSSR.</p>



<p>Die rechten Kräfte vertreten die Auffassung, es sei in dieser Situation unverantwortlich gewesen, die politische Atmosphäre in Westberlin anzuheizen. Es komme viel mehr darauf an, die Westberliner Bevölkerung zur Ruhe und zum Nachgehen ihrer gewohnten Geschäfte zu ermahnen. Führende Funktionäre des Landesvorstandes brachten zum Ausdruck, die Maßnahmen der Warschauer Vertragsstaaten vom 21.8.1968 hätten die Position Westberlins weiter geschwächt. Das Ansehen der USA in der Westberliner Bevölkerung sei gesunken. Wie in vielen westeuropäischen Ländern werde es auch in Westberlin zu einer Stärkung der politischen Rechten kommen. Man müsse mit einer Stärkung der CDU und der NPD rechnen. Früher habe die SPD besonders in Krisenzeiten in Westberlin einen starken Vertrauenszuwachs erhalten, weil sie einig war. Diese Einigkeit müsse unter allen Umständen wieder hergestellt werden. Insgesamt komme es darauf an, die Zugehörigkeit Westberlins zur Bundesrepublik zu festigen und auf eine Verstärkung der NATO hinzuarbeiten.</p>



<p>Die rechten Kräfte innerhalb der Westberliner SPD betrachten die Vorgänge in der ČSSR realistisch. Sie akzeptieren – zumindest machtpolitisch – die Erklärung der Sowjetunion und ihrer Verbündeten. Sie räumen ein, dass die Sowjetunion nicht zulassen konnte, dass sich antikommunistische Kräfte in der ČSSR organisieren. Mit dem Zugriff auf die Massenkommunikationsmittel hätten diese Kräfte eine antisowjetische Position aufgerichtet. Durch die Abkehr der KSČ<sup class="modern-footnotes-footnote ">4</sup> vom Leninismus und die Aufgabe ihrer führenden Rolle hätte die Sowjetunion auf längere Sicht mit einem Ausscheiden der ČSSR aus dem Warschauer Pakt rechnen müssen. Sie hätte davon ausgehen müssen, dass die ČSSR im Falle eines Konfliktes ihre nationalen Interessen denen des Warschauer Vertrages überordnen wurde.</p>



<p>Gleichzeitig vertreten diese Kreise die Meinung, dass durch die Stationierung der sowjetischen Truppen in der ČSSR das militärische Gleichgewicht in Europa verändert worden sei. Deshalb wäre es notwendig, in stärkerem Umfange als bisher amerikanische Truppen in Westeuropa zu stationieren. Das eröffne auch die Möglichkeit, die Bundeswehr zu verstärken. Nur wenn mehr amerikanische Truppen in Europa wären, hätten die übrigen westeuropäischen Staaten keine Bedenken gegen die zahlenmäßige Verstärkung der Bundeswehr.</p>



<p>Der Bundesregierung werde nichts anderes übrig bleiben, als ihre bisherige Ostpolitik fortzusetzen, weil jede Verhärtung des westdeutschen Standpunktes gegenüber Moskau und Ostberlin einen verstärkten Druck auf Westberlin nach sich ziehen müsse. Andererseits betrachte die Sowjetunion die Entspannungs-Politik der Bundesregierung als eine permanente Bedrohung ihres Machtsystems. Deshalb werde auch die Fortsetzung dieser Politik eine weitere Verschlechterung der Beziehungen zur Sowjetunion zur Folge haben.</p>



<p>Der stellv. SPD-Landesvorsitzende <em>Jaroschowitz</em><sup class="modern-footnotes-footnote ">5</sup> äußerte, Westberlin sei ein Teil der Bundesrepublik Deutschland mit besonderen Rechten der Siegermächte. Es müsse endlich eine gemeinsame Plattform zum Status Westberlins gefunden werden. Es habe sich herausgestellt, dass Konzessionen an den Osten keinen Sinn hätten. Die Zielstellung, Westberlin zu einer Drehscheibe des Ost-West-Handels zu machen, sei tot. In Westberlin sollten verstärkt Veranstaltungen der Landsmannschaften und ·der Vertriebenenverbände abgehalten werden. Alle Schritte in Richtung auf eine „selbständige politische Einheit Westberlin“ müssten entschlossen abgewiesen werden.</p>



<p>Für Sozialdemokraten dürfe es keine Gemeinsamkeiten mit Kommunisten geben. Man müsse zwar das Eingreifen der Warschauer Vertragsstaaten in die Entwicklung der ČSSR verurteilen, aber man dürfe sich dabei nicht mit den tschechischen Kommunisten solidarisieren. <em>Jaroschowitz</em> und der Landessekretär <em>Hesse</em><sup class="modern-footnotes-footnote ">6</sup> wandten sich scharf gegen die Tätigkeit der innerparteilichen und der außerparlamentarischen Opposition. Es wurden organisatorische Maßnahmen angekündigt, die eine Unterwanderung der SPD durch oppositionelle Kräfte verhindern sollen. Leitende Funktionäre des SPD-Kreisverbandes Spandau haben Brandt<sup class="modern-footnotes-footnote ">7</sup> vorgeworfen, dass er mit seiner Entspannungspolitik zu weit gegangen sei und die SPD in eine gefährliche Lage gebracht habe. Diese Haltung sei in der Tendenz auch in anderen Kreisen festzustellen. Das Klima in der Partei entwickele sich unverkennbar in die Richtung des kalten Krieges.</p>



<p>Der Senatspressechef <em>Herz</em><sup class="modern-footnotes-footnote ">8</sup> erklärte, die Vorgänge in der ČSSR hätten die schleichende Abwanderung aus Westberlin verstärkt. Die Industrieunternehmen seien mit ihren Dispositionen im Hinblick auf die Investitionspolitik in Westberlin wesentlich zurückhaltender geworden. In Westdeutschland habe er eine völlige Interessenlosigkeit gegenüber Westberlin feststellen können.</p>



<p>Die oppositionellen Kräfte innerhalb der Westberliner SPD seien zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht in der Lage, eine an den Tatsachen orientierte Einschätzung zu den Vorgängen in der ČSSR zu geben. Sie hatten die Entwicklung zwischen dem Januar-Plenum und dem 21.8.1968 für eine Hoffnung für die oppositionelle Sozialdemokratie gehalten. Sie vertreten die Auffassung, die Entwicklung in der ČSSR habe bewiesen, dass die Hoffnung der Menschheit auf einen von Moskau und Washington unabhängigen Sozialismus gerichtet ist. <em>Ristock</em> erklärte, die Entwicklung in der ČSSR habe gezeigt, dass die Politik der oppositionellen Sozialdemokraten gegenüber den kommunistischen Parteien richtig war. Die Pläne der Reformer um <em>Dubček</em><sup class="modern-footnotes-footnote ">9</sup> und <em>Černík</em><sup class="modern-footnotes-footnote ">10</sup> seien als Alternative zur Politik der KPdSU vorhanden, auch wenn sie heute nicht durchgesetzt werden könnten. Die SPD dürfe Leute wie <em>Dubček</em> und <em>Černík</em> nicht ablehnen, sondern müsse sie unterstützen. Die Bundesregierung hätte die Position <em>Dubčeks</em> festigen können, wenn sie klar und deutlich vom Münchner Abkommen abgerückt wäre. International sei Moskau durch die Entwicklung in der ČSSR auf lange Zeit gebunden. Daher sei Westberlin von dieser Seite her nicht gefährdet.</p>



<p>Im Gegensatz zu <em>Ristock</em> vertrat der Westberliner Bundestagsabgeordnete Franz <em>Neumann</em><sup class="modern-footnotes-footnote ">11</sup> die Auffassung, dass Westberlin verloren sei. Die Haltung der USA zu den Vorgängen in der ČSSR zeige, dass auch im Falle einer Annexion Westberlins durch die DDR und die Sowjetunion nicht mit Gegenmaßnahmen der USA zu rechnen sei.</p>



<p>Die Information darf im Interesse der Sicherheit der Quellen nicht publizistisch ausgewertet werden.</p>



<p><strong>8. Oktober 1968</strong></p>



<p><strong>Einzelinformation Nr. 1109/68 über einige Probleme der Lage in der ČSSR</strong></p>



<p><em>Quelle: BStU, MfS, ZAIG 1592, Bl. 1–8 (6. Expl.).</em><br><em>Serie: Informationen.</em><br><em>Verteiler: Kein Nachweis für externe Verteilung – MfS: Ablage.</em><br><em>Vermerk: „nicht rausgegangen“.</em><br><em>Bemerkungen: Nicht realisierter externer Verteilervorschlag (im Dokumentenkopf): Ulbricht, Honecker, Stoph, Axen, KGB Karlshorst.</em></p>



<p>Von zuverlässigen Quellen wurden dem MfS weitere Angaben zur Lage in der ČSSR bekannt.</p>



<p>In internen Gesprächen wurde von einem ČSSR-Bürger, der Verbindung zum ehemaligen Innenminister Pavel,<sup class="modern-footnotes-footnote ">12</sup> zu Vertretern des Verteidigungsministeriums sowie zu verantwortlichen Mitarbeitern der Presse, des Rundfunks und des Fernsehens der ČSSR hat, geäußert, dass sowohl im Verteidigungs- als auch im Innenministerium der ČSSR ein detaillierter Plan für die gesamte Propagandatätigkeit für den Fall einer Besetzung der ČSSR durch Westdeutschland oder die NATO existiert habe. In diesem Plan seien bis in alle Einzelheiten Ausweichmöglichkeiten für Sendestationen, Redaktionen, Druckereien usw. sowie Transportmöglichkeiten und Benachrichtigungsschemen für die wichtigsten Mitarbeiter festgelegt gewesen. Wenige Stunden nach dem Einmarsch der Truppen der Warschauer-Pakt-Staaten sei dieser Plan in Aktion getreten. Alles habe fast vollständig geklappt.</p>



<p>Die Mitarbeiter der Presse und des Rundfunks hätten wie in diesem Plan vorgesehen ihre Arbeit gemacht. Die wichtigsten Sendestationen und Druckereien hätten sich in speziell dafür eingerichteten Objekten der ČSSR-Armee befunden. Die ČSSR-Armee habe sofort in allen Garnisonen ihre KW-Sender zur Verfügung gestellt. Es sei dabei so verfahren worden, dass zur gleichen Zeit immer mehrere Sender auf einer Frequenz arbeiteten. Auf denselben Frequenzen hätten auch starke westdeutsche Sender, die unmittelbar an der Grenze standen, ausgestrahlt.</p>



<p>In den Nachtstunden seien außerdem Teile der Stromleitungen der Prager Straßenbahn als Sendeantennen benutzt worden. Ferner hätten die eingesetzten Spezialfahrzeuge ständig den Standort gewechselt. So sei es den „Besatzungstruppen“ nur schwer möglich gewesen, die Standorte der Sender anzupeilen.</p>



<p>Die Arbeit des Gegensenders „Moldau“<sup class="modern-footnotes-footnote ">13</sup> wäre schlecht und seine Wirkung sehr gering gewesen. Da die Sprecher die tschechische Sprache nur mangelhaft beherrscht hätten, sei sofort festzustellen gewesen, dass es sich nicht um einen ČSSR-Sender handelte. Außerdem arbeite der Sender noch nicht aktuell genug. Er reagiere z.&nbsp;B. oft erst spät auf aktuelle Ereignisse. (Nach einer Darstellung anderer ČSSR-Bürger werde dieser Sender auch heute noch wenig gehört, da man die ČSSR-Bürger, die dort tätig sind, als Verräter bezeichnet, die die nationale Würde der ČSSR verletzen, oder weil hier auch Deutsche arbeiten würden.)</p>



<p>In Gesprächen mit ČSSR-Bürgern sei zum Ausdruck gebracht worden, dass es eine konsequente Realisierung des Moskauer Kommuniqués<sup class="modern-footnotes-footnote ">14</sup> in der ČSSR nicht geben werde, da z.&nbsp;B. der Begriff „Normalisierung“ ein Gummi-Begriff sei und seine Bedeutung immer weiter gefasst werden könne. Einige Mitglieder des ZK der KSČ sowie Minister und vor allem Journalisten versuchten, in Anlehnung an die französische Widerstandsbewegung während der Zeit der faschistischen Okkupation, eine „passive Resistance“, vor allem unter den Arbeitern, zu organisieren und zu formieren. Allerdings sei fraglich, ob sich die Arbeiterklasse dazu entschließen und auch durchhalten werde. Deshalb werde gegenwärtig an Richtlinien für eine entsprechende Propaganda gearbeitet. Ein Kernpunkt sei dabei die Frage, wie weit die Losung „Ignorierung der Okkupanten“ reicht und wo die „Kollaboration“ anfängt. Diese Probleme müssten differenziert herausgearbeitet werden, da vor allem die Minister und andere politische Funktionäre auf hoher Ebene mit den Vertretern der Warschauer-Pakt-Staaten zusammenarbeiten müssen und eine Kompromittierung dieser Funktionäre der ČSSR verhindert werden soll, um eine Aufspaltung der „einheitlichen Resistance-Bewegung“ zu vermeiden.</p>



<p>Auf dem Gebiete des Pressewesens, des Rundfunks und des Fernsehens werde versucht, diese Ziele im Rahmen der eng gezogenen Grenzen der neuen Presserichtlinien zu verfolgen. In diesem Zusammenhang wurde die Meinung vertreten, dass es durchaus möglich sei, diese Linie zu verwirklichen, wenn nicht eine größere Welle von Verhaftungen verantwortlicher Funktionäre und Journalisten einsetzt (auch wenn heute nicht mehr eine so starke und einheitliche Volksbewegung wie unmittelbar nach dem Einmarsch der Truppen vorhanden sei.)</p>



<p>Ein Intellektueller, der umfangreiche Verbindungen nach Westdeutschland hat, erklärte, es bestehe die Gefahr, dass es in wenigen Wochen in der ČSSR zu neuen Auseinandersetzungen und zu einem Blutvergießen kommen werde. Die nationalistischen Leidenschaften und der „Russenhass“ seien so groß, dass es leicht zu einer Explosion kommen könne.</p>



<p>Zu seinen Westverbindungen erklärte der Intellektuelle, er sei wie andere auch beauftragt worden, solche Verbindungen zu suchen, weil man den Westdeutschen beweisen wolle, dass man zu ihnen gehört und an einer Verbesserung des Verhältnisses zu Westdeutschland interessiert ist. Nach seiner Auffassung müsse die ČSSR unbedingt aus dem „Machtbereich der Russen“ ausbrechen und müsse die Intelligenz die Führung im Staat übernehmen. Die Arbeiterklasse sehe ein, dass sie dazu nicht imstande sei. Der Nach-Januar-Kurs werde fortgesetzt. Husáks<sup class="modern-footnotes-footnote ">15</sup> Reden, in denen „starke Linkstendenzen“ zum Ausdruck gekommen seien, seien auf sowjetischen Druck zurückzuführen. Er sei nur beauftragt, „das Spiel mit den Russen mitzumachen“. Kolder<sup class="modern-footnotes-footnote ">16</sup> und Indra<sup class="modern-footnotes-footnote ">17</sup> hätten keine Resonanz beim Volk. Immer dann, wenn die „Russen“ verlangen, dass ein Dubček-Politiker abgelöst wird, nehme man sofort auch einen Linken aus seiner Position.</p>



<p>Ein weiterer ČSSR-Bürger machte während eines Gespräches unsere Quelle auf ein parteiinternes Material der KSČ aufmerksam, in dem „Ausschreitungen“ der Angehörigen der sowjetischen Streitkräfte in der ČSSR dargestellt sind. (Offensichtlich hängt das mit dem Bericht des Generalstaatsanwalts der ČSSR zusammen.) Das Material soll dem Zweck dienen, Stimmung gegen sie zu machen und der Bevölkerung gewisse Verhaltensweisen ihnen gegenüber zu empfehlen.</p>



<p>Ein westdeutscher Gewerkschaftsfunktionär, der Mitte September im Auftrage der IG Metall Gespräche mit führenden Vertretern der ČSSR-Gewerkschaft ROH<sup class="modern-footnotes-footnote ">18</sup> führte, berichtete darüber folgendes: Die Vertreter der Internationalen Abteilung der ROH, des Büros des Vorsitzenden der ROH, der Metallgewerkschaft sowie der Redaktionen der Tageszeitung „Prace“ und der Monatsschrift „Tschechoslowakische Gewerkschaften“, mit denen die Gespräche geführt wurden, bedankten sich zunächst für das „solidarische Verhalten“ der westdeutschen Gewerkschaften.</p>



<p>Besonders wurden die politischen Erklärungen des Gewerkschaftstages der IG Metall im Zusammenhang mit den Ereignissen in der ČSSR mit Genugtuung aufgenommen; die Haltung der IG Metall wurde insgesamt begrüßt.</p>



<p>Die Vertreter der ČSSR-Gewerkschaften erklärten, sie glauben weiterhin den durch Beschlüsse und Programme neu konzipierten Weg nach dem Januar – wenn auch bedachter – gehen zu können. Einst beabsichtigte personelle Veränderungen an der Spitze der ROH seien vorläufig nicht denkbar; eine Ablösung Poláčeks<sup class="modern-footnotes-footnote ">19</sup> werde nicht mehr erwogen.</p>



<p>Nach Auffassung des westdeutschen Gewerkschaftsfunktionärs hätten Diskussionen im Zentralrat der ROH über die Ereignisse nach dem 21.8.1968<sup class="modern-footnotes-footnote ">20</sup> erkennen lassen, dass die Gewerkschaftsführung im Gegensatz zu Partei und Regierung nicht besonders selbstständig und „progressiv“ reagierte. So wurde z.&nbsp;B. der Aufruf zum befristeten Generalstreik nur von Partei und Regierung, nicht aber von den Gewerkschaften unterzeichnet. Poláček soll das mit den Worten begründet haben, man wolle damit die führende Rolle der Partei unterstreichen.</p>



<p>In der Gewerkschaftsbürokratie gebe es noch „konservative Tendenzen“ (sowohl beim Bund als auch bei einzelnen Industriegewerkschaften). Diese Leute seien nicht unbedingt als Anti-Dubček-Leute zu bezeichnen. Vielmehr sei anzunehmen, dass sie nicht bereit sind, eigene Initiativen zu entwickeln, um durch loyales Verhalten die SU nicht zu provozieren. Dadurch würden gegenwärtig die Gewerkschaften politisch im Hintergrund bleiben.</p>



<p>Alle Beziehungen der ROH zu Gewerkschaften des WGB<sup class="modern-footnotes-footnote ">21</sup> und des IBFG<sup class="modern-footnotes-footnote ">22</sup> seien noch blockiert. Die ROH habe selbst vor dem 21.8.1968 getroffene Verabredungen mit den Gewerkschaften Italiens und Frankreichs nicht aufrechterhalten. Die Internationale Abteilung der ROH beabsichtige, Ende Oktober eine zweiköpfige Delegation (wahrscheinlich Málek und Keilberth) in westeuropäische Länder zu entsenden, um Gespräche über mögliche Informationskontakte zu führen. Dabei sollen auch der DGB und einzelne Industriegewerkschaften Westdeutschlands besucht werden.</p>



<p>Nach wie vor sei die ROH an einem Besuch Ludwig Rosenbergs<sup class="modern-footnotes-footnote ">23</sup> in Prag interessiert. Im Oktober/November werde dieser Besuch aber noch nicht stattfinden können. Evtl. müsse er um einige Wochen verschoben werden.</p>



<p>Die Vertreter der ROH baten darum, die von der IG Metall ausgesprochene Einladung zum Besuch Westdeutschlands schriftlich zu erneuern und der ROH den Besuchstermin freizustellen. Ein Versuch des FDGB, mit der ROH zu zweiseitigen Gesprächen zusammenzukommen, sei zurückgewiesen worden.</p>



<p>Nach Auffassung der Vertreter der ČSSR-Gewerkschaft bestehe für im Ausland weilende ČSSR-Bürger keine Veranlassung, nicht zurückzukehren, da sich in der ČSSR niemand in Haft befinde. Sollten jedoch einige beabsichtigen, nicht in die ČSSR zurückzukommen, dann sollten sie veranlasst werden, nicht in Westdeutschland zu bleiben, sondern nach Österreich, Italien oder Jugoslawien zu gehen und dort Kontakt zu kommunistischen Organisationen aufzunehmen. Der Aufenthalt und die Tätigkeit von ČSSR-Bürgern in Westdeutschland würden die politische Situation in der ČSSR beträchtlich erschweren. Die SU und die anderen „Interventionsmächte“ könnten dadurch Bestätigungen für die Tätigkeit konterrevolutionärer Elemente finden. Bei allen Fragen einer evtl. Emigration in Westdeutschland sollten die betreffenden ČSSR-Bürger an die Handelsmission der ČSSR in Frankfurt/Main verwiesen werden.</p>



<p>Die erwähnten führenden Vertreter der ČSSR-Gewerkschaft ROH sowie der Gewerkschaftspresse erklärten in diesem Zusammenhang, sie seien davon überzeugt, dass man die militärische Besetzung der ČSSR bald überwinden könne und die eigenen Überlegungen des Januar-Plenums des ZK der KSČ werde durchsetzen können. Schon für das kommende Jahr erhoffe man sich eine politisch-vertretbare Souveränität der ČSSR sowie ein Schwinden des politischen Drucks der SU. Die ökonomischen Bindungen der ČSSR an die SU und andere sozialistische Staaten würden sich künftig allerdings verstärken.</p>



<p>Ein namentlich nicht genanntes Mitglied des ZK der KSČ habe erklärt, von den 1,7 Millionen Mitgliedern der Partei würden etwa noch 500&nbsp;000 „konservative politische Vorstellungen“ vertreten. Zum Teil seien diese sogar als „Stalinisten“ zu bezeichnen. Viele von ihnen würden heute noch bedeutende Funktionen bekleiden (es handele sich z.&nbsp;B. um Beamte, Bürgermeister, Abgeordnete, Gewerkschaftsfunktionäre, Parteisekretäre, Betriebsdirektoren usw.). Es müsse angenommen werden, dass diese große Gruppe ein natürliches Potential für die sowjetischen Überlegungen darstellt. Ihr Einfluss und ihre Privilegien würden ausschließlich durch die sowjetischen Einwirkungen garantiert.</p>



<p>Angeblich habe die SU mehrere hundert dieser KSČ-Mitglieder zu Besuchen in die SU eingeladen. Es sei beabsichtigt, im Verlaufe der nächsten Monate Tausende zu Aufenthalten in der SU einzuladen.</p>



<p>Progressive Mitglieder der KSČ in Prag und anderen Städten schließen sich (faktisch illegal) in Gruppen zusammen. Teilweise haben sie noch nicht den Mut, offen aufzutreten, da sie von der Parteiführung nicht unterstützt werden. Sie befürchten, dass sich der Terror gegen sie richten werde, wenn die befreundeten Truppen das Land verlassen haben. Sie sind der Meinung, dass sie von den befreundeten Ländern stärker unterstützt werden müssten.</p>



<p>Aus weiteren Gesprächen mit ČSSR-Bürgern wurde bekannt, dass in der ČSSR-Bevölkerung der Hass gegen die Sowjetunion – auch gegen die DDR – noch relativ stark sei. Dieser Hass werde von Presse, Rundfunk und Fernsehen, die nach wie vor von feindlichen Kräften beherrscht sind, täglich neu geschürt. Außerdem werde von konterrevolutionären Kräften immer wieder die Losung geschmiert: „Wir sind mit Euch, seid mit uns!“ Verstärkt werde der Verkauf von Masaryk<sup class="modern-footnotes-footnote ">24</sup>-Bildern organisiert. Als Anlass werde dazu der bevorstehende 50. Jahrestag der Bildung der ČSR<sup class="modern-footnotes-footnote ">25</sup> benutzt.</p>



<p>Die Einreise von Westdeutschen, Österreichern, Jugoslawen, Rumänen und Italienern (besonders jungen männlichen Personen) habe in den letzten Tagen zugenommen.</p>



<p>Diese Information kann unter keinen Umständen publizistisch ausgewertet werden.</p>



<p><strong>14. Oktober 1968</strong></p>



<p><strong>Einzelinformation&nbsp;Nr.&nbsp;1122/68 über die Einschätzung der IX. Weltjugendfestspiele in Sofia durch westdeutsche Regierungskreise</strong></p>



<p><em>Quelle: BStU, MfS, HV&nbsp;A 136, Bl. 179–182 (10. Expl.).</em><br><em>Serie: Informationen.</em><br><em>Verteiler: Honecker, Axen, Winzer, Markowski (über HV&nbsp;A/VII), Jahn (FDJ, über HA XX/2), Polen, Ungarn, Bulgarien (über Abt. X), KGB Karlshorst – MfS: Ablage.</em><br><em>Datum: Zusätzlicher Datumsstempel vom 18.10.1968.</em></p>



<p>In einer internen Einschätzung der IX. Weltjugendfestspiele in Sofia vom 27.7.–6.8.1968<sup class="modern-footnotes-footnote ">26</sup> stellten westdeutsche Regierungskreise einleitend fest, dass sich das politische Programm der Festspiele in erster Linie mit der Solidarität mit Vietnam, daneben vor allem mit den unterdrückten Völkern der dritten Welt, dem Kampf gegen Faschismus und Neonazismus und mit der europäischen Sicherheit beschäftigt habe. Ausschließlich gegen die westdeutsche Bundesrepublik sei eine Großveranstaltung „Neonazismus in der Bundesrepublik“ gerichtet gewesen, an der etwa 2&nbsp;000 Personen teilnahmen. Dieses Treffen sei auf Betreiben der DDR erst kurz vor Beginn der Festspiele in das Programm aufgenommen worden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">27</sup> Auch in der Kommission „europäische Sicherheit“ sei die Bundesrepublik scharf angegriffen worden.</p>



<p>Nach westdeutscher Darstellung hätten sich kritische Beobachter des Festivals die Frage gestellt, ob die Weltjugendfestspiele in ihrer überkommenen Form der programmierten Veranstaltungen und Diskussionen nicht überlebt seien.</p>



<p>Vielfach sei von Teilnehmern die Verbindung politischer Veranstaltungen mit Massenfesten der Folklore kritisiert und ein versachlichter Rahmen für die politische Diskussion gefordert worden. Es lasse sich noch nicht übersehen, ob und inwieweit sich diese Forderungen in Zukunft durchsetzen werden.</p>



<p>Sofia habe gezeigt, dass die liberalen Entwicklungstendenzen im Kommunismus gerade in der Jugend verbreitet seien. Zu dieser Erkenntnis sei die Mehrzahl der aufmerksamen Beobachter aus dem Westen gekommen. Auch die Teilnehmer aus dem sozialistischen Lager dürften seit Sofia nach westdeutscher Einschätzung manchen Zweifel an dem Weltbild hegen, das ihnen Propaganda und Erziehung bisher vermittelt hätten. Das Phänomen, dass die ultralinken, anarchistischen, fidelistischen<sup class="modern-footnotes-footnote ">28</sup> und maoistischen Gruppen der Jugend der sozialistischen Länder einen Opakommunismus mit reaktionären Zügen vorwarfen und sie auf die Bank des Angeklagten zusammen mit Kapitalisten und Imperialisten zu drängen suchten, müsse einen besonderen Schock verursacht haben. Darüber könnte auch die Tatsache nicht hinwegtäuschen, dass die IX. Weltjugendfestspiele dank einer straffen Regie und nicht zuletzt auf Grund des Einsatzes zahlloser Geheimpolizisten in Zivil im Großen und Ganzen programmgemäß verliefen.</p>



<p>Bei der Einschätzung der westdeutschen Beteiligung an den IX. Weltjugendfestspielen wurde von westdeutschen Regierungskreisen hervorgehoben, dass es dem (West-)Deutschen Bundesjugendring (DBJR) in Verhandlungen mit dem Organisationskomitee in Sofia gelungen sei, unabhängig von der Gruppe „Arbeitskreis Festival“, Offenbach, zusammen mit den Jungsozialisten der SPD eine eigene Delegation von etwa 220 Personen nach Sofia zu entsenden. In ihr waren zehn Jugendorganisationen vertreten.</p>



<p>Obwohl der DBJR vor den Festspielen von den Veranstaltern mehrere Zusicherungen erhalten hätte, die seine gleichberechtigte und reibungslose Teilnahme garantieren sollten, habe sich bald gezeigt, dass die optimistischen Erwartungen des DBJR nicht der Sofioter Wirklichkeit entsprachen.</p>



<p>Bereits vor den Festspielen sei durch Äußerungen bulgarischer und sowjetischer Jugendfunktionäre deutlich geworden, dass man mit reaktionärer und ultralinker Beeinflussung des Festivals rechnete.</p>



<p>Kommunistische Funktionäre hätten zu einer besonders sorgfältigen Auswahl und Vorbereitung des eigenen Teilnehmerkreises aufgefordert. Kurz vor Beginn der Festspiele häuften sich Vorwürfe gegen die reaktionären Kreise, so sei eine Beeinflussung der westdeutschen Teilnehmer durch CIA und westdeutsche Nachrichtendienste konstruiert worden. Auf Grund eines Protesttelegramms des DBJR habe sich das bulgarische Festivalkomitee von solchen Behauptungen distanziert. Unmut bei den Veranstaltern dürften nicht zuletzt auch die bereits vor dem Festival hergestellten Kontakte zwischen dem DBJR und Jugendvertretern aus Rumänien, Jugoslawien und der Tschechoslowakei verursacht haben. Der DBJR habe nicht ohne Erfolg versucht, eine gemeinsame Marschroute für einige Diskussionsveranstaltungen festzulegen. Auch Anschlusseinladungen des DBJR an 80 Jugendvertreter aus der Dritten Welt in die westdeutsche Bundesrepublik seien nicht dazu angetan gewesen, das Misstrauen der Organisatoren zu vermindern.</p>



<p>Insgesamt hätten die aus der westdeutschen Bundesrepublik kommenden Gruppen ein Bild der Vielschichtigkeit geboten, mit allen Vorzügen und Nachteilen, die sich daraus ergeben. Dies sei bereits bei der Eröffnungszeremonie zu beobachten gewesen. Im Verlauf der Festspiele seien die Gegensätze bei Zusammenstößen mit bulgarischen Sicherheitsorganen und in Form von Verfahrenskritik, Denunziationen und Intrigen noch deutlicher geworden. Die Offenbacher Gruppe sei während der Festspiele in einander befehdende Teile zerfallen.</p>



<p>Nach westdeutscher Einschätzung dürfte es auf jeden Fall wertvoll gewesen sein, dass angesichts der Lockerungserscheinungen in Osteuropa während der Festspiele das Feld nicht nur der FDJ und linksgerichteten Jugendverbänden überlassen wurde. Der DBJR habe trotz aller Behinderungen während der Festspiele genügend Gelegenheit zu Einzelgesprächen und Treffen mit anderen Gruppen gehabt. Diese Begegnungen hätten in erster Linie seine Teilnahme gerechtfertigt. Weit unangenehmer als die Schwierigkeiten mit den westdeutschen Delegationen dürfte für die Organisatoren das eigenwillige Verhalten der jugoslawischen, rumänischen und besonders der tschechoslowakischen Teilnehmer gewesen sein. Nachdem es bereits bei der Anreise von tschechoslowakischen Jugendlichen an der Grenze zu peinlichen Zwischenfällen gekommen sei, habe die Delegation der ČSSR während der Festspiele durch ihre lautstarke Unterstützung der Dubček-Politik Aufsehen erregt. Die tschechoslowakische Delegation habe sich so viele Beschränkungen gefallen lassen müssen, dass sie gegen die Behinderungen der Meinungsfreiheit auf dem Festival wiederholt protestierte. Die Jugoslawen hätten wegen der Praktiken der Festspielleitung sogar erwogen, Sofia vorzeitig zu verlassen. Sie hätten von einer undemokratischen Atmosphäre und einer Manipulation der Geschäftsordnung gesprochen.</p>



<p>Im Interesse der Sicherheit der Quelle ist eine öffentliche Auswertung dieser Information nicht möglich.</p>



<p><strong>28. Oktober 1968</strong></p>



<p><strong>Einzelinformation Nr. 1177/68 über geplante Demonstrationen negativer Kräfte in der ČSSR am 28. Oktober 1968</strong></p>



<p><em>Quelle: BStU, MfS, ZAIG 1602, Bl. 1–5 (7. Expl.).</em><br><em>Serie: Informationen.</em><br><em>Verteiler: Kein Nachweis für externe Verteilung – MfS: Ablage.</em><br><em>Vermerk: „nicht rausgegangen“.</em><br><em>Bemerkungen: Nicht realisierter externer Verteilervorschlag (im Dokumentenkopf): Ulbricht Honecker, Stoph, Axen, Winzer, KGB Karlshorst.</em></p>



<p>Nach mehreren noch nicht restlos überprüften, aber weitgehend übereinstimmenden Angaben aus inoffiziellen Quellen wurde dem MfS bekannt, dass seitens feindlicher und negativer Kräfte der ČSSR für den 28.10.1968 (50. Jahrestag der Gründung der ČSR) in Prag und anderen größeren Städten und Ortschaften der ČSSR bestimmte Voraussetzungen für antisozialistische Demonstrationen und Aktionen getroffen wurden.</p>



<p>Einerseits wird davon gesprochen, dass sog. stille Demonstrationen stattfinden sollen, andererseits jedoch heißt es, dass auch mit Unruhen bzw. mit einem Blutvergießen gerechnet werde. Es gibt in diesem Zusammenhang Hinweise, dass die reaktionären Kräfte es unter Umständen darauf angelegt haben, Zusammenstöße zu provozieren, um „den Hass des Volkes der ČSSR gegen die UdSSR noch mehr zu verstärken“.</p>



<p>Als Organisatoren dieser geplanten Demonstrationen in Prag werden vorrangig Studenten der philosophischen, mathematischen und technischen Fakultät der Prager Universität, aber auch Vertreter der medizinischen Fakultät und der medizinischen Intelligenz genannt.</p>



<p><em>Prag</em></p>



<p>Es wird von geplanten Demonstrationen auf dem Altstädter Ring und dem Wenzelsplatz berichtet. Nach diesen Angaben sei u.&nbsp;a. als Protest gegen die „Besetzung“ der ČSSR vorgesehen:<br>Tragen schwarzer Kleidung,<br>Mitführen der Staatsflagge, die mit schwarzen Bändern versehen ist,<br>Mitführen von Trauerfahnen,<br>Mitführen von Masaryk-Bildern,<br>Demonstration auch nach Lány zum Grab Masaryks<sup class="modern-footnotes-footnote ">29</sup> (Einladungen dazu seien bereits verteilt worden).</p>



<p>Nach Äußerungen eines Prager Journalisten hätten die Studenten Prags bei ihren geplanten Aktionen am 28.10. auch junge Arbeiter hinter sich. Zu den Studentengruppen, die entschlossen seien, öffentlich aufzutreten, unterhielten die Prager Redakteure Kontakte. Ferner sei vorgesehen, dass bei der Festvorstellung am 28.10. im Prager Nationaltheater alle Besucher als Zeichen des Protestes schwarze Krawatten tragen.</p>



<p>Weiter gibt es Hinweise, dass Prager Studenten aufgefordert wurden, am 28.10. die Stadt nicht zu verlassen, und dass Hunderte von Studenten, die außerhalb Prags studieren, in die Hauptstadt kommen wollen (von ihnen seien sehr viele Hotelzimmer ab 26.10. bestellt worden).</p>



<p>In diesem Zusammenhang gibt es auch Hinweise über die Absicht Prager Studenten, bestimmte Manifestationen bestimmter progressiver Kräfte zur Unterstützung der Politik der Sowjetunion „zerschlagen“ zu wollen.</p>



<p>Wie nach weiteren unüberprüften Hinweisen bekannt wurde, sollen Mitglieder eines uns bisher nicht bekannten „Aktual-Klubs“, einer anarchistischen Studentengruppierung, ein Attentat auf den sowjetischen Botschafter in Prag vorbereiten, um, wie berichtet wurde, „das Volk aus der Lethargie zu erwecken“. Das Attentat soll angeblich bei einer Ausfahrt des Boschafters aus dem Botschaftsgebäude verübt werden.</p>



<p>Eine antisowjetische Veranstaltung sei auch in Ricany bei Prag vorgesehen. Sie sei vom „Klub der engagierten Parteilosen“ vorbereitet worden.</p>



<p><em>Brno</em></p>



<p>Unter den Studenten seien Flugblätter verteilt worden, die zu einer sog. stillen Demonstration am 28.10. aufrufen. Am Vorabend des 28.10. sollen auf der Svoboda-, Masaryk- und Beneš-Straße Feuer angezündet werden. Am 28.10. selbst sollen vormittags die Glocken und Sirenen ertönen, um die Bürger zur Teilnahme an der Demonstration aufzufordern. An der Kleidung sollen schwarze Bänder getragen werden.</p>



<p><em>Bratislava</em></p>



<p>Studenten beabsichtigen eine Protestdemonstration. Sie wollen auf die Straßen gehen, um die Aufmerksamkeit der Bürger auf sich zu lenken und sie zu bewegen, sich ihrem Protest anzuschließen. Es würden Transparente und Flugblätter vorbereitet.</p>



<p><em>Valašské Meziříčí</em></p>



<p>Studenten wollen einen Umzug durch die Stadt durchführen und dabei abgebrochene Kerzen, die mit einem schwarzen Band versehen sind, mitführen sowie die Moskauer „Prawda“ verbrennen.</p>



<p><em>Žilina – Gora</em></p>



<p>Studenten der Verkehrshochschule hätten gefordert, dass man ihnen Gewehre geben sollte, um gegen die Soldaten der Sowjetarmee kämpfen zu können. Es gibt Hinweise, dass hier die Situation unter den Studenten sehr gespannt sei.</p>



<p><em>Libeň</em></p>



<p>Studenten beabsichtigen, Versammlungen alter und progressiver Kommunisten, die positiv zur Sowjetunion stehen, zu zerschlagen.</p>



<p>Auch in <em>Uherské Hradiště </em>seien – nicht näher bekannt gewordene – antisowjetische Aktionen der Studenten vorbereitet worden.</p>



<p>Nach einer weiteren Information wurden in verschiedenen Gegenden der ČSSR in den letzten Tagen Fahrzeuge mit schwarzen Fahnen festgestellt.</p>



<p>Wie dem MfS im Zusammenhang mit diesen Vorgängen bekannt wurde, sind von den zuständigen Organen Vorschläge unterbreitet worden, mäßigend auf die feindlichen und negativen Studentenkreise einzuwirken, um provokatorischen Handlungen und Aktionen vorzubeugen.</p>



<p>Im Interesse der Sicherheit der Quellen darf die Information nicht publizistisch ausgewertet werden.</p>



<p><strong>6. November 1968</strong></p>



<p><strong>Einzelinformation Nr. 1233/68 über Vorstellungen progressiver Kräfte der ČSSR zur Unterstützung des Differenzierungsprozesses in der ČSSR und zum ideologischen Kampf gegen die revisionistische Mehrheit in der ČSSR-Führung</strong></p>



<p><em>Quelle: BStU, MfS, ZAIG 1608, Bl. 1–10 (7. Expl.).</em><br><em>Serie: Informationen.</em><br><em>Verteiler: Kein Nachweis für externe Verteilung – MfS: Beater, Ablage.</em><br><em>Vermerk: „nicht rausgegangen“.</em><br><em>Bemerkungen: Nicht realisierter externer Verteilervorschlag (im Dokumentenkopf): Ulbricht Honecker, Stoph, Axen, KGB Karlshorst (?).</em></p>



<p>Dem MfS wurden durch zuverlässige Quellen Angaben über einige Probleme der Entwicklung in der ČSSR bekannt. Es handelt sich dabei besonders um Gedanken und Vorstellungen verantwortlicher Mitarbeiter der Politischen Verwaltung der tschechoslowakischen Volksarmee zur Unterstützung progressiver Kräfte in der ČSSR sowie um Hinweise auf ihr geplantes Vorgehen in der nächsten Zeit.</p>



<p>Die erwähnten Mitarbeiter der Politischen Verwaltung erklären, dass sie zu einer Gruppe von etwa 16 Kommunisten gehören, die Verbindungen zur Regierung der ČSSR, zum ZK der KSČ, zu führenden Kreisen der Volksmiliz und zu höheren Offizieren (Generale, Oberste) verschiedener Bereiche der ČSSR-Armee und auch des Innenministeriums besitzen und nach ihren eigenen Aussagen versuchen wollen, eine Änderung der Lage in der ČSSR herbeiführen zu helfen.</p>



<p>Nach verschiedenen Hinweisen und Andeutungen sollen zu dieser Gruppe vorwiegend hohe Offiziere der ČSSR-Armee gehören, so z.&nbsp;B. General <em>Babka</em><sup class="modern-footnotes-footnote ">30</sup> (ehemaliger Leiter der Auslandsabteilung der Politischen Verwaltung), dessen Nachfolger Oberst Širůček,<sup class="modern-footnotes-footnote ">31</sup> möglicherweise auch General <em>Čepička</em><sup class="modern-footnotes-footnote ">32</sup> (Leiter der Politischen Verwaltung), aber auch die Gattin des Genossen Jozef <em>Lenárt</em>.<sup class="modern-footnotes-footnote ">33</sup> Die Gruppe arbeite konspirativ. Sie treffe sich regelmäßig zu Beratungen über ihre Tätigkeit. Die Genossen <em>Indra</em> und <em>Biľak</em><sup class="modern-footnotes-footnote ">34</sup> seien davon informiert.</p>



<p>Nach eigenen Angaben bestehe das Ziel der Tätigkeit dieser Gruppe darin, den „Sturz der <em>Dubček</em>-Clique“ sowie die Wahl solcher ZK-Mitglieder zu erreichen, die fest auf dem Boden des Marxismus-Leninismus stehen, sich vom proletarischen Internationalismus leiten lassen und die Leninschen Prinzipien in der Partei durchsetzen.</p>



<p>Um dieses Ziel zu erreichen, sei man zunächst bemüht, unter der Losung „Die Kommunisten wahren das Vermächtnis von <em>Gottwald</em>“<sup class="modern-footnotes-footnote ">35</sup> positive Kräfte in den bewaffneten Organen (besonders in der Armee) zu sammeln und in die Tätigkeit der Gruppe einzubeziehen.</p>



<p>Im Verlaufe von Gesprächen haben unsere Quellen den Eindruck gewonnen, dass diese Kräfte den ehrlichen Willen haben, auch unter Einbeziehung marxistisch-leninistischer Kräfte aus anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens einer progressiven Politik in der ČSSR zum Durchbruch zu verhelfen. Dennoch kann unsererseits noch nicht konkret beurteilt werden, über welche Möglichkeiten sie verfügen, um ihre Vorstellungen – die durchaus zu beachten sind – zu realisieren. (Offenbar gibt es zwischen ihren Plänen und ihren Möglichkeiten noch gewisse Widersprüche. Das zeigt sich u.&nbsp;a. darin, dass bestimmte Vorhaben dieser Gruppe in jüngster Zeit, z.&nbsp;B. anlässlich des 50. Jahrestages der Bildung der ČSR am 28. Oktober, wahrscheinlich nicht voll zum Tragen gekommen sind.)</p>



<p><em>Die gegenwärtige Lage in der ČSSR-Armee</em> wird von den Mitgliedern der Gruppe wie folgt eingeschätzt: Die Politische Verwaltung der Armee sei hauptsächlich dafür verantwortlich, dass die Kommandeure der ČSSR-Armee kein gutes Verhältnis zur Sowjetarmee haben. Sie hätten Angst vor den Offizieren der Polit-Abteilungen der Truppenteile. Diese Polit-Abteilungen hätten nach dem 21.8.1968 in den Druckereien Aufrufe an die Offiziere der ČSSR-Armee gefertigt, keinen Kontakt zu den Kommandeuren der fünf verbündeten Armeen aufzunehmen; außerdem hätten sie offen die Verbündeten als „Okkupanten“ bezeichnet, sodass sie heute große Schwierigkeiten hätten, die Lage in der Armee zu normalisieren. (Trotzdem hätten viele Truppenkommandeure Kontakt zu sowjetischen Kommandeuren aufgenommen.)</p>



<p>Eine negative Rolle bei der Propagandaarbeit spiele vor allem der Leiter der Propagandaabteilung der Politischen Verwaltung, Oberstleutnant Václav <em>Smrkovský</em><sup class="modern-footnotes-footnote ">36</sup> (Cousin des Vorsitzenden der Nationalversammlung).<sup class="modern-footnotes-footnote ">37</sup></p>



<p>Das Verteidigungsministerium habe eine Analyse des politisch-moralischen Zustandes der Armee erarbeitet. In diesem Material werde die Aktion der Warschauer-Vertrags-Staaten als „Okkupation“ bezeichnet, wodurch die Ehre der ČSSR-Armee verletzt worden sei. Die Analyse soll an die Polit-Abteilungen der Truppenteile und Kommandeure gesandt werden mit dem Auftrag, sie durch eigene Einschätzungen zu ergänzen und somit zu bestätigen.</p>



<p>Die Gruppe schätzt den Zustand des Parteiapparates der tschechoslowakischen Volksarmee als nicht gut ein. Auf allen Ebenen gebe es zwar progressive Genossen, diese hätten aber Angst, offen aufzutreten, weil sie wüssten, dass der Gegner noch in der Lage sei, positive Kräfte (z.&nbsp;B. Offiziere) zu beseitigen.</p>



<p>In diesem Zusammenhang wurde mitgeteilt, dass noch heute zwei illegale Sender (der ČSSR-Armee) sendebereit seien, obwohl seit langem angewiesen worden sei, alle Spuren zu verwischen, aus denen ersichtlich werden könnte, dass Armee-Sender für die Konterrevolution tätig waren. Dabei handele es sich um Sender – in Vojenski utvar – Jinovice, im Betrieb für Walter-Elektro-Maschinen in der Nähe von Prag-Smichov und – bei Avia Letnanin im militärischen Forschungsinstitut.</p>



<p><em>Zur bisherigen Tätigkeit der erwähnten Gruppe progressiver Kommunisten</em> wurde folgendes berichtet: Sie erarbeitete Analysen der Entwicklung nach dem Januar in allen Bezirken der ČSSR. Außerdem organisiere sie Aktivtagungen marxistisch-leninistischer Kräfte der KSČ, auf denen die Lage eingeschätzt wird und Resolutionen angenommen werden, in denen konkrete Fragen an die Parteiführung gerichtet sind, die Dubček auf dem nächsten ZK-Plenum beantworten soll. In diesen Resolutionen wird die Erfüllung der Festlegungen von Čierna nad Tisou,<sup class="modern-footnotes-footnote ">38</sup> Bratislava<sup class="modern-footnotes-footnote ">39</sup> und Moskau<sup class="modern-footnotes-footnote ">40</sup> gefordert.</p>



<p>Erfahrene Kommunisten würden in diese Aktivtagungen entsandt, die u.&nbsp;a. bereits in P<sup class="modern-footnotes-footnote ">41</sup> Nový Jičín usw. stattgefunden hätten.</p>



<p>In Nový Jičín sei von einer Aktivtagung ein Aufruf an alle Kreissekretäre der KSČ erlassen worden, den Kampf gegen den revisionistischen Kurs der Parteiführung aufzunehmen. Dubček sei aufgefordert worden, Selbstkritik zu üben und wahrheitsgemäß vor dem ZK-Plenum über die Ereignisse zu berichten, die zum 21.8.1968 geführt haben.</p>



<p><em>Zu den weiteren Plänen der Gruppe</em> wurde uns folgendes mitgeteilt: In Prag soll eine weitere große Aktivtagung progressiver Kräfte der KSČ vorbereitet werden, zu der Rundfunk und Fernsehen eingeladen werden sollen.</p>



<p>An progressive Kräfte des ZK der KSČ und an das nächste ZK-Plenum wolle man ein Schreiben richten, in dem über die Bewegung im Lande informiert werden soll. Vor allem soll mitgeteilt werden, dass es in der ČSSR viele gute Genossen gibt, die bereit sind, den progressiven Kräften des ZK der KSČ zu helfen (besonders bei der Durchsetzung der Verwirklichung der Festlegungen von Čierna nad Tisou, Bratislava und Moskau). In diesem Zusammenhang sollen mit ZK-Mitgliedern, die am nächsten Plenum teilnehmen, entsprechende Gespräche geführt werden.</p>



<p>Außerdem bereite die Gruppe ein Schreiben an Dubček vor, das noch vor dem Plenum in 100&nbsp;000 Exemplaren verbreitet werden soll. Alle Grundorganisationen sollen dieses Schreiben, das in tschechischer und slowakischer Sprache abgefasst werde, zugeschickt bekommen. Das Original, handgeschrieben und mit Unterschriften von Genossen aus der gesamten ČSSR versehen, soll Dubček erhalten. Dubček soll aufgefordert werden, auf alle Fragen, die das Schreiben enthalten soll, zu antworten. (Über den Inhalt dieses Schreibens wurde noch nichts Konkretes bekannt. In anderen Informationen war sogar von der Vorbereitung eines Gesprächs mit Dubček über konkrete Fragen, denen er nicht ausweichen könne, die Rede.)</p>



<p>Ferner wolle sich die Gruppe an Dubček wenden mit der Aufforderung, eine Versammlung der alten Kommunisten und Partisanen sowie eine Versammlung der Volksmiliz einzuberufen, auf denen über innerparteiliche Probleme gesprochen werden soll. Die Gruppe wolle durch derartige Schreiben und Forderungen den Druck auf Dubček ständig weiter erhöhen, um zu erreichen, dass dem Volk die Wahrheit gesagt werde.</p>



<p>Von den Mitgliedern der Gruppe wird eingeschätzt, dass der Schwerpunkt der Massenbeeinflussung zzt. im Raum Pilsen liegen müsse, und zwar im Wesentlichen aus zwei Gründen: Einerseits sei Pilsen früher eine Hochburg des Sozialdemokratismus und des Nazismus gewesen. Andererseits sei hier die Arbeiterklasse stark konzentriert, sodass die Möglichkeiten einer politischen Beeinflussung günstig seien. Die weiteren und nächsten Schwerpunkte würden im Raum von Brno, Košice<sup class="modern-footnotes-footnote ">42</sup> und Prešov liegen.</p>



<p>In Vorbereitung des 51. Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution wolle die Gruppe in allen Ortschaften und Betrieben die Entsendung von Grußbotschaften an die Botschaft der UdSSR in Prag organisieren. In Großbetrieben wolle sie erreichen, dass rote Fahnen und progressive Losungen angebracht werden.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Die Genossen der Gruppe beabsichtigen, selbst Losungen zu drucken, wie:<br>„Kommunismus ja – Revisionismus nein“;<br>„Feste Freundschaft mit den sozialistischen Ländern ist Garantie des Friedens“;<br>„Für Autorität der Partei, gegen Autorität von Personen“;<br>„Für die Entwicklung der sozialistischen Ökonomie“;<br>„Ruhm der Arbeiterklasse der ČSSR – Proletarier aller Länder, vereinigt Euch“.</p></blockquote>



<p>Die Gruppe wolle den Menschen beweisen, dass es in der ČSSR gute und ehrliche Genossen gibt. Sie wolle ferner nachweisen, dass die Truppen der befreundeten Länder keine Okkupanten sind.</p>



<p><em>Über die weiteren Pläne</em> zur Organisierung der progressiven Kräfte der ČSSR und zur Aufklärung der Bevölkerung über die tatsächliche Situation im Lande erklärten die Genossen der Gruppe folgendes: Sie seien zwar in der Lage, zeitweilig Sender zu besetzen; sie seien aber der Gefahr ausgesetzt, vor Gericht gestellt zu werden. Also hätten sie unter den gegebenen Bedingungen keine Möglichkeit, legal Sendungen zu organisieren oder öffentlich aufzutreten.</p>



<p>Trotzdem habe die Gruppe einen Plan entworfen, wie mittels vorhandener und aufzubauender Sender systematisch und planvoll die Bevölkerung über die Lage informiert und wie vor allem die gesamte Bevölkerung der ČSSR erfasst werden könnte. Folgende Vorstellungen habe man entwickelt:</p>



<p>Der Sender „Vltava“<sup class="modern-footnotes-footnote ">43</sup> sollte das gesamte Gebiet Böhmens erfassen.</p>



<p>Die Sender Katowice und Gliwice<sup class="modern-footnotes-footnote ">44</sup> könnten, wenn die polnischen Genossen einverstanden sind, dass sie mit einbezogen werden, das Gebiet von Mähren erfassen.</p>



<p>Ein Sender der ungarischen Genossen an der ungarisch-slowakischen Grenze bei Ostrihan<sup class="modern-footnotes-footnote ">45</sup> könnte das Gebiet der West-, Süd- und Nordslowakei erfassen.</p>



<p>Ein Sender der sowjetischen Genossen in Užhorod könnte das gesamte Gebiet der Ostslowakei erfassen.</p>



<p>Der Moskauer Rundfunk sollte seine Sendezeiten so ändern, dass die ČSSR-Bevölkerung seine Sendungen verfolgen kann.<sup class="modern-footnotes-footnote ">46</sup></p>



<p>Durch einheitliche, gut vorbereitete Sendungen, in denen auch schnell auf aktuelle Ereignisse reagiert wird, könnte man über dieses Sendesystem wirksam die falschen Auffassungen zerschlagen. Vor allem sollte dabei auf Ereignisse in den Betrieben, auf Stimmungen der Arbeiter usw. eingegangen werden. Die Sendungen dieser Stationen sollten zentral zusammengefasst und auf Stafetten-Basis von „Vltava“ über Gliwice bis Užhorod gebracht werden. Darüber hinaus sollten sie ein eigenes Programm ausstrahlen, und zwar immer dann, wenn die meisten Werktätigen zu Hause sind.</p>



<p>Ferner sei notwendig, gut tschechisch und slowakisch sprechende Ansager zu haben, die bei den Menschen in der ČSSR ankommen. Dazu sollten evtl. ČSSR-Bürger, die in den befreundeten Ländern tätig sind, gewonnen werden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">47</sup> (Die Genossen der Gruppe meinten, sie seien bereit, diesen Plan bei einer zentralen Stelle der UdSSR oder der DDR vorzutragen, damit schnell darüber entschieden werden könnte.)</p>



<p>Nach ihrer Auffassung dürfte man keine Zeit verlieren, um den Kampf gegen Dubček, Smrkovský und andere – besonders den ideologischen Kampf – schnellstens zu beginnen. Wenn nicht bald etwas geschehe, würden die besten Kommunisten der ČSSR im Schatten der Panzer der befreundeten Armeen gelyncht werden.</p>



<p><em>Die weitere Entwicklung in der ČSSR</em> schätzt die Gruppe wie folgt ein: Die Kommission, die die Materialien für das nächste ZK-Plenum ausarbeite, werde keine marxistisch-leninistische Analyse der Entwicklung seit dem Januar-Plenum vornehmen, da andernfalls Dubčeks Autorität sinken würde. Davor habe Dubček Angst. Er fühle sich wohl in dem Kult, der um ihn gemacht wird. Außerdem sei er selbstherrlich und empfindlich. Die Parteiarbeit könne er nicht organisieren. Er rede nur viel und werde von Leuten, die ihn umgeben (wie z.&nbsp;B. Smrkovský) für ihre Ziele ausgenutzt. (In diesem Zusammenhang wurde bekannt, dass es innerhalb der Gruppe Vermutungen gebe, Smrkovský habe in der Nazizeit unter dem Pseudonym „Hajek“ mit der Gestapo zusammengearbeitet.<sup class="modern-footnotes-footnote ">48</sup> Man berufe sich dabei auf Äußerungen des früheren Gestapo-Chefs von Ostrava, Steindorf<sup class="modern-footnotes-footnote ">49</sup>).</p>



<p>Gegenwärtig werde in den Parteiorganisationen kaum Parteiarbeit geleistet.</p>



<p>Es wird behauptet, <em>Mlynář</em><sup class="modern-footnotes-footnote ">50</sup> und andere ZK-Mitglieder hätten die Absicht, ihre Funktion niederzulegen. Dubček habe mit den Funktionären vereinbart, dass bis zum nächsten ZK-Plenum<sup class="modern-footnotes-footnote ">51</sup> keiner seine Funktion niederlegt, da es sonst zu einer Katastrophe kommen würde. Die Zeit bis zum Plenum soll, wie die Gruppe erfahren haben will, dazu genutzt werden, die „nationalen Gefühle“ des Volkes stets neu zu entfachen. Insbesondere sollte der SU „bewiesen“ werden, dass in der ČSSR alles in Ordnung sei. (Die Gruppe ist der Auffassung, dass Dubček besonders die nationalistisch beeinflussten Menschen hinter sich hat und dass der Nationalismus täglich durch die Massenmedien geschürt wird.) Dubček und Smrkovský seien in der letzten Zeit oft in die Betriebe gegangen; sie wollten um Sympathien der Massen werben.</p>



<p><em>Zu den Aktivitäten antisozialistischer-revisionistischer Kräfte</em> wurden folgende bekannt: Die Gewerkschaft ROH organisiere anlässlich des 51. Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution massenhaft Briefsendungen an die Botschaft der UdSSR in Prag, in denen provokatorische Fragen gestellt werden sollen. In den Betrieben sollen u.&nbsp;a. folgende Losungen angebracht werden: „Sozialismus ja – Okkupation nein!“; „Wir sind ein starkes tschechoslowakisches Volk“ usw. Die Gewerkschaft ROH habe ferner alle Gewerkschaftsorganisationen angewiesen, in jedem Betrieb und Geschäft Bilder von Dubček anzubringen. Weiter wurde mitgeteilt, dass die Gewerkschaft ROH in den Betrieben der ČSSR auf geschickte Art und Weise Unterschriftensammlungen für den Abzug der sowjetischen Truppen organisiert. So ruft z.&nbsp;B. ein Betrieb in der Slowakei einen Betrieb in Prag an und erklärt, man habe erfahren, dass in anderen Prager Betrieben Unterschriften gesammelt werden. Der angesprochene Prager Betrieb wolle dann nicht zurückstehen und veranlasse daraufhin ebenfalls eine Unterschriftensammlung. So gehe das wie eine Kettenreaktion weiter von Betrieb zu Betrieb, von Gewerkschaft zu Gewerkschaft.</p>



<p><em>Zur Zusammenarbeit der progressiven Kräfte in der ČSSR mit den befreundeten Ländern</em> äußerten die Mitglieder der Gruppe folgendes: Im Kampf gegen die Konterrevolution sei eine stärkere ideologische Hilfe seitens dieser Länder notwendig, auch im Interesse der Aufgabenstellung, dem Positiven in der KSČ schnell zum Siege zu verhelfen. Es sei aber auch organisatorische und nicht zuletzt finanzielle Hilfe erforderlich. Um ein Zentrum der progressiven Kräfte in der ČSSR bilden zu können (zzt. arbeite noch jede progressive Gruppe in der ČSSR mehr oder weniger auf sich allein gestellt), brauche man die Unterstützung der befreundeten Länder.</p>



<p>Die Genossen der Gruppe erklärten sich bereit, evtl. auch außerhalb der ČSSR mit Verantwortlichen der UdSSR oder der DDR zusammenzutreffen und Fragen ihrer Aktivität in der ČSSR zu beraten. Mit dem sowjetischen Militärattaché in Prag, Genosse <em>Trusow</em>,<sup class="modern-footnotes-footnote ">52</sup> habe man bereits Verbindung aufgenommen. Er sei über die Tätigkeit der Gruppe, ihre Verbindungen usw. konkret informiert.</p>



<p>Aus Gründen der Sicherheit der Quellen kann diese Information nicht publizistisch ausgewertet werden.</p>



<p><strong>15./16. November 1968</strong></p>



<p><strong>Einzelinformation&nbsp;Nr.&nbsp;1264/68 über geplante antisozialistische und antisowjetische Aktionen negativer Studentenkreise der ČSSR am 17. November 1968</strong></p>



<p><em>Quelle: BStU, MfS, ZAIG 1613, Bl. 1–3 (6. Expl.).</em><br><em>Serie: Informationen.</em><br><em>Verteiler: Ulbricht, Honecker, Stoph, Markowski, KGB Karlshorst – MfS: Ablage.</em></p>



<p>Nach vorliegenden offiziellen und inoffiziellen Meldungen planen reaktionäre Kräfte aus Studentenkreisen Prags, Böhmens und Mährens für den 17.11.1968 antisozialistische, besonders antisowjetische Demonstrationen. Als „Anlass“ benutzen diese Kräfte – den internationalen Studententag und – den 29. Jahrestag der Schließung der tschechoslowakischen Universitäten durch die deutsche Besatzungsmacht.<sup class="modern-footnotes-footnote ">53</sup> Die Demonstrationen sollen unter der demagogischen Losung durchgeführt werden: „Gegen die Besetzung durch fremde Truppen überall in der Welt“.</p>



<p>Sowohl offiziell als auch inoffiziell wurde dem MfS weiter bekannt, dass die geplanten Demonstrationen als Reaktion auf die Tagung des ZK der KSČ<sup class="modern-footnotes-footnote ">54</sup> durchgeführt werden sollen.</p>



<p>Durch zuverlässige interne Angaben wurde dem MfS dazu folgendes bekannt: Zwischen Studentenvertretern u.&nbsp;a. aus Prag, Bratislava und Žilina fanden konkrete Absprachen über die Aktionen am 17. 11. 1968 statt. An der Universität in Prag wurde ein „Zentrum“ gebildet, das die Aktionen der negativen Kräfte aller Fakultäten vorbereiten und lenken soll und dem u.&nbsp;a. führende Vertreter des Hochschulbundes bzw. des ehemaligen ČSM<sup class="modern-footnotes-footnote ">55</sup> angehören.</p>



<p>Weiter wurde bekannt, dass an einer vorbereitenden Beratung negativer Kreise der philosophischen Fakultät der Prager Karls-Universität, die offensichtlich als die treibenden Kräfte angesehen werden müssen, auch Vertreter der Arbeiterjugend verschiedener Prager Betriebe teilnahmen. Es wurde die Absicht geäußert, die Arbeiterjugend Prags für die Unterstützung der Aktionen der Studenten zu gewinnen. Man lobt den guten Kontakt, der zwischen den negativen Studentenkreisen und den Arbeitern in Prager Betrieben bestehe. Es wurde vorgeschlagen, diesen Verbindungen einen stärkeren politischen Inhalt zu geben.</p>



<p>Auf der erwähnten vorbereitenden Beratung an der philosophischen Fakultät wurden folgende Maßnahmen der reaktionären Studentenkreise festgelegt:</p>



<ol class="wp-block-list" type="1"><li>Sollten die Ergebnisse des Plenums des ZK der KSČ ihren Erwartungen entsprechen, dann werde eine Delegation verschiedener Fakultäten lediglich Kränze am Kobylisy<sup class="modern-footnotes-footnote ">56</sup> und in Ruzyně<sup class="modern-footnotes-footnote ">57</sup> niederlegen. Ansonsten werde an den Fakultäten nur eine „Manifestation“ durchgeführt. (Näheres darüber wurde bisher nicht bekannt.)</li><li>Sollte das Plenum „nicht gut“ verlaufen, dann sei es notwendig, „kämpferisch auf die Straße zu gehen“. Diese Aktion müsste, wie erklärt wurde, Massencharakter tragen. Mindestens 10&nbsp;000 Personen, möglichst aber 50&nbsp;000 und mehr, sollten daran teilnehmen. Es sei erforderlich, die Studenten aller Fakultäten und die Schüler aller Schulen Prags und außerhalb Prags dafür zu gewinnen.</li><li>Sollte das Plenum auch noch am 17.11.1968 andauern, so sei es notwendig, einen Schweigemarsch großen Ausmaßes durch Prag durchzuführen. Damit soll den negativen Kräften des ZK der KSČ, hinter denen man stehe, Unterstützung gegeben werden.</li></ol>



<p>In diesem Zusammenhang wurde auf die Notwendigkeit hingewiesen, alle Studenten ständig über den Verlauf und die Ergebnisse des Plenums zu informieren.</p>



<p>Ferner wurde darauf verwiesen, dass bei einem „negativen Ausgang“ des Plenums die Arbeiter der Betriebe einen Generalstreik durchführen würden. In einer weiteren internen Information wird – unter Berufung auf westliche Geheimdienstkreise, besonders CIA, in der ČSSR – ebenfalls von der Möglichkeit eines Generalstreiks in der gesamten ČSSR gesprochen. Es müsse sogar mit Opfern an Menschenleben gerechnet werden, um die Weltöffentlichkeit erneut auf die Lage in der ČSSR aufmerksam zu machen und die Sowjetunion unter Druck zu setzen.</p>



<p>Es wurde zum Ausdruck gebracht, dass man keine Rücksicht darauf nehmen wolle, ob die Demonstrationen genehmigt werden. Es wurde die Orientierung gegeben, dass sich die Studenten am 17.11.1968 an den Fakultäten befinden sollten, und zwar vollzählig, um nach Anweisung des genannten „Zentrums“ auf jeden Fall einige Aktionen durchzuführen.</p>



<p>Die Information darf im Interesse der Sicherheit der Quelle nicht publizistisch ausgewertet werden.</p>



<p><strong>15./16. November 1968</strong></p>



<p><strong>Einzelinformation Nr. 1271/68 über Auffassungen führender revisionistischer Kreise in der KSČ</strong></p>



<p><em>Quelle: BStU, MfS, ZAIG 1562, Bl. 9–12 (5. Expl.).</em><br><em>Serie: Informationen.</em><br><em>Verteiler: Ulbricht, Honecker, Stoph, KGB Karlshorst – MfS: Ablage.</em><br><em>Verweis: Ergänzend hierzu Information 1314/68 vom 30.11.1968 „über Auffassungen führender revisionistischer Kreise in der KSČ“, in: Bernd Florath (Bearb.): Die DDR im Blick der Stasi 1968. Göttingen 2018; nur in der Online-Version verfügbar: https://www.ddr-im-blick.de/jahrgaenge/jahrgang-1968/report/auffassungen-fuehrender-revisionistischer-kreise-in-der-ksc/ (letzter Zugriff: 12.7.2021).</em></p>



<p>In dieser Information werden die Auffassungen führender revisionistischer Kreise in der KSČ, die entscheidende Funktionen an der Parteihochschule der KSČ und an der Militärpolitischen Akademie der ČSSR bekleiden, zu einigen Problemen der gegenwärtigen Lage in der ČSSR ausführlich wiedergegeben.</p>



<p>Von diesen revisionistischen Kreisen wurde u.&nbsp;a. auf eine in der vorigen Woche stattgefundene Sitzung des Präsidiums des ZK der KSČ zur Vorbereitung der gegenwärtig stattfindenden ZK-Tagung hingewiesen. Auf dieser Sitzung sei der Bericht Dubčeks für die ZK-Tagung von Präsidiumsmitgliedern heftig angegriffen worden, wobei besonders Černík und Biľak hervorgetreten seien. Nach Auffassung der Revisionisten würde sich Černík „immer mehr als der mögliche Mann der Sowjets erweisen“. Er sei von den Revisionisten abgeschwenkt und stehe mit Biľak, Indra und anderen in einer Reihe.</p>



<p>Weitere führende Vertreter der KSČ werden von den Revisionisten wie folgt „eingeschätzt“: Dubček habe sich als „unfähig für die Leitung politischer Prozesse erwiesen“. Er hat sich von den eindeutig antisowjetischen Kräften auf den Schild heben lassen und vertritt gegenwärtig die „unentschlossene Mitte“. Aufgrund der politischen Unfähigkeit Dubčeks würden „die Sowjets in die Lage versetzt, die Normalisierung voranzutreiben“. Die Führer der Revisionisten haben mit Dubček „auf den falschen Mann gesetzt“. Nach dem 21.8. sei Dubček von tschechischen Journalisten das Leben gerettet worden. Als Dank dafür würde er diese Leute, ebenso wie die ideologischen Führer der Revisionisten, opfern.</p>



<p>Unter den führenden revisionistischen Kreisen gebe es die einheitliche Meinung, dass Dubček der ČSSR nur dann einen Dienst erwiesen hätte, wenn er nach dem 21. August eine „Lumumba<sup class="modern-footnotes-footnote ">58</sup>-Position eingenommen“ hätte. Er hätte „entweder Selbstmord begehen oder seine Erschießung durch die Russen provozieren müssen“. In diesem Falle wäre es zu Massenaktionen und Massenerschießungen gekommen. Das Volk sei zu Opfern bereit gewesen, aber Dubček habe versagt.</p>



<p>Präsident SvobodaLudvík Svoboda, 1895-1979, tschechischer Militär, 1968–197<sup class="modern-footnotes-footnote ">59</sup> sei „zu alt und zu weich“ und die Revisionisten sind nicht mit ihm einverstanden. Svoboda unterliege dem Einfluss seiner Tochter (wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für internationale Politik) und seines Schwiegersohnes (UNO-Vertreter und das Ziel verfolgend, Außenminister zu werden). Auf Svoboda würde über dessen Ehefrau ein gewisser Einfluss von den Revisionisten ausgeübt.</p>



<p>Der ehemalige Außenminister Jiří Hájek<sup class="modern-footnotes-footnote ">60</sup> wird von den Revisionisten als ein möglicher Kandidat für die von ihnen angestrebte „neue Führung“ angesehen.</p>



<p>Mit Husák müsse ebenfalls gerechnet werden. Von ihm nehmen die Revisionisten an, dass er „den Russen zu Munde redet, die KP Slowakei stark macht und auf der Welle des Nationalismus den Kampf gegen die Sowjets führen“ werde. Nach ihrer Meinung werde der „konservative Flügel“, der etwa 5 bis 10&nbsp;% der Mitgliedschaft der KSČ ausmache, von sowjetischer Seite gesteuert. Die revisionistischen Kräfte in der KSČ seien zzt. „durcheinander, weil sie sich auf die Führung verlassen haben“. Sie würden jetzt darauf orientieren, errungene Positionen zu retten und besonders diejenigen ihrer Leute abzuschirmen, die noch nicht als Führungskräfte hervorgetreten sind. Das sei notwendig, weil bereits „Listen über intellektuelle Führer“ der Revisionisten existieren würden.</p>



<p>Die zukünftigen Führer der Revisionisten würden z.&nbsp;T. im westlichen Ausland bleiben und „durch eine große Solidarität abgeschirmt“. Unter diesen Bedingungen sei es ihnen möglich, „als Tschechen im Ausland zu leben und zu gegebener Zeit die Führung im Lande zu übernehmen“. Die sich z.&nbsp;Zt. im Ausland aufhaltenden Kräfte würden sich bemühen, nicht als Emigranten in Erscheinung zu treten und damit jede Diskriminierung zu vermeiden.</p>



<p>In der Hauptsache gehe es jedoch darum, möglichst viele revisionistische Kräfte im Lande zu halten, „ihre Stellung zu legalisieren“ und sie „nach Möglichkeit in der staatlichen Administration unterzubringen“, weil nur derjenige „der Sache nützen“ könne, der eine entsprechende Stellung habe.</p>



<p>Zu den angekündigten Studentendemonstrationen am 17.11. wurde von den genannten revisionistischen Kreisen angeführt, dass die Demonstrationen trotz der erfolgten Warnungen stattfinden würden. Selbst die Lehrgangsteilnehmer der Parteihochschule würden sich daran beteiligen. Die Revisionisten möchten „Krawalle“ und damit ein „hartes Eingreifen der Sowjets vermeiden.“ Wenn es aber „am 17.11. hart wird“, dann müssten „die Massenopfer zur endgültigen Entlarvung der Sowjets führen“. Von den Revisionisten werde damit gerechnet, dass die tschechoslowakischen Sicherheitsorgane am 17.11. schießen werden.</p>



<p>In diesem Zusammenhang wurde angeführt, dass die Möglichkeiten für die Revisionisten, „sich an die Öffentlichkeit zu wenden, aufgrund des sowjetischen Eingreifens immer geringer“ würden. Die „einzige Möglichkeit“ dafür bestehe nur noch über westliche Länder.</p>



<p>Diese Information ist nur zur persönlichen Kenntnisnahme bestimmt, da äußerste Quellengefährdung besteht.</p>



<p><strong>18. November 1968</strong></p>



<p><strong>Einzelinformation Nr. 1279/68 über die Lage in der studentischen Jugend Prags am 17./18. November 1968</strong></p>



<p><em>Quelle: BStU, MfS, ZAIG 1613, Bl. 4–11 (7. Expl.).</em><br><em>Serie: Informationen.</em><br><em>Verteiler: Ulbricht, Honecker, Stoph, Axen/Markowski, KGB Karlshorst – MfS: Beater, Ablage.</em><br><em>Datum: Zusätzlicher Datumseintrag vom 18.11.1968.</em><br><em>Anlage 1: Schreiben der Studenten der Ökonomischen Hochschule Prag.</em><br><em>Anlage 2: Aufruf und Resolution der Ökonomischen Hochschule und Resolution der Hochschule für Journalistik.</em></p>



<p>Im Zusammenhang mit der Ankündigung negativer Studentenkreise Prags, anlässlich des jüngsten Plenums des ZK der KSČ antisozialistische bzw. antisowjetische Aktionen durchzuführen, wurde dem MfS zuverlässig bekannt:</p>



<p>Entsprechend dem Plan negativer Studentenkreise begannen am Sonntag, dem 17.11.1968, früh, die Studenten aller Fakultäten der Karls-Universität und der Hochschulen Prags in den Fakultätsgebäuden mit den angekündigten Sitzstreiks („Sit-ins“). Sämtliche Fakultätsgebäude waren am 17.11.1968, auch nachts, und im Verlaufe des heutigen Tages von den Studenten besetzt. – In diesen Gebäuden befinden sich auch westliche Journalisten.</p>



<p>Zu größeren Demonstrationen in den Straßen Prags kam es gestern und heute nicht. Es wurden gestern lediglich Gruppenbildungen von Studenten in Stärke bis zu 300 Personen festgestellt, die jedoch bei der Bevölkerung keine Resonanz hatten. Eine dieser Gruppen zog zu verschiedenen Plätzen Prags, bis sie abends vor dem Gebäude der Bezirksverwaltung des MdI<sup class="modern-footnotes-footnote ">61</sup> erschien, wo sie Angehörige der Miliz in Diskussionen verwickelte und gegen die Maßnahmen der Miliz zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung protestierte. Von ca. 100 Personen dieser Gruppe wurden die Personalien festgestellt, sechs bis sieben Personen wurden in Haft genommen. Gestern und heute wurde in Prag eine verstärkte Streifentätigkeit (Militär- und Milizstreifen) festgestellt.</p>



<p>Es ist bekanntgeworden, dass von Österreich aus Verbindungsleute nach Prag entsandt wurden, die die Aufgabe haben, Einfluss auf die Entwicklung der Lage in den Kreisen der studentischen Jugend zu nehmen bzw. sie zu bestimmten Aktionen zu veranlassen. Sie haben u.&nbsp;a. bereits an der Ausarbeitung von Resolutionen negativen Inhalts mitgewirkt.</p>



<p>In der Anlage – ein Schreiben der Studenten und Lehrkräfte der Ökonomischen Hochschule Prag an Dubček, in dem dieser aufgefordert wird, die bisherige „Reformpolitik“ auf der Grundlage des Aktionsprogramms fortzusetzen, und – ein gemeinsamer Aufruf der Ökonomischen Hochschule sowie der Hochschule für Journalistik Prag an alle Professoren, Studenten und Beschäftigten der Hochschulen zu Streikaktionen in der ČSSR.</p>



<p>Die Information darf im Interesse der Sicherheit der Quelle nicht publizistisch ausgewertet werden.</p>



<p><em>Anlage 1 zur Information 1279/68</em></p>



<p><strong>An das Plenum des ZK der KSČ | zu Händen des Genossen Dubček | Prag, den 14.11.1968</strong></p>



<p>Wir Studenten und Lehrkräfte der Ökonomischen Hochschule Prag sind zusammengekommen, um unseren Standpunkt zur gegenwärtigen politischen Situation in unserer Republik im Zusammenhang mit der Plenartagung des ZK der KSČ zum Ausdruck zu bringen.</p>



<p>Die Ereignisse der letzten Wochen haben uns ernsthaft beunruhigt. Der Druck auf die Massenmedien verschärft sich, die Bestrebungen der Arbeiter hinsichtlich der Schaffung von Arbeiterräten gehen zurück, die Bewegungsfreiheit wird eingeschränkt und andere Anzeichen zur Rückkehr zu den Verhältnissen vor dem Januar drohen und treten auf. Es beginnen sich Praktiken der Kabinettpolitik zu zeigen. Das alles rufe bei den Menschen, die vor dem 21. August bereit waren, mit enormer Aktivität den Sozialismus zu errichten, der den spezifischen Bedingungen unseres Landes entspricht, Befürchtungen, Gefühle der Unsicherheit und Hoffnungslosigkeit hervor. Darüber braucht man sich nicht zu wundern. Wir sind Zeugen dessen, dass die führenden Persönlichkeiten unseres Landes trotz der ständigen Versicherungen der Treue zur Nachjanuarpolitik ein Zugeständnis nach dem anderen machen. Trotz der so wichtigen Tat, durch die das Vertrauen unseres Volkes zu erschüttern drohte, wie es die Unterzeichnung des Vertrages zwischen der Regierung der ČSSR und der Regierung der UdSSR war, ist das Vertrauen zu unseren Repräsentanten weiter vorhanden. Im Interesse der Festigung der Geschlossenheit zwischen dem Volk und der Führung des Staates und der KSČ verlangen wir, indem wir uns der Wichtigkeit des Novemberplenums für die weitere Entwicklung der souveränen<sup class="modern-footnotes-footnote ">62</sup> ČSSR sowie des bitteren Faktes der Stationierung der ausländischen Truppen bewusst sind, die Erfüllung folgender Forderungen:</p>



<ol class="wp-block-list" type="1"><li>Die Grundlage unserer Politik ist und wird das Aktionsprogramm der KSČ sein, das auf dem April-Plenum des ZK angenommen wurde.</li><li>Es kommt zu keiner Kabinett-Politik, vor allem wird der Informationsfluss in beiden Richtungen zwischen der Bevölkerung und der Parteiführung erneuert.</li><li>Die Einführung der Zensur in den Massenmedien ist zeitweilig unter der Bedingung, dass der Termin der Zeitweiligkeit genauer definiert werden muss. Das betrifft auch die Dauer der Stationierung der ausländischen Truppen in der ČSSR.</li><li>Die Versammlungs- und Vereinsfreiheit darf nicht angegriffen werden.</li><li>Es wird die Freiheit der wissenschaftlichen Forschung sowie der literarischen und kulturellen Äußerungen garantiert.</li><li>Die persönlichen und rechtlichen Sicherheiten der Bürger werden garantiert.</li><li>Diejenigen, die das Vertrauen verloren haben und noch nie in genügender Weise ihren Standpunkt erläutert haben (Biľak, Indra usw.), werden nicht in bedeutenden Funktionen bleiben.</li><li>Konsequente Einführung der Wirtschaftsreform.</li><li>Sicherung der freien Ausreise ins Ausland. Auf dem Gebiet der Außenpolitik darf es zu keiner Partizipation in Aktionen kommen, die mit den Gefühlen des tschechoslowakischen Volkes, der UNO-Charta und der allgemeinen Deklaration der Menschenrechte im Widerspruch stehen.</li></ol>



<p>Vom Plenum erwarten wir weiterhin:</p>



<ol class="wp-block-list" type="1"><li>Festlegung des Termins des Parteitages der tschechischen KP.</li><li>Festlegung des Termins der Fortsetzung des 14. Parteitages der KSČ.<sup class="modern-footnotes-footnote ">63</sup></li><li>Festlegung des Termins der Ausschreibung der Wahlen zu den Vertreterorganen.</li><li>Festlegung des Termins der Aufnahme der Verhandlungen über den vollständigen Abzug der sowjetischen Truppen.</li></ol>



<p>Des Weiteren wollen wir Euch über unser weiteres Vorgehen im Falle informieren, wenn unsere Forderungen nicht zufriedenstellend erfüllt werden. Unabhängig von der Erfüllung dieser Forderungen werden wir während des Plenums des ZK der KSČ in unserer Schule ständig mit den anderen Fakultäten Verbindung halten. Am Sonntag, dem 17.11.1968, kommen wir alle im Gebäude unserer Schule zusammen und werden auf die Informationen vom Stand des Plenums warten und entsprechend der Situation das weitere Vorgehen vereinbaren. In dem Falle, dass die Ergebnisse des Plenums unsere Forderungen nicht zufriedenstellen, besetzen wir die Schule und treten in einen Proteststreik. Unser Vorgehen wird ständig mit den Arbeitern der Prager Betriebe koordiniert sein und in voller Solidarität der Studenten mit den Lehrkräften unserer Schule erfolgen.</p>



<p>Die Studenten und Lehrkräfte der Ökonomischen Hochschule Prag. Prag 3, nam. G. Klimenta 4.</p>



<p>Diese Resolution wurde auf der Versammlung der Lehrkräfte und Studenten der Ökonomischen Hochschule am 13.11.1968 gebilligt.</p>



<p><em>Anlage 2 zur Information 1279/68</em></p>



<p><strong>Aufruf und Resolution der Ökonomischen Hochschule und Resolution der Hochschule für Journalistik</strong></p>



<p>Aufruf an alle Professoren, Studenten und Beschäftigten der Hochschulen</p>



<p>Die Studenten aller Hochschulen sind entschlossen, in den Streik zu treten, den sie als einen der äußersten Erscheinungen des Protestes unter folgenden Umständen betrachten:</p>



<ol class="wp-block-list" type="1"><li>Über einen Streik kann lediglich das Plenum des Aktionsausschusses der Prager Studenten abstimmen. Damit schließen wir die Möglichkeit des Streiks der gesamten Fakultät für spezifische Interessen der Fakultät, wie zum Beispiel Pressefreiheit Versammlungsfreiheit, Schutz der akademischen Funktionäre usw., nicht aus. Einen Streik auszurufen betrachten wir dann als zweckmäßig, wenn die politische Situation einer der folgenden potentionalen<sup class="modern-footnotes-footnote ">64</sup>&nbsp;adäquat ist:<ol><li>wenn die derzeitige politische Führung an der Spitze des Staates nur formal bleibt und aufgrund der Entwicklung der Situation zu weiteren politischen und gesellschaftlichen Zugeständnissen gezwungen wird. In diesem Falle rufen wir einen langandauernden Okkupationsstreik der Fakultät aus. Diese Form des Streiks rufen wir auch in dem Falle aus, dass sich die Arbeiter für einen Streik nicht entschließen, und zwar mit dem Vorbehalt, dass wir erst nach einer Vorkonsultation mit den Streikausschüssen der übrigen Fakultäten und den akademischen Funktionären zum Streik übergehen.</li></ol><ol><li>Wenn sich die Arbeiter für einen Streik entschließen und damit ihre spezifischen Interessen und die gesamtnationalen politischen Interessen verteidigen, können sie damit rechnen, dass die Studenten aller Fakultäten ihren Streik unterstützen werden.</li></ol><ol><li>Wir sind entschlossen, auch unter den Umständen in den Streik zu treten, wenn der Zweite Unterzeichner des Moskauer Abkommens in irgendeiner Weise die vereinbarten Festlegungen verletzt. Auch für diesen Fall gilt das Statut des Okkupationsstreiks, der der einzige legale Ausdruck des Nichteinverständnisses ist, bei der es zu einem Zusammenstoß mit der militärischen Macht kommen kann.</li></ol><ol><li>In den Streik treten wir auch in dem Falle, wenn die persönliche Freiheit irgendeines akademischen Funktionärs oder Studenten eingeschränkt wird. Damit schließen wir uns der Resolution „über die Solidarität“ an, die der Koordinierungsausschuss der schöpferischen Verbände herausgab.</li></ol></li></ol>



<p>Wenn das Plenum des Aktionsausschusses der Prager Studenten die Aufrufe des Streiks beschließt, dann kommen folgende Alternativen in Frage:</p>



<p>Generalstreik der Arbeiter und Studenten,</p>



<p>Okkupationsstreik, Okkupationsstreik der gesamten Fakultät.</p>



<p>Er wird vom Aktionsausschuss der Prager Studenten ausgerufen und geleitet und dauert bis zum Abbruch dieses Organs. Während des Ausnahmezustandes, der sich aus dem Streik ergibt, nehmen wir folgende Maßnahmen an:</p>



<ol class="wp-block-list" type="a"><li>Die Studenten werden die Fakultäten 24 Stunden während des gesamten Streiks kontrollieren.<ol><li>Es müssen Einlassdienste organisiert werden.</li></ol><ol><li>Die festgelegten Fakultätsverbindungsgruppen werden Lebensmittel, Liegen und weitere Dinge, die für einen längeren Aufenthalt in der Fakultät notwendig sind, sichern. Wir rufen alle Studenten, die in dieser Richtung irgendetwas sichern können, auf, sich bei den Aktionsausschüssen in den Fakultäten zu melden.</li></ol><ol><li>Für einen längeren Aufenthalt in den Fakultäten im Falle der Ausrufung des Streiks bereiten sich alle bereits am Sonntag, dem 17.11.1968 vor. Es ist erforderlich, dass jeder den Personalausweis und den Studentenausweis (Index) mitbringt.</li></ol><ol><li>Wenn jemand Zeuge der Festnahme eines Studenten der Fakultät oder Zeuge eines anderen Inzidents ist, ist er verpflichtet, das sofort dem Informationszentrum in der Fakultät für Sozialwissenschaften und Publizistik, Zimmer Nr. 105, zu melden. Wir erklären, dass wir entschlossen sind, uns im Falle des Überfalls der Fakultäten mit allen vorhandenen Mitteln zu verteidigen.</li></ol></li></ol>



<p>Die Resolution wurde von der Fakultät für Sozialwissenschaften und Publizistik der Karlsuniversität ausgearbeitet.</p>



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<p><strong>Dr. Bernd Florath,</strong> Historiker, langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen und der Robert-Havemann-Gesellschaft. Seit 2018 ist er Redaktionsmitglied der Halbjahresschrift.</p>



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<p><a href="#_ftnref1">[1]</a> Adolf Kindermann, 1899–1974, katholischer Priester, 1966–1974 Weihbischof in Hildesheim.</p>



<p><a href="#_ftnref2">[2]</a> Kindermann, der aus Nordböhmen stammte und ab 1937 als Professor an der Prager Universität Kirchenrecht lehrte, war 1945/46 Seelsorger in Internierungslagern in Prag.</p>



<p><a href="#_ftnref3">[3]</a> Harry Ristock, 1928-1992, SPD-Politiker, 1954–63 Landesvorsitzender der Sozialistischen Arbeiterjugend SAJ – Die Falken in Westberlin, 1965–71 Bezirksstadtrat für Volksbildung in Berlin-Charlottenburg.</p>



<p><a href="#_ftnref4">[4]</a> KSČ – Komunistická strana Československa (Kommunistische Partei der Tschechoslowakei [KPTsch]).</p>



<p><a href="#_ftnref5">[5]</a> Walter Jaroschowitz, 1924–1978, SPD-Politiker, 1968–1971 Landesgeschäftsführer der SPD in Westberlin.</p>



<p><a href="#_ftnref6">[6]</a> Eberhard Hesse, 1911–1986, SPD-Politiker, 1961–1971 Landesgeschäftsführer der SPD in Westberlin.</p>



<p><a href="#_ftnref7">[7]</a> Willy Brandt, 1913–1992, SPD-Politiker, 1964–1987 Parteivorsitzender, 1967–1969 Vizekanzler und Außenminister, 1969–1974 Bundeskanzler, 1976–1992 Präsident der Sozialistischen Internationalen.</p>



<p><a href="#_ftnref8">[8]</a> Hanns-Peter Herz, 1927–2012, SPD-Politiker, 1966–1973 Senatssprecher in Westberlin.</p>



<p><a href="#_ftnref9">[9]</a> Alexander Dubček, 1921-1992, slowakischer kommunistischer Politiker, 1963–68 Erster Sekretär der KP der Slowakei, Januar 1968–April 1969 Erster Sekretär der KSČ, 1970 Parteiausschluss, 1989–92 Parlamentspräsident der ČSSR/ČSFR.</p>



<p><a href="#_ftnref10">[10]</a> Oldřich Černík, 1921–1994, tschechischer kommunistischer Politiker, April 1968–1970 Ministerpräsident der ČSSR, 1970 Ausschluss aus der KSČ.</p>



<p><a href="#_ftnref11">[11]</a> Franz Neumann, 1904–1974, SPD-Politiker, 1946–1958 Landesvorsitzender der SPD in Berlin, 1949-1969 MdB.</p>



<p><a href="#_ftnref12">[12]</a> Josef Pavel, 1908–1973, tschechischer kommunistischer Politiker, 1951 verhaftet und zu 25 Jahren Haft verurteilt, 1955 entlassen, 1955–1968 Mitarbeiter im Zentralkomitee des tschechoslowakischen Verbandes für Sport und Körperkultur, 8.4.–31.8.1968 Innenminister der ČSSR, nach der Okkupation abgesetzt, aus der KSČ ausgeschlossen und vom tschechoslowakischen Staatssicherheitsdienst Státní bezpečnost (StB) überwacht.</p>



<p><a href="#_ftnref13">[13]</a> Sender Moldau war eine von der DDR betriebene Rundfunkstation, die vom August 1968 bis zum 13.2.1969 Propagandasendungen im Sinne der Okkupationsmächte in tschechischer und slowakischer Sprache ausstrahlte. – Vgl. Claus Röck: Invasion durch den Äther. Wie die DDR mit dem Geheimsender Radio Moldau (Radio Vltava) den „Prager Frühling“ bekämpfte. In: Klaus Arnold, Christoph Classen (Hgg.): Zwischen Pop und Propaganda, Radio in der DDR. Berlin 2004, S.&nbsp;267–277.</p>



<p><a href="#_ftnref14">[14]</a> Kommuniqué über die sowjetisch-tschechoslowakischen Verhandlungen (27.8.1968). In: Stefan Karner, Natalja Tomilina, Alexander Tschubarjan (Hgg.): Prager Frühling. Das internationale Krisenjahr 1968, Bd. 2: Dokumente. Köln, Weimar, Wien 2008, S.&nbsp;980–983.</p>



<p><a href="#_ftnref15">[15]</a> Gustáv Husák, 1913–1991, slowakischer kommunistischer Politiker, im Zweiten Weltkrieg führend am slowakischen Nationalaufstand beteiligt, 1951 verhaftet, 1954 zu lebenslanger Haft verurteilt, 1960 amnestiert, 1964 rehabilitiert, August 1968 Erster Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Slowakei, April 1969–1987 Erster Sekretär der KSČ, 1975–1989 Staatspräsident.</p>



<p><a href="#_ftnref16">[16]</a> Drahomír Kolder, 1925–1972, tschechischer kommunistischer Politiker, 1961 Mitglied des ZK, 1962 Mitglied des Präsidiums des ZK der KSČ, 1963 Leiter der (sog. Kolder-)Kommission für die Überprüfung der stalinistischen Prozesse, deren Ergebnis in der ČSSR nie veröffentlicht wurden, dafür aber im Exil, hg. v. Jiří Pelikán: Pervertierte Justiz. Bericht der Kommission des ZK der KPTsch über die politischen Morde und Verbrechen in der Tschechoslowakei 1949–1963, hrsg. v. Jiří Pelikán. Wien, München, Zürich 1972; 1968 gehörte Kolder zu den Unterzeichnern des „Einladungsbriefes“, 1969–1972 Vorsitzender des Volkskontrollausschusses.</p>



<p><a href="#_ftnref17">[17]</a> Alois Indra, 1921–1990, slowakischer kommunistischer Politiker, 1963–1968 Verkehrsminister der ČSSR, ab April Sekretär des ZK der KSČ, Mitunterzeichner des Einladungsbriefs zur Invasion an den Warschauer Pakt.</p>



<p><a href="#_ftnref18">[18]</a> ROH (tschechisch: Revoluční odborové hnutí, slowakisch: Revolučné odborové hnutie) – 1946 gegründeter Gewerkschaftsdachverband der ČSSR.</p>



<p><a href="#_ftnref19">[19]</a> Karel Polaček, 1913–1976, tschechischer kommunistischer Politiker, bis 1965 Minister für Maschinenbau, März 1968–1971 Vorsitzender des Zentralrats der Gewerkschaften (ROH).</p>



<p><a href="#_ftnref20">[20]</a> Gemeint ist die militärische Okkupation der ČSSR durch Truppen der UdSSR, Polens, Ungarns, Bulgariens bei logistischer Unterstützung durch die DDR am 21.8.1968.</p>



<p><a href="#_ftnref21">[21]</a> WGB: Weltgewerkschaftsbund mit Sitz in Prag, prosowjetisch orientiert.</p>



<p><a href="#_ftnref22">[22]</a> IBFG: Internationaler Bund Freier Gewerkschaften mit Sitz in Brüssel, prowestlich orientiert.</p>



<p><a href="#_ftnref23">[23]</a> Ludwig Rosenberg, 1903–1977, Gewerkschaftsfunktionär, 1962–1969 Vorsitzender des DGB.</p>



<p><a href="#_ftnref24">[24]</a> Wahrscheinlich gemeint ist Jan Masaryk, 1886–1948, tschechischer Politiker, 1940–1948 Außenminister in der Exilregierung Beneš und der Regierung Gottwald. Nach dem kommunistischen Februarputsch wurde er von sowjetischen Agenten ermordet. Eventuell ist auch dessen Vater, Tomáš Garrigue Masaryk, 1850–1937, erster Staatspräsident der ČSR von 1918–1935, gemeint.</p>



<p><a href="#_ftnref25">[25]</a> Die unabhängige tschechoslowakische Republik wurde am 28.10.1918 in Prag proklamiert.</p>



<p><a href="#_ftnref26">[26]</a> An den IX. Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Sofia nahm u.&nbsp;a. eine offizielle Delegation des Deutschen Bundesjugendrings teil, an der sich auch der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) beteiligte. Die bulgarischen Behörden gingen z.&nbsp;T. mit Gewalt gegen Teilnehmer vor, die öffentlich ihre Sympathie für den Prager Frühling bekundeten oder wie SDS-Vorständler Karl Dietrich Wolff den Protest gegen den Vietnamkrieg direkt vor die US-Botschaft trugen.</p>



<p><a href="#_ftnref27">[27]</a> Zu der Veranstaltung waren Sprecher des SDS nicht zugelassen worden, wogegen sie mit Sprechchören protestierten. Ihre „Vivat Dubček“-Rufe wurde durch die der ČSSR-Delegation „Rudi Dutschke“ verstärkt.</p>



<p><a href="#_ftnref28">[28]</a> Gemeint sind Anhänger des kubanischen Revolutionsführers und Politikers Fidel Castro, 1926/27-2016.</p>



<p><a href="#_ftnref29">[29]</a> Tomáš Garrigue Masaryk, 1850–1937, tschechischer Politiker, 1918–1935 erster Staatspräsident der ČSR.</p>



<p><a href="#_ftnref30">[30]</a> Rudolf Babka, Generalmajor, Chef der Verwaltung für auswärtige Kontakte des Generalstabes der ČSLA, am 14.6.1968 aus seiner Funktion entlassen.</p>



<p><a href="#_ftnref31">[31]</a> Josef Širůček, Generalmajor, Leiter der Kaderverwaltung der ČSLA, am 6.5.1968 von seiner Funktion entbunden.</p>



<p><a href="#_ftnref32">[32]</a> Alexej Čepička, 1910–1990, tschechischer kommunistischer Politiker, Schwiegersohn Klement Gottwalds, 1947 Textilminister, 1948–1950 Justizminister, 1950–1956 Verteidigungsminister der ČSSR, nach dem XX. Parteitag der KPdSU (1956) abgesetzt, 1963 aus der KSČ ausgeschlossen. Čepička war 1968 politisch isoliert und ohne jede Bedeutung. Gemeint ist hier wohl eher J. Čepický, Generalmajor im Stab von Dzúr.</p>



<p><a href="#_ftnref33">[33]</a> Jozef Lenárt, 1923–2004, slowakischer kommunistischer Politiker, 1963–April 1968 Ministerpräsident der ČSSR, beteiligte sich am 21.8.1968 zusammen mit Kolder, Biľak und Indra an dem Versuch, Präsident Svoboda zu überzeugen, eine Quisling-Regierung einzusetzen. 1970 wieder Mitglied des Exekutivkomitees der KSČ und zugleich als Erster Sekretär der Kommunistischen Partei der Slowakei (KSS) Nachfolger Husáks in der Slowakei.</p>



<p><a href="#_ftnref34">[34]</a> Vasiľ Biľak, 1917–2014, slowakischer kommunistischer Politiker, 1962–1968 Sekretär, Januar – August 1968 Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Slowakei (KSS), November 1968–1988 Sekretär des ZK der KSČ, Mitunterzeichner des Einladungsbriefs zur Invasion an den Warschauer Pakt.</p>



<p><a href="#_ftnref35">[35]</a> Klement Gottwald, 1896–1953, tschechischer kommunistischer Politiker, 1929–1948 Vorsitzender der KSČ, 1946–1948 Ministerpräsident und 1948–1953 Staatspräsident der ČSR.</p>



<p><a href="#_ftnref36">[36]</a> Václav Smrkovský, Jg. 1924, Offizier, Leiter der ideologischen Abteilung der politischen Verwaltung des Verteidigungsministeriums der ČSSR.</p>



<p><a href="#_ftnref37">[37]</a> Gemeint ist Josef Smrkovský.</p>



<p><a href="#_ftnref38">[38]</a> Vom 29.7.–1.8.1968 verhandelten Mitglieder des Präsidiums der KSČ und des Politbüros der KPdSU in Čierna nad Tisou. Die KPdSU wollte eine Beendigung der Reformen des Prager Frühlings durchsetzen, die KSČ wollte die Einmischung Moskaus beenden und ihre Befürchtungen ausräumen, sie könne die Liberalisierung nicht mehr steuern. Man einigte sich auf ein weiteres Treffen, das am 3.8.1968 in Bratislava stattfand. Obwohl die Verhandlungen auf dem Gebiet der ČSSR stattfanden, war die Delegation der KSČ faktisch von der Kommunikation mit den eigenen Einrichtungen abgeschnitten. Der blieben Inhalt und Ergebnis der Gespräche bis zu ihrer Rückkehr nach Prag unbekannt.</p>



<p><a href="#_ftnref39">[39]</a> In Bratislava fanden am 3.8.1968 die Gespräche der fünf Warschauer-Pakt-Staaten mit den Vertretern der ČSSR statt.</p>



<p><a href="#_ftnref40">[40]</a> Kommuniqué über die sowjetisch-tschechoslowakischen Verhandlungen (27.8.1968). In: Karner u.&nbsp;a.: Prager Frühling. Das internationale Krisenjahr 1968, S.&nbsp;980–983.</p>



<p><a href="#_ftnref41">[41]</a> Ein Ort dieses Namens ist unbekannt. Evtl. ist Děčín gemeint.</p>



<p><a href="#_ftnref42">[42]</a> Im Dokument „Kosice“: Wahrscheinlich ist jedoch nicht das tschechische 350-Seelen-Dorf Kosice, sondern die slowakische Stadt Košice (dt. Kaschau) gemeint.</p>



<p><a href="#_ftnref43">[43]</a> Radio „Vltava“ war ein Propagandasender der DDR, der auf Anweisung des SED-Politbüros ab dem 21.8.1968 in Ostberlin produziert und zuerst aus Dresden in tschechischer Sprache in die ČSSR sendete. Vgl. Claus Röck: Invasion durch den Äther. Die Rundfunkpropaganda der DDR gegen die politische Reformbewegung in der ČSSR von 1968 („Prager Frühling“). Struktur, Funktion und Resonanz des Geheimsenders Radio Vltava. Diss., Leipzig 2004.</p>



<p><a href="#_ftnref44">[44]</a> Ähnlich wie die DDR mit Radio „Vltava“ sendete auch Polen mit dem Sender „Žare“ in tschechischer Sprache in die ČSSR.</p>



<p><a href="#_ftnref45">[45]</a> Der Ort ist nicht zu identifizieren. Evtl. ist Ózd im Komitat Borsod-Abaúj-Zemplén gemeint.</p>



<p><a href="#_ftnref46">[46]</a> Der Moskauer Rundfunk sendete bis zum 21.8.1968 zwei Stunden täglich in tschechischer bzw. slowakischer Sprache, mit Beginn der Okkupation dehnte der dieses Programm auf 24 Stunden aus.</p>



<p><a href="#_ftnref47">[47]</a> Offenbar fanden sich in der DDR keine Muttersprachler, so dass Radio „Vltava“ in der ČSSR schon aufgrund des schlechten Tschechisch als Besatzungssender angesehen wurde.</p>



<p><a href="#_ftnref48">[48]</a> Smrkovský war am Kriegsende Mitglied der Leitung des Prager Aufstandes und hier u.&nbsp;a. an Verhandlungen mit deutschen Instanzen beteiligt, um die Kämpfe in der Stadt zu beenden. Die mit der deutschen Kapitulation verbundene Erlaubnis für die Wehrmacht, sich den US-Truppen in Plzeň zu ergeben, nährte Verdächtigungen durch die UdSSR, die sich in der hier wiedergegebenen Unterstellung spiegeln.</p>



<p><a href="#_ftnref49">[49]</a> Anton Steindorf, 1897–1947, bis 1945 Chef der Gestapo in Ostrava. Dort nach dem Kriege zum Tode verurteilt und am 22.4.1947 hingerichtet.</p>



<p><a href="#_ftnref50">[50]</a> Zdeněk Mlynář, 1930–1997, tschechischer kommunistischer Politiker, Jurist, 1964–1968 Sekretär der Rechtskommission beim ZK der KSČ, Anfang 1968 Mitautor des Aktionsprogramms der KSČ, April–November 1968 Sekretär des ZK. Mlynář trat auf dem Novemberplenum aufgrund der Ergebnisse der Oktober-Verhandlungen in Moskau zurück, die er nicht vertreten konnte. 1970 wurde er aus der KSČ ausgeschlossen, 1977 war er einer der Initiatoren der Charta 77 und wurde ins Exil gezwungen.</p>



<p><a href="#_ftnref51">[51]</a> Das Plenum fand vom 14.–16.11.1968 in Prag statt.</p>



<p><a href="#_ftnref52">[52]</a> Nikolaj Michailowitsch Trusow, Jg. 1906, sowjetischer Militär, 1931 Eintritt in der Rote Armee, 1939 Mitarbeiter des sowjetischen Militär-Nachrichtendienstes GRU, 1945–1948 Chef der Kontrollkommission des Oberkommandierenden der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD), 1947–1949 Chef der Diversions- und Spionagedienste des sowjetischen Verteidigungsministeriums, 1949–1969 stellv. Chef der GRU und Militärattaché der UdSSR in der ČSSR.</p>



<p><a href="#_ftnref53">[53]</a> Die Karls-Universität Prag wurde am 17.11.1939 von den deutschen Besatzungsbehörden geschlossen, nachdem sie mit der Besetzung des 1938 verbliebenen tschechischen Staates durch die Wehrmacht unter deutsche Verwaltung gestellt worden war und sich im November die Studenten gegen das fremde Regime erhoben hatten.</p>



<p><a href="#_ftnref54">[54]</a> Das Plenum fand vom 14.–16.11.1968 in Prag statt.</p>



<p><a href="#_ftnref55">[55]</a> ČSM &#8211; Československý svaz mládeže (Tschechoslowakischer Jugendverband), 1949 gegründete einheitliche Jugendorganisation in der Tschechoslowakei, die von der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei kontrolliert wurde. der Verband löste sich 1968 auf und wurde später als Sozialistischer Jugendverband (SSM &#8211; Socialistický svaz mládeže) wiedergegründet.</p>



<p><a href="#_ftnref56">[56]</a> Im Dokument „Kobilise“: Der im Prager Stadtteil Kobylisy (Kobilis) befindliche Schießplatz (Kobyliská střelnice) wurde von den Nationalsozialisten 1942 für Massenhinrichtungen benutzt.</p>



<p><a href="#_ftnref57">[57]</a> In Prag-Ruzyně wurden am 17.11.1939 neun Führer der aufständischen Studenten der Karls-Universität von der SS erschossen.</p>



<p><a href="#_ftnref58">[58]</a> Patrice Lumumba, 1925–1961, kongolesischer Politiker, 1961 erster Premierminister des unabhängigen Kongo, 1961 von Söldnern des Separatistenführers Moïse Kapenda Tschombé unter belgischem Kommando auf Weisungen sowohl der CIA wie des britischen MI6 ermordet.</p>



<p><a href="#_ftnref59">[59]</a> Ludvík Svoboda, 1895-1979, tschechischer Militär, 1968–1975 Staatspräsident der ČSSR.</p>



<p><a href="#_ftnref60">[60]</a> Jiří Hájek, 1913–1993, tschechischer Politiker, vor 1939 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei der ČSR (ČSSD), mit der Vereinigung 1948 in die KSČ, 1953 Professor für Internationale Beziehungen an der Karls-Universität, 1962–1965 Ständiger Vertreter der ČSSR bei der UNO, 1965 bis April 1968 Erziehungsminister, 8.4.–19.9.1968 Außenminister, 1970 Ausschluss aus der KSČ, 1977 Mitinitiator und Sprecher der Charta 77.</p>



<p><a href="#_ftnref61">[61]</a> MdI &#8211; Ministerium des Innern.</p>



<p><a href="#_ftnref62">[62]</a> Im Dokument „souveränitären“.</p>



<p><a href="#_ftnref63">[63]</a> Die Einberufung des 14. Parteitages der KSČ war für den 9.9.1968 geplant. Aufgrund der Invasion der Truppen des Warschauer Paktes traten die bereits gewählten Delegierten schon am 22.8.1968 illegal im Prager Stadtbezirk Vysočaný zusammen. Es war eine der zentralen Forderungen der Okkupanten bei den Moskauer Verhandlungen nach dem 21.8.1968, dass die KSČ-Führung diesen Parteitag für illegal erklärte. Seine (erneute) Einberufung, von der die Reformer eine Bestätigung des Januarkurses erwarteten, wurde aus diesem Grunde immer wieder verzögert, bis im Rahmen der Normalisierungspolitik die Kräfteverhältnisse soweit zugunsten der moskautreuen Kräfte verschoben waren, dass der Parteitag 1971 den Kurs der Kollaboration Husáks bestätigte.</p>



<p><a href="#_ftnref64">[64]</a> Die vom MfS angefertigten Übersetzungen aus dem Tschechischen stellten rasch erstellte Arbeitsfassungen dar, deren Zuverlässigkeit vom Herausgeber der vorliegenden Edition anhand der Originale nicht geprüft werden konnte. Ihre sprachliche Qualität ist grob, teilweise flüchtig. „potentiale Situation“ meint in diesem Falle wahrscheinlich mögliche Situationen im Sinne eines coniunctivus potentialis.&nbsp;</p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Adolf Kindermann, 1899–1974, katholischer Priester, 1966–1974 Weihbischof in Hildesheim.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kindermann, der aus Nordböhmen stammte und ab 1937 als Professor an der Prager Universität Kirchenrecht lehrte, war 1945/46 Seelsorger in Internierungslagern in Prag.</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Harry Ristock, 1928-1992, SPD-Politiker, 1954–63 Landesvorsitzender der Sozialistischen Arbeiterjugend SAJ – Die Falken in Westberlin, 1965–71 Bezirksstadtrat für Volksbildung in Berlin-Charlottenburg.</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;KSČ – Komunistická strana Československa (Kommunistische Partei der Tschechoslowakei [KPTsch]).</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Walter Jaroschowitz, 1924–1978, SPD-Politiker, 1968–1971 Landesgeschäftsführer der SPD in Westberlin.</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eberhard Hesse, 1911–1986, SPD-Politiker, 1961–1971 Landesgeschäftsführer der SPD in Westberlin.</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Willy Brandt, 1913–1992, SPD-Politiker, 1964–1987 Parteivorsitzender, 1967–1969 Vizekanzler und Außenminister, 1969–1974 Bundeskanzler, 1976–1992 Präsident der Sozialistischen Internationalen.</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hanns-Peter Herz, 1927–2012, SPD-Politiker, 1966–1973 Senatssprecher in Westberlin.</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Alexander Dubček, 1921-1992, slowakischer kommunistischer Politiker, 1963–68 Erster Sekretär der KP der Slowakei, Januar 1968–April 1969 Erster Sekretär der KSČ, 1970 Parteiausschluss, 1989–92 Parlamentspräsident der ČSSR/ČSFR.</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Oldřich Černík, 1921–1994, tschechischer kommunistischer Politiker, April 1968–1970 Ministerpräsident der ČSSR, 1970 Ausschluss aus der KSČ.</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Franz Neumann, 1904–1974, SPD-Politiker, 1946–1958 Landesvorsitzender der SPD in Berlin, 1949-1969 MdB.</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Josef Pavel, 1908–1973, tschechischer kommunistischer Politiker, 1951 verhaftet und zu 25 Jahren Haft verurteilt, 1955 entlassen, 1955–1968 Mitarbeiter im Zentralkomitee des tschechoslowakischen Verbandes für Sport und Körperkultur, 8.4.–31.8.1968 Innenminister der ČSSR, nach der Okkupation abgesetzt, aus der KSČ ausgeschlossen und vom tschechoslowakischen Staatssicherheitsdienst Státní bezpečnost (StB) überwacht.</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sender Moldau war eine von der DDR betriebene Rundfunkstation, die vom August 1968 bis zum 13.2.1969 Propagandasendungen im Sinne der Okkupationsmächte in tschechischer und slowakischer Sprache ausstrahlte. – Vgl. Claus Röck: Invasion durch den Äther. Wie die DDR mit dem Geheimsender Radio Moldau (Radio Vltava) den „Prager Frühling“ bekämpfte. In: Klaus Arnold, Christoph Classen (Hgg.): Zwischen Pop und Propaganda, Radio in der DDR. Berlin 2004, S.&nbsp;267–277.</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kommuniqué über die sowjetisch-tschechoslowakischen Verhandlungen (27.8.1968). In: Stefan Karner, Natalja Tomilina, Alexander Tschubarjan (Hgg.): Prager Frühling. Das internationale Krisenjahr 1968, Bd. 2: Dokumente. Köln, Weimar, Wien 2008, S.&nbsp;980–983.</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gustáv Husák, 1913–1991, slowakischer kommunistischer Politiker, im Zweiten Weltkrieg führend am slowakischen Nationalaufstand beteiligt, 1951 verhaftet, 1954 zu lebenslanger Haft verurteilt, 1960 amnestiert, 1964 rehabilitiert, August 1968 Erster Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Slowakei, April 1969–1987 Erster Sekretär der KSČ, 1975–1989 Staatspräsident.</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Drahomír Kolder, 1925–1972, tschechischer kommunistischer Politiker, 1961 Mitglied des ZK, 1962 Mitglied des Präsidiums des ZK der KSČ, 1963 Leiter der (sog. Kolder-)Kommission für die Überprüfung der stalinistischen Prozesse, deren Ergebnis in der ČSSR nie veröffentlicht wurden, dafür aber im Exil, hg. v. Jiří Pelikán: Pervertierte Justiz. Bericht der Kommission des ZK der KPTsch über die politischen Morde und Verbrechen in der Tschechoslowakei 1949–1963, hrsg. v. Jiří Pelikán. Wien, München, Zürich 1972; 1968 gehörte Kolder zu den Unterzeichnern des „Einladungsbriefes“, 1969–1972 Vorsitzender des Volkskontrollausschusses.</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Alois Indra, 1921–1990, slowakischer kommunistischer Politiker, 1963–1968 Verkehrsminister der ČSSR, ab April Sekretär des ZK der KSČ, Mitunterzeichner des Einladungsbriefs zur Invasion an den Warschauer Pakt.</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;ROH (tschechisch: Revoluční odborové hnutí, slowakisch: Revolučné odborové hnutie) – 1946 gegründeter Gewerkschaftsdachverband der ČSSR.</div><div>19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Karel Polaček, 1913–1976, tschechischer kommunistischer Politiker, bis 1965 Minister für Maschinenbau, März 1968–1971 Vorsitzender des Zentralrats der Gewerkschaften (ROH).</div><div>20&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gemeint ist die militärische Okkupation der ČSSR durch Truppen der UdSSR, Polens, Ungarns, Bulgariens bei logistischer Unterstützung durch die DDR am 21.8.1968.</div><div>21&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;WGB: Weltgewerkschaftsbund mit Sitz in Prag, prosowjetisch orientiert.</div><div>22&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;IBFG: Internationaler Bund Freier Gewerkschaften mit Sitz in Brüssel, prowestlich orientiert.</div><div>23&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ludwig Rosenberg, 1903–1977, Gewerkschaftsfunktionär, 1962–1969 Vorsitzender des DGB.</div><div>24&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wahrscheinlich gemeint ist Jan Masaryk, 1886–1948, tschechischer Politiker, 1940–1948 Außenminister in der Exilregierung Beneš und der Regierung Gottwald. Nach dem kommunistischen Februarputsch wurde er von sowjetischen Agenten ermordet. Eventuell ist auch dessen Vater, Tomáš Garrigue Masaryk, 1850–1937, erster Staatspräsident der ČSR von 1918–1935, gemeint.</div><div>25&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die unabhängige tschechoslowakische Republik wurde am 28.10.1918 in Prag proklamiert.</div><div>26&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;An den IX. Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Sofia nahm u.&nbsp;a. eine offizielle Delegation des Deutschen Bundesjugendrings teil, an der sich auch der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) beteiligte. Die bulgarischen Behörden gingen z.&nbsp;T. mit Gewalt gegen Teilnehmer vor, die öffentlich ihre Sympathie für den Prager Frühling bekundeten oder wie SDS-Vorständler Karl Dietrich Wolff den Protest gegen den Vietnamkrieg direkt vor die US-Botschaft trugen.</div><div>27&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zu der Veranstaltung waren Sprecher des SDS nicht zugelassen worden, wogegen sie mit Sprechchören protestierten. Ihre „Vivat Dubček“-Rufe wurde durch die der ČSSR-Delegation „Rudi Dutschke“ verstärkt.</div><div>28&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gemeint sind Anhänger des kubanischen Revolutionsführers und Politikers Fidel Castro, 1926/27-2016.</div><div>29&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Tomáš Garrigue Masaryk, 1850–1937, tschechischer Politiker, 1918–1935 erster Staatspräsident der ČSR.</div><div>30&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Rudolf Babka, Generalmajor, Chef der Verwaltung für auswärtige Kontakte des Generalstabes der ČSLA, am 14.6.1968 aus seiner Funktion entlassen.</div><div>31&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Josef Širůček, Generalmajor, Leiter der Kaderverwaltung der ČSLA, am 6.5.1968 von seiner Funktion entbunden.</div><div>32&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Alexej Čepička, 1910–1990, tschechischer kommunistischer Politiker, Schwiegersohn Klement Gottwalds, 1947 Textilminister, 1948–1950 Justizminister, 1950–1956 Verteidigungsminister der ČSSR, nach dem XX. Parteitag der KPdSU (1956) abgesetzt, 1963 aus der KSČ ausgeschlossen. Čepička war 1968 politisch isoliert und ohne jede Bedeutung. Gemeint ist hier wohl eher J. Čepický, Generalmajor im Stab von Dzúr.</div><div>33&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Jozef Lenárt, 1923–2004, slowakischer kommunistischer Politiker, 1963–April 1968 Ministerpräsident der ČSSR, beteiligte sich am 21.8.1968 zusammen mit Kolder, Biľak und Indra an dem Versuch, Präsident Svoboda zu überzeugen, eine Quisling-Regierung einzusetzen. 1970 wieder Mitglied des Exekutivkomitees der KSČ und zugleich als Erster Sekretär der Kommunistischen Partei der Slowakei (KSS) Nachfolger Husáks in der Slowakei.</div><div>34&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vasiľ Biľak, 1917–2014, slowakischer kommunistischer Politiker, 1962–1968 Sekretär, Januar – August 1968 Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Slowakei (KSS), November 1968–1988 Sekretär des ZK der KSČ, Mitunterzeichner des Einladungsbriefs zur Invasion an den Warschauer Pakt.</div><div>35&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Klement Gottwald, 1896–1953, tschechischer kommunistischer Politiker, 1929–1948 Vorsitzender der KSČ, 1946–1948 Ministerpräsident und 1948–1953 Staatspräsident der ČSR.</div><div>36&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Václav Smrkovský, Jg. 1924, Offizier, Leiter der ideologischen Abteilung der politischen Verwaltung des Verteidigungsministeriums der ČSSR.</div><div>37&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gemeint ist Josef Smrkovský.</div><div>38&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vom 29.7.–1.8.1968 verhandelten Mitglieder des Präsidiums der KSČ und des Politbüros der KPdSU in Čierna nad Tisou. Die KPdSU wollte eine Beendigung der Reformen des Prager Frühlings durchsetzen, die KSČ wollte die Einmischung Moskaus beenden und ihre Befürchtungen ausräumen, sie könne die Liberalisierung nicht mehr steuern. Man einigte sich auf ein weiteres Treffen, das am 3.8.1968 in Bratislava stattfand. Obwohl die Verhandlungen auf dem Gebiet der ČSSR stattfanden, war die Delegation der KSČ faktisch von der Kommunikation mit den eigenen Einrichtungen abgeschnitten. Der blieben Inhalt und Ergebnis der Gespräche bis zu ihrer Rückkehr nach Prag unbekannt.</div><div>39&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;In Bratislava fanden am 3.8.1968 die Gespräche der fünf Warschauer-Pakt-Staaten mit den Vertretern der ČSSR statt.</div><div>40&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kommuniqué über die sowjetisch-tschechoslowakischen Verhandlungen (27.8.1968). In: Karner u.&nbsp;a.: Prager Frühling. Das internationale Krisenjahr 1968, S.&nbsp;980–983.</div><div>41&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;rag, Ostrava, Kladno, Setin,Ein Ort dieses Namens ist unbekannt. Evtl. ist Děčín gemeint.</div><div>42&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Im Dokument „Kosice“: Wahrscheinlich ist jedoch nicht das tschechische 350-Seelen-Dorf Kosice, sondern die slowakische Stadt Košice (dt. Kaschau) gemeint.</div><div>43&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Radio „Vltava“ war ein Propagandasender der DDR, der auf Anweisung des SED-Politbüros ab dem 21.8.1968 in Ostberlin produziert und zuerst aus Dresden in tschechischer Sprache in die ČSSR sendete. Vgl. Claus Röck: Invasion durch den Äther. Die Rundfunkpropaganda der DDR gegen die politische Reformbewegung in der ČSSR von 1968 („Prager Frühling“). Struktur, Funktion und Resonanz des Geheimsenders Radio Vltava. Diss., Leipzig 2004.</div><div>44&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ähnlich wie die DDR mit Radio „Vltava“ sendete auch Polen mit dem Sender „Žare“ in tschechischer Sprache in die ČSSR.</div><div>45&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Ort ist nicht zu identifizieren. Evtl. ist Ózd im Komitat Borsod-Abaúj-Zemplén gemeint.</div><div>46&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Moskauer Rundfunk sendete bis zum 21.8.1968 zwei Stunden täglich in tschechischer bzw. slowakischer Sprache, mit Beginn der Okkupation dehnte der dieses Programm auf 24 Stunden aus.</div><div>47&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Offenbar fanden sich in der DDR keine Muttersprachler, so dass Radio „Vltava“ in der ČSSR schon aufgrund des schlechten Tschechisch als Besatzungssender angesehen wurde.</div><div>48&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Smrkovský war am Kriegsende Mitglied der Leitung des Prager Aufstandes und hier u.&nbsp;a. an Verhandlungen mit deutschen Instanzen beteiligt, um die Kämpfe in der Stadt zu beenden. Die mit der deutschen Kapitulation verbundene Erlaubnis für die Wehrmacht, sich den US-Truppen in Plzeň zu ergeben, nährte Verdächtigungen durch die UdSSR, die sich in der hier wiedergegebenen Unterstellung spiegeln.</div><div>49&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Anton Steindorf, 1897–1947, bis 1945 Chef der Gestapo in Ostrava. Dort nach dem Kriege zum Tode verurteilt und am 22.4.1947 hingerichtet.</div><div>50&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zdeněk Mlynář, 1930–1997, tschechischer kommunistischer Politiker, Jurist, 1964–1968 Sekretär der Rechtskommission beim ZK der KSČ, Anfang 1968 Mitautor des Aktionsprogramms der KSČ, April–November 1968 Sekretär des ZK. Mlynář trat auf dem Novemberplenum aufgrund der Ergebnisse der Oktober-Verhandlungen in Moskau zurück, die er nicht vertreten konnte. 1970 wurde er aus der KSČ ausgeschlossen, 1977 war er einer der Initiatoren der Charta 77 und wurde ins Exil gezwungen.</div><div>51&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das Plenum fand vom 14.–16.11.1968 in Prag statt.</div><div>52&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nikolaj Michailowitsch Trusow, Jg. 1906, sowjetischer Militär, 1931 Eintritt in der Rote Armee, 1939 Mitarbeiter des sowjetischen Militär-Nachrichtendienstes GRU, 1945–1948 Chef der Kontrollkommission des Oberkommandierenden der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD), 1947–1949 Chef der Diversions- und Spionagedienste des sowjetischen Verteidigungsministeriums, 1949–1969 stellv. Chef der GRU und Militärattaché der UdSSR in der ČSSR.</div><div>53&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Karls-Universität Prag wurde am 17.11.1939 von den deutschen Besatzungsbehörden geschlossen, nachdem sie mit der Besetzung des 1938 verbliebenen tschechischen Staates durch die Wehrmacht unter deutsche Verwaltung gestellt worden war und sich im November die Studenten gegen das fremde Regime erhoben hatten.</div><div>54&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das Plenum fand vom 14.–16.11.1968 in Prag statt.</div><div>55&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;ČSM – Československý svaz mládeže (Tschechoslowakischer Jugendverband), 1949 gegründete einheitliche Jugendorganisation in der Tschechoslowakei, die von der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei kontrolliert wurde. der Verband löste sich 1968 auf und wurde später als Sozialistischer Jugendverband (SSM – Socialistický svaz mládeže) wiedergegründet.</div><div>56&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Im Dokument „Kobilise“: Der im Prager Stadtteil Kobylisy (Kobilis) befindliche Schießplatz (Kobyliská střelnice) wurde von den Nationalsozialisten 1942 für Massenhinrichtungen benutzt.</div><div>57&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;In Prag-Ruzyně wurden am 17.11.1939 neun Führer der aufständischen Studenten der Karls-Universität von der SS erschossen.</div><div>58&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Patrice Lumumba, 1925–1961, kongolesischer Politiker, 1961 erster Premierminister des unabhängigen Kongo, 1961 von Söldnern des Separatistenführers Moïse Kapenda Tschombé unter belgischem Kommando auf Weisungen sowohl der CIA wie des britischen MI6 ermordet.</div><div>59&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;5 Staatspräsident der ČSSR.</div><div>60&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Jiří Hájek, 1913–1993, tschechischer Politiker, vor 1939 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei der ČSR (ČSSD), mit der Vereinigung 1948 in die KSČ, 1953 Professor für Internationale Beziehungen an der Karls-Universität, 1962–1965 Ständiger Vertreter der ČSSR bei der UNO, 1965 bis April 1968 Erziehungsminister, 8.4.–19.9.1968 Außenminister, 1970 Ausschluss aus der KSČ, 1977 Mitinitiator und Sprecher der Charta 77.</div><div>61&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;MdI – Ministerium des Innern.</div><div>62&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Im Dokument „souveränitären“.</div><div>63&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Einberufung des 14. Parteitages der KSČ war für den 9.9.1968 geplant. Aufgrund der Invasion der Truppen des Warschauer Paktes traten die bereits gewählten Delegierten schon am 22.8.1968 illegal im Prager Stadtbezirk Vysočaný zusammen. Es war eine der zentralen Forderungen der Okkupanten bei den Moskauer Verhandlungen nach dem 21.8.1968, dass die KSČ-Führung diesen Parteitag für illegal erklärte. Seine (erneute) Einberufung, von der die Reformer eine Bestätigung des Januarkurses erwarteten, wurde aus diesem Grunde immer wieder verzögert, bis im Rahmen der Normalisierungspolitik die Kräfteverhältnisse soweit zugunsten der moskautreuen Kräfte verschoben waren, dass der Parteitag 1971 den Kurs der Kollaboration Husáks bestätigte.</div><div>64&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die vom MfS angefertigten Übersetzungen aus dem Tschechischen stellten rasch erstellte Arbeitsfassungen dar, deren Zuverlässigkeit vom Herausgeber der vorliegenden Edition anhand der Originale nicht geprüft werden konnte. Ihre sprachliche Qualität ist grob, teilweise flüchtig. „potentiale Situation“ meint in diesem Falle wahrscheinlich mögliche Situationen im Sinne eines coniunctivus potentialis.</div><p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/ddr-staatssicherheit-cssr-1968-ii/">Informationen der DDR-Staatssicherheit über die Lage in der ČSSR 1968 (II)</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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		<title>Deutsche Kriegsgefangene als Arbeitskräfte in der jugoslawischen Wirtschaft zwischen 1945 und 1949</title>
		<link>https://halbjahresschrift.de/deutsche-kriegsgefangene-jugoslawien/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[IKGS-Admin_2]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Dec 2021 09:23:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2019–2020]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Saša S.&#160;Ilić, Archiv der Nationalbank Serbiens, Belgrad Der Artikel beruht auf der Promotionsschrift des Autors: Saša S. Ilić: Strani radnici i stručnjaci u privredi Jugoslavije 1945–1950. godine [Ausländische Arbeitskräfte und Experten in der Wirtschaft Jugoslawiens 1945–1950]. Belgrad, Univ. Belgrad, Diss., 2017. Das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebten Millionen deutscher Soldaten in Kriegsgefangenschaft, wobei ihre genaue Zahl [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/deutsche-kriegsgefangene-jugoslawien/">Deutsche Kriegsgefangene als Arbeitskräfte in der jugoslawischen Wirtschaft zwischen 1945 und 1949</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Saša S.&nbsp;Ilić, Archiv der Nationalbank Serbiens, Belgrad<strong></strong></p>



<p style="font-size:12px">Der Artikel beruht auf der Promotionsschrift des Autors: Saša S. Ilić: Strani radnici i stručnjaci u privredi Jugoslavije 1945–1950. godine [Ausländische Arbeitskräfte und Experten in der Wirtschaft Jugoslawiens 1945–1950]. Belgrad, Univ. Belgrad, Diss., 2017.</p>



<p>Das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebten Millionen deutscher Soldaten in Kriegsgefangenschaft, wobei ihre genaue Zahl kontrovers diskutiert wird, insbesondere die der Kriegsgefangenen im Osten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">1</sup> So ist auch die Zahl der Kriegsgefangenen der jugoslawischen Armee umstritten: Die amtliche Statistik spricht von 221.287 Soldaten, unter denen 84.453 Deutsche, 57.150 Italiener, 27.398 Österreicher, 26.611 Russen und 25.675 Angehörige anderer Nationalitäten waren.<sup class="modern-footnotes-footnote ">2</sup></p>



<p>Ungeachtet der Meinungsverschiedenheiten unter den Autoren bezüglich der Anzahl der gefangenen deutschen Soldaten ist unumstritten, dass die Tage ihrer Gefangenschaft anfangs von Angst, Folter und gelegentlich unkontrollierter Bestrafung gekennzeichnet waren. Nach dem ersten Zusammentreffen mit den Befreiern, die nicht selten zu Rache oder ideologisch motivierter Revanche bereit waren, mussten die Kriegsgefangenen Müdigkeit, Hunger, Durst und mehrwöchige Sühnemärsche von den nordwestlichen Landesgrenzen bis zu den Lagern im Inneren Jugoslawiens aushalten.</p>



<p>Bis zum Jahre 1949 existierten zwischen 50 und 89 Lager. Sie befanden sich in allen Teilrepubliken Jugoslawiens, und ihre Größe variierte von 300 Gefangenen in Šid bis zu 5.000 Gefangenen im Lager Nr. 4 in Belgrad (srb. Београд/Beograd). Wenigstens am Anfang waren die Lebensbedingungen in den Lagern nahezu unerträglich. Für die Unterbringung wurden verschiedene Objekte genutzt, und dort, wo entsprechende Objekte nicht vorhanden waren, sanierten die Gefangenen selbst beschädigte Gebäude oder errichteten Baracken auf leeren Parzellen und richteten die Infrastruktur der Lager ein.<sup class="modern-footnotes-footnote ">3</sup></p>



<h2 class="wp-block-heading">Von einfacher manueller Arbeit bis zur Facharbeit</h2>



<p>Üblicherweise wurden Kriegsgefangene massenhaft zu manuellen Arbeiten eingesetzt, was auch auf die deutschen Gefangenen in Jugoslawien zutraf. Doch entwickelte sich dieser Arbeitskräfteeinsatz als Folge des Fachkräftemangels und der zu ambitionierten Industrialisierungspläne des neuen Staates Jugoslawien. Ein Teil der in Gefangenschaft lebenden Experten waren an einem Phänomen beteiligt, das die russische Geschichtsschreibung des späten 20. Jahrhunderts als „Ökonomie der Zwangsarbeit“<sup class="modern-footnotes-footnote ">4</sup> charakterisiert hat. Sie erhielten entsprechend ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse Arbeitsaufträge, und im Laufe der Zeit wurden mehr als 5.000 von ihnen als freie Menschen voll in das Wirtschaftsleben integriert, was ein besonderes jugoslawisches Phänomen war. Während des Krieges waren die gefangenen Soldaten ohne erkennbare Systematik für Arbeiten in der Landwirtschaft, zu Räumarbeiten, zum Anlegen von Kanälen oder zum Aufschütten von Dämmen eingesetzt worden, was auch in der Nachkriegszeit<sup class="modern-footnotes-footnote ">5</sup> fortgesetzt wurde. Doch schon im März 1945 organisierte man einen Teil der Gefangenenarbeit systematischer. Das jugoslawische Ministerium für Industrie forderte von der Kommandostelle des Lagers in Belgrad die Bereitstellung von Kriegsgefangenen-Fachkräften<sup class="modern-footnotes-footnote ">6</sup> und am 16. Mai 1945 erließ der Provisorische Regierungspräsident Josip Broz Tito den Befehl zur Verteilung der Gefangenen nach Ministerien, der Facharbeiterquoten enthielt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">7</sup> Die Abteilung für Elektrifizierung des Ministeriums für Industrie benannte am 22. Mai 1945 ihren Bedarf an Gefangenenfachkräften und forderte 12 Prozent der Quote dieses Ministeriums ein.<sup class="modern-footnotes-footnote ">8</sup> Am 19. Juni führten Vertreter der Ministerien und des Generalstabs Gespräche über den rationalen Einsatz der Gefangenen. Der wirkungsvolle Einsatz von Gefangenenfachkräften konnte jedoch ohne klare Kriterien und Prioritäten – in Anbetracht von Unverständnis oder Unkenntnis der Unternehmensleiter und schlechter Koordination – nicht gewährleistet werden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">9</sup></p>



<p>Das Verfahren zur gesetzlichen Regelung der Arbeit von Personen, die ihrer Freiheit beraubt waren (nicht nur Soldaten), leitete der Wirtschaftsrat, die staatliche Körperschaft für die Koordination der wirtschaftlichen Aktivitäten,<sup class="modern-footnotes-footnote ">10</sup> schon am 21. Mai 1945 ein. Bald befahl Tito in einem Dokument, mit dem er die Überwachung der Gefangenen von der Polizei auf die Armee (Militär) übertrug, ihren „rationellsten und nützlichsten Einsatz für Arbeiten von allgemeiner Bedeutung“,<sup class="modern-footnotes-footnote ">11</sup> und im Verteidigungsministerium wurde eine <em>Richtlinie für die Angelegenheiten der Kriegsgefangenen</em> erlassen, mit der folgende Fragen geregelt wurden: Zusammensetzung der Abteilung für Kriegsgefangene, Erfassung persönlicher Daten, Einteilung nach Ressorts, Ernährung, Versorgung, Arbeitszeit, Finanzierung, Befriedigung hygienischer, gesundheitlicher, intellektueller, sportlicher und religiöser Bedürfnisse sowie Disziplinar- und Strafmaßnahmen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">12</sup> Von da an bearbeiteten verschiedene Behörden diese Problematik nach Bedarf,<sup class="modern-footnotes-footnote ">13</sup> indem sie der Logik einer rationalen Nutzung der Gefangenenarbeit folgten und sich auf die Informationen verließen, nach denen sich manche Gefangene als hervorragende Spezialisten erklärten. Doch von der Absicht einer rationalen Nutzung des Gefangenenpotenzials bis zu ihrer (nicht vollständigen) Realisierung verging viel Zeit.<sup class="modern-footnotes-footnote ">14</sup></p>



<p>Noch im Herbst 1945 gab es viele Anmerkungen zur Art und Weise der Verwaltung der kriegsgefangenen Arbeitskräfte. Notiert wurden Unbekümmertheit hinsichtlich der Qualität der Arbeit, Langsamkeit, Sabotagefälle, unentschuldigtes Fernbleiben, nicht fachmännische Einmischung in die Arbeit und pauschale Festlegung der Gefangenenzahl für die Arbeit. Dokumentierte Beispiele dafür sind: Die Gefangenen kamen infolge ihres späten Aufbruchs und der langsamen Bewegung ihrer Kolonne zu spät zur Arbeit („Sie gehen beleidigend lässig und langsam zur Arbeit, wie zu einer Beerdigung.“). Die besten Gefangenen (Antifaschisten und Fachmänner) wurden nicht zum Korporal ernannt. Die Schonung nach der Sonntags- oder Nachtarbeit wurde nicht beachtet. Bei der Entsendung zur Arbeit unter schlechten Wetterbedingungen wurden Fehler begangen. Auf die Ernährung wurde nicht geachtet und Nahrung, die für Gefangene bestimmt war, gestohlen. Auch der Gesundheitszustand wurde ignoriert, indem Kranke zur Arbeit getrieben wurden, während Gesunde in Pflegeeinrichtungen blieben. Die Wachmannschaften waren undiszipliniert; sie mischten sich in die fachliche Arbeit ein und beaufsichtigten die Gefangenen schlecht, was diesen die Flucht ermöglichte. Einen Teil der Verantwortung trugen auch die leitenden Ingenieure, die weder die Werkzeuge noch die Einhaltung von Normen und Erholungszeiten ausreichend sicherten. Sie verteilten die Gefangenen schlecht, verlangten in übertriebenem Umfang Mehrarbeit und entlohnten die Gefangenen nicht entsprechend ihrer Leistung. Deswegen befahl das Verteidigungsministerium, diese nachteiligen Tatsachen und Erscheinungen möglichst rasch aus der Welt zu schaffen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">15</sup></p>



<p>Von Anfang an aber bestand seitens der Wirtschaft ein Bedarf an Fachkräften. Bereits ab April 1945 wurde eine verstärkte Nachfrage nach bestimmten Fachprofilen, ja sogar nach konkreten Gefangenen, verzeichnet.<sup class="modern-footnotes-footnote ">16</sup> Die Abteilung für Industrie des Ministeriums für Industrie und Bergwerk von Bosnien und Herzegowina verlangte Anfang Juni mehr als 230 Fachmänner für die Arbeit in elektrotechnischen Anlagen – Elektroingenieure, Techniker, Monteure, Hochspannungs- und Niederspannungselektriker, qualifizierte Arbeitskräfte für Transformatoren, Maschinisten, sodann Fachmänner für die Arbeit in Bergwerken, Kraftwerken, Raffinerien, Gaswerken, Fabriken sowie für den Bau eines neuen Wasserkraftwerkes bei Sarajevo die Fachleute, die zuvor in den Fabriken J. M. Voith, Brown Boveri und Škoda<sup class="modern-footnotes-footnote ">17</sup> gearbeitet hatten. In ähnlicher Form wurden in den Folgejahren Forderungen nach qualifizierten Gefangenen verschiedener Profile für viele Wirtschaftsbereiche in Jugoslawien<sup class="modern-footnotes-footnote ">18</sup> vorgelegt. Neben Wirtschaftsunternehmen kamen solche Anfragen auch seitens verschiedener Gesundheitsanstalten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">19</sup></p>



<p>Die Arbeitssituation der Gefangenen war im Allgemeinen problematisch, insbesondere dort, wo die Inhaftierten massenhaft eingesetzt wurden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">20</sup> Für viele bewegte sie sich an der Grenze des Erträglichen. Besonders schlecht waren die Umstände beim Wiederaufbau der Eisenbahnstrecke Kraljevo–Kosovska Mitrovica. Dort waren die deutschen Gefangenen (194), die Brücken in der Flussschlucht des Ibar bauten, bis November 1945 „formal nackt und barfuß“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">21</sup> Obwohl sie für den Wiederaufbau der Eisenbahnstrecke auch während des Winters notwendig waren, erhörte die Eisenbahnverwaltung zahlreiche Bitten um „ein wenig Schuhwerk und Bekleidung“ nicht, so dass zwanzig Gefangene innerhalb von nur fünf Tagen im November ins Krankenhaus zur Behandlung eingeliefert werden mussten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">22</sup></p>



<p>Für den Wiederaufbau derselben Eisenbahnstrecke wurde im darauffolgenden Jahr eine noch größere Zahl deutscher Gefangener eingesetzt, die sich auf neun Bausektionen verteilte – und zwar während der Erneuerung im Zeitraum von Juli bis Oktober 1946 620–670 Personen monatlich, im November 300 Personen, danach 90 Personen, wobei ihre Zahl im Laufe des Winters auf circa 20 Personen gesenkt wurde. Im Hinblick auf die Ausweitung der Gefangenenarbeit, die Bestimmung der täglichen Arbeitszeit und die Höhe des Lohns, der nicht ausbezahlt, sondern in einen besonderen Fonds für den Wiederaufbau des Landes angelegt wurde, die Versorgung mit Produkten, die über den notwendigen Lebensbedarf (Zigaretten) hinausgingen, sowie die Anwesenheit derjenigen, die sich „besonders bei den schweren Arbeiten ausgezeichnet“ haben, lässt sich eine allmähliche, leichte Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen konstatieren.<sup class="modern-footnotes-footnote ">23</sup></p>



<p>Die Gefangenengruppe, die auf der Eisenbahnstrecke arbeitete, war in Bezug auf ihre Qualifikation gemischt. Auf der Strecke bei Raška arbeiteten im März 1946 20 Landwirte, 41 Handwerker (Bäcker, Schuhmacher, <em>Kaffeesieder</em>, Goldschmiede, Fleischer, Friseure, Schlosser, Schmiede und andere), neun Beamte, je acht Arbeitnehmer und Kaufleute sowie je ein oder zwei Fahrer, Mechaniker, Eisenbahner, Lehrer, Priester, Zahnärzte, Rechtsanwälte (insgesamt 102),<sup class="modern-footnotes-footnote ">24</sup> was für die grobe Wiederaufbauarbeit nicht ausschlaggebend war.</p>



<p>Je spezifischer jedoch die Arbeiten ausfielen, desto konkreter waren die Anforderungen an die Gefangenenarbeit. Die oben genannte Abteilung für Elektrifizierung, die früh festgestellt hatte, dass der große Mangel an Fachkräften ihr Funktionieren beeinträchtigte, wählte schon im Mai 1945 Gefangene für die Arbeit nach Teilrepubliken aus: Elektroingenieure, Techniker und Monteure, Hoch- und Niederspannungselektriker, qualifizierte Arbeitskräfte für Transformatoren, Maschinisten für Stromkraftwerke, Technologen, Ingenieure und Facharbeiter für Gaswerke, Raffinerien und Kokswerke. Doch war von einem soliden Plan bis zur schlechten Umsetzung nur ein kleiner Schritt. Die so spezifizierten Gefangenen wurden den Ministerien für Industrie und Bergbau in den Teilrepubliken angeboten, die ihre Bedürfnisse anmelden sollten. Sie sollten auch mitteilen, auf welche Weise sie sie zu beschäftigen beabsichtigen. Die Ministerien forderten aber entweder eine zu große Zahl an Gefangenen an oder Berufe, die nicht zur Verfügung standen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">25</sup></p>



<p>Obschon in den Dokumenten seit Herbst 1945 Nachweise über eine geregelte, zweckmäßige und zum beiderseitigen Nutzen organisierte Arbeit mancher Kriegsgefangener aufscheinen,<sup class="modern-footnotes-footnote ">26</sup> wurden sie erst 1946, als das Bewusstsein für ihr Fachpotenzial stärker ausgeprägt war,<sup class="modern-footnotes-footnote ">27</sup> intensiver zu berufsspezifischen Arbeiten eingesetzt. Das Offizierslager in Werschetz (srb. Vršac) wurde zu einer Fördereinrichtung von Kadern in verschiedenen Industriezweigen, in der Stromwirtschaft und im Bergwesen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">28</sup> Gleichzeitig wurde die Zuständigkeit für die Kriegsgefangenen, die vom 15. März 1946 durch das Ministerium des Inneren betreut wurden, erneut geändert.<sup class="modern-footnotes-footnote ">29</sup> Ab Juni desselben Jahres, als der Wirtschaftsrat eine „Kommission für die Nutzung des deutschen geistigen Eigentums auf dem Feld der Elektrifizierung und der Elektroindustrie“ bildete, wurde ein Plan zum voll funktionalen Einsatz von gefangenen Fachleuten erarbeitet und dadurch eine Verbesserung ihrer Lage ermöglicht. Die Kommission schlug vor, diejenigen, die „in Bezug auf ihre Berufsausbildung erstklassige Experten“ waren „und die es aufgrund ihrer bisherigen Arbeit und ihres Verhaltens verdienen“, in die Position zu versetzen, die für die aus Deutschland kommenden Experten vorgesehen ist“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">30</sup> Dennoch gab es noch im März 1947 9.300 bis 9.500 Personen, „deren Qualifikation nicht völlig ausgenutzt wird“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">31</sup></p>



<p>Bis Mitte 1947 prägte sich das Verständnis für die Bedeutung des Gefangenenpotenzials weiter aus. Ab diesem Zeitraum wurde die Gefangenenarbeit mit den Zielen verknüpft, die sich die Regierungspartei im Fünfjahresplan zur Aufgabe machte. Das Ministerium für Inneres gab die Anweisung, dass die Kriegsgefangenen „gemäß ihrer richtigen Qualifikation verteilt“ werden sollten. Es hatte festgestellt, dass der Plan ohne Fachleute nicht umgesetzt werden könne und verlangte deren detaillierte Erfassung (vorgeschrieben waren die Berufsunterlagen für ungefähr 130 Sparten). Vorrangig wurde betont, dass die Gefangenen in ihrem jeweiligen Beruf eingesetzt werden sollten und dass ein Gefangener mit Fachkenntnissen keine Stunde lang eine gewöhnliche Arbeit verrichten dürfe. Die Kontrolleure waren angehalten, sofort jede Unregelmäßigkeit zu melden, und die Krankenhäuser sollten Kranke „mit besonderer Achtung und Pflege behandeln“, damit sie „möglichst schnell gesund“ würden und „zu ihrer Facharbeit zurückkehren“ könnten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">32</sup></p>



<p>Die Stellungnahme zur Bedeutung des geregelten Einsatzes der Gefangenen resultierte aus der Erkenntnis der geringen eigenen Ressourcen. Obwohl es Fälle der falschen, nicht ihrem Profil gemäßen Verteilung von Fachleuten gab, überwog in der Regel die Zahl des Fachpersonals. In den Direktionen für feuerfestes Material, Elektroindustrie, Motorherstellung sowie Aluminium und Kupfer des Ministeriums für Schwerindustrie kam auf 100 Ingenieure, Techniker und qualifizierte Arbeitnehmer kein einziger unqualifizierter Arbeitnehmer, und in der Metallindustrie waren von 1.066 beschäftigten Gefangenen nur 168 unqualifizierte Arbeitnehmer. In einzelnen Unternehmen wie dem Lignitbergwerk in Kreka beeinträchtigte die Reduzierung der Gefangenenzahl von 700 im Laufe des Jahres 1947 auf 466 im Mai 1948 die Planerfüllung. Der Zufluss von einheimischen Arbeitskräften reichte nicht aus, und nach den Dokumenten des Ministeriums für Schwerindustrie waren solche Arbeitnehmer deutlich schlechtere Arbeiter als die Gefangenen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">33</sup></p>



<p>Dennoch blieb die qualifizierte Arbeit im Kontext der gesamten Gefangenenarbeit hinter der unqualifizierten zurück, indem die meisten Gefangenen bis zum Ende ihres Aufenthalts in Jugoslawien manuelle Arbeiten verrichteten. In der Industrie wurden Gefangene aufgrund des allgemeinen Arbeitskräftemangels in den ersten Nachkriegsmonaten massenhaft eingesetzt. Doch wurden etwa ein Jahr später viele Gefangenen-Arbeitsbataillone in den Fabriken überflüssig, da immer mehr Arbeitskräfte vom Lande zugeführt wurden. Laut einem Schreiben der Lokalbehörde in Esseg (kr. Osijek) vom 9. April 1946 konnten einheimische, nicht-fachmännische Arbeitskräfte aufgrund der Gefangenenarbeit nur schwer in der Industrie beschäftigt werden. Das Vorgehen derjenigen Unternehmen, die „Einheimische“ wegen bereits beschäftigter Gefangener ablehnten, wurde als „unangemessen“ eingeschätzt, so dass das Ministerium für Industrie forderte, dass nur Fachleute unter den Gefangenen mit der Arbeit fortfahren, die restlichen Arbeiter aber durch Einheimische ersetzt werden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">34</sup></p>



<p>Dennoch blieb bis Ende der 1940er-Jahre beziehungsweise bis zur Repatriierung der meisten Gefangenen zu Jahresbeginn 1949, wobei jene etwa 5.000 Personen nicht mitgerechnet sind, die per Vertragsunterzeichnung zur Arbeit in Jugoslawien verpflichtet waren, das Gefangenenpotenzial sehr groß, unabhängig vom qualifikationsgemäßen Einsatz.</p>



<p>Als Maßnahmen zum Austausch der Gefangenenarbeit gegen die Arbeit einheimischer Arbeitskräfte eingeleitet wurden, stellte man fest, dass mit der „Abreise der Gefangenenarbeitskräfte ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften entstanden“ sei. Besonders davon betroffen war der Bau des Wasserkraftwerks Glava Zete; Probleme entstanden aber auch bei der Erledigung einzelner manueller Arbeiten, etwa beim Ausladen der Kohle für das Kraftwerk Zagreb.<sup class="modern-footnotes-footnote ">35</sup></p>



<p>Während ihrer Arbeit in den Unternehmen und Einrichtungen Jugoslawiens erlebten die Kriegsgefangenen unterschiedliche Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie Verfahren. Es gab Fälle, in denen angemessene Wohnbedingungen garantiert wurden. Demgegenüber mussten sich im Dezember 1946 Gefangene in Piperi in Montenegro in Zelten aufhalten. Auch die Ernährung und die Nahrungsmittelvorräte wurden von den Unternehmen nicht in jedem Fall für die Wintermonate gesichert. Einige Unternehmen begriffen nicht, dass sie die Versorgung der Kriegsgefangenen zu gewährleisten hatten, das heißt, dass sie Wohnbaracken, Ambulanzen und Küchen bereitstellen sollten.</p>



<p>Es kam auch vor, dass Gefangene zu unbekannten Zielen und zu unbekanntem Zweck zur Arbeit geführt oder sie zu Überstunden angetrieben wurden, für die sie keinen Lohn erhielten. Missbrauch gab es auch bei der Verteilung von Kleidung, Schuhen und Nahrung, indem zum Beispiel nur ein Brei aus Weizenmehl und Brot geboten wurde.<sup class="modern-footnotes-footnote ">36</sup></p>



<p>Es gab jedoch auch Versäumnisse, denen nicht Verantwortungslosigkeit oder böse Absicht zugrunde lag, sondern vielmehr Unachtsamkeit, fehlendes Verständnis und Sprachbarrieren.<sup class="modern-footnotes-footnote ">37</sup></p>



<h2 class="wp-block-heading">Untypisches Engagement</h2>



<p>Es kam vor, dass den eingesetzten Kriegsgefangenen Arbeitsaufträge erteilt wurden, die in Bezug auf ihre Position zu vertraulich waren. So war etwa Eugen Bank, der in der Generaldirektion der jugoslawischen Elektrowirtschaft in Zagreb beschäftigt war, die einzige Person, die für das Kopieren von Entwürfen für die Direktion zuständig war. Die meisten dieser Entwürfe waren vertraulich.<sup class="modern-footnotes-footnote ">38</sup> Es war kein seltenes Phänomen, dass sich Kriegsgefangene frei bewegen konnten, obwohl die Vorschriften das Gegenteil vorsahen. Ende 1945 bemerkte das Ministerium für Inneres ein „allgemeines Phänomen“ in Esseg: Gefangene wurden nicht nur ohne Bewachung auf den Straßen gesehen, „sondern sie gingen auch in Gaststätten, was Unzufriedenheit bei den Bürgern hervorrief.“ Es gab Fälle, in denen Deutsche „in Zivilkleidung bei Bürgern lebten“, und die Gesellschaft für kulturelle Zusammenarbeit mit der UdSSR brachte die Korrespondenz von der Kanzlei mit Hilfe deutscher Gefangener auf den Postweg.<sup class="modern-footnotes-footnote ">39</sup></p>



<p>Am bemerkenswertesten war womöglich der Einsatz des Gefangenen Franz Neuhausen, während des Zweiten Weltkriegs Generalbeauftragter für die serbische Wirtschaft und Wehrmachtsverwaltungschef im okkupierten Serbien, der sowohl von einer NS-Behörde im Jahre 1944 wegen Korruption als auch von einem jugoslawischen Gericht im Jahre 1947 zu 20 Jahren Haft belangt worden war. Obwohl „Franz der Dicke“ zu einer schweren Strafe verurteilt worden war, verbüßte er seine Strafe nicht nur im Zuchthaus in Sremska Mitrovica, sondern wurde auch jeden Mittwoch in der Kneipe „Tri šešira“ [Drei Hüte], in der Belgrader Boheme-Straße Skadarlija, gesehen, wo er Bier trank und Skat spielte. Samstags wechselte er in das Hotel Majestic über. Der Herr über die Kriegswirtschaft des Zentralbalkans, der umstrittene und korrupte Neuhausen, erwarb offensichtlich Freunde unter den Kommunisten. Man erzählte, dass er manchen von ihnen mit dem Motto begegnete: „Wer Kommunist ist, bestimme ich!“ Er kam bei der Gerichtsverhandlung nicht nur ungeschoren davon, sondern begann nach zwei Jahren Haft, die Industrialisierung Jugoslawiens zu planen. Seine Erfahrung war bei der Verwaltung der Kupfergruben sowie der Blei- und Zinkwerke von Treptscha (srb. Trepča) und bei der Sicherung des Investitionskapitals durch Anleihen bei der Weltbank willkommen und erforderlich, so dass sich Tage des Kerkers mit Tagen der Arbeit und Entspannung in Belgrad abwechselten. Seine Strafe wurde verkürzt und im Jahr 1953 ausgesetzt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">40</sup></p>



<p>Schließlich gab es Kriegsgefangene, die den Arbeitsanforderungen nicht genügten, weil sie nicht fachkundig genug waren und entweder falsche Erklärungen zu ihrer Qualifikation abgegeben hatten oder über ungenügende Kenntnisse moderner technologischer Verfahren verfügten. Andere wollten sich nicht im erforderlichen Umfang engagieren und verrichteten ihre Arbeit langsam und unproduktiv. Solche Arbeiter wurden von den Fabriken entlassen und mussten ins Lager zurückkehren.<sup class="modern-footnotes-footnote ">41</sup></p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Entlassung</h2>



<p>Die frühe Repatriierungsphase deutscher Gefangener ab 1946 umfasste nur Kommunisten und wenige Sozialdemokraten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">42</sup> Wie die Länder des Westens und die Tschechoslowakei – und anders als die UdSSR und Polen – respektierte Jugoslawien den Beschluss des Ministerrates der Siegermächte über den Abschluss der Repatriierung der Kriegsgefangenen bis Ende 1948, der im April 1947 in Moskau gefasst wurde, obwohl die festgesetzte Frist um einige Wochen überschritten wurde.<sup class="modern-footnotes-footnote ">43</sup>. Nach dem 18. Januar 1949 kehrten insgesamt 209.499 Gefangene, davon 74.354 nach Deutschland und 26.126 nach Österreich, nach Hause zurück. Offiziell wurden 1.348 Personen zurückgehalten, die als verdächtig galten, angeklagt oder wegen Straftaten verurteilt waren. Durch die Repatriierung wurden diejenigen nicht erfasst, die den Arbeitsvertrag schon früher geschlossen hatten und die entsprechend ihren Vertragsbestimmungen nach Hause entlassen wurden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">44</sup> Berücksichtigt man diese Rückkehrer nicht, so bleibt bisher unklar, wie viele Gefangene in den Lagern zurückblieben, wobei einige von ihnen erst 1950 mit dem Erhalt ihres Arbeitsvertrags befreit wurden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">45</sup></p>



<p>Die bis Anfang 1949 nicht entlassenen Soldaten wurden zum Gegenstand eines mehrjährigen Streits zwischen Bonn und Belgrad. Die Bundesrepublik Deutschland bestand auf einer bedingungslosen Freilassung, wobei die Handelsannährung beider Staaten in Frage gestellt wurde. Bundeskanzler Konrad Adenauer intervenierte mehrmals im Laufe des Jahres 1950 in der Öffentlichkeit und bei jugoslawischen Vertretern. Dabei war er der Meinung, dass die Prozesse gegen deutsche Soldaten rechtlich mangelhaft gewesen und unverhältnismäßig hohe Strafen auferlegt worden seien. Solche Bemerkungen bekräftigte der jugoslawische Polizeichef Aleksandar Ranković, der auf dem Parteikongress des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens im Juni 1951 erklärte, dass die Gefangenen nicht selten nur aufgrund einer Erklärung des Ermittlungsverfahrens ohne objektive Beweisführung verurteilt worden seien.</p>



<p>In der Bundesrepublik Deutschland wurden seit 1953 gegen solche ehemalige Kriegsgefangene Gerichtsverfahren geführt, die in den Lagern ihre Mithäftlinge zugunsten besserer Lebensbedingungen (Geldzahlungen, Nahrungsmittelrationen, Gewährung von Bewegungsfreiheit) denunziert oder sie gequält hatten. Die Aktivitäten Jugoslawiens bei der Repatriierung der Gefangenen wurden stellenweise gelobt, wie dies etwa im Dank des Bundestagspräsidenten Hermann Ehlers vom 26. Oktober 1950 zum Ausdruck kam. Bis Ende 1953 kamen auch die verbliebenen Kriegsgefangenen frei, als diejenigen Deutschen und Österreicher amnestiert wurden, die wegen der Kriegsverbrechen verurteilt worden waren.<sup class="modern-footnotes-footnote ">46</sup> Archivunterlagen und Forschungsarbeiten haben bestätigt, dass viele deutsche Soldaten, die von den jugoslawischen Behörden in Kriegsgefangenschaft gehalten wurden, nach kurzzeitiger manueller Zwangsarbeit zunächst Arbeitsaufträge erhielten, die ihren Kenntnissen und Erfahrungen entsprachen. Daraufhin wurden sowohl den besten Fachleuten als auch denjenigen, die für die Wirtschaft unabkömmlich waren, ein langjähriger Arbeitsvertrag im Gegenzug zur Erlangung der Freiheit angeboten. Ein solches Angebot wurde von mehr als 5.000 gefangenen Soldaten angenommen, wodurch ihre Lebensbedingungen trotz diverser Anomalien, die in der Praxis vorkamen, wesentlich verbessert wurden.</p>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Saša S. Ilić (Саша C. Илић) </strong>studierte Geschichte an der Philosophischen Fakultät der Universität Belgrad, wo er mit einer Untersuchung zu den Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern in Jugoslawien nach dem Zweiten Weltkrieg promoviert wurde. Er hat von 1996 bis 2005 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Archiv der Nationalbank Serbiens (Arhiv Narodne banke Srbije) in Belgrad gearbeitet, das er seit 2005 leitet. Von ihm stammen mehrere Studien zur jugoslawischen und serbischen Zeitgeschichte nach 1945.</p>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p><a href="#_ftnref1">[1]</a> Vgl. die Beiträge des Sammelbandes von Erich Maschke, Kurt W.&nbsp;Böhme (Hgg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges. Die deutschen Kriegsgefangenen in Jugoslawien 1949–1953. Bielefeld 1964; sowie Arbeiten von Arthur L.&nbsp;Smith&nbsp;Jr., Stefan Karner, Vadim Erlichman (Вадим Эрлихман), Modest Kolerov (Модест Колеров), Wolfgang Benz und anderen.</p>



<p><a href="#_ftnref2">[2]</a> Deutsche Quellen und Forschungsliteratur erwähnen zwischen 150.000 und 240.000 deutsche und österreichische Kriegsgefangene; vgl. Kurt W.&nbsp;Böhme (Hg.): Die Deutschen Kriegsgefangenen in Jugoslawien 1941–1949. Band&nbsp;I. München 1962, S.&nbsp;42; Josef Beer (Bearb.): Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien. Band&nbsp;II. München, Sindelfingen <sup>3</sup>1997, S.&nbsp;977.</p>



<p><a href="#_ftnref3">[3]</a> Vgl. Andrej Rodinis: Velika praznina. Njemački ratni zarobljenici na radu u Bosni i Hercegovini [Große Leere. Deutsche Kriegsgefangene bei der Arbeit in Bosnien und Herzegowina]. Tuzla 2017, S.&nbsp;15; Böhme: Die deutschen Kriegsgefangenen, S.&nbsp;137f.; Archive von Jugoslawien (AJ), Eisenbahnverwaltung (191)-1, Kriegsgefangene (Ратни заробљеници), Dok. Nr.&nbsp;4384, 20.6.1945; Historisches Archiv von Belgrad (IAB), 504, Autohändler Miloš Stratimirović<em>,</em> 1946, Dok. vom 29.4.1946 und 3.5.1946.</p>



<p><a href="#_ftnref4">[4]</a> Zur Lagerökonomie vgl. die Beiträge von Vladimir Pyankevich (Владимир Л. Пянкевич), Khokhlov Valentinovich (Хохлов А. Валентинович) und Nikita Belykh (Никита Белых).</p>



<p><a href="#_ftnref5">[5]</a> Einige Forderungen der Unternehmen in: AJ-(191)-1, Kriegsgefangene (Ратни заробљеници); AJ, Ministerium für Elektrizitätswirtschaft (11)-1-9; AJ Ministerium für Industrie (17)-131-132.</p>



<p><a href="#_ftnref6">[6]</a> Vgl. AJ-11-1-9, Ergebnisse der Sitzung vom 31.3.1945.</p>



<p><a href="#_ftnref7">[7]</a> Die Gefangenen waren folgenden Ministerien zugeteilt: den Ministerien für Verkehr und Landwirtschaft je 20&nbsp;<a>Prozent</a>, dem Ministerium für Bauwesen, Industrie und Verteidigung je 15&nbsp;Prozent, dem Ministerium für Erze 10&nbsp;Prozent und dem Ministerium für Forstwirtschaft 5&nbsp;Prozent. AJ, Rat für Land- und Forstwirtschaft (4)-19-200, Befehl Nr.&nbsp;204,16.5.1945.</p>



<p><a href="#_ftnref8">[8]</a> Laut Rahmeneinteilungsplan der Fachgefangenen nach Teilrepubliken: Slowenien – bis 36&nbsp;Prozent, Kroatien – bis 30&nbsp;Prozent, Serbien (und Vojvodina) – bis 24&nbsp;Prozent (zehn Prozent), Bosnien und Herzegowina – bis zwölf Prozent, Mazedonien – bis sechs Prozent und Montenegro – bis zwei Prozent. Vgl. AJ-11-6-20.</p>



<p><a href="#_ftnref9">[9]</a> Zu den größeren Problemen zählen auch unbekannte Angaben zur Zahl der eingesetzten Gefangenen – die Schätzungen bewegten sich von 115.000 bis 165.000 – und große Verspätungen der eingeteilten Gefangenen an ihren Bestimmungsorten. Vgl. AJ-4-19-200, vertrauliche Akten Or. Nr.&nbsp;294, 19.6.1945; Nr.&nbsp;11, 12.6.1945 und Nr.&nbsp;97, 21.7.1945; AJ-17-97-97, Akte ohne Nr., 19.7.1945.</p>



<p><a href="#_ftnref10">[10]</a> Vgl. AJ, Regierungspräsidentschaft (50)-33-65, K. Nr.&nbsp;285, 9.6.1945.</p>



<p><a href="#_ftnref11">[11]</a> Ohne Rücksicht auf den Befehl lehnte es das Militär in einzelnen Regionen, etwa der Vojvodina, ab, die Lager zu übernehmen, was es mit dem Schulungsbedarf rechtfertigte, während andererseits eine kleine Zahl von Polizeikräften dafür zuständig war. Mit Rücksicht darauf, dass in diesen Gegenden auch Volksdeutsche „eingelagert“, das&nbsp;heißt in Lagern untergebracht werden sollten, war der Mangel an Bewachungskräften so groß, dass Fluchten bis zum Herbst 1945 üblich waren und zu einer Massenerscheinung zu werden drohten. Vgl. AJ-50-119-241.</p>



<p><a href="#_ftnref12">[12]</a> Die Lager mussten folgende Ausstattung haben: Rasierstube, Schneiderei, Schuhmacherei, Wäscherei, Bad, Desinfektionsmittel, Krankenhaus mit Abteilungen für Chirurgie, übertragbare Krankheiten und für Rekonvaleszenz, Bibliothek und Gefängnis. Ermöglicht wurde die Eröffnung von Kantinen (mit Nahrungsmitteln, Tabakwaren und hygienischen Produkten, Kleinigkeiten für den Wohnbedarf, mit Kleidung und Schuhen, aber ohne alkoholische Getränke). Den Gefangenen ihre Kleidung, Schuhe, persönlichen Dinge und Geld wegzunehmen, war streng verboten. Es galt die Sechs-Tage-Woche, und der Werktag entsprach dem der einheimischen Arbeitskräfte. Folgendes war möglich: intellektuelle Unterhaltung und „Unterrichtsunterhaltung“, Körperkultur und Sport, Ausübung des religiösen Bekenntnisses, Postsendungen. Folgendes war festgelegt: Disziplinar- und Strafmaßnahmen sowie die Frage des Nachlassgebens, Ort und Art und Weise der Bestattung von Verstorbenen: Auf dem nächsten Friedhof sollte eine Parzelle gepachtet und nach Nationalitäten aufgeteilt werden. Vgl. AJ-4-18-177, Nr.&nbsp;80, 22.7.1945.</p>



<p><a href="#_ftnref13">[13]</a> Ein Beispiel ist die Auswahl von 30 Gefangenen, die Facharbeiten in der Torpedofabrik in Rijeka verrichten sollten. Vgl. Sara Vukušić: Standard života njemačkih ratnih zarobljenika korištenih u društveno korisnom radu u Rijeci u drugoj polovici 1945 [Der Lebensstandard der deutschen Kriegsgefangenen, die in Rijeka in der zweiten Hälfte des Jahres 1945 für Arbeiten zugunsten der Gesellschaft verwendet wurden]. In: Klepsidra, Udruge studenata Malleus 3–4 (2008–2009), S.&nbsp;1–19, hier: S.&nbsp;9–10, &lt;http://malleus.ffri.uniri.hr/index.php/klepsidra-2008-2009/clanci&gt;, 1.8.2018. Anleitung zum Einsatz der Arbeitskraft der Kriegsgefangenen in der Sektion für den Wiederaufbau der Eisenbahnstrecke Kraljevo–Raška. Vgl. AJ-191-4, 1945–1946.</p>



<p><a href="#_ftnref14">[14]</a> Noch um die Jahresmitte 1947 teilte das Ministerium für Inneres mit, eine gewisse Zahl von Gefangenen-Experten, die nicht regelmäßig eingesetzt seien, zur Verfügung zu haben. Vgl. AJ-17-97-97, Gegenstand VIII Nr.&nbsp;1797/47.</p>



<p><a href="#_ftnref15">[15]</a> Vgl. AJ-17-2-2, Nr.&nbsp;327, 13.10.1945.</p>



<p><a href="#_ftnref16">[16]</a> Vgl. AJ-11-1-9, Promemoria, April 1945; AJ-11-6-20, Akte IV, Nr.&nbsp;943, 22.5.1945; AJ-50-11-241, Nr.&nbsp;144, 25.4.1945. Einzelne Gefangene wurden auch in den folgenden Jahren gesucht: Vgl. AJ-11-24-64, Nr.&nbsp;7910, 12.5.1947 und Nr.&nbsp;8708, 23.5.1947; AJ-4-62-439, Nr.&nbsp;3135, 28.10.1947.</p>



<p><a href="#_ftnref17">[17]</a> Vgl. AJ-11-10-35, Akte II, Nr.&nbsp;194, 3.6.1945.</p>



<p><a href="#_ftnref18">[18]</a> Einige Beispiele: AJ-4-28-262; AJ-11-6-20; AJ-11-8-33; AJ-11-10-39; AJ-17-97-97; AJ-17-129-130; AJ-17-160-161; AJ, Ausschuss für den Schutz der nationalen Gesundheit (31)-66-95; AJ-31-67-95.</p>



<p><a href="#_ftnref19">[19]</a> Beschäftigt wurden Musiker, Balletttänzer, Dekorateure, Graphiker, Maler, Architekten und&nbsp;andere für den Bedarf der Theater in Belgrad, Zagreb, Ljubljana, Sarajevo, Novi Sad, Pančevo, Niš, Osijek, Rijeka, des Rundfunks in Belgrad und Ljubljana, der Verlagshäuser, Unterrichts-, Kunst- und Wissenschaftsorganisationen und Institute sowie auch medizinisches Personal. Vgl. AJ, Komitee für Kultur und Kunst (314)-9-34; AJ-31-67-95, Nr.&nbsp;1048, 8.4.1947. Das künstlerische Engagement deutscher Gefangener war auch Thema in der Literatur (siehe das Drama von Aleksandar Popović, <em>Kus petli</em><em>ć</em> [Kurzschwanziges Hähnchen]).</p>



<p><a href="#_ftnref20">[20]</a> Die größte Zahl arbeitete im Verkehr (etwa 19.200 Personen im Januar 1946), in der Land- und Forstwirtschaft (allein in den Wäldern von Kroatien im Juli 1945 mehr als 2.800 Gefangene, bei einem darüber hinaus angemeldeten Bedarf von 5.000–7.000), aber auch im Bergwesen und in der Industrie. Beispiele in: AJ-4-18-177; AJ-17-97-97; AJ-17-129-130; AJ-50-119-241; AJ, Generaldirektion der Schwarzen Metallurgie (106)-3-9; AJ-191-4, 1945–1946.</p>



<p><a href="#_ftnref21">[21]</a> AJ-4-19-200, Nr. 139, 14.9.1945.</p>



<p><a href="#_ftnref22">[22]</a> Dias Militär empfahl den Zivilressorts, in denen die Gefangenen noch ab September 1945 arbeiteten, dass sie sich rechtzeitig mit Unterkünften und Ernährung auf den Winter vorbereiten sollten. Die Eisenbahnverwaltung rechtfertigte sich in dieser Zeit damit, dass sie keine Kleidung, keine Schuhe und keinen Kredit für die Anschaffung habe. Vgl. AJ-4-19-200, Nr.&nbsp;139, 14.9.1945; AJ-191-4, 1945–1946.</p>



<p><a href="#_ftnref23">[23]</a> Eine Arbeitsstunde der Gefangenen wurde mit 45 Dinar verrechnet, eine Überstunde mit zusätzlichen acht Dinar. Die Zahl der Arbeitstage im Monat variierte zwischen 22 und 27. Besonders engagierte Gefangene waren nicht selten. Im August 1946 wird für sechs von 25 Gefangenen in der Sektion bei Leposavić hervorgehoben, dass sie sich „auf der Arbeit besonders hervorgehoben haben“. Die Gefangenen wurden mit Zigaretten der Marke Bosna(20 Stück wöchentlich) zum Preis vom neun Dinar versorgt. Vgl. AJ-191-4, 1945–1946; AJ-191, Bücher 11 und 12, Arbeitsbuch für Kriegsgefangene (Radna knjiga za ratne zarobljenike), Lohnliste VII–VIII 1946 und IX 1946 – I 1947.</p>



<p><a href="#_ftnref24">[24]</a> Vgl. AJ-191-4, 1945–1946.</p>



<p><a href="#_ftnref25">[25]</a> AJ-11-1-9; AJ-11-3-15, Akten von Mai bis Juli 1945.</p>



<p><a href="#_ftnref26">[26]</a> Die Grundlage für den besseren Einsatz war der Bescheid des Wirtschaftsrates vom 15.9.1945, mit dem die Entlohnung der Gefangenen in der Höhe der persönlichen Versorgungsbedürfnisse ermöglicht wurde; der Rest des Verdienstes wurde im „Fonds für den Wiederaufbau des Landes“ angelegt. So wurden zum Beispiel für den Feinmechaniker Josef Jene, der Anfang November 1946 aus dem Lager in Smederevska Palanka in den Zuständigkeitsbereich des Ministeriums für Industrie in Belgrad überging, 2.500 Dinar festgelegt, die Ernährung in der Kantine und eine Wohnung im Gebäude des Ministeriums wurden gesichert. Von dem Betrag wurden auch die Kosten für Ernährung und Wohnung ausbezahlt sowie auch ein „Kredit“ für Schuhe und den Arbeitsanzug. Obwohl ein Gefangener kein Geld „auf die Hand“ bekommen konnte, sollten die gesicherte Versorgung, alle erforderlichen Werkzeuge und die Arbeitsausrüstung ermöglichen, dass er „die Arbeit mit mehr Wille und Fleiß“ erledige. Vgl. AJ-17, Personal, f. 6 Bescheide Nr.&nbsp;10709, 22.11.1945 und Nr.&nbsp;3324, 4.6.1946.</p>



<p><a href="#_ftnref27">[27]</a> In der Akte des Ministeriums für Industrie ist notiert: „Wir haben hier Weltkapazitäten. Sie sollen maximal eingesetzt werden. Ihnen sollen alle Arbeitsmöglichkeiten gegeben werden. Mit ihnen soll wie mit den Fachleuten (Experten) umgegangen werden. Sie sollen Gehälter und Preise bekommen, falls sie gute Arbeiter sind. Unter diesen Männern befinden sich hochqualifizierte Fachleute, die zu jedem Preis im Land behalten werden sollen und deswegen ist dafür ein gutes Verfahren erforderlich.“ AJ-11-4-17, Protokoll über das Treffen vom 19.11.1946.</p>



<p><a href="#_ftnref28">[28]</a> Nach einer Erhebung des Ministeriums für Inneres vom Mai 1946 waren im Lager 611 Offiziere – Fachmänner für einzelne Gebiete der Industrie (255 verschiedene Berufe, 26 für die Ernährungsindustrie, 23 für die chemische Industrie, 44 für die Elektroindustrie, 37 für die holzverarbeitende Industrie, 26 für die Textilindustrie, 92 für die Metallindustrie, 20 für die Mechanik und 88 für das Bauwesen). Solche Verzeichnisse der Fachleute wurden den Industriezweigen zu Zwecken der Auswahl zugestellt. Im Laufe des Jahres wurden die Anforderungen an das Ressort nach Fachmännern aus Vrsac noch konkreter, und sporadisch wurden präzise Erhebungen geführt. Vgl. AJ-11-1-5; AJ-11-6-22; AJ-11-30-81.</p>



<p><a href="#_ftnref29">[29]</a> Bis zu diesem Zeitpunkt kümmerte sich die Abteilung für Kriegsgefangene des Verteidigungsministeriums um die Fragen der Kriegsgefangenen. Vgl. AJ-50-119-241, Bescheid vom 12.2.1946; AJ-191-4, 1945–1946, Nr.&nbsp;105, 12.1.1946.</p>



<p><a href="#_ftnref30">[30]</a> Die Einbindung der gefangenen Fachleute sollte einen höheren Arbeitselan ermöglichen mit der Perspektive, dass sie sich zur Arbeit in Jugoslawien auch nach der Entlassung aus der Gefangenschaft verpflichteten. Vgl. AJ-11-9-34, Nr.&nbsp;4435, 16.5.1946 und Nr.1546, 30.5.1946; AJ-54-46-109, Protokoll vom 5.6.1946. Nach einem Parteidokument erfasste das Ministerium für Inneres bis Ende 1946 6.185 Fachleute in 44 Berufen, von denen ca. 58&nbsp;Prozent zur Arbeit eingesetzt wurden. Vgl. AJ, Bund der Kommunisten Jugoslawiens (507)-IX, 86/III-10, Verzeichnis, 30.12.1946.</p>



<p><a href="#_ftnref31">[31]</a> AJ, Arbeitsministerium (25)-87-219; AJ-31-66-95; AJ-17-97-97.</p>



<p><a href="#_ftnref32">[32]</a> Der Kartenmuster wurden in 70.000 Exemplaren gedruckt und wie folgt verteilt: 14.000 in Serbien, 7.000 in der Vojvodina, 10.000 in Kroatien, 12.000 in Slowenien, 9.000 in Bosnien und Herzegowina, 6.000 in Montenegro, 3.000 in Mazedonien, 8.000 auf der Baustelle der Eisenbahnstrecke Šamac–Sarajevo und 1.000 als Reserve (Ersatz). Die Karten sollten für Rechtsanwälte, Beamte, Schüler, Frisöre, Kellner, Schaffner, Buchhalter, Köche, Offiziere ohne Fachkenntnisse im Bereich der Wirtschaft, Bäcker, Richter, Priester, Hausierer, Kaufleute (Händler) und nicht qualifizierte Arbeiter nicht ausgefüllt werden. Vgl. AJ-17-97-97, (streng vertraulich) Nr.&nbsp;138, 7.6.1947.</p>



<p><a href="#_ftnref33">[33]</a> Vgl. AJ, Ministerium für Schwerindustrie (16)-23-28, Akten aus dem Jahre 1948.</p>



<p><a href="#_ftnref34">[34]</a> Vgl. AJ-17-129-130, Gegenstand Nr.&nbsp;2070/46.</p>



<p><a href="#_ftnref35">[35]</a> Vgl. AJ-25-152-404; AJ-11-43-148; AJ-11-83-272; AJ-31-67-95.</p>



<p><a href="#_ftnref36">[36]</a> Einige Unternehmen verlangten beharrlich, ein Werktag solle zehn Stunden dauern (anstelle von acht Stunden, wie im Juli 1946 festgelegt). Vgl. AJ-50-119-241; AJ-191-4, 1945–1946.</p>



<p><a href="#_ftnref37">[37]</a> So wurde einmal ein Glaser für eine Arbeit gesucht, in das Unternehmen aber ein Glashändler entsandt. Vgl. AJ-17-97-97, 17.3.1947.</p>



<p><a href="#_ftnref38">[38]</a> Vgl. AJ-11-7-32, Schreiben vom 3.7.1947.</p>



<p><a href="#_ftnref39">[39]</a> Das Beispiel von Osijek war kein Einzelfall, sondern ein solches Verfahren wurde als „verbreitet“ eingeschätzt. AJ-50-119-241, Gegenstand K Nr.&nbsp;1565, 25.12.1945. Später wurde es üblich, dass Gruppen deutscher Gefangener längere Zeit am selben Ort Arbeiten verrichteten und man ihnen vorläufige Bewegungsfreiheit gewährte. So erhielten beispielsweise Walter Schmitt und noch drei Gefangene die Bewegungsfreiheit vom Lager&nbsp;3 in Belgrad bis zum Garten des Regierungspräsidiums, den sie bearbeiteten. Vgl. AJ-50-119-241, Nr.&nbsp;6979, 17.8.1948.</p>



<p><a href="#_ftnref40">[40]</a> Vgl. Neuhausen behielt seinen Kopf. In: Der Spiegel, 17.11.1949, S.&nbsp;19–20 (ohne Autor); Jozo Tomasevich: War and Revolution in Yugoslavia 1941–1945. Stanford 2001, S.&nbsp;76, S.&nbsp;653.</p>



<p><a href="#_ftnref41">[41]</a> So wurde der landwirtschaftliche Experte Eugen Fischer am 24.1.1947 der Imkerei in Vrbas zugeordnet und nach eineinhalb Monaten in das Lager zurückgesandt, da er sich „weder als Fachmann für Landwirtschaft erwies noch ein wenig Arbeitswilligkeit zeigte“. AJ-4-28-262, Pers. Nr.&nbsp;321.</p>



<p><a href="#_ftnref42">[42]</a> Siehe die Listen der deutschen Linken und Antifaschisten in: AJ-507-IX, 86/III-10; AJ-507-IX, 86/II-14.</p>



<p><a href="#_ftnref43">[43]</a> Jugoslawien hatte bis August 1948 noch keinen Repatriierungsplan. Auf Anregung Frankreichs wurde damals beschlossen, dass die Repatriierung im Zeitraum zwischen dem 1.11.1948 und dem 18.1.1949 erfolgen solle, und zwar in 24 Transporten (53.190 Deutsche und 8.282 Österreicher). Den Wirtschaftsbehörden wurde befohlen, den Rückzug der repatriierten Personen von der Arbeit in die Heimat nicht zu behindern. Da auch „Volksdeutsche“ befreit wurden, konnten sie die Arbeit fortsetzen, aber als fremde Staatsangehörige. Vgl. AJ-50-35-73, Nr.&nbsp;511650, 1.8.1947; AJ-50-119-241, Nr.&nbsp;17, 4.9.1947 und Nr.&nbsp;3101, 19.10.1948; AJ-16-23-28, (streng vertraulich) Nr.&nbsp;643/47; Wolfgang Benz: Kriegsgefangenschaft in NS-Lagern – Kriegsgefangenschaft in alliierten Gefangenenlagern. In: Angelika Arenz-Morch, Uwe Bader, Martina Ruppert-Kelly (Red.): Kriegsgefangenenlager 1939–1950. Kriegsgefangenschaft als Thema der Gedenkarbeit. Mainz/Osthofen: Herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz 2012, S.&nbsp;12–21, hier: S.&nbsp;14; zur Repatriierung im Kontext der Transportbegleiter siehe: AJ-507-IX, 86/III-22, Sign. 11745 und 11744.</p>



<p><a href="#_ftnref44">[44]</a> Vgl. Rozita Levi (Hg.): Dokumenti o spoljnoj politici SFRJ: 1949 [Akten zur Auswärtigen Politik der SFRJ: 1949]. Beograd 1991, S.&nbsp;12.</p>



<p><a href="#_ftnref45">[45]</a> Der Ingenieur Erich But wurde am 20. Februar 1950 nach seiner Beschäftigung in der Schamottenfabrik in Aranđelovac befreit. Vgl. AJ, Die Hauptrichtung der Bundesindustrie von feuerfesten Materialien (133)-15-25, Nr.&nbsp;445, 7.3.1950.</p>



<p><a href="#_ftnref46">[46]</a> Rainer A. Blasius (Hg.): Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland 1949/50, München 1997, S.&nbsp;110–113, S.&nbsp;475f.; Mitteilung. In: Borba[Der Kampf], Nr.&nbsp;33, 8.2.1949, S.&nbsp;1; AJ, Union der Studenten von Jugoslawien (145)-48-181, Schreiben des Vereins Deutscher Studenten, 2.–5.6.1951; Verschobene Sühne. In: Der Spiegel, Nr.&nbsp;46, 10.11.1954, S.&nbsp;11–13; Benz: Kriegsgefangenschaft in NS-Lagern, S.&nbsp;14–15; Branko Petranović, Čedomir Štrbac: Istorija socijalističke Jugoslavije. Knjiga prva [Geschichte des sozialistischen Jugoslawiens. Erstes Buch]. Beograd 1977, S.&nbsp;120.</p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. die Beiträge des Sammelbandes von Erich Maschke, Kurt W. Böhme (Hgg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges. Die deutschen Kriegsgefangenen in Jugoslawien 1949–1953. Bielefeld 1964; sowie Arbeiten von Arthur L. Smith Jr., Stefan Karner, Vadim Erlichman (Вадим Эрлихман), Modest Kolerov (Модест Колеров), Wolfgang Benz und anderen.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Deutsche Quellen und Forschungsliteratur erwähnen zwischen 150.000 und 240.000 deutsche und österreichische Kriegsgefangene; vgl. Kurt W. Böhme (Hg.): Die Deutschen Kriegsgefangenen in Jugoslawien 1941–1949. Band I. München 1962, S. 42; Josef Beer (Bearb.): Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien. Band II. München, Sindelfingen <sup>3</sup>1997, S. 977.</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Andrej Rodinis: Velika praznina. Njemački ratni zarobljenici na radu u Bosni i Hercegovini [Große Leere. Deutsche Kriegsgefangene bei der Arbeit in Bosnien und Herzegowina]. Tuzla 2017, S. 15; Böhme: Die deutschen Kriegsgefangenen, S. 137f.; Archive von Jugoslawien (AJ), Eisenbahnverwaltung (191)-1, Kriegsgefangene (Ратни заробљеници), Dok. Nr. 4384, 20.6.1945; Historisches Archiv von Belgrad (IAB), 504, Autohändler Miloš Stratimirović<em>,</em> 1946, Dok. vom 29.4.1946 und 3.5.1946.</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zur Lagerökonomie vgl. die Beiträge von Vladimir Pyankevich (Владимир Л. Пянкевич), Khokhlov Valentinovich (Хохлов А. Валентинович) und Nikita Belykh (Никита Белых).</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Einige Forderungen der Unternehmen in: AJ-(191)-1, Kriegsgefangene (Ратни заробљеници); AJ, Ministerium für Elektrizitätswirtschaft (11)-1-9; AJ Ministerium für Industrie (17)-131-132.</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. AJ-11-1-9, Ergebnisse der Sitzung vom 31.3.1945.</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Gefangenen waren folgenden Ministerien zugeteilt: den Ministerien für Verkehr und Landwirtschaft je 20 Prozent, dem Ministerium für Bauwesen, Industrie und Verteidigung je 15 Prozent, dem Ministerium für Erze 10 Prozent und dem Ministerium für Forstwirtschaft 5 Prozent. AJ, Rat für Land- und Forstwirtschaft (4)-19-200, Befehl Nr. 204,16.5.1945.</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Laut Rahmeneinteilungsplan der Fachgefangenen nach Teilrepubliken: Slowenien – bis 36 Prozent, Kroatien – bis 30 Prozent, Serbien (und Vojvodina) – bis 24 Prozent (zehn Prozent), Bosnien und Herzegowina – bis zwölf Prozent, Mazedonien – bis sechs Prozent und Montenegro – bis zwei Prozent. Vgl. AJ-11-6-20.</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zu den größeren Problemen zählen auch unbekannte Angaben zur Zahl der eingesetzten Gefangenen – die Schätzungen bewegten sich von 115.000 bis 165.000 – und große Verspätungen der eingeteilten Gefangenen an ihren Bestimmungsorten. Vgl. AJ-4-19-200, vertrauliche Akten Or. Nr. 294, 19.6.1945; Nr. 11, 12.6.1945 und Nr. 97, 21.7.1945; AJ-17-97-97, Akte ohne Nr., 19.7.1945.</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. AJ, Regierungspräsidentschaft (50)-33-65, K. Nr. 285, 9.6.1945.</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ohne Rücksicht auf den Befehl lehnte es das Militär in einzelnen Regionen, etwa der Vojvodina, ab, die Lager zu übernehmen, was es mit dem Schulungsbedarf rechtfertigte, während andererseits eine kleine Zahl von Polizeikräften dafür zuständig war. Mit Rücksicht darauf, dass in diesen Gegenden auch Volksdeutsche „eingelagert“, das heißt in Lagern untergebracht werden sollten, war der Mangel an Bewachungskräften so groß, dass Fluchten bis zum Herbst 1945 üblich waren und zu einer Massenerscheinung zu werden drohten. Vgl. AJ-50-119-241.</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Lager mussten folgende Ausstattung haben: Rasierstube, Schneiderei, Schuhmacherei, Wäscherei, Bad, Desinfektionsmittel, Krankenhaus mit Abteilungen für Chirurgie, übertragbare Krankheiten und für Rekonvaleszenz, Bibliothek und Gefängnis. Ermöglicht wurde die Eröffnung von Kantinen (mit Nahrungsmitteln, Tabakwaren und hygienischen Produkten, Kleinigkeiten für den Wohnbedarf, mit Kleidung und Schuhen, aber ohne alkoholische Getränke). Den Gefangenen ihre Kleidung, Schuhe, persönlichen Dinge und Geld wegzunehmen, war streng verboten. Es galt die Sechs-Tage-Woche, und der Werktag entsprach dem der einheimischen Arbeitskräfte. Folgendes war möglich: intellektuelle Unterhaltung und „Unterrichtsunterhaltung“, Körperkultur und Sport, Ausübung des religiösen Bekenntnisses, Postsendungen. Folgendes war festgelegt: Disziplinar- und Strafmaßnahmen sowie die Frage des Nachlassgebens, Ort und Art und Weise der Bestattung von Verstorbenen: Auf dem nächsten Friedhof sollte eine Parzelle gepachtet und nach Nationalitäten aufgeteilt werden. Vgl. AJ-4-18-177, Nr. 80, 22.7.1945.</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ein Beispiel ist die Auswahl von 30 Gefangenen, die Facharbeiten in der Torpedofabrik in Rijeka verrichten sollten. Vgl. Sara Vukušić: Standard života njemačkih ratnih zarobljenika korištenih u društveno korisnom radu u Rijeci u drugoj polovici 1945 [Der Lebensstandard der deutschen Kriegsgefangenen, die in Rijeka in der zweiten Hälfte des Jahres 1945 für Arbeiten zugunsten der Gesellschaft verwendet wurden]. In: Klepsidra, Udruge studenata Malleus 3–4 (2008–2009), S. 1–19, hier: S. 9–10, &lt;http://malleus.ffri.uniri.hr/index.php/klepsidra-2008-2009/clanci>, 1.8.2018. Anleitung zum Einsatz der Arbeitskraft der Kriegsgefangenen in der Sektion für den Wiederaufbau der Eisenbahnstrecke Kraljevo–Raška. Vgl. AJ-191-4, 1945–1946.</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Noch um die Jahresmitte 1947 teilte das Ministerium für Inneres mit, eine gewisse Zahl von Gefangenen-Experten, die nicht regelmäßig eingesetzt seien, zur Verfügung zu haben. Vgl. AJ-17-97-97, Gegenstand VIII Nr. 1797/47.</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. AJ-17-2-2, Nr. 327, 13.10.1945.</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. AJ-11-1-9, Promemoria, April 1945; AJ-11-6-20, Akte IV, Nr. 943, 22.5.1945; AJ-50-11-241, Nr. 144, 25.4.1945. Einzelne Gefangene wurden auch in den folgenden Jahren gesucht: Vgl. AJ-11-24-64, Nr. 7910, 12.5.1947 und Nr. 8708, 23.5.1947; AJ-4-62-439, Nr. 3135, 28.10.1947.</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. AJ-11-10-35, Akte II, Nr. 194, 3.6.1945.</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Einige Beispiele: AJ-4-28-262; AJ-11-6-20; AJ-11-8-33; AJ-11-10-39; AJ-17-97-97; AJ-17-129-130; AJ-17-160-161; AJ, Ausschuss für den Schutz der nationalen Gesundheit (31)-66-95; AJ-31-67-95.</div><div>19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Beschäftigt wurden Musiker, Balletttänzer, Dekorateure, Graphiker, Maler, Architekten und andere für den Bedarf der Theater in Belgrad, Zagreb, Ljubljana, Sarajevo, Novi Sad, Pančevo, Niš, Osijek, Rijeka, des Rundfunks in Belgrad und Ljubljana, der Verlagshäuser, Unterrichts-, Kunst- und Wissenschaftsorganisationen und Institute sowie auch medizinisches Personal. Vgl. AJ, Komitee für Kultur und Kunst (314)-9-34; AJ-31-67-95, Nr. 1048, 8.4.1947. Das künstlerische Engagement deutscher Gefangener war auch Thema in der Literatur (siehe das Drama von Aleksandar Popović, <em>Kus petlić</em> [Kurzschwanziges Hähnchen]).</div><div>20&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die größte Zahl arbeitete im Verkehr (etwa 19.200 Personen im Januar 1946), in der Land- und Forstwirtschaft (allein in den Wäldern von Kroatien im Juli 1945 mehr als 2.800 Gefangene, bei einem darüber hinaus angemeldeten Bedarf von 5.000–7.000), aber auch im Bergwesen und in der Industrie. Beispiele in: AJ-4-18-177; AJ-17-97-97; AJ-17-129-130; AJ-50-119-241; AJ, Generaldirektion der Schwarzen Metallurgie (106)-3-9; AJ-191-4, 1945–1946.</div><div>21&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;AJ-4-19-200, Nr. 139, 14.9.1945.</div><div>22&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dias Militär empfahl den Zivilressorts, in denen die Gefangenen noch ab September 1945 arbeiteten, dass sie sich rechtzeitig mit Unterkünften und Ernährung auf den Winter vorbereiten sollten. Die Eisenbahnverwaltung rechtfertigte sich in dieser Zeit damit, dass sie keine Kleidung, keine Schuhe und keinen Kredit für die Anschaffung habe. Vgl. AJ-4-19-200, Nr. 139, 14.9.1945; AJ-191-4, 1945–1946.</div><div>23&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eine Arbeitsstunde der Gefangenen wurde mit 45 Dinar verrechnet, eine Überstunde mit zusätzlichen acht Dinar. Die Zahl der Arbeitstage im Monat variierte zwischen 22 und 27. Besonders engagierte Gefangene waren nicht selten. Im August 1946 wird für sechs von 25 Gefangenen in der Sektion bei Leposavić hervorgehoben, dass sie sich „auf der Arbeit besonders hervorgehoben haben“. Die Gefangenen wurden mit Zigaretten der Marke Bosna(20 Stück wöchentlich) zum Preis vom neun Dinar versorgt. Vgl. AJ-191-4, 1945–1946; AJ-191, Bücher 11 und 12, Arbeitsbuch für Kriegsgefangene (Radna knjiga za ratne zarobljenike), Lohnliste VII–VIII 1946 und IX 1946 – I 1947.</div><div>24&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. AJ-191-4, 1945–1946.</div><div>25&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;AJ-11-1-9; AJ-11-3-15, Akten von Mai bis Juli 1945.</div><div>26&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Grundlage für den besseren Einsatz war der Bescheid des Wirtschaftsrates vom 15.9.1945, mit dem die Entlohnung der Gefangenen in der Höhe der persönlichen Versorgungsbedürfnisse ermöglicht wurde; der Rest des Verdienstes wurde im „Fonds für den Wiederaufbau des Landes“ angelegt. So wurden zum Beispiel für den Feinmechaniker Josef Jene, der Anfang November 1946 aus dem Lager in Smederevska Palanka in den Zuständigkeitsbereich des Ministeriums für Industrie in Belgrad überging, 2.500 Dinar festgelegt, die Ernährung in der Kantine und eine Wohnung im Gebäude des Ministeriums wurden gesichert. Von dem Betrag wurden auch die Kosten für Ernährung und Wohnung ausbezahlt sowie auch ein „Kredit“ für Schuhe und den Arbeitsanzug. Obwohl ein Gefangener kein Geld „auf die Hand“ bekommen konnte, sollten die gesicherte Versorgung, alle erforderlichen Werkzeuge und die Arbeitsausrüstung ermöglichen, dass er „die Arbeit mit mehr Wille und Fleiß“ erledige. Vgl. AJ-17, Personal, f. 6 Bescheide Nr. 10709, 22.11.1945 und Nr. 3324, 4.6.1946.</div><div>27&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;In der Akte des Ministeriums für Industrie ist notiert: „Wir haben hier Weltkapazitäten. Sie sollen maximal eingesetzt werden. Ihnen sollen alle Arbeitsmöglichkeiten gegeben werden. Mit ihnen soll wie mit den Fachleuten (Experten) umgegangen werden. Sie sollen Gehälter und Preise bekommen, falls sie gute Arbeiter sind. Unter diesen Männern befinden sich hochqualifizierte Fachleute, die zu jedem Preis im Land behalten werden sollen und deswegen ist dafür ein gutes Verfahren erforderlich.“ AJ-11-4-17, Protokoll über das Treffen vom 19.11.1946.</div><div>28&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nach einer Erhebung des Ministeriums für Inneres vom Mai 1946 waren im Lager 611 Offiziere – Fachmänner für einzelne Gebiete der Industrie (255 verschiedene Berufe, 26 für die Ernährungsindustrie, 23 für die chemische Industrie, 44 für die Elektroindustrie, 37 für die holzverarbeitende Industrie, 26 für die Textilindustrie, 92 für die Metallindustrie, 20 für die Mechanik und 88 für das Bauwesen). Solche Verzeichnisse der Fachleute wurden den Industriezweigen zu Zwecken der Auswahl zugestellt. Im Laufe des Jahres wurden die Anforderungen an das Ressort nach Fachmännern aus Vrsac noch konkreter, und sporadisch wurden präzise Erhebungen geführt. Vgl. AJ-11-1-5; AJ-11-6-22; AJ-11-30-81.</div><div>29&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bis zu diesem Zeitpunkt kümmerte sich die Abteilung für Kriegsgefangene des Verteidigungsministeriums um die Fragen der Kriegsgefangenen. Vgl. AJ-50-119-241, Bescheid vom 12.2.1946; AJ-191-4, 1945–1946, Nr. 105, 12.1.1946.</div><div>30&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Einbindung der gefangenen Fachleute sollte einen höheren Arbeitselan ermöglichen mit der Perspektive, dass sie sich zur Arbeit in Jugoslawien auch nach der Entlassung aus der Gefangenschaft verpflichteten. Vgl. AJ-11-9-34, Nr. 4435, 16.5.1946 und Nr.1546, 30.5.1946; AJ-54-46-109, Protokoll vom 5.6.1946. Nach einem Parteidokument erfasste das Ministerium für Inneres bis Ende 1946 6.185 Fachleute in 44 Berufen, von denen ca. 58 Prozent zur Arbeit eingesetzt wurden. Vgl. AJ, Bund der Kommunisten Jugoslawiens (507)-IX, 86/III-10, Verzeichnis, 30.12.1946.</div><div>31&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;AJ, Arbeitsministerium (25)-87-219; AJ-31-66-95; AJ-17-97-97.</div><div>32&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Kartenmuster wurden in 70.000 Exemplaren gedruckt und wie folgt verteilt: 14.000 in Serbien, 7.000 in der Vojvodina, 10.000 in Kroatien, 12.000 in Slowenien, 9.000 in Bosnien und Herzegowina, 6.000 in Montenegro, 3.000 in Mazedonien, 8.000 auf der Baustelle der Eisenbahnstrecke Šamac–Sarajevo und 1.000 als Reserve (Ersatz). Die Karten sollten für Rechtsanwälte, Beamte, Schüler, Frisöre, Kellner, Schaffner, Buchhalter, Köche, Offiziere ohne Fachkenntnisse im Bereich der Wirtschaft, Bäcker, Richter, Priester, Hausierer, Kaufleute (Händler) und nicht qualifizierte Arbeiter nicht ausgefüllt werden. Vgl. AJ-17-97-97, (streng vertraulich) Nr. 138, 7.6.1947.</div><div>33&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. AJ, Ministerium für Schwerindustrie (16)-23-28, Akten aus dem Jahre 1948.</div><div>34&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. AJ-17-129-130, Gegenstand Nr. 2070/46.</div><div>35&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. AJ-25-152-404; AJ-11-43-148; AJ-11-83-272; AJ-31-67-95.</div><div>36&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Einige Unternehmen verlangten beharrlich, ein Werktag solle zehn Stunden dauern (anstelle von acht Stunden, wie im Juli 1946 festgelegt). Vgl. AJ-50-119-241; AJ-191-4, 1945–1946.</div><div>37&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;So wurde einmal ein Glaser für eine Arbeit gesucht, in das Unternehmen aber ein Glashändler entsandt. Vgl. AJ-17-97-97, 17.3.1947.</div><div>38&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. AJ-11-7-32, Schreiben vom 3.7.1947.</div><div>39&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das Beispiel von Osijek war kein Einzelfall, sondern ein solches Verfahren wurde als „verbreitet“ eingeschätzt. AJ-50-119-241, Gegenstand K Nr. 1565, 25.12.1945. Später wurde es üblich, dass Gruppen deutscher Gefangener längere Zeit am selben Ort Arbeiten verrichteten und man ihnen vorläufige Bewegungsfreiheit gewährte. So erhielten beispielsweise Walter Schmitt und noch drei Gefangene die Bewegungsfreiheit vom Lager 3 in Belgrad bis zum Garten des Regierungspräsidiums, den sie bearbeiteten. Vgl. AJ-50-119-241, Nr. 6979, 17.8.1948.</div><div>40&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Neuhausen behielt seinen Kopf. In: Der Spiegel, 17.11.1949, S. 19–20 (ohne Autor); Jozo Tomasevich: War and Revolution in Yugoslavia 1941–1945. Stanford 2001, S. 76, S. 653.</div><div>41&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;So wurde der landwirtschaftliche Experte Eugen Fischer am 24.1.1947 der Imkerei in Vrbas zugeordnet und nach eineinhalb Monaten in das Lager zurückgesandt, da er sich „weder als Fachmann für Landwirtschaft erwies noch ein wenig Arbeitswilligkeit zeigte“. AJ-4-28-262, Pers. Nr. 321.</div><div>42&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe die Listen der deutschen Linken und Antifaschisten in: AJ-507-IX, 86/III-10; AJ-507-IX, 86/II-14.</div><div>43&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Jugoslawien hatte bis August 1948 noch keinen Repatriierungsplan. Auf Anregung Frankreichs wurde damals beschlossen, dass die Repatriierung im Zeitraum zwischen dem 1.11.1948 und dem 18.1.1949 erfolgen solle, und zwar in 24 Transporten (53.190 Deutsche und 8.282 Österreicher). Den Wirtschaftsbehörden wurde befohlen, den Rückzug der repatriierten Personen von der Arbeit in die Heimat nicht zu behindern. Da auch „Volksdeutsche“ befreit wurden, konnten sie die Arbeit fortsetzen, aber als fremde Staatsangehörige. Vgl. AJ-50-35-73, Nr. 511650, 1.8.1947; AJ-50-119-241, Nr. 17, 4.9.1947 und Nr. 3101, 19.10.1948; AJ-16-23-28, (streng vertraulich) Nr. 643/47; Wolfgang Benz: Kriegsgefangenschaft in NS-Lagern – Kriegsgefangenschaft in alliierten Gefangenenlagern. In: Angelika Arenz-Morch, Uwe Bader, Martina Ruppert-Kelly (Red.): Kriegsgefangenenlager 1939–1950. Kriegsgefangenschaft als Thema der Gedenkarbeit. Mainz/Osthofen: Herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz 2012, S. 12–21, hier: S. 14; zur Repatriierung im Kontext der Transportbegleiter siehe: AJ-507-IX, 86/III-22, Sign. 11745 und 11744</div><div>44&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Rozita Levi (Hg.): Dokumenti o spoljnoj politici SFRJ: 1949 [Akten zur Auswärtigen Politik der SFRJ: 1949]. Beograd 1991, S. 12.</div><div>45&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Ingenieur Erich But wurde am 20. Februar 1950 nach seiner Beschäftigung in der Schamottenfabrik in Aranđelovac befreit. Vgl. AJ, Die Hauptrichtung der Bundesindustrie von feuerfesten Materialien (133)-15-25, Nr. 445, 7.3.1950.</div><div>46&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Rainer A. Blasius (Hg.): Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland 1949/50, München 1997, S. 110–113, S. 475f.; Mitteilung. In: Borba[Der Kampf], Nr. 33, 8.2.1949, S. 1; AJ, Union der Studenten von Jugoslawien (145)-48-181, Schreiben des Vereins Deutscher Studenten, 2.–5.6.1951; Verschobene Sühne. In: Der Spiegel, Nr. 46, 10.11.1954, S. 11–13; Benz: Kriegsgefangenschaft in NS-Lagern, S. 14–15; Branko Petranović, Čedomir Štrbac: Istorija socijalističke Jugoslavije. Knjiga prva [Geschichte des sozialistischen Jugoslawiens. Erstes Buch]. Beograd 1977, S. 120.</div><p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/deutsche-kriegsgefangene-jugoslawien/">Deutsche Kriegsgefangene als Arbeitskräfte in der jugoslawischen Wirtschaft zwischen 1945 und 1949</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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		<title>Bulgariens Rolle im deutschen Bündnissystem des Dreimächtepaktes 1941–1944</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Nov 2021 10:19:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2019–2020]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bulgarien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>PDF-Download Björn Opfer-Klinger, Leipzig Mit dem Beitritt zum Dreimächtepakt am 1.&#160;März 1941 trat die Königsdiktatur Bulgarien offen an der Seite der Achsenmächte in den Zweiten Weltkrieg ein. Sie reihte sich somit in das Bündnis zwischen Berlin und Rom sowie „kleineren“ Staaten wie Ungarn oder wenig später der Slowakei, Rumänien und Finnland ein. Allerdings nahm Bulgarien [&#8230;]</p>
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<p>PDF-Download</p>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p> Björn Opfer-Klinger, Leipzig </p>



<p>Mit dem Beitritt zum Dreimächtepakt am 1.&nbsp;März 1941 trat die Königsdiktatur Bulgarien offen an der Seite der Achsenmächte in den Zweiten Weltkrieg ein. Sie reihte sich somit in das Bündnis zwischen Berlin und Rom sowie „kleineren“ Staaten wie Ungarn oder wenig später der Slowakei, Rumänien und Finnland ein. Allerdings nahm Bulgarien eine gewisse Sonderrolle unter diesen, mit den Achsenmächten kollaborierenden Staaten ein. So wechselte Bulgarien 1944 wie zuvor Italien und Rumänien auf die Seite der Alliierten, und in der bulgarischen Erinnerungskultur zementierte sich nach dem Zweiten Weltkrieg das nationale Eigenbild als „Retter der bulgarischen Juden“ vor der deutschen Vernichtungspolitik. Nicht ohne Grund bezeichneten Historiker wie Hans-Joachim Hoppe Bulgarien als „Hitlers eigenwillige[n] Verbündete[n]“<sup class="modern-footnotes-footnote ">1</sup>. Bis heute gehen deshalb die Deutungen zum Charakter des bulgarischen Bündnisses mit den Achsenmächten auseinander. Erschwerend kommt hinzu, dass viele vertiefende Detailstudien, beispielsweise zu den zentralen politischen und gesellschaftlichen Akteuren, Organisationen und Behörden in Bulgarien in der Zarendiktatur von Boris&nbsp;III., nach wie vor ausstehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Bulgarien und Deutschland – seit dem Ersten Weltkrieg in Waffenbrüderschaft verbunden?</h2>



<p>Das Zarenreich Bulgarien zählte zu Beginn des Ersten Weltkrieges zu den ambitionierten, aufstrebenden Staaten Südosteuropas, mit dem Ziel, eine regionale Großmacht zu werden. Aus deutscher Perspektive hatte Bulgarien für die deutsche Außenpolitik zu dieser Zeit nur wenig Bedeutung. Der Fokus der deutschen Politik lag stärker auf Rumänien und Griechenland beziehungsweise in zunehmendem Maße auf dem jungtürkisch regierten Osmanischen Reich. In Bulgarien herrschte zwar mit Ferdinand&nbsp;I. von Sachsen-Coburg-Gotha eine deutsche Dynastie, jedoch bestand deswegen kein inniges Verhältnis zwischen Berlin und Sofia. Eine wachsende Zahl von Bulgaren studierte in Deutschland, insbesondere in Leipzig und Halle. Besonders in Technik und Agrarökonomie galt das Deutsche Reich als Vorbild. Trotzdem übten Frankreich und Russland eine viel größere kulturelle Anziehungskraft auf die bulgarischen Eliten aus.<sup class="modern-footnotes-footnote ">2</sup> Erst der Erste Weltkrieg führte zu einem Zweckbündnis zwischen dem Deutschen Reich und Bulgarien. 1915 drohte eine Niederlage des Osmanischen Reiches, das seit Herbst 1914 an der Seite Deutschlands und Österreich-Ungarns kämpfte. Um dieses zu stützen und damit die langfristigen Interessen im Nahen Osten zu schützen, benötigte das Deutsche Reich eine direkte Landverbindung durch Südosteuropa und somit die Unterstützung Bulgariens. In Sofia regierte zu dieser Zeit eine bürgerlich-liberale Regierungskoalition. Diese sah die Chance auf eine Revision der Friedensverträge von 1913 – nach dem verlorenen Zweiten Balkankrieg. Da ein Bündnis mit dem Deutschen Reich größeren Nutzen versprach, trat sie im Sommer 1915 auf Seite der Mittelmächte in den Krieg ein. Auch wenn in den folgenden drei Jahren intensiv die deutsch-bulgarische Waffenbrüderschaft propagiert wurde, blieb das gegenseitige Verhältnis ein reines Zweckbündnis. 1917/18 mehrten sich sogar auf bulgarischer Seite die Antipathien. Bulgarische Militärs und Politiker sahen sich zu wenig von Deutschland in den eigenen Expansionsinteressen, in der schwierigen Versorgungslage und in den Kämpfen an der Saloniki-Front unterstützt. Gegen Ende des Krieges richtete sich dieser Unmut sogar innerhalb Bulgariens gegen den Zaren Ferdinand selbst.<sup class="modern-footnotes-footnote ">3</sup> Nach der Niederlage 1918, der Abdankung Zar Ferdinands zugunsten seines Sohnes Boris und dem harten Frieden von Neuilly-sur-Seine erreichte das deutsch-bulgarische Verhältnis einen Tiefpunkt. Trotzdem emigrierten viele ehemalige bulgarische Führungskräfte, darunter Zar Ferdinand, aber auch Militärs wie der Oberbefehlshaber General Nikola Žekov, 1918/19 nach Deutschland, da sie fürchteten, als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt zu werden. Auf diese Weise blieben gegenseitige Kontakte im militärischen und rechtsnationalen Spektrum bestehen. Dies galt auch für die universitären Beziehungen. Zwar blieb Frankreich weiterhin das kulturelle Vorbild für die gesellschaftliche Oberschicht Bulgariens, jedoch stieg nun die Zahl bulgarischer Studenten an deutschen Universitäten an. Viele von ihnen sollten später während des Zweiten Weltkrieges wichtige Funktionen in ihrem Land einnehmen. Dazu zählten Ivan Bagrjanov und Aleksandăr Belev. <sup class="modern-footnotes-footnote ">4</sup>Beide spielten in der späteren Kollaborationspolitik Bulgariens eine nennenswerte Rolle. Seit Ende der 1920er-Jahre wurde die deutsche Studentenschaft immer deutlicher von der nationalsozialistischen Ideologie beeinflusst. Inwieweit sich dies auch auf die bulgarischen Gaststudenten und damit auf die spätere akademische Elite Bulgariens auswirkte, ist jedoch noch ein wissenschaftliches Desiderat.</p>



<p>Sicher ist, dass bereits früh persönliche Kontakte zwischen Akteuren der rechtsnationalistischen und faschistischen Organisationen in Bulgarien und Deutschland entstanden. Beispiele dafür waren Ivan Dočev und General Christo Lukov, Führer der Săjuz na Bălgarskite Nacionalni Legioni (Bund der nationalen bulgarischen Legionäre); aber auch die Gründer der faschistoiden Organisationen OtezPaisij (Vater Paisij<sup class="modern-footnotes-footnote ">5</sup>.) und Ratnici (Kämpfer), Asen Kantardžiev und Petăr Gabrovski, waren darunter.<sup class="modern-footnotes-footnote ">6</sup></p>



<p>Das Hauptaugenmerk der bulgarischen außenpolitischen Beziehungen richtete sich bis in die 1930er-Jahre dennoch überwiegend auf Frankreich, Großbritannien und Italien.<sup class="modern-footnotes-footnote ">7</sup> Dies änderte sich erst infolge der verheerenden Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, die Bulgarien in dramatische Schwierigkeiten stürzte. Gleichzeitig propagierte aber in Deutschland der 1931 gegründete und zunehmend einflussreiche industrielle Lobbyverband Mitteleuropäischer Wirtschaftstag das Ziel, möglichst ganz Südosteuropa zu einem wirtschaftlichen Ergänzungsraum für die Bedürfnisse der deutschen Industrie werden zu lassen. Auch wenn dabei die rohstoffreicheren Staaten Jugoslawien und Rumänien klar im Vordergrund standen, betraf diese Außenhandelspolitik auch Bulgarien. Dieses stand infolge seiner hohen Staatsverschuldung vor der Zahlungsunfähigkeit. Der 1932 abgeschlossene deutsch-bulgarische Handelsvertrag bot ihm die einzige realistische Chance, seinen Außenhandel wiederzubeleben. Dies lag nicht zuletzt an dem angewandten Clearing-Verfahren, welches ohne Devisenzahlungen auskam und den Wert der ausgetauschten Waren gegenseitig verrechnete.<sup class="modern-footnotes-footnote ">8</sup> Bis Ende der 1930er-Jahre entwickelte sich das Deutsche Reich zum mit Abstand wichtigsten Handelspartner und zahlte durch den devisenfreien Warenaustausch Bulgarien bessere Preise, als dieses auf dem Weltmarkt möglich gewesen wäre. 1939 wurden rund zwei Drittel des Im- und Exports mit Deutschland abgewickelt, was eine Verdreifachung gegenüber dem Jahr 1930 darstellte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">9</sup> Dabei entwickelte sich ein Ungleichgewicht: Die deutsche Wirtschaft importierte immer mehr südosteuropäische Rohstoffe und Agrargüter, ohne aber im gleichen Wert eigene Waren dorthin zu exportieren. Dadurch verschuldete sich das Deutsche Reich immer stärker gegenüber Bulgarien und den anderen südosteuropäischen Staaten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">10</sup></p>



<p>Die ökonomische Verflechtung der beiden Volkswirtschaften ging in den 1930er-Jahren mit der nun spürbaren Intensivierung der kulturellen Beziehungen beider Länder einher. Dies drückte sich in Gestalt einer rasch steigenden Zahl von Publikationen und Ausstellungen sowie in Austausch- und Kooperationsprogrammen aus.<sup class="modern-footnotes-footnote ">11</sup> Der langjährige deutsche Gesandte in Sofia, Eugen Rümelin, berichtete am 31.&nbsp;Mai 1938 zufrieden an das Auswärtige Amt, die prodeutschen Sympathien würden im Land spürbar zunehmen. Im Falle eines Konfliktes zwischen dem Deutschen Reich und anderen Mächten wäre, so Rümelin, mit einer wohlwollenden Neutralität Bulgariens zu rechnen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">12</sup></p>



<p>Zu dieser Zeit herrschte Zar Boris&nbsp;III. bereits rund drei Jahre in einer weitgehend autoritären Diktatur. Boris war 1918 infolge des Rücktritts und der Emigration seines Vaters Ferdinand auf den Thron gekommen. Als Herrscher blieb er lange Zeit ein eher zurückhaltender Monarch, der nicht offen in die Politik eingriff, auch wenn er im Hintergrund besonders im konservativen Spektrum vernetzt war und Einfluss ausübte. Dies zeigte sich beispielsweise während des Putsches vom 9.&nbsp;Juni 1923 gegen die agrarrevolutionäre Bauernbund-Regierung von Aleksandăr Stambolijski und der nachfolgenden rechtskonservativen Regierung unter Aleksandăr Cankov. Ein Teil der Putschisten von 1923 bildete die Organisation Sveno (Kettenglied). Diese forderte die Auflösung des parlamentarischen Parteiensystems und die Umgestaltung Bulgariens in einen Ständestaat nach Vorbild des faschistischen Italiens. Derartigen Vorstellungen war auch der Zar nicht abgeneigt. Boris&nbsp;III. heiratete 1930 die vierte Tochter des italienischen Königs Viktor Emanuel&nbsp;III., Giovanna von Savoyen. Später äußerte Boris, dass er in seiner Politik auf die Erfahrung des „großen Italiens“ zurückgreife, da der Faschismus „den richtigen Weg zur Rettung des Volkes“ aufzeige.<sup class="modern-footnotes-footnote ">13</sup> Inwieweit dies in erster Linie guten Beziehungen zu Italien diente oder wie stark wirklich der italienische Faschismus das politische Denken von Boris&nbsp;III. geprägt hat, ist noch nicht eindeutig aufgearbeitet.</p>



<p>Die in der Sveno organisierten Offiziere putschten am&nbsp;19. Mai 1934. Sie lösten das Parlament, alle Parteien und Gewerkschaften auf und bildeten eine Regierung aus Fachleuten und Offizieren. Auch die Autonomie der international gut vernetzten Universität von Sofia wurde weitgehend abgeschafft.<sup class="modern-footnotes-footnote ">14</sup> Die Verbindungen zwischen der Sveno und dem Königshof sind nicht umfassend erforscht. Sicher ist jedoch, dass die Sveno-Putschisten der Zarendiktatur den Weg ebneten. Am 22.&nbsp;Januar 1935 stürzten königstreue Offiziere wiederum die Sveno-Regierung. Fortan regierten königstreue Kabinette aus hohen Staatsbeamten und Offizieren. Boris&nbsp;III. war jedoch nicht stark genug, um eine offene Diktatur mit einer neuen autoritären Verfassung zu errichten. Auch wenn zur bulgarischen Gesellschaft der 1930er-Jahre noch viele Fragen offen sind, kann doch gesagt werden, dass die gesamtgesellschaftliche und innenpolitische Lage ähnlich labil war wie in den meisten Staaten Südosteuropas. Dies ermöglichte Zar Boris mittels einer geschickten Einbindung verschiedenster Strömungen in sein Herrschaftssystem, sich als nötiger Stabilitäts- und Ordnungsfaktor darzustellen. Die Situation der weitgehend völlig verarmten klein- und mittelbäuerlichen Landbevölkerung beziehungsweise der kleinen Gewerbetreibenden blieb prekär. Die Kommunisten verfügten zwar über keine Massenbasis, waren aber über die Komintern eng mit der Sowjetunion verbunden. Unterschwellig war stets unklar, inwieweit sich die in Bulgarien weit verbreiteten prorussischen Sympathien auch auf die Sowjetunion bezogen. Die anglo- und frankophilen Liberalen und Demokraten besaßen quantitativ nur wenig Rückhalt im Land, waren aber stark im urbanen Wirtschafts- und Gesellschaftsleben vertreten. Gleichzeitig gewann die zersplitterte und untereinander zerstrittene nationalistische und faschistoide Szene an Zulauf. All diese Kräfte, inklusive mit diesen einhergehenden außenpolitischen Präferenzen, musste das Zarenregime berücksichtigen und ihnen jeweils wechselweise ein Stück entgegenkommen. Entsprechend wurde im Oktober 1937 auf Basis eines überarbeiteten Wahlgesetzes ein neues Parlament gewählt. Dies ermöglichte nur gewählten Einzelpersonen den Einzug in die Nationalversammlung, der Săbranie. Politische Parteien blieben verboten, waren aber letztlich über Einzelkandidaten fast alle mehr oder weniger im Parlament vertreten, selbst die Kommunisten.</p>



<p>In seiner Realpolitik bewahrte Boris&nbsp;III. Distanz zu den maßgeblichen Vertretern der extremen Rechten wie General Christo Lukov, die eine totalitäre Massenpartei nach italienischem oder deutschem Vorbild anstrebten. Zwar wurde Lukov zunächst noch als Kriegsminister in die Regierung eingebunden, wurde aber entlassen, als er versuchte, zu sehr Einfluss auf Stellenbesetzungen der Regierung zu nehmen und in den Verdacht geriet, Gelder seines Ministeriums unterschlagen zu haben.<sup class="modern-footnotes-footnote ">15</sup> Boris stützte sich nach 1935 in erster Linie auf die bürgerlich-konservativen und gemäßigt nationalistischen Kräfte in den verschiedenen Sicherheitsorganen (Polizei, Geheimdienst), in der Staatsverwaltung und Teilen des Offizierskorps.<sup class="modern-footnotes-footnote ">16</sup> Nichtsdestotrotz stiegen nach und nach auch Mitglieder der faschistoiden Organisation der Ratnici unter dem Ökonomieprofessor Asen <em>Kantardžiev</em>in wichtige Positionen der Staatsbürokratie auf. Dies zeigte sich beispielsweise 1938, als es zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen jüdische Geschäfte in Sofia kam, bei denen die bulgarische Polizei nur äußerst zurückhaltend einschritt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">17</sup> Allerdings kam es anschließend zumindest teilweise zu einer strafrechtlichen Verfolgung der Gewalttäter.Esther Benbassa, AronRodrigue: Die Geschichte der sephardischen Juden. Bochum 2005, S.&nbsp;23<sup class="modern-footnotes-footnote ">18</sup></p>



<p>Von großer Bedeutung in dieser Herrschaftsstruktur war der unmittelbare Kreis von Beratern im Umfeld des Zaren. Viele dieser Vertrauten stammten aus dem rechtsnationalistischen oder dem ultraorthodoxen Milieu, wie beispielsweise sein Beichtvater Lulčo Lulčev und der Architekt Jordan Sevov.<sup class="modern-footnotes-footnote ">19</sup> Eine offenkundige Sympathie für den italienischen Faschismus oder den deutschen Nationalsozialismus lässt sich allerdings nicht eindeutig nachweisen. Auch seine Frau, Giovanna von Savoyen, zählte zu den einflussreichen Personen, galt aber auch nicht als Sympathisantin Mussolinis oder Hitlers.<sup class="modern-footnotes-footnote ">20</sup></p>



<p>Boris&nbsp;III. war ein Mensch, der tief von den schweren Niederlagen Bulgariens im Zweiten Balkankrieg und im Ersten Weltkrieg geprägt wurde, die seinen Vater um den Thron und 1919 monarchieskeptische Agrarrevolutionäre an die Regierung gebracht hatten. Er versuchte daher stets, große Abenteuer und Risiken zu vermeiden. Entsprechend war seine Innen-, vor allem aber seine Außenpolitik von einem beständigen Austarieren der Kräfteverhältnisse und einem Lavieren zwischen den Machtblöcken geprägt. Auch deswegen berief er 1935 den erfahrenen Diplomaten und Hofmarschall Georgi Kjosseivanov an die Spitze der Regierung, der sich besonders um ein gutes Verhältnis zu den Westmächten und den Nachbarstaaten Bulgariens bemühte.</p>



<p>Die immer engere Kooperation mit der deutschen Wirtschaft verbesserte langsam, aber bald spürbar die Situation größerer Bevölkerungskreise. Trotzdem war die Radikalisierung im rechten und linken Spektrum unübersehbar. Boris&nbsp;III. blieb darauf angewiesen, die inneren wirtschaftlichen Verhältnisse weiter zu stabilisieren, aber auch außenpolitisch Erfolge hinsichtlich der Revision der militärischen und territorialen Friedensbedingungen von 1919 zu erreichen. Nicht nur angesichts der engen Beziehungen der angrenzenden Staaten mit Frankreich und Großbritannien wurde klarer, dass eine solche territoriale Revision nur mit Unterstützung des Deutschen Reiches möglich war. Dieses testete selbst sehr erfolgreich die neuen internationalen Spielräume aus. Im März 1938 kam es zum „Anschluss“ Österreichs und in den darauffolgenden Monaten zur Zerschlagung der Tschechoslowakei. Es dürfte in Sofia registriert worden sein, dass im Windschatten dieser Politik auch Ungarn und Polen territorial profitierten. Gleichzeitig stieg die Bedeutung Deutschlands als Handelspartner. Entsprechend erweiterten sich die Handelsbeziehungen. Deutsche Wirtschaftsunternehmen begannen darüber hinaus, gezielt in die Modernisierung für sie wichtiger Wirtschaftszweige Bulgariens zu investieren.<sup class="modern-footnotes-footnote ">21</sup> Dies stabilisierte indirekt die Stellung des Zarenregimes. Darüber hinaus gelangen diesem aber auch eigene außenpolitische Erfolge. Dazu zählte der Abschluss des Abkommens von Saloniki vom 31.&nbsp;Juli 1938, worin Bulgarien eine nun offene Aufrüstung ermöglicht wurde. Im Gegenzug wurde ein Nichtangriffspakt mit den Nachbarstaaten geschlossen<sup class="modern-footnotes-footnote ">22</sup> Vorausgegangen war dem bereits im Januar 1937 ein Freundschaftsvertrag zwischen Bulgarien und Jugoslawien, welches sich zu diesem Zeitpunkt bereits wesentlich enger am Deutschen Reich orientierte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">23</sup> Andererseits wurden mit dem wachsenden deutschen Einfluss und der innenpolitischen Schwäche besonders Frankreichs in den 1930er-Jahren die außenpolitischen Spielräume für Bulgarien kleiner. Die deutsche Diplomatie drängte auf eine engere, auch außenpolitische Anlehnung an das Achsenbündnis. Dafür traten auch immer lauter die rechtsnationalen und faschistoiden Kräfte in Bulgarien ein. Die weiterhin starke bürgerlich-liberale Opposition forderte hingegen Distanz zu Deutschland und die Pflege guter Beziehungen zu den Westmächten. Die Appeasement-Politik der Westmächte hatte indes auch Auswirkung auf die bulgarische Innenpolitik. Die ungehinderte deutsche Expansionspolitik gegenüber der Tschechoslowakei und Litauen beziehungsweise der italienische Einmarsch in Albanien, gab auch den profaschistischen Kräften in Bulgarien Auftrieb. Hinzu kamen zusätzlich die Folgen des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes vom 23.&nbsp;August 1939, der in Bulgarien dazu führte, dass die dortigen Kommunisten eine wohlwollende Haltung gegenüber einer Annäherung an Deutschland einnahmen. Gleichzeitig beendete der Pakt die Isolation der UdSSR im Kreis der Großmächte. Fortan trat die Stalin-Regierung wesentlich bestimmter und energischer bei der Verfolgung der eigenen außenpolitischen Ziele auf.<sup class="modern-footnotes-footnote ">24</sup></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Bulgariens Politik zu Beginn des Zweiten Weltkrieges</strong></h2>



<p>Die Neuwahlen am 24.&nbsp;Dezember 1939 stärkten die prodeutschen Kräfte im Parlament. Dies führte am 15.&nbsp;Februar 1940 zur Ablösung des eher prowestlichen Ministerpräsidenten Georgi Kjosseivanov sowie zum Austausch vieler bulgarischer Gesandter, unter anderem in Athen und Moskau.<sup class="modern-footnotes-footnote ">25</sup> An seiner statt berief Boris&nbsp;III. den bisherigen Minister für Volksbildung, Bogdan Filov, der als deutschfreundlich bekannt war.<sup class="modern-footnotes-footnote ">26</sup> Der bisherige Transportminister und Führer der Ratnici, Petăr Gabrovski, erhielt nun unter Filov den wichtigen Posten des Innenministers. Damit nahm der ohnehin bereits starke Einfluss faschistoider Strömungen im Sicherheitsapparat weiter zu. Unter Gabrovski wurde im Innenministerium eine zunächst noch kleine Unterbehörde „Sektion für Judenfragen“ eingerichtet. Einige Monate später brachte er das nach Vorbild der deutschen Nürnberger Rassegesetze formulierte „Gesetz zum Schutz der Nation“ durch das Parlament.<sup class="modern-footnotes-footnote ">27</sup> Bulgarien begann sich damit innenpolitisch stärker nach deutschem Vorbild auszurichten.</p>



<p>Ein wichtiger Akteur in der Vorbereitung dieser Gesetzesmaßnahmen war Alexandăr Belev, der wie sein Protegé Gabrovski der faschistoiden Organisation der Ratnici angehörte und im Innenministerium das neue Amt des „Judenkommissars“ erhielt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">28</sup> Auch drei weitere Abteilungsleiter des Kommissariats waren Ratnici.<sup class="modern-footnotes-footnote ">29</sup> Eindeutig antisemitische Maßnahmen waren allerdings bereits unter der Regierung Kjosseivanov seit Ende 1939 initiiert worden, auch wenn diese sich zunächst noch ausschließlich gegen ausländische Juden in Bulgarien richteten, die sich vor der nationalsozialistischen Verfolgung nach Bulgarien geflüchtet hatten. Spätestens seit Anfang 1940 richteten sich antisemitische Maßnahmen auch gegen bulgarische Juden mit griechischen oder türkischen Wurzeln. Diese wurden nun über die Grenze nach Griechenland und in die Türkei abgeschoben oder zum Verlassen des Landes per Schiff gezwungen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">30</sup> Antisemitismus war in Bulgarien kein gesellschaftliches Massenphänomen, hatte aber seit dem Ersten Weltkrieg spürbar zugenommen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">31</sup> Auch in diesem Bereich kam es somit zu einer Annäherung zwischen dem Deutschen Reich und der Zarendiktatur.</p>



<p>Zu den klaren Leitlinien der bulgarischen Diplomatie zählte seit Beginn des Zweiten Weltkrieges, jedes außenpolitische Abenteuer in Gestalt einer Kriegsbeteiligung zu vermeiden. Weiterhin wurde ein gutes Verhältnis zu allen Großmächten gesucht. Trotzdem wuchs der Erfolgsdruck auf das Zarenregime, an der begonnenen Neuordnung vieler Grenzen zu partizipieren. Dieser Erwartungsdruck seitens der bulgarischen Nationalisten stieg, nachdem der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt und der Beginn des Zweiten Weltkrieges eine neue Dynamik hervorgerufen hatten. Die Pariser Friedensordnung zerbrach. Zum Brennpunkt in Südosteuropa entwickelte sich dabei Rumänien, welches zu den großen Gewinnern der territorialen Nachkriegsordnung von 1919/20 gehört hatte. Es hatte sich auf Kosten Ungarns (unter anderem Siebenbürgen, Banat), Russlands (Bessarabien) und Bulgariens (Süddobrudscha) beträchtlich vergrößert. Sämtliche Anrainerstaaten strebten seitdem nach einer Revision der Grenzen des damit entstandenen Großrumäniens. Aus Perspektive bulgarischer Nationalisten gehörte die „Heimholung“ der Süddobrudscha zu den Kernzielen der bulgarischen Außenpolitik. Bulgarische Flüchtlinge und Vertriebene aus der Süddobrudscha spielten in Bulgarien eine durchaus spürbare Rolle. Rumänien seinerseits verfolgte eine sehr repressive Politik gegenüber der großen bulgarischen Minderheit in der Dobrudscha.<sup class="modern-footnotes-footnote ">32</sup> Am Vorabend des Weltkrieges sondierte bereits die Regierung Kjosseivanov intensiv bei den verschiedenen Mächten deren Möglichkeiten, gegenüber Rumänien zu vermitteln – allerdings ohne Erfolg.<sup class="modern-footnotes-footnote ">33</sup> Erst nach Beginn des Krieges und der Aufteilung Polens zwischen dem Deutschen Reich und der UdSSR kam Bewegung auch in die territoriale Frage der Dobrudscha. Dies wurde gefördert durch das sowjetische Bestreben, den eigenen Einfluss an den türkischen Meerengen auszudehnen. Dies wiederum führte nunmehr erstmals zu Kompromissbereitschaft Rumäniens in der Dobrudscha-Frage, ohne aber in konkrete Ergebnisse zu münden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">34</sup></p>



<p>Eine konkrete Chance schien sich zu ergeben, als die Sowjetunion am 26.&nbsp;Juni 1940 Rumänien ein Ultimatum stellte, die Nordbukowina und Bessarabien abzutreten. Diese Maßnahme überraschte auch die deutsche Regierung unangenehm, die ihre dortigen wirtschaftlichen Interessen gefährdet sah.<sup class="modern-footnotes-footnote ">35</sup> Es entstand die Situation, dass für die bulgarische Regierung einerseits von sowjetischer Seite und über sie auch über die innenpolitische kommunistische Opposition die drängende Ermunterung kam, ihrerseits in der Dobrudscha-Frage fordernd aktiv zu werden. Es kursierten sogar Gerüchte, die Zurückhaltung der Regierung sei ein „Verrat“ an den dobrudschaner Bulgaren.<sup class="modern-footnotes-footnote ">36</sup> Gleichzeitig drängte das Deutsche Reich Sofia, Zurückhaltung zu üben.<sup class="modern-footnotes-footnote ">37</sup> Nachdem Rumänien sich gezwungen sah, am 28.&nbsp;Juni 1940 Bessarabien und die Nordbukowina an die Sowjetunion abzutreten, war dies automatisch auch ein Signal an die revisionistischen Kräfte in Ungarn in der Siebenbürgen- und Bulgarien in der Dobrudscha-Frage, die Schwäche Rumäniens zu nutzen. Das Deutsche Reich versuchte vermittelnd einzuwirken, um den eigenen Einfluss in der Region halten zu können. Auch Italien bemühte sich, als Akteur aufzutreten. Beide Achsenmächte schalteten sich damit als Vermittlerinnen ein. Es kam sowohl zu Verhandlungen Rumäniens mit Ungarn als auch mit Bulgarien. Im so genannten Zweiten Wiener Schiedsspruch musste Rumänien am 30.&nbsp;August 1940 der Abtretung großer Gebiete an Ungarn zustimmen. Im Vertrag von Craiova vom 7.&nbsp;September trat es das südliche Drittel der Dobrudscha an Bulgarien ab. Verbunden damit war ein bulgarisch-rumänischer Bevölkerungsaustausch. Bei der Gelegenheit wurde auch die Aussiedlung der Dobrudscha-Deutschen im Rahmen der Aktion „Heim ins Reich“ vereinbart.<sup class="modern-footnotes-footnote ">38</sup></p>



<p>Der deutsche Einfluss in Bulgarien nahm dadurch weiter zu. Weitere einschneidende Ereignisse waren bereits zuvor die Kapitulation Frankreichs am 22.&nbsp;Juni 1940, der Kriegseintritt Italiens auf der Seite Deutschlands und der Beginn der Luftschlacht über England als Vorbereitung für eine deutsche Invasion auf den britischen Inseln. Andererseits bemühte sich auch die Sowjetunion, ihren Einfluss in Bulgarien auszubauen, was auch den Kommunisten im Land Auftrieb gab.<sup class="modern-footnotes-footnote ">39</sup> Der außenpolitische Spielraum des vorsichtigen Boris&nbsp;III. wurde immer kleiner. So sehr sich teilweise die Zarendiktatur am italienisch-faschistischen Staatsmodell orientierte und sich außenwirtschaftspolitisch immer enger mit dem Deutschen Reich verbunden hatte, so war ihm doch nicht an einer Dominanz der prodeutschen, radikalnationalistischen und faschistoiden Kräfte gelegen. Auch wenn dies mit Quellen nach aktuellem Forschungsstand nicht eindeutig zu belegen ist, dürfte ihm die klägliche politische Rolle seines Schwiegervaters, des italienischen Königs Viktor Emanuel&nbsp;III., zusätzlich ein abschreckendes Beispiel gewesen sein. Boris&nbsp;III. selbst prägte den Ausspruch: „Meine Armee ist prodeutsch, meine Frau Italienerin, mein Volk prorussisch, und ich bin als einziger in diesem Land probulgarisch.“<sup class="modern-footnotes-footnote ">40</sup> Allerdings dürfte damit auch ein berechnendes Maß an Koketterie als zentrale vermittelnde Kraft in seinem Land verbunden gewesen sein.</p>



<p>Der ohnehin geschrumpfte außenpolitische Spielraum reduzierte sich zusätzlich, als am 28.&nbsp;Oktober 1940 italienisch-albanische Truppen Griechenland überfielen. Zehn Tage zuvor hatte Mussolini ein gemeinsames Vorgehen gegen Griechenland vorgeschlagen, was aber Boris&nbsp;III. abgelehnt hatte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">41</sup> Der Versuch Mussolinis, im Schatten des deutschen Eroberungskrieges den eigenen Machtbereich in Südosteuropa zu erweitern, hatte vielfältige Folgen. Aus deutscher Perspektive war für Südosteuropa die Rolle als Versorgungsraum für kriegswirtschaftlich unverzichtbare Rohstoffe vorgesehen. Die Balkanländer sollten eng an das Deutsche Reich gebunden werden. Angesichts der ungewissen Ambitionen der UdSSR in der Region besetzten deutsche Truppen am 12.&nbsp;Oktober 1940 die wichtigen rumänischen Erdölfelder bei Ploiești. Mit dem italienischen Überfall auf Griechenland drohte nun die ganze Region unmittelbar in den Krieg hineingezogen zu werden. Tatsächlich entsendete Großbritannien in Reaktion auf den italienischen Angriff Luftwaffeneinheiten der Royal Air Force nach Griechenland und später auch Bodentruppen nach Kreta und in die Region Athen. Die britische Luftwaffe kam damit in Reichweite der rumänischen Erdölfelder. Spätestens als der italienische Angriff Mitte November 1940 zum Stillstand kam und eine griechische Gegenoffensive begann, drohte ein Eingreifen der deutschen Wehrmacht. Dies wiederum widersprach sowjetischen Interessen, da dadurch deutsches Militär in die Nähe der türkischen Meerengen gekommen wäre. Diese sah aber die Stalin-Regierung als ihre eigene Einflusszone an.<sup class="modern-footnotes-footnote ">42</sup> Inwieweit Stalin wirklich 1940 glaubte, Bulgarien eng an sich binden zu können, ist umstritten. Viele sowjetische Akten zu diesem Thema sind weiterhin nicht zugänglich. Als sicher kann aber angenommen werden, dass der sowjetische Außenminister Vjačeslav Molotov derartige Ansprüche gegenüber Bulgarien in seinem Treffen mit dem deutschen Außenminister Joachim von Ribbentrop und Adolf Hitler am 12.&nbsp;November in Berlin als Druckmittel nutzte. Die deutsche Außenpolitik versuchte in dieser Zeit, eine Verschiebung der sowjetischen Expansionspolitik von Europa auf Südasien zu erreichen. Stalin beharrte jedoch auf Finnland als Einflussgebiet und umwarb gleichzeitig offen Bulgarien.</p>



<p>Boris&nbsp;III. war in dieser Situation bemüht, sich weiterhin alle Optionen offenzuhalten und nicht in ein festes Bündnis hineingezogen zu werden. Zu diesem Zeitpunkt hielt er durchaus noch einen britisch-deutschen Kompromissfrieden unter Vermittlung der USA für möglich. Dies hätte wieder ein größeres Mächtegleichgewicht in Europa und damit den Rahmen für eine Fortführung der bisherigen Pendelpolitik Bulgariens geschaffen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">43</sup> Ein solcher Frieden blieb jedoch aus, und die Spielräume verengten sich weiter, als Ende November 1940 erst Ungarn, dann auch Rumänien und die Slowakei dem Dreimächtepakt beitraten. Wenige Tage zuvor besuchte am 17./18.&nbsp;November Boris&nbsp;III. Hitler auf dem Berghof in Berchtesgaden. Zur selben Zeit bot Molotov dem bulgarischen Gesandten in Moskau eine Grenzgarantie sowie Unterstützung hinsichtlich bulgarischer territorialer Aspirationen gegenüber der Türkei (Ostthrakien), Griechenland (Westthrakien) und Jugoslawien (Makedonien) an.<sup class="modern-footnotes-footnote ">44</sup> Dieses Angebot wurde vom sowjetischen Gesandten in Sofia eine Woche später gegenüber Boris&nbsp;III. wiederholt. Bulgarien solle dafür im Rahmen eines gegenseitigen Beistandspaktes Teil der sowjetischen „Sicherheitszone“ werden, wobei die staatliche Souveränität Bulgariens gänzlich unangetastet bleiben sollte. Im Gegenzug für finanzielle und wirtschaftliche Hilfe sowie Unterstützung zur Erreichung territorialer Ausdehnung im türkischen Ostthrakien forderte die Sowjetunion jedoch das Recht zur Errichtung zweier Marinebasen in Varna und Burgas sowie eines Luftwaffenstützpunktes in Plovdiv.<sup class="modern-footnotes-footnote ">45</sup> Indirekt drängte die Sowjetunion damit Bulgarien zu einem offenen Konflikt mit der Türkei. Es ist zu vermuten, dass sie sich selbst damit einen Grund für eine Intervention an den Meerengen verschaffen wollte. Für die bulgarische Regierung und Zar Boris dürfte jedoch ohnehin die sowjetische Versicherung, die staatliche Souveränität Bulgariens zu garantieren, mit Blick auf das sowjetische Vorgehen gegen die baltischen Staaten im Juni 1940 beziehungsweise gegenüber Finnland wenig glaubhaft gewesen sein. Sie lehnten das sowjetische Angebot ab, betonten allerdings, dass Bulgarien weiterhin an engen und freundlichen Beziehungen zur UdSSR interessiert sei.<sup class="modern-footnotes-footnote ">46</sup> Die Sowjetunion übte weiterhin Druck auf Bulgarien aus, unterstützt von der dortigen kommunistischen innenpolitischen Opposition, und betonte dabei wiederholt die starke russische Sympathie gegenüber dem bulgarischen „Brudervolk“. Mehrfach warnte der sowjetische Gesandte im Dezember 1940 die bulgarische Regierung vor einem Beitritt zum Dreimächtepakt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">47</sup> Auch gegenüber dem Deutschen Reich betonte die Sowjetunion den Anspruch, Bulgarien als Teil einer sowjetischen Sicherheitszone am Schwarzen Meer einzubinden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">48</sup> Auch dieses Auftreten gegenüber Sofia dürfte in erster Linie Teil der Politik gegenüber dem Deutschen Reich gewesen sein und nicht der ernsthafte Glaube, die bulgarische Zarendiktatur würde dieses Angebot annehmen.</p>



<p>Mit Verweis auf den sowjetischen Druck gelang es der bulgarischen Regierung tatsächlich, sich zunächst noch einem Beitritt zum Dreimächtepakt zu entziehen. Ob sie damit guten Willen zeigen wollte oder ob es Teil der autoritären Ausrichtung des bulgarischen Staates war, ist nicht eindeutig zu sagen. Sicher ist, dass Ende 1940 die innere Umgestaltung des bulgarischen Staates nach Vorbild der Achsenmächte deutlich zunahm. Beispielsweise wurde am 29.&nbsp;Dezember 1940 ein Gesetz zur Gründung der staatlichen Jugendorganisation Brannik (Abwehr) verabschiedet. Die Brannik orientierte sich klar an der deutschen Hitlerjugend und der italienischen Balilla. Sie betrieb offene Propaganda gegen Kommunismus und westlichen Liberalismus. Innerhalb von drei Jahren stieg die Mitgliederzahl der Brannik auf rund 450.000.<sup class="modern-footnotes-footnote ">49</sup>Im Januar 1941 folgte dann die bereits erwähnte Einführung einer antijüdischen Gesetzgebung („Gesetz zum Schutz der Nation“).</p>



<p>Angesichts der militärischen Entwicklung auf dem griechisch-albanischen Kriegsschauplatz konnte sich die bulgarische Regierung zu diesem Zeitpunkt auch keine Illusion mehr machen, dass das Deutsche Reich nicht militärisch in Griechenland eingreifen würde. In Rumänien waren bereits Wehrmachteinheiten stationiert, und so musste Ende November 1940 die bulgarische Regierung das Durchmarschrecht für deutsche Truppen in Richtung Griechenland erteilen. Im Januar 1941 überschritten die ersten deutschen Einheiten die rumänisch-bulgarische Grenze.<sup class="modern-footnotes-footnote ">50</sup></p>



<p>Nach wie vor betonte die bulgarische Diplomatie gegenüber dem deutschen Gesandten die Gefahr eines militärischen Eingreifens der Türkei, sollte sich Bulgarien aktiv an die Seite der Achsenmächte stellen. Allerdings gelang wenig später unter deutscher Vermittlung am 19.&nbsp;Februar 1941 der Abschluss eines bulgarisch-türkischen Freundschaftsabkommens, wodurch die Gefahr einer Konfrontation mit dem Nachbarn gebannt wurde.<sup class="modern-footnotes-footnote ">51</sup> Spätestens als die deutsche Reichsregierung Bulgarien territoriale Zugewinne auf Kosten Griechenlands in Aussicht stellte, trat dieses schließlich am 1.&nbsp;März 1941 ebenfalls dem Dreimächtepakt bei. Umsonst hatte auch der britische Gesandte in Sofia, George Rendel, versucht, die bulgarische Regierung von diesem Schritt abzuhalten. Dabei kam auch die Möglichkeit britischer Bombenangriffe auf Sofia im Falle eines Einmarsches deutscher Truppen in Bulgarien zu Wort.<sup class="modern-footnotes-footnote ">52</sup> Schließlich verließ Rendel aber am 12.&nbsp;März 1941 ohne Erfolg Sofia. Eine offene Kriegserklärung Großbritanniens blieb jedoch noch aus.</p>



<p>Knapp zwei Wochen später ereignete sich ein Offiziersputsch in Belgrad, der die prodeutsche jugoslawische Regierung stürzte. Anstoß dazu gab die zwei Tage zuvor vollzogene Unterschrift zum Dreimächtepakt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">53</sup> Die neue Regierung unter General Dušan Simović erklärte den Beitritt für ungültig. Stattdessen schloss die Putschregierung am 5.&nbsp;April 1941 einen Freundschaftspakt mit der Sowjetunion ab. Zu dieser Zeit war bereits in Berlin der Entschluss gefasst worden, nicht nur in Griechenland, sondern auch in Jugoslawien militärisch einzugreifen. Bulgariens strategische Bedeutung wurde dadurch noch größer, ebenso seine Aussichten auf territoriale Gewinne. Nunmehr winkte nicht nur die Rückgewinnung des griechischen Westthrakien und damit der Zugang zum Ägäischen Meer, sondern auch des jugoslawischen Teils Makedoniens. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte die Innere Makedonische Revolutionäre Organisation (i.&nbsp;F.: IMRO) im bulgarischen Pirin-Gebirge de facto einen Staat im Staate errichtet und einen blutigen Guerillakrieg gegen Jugoslawien um Makedonien geführt. Dabei stand sie unter anderem in engem Kontakt zum faschistischen Italien und zu rechtsnationalistischen Kräften um den bereits erwähnten Politiker Aleksandăr Cankov. Im Frühjahr 1934 wurde sie zwar daraufhin von der prowestlichen bulgarischen Sveno-Regierung aufgelöst und verboten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">54</sup> Trotzdem gab es auch 1941 noch viele Anhänger und Sympathisanten der IMRO in Bulgarien, organisiert in verschiedenen Vereinen und Organisationen wie dem Makedonischen Wissenschaftlichen Institut, der Organisation Ilinden (Eliastag) oder der Makedonischen Frauenunion. Diese reihten sich in die große, wenn auch zersplitterte rechtsgerichtete Szene des Landes ein, auf die Boris&nbsp;III. Rücksicht nehmen musste. Bereits seitdem sich im Sommer 1940 eine Revision der bulgarischen Grenze gegenüber Rumänien abzeichnete, waren auch diese makedonischen Akteure in der Öffentlichkeit immer präsenter gewesen. Innenminister Gabrovski unternahm nichts dagegen, diese Stimmen zu unterdrücken und tolerierte eher wohlwollend derartige Manifestationen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">55</sup> Boris&nbsp;III. selbst hatte in einem Brief Hitler auf die makedonische Frage angesprochen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">56</sup>Auch danach sprachen bulgarische Regierungsmitglieder wie der bereits erwähnte Landwirtschaftsminister Ivan Bagrjanov oder Ministerpräsident Bogdan Filov das Thema bei ihren deutschen Gesprächspartnern wiederholt an.<sup class="modern-footnotes-footnote ">57</sup> Berlin reagierte auch deswegen zurückhaltend. Die Filov-Regierung betonte mehrfach, dass Bulgarien sich allein schon angesichts des schlechten Rüstungsstandes der bulgarischen Streitkräfte und der offensichtlich ablehnenden Haltung der Bevölkerung einem militärischen Engagement gegenüber nicht an Kriegshandlungen beteiligen könne. Solange Jugoslawien noch als Teil des deutschen Einflussbereiches galt, waren derartige diplomatische Vorstöße Bulgariens für die deutsche Führung kein Thema. Dies galt auch noch während der bulgarisch-deutschen Verhandlungen über den Beitritt zum Dreimächtepakt, bei denen Berlin Bulgarien lediglich eine territoriale Erweiterung auf Kosten Griechenlands in Aussicht stellte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">58</sup> Erst nach dem Putsch in Belgrad signalisierte Hitler dem bulgarischen Gesandten in Berlin, Petăr Draganov, dass nun auch die makedonische Frage Thema werden könnte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">59</sup></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Bulgariens Eintritt in den Zweiten Weltkrieg 1941 und seine Rolle als „deutscher Gendarm</strong> <strong>des Balkans“</strong></h2>



<p>Auch wenn sich Bulgarien nach dem Beitritt zum Dreimächtepakt mit keinem Land offiziell im Krieg befand, gilt dieser Schritt zu Recht als Eintreten in den Zweiten Weltkrieg. Am 6.&nbsp;April 1941 startete die deutsche Wehrmacht ihre Offensiven gegen Jugoslawien und Griechenland. Bulgarien bildete dabei für beide Feldzüge eine wichtige Ausgangsbasis für die deutschen Truppen.</p>



<p>Selbst jetzt war es allerdings der bulgarischen Regierung gelungen, anders als beispielsweise Ungarn, welches sich wenig später mit Truppen am Überfall auf die Sowjetunion beteiligte, nicht unmittelbar als militärischer Partner der Achsenmächte in direkten Kampfeinsätzen aktiv zu werden. Letztlich hatte das Deutsche Reich keinen weiteren Druck ausgeübt, da auch der deutsche Gesandte in Sofia, Herbert von Richthofen, und der deutsche Botschafter in Ankara, Franz von Papen, von einer unmittelbaren Beteiligung Bulgariens abgeraten hatten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">60</sup> Darüber hinaus hatte der deutsche Auslandsgeheimdienst bereits Ende Januar von einem großen Widerwillen unter der bulgarischen Bevölkerung gegen eine Kriegsbeteiligung berichtet.<sup class="modern-footnotes-footnote ">61</sup> Hinzu kamen die Bedenken, dass eine aktive Teilnahme bulgarischer Truppen am Feldzug gegen Jugoslawien in der Türkei als Bündnisfall der Balkanentente (Balkanpakt) angesehen werden könnte. Erst kurz vor der sich abzeichnenden Kapitulation Jugoslawiens brach Bulgarien am 15.&nbsp;April die diplomatischen Beziehungen zu Jugoslawien offiziell ab. Die Filov-Regierung bot von sich aus dem deutschen Oberkommando bulgarische Truppenverbände zur Sicherung des Hinterlandes in Makedonien und Westthrakien an. Auf diese Weise wollte sie ihre Ansprüche auf diese Gebiete sichern, wusste sie sich doch zumindest in Makedonien in Konkurrenz mit den Expansionsinteressen Italiens. Dies geschah aber auch aus innenpolitischem Druck. Die Nachricht, dass die für den bulgarischen Nationalismus wichtige Stadt Ohrid von italienischen Truppen besetzt worden war, führte zu spürbarem Unmut unter den rechtsgerichteten Kräften des Landes.<sup class="modern-footnotes-footnote ">62</sup> Aber erst am 17.&nbsp;April, dem Tag der jugoslawischen Kapitulation, gestattete Berlin den Einmarsch bulgarischer Truppen in den Ostteil der jugoslawischen Banschaft Skopje sowie in die griechischen Territorien östlich des Flusses Strymon (Struma) inklusive der griechischen Inseln Thasos und Samothrake. Eine Ausnahme bildete der Evros-Grenzstreifen an der griechisch-türkischen Grenze (Demotika-Gebiet), der unter deutscher Kontrolle verblieb, um eine Komplikation zwischen bulgarischen und türkischen Grenztruppen auszuschließen. Makedonien wurde am 25.&nbsp;April unter Italien und Bulgarien aufgeteilt. Bulgarien erhielt dabei letztlich auch Ohrid zugewiesen. Auch das rohstoffreiche Ljuboten-Massiv überließ das Deutsche Reich Bulgarien, wohl wissend, dass es auf diese Weise leichter den Zugriff auf die dortigen Molybdänerz-Vorkommen bekommen würde. Die makedonischen Städte Tetovo, Gostivar, Kićevo und Struga fielen allerdings an Italien. Als Ausgleich dafür durfte Bulgarien zusätzlich die altserbische Region Vranje-Pirot okkupieren. Nichtsdestotrotz blieb die Aufteilung Jugoslawiens in den Folgejahren ein dauerhafter Streitpunkt zwischen den Besatzungsmächten. Dies traf auch auf Griechenland zu, wo Bulgarien gern auch die Städte Thessaloniki (bg. Solun), Florina (bg. Lerin) und Edessa (bg. Voden) besetzt hätte, was ihm aber vorerst verweigert wurde.</p>



<p>Das Deutsche Reich sah diese Besetzung durch bulgarische Truppen offiziell als provisorisch an und verwies stets darauf, dass endgültige territoriale Regelungen erst nach dem Krieg getroffen werden sollten. Von der bulgarischen Regierung ließ sie sich jedoch im April 1941 zusichern, dass deutsche Firmen den bevorzugten Zugriff auf die Rohstoffvorkommen, besonders die Erzvorkommen, in den zuerkannten Gebieten bekommen würden. Daran hielten sich die bulgarischen Behörden auch; ansonsten begann die bulgarische Regierung jedoch, Fakten zu schaffen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">63</sup> Die Okkupationsgebiete auf dem Boden Griechenlands beziehungsweise Jugoslawiens wurden kurzerhand als Teile des bulgarischen Staates behandelt, indem Provinzverwaltungen eingerichtet und die bulgarische Gesetzgebung eingeführt wurden. Hinzu kam der Ausbau eines bulgarischen Schulsystems, verbunden mit umfangreichen Propagandaaktivitäten, um unter der dortigen slawischen Bevölkerung ein bulgarisches Nationalgefühl zu stärken beziehungsweise dessen Herausbildung zu fördern.<sup class="modern-footnotes-footnote ">64</sup> 1943 wurde in Skopje zudem eine bulgarische Universität gegründet. Der Plan einer zweiten Universität in Ohrid wurde aus finanziellen Gründen verworfen. Auch die bulgarische Staatsjugend Brannik und andere staatliche Institutionen wurden dort aktiv, ebenso nationalistische Organisationen wie die Ratnici, Otec Paisij und die Legionäre. Der Erfolg dieses Engagements war jedoch sehr gering.<sup class="modern-footnotes-footnote ">65</sup></p>



<p>Als weiterer wichtiger bulgarischer Akteur trat das bulgarisch-orthodoxe Exarchat auf, das in den besetzten beziehungsweise okkupierten makedonischen und thrakischen Gebieten eigene Eparchien errichtete. Allerdings blieb deren Einfluss nicht zuletzt wegen eines erheblichen Mangels an Priestern ebenfalls gering. Gravierender waren die Folgen der bulgarischen Nationalitätenpolitik, insbesondere nachdem in den okkupierten Gebieten im Juni 1942 ein neues bulgarisches Staatsbürgerschaftsgesetz eingeführt wurde. Die bulgarische Politik zielte dabei auf die Entfernung aller „volksfremden Elemente“ aus dem öffentlichen und wirtschaftlichen Leben der „neuen Territorien“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">66</sup> Diese Politik musste zwangsläufig auch zu Reibungen mit den Achsenmächten führen. Ähnlich wie der 1941 errichtete Unabhängige Staat Kroatien (Nezavisna Država Hrvatska) begann auch Bulgarien bereits früh mit gezielten Abschiebungen und Vertreibungen insbesondere der dortigen serbischen Bevölkerung. Dies betraf weit über 120.000 Serben, die in das deutsche Besatzungsgebiet Serbiens abgeschoben wurden. Weitere Zehntausende wurden in das italienische Besatzungsgebiet im westlichen Teil des besetzten Jugoslawiens vertrieben.<sup class="modern-footnotes-footnote ">67</sup> Letzteres belastete zusätzlich das stark unterkühlte italienisch-bulgarische Verhältnis, konkurrierten doch beide um Einfluss in Makedonien. Zwar wurde nach außen hin der Anschein eines harmonischen Bündnisses gewahrt, doch war dies als kaum mehr denn „oberflächlich“ zu bezeichnen. Aus einem Bericht des delegierten deutschen Ausbildungsstabes beim bulgarischen Oberkommando wurde beispielsweise am 3.&nbsp;August 1942 an das Oberkommando des Heeres (OKH) in Berlin gemeldet, dass in der bulgarischen Bevölkerung deutliche Abneigung gegenüber Italien spürbar sei und auch alle bulgarischen Offiziere, mit denen der Ausbildungsstab zu tun hatte, eher mit Verachtung über den italienischen Bündnispartner sprachen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">68</sup></p>



<p>Nicht minder repressiv trat Bulgarien in den besetzten griechischen Gebieten auf, die es am 9.&nbsp;Oktober 1942 offiziell als neue Provinz Belomorije annektierte. Dort verursachte die repressive Bulgarisierungspolitik gegenüber der griechischen Bevölkerung Zehntausende Todesopfer. Allein in den ersten fünf Monaten der bulgarischen Herrschaft in Westthrakien flohen mindestens 25.000 bis 30.000 Menschen in Richtung deutsches und italienisches Besatzungsgebiet.<sup class="modern-footnotes-footnote ">69</sup> Der Historiker Vaïos Kalogrias bezeichnete 2008 die bulgarische Okkupationsherrschaft in Westthrakien in seiner Dissertationsschrift als eines der „schrecklichsten Besatzungsregime in Südosteuropa während des Zweiten Weltkrieges“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">70</sup> Selbst ein deutscher Lagebericht beschrieb die dortige bulgarische Herrschaft als „ein nur mit balkanisch zu bezeichnendes Terrorregiment“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">71</sup> Dass dies wenig später zu einem ersten griechischen Aufstand führte, sorgte in Berlin und Rom nicht für Begeisterung.</p>



<p>Im Laufe des Krieges, insbesondere angesichts der zunehmenden Schwäche und schließlich des Ausscheidens Italiens im September 1943, wurden Bulgarien trotzdem weitere Gebiete zur Besatzung übertragen. Die Wehrmacht war froh über jede Einheit, die sie vom Balkan an andere Fronten abziehen konnte, was aber angesichts des längst angewachsenen lokalen Widerstandes nationalistischer oder kommunistischer Partisanen immer schwieriger wurde. Das Deutsche Reich benötigte einen Gendarmen, der in den eroberten Gebieten Jugoslawiens und Griechenlands für Sicherheit sorgte und die ungestörte Ausbeutung der dortigen kriegsnotwendigen Rohstoffe gewährleistete. Für die bulgarische Regierung bot dies die Chance, vielleicht doch noch das nationale Maximalprogramm eines Großbulgariens als regionale Hegemonialmacht zu erreichen.</p>



<p>Anfang Juli 1943 übernahmen bulgarische Truppen die militärische Sicherung des griechischen Zentralmakedoniens mit Ausnahme der Hafenstadt Thessaloniki und der Halbinseln von Chalkidike. Die unmittelbare Verwaltung blieb allerdings in deutschen Händen. Bedingung Bulgariens war, dass in diesen Gebieten sämtliche griechischen Polizeikräfte abzuziehen oder zu entwaffnen seien.<sup class="modern-footnotes-footnote ">72</sup> Neben dem Einsatz von Truppen Bulgariens wurden seit März 1943 im italienischen Besatzungsgebiet in Griechenland auch Freiwilligeneinheiten lokaler slawophoner Kollaborateure rekrutiert, die Ochrana (Wache, Schutz) genannt wurden. Teilweise waren unter ihnen auch ehemalige IMRO-Anhänger. Diese überwiegend aus der Region Kastoria stammenden Kollaborateure wurden zur Bekämpfung griechischer Partisaneneinheiten eingesetzt. Die rund 2.000 bis 3.000 Mann starken Ochrana-Milizen traten für eine langfristige Angliederung der zentralmakedonischen Region an das bulgarische Zarenreich ein.<sup class="modern-footnotes-footnote ">73</sup></p>



<p>In noch größerem Umfang wurde Bulgarien die Rolle als Gendarm in Serbien zugewiesen. Im Januar 1942 übernahm ein zusammengestelltes bulgarisches Unterstützungskorps im Umfang von über 20.000 Soldaten Sicherungsaufgaben in Zentralserbien (Kreise Niš, Leskovac, Kruševac, Zaječar und Morava-Gebiet). Dies ermöglichte der deutschen Wehrmacht den Abzug einer Infanteriedivision an die Ostfront. Auch hier wurden die bulgarischen Truppen der deutschen Besatzungsmacht unterstellt. Ebenso blieb die Okkupationsverwaltung in deutscher Hand.<sup class="modern-footnotes-footnote ">74</sup> Bis Mitte 1943 wurde der bulgarische Unterstützungseinsatz immer weiter nach West- und Nordserbien ausgedehnt, um deutsche Truppen abzulösen. Bulgarien wurde dadurch in Serbien mit rund 31.000 Soldaten zur wichtigsten militärischen Okkupationsmacht. Angesichts starker antibulgarischer Ressentiments in Serbien trug der Einsatz bulgarischen Militärs wahrscheinlich allerdings mit dazu bei, dass die dortige Partisanenbewegung noch größeren Zulauf erhielt.</p>



<p>Für die bulgarische Führung schienen diese Unterstützungseinsätze in erster Linie Vorteile zu haben. Sie konnte ihr Gewicht für eine spätere Neuordnung der ehemals jugoslawischen Territorien erhöhen. Ein anderer Vorteil war, dass es ihre Position stärkte, nicht aktiv am deutsch-sowjetischen Krieg teilzunehmen. Anders als den anderen deutschen Verbündeten gelang es Bulgarien, sich einer direkten militärischen Teilnahme an der Operation Barbarossa zu entziehen. Außer einigen kleineren Zusammenstößen bulgarischer Schiffe mit der sowjetischen Marine beschränkte sich die aktive Beteiligung auf die Entsendung eines bulgarischen Sanitätszugs zur Unterstützung der deutschen Wehrmacht in der Sowjetunion 1942.<sup class="modern-footnotes-footnote ">75</sup> Auch die Aufstellung einer Freiwilligenlegion ähnlich der spanischen „Blauen Division“ oder der französischen „Légion des volontaires français contre le bolchévisme“ wurde von der bulgarischen Regierung unterbunden. Laut der bulgarischen Zeitung <em>Trud</em> sollen sich bei der deutschen Gesandtschaft in Sofia für einen Einsatz an der Ostfront rund 1.500 Freiwillige aus den Reihen rechtsgerichteter Organisationen gemeldet haben.<sup class="modern-footnotes-footnote ">76</sup></p>



<p>Bulgarien nahm unter den Kollaborationsstaaten auf Seite der Achsenmächte eine ungewöhnliche Ausnahmestellung ein. So blieb auch nach Beginn des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion die sowjetische Gesandtschaft in Sofia bestehen. Auch ging auf Umwegen über die Türkei auf niedrigem Niveau der bulgarisch-sowjetische Warenaustausch weiter.<sup class="modern-footnotes-footnote ">77</sup> Bis heute ist nicht abschließend geklärt, warum das Deutsche Reich dies zuließ. Das Argument, die bulgarische Bevölkerung sei zu russophil eingestellt, um gegen die Sowjetunion die bulgarische Armee einsetzen zu können, kann nicht ausschlaggebend gewesen sein. Bereits im Ersten Weltkrieg waren 1916/17 bulgarische und russische Truppen aufeinandergestoßen. Wahrscheinlich ist hingegen, dass ein Vorteil darin gesehen wurde, mit der sowjetischen Gesandtschaft in Sofia einen direkten Gesprächskanal mit dem wichtigsten Kriegsgegner aufrechtzuerhalten. Inwieweit diese Möglichkeit genutzt und eine Rolle gespielt hat, ist noch nicht ausreichend erforscht. Dem Zarenregime von Boris&nbsp;III. brachte die Nichtteilnahme am Krieg gegen die Sowjetunion, bei gleichzeitigen territorialen Zugewinnen auf Kosten von Griechenland und Jugoslawien, 1941/42 vermutlich die höchsten Beliebtheitswerte seit 1935. Dazu trug auch bei, dass bulgarische Truppen nicht in Kämpfe mit den britischen und amerikanischen Streitkräften verwickelt wurden, obwohl Bulgarien nach der deutschen Kriegserklärung an die USA am 11.&nbsp;Dezember 1941 ebenso wie andere Mitglieder des Dreimächtepaktes den USA und Großbritannien nun den Krieg erklärten. Diese Situation trug sicherlich mit dazu bei, dass sich erst 1943 wirklich spürbarer bewaffneter Widerstand in Bulgarien selbst bildete. Hinzu kamen 1943/44 immer massivere Bombenangriffe der westlichen Alliierten gegen bulgarische Städte, gegen die die schwache bulgarische Flugabwehr und Luftwaffe nichts ausrichten konnten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">78</sup></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Innenpolitische und wirtschaftliche Entwicklung 1941</strong>–<strong>1943</strong></h2>



<p>Wie bereits erwähnt, profitierte das Zarenregime zunächst von der Tatsache, dass sich Bulgarien aus einem unmittelbaren Kampfeinsatz heraushalten konnte und sein Staatsgebiet 1940/41 um ein Drittel ohne direkte Kriegsbeteiligung vergrößern konnte. Die Tatsache, dass es zu keinem Konflikt mit der Türkei kam, beruhigte die Öffentlichkeit zusätzlich. Die rechtsgerichteten Kräfte verzeichneten spürbaren Zulauf. Beispielsweise vergrößerte sich der Bund der nationalen Legionäre unter Ivan Dočev von knapp 10.000 Mitgliedern im Jahre 1934 auf etwa 75.000 Anfang 1942. Die bürgerlich-liberalen Kräfte sahen sich vorerst marginalisiert. Die Kommunisten waren zum Stillhalten verdammt, solange die stalinistische Sowjetunion mit dem Deutschen Reich durch den „Freundschaftspakt“ formell verbündet war. Nach dem Krieg äußerte sich der oppositionelle Exiljournalist Wolfgang Bretholz, der vor 1933 das innenpolitische Ressort beim <em>Berliner Tageblatt</em> geleitet hatte und nach 1933 über verschiedene Exilstationen während des Krieges in Rumänien, Bulgarien und schließlich der Türkei lebte, rückblickend über die Stimmung in der bulgarischen Bevölkerung 1941:</p>



<p>Wir waren alle berauscht von der Idee, dass uns zum ersten Male in der Geschichte jene Gerechtigkeit zuteil wurde, die wir lange vergeblich gefordert hatten. Gewiss, mitunter regte sich in uns so etwas wie ein schlechtes Gewissen, weil wir unsere neuen Gebiete nicht erkämpft und erobert, sondern als Geschenk erhalten hatten, so etwas wie ein unheimliches Gefühl, dass es eines Tages aus dem schönen Traum ein grausames Erwachen geben könnte. Aber im Grunde waren wir doch alle, von den extremsten Nationalisten bis zu den Kommunisten, befriedigt über die Erfolge, die uns Hitlers ‚Neue Ordnung‘ auf dem Balkan gebracht hatte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">79</sup></p>



<p>Auch angesichts dieser vergleichsweise breiten Zustimmung achtete Boris&nbsp;III. weiter darauf, so gut es ging das innenpolitische Kräfteverhältnis möglichst ausgewogen zu erhalten. Zwar nahm der Einfluss der politischen Rechten weiter zu, doch wurde keiner der wichtigen Führer im rechten Lager, wie beispielsweise Aleksandăr Cankov, Ivan Dočev oder General Lukov, in ein öffentliches Amt berufen. Innenminister Petăr Gabrovski blieb hierbei eine Ausnahme. Auch wurde keine der neuen, an faschistischen Vorbildern orientierten Massenorganisationen wie der Brannik so weiterentwickelt, dass sie zu einem innenpolitischen Machtfaktor hätten werden können.</p>



<p>Eine Zäsur bildete der Überfall der Achsenmächte und ihrer Verbündeten auf die UdSSR. Auch wenn Bulgarien sich nicht an dem Krieg beteiligte und wie erwähnt die diplomatischen Beziehungen zu Moskau aufrechterhielt, begannen die bulgarischen Kommunisten im Sommer 1941 aktiven Widerstand zu organisieren. Dies beantwortete die Königsdiktatur mit einem repressiven Vorgehen gegen jegliche Form von Opposition. Das „Gesetz zum Schutze der Nation“ wurde im September 1941 weiter verschärft und in den darauffolgenden Monaten im großen Umfang Mitarbeiter aus der Staatsverwaltung entfernt, die im Verdacht standen, den Kommunisten oder anderen Oppositionskräften nahezustehen. Darüber hinaus begann eine Repressionswelle gegen linksgerichtete Zirkel mit Hunderten Verhaftungen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">80</sup> Eine zunehmende Zahl von politischen Vereinen wurde verboten.</p>



<p>Ein wesentlich größeres Problem entwickelte sich für die Königsdiktatur in der Wirtschaft. Nachdem 1939/40 immer mehr relevante Handelspartner entfallen waren, war das Land in weitgehende ökonomische Abhängigkeit zum Deutschen Reich geraten. Dies beinhaltete auch, dass sich Bulgarien immer umfassender auf die wirtschaftlichen Bedürfnisse des deutschen „Partners“ ausrichten musste. Damit ging die Umgestaltung der staatlichen Wirtschaftspolitik nach Vorbild Italiens und des Deutschen Reiches einher. So wurde bereits am 4.&nbsp;Mai 1940 das „Gesetz für die zivile Mobilmachung“ erlassen. Hinzu kam wenig später die Einrichtung einer staatlichen Außenhandelsdirektion.<sup class="modern-footnotes-footnote ">81</sup>Dieses ermöglichte es dem Staat, in erheblichem Umfang in das Wirtschaftsleben einzugreifen. Auch konnte fortan die Regierung nun bulgarische Staatsangehörige im Alter von 16 bis 70 Jahren für Einsätze in der Industrie oder der Landwirtschaft heranziehen. Löhne und Preise konnten nun reguliert sowie kriegswichtige Materialien und Rohstoffe der Verteilung durch den Staat unterworfen werden.</p>



<p>Diese Maßnahmen wurden allerdings auch immer notwendiger, um die Bedürfnisse der deutschen Kriegswirtschaft erfüllen zu können. Seit 1939 hatte das Deutsche Reich begonnen, immer bessere Handelsbedingungen für die deutsche Industrie durchzusetzen. Bulgarien musste dabei von Jahr zu Jahr größere Lieferverpflichtungen eingehen, während sich die deutschen Ausgleichszahlungen, beispielsweise in Form von landwirtschaftlichen Maschinen, oft zeitlich stark verzögerten. Allein zur Modernisierung der bulgarischen Streitkräfte wurde von Deutschland in größerem Maße Kriegsmaterial geliefert – in erster Linie aus tschechoslowakischen und französischen Beutebeständen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">82</sup> Der wirtschaftliche Handlungsspielraum engte sich dadurch für Bulgarien im Laufe des Krieges mehr und mehr ein. Dies betraf nicht nur den Zugriff auf Rohstoffe und landwirtschaftliche Produkte, sondern auch den schließlich vollständigen deutschen Zugriff auf die wichtigsten Bergwerke im bulgarisch okkupierten Makedonien. Der deutsche Historiker Markus Wien wertet Bulgarien für den Zeitraum ab 1940 zu Recht als einen deutschen Wirtschaftssatelliten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">83</sup> Dazu gehörte auch, dass der bulgarische Steuerzahler erhebliche Kosten des deutschen Militäreinsatzes gegen Griechenland bezahlen musste. Zusätzlich zu den rasch ansteigenden Aufrüstungskosten verdoppelten sich die bulgarischen Staatsausgaben 1941 gegenüber dem Vorjahr.<sup class="modern-footnotes-footnote ">84</sup></p>



<p>Schon bald machten sich gravierende Versorgungsengpässe in Bulgarien bemerkbar. Einher gingen diese mit wiederholten Missernten infolge großer Trockenheit, was wiederum 1942 Notschlachtungen beim Viehbestand zur Folge hatte. Die zunehmenden Einberufungen zum bulgarischen Militär ab 1941 verursachten darüber hinaus einen spürbaren Arbeitskräftemangel in mehreren Wirtschaftsbereichen. Trotzdem erklärte sich die bulgarische Regierung bereit, für das Deutsche Reich wiederholt Arbeitskräfte sowohl in Bulgarien als auch im okkupierten Westthrakien und Makedonien anwerben zu lassen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">85</sup> Bereits im November 1942 klagte die bulgarische Direktion der zivilen Mobilmachung über frappierende Engpässe in der Versorgung mit Eisen und Stahl. Dadurch wurde die Leistungsfähigkeit bulgarischer Betriebe und Gruben spürbar beeinträchtigt. Dies fiel letztlich wiederum negativ auf die deutschen Wünsche zurück, da die bulgarische Produktion infolge des Rohstoffmangels sank.<sup class="modern-footnotes-footnote ">86</sup> Umso rauer traten die deutschen Verhandlungsführer auf, die geradezu selbstverständlich voraussetzten, dass sich alle Verbündeten den deutschen Bedürfnissen im Kampf um den „Endsieg“ unterzuordnen hatten. Ende 1942 klagten deutsche Stellen anlässlich der sich in die Länge ziehenden wochenlangen Verhandlungen über einen neuen deutsch-bulgarischen Handelsvertrag. Verärgert meldeten sie nach Berlin, dass sich das Gefühl aufdränge, Bulgarien verfolge allein das Ziel, eine Vorratswirtschaft zu betreiben, um unter allen Umständen die Versorgung der eigenen Bevölkerung sicherzustellen, anstatt dem Deutschen Reich Zugeständnisse zu machen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">87</sup> Der wachsende Einsatz bulgarischer Truppen in den besetzten griechischen und jugoslawischen Gebieten, aber auch die Evakuierungen infolge der zunehmenden alliierten Bombenangriffe auf bulgarische Städte absorbierten 1943/44 den überwiegenden Teil der vorhandenen Transportkapazitäten. Derweil verschlechterte sich die Ernährungslage. Aber auch die Versorgungslage in vielen anderen Bereichen wurde immer dramatischer. Korruption und Schwarzmarkt verbreiteten sich spürbar. Dies trug sicherlich mit dazu bei, dass die bulgarische Regierung das Ansinnen Berlins nicht behinderte, im Zuge der Aktion „Heim ins Reich“ die kleine, erst seit den 1890er-Jahren in Bulgarien lebende deutsche Minderheit umzusiedeln. Die etwa 2.150 Personen große deutsche Bevölkerungsgruppe wurde 1943 im besetzten Polen angesiedelt.</p>



<p>Diese Zustände stärkten natürlich die Opposition in Bulgarien. Hinzu kam der wachsende bewaffnete Widerstand zunächst in den besetzten Gebieten, aber auch in Bulgarien selbst. Diesem Widerstand wurde mit immer größerer Härte und Brutalität begegnet, wobei es zu einer engen Zusammenarbeit mit dem deutschen Militär und Geheimdienst kam. In den besetzten thrakischen und jugoslawischen Gebieten, aber auch in Bulgarien wurden Konzentrations- und Internierungslager für mehrere Zehntausend Menschen eingerichtet.<sup class="modern-footnotes-footnote ">88</sup> Die Zahl der darin 1941 bis 1944 zu Tode Gekommenen ist nicht bekannt.</p>



<p>Druck kam zunächst aus den oppositionellen Militärkreisen, von Offizieren, die aus den Sveno-Strukturen der 1930er-Jahre stammten und teilweise im Kontakt zur sowjetischen Vertretung standen. Als schließlich Gerüchte über Putschvorbereitungen aufgedeckt wurden, musste sich Boris&nbsp;III. stärker an den deutschen Verbündeten anlehnen. Am 15.&nbsp;April 1942 wurden sechs von zehn Ministerposten neu besetzt und die Stationierung von mehr deutschem Militär in Bulgarien akzeptiert. Einer der führenden oppositionellen Generäle, General d.&nbsp;R. Vladimir Zamov, wurde am 1.&nbsp;Juni 1942 wegen Hochverrats hingerichtet. Befanden sich Ende 1941 weniger als 4.000 deutsche Soldaten auf bulgarischem Boden, stieg diese Zahl bis Sommer 1944 auf über 22.000.<sup class="modern-footnotes-footnote ">89</sup></p>



<p>Diese Militärpräsenz verhinderte aber nicht die langsame Zunahme des kommunistischen Widerstands, ja förderte diesen wahrscheinlich sogar eher. Über den Umfang der bulgarischen Partisanenbewegung gehen die Einschätzungen allerdings weit auseinander. In den 1960er-Jahren zitierte der ungarisch-schweizerische Militärhistoriker Péter Gosztony einen ehemaligen bulgarischen Generalstabsoffizier, der den kommunistischen Widerstand als kaum spürbar bewertete. Es seien kaum mehr als 1.500 bis 2.000 Partisanen aktiv gewesen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">90</sup> Demgegenüber sprach die sozialistische Historiografie für Anfang 1944 von 18.300 aktiven Partisanen und etwa 200.000 Verbindungsleuten und Helfern, was jedoch als weit übertrieben gewertet werden kann.<sup class="modern-footnotes-footnote ">91</sup> Der Schweizer Historiker Oliver Jens Schmitt bezifferte die Zahl für Sommer 1944 auf circa 10.000, schrieb ihnen aber erst in den letzten Monaten vor dem Putsch eine nennenswerte Bedeutung zu.<sup class="modern-footnotes-footnote ">92</sup> Unbestritten ist, dass spätestens 1943 der bewaffnete Widerstand in den bulgarisch besetzten Gebieten, aber auch in Bulgarien selbst, spürbar zunahm. Bei der Bekämpfung der Partisanen seitens der bulgarischen Armee kam es zu einer engen Kooperation mit dem deutschen Militär. In Gebieten mit größeren Partisanenaktivitäten wurden deutsch-bulgarische Spezialeinheiten gebildet. In einem deutschen Bericht im Juli 1943 wurde zum Auftrag dieser so genannten K-Trupps aus bulgarischen und deutschen Soldaten, aber auch lokalen Kollaborateuren aus den Besatzungsgebieten selbst, festgehalten:</p>



<p>[Die K-Trupps] haben die Aufgabe, in Zivil die Gegend systematisch nach dem Vorhandensein von Banden zu erforschen und dieselben in rücksichtslosestem Einsatz niederzukämpfen. Für die Zusammenarbeit mit den polizeilichen Einsatzorganen besteht Funkverbindung. Nach Überwältigung, beziehungsweise Niedermachung der Banden verschwinden diese K-Trupps nach Sicherstellung der gegnerischen Waffen, ohne eine Beerdigung der Gefallenen durchzuführen. KO verspricht sich von dieser Art des Einsatzes insbesondere eine starke psychologische Wirkung auf Einwohnerschaft und Banden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">93</sup></p>



<p>Bis zum Putsch im September 1944 erreichte der bewaffnete Widerstand keinen Umfang, der der bulgarischen Regierung wirklich hätte gefährlich werden können.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kollaboration durch Beteiligung am Holocaust?</strong></h2>



<p>Die Frage der bulgarischen Beteiligung am Holocaust ist bis heute ein höchst emotional aufgeladenes Thema in Bulgarien und sorgt immer noch für Verstimmungen mit Nordmazedonien. Bis heute lautet die offizielle Darstellung, dass Bulgarien durch den zu starken Druck und mit Blick auf die angeblich große deutsche Militärpräsenz im Land gezwungen gewesen sei, die jüdische Bevölkerung der bulgarisch besetzten Gebiete an das Deutsche Reich auszuliefern. Die jüdischen Bulgaren in Altbulgarien aber seien vom Zaren, der bulgarischen Regierung und durch Proteste der bulgarischen Bevölkerung vor dem Holocaust bewahrt worden.</p>



<p>Ganz ähnlich wie in Deutschland bildete die jüdische Religionsgemeinschaft in Bulgarien mit weniger als einem Prozent an der Gesamtbevölkerung eine kleine Minderheit. Allerdings war der Antisemitismus in Bulgarien nur schwach ausgeprägt und eher auf gesellschaftliche Eliten konzentriert. Es gab weder führende jüdische Politiker noch hohe jüdische Staatsbeamte oder Militärs.<sup class="modern-footnotes-footnote ">94</sup> Antisemitismus in der Öffentlichkeit war das erste Mal bei den bereits erwähnten gewalttätigen Ausschreitungen rechtsgerichteter Gruppen in Sofia 1938 erkennbar. Nachdem im Februar 1940 Petăr Gabrovski an die Spitze des Innenministeriums berufen worden war, begann auch eine immer offenere antisemitische Politik des Staates. Dabei ist im Einzelfall schwer einzuschätzen, ob diese Maßnahmen jeweils Konsens der politischen Elite der Zarendiktatur, ein Zugeständnis an die rechtsgerichteten Kräfte im Land oder eine Reaktion auf den immer größeren Einfluss des Deutschen Reiches waren.</p>



<p>Eine Tatsache ist, dass ab Januar 1941 die öffentliche Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung seitens der staatlichen Behörden spürbar zunahm.<sup class="modern-footnotes-footnote ">95</sup> Anfang 1942 wurden mehrere jüdische Vereinigungen und Organisationen verboten und ihr Eigentum beschlagnahmt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">96</sup> Ähnlich wie auch die anderen Dreimächtestaaten bereicherte sich das finanziell klamme Bulgarien an jüdischen Vermögenswerten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">97</sup> Zu dieser Zeit war im Deutschen Reich die endgültige und systematische Vernichtung der jüdischen Bevölkerung im deutschen Machtbereich und dem der Verbündeten beschlossen worden. Fakt ist, dass spätestens im Juni 1942 das Auswärtige Amt die bulgarische Regierung drängte, der Deportation aller bulgarischen Juden zuzustimmen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">98</sup> Sicher ist auch, dass nur zwei Monate später das bulgarische Innenministerium eine neue, 160 Mitarbeiter umfassende Unterbehörde, das „Kommissariat für jüdische Fragen“, einrichtete, deren Leitung von Alexandăr Belev übernommen wurde.<sup class="modern-footnotes-footnote ">99</sup> Entsprechende Unterabteilungen wurden in den „neuen Gebieten“ eingerichtet, etwa im September 1942 in Skopje. Auch in den von Bulgarien besetzten Gebieten wurden nun die dort lebenden Juden gezwungen, ihre Papiere gegen einen neuen, andersfarbigen „Judenpass“ umzutauschen. Waren Juden bislang als Religionsgruppe definiert worden, wurde nun von jüdischer „Abstammung“ gesprochen und somit nach deutschem Vorbild ethnisch ausgelegt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">100</sup> Auch durften dort Juden keine Ehen mit Nichtjuden eingehen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">101</sup> Von einem Widerstand seitens der bulgarischen Staatsverwaltung gegen die antijüdischen Maßnahmen kann, soweit die entsprechenden Akten ausgewertet wurden, keine Rede sein. Auch das Verhalten von Zar Boris, der auch weiterhin persönliche Kontakte zum Oberrabbiner von Sofia unterhielt, kann in der Frage der Judenpolitik seiner Regierung allenfalls als passiv bezeichnet werden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">102</sup> Die italienische Literaturwissenschaftlerin und Kulturjournalistin Cristina Siccardi behauptet zwar in ihrem Buch über Zarin Giovanna im Jahre 2001, dass diese sich bemüht habe, bulgarischen Juden mittels der Beschaffung italienischer Pässe eine Auswanderung nach Argentinien zu ermöglichen, führt jedoch keine Quellenbelege an.<sup class="modern-footnotes-footnote ">103</sup></p>



<p>Der deutsche Gesandte in Sofia, Adolf-Heinz Beckerle, berichtete am 14.&nbsp;Dezember 1942 nach Berlin, dass die bulgarischen Behörden insgesamt weniger energisch gegen die jüdische Bevölkerung vorgingen. Dies führte er darauf zurück, dass die bulgarische Bevölkerung im Allgemeinen dem „Kampf gegen das Judentum“ eher verständnislos gegenüberstünde.<sup class="modern-footnotes-footnote ">104</sup> Andererseits äußerte Zar Boris III.&nbsp;am 15.&nbsp;April 1943 in einem Gespräch mit den wichtigsten Oberhäuptern der bulgarisch-orthodoxen Kirche, dass die Juden ein „historisches Problem“ darstellten und ihrem „spekulativen Geist“ die „gegenwärtige Weltkatastrophe“ zu verdanken sei.<sup class="modern-footnotes-footnote ">105</sup> Im Januar 1943 entsandte die deutsche Regierung den Deportationsexperten Theodor Dannecker als „Berater“ für das bulgarische „Kommissariat für jüdische Fragen“ nach Sofia.<sup class="modern-footnotes-footnote ">106</sup> Gemeinsam mit Belev wurde in den darauf folgenden Wochen der Plan ausgearbeitet, zunächst die jüdische Bevölkerung aus den bulgarisch besetzten Gebieten zur „Ansiedlung“ ins deutsche Generalgouvernement Warschau zu deportieren. Insgesamt planten sie dabei mit zunächst 20.000 Juden, auch wenn Belev und seinen Mitarbeitern bewusst war, dass in den „neubulgarischen“ Territorien weniger als 12.000 Juden lebten. Die geplante Zahl von 20.000 sollte mit Juden aus Altbulgarien aufgefüllt werden. Mitte Februar 1943 gab die bulgarische Regierung dafür ihre Zustimmung.</p>



<p>Bereits kurz nach dem Einmarsch bulgarischer Truppen in Makedonien und Thrakien hatten sich alle Juden dort im Polizeiregister eintragen müssen. Anders als anderen Bevölkerungsgruppen wurde ihnen die bulgarische Staatsbürgerschaft verwehrt. Ein Jahr später mussten alle Juden ihre Häuser, Wohnungen, Geschäfte und Betriebe mit Davidsternen als jüdisch kennzeichnen. Ab September 1942 mussten Juden älter als zehn Jahre den gelben Davidstern kaufen und an der Kleidung tragen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">107</sup> Wien 2012, S.&nbsp;282f. Zunächst entzog die bulgarische Regierung durch immer größere Einschränkungen den makedonischen und thrakischen Juden endgültig ihre ökonomische Grundlage. So erlegte ihnen das bulgarische Finanzministerium eine Sondersteuer in Höhe von zwanzig Prozent ihres Besitzes auf. Wenig später wurden sämtliche jüdischen Handwerksläden zwangsweise geschlossen, jüdische Geschäftsleute gezwungen, ihren Besitz nichtjüdischen Bürgern zu verkaufen und ihr Vermögen auf festgelegte Banken einzuzahlen. Unmittelbar darauf sperrten die bulgarischen Behörden diese eingerichteten Konten, was einer Konfiszierung der Geldeinlagen gleichkam.<a href="#_ftn108">[108]</a> In der Nacht vom 3. zum 4.&nbsp;März 1943 begannen die bulgarischen Besatzungsbehörden mit der vorbereiteten Verhaftung der jüdischen Bevölkerung im besetzten Thrakien und deren anschließender Deportation in Richtung des bulgarischen Donauhafens Lom.<sup class="modern-footnotes-footnote ">108</sup> Ganz ähnlich verlief die Deportation in Vardar-Makedonien. In der Nacht vom 10. zum 11.&nbsp;März riegelte die bulgarische Polizei, unterstützt von Mitgliedern der staatlichen Brannik-Jugend in Skopje, Bitola und Štip, die jüdischen Wohnviertel ab.<sup class="modern-footnotes-footnote ">109</sup> Juden mit spanischer, italienischer oder albanischer Staatsbürgerschaft wurden abgeschoben. Soweit nicht einigen wenigen die Flucht gelang, wurden zwischen dem 22. und 29.&nbsp;März sämtliche internierten Juden nach Treblinka abtransportiert.<sup class="modern-footnotes-footnote ">110</sup> Das gleiche Schicksal erlitten die Juden in den bulgarisch besetzten serbischen Gebieten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">111</sup></p>



<p>In beiden Besatzungsgebieten gab es wenige Fälle, in denen Bulgaren, teilweise mit Erfolg, aktiv versuchten, Juden vor der Deportation zu retten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">112</sup> Zwischen März und August 1943 erfolgte darüber hinaus die Deportation der etwa 48.000 Juden aus dem deutsch besetzten Thessaloniki über die Vardar-Bahn. Zwar hatte die bulgarische Regierung 1941 die Kontrolle der Eisenbahn in den „Neuen Gebieten“ dem Deutschen Reich überlassen, unterstützte jedoch mit der Durchfahrtserlaubnis indirekt die Deportation der nordgriechischen Juden.Zur Deportation der jüdischen Bevölkerung von Thessaloniki siehe Georg Bossong: Die Sepharden. Geschichte und Kultur der spanischen Juden. München 20<sup class="modern-footnotes-footnote ">113</sup></p>



<p>Parallel zu den Deportationsmaßnahmen in den besetzten Gebieten wurde seitens des Kommissariats für jüdische Fragen auch die Internierung und Deportation mehrerer Tausend Juden aus Altbulgarien vorbereitet. Diese kamen aber nicht mehr zur Ausführung. Auftretende öffentliche Proteste im Land dürften ein Teilgrund gewesen sein.<sup class="modern-footnotes-footnote ">114</sup> Wie verbreitet die Ablehnung der antijüdischen Maßnahmen seit 1941 und der stattfindenden Internierungen und Deportationen in der Bevölkerung war, ist noch nicht abschließend erforscht. Bis heute ist jedoch im nationalen kollektiven Gedächtnis fest verankert, dass Bulgarien seine jüdische Bevölkerung vor der Vernichtung beschützt habe. Es ist jedoch zu vermuten, dass die sich 1943 abzeichnende Kriegswende zuungunsten der Achsenmächte für die Führungsriege um Zar Boris&nbsp;III. ein entscheidungsrelevantes Moment gewesen ist. Sehr bald nach Ende des Krieges wanderte der allergrößte Teil der Juden aus Bulgarien nach Israel aus. Die Gründe dafür waren in der Nachkriegszeit sicherlich vielfältig und reichten von antisozialistischer Haltung, der bedrückenden antisemitischen Stimmung der späten Stalin-Ära, in der sie teilweise als „Zionisten“ oder „Kosmopoliten“ drangsaliert wurden, und dem Willen, am Aufbau des neu gegründeten Staates Israel mitzuwirken. Es kann jedoch sehr wohl vermutet werden, dass die Erfahrungen einer drohenden Deportation durch das Zarenregime in die Hände der Deutschen bei vielen jüdischen Bulgaren erheblich dazu beigetragen haben, sich für eine Auswanderung zu entscheiden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die bulgarische Kollaboration nach dem Tod von Zar Boris&nbsp;III. bis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen am 5.&nbsp;September 1944</strong></h2>



<p>Ab Sommer 1943 begann die bulgarische Regierung allmählich, eine zurückhaltendere Politik gegenüber der deutschen Einflussnahme einzunehmen. Die Rückschläge auf dem nordafrikanischen und sowjetischen Kriegsschauplatz ließen vermuten, dass der Kriegsverlauf eine Wende erlebte. Hinzu kamen die immer größeren Versorgungsengpässe in Bulgarien selbst, die den innenpolitischen Druck auf die Regierung erhöhten. Die spürbaren Partisanenaktivitäten wurden mit Gegenterror beantwortet, was wiederum dem Widerstand Zulauf bescherte und die Situation zusätzlich verschärfte.</p>



<p>Gegenüber dem Deutschen Reich bestand im Sommer 1943 die Situation, dass dieses in einem Umfang von mittlerweile fast einer halben Milliarde Reichsmark im gegenseitigen Clearing-Verfahren gegenüber Bulgarien verschuldet war. Ob diese Schulden je eingelöst werden würden, wurde immer ungewisser. Bereits seit 1941 hatte Bulgarien akzeptiert, dass die aufgelaufenen Schulden in deutsche Kriegsanleihen umgewandelt wurden. Verlor das Deutsche Reich den Krieg, würden diese Kriegsanleihen wertlos sein.<sup class="modern-footnotes-footnote ">115</sup> Die bulgarische Regierung war daher immer weniger bereit, weitere einseitige Verkäufe zu akzeptieren und drängte darauf, dass die deutschen Clearing-Schulden in Waren eingelöst werden sollten. Als Druckmittel verschleppte die bulgarische Regierung bewusst sogar die Transferierung deutscher Überweisungen an die bulgarische Nationalbank, über die die eingesetzten Arbeiter der Organisation Todt in den wehrwirtschaftlich wichtigen Molybdänerzbergwerken in Makedonien bezahlt werden sollten. In den Bergwerksgruben mussten daraufhin Tausende Arbeitskräfte entlassen werden, und der Molybdänabbau geriet ins Stocken.<sup class="modern-footnotes-footnote ">116</sup></p>



<p>Im Sommer 1943 ereignete sich die deutsche Niederlage von Kursk, und alliierte Truppen landeten in Süditalien. Die deutsche Reichsregierung erhöhte den Druck auf Bulgarien, sich stärker militärisch zu engagieren. Bulgarien solle Truppen an die Ostfront entsenden. Am 3.&nbsp;Juni 1943 traf Boris III.&nbsp;Hitler in Berchtesgaden, verweigerte aber einen Kriegseintritt gegen die UdSSR. Wenig später stürzte Mussolini, und Italien wechselte die Fronten. Spätestens jetzt dürfte für die bulgarischen Regierungsvertreter klar gewesen sein, dass das Deutsche Reich den Krieg verlieren würde.</p>



<p>Zu einem tiefen Einschnitt kam es, als Boris&nbsp;III. am 28.&nbsp;August 1943 nach einer Wanderung im Rila-Gebirge starb. Ihm folgte als neuer Zar sein erst sechsjähriger Sohn Simeon. Es wurde ein vorläufiger Regentschaftsrat aus dem Bruder des verstorbenen Zaren, Fürst Kyrill, Ministerpräsident Filov und Kriegsminister Nikolai Michov eingesetzt. Der wichtigste Vertreter des prodeutschen Kurses, Innenminister Gabrovski, durfte wenige Tage das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen, wurde dann aber vom Regentschaftsrat entlassen. Zwar rückte mit dem Ratnici Dočo Christov ein neuer rechtsgerichteter und prodeutscher Innenminister nach, doch besaß dieser wesentlich geringeren politischen Einfluss. Im November 1943 wurde eine neue Regierung unter Dobri Božilov berufen. Der Regentschaftsrat und die neue Regierung führten die bereits begonnene distanzierte Politik gegenüber deutschen Wünschen fort, wagten es aber auch nicht, klare Wechselbereitschaft an die Alliierten zu zeigen. Stattdessen verlor die bulgarische Führung angesichts der großen wirtschaftlichen Probleme und der nun vehement geführten alliierten Bombenangriffe auf bulgarische Städte schnell ihren ohnehin geringen Rückhalt in der Bevölkerung. Als sich sowjetische Truppen Rumänien näherten, drängte die deutsche Regierung abermals, Bulgarien solle sich mehr engagieren. Zwar wurden daraufhin als Zugeständnis im bulgarischen Generalstab mehr jüngere, deutschfreundliche Offiziere befördert. Sowjetischer Druck, Konsulate in Ruse und Burgas eröffnen zu dürfen, führte aber zum Sturz der Regierung Božilov. An deren Stelle wurde am 1.&nbsp;Juni 1944 der frühere Landwirtschaftsminister Ivan Bagrjanov zum neuen Ministerpräsidenten berufen. Dieser wurde zwar von der Linksopposition nicht gänzlich abgelehnt, doch gelang es ihm nicht, eine Koalition aus bürgerlichen und linksgerichteten Kräften zu bilden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">117</sup> Das Kabinett Bagrjanov versuchte drei Wochen später, Kontakt zu den Westalliierten bezüglich möglicher Friedensbedingungen herzustellen. Diese forderten aber den sofortigen Bruch mit dem Deutschen Reich, die Internierung aller Deutschen in Bulgarien und den Rückzug aus allen besetzten Gebieten. Eine Zusage für militärischen Schutz gegen einen zu erwartenden sowjetischen Einmarsch wollten die Westalliierten nicht geben.<sup class="modern-footnotes-footnote ">118</sup> Die bulgarische Regierung konnte sich daraufhin zu keiner wirklichen Entscheidung durchringen. Weitere geheime Verhandlungsversuche brachten keine Ergebnisse. Als schließlich sowjetische Truppen nach Rumänien vorstießen und es in Bukarest am 23.&nbsp;August 1944 zu einem Staatsstreich kam, konnte sich auch das Kabinett Bagrjanov nicht mehr halten. Dem am 2.&nbsp;September nachfolgenden Kabinett unter Konstantin Muraviev war nur eine kurze Lebensdauer beschieden. Am 5.&nbsp;September erklärte die UdSSR Bulgarien den Krieg. Einen Tag später brach die Regierung Muraviev die Beziehungen zum Deutschen Reich ab. Am 8.&nbsp;September putschte ein Bündnis aus Offizieren, Kommunisten und anderen linksgerichteten Kräften, während gleichzeitig sowjetische Truppen in Bulgarien einmarschierten. Einen Tag später erklärten die Putschisten Deutschland den Krieg. Damit besiegelte der Versuch, als eigenwilliger Partner in einem pragmatischen Bündnis mit dem Deutschen Reich, bestmöglich vom Zweiten Weltkrieg zu profitieren, das Schicksal der Zarenherrschaft in Bulgarien. Als „Gendarm auf dem Balkan“ hatte sich die Königsdiktatur an der Ausbeutung und Unterdrückung des zerschlagenen Jugoslawiens und Griechenlands beteiligt. Über 11.000 Juden waren in den sicheren Tod geschickt worden.</p>



<p>Wie viele rechtsgerichtete Militärs und Politiker sich mit den deutschen Truppen absetzten und Zuflucht in Österreich oder dem Deutschen Reich suchten, ist bis heute nicht näher erforscht. Einer der führenden Politiker im Exil war Aleksandăr Cankov, der in Wien eine nationalbulgarische Exilregierung ausrief und sich bemühte, aus Auslandsbulgaren, insbesondere bulgarischen Auslandsstudenten, bulgarische Kampfeinheiten zur Unterstützung der deutschen Wehrmacht zu organisieren. Die Versuche kamen jedoch bis Kriegsende über erste Ansätze nicht hinaus. Cankov wurde schließlich von US-Truppen interniert und emigrierte wenig später nach Südamerika.<sup class="modern-footnotes-footnote ">119</sup></p>



<p>Bulgarien, das im Sommer 1944 ein wirtschaftlich darniederliegendes und gesellschaftlich tief zerrissenes Land war, schloss sich unter der Putschregierung den Alliierten an. Während der letzten Kriegsmonate beteiligten sich auf dem jugoslawischen und später auf dem ungarischen Kriegsschauplatz mehrere Hunderttausend bulgarische Soldaten an der Seite der sowjetischen Armeen im Kampf gegen die deutsche Wehrmacht. Bis Kriegsende wurden bei diesen Kämpfen fast 32.000 von ihnen getötet oder verwundet. Bei den Friedensverhandlungen zählte Bulgarien trotz des Seitenwechsels nicht zu den Siegermächten, konnte aufgrund dessen aber in den Pariser Friedenskonferenzen 1946 einen sehr milden Frieden abschließen.</p>



<p>Bis heute sind noch zahlreiche Fragen, unter anderem hinsichtlich der bulgarischen Zarendiktatur und deren Kollaboration mit den Achsenmächten sowie der Rolle wichtiger Akteure der gesellschaftlichen und politischen Eliten des Landes offen und harren tiefergehender Detailstudien.</p>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Dr. Björn Opfer-Klinger</strong> (geb. 1972) studierte in Göttingen und Wien Mittlere und Neuere Geschichte, Politikwissenschaft und Osteuropäische Geschichte. Er promovierte 2004 zur bulgarischen Besatzungsherrschaft in Vardar-Makedonien während des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Parallel arbeitete er bei verschiedenen Zeitungsund Buchverlagen in Sofia und Hildesheim sowie als Lehrbeauftragter an den Universitäten Göttingen und Dresden. Seit 2004 arbeitet er als Schulbuchredakteur im Bereich Geschichte gymnasiale Oberstufe / berufliche Bildung im Ernst Klett Verlag in Leipzig und ist freiberuflich als Dozent in der Erwachsenenbildung und als wissenschaftlicher Autor tätig.</p>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p><a href="#_ftnref1">[1]</a> Hans-Joachim Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter. Eine Fallstudie zur nationalsozialistischen Südosteuropapolitik. Stuttgart 1979.</p>



<p><a href="#_ftnref2">[2]</a> Oliver Stein: Die deutsch-bulgarischen Beziehungen seit 1878. In: Zeitschrift für Balkanologie 47 (2011) H.&nbsp;2, S.&nbsp;218–240, hier: S.&nbsp;222.</p>



<p><a href="#_ftnref3">[3]</a> Nikola Nedeff: Les opérations en Macédoine lʼépopée de Doïran 1915–1918 [Die Operationen in Makedonien, das Heldenepos von Doiran 1915–1918]. Sofia 1927, S.&nbsp;211–214; Stilijan Nojkov: Waffenhilfe des österreichisch-ungarischen Armeeoberkommandos für das bulgarische Heer nach dem Durchbruch der bulgarischen Verteidigungsfront in Makedonien. In: Miscellanea Bulgarica 12 (1998), S.&nbsp;55–58, hier: S.&nbsp;55.</p>



<p><a href="#_ftnref4">[4]</a> Zu Ivan Bagrjanov siehe: Tašo Tašev: Ministrite na Bălgarija 1879–1999 [Die Minister Bulgariens 1879–1999]. Sofija 1999, S.&nbsp;41f.; Michail Gruev: Pre orani slogove. Kolektivicazija i sozialna promjana v bălgarskija severozapad 40-Te–50-Te godini na XX vek [Kollektivierung und sozialer Wandel im bulgarischen Nordwesten in den 1940er- und 1950er-Jahren]. Sofija 2009, S.&nbsp;45.</p>



<p><a href="#_ftnref5">[5]</a> Paisij von Hilander (1722–1773) war ein bulgarisch-orthodoxer Mönch, Geschichtsschreiber und gilt als einer der ersten Verfechter der Bulgarischen Nationalen Wiedergeburt. Nach ihm benannte sich die 1927 gegründete nationalistische Organisation Allbulgarische Allianz Otez Paisij.</p>



<p><a href="#_ftnref6">[6]</a> Werner Haas: Europa will leben. Die nationale Erneuerungsbewegung in Wort und Bild. Berlin 1936, S.&nbsp;81–88; Nikolaj Poppetrov: Flucht aus der Demokratie. Autoritarismus und autoritäres Regime in Bulgarien 1919–1944. In: Erwin Oberländer (Hg.): Autoritäre Regime in Ostmittel- und Südosteuropa 1919–1944. Paderborn 2001, S.&nbsp;379–402.</p>



<p><a href="#_ftnref7">[7]</a> Die bulgarischen Beziehungen zum faschistischen Italien sind noch nicht Inhalt einer umfassenden Studie geworden. Zwar heiratete Zar Boris&nbsp;III. 1930 eine Tochter des italienischen Königs Viktor Emanuel&nbsp;III., doch blieb das Verhältnis zu Mussolini eher distanziert. Cristina Siccardi: Giovanna di Savoia. Dagli splendori della reggia alle amarezze dell&#8217;esilio [Johanna von Savoyen. Von der Pracht des Palastes zur Bitterkeit des Exils]. Milano 2001, S.&nbsp;177–180.</p>



<p><a href="#_ftnref8">[8]</a> Markus Wien: Markt und Modernisierung. Deutsch-bulgarische Wirtschaftsbeziehungen 1918–1944 in ihren konzeptionellen Grundlagen. München 2007, S.&nbsp;69.</p>



<p><a href="#_ftnref9">[9]</a> Andrey Piperow (Hg.): Deutsch-Bulgarische Handelskammer. Handbuch der bulgarischen Wirtschaft unter besonderer Berücksichtigung der deutsch-bulgarischen Handelsbeziehungen. Berlin 1942, S.&nbsp;243.</p>



<p><a href="#_ftnref10">[10]</a> Wien: Markt und Modernisierung, S.&nbsp;319–324.</p>



<p><a href="#_ftnref11">[11]</a> Krassimira Stoyanova: Bulgarian-German Relations. Tradition, Priorities and Perspectives. Sofia 1995, S.&nbsp;48–51; Antoaneta Rimpova: Geschichte und Kultur Bulgariens in der deutschen Literatur (1878–1944). In: Bulgarian Historical Review, 13 (1985), S.&nbsp;90–107, hier: S.&nbsp;100f.; Zvetana Todorova: Zur Frage der bulgarisch-deutschen kulturellen Beziehungen nach 1878. In: Bulgarian Historical Review, 11 (1983), S.&nbsp;85–88, hier: S.&nbsp;88.</p>



<p><a href="#_ftnref12">[12]</a> Politisches Archiv des Auswärtigen Amts (i.&nbsp;F.: PA AA), Pol IV. 632 R 103891, Rümelin an AA [Auswärtiges Amt] 31.5.1938.</p>



<p><a href="#_ftnref13">[13]</a> Das Zitat wurde von dem renommierten italienischen Kulturjournalisten Antonio Spinosa in seiner Biografie über den italienischen König Viktor Emanuel&nbsp;III. verwendet, ohne jedoch einen Quellennachweis anzufügen. Antonio Spinosa: Vittorio Emanuele&nbsp;III. Lʼastuzia di un re [Viktor Emanuel&nbsp;III. Die Raffiniertheit eines Königs]. Milano 1990, S.&nbsp;294.</p>



<p><a href="#_ftnref14">[14]</a> Ivan Ilčev et al.: University of Sofia St. Kliment Ohridski – The first 120 years. Translated by Maja Penčeva and Tsvetana Boteva-Wallace. Sofija 2008, S.&nbsp;106–112.</p>



<p><a href="#_ftnref15">[15]</a> Christo Nikolov Lukov (1888–1943) war Mitbegründer der 1933 ins Leben gerufenen extremistischen Union der Bulgarischen Nationalen Legionäre. Er vertrat einen radikalen Antisemitismus, Nationalismus und Antikommunismus und trat für eine enge außenpolitische Anlehnung an die faschistischen Achsenmächte ein. Als Kriegsminister war er an Planungen für potenzielle militärische Konflikte mit einem der Nachbarstaaten beteiligt. Während des Krieges sprach er sich für eine direkte Teilnahme bulgarischer Truppen an der Seite der Wehrmacht im Krieg gegen die UdSSR aus. Zeitweise tauchten 1942 in Sofia Gerüchte auf, er würde von deutscher Seite als „starker Mann“ gewertet, der notfalls neuer Regierungschef werden könnte, sollte Zar Boris&nbsp;III. eine zu antideutsche Politik betreiben. Rossitza Ivkova: Rettung und Mord in genozidalen Entscheidungsprozessen: Bulgarien 1941–1943. Bielefeld, Univ. Bielefeld, Diss., 2004, S.&nbsp;66f. Am 13.&nbsp;Februar 1943 fiel er einem Attentat zum Opfer. Nach der Jahrtausendwende wurde er von der rechtsextremen Szene Bulgariens „wiederentdeckt“. Seit 2003 veranstaltet die nationalistische Rechte des Landes den alljährlichen „Lukov-Marsch“ durch die Innenstadt von Sofia. Frank Stier: Der Lukov-Marsch und die bulgarischen Nationalisten. In: Telepolis 23.2.2017, &lt;https://www.heise.de/tp/features/Der-Lukov-Marsch-und-die-bulgarischen-Nationalisten-3633300.html&gt;, 8.11.2021.</p>



<p><a href="#_ftnref16">[16]</a> Michele Rallo: LʼEpoca delle Rivoluzioni Nazionali [Die Epoche der nationalen Revolutionen]. Vol. V: Bulgaria e Macedonia (1919–1945). Roma 2004, S.&nbsp;95.</p>



<p><a href="#_ftnref17">[17]</a> PA AA, R 103.284, Bericht des deutschen Gesandten in Sofia vom 9.12.1938; siehe auch: David Benwenisti: Die Rettung der bulgarischen Juden 1941–1944. Sofia 1988, S.&nbsp;5.</p>



<p><a href="#_ftnref18">[18]</a> Esther Benbassa, AronRodrigue: Die Geschichte der sephardischen Juden. Bochum 2005, S.&nbsp;232.</p>



<p><a href="#_ftnref19">[19]</a> Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S.&nbsp;41; Stephane Groueff: Crown of Thorns. The Reign of King Boris&nbsp;III. of Bulgaria 1918–1943. London 1987, S.&nbsp;255–259; Petko Mangačev: Zagadkite v upravlenieto na Zar Boris III v perioda 1. III. 1941 g.–28. VIII. 1943 g. [<a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/Die" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die</a> <a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/Geheimnisse" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geheimnisse</a> <a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/in" target="_blank" rel="noreferrer noopener">in</a> <a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/der" target="_blank" rel="noreferrer noopener">der</a> <a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/Herrschaft" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Herrschaft</a> <a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/von" target="_blank" rel="noreferrer noopener">von</a> <a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/Zar" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zar</a> <a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/Boris" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Boris</a>&nbsp;<a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/III" target="_blank" rel="noreferrer noopener">III</a>. <a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/in" target="_blank" rel="noreferrer noopener">in</a> <a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/der" target="_blank" rel="noreferrer noopener">der</a> <a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/Zeit" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zeit</a> 1.3.1941–28.8.1943]. Sofija 2015, S.&nbsp;72–74.</p>



<p><a href="#_ftnref20">[20]</a> Archiv der Republik Wien (AdR) NPA 525 Liasse Bulgarien 4/I–5/I, Österr. Botschaft Sofia, Zl. 27/pol. 8.4.1935 und 22.2.1936. Siehe auch: Kirill P. Doreff: Bulgarien im südöstlichen Paktsystem. Limburg/Lahn 1941, S.&nbsp;87f.; Klaus Sohl: Die Kriegsvorbereitungen des deutschen Imperialismus in Bulgarien am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. In: Jahrbuch für Geschichte der UdSSR und der volksdemokratischen Länder Europas, Band 3. Berlin [Ost] 1959, S.&nbsp;91–119, hier: S.&nbsp;112.</p>



<p><a href="#_ftnref21">[21]</a> Wien: Markt und Modernisierung, S.&nbsp;171–260.</p>



<p><a href="#_ftnref22">[22]</a> Zeitschrift für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Vol. 8 (1938), S.&nbsp;788f., &lt;https://www.zaoerv.de/08_1938/vol8.cfm&gt;, 8.11.2021. Der deutsche Gesandte in Sofia, Eugen Rümelin, berichtete in diesem Zusammenhang von einer Ablehnung des Abkommen durch viele führende bulgarische Militärs. Nach deren Meinung konnte die bislang geheime Aufrüstung auch ohne das Abkommen fortgeführt werden, ohne den Schutz der demilitarisierten Zone an der Grenze zur Türkei und Griechenland aufzugeben. PA AA, Pol IV. 632 R 103891, Rümelin an AA 17.8.1938.</p>



<p><a href="#_ftnref23">[23]</a> Plamen S. Zvetkov: Kolektivna sirgurnost ili neutralitet. Srednite i malkite dăržavi v evropejskata politika oktomvri 1935–mart 1938 [Kollektive Sicherheit oder Neutralität. Mittlere und kleine Staaten in der europäischen Politik Oktober 1935–März 1938.] Sofija: Cheron Press 1999, S.&nbsp;117; Alberto Basciani: Un archeologo al servizio della monarchia bulgara. La parabola politica di Bogdan Filov (1940–1944) [Ein Archäologe im Dienste der bulgarischen Monarchie. Die politische Parabel des Bogdan Filov (1940–1944)]<em>.</em> In: Francesco Guida (Hg.): Intellettuali versus democrazia. I regimi authoritari nellʼEuropa sud-orientale (1933–1953) [Intellektuelle gegen Demokratie. Autoritäre Regime in Südosteuropa (1933–1953)]. Roma 2010, S.&nbsp;111–157.</p>



<p><a href="#_ftnref24">[24]</a> Claudia Weber: Der Pakt. Stalin, Hitler und die Geschichte einer mörderischen Allianz 1939–1941. München 2019, S.&nbsp;70.</p>



<p><a href="#_ftnref25">[25]</a> In der Wahl erlangten die Anhänger der Zarendiktatur 142 von 160 Sitzen. Stärkste Oppositionskraft blieben die zehn kommunistischen Abgeordneten. Dimităr Ch. Popov: Žestoki Vremena. Bălgarija 1914–2014. Tom 2: Ot Vremenna stabilnost kăm novi prevratnosti (1934–1944) [Grausame Zeiten. Bulgarien 1914–2014. Band 2: Von der zeitlichen Stabilität zu neuen Wendungen (1934–1944). Sofija 2016, S.&nbsp;155; Dieter Nohlen, Philip Stöver (Hgg.): Elections in Europe: A data handbook. Baden-Baden 2010, S.&nbsp;368f. Zum Gesandtenaustausch siehe: Dimităr Sirkov: Vănšnata politika na bălgarija 1938–1941 [Die Außenpolitik von Bulgarien 1938–1941]. Sofija 1979, S.&nbsp;206f.</p>



<p><a href="#_ftnref26">[26]</a> Erhard Forndran: Innen- und Außenpolitik unter nationalsozialistischer Bedrohung: Determinanten internationaler Beziehungen in historischen Fallstudien. Opladen 1977, S.&nbsp;171f.</p>



<p><a href="#_ftnref27">[27]</a> David S. Wyman, Charles H. Rosenzveig: The World Reacts to the Holocaust. London 1996, S.&nbsp;264; Ivkova: Rettung und Mord, S.&nbsp;37.</p>



<p><a href="#_ftnref28">[28]</a> Mariana Hausleitner u.&nbsp;a. (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945 (Quellensammlung), Band 13: Slowakei, Rumänien und Bulgarien. Berlin 2018, S.&nbsp;622.</p>



<p><a href="#_ftnref29">[29]</a> Dabei ist zu beachten, dass die Ratnici zu den energischsten Kritikern der Regierung aus dem rechten politischen Spektrum zählten. Es kann vermutet werden, dass dadurch versucht wurde, die Ratnici auf diese Weise in die Königsdiktatur des Zaren einzubinden, um sie zu neutralisieren. Andererseits entstand auf diese Weise eine Bastion antisemitischer Extremisten innerhalb der Staatsbürokratie. Frederick Chary: The Bulgarian Jews and the Final Solution 1940–1944. Pittsburgh 1972, S.&nbsp;56.</p>



<p><a href="#_ftnref30">[30]</a> Ana Karlsreiter: König Boris&nbsp;III. von Bulgarien und die bulgarische Außenpolitik 1938–1943. München, Univ. München, Diss., 2001, S.&nbsp;317; Iva Arakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben? Hilfe für verfolgte Juden in Bulgarien 1940–1944. Berlin 2016, S.&nbsp;22f. Zur Politik der Türkei hinsichtlich jüdischer Flüchtlinge aus Bulgarien siehe auch: Corry Guttstadt: Die Türkei, die Juden und der Holocaust. Berlin 2008, S.&nbsp;257–260.</p>



<p><a href="#_ftnref31">[31]</a> Stefan Troebst: Antisemitismus im „Land ohne Antisemitismus“: Staat, Titularnation und jüdische Minderheit in Bulgarien 1878–1993. In: Mariana Hausleitner, Monika Katz (Hgg.): Juden und Antisemitismus im östlichen Europa. Berlin 1995, S.&nbsp;109–125, hier: S.&nbsp;117.</p>



<p><a href="#_ftnref32">[32]</a> 1939 lebten etwa 366.000 Bulgaren in Rumänien; vgl. Hans-Joachim Hoppe: Die Balkanstaaten Rumänien, Jugoslawien, Bulgarien – Nationale Gegensätze und NS-Großraumpolitik. In: Erhard Forndran, Frank Golczewski, Dieter Riesenberger (Hgg.): Innen- und Außenpolitik unter nationalsozialistischer Bedrohung. Opladen 1977, S.&nbsp;161–175, hier: S.&nbsp;163; PA AA, Pol IV. 632 R 103891, Bericht der deutschen Außenstelle für den Außenhandel vom 17.11.1938. Siehe auch: Andrea Schmidt-Rösler: Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg: Die Grenzziehung in der Dobrudscha und im Banat und die Folgeprobleme. Frankfurt/M. 1994, S.&nbsp;112–160.</p>



<p><a href="#_ftnref33">[33]</a> PA AA, Pol IV. 632 R 103891, Bericht v. Weizsäcker, Berlin 18.1.1939 und Telegramm dt. Botschaft in Warschau vom 20.6.1939.</p>



<p><a href="#_ftnref34">[34]</a> Bundesarchiv Militärarchiv (i.&nbsp;F.: BA MA) RW 5/v. 353 Bericht der deutschen Gesandtschaft in Sofia vom 10.2.1940 und Bericht des deutschen Botschafters in Ankara vom 20.2.1940.</p>



<p><a href="#_ftnref35">[35]</a> Weber: Der Pakt, S.&nbsp;178f.</p>



<p><a href="#_ftnref36">[36]</a> Akten zur deutschen auswärtigen Politik (i.&nbsp;F.: ADAP), Serie D, Bd. 10, S.&nbsp;45, Bericht der deutschen Gesandtschaft in Sofia vom 29.6.1940.</p>



<p><a href="#_ftnref37">[37]</a> ADAP, Serie D, Bd. 10, S.&nbsp;32, Bericht des Leiters der politischen Abteilung im Auswärtigen Amt, Ernst Woermann, vom 27.6.1940.</p>



<p><a href="#_ftnref38">[38]</a> Schmidt-Rösler: Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg, S.&nbsp;164–168.</p>



<p><a href="#_ftnref39">[39]</a> Andrew Zapantis: Greek-Soviet Relations, 1917–1941. New York 1982, S.&nbsp;390f.</p>



<p><a href="#_ftnref40">[40]</a> Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S.&nbsp;44.</p>



<p><a href="#_ftnref41">[41]</a> MacGregor Knox: Mussolini Unleashed 1939–1941. Politics and Strategy in Fascist Italyʼs Last War. Cambridge 1986, S.&nbsp;218f.</p>



<p><a href="#_ftnref42">[42]</a> Heinz Höhne: Der Weg im Dunkeln. Die deutsche und russische Spionage. München 1985, S.&nbsp;335.</p>



<p><a href="#_ftnref43">[43]</a> Marin Pundeff: Two Documents on soviet-bulgarian relations in November 1940. In: Journal of Central European Affairs, Vol. XV (Januar 1956), S.&nbsp;367–378, hier: S.&nbsp;374.</p>



<p><a href="#_ftnref44">[44]</a> Andreas Hillgruber (Hg.): Staatsmänner und Diplomaten bei Hitler. Vertrauliche Aufzeichnungen über Unterredungen mit Vertretern des Auslandes. Band I. Frankfurt/M. 1967, S.&nbsp;363f.</p>



<p><a href="#_ftnref45">[45]</a> Voin Bojinov: Lʼentrîment de la Bulgarie dans la Seconde Guerre Mondiale et ses conséquences [Der Eintritt Bulgariens in den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen]. In: Études Historiques, Tom II, Sofia 1965, S.&nbsp;493–512, hier: S.&nbsp;500; Elisabeth Barker: British Policy in South-East Europe in the Second World War. London 1976, S.&nbsp;59; vgl. ferner Christian Hartmann: Halder. Generalstabschef Hitlers 1938–1942. Paderborn 1991, S.&nbsp;255.</p>



<p><a href="#_ftnref46">[46]</a> PA AA, R 29873, Telegramm des dt. Gesandten in Sofia Herbert Freiherr von Richthofen vom 30.11.1940 an das AA.</p>



<p><a href="#_ftnref47">[47]</a> PA AA, R 29873, Telegramm Richtofen vom 7.12.1940 an das AA bzw. Documents on German Foreign Policy (DGFP), Vol. XI, Dokumente Nr. 468 und 536.</p>



<p><a href="#_ftnref48">[48]</a> Weber: Der Pakt, S.&nbsp;196f.</p>



<p><a href="#_ftnref49">[49]</a> Nikolaj Poppetrov: Socialno naljavo, nacionalizmăt – napred: programni i organizacionni dokumenti na bălgarski avtoritaristki nacionalističeski formacii [Soziale Linke – Vorwärts: Programm- und Organisationsdokumente der bulgarischen autoritären nationalistischen Formationen]. Sofia 2009, S.&nbsp;805–848.</p>



<p><a href="#_ftnref50">[50]</a> ADAP, Serie D, Bd. 11, S.&nbsp;406 und S.&nbsp;496; Hillgruber (Hg.): Staatsmänner, Bd. I, Gespräch Draganov–Hitler vom 23.11.1940, S. 367; Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, Bd. 1. Frankfurt/M. 1965, S.&nbsp;995.</p>



<p><a href="#_ftnref51">[51]</a> Hillgruber (Hg.): Staatsmänner, Bd. I, S.&nbsp;362 und 415; PA AA, R 29.873, Telegramm Richthofen vom 26.2.1941 an das AA.</p>



<p><a href="#_ftnref52">[52]</a> Martin L. van Creveld: Hitlerʼs Strategy 1940–1941. Cambridge 1973, S.&nbsp;118.</p>



<p><a href="#_ftnref53">[53]</a> Sabrina P. Ramet, Sladjana Lazić: „The Collaborationist Regime of Milan Nedić“. In: Sabrina P. Ramet, Ola Listhaug (Hgg.): Serbia and the Serbs in World War Two. London 2011, S.&nbsp;17–43, hier: S.&nbsp;18.</p>



<p><a href="#_ftnref54">[54]</a> Stefan Troebst: Ivan Michajlov im türkischen und polnischen Exil (1934–1939/40). Fragmente zur politischen Biographie des Chefs der „Inneren Makedonischen Revolutionären Organisation“. In: Stefan Troebst: Das makedonische Jahrhundert. Von den Anfängen der nationalrevolutionären Bewegung zum Abkommen von Ohrid 1893–2001. Ausgewählte Aufsätze. München 2007, S.&nbsp;175–224, hier: S.&nbsp;182f.</p>



<p><a href="#_ftnref55">[55]</a> Nikolaj Genčev: Vănšnata politika na bălgarija 1938–1941 [Außenpolitik von Bulgarien 1938–1941]. Sofija 1998, S.&nbsp;149–152; Petăr Petrov (Red.): Makedonija. Istorija i političeska sădba. [Makedonien. Geschichte und politisches Schicksal.] Tom III. Sofija, Stara Zagora 1998, S.&nbsp;7.</p>



<p><a href="#_ftnref56">[56]</a> Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S.&nbsp;97–100.</p>



<p><a href="#_ftnref57">[57]</a> Dimităr Sirkov: Vanšnata politika na bălgarija, S.&nbsp;252; Marshall Lee Miller: Bulgaria during the Second World War. Stanford 1975, S.&nbsp;37.</p>



<p><a href="#_ftnref58">[58]</a> Miller: Bulgaria during the Second World War, S.&nbsp;45.</p>



<p><a href="#_ftnref59">[59]</a> ADAP, Serie D, Band 12/1, Dok. Nr. 216, S.&nbsp;306f.</p>



<p><a href="#_ftnref60">[60]</a> Karlsreiter: König Boris III. von Bulgarien, S.&nbsp;251; siehe auch Bogdan Filov: Dnevnik [Tagebuch] (Red. Ilčo Dimitrov). Sofija 1990, S.&nbsp;297, S.&nbsp;300.</p>



<p><a href="#_ftnref61">[61]</a> BA MA, Wi Ic 5,35 Stimmungsbericht vom 21.1.1941.</p>



<p><a href="#_ftnref62">[62]</a> Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S.&nbsp;121f.</p>



<p><a href="#_ftnref63">[63]</a> Vaïos Kalogrias: Makedonien 1941–1944. Okkupation, Widerstand, Kollaboration. Ruhpolding 2008, S.&nbsp;95f.</p>



<p><a href="#_ftnref64">[64]</a> Vanče Stojčev: Bugarskiot okupaciski sistem vo Makedonija 1941–1944 [Bulgarisches Besatzungssystem in Makedonien 1941–1944]. Skopje 1996, S.&nbsp;183; Rastislav Terzioski: Denacionalizatorskata dejnost na bugarskite kulturno-prosvetni institucii vo makedonija (skopska i bitolska okupaciona oblast) 1941–1944 [Denationalisierungsaktivitäten bulgarischer Kultur- und Bildungseinrichtungen in Makedonien (Skopioter und Bitolaer Besatzungsgebiet) 1941–1944]. Skopje 1974, S.&nbsp;56–60; siehe auch: Ivan Chadžijski: Vtoroto bălgarsko upravlenie văv Vardarska Makedonija (april 1941–septemvri 1944) [Die zweite bulgarische Verwaltung in Vardar Makedonien (April 1941–September 1944)]. Dupniza 2016.</p>



<p><a href="#_ftnref65">[65]</a> Ģorģi Malkovski: Profaštičkite i kolaboracionističkite organizacii i grupi vo makedonija 1941–1944 [Profaschistische und kolaboratistische Organisationen und Gruppen in Makedonien 1941–1944]. Skopje: Institut za Nacionalna Istorija 1995, S.&nbsp;58f., S.&nbsp;63ff; Stojčev: Burgaskiot okupaciski sistem, S.&nbsp;91–94.</p>



<p><a href="#_ftnref66">[66]</a> Poppetrov: Flucht aus der Demokratie, S.&nbsp;399.</p>



<p><a href="#_ftnref67">[67]</a> Elisabeth Barker: Macedonia its place in Balkan power politics. London 1950, S.&nbsp;79.</p>



<p><a href="#_ftnref68">[68]</a> BA MA, RH 31/II/ 1 Deutscher Ausbildungsstab bei d. kgl. bulg. Heeresleitung. 15.5.1941–1.2.1944, Bericht des dt. Ausbildungsstabes in Sofia an das OKH in Berlin vom 3.8.1942.</p>



<p><a href="#_ftnref69">[69]</a> Rainer Eckert: Vom „Fall Marita“ zur „wirtschaftlichen Sonderaktion“. Die deutsche Besatzungspolitik in Griechenland vom 6.&nbsp;April 1941 bis zur Kriegswende im Februar/März 1943. Frankfurt/M. 1992, S.&nbsp;72.</p>



<p><a href="#_ftnref70">[70]</a> Kalogrias: Makedonien 1941–1944, S.&nbsp;96.</p>



<p><a href="#_ftnref71">[71]</a> Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S.&nbsp;126.</p>



<p><a href="#_ftnref72">[72]</a> Kalogrias: Makedonien 1941–1944, S.&nbsp;111f.</p>



<p><a href="#_ftnref73">[73]</a> Kalogrias: Makedonien 1941–1944, S.&nbsp;117–127. Siehe zur Ochrana auch Dobrin Mičev: Bălgarskoto nacionalna delo v jugozapadna Makedonija (1941–1944 g.) [Bulgarisches nationales Wirken in Südwestmakedonien (1941–1944)], &lt;http://www.promacedonia.org/mpr/ohrana.html&gt;, 8.11.2021.</p>



<p><a href="#_ftnref74">[74]</a> Boro Mitrovski, Venceslav Glišić, Tomo Ristovski: Das Bulgarische Heer in Jugoslawien 1941–1945. Beograd 1971, S.&nbsp;52–63.</p>



<p><a href="#_ftnref75">[75]</a> Oleg Beyda: ,Wehrmacht Eastern Toursʻ: Bulgarian Officers on the German-Soviet Front, 1941–1942. In: The Journal of Slavic Military Studies, 33 (2020) H.&nbsp;1, S.&nbsp;136–161.</p>



<p><a href="#_ftnref76">[76]</a> Georgi Markov: Zar Boris III: Po-dobre čeren chljab, otkolkoto černi zabradki [Zar Boris&nbsp;III.: Besser Schwarzbrot als schwarze Kopftücher]. In: bg-Voice.-com, 6.2.2014, ˂https://bg-voice.com/po-dobre_cheren_hlyab_otkolkoto_cherni_zabradki/˃, 8.11.2021.</p>



<p><a href="#_ftnref77">[77]</a> BA MA, Wi IC 5,23, Bericht des deutschen Wirtschaftsoffiziers in Sofia vom 31.12.1941.</p>



<p><a href="#_ftnref78">[78]</a> Marin Kalonkin: Bălgarija văv vtorata svetovhna vojna 1939–1945 godina [Bulgarien im Zweiten Weltkrieg 1939–1945]. Sofija 2010, S.&nbsp;90–93.</p>



<p><a href="#_ftnref79">[79]</a> Wolfgang Bretholz: Ich sah sie stürzen. Wien 1955, S.&nbsp;46.</p>



<p><a href="#_ftnref80">[80]</a> BA MA, RW 29/77, Lagebericht des deutschen Konsulats in Sofia vom 30.9.1941.</p>



<p><a href="#_ftnref81">[81]</a> Otto Schulmeister: Werdende Großraumwirtschaft. Die Phasen ihrer Entwicklung in Südosteuropa. Berlin 1943, S.&nbsp;171f.</p>



<p><a href="#_ftnref82">[82]</a> Bereits seit Sommer 1940 förderte das Deutsche Reich die Aufrüstung der bulgarischen Streitkräfte. Dazu zählten spezielle Ausbildungskurse in Deutschland, die Entsendung von Militärberatern nach Bulgarien und der Auf- bzw. Ausbau der bulgarischen Panzertruppen und der Luftwaffe. Popov: Žestoki Vremena, S.&nbsp;155; Björn Opfer: Die bulgarische Wiederaufrüstung 1923–1944. In: Zeitschrift für Heereskunde Nr. 407, Januar/März 2003, S.&nbsp;10–16.</p>



<p><a href="#_ftnref83">[83]</a> Wien: Markt und Modernisierung, S.&nbsp;305–308.</p>



<p><a href="#_ftnref84">[84]</a> Götz Aly: Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus. Frankfurt/M. 2005, S.&nbsp;258f.</p>



<p><a href="#_ftnref85">[85]</a> BA MA, RW 29/86 Lageberichte W. O. [Wehrwirtschaftsoffizier] Sofia 4.6.41–28.2.1942, W. O. Sofia Lagebericht 31.8.1941, RW 29/87 WO Lageberichte 1.11.41–31.12.42, Lagebericht W.&nbsp;O. Sofia 28.2.1942, RW 29/77, Bericht des deutschen Wirtschaftsoffiziers vom 31.10.1942 und RW 29/80 Kriegstagebuch W.&nbsp;O. Sofia 1.4. –30.6.1943, Lagebericht Nr. 21 W.&nbsp;O. Sofia 30.4.1943.</p>



<p><a href="#_ftnref86">[86]</a> BA MA, RW 29/78 Kriegstagebuch Wehrwirtschaftsoffizier (W. O.) Sofia 1.10.–31.12.42, Tagebucheintrag vom 12.11.1942.</p>



<p><a href="#_ftnref87">[87]</a> BA MA, RW 29/78 Kriegstagebuch Wehrwirtschaftsoffizier (W. O.) Sofia 1.10.–31.12.42, Tagebucheintrag vom 30.11.1942.</p>



<p><a href="#_ftnref88">[88]</a> Stojčev: Burgaskiot okupaciski sistem, S.&nbsp;199, S.&nbsp;205f.</p>



<p><a href="#_ftnref89">[89]</a> Rumen Nikolov: Njakoi aspekti na bălgarsko-germanskite voennoikonomičeski otnošenija prez perioda maj–dekemvri 1942 godina [Einige Aspekte der bulgarisch-deutschen militärisch-wirtschaftlichen Beziehungen im Zeitraum Mai–Dezember 1942]. In: Voennoistoričeski Sbornik [Militärhistorischer Sammelband] 1986, H.&nbsp;4, S.&nbsp;159–171, hier: S.&nbsp;166.</p>



<p><a href="#_ftnref90">[90]</a> Péter Gosztony: Der Krieg zwischen Bulgarien und Deutschland 1944/45. In: Wehrwissenschaftliche Rundschau 1967, H.&nbsp;4, S.&nbsp;22–38, hier: S.&nbsp;25.</p>



<p><a href="#_ftnref91">[91]</a> Eberhard Wolfgramm: Bemerkungen zur bulgarischen Partisanenbewegung. In: Jahrbuch für Geschichte der UdSSR und der volksdemokratischen Länder Europas, Band 8. Berlin [Ost] 1964, S.&nbsp;505–524, hier: S.&nbsp;516.</p>



<p><a href="#_ftnref92">[92]</a> Oliver Jens Schmitt: Der Balkan im 20.&nbsp;Jahrhundert. Eine postimperiale Geschichte. Stuttgart 2019, S.&nbsp;155.</p>



<p><a href="#_ftnref93">[93]</a> BA MA, RW 29/81 Kriegstagebuch W.&nbsp;O. Sofia 1.7.–30.9.1943, Aktennotiz Wehrwirtschaftsoffizier (W.&nbsp;O.) Sofia 15.7.1943.</p>



<p><a href="#_ftnref94">[94]</a> Benbassa, Rodrigue: Die Geschichte der sephardischen Juden, S.&nbsp;157; Jan Rychlík: Zweierlei Politik gegenüber der Minderheit: Verfolgung und Rettung bulgarischer Juden 1940–1944. In: Wolfgang Benz, Juliane Wetzel (Hgg.): Solidarität und Hilfe für Juden während der NS-Zeit, Regionalstudien 4. Berlin 2004, S.&nbsp;61–98, hier: S.&nbsp;63.</p>



<p><a href="#_ftnref95">[95]</a> Ana Luleva: Die Zwangsarbeit in Bulgarien 1941–1944. In: Alexander von Plato, Almuth Leh, Christoph Thonfeld (Hgg.): Hitlers Sklaven. Lebensgeschichtliche Analysen zur Zwangsarbeit im internationalen Vergleich. Wien 2008, S.&nbsp;171–183, hier: S.&nbsp;172f. Siehe auch: Nedo Nedev: Zar Boris&nbsp;III. Dvorezăt i tajnijat kabinet [Zar Boris&nbsp;III. Königshof und Geheimkabinett]. Plovdiv 2009, S.&nbsp;372–380.</p>



<p><a href="#_ftnref96">[96]</a> BA MA, RW 29/77 Anlagen zum Kriegstagebuch für die Zeit vom 8.5.41 bis 30.9.42, Wehrwirtschaftsoffizier (W. O.) Sofia, Lagebericht Nr. 6 W.&nbsp;O. Sofia 31.1.1942.</p>



<p><a href="#_ftnref97">[97]</a> Aly: Hitlers Volksstaat, S.&nbsp;261.</p>



<p><a href="#_ftnref98">[98]</a> Hans-Joachim Hoppe: Bulgarien. In: Wolfgang Benz (Hg.): Dimensionen des Völkermords. Die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. München 1991, S.&nbsp;282.</p>



<p><a href="#_ftnref99">[99]</a> Paul Mojzes: Balkan Genocides: Holocaust and Ethnic Cleansing in the Twentieth Century. Plymouth 2011, S.&nbsp;102.</p>



<p><a href="#_ftnref100">[100]</a> Chary: The Bulgarian Jews and the Final Solution 1940–1944, S.&nbsp;54f.</p>



<p><a href="#_ftnref101">[101]</a> Aleksandar Matkowski: Destruction of Macedonian Jewry. Skopje 1982, S.&nbsp;219.</p>



<p><a href="#_ftnref102">[102]</a> Miller: Bulgaria during the Second World War, S.&nbsp;104.</p>



<p><a href="#_ftnref103">[103]</a> Siccardi: Giovanna di Savoia, S.&nbsp;185ff.</p>



<p><a href="#_ftnref104">[104]</a> Arakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben?, S.&nbsp;34.</p>



<p><a href="#_ftnref105">[105]</a> Ivkova: Rettung und Mord, S. 68.</p>



<p><a href="#_ftnref106">[106]</a> Claudia Steur: Theodor Dannecker. Ein Funktionär der „Endlösung“. Essen 1996, S.&nbsp;97f.</p>



<p><a href="#_ftnref107">[107]</a> Kristina Birri-Tomovska: Jews of Yugoslavia 1918–1941. A History of Macedonian Sephards. Wien 2012, S.&nbsp;282f.</p>



<p><a href="#_ftnref108">[108]</a> Aleksandar Matkovski: The Destruction of Macedonian Jewry in 1943. In: Yad Vashem Studies III. Jerusalem 1959, S.&nbsp;203–258, hier: S.&nbsp;214f.</p>



<p><a href="#_ftnref109">[109]</a> Martin Gilbert: The Routledge Atlas of the Holocaust. Routledge, London, New York ³2002, S.&nbsp;150f.</p>



<p><a href="#_ftnref110">[110]</a> Zu den Vorgängen der Deportation siehe Ivan Stoilov Hadžijski: Sădbata na evrejskoto naselenie v Belomorska Trakija, Vardarska Makedonia i Jugozapadna Bălgarija prez 1941–1944 [Das Schicksal der jüdischen Bevölkerung in Thrakien am Weißen Meer, in Vardarmakedonien und im Südwesten Bulgariens in den Jahren 1941–1944]. Dupnica 2004; sowie die doppelbändige Quellensammlung Deportiraneto na evreite ot Vardarska Makedonija, Belomorska Trakija i Pirot, mart 1943 g. Dokumenti ot bălgarskite archivi. Tom 1–2 [Die Deportation der Juden aus Vardarmakedonien, Weißmeerthrakien und Pirot, März 1943. Dokumente aus den bulgarischen Archiven], hgg. von Nadja Danova und Rumen Avramov. Sofija 2013; sowie die Auszüge von Zeitzeugenberichten auf der Homepage der jüdischen Gemeinde von Bitola, &lt;http://www.jewishcommunitybitola.mk/bitola/40-bitola/59-bitola.html?start=2&gt;, 8.11.2021.</p>



<p><a href="#_ftnref111">[111]</a> Der in Österreich eingetragene Verein „Zentrum zur Erforschung und Dokumentation jüdischen Lebens in Ost- und Mitteleuropa“ veröffentlichte auf Basis von Zeitzeugen und Zeitzeugnissen auf seiner Plattform Centropa einen Dokumentarfilm über die Deportation der makedonischen Juden 1943 („Bulgarien und der Holocaust“), &lt;<a href="http://www.centropa.org/de/centropa-cinema/history-bulgarian-jewry-during-holocaust" target="_blank" rel="noreferrer noopener">http://www.centropa.org/de/centropa-cinema/history-bulgarian-jewry-during-holocaust</a>&gt;, 8.11.2021.</p>



<p><a href="#_ftnref112">[112]</a> David Koen et al. (Hgg.): Borbata na bălgarskija narod za zaštita i spasjavane na evreite v Bălgaria po vreme na vtorata svetovna vojna 1941–1944. Dokumenti i Materiali [Der Kampf des bulgarischen Volkes um Verteidigung und Rettung der Juden in Bulgarien in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Dokumente und Materialien]. Sofija 1978, Dokument 120, S.&nbsp;203.</p>



<p><a href="#_ftnref113">[113]</a> Arakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben?, S.&nbsp;73f., S.&nbsp;144–159.</p>



<p><a href="#_ftnref114">[114]</a> Zur Deportation der jüdischen Bevölkerung von Thessaloniki siehe Georg Bossong: Die Sepharden. Geschichte und Kultur der spanischen Juden. München 2008, S.&nbsp;111; Erhard Roy Wiehn: Juden in Thessaloniki. Konstanz 2001, S.&nbsp;29.</p>



<p><a href="#_ftnref115">[115]</a> Arakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben?, S.&nbsp;130–143.</p>



<p><a href="#_ftnref116">[116]</a> Aly: Hitlers Volksstaat, S. 259.</p>



<p><a href="#_ftnref117">[117]</a> BA MA, RW 29/81 Kriegstagebuch W.&nbsp;O. Sofia 1.7.–30.9.1943, Überblick über die wehrwirtschaftliche Lage Bulgariens und die Tätigkeit des Deutschen Wehrwirtschaftsoffiziers Sofia im III.&nbsp;Quartal 1943 sowie Aktennotiz W.&nbsp;O. Sofia 30.9.1943.</p>



<p><a href="#_ftnref118">[118]</a> Daniel Vačkov: Pătjat na komunističeskata partija kăm vlastta (1939–1944) [Der Weg der Kommunistischen Partei zur Macht (1939–1944)]. In: Ivajlo Znepolski (Hg.): Istorija na Narodna Republika Bălgarija: Režimăt i obstestvoto. [Geschichte der Volksrepublik Bulgarien: Regime und der Gesellschaft]. Sofija 2009, S.&nbsp;91–130, hier: S.&nbsp;96f.</p>



<p><a href="#_ftnref119">[119]</a> Mitrovski: Das bulgarische Heer, S. 229f.</p>



<p><a href="#_ftnref120">[120]</a> Zur Rolle von Aleksandăr Cankov in den letzten Kriegsmonaten siehe Nedju Nedev: Aleksandăr Cankov: Legiona. Ratnik. Pravitelstvo văv Viena. Smărt v Aržentina [Aleksandar Cankov: Legionär. Kämpfer. Regierung in Wien. Tod in Argentinien]. Plovdiv 2015.</p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hans-Joachim Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter. Eine Fallstudie zur nationalsozialistischen Südosteuropapolitik. Stuttgart 1979.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Oliver Stein: Die deutsch-bulgarischen Beziehungen seit 1878. In: Zeitschrift für Balkanologie 47 (2011) H.&nbsp;2, S.&nbsp;218–240, hier: S.&nbsp;222.</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nikola Nedeff: Les opérations en Macédoine lʼépopée de Doïran 1915–1918 [Die Operationen in Makedonien, das Heldenepos von Doiran 1915–1918]. Sofia 1927, S.&nbsp;211–214; Stilijan Nojkov: Waffenhilfe des österreichisch-ungarischen Armeeoberkommandos für das bulgarische Heer nach dem Durchbruch der bulgarischen Verteidigungsfront in Makedonien. In: Miscellanea Bulgarica 12 (1998), S.&nbsp;55–58, hier: S.&nbsp;55.</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zu Ivan Bagrjanov siehe: Tašo Tašev: Ministrite na Bălgarija 1879–1999 [Die Minister Bulgariens 1879–1999]. Sofija 1999, S.&nbsp;41f.; Michail Gruev: Pre orani slogove. Kolektivicazija i sozialna promjana v bălgarskija severozapad 40-Te–50-Te godini na XX vek [Kollektivierung und sozialer Wandel im bulgarischen Nordwesten in den 1940er- und 1950er-Jahren]. Sofija 2009, S.&nbsp;45.</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Paisij von Hilander (1722–1773) war ein bulgarisch-orthodoxer Mönch, Geschichtsschreiber und gilt als einer der ersten Verfechter der Bulgarischen Nationalen Wiedergeburt. Nach ihm benannte sich die 1927 gegründete nationalistische Organisation Allbulgarische Allianz Otez Paisij</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Werner Haas: Europa will leben. Die nationale Erneuerungsbewegung in Wort und Bild. Berlin 1936, S.&nbsp;81–88; Nikolaj Poppetrov: Flucht aus der Demokratie. Autoritarismus und autoritäres Regime in Bulgarien 1919–1944. In: Erwin Oberländer (Hg.): Autoritäre Regime in Ostmittel- und Südosteuropa 1919–1944. Paderborn 2001, S.&nbsp;379–402.</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die bulgarischen Beziehungen zum faschistischen Italien sind noch nicht Inhalt einer umfassenden Studie geworden. Zwar heiratete Zar Boris&nbsp;III. 1930 eine Tochter des italienischen Königs Viktor Emanuel&nbsp;III., doch blieb das Verhältnis zu Mussolini eher distanziert. Cristina Siccardi: Giovanna di Savoia. Dagli splendori della reggia alle amarezze dell’esilio [Johanna von Savoyen. Von der Pracht des Palastes zur Bitterkeit des Exils]. Milano 2001, S.&nbsp;177–180.</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Markus Wien: Markt und Modernisierung. Deutsch-bulgarische Wirtschaftsbeziehungen 1918–1944 in ihren konzeptionellen Grundlagen. München 2007, S.&nbsp;69.</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Andrey Piperow (Hg.): Deutsch-Bulgarische Handelskammer. Handbuch der bulgarischen Wirtschaft unter besonderer Berücksichtigung der deutsch-bulgarischen Handelsbeziehungen. Berlin 1942, S.&nbsp;243.</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wien: Markt und Modernisierung, S.&nbsp;319–324.</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Krassimira Stoyanova: Bulgarian-German Relations. Tradition, Priorities and Perspectives. Sofia 1995, S.&nbsp;48–51; Antoaneta Rimpova: Geschichte und Kultur Bulgariens in der deutschen Literatur (1878–1944). In: Bulgarian Historical Review, 13 (1985), S.&nbsp;90–107, hier: S.&nbsp;100f.; Zvetana Todorova: Zur Frage der bulgarisch-deutschen kulturellen Beziehungen nach 1878. In: Bulgarian Historical Review, 11 (1983), S.&nbsp;85–88, hier: S.&nbsp;88.</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Politisches Archiv des Auswärtigen Amts (i.&nbsp;F.: PA AA), Pol IV. 632 R 103891, Rümelin an AA [Auswärtiges Amt] 31.5.1938.</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das Zitat wurde von dem renommierten italienischen Kulturjournalisten Antonio Spinosa in seiner Biografie über den italienischen König Viktor Emanuel&nbsp;III. verwendet, ohne jedoch einen Quellennachweis anzufügen. Antonio Spinosa: Vittorio Emanuele&nbsp;III. Lʼastuzia di un re [Viktor Emanuel&nbsp;III. Die Raffiniertheit eines Königs]. Milano 1990, S.&nbsp;294.</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ivan Ilčev et al.: University of Sofia St. Kliment Ohridski – The first 120 years. Translated by Maja Penčeva and Tsvetana Boteva-Wallace. Sofija 2008, S.&nbsp;106–112.</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Christo Nikolov Lukov (1888–1943) war Mitbegründer der 1933 ins Leben gerufenen extremistischen Union der Bulgarischen Nationalen Legionäre. Er vertrat einen radikalen Antisemitismus, Nationalismus und Antikommunismus und trat für eine enge außenpolitische Anlehnung an die faschistischen Achsenmächte ein. Als Kriegsminister war er an Planungen für potenzielle militärische Konflikte mit einem der Nachbarstaaten beteiligt. Während des Krieges sprach er sich für eine direkte Teilnahme bulgarischer Truppen an der Seite der Wehrmacht im Krieg gegen die UdSSR aus. Zeitweise tauchten 1942 in Sofia Gerüchte auf, er würde von deutscher Seite als „starker Mann“ gewertet, der notfalls neuer Regierungschef werden könnte, sollte Zar Boris&nbsp;III. eine zu antideutsche Politik betreiben. Rossitza Ivkova: Rettung und Mord in genozidalen Entscheidungsprozessen: Bulgarien 1941–1943. Bielefeld, Univ. Bielefeld, Diss., 2004, S.&nbsp;66f. Am 13.&nbsp;Februar 1943 fiel er einem Attentat zum Opfer. Nach der Jahrtausendwende wurde er von der rechtsextremen Szene Bulgariens „wiederentdeckt“. Seit 2003 veranstaltet die nationalistische Rechte des Landes den alljährlichen „Lukov-Marsch“ durch die Innenstadt von Sofia. Frank Stier: Der Lukov-Marsch und die bulgarischen Nationalisten. In: Telepolis 23.2.2017, &lt;https://www.heise.de/tp/features/Der-Lukov-Marsch-und-die-bulgarischen-Nationalisten-3633300.html&gt;, 8.11.2021.</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Michele Rallo: LʼEpoca delle Rivoluzioni Nazionali [Die Epoche der nationalen Revolutionen]. Vol. V: Bulgaria e Macedonia (1919–1945). Roma 2004, S.&nbsp;95.</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;PA AA, R 103.284, Bericht des deutschen Gesandten in Sofia vom 9.12.1938; siehe auch: DavidBenwenisti: Die Rettung der bulgarischen Juden 1941–1944. Sofia 1988, S.&nbsp;5.</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;2.</div><div>19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S.&nbsp;41; Stephane Groueff: Crown of Thorns. The Reign of King Boris&nbsp;III. of Bulgaria 1918–1943. London 1987, S.&nbsp;255–259; Petko Mangačev: Zagadkite v upravlenieto na Zar Boris III v perioda 1. III. 1941 g.–28. VIII. 1943 g. [<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/Die" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die</a>&nbsp;<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/Geheimnisse" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geheimnisse</a>&nbsp;<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/in" target="_blank" rel="noreferrer noopener">in</a>&nbsp;<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/der" target="_blank" rel="noreferrer noopener">der</a>&nbsp;<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/Herrschaft" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Herrschaft</a>&nbsp;<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/von" target="_blank" rel="noreferrer noopener">von</a>&nbsp;<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/Zar" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zar</a>&nbsp;<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/Boris" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Boris</a>&nbsp;<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/III" target="_blank" rel="noreferrer noopener">III</a>.&nbsp;<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/in" target="_blank" rel="noreferrer noopener">in</a>&nbsp;<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/der" target="_blank" rel="noreferrer noopener">der</a>&nbsp;<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/Zeit" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zeit</a>&nbsp;1.3.1941–28.8.1943]. Sofija 2015, S.&nbsp;72–74.</div><div>20&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Archiv der Republik Wien (AdR) NPA 525 Liasse Bulgarien 4/I–5/I, Österr. Botschaft Sofia, Zl. 27/pol. 8.4.1935 und 22.2.1936. Siehe auch: Kirill P. Doreff: Bulgarien im südöstlichen Paktsystem. Limburg/Lahn 1941, S.&nbsp;87f.; Klaus Sohl: Die Kriegsvorbereitungen des deutschen Imperialismus in Bulgarien am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. In: Jahrbuch für Geschichte der UdSSR und der volksdemokratischen Länder Europas, Band 3. Berlin [Ost] 1959, S.&nbsp;91–119, hier: S.&nbsp;112.</div><div>21&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wien: Markt und Modernisierung, S.&nbsp;171–260.</div><div>22&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;.Zeitschrift für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Vol. 8 (1938), S.&nbsp;788f., &lt;https://www.zaoerv.de/08_1938/vol8.cfm&gt;, 8.11.2021. Der deutsche Gesandte in Sofia, Eugen Rümelin, berichtete in diesem Zusammenhang von einer Ablehnung des Abkommen durch viele führende bulgarische Militärs. Nach deren Meinung konnte die bislang geheime Aufrüstung auch ohne das Abkommen fortgeführt werden, ohne den Schutz der demilitarisierten Zone an der Grenze zur Türkei und Griechenland aufzugeben. PA AA, Pol IV. 632 R 103891, Rümelin an AA 17.8.1938.</div><div>23&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Plamen S. Zvetkov: Kolektivna sirgurnost ili neutralitet. Srednite i malkite dăržavi v evropejskata politika oktomvri 1935–mart 1938 [Kollektive Sicherheit oder Neutralität. Mittlere und kleine Staaten in der europäischen Politik Oktober 1935–März 1938.] Sofija: Cheron Press 1999, S. 117; Alberto Basciani: Un archeologo al servizio della monarchia bulgara. La parabola politica di Bogdan Filov (1940–1944) [Ein Archäologe im Dienste der bulgarischen Monarchie. Die politische Parabel des Bogdan Filov (1940–1944)]. In: Francesco Guida (Hg.): Intellettuali versus democrazia. I regimi authoritari nellʼEuropa sud-orientale (1933–1953) [Intellektuelle gegen Demokratie. Autoritäre Regime in Südosteuropa (1933–1953)]. Roma 2010, S. 111–157.</div><div>24&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Claudia Weber: Der Pakt. Stalin, Hitler und die Geschichte einer mörderischen Allianz 1939–1941. München 2019, S.&nbsp;70.</div><div>25&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;In der Wahl erlangten die Anhänger der Zarendiktatur 142 von 160 Sitzen. Stärkste Oppositionskraft blieben die zehn kommunistischen Abgeordneten. Dimităr Ch. Popov: Žestoki Vremena. Bălgarija 1914–2014. Tom 2: Ot Vremenna stabilnost kăm novi prevratnosti (1934–1944) [Grausame Zeiten. Bulgarien 1914–2014. Band 2: Von der zeitlichen Stabilität zu neuen Wendungen (1934–1944). Sofija 2016, S. 155; Dieter Nohlen, Philip Stöver (Hgg.): Elections in Europe: A data handbook. Baden-Baden 2010, S. 368f. Zum Gesandtenaustausch siehe: Dimităr Sirkov: Vănšnata politika na bălgarija 1938–1941 [Die Außenpolitik von Bulgarien 1938–1941]. Sofija 1979, S. 206f.</div><div>26&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Erhard Forndran: Innen- und Außenpolitik unter nationalsozialistischer Bedrohung: Determinanten internationaler Beziehungen in historischen Fallstudien. Opladen 1977, S.&nbsp;171f.</div><div>27&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;David S. Wyman, Charles H. Rosenzveig: The World Reacts to the Holocaust. London 1996, S.&nbsp;264; Ivkova: Rettung und Mord, S.&nbsp;37.</div><div>28&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Mariana Hausleitner u.&nbsp;a. (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945 (Quellensammlung), Band 13: Slowakei, Rumänien und Bulgarien. Berlin 2018, S.&nbsp;622.</div><div>29&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dabei ist zu beachten, dass die Ratnici zu den energischsten Kritikern der Regierung aus dem rechten politischen Spektrum zählten. Es kann vermutet werden, dass dadurch versucht wurde, die Ratnici auf diese Weise in die Königsdiktatur des Zaren einzubinden, um sie zu neutralisieren. Andererseits entstand auf diese Weise eine Bastion antisemitischer Extremisten innerhalb der Staatsbürokratie. FrederickChary: The Bulgarian Jews and the Final Solution 1940–1944. Pittsburgh 1972, S.&nbsp;56.</div><div>30&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ana Karlsreiter: König Boris&nbsp;III. von Bulgarien und die bulgarische Außenpolitik 1938–1943. München, Univ. München, Diss., 2001, S.&nbsp;317; IvaArakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben? Hilfe für verfolgte Juden in Bulgarien 1940–1944. Berlin 2016, S.&nbsp;22f. Zur Politik der Türkei hinsichtlich jüdischer Flüchtlinge aus Bulgarien siehe auch: CorryGuttstadt: Die Türkei, die Juden und der Holocaust. Berlin 2008, S.&nbsp;257–260.</div><div>31&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Stefan Troebst: Antisemitismus im „Land ohne Antisemitismus“: Staat, Titularnation und jüdische Minderheit in Bulgarien 1878–1993. In: Mariana Hausleitner, Monika Katz (Hgg.): Juden und Antisemitismus im östlichen Europa. Berlin 1995, S.&nbsp;109–125, hier: S.&nbsp;117.</div><div>32&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;1939 lebten etwa 366.000 Bulgaren in Rumänien; vgl. Hans-Joachim Hoppe: Die Balkanstaaten Rumänien, Jugoslawien, Bulgarien – Nationale Gegensätze und NS-Großraumpolitik. In: Erhard Forndran, Frank Golczewski, Dieter Riesenberger (Hgg.): Innen- und Außenpolitik unter nationalsozialistischer Bedrohung. Opladen 1977, S.&nbsp;161–175, hier: S.&nbsp;163; PA AA, Pol IV. 632 R 103891, Bericht der deutschen Außenstelle für den Außenhandel vom 17.11.1938. Siehe auch: Andrea Schmidt-Rösler: Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg: Die Grenzziehung in der Dobrudscha und im Banat und die Folgeprobleme. Frankfurt/M. 1994, S.&nbsp;112–160.</div><div>33&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;PA AA, Pol IV. 632 R 103891, Bericht v. Weizsäcker, Berlin 18.1.1939 und Telegramm dt. Botschaft in Warschau vom 20.6.1939.</div><div>34&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bundesarchiv Militärarchiv (i.&nbsp;F.: BA MA) RW 5/v. 353 Bericht der deutschen Gesandtschaft in Sofia vom 10.2.1940 und Bericht des deutschen Botschafters in Ankara vom 20.2.1940.</div><div>35&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Weber: Der Pakt, S.&nbsp;178f.</div><div>36&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Akten zur deutschen auswärtigen Politik (i.&nbsp;F.: ADAP), Serie D, Bd. 10, S.&nbsp;45, Bericht der deutschen Gesandtschaft in Sofia vom 29.6.1940.</div><div>37&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;ADAP, Serie D, Bd. 10, S.&nbsp;32, Bericht des Leiters der politischen Abteilung im Auswärtigen Amt, Ernst Woermann, vom 27.6.1940.</div><div>38&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Schmidt-Rösler: Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg, S.&nbsp;164–168.</div><div>39&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Andrew Zapantis: Greek-Soviet Relations, 1917–1941. New York 1982, S.&nbsp;390f.</div><div>40&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S.&nbsp;44.</div><div>41&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;MacGregor Knox: Mussolini Unleashed 1939–1941. Politics and Strategy in Fascist Italyʼs Last War. Cambridge 1986, S.&nbsp;218f.</div><div>42&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Heinz Höhne: Der Weg im Dunkeln. Die deutsche und russische Spionage. München 1985, S.&nbsp;335.</div><div>43&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Marin Pundeff: Two Documents on soviet-bulgarian relations in November 1940. In: Journal of Central European Affairs, Vol. XV (Januar 1956), S.&nbsp;367–378, hier: S.&nbsp;374.</div><div>44&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Andreas Hillgruber (Hg.): Staatsmänner und Diplomaten bei Hitler. Vertrauliche Aufzeichnungen über Unterredungen mit Vertretern des Auslandes. Band I. Frankfurt/M. 1967, S.&nbsp;363f.</div><div>45&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Voin Bojinov: Lʼentrîment de la Bulgarie dans la Seconde Guerre Mondiale et ses conséquences [Der Eintritt Bulgariens in den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen]. In: Études Historiques, Tom II, Sofia 1965, S.&nbsp;493–512, hier: S.&nbsp;500; Elisabeth Barker: British Policy in South-East Europe in the Second World War. London 1976, S.&nbsp;59; vgl. ferner Christian Hartmann: Halder. Generalstabschef Hitlers 1938–1942. Paderborn 1991, S.&nbsp;255.</div><div>46&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;PA AA, R 29873, Telegramm des dt. Gesandten in Sofia Herbert Freiherr von Richthofen vom 30.11.1940 an das AA.</div><div>47&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;PA AA, R 29873, Telegramm Richtofen vom 7.12.1940 an das AA bzw. Documents on German Foreign Policy (DGFP), Vol. XI, Dokumente Nr. 468 und 536.</div><div>48&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Weber: Der Pakt, S.&nbsp;196f.</div><div>49&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nikolaj Poppetrov: Socialno naljavo, nacionalizmăt – napred: programni i organizacionni dokumenti na bălgarski avtoritaristki nacionalističeski formacii [Soziale Linke – Vorwärts: Programm- und Organisationsdokumente der bulgarischen autoritären nationalistischen Formationen]. Sofia 2009, S.&nbsp;805–848. </div><div>50&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;ADAP, Serie D, Bd. 11, S.&nbsp;406 und S.&nbsp;496; Hillgruber (Hg.): Staatsmänner, Bd. I, Gespräch Draganov–Hitler vom 23.11.1940, S. 367; Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, Bd. 1. Frankfurt/M. 1965, S.&nbsp;995.</div><div>51&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hillgruber (Hg.): Staatsmänner, Bd. I, S.&nbsp;362 und 415; PA AA, R 29.873, Telegramm Richthofen vom 26.2.1941 an das AA.</div><div>52&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Martin L. van Creveld: Hitlerʼs Strategy 1940–1941. Cambridge 1973, S.&nbsp;118.</div><div>53&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sabrina P. Ramet, Sladjana Lazić: „The Collaborationist Regime of Milan Nedić“. In: Sabrina P. Ramet, Ola Listhaug (Hgg.): Serbia and the Serbs in World War Two. London 2011, S.&nbsp;17–43, hier: S.&nbsp;18.</div><div>54&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Stefan Troebst: Ivan Michajlov im türkischen und polnischen Exil (1934–1939/40). Fragmente zur politischen Biographie des Chefs der „Inneren Makedonischen Revolutionären Organisation“. In: Stefan Troebst: Das makedonische Jahrhundert. Von den Anfängen der nationalrevolutionären Bewegung zum Abkommen von Ohrid 1893–2001. Ausgewählte Aufsätze. München 2007, S.&nbsp;175–224, hier: S.&nbsp;182f.</div><div>55&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nikolaj Genčev: Vănšnata politika na bălgarija 1938–1941 [Außenpolitik von Bulgarien 1938–1941]. Sofija 1998, S.&nbsp;149–152; Petăr Petrov (Red.): Makedonija. Istorija i političeska sădba. [Makedonien. Geschichte und politisches Schicksal.] Tom III. Sofija, Stara Zagora 1998, S.&nbsp;7.</div><div>56&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S.&nbsp;97–100. </div><div>57&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dimităr Sirkov: Vanšnata politika na bălgarija, S.&nbsp;252; Marshall Lee Miller: Bulgaria during the Second World War. Stanford 1975, S.&nbsp;37.</div><div>58&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Miller: Bulgaria during the Second World War, S.&nbsp;45.</div><div>59&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;DAP, Serie D, Band 12/1, Dok. Nr. 216, S.&nbsp;306f.</div><div>60&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Karlsreiter: König Boris III. von Bulgarien, S.&nbsp;251; siehe auch Bogdan Filov: Dnevnik [Tagebuch] (Red. Ilčo Dimitrov). Sofija 1990, S.&nbsp;297, S.&nbsp;300.</div><div>61&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;BA MA, Wi Ic 5,35 Stimmungsbericht vom 21.1.1941.</div><div>62&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S.&nbsp;121f.</div><div>63&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vaïos Kalogrias: Makedonien 1941–1944. Okkupation, Widerstand, Kollaboration. Ruhpolding 2008, S.&nbsp;95f.</div><div>64&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vanče Stojčev: Bugarskiot okupaciski sistem vo Makedonija 1941–1944 [Bulgarisches Besatzungssystem in Makedonien 1941–1944]. Skopje 1996, S.&nbsp;183; Rastislav Terzioski: Denacionalizatorskata dejnost na bugarskite kulturno-prosvetni institucii vo makedonija (skopska i bitolska okupaciona oblast) 1941–1944 [Denationalisierungsaktivitäten bulgarischer Kultur- und Bildungseinrichtungen in Makedonien (Skopioter und Bitolaer Besatzungsgebiet) 1941–1944]. Skopje 1974, S.&nbsp;56–60; siehe auch: Ivan Chadžijski: Vtoroto bălgarsko upravlenie văv Vardarska Makedonija (april 1941–septemvri 1944) [Die zweite bulgarische Verwaltung in Vardar Makedonien (April 1941–September 1944)]. Dupniza 2016.</div><div>65&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ģorģi Malkovski: Profaštičkite i kolaboracionističkite organizacii i grupi vo makedonija 1941–1944 [Profaschistische und kolaboratistische Organisationen und Gruppen in Makedonien 1941–1944]. Skopje: Institut za Nacionalna Istorija 1995, S.&nbsp;58f., S.&nbsp;63ff; Stojčev: Burgaskiot okupaciski sistem, S.&nbsp;91–94.</div><div>66&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Poppetrov: Flucht aus der Demokratie, S.&nbsp;399.</div><div>67&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Elisabeth Barker: Macedonia its place in Balkan power politics. London 1950, S.&nbsp;79.</div><div>68&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;BA MA, RH 31/II/ 1 Deutscher Ausbildungsstab bei d. kgl. bulg. Heeresleitung. 15.5.1941–1.2.1944, Bericht des dt. Ausbildungsstabes in Sofia an das OKH in Berlin vom 3.8.1942.</div><div>69&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Rainer Eckert: Vom „Fall Marita“ zur „wirtschaftlichen Sonderaktion“. Die deutsche Besatzungspolitik in Griechenland vom 6.&nbsp;April 1941 bis zur Kriegswende im Februar/März 1943. Frankfurt/M. 1992, S.&nbsp;72.</div><div>70&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kalogrias: Makedonien 1941–1944, S.&nbsp;96.</div><div>71&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S.&nbsp;126.</div><div>72&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kalogrias: Makedonien 1941–1944, S.&nbsp;111f.</div><div>73&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kalogrias: Makedonien 1941–1944, S.&nbsp;117–127. Siehe zur Ochrana auch Dobrin Mičev: Bălgarskoto nacionalna delo v jugozapadna Makedonija (1941–1944 g.) [Bulgarisches nationales Wirken in Südwestmakedonien (1941–1944)], &lt;http://www.promacedonia.org/mpr/ohrana.html&gt;, 8.11.2021.</div><div>74&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Boro Mitrovski, Venceslav Glišić, Tomo Ristovski: Das Bulgarische Heer in Jugoslawien 1941–1945. Beograd 1971, S.&nbsp;52–63.</div><div>75&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Oleg Beyda: ,Wehrmacht Eastern Toursʻ: Bulgarian Officers on the German-Soviet Front, 1941–1942. In: The Journal of Slavic Military Studies, 33 (2020) H.&nbsp;1, S.&nbsp;136–161.</div><div>76&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Georgi Markov: Zar Boris III: Po-dobre čeren chljab, otkolkoto černi zabradki [Zar Boris&nbsp;III.: Besser Schwarzbrot als schwarze Kopftücher]. In: bg-Voice.-com, 6.2.2014, ˂https://bg-voice.com/po-dobre_cheren_hlyab_otkolkoto_cherni_zabradki/˃, 8.11.2021.</div><div>77&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;BA MA, Wi IC 5,23, Bericht des deutschen Wirtschaftsoffiziers in Sofia vom 31.12.1941.</div><div>78&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Marin Kalonkin: Bălgarija văv vtorata svetovhna vojna 1939–1945 godina [Bulgarien im Zweiten Weltkrieg 1939–1945]. Sofija 2010, S.&nbsp;90–93.</div><div>79&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wolfgang Bretholz: Ich sah sie stürzen. Wien 1955, S.&nbsp;46.</div><div>80&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;BA MA, RW 29/77, Lagebericht des deutschen Konsulats in Sofia vom 30.9.1941.</div><div>81&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Otto Schulmeister: Werdende Großraumwirtschaft. Die Phasen ihrer Entwicklung in Südosteuropa. Berlin 1943, S.&nbsp;171f. </div><div>82&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bereits seit Sommer 1940 förderte das Deutsche Reich die Aufrüstung der bulgarischen Streitkräfte. Dazu zählten spezielle Ausbildungskurse in Deutschland, die Entsendung von Militärberatern nach Bulgarien und der Auf- bzw. Ausbau der bulgarischen Panzertruppen und der Luftwaffe. Popov: Žestoki Vremena, S.&nbsp;155; Björn Opfer: Die bulgarische Wiederaufrüstung 1923–1944. In: Zeitschrift für Heereskunde Nr. 407, Januar/März 2003, S.&nbsp;10–16.</div><div>83&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wien: Markt und Modernisierung, S.&nbsp;305–308.</div><div>84&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Götz Aly: Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus. Frankfurt/M. 2005, S.&nbsp;258f.</div><div>85&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;BA MA, RW 29/86 Lageberichte W. O. [Wehrwirtschaftsoffizier] Sofia 4.6.41–28.2.1942, W. O. Sofia Lagebericht 31.8.1941, RW 29/87 WO Lageberichte 1.11.41–31.12.42, Lagebericht W.&nbsp;O. Sofia 28.2.1942, RW 29/77, Bericht des deutschen Wirtschaftsoffiziers vom 31.10.1942 und RW 29/80 Kriegstagebuch W.&nbsp;O. Sofia 1.4. –30.6.1943, Lagebericht Nr. 21 W.&nbsp;O. Sofia 30.4.1943.</div><div>86&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;BA MA, RW 29/78 Kriegstagebuch Wehrwirtschaftsoffizier (W. O.) Sofia 1.10.–31.12.42, Tagebucheintrag vom 12.11.1942.</div><div>87&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;BA MA, RW 29/78 Kriegstagebuch Wehrwirtschaftsoffizier (W. O.) Sofia 1.10.–31.12.42, Tagebucheintrag vom 30.11.1942.</div><div>88&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Stojčev: Burgaskiot okupaciski sistem, S.&nbsp;199, S.&nbsp;205f.</div><div>89&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Rumen Nikolov: Njakoi aspekti na bălgarsko-germanskite voennoikonomičeski otnošenija prez perioda maj–dekemvri 1942 godina [Einige Aspekte der bulgarisch-deutschen militärisch-wirtschaftlichen Beziehungen im Zeitraum Mai–Dezember 1942]. In: Voennoistoričeski Sbornik [Militärhistorischer Sammelband] 1986, H.&nbsp;4, S.&nbsp;159–171, hier: S.&nbsp;166.</div><div>90&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Péter Gosztony: Der Krieg zwischen Bulgarien und Deutschland 1944/45. In: Wehrwissenschaftliche Rundschau 1967, H.&nbsp;4, S.&nbsp;22–38, hier: S.&nbsp;25.</div><div>91&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eberhard Wolfgramm: Bemerkungen zur bulgarischen Partisanenbewegung. In: Jahrbuch für Geschichte der UdSSR und der volksdemokratischen Länder Europas, Band 8. Berlin [Ost] 1964, S.&nbsp;505–524, hier: S.&nbsp;516.</div><div>92&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Oliver Jens Schmitt: Der Balkan im 20.&nbsp;Jahrhundert. Eine postimperiale Geschichte. Stuttgart 2019, S.&nbsp;155.</div><div>93&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;BA MA, RW 29/81 Kriegstagebuch W.&nbsp;O. Sofia 1.7.–30.9.1943, Aktennotiz Wehrwirtschaftsoffizier (W.&nbsp;O.) Sofia 15.7.1943.</div><div>94&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Benbassa, Rodrigue: Die Geschichte der sephardischen Juden, S.&nbsp;157; JanRychlík: Zweierlei Politik gegenüber der Minderheit: Verfolgung und Rettung bulgarischer Juden 1940–1944. In: Wolfgang Benz, Juliane Wetzel (Hgg.): Solidarität und Hilfe für Juden während der NS-Zeit, Regionalstudien 4. Berlin 2004, S.&nbsp;61–98, hier: S.&nbsp;63.</div><div>95&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ana Luleva: Die Zwangsarbeit in Bulgarien 1941–1944. In: Alexander von Plato, Almuth Leh, Christoph Thonfeld (Hgg.): Hitlers Sklaven. Lebensgeschichtliche Analysen zur Zwangsarbeit im internationalen Vergleich. Wien 2008, S.&nbsp;171–183, hier: S.&nbsp;172f. Siehe auch: Nedo Nedev: Zar Boris&nbsp;III. Dvorezăt i tajnijat kabinet [Zar Boris&nbsp;III. Königshof und Geheimkabinett]. Plovdiv 2009, S.&nbsp;372–380.</div><div>96&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;BA MA, RW 29/77 Anlagen zum Kriegstagebuch für die Zeit vom 8.5.41 bis 30.9.42, Wehrwirtschaftsoffizier (W. O.) Sofia, Lagebericht Nr. 6 W.&nbsp;O. Sofia 31.1.1942.</div><div>97&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Aly: Hitlers Volksstaat, S.&nbsp;261.</div><div>98&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hans-Joachim Hoppe: Bulgarien. In: Wolfgang Benz (Hg.): Dimensionen des Völkermords. Die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. München 1991, S.&nbsp;282.</div><div>99&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Paul Mojzes: Balkan Genocides: Holocaust and Ethnic Cleansing in the Twentieth Century. Plymouth 2011, S.&nbsp;102.</div><div>100&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Chary: The Bulgarian Jews and the Final Solution 1940–1944, S.&nbsp;54f.</div><div>101&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Aleksandar Matkowski: Destruction of Macedonian Jewry. Skopje 1982, S.&nbsp;219.</div><div>102&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Miller: Bulgaria during the Second World War, S.&nbsp;104.</div><div>103&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siccardi: Giovanna di Savoia, S.&nbsp;185ff.</div><div>104&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Arakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben?, S.&nbsp;34.</div><div>105&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ivkova: Rettung und Mord, S. 68.</div><div>106&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Claudia Steur: Theodor Dannecker. Ein Funktionär der „Endlösung“. Essen 1996, S.&nbsp;97f.</div><div>107&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kristina Birri-Tomovska: Jews of Yugoslavia 1918–1941. A History of Macedonian Sephards.</div><div>108&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Martin Gilbert: The Routledge Atlas of the Holocaust. Routledge, London, New York ³2002, S.&nbsp;150f.</div><div>109&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zu den Vorgängen der Deportation siehe Ivan Stoilov Hadžijski: Sădbata na evrejskoto naselenie v Belomorska Trakija, Vardarska Makedonia i Jugozapadna Bălgarija prez 1941–1944 [Das Schicksal der jüdischen Bevölkerung in Thrakien am Weißen Meer, in Vardarmakedonien und im Südwesten Bulgariens in den Jahren 1941–1944]. Dupnica 2004; sowie die doppelbändige Quellensammlung Deportiraneto na evreite ot Vardarska Makedonija, Belomorska Trakija i Pirot, mart 1943 g. Dokumenti ot bălgarskite archivi. Tom 1–2 [Die Deportation der Juden aus Vardarmakedonien, Weißmeerthrakien und Pirot, März 1943. Dokumente aus den bulgarischen Archiven], hgg. von Nadja Danova und Rumen Avramov. Sofija 2013; sowie die Auszüge von Zeitzeugenberichten auf der Homepage der jüdischen Gemeinde von Bitola, &lt;http://www.jewishcommunitybitola.mk/bitola/40-bitola/59-bitola.html?start=2&gt;, 8.11.2021.</div><div>110&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der in Österreich eingetragene Verein „Zentrum zur Erforschung und Dokumentation jüdischen Lebens in Ost- und Mitteleuropa“ veröffentlichte auf Basis von Zeitzeugen und Zeitzeugnissen auf seiner Plattform Centropa einen Dokumentarfilm über die Deportation der makedonischen Juden 1943 („Bulgarien und der Holocaust“), &lt;<a href="http://www.centropa.org/de/centropa-cinema/history-bulgarian-jewry-during-holocaust" target="_blank" rel="noreferrer noopener">http://www.centropa.org/de/centropa-cinema/history-bulgarian-jewry-during-holocaust</a>&gt;, 8.11.2021.</div><div>111&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;David Koen et al. (Hgg.): Borbata na bălgarskija narod za zaštita i spasjavane na evreite v Bălgaria po vreme na vtorata svetovna vojna 1941–1944. Dokumenti i Materiali [Der Kampf des bulgarischen Volkes um Verteidigung und Rettung der Juden in Bulgarien in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Dokumente und Materialien]. Sofija 1978, Dokument 120, S.&nbsp;203.</div><div>112&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Arakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben?, S.&nbsp;73f., S.&nbsp;144–159.</div><div>113&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;08, S.&nbsp;111; Erhard Roy Wiehn: Juden in Thessaloniki. Konstanz 2001, S.&nbsp;29.</div><div>114&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Arakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben?, S.&nbsp;130–143.</div><div>115&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Aly: Hitlers Volksstaat, S. 259.</div><div>116&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;BA MA, RW 29/81 Kriegstagebuch W.&nbsp;O. Sofia 1.7.–30.9.1943, Überblick über die wehrwirtschaftliche Lage Bulgariens und die Tätigkeit des Deutschen Wehrwirtschaftsoffiziers Sofia im III.&nbsp;Quartal 1943 sowie Aktennotiz W.&nbsp;O. Sofia 30.9.1943.</div><div>117&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Daniel Vačkov: Pătjat na komunističeskata partija kăm vlastta (1939–1944) [Der Weg der Kommunistischen Partei zur Macht (1939–1944)]. In: Ivajlo Znepolski (Hg.): Istorija na Narodna Republika Bălgarija: Režimăt i obstestvoto. [Geschichte der Volksrepublik Bulgarien: Regime und der Gesellschaft]. Sofija 2009, S.&nbsp;91–130, hier: S.&nbsp;96f.</div><div>118&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Mitrovski: Das bulgarische Heer, S. 229f.</div><div>119&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zur Rolle von Aleksandăr Cankov in den letzten Kriegsmonaten siehe Nedju Nedev: Aleksandăr Cankov: Legiona. Ratnik. Pravitelstvo văv Viena. Smărt v Aržentina [Aleksandar Cankov: Legionär. Kämpfer. Regierung in Wien. Tod in Argentinien]. Plovdiv 2015.</div><p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/bulgariens-rolle-im-dreimaechtepakt/">Bulgariens Rolle im deutschen Bündnissystem des Dreimächtepaktes 1941–1944</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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		<title>Rezension &#124; Karl-Reinhart Trauner: Konfessionalität und Nationalität</title>
		<link>https://halbjahresschrift.de/rezension-karl-reinhart-trauner-konfessionalitat-und-nationalitat/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[IKGS-Admin_2]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Nov 2021 15:53:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2019–2020]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://halbjahresschrift.de/?p=596</guid>

					<description><![CDATA[<p>Karl-Reinhart Trauner: Konfessionalität und Nationalität. Die evangelische Pfarrgemeinde Marburg/Maribor im 19. und 20. Jahrhundert. Wien, Köln, Weimar: Böhlau Verlag 2019. 544 S., eine Karte, zahlreiche Tabellen, 8 Abb. Karl W. Schwarz Der Verfasser studierte Theologie und Geschichte und beendete beide Studienrichtungen mit einer Promotion, wobei jener zum Dr. theol. eine umfangreiche Dissertation über die Los-von-Rom-Bewegung zugrunde [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Karl-Reinhart Trauner: Konfessionalität und Nationalität<em>.</em> Die evangelische Pfarrgemeinde Marburg/Maribor im 19. und 20. Jahrhundert.</strong> Wien, Köln, Weimar: Böhlau Verlag 2019. 544 S., eine Karte, zahlreiche Tabellen, 8 Abb.</p>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p>Karl W. Schwarz</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p>Der Verfasser studierte Theologie und Geschichte und beendete beide Studienrichtungen mit einer Promotion, wobei jener zum Dr. theol. eine umfangreiche Dissertation über die Los-von-Rom-Bewegung zugrunde lag (Szentendre 1999, ²2006). Darin definierte der Verfasser diese als eine „gesellschaftspolitische und kirchliche Strömung in der ausgehenden Habsburgermonarchie“ und bezifferte ihr Ausmaß im gesamten „Cisleithanien“ auf etwa 75.000 Personen, die sich von Rom abwendeten und sich der Evangelischen Kirche A.&nbsp;u.&nbsp;H.&nbsp;B. anschlossen, hauptsächlich in Nordböhmen und in der Steiermark – mit Auswirkungen auf die Untersteiermark (sl. Spodnja Štajerska). In diesem Zusammenhang stieß Trauner auf die evangelische Pfarrgemeinde in Marburg an der Drau (sl. Maribor), die er als typische Los-von-Rom-Gemeinde identifizierte.</p>



<p>In dem rezenten Buch, das 2015 als Habilitationsschrift an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien für das Fach Kirchengeschichte angenommen wurde, liefert der Verfasser eine Mikrostudie zum Thema „Konfessionalität und Nationalität“, wobei er die spannungsreiche „Konfliktgeschichte“ im Mikrokosmos einer evangelischen Pfarrgemeinde im Grenzgebiet als Beispiel nimmt, um „die politische, kulturelle und wirtschaftliche, vor allem aber kirchliche Entwicklung“ (S.&nbsp;17) im größeren Kontext darzulegen und Südostmitteleuropa insgesamt in den Blick zu nehmen. Das ist ein gewagtes Unterfangen, denn allein die Konfessionsstatistik zeigt schon eklatante Unterschiede zwischen Marburg und dem 1918 gebildeten Staat der Südslawen, wo die etwa 240.000 Protestanten eine krasse Minderheit waren – gegenüber sechs Millionen orthodoxen Serben, fünf Millionen Katholiken unter Kroaten und Slowenen, Magyaren und Donauschwaben, 1,4 Millionen Muslimen und 60.000 Juden. In Marburg wies die letzte Volkszählung der Habsburgermonarchie (S.&nbsp;427) bei knapp 28.000 Einwohnern überwiegend deutscher Nationalität (23.000) nur Katholiken und 1.200 Protestanten aus. Muslime fehlten vollständig, Orthodoxe und Juden waren nur marginal vertreten, obwohl sich in der Stadt die älteste Synagoge Sloweniens befindet.</p>



<p>Das Buch ist chronologisch in acht Abschnitte gegliedert. Es klärt zunächst methodische und metatheoretische Fragen, benennt die Schlüsselbegriffe „Nationalität“, „Konfession und Konfessionalität“ und erörtert die Topografien „Untersteiermark“ und „Südostmitteleuropa“. Sodann thematisiert es in einem zweiten Abschnitt die „Entstehung der Pfarrgemeinde Marburg unter den Vorzeichen des Liberalismus“ – ursprünglich als Doppelgemeinde mit Pettau (sl. Ptuj) – und charakterisiert den Protestantismus als „Konfession der bürgerlichen Moderne“ (S. 84). Als „Agglomerationsverstärker“ begegnet hier der Ausbau der Südbahn, weil in Marburg eine Werkstätte eingerichtet wurde, die zum größten „Industrieunternehmen“ anwuchs und eine verstärkte Zuwanderung (S.&nbsp;45) zur Folge hatte.</p>



<p>Der dritte Abschnitt behandelt „Nationalismus und Los-von-Rom-Bewegung“ an der Wende vom 19. zum 20.&nbsp;Jahrhundert. Damit knüpft der Verfasser an seine Dissertation und einige frühere regionalbezogene Arbeiten in deren Umfeld (Graz, Salzburg, Innsbruck) an. Der vierte Abschnitt handelt von der „politischen Transformation“ nach dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie, der „Auflösungserscheinungen der kirchlichen Strukturen“ (S.&nbsp;196) und unter erschwerten Bedingungen einen „erzwungenen Neuanfang“ (S.&nbsp;210) zur Folge hatte. Dann folgen die Entwicklungslinien der Pfarrgemeinde „im Sog des Nationalsozialismus“ (S.&nbsp;245), wobei der amtsführende Pfarrer Johann Baron, der zugleich Sprecher des Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes war, die „Volksdeutsche Sendung“ im deutschen Südosten (S.&nbsp;256) personifizierte.</p>



<p>Der sechste Abschnitt hat die Zeit des „kommunistischen Jugoslawien“ (S.&nbsp;318) zum Inhalt – mit einer „Homogenisierung“ (S.&nbsp;320) des wiederhergestellten Landes und dem Zusammenbruch der „deutschen Volksgruppenkirche“ (S.&nbsp;333). Trauner erörtert die Religionsgesetzgebung (S.&nbsp;326), die antikirchliche Tendenzen aufweist und eine weitgehende Säkularisierung beförderte sowie massive Verfolgungen der muslimischen Glaubensgemeinschaft als „Feinde des gesellschaftlichen Fortschritts“ und der römisch-katholischen Kirche als „Handlangerin des Faschismus“ (S.&nbsp;330) ermöglichte. Eine „Kontinuität der Pfarrgemeinde“ (S.&nbsp;332), trotz massiver politischer Eingriffe, die von der Schließung der Christuskirche bis zur „Nationalisierung“ der kirchlichen Gebäude reichte, lag in dem „stetigen Zuzug aus dem Übermurgebiet“ (sl. Prekmurje) (S.&nbsp;333), der die ehemals „deutsche Kirchengemeinde“ umwandelte. Eine Erhebung ergab 1951 eine Mitgliederzahl von 206, die sich bis 1954 auf 401 in 174 Familien vergrößerte (S.&nbsp;338). Die Volkszählung 1953 wies für Slowenien eine Gesamtzahl von 21.500 Evangelischen mit großer Mehrheit im Übermurgebiet aus, darunter 237 mit deutscher Muttersprache. Die den Evangelischen weggenommene Kirche wurde für den orthodoxen Gottesdienst bestimmt, die Kirchen in den Filialgemeinden weitgehend zerstört. Ein Neubeginn, datiert auf das Jahr 1953 (S.&nbsp;345), verflachte bald, obwohl konzeptionell der Versuch einer „historischen Anbindung“ (S.&nbsp;348) an die Tradition von Primus Truber im 16.&nbsp;Jahrhundert unternommen wurde und 1962 die Pfarrgemeinde als Gastgeberin einer „Europäischen Konferenz der lutherischen Minderheitenkirchen“ am Bachergebirge (sl. Pohorje) fungierte und der wissenschaftliche Austausch der Truber-Forschung, repräsentiert durch Mirko Rupel und Oskar Sakrausky, aufgenommen wurde. Rupels verdienstvolle Truber-Biografie wurde von dem aus Pettau stammenden Grazer Historiker Balduin Saria ins Deutsche übersetzt und bearbeitet (S.&nbsp;358). Die Feststellung vom schleichenden Niedergang der Gemeinde Ende der 1960er- und 1970er-Jahre mündet in Überlegungen, sogar die Kirche abzutragen, beziehungsweise in die groteske Umwidmung derselben in eine „Tischlerwerkstätte“ (S.&nbsp;362).</p>



<p>„Republik Slowenien“ (S.&nbsp;363) lautet die Überschrift des siebten Abschnittes, der mit Juni 1991 einsetzt und den seitherigen „Demokratisierungs- und Selbstfindungsprozess“ schildert, in dem die evangelische Pfarrgemeinde „ihren konstruktiven Platz“ zu finden hatte. Slowenien suchte den Anschluss an Mitteleuropa, um den „babylonischen Verhältnissen auf dem Balkan zu entrinnen“ (S.&nbsp;365). Dazu diente auch die Erinnerung an Truber, dessen Lebenslauf einen beachtlichen mitteleuropäischen Aktionsrahmen aufweist und der deshalb gelegentlich als Vorzeige-Europäer apostrophiert wurde (Ministerpräsident Peterle) und auf einer slowenischen Euro-Münze Platz fand. Seine Wiederentdeckung 1951 bezog sich allerdings ausschließlich auf seine kulturgeschichtliche Bedeutung; seine Bedeutung als <em>homo religiosus</em> rückte erst nach der gesellschaftlichen Wende ins allgemeine Bewusstsein.</p>



<p>Auf drei Säulen basiere die politische Kultur Sloweniens (S.&nbsp;376): dem „katholischen Block“, der als „der festgefügteste und bestorganisierte Teilbereich der slowenischen Gesellschaft“ (ebd.) vorgestellt wird, dem sozialistischen und dem liberalen Lager. Die Evangelische Kirche A.&nbsp;B. hat heute einen Mitgliederanteil von 0,8 Prozent an der Gesamtbevölkerung und umfasst rund 15.000 Mitglieder (S.&nbsp;382) in vierzehn Pfarrgemeinden, deren Schwerpunkt im Übermurgebiet (zehn Gemeinden) mit dem Zentrum in Olsnitz (sl. Murska Sobota, ung. Muraszombat) liegt; dazu kommen noch drei Gemeinden mit sehr geringen Mitgliederzahlen in Laibach (sl. Ljubljana), Marburg und Abstall (sl. Apače) (S.&nbsp;385).</p>



<p>Vor diesem eindrucksvollen Panorama möchte ich an einzelnen Punkten mit dem Verfasser ins Gespräch kommen und einige Anmerkungen machen. Dass Trauner erst mit der Gründung der Pfarrgemeinde 1862 – im Zeichen des Liberalismus – einsetzt und auf das Reformationszeitalter nicht Bezug nimmt, hängt mit der Diskontinuität zusammen, denn mit der Gegenreformation der Habsburger ging das reformatorische Erbe unter, gerade auch das theologische Schrifttum eines Primus Truber, Georg Dalmatin, Adam Bohorič, das ebenso wie Trubers slowenische Kirchenordnung in den Flammen der Gegenreformation verbrannte; einzig die Dalmatinbibel (Wittenberg 1584) konnte überdauern und wurde vom katholischen Klerus benutzt. Truber wird in dem rezenten Buch aber wiederholt erwähnt, einmal im Zusammenhang mit seinem 400-Jahr-Jubiläum im Jahr 1908, bei dem der slowenische Schriftsteller Ivan Cankar seine antiklerikalen Vorbehalte artikulierte und dem liberalen Aufbruch das Wort gab (S.&nbsp;54), aber auch nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie, als die Luthergasse in Trubarjeva ulica umbenannt wurde (S.&nbsp;350) und nach dem Zweiten Weltkrieg, als das Truber-Jubiläum zu einer verstärkten Beschäftigung mit dem Reformator führte – schließlich in den 1960er-Jahren, als mit Truber der Versuch einer Integration unternommen wurde.</p>



<p>Eine zweite Anmerkung sei zur Schulpolitik im 19.&nbsp;Jahrhundert erlaubt, die den nationalen Konflikt in voller Schärfe zeigte, insbesondere am „Fall Cilli“, der zu einer „Haupt- und Staatsaktion“, ja zur Frage deutscher Selbstbehauptung hochstilisiert wurde (S.&nbsp;57) und eine spektakuläre Regierungskrise auslöste. Die Schulfrage wurde zu einem der am heftigsten umkämpften Themen im Nationalitätenkonflikt (S.&nbsp;58), ja steigerte sich seit den 1890er-Jahren zu einem richtiggehenden „Volkstumskampf“ (S.&nbsp;58). Der „Fall Cilli“ gärte auch nach der Sprachenverordnung des Grafen Kasimir Badeni 1897, die zum Auslöser der Los-von-Rom-Bewegung wurde. Deren Umfang wurde in der Literatur unterschiedlich beziffert (Trauner nennt die Zahl 76.000) – je nachdem, wie lang sie gefasst wurde; manche Autoren zählen die 1920er-Jahre (Übertritte aus Gründen des konfessionellen Eherechts) und die 1930er-Jahre (katholischer Ständestaat) dazu und kommen zu anderen Ergebnissen. Marburg wurde zu einer typischen und führenden „Los-von-Rom-Gemeinde“ (S.&nbsp;106).</p>



<p>Auch unter den Slowenen registriert Trauner eine Los-von-Rom-Bewegung, etwa angeregt durch den schon erwähnten Literaten Ivan Cankar oder den Bürgermeister von Laibach, Ivan Tavčar, der in seiner Zeitung <em>Slovenski Narod</em> permanent die katholische Kirche angriff, insbesondere Fürstbischof Anton B. Jeglič, und zum Boykott der katholischen Messe aufrief und das Schlagwort „Los von Rom!“ aufgriff: Es sei von nun an das Losungswort der wahrhaft „slovenischen Partei“ (S.&nbsp;116). Insgesamt fasste die Los von-Rom-Bewegung unter den Slowenen aber kaum Fuß. Dort herrschte das Vorurteil: Protestantismus sei zwar eine „ganz hübsche Religion“, „aber das ist nicht für uns, das ist nur für die Deutschen“ (S.&nbsp;116).</p>



<p>Der wichtigste Adept des Führers der Alldeutschen, Georg Ritter von Schönerer, war der aus dem Westfälischen stammende junge Pastor Ludwig Mahnert. Er war, vom Evangelischen Bund zur Förderung deutsch-protestantischer Interessen angeworben, nach Österreich gekommen, um dort Missionsarbeit für die deutsch-evangelische Sache zu betreiben – für die deutsche Leitkultur, die er als „Katalysator des Fortschritts“ begriff. „Deutschevangelisch“ war er „ohne Bindestrich“, wie er sich zu bezeichnen pflegte. Seine Begegnung mit Schönerer empfand er als „Ritterschlag zur Arbeit und zum Kampfe“. Das Pathos seiner Sprache gerann ihm zur Literatur. Sein Roman <em>Die Hungerglocke</em> handelt von der Los-von-Rom-Bewegung in der Untersteiermark und erlebte zahlreiche Auflagen. Der Schriftsteller Rudolf Hans Bartschhat in seinem Landschaftsroman <em>Das deutsche Leid</em> (Leipzig 1912) dem lebens- und kampfesfrohen Wirken Mahnerts ein literarisches Denkmal gesetzt.</p>



<p>Mahnert musste 1919 aus Marburg weichen. In einer scharfen Predigt beim Begräbnis eines Leutnants der Schutzwehr, der nach der Entwaffnung erschossen wurde, bezeichnete er dies als „feigen Mord“ und gelobte, dass niemals die Slowenen das deutsche Element in der alten „deutschen Markburg“ unterkriegen sollten (S.&nbsp;204f.). Es gebe einen Meister, der über allen „irdischen Meister[n]/Maister[n]“ stünde. Er wurde daraufhin verhaftet, nach zweiwöchiger Haft nach Intervention beim slowenischen Justizministerium auf freien Fuß gesetzt und konnte nach Österreich entweichen. Wenige Tage später, am 27. Januar 1919, folgte der so genannte Marburger Bluttag, als die Bevölkerung für den Verbleib Marburgs bei Österreich demonstrierte und von den Truppen des Generals Rudolf Maister beschossen wurde.</p>



<p>Die Auflösung der Habsburgermonarchie führte zur Abspaltung der Pfarrgemeinden von der Evangelischen Kirche A.&nbsp;u.&nbsp;H.&nbsp;B. in Österreich und zur Sammlung eines evangelischen Seniorates in Slowenien, an dessen Spitze ab 1925 Johann Baron in Marburg stand. Der Protestantismus im neuen SHS-Staat, der einmal als der „österreichischste“ aller Nachfolgestaaten der Donaumonarchie bezeichnet wurde, hatte sich völlig neu zu ordnen. Nach langwierigen Vorarbeiten konnte 1930 ein Protestantengesetz promulgiert und auf dessen Grundlage eine Deutsche Evangelische Kirche konstituiert werden. Sie wurde von dem Donauschwaben Philipp Popp geleitet und hatte ihren Schwerpunkt in den donauschwäbischen Gemeinden in der Batschka. Dort bestand neben der deutschen Kirche auch eine kleine slowakisch-lutherische (mit 50.000 Mitgliedern) und eine magyarisch-reformierte Kirche (mit 65.000 Mitgliedern), so dass der Protestantismus im SHS-Staat mit 240.000 Mitgliedern in drei Kirchen gegliedert war; zur Deutschen Kirche gehörte aber auch ein slowenisches Seniorat im Prekmurje und ein lutherisches Seniorat unter den Magyaren in der Batschka.</p>



<p>Neben dem Bischof, der in Zagreb seinen Sitz hatte und gute Beziehungen zum Königshaus und zum Staat pflegte (auch den Titel eines staatlichen Senators trug), wirkte aber nach außen hin der Altösterreicher Gerhard May, der in der Ökumene und im westlichen Ausland bewanderte Pfarrer von Cilli. Er hatte im Jahre 1934 ein Buch mit dem scheinbar vielsagenden Titel <em>Die volksdeutsche Sendung der Kirche </em>veröffentlicht, das die schwierige Diasporasituation im Jugoslawien der Zwischenkriegszeit widerspiegelt, aber durch seinen aus Gründen der politischen Konjunktur gewählten Titel zu Schlussfolgerungen verleitet, die über die „doppelte Diaspora“ in Jugoslawien hinausweisen. May verfolgte nämlich auch das Ziel, das „binnendeutsch“ ausgerichtete Problembewusstsein der deutschen theologischen Wissenschaft zu korrigieren und die schwierige Diasporalage des „außendeutschen“ Protestantismus gegenüber fremden Konfessionen, einem fremden Volk und einem fremden Staat in Erinnerung zu rufen.</p>



<p>Der 6. April 1941 veränderte die Situation der evangelischen Kirchengemeinden in Marburg, Cilli und Laibach. Die Untersteiermark wurde wieder mit der Steiermark, die Oberkrain mit Kärnten vereinigt. Pfarrer Baron empfing alsSprecher der deutschen Minderheit Hitler in Marburg: Dort wurde der Auftrag formuliert, dieses Land wieder deutsch zu machen. Auch Baron und May waren als Funktionäre des Schwäbisch-deutschen Kulturbundes daran beteiligt. May lehnte zwar eine hauptamtliche politische Tätigkeit ab, er übernahm gleichwohl das Kulturreferat und veröffentlichte 1943 eine Einführung in die Stadtgeschichte, welche die 1941 erfolgte Revision des Grenzverlaufs legitimierte. Noch vor dem Ende des Krieges wurde Gerhard May 1944 nach Wien berufen, aber nicht in eine akademische Funktion, sondern als Bischof der Evangelischen Kirche. Seine volksdeutsche Prägung und seine politischen Ambitionen ließ er zurück und wandelte sich „vom volksdeutschen Vordenker in Slowenien zum bischöflichen Wegweiser der Evangelischen Kirche in Österreich“, als der er seiner Kirche „politische Abstinenz“ (S.&nbsp;358) verordnete.</p>



<p>Das Buch, dessen roter Faden im Titel aufscheint und das das Spannungsgefüge „Konfessionalität und Nationalität“ im Fokus einer evangelischen Pfarrgemeinde darstellt, ist aus mehreren Gründen faszinierend: Es ist die Schilderung der Entwicklungslinien quer durch die Zeiten, verbunden mit milieugeschichtlichen Exkursen, angereichert mit einem wachen Interesse an demografischen Grundlagen – zu ersehen an der sozialwissenschaftlichen Akribie, mit der Trauner die kirchlichen Jahresberichte, Matrikeln und Volkszählungsergebnisse auswertet und im Anhang dokumentiert. Besonders reizvoll sind Vergleiche mit ähnlichen plurikulturellen Konstellationen in Görz (it. Gorizia), Teschen (tsch. Tĕšín, pl. Cieszyn) oder Triest (it. Trieste, sl. Trst) (S.&nbsp;55). Gelegentlich wird ein Vergleich mit Siebenbürgen oder mit dem Sudeten- und Beskidendeutschtum beziehungsweise mit der Bukowina hergestellt, seltener mit den evangelischen Gemeinden in der Batschka oder im Banat, wo bekanntlich eine reichere Multikonfessionalität vorherrschte und plurikulturelle und -ethnische Bedingungen gegeben waren.</p>



<p>Das Buch liefert wertvolle historiografische Impulse und bereichert die einschlägige Forschung durch methodische Weitungen und sozialwissenschaftliche Ergänzungen, berücksichtigt demografische Perspektiven, die bislang zu kurz gekommen sind; es ist, um es auf den Punkt zu bringen, ein Gewinn für die Kirchen- und Kulturgeschichte des apostrophierten mitteleuropäischen Raumes.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/rezension-karl-reinhart-trauner-konfessionalitat-und-nationalitat/">Rezension | Karl-Reinhart Trauner: Konfessionalität und Nationalität</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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