Bulgariens Rolle im deutschen Bündnissystem des Dreimächtepaktes 1941–1944

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Björn Opfer-Klinger, Leipzig

Mit dem Beitritt zum Dreimächtepakt am 1. März 1941 trat die Königsdiktatur Bulgarien offen an der Seite der Achsenmächte in den Zweiten Weltkrieg ein. Sie reihte sich somit in das Bündnis zwischen Berlin und Rom sowie „kleineren“ Staaten wie Ungarn oder wenig später der Slowakei, Rumänien und Finnland ein. Allerdings nahm Bulgarien eine gewisse Sonderrolle unter diesen, mit den Achsenmächten kollaborierenden Staaten ein. So wechselte Bulgarien 1944 wie zuvor Italien und Rumänien auf die Seite der Alliierten, und in der bulgarischen Erinnerungskultur zementierte sich nach dem Zweiten Weltkrieg das nationale Eigenbild als „Retter der bulgarischen Juden“ vor der deutschen Vernichtungspolitik. Nicht ohne Grund bezeichneten Historiker wie Hans-Joachim Hoppe Bulgarien als „Hitlers eigenwillige[n] Verbündete[n]“1Hans-Joachim Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter. Eine Fallstudie zur nationalsozialistischen Südosteuropapolitik. Stuttgart 1979.. Bis heute gehen deshalb die Deutungen zum Charakter des bulgarischen Bündnisses mit den Achsenmächten auseinander. Erschwerend kommt hinzu, dass viele vertiefende Detailstudien, beispielsweise zu den zentralen politischen und gesellschaftlichen Akteuren, Organisationen und Behörden in Bulgarien in der Zarendiktatur von Boris III., nach wie vor ausstehen.

Bulgarien und Deutschland – seit dem Ersten Weltkrieg in Waffenbrüderschaft verbunden?

Das Zarenreich Bulgarien zählte zu Beginn des Ersten Weltkrieges zu den ambitionierten, aufstrebenden Staaten Südosteuropas, mit dem Ziel, eine regionale Großmacht zu werden. Aus deutscher Perspektive hatte Bulgarien für die deutsche Außenpolitik zu dieser Zeit nur wenig Bedeutung. Der Fokus der deutschen Politik lag stärker auf Rumänien und Griechenland beziehungsweise in zunehmendem Maße auf dem jungtürkisch regierten Osmanischen Reich. In Bulgarien herrschte zwar mit Ferdinand I. von Sachsen-Coburg-Gotha eine deutsche Dynastie, jedoch bestand deswegen kein inniges Verhältnis zwischen Berlin und Sofia. Eine wachsende Zahl von Bulgaren studierte in Deutschland, insbesondere in Leipzig und Halle. Besonders in Technik und Agrarökonomie galt das Deutsche Reich als Vorbild. Trotzdem übten Frankreich und Russland eine viel größere kulturelle Anziehungskraft auf die bulgarischen Eliten aus.2Oliver Stein: Die deutsch-bulgarischen Beziehungen seit 1878. In: Zeitschrift für Balkanologie 47 (2011) H. 2, S. 218–240, hier: S. 222. Erst der Erste Weltkrieg führte zu einem Zweckbündnis zwischen dem Deutschen Reich und Bulgarien. 1915 drohte eine Niederlage des Osmanischen Reiches, das seit Herbst 1914 an der Seite Deutschlands und Österreich-Ungarns kämpfte. Um dieses zu stützen und damit die langfristigen Interessen im Nahen Osten zu schützen, benötigte das Deutsche Reich eine direkte Landverbindung durch Südosteuropa und somit die Unterstützung Bulgariens. In Sofia regierte zu dieser Zeit eine bürgerlich-liberale Regierungskoalition. Diese sah die Chance auf eine Revision der Friedensverträge von 1913 – nach dem verlorenen Zweiten Balkankrieg. Da ein Bündnis mit dem Deutschen Reich größeren Nutzen versprach, trat sie im Sommer 1915 auf Seite der Mittelmächte in den Krieg ein. Auch wenn in den folgenden drei Jahren intensiv die deutsch-bulgarische Waffenbrüderschaft propagiert wurde, blieb das gegenseitige Verhältnis ein reines Zweckbündnis. 1917/18 mehrten sich sogar auf bulgarischer Seite die Antipathien. Bulgarische Militärs und Politiker sahen sich zu wenig von Deutschland in den eigenen Expansionsinteressen, in der schwierigen Versorgungslage und in den Kämpfen an der Saloniki-Front unterstützt. Gegen Ende des Krieges richtete sich dieser Unmut sogar innerhalb Bulgariens gegen den Zaren Ferdinand selbst.3Nikola Nedeff: Les opérations en Macédoine lʼépopée de Doïran 1915–1918 [Die Operationen in Makedonien, das Heldenepos von Doiran 1915–1918]. Sofia 1927, S. 211–214; Stilijan Nojkov: Waffenhilfe des österreichisch-ungarischen Armeeoberkommandos für das bulgarische Heer nach dem Durchbruch der bulgarischen Verteidigungsfront in Makedonien. In: Miscellanea Bulgarica 12 (1998), S. 55–58, hier: S. 55. Nach der Niederlage 1918, der Abdankung Zar Ferdinands zugunsten seines Sohnes Boris und dem harten Frieden von Neuilly-sur-Seine erreichte das deutsch-bulgarische Verhältnis einen Tiefpunkt. Trotzdem emigrierten viele ehemalige bulgarische Führungskräfte, darunter Zar Ferdinand, aber auch Militärs wie der Oberbefehlshaber General Nikola Žekov, 1918/19 nach Deutschland, da sie fürchteten, als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt zu werden. Auf diese Weise blieben gegenseitige Kontakte im militärischen und rechtsnationalen Spektrum bestehen. Dies galt auch für die universitären Beziehungen. Zwar blieb Frankreich weiterhin das kulturelle Vorbild für die gesellschaftliche Oberschicht Bulgariens, jedoch stieg nun die Zahl bulgarischer Studenten an deutschen Universitäten an. Viele von ihnen sollten später während des Zweiten Weltkrieges wichtige Funktionen in ihrem Land einnehmen. Dazu zählten Ivan Bagrjanov und Aleksandăr Belev. 4Zu Ivan Bagrjanov siehe: Tašo Tašev: Ministrite na Bălgarija 1879–1999 [Die Minister Bulgariens 1879–1999]. Sofija 1999, S. 41f.; Michail Gruev: Pre orani slogove. Kolektivicazija i sozialna promjana v bălgarskija severozapad 40-Te–50-Te godini na XX vek [Kollektivierung und sozialer Wandel im bulgarischen Nordwesten in den 1940er- und 1950er-Jahren]. Sofija 2009, S. 45.Beide spielten in der späteren Kollaborationspolitik Bulgariens eine nennenswerte Rolle. Seit Ende der 1920er-Jahre wurde die deutsche Studentenschaft immer deutlicher von der nationalsozialistischen Ideologie beeinflusst. Inwieweit sich dies auch auf die bulgarischen Gaststudenten und damit auf die spätere akademische Elite Bulgariens auswirkte, ist jedoch noch ein wissenschaftliches Desiderat.

Sicher ist, dass bereits früh persönliche Kontakte zwischen Akteuren der rechtsnationalistischen und faschistischen Organisationen in Bulgarien und Deutschland entstanden. Beispiele dafür waren Ivan Dočev und General Christo Lukov, Führer der Săjuz na Bălgarskite Nacionalni Legioni (Bund der nationalen bulgarischen Legionäre); aber auch die Gründer der faschistoiden Organisationen OtezPaisij (Vater Paisij5Paisij von Hilander (1722–1773) war ein bulgarisch-orthodoxer Mönch, Geschichtsschreiber und gilt als einer der ersten Verfechter der Bulgarischen Nationalen Wiedergeburt. Nach ihm benannte sich die 1927 gegründete nationalistische Organisation Allbulgarische Allianz Otez Paisij.) und Ratnici (Kämpfer), Asen Kantardžiev und Petăr Gabrovski, waren darunter.6Werner Haas: Europa will leben. Die nationale Erneuerungsbewegung in Wort und Bild. Berlin 1936, S. 81–88; Nikolaj Poppetrov: Flucht aus der Demokratie. Autoritarismus und autoritäres Regime in Bulgarien 1919–1944. In: Erwin Oberländer (Hg.): Autoritäre Regime in Ostmittel- und Südosteuropa 1919–1944. Paderborn 2001, S. 379–402.

Das Hauptaugenmerk der bulgarischen außenpolitischen Beziehungen richtete sich bis in die 1930er-Jahre dennoch überwiegend auf Frankreich, Großbritannien und Italien.7Die bulgarischen Beziehungen zum faschistischen Italien sind noch nicht Inhalt einer umfassenden Studie geworden. Zwar heiratete Zar Boris III. 1930 eine Tochter des italienischen Königs Viktor Emanuel III., doch blieb das Verhältnis zu Mussolini eher distanziert. Cristina Siccardi: Giovanna di Savoia. Dagli splendori della reggia alle amarezze dell’esilio [Johanna von Savoyen. Von der Pracht des Palastes zur Bitterkeit des Exils]. Milano 2001, S. 177–180. Dies änderte sich erst infolge der verheerenden Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, die Bulgarien in dramatische Schwierigkeiten stürzte. Gleichzeitig propagierte aber in Deutschland der 1931 gegründete und zunehmend einflussreiche industrielle Lobbyverband Mitteleuropäischer Wirtschaftstag das Ziel, möglichst ganz Südosteuropa zu einem wirtschaftlichen Ergänzungsraum für die Bedürfnisse der deutschen Industrie werden zu lassen. Auch wenn dabei die rohstoffreicheren Staaten Jugoslawien und Rumänien klar im Vordergrund standen, betraf diese Außenhandelspolitik auch Bulgarien. Dieses stand infolge seiner hohen Staatsverschuldung vor der Zahlungsunfähigkeit. Der 1932 abgeschlossene deutsch-bulgarische Handelsvertrag bot ihm die einzige realistische Chance, seinen Außenhandel wiederzubeleben. Dies lag nicht zuletzt an dem angewandten Clearing-Verfahren, welches ohne Devisenzahlungen auskam und den Wert der ausgetauschten Waren gegenseitig verrechnete.8Markus Wien: Markt und Modernisierung. Deutsch-bulgarische Wirtschaftsbeziehungen 1918–1944 in ihren konzeptionellen Grundlagen. München 2007, S. 69. Bis Ende der 1930er-Jahre entwickelte sich das Deutsche Reich zum mit Abstand wichtigsten Handelspartner und zahlte durch den devisenfreien Warenaustausch Bulgarien bessere Preise, als dieses auf dem Weltmarkt möglich gewesen wäre. 1939 wurden rund zwei Drittel des Im- und Exports mit Deutschland abgewickelt, was eine Verdreifachung gegenüber dem Jahr 1930 darstellte.9Andrey Piperow (Hg.): Deutsch-Bulgarische Handelskammer. Handbuch der bulgarischen Wirtschaft unter besonderer Berücksichtigung der deutsch-bulgarischen Handelsbeziehungen. Berlin 1942, S. 243. Dabei entwickelte sich ein Ungleichgewicht: Die deutsche Wirtschaft importierte immer mehr südosteuropäische Rohstoffe und Agrargüter, ohne aber im gleichen Wert eigene Waren dorthin zu exportieren. Dadurch verschuldete sich das Deutsche Reich immer stärker gegenüber Bulgarien und den anderen südosteuropäischen Staaten.10Wien: Markt und Modernisierung, S. 319–324.

Die ökonomische Verflechtung der beiden Volkswirtschaften ging in den 1930er-Jahren mit der nun spürbaren Intensivierung der kulturellen Beziehungen beider Länder einher. Dies drückte sich in Gestalt einer rasch steigenden Zahl von Publikationen und Ausstellungen sowie in Austausch- und Kooperationsprogrammen aus.11Krassimira Stoyanova: Bulgarian-German Relations. Tradition, Priorities and Perspectives. Sofia 1995, S. 48–51; Antoaneta Rimpova: Geschichte und Kultur Bulgariens in der deutschen Literatur (1878–1944). In: Bulgarian Historical Review, 13 (1985), S. 90–107, hier: S. 100f.; Zvetana Todorova: Zur Frage der bulgarisch-deutschen kulturellen Beziehungen nach 1878. In: Bulgarian Historical Review, 11 (1983), S. 85–88, hier: S. 88. Der langjährige deutsche Gesandte in Sofia, Eugen Rümelin, berichtete am 31. Mai 1938 zufrieden an das Auswärtige Amt, die prodeutschen Sympathien würden im Land spürbar zunehmen. Im Falle eines Konfliktes zwischen dem Deutschen Reich und anderen Mächten wäre, so Rümelin, mit einer wohlwollenden Neutralität Bulgariens zu rechnen.12Politisches Archiv des Auswärtigen Amts (i. F.: PA AA), Pol IV. 632 R 103891, Rümelin an AA [Auswärtiges Amt] 31.5.1938.

Zu dieser Zeit herrschte Zar Boris III. bereits rund drei Jahre in einer weitgehend autoritären Diktatur. Boris war 1918 infolge des Rücktritts und der Emigration seines Vaters Ferdinand auf den Thron gekommen. Als Herrscher blieb er lange Zeit ein eher zurückhaltender Monarch, der nicht offen in die Politik eingriff, auch wenn er im Hintergrund besonders im konservativen Spektrum vernetzt war und Einfluss ausübte. Dies zeigte sich beispielsweise während des Putsches vom 9. Juni 1923 gegen die agrarrevolutionäre Bauernbund-Regierung von Aleksandăr Stambolijski und der nachfolgenden rechtskonservativen Regierung unter Aleksandăr Cankov. Ein Teil der Putschisten von 1923 bildete die Organisation Sveno (Kettenglied). Diese forderte die Auflösung des parlamentarischen Parteiensystems und die Umgestaltung Bulgariens in einen Ständestaat nach Vorbild des faschistischen Italiens. Derartigen Vorstellungen war auch der Zar nicht abgeneigt. Boris III. heiratete 1930 die vierte Tochter des italienischen Königs Viktor Emanuel III., Giovanna von Savoyen. Später äußerte Boris, dass er in seiner Politik auf die Erfahrung des „großen Italiens“ zurückgreife, da der Faschismus „den richtigen Weg zur Rettung des Volkes“ aufzeige.13Das Zitat wurde von dem renommierten italienischen Kulturjournalisten Antonio Spinosa in seiner Biografie über den italienischen König Viktor Emanuel III. verwendet, ohne jedoch einen Quellennachweis anzufügen. Antonio Spinosa: Vittorio Emanuele III. Lʼastuzia di un re [Viktor Emanuel III. Die Raffiniertheit eines Königs]. Milano 1990, S. 294. Inwieweit dies in erster Linie guten Beziehungen zu Italien diente oder wie stark wirklich der italienische Faschismus das politische Denken von Boris III. geprägt hat, ist noch nicht eindeutig aufgearbeitet.

Die in der Sveno organisierten Offiziere putschten am 19. Mai 1934. Sie lösten das Parlament, alle Parteien und Gewerkschaften auf und bildeten eine Regierung aus Fachleuten und Offizieren. Auch die Autonomie der international gut vernetzten Universität von Sofia wurde weitgehend abgeschafft.14Ivan Ilčev et al.: University of Sofia St. Kliment Ohridski – The first 120 years. Translated by Maja Penčeva and Tsvetana Boteva-Wallace. Sofija 2008, S. 106–112. Die Verbindungen zwischen der Sveno und dem Königshof sind nicht umfassend erforscht. Sicher ist jedoch, dass die Sveno-Putschisten der Zarendiktatur den Weg ebneten. Am 22. Januar 1935 stürzten königstreue Offiziere wiederum die Sveno-Regierung. Fortan regierten königstreue Kabinette aus hohen Staatsbeamten und Offizieren. Boris III. war jedoch nicht stark genug, um eine offene Diktatur mit einer neuen autoritären Verfassung zu errichten. Auch wenn zur bulgarischen Gesellschaft der 1930er-Jahre noch viele Fragen offen sind, kann doch gesagt werden, dass die gesamtgesellschaftliche und innenpolitische Lage ähnlich labil war wie in den meisten Staaten Südosteuropas. Dies ermöglichte Zar Boris mittels einer geschickten Einbindung verschiedenster Strömungen in sein Herrschaftssystem, sich als nötiger Stabilitäts- und Ordnungsfaktor darzustellen. Die Situation der weitgehend völlig verarmten klein- und mittelbäuerlichen Landbevölkerung beziehungsweise der kleinen Gewerbetreibenden blieb prekär. Die Kommunisten verfügten zwar über keine Massenbasis, waren aber über die Komintern eng mit der Sowjetunion verbunden. Unterschwellig war stets unklar, inwieweit sich die in Bulgarien weit verbreiteten prorussischen Sympathien auch auf die Sowjetunion bezogen. Die anglo- und frankophilen Liberalen und Demokraten besaßen quantitativ nur wenig Rückhalt im Land, waren aber stark im urbanen Wirtschafts- und Gesellschaftsleben vertreten. Gleichzeitig gewann die zersplitterte und untereinander zerstrittene nationalistische und faschistoide Szene an Zulauf. All diese Kräfte, inklusive mit diesen einhergehenden außenpolitischen Präferenzen, musste das Zarenregime berücksichtigen und ihnen jeweils wechselweise ein Stück entgegenkommen. Entsprechend wurde im Oktober 1937 auf Basis eines überarbeiteten Wahlgesetzes ein neues Parlament gewählt. Dies ermöglichte nur gewählten Einzelpersonen den Einzug in die Nationalversammlung, der Săbranie. Politische Parteien blieben verboten, waren aber letztlich über Einzelkandidaten fast alle mehr oder weniger im Parlament vertreten, selbst die Kommunisten.

In seiner Realpolitik bewahrte Boris III. Distanz zu den maßgeblichen Vertretern der extremen Rechten wie General Christo Lukov, die eine totalitäre Massenpartei nach italienischem oder deutschem Vorbild anstrebten. Zwar wurde Lukov zunächst noch als Kriegsminister in die Regierung eingebunden, wurde aber entlassen, als er versuchte, zu sehr Einfluss auf Stellenbesetzungen der Regierung zu nehmen und in den Verdacht geriet, Gelder seines Ministeriums unterschlagen zu haben.15Christo Nikolov Lukov (1888–1943) war Mitbegründer der 1933 ins Leben gerufenen extremistischen Union der Bulgarischen Nationalen Legionäre. Er vertrat einen radikalen Antisemitismus, Nationalismus und Antikommunismus und trat für eine enge außenpolitische Anlehnung an die faschistischen Achsenmächte ein. Als Kriegsminister war er an Planungen für potenzielle militärische Konflikte mit einem der Nachbarstaaten beteiligt. Während des Krieges sprach er sich für eine direkte Teilnahme bulgarischer Truppen an der Seite der Wehrmacht im Krieg gegen die UdSSR aus. Zeitweise tauchten 1942 in Sofia Gerüchte auf, er würde von deutscher Seite als „starker Mann“ gewertet, der notfalls neuer Regierungschef werden könnte, sollte Zar Boris III. eine zu antideutsche Politik betreiben. Rossitza Ivkova: Rettung und Mord in genozidalen Entscheidungsprozessen: Bulgarien 1941–1943. Bielefeld, Univ. Bielefeld, Diss., 2004, S. 66f. Am 13. Februar 1943 fiel er einem Attentat zum Opfer. Nach der Jahrtausendwende wurde er von der rechtsextremen Szene Bulgariens „wiederentdeckt“. Seit 2003 veranstaltet die nationalistische Rechte des Landes den alljährlichen „Lukov-Marsch“ durch die Innenstadt von Sofia. Frank Stier: Der Lukov-Marsch und die bulgarischen Nationalisten. In: Telepolis 23.2.2017, <https://www.heise.de/tp/features/Der-Lukov-Marsch-und-die-bulgarischen-Nationalisten-3633300.html>, 8.11.2021. Boris stützte sich nach 1935 in erster Linie auf die bürgerlich-konservativen und gemäßigt nationalistischen Kräfte in den verschiedenen Sicherheitsorganen (Polizei, Geheimdienst), in der Staatsverwaltung und Teilen des Offizierskorps.16Michele Rallo: LʼEpoca delle Rivoluzioni Nazionali [Die Epoche der nationalen Revolutionen]. Vol. V: Bulgaria e Macedonia (1919–1945). Roma 2004, S. 95. Nichtsdestotrotz stiegen nach und nach auch Mitglieder der faschistoiden Organisation der Ratnici unter dem Ökonomieprofessor Asen Kantardžievin wichtige Positionen der Staatsbürokratie auf. Dies zeigte sich beispielsweise 1938, als es zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen jüdische Geschäfte in Sofia kam, bei denen die bulgarische Polizei nur äußerst zurückhaltend einschritt.17PA AA, R 103.284, Bericht des deutschen Gesandten in Sofia vom 9.12.1938; siehe auch: DavidBenwenisti: Die Rettung der bulgarischen Juden 1941–1944. Sofia 1988, S. 5. Allerdings kam es anschließend zumindest teilweise zu einer strafrechtlichen Verfolgung der Gewalttäter.Esther Benbassa, AronRodrigue: Die Geschichte der sephardischen Juden. Bochum 2005, S. 23182.

Von großer Bedeutung in dieser Herrschaftsstruktur war der unmittelbare Kreis von Beratern im Umfeld des Zaren. Viele dieser Vertrauten stammten aus dem rechtsnationalistischen oder dem ultraorthodoxen Milieu, wie beispielsweise sein Beichtvater Lulčo Lulčev und der Architekt Jordan Sevov.19Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S. 41; Stephane Groueff: Crown of Thorns. The Reign of King Boris III. of Bulgaria 1918–1943. London 1987, S. 255–259; Petko Mangačev: Zagadkite v upravlenieto na Zar Boris III v perioda 1. III. 1941 g.–28. VIII. 1943 g. [Die Geheimnisse in der Herrschaft von Zar Boris IIIin der Zeit 1.3.1941–28.8.1943]. Sofija 2015, S. 72–74. Eine offenkundige Sympathie für den italienischen Faschismus oder den deutschen Nationalsozialismus lässt sich allerdings nicht eindeutig nachweisen. Auch seine Frau, Giovanna von Savoyen, zählte zu den einflussreichen Personen, galt aber auch nicht als Sympathisantin Mussolinis oder Hitlers.20Archiv der Republik Wien (AdR) NPA 525 Liasse Bulgarien 4/I–5/I, Österr. Botschaft Sofia, Zl. 27/pol. 8.4.1935 und 22.2.1936. Siehe auch: Kirill P. Doreff: Bulgarien im südöstlichen Paktsystem. Limburg/Lahn 1941, S. 87f.; Klaus Sohl: Die Kriegsvorbereitungen des deutschen Imperialismus in Bulgarien am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. In: Jahrbuch für Geschichte der UdSSR und der volksdemokratischen Länder Europas, Band 3. Berlin [Ost] 1959, S. 91–119, hier: S. 112.

Boris III. war ein Mensch, der tief von den schweren Niederlagen Bulgariens im Zweiten Balkankrieg und im Ersten Weltkrieg geprägt wurde, die seinen Vater um den Thron und 1919 monarchieskeptische Agrarrevolutionäre an die Regierung gebracht hatten. Er versuchte daher stets, große Abenteuer und Risiken zu vermeiden. Entsprechend war seine Innen-, vor allem aber seine Außenpolitik von einem beständigen Austarieren der Kräfteverhältnisse und einem Lavieren zwischen den Machtblöcken geprägt. Auch deswegen berief er 1935 den erfahrenen Diplomaten und Hofmarschall Georgi Kjosseivanov an die Spitze der Regierung, der sich besonders um ein gutes Verhältnis zu den Westmächten und den Nachbarstaaten Bulgariens bemühte.

Die immer engere Kooperation mit der deutschen Wirtschaft verbesserte langsam, aber bald spürbar die Situation größerer Bevölkerungskreise. Trotzdem war die Radikalisierung im rechten und linken Spektrum unübersehbar. Boris III. blieb darauf angewiesen, die inneren wirtschaftlichen Verhältnisse weiter zu stabilisieren, aber auch außenpolitisch Erfolge hinsichtlich der Revision der militärischen und territorialen Friedensbedingungen von 1919 zu erreichen. Nicht nur angesichts der engen Beziehungen der angrenzenden Staaten mit Frankreich und Großbritannien wurde klarer, dass eine solche territoriale Revision nur mit Unterstützung des Deutschen Reiches möglich war. Dieses testete selbst sehr erfolgreich die neuen internationalen Spielräume aus. Im März 1938 kam es zum „Anschluss“ Österreichs und in den darauffolgenden Monaten zur Zerschlagung der Tschechoslowakei. Es dürfte in Sofia registriert worden sein, dass im Windschatten dieser Politik auch Ungarn und Polen territorial profitierten. Gleichzeitig stieg die Bedeutung Deutschlands als Handelspartner. Entsprechend erweiterten sich die Handelsbeziehungen. Deutsche Wirtschaftsunternehmen begannen darüber hinaus, gezielt in die Modernisierung für sie wichtiger Wirtschaftszweige Bulgariens zu investieren.21Wien: Markt und Modernisierung, S. 171–260. Dies stabilisierte indirekt die Stellung des Zarenregimes. Darüber hinaus gelangen diesem aber auch eigene außenpolitische Erfolge. Dazu zählte der Abschluss des Abkommens von Saloniki vom 31. Juli 1938, worin Bulgarien eine nun offene Aufrüstung ermöglicht wurde. Im Gegenzug wurde ein Nichtangriffspakt mit den Nachbarstaaten geschlossen22.Zeitschrift für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Vol. 8 (1938), S. 788f., <https://www.zaoerv.de/08_1938/vol8.cfm>, 8.11.2021. Der deutsche Gesandte in Sofia, Eugen Rümelin, berichtete in diesem Zusammenhang von einer Ablehnung des Abkommen durch viele führende bulgarische Militärs. Nach deren Meinung konnte die bislang geheime Aufrüstung auch ohne das Abkommen fortgeführt werden, ohne den Schutz der demilitarisierten Zone an der Grenze zur Türkei und Griechenland aufzugeben. PA AA, Pol IV. 632 R 103891, Rümelin an AA 17.8.1938. Vorausgegangen war dem bereits im Januar 1937 ein Freundschaftsvertrag zwischen Bulgarien und Jugoslawien, welches sich zu diesem Zeitpunkt bereits wesentlich enger am Deutschen Reich orientierte.23Plamen S. Zvetkov: Kolektivna sirgurnost ili neutralitet. Srednite i malkite dăržavi v evropejskata politika oktomvri 1935–mart 1938 [Kollektive Sicherheit oder Neutralität. Mittlere und kleine Staaten in der europäischen Politik Oktober 1935–März 1938.] Sofija: Cheron Press 1999, S. 117; Alberto Basciani: Un archeologo al servizio della monarchia bulgara. La parabola politica di Bogdan Filov (1940–1944) [Ein Archäologe im Dienste der bulgarischen Monarchie. Die politische Parabel des Bogdan Filov (1940–1944)]. In: Francesco Guida (Hg.): Intellettuali versus democrazia. I regimi authoritari nellʼEuropa sud-orientale (1933–1953) [Intellektuelle gegen Demokratie. Autoritäre Regime in Südosteuropa (1933–1953)]. Roma 2010, S. 111–157. Andererseits wurden mit dem wachsenden deutschen Einfluss und der innenpolitischen Schwäche besonders Frankreichs in den 1930er-Jahren die außenpolitischen Spielräume für Bulgarien kleiner. Die deutsche Diplomatie drängte auf eine engere, auch außenpolitische Anlehnung an das Achsenbündnis. Dafür traten auch immer lauter die rechtsnationalen und faschistoiden Kräfte in Bulgarien ein. Die weiterhin starke bürgerlich-liberale Opposition forderte hingegen Distanz zu Deutschland und die Pflege guter Beziehungen zu den Westmächten. Die Appeasement-Politik der Westmächte hatte indes auch Auswirkung auf die bulgarische Innenpolitik. Die ungehinderte deutsche Expansionspolitik gegenüber der Tschechoslowakei und Litauen beziehungsweise der italienische Einmarsch in Albanien, gab auch den profaschistischen Kräften in Bulgarien Auftrieb. Hinzu kamen zusätzlich die Folgen des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes vom 23. August 1939, der in Bulgarien dazu führte, dass die dortigen Kommunisten eine wohlwollende Haltung gegenüber einer Annäherung an Deutschland einnahmen. Gleichzeitig beendete der Pakt die Isolation der UdSSR im Kreis der Großmächte. Fortan trat die Stalin-Regierung wesentlich bestimmter und energischer bei der Verfolgung der eigenen außenpolitischen Ziele auf.24Claudia Weber: Der Pakt. Stalin, Hitler und die Geschichte einer mörderischen Allianz 1939–1941. München 2019, S. 70.

Bulgariens Politik zu Beginn des Zweiten Weltkrieges

Die Neuwahlen am 24. Dezember 1939 stärkten die prodeutschen Kräfte im Parlament. Dies führte am 15. Februar 1940 zur Ablösung des eher prowestlichen Ministerpräsidenten Georgi Kjosseivanov sowie zum Austausch vieler bulgarischer Gesandter, unter anderem in Athen und Moskau.25In der Wahl erlangten die Anhänger der Zarendiktatur 142 von 160 Sitzen. Stärkste Oppositionskraft blieben die zehn kommunistischen Abgeordneten. Dimităr Ch. Popov: Žestoki Vremena. Bălgarija 1914–2014. Tom 2: Ot Vremenna stabilnost kăm novi prevratnosti (1934–1944) [Grausame Zeiten. Bulgarien 1914–2014. Band 2: Von der zeitlichen Stabilität zu neuen Wendungen (1934–1944). Sofija 2016, S. 155; Dieter Nohlen, Philip Stöver (Hgg.): Elections in Europe: A data handbook. Baden-Baden 2010, S. 368f. Zum Gesandtenaustausch siehe: Dimităr Sirkov: Vănšnata politika na bălgarija 1938–1941 [Die Außenpolitik von Bulgarien 1938–1941]. Sofija 1979, S. 206f. An seiner statt berief Boris III. den bisherigen Minister für Volksbildung, Bogdan Filov, der als deutschfreundlich bekannt war.26Erhard Forndran: Innen- und Außenpolitik unter nationalsozialistischer Bedrohung: Determinanten internationaler Beziehungen in historischen Fallstudien. Opladen 1977, S. 171f. Der bisherige Transportminister und Führer der Ratnici, Petăr Gabrovski, erhielt nun unter Filov den wichtigen Posten des Innenministers. Damit nahm der ohnehin bereits starke Einfluss faschistoider Strömungen im Sicherheitsapparat weiter zu. Unter Gabrovski wurde im Innenministerium eine zunächst noch kleine Unterbehörde „Sektion für Judenfragen“ eingerichtet. Einige Monate später brachte er das nach Vorbild der deutschen Nürnberger Rassegesetze formulierte „Gesetz zum Schutz der Nation“ durch das Parlament.27David S. Wyman, Charles H. Rosenzveig: The World Reacts to the Holocaust. London 1996, S. 264; Ivkova: Rettung und Mord, S. 37. Bulgarien begann sich damit innenpolitisch stärker nach deutschem Vorbild auszurichten.

Ein wichtiger Akteur in der Vorbereitung dieser Gesetzesmaßnahmen war Alexandăr Belev, der wie sein Protegé Gabrovski der faschistoiden Organisation der Ratnici angehörte und im Innenministerium das neue Amt des „Judenkommissars“ erhielt.28Mariana Hausleitner u. a. (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945 (Quellensammlung), Band 13: Slowakei, Rumänien und Bulgarien. Berlin 2018, S. 622. Auch drei weitere Abteilungsleiter des Kommissariats waren Ratnici.29Dabei ist zu beachten, dass die Ratnici zu den energischsten Kritikern der Regierung aus dem rechten politischen Spektrum zählten. Es kann vermutet werden, dass dadurch versucht wurde, die Ratnici auf diese Weise in die Königsdiktatur des Zaren einzubinden, um sie zu neutralisieren. Andererseits entstand auf diese Weise eine Bastion antisemitischer Extremisten innerhalb der Staatsbürokratie. FrederickChary: The Bulgarian Jews and the Final Solution 1940–1944. Pittsburgh 1972, S. 56. Eindeutig antisemitische Maßnahmen waren allerdings bereits unter der Regierung Kjosseivanov seit Ende 1939 initiiert worden, auch wenn diese sich zunächst noch ausschließlich gegen ausländische Juden in Bulgarien richteten, die sich vor der nationalsozialistischen Verfolgung nach Bulgarien geflüchtet hatten. Spätestens seit Anfang 1940 richteten sich antisemitische Maßnahmen auch gegen bulgarische Juden mit griechischen oder türkischen Wurzeln. Diese wurden nun über die Grenze nach Griechenland und in die Türkei abgeschoben oder zum Verlassen des Landes per Schiff gezwungen.30Ana Karlsreiter: König Boris III. von Bulgarien und die bulgarische Außenpolitik 1938–1943. München, Univ. München, Diss., 2001, S. 317; IvaArakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben? Hilfe für verfolgte Juden in Bulgarien 1940–1944. Berlin 2016, S. 22f. Zur Politik der Türkei hinsichtlich jüdischer Flüchtlinge aus Bulgarien siehe auch: CorryGuttstadt: Die Türkei, die Juden und der Holocaust. Berlin 2008, S. 257–260. Antisemitismus war in Bulgarien kein gesellschaftliches Massenphänomen, hatte aber seit dem Ersten Weltkrieg spürbar zugenommen.31Stefan Troebst: Antisemitismus im „Land ohne Antisemitismus“: Staat, Titularnation und jüdische Minderheit in Bulgarien 1878–1993. In: Mariana Hausleitner, Monika Katz (Hgg.): Juden und Antisemitismus im östlichen Europa. Berlin 1995, S. 109–125, hier: S. 117. Auch in diesem Bereich kam es somit zu einer Annäherung zwischen dem Deutschen Reich und der Zarendiktatur.

Zu den klaren Leitlinien der bulgarischen Diplomatie zählte seit Beginn des Zweiten Weltkrieges, jedes außenpolitische Abenteuer in Gestalt einer Kriegsbeteiligung zu vermeiden. Weiterhin wurde ein gutes Verhältnis zu allen Großmächten gesucht. Trotzdem wuchs der Erfolgsdruck auf das Zarenregime, an der begonnenen Neuordnung vieler Grenzen zu partizipieren. Dieser Erwartungsdruck seitens der bulgarischen Nationalisten stieg, nachdem der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt und der Beginn des Zweiten Weltkrieges eine neue Dynamik hervorgerufen hatten. Die Pariser Friedensordnung zerbrach. Zum Brennpunkt in Südosteuropa entwickelte sich dabei Rumänien, welches zu den großen Gewinnern der territorialen Nachkriegsordnung von 1919/20 gehört hatte. Es hatte sich auf Kosten Ungarns (unter anderem Siebenbürgen, Banat), Russlands (Bessarabien) und Bulgariens (Süddobrudscha) beträchtlich vergrößert. Sämtliche Anrainerstaaten strebten seitdem nach einer Revision der Grenzen des damit entstandenen Großrumäniens. Aus Perspektive bulgarischer Nationalisten gehörte die „Heimholung“ der Süddobrudscha zu den Kernzielen der bulgarischen Außenpolitik. Bulgarische Flüchtlinge und Vertriebene aus der Süddobrudscha spielten in Bulgarien eine durchaus spürbare Rolle. Rumänien seinerseits verfolgte eine sehr repressive Politik gegenüber der großen bulgarischen Minderheit in der Dobrudscha.321939 lebten etwa 366.000 Bulgaren in Rumänien; vgl. Hans-Joachim Hoppe: Die Balkanstaaten Rumänien, Jugoslawien, Bulgarien – Nationale Gegensätze und NS-Großraumpolitik. In: Erhard Forndran, Frank Golczewski, Dieter Riesenberger (Hgg.): Innen- und Außenpolitik unter nationalsozialistischer Bedrohung. Opladen 1977, S. 161–175, hier: S. 163; PA AA, Pol IV. 632 R 103891, Bericht der deutschen Außenstelle für den Außenhandel vom 17.11.1938. Siehe auch: Andrea Schmidt-Rösler: Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg: Die Grenzziehung in der Dobrudscha und im Banat und die Folgeprobleme. Frankfurt/M. 1994, S. 112–160. Am Vorabend des Weltkrieges sondierte bereits die Regierung Kjosseivanov intensiv bei den verschiedenen Mächten deren Möglichkeiten, gegenüber Rumänien zu vermitteln – allerdings ohne Erfolg.33PA AA, Pol IV. 632 R 103891, Bericht v. Weizsäcker, Berlin 18.1.1939 und Telegramm dt. Botschaft in Warschau vom 20.6.1939. Erst nach Beginn des Krieges und der Aufteilung Polens zwischen dem Deutschen Reich und der UdSSR kam Bewegung auch in die territoriale Frage der Dobrudscha. Dies wurde gefördert durch das sowjetische Bestreben, den eigenen Einfluss an den türkischen Meerengen auszudehnen. Dies wiederum führte nunmehr erstmals zu Kompromissbereitschaft Rumäniens in der Dobrudscha-Frage, ohne aber in konkrete Ergebnisse zu münden.34Bundesarchiv Militärarchiv (i. F.: BA MA) RW 5/v. 353 Bericht der deutschen Gesandtschaft in Sofia vom 10.2.1940 und Bericht des deutschen Botschafters in Ankara vom 20.2.1940.

Eine konkrete Chance schien sich zu ergeben, als die Sowjetunion am 26. Juni 1940 Rumänien ein Ultimatum stellte, die Nordbukowina und Bessarabien abzutreten. Diese Maßnahme überraschte auch die deutsche Regierung unangenehm, die ihre dortigen wirtschaftlichen Interessen gefährdet sah.35Weber: Der Pakt, S. 178f. Es entstand die Situation, dass für die bulgarische Regierung einerseits von sowjetischer Seite und über sie auch über die innenpolitische kommunistische Opposition die drängende Ermunterung kam, ihrerseits in der Dobrudscha-Frage fordernd aktiv zu werden. Es kursierten sogar Gerüchte, die Zurückhaltung der Regierung sei ein „Verrat“ an den dobrudschaner Bulgaren.36Akten zur deutschen auswärtigen Politik (i. F.: ADAP), Serie D, Bd. 10, S. 45, Bericht der deutschen Gesandtschaft in Sofia vom 29.6.1940. Gleichzeitig drängte das Deutsche Reich Sofia, Zurückhaltung zu üben.37ADAP, Serie D, Bd. 10, S. 32, Bericht des Leiters der politischen Abteilung im Auswärtigen Amt, Ernst Woermann, vom 27.6.1940. Nachdem Rumänien sich gezwungen sah, am 28. Juni 1940 Bessarabien und die Nordbukowina an die Sowjetunion abzutreten, war dies automatisch auch ein Signal an die revisionistischen Kräfte in Ungarn in der Siebenbürgen- und Bulgarien in der Dobrudscha-Frage, die Schwäche Rumäniens zu nutzen. Das Deutsche Reich versuchte vermittelnd einzuwirken, um den eigenen Einfluss in der Region halten zu können. Auch Italien bemühte sich, als Akteur aufzutreten. Beide Achsenmächte schalteten sich damit als Vermittlerinnen ein. Es kam sowohl zu Verhandlungen Rumäniens mit Ungarn als auch mit Bulgarien. Im so genannten Zweiten Wiener Schiedsspruch musste Rumänien am 30. August 1940 der Abtretung großer Gebiete an Ungarn zustimmen. Im Vertrag von Craiova vom 7. September trat es das südliche Drittel der Dobrudscha an Bulgarien ab. Verbunden damit war ein bulgarisch-rumänischer Bevölkerungsaustausch. Bei der Gelegenheit wurde auch die Aussiedlung der Dobrudscha-Deutschen im Rahmen der Aktion „Heim ins Reich“ vereinbart.38Schmidt-Rösler: Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg, S. 164–168.

Der deutsche Einfluss in Bulgarien nahm dadurch weiter zu. Weitere einschneidende Ereignisse waren bereits zuvor die Kapitulation Frankreichs am 22. Juni 1940, der Kriegseintritt Italiens auf der Seite Deutschlands und der Beginn der Luftschlacht über England als Vorbereitung für eine deutsche Invasion auf den britischen Inseln. Andererseits bemühte sich auch die Sowjetunion, ihren Einfluss in Bulgarien auszubauen, was auch den Kommunisten im Land Auftrieb gab.39Andrew Zapantis: Greek-Soviet Relations, 1917–1941. New York 1982, S. 390f. Der außenpolitische Spielraum des vorsichtigen Boris III. wurde immer kleiner. So sehr sich teilweise die Zarendiktatur am italienisch-faschistischen Staatsmodell orientierte und sich außenwirtschaftspolitisch immer enger mit dem Deutschen Reich verbunden hatte, so war ihm doch nicht an einer Dominanz der prodeutschen, radikalnationalistischen und faschistoiden Kräfte gelegen. Auch wenn dies mit Quellen nach aktuellem Forschungsstand nicht eindeutig zu belegen ist, dürfte ihm die klägliche politische Rolle seines Schwiegervaters, des italienischen Königs Viktor Emanuel III., zusätzlich ein abschreckendes Beispiel gewesen sein. Boris III. selbst prägte den Ausspruch: „Meine Armee ist prodeutsch, meine Frau Italienerin, mein Volk prorussisch, und ich bin als einziger in diesem Land probulgarisch.“40Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S. 44. Allerdings dürfte damit auch ein berechnendes Maß an Koketterie als zentrale vermittelnde Kraft in seinem Land verbunden gewesen sein.

Der ohnehin geschrumpfte außenpolitische Spielraum reduzierte sich zusätzlich, als am 28. Oktober 1940 italienisch-albanische Truppen Griechenland überfielen. Zehn Tage zuvor hatte Mussolini ein gemeinsames Vorgehen gegen Griechenland vorgeschlagen, was aber Boris III. abgelehnt hatte.41MacGregor Knox: Mussolini Unleashed 1939–1941. Politics and Strategy in Fascist Italyʼs Last War. Cambridge 1986, S. 218f. Der Versuch Mussolinis, im Schatten des deutschen Eroberungskrieges den eigenen Machtbereich in Südosteuropa zu erweitern, hatte vielfältige Folgen. Aus deutscher Perspektive war für Südosteuropa die Rolle als Versorgungsraum für kriegswirtschaftlich unverzichtbare Rohstoffe vorgesehen. Die Balkanländer sollten eng an das Deutsche Reich gebunden werden. Angesichts der ungewissen Ambitionen der UdSSR in der Region besetzten deutsche Truppen am 12. Oktober 1940 die wichtigen rumänischen Erdölfelder bei Ploiești. Mit dem italienischen Überfall auf Griechenland drohte nun die ganze Region unmittelbar in den Krieg hineingezogen zu werden. Tatsächlich entsendete Großbritannien in Reaktion auf den italienischen Angriff Luftwaffeneinheiten der Royal Air Force nach Griechenland und später auch Bodentruppen nach Kreta und in die Region Athen. Die britische Luftwaffe kam damit in Reichweite der rumänischen Erdölfelder. Spätestens als der italienische Angriff Mitte November 1940 zum Stillstand kam und eine griechische Gegenoffensive begann, drohte ein Eingreifen der deutschen Wehrmacht. Dies wiederum widersprach sowjetischen Interessen, da dadurch deutsches Militär in die Nähe der türkischen Meerengen gekommen wäre. Diese sah aber die Stalin-Regierung als ihre eigene Einflusszone an.42Heinz Höhne: Der Weg im Dunkeln. Die deutsche und russische Spionage. München 1985, S. 335. Inwieweit Stalin wirklich 1940 glaubte, Bulgarien eng an sich binden zu können, ist umstritten. Viele sowjetische Akten zu diesem Thema sind weiterhin nicht zugänglich. Als sicher kann aber angenommen werden, dass der sowjetische Außenminister Vjačeslav Molotov derartige Ansprüche gegenüber Bulgarien in seinem Treffen mit dem deutschen Außenminister Joachim von Ribbentrop und Adolf Hitler am 12. November in Berlin als Druckmittel nutzte. Die deutsche Außenpolitik versuchte in dieser Zeit, eine Verschiebung der sowjetischen Expansionspolitik von Europa auf Südasien zu erreichen. Stalin beharrte jedoch auf Finnland als Einflussgebiet und umwarb gleichzeitig offen Bulgarien.

Boris III. war in dieser Situation bemüht, sich weiterhin alle Optionen offenzuhalten und nicht in ein festes Bündnis hineingezogen zu werden. Zu diesem Zeitpunkt hielt er durchaus noch einen britisch-deutschen Kompromissfrieden unter Vermittlung der USA für möglich. Dies hätte wieder ein größeres Mächtegleichgewicht in Europa und damit den Rahmen für eine Fortführung der bisherigen Pendelpolitik Bulgariens geschaffen.43Marin Pundeff: Two Documents on soviet-bulgarian relations in November 1940. In: Journal of Central European Affairs, Vol. XV (Januar 1956), S. 367–378, hier: S. 374. Ein solcher Frieden blieb jedoch aus, und die Spielräume verengten sich weiter, als Ende November 1940 erst Ungarn, dann auch Rumänien und die Slowakei dem Dreimächtepakt beitraten. Wenige Tage zuvor besuchte am 17./18. November Boris III. Hitler auf dem Berghof in Berchtesgaden. Zur selben Zeit bot Molotov dem bulgarischen Gesandten in Moskau eine Grenzgarantie sowie Unterstützung hinsichtlich bulgarischer territorialer Aspirationen gegenüber der Türkei (Ostthrakien), Griechenland (Westthrakien) und Jugoslawien (Makedonien) an.44Andreas Hillgruber (Hg.): Staatsmänner und Diplomaten bei Hitler. Vertrauliche Aufzeichnungen über Unterredungen mit Vertretern des Auslandes. Band I. Frankfurt/M. 1967, S. 363f. Dieses Angebot wurde vom sowjetischen Gesandten in Sofia eine Woche später gegenüber Boris III. wiederholt. Bulgarien solle dafür im Rahmen eines gegenseitigen Beistandspaktes Teil der sowjetischen „Sicherheitszone“ werden, wobei die staatliche Souveränität Bulgariens gänzlich unangetastet bleiben sollte. Im Gegenzug für finanzielle und wirtschaftliche Hilfe sowie Unterstützung zur Erreichung territorialer Ausdehnung im türkischen Ostthrakien forderte die Sowjetunion jedoch das Recht zur Errichtung zweier Marinebasen in Varna und Burgas sowie eines Luftwaffenstützpunktes in Plovdiv.45Voin Bojinov: Lʼentrîment de la Bulgarie dans la Seconde Guerre Mondiale et ses conséquences [Der Eintritt Bulgariens in den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen]. In: Études Historiques, Tom II, Sofia 1965, S. 493–512, hier: S. 500; Elisabeth Barker: British Policy in South-East Europe in the Second World War. London 1976, S. 59; vgl. ferner Christian Hartmann: Halder. Generalstabschef Hitlers 1938–1942. Paderborn 1991, S. 255. Indirekt drängte die Sowjetunion damit Bulgarien zu einem offenen Konflikt mit der Türkei. Es ist zu vermuten, dass sie sich selbst damit einen Grund für eine Intervention an den Meerengen verschaffen wollte. Für die bulgarische Regierung und Zar Boris dürfte jedoch ohnehin die sowjetische Versicherung, die staatliche Souveränität Bulgariens zu garantieren, mit Blick auf das sowjetische Vorgehen gegen die baltischen Staaten im Juni 1940 beziehungsweise gegenüber Finnland wenig glaubhaft gewesen sein. Sie lehnten das sowjetische Angebot ab, betonten allerdings, dass Bulgarien weiterhin an engen und freundlichen Beziehungen zur UdSSR interessiert sei.46PA AA, R 29873, Telegramm des dt. Gesandten in Sofia Herbert Freiherr von Richthofen vom 30.11.1940 an das AA. Die Sowjetunion übte weiterhin Druck auf Bulgarien aus, unterstützt von der dortigen kommunistischen innenpolitischen Opposition, und betonte dabei wiederholt die starke russische Sympathie gegenüber dem bulgarischen „Brudervolk“. Mehrfach warnte der sowjetische Gesandte im Dezember 1940 die bulgarische Regierung vor einem Beitritt zum Dreimächtepakt.47PA AA, R 29873, Telegramm Richtofen vom 7.12.1940 an das AA bzw. Documents on German Foreign Policy (DGFP), Vol. XI, Dokumente Nr. 468 und 536. Auch gegenüber dem Deutschen Reich betonte die Sowjetunion den Anspruch, Bulgarien als Teil einer sowjetischen Sicherheitszone am Schwarzen Meer einzubinden.48Weber: Der Pakt, S. 196f. Auch dieses Auftreten gegenüber Sofia dürfte in erster Linie Teil der Politik gegenüber dem Deutschen Reich gewesen sein und nicht der ernsthafte Glaube, die bulgarische Zarendiktatur würde dieses Angebot annehmen.

Mit Verweis auf den sowjetischen Druck gelang es der bulgarischen Regierung tatsächlich, sich zunächst noch einem Beitritt zum Dreimächtepakt zu entziehen. Ob sie damit guten Willen zeigen wollte oder ob es Teil der autoritären Ausrichtung des bulgarischen Staates war, ist nicht eindeutig zu sagen. Sicher ist, dass Ende 1940 die innere Umgestaltung des bulgarischen Staates nach Vorbild der Achsenmächte deutlich zunahm. Beispielsweise wurde am 29. Dezember 1940 ein Gesetz zur Gründung der staatlichen Jugendorganisation Brannik (Abwehr) verabschiedet. Die Brannik orientierte sich klar an der deutschen Hitlerjugend und der italienischen Balilla. Sie betrieb offene Propaganda gegen Kommunismus und westlichen Liberalismus. Innerhalb von drei Jahren stieg die Mitgliederzahl der Brannik auf rund 450.000.49Nikolaj Poppetrov: Socialno naljavo, nacionalizmăt – napred: programni i organizacionni dokumenti na bălgarski avtoritaristki nacionalističeski formacii [Soziale Linke – Vorwärts: Programm- und Organisationsdokumente der bulgarischen autoritären nationalistischen Formationen]. Sofia 2009, S. 805–848. Im Januar 1941 folgte dann die bereits erwähnte Einführung einer antijüdischen Gesetzgebung („Gesetz zum Schutz der Nation“).

Angesichts der militärischen Entwicklung auf dem griechisch-albanischen Kriegsschauplatz konnte sich die bulgarische Regierung zu diesem Zeitpunkt auch keine Illusion mehr machen, dass das Deutsche Reich nicht militärisch in Griechenland eingreifen würde. In Rumänien waren bereits Wehrmachteinheiten stationiert, und so musste Ende November 1940 die bulgarische Regierung das Durchmarschrecht für deutsche Truppen in Richtung Griechenland erteilen. Im Januar 1941 überschritten die ersten deutschen Einheiten die rumänisch-bulgarische Grenze.50ADAP, Serie D, Bd. 11, S. 406 und S. 496; Hillgruber (Hg.): Staatsmänner, Bd. I, Gespräch Draganov–Hitler vom 23.11.1940, S. 367; Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, Bd. 1. Frankfurt/M. 1965, S. 995.

Nach wie vor betonte die bulgarische Diplomatie gegenüber dem deutschen Gesandten die Gefahr eines militärischen Eingreifens der Türkei, sollte sich Bulgarien aktiv an die Seite der Achsenmächte stellen. Allerdings gelang wenig später unter deutscher Vermittlung am 19. Februar 1941 der Abschluss eines bulgarisch-türkischen Freundschaftsabkommens, wodurch die Gefahr einer Konfrontation mit dem Nachbarn gebannt wurde.51Hillgruber (Hg.): Staatsmänner, Bd. I, S. 362 und 415; PA AA, R 29.873, Telegramm Richthofen vom 26.2.1941 an das AA. Spätestens als die deutsche Reichsregierung Bulgarien territoriale Zugewinne auf Kosten Griechenlands in Aussicht stellte, trat dieses schließlich am 1. März 1941 ebenfalls dem Dreimächtepakt bei. Umsonst hatte auch der britische Gesandte in Sofia, George Rendel, versucht, die bulgarische Regierung von diesem Schritt abzuhalten. Dabei kam auch die Möglichkeit britischer Bombenangriffe auf Sofia im Falle eines Einmarsches deutscher Truppen in Bulgarien zu Wort.52Martin L. van Creveld: Hitlerʼs Strategy 1940–1941. Cambridge 1973, S. 118. Schließlich verließ Rendel aber am 12. März 1941 ohne Erfolg Sofia. Eine offene Kriegserklärung Großbritanniens blieb jedoch noch aus.

Knapp zwei Wochen später ereignete sich ein Offiziersputsch in Belgrad, der die prodeutsche jugoslawische Regierung stürzte. Anstoß dazu gab die zwei Tage zuvor vollzogene Unterschrift zum Dreimächtepakt.53Sabrina P. Ramet, Sladjana Lazić: „The Collaborationist Regime of Milan Nedić“. In: Sabrina P. Ramet, Ola Listhaug (Hgg.): Serbia and the Serbs in World War Two. London 2011, S. 17–43, hier: S. 18. Die neue Regierung unter General Dušan Simović erklärte den Beitritt für ungültig. Stattdessen schloss die Putschregierung am 5. April 1941 einen Freundschaftspakt mit der Sowjetunion ab. Zu dieser Zeit war bereits in Berlin der Entschluss gefasst worden, nicht nur in Griechenland, sondern auch in Jugoslawien militärisch einzugreifen. Bulgariens strategische Bedeutung wurde dadurch noch größer, ebenso seine Aussichten auf territoriale Gewinne. Nunmehr winkte nicht nur die Rückgewinnung des griechischen Westthrakien und damit der Zugang zum Ägäischen Meer, sondern auch des jugoslawischen Teils Makedoniens. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte die Innere Makedonische Revolutionäre Organisation (i. F.: IMRO) im bulgarischen Pirin-Gebirge de facto einen Staat im Staate errichtet und einen blutigen Guerillakrieg gegen Jugoslawien um Makedonien geführt. Dabei stand sie unter anderem in engem Kontakt zum faschistischen Italien und zu rechtsnationalistischen Kräften um den bereits erwähnten Politiker Aleksandăr Cankov. Im Frühjahr 1934 wurde sie zwar daraufhin von der prowestlichen bulgarischen Sveno-Regierung aufgelöst und verboten.54Stefan Troebst: Ivan Michajlov im türkischen und polnischen Exil (1934–1939/40). Fragmente zur politischen Biographie des Chefs der „Inneren Makedonischen Revolutionären Organisation“. In: Stefan Troebst: Das makedonische Jahrhundert. Von den Anfängen der nationalrevolutionären Bewegung zum Abkommen von Ohrid 1893–2001. Ausgewählte Aufsätze. München 2007, S. 175–224, hier: S. 182f. Trotzdem gab es auch 1941 noch viele Anhänger und Sympathisanten der IMRO in Bulgarien, organisiert in verschiedenen Vereinen und Organisationen wie dem Makedonischen Wissenschaftlichen Institut, der Organisation Ilinden (Eliastag) oder der Makedonischen Frauenunion. Diese reihten sich in die große, wenn auch zersplitterte rechtsgerichtete Szene des Landes ein, auf die Boris III. Rücksicht nehmen musste. Bereits seitdem sich im Sommer 1940 eine Revision der bulgarischen Grenze gegenüber Rumänien abzeichnete, waren auch diese makedonischen Akteure in der Öffentlichkeit immer präsenter gewesen. Innenminister Gabrovski unternahm nichts dagegen, diese Stimmen zu unterdrücken und tolerierte eher wohlwollend derartige Manifestationen.55Nikolaj Genčev: Vănšnata politika na bălgarija 1938–1941 [Außenpolitik von Bulgarien 1938–1941]. Sofija 1998, S. 149–152; Petăr Petrov (Red.): Makedonija. Istorija i političeska sădba. [Makedonien. Geschichte und politisches Schicksal.] Tom III. Sofija, Stara Zagora 1998, S. 7. Boris III. selbst hatte in einem Brief Hitler auf die makedonische Frage angesprochen.56Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S. 97–100. Auch danach sprachen bulgarische Regierungsmitglieder wie der bereits erwähnte Landwirtschaftsminister Ivan Bagrjanov oder Ministerpräsident Bogdan Filov das Thema bei ihren deutschen Gesprächspartnern wiederholt an.57Dimităr Sirkov: Vanšnata politika na bălgarija, S. 252; Marshall Lee Miller: Bulgaria during the Second World War. Stanford 1975, S. 37. Berlin reagierte auch deswegen zurückhaltend. Die Filov-Regierung betonte mehrfach, dass Bulgarien sich allein schon angesichts des schlechten Rüstungsstandes der bulgarischen Streitkräfte und der offensichtlich ablehnenden Haltung der Bevölkerung einem militärischen Engagement gegenüber nicht an Kriegshandlungen beteiligen könne. Solange Jugoslawien noch als Teil des deutschen Einflussbereiches galt, waren derartige diplomatische Vorstöße Bulgariens für die deutsche Führung kein Thema. Dies galt auch noch während der bulgarisch-deutschen Verhandlungen über den Beitritt zum Dreimächtepakt, bei denen Berlin Bulgarien lediglich eine territoriale Erweiterung auf Kosten Griechenlands in Aussicht stellte.58Miller: Bulgaria during the Second World War, S. 45. Erst nach dem Putsch in Belgrad signalisierte Hitler dem bulgarischen Gesandten in Berlin, Petăr Draganov, dass nun auch die makedonische Frage Thema werden könnte.59DAP, Serie D, Band 12/1, Dok. Nr. 216, S. 306f.

Bulgariens Eintritt in den Zweiten Weltkrieg 1941 und seine Rolle als „deutscher Gendarm des Balkans“

Auch wenn sich Bulgarien nach dem Beitritt zum Dreimächtepakt mit keinem Land offiziell im Krieg befand, gilt dieser Schritt zu Recht als Eintreten in den Zweiten Weltkrieg. Am 6. April 1941 startete die deutsche Wehrmacht ihre Offensiven gegen Jugoslawien und Griechenland. Bulgarien bildete dabei für beide Feldzüge eine wichtige Ausgangsbasis für die deutschen Truppen.

Selbst jetzt war es allerdings der bulgarischen Regierung gelungen, anders als beispielsweise Ungarn, welches sich wenig später mit Truppen am Überfall auf die Sowjetunion beteiligte, nicht unmittelbar als militärischer Partner der Achsenmächte in direkten Kampfeinsätzen aktiv zu werden. Letztlich hatte das Deutsche Reich keinen weiteren Druck ausgeübt, da auch der deutsche Gesandte in Sofia, Herbert von Richthofen, und der deutsche Botschafter in Ankara, Franz von Papen, von einer unmittelbaren Beteiligung Bulgariens abgeraten hatten.60Karlsreiter: König Boris III. von Bulgarien, S. 251; siehe auch Bogdan Filov: Dnevnik [Tagebuch] (Red. Ilčo Dimitrov). Sofija 1990, S. 297, S. 300. Darüber hinaus hatte der deutsche Auslandsgeheimdienst bereits Ende Januar von einem großen Widerwillen unter der bulgarischen Bevölkerung gegen eine Kriegsbeteiligung berichtet.61BA MA, Wi Ic 5,35 Stimmungsbericht vom 21.1.1941. Hinzu kamen die Bedenken, dass eine aktive Teilnahme bulgarischer Truppen am Feldzug gegen Jugoslawien in der Türkei als Bündnisfall der Balkanentente (Balkanpakt) angesehen werden könnte. Erst kurz vor der sich abzeichnenden Kapitulation Jugoslawiens brach Bulgarien am 15. April die diplomatischen Beziehungen zu Jugoslawien offiziell ab. Die Filov-Regierung bot von sich aus dem deutschen Oberkommando bulgarische Truppenverbände zur Sicherung des Hinterlandes in Makedonien und Westthrakien an. Auf diese Weise wollte sie ihre Ansprüche auf diese Gebiete sichern, wusste sie sich doch zumindest in Makedonien in Konkurrenz mit den Expansionsinteressen Italiens. Dies geschah aber auch aus innenpolitischem Druck. Die Nachricht, dass die für den bulgarischen Nationalismus wichtige Stadt Ohrid von italienischen Truppen besetzt worden war, führte zu spürbarem Unmut unter den rechtsgerichteten Kräften des Landes.62Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S. 121f. Aber erst am 17. April, dem Tag der jugoslawischen Kapitulation, gestattete Berlin den Einmarsch bulgarischer Truppen in den Ostteil der jugoslawischen Banschaft Skopje sowie in die griechischen Territorien östlich des Flusses Strymon (Struma) inklusive der griechischen Inseln Thasos und Samothrake. Eine Ausnahme bildete der Evros-Grenzstreifen an der griechisch-türkischen Grenze (Demotika-Gebiet), der unter deutscher Kontrolle verblieb, um eine Komplikation zwischen bulgarischen und türkischen Grenztruppen auszuschließen. Makedonien wurde am 25. April unter Italien und Bulgarien aufgeteilt. Bulgarien erhielt dabei letztlich auch Ohrid zugewiesen. Auch das rohstoffreiche Ljuboten-Massiv überließ das Deutsche Reich Bulgarien, wohl wissend, dass es auf diese Weise leichter den Zugriff auf die dortigen Molybdänerz-Vorkommen bekommen würde. Die makedonischen Städte Tetovo, Gostivar, Kićevo und Struga fielen allerdings an Italien. Als Ausgleich dafür durfte Bulgarien zusätzlich die altserbische Region Vranje-Pirot okkupieren. Nichtsdestotrotz blieb die Aufteilung Jugoslawiens in den Folgejahren ein dauerhafter Streitpunkt zwischen den Besatzungsmächten. Dies traf auch auf Griechenland zu, wo Bulgarien gern auch die Städte Thessaloniki (bg. Solun), Florina (bg. Lerin) und Edessa (bg. Voden) besetzt hätte, was ihm aber vorerst verweigert wurde.

Das Deutsche Reich sah diese Besetzung durch bulgarische Truppen offiziell als provisorisch an und verwies stets darauf, dass endgültige territoriale Regelungen erst nach dem Krieg getroffen werden sollten. Von der bulgarischen Regierung ließ sie sich jedoch im April 1941 zusichern, dass deutsche Firmen den bevorzugten Zugriff auf die Rohstoffvorkommen, besonders die Erzvorkommen, in den zuerkannten Gebieten bekommen würden. Daran hielten sich die bulgarischen Behörden auch; ansonsten begann die bulgarische Regierung jedoch, Fakten zu schaffen.63Vaïos Kalogrias: Makedonien 1941–1944. Okkupation, Widerstand, Kollaboration. Ruhpolding 2008, S. 95f. Die Okkupationsgebiete auf dem Boden Griechenlands beziehungsweise Jugoslawiens wurden kurzerhand als Teile des bulgarischen Staates behandelt, indem Provinzverwaltungen eingerichtet und die bulgarische Gesetzgebung eingeführt wurden. Hinzu kam der Ausbau eines bulgarischen Schulsystems, verbunden mit umfangreichen Propagandaaktivitäten, um unter der dortigen slawischen Bevölkerung ein bulgarisches Nationalgefühl zu stärken beziehungsweise dessen Herausbildung zu fördern.64Vanče Stojčev: Bugarskiot okupaciski sistem vo Makedonija 1941–1944 [Bulgarisches Besatzungssystem in Makedonien 1941–1944]. Skopje 1996, S. 183; Rastislav Terzioski: Denacionalizatorskata dejnost na bugarskite kulturno-prosvetni institucii vo makedonija (skopska i bitolska okupaciona oblast) 1941–1944 [Denationalisierungsaktivitäten bulgarischer Kultur- und Bildungseinrichtungen in Makedonien (Skopioter und Bitolaer Besatzungsgebiet) 1941–1944]. Skopje 1974, S. 56–60; siehe auch: Ivan Chadžijski: Vtoroto bălgarsko upravlenie văv Vardarska Makedonija (april 1941–septemvri 1944) [Die zweite bulgarische Verwaltung in Vardar Makedonien (April 1941–September 1944)]. Dupniza 2016. 1943 wurde in Skopje zudem eine bulgarische Universität gegründet. Der Plan einer zweiten Universität in Ohrid wurde aus finanziellen Gründen verworfen. Auch die bulgarische Staatsjugend Brannik und andere staatliche Institutionen wurden dort aktiv, ebenso nationalistische Organisationen wie die Ratnici, Otec Paisij und die Legionäre. Der Erfolg dieses Engagements war jedoch sehr gering.65Ģorģi Malkovski: Profaštičkite i kolaboracionističkite organizacii i grupi vo makedonija 1941–1944 [Profaschistische und kolaboratistische Organisationen und Gruppen in Makedonien 1941–1944]. Skopje: Institut za Nacionalna Istorija 1995, S. 58f., S. 63ff; Stojčev: Burgaskiot okupaciski sistem, S. 91–94.

Als weiterer wichtiger bulgarischer Akteur trat das bulgarisch-orthodoxe Exarchat auf, das in den besetzten beziehungsweise okkupierten makedonischen und thrakischen Gebieten eigene Eparchien errichtete. Allerdings blieb deren Einfluss nicht zuletzt wegen eines erheblichen Mangels an Priestern ebenfalls gering. Gravierender waren die Folgen der bulgarischen Nationalitätenpolitik, insbesondere nachdem in den okkupierten Gebieten im Juni 1942 ein neues bulgarisches Staatsbürgerschaftsgesetz eingeführt wurde. Die bulgarische Politik zielte dabei auf die Entfernung aller „volksfremden Elemente“ aus dem öffentlichen und wirtschaftlichen Leben der „neuen Territorien“.66Poppetrov: Flucht aus der Demokratie, S. 399. Diese Politik musste zwangsläufig auch zu Reibungen mit den Achsenmächten führen. Ähnlich wie der 1941 errichtete Unabhängige Staat Kroatien (Nezavisna Država Hrvatska) begann auch Bulgarien bereits früh mit gezielten Abschiebungen und Vertreibungen insbesondere der dortigen serbischen Bevölkerung. Dies betraf weit über 120.000 Serben, die in das deutsche Besatzungsgebiet Serbiens abgeschoben wurden. Weitere Zehntausende wurden in das italienische Besatzungsgebiet im westlichen Teil des besetzten Jugoslawiens vertrieben.67Elisabeth Barker: Macedonia its place in Balkan power politics. London 1950, S. 79. Letzteres belastete zusätzlich das stark unterkühlte italienisch-bulgarische Verhältnis, konkurrierten doch beide um Einfluss in Makedonien. Zwar wurde nach außen hin der Anschein eines harmonischen Bündnisses gewahrt, doch war dies als kaum mehr denn „oberflächlich“ zu bezeichnen. Aus einem Bericht des delegierten deutschen Ausbildungsstabes beim bulgarischen Oberkommando wurde beispielsweise am 3. August 1942 an das Oberkommando des Heeres (OKH) in Berlin gemeldet, dass in der bulgarischen Bevölkerung deutliche Abneigung gegenüber Italien spürbar sei und auch alle bulgarischen Offiziere, mit denen der Ausbildungsstab zu tun hatte, eher mit Verachtung über den italienischen Bündnispartner sprachen.68BA MA, RH 31/II/ 1 Deutscher Ausbildungsstab bei d. kgl. bulg. Heeresleitung. 15.5.1941–1.2.1944, Bericht des dt. Ausbildungsstabes in Sofia an das OKH in Berlin vom 3.8.1942.

Nicht minder repressiv trat Bulgarien in den besetzten griechischen Gebieten auf, die es am 9. Oktober 1942 offiziell als neue Provinz Belomorije annektierte. Dort verursachte die repressive Bulgarisierungspolitik gegenüber der griechischen Bevölkerung Zehntausende Todesopfer. Allein in den ersten fünf Monaten der bulgarischen Herrschaft in Westthrakien flohen mindestens 25.000 bis 30.000 Menschen in Richtung deutsches und italienisches Besatzungsgebiet.69Rainer Eckert: Vom „Fall Marita“ zur „wirtschaftlichen Sonderaktion“. Die deutsche Besatzungspolitik in Griechenland vom 6. April 1941 bis zur Kriegswende im Februar/März 1943. Frankfurt/M. 1992, S. 72. Der Historiker Vaïos Kalogrias bezeichnete 2008 die bulgarische Okkupationsherrschaft in Westthrakien in seiner Dissertationsschrift als eines der „schrecklichsten Besatzungsregime in Südosteuropa während des Zweiten Weltkrieges“.70Kalogrias: Makedonien 1941–1944, S. 96. Selbst ein deutscher Lagebericht beschrieb die dortige bulgarische Herrschaft als „ein nur mit balkanisch zu bezeichnendes Terrorregiment“.71Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S. 126. Dass dies wenig später zu einem ersten griechischen Aufstand führte, sorgte in Berlin und Rom nicht für Begeisterung.

Im Laufe des Krieges, insbesondere angesichts der zunehmenden Schwäche und schließlich des Ausscheidens Italiens im September 1943, wurden Bulgarien trotzdem weitere Gebiete zur Besatzung übertragen. Die Wehrmacht war froh über jede Einheit, die sie vom Balkan an andere Fronten abziehen konnte, was aber angesichts des längst angewachsenen lokalen Widerstandes nationalistischer oder kommunistischer Partisanen immer schwieriger wurde. Das Deutsche Reich benötigte einen Gendarmen, der in den eroberten Gebieten Jugoslawiens und Griechenlands für Sicherheit sorgte und die ungestörte Ausbeutung der dortigen kriegsnotwendigen Rohstoffe gewährleistete. Für die bulgarische Regierung bot dies die Chance, vielleicht doch noch das nationale Maximalprogramm eines Großbulgariens als regionale Hegemonialmacht zu erreichen.

Anfang Juli 1943 übernahmen bulgarische Truppen die militärische Sicherung des griechischen Zentralmakedoniens mit Ausnahme der Hafenstadt Thessaloniki und der Halbinseln von Chalkidike. Die unmittelbare Verwaltung blieb allerdings in deutschen Händen. Bedingung Bulgariens war, dass in diesen Gebieten sämtliche griechischen Polizeikräfte abzuziehen oder zu entwaffnen seien.72Kalogrias: Makedonien 1941–1944, S. 111f. Neben dem Einsatz von Truppen Bulgariens wurden seit März 1943 im italienischen Besatzungsgebiet in Griechenland auch Freiwilligeneinheiten lokaler slawophoner Kollaborateure rekrutiert, die Ochrana (Wache, Schutz) genannt wurden. Teilweise waren unter ihnen auch ehemalige IMRO-Anhänger. Diese überwiegend aus der Region Kastoria stammenden Kollaborateure wurden zur Bekämpfung griechischer Partisaneneinheiten eingesetzt. Die rund 2.000 bis 3.000 Mann starken Ochrana-Milizen traten für eine langfristige Angliederung der zentralmakedonischen Region an das bulgarische Zarenreich ein.73Kalogrias: Makedonien 1941–1944, S. 117–127. Siehe zur Ochrana auch Dobrin Mičev: Bălgarskoto nacionalna delo v jugozapadna Makedonija (1941–1944 g.) [Bulgarisches nationales Wirken in Südwestmakedonien (1941–1944)], <http://www.promacedonia.org/mpr/ohrana.html>, 8.11.2021.

In noch größerem Umfang wurde Bulgarien die Rolle als Gendarm in Serbien zugewiesen. Im Januar 1942 übernahm ein zusammengestelltes bulgarisches Unterstützungskorps im Umfang von über 20.000 Soldaten Sicherungsaufgaben in Zentralserbien (Kreise Niš, Leskovac, Kruševac, Zaječar und Morava-Gebiet). Dies ermöglichte der deutschen Wehrmacht den Abzug einer Infanteriedivision an die Ostfront. Auch hier wurden die bulgarischen Truppen der deutschen Besatzungsmacht unterstellt. Ebenso blieb die Okkupationsverwaltung in deutscher Hand.74Boro Mitrovski, Venceslav Glišić, Tomo Ristovski: Das Bulgarische Heer in Jugoslawien 1941–1945. Beograd 1971, S. 52–63. Bis Mitte 1943 wurde der bulgarische Unterstützungseinsatz immer weiter nach West- und Nordserbien ausgedehnt, um deutsche Truppen abzulösen. Bulgarien wurde dadurch in Serbien mit rund 31.000 Soldaten zur wichtigsten militärischen Okkupationsmacht. Angesichts starker antibulgarischer Ressentiments in Serbien trug der Einsatz bulgarischen Militärs wahrscheinlich allerdings mit dazu bei, dass die dortige Partisanenbewegung noch größeren Zulauf erhielt.

Für die bulgarische Führung schienen diese Unterstützungseinsätze in erster Linie Vorteile zu haben. Sie konnte ihr Gewicht für eine spätere Neuordnung der ehemals jugoslawischen Territorien erhöhen. Ein anderer Vorteil war, dass es ihre Position stärkte, nicht aktiv am deutsch-sowjetischen Krieg teilzunehmen. Anders als den anderen deutschen Verbündeten gelang es Bulgarien, sich einer direkten militärischen Teilnahme an der Operation Barbarossa zu entziehen. Außer einigen kleineren Zusammenstößen bulgarischer Schiffe mit der sowjetischen Marine beschränkte sich die aktive Beteiligung auf die Entsendung eines bulgarischen Sanitätszugs zur Unterstützung der deutschen Wehrmacht in der Sowjetunion 1942.75Oleg Beyda: ,Wehrmacht Eastern Toursʻ: Bulgarian Officers on the German-Soviet Front, 1941–1942. In: The Journal of Slavic Military Studies, 33 (2020) H. 1, S. 136–161. Auch die Aufstellung einer Freiwilligenlegion ähnlich der spanischen „Blauen Division“ oder der französischen „Légion des volontaires français contre le bolchévisme“ wurde von der bulgarischen Regierung unterbunden. Laut der bulgarischen Zeitung Trud sollen sich bei der deutschen Gesandtschaft in Sofia für einen Einsatz an der Ostfront rund 1.500 Freiwillige aus den Reihen rechtsgerichteter Organisationen gemeldet haben.76Georgi Markov: Zar Boris III: Po-dobre čeren chljab, otkolkoto černi zabradki [Zar Boris III.: Besser Schwarzbrot als schwarze Kopftücher]. In: bg-Voice.-com, 6.2.2014, ˂https://bg-voice.com/po-dobre_cheren_hlyab_otkolkoto_cherni_zabradki/˃, 8.11.2021.

Bulgarien nahm unter den Kollaborationsstaaten auf Seite der Achsenmächte eine ungewöhnliche Ausnahmestellung ein. So blieb auch nach Beginn des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion die sowjetische Gesandtschaft in Sofia bestehen. Auch ging auf Umwegen über die Türkei auf niedrigem Niveau der bulgarisch-sowjetische Warenaustausch weiter.77BA MA, Wi IC 5,23, Bericht des deutschen Wirtschaftsoffiziers in Sofia vom 31.12.1941. Bis heute ist nicht abschließend geklärt, warum das Deutsche Reich dies zuließ. Das Argument, die bulgarische Bevölkerung sei zu russophil eingestellt, um gegen die Sowjetunion die bulgarische Armee einsetzen zu können, kann nicht ausschlaggebend gewesen sein. Bereits im Ersten Weltkrieg waren 1916/17 bulgarische und russische Truppen aufeinandergestoßen. Wahrscheinlich ist hingegen, dass ein Vorteil darin gesehen wurde, mit der sowjetischen Gesandtschaft in Sofia einen direkten Gesprächskanal mit dem wichtigsten Kriegsgegner aufrechtzuerhalten. Inwieweit diese Möglichkeit genutzt und eine Rolle gespielt hat, ist noch nicht ausreichend erforscht. Dem Zarenregime von Boris III. brachte die Nichtteilnahme am Krieg gegen die Sowjetunion, bei gleichzeitigen territorialen Zugewinnen auf Kosten von Griechenland und Jugoslawien, 1941/42 vermutlich die höchsten Beliebtheitswerte seit 1935. Dazu trug auch bei, dass bulgarische Truppen nicht in Kämpfe mit den britischen und amerikanischen Streitkräften verwickelt wurden, obwohl Bulgarien nach der deutschen Kriegserklärung an die USA am 11. Dezember 1941 ebenso wie andere Mitglieder des Dreimächtepaktes den USA und Großbritannien nun den Krieg erklärten. Diese Situation trug sicherlich mit dazu bei, dass sich erst 1943 wirklich spürbarer bewaffneter Widerstand in Bulgarien selbst bildete. Hinzu kamen 1943/44 immer massivere Bombenangriffe der westlichen Alliierten gegen bulgarische Städte, gegen die die schwache bulgarische Flugabwehr und Luftwaffe nichts ausrichten konnten.78Marin Kalonkin: Bălgarija văv vtorata svetovhna vojna 1939–1945 godina [Bulgarien im Zweiten Weltkrieg 1939–1945]. Sofija 2010, S. 90–93.

Innenpolitische und wirtschaftliche Entwicklung 19411943

Wie bereits erwähnt, profitierte das Zarenregime zunächst von der Tatsache, dass sich Bulgarien aus einem unmittelbaren Kampfeinsatz heraushalten konnte und sein Staatsgebiet 1940/41 um ein Drittel ohne direkte Kriegsbeteiligung vergrößern konnte. Die Tatsache, dass es zu keinem Konflikt mit der Türkei kam, beruhigte die Öffentlichkeit zusätzlich. Die rechtsgerichteten Kräfte verzeichneten spürbaren Zulauf. Beispielsweise vergrößerte sich der Bund der nationalen Legionäre unter Ivan Dočev von knapp 10.000 Mitgliedern im Jahre 1934 auf etwa 75.000 Anfang 1942. Die bürgerlich-liberalen Kräfte sahen sich vorerst marginalisiert. Die Kommunisten waren zum Stillhalten verdammt, solange die stalinistische Sowjetunion mit dem Deutschen Reich durch den „Freundschaftspakt“ formell verbündet war. Nach dem Krieg äußerte sich der oppositionelle Exiljournalist Wolfgang Bretholz, der vor 1933 das innenpolitische Ressort beim Berliner Tageblatt geleitet hatte und nach 1933 über verschiedene Exilstationen während des Krieges in Rumänien, Bulgarien und schließlich der Türkei lebte, rückblickend über die Stimmung in der bulgarischen Bevölkerung 1941:

Wir waren alle berauscht von der Idee, dass uns zum ersten Male in der Geschichte jene Gerechtigkeit zuteil wurde, die wir lange vergeblich gefordert hatten. Gewiss, mitunter regte sich in uns so etwas wie ein schlechtes Gewissen, weil wir unsere neuen Gebiete nicht erkämpft und erobert, sondern als Geschenk erhalten hatten, so etwas wie ein unheimliches Gefühl, dass es eines Tages aus dem schönen Traum ein grausames Erwachen geben könnte. Aber im Grunde waren wir doch alle, von den extremsten Nationalisten bis zu den Kommunisten, befriedigt über die Erfolge, die uns Hitlers ‚Neue Ordnung‘ auf dem Balkan gebracht hatte.79Wolfgang Bretholz: Ich sah sie stürzen. Wien 1955, S. 46.

Auch angesichts dieser vergleichsweise breiten Zustimmung achtete Boris III. weiter darauf, so gut es ging das innenpolitische Kräfteverhältnis möglichst ausgewogen zu erhalten. Zwar nahm der Einfluss der politischen Rechten weiter zu, doch wurde keiner der wichtigen Führer im rechten Lager, wie beispielsweise Aleksandăr Cankov, Ivan Dočev oder General Lukov, in ein öffentliches Amt berufen. Innenminister Petăr Gabrovski blieb hierbei eine Ausnahme. Auch wurde keine der neuen, an faschistischen Vorbildern orientierten Massenorganisationen wie der Brannik so weiterentwickelt, dass sie zu einem innenpolitischen Machtfaktor hätten werden können.

Eine Zäsur bildete der Überfall der Achsenmächte und ihrer Verbündeten auf die UdSSR. Auch wenn Bulgarien sich nicht an dem Krieg beteiligte und wie erwähnt die diplomatischen Beziehungen zu Moskau aufrechterhielt, begannen die bulgarischen Kommunisten im Sommer 1941 aktiven Widerstand zu organisieren. Dies beantwortete die Königsdiktatur mit einem repressiven Vorgehen gegen jegliche Form von Opposition. Das „Gesetz zum Schutze der Nation“ wurde im September 1941 weiter verschärft und in den darauffolgenden Monaten im großen Umfang Mitarbeiter aus der Staatsverwaltung entfernt, die im Verdacht standen, den Kommunisten oder anderen Oppositionskräften nahezustehen. Darüber hinaus begann eine Repressionswelle gegen linksgerichtete Zirkel mit Hunderten Verhaftungen.80BA MA, RW 29/77, Lagebericht des deutschen Konsulats in Sofia vom 30.9.1941. Eine zunehmende Zahl von politischen Vereinen wurde verboten.

Ein wesentlich größeres Problem entwickelte sich für die Königsdiktatur in der Wirtschaft. Nachdem 1939/40 immer mehr relevante Handelspartner entfallen waren, war das Land in weitgehende ökonomische Abhängigkeit zum Deutschen Reich geraten. Dies beinhaltete auch, dass sich Bulgarien immer umfassender auf die wirtschaftlichen Bedürfnisse des deutschen „Partners“ ausrichten musste. Damit ging die Umgestaltung der staatlichen Wirtschaftspolitik nach Vorbild Italiens und des Deutschen Reiches einher. So wurde bereits am 4. Mai 1940 das „Gesetz für die zivile Mobilmachung“ erlassen. Hinzu kam wenig später die Einrichtung einer staatlichen Außenhandelsdirektion.81Otto Schulmeister: Werdende Großraumwirtschaft. Die Phasen ihrer Entwicklung in Südosteuropa. Berlin 1943, S. 171f. Dieses ermöglichte es dem Staat, in erheblichem Umfang in das Wirtschaftsleben einzugreifen. Auch konnte fortan die Regierung nun bulgarische Staatsangehörige im Alter von 16 bis 70 Jahren für Einsätze in der Industrie oder der Landwirtschaft heranziehen. Löhne und Preise konnten nun reguliert sowie kriegswichtige Materialien und Rohstoffe der Verteilung durch den Staat unterworfen werden.

Diese Maßnahmen wurden allerdings auch immer notwendiger, um die Bedürfnisse der deutschen Kriegswirtschaft erfüllen zu können. Seit 1939 hatte das Deutsche Reich begonnen, immer bessere Handelsbedingungen für die deutsche Industrie durchzusetzen. Bulgarien musste dabei von Jahr zu Jahr größere Lieferverpflichtungen eingehen, während sich die deutschen Ausgleichszahlungen, beispielsweise in Form von landwirtschaftlichen Maschinen, oft zeitlich stark verzögerten. Allein zur Modernisierung der bulgarischen Streitkräfte wurde von Deutschland in größerem Maße Kriegsmaterial geliefert – in erster Linie aus tschechoslowakischen und französischen Beutebeständen.82Bereits seit Sommer 1940 förderte das Deutsche Reich die Aufrüstung der bulgarischen Streitkräfte. Dazu zählten spezielle Ausbildungskurse in Deutschland, die Entsendung von Militärberatern nach Bulgarien und der Auf- bzw. Ausbau der bulgarischen Panzertruppen und der Luftwaffe. Popov: Žestoki Vremena, S. 155; Björn Opfer: Die bulgarische Wiederaufrüstung 1923–1944. In: Zeitschrift für Heereskunde Nr. 407, Januar/März 2003, S. 10–16. Der wirtschaftliche Handlungsspielraum engte sich dadurch für Bulgarien im Laufe des Krieges mehr und mehr ein. Dies betraf nicht nur den Zugriff auf Rohstoffe und landwirtschaftliche Produkte, sondern auch den schließlich vollständigen deutschen Zugriff auf die wichtigsten Bergwerke im bulgarisch okkupierten Makedonien. Der deutsche Historiker Markus Wien wertet Bulgarien für den Zeitraum ab 1940 zu Recht als einen deutschen Wirtschaftssatelliten.83Wien: Markt und Modernisierung, S. 305–308. Dazu gehörte auch, dass der bulgarische Steuerzahler erhebliche Kosten des deutschen Militäreinsatzes gegen Griechenland bezahlen musste. Zusätzlich zu den rasch ansteigenden Aufrüstungskosten verdoppelten sich die bulgarischen Staatsausgaben 1941 gegenüber dem Vorjahr.84Götz Aly: Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus. Frankfurt/M. 2005, S. 258f.

Schon bald machten sich gravierende Versorgungsengpässe in Bulgarien bemerkbar. Einher gingen diese mit wiederholten Missernten infolge großer Trockenheit, was wiederum 1942 Notschlachtungen beim Viehbestand zur Folge hatte. Die zunehmenden Einberufungen zum bulgarischen Militär ab 1941 verursachten darüber hinaus einen spürbaren Arbeitskräftemangel in mehreren Wirtschaftsbereichen. Trotzdem erklärte sich die bulgarische Regierung bereit, für das Deutsche Reich wiederholt Arbeitskräfte sowohl in Bulgarien als auch im okkupierten Westthrakien und Makedonien anwerben zu lassen.85BA MA, RW 29/86 Lageberichte W. O. [Wehrwirtschaftsoffizier] Sofia 4.6.41–28.2.1942, W. O. Sofia Lagebericht 31.8.1941, RW 29/87 WO Lageberichte 1.11.41–31.12.42, Lagebericht W. O. Sofia 28.2.1942, RW 29/77, Bericht des deutschen Wirtschaftsoffiziers vom 31.10.1942 und RW 29/80 Kriegstagebuch W. O. Sofia 1.4. –30.6.1943, Lagebericht Nr. 21 W. O. Sofia 30.4.1943. Bereits im November 1942 klagte die bulgarische Direktion der zivilen Mobilmachung über frappierende Engpässe in der Versorgung mit Eisen und Stahl. Dadurch wurde die Leistungsfähigkeit bulgarischer Betriebe und Gruben spürbar beeinträchtigt. Dies fiel letztlich wiederum negativ auf die deutschen Wünsche zurück, da die bulgarische Produktion infolge des Rohstoffmangels sank.86BA MA, RW 29/78 Kriegstagebuch Wehrwirtschaftsoffizier (W. O.) Sofia 1.10.–31.12.42, Tagebucheintrag vom 12.11.1942. Umso rauer traten die deutschen Verhandlungsführer auf, die geradezu selbstverständlich voraussetzten, dass sich alle Verbündeten den deutschen Bedürfnissen im Kampf um den „Endsieg“ unterzuordnen hatten. Ende 1942 klagten deutsche Stellen anlässlich der sich in die Länge ziehenden wochenlangen Verhandlungen über einen neuen deutsch-bulgarischen Handelsvertrag. Verärgert meldeten sie nach Berlin, dass sich das Gefühl aufdränge, Bulgarien verfolge allein das Ziel, eine Vorratswirtschaft zu betreiben, um unter allen Umständen die Versorgung der eigenen Bevölkerung sicherzustellen, anstatt dem Deutschen Reich Zugeständnisse zu machen.87BA MA, RW 29/78 Kriegstagebuch Wehrwirtschaftsoffizier (W. O.) Sofia 1.10.–31.12.42, Tagebucheintrag vom 30.11.1942. Der wachsende Einsatz bulgarischer Truppen in den besetzten griechischen und jugoslawischen Gebieten, aber auch die Evakuierungen infolge der zunehmenden alliierten Bombenangriffe auf bulgarische Städte absorbierten 1943/44 den überwiegenden Teil der vorhandenen Transportkapazitäten. Derweil verschlechterte sich die Ernährungslage. Aber auch die Versorgungslage in vielen anderen Bereichen wurde immer dramatischer. Korruption und Schwarzmarkt verbreiteten sich spürbar. Dies trug sicherlich mit dazu bei, dass die bulgarische Regierung das Ansinnen Berlins nicht behinderte, im Zuge der Aktion „Heim ins Reich“ die kleine, erst seit den 1890er-Jahren in Bulgarien lebende deutsche Minderheit umzusiedeln. Die etwa 2.150 Personen große deutsche Bevölkerungsgruppe wurde 1943 im besetzten Polen angesiedelt.

Diese Zustände stärkten natürlich die Opposition in Bulgarien. Hinzu kam der wachsende bewaffnete Widerstand zunächst in den besetzten Gebieten, aber auch in Bulgarien selbst. Diesem Widerstand wurde mit immer größerer Härte und Brutalität begegnet, wobei es zu einer engen Zusammenarbeit mit dem deutschen Militär und Geheimdienst kam. In den besetzten thrakischen und jugoslawischen Gebieten, aber auch in Bulgarien wurden Konzentrations- und Internierungslager für mehrere Zehntausend Menschen eingerichtet.88Stojčev: Burgaskiot okupaciski sistem, S. 199, S. 205f. Die Zahl der darin 1941 bis 1944 zu Tode Gekommenen ist nicht bekannt.

Druck kam zunächst aus den oppositionellen Militärkreisen, von Offizieren, die aus den Sveno-Strukturen der 1930er-Jahre stammten und teilweise im Kontakt zur sowjetischen Vertretung standen. Als schließlich Gerüchte über Putschvorbereitungen aufgedeckt wurden, musste sich Boris III. stärker an den deutschen Verbündeten anlehnen. Am 15. April 1942 wurden sechs von zehn Ministerposten neu besetzt und die Stationierung von mehr deutschem Militär in Bulgarien akzeptiert. Einer der führenden oppositionellen Generäle, General d. R. Vladimir Zamov, wurde am 1. Juni 1942 wegen Hochverrats hingerichtet. Befanden sich Ende 1941 weniger als 4.000 deutsche Soldaten auf bulgarischem Boden, stieg diese Zahl bis Sommer 1944 auf über 22.000.89Rumen Nikolov: Njakoi aspekti na bălgarsko-germanskite voennoikonomičeski otnošenija prez perioda maj–dekemvri 1942 godina [Einige Aspekte der bulgarisch-deutschen militärisch-wirtschaftlichen Beziehungen im Zeitraum Mai–Dezember 1942]. In: Voennoistoričeski Sbornik [Militärhistorischer Sammelband] 1986, H. 4, S. 159–171, hier: S. 166.

Diese Militärpräsenz verhinderte aber nicht die langsame Zunahme des kommunistischen Widerstands, ja förderte diesen wahrscheinlich sogar eher. Über den Umfang der bulgarischen Partisanenbewegung gehen die Einschätzungen allerdings weit auseinander. In den 1960er-Jahren zitierte der ungarisch-schweizerische Militärhistoriker Péter Gosztony einen ehemaligen bulgarischen Generalstabsoffizier, der den kommunistischen Widerstand als kaum spürbar bewertete. Es seien kaum mehr als 1.500 bis 2.000 Partisanen aktiv gewesen.90Péter Gosztony: Der Krieg zwischen Bulgarien und Deutschland 1944/45. In: Wehrwissenschaftliche Rundschau 1967, H. 4, S. 22–38, hier: S. 25. Demgegenüber sprach die sozialistische Historiografie für Anfang 1944 von 18.300 aktiven Partisanen und etwa 200.000 Verbindungsleuten und Helfern, was jedoch als weit übertrieben gewertet werden kann.91Eberhard Wolfgramm: Bemerkungen zur bulgarischen Partisanenbewegung. In: Jahrbuch für Geschichte der UdSSR und der volksdemokratischen Länder Europas, Band 8. Berlin [Ost] 1964, S. 505–524, hier: S. 516. Der Schweizer Historiker Oliver Jens Schmitt bezifferte die Zahl für Sommer 1944 auf circa 10.000, schrieb ihnen aber erst in den letzten Monaten vor dem Putsch eine nennenswerte Bedeutung zu.92Oliver Jens Schmitt: Der Balkan im 20. Jahrhundert. Eine postimperiale Geschichte. Stuttgart 2019, S. 155. Unbestritten ist, dass spätestens 1943 der bewaffnete Widerstand in den bulgarisch besetzten Gebieten, aber auch in Bulgarien selbst, spürbar zunahm. Bei der Bekämpfung der Partisanen seitens der bulgarischen Armee kam es zu einer engen Kooperation mit dem deutschen Militär. In Gebieten mit größeren Partisanenaktivitäten wurden deutsch-bulgarische Spezialeinheiten gebildet. In einem deutschen Bericht im Juli 1943 wurde zum Auftrag dieser so genannten K-Trupps aus bulgarischen und deutschen Soldaten, aber auch lokalen Kollaborateuren aus den Besatzungsgebieten selbst, festgehalten:

[Die K-Trupps] haben die Aufgabe, in Zivil die Gegend systematisch nach dem Vorhandensein von Banden zu erforschen und dieselben in rücksichtslosestem Einsatz niederzukämpfen. Für die Zusammenarbeit mit den polizeilichen Einsatzorganen besteht Funkverbindung. Nach Überwältigung, beziehungsweise Niedermachung der Banden verschwinden diese K-Trupps nach Sicherstellung der gegnerischen Waffen, ohne eine Beerdigung der Gefallenen durchzuführen. KO verspricht sich von dieser Art des Einsatzes insbesondere eine starke psychologische Wirkung auf Einwohnerschaft und Banden.93BA MA, RW 29/81 Kriegstagebuch W. O. Sofia 1.7.–30.9.1943, Aktennotiz Wehrwirtschaftsoffizier (W. O.) Sofia 15.7.1943.

Bis zum Putsch im September 1944 erreichte der bewaffnete Widerstand keinen Umfang, der der bulgarischen Regierung wirklich hätte gefährlich werden können.

Kollaboration durch Beteiligung am Holocaust?

Die Frage der bulgarischen Beteiligung am Holocaust ist bis heute ein höchst emotional aufgeladenes Thema in Bulgarien und sorgt immer noch für Verstimmungen mit Nordmazedonien. Bis heute lautet die offizielle Darstellung, dass Bulgarien durch den zu starken Druck und mit Blick auf die angeblich große deutsche Militärpräsenz im Land gezwungen gewesen sei, die jüdische Bevölkerung der bulgarisch besetzten Gebiete an das Deutsche Reich auszuliefern. Die jüdischen Bulgaren in Altbulgarien aber seien vom Zaren, der bulgarischen Regierung und durch Proteste der bulgarischen Bevölkerung vor dem Holocaust bewahrt worden.

Ganz ähnlich wie in Deutschland bildete die jüdische Religionsgemeinschaft in Bulgarien mit weniger als einem Prozent an der Gesamtbevölkerung eine kleine Minderheit. Allerdings war der Antisemitismus in Bulgarien nur schwach ausgeprägt und eher auf gesellschaftliche Eliten konzentriert. Es gab weder führende jüdische Politiker noch hohe jüdische Staatsbeamte oder Militärs.94Benbassa, Rodrigue: Die Geschichte der sephardischen Juden, S. 157; JanRychlík: Zweierlei Politik gegenüber der Minderheit: Verfolgung und Rettung bulgarischer Juden 1940–1944. In: Wolfgang Benz, Juliane Wetzel (Hgg.): Solidarität und Hilfe für Juden während der NS-Zeit, Regionalstudien 4. Berlin 2004, S. 61–98, hier: S. 63. Antisemitismus in der Öffentlichkeit war das erste Mal bei den bereits erwähnten gewalttätigen Ausschreitungen rechtsgerichteter Gruppen in Sofia 1938 erkennbar. Nachdem im Februar 1940 Petăr Gabrovski an die Spitze des Innenministeriums berufen worden war, begann auch eine immer offenere antisemitische Politik des Staates. Dabei ist im Einzelfall schwer einzuschätzen, ob diese Maßnahmen jeweils Konsens der politischen Elite der Zarendiktatur, ein Zugeständnis an die rechtsgerichteten Kräfte im Land oder eine Reaktion auf den immer größeren Einfluss des Deutschen Reiches waren.

Eine Tatsache ist, dass ab Januar 1941 die öffentliche Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung seitens der staatlichen Behörden spürbar zunahm.95Ana Luleva: Die Zwangsarbeit in Bulgarien 1941–1944. In: Alexander von Plato, Almuth Leh, Christoph Thonfeld (Hgg.): Hitlers Sklaven. Lebensgeschichtliche Analysen zur Zwangsarbeit im internationalen Vergleich. Wien 2008, S. 171–183, hier: S. 172f. Siehe auch: Nedo Nedev: Zar Boris III. Dvorezăt i tajnijat kabinet [Zar Boris III. Königshof und Geheimkabinett]. Plovdiv 2009, S. 372–380. Anfang 1942 wurden mehrere jüdische Vereinigungen und Organisationen verboten und ihr Eigentum beschlagnahmt.96BA MA, RW 29/77 Anlagen zum Kriegstagebuch für die Zeit vom 8.5.41 bis 30.9.42, Wehrwirtschaftsoffizier (W. O.) Sofia, Lagebericht Nr. 6 W. O. Sofia 31.1.1942. Ähnlich wie auch die anderen Dreimächtestaaten bereicherte sich das finanziell klamme Bulgarien an jüdischen Vermögenswerten.97Aly: Hitlers Volksstaat, S. 261. Zu dieser Zeit war im Deutschen Reich die endgültige und systematische Vernichtung der jüdischen Bevölkerung im deutschen Machtbereich und dem der Verbündeten beschlossen worden. Fakt ist, dass spätestens im Juni 1942 das Auswärtige Amt die bulgarische Regierung drängte, der Deportation aller bulgarischen Juden zuzustimmen.98Hans-Joachim Hoppe: Bulgarien. In: Wolfgang Benz (Hg.): Dimensionen des Völkermords. Die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. München 1991, S. 282. Sicher ist auch, dass nur zwei Monate später das bulgarische Innenministerium eine neue, 160 Mitarbeiter umfassende Unterbehörde, das „Kommissariat für jüdische Fragen“, einrichtete, deren Leitung von Alexandăr Belev übernommen wurde.99Paul Mojzes: Balkan Genocides: Holocaust and Ethnic Cleansing in the Twentieth Century. Plymouth 2011, S. 102. Entsprechende Unterabteilungen wurden in den „neuen Gebieten“ eingerichtet, etwa im September 1942 in Skopje. Auch in den von Bulgarien besetzten Gebieten wurden nun die dort lebenden Juden gezwungen, ihre Papiere gegen einen neuen, andersfarbigen „Judenpass“ umzutauschen. Waren Juden bislang als Religionsgruppe definiert worden, wurde nun von jüdischer „Abstammung“ gesprochen und somit nach deutschem Vorbild ethnisch ausgelegt.100Chary: The Bulgarian Jews and the Final Solution 1940–1944, S. 54f. Auch durften dort Juden keine Ehen mit Nichtjuden eingehen.101Aleksandar Matkowski: Destruction of Macedonian Jewry. Skopje 1982, S. 219. Von einem Widerstand seitens der bulgarischen Staatsverwaltung gegen die antijüdischen Maßnahmen kann, soweit die entsprechenden Akten ausgewertet wurden, keine Rede sein. Auch das Verhalten von Zar Boris, der auch weiterhin persönliche Kontakte zum Oberrabbiner von Sofia unterhielt, kann in der Frage der Judenpolitik seiner Regierung allenfalls als passiv bezeichnet werden.102Miller: Bulgaria during the Second World War, S. 104. Die italienische Literaturwissenschaftlerin und Kulturjournalistin Cristina Siccardi behauptet zwar in ihrem Buch über Zarin Giovanna im Jahre 2001, dass diese sich bemüht habe, bulgarischen Juden mittels der Beschaffung italienischer Pässe eine Auswanderung nach Argentinien zu ermöglichen, führt jedoch keine Quellenbelege an.103Siccardi: Giovanna di Savoia, S. 185ff.

Der deutsche Gesandte in Sofia, Adolf-Heinz Beckerle, berichtete am 14. Dezember 1942 nach Berlin, dass die bulgarischen Behörden insgesamt weniger energisch gegen die jüdische Bevölkerung vorgingen. Dies führte er darauf zurück, dass die bulgarische Bevölkerung im Allgemeinen dem „Kampf gegen das Judentum“ eher verständnislos gegenüberstünde.104Arakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben?, S. 34. Andererseits äußerte Zar Boris III. am 15. April 1943 in einem Gespräch mit den wichtigsten Oberhäuptern der bulgarisch-orthodoxen Kirche, dass die Juden ein „historisches Problem“ darstellten und ihrem „spekulativen Geist“ die „gegenwärtige Weltkatastrophe“ zu verdanken sei.105Ivkova: Rettung und Mord, S. 68. Im Januar 1943 entsandte die deutsche Regierung den Deportationsexperten Theodor Dannecker als „Berater“ für das bulgarische „Kommissariat für jüdische Fragen“ nach Sofia.106Claudia Steur: Theodor Dannecker. Ein Funktionär der „Endlösung“. Essen 1996, S. 97f. Gemeinsam mit Belev wurde in den darauf folgenden Wochen der Plan ausgearbeitet, zunächst die jüdische Bevölkerung aus den bulgarisch besetzten Gebieten zur „Ansiedlung“ ins deutsche Generalgouvernement Warschau zu deportieren. Insgesamt planten sie dabei mit zunächst 20.000 Juden, auch wenn Belev und seinen Mitarbeitern bewusst war, dass in den „neubulgarischen“ Territorien weniger als 12.000 Juden lebten. Die geplante Zahl von 20.000 sollte mit Juden aus Altbulgarien aufgefüllt werden. Mitte Februar 1943 gab die bulgarische Regierung dafür ihre Zustimmung.

Bereits kurz nach dem Einmarsch bulgarischer Truppen in Makedonien und Thrakien hatten sich alle Juden dort im Polizeiregister eintragen müssen. Anders als anderen Bevölkerungsgruppen wurde ihnen die bulgarische Staatsbürgerschaft verwehrt. Ein Jahr später mussten alle Juden ihre Häuser, Wohnungen, Geschäfte und Betriebe mit Davidsternen als jüdisch kennzeichnen. Ab September 1942 mussten Juden älter als zehn Jahre den gelben Davidstern kaufen und an der Kleidung tragen.107Kristina Birri-Tomovska: Jews of Yugoslavia 1918–1941. A History of Macedonian Sephards. Wien 2012, S. 282f. Zunächst entzog die bulgarische Regierung durch immer größere Einschränkungen den makedonischen und thrakischen Juden endgültig ihre ökonomische Grundlage. So erlegte ihnen das bulgarische Finanzministerium eine Sondersteuer in Höhe von zwanzig Prozent ihres Besitzes auf. Wenig später wurden sämtliche jüdischen Handwerksläden zwangsweise geschlossen, jüdische Geschäftsleute gezwungen, ihren Besitz nichtjüdischen Bürgern zu verkaufen und ihr Vermögen auf festgelegte Banken einzuzahlen. Unmittelbar darauf sperrten die bulgarischen Behörden diese eingerichteten Konten, was einer Konfiszierung der Geldeinlagen gleichkam.[108] In der Nacht vom 3. zum 4. März 1943 begannen die bulgarischen Besatzungsbehörden mit der vorbereiteten Verhaftung der jüdischen Bevölkerung im besetzten Thrakien und deren anschließender Deportation in Richtung des bulgarischen Donauhafens Lom.108Martin Gilbert: The Routledge Atlas of the Holocaust. Routledge, London, New York ³2002, S. 150f. Ganz ähnlich verlief die Deportation in Vardar-Makedonien. In der Nacht vom 10. zum 11. März riegelte die bulgarische Polizei, unterstützt von Mitgliedern der staatlichen Brannik-Jugend in Skopje, Bitola und Štip, die jüdischen Wohnviertel ab.109Zu den Vorgängen der Deportation siehe Ivan Stoilov Hadžijski: Sădbata na evrejskoto naselenie v Belomorska Trakija, Vardarska Makedonia i Jugozapadna Bălgarija prez 1941–1944 [Das Schicksal der jüdischen Bevölkerung in Thrakien am Weißen Meer, in Vardarmakedonien und im Südwesten Bulgariens in den Jahren 1941–1944]. Dupnica 2004; sowie die doppelbändige Quellensammlung Deportiraneto na evreite ot Vardarska Makedonija, Belomorska Trakija i Pirot, mart 1943 g. Dokumenti ot bălgarskite archivi. Tom 1–2 [Die Deportation der Juden aus Vardarmakedonien, Weißmeerthrakien und Pirot, März 1943. Dokumente aus den bulgarischen Archiven], hgg. von Nadja Danova und Rumen Avramov. Sofija 2013; sowie die Auszüge von Zeitzeugenberichten auf der Homepage der jüdischen Gemeinde von Bitola, <http://www.jewishcommunitybitola.mk/bitola/40-bitola/59-bitola.html?start=2>, 8.11.2021. Juden mit spanischer, italienischer oder albanischer Staatsbürgerschaft wurden abgeschoben. Soweit nicht einigen wenigen die Flucht gelang, wurden zwischen dem 22. und 29. März sämtliche internierten Juden nach Treblinka abtransportiert.110Der in Österreich eingetragene Verein „Zentrum zur Erforschung und Dokumentation jüdischen Lebens in Ost- und Mitteleuropa“ veröffentlichte auf Basis von Zeitzeugen und Zeitzeugnissen auf seiner Plattform Centropa einen Dokumentarfilm über die Deportation der makedonischen Juden 1943 („Bulgarien und der Holocaust“), <http://www.centropa.org/de/centropa-cinema/history-bulgarian-jewry-during-holocaust>, 8.11.2021. Das gleiche Schicksal erlitten die Juden in den bulgarisch besetzten serbischen Gebieten.111David Koen et al. (Hgg.): Borbata na bălgarskija narod za zaštita i spasjavane na evreite v Bălgaria po vreme na vtorata svetovna vojna 1941–1944. Dokumenti i Materiali [Der Kampf des bulgarischen Volkes um Verteidigung und Rettung der Juden in Bulgarien in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Dokumente und Materialien]. Sofija 1978, Dokument 120, S. 203.

In beiden Besatzungsgebieten gab es wenige Fälle, in denen Bulgaren, teilweise mit Erfolg, aktiv versuchten, Juden vor der Deportation zu retten.112Arakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben?, S. 73f., S. 144–159. Zwischen März und August 1943 erfolgte darüber hinaus die Deportation der etwa 48.000 Juden aus dem deutsch besetzten Thessaloniki über die Vardar-Bahn. Zwar hatte die bulgarische Regierung 1941 die Kontrolle der Eisenbahn in den „Neuen Gebieten“ dem Deutschen Reich überlassen, unterstützte jedoch mit der Durchfahrtserlaubnis indirekt die Deportation der nordgriechischen Juden.Zur Deportation der jüdischen Bevölkerung von Thessaloniki siehe Georg Bossong: Die Sepharden. Geschichte und Kultur der spanischen Juden. München 2011308, S. 111; Erhard Roy Wiehn: Juden in Thessaloniki. Konstanz 2001, S. 29.

Parallel zu den Deportationsmaßnahmen in den besetzten Gebieten wurde seitens des Kommissariats für jüdische Fragen auch die Internierung und Deportation mehrerer Tausend Juden aus Altbulgarien vorbereitet. Diese kamen aber nicht mehr zur Ausführung. Auftretende öffentliche Proteste im Land dürften ein Teilgrund gewesen sein.114Arakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben?, S. 130–143. Wie verbreitet die Ablehnung der antijüdischen Maßnahmen seit 1941 und der stattfindenden Internierungen und Deportationen in der Bevölkerung war, ist noch nicht abschließend erforscht. Bis heute ist jedoch im nationalen kollektiven Gedächtnis fest verankert, dass Bulgarien seine jüdische Bevölkerung vor der Vernichtung beschützt habe. Es ist jedoch zu vermuten, dass die sich 1943 abzeichnende Kriegswende zuungunsten der Achsenmächte für die Führungsriege um Zar Boris III. ein entscheidungsrelevantes Moment gewesen ist. Sehr bald nach Ende des Krieges wanderte der allergrößte Teil der Juden aus Bulgarien nach Israel aus. Die Gründe dafür waren in der Nachkriegszeit sicherlich vielfältig und reichten von antisozialistischer Haltung, der bedrückenden antisemitischen Stimmung der späten Stalin-Ära, in der sie teilweise als „Zionisten“ oder „Kosmopoliten“ drangsaliert wurden, und dem Willen, am Aufbau des neu gegründeten Staates Israel mitzuwirken. Es kann jedoch sehr wohl vermutet werden, dass die Erfahrungen einer drohenden Deportation durch das Zarenregime in die Hände der Deutschen bei vielen jüdischen Bulgaren erheblich dazu beigetragen haben, sich für eine Auswanderung zu entscheiden.

Die bulgarische Kollaboration nach dem Tod von Zar Boris III. bis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen am 5. September 1944

Ab Sommer 1943 begann die bulgarische Regierung allmählich, eine zurückhaltendere Politik gegenüber der deutschen Einflussnahme einzunehmen. Die Rückschläge auf dem nordafrikanischen und sowjetischen Kriegsschauplatz ließen vermuten, dass der Kriegsverlauf eine Wende erlebte. Hinzu kamen die immer größeren Versorgungsengpässe in Bulgarien selbst, die den innenpolitischen Druck auf die Regierung erhöhten. Die spürbaren Partisanenaktivitäten wurden mit Gegenterror beantwortet, was wiederum dem Widerstand Zulauf bescherte und die Situation zusätzlich verschärfte.

Gegenüber dem Deutschen Reich bestand im Sommer 1943 die Situation, dass dieses in einem Umfang von mittlerweile fast einer halben Milliarde Reichsmark im gegenseitigen Clearing-Verfahren gegenüber Bulgarien verschuldet war. Ob diese Schulden je eingelöst werden würden, wurde immer ungewisser. Bereits seit 1941 hatte Bulgarien akzeptiert, dass die aufgelaufenen Schulden in deutsche Kriegsanleihen umgewandelt wurden. Verlor das Deutsche Reich den Krieg, würden diese Kriegsanleihen wertlos sein.115Aly: Hitlers Volksstaat, S. 259. Die bulgarische Regierung war daher immer weniger bereit, weitere einseitige Verkäufe zu akzeptieren und drängte darauf, dass die deutschen Clearing-Schulden in Waren eingelöst werden sollten. Als Druckmittel verschleppte die bulgarische Regierung bewusst sogar die Transferierung deutscher Überweisungen an die bulgarische Nationalbank, über die die eingesetzten Arbeiter der Organisation Todt in den wehrwirtschaftlich wichtigen Molybdänerzbergwerken in Makedonien bezahlt werden sollten. In den Bergwerksgruben mussten daraufhin Tausende Arbeitskräfte entlassen werden, und der Molybdänabbau geriet ins Stocken.116BA MA, RW 29/81 Kriegstagebuch W. O. Sofia 1.7.–30.9.1943, Überblick über die wehrwirtschaftliche Lage Bulgariens und die Tätigkeit des Deutschen Wehrwirtschaftsoffiziers Sofia im III. Quartal 1943 sowie Aktennotiz W. O. Sofia 30.9.1943.

Im Sommer 1943 ereignete sich die deutsche Niederlage von Kursk, und alliierte Truppen landeten in Süditalien. Die deutsche Reichsregierung erhöhte den Druck auf Bulgarien, sich stärker militärisch zu engagieren. Bulgarien solle Truppen an die Ostfront entsenden. Am 3. Juni 1943 traf Boris III. Hitler in Berchtesgaden, verweigerte aber einen Kriegseintritt gegen die UdSSR. Wenig später stürzte Mussolini, und Italien wechselte die Fronten. Spätestens jetzt dürfte für die bulgarischen Regierungsvertreter klar gewesen sein, dass das Deutsche Reich den Krieg verlieren würde.

Zu einem tiefen Einschnitt kam es, als Boris III. am 28. August 1943 nach einer Wanderung im Rila-Gebirge starb. Ihm folgte als neuer Zar sein erst sechsjähriger Sohn Simeon. Es wurde ein vorläufiger Regentschaftsrat aus dem Bruder des verstorbenen Zaren, Fürst Kyrill, Ministerpräsident Filov und Kriegsminister Nikolai Michov eingesetzt. Der wichtigste Vertreter des prodeutschen Kurses, Innenminister Gabrovski, durfte wenige Tage das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen, wurde dann aber vom Regentschaftsrat entlassen. Zwar rückte mit dem Ratnici Dočo Christov ein neuer rechtsgerichteter und prodeutscher Innenminister nach, doch besaß dieser wesentlich geringeren politischen Einfluss. Im November 1943 wurde eine neue Regierung unter Dobri Božilov berufen. Der Regentschaftsrat und die neue Regierung führten die bereits begonnene distanzierte Politik gegenüber deutschen Wünschen fort, wagten es aber auch nicht, klare Wechselbereitschaft an die Alliierten zu zeigen. Stattdessen verlor die bulgarische Führung angesichts der großen wirtschaftlichen Probleme und der nun vehement geführten alliierten Bombenangriffe auf bulgarische Städte schnell ihren ohnehin geringen Rückhalt in der Bevölkerung. Als sich sowjetische Truppen Rumänien näherten, drängte die deutsche Regierung abermals, Bulgarien solle sich mehr engagieren. Zwar wurden daraufhin als Zugeständnis im bulgarischen Generalstab mehr jüngere, deutschfreundliche Offiziere befördert. Sowjetischer Druck, Konsulate in Ruse und Burgas eröffnen zu dürfen, führte aber zum Sturz der Regierung Božilov. An deren Stelle wurde am 1. Juni 1944 der frühere Landwirtschaftsminister Ivan Bagrjanov zum neuen Ministerpräsidenten berufen. Dieser wurde zwar von der Linksopposition nicht gänzlich abgelehnt, doch gelang es ihm nicht, eine Koalition aus bürgerlichen und linksgerichteten Kräften zu bilden.117Daniel Vačkov: Pătjat na komunističeskata partija kăm vlastta (1939–1944) [Der Weg der Kommunistischen Partei zur Macht (1939–1944)]. In: Ivajlo Znepolski (Hg.): Istorija na Narodna Republika Bălgarija: Režimăt i obstestvoto. [Geschichte der Volksrepublik Bulgarien: Regime und der Gesellschaft]. Sofija 2009, S. 91–130, hier: S. 96f. Das Kabinett Bagrjanov versuchte drei Wochen später, Kontakt zu den Westalliierten bezüglich möglicher Friedensbedingungen herzustellen. Diese forderten aber den sofortigen Bruch mit dem Deutschen Reich, die Internierung aller Deutschen in Bulgarien und den Rückzug aus allen besetzten Gebieten. Eine Zusage für militärischen Schutz gegen einen zu erwartenden sowjetischen Einmarsch wollten die Westalliierten nicht geben.118Mitrovski: Das bulgarische Heer, S. 229f. Die bulgarische Regierung konnte sich daraufhin zu keiner wirklichen Entscheidung durchringen. Weitere geheime Verhandlungsversuche brachten keine Ergebnisse. Als schließlich sowjetische Truppen nach Rumänien vorstießen und es in Bukarest am 23. August 1944 zu einem Staatsstreich kam, konnte sich auch das Kabinett Bagrjanov nicht mehr halten. Dem am 2. September nachfolgenden Kabinett unter Konstantin Muraviev war nur eine kurze Lebensdauer beschieden. Am 5. September erklärte die UdSSR Bulgarien den Krieg. Einen Tag später brach die Regierung Muraviev die Beziehungen zum Deutschen Reich ab. Am 8. September putschte ein Bündnis aus Offizieren, Kommunisten und anderen linksgerichteten Kräften, während gleichzeitig sowjetische Truppen in Bulgarien einmarschierten. Einen Tag später erklärten die Putschisten Deutschland den Krieg. Damit besiegelte der Versuch, als eigenwilliger Partner in einem pragmatischen Bündnis mit dem Deutschen Reich, bestmöglich vom Zweiten Weltkrieg zu profitieren, das Schicksal der Zarenherrschaft in Bulgarien. Als „Gendarm auf dem Balkan“ hatte sich die Königsdiktatur an der Ausbeutung und Unterdrückung des zerschlagenen Jugoslawiens und Griechenlands beteiligt. Über 11.000 Juden waren in den sicheren Tod geschickt worden.

Wie viele rechtsgerichtete Militärs und Politiker sich mit den deutschen Truppen absetzten und Zuflucht in Österreich oder dem Deutschen Reich suchten, ist bis heute nicht näher erforscht. Einer der führenden Politiker im Exil war Aleksandăr Cankov, der in Wien eine nationalbulgarische Exilregierung ausrief und sich bemühte, aus Auslandsbulgaren, insbesondere bulgarischen Auslandsstudenten, bulgarische Kampfeinheiten zur Unterstützung der deutschen Wehrmacht zu organisieren. Die Versuche kamen jedoch bis Kriegsende über erste Ansätze nicht hinaus. Cankov wurde schließlich von US-Truppen interniert und emigrierte wenig später nach Südamerika.119Zur Rolle von Aleksandăr Cankov in den letzten Kriegsmonaten siehe Nedju Nedev: Aleksandăr Cankov: Legiona. Ratnik. Pravitelstvo văv Viena. Smărt v Aržentina [Aleksandar Cankov: Legionär. Kämpfer. Regierung in Wien. Tod in Argentinien]. Plovdiv 2015.

Bulgarien, das im Sommer 1944 ein wirtschaftlich darniederliegendes und gesellschaftlich tief zerrissenes Land war, schloss sich unter der Putschregierung den Alliierten an. Während der letzten Kriegsmonate beteiligten sich auf dem jugoslawischen und später auf dem ungarischen Kriegsschauplatz mehrere Hunderttausend bulgarische Soldaten an der Seite der sowjetischen Armeen im Kampf gegen die deutsche Wehrmacht. Bis Kriegsende wurden bei diesen Kämpfen fast 32.000 von ihnen getötet oder verwundet. Bei den Friedensverhandlungen zählte Bulgarien trotz des Seitenwechsels nicht zu den Siegermächten, konnte aufgrund dessen aber in den Pariser Friedenskonferenzen 1946 einen sehr milden Frieden abschließen.

Bis heute sind noch zahlreiche Fragen, unter anderem hinsichtlich der bulgarischen Zarendiktatur und deren Kollaboration mit den Achsenmächten sowie der Rolle wichtiger Akteure der gesellschaftlichen und politischen Eliten des Landes offen und harren tiefergehender Detailstudien.

Dr. Björn Opfer-Klinger (geb. 1972) studierte in Göttingen und Wien Mittlere und Neuere Geschichte, Politikwissenschaft und Osteuropäische Geschichte. Er promovierte 2004 zur bulgarischen Besatzungsherrschaft in Vardar-Makedonien während des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Parallel arbeitete er bei verschiedenen Zeitungsund Buchverlagen in Sofia und Hildesheim sowie als Lehrbeauftragter an den Universitäten Göttingen und Dresden. Seit 2004 arbeitet er als Schulbuchredakteur im Bereich Geschichte gymnasiale Oberstufe / berufliche Bildung im Ernst Klett Verlag in Leipzig und ist freiberuflich als Dozent in der Erwachsenenbildung und als wissenschaftlicher Autor tätig.


[1] Hans-Joachim Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter. Eine Fallstudie zur nationalsozialistischen Südosteuropapolitik. Stuttgart 1979.

[2] Oliver Stein: Die deutsch-bulgarischen Beziehungen seit 1878. In: Zeitschrift für Balkanologie 47 (2011) H. 2, S. 218–240, hier: S. 222.

[3] Nikola Nedeff: Les opérations en Macédoine lʼépopée de Doïran 1915–1918 [Die Operationen in Makedonien, das Heldenepos von Doiran 1915–1918]. Sofia 1927, S. 211–214; Stilijan Nojkov: Waffenhilfe des österreichisch-ungarischen Armeeoberkommandos für das bulgarische Heer nach dem Durchbruch der bulgarischen Verteidigungsfront in Makedonien. In: Miscellanea Bulgarica 12 (1998), S. 55–58, hier: S. 55.

[4] Zu Ivan Bagrjanov siehe: Tašo Tašev: Ministrite na Bălgarija 1879–1999 [Die Minister Bulgariens 1879–1999]. Sofija 1999, S. 41f.; Michail Gruev: Pre orani slogove. Kolektivicazija i sozialna promjana v bălgarskija severozapad 40-Te–50-Te godini na XX vek [Kollektivierung und sozialer Wandel im bulgarischen Nordwesten in den 1940er- und 1950er-Jahren]. Sofija 2009, S. 45.

[5] Paisij von Hilander (1722–1773) war ein bulgarisch-orthodoxer Mönch, Geschichtsschreiber und gilt als einer der ersten Verfechter der Bulgarischen Nationalen Wiedergeburt. Nach ihm benannte sich die 1927 gegründete nationalistische Organisation Allbulgarische Allianz Otez Paisij.

[6] Werner Haas: Europa will leben. Die nationale Erneuerungsbewegung in Wort und Bild. Berlin 1936, S. 81–88; Nikolaj Poppetrov: Flucht aus der Demokratie. Autoritarismus und autoritäres Regime in Bulgarien 1919–1944. In: Erwin Oberländer (Hg.): Autoritäre Regime in Ostmittel- und Südosteuropa 1919–1944. Paderborn 2001, S. 379–402.

[7] Die bulgarischen Beziehungen zum faschistischen Italien sind noch nicht Inhalt einer umfassenden Studie geworden. Zwar heiratete Zar Boris III. 1930 eine Tochter des italienischen Königs Viktor Emanuel III., doch blieb das Verhältnis zu Mussolini eher distanziert. Cristina Siccardi: Giovanna di Savoia. Dagli splendori della reggia alle amarezze dell’esilio [Johanna von Savoyen. Von der Pracht des Palastes zur Bitterkeit des Exils]. Milano 2001, S. 177–180.

[8] Markus Wien: Markt und Modernisierung. Deutsch-bulgarische Wirtschaftsbeziehungen 1918–1944 in ihren konzeptionellen Grundlagen. München 2007, S. 69.

[9] Andrey Piperow (Hg.): Deutsch-Bulgarische Handelskammer. Handbuch der bulgarischen Wirtschaft unter besonderer Berücksichtigung der deutsch-bulgarischen Handelsbeziehungen. Berlin 1942, S. 243.

[10] Wien: Markt und Modernisierung, S. 319–324.

[11] Krassimira Stoyanova: Bulgarian-German Relations. Tradition, Priorities and Perspectives. Sofia 1995, S. 48–51; Antoaneta Rimpova: Geschichte und Kultur Bulgariens in der deutschen Literatur (1878–1944). In: Bulgarian Historical Review, 13 (1985), S. 90–107, hier: S. 100f.; Zvetana Todorova: Zur Frage der bulgarisch-deutschen kulturellen Beziehungen nach 1878. In: Bulgarian Historical Review, 11 (1983), S. 85–88, hier: S. 88.

[12] Politisches Archiv des Auswärtigen Amts (i. F.: PA AA), Pol IV. 632 R 103891, Rümelin an AA [Auswärtiges Amt] 31.5.1938.

[13] Das Zitat wurde von dem renommierten italienischen Kulturjournalisten Antonio Spinosa in seiner Biografie über den italienischen König Viktor Emanuel III. verwendet, ohne jedoch einen Quellennachweis anzufügen. Antonio Spinosa: Vittorio Emanuele III. Lʼastuzia di un re [Viktor Emanuel III. Die Raffiniertheit eines Königs]. Milano 1990, S. 294.

[14] Ivan Ilčev et al.: University of Sofia St. Kliment Ohridski – The first 120 years. Translated by Maja Penčeva and Tsvetana Boteva-Wallace. Sofija 2008, S. 106–112.

[15] Christo Nikolov Lukov (1888–1943) war Mitbegründer der 1933 ins Leben gerufenen extremistischen Union der Bulgarischen Nationalen Legionäre. Er vertrat einen radikalen Antisemitismus, Nationalismus und Antikommunismus und trat für eine enge außenpolitische Anlehnung an die faschistischen Achsenmächte ein. Als Kriegsminister war er an Planungen für potenzielle militärische Konflikte mit einem der Nachbarstaaten beteiligt. Während des Krieges sprach er sich für eine direkte Teilnahme bulgarischer Truppen an der Seite der Wehrmacht im Krieg gegen die UdSSR aus. Zeitweise tauchten 1942 in Sofia Gerüchte auf, er würde von deutscher Seite als „starker Mann“ gewertet, der notfalls neuer Regierungschef werden könnte, sollte Zar Boris III. eine zu antideutsche Politik betreiben. Rossitza Ivkova: Rettung und Mord in genozidalen Entscheidungsprozessen: Bulgarien 1941–1943. Bielefeld, Univ. Bielefeld, Diss., 2004, S. 66f. Am 13. Februar 1943 fiel er einem Attentat zum Opfer. Nach der Jahrtausendwende wurde er von der rechtsextremen Szene Bulgariens „wiederentdeckt“. Seit 2003 veranstaltet die nationalistische Rechte des Landes den alljährlichen „Lukov-Marsch“ durch die Innenstadt von Sofia. Frank Stier: Der Lukov-Marsch und die bulgarischen Nationalisten. In: Telepolis 23.2.2017, <https://www.heise.de/tp/features/Der-Lukov-Marsch-und-die-bulgarischen-Nationalisten-3633300.html>, 8.11.2021.

[16] Michele Rallo: LʼEpoca delle Rivoluzioni Nazionali [Die Epoche der nationalen Revolutionen]. Vol. V: Bulgaria e Macedonia (1919–1945). Roma 2004, S. 95.

[17] PA AA, R 103.284, Bericht des deutschen Gesandten in Sofia vom 9.12.1938; siehe auch: David Benwenisti: Die Rettung der bulgarischen Juden 1941–1944. Sofia 1988, S. 5.

[18] Esther Benbassa, AronRodrigue: Die Geschichte der sephardischen Juden. Bochum 2005, S. 232.

[19] Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S. 41; Stephane Groueff: Crown of Thorns. The Reign of King Boris III. of Bulgaria 1918–1943. London 1987, S. 255–259; Petko Mangačev: Zagadkite v upravlenieto na Zar Boris III v perioda 1. III. 1941 g.–28. VIII. 1943 g. [Die Geheimnisse in der Herrschaft von Zar Boris III. in der Zeit 1.3.1941–28.8.1943]. Sofija 2015, S. 72–74.

[20] Archiv der Republik Wien (AdR) NPA 525 Liasse Bulgarien 4/I–5/I, Österr. Botschaft Sofia, Zl. 27/pol. 8.4.1935 und 22.2.1936. Siehe auch: Kirill P. Doreff: Bulgarien im südöstlichen Paktsystem. Limburg/Lahn 1941, S. 87f.; Klaus Sohl: Die Kriegsvorbereitungen des deutschen Imperialismus in Bulgarien am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. In: Jahrbuch für Geschichte der UdSSR und der volksdemokratischen Länder Europas, Band 3. Berlin [Ost] 1959, S. 91–119, hier: S. 112.

[21] Wien: Markt und Modernisierung, S. 171–260.

[22] Zeitschrift für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Vol. 8 (1938), S. 788f., <https://www.zaoerv.de/08_1938/vol8.cfm>, 8.11.2021. Der deutsche Gesandte in Sofia, Eugen Rümelin, berichtete in diesem Zusammenhang von einer Ablehnung des Abkommen durch viele führende bulgarische Militärs. Nach deren Meinung konnte die bislang geheime Aufrüstung auch ohne das Abkommen fortgeführt werden, ohne den Schutz der demilitarisierten Zone an der Grenze zur Türkei und Griechenland aufzugeben. PA AA, Pol IV. 632 R 103891, Rümelin an AA 17.8.1938.

[23] Plamen S. Zvetkov: Kolektivna sirgurnost ili neutralitet. Srednite i malkite dăržavi v evropejskata politika oktomvri 1935–mart 1938 [Kollektive Sicherheit oder Neutralität. Mittlere und kleine Staaten in der europäischen Politik Oktober 1935–März 1938.] Sofija: Cheron Press 1999, S. 117; Alberto Basciani: Un archeologo al servizio della monarchia bulgara. La parabola politica di Bogdan Filov (1940–1944) [Ein Archäologe im Dienste der bulgarischen Monarchie. Die politische Parabel des Bogdan Filov (1940–1944)]. In: Francesco Guida (Hg.): Intellettuali versus democrazia. I regimi authoritari nellʼEuropa sud-orientale (1933–1953) [Intellektuelle gegen Demokratie. Autoritäre Regime in Südosteuropa (1933–1953)]. Roma 2010, S. 111–157.

[24] Claudia Weber: Der Pakt. Stalin, Hitler und die Geschichte einer mörderischen Allianz 1939–1941. München 2019, S. 70.

[25] In der Wahl erlangten die Anhänger der Zarendiktatur 142 von 160 Sitzen. Stärkste Oppositionskraft blieben die zehn kommunistischen Abgeordneten. Dimităr Ch. Popov: Žestoki Vremena. Bălgarija 1914–2014. Tom 2: Ot Vremenna stabilnost kăm novi prevratnosti (1934–1944) [Grausame Zeiten. Bulgarien 1914–2014. Band 2: Von der zeitlichen Stabilität zu neuen Wendungen (1934–1944). Sofija 2016, S. 155; Dieter Nohlen, Philip Stöver (Hgg.): Elections in Europe: A data handbook. Baden-Baden 2010, S. 368f. Zum Gesandtenaustausch siehe: Dimităr Sirkov: Vănšnata politika na bălgarija 1938–1941 [Die Außenpolitik von Bulgarien 1938–1941]. Sofija 1979, S. 206f.

[26] Erhard Forndran: Innen- und Außenpolitik unter nationalsozialistischer Bedrohung: Determinanten internationaler Beziehungen in historischen Fallstudien. Opladen 1977, S. 171f.

[27] David S. Wyman, Charles H. Rosenzveig: The World Reacts to the Holocaust. London 1996, S. 264; Ivkova: Rettung und Mord, S. 37.

[28] Mariana Hausleitner u. a. (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945 (Quellensammlung), Band 13: Slowakei, Rumänien und Bulgarien. Berlin 2018, S. 622.

[29] Dabei ist zu beachten, dass die Ratnici zu den energischsten Kritikern der Regierung aus dem rechten politischen Spektrum zählten. Es kann vermutet werden, dass dadurch versucht wurde, die Ratnici auf diese Weise in die Königsdiktatur des Zaren einzubinden, um sie zu neutralisieren. Andererseits entstand auf diese Weise eine Bastion antisemitischer Extremisten innerhalb der Staatsbürokratie. Frederick Chary: The Bulgarian Jews and the Final Solution 1940–1944. Pittsburgh 1972, S. 56.

[30] Ana Karlsreiter: König Boris III. von Bulgarien und die bulgarische Außenpolitik 1938–1943. München, Univ. München, Diss., 2001, S. 317; Iva Arakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben? Hilfe für verfolgte Juden in Bulgarien 1940–1944. Berlin 2016, S. 22f. Zur Politik der Türkei hinsichtlich jüdischer Flüchtlinge aus Bulgarien siehe auch: Corry Guttstadt: Die Türkei, die Juden und der Holocaust. Berlin 2008, S. 257–260.

[31] Stefan Troebst: Antisemitismus im „Land ohne Antisemitismus“: Staat, Titularnation und jüdische Minderheit in Bulgarien 1878–1993. In: Mariana Hausleitner, Monika Katz (Hgg.): Juden und Antisemitismus im östlichen Europa. Berlin 1995, S. 109–125, hier: S. 117.

[32] 1939 lebten etwa 366.000 Bulgaren in Rumänien; vgl. Hans-Joachim Hoppe: Die Balkanstaaten Rumänien, Jugoslawien, Bulgarien – Nationale Gegensätze und NS-Großraumpolitik. In: Erhard Forndran, Frank Golczewski, Dieter Riesenberger (Hgg.): Innen- und Außenpolitik unter nationalsozialistischer Bedrohung. Opladen 1977, S. 161–175, hier: S. 163; PA AA, Pol IV. 632 R 103891, Bericht der deutschen Außenstelle für den Außenhandel vom 17.11.1938. Siehe auch: Andrea Schmidt-Rösler: Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg: Die Grenzziehung in der Dobrudscha und im Banat und die Folgeprobleme. Frankfurt/M. 1994, S. 112–160.

[33] PA AA, Pol IV. 632 R 103891, Bericht v. Weizsäcker, Berlin 18.1.1939 und Telegramm dt. Botschaft in Warschau vom 20.6.1939.

[34] Bundesarchiv Militärarchiv (i. F.: BA MA) RW 5/v. 353 Bericht der deutschen Gesandtschaft in Sofia vom 10.2.1940 und Bericht des deutschen Botschafters in Ankara vom 20.2.1940.

[35] Weber: Der Pakt, S. 178f.

[36] Akten zur deutschen auswärtigen Politik (i. F.: ADAP), Serie D, Bd. 10, S. 45, Bericht der deutschen Gesandtschaft in Sofia vom 29.6.1940.

[37] ADAP, Serie D, Bd. 10, S. 32, Bericht des Leiters der politischen Abteilung im Auswärtigen Amt, Ernst Woermann, vom 27.6.1940.

[38] Schmidt-Rösler: Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg, S. 164–168.

[39] Andrew Zapantis: Greek-Soviet Relations, 1917–1941. New York 1982, S. 390f.

[40] Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S. 44.

[41] MacGregor Knox: Mussolini Unleashed 1939–1941. Politics and Strategy in Fascist Italyʼs Last War. Cambridge 1986, S. 218f.

[42] Heinz Höhne: Der Weg im Dunkeln. Die deutsche und russische Spionage. München 1985, S. 335.

[43] Marin Pundeff: Two Documents on soviet-bulgarian relations in November 1940. In: Journal of Central European Affairs, Vol. XV (Januar 1956), S. 367–378, hier: S. 374.

[44] Andreas Hillgruber (Hg.): Staatsmänner und Diplomaten bei Hitler. Vertrauliche Aufzeichnungen über Unterredungen mit Vertretern des Auslandes. Band I. Frankfurt/M. 1967, S. 363f.

[45] Voin Bojinov: Lʼentrîment de la Bulgarie dans la Seconde Guerre Mondiale et ses conséquences [Der Eintritt Bulgariens in den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen]. In: Études Historiques, Tom II, Sofia 1965, S. 493–512, hier: S. 500; Elisabeth Barker: British Policy in South-East Europe in the Second World War. London 1976, S. 59; vgl. ferner Christian Hartmann: Halder. Generalstabschef Hitlers 1938–1942. Paderborn 1991, S. 255.

[46] PA AA, R 29873, Telegramm des dt. Gesandten in Sofia Herbert Freiherr von Richthofen vom 30.11.1940 an das AA.

[47] PA AA, R 29873, Telegramm Richtofen vom 7.12.1940 an das AA bzw. Documents on German Foreign Policy (DGFP), Vol. XI, Dokumente Nr. 468 und 536.

[48] Weber: Der Pakt, S. 196f.

[49] Nikolaj Poppetrov: Socialno naljavo, nacionalizmăt – napred: programni i organizacionni dokumenti na bălgarski avtoritaristki nacionalističeski formacii [Soziale Linke – Vorwärts: Programm- und Organisationsdokumente der bulgarischen autoritären nationalistischen Formationen]. Sofia 2009, S. 805–848.

[50] ADAP, Serie D, Bd. 11, S. 406 und S. 496; Hillgruber (Hg.): Staatsmänner, Bd. I, Gespräch Draganov–Hitler vom 23.11.1940, S. 367; Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, Bd. 1. Frankfurt/M. 1965, S. 995.

[51] Hillgruber (Hg.): Staatsmänner, Bd. I, S. 362 und 415; PA AA, R 29.873, Telegramm Richthofen vom 26.2.1941 an das AA.

[52] Martin L. van Creveld: Hitlerʼs Strategy 1940–1941. Cambridge 1973, S. 118.

[53] Sabrina P. Ramet, Sladjana Lazić: „The Collaborationist Regime of Milan Nedić“. In: Sabrina P. Ramet, Ola Listhaug (Hgg.): Serbia and the Serbs in World War Two. London 2011, S. 17–43, hier: S. 18.

[54] Stefan Troebst: Ivan Michajlov im türkischen und polnischen Exil (1934–1939/40). Fragmente zur politischen Biographie des Chefs der „Inneren Makedonischen Revolutionären Organisation“. In: Stefan Troebst: Das makedonische Jahrhundert. Von den Anfängen der nationalrevolutionären Bewegung zum Abkommen von Ohrid 1893–2001. Ausgewählte Aufsätze. München 2007, S. 175–224, hier: S. 182f.

[55] Nikolaj Genčev: Vănšnata politika na bălgarija 1938–1941 [Außenpolitik von Bulgarien 1938–1941]. Sofija 1998, S. 149–152; Petăr Petrov (Red.): Makedonija. Istorija i političeska sădba. [Makedonien. Geschichte und politisches Schicksal.] Tom III. Sofija, Stara Zagora 1998, S. 7.

[56] Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S. 97–100.

[57] Dimităr Sirkov: Vanšnata politika na bălgarija, S. 252; Marshall Lee Miller: Bulgaria during the Second World War. Stanford 1975, S. 37.

[58] Miller: Bulgaria during the Second World War, S. 45.

[59] ADAP, Serie D, Band 12/1, Dok. Nr. 216, S. 306f.

[60] Karlsreiter: König Boris III. von Bulgarien, S. 251; siehe auch Bogdan Filov: Dnevnik [Tagebuch] (Red. Ilčo Dimitrov). Sofija 1990, S. 297, S. 300.

[61] BA MA, Wi Ic 5,35 Stimmungsbericht vom 21.1.1941.

[62] Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S. 121f.

[63] Vaïos Kalogrias: Makedonien 1941–1944. Okkupation, Widerstand, Kollaboration. Ruhpolding 2008, S. 95f.

[64] Vanče Stojčev: Bugarskiot okupaciski sistem vo Makedonija 1941–1944 [Bulgarisches Besatzungssystem in Makedonien 1941–1944]. Skopje 1996, S. 183; Rastislav Terzioski: Denacionalizatorskata dejnost na bugarskite kulturno-prosvetni institucii vo makedonija (skopska i bitolska okupaciona oblast) 1941–1944 [Denationalisierungsaktivitäten bulgarischer Kultur- und Bildungseinrichtungen in Makedonien (Skopioter und Bitolaer Besatzungsgebiet) 1941–1944]. Skopje 1974, S. 56–60; siehe auch: Ivan Chadžijski: Vtoroto bălgarsko upravlenie văv Vardarska Makedonija (april 1941–septemvri 1944) [Die zweite bulgarische Verwaltung in Vardar Makedonien (April 1941–September 1944)]. Dupniza 2016.

[65] Ģorģi Malkovski: Profaštičkite i kolaboracionističkite organizacii i grupi vo makedonija 1941–1944 [Profaschistische und kolaboratistische Organisationen und Gruppen in Makedonien 1941–1944]. Skopje: Institut za Nacionalna Istorija 1995, S. 58f., S. 63ff; Stojčev: Burgaskiot okupaciski sistem, S. 91–94.

[66] Poppetrov: Flucht aus der Demokratie, S. 399.

[67] Elisabeth Barker: Macedonia its place in Balkan power politics. London 1950, S. 79.

[68] BA MA, RH 31/II/ 1 Deutscher Ausbildungsstab bei d. kgl. bulg. Heeresleitung. 15.5.1941–1.2.1944, Bericht des dt. Ausbildungsstabes in Sofia an das OKH in Berlin vom 3.8.1942.

[69] Rainer Eckert: Vom „Fall Marita“ zur „wirtschaftlichen Sonderaktion“. Die deutsche Besatzungspolitik in Griechenland vom 6. April 1941 bis zur Kriegswende im Februar/März 1943. Frankfurt/M. 1992, S. 72.

[70] Kalogrias: Makedonien 1941–1944, S. 96.

[71] Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S. 126.

[72] Kalogrias: Makedonien 1941–1944, S. 111f.

[73] Kalogrias: Makedonien 1941–1944, S. 117–127. Siehe zur Ochrana auch Dobrin Mičev: Bălgarskoto nacionalna delo v jugozapadna Makedonija (1941–1944 g.) [Bulgarisches nationales Wirken in Südwestmakedonien (1941–1944)], <http://www.promacedonia.org/mpr/ohrana.html>, 8.11.2021.

[74] Boro Mitrovski, Venceslav Glišić, Tomo Ristovski: Das Bulgarische Heer in Jugoslawien 1941–1945. Beograd 1971, S. 52–63.

[75] Oleg Beyda: ,Wehrmacht Eastern Toursʻ: Bulgarian Officers on the German-Soviet Front, 1941–1942. In: The Journal of Slavic Military Studies, 33 (2020) H. 1, S. 136–161.

[76] Georgi Markov: Zar Boris III: Po-dobre čeren chljab, otkolkoto černi zabradki [Zar Boris III.: Besser Schwarzbrot als schwarze Kopftücher]. In: bg-Voice.-com, 6.2.2014, ˂https://bg-voice.com/po-dobre_cheren_hlyab_otkolkoto_cherni_zabradki/˃, 8.11.2021.

[77] BA MA, Wi IC 5,23, Bericht des deutschen Wirtschaftsoffiziers in Sofia vom 31.12.1941.

[78] Marin Kalonkin: Bălgarija văv vtorata svetovhna vojna 1939–1945 godina [Bulgarien im Zweiten Weltkrieg 1939–1945]. Sofija 2010, S. 90–93.

[79] Wolfgang Bretholz: Ich sah sie stürzen. Wien 1955, S. 46.

[80] BA MA, RW 29/77, Lagebericht des deutschen Konsulats in Sofia vom 30.9.1941.

[81] Otto Schulmeister: Werdende Großraumwirtschaft. Die Phasen ihrer Entwicklung in Südosteuropa. Berlin 1943, S. 171f.

[82] Bereits seit Sommer 1940 förderte das Deutsche Reich die Aufrüstung der bulgarischen Streitkräfte. Dazu zählten spezielle Ausbildungskurse in Deutschland, die Entsendung von Militärberatern nach Bulgarien und der Auf- bzw. Ausbau der bulgarischen Panzertruppen und der Luftwaffe. Popov: Žestoki Vremena, S. 155; Björn Opfer: Die bulgarische Wiederaufrüstung 1923–1944. In: Zeitschrift für Heereskunde Nr. 407, Januar/März 2003, S. 10–16.

[83] Wien: Markt und Modernisierung, S. 305–308.

[84] Götz Aly: Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus. Frankfurt/M. 2005, S. 258f.

[85] BA MA, RW 29/86 Lageberichte W. O. [Wehrwirtschaftsoffizier] Sofia 4.6.41–28.2.1942, W. O. Sofia Lagebericht 31.8.1941, RW 29/87 WO Lageberichte 1.11.41–31.12.42, Lagebericht W. O. Sofia 28.2.1942, RW 29/77, Bericht des deutschen Wirtschaftsoffiziers vom 31.10.1942 und RW 29/80 Kriegstagebuch W. O. Sofia 1.4. –30.6.1943, Lagebericht Nr. 21 W. O. Sofia 30.4.1943.

[86] BA MA, RW 29/78 Kriegstagebuch Wehrwirtschaftsoffizier (W. O.) Sofia 1.10.–31.12.42, Tagebucheintrag vom 12.11.1942.

[87] BA MA, RW 29/78 Kriegstagebuch Wehrwirtschaftsoffizier (W. O.) Sofia 1.10.–31.12.42, Tagebucheintrag vom 30.11.1942.

[88] Stojčev: Burgaskiot okupaciski sistem, S. 199, S. 205f.

[89] Rumen Nikolov: Njakoi aspekti na bălgarsko-germanskite voennoikonomičeski otnošenija prez perioda maj–dekemvri 1942 godina [Einige Aspekte der bulgarisch-deutschen militärisch-wirtschaftlichen Beziehungen im Zeitraum Mai–Dezember 1942]. In: Voennoistoričeski Sbornik [Militärhistorischer Sammelband] 1986, H. 4, S. 159–171, hier: S. 166.

[90] Péter Gosztony: Der Krieg zwischen Bulgarien und Deutschland 1944/45. In: Wehrwissenschaftliche Rundschau 1967, H. 4, S. 22–38, hier: S. 25.

[91] Eberhard Wolfgramm: Bemerkungen zur bulgarischen Partisanenbewegung. In: Jahrbuch für Geschichte der UdSSR und der volksdemokratischen Länder Europas, Band 8. Berlin [Ost] 1964, S. 505–524, hier: S. 516.

[92] Oliver Jens Schmitt: Der Balkan im 20. Jahrhundert. Eine postimperiale Geschichte. Stuttgart 2019, S. 155.

[93] BA MA, RW 29/81 Kriegstagebuch W. O. Sofia 1.7.–30.9.1943, Aktennotiz Wehrwirtschaftsoffizier (W. O.) Sofia 15.7.1943.

[94] Benbassa, Rodrigue: Die Geschichte der sephardischen Juden, S. 157; Jan Rychlík: Zweierlei Politik gegenüber der Minderheit: Verfolgung und Rettung bulgarischer Juden 1940–1944. In: Wolfgang Benz, Juliane Wetzel (Hgg.): Solidarität und Hilfe für Juden während der NS-Zeit, Regionalstudien 4. Berlin 2004, S. 61–98, hier: S. 63.

[95] Ana Luleva: Die Zwangsarbeit in Bulgarien 1941–1944. In: Alexander von Plato, Almuth Leh, Christoph Thonfeld (Hgg.): Hitlers Sklaven. Lebensgeschichtliche Analysen zur Zwangsarbeit im internationalen Vergleich. Wien 2008, S. 171–183, hier: S. 172f. Siehe auch: Nedo Nedev: Zar Boris III. Dvorezăt i tajnijat kabinet [Zar Boris III. Königshof und Geheimkabinett]. Plovdiv 2009, S. 372–380.

[96] BA MA, RW 29/77 Anlagen zum Kriegstagebuch für die Zeit vom 8.5.41 bis 30.9.42, Wehrwirtschaftsoffizier (W. O.) Sofia, Lagebericht Nr. 6 W. O. Sofia 31.1.1942.

[97] Aly: Hitlers Volksstaat, S. 261.

[98] Hans-Joachim Hoppe: Bulgarien. In: Wolfgang Benz (Hg.): Dimensionen des Völkermords. Die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. München 1991, S. 282.

[99] Paul Mojzes: Balkan Genocides: Holocaust and Ethnic Cleansing in the Twentieth Century. Plymouth 2011, S. 102.

[100] Chary: The Bulgarian Jews and the Final Solution 1940–1944, S. 54f.

[101] Aleksandar Matkowski: Destruction of Macedonian Jewry. Skopje 1982, S. 219.

[102] Miller: Bulgaria during the Second World War, S. 104.

[103] Siccardi: Giovanna di Savoia, S. 185ff.

[104] Arakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben?, S. 34.

[105] Ivkova: Rettung und Mord, S. 68.

[106] Claudia Steur: Theodor Dannecker. Ein Funktionär der „Endlösung“. Essen 1996, S. 97f.

[107] Kristina Birri-Tomovska: Jews of Yugoslavia 1918–1941. A History of Macedonian Sephards. Wien 2012, S. 282f.

[108] Aleksandar Matkovski: The Destruction of Macedonian Jewry in 1943. In: Yad Vashem Studies III. Jerusalem 1959, S. 203–258, hier: S. 214f.

[109] Martin Gilbert: The Routledge Atlas of the Holocaust. Routledge, London, New York ³2002, S. 150f.

[110] Zu den Vorgängen der Deportation siehe Ivan Stoilov Hadžijski: Sădbata na evrejskoto naselenie v Belomorska Trakija, Vardarska Makedonia i Jugozapadna Bălgarija prez 1941–1944 [Das Schicksal der jüdischen Bevölkerung in Thrakien am Weißen Meer, in Vardarmakedonien und im Südwesten Bulgariens in den Jahren 1941–1944]. Dupnica 2004; sowie die doppelbändige Quellensammlung Deportiraneto na evreite ot Vardarska Makedonija, Belomorska Trakija i Pirot, mart 1943 g. Dokumenti ot bălgarskite archivi. Tom 1–2 [Die Deportation der Juden aus Vardarmakedonien, Weißmeerthrakien und Pirot, März 1943. Dokumente aus den bulgarischen Archiven], hgg. von Nadja Danova und Rumen Avramov. Sofija 2013; sowie die Auszüge von Zeitzeugenberichten auf der Homepage der jüdischen Gemeinde von Bitola, <http://www.jewishcommunitybitola.mk/bitola/40-bitola/59-bitola.html?start=2>, 8.11.2021.

[111] Der in Österreich eingetragene Verein „Zentrum zur Erforschung und Dokumentation jüdischen Lebens in Ost- und Mitteleuropa“ veröffentlichte auf Basis von Zeitzeugen und Zeitzeugnissen auf seiner Plattform Centropa einen Dokumentarfilm über die Deportation der makedonischen Juden 1943 („Bulgarien und der Holocaust“), <http://www.centropa.org/de/centropa-cinema/history-bulgarian-jewry-during-holocaust>, 8.11.2021.

[112] David Koen et al. (Hgg.): Borbata na bălgarskija narod za zaštita i spasjavane na evreite v Bălgaria po vreme na vtorata svetovna vojna 1941–1944. Dokumenti i Materiali [Der Kampf des bulgarischen Volkes um Verteidigung und Rettung der Juden in Bulgarien in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Dokumente und Materialien]. Sofija 1978, Dokument 120, S. 203.

[113] Arakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben?, S. 73f., S. 144–159.

[114] Zur Deportation der jüdischen Bevölkerung von Thessaloniki siehe Georg Bossong: Die Sepharden. Geschichte und Kultur der spanischen Juden. München 2008, S. 111; Erhard Roy Wiehn: Juden in Thessaloniki. Konstanz 2001, S. 29.

[115] Arakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben?, S. 130–143.

[116] Aly: Hitlers Volksstaat, S. 259.

[117] BA MA, RW 29/81 Kriegstagebuch W. O. Sofia 1.7.–30.9.1943, Überblick über die wehrwirtschaftliche Lage Bulgariens und die Tätigkeit des Deutschen Wehrwirtschaftsoffiziers Sofia im III. Quartal 1943 sowie Aktennotiz W. O. Sofia 30.9.1943.

[118] Daniel Vačkov: Pătjat na komunističeskata partija kăm vlastta (1939–1944) [Der Weg der Kommunistischen Partei zur Macht (1939–1944)]. In: Ivajlo Znepolski (Hg.): Istorija na Narodna Republika Bălgarija: Režimăt i obstestvoto. [Geschichte der Volksrepublik Bulgarien: Regime und der Gesellschaft]. Sofija 2009, S. 91–130, hier: S. 96f.

[119] Mitrovski: Das bulgarische Heer, S. 229f.

[120] Zur Rolle von Aleksandăr Cankov in den letzten Kriegsmonaten siehe Nedju Nedev: Aleksandăr Cankov: Legiona. Ratnik. Pravitelstvo văv Viena. Smărt v Aržentina [Aleksandar Cankov: Legionär. Kämpfer. Regierung in Wien. Tod in Argentinien]. Plovdiv 2015.

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