Junge Deutsche auf dem Territorium Jugoslawiens und ihre Karrieren in der NS-Zeit

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Johann Böhm, Dinklage


Nach dem Ersten Weltkrieg, den Deutschland und Österreich-Ungarn verloren hatten, fanden sich die deutschen Bewohner, die auf dem Territorium der Habsburgermonarchie lebten, in mehreren, teils neu entstandenen Staaten wieder. Die deutsche Bevölkerung im neu geschaffenen Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen („SHS-Staat“), das 1929 den Namen Jugoslawien annahm und ursprünglich von den privilegierten Serben beherrscht wurde, lebte in geschlossenen und vertrauten Siedlungsräumen und hatte sich, soweit sie der Doppelmonarchie angehört hatte, bis zu deren Zerfall als ein Teil des dominierenden Staatvolks gefühlt. Nach der Gründung des SHS-Staates wurde sie zu einer enttäuschten Minderheit, was sie bewog, ein besonderes Gruppenbewusstsein zu entwickeln.1Ausführlich bei Johann Böhm: Die Deutsche Volksgruppe in Jugoslawien 1918–1941. Frankfurt am Main: Peter Lang 2009, S. 15–63. Hinzu kam, dass die gegen sie gerichteten Maßnahmen, zunächst in den slowenischen,2Vgl. „Die Entrechtung der Deutschen in Südslawien“. In: Freie Stimme, Nr. 172, 31.7.1920, S. 2. dann auch in den ehemals südungarischen Gebieten, ihren Angehörigen Schwierigkeiten bereiteten, sich zum jugoslawischen Staat zu bekennen, obwohl sie sich ihm gegenüber loyal verhielten. Die deutschfeindlichen Maßnahmen trugen in der Folgezeit zu einer Entwicklung von politischem Eigenbewusstsein in den verschiedenen deutschen Siedlungsgebieten und der Entstehung eines starken Misstrauens gegenüber der jugoslawischen Regierung bei, die von den Serben dominiert wurde. Förderlich war dabei auch, dass der Vertrag, den das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen am 5. Dezember 1919 mit den Entente-Mächten hinsichtlich der Behandlung der nationalen Minderheiten abgeschlossen hatte,3Vgl. Böhm: Die Deutsche Volksgruppe in Jugoslawien, S. 131–139. eine Reihe von Bestimmungen enthielt, die den Schutz der Minderheiten betrafen, die von Belgrad jedoch nicht respektiert wurden. Das führte dazu, dass die deutsche Minderheit sich mit dem Ziel organisierte, den minderheitenfeindlichen Maßnahmen der jugoslawischen Regierung entgegenzutreten. Noch bevor am 28. Juni 1921 die jugoslawische Verfassung angenommen wurde, fand am 25. April 1921 im Belgrader Stadtteil Semlin (serb. Zemun) die Gründung der Partei der Deutschen (i. F.: PdD) statt.4Vgl. Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes Berlin (i. F. PA AA), Schreiben der Deutschen Gesandtschaft Belgrad an das AA, 10.5.1921. An deren Gründungsversammlung nahmen dreißig Vertreter aus der Wojwodina, Slawonien, Kroatien, der deutschen Sprachinsel Gottschee (slow. Kočevska) in Slawonien, Marburg (slow. Maribor) und Cilli (slow. Celje) teil. Der PdD schlossen sich die Ungarländische Deutsche Volkspartei (i. F.: UDVP) an, die 1905 in Werschetz (serb. Vršac) gegründet worden war, außerdem die Gottscheer Bauernpartei und lose lokale Gruppen. Die Führer der PdD wurden Dr. Ludwig Kremling.5Ludwig Kremling, * 12.5.1861 in Weißkirchen (serb.: Bela Crkva), Banat, † 29.5.1930 in Neusatz (serb.: Novi Sad); studierte in Budapest Philosophie und Jura. Während seiner Rechtsanwaltstätigkeit in Weißkirchen von 1907 bis 1918 war er Vorsitzender der UDP und lebte seit 1925 in Neusatz.

Unter den Gründern der PdD befand sich auch Dr. Georg Grassl,6Dr. Georg Grassl, Jurist und Germanist, * 23.4.1863 in Pantschowa (serb. Pančevo), Banat, † 28.7.1948 in Salzburg; studierte Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft in Wien, Graz und Prag; 1886–1891 Hofmeister und Erzieher der Söhne des österreich-ungarischen Botschafters in Paris, Ladislaus Graf Hoyos; 1891–1918 in österreichischem Staatsdienst, zunächst in Wien, dann bei der Landesregierung in Sarajewo, zuletzt Sektionschef und Leiter der Unterrichtsverwaltung in Bosnien und der Herzegowina. 25.10.1919–31.5.1921 erster Hauptschriftleiter des neu gegründeten Deutschen Volksblattes in Neusatz; 20.6.1920 Hauptgründer des SDKB und bis 9.12.1924 dessen Generalsekretär. 1925 als Stellv. des Spitzenkandidaten der PdB im SHS-Staat von Dr. Stefan Kraft in die Skupština gewählt; 1929 Schriftführer der Liga der Deutschen für Völkerbund und Völkerverständigung; 20.1.1932 u. a. mit Felix Milleker und der Matica Srpska (Neusatz, seit 1826) Aufruf zur Gründung einer jugoslawischen Goethe-Gesellschaft; 1932–1941 berufener Senator Jugoslawiens; 1939–1941 Präsident der Deutschen Schulstiftung; übersiedelte 1941 nach Graz, dann nach Wien, verbrachte die letzten Lebensjahre in Salzburg. Führer des am 20. Juni 1920 gegründeten Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes (i. F.: SDKB),7Vgl. „Die Arbeit des Kulturbundes 1937“. Tätigkeitsbericht der Bundesleitung, Novisad: Druckerei- und Verlag-A.G., 1936, S. 6. dessen Ziele denen der PdD entsprachen. Nach dem Ablauf der Optionsfrist am 26. Januar 1922 – später als geplant8Vgl. PA AA R 73166, Schreiben der Deutschen Gesandtschaft Belgrad an das AA, 31.1.1922. Vgl. auch Hans-Ulrich Wehler: Nationalitätenpolitik in Jugoslawien. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1980, S. 118. – erhielten die Deutschen in Jugoslawien das Wahlrecht, und die PdD trat mit dem Gründungsaufruf Nr. 665 des Deutschen Volkblattes vom 29. Januar 1922 an die Öffentlichkeit. Absicht der Partei war nach den Eingangsworten des Aufrufs die „Zusammenfassung der deutschen Bevölkerung auf dem Territorium des jugoslawischen Staatsgebietes in einer politischen Organisation“, um für deren politische Rechte zu kämpfen. Trotz dieser Bekundung und der Bereitschaft, sich für die Rechte der deutschen Minderheiten einzusetzen, beharrte die jugoslawische Regierung auf ihrem Standpunkt.

Hitlers Machtergreifung am 30. Januar 1933 beeinflusste auch in Jugoslawien das politische Leben der Deutschen, was sich eine nationalsozialistisch angehauchte Gruppe9Zu der Gruppe gehörten unter anderen Dr. Sepp Janko (Rechtsanwalt), Dr. Adam Krämer (Schriftleiter der Deutschen Volkszeitung), Dr. Josef Trischler (Führungsfigur beim Umbau des deutschen Genossenschaftswesens in Jugoslawien), Dr. Karl Müller (Volkswirt und Herausgeber der Wirtschaftszeitschrift Das Balkanblatt), Johann Wüscht (Führer der deutschen Wohlfahrtsgenossenschaft), Dr. Jakob Awender (Zahnarzt in Pantschowa. Führer des dortigen Kulturbundes und Herausgeber der Pantschowaer Post), Jakob Bieber (Student und Führer der deutschen Studentenvereinigung „Suevia“ in Belgrad). zunutze machte und sich in der sogenannten Erneuerungsbewegung zusammenschloss. Ihr Ziel war es, eine Volksgruppe zu schaffen, die sich als Vorposten Hitlerdeutschlands fühlen sowie die Rückgermanisierung assimilierter Deutscher betreiben sollte. So gab es innerhalb der deutschen Minderheit – ausgenommen die nationalliberale bzw. nationalkonservative Führung – zwei oppositionelle Gruppen, die „Jungdeutsche Bewegung“ und eine zweite um Dr. Jakob Awender, die innerhalb des Kulturbundes eine Politik der „Auswechselung“ alter führender Persönlichkeiten wie Dr. Stefan Kraft,10Dr. Stefan Kraft, Dr. jur., * 15.8.1884 in India (serb. Inđija), Kreis Ruma, Syrmien, † 16.6.1959 in Heidelberg. Kraft war frühzeitig gegen die Magyarisierungspolitik. Nach Einführung des Apponyischen Schulgesetzes (1907) setzte er sich für die Idee eines schwäbischen Schülerwerkes ein, das er als Mitglied des am 1.12.1911 gegründeten Deutsch-ungarischen Kulturrats in Wien verwirklichen konnte. 1922–1929 geschäftsführender Parteiobmann und der eindeutige Führer der Deutschen im SHS-Staat; führte von 1923–1926 die Fraktion der PdD in der Skupština, deren Vertreter er im Finanzausschuss des Parlaments war. 1929 Initiator und Präsident der Liga der Deutschen in Jugoslawien für den Völkerbund und für Völkerverständigung; 1931–1939 Präsident und Vorsitzender des Kuratoriums der Deutschen Schulstiftung; 1931–1938 Abgeordneter des Wahlkreises Kula im Rahmen der Regierungspartei, in deren oberste Leitung Kraft 1936 als Vertreter der deutschen Volksgruppe gewählt wurde. Wie andere Konservative der deutschen Minderheit geriet er seit 1933 zunehmend in Schwierigkeiten gegenüber den Anforderungen der NS-Machthaber im Reich und ihrer Anhänger in der deutschen Minderheit, kämpfte jedoch lange für sein politisches Überleben, musste aber schließlich auf Drängen nationalsozialistischer Dienststellen in Berlin nach einem Schiedsgerichtsverfahren in Wien am 15.5.1939 alle seine Ämter niederlegen und sich aus dem politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben der deutschen Volksgruppe zurückziehen; November 1941 kroatischer Generalkonsul in München, anschließend Staatssekretär im Ernährungsministerium des Unabhängigen Kroatien in Agram; lebte seit 1945 zunächst in Österreich, ab 1949 in der Bundesrepublik Deutschland; Ehrenvorsitzender des Bundesverbandes der Landsmannschaft der Deutschen aus Jugoslawien e. V.; zuletzt in Stuttgart-Zuffenhausen wohnhaft. Dr. Georg Grassl und des Bundesobmanns des SDKB Johann Keks11Johann Keks, Bundesobmann des Kulturbundes von 1927–1929. anstrebte. Wie sehr hier Altersunterschiede politische Positionen setzten, lässt sich am besten an den Angriffen Jakob Awenders in der Pantschowaer Post, später im Volksruf, gegen die Führung des Kulturbundes demonstrieren. Es gab kaum eine Nummer, in denen die Bundesleitung des SDKB nicht mit Schmähungen überhäuft wurde. Unter dem Eindruck der politischen und wirtschaftlichen Erfolge des nationalsozialistischen Deutschlands gewannen die „Erneuerer“, vor allem in der jüngeren Generation, zahlreiche Anhänger.12Vgl. Matthias Annabring: Volksgeschichte der Donauschwaben in Jugoslawien. Stuttgart: Verlag Südost-Stimmen 1955, S. 66f. Während die jungen Führer der NS-Erneuerungsbewegung begeisterte Hitler-Anhänger waren, standen die konservativen Führungspersönlichkeiten mit ihren Traditionen und liberalen Auffassungen dem neumodischen Ableger aus Deutschland äußerst skeptisch gegenüber.

Der ideologische Kampf zwischen den Konservativen und den NS-Erneuerern verschärfte sich zusehends. Zuerst wurde 1933 die Jungdeutsche Bewegung (i. F.: JB) unter der Führung von Dr. Nikolaus Haßlinger gegründet, die in Opposition zur donauschwäbischen Führung um Stefan Kraft stand. Die neu gewählten Führer der JB sollten nicht nur die Volksführung, sondern auch alle deutschen Institutionen übernehmen, wofür sie von den jugoslawischen Behörden hohe Summen erhielten.13Vgl. PA AA R 60067, Blatt M 000757. Die jugoslawischen Behörden waren daran interessiert, die bisherige Führung der Deutschen zu schwächen und instrumentalisierten im Kampf gegen die deutsche Bevölkerung insofern die JB. Bereits 1932 gab es innerhalb der deutschen Minderheit in Jugoslawien Ansätze einer nationalsozialistischen Strömung, die besonders in Kreisen junger Akademiker in der Deutschen Lehrerbildungsanstalt von Großbetschkerek (serb. Zrenjanin) anzutreffen war. Zu diesem Kreis gehörten Dr. Sepp Janko, Dr. Josef Trischler, Johann Wüscht und Dr. Adam Krämer.14Vgl. Annabring: Volksgeschichte der Donauschwaben in Jugoslawien, S. 66.

Die politische Kluft zwischen den nationalsozialistischen „Erneuerern“ und der alten Bundesleitung des SDKB konnte nicht überwunden werden, weil die „Erneuerer“ um Janko die alten und erfahrenen deutschen Führungspersönlichkeiten aus den politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Führungspositionen verdrängen wollten. Aufgrund des Drucks, den Deutschland ausübte, wurde am 6. August 1939 in der Hauptversammlung des Kulturbundes in Neusatz (serb. Novi Sad) Sepp Janko zum neuen Obmann des Kulturbundes gewählt.15Vgl. Böhm: Die Deutsche Volksgruppe in Jugoslawien, S. 299f.; vgl. ferner: Der Kulturbund ruft zur Arbeit und Einheit. Johann Keks zum Ehrenbundesobmann, Dr. Sepp Janko zum Obmann gewählt – Bundessekretär Giljum zurückgetreten. In: Deutsche Zeitung, 54. Jg., Nr. 29, 8.8.1939. Da Sepp Janko von der VoMi zum Obmann nominiert wurde, war die Wahl zum Obmann vom 6.8.1939 bloßer Schein. Die Monate nach dem 6. August 1939 waren nicht nur die Zeit einer konsequenten Festigung der Macht der NS-Erneuerungsbewegung, sondern auch eine Zeit, um die Flügelkämpfe zwischen den „gemäßigten“ und „radikalen“ „Erneuerern“ zu überwinden sowie die herrschende Unsicherheit und Ungewissheit, die bei vielen Deutschen vorhanden war, zu beseitigen und Hoffnungen zu verbreiten.

Das Eindringen der nationalsozialistischen Ideologie in den Kulturbund, die Übernahme von Formen nationalsozialistischer reichsdeutscher Organisationen wie Deutsche Jugend, Deutsche Frauenschaft, Volkshilfe und Winterhilfswerk, die praktisch Parallelorganisationen der NSDAP waren und in der Regel von NS-Funktionären der Deutschen in Jugoslawien geführt wurden,16Vgl. Johann Wüscht: Ursachen und Hintergründe des Schicksals der Deutschen in Jugoslawien. Bevölkerungsverluste Jugoslawiens im Zweiten Weltkrieg. Kehl am Rhein: Selbstverlag 1966, S. 23. sowie die Einführung einer volksdeutschen Einheitstracht17Vgl. Sepp Janko: Weg und Ende der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien. Graz, Stuttgart: Leopold Stocker Verlag 1982, S. 33. für Männer und Frauen erregten nicht nur die ältere Generation und die Kirchen, sondern riefen auch bei der jugoslawischen Regierung großes Misstrauen hervor. Die gewagte Behauptung des ehemaligen Führungsmitglieds der NS-Erneuerungsbewegung Johann Wüscht, dass die erwähnten Gliederungen mit reichsdeutschen Formationen in keinem „engeren Kontakt standen“,18Wüscht: Ursachen und Hintergründe, S. 23. widerlegt das vorhandene Quellenmaterial. Die Führung der NS-Erneuerungsbewegung und ganz besonders ihre Jugendorganisationen hatten bereits ab 1934 engen Kontakt zur Reichsjugendführung und zum Reichsnährstand. Wüscht verkündete in Bezug auf eine Anordnung Rudolf Hess’ vom 3. Februar 1939: „Ich verbiete hiermit der Partei, ihren Gliederungen und angeschlossenen Verbänden jede Betätigung in der Volkstumsarbeit im Ausland.“19Ebenda. Als Führungsperson der NS-Erneuerungsbewegung wusste Wüscht, dass derartige Anordnungen eine Täuschung waren, um das Ausland zu diesem Zeitpunkt über die Volkstumspolitik der NS-Regierung zu beruhigen. Es trifft nicht zu, dass die Führung der NS-Erneuerungsbewegung keine Kontakte zur Auslandsorganisation (AO) der NSDAP gehabt habe und dass die deutsche Volksgruppe keine SA-ähnlichen Formationen besaß. Damit verschwieg Wüscht, dass die Deutsche Mannschaft (i. F.: DM) bereits vor dem Krieg eine SA-ähnliche Formation besaß,20Vgl. Hans Buchheim: Die „Deutsche Mannschaft“ und die „Einsatzstaffel der deutschen Volksgruppe in Kroatien“. In: Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte. München 1958, S. 410f.; vgl. auch Sepp Janko, a. a. O., S. 162. außerdem, dass sie während des Überfalls Hitlerdeutschlands jugoslawische Einheiten entwaffnete und nach der deutschen Besetzung des Banats von deutschen Offizieren militärisch geschult wurde,21Vgl. PA AA Inland IIg 253/2423, Dok. H. 298220. wodurch sie sich zur Vorläuferformation der 7. SS-Division „Prinz Eugen“ entwickeln konnte.22Vgl. Holm Sundhaussen: Zur Geschichte der Waffen-SS in Kroatien 1941–1945. In: Südost-Forschungen 30 (1971), S. 176–196, hier: S. 179.

Versucht man nun, die Jahre deutscher Besatzungspolitik im ehemaligen Jugoslawien und das Verhalten der deutschen Bevölkerung in diesen Jahren sowie die Erinnerungsfähigkeit der damals beteiligten NS-Politiker wie Sepp Janko, Johann Wüscht, Branimir Altgayer, Franz Hamm, Jakob Awender, Jakob Lichtenberger und Gustav Halwax zu erläutern, so wird der jugoslawische Vorwurf, dass die bewaffneten Verbände der deutschen Volksgruppe am Kampfgeschehen als „5. Kolonne“ maßgebend an der Zerschlagung Jugoslawiens beteiligt gewesen seien, besser verständlich. Diese Vorwürfe werden nicht nur in der Monografie Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien,23Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte: Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien. München: dtv 2004, S. 48E. sondern auch bei Sepp Janko,24Janko: Weg und Ende der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien, S. 77–79. Johann Wüscht25Johann Wüscht: Jugoslawien und das Dritte Reich. Eine dokumentierte Geschichte der deutsch-jugoslawischen Beziehungen von 1933 bis 1945. Stuttgart: Seewald 1969. und Josef Volkmer Senz26Josef Volkmar Senz: Geschichte der Donauschwaben. 3., verbesserte Aufl., München: Arbeitskreis für Donauschwäbische Heimat- und Volksforschung in der Donauschwäbischen Kulturstiftung 1987, S. 227. als „irrig“, „Propagandamärchen“ und völlig unbegründet zurückgewiesen. Diese nachträglichen Einschätzungen einiger NS-Amtswalter, die nach 1945 das Geschichtsbild der „Donauschwaben“ bis heute – mit wenigen Ausnahmen – geprägt haben, dienten der Vertuschung tatsächlicher historischer Ereignisse und der Beteiligung an einem verbrecherischen Krieg. Das wird besonders bei Wüscht und Janko deutlich, wenn sie die Rolle der bewaffneten „Bürgerwehren“ der deutschen Volksgruppe herunterspielen. Wüscht schreibt:

Die Bürgerwehren, die anfangs mit Knüppeln und Äxten ausgerüstet an den Ortseingängen Wache hielten, entwaffneten jugoslawische Deserteure, kleinere Nachschubeinheiten, nirgends kam es zu ernsten Zusammenstößen.27Wüscht: Jugoslawien und das Dritte Reich, S. 63.

In einem Lagebericht von Wüscht, der mit weiteren Lageberichten in einer Mappe dem Referatsleiter im Auswärtigen Amt, Helmut Triska, überreicht wurde,28Vgl. PA AA Inl. IIg 251/2419, Blatt H297859. berichtet Wüscht am 17. Mai 1941 Folgendes:

Am 3. und 4. Tag nach der Eröffnung der Kriegshandlung und nach der raschen Niederlage der Jugoslawen und dem Zusammenbruch der Staatsgewalt übernahmen die Volksdeutschen allmählich in Stadt und Land die Polizeigewalt und organisierten ihre Bürgerwehren. Diese entwaffneten die aus den Grenzgebieten zurückströmenden Soldaten (ca. 90.000 ohne Banat) und schützten in tapferen Kämpfen Gut und Leben unseres Volks.29Wüscht: Jugoslawien und das Dritte Reich, S. 63.

Der Einsatz der deutschen Volksgruppe in der Batschka wurde von SS-Obergruppenführer Werner Lorenz, dem Leiter der Volksdeutschen Mittelstelle (VoMi) in Berlin, in einer Stellungnahme vom 16. April 1941 wie folgt dargestellt:

[…] Volksgruppenführung vor Einzug ungarischer Truppen drei Tage Herr der Lage. Vollkommene Ruhe, serbisches Militär zum Teil durch Volksdeutsche entwaffnet.30Ebenda.

Die erste Aufgabe der DM war die Übernahme des Sicherheitsdienstes.31Vgl. PA AA R 100380. Bericht der Deutschen Volksgruppe im Banat und in Serbien. Herausgegeben vom Presse- und Propagandaamt der Volksgruppenführung. Betschkerek 1943, S. 35. Wie in Kroatien wurden die Männer der DM im Alter von 18 bis 40 Jahren formationsmäßig auf soldatischer Grundlage zusammengefasst, politisch-weltanschaulich und soldatisch-mannschaftlich ausgebildet und einmal wöchentlich von deutschen Offizieren im Marschieren und Schießen geschult.32Vgl. PA AA Inl. IIg 253/2429, Blatt H298120. In der Zeit der Umwälzung (April 1941) trat die DM zunächst aus eigenem Entschluss und danach im Auftrag der Deutschen Wehrmacht als Ordnungsdienst in Erscheinung. Bei der Säuberung des Banats von einzelnen Partisanengruppen, im Polizei- und Flurdienst, beim Donauschutz und bei verschiedenen Absperrmaßnahmen erwiesen sich die Formationen der DM als treue Mitstreiterinnen der deutschen Besatzungstruppen. Bis zur allgemeinen Wehrpflicht war die DM bewaffnet und nahm unter Befehlsgewalt der Wehrmacht an der Bekämpfung der Partisanen teil. Sie war die Trägerin des Wehrwillens der deutschen Volksgruppe und förderte die körperliche Ertüchtigung und die Wehrerziehung des deutschen Mannes. Durch die mannschaftliche und wehrsportliche Ausbildung und durch eine gezielte politisch-weltanschauliche Schulung gab die DM ihren zum Waffendienst abgegangenen Mitgliedern ein gutes Rüstzeug mit, so dass viele von ihnen, die zur Waffen-SS eingezogen wurden, zu Unter- beziehungsweise Oberscharführern befördert wurden.

Im Folgenden werden einige der wichtigsten Führungspersönlichkeiten der NS-Erneuerungsbewegung vorgestellt und ihre Verantwortlichkeiten benannt.

Sepp Janko

* 9. November 1905 in Ernsthausen (ung. Ernöháza), Österreich-Ungarn
† 25. September 2001 in Belgrano, Argentinien

Als ehemaligem Führungsmitglied der nationalsozialistisch orientierten Erneuerungsbewegung, die Jakob Awender, Zahnarzt in Pantschewo (serb. Pančevo), gegründet hatte und die er mit seiner Pantschewoer Post, später im Volksruf, in den deutschen Siedlungsräumen von Jugoslawien bekannt machte, gelang es Janko am 6. August 1939 mit Hilfe der Volksdeutschen Mittelstelle, sich zum Obmann des SDKB wählen zu lassen. Von Anfang an konnte Janko seinem Ziel nachgehen, den Kulturbund über alle bisherigen Gegensätze in der deutschen Volksgruppe hinweg zu einer straffen Volksgemeinschaftsorganisation auszubauen und damit den Grundstein einer Neuordnung der deutschen Volksgruppe nach reichsdeutschem Muster zu legen. Sofort nach der Übernahme der Macht im SDKB erteilte Janko Jakob Lichtenberger und Michael (Michl) Reiser33Michael (Michl) Reiser war Mitbegründer und Führer der Deutschen Mannschaft im Banat. In der SS-Division „Prinz Eugen“ rückte er zum Bataillonskommandeur auf. Am 31. Juli 1944 fiel Reiser während eines Einsatzes. den Auftrag, Männerabteilungen in den deutschen Ortschaften aufzustellen.34Vgl. Janko: Weg und Ende der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien, S. 162. Diese hatten die Aufgabe, das kulturelle Leben der deutschen Bevölkerung in ihrem Ort nationalsozialistisch zu beeinflussen und sich politisch und wirtschaftlich zu betätigen. Ihre Tätigkeit führte allmählich zu der Bezeichnung „die Mannschaft“, wie sich besonders die Jüngeren nannten,35Vgl. ebenda. um sich von der früheren Erneuerungsbewegung zu unterscheiden. Um diese Männergruppe im Kulturbund auf Landesebene gründen und einheitlich organisieren zu können, wurden Männer aus Dörfern und Städten, die der NS-Erneuerungsbewegung nahestanden, in einem Schulungslager versammelt und politisch indoktriniert. Diese ideologische Beeinflussung, die hauptsächlich auf die Verbreitung und Übernahme nationalsozialistischer Anschauungen und Parolen gerichtet war, wurde kurzfristig durch den Simović-Putsch (27. März 1941) unterbrochen. In den Tagen des Jugoslawien-Feldzuges (6.–17. April 1941) konnte die Volksgruppenführung keine Verbindung zu den Ortsgruppen herstellen, sodass diese Bürger- oder Ortswehren vor allem für die Aufrechterhaltung der Ordnung sorgten.36Vgl. Wüscht: Jugoslawien und das Dritte Reich, S. 262.

Nach der Zerschlagung Jugoslawiens (17. April 1941) wurde der Kulturbund aufgelöst und Sepp Janko zum SS-Obersturmführer und zum Volksgruppenführer für den von deutschen Truppen besetzten serbischen Teil des Banats ernannt. Am 8. Juli 1941 verkündeten Deutschland und Italien das Ende des Königreichs Jugoslawien, obwohl der emigrierte König und seine Regierung den Anspruch auf den Fortbestand des Staates erhoben. Den nationalsozialistischen Kräften um Janko war es nun möglich, sich unter dem Schutz der deutschen Außenpolitik von jedem Assimilierungsdruck zu befreien. So konnten sie zur völligen Erfassung der deutschen Bevölkerung Jugoslawiens schreiten, was in der deutschen Presse Jugoslawiens von nun an deutlich in Erscheinung trat.

Sichtbarer Ausdruck der „Volksgemeinschaft“, aber auch der nationalsozialistischen Vereinnahmung der Deutschen, war unter anderem die permanente Präsenz der der NS-Volksgruppenführung angeschlossenen Verbände im Alltag der deutschen Volksgruppe im serbischen Banat und in Serbien. Einer der wichtigsten Verbände war der Deutsche Arbeitsdienst (DAD), über den Janko schrieb:

Als eine der wichtigsten Einrichtungen zur volkspolitischen Erziehung der Jugend erachte ich unseren Deutschen Arbeitsdienst (DAD) […] Er sollte der heranwachsenden Jugend u. a. das vermitteln, was ihr früher die Volksschulen und die meisten höheren Schulen nicht zu geben vermocht hatten […] Der Arbeitsdienst sollte die völkische und soziale Idee, die wir vertraten, in die Tat umsetzen.37Janko: Weg und Ende der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien, S. 173. Hervorhebung im Original.

Nach Janko sollte der DAD „das noch fehlende Glied einer sozialen [eigentlich nationalsozialistischen, Anm. des Autors] Gemeinschaftserziehung zwischen Schule, Jugend und Erwachsenendasein werden“.38Ebenda. Was bedeutet, dass Janko und sein Stab die Kontrolle und die Möglichkeit zur Beeinflussung der deutschen Bevölkerung in nahezu jedem gesellschaftlichen Lebensbereich erlangten. Die Bedeutung der Massenorganisationen wie dem DAD, der DM, der Deutschen Frauenschaft (DF) und der DJ, die die gesamte deutsche Bevölkerung im Banat und in Serbien in die Pflicht nahmen, lag darin, dass sie den „Totalisierungsprozess“ der deutschen Gesellschaft manifestierten. Trotz aller Leistungen der deutschen Bevölkerung war der Krieg auch im serbischen Banat längst allgegenwärtig. Die nationalsozialistische Propaganda der NS-Volksgruppenführung unter Sepp Janko ließ die deutsche Bevölkerung nicht aus den Klauen. Ihre Durchhalteparolen, das Gerede von Wunderwaffen, von dem baldigen Zerfall der gegnerischen Koalition und immer wieder von Hitlers überragendem Feldherrngenie in der deutschen Presse führte dazu, dass Hitlers Ansehen trotz aller Fehlschläge bei den Deutschen im Banat unangetastet blieb. In seiner Rede auf dem Heldengedenktag 1943 sagte Janko unter anderem:

[…] Wir wissen, was wir unserem Führer und unserem Volke schuldig sind. Es bedarf da keiner Mahnung mehr. Wir werden beweisen, dass wir der gleichen Haltung und Gesinnung fähig sind.

Und wenn heute alle Deutschen der Welt das Haupt erheben und beten, dann kann es nur das eine Gebet sein; Herrgott, mach uns stark und verleihe uns die Kraft, nach jedem Schlage, der uns trifft, nur noch härter zu werden und entschlossener, damit wir die Sendung umso sicherer erfüllen, die zu erfüllen wir berufen sind.39Heldengedenktag (1943). In: Sepp Janko: Reden und Aufsätze. Herausgegeben von Hans Diplich. Betschkerek: Druckerei der Volksgruppenführung 1943, S. 158–164, hier: S. 164.

Am 14. Februar 1942 fand zwischen dem deutschen Gesandten Felix Benzler, dem Volksgruppenführer Sepp Janko und dem Höheren SS- und Polizeiführer August Meyszner eine Besprechung statt, auf der entscheidende Maßnahmen zur Aufstellung bewaffneter Verbände im serbischen Banat getroffen wurden.40Vgl. PA AA R 101011, Fiche 2606. Telegramm Nr. 184, 16.2.1942, Blatt H299603-04, gez. Benzler. Während der Besprechung vertrat Janko die Meinung, dass nicht mehr als 10.000 Deutsche zwischen 17 und 40 Jahren aus dem serbischen Banat für eine bewaffnete Heimwehr zur Verfügung gestellt werden könnten, weil bereits 7.000 bis 8.000 Banater Deutsche sich bei der Wehrmacht und als freiwillige Arbeiter in Deutschland befänden. Um der Anwerbung der Deutschen im serbischen Banat zur Waffen-SS Nachdruck zu verleihen, erließ Janko im Amtsblatt der Volksgruppenführung folgende Verordnung über die allgemeine Wehrpflicht der Deutschen im serbischen Banat:

Aufgrund der Artikel 5 und 6 der Verordnung über die Rechtsstellung der deutschen Volksgruppe im Banat und Serbien und auf Grund entstandener Notwendigkeit, erlasse ich nachstehende Verordnung über die Wehrpflicht der deutschen Männer des Banats und Serbiens: Für die Angehörigen der deutschen Volksgruppe im Banat und Serbiens führe ich für die Dauer des Krieges und zum Schutze unserer Heimat mit sofortiger Wirkung die allgemeine Wehrpflicht ein. Die Wehrpflicht gilt für alle Männer der Volksgruppe vom 17. bis zum 50. Lebensjahr. Die Zeitdauer der Wehrpflicht und den Ort der Verwendung bestimme ich von Fall zu Fall […]. Für uns aber ist es nunmehr eine Ehrensache, dass wir den Traditionen unserer Väter folgend, den Schutz von Haus und Hof selbst übernehmen. Ich rufe Euch daher auf, dass alle Männer vom 17. bis 50. Lebensjahr, sobald der betreffende Jahrgang aufgerufen ist, sich bei den Bürgermeistern und in Belgrad bei der Kreisleitung der Volksgruppe zum Dienst mit der Waffe zum Schutz unserer Wohnstätte melden […].

Sepp Janko41Janko: Reden und Aufsätze, S. 113; vgl. auch PA AA R 101011, Fiche: 2606, Blatt H299599.

Nach der Veröffentlichung dieses Aufrufs konnte Ende März 1942 die 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“ gegründet werden. Die „Prinz Eugen“ war nur für Aufgaben der Inneren Sicherheit und für Einsätze gegen Partisanen vorgesehen. Darum war Berlin auch nicht gewillt, größere Mengen an erstklassigen Waffen und Geräten für die Division auszugeben. Die „Prinz Eugen“ wurde somit im serbischen Banat für einige Monate deutscher militärischer Hauptfaktor. Trotzdem wurde die Division, wie Gesandtschaftsrat Dr. Feine in einem Telegramm vom 25. Dezember 1942 dem Auswärtigen Amt mitteilte, am 6. Januar 1943 wegen anderweitiger Verwendung aus Serbien herausgezogen.42Vgl. ebenda. Telegramm Nr. 1776, 25.12.1942, Blatt: H2995-38-39.

Nach 1945 unterließ es Janko, das wahre Gesicht der nationalsozialistischen Propaganda in den Reihen der deutschen Minderheit im ehemaligen Jugoslawien und ihre Irrlehre aufzuzeigen. In den 17 Kapiteln seines 1982 erschienenen Buches Weg und Ende der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien verstrickte er sich in allzu offensichtliche Widersprüche. Seine Arbeit befindet sich nicht immer im Einklang mit dem vorhandenen Quellenmaterial, da sie den tatsächlichen Problemen der Auseinandersetzung zwischen der NS-Erneuerungsbewegung und dem SDKB und seinem nationalsozialistischen Führungsstil ausweicht.

Johann Wüscht

* 12. August 1897 in Militisch (ung. Militics), Österreich-Ungarn
† 1976 in Koblenz

Johann Wüscht war NS-Politiker der deutschen Volksgruppe im serbischen Banat, nach 1945 Archivar im Bundesarchiv Koblenz. In Kollotschau (ung. Kolocso), Österreich-Ungarn, besuchte Wüscht die Grundschule und die Handelsschule in Neusatz (serb. Novi Sad). Während des Ersten Weltkrieges geriet er in russische Kriegsgefangenschaft (1915–1916), während derer er mit sozialistischen Ideen in Berührung kam, die Eindruck auf ihn machten. Nach der Rückkehr in die Heimat arbeitete Wüscht als Büroangestellter. Er zeigte aber bald Interesse an den sozialen, politischen, wirtschaftlichen und demografischen Aspekten der „Volksdeutschen Gemeinschaft“ im neu gegründeten Königreich Jugoslawien.43Vgl. Filip Krčmar: Volksdeutsche Eugenics in Vojvodina. In: Marius Turda (Hg.): The History of East-Central European Eugenics, 1900–1945. Sources and Commentaries. London: Bloomsbury Academic 2015, S. 517–548, hier: S. 529f. Der Verein für das Deutschtum im Ausland (i. F.: VDA) hatte bis 1935 kein klares Konzept für die deutsche Volksgruppe in Jugoslawien; darum lavierte die Spitze des Vereins hin und her. Der VDA stellte sich gegen Stefan Kraft als Leiter der Genossenschaftsorganisation und plädierte für den zum Nationalsozialismus tendierenden Johann Wüscht als künftigen Leiter, was dann auch in die Tat umgesetzt wurde.

Wüscht leugnete später, dass es bei den Deutschen im ehemaligen Jugoslawien eine weltanschauliche Umorientierung gegeben habe.44Vgl. Wüscht: Ursachen und Hintergründe, S. 22–24. Recherchen im Deutschen Volksblatt (Neusatz), in der Batschkaer Zeitung, der Wespe und dem Volksruf widerlegen Wüschts Darstellung. Es hat sogar einen heftigen Kampf der NS-Erneuerungsbewegung um die „Seele“ der deutschen Minderheit gegeben, und nur der Standhaftigkeit des katholischen Klerus ist es zu verdanken, dass der nationalsozialistischen Ideologie keine tieferen Einbrüche in die katholische Bevölkerung gelangen. Wie bereits erwähnt, waren die „Bürgerwehren“ und „Wachmannschaften“ nicht nur mit Knüppeln und Äxten ausgerüstet, so wie es Wüscht darstellte, sondern mit Schusswaffen. Nach dem Erscheinen deutscher Einheiten am anderen Donauufer sowie nach der Sprengung der beiden Brücken, besetzten die bewaffneten „Bürgerwehren“ und „Wachmannschaften“ das Postgebäude und den Bahnhof von Neusatz sowie das Kraftwerk an der Donau und begannen mit der Entwaffnung serbischer Truppenteile. Als Augenzeuge beschreibt Johann Wüscht diese Vorgänge wie folgt:

Bis zum letzten Augenblick arbeiteten die jugoslawischen Behörden – die Beamten in der Banalverwaltung, die Bezirks- und Gemeindebehörden, die Polizei usw. – mit der schwäbischen Zivilbevölkerung zusammen, und beim Einmarsch der magyarischen Truppen flüchteten viele serbische Familien, fast die gesamte noch verbliebene Polizeimannschaft mit ihren Offizieren vor der Rache des magyarischen Pöbels in das Deutsche Haus (Haus der Haus-Bau-AG, kurz: Habag) in Neusatz, der Hauptstadt der Donaubanschaft. Der Bürgermeister der Stadt drängte auf die Übergabe seines Amtes an einen Deutschen. Die Postdirektion wollte die Telegramme, den gesamten Kassenbestand u. a. Wertsachen dem Volksgruppenführer übergeben. Der Polizeipräsident unternahm nichts ohne vorherige Befragung der Volksgruppenführung. Viele Offiziere der jugoslawischen Armee wollten sich der Obhut der Volksgruppenführung übergeben, da weit und breit kein deutscher Soldat sichtbar war, und die Magyaren noch an der Grenze kämpften. Die Serben sahen in der gut disziplinierten deutschen Volksgruppe offensichtlich das Element, dem sie die Macht und die Verantwortung in diesen schweren geschichtlichen Tagen übergeben konnten. Die Verhandlungen mit den führenden serbischen Männern führten Dr. Trischler und ich.45BA LAA Bayreuth, Johann Wüscht: Ost-Dokumentation (Ost-Dok) 16/19, S. 8.

Als Präsident der Zentral-Genossenschaftsorganisation und als NS-Amtswalter in der Volksgruppenführung im serbischen Banat war Wüscht an der Denunziation jüdischer Mitbürger beteiligt. Diese unrühmlichen Taten, die er und seine NS-Kollegen im ehemaligen Jugoslawien, in Ungarn und Rumänien im Namen des Nationalsozialismus begingen, versuchte er nach 1945 zu vertuschen und zu leugnen. So hatte Wüscht, der nach 1949 Archivar im Bundesarchiv Koblenz war, Tonbandaufnahmen von ehemaligen NS-Funktionären angefertigt, und zwar so, wie die ehemaligen NS-Funktionäre aus Jugoslawien, Rumänien oder Ungarn es wünschten, das heißt, nicht wie es eigentlich war; diese Aufnahmen sind Bestandteil der „Ost-Dokumentation“ im Lastenausgleichsarchiv Bayreuth, einer Außenstelle des Bundesarchivs.

Jakob Awender

* 3. Juli 1898 in Stefansfeld (ung. Istvànfölde), Österreich-Ungarn
† 10. April 1975 in Freeport, Illinois, USA

Von 1933 bis 1941 Führer der NS-Erneuerungsbewegung im ehemaligen Jugoslawien und von 1941 bis 1944 Präsident der landwirtschaftlichen Genossenschaft im serbischen Banat.

Die Machtübernahme Hitlers am 30. Januar 1933 beeinflusste auch das politische Leben der Deutschen im ehemaligen Jugoslawien. Eine zum NS tendierende Gruppe46Zu dieser Gruppe gehörten Dr. Sepp Janko (Rechtsanwalt), Adam Krämer (Schriftleiter der Deutschen Zeitung), Dr. Josef Trischler, Johann Wüscht (Führer der deutschen Wohlfahrtsgenossenschaft), Dr. Karl Müller (Volkswirt und Herausgeber der Wirtschaftszeitschrift), Dr. Jakob Awender (Zahnarzt in Pantschowa), Führer des dortigen Kulturbundes und Herausgeber der Pantschowaer Post), Jakob Bieber (Student und Führer der deutschen Studentenvereinigung „Suevia“ in Belgrad). schloss sich in der Jungdeutschen Bewegung (JB) zusammen; eine zweite Gruppe formierte sich um Jakob Awender, die innerhalb des Kulturbundes eine Politik der „Auswechselung“ alter führender Persönlichkeiten wie Stefan Kraft und Georg Grassl betrieb.

Gemessen an den Zielsetzungen und Machtinteressen waren die Führer dieser Gruppen, die sich in kurzer Zeit in der NS-Erneuerungsbewegung vereinigt hatten, keine harmlosen Träumer, wie Janko nach 1945 behauptete,47Vgl. Janko: Weg und Ende der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien, S. 26. sondern machtbesessene Fanatiker. Zielscheibe ihrer Angriffe waren nicht nur die Führung des Kulturbundes, sondern alle deutschen Persönlichkeiten, die ihre Idee ablehnten.

Da sich die NS-Erneuerer in der Awender-Gruppe 1934 nur auf wenige Gemeinden im Bezirk Pantschewo (serb. Pančevo) stützen konnten, ihre Anhänger wohlhabende Bauern waren und Awender als Schützling des radikalen Abgeordneten D. Janković galt, wurde er vom VDA als mittelmäßiger „Demagoge“ betrachtet.48Vgl. PA AA R 60076, Auszug aus einem Bericht des Leiters des Wirtschaftsamtes des VDA Dr. Fuetterer über die Lage des Deutschtums in Südslawien im Mai 1934. Awender, der gegen die Aufrechterhaltung der PdD war und ständig die Losung „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ im Munde führte, segelte einerseits im Fahrwasser der jugoslawischen Regierung und andererseits in dem des Nationalsozialismus. Darum trifft die Feststellung Dr. Fuetterers vom VDA zu, dass Awender sich „nationalsozialistisch gibt“, wenn es ihm „zweckmäßig erscheint“.49Ebenda.

Die nationalsozialistische Propaganda nahm in Jugoslawien an Intensität zu und fand in der nationalsozialistischen Erneuerungsgruppe Jakob Awenders ihren Niederschlag. Ebenso steigerten sich die Beschuldigungen seitens des Bischof Anton Akšamović bis hin zu dem Vorwurf, der Kulturbund beabsichtige aus Kroatien ein „Großdeutschland“ zu machen. Das veranlasste die Bundesleitung des SDKB, Awender sowie einige führende Persönlichkeiten seines Kreises wie Gustav Halwax (Stellvertreter des Jugendbundes und des Kulturbundes) und Georg Henlein in der Sitzung vom 13. Januar 1935 zeitweilig aus dem Kulturbund auszuschließen.50Vgl. PA AA R 60076, Schreiben der Deutschen Gesandtschaft Belgrad an das AA, 29.1.1935. Inhalt: Gärung innerhalb der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien. Anlass dafür war die Ignoranz Awenders gegenüber den wiederholten Aufforderungen, seine Angriffe gegenüber dem Bundesausschuss des SDKB, dem er bis zum 3. Dezember 1934 angehört hatte, einzustellen. Er äußerte sich dazu wie folgt:

Das Wohl unserer gesamten Volksgruppe soll nicht durch friedliche und einträchtige Zusammenarbeit aller Volksgenossen sichergestellt werden, sondern durch rücksichtslosen Kampf auf einem kompromisslosen Wege zur Totalität angestrebt werden.51„Ausschließungen aus dem Kulturbund“. In: Deutsches Volksblatt, 17.1.1935.

Diese Aussage Awenders zeigt, dass die Gegensätze zwischen der Führung des SDKB und den NS-Erneuerern immer stärker hervortraten. Während früher die Angriffe Awenders im Wesentlichen nur die Persönlichkeit Krafts und sein Geschäftsgebaren in den von ihm geleiteten wirtschaftlichen Organisationen der deutschen Volksgruppe zum Ziel hatten, richteten sie sich nun gegen die Arbeit des Kulturbundes. Dabei konnte Awender sich auf die Jugendgruppen stützen, die sich nach der Machtergreifung Hitlers in vielen Gemeinden gebildet hatten und von Studentengruppen aus dem Reich gestärkt wurden. Ein anderer Teil der Jugendgruppen war jedoch gegen die Methoden, mit denen die NS-Erneuerer die Beseitigung der „alten Führung“ betrieben. Dass sich die Diktion Awenders besonders seit 1934 in der Pantschowaer Post deutlich änderte, ist der Tatsache zu verdanken, dass er sich an die Spitze der NS-Erneuerungsbewegung stellte, seinem Blatt die zeittypische Parole „Ehre, Blut und Boden“ gab und den Titel des Blattes in Volksruf änderte.

Der „Anschluss“ Österreichs (13. März 1938) und der Sudetengebiete der Tschechoslowakei (1. Oktober 1938) ans Deutsche Reich hinterließen bei der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien einen starken Eindruck; der Erfolg des Einigungsversuchs zwischen den NS-Erneuerern und den führenden Persönlichkeiten des SDKB blieb jedoch sehr gering. Das lag vor allem daran, dass Awender und seine Freunde innerhalb der deutschen Minderheit keine ausreichende Autorität besaßen, aber auch an der Durchführbarkeit des in der „Entschließung“ aufgestellten volkspolitischen Programms bei dem damaligen Stand der jugoslawischen Innenpolitik. Da die Mehrheit der deutschen Bevölkerung mit der Regierung in Frieden leben wollte, war sie keinesfalls dazu bereit, den sogenannten „Einigungsaufruf“ Awenders, Branimir Altgayers und Halwax’ zu unterstützen.

Am 27. Mai 1938 veröffentlichte Awender als Landesleiter der NS-Erneuerungsbewegung im Volksruf einen Aufruf, in dem es unter anderem hieß:

Auf Grund der Herstellung der volkspolitischen Einheit unserer deutschen Volksgruppe entstand auch für unsere Erneuerungsbewegung die völkische Pflicht der Lösung ihrer bisherigen politischen Bindung zur jugoslawischen nationalen Bewegung  ‚Zbor‘. Mit dem heutigen Tage löse ich daher alle organisatorischen Gruppen der Erneuerungsbewegung in der bisherigen politischen Form auf.52In: Volksruf, 27.5.1938; vgl. PA AA Kult A, Band 19 von 4586 1938 bis Kult A 969/38.

Dieser Schritt Awenders wurde schon seit längerer Zeit in der Führung der deutschen Volksgruppe erwartet, weil die ungünstigen Auswirkungen, welche die Aufstellung des Programms einer „völkischen Einheitsfront“ nach sich zogen, auf die jugoslawischen Behörden einen schlechten Eindruck machten. Da die Führung des Kulturbundes und die bewährten Politiker Stefan Kraft und Senator Georg Grassl nur unter stillem Vorbehalt gegen die radikale Agitation der „Erneuerer“ aufbegehrten, weil sie heftigen Widerstand aus Deutschland befürchteten, gab es innerhalb der deutschen Volksgruppe keine andere Macht, die sich gegen die Methoden der NS-Erneuerungsbewegung hätte stemmen können, außer der Regierung in Belgrad.

Da die VoMi in der Auseinandersetzung zwischen den NS-Erneuerern und der Führung des Kulturbundes keinen Ausweg wusste, fasste sie den Entschluss, Sepp Janko, den „gemäßigten“ NS-Erneuerer, zum Bundesobmann des SDKB zu nominieren. Awender und Altgayer, beide Vertreter der NS-Erneuerungsbewegung, waren mit der Nominierung Jankos zum Bundesobmann nicht einverstanden, da Awender die Bundesleitung des SDKB für sich beanspruchte. Die VoMi lehnte jedoch diesen Anspruch ab. In einem klärenden Gespräch kam man zu dem Schluss, dass der Sechser-Ausschuss des SDKB erweiterungsbedürftig sei, für den die VoMi den Abgeordneten Franz Hamm, Senator Georg Grassl und Josef Trischler vorschlug. Altgayer sollte die Führung der NS-Erneuerungsbewegung in Kroatien und Awender die gesamte Führung der NS-Bewegung übernehmen.

Sehr schnell zeigte sich, dass die „Erneuerer“ mit Unterstützung aus dem Reich ihren Machtanspruch prinzipiell auf alle Bereiche der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien durchsetzen konnten, auch wenn die jugoslawischen Behörden sie in der Durchsetzung ihrer Ziele zeitweise bremsten. Wie ein Teil der donauschwäbischen Bevölkerung die „NS-Erneuerer“ einschätzte, kann dem 1939 in „Die Wacht“ erschienenen Artikel Ungewollt vernichten sie ihr eigenes Volk! entnommen werden. Hier heißt es unter anderem:

Verblendete und vom Wahn gereizte hoch eingebildete Klarseher mischen sich in die Jugendbewegung ein und lehren einzig den Nachwuchs gut Marschieren, Heilschreien und die Götzen einer neuen Weltanschauung anzubeten. Das Christliche wird von diesen abgelehnt, weil es nicht arteigen ist […].53Ernst Ruppert: Ungewollt vernichten sie ihr eigenes Volk. In: Die Wacht, 24.9.1939.

Nach dem Zusammenbuch Jugoslawiens leitete Awender als NS-Amtswalter in der Volksgruppenführung im serbischen Banat den Genossenschaftsapparat. Nachdem die Rote Armee die Karpaten überschritten hatte, erhielt er von Volksgruppenführer Sepp Janko den Auftrag, die Evakuierung der deutschen Bevölkerung vorzubereiten. Nach Kriegsende begab er sich nach Amerika und konnte so seiner Strafe entkommen.

Branimir Altgayer

* 8. November 1897 in Przekopana bei Przemyśl, Galizien
† 15. Mai 1950 (hingerichtet) in Belgrad

Die Volksschule besuchte der als zweites Kind von Viktor Altgayer, österreich-ungarischer Offizier, und Emilie, geb. Rath., geborene Altgayer in Kutjevo (Slawonien) und Essegg (kroat. Osijek), danach absolvierte er vier Klassen am Realgymnasium – ebenfalls in Essegg und in Semlin (serb. Zemun). Am 7. September 1912 trat er in die österreich-ungarische Kavallerie-Kadettenschule in Mährisch Weißkirchen ein. Ab dem 15. März 1915 unterstützte Altgayer als Fähnrich das österreich-ungarische Ulanenregiment. In diesem Regiment nahm er am Ersten Weltkrieg teil und wurde in Wolhynien am 31. August 1916 verwundet. Daraufhin wurde er Regimentsadjutant und erhielt die bronzene Tapferkeitsmedaille mit Schwertern (PVBl. 173 vom 27. September1916 und PVBl. 204 vom 3. November 1917). Am 24. August 1915 wurde er zum Leutnant ernannt und knapp zwei Jahre später, am 17. August 1917, zum Oberleutnant befördert. Nach dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns trat Altgayer, nachdem man ihm weder in Wien noch in Zagreb 1919 Studienerleichterungen gewährt hatte, in die jugoslawische Armee als Regimentsadjutant und Schwadronschef beim 6. und 2. Kavallerieregiment in Sarajevo und Weretz (kroat. Virovitica) ein. Am 14. Oktober 1920 wurde er zum Rittmeister II. Klasse und am 29. Juli 1923 zum Rittmeister I. Klasse ernannt.

Wegen der für ihn nicht akzeptablen Behandlung der Deutschen in Jugoslawien trat er aus der Armee aus und wurde am 26. Januar 1927 in Reserve versetzt. Nach dem Ausscheiden aus der Armee übte er mehrere Berufe aus, wurde schließlich Geschäftsführer der Ein- und Ausfuhrgenossenschaft in Essegg und beteiligte sich politisch in der NS-Erneuerungsbewegung. Im Oktober 1933 wurde er Obmann des deutschen Gesang- und Musikvereins in Essegg, der einzigen halbdeutschen Organisation in Slawonien. Am 18. März 1934 gründete Altgayer eine Ortsgruppe des Schwäbisch-Deutschen Kulturvereins in Essegg und begann mit der Erweckung der Deutschen in Slawonien. Da im Laufe der innervölkischen Auseinandersetzungen die Kulturbundgruppe Esseggs aufgelöst wurde, gründete Altgayer am 24. März 1936 die Kultur- und Wohlfahrtsvereinigung der Deutschen in Slawonien. Seine Bestrebungen in den von ihm gegründeten Vereinen wurden im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie betrieben. Nach Wiederherstellung des innervölkischen Friedens und nach der Übernahme des SDKB durch Sepp Janko 1938, wurde Altgayer am 26. Dezember 1938 Gauobmann des Gaues Slawonien und am 1. Februar 1940 Stellvertreter des Volksgruppenführers Sepp Janko in Jugoslawien.

Mit dem Schreiben vom 5. November 1940 richtete Volksgruppenführer Sepp Janko die Bitte an das Ergänzungsamt der Waffen-SS, Branimir Altgayer mit sofortiger Einstellung in die Waffen-SS zur Ausbildung zwecks Durchführung der Organisation der volksdeutschen Wehrmannschaft (SS) in Kroatien und führender Tätigkeit in dieser aufzunehmen.54Vgl. Bundesarchiv Berlin (i. F. BA Berlin), Abschrift, Berlin, den 5. Nov. 1940. An das Ergänzungsamt der Waffen-SS, gez. Branimir Altgayer (Kopie des Originalschreiben im Archiv des Autors). Am selben Tag wurde Altgayer von der Ergänzungsstelle Spree III übernommen. Acht Tage später, am 13. November 1940, wurde er als SS-Hauptsturmführer55In der Personalakte Nr. 11583 der Waffen-SS gibt es jedoch andere Daten. Vom 6. November 1941 bis zum 9. November 1943 wird Altgayer als Hauptsturmführer der SS, danach, bis zum 1. Februar 1944, als SS-Sturmbannführer erwähnt. Die oben angeführten Daten sind aus seinem Lebenslauf, eingereicht beim SS-Hauptamt Nr. 11624 vom 15. April 1943, entnommen worden. bei dem 11. SS-Infanterieregiment eingeteilt. Von hier wurde Altgayer am 12. Dezember 1940 über das Ergänzungsamt der Waffen-SS zur Ergänzungsstelle Altenland (XVIII) versetzt und nach Jugoslawien zur weiteren Werbung von SS-Freiwilligen beordert. Während des Feldzugs gegen Jugoslawien leitete Altgayer die Verteidigung des Sitzes der Volksgruppenführung (im Habag-Haus) in Neusatz.

Am 24. April 1941 wurde er als Volksgruppenführer der nun eigenständigen deutschen Volksgruppe in Kroatien eingesetzt; am 10. November 1941 wurde er zum Staatsdirektor und am 11. Januar zum Staatssekretär ernannt. Seit dem 8. Oktober 1925 war er mit seiner Frau Martha, gebürtige Cernuta, geboren am 4. November 1907 (in der Personalakte der SS: 11. Oktober 1907) in Essegg, verheiratet. Dieser Ehe entstammen zwei Söhne.

Am 19. September 1942 teilte der rumäniendeutsche Artur Phleps, SS-Obergruppenführer und späterer General der Waffen-SS, Volksgruppenführer Branimir Altgayer mit, dass sich viele deutsche Männer aus Kroatien bei ihm gemeldet und den Wunsch geäußert hätten, in die Division „Prinz Eugen“ aufgenommen zu werden. Sie würden klagen, seien ungenügend ausgebildet, schlecht bewaffnet und müssten in Zivilkleidern in den Kompanien der Ustascha-Verbände kämpfen. Sie würden als Soldaten kämpfen und evtl. auch als Soldaten sterben wollen. Phleps bedauerte, „dass politische Motive“ ein Hindernis für die Aufstellung einer eigenen volksdeutschen SS-Brigade seien, ähnlich wie im serbischen Banat die „Prinz Eugen“. Am 15. September 1942 erließ Volksgruppenführer Altgayer einen Aufruf zur „Musterung für die Waffen-SS“:

Männer der deutschen Volksgruppe. Im gegenwärtigen gewaltigen Kampf, der das Schicksal des deutschen Volkes und ganz Europas für die nächsten Jahrhunderte entscheidet, kann auch die deutsche Volksgruppe nicht abseitsstehen. Die Wehrkraft der Volksgruppe ist bis heute nur zum Teil ausgenützt. Eine große Zahl wehrfähiger Männer geht noch Beschäftigungen nach, die in so ernster und entscheidender Zeit auch von älteren Männern und Frauen versehen werden können. Jetzt sollen die wehrfähigen Männer der Volksgruppe im Alter von 17 bis 35 Jahren in den Reihen der Waffen-SS eingesetzt werden. Die Musterung und Einbeziehung erfolgt in den nächsten Tagen nach den Weisungen des Landesmannschaftsführers. Kein wehrfähiger Deutscher kann sich dieser Pflicht entziehen, will er seinem Volke, dessen Zukunft und seiner Heimat dienen. Den Schutz der Heimat übernehmen die hier schon kämpfenden und die wehrfähigen Männer im Alter von 35 bis 50 Jahren, die gleichzeitig gemustert und in der nächsten Zeit zu den Einheiten der Einsatzstaffel der Deutschen Mannschaft und zu den Einheiten der kroatischen Landwehr auf Kriegsdauer eingezogen werden. Ich erwarte, dass diese Männer, vor allem die Teilnehmer des Weltkrieges 1914–1918, meine Kriegskameraden, mit gleicher Hingabe, soldatischer Disziplin und Strammheit ihre Pflicht erfüllen werden, wie dies jetzt unsere Jungen tun. Die von Juden angeführten kommunistischen Räuberbanden werden die Faust derjenigen spüren, die vor 24 Jahren und mehr in Galizien und Wolhynien, am Karst und den Schluchten des Balkans mannhaft gestritten hatten.

Für die Versorgung der zurückbleibenden Familien ist weitgehend Vorsorge getroffen. Deutsche Männer, beweist auch diesmal, dass die deutsche Volksgruppe in Kroatien ein vollwertiger Zweig des großen deutschen Volkes und bereit ist, bis zum letzten ihre Pflicht zu erfüllen.

Alles für den Sieg – Heil Hitler!

Der Volksgruppenführer, gez. Altgayer56PA AA R 100993, Fiche: 2562–63. Hervorhebungen im Original.

In dem Aufruf wird nicht deutlich, dass die 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“ zu diesem Zeitpunkt zur Partisanenbekämpfung nach Kroatien verlegt werden sollte. Darum warb Altgayer für den Einsatz in der Waffen-SS mit dem Hinweis, dass man auch hier der Verteidigung des eigenen Volkes, seiner Zukunft und seiner Heimat dienen würde. Andererseits wurden besonders die Einberufung der älteren deutschen Männer und ihr Einsatz für den Schutz der Heimat betont, und die Juden wurden als die Anführer der „kommunistischen Räuberbanden“57Vgl. Johann Böhm: Die deutschen Volksgruppen im Unabhängigen Staat Kroatien und im serbischen Banat. Frankfurt am Main: Peter Lang 2012, S. 373. dargestellt.

Am 22. September 1942 erschien in der Deutschen Zeitung für Kroatien der Stabsbefehl Nr. 9 des Volksgruppenführers Altgayer über den Wehrdienst. Im ersten Absatz heißt es:

Auf Befehl des Führers hat die Deutsche Volksgruppe in Kroatien am Entscheidungskampf über Sein und Nichtsein des deutschen Volkes in stärkerem Maße als bisher teilgenommen.58Musterung für die Waffen-SS und ES der DM. Stabsbefehl des Volksgruppenführers über den Wehrdienst. In: Deutsche Zeitung in Kroatien, 2. (56.) Jg., 22.9.1942.

Da der deutsche Gesandte Siegfried Kasche über die Äußerung „Auf Befehl des Führers“ verärgert war, untersagte er den deutschen Zeitungen in Kroatien, in Zukunft Verlautbarungen Altgayers zu veröffentlichen. Diesem Eingriff Kasches in die Kompetenz des Volksgruppenführers widersetzte sich die VoMi und bat das Auswärtige Amt, Kasche möge die bloßstellende Verordnung rückgängig machen.

Von nun an war Volksgruppenführer Altgayer ständig um die SS-Werbung und um die Übergabe von deutschen wehrfähigen Männern an die Waffen-SS und an die 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“ bemüht.59Ausführlich dazu bei Böhm: Die Deutsche Volksgruppe im Unabhängigen Staat Kroatien und im serbischen Banat, S. 357–438. Was die Bewaffnung, die Waffenausbildung der Wehrmannschaften und deren Verwendung betraf, war die Ustascha-Miliz zuständig, in der Altgayer den Rang eines Ustascha-Obersten bekleidete.

Da sich Altgayer freiwillig zur Waffen-SS gemeldet hatte, beurlaubte ihn der Leiter der Volksdeutschen Mittelstelle Werner Lorenz mit Wirkung vom 26. Mai 1943.60Vgl. Bundesarchiv Berlin, Abschrift. Der Leiter der Volksdeutschen Mittelstelle, Berlin, den 26. Mai 1943. An das SS-Hauptamt, Berlin-Wilmersdorf (Kopie des Originalschreibens im Archiv des Autors). Als ehemaliger österreich-ungarischer Berufsoffizier der Kavallerie wurde Altgayer als SS-Hauptsturmführer zur SS-Kavallerie-Division einberufen. Am 9. November 1943 wurde Altgayer zum SS-Sturmbannführer erhoben61Mads Ole Baling: Von Reval bis Bukarest. Statistisch-Biographisches Handbuch der Parlamentarier der deutschen Minderheiten in Ostmittel- und Südosteuropa 1919–1945. Band 2. Kopenhagen: Dokumentation Verlag 1991, S. 687f. und mit Wirkung vom 1. Februar 1944 mit der SS-Nr. 459 556 zur Stabskompanie der Waffen-SS beim Hauptamt Volksdeutsche Mittelstelle versetzt62.Vgl. BA Berlin Personalverfügung Nr. 11587 vom 15. Februar 1944 (Kopie des Originalschreibens im Archiv des Autors). In der Zeit vom 1. Februar 1944 bis zum 1. Februar 1945 übernahm SS-Hauptsturmführer d. R. Jakob Lichtenberger die Stelle des Volksgruppenführers in Kroatien.63Vgl. BA Berlin SS-Personalhauptamt II W II, Abt. 3. Az.: 21c16 Bro./Le. Personalverfügung (Kopie der Personalverfügung im Archiv des Autors). Am 15. Mai 1950 wurde Branimir Altgayer wegen seiner Nazitätigkeit in Zagreb hingerichtet.

Jakob Lichtenberger

* 1. April 1909 Neu Pasua (serb. Nova Pazova), Syrmien, Österreich-Ungarn
† 12. Januar 2005 in Deutschland

Lichtenberger war ein nationalsozialistisch ausgerichteter Politiker im Königreich Jugoslawien. Der Sohn von Heinrich Lichtenberger und dessen Ehefrau Elisabetha, geborene Befurt, absolvierte vier Volksschulklassen und acht Mittelschulklassen, die er mit dem Abitur abschloss, danach wählte er das Studium an den Philologischen Fakultäten in Bonn, Paris und Belgrad, das er zehn Semester lang betrieb. Vom 1. September 1932 bis zum 1. Juni 1933 besuchte Lichtenberger die Reserveoffiziersschule in Bilek, 1934 erhielt er beim 35. Infanterieregiment den Dienstgrad Leutnant, wo er bis 1938 tätig war. In dieser Zeit war Lichtenberger auch Landesjugendführer in Jugoslawien. Sepp Janko, der ebenfalls ein NS-Erneuerer war und von 1939 bis 1941 das Amt des Obmanns beim SDKB übernahm, wonach er sich zum Volksgruppenführer ernannte, erkannte die nationalsozialistische Einstellung Lichtenbergers und schlug ihn für die Ausbildung auf der SS-Junkerschule im oberbayerischen Bad Tölz vor.64Vgl. BA Berlin BDC, SS-0, Archivnummer Lichtenberger, Jakob. Originalabgangszeugnis der SS-Junkerschule Tölz, 27.9.1943, mit der Gesamtpunktzahl 244, Kopie im Archiv des Autors. Von 1. März bis 21. März 1940 war Lichtenberger dem 35. Infanterieregiment als Oberleutnant zugeteilt. Gemäß Verfügung des SS-Führungshauptamtes, Kommandoamt der Waffen-SS, IIa/Az.: 9h/18.9.40/Br.Sdr, vom 18. September 1940, wurde der Oberleutnant der jugoslawischen Armee, Jakob Lichtenberger, auf Befehl des Reichsführers-SS mit Wirkung vom 15. September 1940 für die Dauer des Krieges als SS-Obersturmführer in die Waffen-SS übernommen.65Vgl. BA Berlin BDC, SS-O, Archivnummer: Lichtenberger. Der Reichsführer-SS, Chef des SS-Hauptamtes, Amt I – I 2a-Az.: 16d – Pae/0. SS-Personalamt, 18.9.1942, gez. SS-Sturmbannführer (F) (Kopie des Originaldokuments im Archiv des Autors. Vergleich auch Personalverfügung des Reichführers-SS vom 22. September 1942. gez. Herff, SS-Brigadeführer und General der Waffen-SS. Alle oben angeführten persönlichen Daten sind aus dem Personal-Nachweis für Führer der Waffen-SS entnommen worden. Hier befinden sich auch ein handgeschriebener Lebenslauf von Jakob Lichtenberger sowie ein dreiseitiges Papier mit seinen Personalangaben. Am 29. Oktober 1935 heiratete er Hanna Schieck, geboren am 12. Juni 1919 in Wuppertal-Barmen, die am 31. Mai 1940 verstarb. Eine zweite Heirat erfolgte am 19. November 1941 mit Hanna Schell, geboren am 25. Juni 1916 in Welimirowatz (kr. Velimirovac). Die Personalverfügung vom 23. Juli 1942, IIa/Az.:21c16/Fu./R., besagte, dass SS-Obersturmführer der Res. Lichtenberger zur Stabskompanie der Waffen-SS beim Hauptamt Volksdeutsche Mittelstelle versetzt werden sollte und für die Gliederung der „Waffenabteilung der Deutschen Mannschaft“ als ihr Befehlshaber tätig zu sein habe. Er blieb aber weiterhin dem SS-Hauptamt zugehörig.66Vgl. ebenda. SS-Führungshauptamt, 22.8.1942.         

Ende Mai 1941 übernahm Lichtenberger die Leitung der bewaffneten Formationen der Volksgruppenführung der Deutschen im Unabhängigen Staat Kroatien und die Hauptabteilung für Volksbildung. Am 25. Juli 1942 wurde er zum Ersatzkommando Südost der Waffen-SS versetzt und im Oktober 1943 als SS-Hauptsturmführer zum SS-Panzer-Korps des Gen. Kdo. III (germ) endsandt. Für die Zeit zwischen 11. November 1944 und 1. Februar 1945 wurde Lichtenberger vom SS-Personalamt – Az.: 21c16 Bro./Le. – zum Zwecke eines Fronteinsatzes von Volksgruppen- und SS-Sturmbannführer Branimir Altgayer zum Volksgruppenführer in Kroatien ernannt. Ab April 1945 war Lichtenberger als Befehlshaber des „Jagdverbandes Kroatien der Waffen-SS“ beschäftigt. Am 7. Mai 1945 verließ er Kroatien und lebte nach dem Krieg für längere Zeit in Brasilien, kehrte aber später nach Deutschland zurück, ließ sich in Pforzheim nieder und verstarb 2005.67Deutsches Wort. Blatt der Deutschen und Österreicher in Kroatien 56 (2005), S. 35.

Gustav Halwax

* 31. Oktober 1910 in Heideschüte (ung. Istvánvögy, serb. Hajdučica), Österreich-Ungarn
† 22. September 1941 in Romny, Ukraine, beim „Einsatz im Osten“68Vgl. BA Berlin BDC, SS-O, Archivnummer Gustav Halwax, Pers. Akt. Nr. 22.468, Dienstlaufbahn.

Die Schulausbildung erhielt Halwax in Werschetz (serb. Vršac) und in Werbass (serb. Vrbas). In Berlin studierte er Theologie und Wirtschaft; dort promovierte er auch. Während seiner Urlaubsaufenthalte in Jugoslawien übte Halwax scharfe Kritik an der Führung des SDKB, die er im Volksruf veröffentlichte.69Böhm: Die Deutsche Volksgruppe in Jugoslawien, S. 208f. Halwax, zusammen mit den nationalsozialistischen „Erneuerern“ wie Jakob Awender, Sepp Janko und Johann Wüscht, lehnte – wie weiter oben bereits zitiert – die „friedliche und einträchtige Zusammenarbeit aller Volksgenossen“ ab, sondern glaubte, das Wohl der Volksgruppe „durch rücksichtslosen Kampf auf einem kompromisslosen Wege zur Totalität“ anstreben zu müssen.70Ausschließlich aus dem Kulturbund. In: Deutsches Volksblatt, 17.1.1935. Diese Gesinnung zeigt, dass sich die Gegensätze zwischen den NS-Erneuerern und der Führung des Kulturbundes in Jugoslawien immer mehr verschärften. Dass der „Einigungsaufruf“ ein politischer Fehlgriff Awenders, Altgayers und Halwax‘ war, beweist die große Zahl der Deutschen, die von der jugoslawischen Regierung verhaftet wurden, um Geständnisse von ihnen erpressen zu können.71Vgl. PA AA Deutsche Gesandtschaft Belgrad an das AA, 13.5.1938. Gustav Halwax, Jakob Awender, Branimir Altgayer, Jakob Lichtenberger, Franz Hamm und Johann Wüscht waren in den Jahren 1937/38 die führenden Nationalsozialisten im deutschen Siedlungsraum Jugoslawiens. Mit beharrlicher Wendigkeit versuchten sie, die nationalsozialistische Ideologie innerhalb der deutschen Volksgruppe durchzusetzen. Schon vor der Gründung der Deutschvölkischen Einheitsfront hatten sie bewiesen, wie sehr ihnen die Machtinteressen der nationalsozialistischen Erneuerungsbewegung am Herzen lagen und wie raffiniert sie diese mit den Erwartungen und Sehnsüchten der deutschen Bevölkerung zu bündeln wussten.

Die nicht leicht zu beantwortende Frage bleibt, warum gerade die nationalsozialistische Erneuerungsbewegung die liberalen Elemente innerhalb der deutschen Minderheit zertrümmern konnte. Unzweifelhaft hat die in sich folgerichtig und geschlossen wirkende nationalsozialistische Ideologie den Zusammenhalt der NS-Erneuerungsbewegung gefördert und eine starke Anziehungskraft auf wirtschaftlich gefährdete, aber auch auf moralisch und geistig verunsicherte Deutsche im zentralistisch gelenkten Staat Jugoslawien ausgeübt.

Gustav Halwax war einer der stärksten Exponenten der radikalen Richtung der NS-Erneuerungsbewegung. Aus einem Telegramm des deutschen Gesandten von Heeren an das Auswärtige Amt am 13. April 1939 ist Folgendes zur entnehmen:

Aus Kreisen der Volksgruppe wird mir bestätigt, dass nach unserer Meinung Anhänger der Erneuerungsbewegung, Halwax und Genossen, sich letzthin mit ihrer Agitation stark exponieren und dabei eine Befolgung Berliner Weisungen andeuten. Falls dort meine Auffassung geteilt wird, dass z. Zt. jede Beunruhigung politisch unerwünscht ist, entsprechende Verständigung VoMi.72PA AA Bd. 87; vgl. auch Janko: Weg und Ende der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien, S. 39.

Beim Ersatzamt der Waffen-SS in Berlin war man entschlossen, die Zahl der wehrpflichtigen Deutschen aus Jugoslawien zu erhöhen. Wie vermutet wird, soll dieser Anstoß von Gustav Halwax ausgegangen sein, der sich wegen Meinungsverschiedenheiten mit Sepp Janko ins „Reich“ absetzte, sich dort zur Waffen-SS meldete und am 4. September 1939 aufgenommen wurde. Laut Urkunde vom 15. Juli 1940 wurde er in Deutschland eingebürgert und als SS-Oberscharführer eingetragen.73Kopie der Originalurkunde im Archiv des Autors. Im Dezember 1940 kehrte er nach Neusatz zurück und versuchte mit seinen ehemaligen Kameraden in der NS-Erneuerungsbewegung, unter ihnen Jakob Awender, Heinrich Reiser, Jakob Lichtenberger, Josef Beer und Adam Maurus, Verbindung aufzunehmen. Während einer Besprechung teilte er diesen mit, dass er im Auftrag einer Dienststelle des Reiches, die er nicht nannte, gekommen sei, um Einfluss in der Volksgruppe zu gewinnen, da man die eigenständige Politik Sepp Jankos in Berlin ablehne.74Vgl. Janko: Weg und Ende der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien, S. 41. Da Janko laut vorhandenem Quellenmaterial keine selbständige Politik betrieben hat, bezweifle ich die Echtheit seiner Behauptung (Anm. des Autors).

Halwax’ Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Volksgruppenführung wurde von den Anwesenden abgewiesen. Metzger, der Janko wegen Krankheit vertrat, forderte die VoMi auf, Halwax nach Deutschland abzuberufen.75Vgl. ebenda. Dass die deutsche Gesandtschaft über diesen Vorgang von Janko über den Gesandtschaftsrat Feine, der Janko mehrmals im Krankenhaus besuchte, in Kenntnis gesetzt wurde, geht aus einem Bericht an das Auswärtige Amt hervor,76Vgl. PA AA Kult A – Geheime Reichssache – 2g Rs/1941. in dem Berlin mitgeteilt wurde, dass Halwax wahrscheinlich den Auftrag erhalten habe, „unter Tarnung der Organisierung eines Arbeitsdienstes SS-Standarten unter den Volksdeutschen zu errichten“. Dieser Auftrag klingt plausibel, weil zur gleichen Zeit der Volksgruppenführer in Rumänien Andreas Schmidt Anfang November 1940 die Gründung zweier SS-Standarten, der SS-Standarte West (Banat) und der SS-Standarte Ost (Siebenbürgen), in Rumänien vollzog.77Vgl. „Gründung zweier SS-Standarten in Rumänien“. In: Deutsches Volksblatt, 15.11.1940, S. 5.

Der Auftrag von Halwax schien wahrscheinlich sowohl Janko als auch von Heeren zweifelhaft, was Letzteren bewog, das Auswärtige Amt über Halvax’ Auftrag zu informieren. Da das Auswärtige Amt den Auftrag von Halwax nicht kannte, leitete es den Bericht von Heeren der VoMi weiter, die ihrerseits am 16. Januar 1941 unter Berufung auf eine Unterredung Joachim von Ribbentrops mit SS-Obergruppenführer Werner Lorenz und SS-Gruppenführer und Stabsleiter der VoMi Dr. Hermann Behrends am 13. Januar 1941 in Fuschl gebeten wurde, die Werbeaktion einzustellen.78Vgl. PA AA Kult A – Geheime Reichssache – 2g Rs/1941. Halwax wurde mit Drahterlass vom 17. Januar 1941 abberufen. Dies erfuhr er von der deutschen Gesandtschaft Belgrad.

Halwax, der von der VoMi mit der Aufstellung der Sportorganisation beauftragt wurde, kehrte im Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amt Anfang März 1941 nach Neusatz zurück, um die Jugend im Rahmen der aufzustellenden Sportvereine – sprich „SS-Standarten“ – zu „disziplinieren“.79Vgl. PA AA Kult A – Geheime Reichssache – 28g Rs/1941. All das spielte sich einige Wochen vor dem Militärputsch in Belgrad ab, so dass die Organisierung von Sportmannschaften nicht mehr durchgeführt werden konnte. Am 9. Dezember 1940 beförderte der Reichsführer-SS den SS-Oberscharführer Gustav Halwax zum SS-Untersturmführer.80Vgl. BA Berlin BDC, SS-0, Archivnummer Gustav Halwax. Reichsführers-SS. Der Chef des SS-Personalhauptamtes, Abt. I A 2, Ka/Sch., vom 9. Dezember 1940, an das SS-Führungshauptamt, Kommando der Waffen-SS. In einer Abschrift des Reichsführers-SS, Tgb. Nr. AK/1052/27, vom 27. November 1940, äußert sich Himmler wie folgt:

Lieber Berger! Ihren Bericht vom 15.11.1940 habe ich erhalten. Mit der Beförderung des SS-Oberscharführers Halwax zum SS-Untersturmführer der Waffen-SS bin ich sehr einverstanden. Er kann sogar sehr bald zum SS-Obersturmführer befördert werden. gez. Heinrich Himmler.81Ebenda, Abschrift vom 27.11.1940, Schreiben an SS-Brigadeführer Berger.

SS-Untersturmführer Gustav Halwax, der für den Aufbau der allgemeinen SS in Jugoslawien vorgesehen war, stand für vier Werbekommissionen zur Verfügung, die in den deutschen Ortschaften des Banats Musterungen durchführten. Die Gemusterten wurden von der SS-Division „Das Reich“ übernommen und ausgebildet; später wurden sie an der Ostfront eingesetzt.82Vgl. BA Berlin NS 19/2725; auch Böhm: Die Deutsche Volksgruppe in Jugoslawien, S. 334–337.

In einer Aktennotiz vom 10. Oktober 1941 wird SS-Untersturmführer d. Res. Halwax, Gustav, SS-Nr. 382 414, laut Tagesmeldung der SS-Div. „Reich“ vom 1. Oktober 1941, beim Einsatz im Osten als gefallen gemeldet.83Vgl. ebenda. Berlin, den 10. Oktober 1941, I A 1, Aktennotiz, gez. SS-Obersturmführer, unleserlich.

Franz Hamm

* 18. März 1900 in Neuwerbaß (ung. Verbász), Österreich-Ungarn
† 5. August 1988 in Bad Bodendorf, Deutschland

Hamm war NS-Politiker und Abgeordneter im jugoslawischen und ungarischen Parlament und Verbandsfunktionär in verschiedenen Organisationen Jugoslawiens und Ungarns. Als überzeugter Nationalsozialist innerhalb der Erneuerungsbewegung wurde Hamm nach der Beseitigung der Führung des Kulturbundes – d. h. der alten „Volksführung“ – und der Machtübernahme der nazistischen „Erneuerer“ mit Sepp Janko an der Spitze, ins Führungstriumvirat berufen, zum politischen Leiter und Verbindungsmann zur jugoslawischen Regierung ernannt und von der VoMi bestätigt. Nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens 1941 wurde er auf Wunsch Himmlers und Ribbentrops zum „Führer der nationalsozialistischen deutschen Abgeordneten im ungarischen Reichstag“ ernannt. Als NS-Amtswalter des Volksbundes der Deutschen in Ungarn (VDU) ernannte ihn Volksgruppenführer Franz Basch zum Verbindungsmann zwischen der Volksgruppenführung der Deutschen in Ungarn und dem faschistischen ungarischen Staatsoberhaupt 1944/45, dem Führer der Pfeilkreuzler, Ferenc Szálasi. Nach dem Krieg war er Referent im Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte in Bonn. Zusammen mit anderen ehemaligen Nationalsozialisten gründete er in der Münchner Wohnung von Prof. Dr. Fritz Valjavec, dem ehemaligen NSDAP-Mitglied und SS-Offizier des Sonderkommandos 10b, das Südostdeutsche Kulturwerk in München und war 23 Jahre lang dessen Vorsitzender. Der überzeugte Nationalsozialist wurde in einem Nachruf in der Kulturpolitischen Korrespondenz vom 15. August 1988 als „großer Deutscher“ bezeichnet.84Roland Vetter: Er war immer für alle da. Franz Hamm im Alter von 88 Jahren gestorben. In: Kulturpolitische Korrespondenz, Nr. 697, 15.8.1988, S. 13.

Dr. Johann Böhm, geb. 1929 in Botsch/Batoș, Rumänien, ist Historiker, Politologe, Germanist und Rumänist. Nach seiner Auswanderung setzte er sein in Klausenburg/Cluj-Napoca begonnenes Studium in Bochum und Köln fort, 1984 wurde er in Köln mit der Arbeit „Das Nationalsozialistische Deutschland und die Deutsche Volksgruppe in Rumänien 1936–1944“ promoviert. 1988 begründete er den Arbeitskreis für Geschichte und Kultur in Ostmittel- und Südosteuropa e.V., dessen Vorsitzender er lange Jahr war. 1989 erfolgte die Gründung der Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte Literatur und Politik, als dessen Herausgeber er bis 2016 fungierte. Er ist Träger mehrerer Auszeichnungen, darunter der Hauptpreis der „Nikolaus Lenau Kulturstiftung“ (1998) und die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2006).


[1]       Ausführlich bei Johann Böhm: Die Deutsche Volksgruppe in Jugoslawien 1918–1941. Frankfurt am Main: Peter Lang 2009, S. 15–63.

[2]       Vgl. „Die Entrechtung der Deutschen in Südslawien“. In: Freie Stimme, Nr. 172, 31.7.1920, S. 2.

[3]       Vgl. Böhm: Die Deutsche Volksgruppe in Jugoslawien, S. 131–139.

[4]       Vgl. Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes Berlin (i. F. PA AA), Schreiben der Deutschen Gesandtschaft Belgrad an das AA, 10.5.1921.

[5]       Ludwig Kremling, * 12.5.1861 in Weißkirchen (serb.: Bela Crkva), Banat, † 29.5.1930 in Neusatz (serb.: Novi Sad); studierte in Budapest Philosophie und Jura. Während seiner Rechtsanwaltstätigkeit in Weißkirchen von 1907 bis 1918 war er Vorsitzender der UDP und lebte seit 1925 in Neusatz.

[6]       Dr. Georg Grassl, Jurist und Germanist, * 23.4.1863 in Pantschowa (serb. Pančevo), Banat, † 28.7.1948 in Salzburg; studierte Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft in Wien, Graz und Prag; 1886–1891 Hofmeister und Erzieher der Söhne des österreich-ungarischen Botschafters in Paris, Ladislaus Graf Hoyos; 1891–1918 in österreichischem Staatsdienst, zunächst in Wien, dann bei der Landesregierung in Sarajewo, zuletzt Sektionschef und Leiter der Unterrichtsverwaltung in Bosnien und der Herzegowina. 25.10.1919–31.5.1921 erster Hauptschriftleiter des neu gegründeten Deutschen Volksblattes in Neusatz; 20.6.1920 Hauptgründer des SDKB und bis 9.12.1924 dessen Generalsekretär. 1925 als Stellv. des Spitzenkandidaten der PdB im SHS-Staat von Dr. Stefan Kraft in die Skupština gewählt; 1929 Schriftführer der Liga der Deutschen für Völkerbund und Völkerverständigung; 20.1.1932 u. a. mit Felix Milleker und der Matica Srpska (Neusatz, seit 1826) Aufruf zur Gründung einer jugoslawischen Goethe-Gesellschaft; 1932–1941 berufener Senator Jugoslawiens; 1939–1941 Präsident der Deutschen Schulstiftung; übersiedelte 1941 nach Graz, dann nach Wien, verbrachte die letzten Lebensjahre in Salzburg.

[7]       Vgl. „Die Arbeit des Kulturbundes 1937“. Tätigkeitsbericht der Bundesleitung, Novisad: Druckerei- und Verlag-A.G., 1936, S. 6.

[8]       Vgl. PA AA R 73166, Schreiben der Deutschen Gesandtschaft Belgrad an das AA, 31.1.1922. Vgl. auch Hans-Ulrich Wehler: Nationalitätenpolitik in Jugoslawien. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1980, S. 118.

[9]       Zu der Gruppe gehörten unter anderen Dr. Sepp Janko (Rechtsanwalt), Dr. Adam Krämer (Schriftleiter der Deutschen Volkszeitung), Dr. Josef Trischler (Führungsfigur beim Umbau des deutschen Genossenschaftswesens in Jugoslawien), Dr. Karl Müller (Volkswirt und Herausgeber der Wirtschaftszeitschrift Das Balkanblatt), Johann Wüscht (Führer der deutschen Wohlfahrtsgenossenschaft), Dr. Jakob Awender (Zahnarzt in Pantschowa. Führer des dortigen Kulturbundes und Herausgeber der Pantschowaer Post), Jakob Bieber (Student und Führer der deutschen Studentenvereinigung „Suevia“ in Belgrad).

[10]      Dr. Stefan Kraft, Dr. jur., * 15.8.1884 in India (serb. Inđija), Kreis Ruma, Syrmien, † 16.6.1959 in Heidelberg. Kraft war frühzeitig gegen die Magyarisierungspolitik. Nach Einführung des Apponyischen Schulgesetzes (1907) setzte er sich für die Idee eines schwäbischen Schülerwerkes ein, das er als Mitglied des am 1.12.1911 gegründeten Deutsch-ungarischen Kulturrats in Wien verwirklichen konnte. 1922–1929 geschäftsführender Parteiobmann und der eindeutige Führer der Deutschen im SHS-Staat; führte von 1923–1926 die Fraktion der PdD in der Skupština, deren Vertreter er im Finanzausschuss des Parlaments war. 1929 Initiator und Präsident der Liga der Deutschen in Jugoslawien für den Völkerbund und für Völkerverständigung; 1931–1939 Präsident und Vorsitzender des Kuratoriums der Deutschen Schulstiftung; 1931–1938 Abgeordneter des Wahlkreises Kula im Rahmen der Regierungspartei, in deren oberste Leitung Kraft 1936 als Vertreter der deutschen Volksgruppe gewählt wurde. Wie andere Konservative der deutschen Minderheit geriet er seit 1933 zunehmend in Schwierigkeiten gegenüber den Anforderungen der NS-Machthaber im Reich und ihrer Anhänger in der deutschen Minderheit, kämpfte jedoch lange für sein politisches Überleben, musste aber schließlich auf Drängen nationalsozialistischer Dienststellen in Berlin nach einem Schiedsgerichtsverfahren in Wien am 15.5.1939 alle seine Ämter niederlegen und sich aus dem politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben der deutschen Volksgruppe zurückziehen; November 1941 kroatischer Generalkonsul in München, anschließend Staatssekretär im Ernährungsministerium des Unabhängigen Kroatien in Agram; lebte seit 1945 zunächst in Österreich, ab 1949 in der Bundesrepublik Deutschland; Ehrenvorsitzender des Bundesverbandes der Landsmannschaft der Deutschen aus Jugoslawien e. V.; zuletzt in Stuttgart-Zuffenhausen wohnhaft.

[11]      Johann Keks, Bundesobmann des Kulturbundes von 1927–1929.

[12]      Vgl. Matthias Annabring: Volksgeschichte der Donauschwaben in Jugoslawien. Stuttgart: Verlag Südost-Stimmen 1955, S. 66f.

[13]      Vgl. PA AA R 60067, Blatt M 000757.

[14]      Vgl. Annabring: Volksgeschichte der Donauschwaben in Jugoslawien, S. 66.

[15]      Vgl. Böhm: Die Deutsche Volksgruppe in Jugoslawien, S. 299f.; vgl. ferner: Der Kulturbund ruft zur Arbeit und Einheit. Johann Keks zum Ehrenbundesobmann, Dr. Sepp Janko zum Obmann gewählt – Bundessekretär Giljum zurückgetreten. In: Deutsche Zeitung, 54. Jg., Nr. 29, 8.8.1939. Da Sepp Janko von der VoMi zum Obmann nominiert wurde, war die Wahl zum Obmann vom 6.8.1939 bloßer Schein.

[16]      Vgl. Johann Wüscht: Ursachen und Hintergründe des Schicksals der Deutschen in Jugoslawien. Bevölkerungsverluste Jugoslawiens im Zweiten Weltkrieg. Kehl am Rhein: Selbstverlag 1966, S. 23.

[17]      Vgl. Sepp Janko: Weg und Ende der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien. Graz, Stuttgart: Leopold Stocker Verlag 1982, S. 33.

[18]      Wüscht: Ursachen und Hintergründe, S. 23.

[19]      Ebenda.

[20]      Vgl. Hans Buchheim: Die „Deutsche Mannschaft“ und die „Einsatzstaffel der deutschen Volksgruppe in Kroatien“. In: Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte. München 1958, S. 410f.; vgl. auch Sepp Janko, a. a. O., S. 162.

[21]      Vgl. PA AA Inland IIg 253/2423, Dok. H. 298220.

[22]      Vgl. Holm Sundhaussen: Zur Geschichte der Waffen-SS in Kroatien 1941–1945. In: Südost-Forschungen 30 (1971), S. 176–196, hier: S. 179.

[23]      Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte: Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien. München: dtv 2004, S. 48E.

[24]      Janko: Weg und Ende der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien, S. 77–79.

[25]      Johann Wüscht: Jugoslawien und das Dritte Reich. Eine dokumentierte Geschichte der deutsch-jugoslawischen Beziehungen von 1933 bis 1945. Stuttgart: Seewald 1969.

[26]      Josef Volkmar Senz: Geschichte der Donauschwaben. 3., verbesserte Aufl., München: Arbeitskreis für Donau­schwäbische Heimat- und Volksforschung in der Donauschwäbischen Kulturstiftung 1987, S. 227.

[27]      Wüscht: Jugoslawien und das Dritte Reich, S. 63.

[28]      Vgl. PA AA Inl. IIg 251/2419, Blatt H297859.

[29]      Wüscht: Jugoslawien und das Dritte Reich, S. 63.

[30]      Ebenda.

[31]      Vgl. PA AA R 100380. Bericht der Deutschen Volksgruppe im Banat und in Serbien. Herausgegeben vom Presse- und Propagandaamt der Volksgruppenführung. Betschkerek 1943, S. 35.

[32]      Vgl. PA AA Inl. IIg 253/2429, Blatt H298120.

[33]      Michael (Michl) Reiser war Mitbegründer und Führer der Deutschen Mannschaft im Banat. In der SS-Division „Prinz Eugen“ rückte er zum Bataillonskommandeur auf. Am 31. Juli 1944 fiel Reiser während eines Einsatzes.

[34]      Vgl. Janko: Weg und Ende der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien, S. 162.

[35]      Vgl. ebenda.

[36]      Vgl. Wüscht: Jugoslawien und das Dritte Reich, S. 262.

[37]      Janko: Weg und Ende der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien, S. 173. Hervorhebung im Original.

[38]      Ebenda.

[39]      Heldengedenktag (1943). In: Sepp Janko: Reden und Aufsätze. Herausgegeben von Hans Diplich. Betschkerek: Druckerei der Volksgruppenführung 1943, S. 158–164, hier: S. 164.

[40]      Vgl. PA AA R 101011, Fiche 2606. Telegramm Nr. 184, 16.2.1942, Blatt H299603-04, gez. Benzler.

[41]      Janko: Reden und Aufsätze, S. 113; vgl. auch PA AA R 101011, Fiche: 2606, Blatt H299599.

[42]      Vgl. ebenda. Telegramm Nr. 1776, 25.12.1942, Blatt: H2995-38-39.

[43] Vgl. Filip Krčmar: Volksdeutsche Eugenics in Vojvodina. In: Marius Turda (Hg.): The History of East-Central European Eugenics, 1900–1945. Sources and Commentaries. London: Bloomsbury Academic 2015, S. 517–548, hier: S. 529f.

[44]      Vgl. Wüscht: Ursachen und Hintergründe, S. 22–24.

[45]      BA LAA Bayreuth, Johann Wüscht: Ost-Dokumentation (Ost-Dok) 16/19, S. 8.

[46]      Zu dieser Gruppe gehörten Dr. Sepp Janko (Rechtsanwalt), Adam Krämer (Schriftleiter der Deutschen Zeitung), Dr. Josef Trischler, Johann Wüscht (Führer der deutschen Wohlfahrtsgenossenschaft), Dr. Karl Müller (Volkswirt und Herausgeber der Wirtschaftszeitschrift), Dr. Jakob Awender (Zahnarzt in Pantschowa), Führer des dortigen Kulturbundes und Herausgeber der Pantschowaer Post), Jakob Bieber (Student und Führer der deutschen Studentenvereinigung „Suevia“ in Belgrad).

[47]      Vgl. Janko: Weg und Ende der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien, S. 26.

[48]      Vgl. PA AA R 60076, Auszug aus einem Bericht des Leiters des Wirtschaftsamtes des VDA Dr. Fuetterer über die Lage des Deutschtums in Südslawien im Mai 1934.

[49]      Ebenda.

[50]      Vgl. PA AA R 60076, Schreiben der Deutschen Gesandtschaft Belgrad an das AA, 29.1.1935. Inhalt: Gärung innerhalb der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien.

[51]      „Ausschließungen aus dem Kulturbund“. In: Deutsches Volksblatt, 17.1.1935.

[52]      In: Volksruf, 27.5.1938; vgl. PA AA Kult A, Band 19 von 4586 1938 bis Kult A 969/38.

[53]      Ernst Ruppert: Ungewollt vernichten sie ihr eigenes Volk. In: Die Wacht, 24.9.1939.

[54]      Vgl. Bundesarchiv Berlin (i. F. BA Berlin), Abschrift, Berlin, den 5. Nov. 1940. An das Ergänzungsamt der Waffen-SS, gez. Branimir Altgayer (Kopie des Originalschreiben im Archiv des Autors).

[55]      In der Personalakte Nr. 11583 der Waffen-SS gibt es jedoch andere Daten. Vom 6. November 1941 bis zum 9. November 1943 wird Altgayer als Hauptsturmführer der SS, danach, bis zum 1. Februar 1944, als SS-Sturmbannführer erwähnt. Die oben angeführten Daten sind aus seinem Lebenslauf, eingereicht beim SS-Hauptamt Nr. 11624 vom 15. April 1943, entnommen worden.

[56]      PA AA R 100993, Fiche: 2562–63. Hervorhebungen im Original.

[57]      Vgl. Johann Böhm: Die deutschen Volksgruppen im Unabhängigen Staat Kroatien und im serbischen Banat. Frankfurt am Main: Peter Lang 2012, S. 373.

[58]      Musterung für die Waffen-SS und ES der DM. Stabsbefehl des Volksgruppenführers über den Wehrdienst. In: Deutsche Zeitung in Kroatien, 2. (56.) Jg., 22.9.1942.

[59]      Ausführlich dazu bei Böhm: Die Deutsche Volksgruppe im Unabhängigen Staat Kroatien und im serbischen Banat, S. 357–438.

[60]      Vgl. Bundesarchiv Berlin, Abschrift. Der Leiter der Volksdeutschen Mittelstelle, Berlin, den 26. Mai 1943. An das SS-Hauptamt, Berlin-Wilmersdorf (Kopie des Originalschreibens im Archiv des Autors).

[61]      Mads Ole Baling: Von Reval bis Bukarest. Statistisch-Biographisches Handbuch der Parlamentarier der deutschen Minderheiten in Ostmittel- und Südosteuropa 1919–1945. Band 2. Kopenhagen: Dokumentation Verlag 1991, S. 687f.

[62]      Vgl. BA Berlin Personalverfügung Nr. 11587 vom 15. Februar 1944 (Kopie des Originalschreibens im Archiv des Autors).

[63]      Vgl. BA Berlin SS-Personalhauptamt II W II, Abt. 3. Az.: 21c16 Bro./Le. Personalverfügung (Kopie der Personalverfügung im Archiv des Autors).

[64]      Vgl. BA Berlin BDC, SS-0, Archivnummer Lichtenberger, Jakob. Originalabgangszeugnis der SS-Junkerschule Tölz, 27.9.1943, mit der Gesamtpunktzahl 244 (Kopie im Archiv des Autors).

[65]      Vgl. BA Berlin BDC, SS-O, Archivnummer: Lichtenberger. Der Reichsführer-SS, Chef des SS-Hauptamtes, Amt I – I 2a-Az.: 16d – Pae/0. SS-Personalamt, 18.9.1942, gez. SS-Sturmbannführer (F) (Kopie des Originaldokuments im Archiv des Autors. Vergleich auch Personalverfügung des Reichführers-SS vom 22. September 1942. gez. Herff, SS-Brigadeführer und General der Waffen-SS. Alle oben angeführten persönlichen Daten sind aus dem Personal-Nachweis für Führer der Waffen-SS entnommen worden. Hier befinden sich auch ein handgeschriebener Lebenslauf von Jakob Lichtenberger sowie ein dreiseitiges Papier mit seinen Personalangaben.

[66]      Vgl. ebenda. SS-Führungshauptamt, 22.8.1942.

[67]      Deutsches Wort. Blatt der Deutschen und Österreicher in Kroatien 56 (2005), S. 35.

[68]      Vgl. BA Berlin BDC, SS-O, Archivnummer Gustav Halwax, Pers. Akt. Nr. 22.468, Dienstlaufbahn.

[69]      Böhm: Die Deutsche Volksgruppe in Jugoslawien, S. 208f.

[70]      Ausschließlich aus dem Kulturbund. In: Deutsches Volksblatt, 17.1.1935.

[71]      Vgl. PA AA Deutsche Gesandtschaft Belgrad an das AA, 13.5.1938.

[72]      PA AA Bd. 87; vgl. auch Janko: Weg und Ende der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien, S. 39.

[73]      Kopie der Originalurkunde im Archiv des Autors.

[74]      Vgl. Janko: Weg und Ende der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien, S. 41. Da Janko laut vorhandenem Quellenmaterial keine selbständige Politik betrieben hat, bezweifle ich die Echtheit seiner Behauptung (Anm. des Autors).

[75]      Vgl. ebenda.

[76]      Vgl. PA AA Kult A – Geheime Reichssache – 2g Rs/1941.

[77]      Vgl. „Gründung zweier SS-Standarten in Rumänien“. In: Deutsches Volksblatt, 15.11.1940, S. 5.

[78]      Vgl. PA AA Kult A – Geheime Reichssache – 2g Rs/1941.

[79]      Vgl. PA AA Kult A – Geheime Reichssache – 28g Rs/1941.

[80]      Vgl. BA Berlin BDC, SS-0, Archivnummer Gustav Halwax. Reichsführers-SS. Der Chef des SS-Personalhauptamtes, Abt. I A 2, Ka/Sch., vom 9. Dezember 1940, an das SS-Führungshauptamt, Kommando der Waffen-SS.

[81]      Ebenda, Abschrift vom 27.11.1940, Schreiben an SS-Brigadeführer Berger.

[82]      Vgl. BA Berlin NS 19/2725; auch Böhm: Die Deutsche Volksgruppe in Jugoslawien, S. 334–337.

[83]      Vgl. ebenda. Berlin, den 10. Oktober 1941, I A 1, Aktennotiz, gez. SS-Obersturmführer, unleserlich.

[84]      Roland Vetter: Er war immer für alle da. Franz Hamm im Alter von 88 Jahren gestorben. In: Kulturpolitische Korrespondenz, Nr. 697, 15.8.1988, S. 13.

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