Ambivalente Lebensläufe. Securitate-Offiziere zwischen Verklärung und Sachlichkeit (4)

William Totok

5. Securitate-HelfershelferFür die ersten Teile dieses Beitrags siehe die Druckfassungen: William Totok, Ambivalente Leb1ensläufe. Securitateoffiziere zwischen Verklärung und Sachlichkeit. In: Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik, 28. Jg., Heft 1–2, 2016, S. 61–82, und Studia Germanica Napocensia, Bd. 5, 2018: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Festschrift für Eginald Schlattner zum 85. Geburtstag. Hrsg. von Rudolf Gräf, Gabriella-Nóra Tar, Ioana Florea. Klausenburg: Universitätsverlag 2018, S. 19–46, sowie Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa, 29.–30. Jg., Bd. 1–2, 2017–2018, S. 128–145.

Die nachrichtendienstliche Effizienz der rumänischen Securitate ist nicht nur dem militärisch strukturierten Geheimdienstapparat zuzuschreiben, der aus mehr oder weniger ausgebildeten Offizieren zusammengesetzt war, sondern auch einem breiten zivilen Netzwerk, bestehend aus inoffiziellen Mitarbeitern. Ein großer Teil dieser Mitarbeiter kam nur widerwillig den Anforderungen der Führungsoffiziere nach und war nicht bereit, sich an operativen Tätigkeiten zu beteiligen. Trotz dieser „Unzulänglichkeiten“ gab es aber eine Kategorie von inoffiziellen Mitarbeitern, die ihre Tätigkeit mit größtem Eifer ausführte und dabei überzeugt war, der „gemeinsamen Sache“ zu dienen. Diese Mitarbeit war oft auch mit gewissen Vergünstigungen finanzieller Art und mit bestimmten sozialen Privilegien verbunden. Nicht unbedingt im Falle von Leuten, die sich freiwillig und aus Überzeugung als Mitarbeiter angeboten oder ihre Anwerbung als einen staatsbürgerlichen und politischen Auftrag verstanden hatten und zielbewusst ausführten.

Beispielhaft für diese Kategorie von Securitate-Mitarbeitern sind Heinz Stănescu (geb. 19. September 1921, Wien – gest. 13. Mai 1994, Frankreich) und Ivan Denes (geb. 16. September 1928, Temeswar/Timișoara – gest. 16. Januar 2011, Berlin).

Ihre Biografien weisen deutlich erkennbare Gemeinsamkeiten auf. Beide entstammten bürgerlichen deutschsprachigen bzw. ungarischsprachigen jüdischen Familien, beide hatten bereits in ihrer Gymnasialzeit Kontakte zu linksgerichteten und verbotenen kommunistischen Kreisen, beide waren rassischen Verfolgungen ausgesetzt, beide waren nach dem Sturz des faschistischen Militärregimes am 23. August 1944 aktive Funktionäre im Rahmen von Satellitenorganisationen der Kommunistischen Partei und schließlich auch überzeugte Mitglieder der Partei, beide waren hochgebildete Akademiker und beide beschäftigten sich mit Literatur, Stănescu als Literaturkritiker und -historiker sowie als Lehrkraft an der Bukarester Germanistikfakultät, Denes als Publizist, Übersetzer, Verfasser von Theaterstücken und Romanen. Beide waren inhaftiert und beide gingen ins westliche Ausland, wo sie starben.

Beide begannen in der zweiten Hälfte der 1940er-Jahre für den Geheimdienst zu arbeiten, Stănescu zuerst als Offizier und ab 1952, nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst, als inoffizieller Mitarbeiter (unter den Decknamen „Abrud“, „Silviu“ und „Traian“2Vgl. die 4 Bände der Personalakte von Stănescu, ACNSAS, R 48661, die Strafakte, ACNSAS, P 13978, sowie seine vom Auslandsgeheimdienst angelegte Akte, ACNSAS, SIE 39647.) bis 1976, Denes als In- bzw. Auslandsagent von 1948 bis 1989 mit einer Unterbrechung (unter den Decknamen: „Aurel Bantaș“, „Alecu Sîrbu“, „Alexandru Sîrbu“, „GX-36“, „Petru Pintilie“, „Kraus“, „Konrad“3Vgl. die vom Auslandsgeheimdienst angelegte Akte, ACNSAS, SIE 10829, 5 Bde., den operativen Vorgang, ACNSAS, I 211772, 11 Bde., und die Strafakte, ACNSAS, P 13581.).

Die im Anhang veröffentlichten Autobiografien, die in der Frühphase des rumänischen Stalinismus zwischen 1948 und 1952 entstanden sind, weisen formale und narrative Überschneidungen auf. Da es sich jedoch um eigenhändig verfasste Texte handelt, enthalten diese auch subjektiv eingefärbte, inhaltlich zusammenwirkende Komponenten. Bei Stănescu dominiert eine gewisse, fast ängstliche Zurückhaltung, wenn es um die Offenlegung seiner persönlichen und intimen Beziehungen geht. Dabei betont er seine weltanschauliche Einstellung, verschweigt aber bewusst seine Homosexualität, die ihm 1952 zum Verhängnis wurde und ein strafrechtliches Verfahren nach sich zog. Homosexualität war in Rumänien ein Straftatbestand. Derartige „Verfehlungen“ der Securitate-Offiziere wurden mit Gefängnis bestraft und in der Regel nicht kaschiert. Stănescu wurde 1952 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt und unehrenhaft aus dem Dienst entlassen, in dem er eine Blitzkarriere gemacht hatte. Er arbeitete bis dahin in der Hauptabteilung 1, die für die Bekämpfung der politischen Opposition im Inland zuständig war. Gleichzeitig war er einer der vier Stellvertreter des Abteilungschefs Gavrilă Birtaş. Bis zu seiner Festnahme stand Stănescu als hauptamtlicher Securitate-Offizier an der Spitze der Unterabteilung, in deren Zuständigkeitsbereich u. a. die Verfolgung und Überwachung der Religionsgemeinschaften4Vgl. dazu: William Totok: Episcopul, Hitler şi Securitatea. Procesul stalinist împotriva „spionilor Vaticanului“ din România [Der Bischof, Hitler und die Securitate. Der stalinistische Prozess gegen die „Spione des Vatikans“ in Rumänien]. Iaşi: Polirom 2008, S. 49–50, S. 124. fiel. Während seiner Haft wurde Stănescu einer Gefangenenbrigade zugeteilt, die am Bau eines Wasserkraftwerkes beteiligt war, das nach seiner Fertigstellung den Namen „Wladimir Iljitsch Lenin“ erhielt. Aufgrund seiner früheren Tätigkeit als Offizier wurde er mit der privilegierten Aufgabe betraut, die Erfüllung des Arbeitssolls der Mitgefangenen zu überwachen und zu ermitteln. Noch während seiner Haftzeit willigte er am 16. Februar 1952 ein, als inoffizieller Mitarbeiter unter dem Decknamen „Abrud“ für die Securitate zu arbeiten.5Vgl. Verpflichtungserklärung vom 16. Februar 1952 (ACNSAS, R 48661, vol. 1, Bl. 6–7) und Bericht über den Rekrutierungsverlauf vom 17. Februar 1952, verfasst vom Securitate-Unterleutnant Grigore Pişleag (ebenda, Bl. 5). Die inoffizielle Tätigkeit setzte er auch nach seiner Haftentlassung am 3. Juni 19536Vgl. Fişa personală [Personalbogen], ACNSAS, P 13978, Bl. 218v, sowie den Eintrag mit der Liste seiner Verbindungsoffiziere (ebenda, Bl. 2). Eine Kurzfassung seiner Biografie veröffentlichten auch Adrian Nicolae Petcu, Denisa Bodeanu: Contribuţii la întocmirea unui dicţionar al ofiţerilor de Securitate (problema culte-secte) [Beiträge zu einem Lexikon der Securitate-Offiziere – Bereich Kulte-Sekten]. In: Caietele C.N.S.A.S., 2. Jg., Nr. 1 (3), 2009, S. 56–58. fort. Eine Beurteilung, in der am 7. Januar 1954 die IM-Tätigkeit des früheren Securitate-Majors Stănescu zusammengefasst wurde, beschreibt ihn als äußerst „gewissenhaft“ und „diszipliniert“. Darin wird außerdem hervorgehoben, dass dank seiner Mitarbeit eine Gruppe von Saboteuren enttarnt und unschädlich gemacht werden konnte. In Bukarest setzte er seine Mitarbeit fort und bemühte sich, die Aktivitäten „feindlicher Elemente“ in der Akademie der Rumänischen Volksrepublik (RVR) und der C.I. Parhon-Universität zu beobachten.7Bericht vom 7. Januar 1954, unterzeichnet von Hauptmann Mihai Spiridon und Hauptmann Dumitru Badea (ACNSAS, R 48661, vol. 1, Bl. 3–4).

In den darauffolgenden Jahren veröffentlichte Stănescu zahlreiche Studien und Zeitungsbeiträge, betreute Werkausgaben verschiedener Autoren und berichtete unausgesetzt über die kleinsten Einzelheiten in Gesprächen und Publikationen anderer Autoren. In seinen Berichten war er immer darauf bedacht, auf bestimmte politische und ideologische Abweichungen von der offiziellen Parteilinie hinzuweisen.8Vgl. Georg Herbstritt: Die „Klausenburger Gruppe“. Wie aus liberalen Literaten siebenbürgische Separatisten werden sollten – ein Stasi-Dokument aus dem Jahre 1972 und seine rumänischen Ursprünge. In: Spiegelungen 4 (58) Heft 1, 2009, S. 40–47. Ders.: Entzweite Freunde. Rumänien, die Securitate und die DDR-Staatssicherheit 1950 bis 1989. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2016, S. 122, S. 295–297. Der Stil und der Inhalt dieser nachrichtendienstlichen Mitteilungen ähneln den Texten, die er 1967 in einem Band unter dem Titel Berichte9Heinz Stănescu: Berichte. Bukarest: Literaturverlag 1967. publiziert hatte. Seinen Führungsoffizieren übergab er zudem Listen10Vgl. Dr. Heinz Stănescu – activitatea depusă în 1970 [Dr. Heinz Stănescu – Tätigkeit 1970], ACNSAS, R 48661, vol. 1, Bl. 9–12. mit den von ihm publizierten Beiträgen, die in der Presse, als Einzelveröffentlichungen oder in Sammlungen erschienen waren.11Zur Vorgangsweise Stănescus als Securitate-Mitarbeiter siehe auch: Stefan Sienerth: Zielstrebig, leidenschaftlich, übereifrig. Zur Securitate-Akte des Literaturhistorikers Heinz Stănescu. In: Die Securitate in Siebenbürgen, herausgegeben von Joachim von Puttkamer, Stefan Sienerth und Ulrich A. Wien. Köln-Weimar-Wien: Böhlau Verlag 2014, S. 308–341. Die Agententätigkeit Heinz Stănescus endete 1976, als er von einer Westreise nicht mehr nach Rumänien zurückkehrte und in die Bundesrepublik übersiedelte. Er starb 1994 während eines Aufenthaltes in Frankreich.

Im Unterschied zu Stănescu, dessen Berichte im Ton eher moderat klingen, dominiert bei Ivan Denes ein kaum zu übersehender Appetit auf Denunziation. Diese auf vermeintliche oder tatsächliche politische Verfehlungen oder Vergehen anderer Personen hinweisende Vorgangsweise zieht sich wie ein roter Faden durch die jahrzehntelange, von der Securitate geschätzte und großzügig entlohnte Agententätigkeit von Ivan Denes. Aufgrund der zugänglichen Akten aus dem Securitate-Archiv lassen sich die Stationen dieser spektakulären Agentenbiografie rekonstruieren. Die Akten verdeutlichen, dass Denes an zahlreichen Operationen der Securitate erfolgreich mitgewirkt hatte, die der Isolierung und Unterdrückung von potenziellen Regimegegnern dienten.

In der ersten Phase seiner Agententätigkeit, 1948–1954, hatte Ivan Denes die Aufgabe, sogenannte trotzkistische Elemente zu überwachen. Es handelte sich vorwiegend um Schriftsteller und Intellektuelle, mit denen er Kontakte hatte oder befreundet war und die als „Abweichler“ im Verdacht standen, gegen die offizielle Parteilinie verstoßen zu haben. Unter diesen befand sich auch der proletkultistische Erfolgsautor Titus Popovici (1930–1994).12Vgl. ACNSAS, SIE 10829, vol. 1, Bl. 25v, 87.

1958 geriet Denes selbst ins Visier der Securitate, nachdem er sich mit einem britischen Abgeordneten privat getroffen hatte, und wurde als Landesverräter zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.13Verhaftungsbefehl vom 12. August 1958 (ACNSAS, P 13581, Bl. 3). Beschluss (ebenda, Bl. II). Vermerkte Gefängnisaufenthalte in: Fişa matricolă penală [Häftlingsmatrikel], abrufbar unter dem Stichwort „Ivan Denes“ auf der Internetseite des Instituts für die Untersuchung der Verbrechen des Kommunismus und des Gedenkens an das Rumänische Exil [rumänisch: Institutul de Investigare a Crimelor Comunismului şi Memoria Exilului Românesc, IICCMER], <https://www.iiccmer.ro/victime/fisele-matricole-penale/>, 15.2.2021. Da man ihn nun als unzuverlässig einstufte, wurden die nicht offiziellen Securitate-Kontakte eingestellt. Noch während seiner Haft verpflichtete er sich14Verpflichtungserklärung vom 29. Juli 1964 (ACNSAS, SIE 10829, vol. 1, Bl. 90)., seine Tätigkeit als inoffizieller Mitarbeiter wieder aufzunehmen, nachdem er bereits zuvor aktiv an der sogenannten Umerziehung der politischen Häftlinge mitgewirkt und eng mit der Gefängnisleitung kooperiert hatte. „Ich glaube an den Sieg des Sozialismus, so wie ich an das Sonnenlicht glaube“, beteuerte Denes in der Haftanstalt Gherla in einem undatierten, 15-seitigen maschinengeschriebenen Text15ACNSAS, I 211772, vol. 7, Bl. 1–14, hier: Bl. 15., in dem er die wichtigsten Etappen seines Lebensweges im Stil einer selbstkritischen Analyse zusammenfasst und sich als Anhänger des kommunistischen Systems darstellt.16Über seine aggressive Tätigkeit als „Umerzieher“ siehe insbesondere die Memoiren des ehemaligen politischen Häftlings und späteren Redakteurs des Senders Radio Free Europe, Ion Ioanid: Închisoarea noastră cea de toate zilele [Unser tägliches Gefängnis]. Bukarest: Editura Albatros 1991, 2. Bd., S. 293–294.

Anlässlich der Begnadigung der politischen Häftlinge wurde auch Denes 1964 aus der Haft entlassen.

Von 1964 bis 1970 verfasste er unzählige Berichte – auch über frühere Häftlinge, deren Vertrauen er sich zu erschleichen wusste. So beispielsweise informierte er die Geheimpolizei – noch während des Entstehungsprozesses – über die Erinnerungen von Belu Zilber, einem Mitangeklagten im Prozess gegen den kommunistischen Justizminister Lucreţiu Pătrăşcanu, der 1954 zum Tode verurteilt wurde. Das Manuskript der Memoiren wurde von der Securitate 1970 in einer als Einbruch getarnten Aktion gestohlen.17Vgl. Bericht vom 12. Juni 1969 (ACNSAS, SIE 10829, vol. 3, Bl. 266–267) und einen undatierten Bericht (ebenda, Bl. 446–450). Zilber schrieb daraufhin eine neue Version, die nach der Wende erscheinen konnte. Einige Jahre später tauchte das Urmanuskript auf und wurde ebenfalls in Bukarest als Buch veröffentlicht.18Andrei Şerbulescu: Monarhia de drept dialectic. A doua versiune a memoriilor lui Belu Zilber. Prefaţă: G. Brătescu [Dialektische Rechtsmonarchie. Die zweite Fassung der Memoiren von Belu Zilber. Vorwort von G. Brătescu]. Bukarest: Humanitas 1991. Herbert (Belu) Zilber: Actor în procesul Pătrăşcanu. Prima versiune a memoriilor, ediţie îngijită de G. Brătescu [Beteiligter im Pătrăşcanu-Prozess. Urfassung der Memoiren, herausgegeben von G. Brătescu]. Bukarest: Humanitas 1997.

Denes konnte bis zu seiner 1970 minuziös vorbereiteten Ausreise mehrere Übersetzungen und 1968 auch seinen Roman Păpuşarul [Der Puppenspieler] veröffentlichen, in den er u. a. aufgrund von Insiderinformationen auch Hinweise über die Verfolgung katholischer Geistlicher in den 1950er-Jahren einbaute.19Vgl. William Totok: Episcopul, Hitler şi Securitatea. Procesul stalinist împotriva „spionilor Vaticanului“ [Der Bischof, Hitler und die Securitate…], Iaşi: Polirom 2008, S. 75, S. 81.

Vor seiner Ausreise 1970 durchlief Denes einen speziellen Lehrgang, in dem er mit den technischen und organisatorischen Einzelheiten nachrichtendienstlicher Tätigkeit als Agent im Auslandseinsatz vertraut gemacht wurde. Sein kurzer Aufenthalt in Israel diente im Grunde nur zur Tarnung seines geplanten Einsatzes in West-Berlin, wo er sich 1971 niederließ.

Seine Hauptaufträge bestanden darin, verschiedene oppositionelle Intellektuelle und Schriftsteller aus Rumänien, die im Exil lebten oder im Westen als Besucher unterwegs waren, zu beobachten und den Medien diskreditierende Falschinformationen über deren Tätigkeit zu liefern. Er sollte sich vor allem auf Leute wie die Schriftsteller Paul Goma, Nicolae Breban, A. E. Baconsky, Oskar Pastior und Paul Schuster konzentrieren, aber auch auf Geistliche wie Richard Wurmbrand20Vgl. Raport cu propuneri de demascare a lui „Ashaver“ prin redactarea unei cărţi de către sursa „GX-36“ [Bericht bezüglich der Vorschläge zur Demaskierung von „Ashaver“ in einem Buch, das unsere Quelle „GX-36“ schreiben wird] vom 9. August 1973 (ACNSAS, SIE 10829, vol. 5, Bl. 53–56). „Ashaver“ war der Deckname der Securitate für Richard Wurmbrand (Einzelheiten zu Wurmbrand in: ACNSAS, I 146678, 9 Bde.). und Gerhard Möckel21Besoldung des in Deutschland, Codename „Orăştie“, mit nachrichtendienstlichen Aufgaben betrauten Securitate-Agenten „GX-36“ (alias Ivan Denes) vom 4. September 1972 (ACNSAS, SIE 10829, vol. 1, Bl. 422–423). sowie auf einige westliche Politiker und Kulturschaffende.

Während der Geheimtreffen mit seinen Führungsoffizieren in unterschiedlichen Städten wie Berlin, Belgrad, Wien, Budapest und Bukarest (wo er sich mehrere Male legendiert aufhielt) wurde ihm eingeschärft, sich als ein Mensch mit rechtsgerichteten Ansichten auszugeben, sich rechten Kreisen anzuschließen, ohne sich jedoch exzessiv rumänienfeindlich zu äußern.22Siehe beispielsweise den Analysebericht vom Januar 1973, in dem monatliche Kontakte mit Oberleutnant Ion Pescaru (möglicherweise ein Pseudonym) mit „GX-36“ (Codename von Denes) vorgeschlagen werden (ACNSAS, SIE 10829, vol. 2, Bl. 2–8).

Offiziell arbeitete Denes als Journalist sowohl für die Springer-Presse als auch für die rumänische Abteilung von Radio Free Europe. Es wäre ihm fast gelungen, als Redakteur des Senders fest angestellt zu werden23Raport, priveşte acţiuni de penetrare la „Meliţa“ prin informatorul „Kraus“ [Bericht zur Unterwanderungsaktion von „Meliţa“ durch den Informanten „Kraus“] vom 1. August 1976 (ACNSAS, SIE 10829, vol. 5, Bl. 497–501v). Sistem de legătură cu informatorul „Kraus“ pentru predarea-preluarea documentelor „Meliţa“ în Berlinul de Est [Verbindungsaufnahme mit dem Informanten „Kraus“, um den Austausch und die Übergabe von Dokumenten betreffend „Meliţa“ in Ost-Berlin durchzuführen], ebenda, Bl. 507–507v., dessen Mitarbeiter er ausspioniert hatte.24Bericht vom 12. Februar 1977 über den Besuch von „Kraus“ aus West-Berlin – Deckname: „Babeni-Vest“ – in Rumänien, wo die Tätigkeit des Agenten „Kraus“ (d.i. Ivan Denes) von Oberst Ion Petrescu und dem Residenten „X-II“ analysiert wurde. „Kraus“ übergibt bei dieser Gelegenheit seinen Bericht bezüglich des politischen Programms von Radio Free Europe (ACNSAS, SIE 10829, vol. 2, Bl. 204). „Dieser Mensch [Denes] ist uns sehr nützlich, er ist sehr intelligent und loyal und hat die Möglichkeit, in ,Meliţa‘ [Codename für Radio Free Europe] einzudringen“, hieß es 1977 in einem ausführlichen Bericht des Auslandsgeheimdienstes.25Vgl. ACNSAS, SIE 10829, vol. 5, Bl. 620–621.

Seine Infiltrierung in die Redaktion des in München stationierten US-Senders Radio Free Europe scheiterte, da Wurmbrand und andere frühere rumänische politische Häftlinge gegen eine Anstellung von Denes protestierten, und zwar mit dem Hinweis, dieser habe sich an den von der Securitate ausgeklügelten Umerziehungsaktionen der politischen Gefangenen beteiligt.26Ion Ioanid, a.a.O., S. 294.

Für seine operativ wertvollen Berichte, die er im Laufe seiner langjährigen Tätigkeit regelmäßig an die Securitate weitergegeben hatte, schlug Securitate-General Aristotel Stamatoiu im Spätherbst 1989 vor, ihn im Geheimen mit dem Verdienstorden „Tudor Vladimirescu“ auszuzeichnen.27Mikroverfilmter, schwer lesbarer Bericht, viele Seiten sind lückenhaft und können nicht entziffert werden (ACNSAS, SIE 10829, vol. 2, Bl. 854–893). Dazu ist es nicht mehr gekommen. Im Dezember 1989 wurde das Ceauşescu-Regime gestürzt. Denes’ Akte wurde am 8. Juli 1991 geschlossen.28Raport cu propunere de închidere a dosarului personal „Konrad“ [Bericht zum Vorschlag der Schließung der Personalakte von „Konrad“] vom 8. Juli 1991 (ACNSAS, SIE 10829, vol. 2, Bl. 971).

In den folgenden postkommunistischen Jahren gehörte Denes bis zu seinem Tod zu den Mitarbeitern rechtskonservativer und national-autoritärer Publikationen. Von ihm gezeichnete Beiträge sind regelmäßig in der national-konservativen Jungen Freiheit erschienen. Gleichzeitig war er Chefredakteur des rechtsradikalen Deutschland-Magazins.29Siehe beispielsweise den Artikel: Er ist Jude – aber für Linke ein „Nazi“. Vermummte Links-Banditen überfallen unseren Chefredakteur. In: Deutschland-Magazin, Nr. 37, 2008, S. 1, S. 5. Im gleichen Blatt wird eine neue Publikation von Denes angekündigt (betitelt: Politisch unkorrekt) und den Interessenten ein Bestell-Coupon zur Verfügung gestellt (ebenda, S. 5). 2007 kandidierte er in Bremen bei der Bürgerschaftswahl auf der Liste einer extremistischen Splittergruppierung, der Wählerinitiative „Bremen muss leben“ von Joachim Siegerist.30Siegerist ist der Verfasser eines fragwürdigen Kolportagebuches über die rumänische Revolution: Ceauşescu – Der rote Vampir. Hamburg: Wirtschafts- und Verbands-PR 1990. Dieser war 1993 Abgeordneter im lettischen Parlament und wurde 1997 wegen Volksverhetzung in Hamburg verurteilt. Am 17. Januar 2011 informierte die Junge Freiheit in einem kurzen Nachruf, dass ihr Mitarbeiter Ivan Denes „überraschend gestorben“ war.31Ivan Denes überraschend gestorben. In: Junge Freiheit, 17. Januar 2011.

Anhang

I. Heinz Stănescu

[25. Februar 1949. Autobiografie von Heinz Stănescu]

Autobiografie32Maschinengeschriebenes Dokument, Durchschlag, umfasst 4 Seiten.

Unterzeichneter Heinz Rottenberg-Stănescu (offiziell geänderter Name im November 1947), geboren in Wien – Österreich am 19. September 1921, als meine Mutter bei ihrer Familie weilte, um entbunden zu werden. Zurzeit wohne ich in Bukarest, Alex.-Sahia-Str. Nr. 58, V. Etage, in einem Zimmer (mit separatem Eingang, kleiner Küche und Bad), insgesamt 26 m2, einer Eigentumswohnung, in der ich zusammen mit meinem Vater lebe; Telefonanschluss 1.22.23.

Ich bin ein Securitate-Hauptmann, Abteilungsleiter in der Generaldirektion der Vol33kssicherheit, Abteilung 1, Dienststelle 3Rumänisch: Direcţia Generală a Securităţii Poporului, Direcţia 1, Serviciul 3., Telefon 3.96.97, Innenanschluss 359.

Ich besitze das von mir bewohnte Zimmer in Bukarest, verfüge bloß über mein Gehalt und habe keine weiteren Einkommen. Ich bin Jude, spreche fließend Englisch, Französisch, Deutsch, ziemlich gut Italienisch. Ich war 1921, 1936 und 1937 (vielleicht auch noch einmal, als ich 6–12 Jahre alt war) mit meiner Mutter in Wien, für eine Dauer von je einem Monat, da sie dort ihre Familie besuchte, und 1932 oder 1933 war ich auf einer Kreuzfahrt von Bari nach Venedig (Italien). Nach 1937 habe ich das Land nicht verlassen.

Ich bin nicht verheiratet.

Mein Vater, Filip Rottenburg, 81 Jahre alt, der bei mir wohnt und von mir versorgt wird, hat sich niemals politisch betätigt und war bis 1940, also bis zu seinem 72. Lebensjahr, leitender Prokurist der Vereinigten Schiffsgesellschaft in Brăila, er gehört keiner politischen Organisation an und verfügt über kein Vermögen.

Meine Mutter, Ghizela Sella Rottenberg, 62 Jahre alt, lebt, sie ist Hausfrau, hat sich nicht politisch betätigt. 1946 wurde sie Mitglied der Frauenorganisation (U.F.A.R.), nach ihrem Umzug nach Bukarest, zusammen mit mir, ruhte ihre Mitgliedschaft, da sie sich ausschließlich um den Haushalt kümmerte. Sie besitzt eine Eigentumswohnung (ein Haus) in Brăila. Ich habe keine Geschwister, keine Ehefrau und auch keine Kinder. –

Im Ausland habe ich folgende Verwandte:34Der Absatz mit den Verwandten ist links mit zwei roten, vertikalen Linien markiert.

  1. Henri Berger, Student in Frankreich, Mitglied der KP, ohne Vermögen, er verließ seine Heimat 1939 aus Angst vor den hitleristischen Gewalttätigkeiten, er ist mein zweiter Cousin.
  2. Igna Strauss, Landwirtschaftsverwalter in Frankreich, war Mitglied der Resistance, ohne Vermögen, er verließ Österreich 1939 und ist mein Onkel.
  3. Robert Schmidt, Beamter, besitzt ein Appartement in Wien – Österreich, in dem er wohnt, Mitglied der Sozialistischen Partei, ehemaliger politischer Gefangener, er ist mein Onkel und war niemals in der Rumänischen Volksrepublik.
  4. Bertha Schmidt, Hausfrau, ist die Ehefrau des oben Erwähnten.
  5. Marie Strauss, Beamtin, Witwe, ohne Vermögen, wohnhaft in Wien, ich glaube, sie ist nicht politisch tätig, sie war die Ehefrau eines Onkels, der von den Deutschen deportiert und ermordet wurde.
  6. Flora Matzner, Krankenschwester in den Vereinigten Staaten, aus Angst vor den Hitleristen floh sie 1938 aus Österreich, sie besitzt kein Vermögen, sie ist 72 Jahre alt und politisch nicht tätig. In Österreich war sie Mitglied der Sozialistischen Partei, sie ist meine Tante mütterlicherseits.
  7. Charlotte Deborah Strauss, militärische Krankenschwester in Palästina, sie floh 1938 aus Österreich, sie ist meine Cousine und verfügt über kein Vermögen.

Regelmäßigen Briefkontakt habe ich nur mit 1, 3 und 6.

Die Grundschule besuchte ich von 1928 bis 1932 in Brăila.

Aus dieser Zeit kennt mich Ing. Dorel Rosman-Roman, Str. Dir. Generală C.F.R. – [Bl. 80]

Zwischen 1932 und 1940 besuchte ich das theoretische Gymnasium Nicolae Bălcescu in Brăila, meine Eltern kümmerten sich um meinen Lebensunterhalt. Auskünfte über diese Zeit könnten Professor Dimitrie Onofrei-Onifrievici, Mitglied der RAP35Rumänische Arbeiterpartei (RAP), rum. Partidul Muncitoresc Român (P.M.R.)., Dr. Nicolae Apostol, Inspektor im Gesundheitsministerium, RAP-Mitglied, und Dragu Florin aus dem C.I.M.P.36Um welche Institution es sich handelte, konnte nicht eruiert werden. Der Text enthält auch weitere nicht entschlüsselbare Abkürzungen. Diese wurden ohne nähere Angaben in der vom Verfasser benutzten Schreibweise in diese Übersetzung eingefügt. geben.

Zusammen mit N. Apostol, Ingenieur Iosif Holban, heute Verwalter der Kunstpresse sowie des Tânărul Muncitor [Der junge Arbeiter], und Emil Valeriu Pisică, ehemaliger Sekretär der Patriotischen Jugend (T.P.) aus dem Kreis Brăila, gründete ich 1937–38 einen linksgerichteten Studienkreis als Gegenstück zu den in unserem Gymnasium mehrheitlich existierenden legionaristischen und cuzistischen37Gemeint sind die Anhänger der 1927 von Corneliu Zelea Codreanu gegründeten faschistischen Organisation Die Legion des Erzengels Michael (später auch unter dem Namen Eiserne Garde) und die Anhänger der von A. C. Cuza 1923 ins Leben gerufenen antisemitischen Liga der national-christlichen Verteidigung (Liga Apărării Naţional Creştine – L.A.N.C.). Literaturkreisen. Apostol, Pisică und ich waren aufgrund unserer Überzeugungen Verfolgungen ausgesetzt: Schulausschlüsse, Schläge usw. –

Als Sympathisant war ich zusammen mit meiner Freundin 1938 fünf Monate lang Mitglied der zionistischen Organisation Brith Trumpeldor38Gemeint ist die zionistische Organisation Brit HaNoar HaIvri al shem Joseph Trumpeldor, bekannt unter der rumänischen Bezeichnung Uniunea evreiască de tineret, Joseph Trumpeldor, und unter dem deutschen Namen Hebräischer Jugendbund Joseph Trumpeldor. Die Organisation ist auch unter dem abgekürzten Namen Betar oder Beitar bekannt., habe diese aber verlassen, nachdem sie ausgeschlossen wurde.39Der Abschnitt ist auf dem Blatt links mit einer senkrechten blauen Linie markiert.

Von 1939 bis 1940 sammelte ich Spenden und unterstützte damit geflüchtete Juden aus der Tschechoslowakei und Österreich, die während ihrer Fahrt nach Palästina von Donauschleppern an Land kamen.

Im November 1940 wurde ich zusammen mit Ion Băncilă von einer Legionärsgruppe verhaftet und geschlagen, um zu gestehen, dass ich der Waffenbeschaffer einer kommunistischen Gruppe sei; ich gab zu, in Filipoiu de Baltă, in der Nähe von Brăila, ein Waffendepot zu besitzen, leugnete jedoch, Kommunist zu sein und die Gruppe Stelian Moraru, Constantin Câmpeanu, Ionel Crişan u. a. zu kennen, mit der zusammen ich vor Gericht gestellt werden sollte. Ich wurde jedoch als Anführer der Bande vor Gericht gestellt, da ich angegeben hatte, sie nicht zu kennen, und sie ebenfalls versicherten, mich nicht zu kennen.40Wahrscheinlich wegen der unklaren Angabe ist der Abschnitt links mit einer blauen, senkrechten Linie markiert.

Im Gefängnis gehörte ich dem [kommunistischen] Kollektiv an, wurde von St. Moraru wegen meiner Haltung belobigt und erhielt dort auch meine erste Ausbildung in Marxismus, dessen Lehren ich mir anzueignen begann. –

Aus dem Gefängnis in Brăila wurde ich am 27. Mai 1941 entlassen, nachdem ich zusammen mit Lică Adolf Schwartz, Şerban, dem verantwortlichen Redakteur der Kreiszeitung der Organisation aus Brăila, „Înainte“ [Vorwärts], den Antrag gestellt hatte, nach Caransebeş überstellt zu werden; aus dem Gefängnis Văcăreşti wurde ich am 7. Juni 1941 zusammen mit Ozias Blumenfeld41Im Text falsch geschrieben: Glumenfeld. Einige falsch geschriebene Wörter wurden in dieser Übersetzung stillschweigend korrigiert., zurzeit im Kreiskomitee Ilfov der RAP, Batiştei-Str., Marcel Florian-Feigeles, früher Verwaltungssekretär des Kreiskomitees der RAP aus Brăila, gegenwärtig Direktor eines staatlichen Warenhauses in Braşov [Kronstadt], und Caliopi Gavrilă, U.F.D.R.-Verantwortlicher in Brăila, u. a. in das Lager von Tîrgu Jiu eingeliefert.

Im Lager habe ich mich korrekt verhalten, mich in das Kollektiv integriert, das wirtschaftlich von Ladislau Vass, früher im S.F.I.P.I.A.-Exekutivkomitee, und Eugen Nemethy von der Zeitung „România liberă“ [Freies Rumänien] verwaltet und politisch von Athanasie Joja42Athanasie Joja (1904–1972), Philologe und Jurist, KP-Mitglied seit 1935, Lagerhaft als Kommunist und Antifaschist in Tîrgu Jiu, politisch verurteilt. Parteifunktionär in der kommunistischen Zeit, Mitglied des ZK der RAP, Parlamentsabgeordneter, ab 1966 Vizepräsident der Akademie der Sozialistischen Republik Rumänien (SRR) – vgl. Florica Dobre (Hg.): Membrii C.C. al P.C.R. 1945–1989. Dicţionar [Die Mitglieder des ZK der RKP. 1945–1989. Lexikon], Consiliul Naţional pentru Studierea Arhivelor Securităţii, einleitende Studie von Nicoleta Ionescu-Gură. Bukarest: Editura Enciclopedică 2004, S. 346–347., Außenministerium, N. Popescu-Doreanu, E. Preoteasa43Gemeint ist Grigore Preoteasa (1915–1957), kommunistischer Intellektueller, Mitglied des ZK der RAP und Außenminister (1955–1957). Parteimitglied aus der Zeit, als die KP verboten war, verhaftet und wegen seiner antifaschistischen und kommunistischen Tätigkeit wiederholt in verschiedenen Lagern interniert. Nach dem Sturz des faschistischen Militärregimes von Ion Antonescu am 23. August 1944 Chefredakteur der Tageszeitung România liberă [Freies Rumänien]. Er starb auf dem Weg nach Moskau bei einem Flugzeugabsturz. Unter den Überlebenden des Unfalls befand sich der spätere Parteichef Nicolae Ceauşescu (weitere Einzelheiten in Florica Dobre, a.a.O., S. 490)., Ing. Carol Neumann, Berater im Zentralkomitee der Generalvereinigung Rumänischer Ingenieure [C.C. A.G.I.R.44Asociaţia Generală a Inginerilor din România – A.G.I.R.], unterstützt wurde; am 27. Mai 1942 wurde ich entlassen. –

Nachdem ich nach Brăila zurückgekehrt war, musste ich mich wöchentlich bei der Siguranţa45Siguranţa (Sicherheit) war bis 1948 die Bezeichnung des rumänischen Geheimdienstes. melden, wo ich jeden Sonntagmorgen die Kommissare Stan Tache oder Stan Corneliu oder die Agenten Stănculescu Alexandru und Gheorghe Popescu zu kontaktieren hatte. Erst später erfuhr ich, dass ich wöchentlich von den Polizisten Al. Stănculescu und Ene Stănciulescu beschattet wurde. Davon erfuhr ich erst 1945, als ich in den Polizeidienst trat, bezeugen kann dies Al. Stănciulescu46Unterschiedliche Schreibweisen im Text: Stănciulescu und Stănculescu., der zurzeit als Milizfeldwebel47Miliz war die Bezeichnung der rumänischen Polizei während der kommunistischen Zeit. Die alte Berufsbezeichnung Polizei wurde nach der Revolution von 1989 wieder eingeführt. in Piteşti tätig ist. –

Unter der Kuratel meiner Eltern stehend, vermied ich sogar die Kontakte zu Leuten aus dem Haushalt.

Auskünfte geben über diese Periode kann Mali48Falsch abgetippter Name: Moli statt Mali. Strulovici, die [Bl. 81] ich auf Anweisung des Lagerkollektivs nach meiner Entlassung kontaktierte und der ich laut den von ihr erteilten Aufträgen mehrere Male Geld überreicht habe, das ich aus dem teilweisen Verkauf von Büchern aus meiner Bibliothek an einen Antiquar eingenommen hatte; bezeugen können dies auch Major Oprea, den ich sonntags, wenn ich mich bei der Siguranţa meldete, traf und der weiß, mit welch großer Aufmerksamkeit man mich beobachtete, Alexe (Ion, glaube ich), Caliopi Gavrilă u. a., die alle in Brăila ausfindig gemacht werden können.

Ich möchte noch anführen, dass man mir seitens der Siguranţa keinerlei Angebote zur Mitarbeit gemacht hatte, Siguranţa-Chef Ceaioglu und Tăbârcă (†) sagten mir offen ins Gesicht, sie würden nicht glauben, dass ich kein Kommunist sei.

Im August 1942 wurde ich der Arbeitsbrigade Vădeni zugeteilt mit dem offiziellen Hinweis: Kommunist, hat Schwerstarbeit zu verrichten. Einige Tage später wurde ich der Reparaturwerkstatt zugewiesen, die von Meister Traian Ionescu, früher Mitglied des Kreisrates Brăila seitens der Sozialdemokratischen Partei (P.S.D.), heute RAP-Mitglied, geleitet wurde.

Im September 1942 wurde ich zusammen mit 7–8 Juden verhaftet, um nach Transnistrien deportiert zu werden; ich erinnere mich an einen gewissen Marcel Rottman und an Dr. Marietta Scherdi, Adolf Elias, Mitglied der Kreisleitung des Verbandes der Werktätigen Jugend (VdWJ / U.T.M.) in Galaţi; auf Befehl der Siguranţa aus Bukarest wurde ich zusammen mit Marietta Scherdi entlassen. Sämtliche Kleidungsstücke und mein Gepäck habe ich unter den Genossen verteilt.

Meine Entlassung habe ich der persönlichen Intervention meiner Tante Helene Rottenberg aus Brăila, Ruhimlor-Str. 1, geborene Petalo – Griechin – zu verdanken, die sich direkt an General Piki Vasiliu49Constantin Z. („Piki“) Vasiliu (1882–1946) General, Kommandant der rumänischen Gendarmerie (1940–23. August 1944) und Unterstaatssekretär im Innenministerium (3. Januar 1942–23. August 1944). Als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt und am 1. Juni 1946 zusammen mit weiteren Mitgliedern der Antonescu-Regierung in Jilava hingerichtet. gewandt hatte, dessen Freundin sie früher in Galaţi gewesen war. Auskünfte über diese Angelegenheit kann meine Tante geben, eventuell auch Leute, die mit Piki Vasiliu zusammengearbeitet haben, Gen[osse] C-tin Varlam aus Brăila, der den Brief meiner Tante Vasiliu übergeben hatte, der frühere Major der Gendarmerie Neştianu aus Brăila, der die telefonische Anweisung seitens des Kabinetts von Vasiliu entgegengenommen hatte.50Dieser und der folgende Absatz sind links mit zwei roten und drei blauen, senkrechten Linien markiert.

Nach meiner Entlassung wurde ich vier Tage lang festgehalten und danach erneut dem Drahtherstellungsbetrieb zugeteilt.

Später wurde ich der Arbeitsbrigade „100 Dämme“ zugeteilt, deren Namen auf die Bezeichnungen unserer Unterkünfte „Corbii Vechi“ [Alte Raben] und später „Cotu-Lung“ [Langer Ellbogen] zurückzuführen ist, wo es ein Kollektiv gab (fast so ähnlich wie in Tîrgu Jiu), dem u. a. folgende Leute angehörten: Mendel Ernest, zurzeit Ingenieur der Bukarester Rundfunkanstalt und U.N.S.R.-Aktivist51Landesverband der Studenten aus Rumänien, Uniunea Naţională a Studenţilor din România – U.N.S.R. am Polytechnikum; Sapira Solomon, früher VdWJ-Verantwortlicher für Sportunterricht im Kreis Brăila, heute Beamter in der Wirtschaftsabteilung des Kreises Brăila, Sina Schwartz, heute, so glaube ich, Comcar-Beamtin, Lopi Poch, heute Aktivistin im ZK des VdWJ.

Wegen meines kameradschaftlichen Verhaltens wurde ich öffentlich von einem gewissen Laubmüller als Kommunist denunziert. Während meines Aufenthalts in der Brigade hatte ich keinerlei organisatorische Verbindungen.

Vom März 1944 bis 23. August 1944 war ich in der Arbeitsbrigade „Polygon Brăila“, über meine dortige Tätigkeit und meinen Kampf gegen die Korruption, die darauf hinauslief, nur die Alten und Armen arbeiten zu lassen, könnten folgende Leute Auskünfte geben: Sina Schwartz aus Brăila, ich glaube tätig bei Comcar, mit einem Bruder bei der Kreisparteizeitung „Înainte“ [Vorwärts], Isac Laufer, heute technischer Abteilungsleiter der VdWJ-Kreisleitung Brăila, Filip Crişan, heute bei der Romcereal52Staatliches Unternehmen für Getreidehandel. Auch Comcereal. Brăila, etc.

Ab dem 23. August arbeitete ich bei der Zeitung „Înainte“ in der VdWJ-Abteilung für Schüler, der A.P. und U.P.53Prokommunistische Organisationen. Der Verband der Patrioten (Uniunea Patrioţilor – U.P.) beispielsweise wurde bereits 1942 gegründet und organisierte im Untergrund gegen den antisowjetischen Krieg gerichtete Aktionen (vgl. Ilarion Ţiu: Ofensiva comuniştilor [Offensive der Kommunisten]. In: Jurnalul Naţional, 6. Dezember 2005).

Im Oktober 1944 beantragte ich die Aufnahme in die Partei und leistete de facto Parteiarbeit. 1945 arbeitete ich in der Abteilung für Schüler innerhalb der Fortschrittlichen Jugend (T.P.54Abkürzung des prokommunistischen Verbandes Fortschrittliche Jugend (Tineretul Progresist – T.P.).) und sehr viel innerhalb der F.D.U.55Demokratische Front der Akademiker, rum. Frontul Democrat Universitar – F.D.U. Es handelt sich um eine der zahlreichen Organisationen, die innerhalb der Nationaldemokratischen Front (Frontul Naţionaldemocrat – FND) tätig waren. Die Front war ein nach dem 23. August 1944 entstandener Zusammenschluss von prokommunistischen Organisationen: der RKP (PCR), der Sozialdemokratischen Partei (PSD), der Bauernfront (Frontul Plugarilor), der Sozialistischen Bauernpartei (Partidul Socialist Ţărănesc), dem Verband der Patrioten (Uniunea Patrioţilor – U.P.), der Bäuerlichen Volkspartei (Partidul Ţărănesc Popular), der Einheitlichen Arbeiterfront (Frontul Unic Muncitoresc – FUM), der Nationalen Jugendfront (Frontul Naţional al Tineretului), der Demokratischen Akademischen Jugend (Tineretul Democratic Universitar) – mehr zu diesen Vereinigungen in: Dinu C. Giurescu: Guvernarea Nicolae Rădescu [Die Regierungszeit Nicolae Rădescus]. Bukarest: Editura ALL 1996, S. 32. Einige dieser Organisationen haben ihre Namen geändert und tauchen aus diesem Grund häufig unter anderen oder sehr ähnlichen Bezeichnungen auf. [Bl. 82]

Vom November 1944 bis Februar 1945 besuchte ich in Bukarest die Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften und war innerhalb der Organisation der Wissenschaftsfakultät, die ich auch besuchte, tätig, Auskünfte darüber kann Mihai Popescu geben, der, so glaube ich, heute eine Assistentenstelle an der Wissenschaftsfakultät hat.

Vom April bis Mai 1945 arbeitete ich bei der Polizei, vertrat dort die Linie der RKP, danach RAP, und war dort als politischer Erzieher (Brăila – Bukarest) und als Sekretär (Brăila) beschäftigt.

Nach meinem Hochschulabschluss 1947 arbeitete ich nicht mehr im Jugendbereich.

Ich habe etwas vergessen und füge es jetzt hinzu: 1942 begegnete ich Marcel Florian (Feigeles), den ich fragte, was ich noch an Parteiarbeit leisten könnte, er hat mich jedoch abgewimmelt und behauptet, er verstehe mich nicht. Um einen Verbindungsmann zu finden, sprach ich Marin Oprea an, der sich ebenfalls regelmäßig bei der Siguranţa melden musste, dieser sagte, er habe alles satt und glaube, sein eigener Sohn würde ihm nachspüren.

Abgesehen von der wöchentlichen Meldepflicht hatte ich vor dem 23. August 1944 keinen Kontakt zur Siguranţa. Obwohl ich nach meiner Entlassung aus dem Lager Kontakt zur Arbeiterbewegung aufnehmen wollte, gelang mir dies nicht, mit Ausnahme der Kontakte zu Moli [!] Strulovici und jener, die in Verbindung mit der Roten Hilfe zustande kamen.

Angaben machen über mein Verhalten in der Zeitspanne 1942–1944 können der Genosse Mondi Schwartz aus Brăila, der fast die ganze Zeit über mit mir zusammen in der gleichen Arbeitsbrigade war, sein Aufenthalt kann mit Hilfe seines Freundes Pascu Ştefănescu, Mitglied des ZK des VdWJ, ausfindig gemacht werden, oder mit Unterstützung der Genossin Ada Ştefănescu, Sekretärin des Genossen S. Toma56Sorin Toma (1914, Bukarest – 2016, Tel Aviv), Sohn von Alexandru Toma (1875–1954). Chefredakteur des Zentralorgans der KP, Scînteia [Der Funke], 1947–1960. Sorin Toma ist der Verfasser eines gegen den Dichter Tudor Arghezi gerichteten, berüchtigten Schmähartikels, der in der Scînteia vom 5., 7., 9. und 10. Januar 1947 unter folgendem Titel erschienen ist: Poezia putrefacției sau putrefacția poeziei. Răsfoind volumele lui T. Arghezi [Die Poesie der Fäulnis oder die verfaulende Poesie. Beim Durchblättern der Gedichtbände von T. Arghezi]. Vgl. Sorin Toma: Privind înapoi. Amintirile unui fost ziarist comunist, redactor şef al Scînteii din 1947 pînă în 1960 [Rückblick. Erinnerungen eines ehemaligen kommunistischen Zeitungsschreibers, Chefredakteur der Scînteia von 1947 bis 1960]. Bukarest: Editura Compania 2004., von der „Scânteia“ [Der Funke].

Allerdings kann auch Ada Ştefănescu Angaben über meine Tätigkeit für diesen Zeitraum machen.

25. Februar 1949

(gez.) Stănescu Heintz

für die Richtigkeit

[Bl. 83]

ACNSAS, P 13978, Bl. 80–83

[7. Juli 1949. Eine weitere Autobiografie von Heinz Stănescu]

Bukarest, 7. Juli 194957Maschinengeschriebener Text. In der Akte befinden sich weitere Kopien des Dokuments, auch eine handschriftlich unterzeichnete Fassung (Bl. 100–102). Die abweichende Schreibweise seines Vornamens (Heintz-Heinz) wurde beibehalten.

Autobiografie

Ich, STĂNESCU (früher Rottenberg) HEINTZ, Volkssicherheitshauptmann, gebe hiermit auf Wunsch der Kaderabteilung der Generaldirektion der Volkssicherheit eine ausführlicher gestaltete Autobiografie ab:

Ich wurde am 19. September 1921 in Wien – Österreich geboren, wohin meine Mutter gefahren ist, um bei ihrer Familie zu entbinden.

Mein Vater, Filip Rottenberg, geboren 1868 in Galaţi, lebt; obwohl er schwer krank war, arbeitete er als hoher Beamter bei der Vereinigten Schiffsgesellschaft Brăila – genauer: als Prokurist – und zwar bis zu seinem 72. Lebensjahr, d. h. bis etwa 1939–1940, als er wegen der rassistischen Verfolgungen seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte; er war niemals politisch tätig, seine politischen Sympathien galten allerdings den linksgerichteten bürgerlichen Gruppierungen, beispielsweise zuerst der Nationalen Bauernpartei (P.N.Ţ.58Rum. Partidul Naţional Ţărănesc – P.N.Ţ.), dann Dr. Lupu und Iunian59Nicolae Lupu (1876–1947) und Grigore Iunian (1982–1939) spielten vorübergehend eine führende Rolle innerhalb der P.N.Ţ.; meine Mutter, Hausfrau, geboren in Wien 1886, interessierte sich niemals für Politik; 1946–1947 konnte ich sie überzeugen, der Frauenorganisation (U.F.A.R.-U.F.D.R.) beizutreten.

Beide Eltern besitzen ein Haus in Brăila.

Zwei Monate nach meiner Geburt kam ich ins Land, mein fester Wohnsitz war bis 1947 in Brăila, als ich von der Polizeiquästur Brăila zum Korps der Detektive versetzt wurde.

Von 1928 bis 1932 besuchte ich die Volksschule, danach das theoretische Gymnasium Nicolae Bălcescu, 1932–1940.

In diesem Zeitabschnitt besuchte ich mehrere Male zusammen mit meiner Mutter deren Familie in Wien, zuletzt 1937.

Von 1940 bis 1941 war ich ein politischer Häftling, von 1941 bis 1942 politisch interniert in Tîrgu Jiu, ab 1942 in Zwangsarbeitsbrigaden. Tomescu-Betriebe, Vădeni, Drahtherstellungsbetrieb, 100 Dämme und Polygon, wobei ich jeweils im Gefängnis, im Lager oder in dem der Arbeitsbrigade zugewiesenen Bereich wohnte.

1947 wurde ich in die Hauptstadt versetzt. Wohnhaft: Alex.-Sahia-Str. Nr. 58, in einem Zimmer mit separatem Eingang und Bad (insgesamt 26 m2), dessen Besitzer ich bin.

Unverheiratet, stehe aber kurz vor der Eheschließung.

Ich versorge meine Eltern.

Ich habe einen Hochschulabschluss in Literatur- und Sprachwissenschaften sowie in Philosophie, besuchte die Fakultät von 1944 bis Juni 1947, als ich die Abschlussprüfung ablegte, im Fernkurs ab 1. April 1945, nachdem ich als Kommissar der Polizeiquästur Brăila eingestellt wurde, davor im Präsenzkurs, jedoch mit Unterbrechungen im Winter 1944–1945, als ich in Bukarest bei meinem Cousin wohnte. 

Aus der Volksschulzeit kennt mich der Medizinstudent Brenner Sever, dessen derzeitige Anschrift mir nicht bekannt ist.

Aus der Gymnasialzeit kennen mich Dr. Apostol Nicolae, tätig in der Kaderabteilung des Gesundheitsministeriums, Telefon 3.6045, Dr. Marcel Rothman, Agatha-Bârzescu-Str. Nr. 21, Ingenieur Dragu Florin vom C.I.M. (?), L. Şerban, verantwortlicher Redakteur der Kreisparteizeitung aus Brăila, Dr. Malca Glücksman vom Elias-Krankenhaus, Telef. 7.22.10, Ing. Iosif Holban, Verwalter bei der Zeitung „Scânteia Tineretului“ [Funke der Jugend], etc. [Bl. 96]

Während der Gymnasialzeit gründete ich einen linksgerichteten Studienkreis zusammen mit Emil Valeriu Pisică, ehemaliger Kreissekretär der Fortschrittlichen Jugend (T.P.) aus Brăila – dessen jetziger Aufenthaltsort mir nicht bekannt ist –, Dr. Nicu Apostol und Ing. Iosif Holban; deswegen wurden wir 1936–1937 als Kommunisten unserer Klasse an den Pranger gestellt und bestraft.

1938–1939 war ich in eine geschiedene Frau verliebt und folgte ihr in die Jugendorganisation Brith Trumpeldor; nachdem sie wegen unsittlichen Verhaltens ausgeschlossen wurde, verließ ich ebenfalls diese Organisation. –

Im November 1940 wurde ich zusammen mit einer Gruppe Kommunisten verhaftet und beschuldigt, deren Waffenbeschaffer gewesen zu sein, nachdem die Legionärspolizei bei mir einen Revolver Kaliber 6,35 entdeckt hatte, mit dem ich im Keller Zielschießübungen machte, allerdings ohne dabei irgendwelche politischen Absichten zu verfolgen.

Im Laufe der Untersuchungen war ich den Folterungen nicht gewachsen, glücklicherweise war mir die Gruppe nicht bekannt, andernfalls hätte ich einiges ausgeplaudert. –

Ich wurde trotzdem vor Gericht gestellt und wegen unbefugten Waffenbesitzes zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt; im Gefängnis weihten mich Genosse Stelian Moraru, Vorsitzender der Eisenbahnergewerkschaft, Ionel Crişan vom Außenministerium und Constantin Câmpeanu, ehemaliger Generalsekretär im Forstwirtschaftsministerium, in die Grundlagen des Marxismus ein.

Ich lebte in diesem Gruppenkollektiv zusammen mit den oben erwähnten und mit Pascu Ştefănescu, Mitglied des Politischen Exekutivkomitees des ZK des VdWJ, Lucian Stancu, verantwortlicher Leiter in der Parteiorganisation des Ministeriums für Kunst, L. Şerban und Mendel Tichel aus Brăila, Betrieb Orezul [Reis].

In den 7 Monaten meiner Haft war ich in den Gefängnissen Malmaison, Constanţa, Văcăreşti und Brăila.

Am 27. Mai 1941 wurde ich entlassen und am 7. Juni 1942 erneut verhaftet und ins Lager von Tîrgu Jiu, Gruppe 7, geschickt, wo ich im Unterstützerkollektiv Aufnahme fand und politisch geschult wurde von Ing. Carol Neuman, Mitglied in der A.G.I.R.-Leitung, Telef. 4.74.12, Ladislau Vass vom ZK der RAP, Eugen Nemethy von der Zeitung „România Liberă“ [Freies Rumänien], Grigore Preoteasa, stellvertretender Minister, Athanase Joja, Botschafter, etc. –

Auskünfte über diese Periode können noch Eugen Rosenberg Russu von der Zeitung „Viaţa Sindicală“ [Gewerkschaftsleben], Bunelu Klein, Medizinstudent, Pascu Ştefănescu erteilen.

Im Sinne der Anweisungen von Constantin Câmpeanu unterstützte ich die Inhaftierten nach meiner Entlassung am 27. Mail 1942 mit Hilfe von Maly [!] Strulovici aus Brăila, Plevnei-Straße.

Am 6. September 1942 wurde ich erneut verhaftet, um nach Transnistrien verschickt zu werden, wurde aber freigelassen, nachdem meine Tante Elena Rottenberg Petala aus Brăila, Rubinilor-Str. Nr. 1, bei Picky [!] Vasiliu, dessen intime Freundin sie gewesen war, sich für mich eingesetzt hatte. –

In dieser Zeitspanne versuchte ich, mit der Bewegung Kontakt aufzunehmen – von der Partei konnte noch nicht die Rede sein, denn nicht einmal im Lager wurde mir etwas von Marcel Feigeles Florian, ehemaliger verantwortlicher Verwalter der RKP in Brăila, zurzeit bei der Comcereal in Braşov (?), über die Partei direkt mitgeteilt, weil dieser entweder selbst keine Verbindung zur Partei hatte oder sich vor mir fürchtete.

Im September 1942 war ich einige Tage in der Arbeitsbrigade innerhalb des Tomescu-Betriebs, danach im Außendienst in Vădeni, mit dem Vermerk „Kommunist“ und dem Hinweis, Schwerstarbeit abzuleisten.

Danach, im Winter 1942–1943, arbeitete ich in der Reparaturabteilung des Drahtherstellungsbetriebs Brăila. 

Von damals kennt mich Traian Ionescu, ehemaliger Vorsitzender der Gewerkschaftskommission Brăila, unter dessen Aufsicht ich arbeitete. [Bl. 97] Danach arbeitete ich, wenn ich mich gut erinnere, von 1943 bis Januar 1944 in den Arbeitsbrigaden 100 Dämme, Corbii Vechi und Cotu Mihalea. In dieser Zeit versuchte ich, nach dem Vorbild des Kollektivs in Tîrgu Jiu eine ähnliche Gemeinschaft aufzubauen. Daran beteiligt waren Mendel Ernest, Assistent am Polytechnikum, Dumbrava-Roşie-Str. Nr. 5, Sapira aus der Coroanei-Str. Nr. 3, Brăila, Marcu Iutcovici etc. –

Auskünfte über diese Periode kann Radu Izac, Batiştei-Str. 35, Direktor eines verstaatlichten Betriebs, erteilen.

Während meiner Aufenthalte in Brăila warnte mich der Polizist Alexandru Stănculescu, heute Oberfeldwebel der Miliz in Piteşti, vor der Siguranţa, die mich überwachte.

Vom Januar 1944 bis März 1944 war ich krank, interniert im Krankenhaus, ab März 1944 bis zum 23. August 1944 arbeitete ich im Polygon Brăila.

Von den Leuten im Polygon erinnere ich mich an Mondi Schwartz, Sina Schwartz Iosefsohn aus Brăila, Călăraşi-Str. Nr. 7, die über meine Einstellung Auskünfte geben können. Obwohl ich krankgeschrieben war und intellektuelle Arbeit leisten musste und die Aufgabe hatte, die Leute im Auge zu behalten, setzte ich mich für die Alten ein, um deren Arbeit zu erleichtern.

Gleich nach dem 23. August 1944 begann ich mit der Arbeit im VKJ und als Verantwortlicher der RKP-Zeitung „Înainte“ [Vorwärts].

Angaben dazu können folgende Personen machen: Erwin Holzer, ehemaliger Regionalsekretär des VKJ Brăila, Adolf Elias, ehemals Mitglied im Regionalbüro der Fortschrittlichen Jugend [T.P.] Galaţi, Filip Hafone, heute in Bukarest in der Dienststelle des Herrn Generaldirektors, O. Florescu, heute im Kollektiv für politische Erziehung der RAP-Organisation der Hauptstadt in der Batiştei-Str., etc.

Vom Oktober 1944 bis Februar 1945 gehörte ich der RKP-Zelle der Bukarester Studenten der Wissenschaftsfakultät an.

Ab Februar 1945 war ich Verantwortlicher für die Schüler aus der Fortschrittlichen Jugend (T.P.]; nachdem den Schülern 1946–1947 politische Tätigkeiten verboten wurden, war ich zuständiger Leiter eines Kreises für marxistische Studien, der später vom VKJ und vom Verantwortlichen für die Jugend seitens der RKP aus der Region Brăila, Ionescu, kontrolliert wurde.

Dazu können Berbecel Octavian, Student in der UdSSR, Dumitru Ştefănescu, Unterleutnant der Securitate-Truppen in Oradea, Mihail Zugravu, damals VKJ-Aktivist, Auskünfte erteilen.

Ab April 1945 war ich in der Polizeiquästur von Brăila beschäftigt, wo ich bis im April 1947 zuständig für Wirtschaftskontrolle war, danach wurde ich nach Bukarest versetzt. Gleichzeitig war ich seitens der Siguranţa inoffiziell zuständig für das Problem der Jugendorganisation der Nationalen Bauernpartei60Rum. Partidul Naţional Ţărănesc (P.N.Ţ.)..

Über meine professionelle Tätigkeit können Hauptmann Dumitru Raceu, der Leiter der Kreissecuritate Brăila, Leutnant Dănilă Matei u. a. Auskünfte geben. Während dieser Zeitspanne war ich zugleich verantwortlich für die politische Erziehung und Sekretär der Parteizelle innerhalb der Polizei.

Über diese Periode können auch Major Aurel Ignat, der ehemalige Bürgermeister von Brăila Alexandru Weinberger, Dumitru Moldovanu und Victor Segal, beide von der Zeitung „Înainte“ aus Brăila, Angaben machen.

Ab April 1947 war ich Kommissar im Korps der Detektive, ab Dezember 1947 Chefkommissar der Siguranţa, im September 1948 wurde ich Hauptmann der Generaldirektion der Volkssicherheit [D.G.S.P.]. [Bl. 98] Angaben über diese Periode können von Hauptmann Adam Mauriciu, Cosma Augustin und Leutnant Horia Munteanu eingeholt werden.

Einige Monate war ich verantwortlich für Agitation in der Grundorganisation der Volkssicherheit. 

Ab September 1948 wurde ich Dienststellenleiter der Abteilung 1, darüber können Generalmajor Nicolschi61Alexandru Nicolschi (1915–1992), Securitate-General, bekleidete bis 1961 wichtige Funktionen im Geheimdienstapparat., Oberst Birtaş62Gavrilă Birtaș (1902–?), tätig in der verbotenen KP, 1946 Siguranţa-Chef in Oradea, 1948 Securitate-Oberst und Leiter der Hauptabteilung 1, direkter Vorgesetzter von Heinz Stănescu., Oberstleutnant Gluvacov und Hauptmann Poplicher Wolf, Ionescu Aurelian und Adam Mauriciu Auskünfte erteilen.

Auskünfte über mein Privatleben können eingeholt werden von Victoria Cerni von der Abteilung 8, von Adam Mauriciu, Ida Cumpănă u. a.

Bezüglich meines Intimlebens wäre festzuhalten, dass ich außer oberflächlichen Beziehungen zu leichten Frauen und kurzlebigen Abenteuern auch zeitlich längere intime Beziehungen zu Hennylou Hirschhorn aus Brăila, zwischen 1932 und 1937, unterhielt, zu Tilly Grupper Abramovici, zwischen den Jahren 1938 und 1947, aus Brăila, Karl-Marx-Boulevard 93, zu Aurelia Tennenbaum aus Bukarest (zwischen 1942 und 1944, ihre Anschrift kenne ich nicht) und zu Dr. Malca Glückman vom Elias-Krankenhaus des ZK der RAP, zwischen 1947 und 1949.

Jetzt habe ich einen Antrag zur Genehmigung meiner Eheschließung mit Dr. M. Glückman eingereicht.

(gez.) Stănescu Heintz

[Bl. 99]

ACNSAS, P 13978, Bl. 96–99

II. Ivan Denes

[28. November 1948. Autobiografie von Ivan Denes]

Autobiografie63Das Dokument umfasst 8 schreibmaschinengeschriebene Seiten. Auf der ersten Seite ist vermerkt, dass es sich um einen Durchschlag handelt.

Ich heiße IVAN DENES, meine Eltern sind: IGNATIE DENES und ELISABETA N. POLLAK. Mein Vater war 30 Jahre lang (1918–1948) Leiter der Firma „Balcan Impex S.A.“ aus Temeswar. Heute ist er Abteilungsleiter der staatlichen Handelsgesellschaft „Alimentexport“. Meine Mutter ist Hausfrau. Ich habe eine Schwester, RITA, in Temeswar, verheiratete MOLNAR, Absolventin des Polytechnikums aus Temeswar (Fakultät für Bergbau und Metallurgie), auf Landesebene war sie die beste Studentin. –

Ich wurde am 16. September 1928 in Temeswar geboren. Die Grundschule besuchte ich ab meinem 6. Lebensjahr, den Unterricht in der Grundstufe absolvierte ich in einer staatlichen Lehranstalt. Als Zehnjähriger wurde ich Schüler des zionistischen Gymnasiums in Temeswar, blieb dort zwei Jahre lang (1938–1939, 1939–1940) und beendete daselbst die erste und zweite Klasse. –

1940 musste ich diese Schule wegen der rassistischen Gesetzgebung verlassen und schrieb mich im konfessionellen israelitischen Gymnasium in Temeswar ein. –

Bereits in der V. Gymnasialklasse kam ich in Berührung mit den fundamentalen Gedanken des Sozialismus, allerdings exklusiv durch Lektüre. Im Herbst 1943 (am 10. September) hatte ich den ersten direkten Kontakt mit der illegalen Bewegung, die Verbindung wurde über den Gen. ANDREI SPOLEABKA aufrechterhalten. Dank der erhaltenen Anweisungen baute ich im Gymnasium eine VKJ-Zelle auf. –

Nach der Aufhebung der Illegalität am 23. August war ich innerhalb des VKJ tätig, zuerst in der Finanzkommission der Region Temeswar, danach in der Redaktion des Wochenblattes „Tineretul luptător“ [Die kämpferische Jugend]. –

In dieser Zeitschrift habe ich zahlreiche Artikel veröffentlicht, einen über leoniD LEONOW64Leonid Maximowitsch Leonow (1899–1994), sowjetischer Schriftsteller. Verfasser des Romans Русский лес [Der russische Wald], der 1957 mit dem Leninpreis ausgezeichnet wurde., der auch in der „Scînteia Tineretului“65Zentralorgan des 1922 gegründeten Verbandes der Kommunistischen Jugend (Uniunea Tineretului Comunist – UTC). Nachdem 1945 die Organisation Fortschrittliche Jugend (Tineretul Progresist, T.P.) gegründet wurde, erhielt das Blatt zeitweilig den Namen Tinereţea [Die Jugend]. In den jeweiligen Kreisen wurden damals Zeitungen mit ähnlich klingenden Namen herausgegeben, die alle der kommunistischen Partei nahestanden. Chefredakteur des Zentralorgans der Fortschrittlichen Jugend, Tinereţea, war Paul Cornea (vgl. Ce a fost – cum a fost. Paul Cornea de vorbă cu Daniel Cristea-Enache [Was war – wie es war. Paul Cornea im Gespräch mit Daniel Cristea-Enache]. Iaşi: Polirom/Cartea Românească 2013, S. 87ff.) 1948 wurde dann der Verband der Werktätigen Jugend – VdWJ (Uniunea Tineretului Muncitor – UTM) gegründet, der 1965 wieder in VKJ umbenannt wurde. [Der Funke der Jugend] erwähnt wurde. –

Mit 16 und einhalb Jahren wurde ich am 1. Mai 1945 Parteimitglied. –

Auskünfte über meine Tätigkeit im VKJ kann Gen. JIVCOVICI MIRKO66Mirko Jivcovici, Angehöriger der rumänienserbischen Minderheit, geboren 1921 im Banat, Parteifunktionär im Temeswarer Regionalbüro, danach Tätigkeit im Bukarester Departement für Minderheitenfragen und im Staatsverlag. Er war einer der führenden Mitglieder der Slawischen Antifaschistischen Vereinigung, die schon 1945 verboten wurde, danach war er VKJ- und RKP-Funktionär. Er wurde zeitweilig als „Titoist“ verdächtigt, bewährte sich aber als loyaler Parteimann während der Verfolgung von mutmaßlichen und tatsächlichen Anhängern und Sympathisanten des jugoslawischen KP-Chefs Iosip Broz Tito. 1952 willigte er ein, als inoffizieller Mitarbeiter für die Securitate unter dem Decknamen „Văljan“ Informationen zu sammeln. Siehe dazu: Miodrag Milin, Andrei Milin: Sârbii din România. Documentar şi studii despre remodelarea identitară [Die Serben aus Rumänien. Dokumentation und Studien über die identitäre Umformung]. Einleitende Texte von Mihai Spăriosu und Bata Marianov. Nachwort von Josef Wolf. Târgovişte: Editura Cetatea de Scaun 2017, S. 119–121, S. 148–162, S. 181–183. Über die Tätigkeit rumänienserbischer Securitate-Leute siehe auch: William Totok: Ambivalente Lebensläufe. Securitate-Offiziere zwischen Verklärung und Sachlichkeit (3). In: Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa, 29.–30. Jg., Nr. 1–2, 2017–2018, S. 128–146. von der Temeswarer Parteikreisleitung geben.

Im August 1945 erhielt ich (zusammen mit meinem guten Freund ROBERT DASCAL, zurzeit Medizinstudent im IV. Jahrgang in Temeswar) [Bl. 201] vom Gen. Minister ŞTEFAN VOITEC67Ștefan Voitec (1900–1984), Sozialdemokrat, der 1948 den Zusammenschluss seiner Partei mit der KP mitgetragen hatte. Er bekleidete im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche einflussreiche Posten im zentralen Verwaltungsapparat sowie in der Partei. 1980 wurde er Mitglied der Akademie. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Großen Nationalversammlung (des Parlaments) spielte er 1974 eine zentrale Rolle bei der Investitur Nicolae Ceauşescus als Staatspräsident. die Sondergenehmigung, die 8. Gymnasialklasse abzuschließen und die Abiturprüfung im Herbst (im Lyzeum C. DIACONOVICI Loga) abzulegen. –

Auf diese Weise habe ich als 17-Jähriger das Gymnasium absolviert. Gleich nach dem Abitur fuhr ich nach Klausenburg und habe mich an der Fakultät für Literaturwissenschaften und Philosophie eingeschrieben und wählte als Hauptfach Psychologie, weil ich mich von der Seelenkunde immer schon besonders angesprochen fühlte. –

Ich bin nach Klausenburg umgezogen und war innerhalb der Studentenorganisationen politisch tätig. Von Anfang an habe ich in den Seminaren eine energische Haltung eingenommen. –

Die Klausenburger Universität war immer schon für ihre reaktionäre Geisteshaltung bekannt. Ich habe schwere Kämpfe in den Seminaren der Philosophischen Fakultät ausgefochten, denn ich war der einzige aktive Marxist im 1. Studienjahrgang (1945–1946), der diese Seminare besuchte. –

Zu erwähnen wäre noch, dass ich mich ab 1943 systematisch mit dem Studium der marxistisch-leninistischen Doktrin beschäftigt habe und dies bis auf den heutigen Tag fortsetze. –

In der verstrichenen Zeit kann ich auf eine intensive Parteitätigkeit zurückblicken. Anlässlich einer am 24. Januar 1946 stattgefundenen parteifeindlichen Kundgebung der Maniu-Jugend68Gemeint sind Anhänger der von Iuliu Maniu geführten Nationalen Bauernpartei (Partidul Naţional Ţărănesc – PNŢ)., die in einem direkten Sturm der Teilnehmer auf die Kreisparteizentrale kulminierte, gehörte ich zu jenen, die das Eingangstor absicherten. –

Nach dem Beginn des von den Maniu-Studenten im Mai 1946 beschlossenen Streiks gehörte ich zu den von der kleinen Gruppe demokratischer Studenten organisierten Streikbrechern. Ich gehörte zu den 21 Studenten, die die Soziologievorlesung von Professor SUDETEANU besuchten und die Streikposten der Maniu-Leute bezwangen. –

Diese Tatsachen können von den Gen. PAUL VAGO oder Gen. PINTILIE AUREL von der Klausenburger Studentenorganisation und dem Redaktionskollektiv der Zeitung „Lupta Ardeleană“ [Der siebenbürgische Kampf] bestätigt werden. –

In dieser Zeit begannen die Aktionen der demokratischen Studenten, landesweit eine gemeinsame und einheitliche Aktionsfront aufzubauen. Auf diese Weise entstand die Demokratische Front der Akademiker (F.D.U.), deren Gründungsmanifest ich im Mai 1946 in Klausenburg unterzeichnet habe. – [Bl. 202]

Als Delegierter der Klausenburger Studentenschaft nahm ich am ersten Kongress der demokratischen Studenten aus Rumänien teil. –

Ich erhielt den Auftrag, den politischen Rechenschaftsbericht der Klausenburger Delegation zu präsentieren. Der Bericht war von außerordentlicher Bedeutung, da zu jenem Zeitpunkt der Streik der Klausenburger Studenten in vollem Gange war und weil in den verschiedenen Universitätszentren des Landes Solidaritätsbewegungen mit den reaktionären Studenten entstanden waren. –

Die Klausenburger Delegation bestand aus Sozialdemokraten, Mitgliedern der Nationalen Volkspartei und einer geringen Zahl von Mitgliedern der Kommunistischen Partei. –

Der Grund dafür war, dass die kommunistischen Studenten, die im Vergleich zu den Streikenden in der Minderheit waren (im Verhältnis 60 zu 8.000), in Klausenburg zurückbleiben mussten. –

Der Delegation gehörten u. a. Gen. TITUS MOCANU69Titus Mocanu (geb. 1. November 1923, Brăila – gest. 26. April 2004, Köln), Ästhetiker, Universitätsprofessor, war Sekretär der Abteilung für Kunstkritik im Verband der Bildenden Künstler (Uniunea Artiștilor Plastici – UAP). Aus einem von der Securitate verfassten Personalbogen, der sich in einem kollektiven Operativen Vorgang befindet, in dem auch der Philosoph und Schriftsteller Lucian Blaga bearbeitet wurde, wird Mocanu als ein Mitglied der sogenannten Cerchisten angeführt. Als „Cerchisten“ wurde eine Schriftstellergruppe aus Hermannstadt bezeichnet, der Ion Negoiţescu, I. D. Sîrbu, Eugen Todoran, Ion Lungu, Ştefan Augustin Doinaş, Deliu Petroiu u.a. angehörten. Mocanu war mit der deutschsprachigen Übersetzerin, Journalistin und Autorin Elisabeth Axmann Mocanu (geb. 19. Juni 1926, Siret – gest. 21. April 2015, Köln) verheiratet. Siehe Ioana Diaconescu: Scriitori în arhivele Securităţii. Un filosof mistico-reacţionar: Lucian Blaga [Schriftsteller im Securitatearchiv. Ein mystisch-reaktionärer Philosoph: Lucian Blaga]. In: România Literară, Nr. 4, 2.2. 2007–8.2.2007, http://www.arhiva.romanialiterara.com/index.pl/scriitori_n_arhivele_securitii_un_filosof_mistico-reacionar_lucian_blaga?caut=lucian%20blaga, 12.2.2021) und der gleiche Text in dem von derselben Autorin verfassten Band: Scriitori în arhivele CNSAS [Schriftsteller im Archiv des Landesrates für das Studium der Securitate-Archive]. Bukarest: Fundaţia Academia Civică 2012, S. 21–30. Ausführlich über die „Cerchişti“ in: Ovid S. Crohmălniceanu, Klaus Heitmann: Cercul literar de la Sibiu şi influenţa catalictică a culturii germane [Der literarische Zirkel aus Hermannstadt und der katalytische Einfluss der deutschen Kultur]. Bukarest: Editura Universalia 2000. und Gen. IACOBI FLORIAN an, zwei ehemalige Legionäre, die sich in die Reihen der Partei eingeschlichen hatten, ebenso Freund VASI MOLDOVEANU, der später den für das Klausenburger Universitätszentrum zuständigen Vorsitz des Landesverbandes der Studenten aus Rumänien [U.N.S.R.] übernommen hatte. –

Um die Einstellung dieser Leute zu charakterisieren, möchte ich erwähnen, dass MOLDOVEANU erklärt hatte, IULIU MANIU sei der einzige fähige Mensch, der Rumänien führen könne. Mocanu, der kürzlich der Partei beigetreten ist, erklärte, LUCREŢIU PĂTRĂŞCANU70Lucrețiu Pătrășcanu (1900–1954), rumänischer Kommunist und Justizminister, Opfer des Stalinismus, unter Ceauşescu 1968 rehabilitiert. In Klausenburg hielt er 1946 eine Rede, in der er sinngemäß gesagt haben soll, er sei zuerst Rumäne und dann Kommunist. Diese kolportierte Aussage wurde als chauvinistischer Ausrutscher gedeutet und führte u.a. zu seiner späteren Verhaftung und Hinrichtung. sei der einzige wahre Kommunist des Landes (dies sagte er, nachdem am Vortag unserer Abreise PĂTRĂŞCANU in Klausenburg seine berüchtigte Rede gehalten hatte). –

Zum Zeitpunkt des Kongresses war die politische Lage äußerst verworren.

Die Friedenskonferenz hatte begonnen und die reaktionären Kräfte aus Ungarn versuchten, den Anschluss Siebenbürgens zu erzwingen. Die Kundgebungen der chauvinistischen Maniu-Studentenschaft begannen sich auszuweiten …71Hier wurde etwas weggelassen, weil die Person, die das handschriftliche Manuskript abzuschreiben hatte, einige Wörter nicht entziffern konnte. Der maschinengeschriebene Text enthält auch andere fehlerhafte Stellen, die auf die Schwierigkeiten beim Entziffern zurückzuführen sind. Fehlerhafte Stellen wurden in dieser Übersetzung stillschweigend korrigiert und vervollständigt.

Nach meiner Ankunft in Bukarest habe ich mich umgehend im Zentralkomitee der Partei gemeldet, um genaue Instruktionen bezüglich eines der politischen Lage angemessenen Verhaltens der kommunistischen Studenten entgegenzunehmen. Ich sprach mit dem Gen. E. TEOEDORESCU, der mir die Lage treffsicher erklärte und mir gleichzeitig genaue Anleitungen gab, wie ein Protest gegen die Streikenden vom Kongress erfolgreich verabschiedet werden könnte. –

Dieses Protestschreiben sollte der Höhepunkt des politischen Rechenschaftsberichts der Klausenburger Delegation darstellen. Ich verfasste nachts den Rechenschaftsbericht und das Protestschreiben (tagsüber fanden die Kongresssitzungen statt). –

Der Rechenschaftsbericht sollte am Montag um 10 Uhr vorgetragen werden. –

Am Sonntag wurde ich ins Büro des Gen. MIRON CONSTANTINESCU72Miron Constantinescu (geb. 1917, Chișinău – gest. 18 Juli 1974, Bukarest), linksgerichteter Soziologe, Marxist, Historiker, hochrangiger Funktionär der RAP/RKP, 1974 Vollmitglied der Rumänischen Akademie (vgl. Florin Poenaru: Miron Constantinescu. In: Alex Cistelecan, Andrei State (Hgg.): Plante exotice. Teoria şi practica marxiştilor români [Exotische Pflanzen. Theorie und Praxis rumänischer Marxisten]. Cluj-Napoca: Tact 2015, S. 231–287. Siehe auch: Alina Tudor, Dan Cătunaş: Amurgul ilegaliştilor. Plenara PMR din 9–13 iunie 1958 [Der Untergang der Illegalisten. Das RAP-Plenum vom 9.–13. Juni 1958], mit einem Nachwort von Florin Constantiniu. Bukarest: Editura Vremea 2000. bestellt, unter dessen Leitung die Arbeiten des Kongresses stattfanden.

Gen. Miron erklärte mir, dass es politisch nicht angebracht sei, dass ich als Jude den Rechenschaftsbericht präsentiere, und beauftragte daraufhin [Bl. 203] den Gen. titus mocanu mit der Aufgabe, den Rechenschaftsbericht darzulegen. Ich musste diesem diverse Einzelheiten des von mir verfassten Berichtes erklären, den er vorlesen sollte, damit er verschiedene Fragen, die man ihm eventuell stellen würde, beantworten könne. –

Ich hatte mit Gen. Mocanu ein Treffen am Montagvormittag um 9 Uhr vereinbart, denn um 10 Uhr sollte er das Wort ergreifen. Gen. MOCANU ist jedoch zum festgelegten Termin und auch am nächsten Tag nicht erschienen. Aus diesem Grund hat die Klausenburger Delegation dem Kongress keinen politischen Rechenschaftsbericht vorgelegt. –

Ich präsentierte mich sogleich bei dem Gen. MIRON CONSTANTINESCU, der mein Verhalten als „Panikmache“ einstufte, was richtig war (als einzige Entschuldigung dafür kann ich anführen, dass ich mich für den Rechenschaftsbericht verantwortlich fühlte). –

Als Zusatz versuchte ich, im Kongressbüro eine Bestimmung durchzusetzen, die darauf abzielte, ehemalige Legionärsstudenten aus dem Verband demokratischer Studenten auszuschließen. Mein Vorschlag, einen diesbezüglichen Paragrafen in die Verbandssatzung aufzunehmen, wurde nicht diskutiert. –

In der Satzung war die geheime Abstimmung über alle beschlossenen Maßnahmen des Kongresses vorgesehen, über die Annahme der vorgeschlagenen Satzung hingegen wurde per Handzeichen abgestimmt. Bei dieser Gelegenheit habe ich einen schweren disziplinarischen Fehler begangen, da ich mich der Stimme enthielt. –

Nachdem ich wieder zurück in Klausenburg war, wurde ich einem disziplinarischen Verfahren unterzogen. Ich habe meine Selbstkritik vor der Versammlung der Organisation vorgebracht und wurde mit einem strengen Verweis bestraft. – Ich habe das Unterrichtsjahr abgeschlossen und fuhr in den Ferien nach Reschitz, um vor Ort die Arbeitspsychologie zu untersuchen, ein Bereich, der mich zunehmend beschäftigte. –

Zum Schulbeginn kam ich zurück nach Klausenburg, wo ich meine berufliche sowie meine Parteitätigkeit fortsetzte. –

Auch Gen. TITUS MOCANU fand sich zum Schulbeginn in Klausenburg ein; nach dem Kongress war er nicht zurückgekehrt und war auch nicht dem Disziplinarverfahren ausgesetzt, das das Verhalten der Klausenburger Studentendelegation während des 1. F.D.U.-Kongresses untersucht hatte. –

Genosse Mocanu – von dem ich erst damals hörte, dass er aus der Philosophischen Fakultät wegen Aktenfälschung exmatrikuliert worden war – entfesselte eine gegen mich gerichtete Verleumdungskampagne zusammen mit den ehemaligen Legionären L… FLORIAN, MIRCEA DAMIAN u. a. mit der unverkennbaren Absicht, mich aus den Reihen der Parteimitglieder zu entfernen. – 

Ich beging damals den Fehler, öffentlich auf diese Angriffe zu antworten, statt die zuständigen Parteigremien zu informieren. Da ich ein impulsives Temperament habe und achtzehn Jahre alt bin, machte ich den Fehler, in der Öffentlichkeit, vor meinen Studienkollegen, großzutun [Bl. 204] und diese Schwäche zur Schau zu stellen, obwohl es sich um interne Parteiangelegenheiten gehandelt hatte; deshalb wiegt mein Fehlverhalten umso schwerer, da alle Anwesenden Mitglieder der Büros der verschiedenen in der Universität aktiven Parteizellen waren. –

Der Winter 1947 war besonders schwer, in Klausenburg verspürte man einen akuten Mangel an Lebensmitteln und Heizmaterial. Die reaktionären Kreise setzten die unterschiedlichsten Gerüchte über die bevorstehende Schließung der Universität in Umlauf. –

Ich habe mich …Auslassungspunkte von dem Verfasser oder der Verfas73serin der Abschrift eingefügt. völlig unparteiisch verhalten und habe diese Auffassungen geteilt und dazu noch die verschiedenen Regierungsgremien kritisiert, statt den Versuch zu unternehmen, wie es sich für ein bewusstes Parteimitglied geziemt hätte, die Lawine der tendenziösen Gerüchte aufzuhalten. – 

Zur gleichen Zeit legte ich einige Seminararbeiten vor, die von dem Gen. Mocanu angegriffen wurden, obwohl sie der marxistisch geprägten Ideologie und im strengsten Sinne des Wortes der Parteilinie entsprachen. Zwischen mir und Mocanu entwickelte sich so etwas wie eine deutliche Rivalität, wenn nicht gar Hass. –

Gen. Mocanu seinerseits hat mehrere Seminararbeiten vorgelegt, die ich angeprangert habe. Ich ließ mich auf ein polemisch geführtes philosophisches Streitgespräch ein, wie man es damals innerhalb der Seminare zu führen pflegte, und habe seine Vorträge mit einem gewissen Erfolg beanstandet. Meine Einwände entsprachen nicht durchgängig der materialistischen Philosophie und meine Kritik stimmte auch nicht mit der eines konsequenten Marxisten überein, da ich stellenweise im Sinne des bequemen Idealismus gegen die Arbeiten von Mocanu vorgegangen war. All diese Auseinandersetzungen fanden in der Öffentlichkeit statt und haben eine große Anzahl von Klausenburger Studenten angezogen, sodass die Seminare sehr gut besucht waren. –

Für all diese Verstöße wurde von der Parteizelle der Philosophischen Fakultät ein Disziplinarverfahren gegen mich eingeleitet. Ich gab mir rechtzeitig Rechenschaft über die von mir begangenen schwerwiegenden disziplinarischen Verstöße. –

Mir war bekannt, dass ich im Sinne des Statuts nicht das Recht haben werde, vor der Disziplinarkommission zu erscheinen, um mich zu verteidigen. Zu meinem größten Erstaunen erfuhr ich, dass ich aus dem Büro der Parteizelle ausgeschlossen worden war, ohne dass mir die Möglichkeit zur Verteidigung eingeräumt worden wäre. Über den Ausschlussbeschluss haben die Mitglieder des Büros erst abgestimmt, nachdem das Büro die Entscheidung im Alleingang getroffen hatte – was grundsätzlich gegen die Satzungsbestimmungen verstößt. [Bl. 205]

Ich kam zur Einsicht, dass mein Ausschluss gerechtfertigt und angemessen war, konnte aber nicht mit der den Statuten widersprechenden Vorgangsweise einverstanden sein, was mich veranlasst hatte, eine entschieden selbstkritische Denkschrift an das Büro zu schicken, in der ich im Geiste der Maßnahme die gegen mich verhängte Strafe als gerechtfertigt auslegte und den Ausschluss als unerlässlich anerkannte. –

Ich hob darin hervor, dass ich in Zukunft immer in der Nähe der Partei verbleiben werde, weil die marxistisch-leninistische Doktrin meiner innersten Überzeugung entspricht. Ich forderte zudem, mir eine Aufgabe anzuvertrauen, um mich zu rehabilitieren. – 

Ich konnte nicht in Erfahrung bringen, ob diese Denkschrift der Versammlung vorgelegt oder dem Regionalparteikomitee übergeben wurde. –

Mein Antrag, in dem ich einen Arbeitsauftrag zur Rehabilitierung angesprochen hatte, blieb unberücksichtigt. –

Die Gen. MOCANU und IACOBI FLORIAN versuchten sogar, mich mit allen Mitteln aus der Fakultät auszuschließen. Sie denunzierten mich bei der Wirtschaftsabteilung der Universität und behaupteten, ich hätte meine Angaben bezüglich meiner wirtschaftlichen Lage gefälscht. Ich habe den Beweis erbracht, dass die Anschuldigung völlig aus der Luft gegriffen war. –

In den verschiedenen Seminaren gingen die hitzigen Polemiken die ganze Zeit weiter, was mich immer mehr anstachelte. –

Dies brachte mir den berechtigten oder unberechtigten Titel ein: „Beststudent aus Klausenburg“. –

Tatsächlich habe ich während des Unterrichtsjahres sehr fleißig gelernt, meine Psychologiestudien und auch jene der marxistischen Doktrin vertieft. Nach der aufmerksamen Lektüre der hegelschen Logik habe ich eine Broschüre verfasst, in der ich die Bedeutung der Umkehrung der abstrakten hegelschen Doktrin durch Marx darlegte. Wegen meiner zu jenem Zeitpunkt nicht geklärten Parteizugehörigkeit wurde die Veröffentlichung der Broschüre von den Verlegern abgelehnt. –

Seither sind aber einige von mir verfasste Beiträge (Rezensionen, Kritiken) in der Zeitschrift für Psychologie des Klausenburger Instituts erschienen. –

Die Ferien verbrachte ich bei meinen Eltern in Temeswar. –

Bei meiner Rückkehr nach Klausenburg im November 1947 wurde ich mit Hiobsbotschaften überschüttet. Es hieß, mein Hochschulausschluss stehe kurz bevor. Gen. Mocanu war inzwischen tatsächlich politischer Instrukteur geworden und hatte einen beachtlichen Einfluss innerhalb der akademischen Kreise aus Klausenburg. –

Ich achtete kaum auf die kursierenden Gerüchte, [Bl. 206] da ich glaubte, jeglicher Amtsmissbrauch sei ausgeschlossen; mich kannte die ganze Fakultät als guten Studenten, im 2. Studienjahr habe ich 10 Prüfungen bestanden, davon 9 mit „sehr gut“. –

Das war auch MOCANU, STOICA, IACOBI FLORIAN bekannt. Sie wollten um jeden Preis die Fortsetzung der philosophischen Polemiken während der Seminare verhindern und haben sich deshalb für ein drastischeres Vorgehen entschieden: Sie haben mich bei der Siguranţa als Faschist und Reaktionär denunziert. –

Ich wurde in der Fakultät festgenommen und 16 Tage lang nicht verhört. Während der ersten Vernehmung konnte ich alles aufklären. Nachdem ich meine Ausführungen beendet hatte, stellte mir der diensthabende Offizier folgende Frage: „Was suchen Sie hier?“ Er ordnete sofort meine Freilassung an, meine Situation jedoch war nun in Klausenburg unerträglich geworden, da ich den denunziatorischen Nachstellungen von Mocanu gänzlich ausgeliefert war. Auch meine Gesundheit war angegriffen, sodass ich kurzerhand den Entschluss fasste, die Stadt zu verlassen, die ich seit damals auch nicht mehr betreten habe. –

In der Zwischenzeit wurden MOCANU, IACOBI und DAMIAN aus ihren Parteiämtern entfernt. –

Genaue Angaben über den Ablauf der Vorgänge in Klausenburg können Gen. ANDREI WOHL, Klausenburg, Mikostraße 65 (23), und Gen. IOANICHIE OLTEANU74Ioanichie Olteanu (1923–1997), cerchist, Redakteur mehrerer Publikationen: România viitoare Das zukünftige Rumänien, Tribuna nouă [Die neue Tribüne], Ardealul nou [Das neue Siebenbürgen], Lupta Ardealului [Der siebenbürgische Kampf] (bis 1949); in Bukarest Redakteur der Zeitschrift Contemporanul Der Zeitgenosse; in Klausenburg von 1957 bis 1969 Chefredakteur der Zeitschrift Tribuna [Die Tribüne]; Sekretär des Schriftstellerverbandes (1965–l969) und Chefredakteur der Zeitschrift Tomis (1965–l969), danach Direktor des Verlags Eminescu (1969–l972); ab 1972 Chefredakteur der Zeitschrift Viaţa Românească [Rumänisches Leben]. Vgl. Biografie Ioanichie Olteanu, http://www.poezie.ro/index.php/author/0036056/index.html, – 12.2.2021; Aurel Sasu: Dicţionarul Biografic al Literaturii Române – DBLR [Biografisches Lexikon der rumänischen Literatur], Bd. 2, M–Z. Pitești: Editura Paralela 45, 2006, S. 253–254; Iulian Boldea: Ioanichie Olteanu, în volum [Ioanichie Olteanu in einem Band]. In: Apostrof, XXIII. Jg., Nr. 10 (269) 2012. aus der Redaktion der Zeitung „Lupta Ardealului“ [Der siebenbürgische Kampf] machen. –

Am 22. Januar 1948 kam ich nach Bukarest, wo mein Antrag zur Versetzung an die Universität angenommen wurde. –

Unter der direkten Anleitung des Herrn Professors TUDOR VIANU75Tudor Vianu (1897/1898–1964), bedeutender Kritiker und Literaturhistoriker, Hochschullehrer, Philosoph, Ästhetiker und Komparatist, Verfasser von Memoiren und Dichter (vgl. DBLR, Bd. 2, M–Z, S. 806–808). begann ich ein Studium der Ästhetik und Literaturkritik, was sich auch an meiner Mitwirkung im Ästhetikseminar spiegelte.

Da ich mein Studium ernsthaft betrieben habe, absolvierte ich das III. und IV. Studienjahr; meine Abschlussarbeit wurde mit „magna cum laude“ bewertet. Ich war somit mit meinen 19 Jahren der jüngste Hochschulabsolvent des Landes. –

Ich kehrte zurück nach Temeswar, wo ich mich einige Monate aufhielt. –

Da ich einen Hochschulabschluss hatte, entschloss ich mich, definitiv nach Bukarest umzuziehen, um dort eine Anstellung zu suchen, damit ich nicht mehr auf der Tasche meiner Eltern liege, deren finanzielle Lage nicht besonders gut war. – [Bl. 207]

Ich fand eine Anstellung im Generalantiquariat, dank meines Hochschuldiploms und weil ich mehrere Fremdsprachen (Französisch, Deutsch, Englisch, Ungarisch) spreche. –

Hier arbeitete ich ungefähr zwei Monate lang im Depot, wo ich die Bücher nach politischen Gesichtspunkten aussortierte, aber auch weitere Tätigkeiten verrichtete: Klassifizierungen, Registrierungen usw. Am 1. November 1948 beantragte ich einen einmonatigen Urlaub, um mich auf die Zulassung für das Doktorat vorzubereiten. –

Bukarest, 28. XI. 1948                                  (gez.) IVAN DENES

Bl. 208

ACNSAS, I 211772, vol. 1, Bl. 201–208

[17. April 1952. Vervollständigung der Autobiografie]

Vervollständigung der Autobiografie76Durchschlag, 3 maschinengeschriebene Seiten.

Im September 1948 begann ich als Verkäufer im Generalantiquariat meine erste Arbeitstätigkeit. Kurz darauf wurde ein großes Depot des Antiquariats eingerichtet, mit dessen Geschäftsführung man mich beauftragt hatte. Später wurde ich Verantwortlicher für die Zensur der Bücher – zusammen mit Gen. IOZSA JEANNETTA. –

Im Frühjahr 1949 wurde das Generalantiquariat dem Verlag der RAP als Abteilung untergeordnet. Im April wurde ich meiner Funktion entbunden und der Redaktion des RAP-Verlages zugeteilt. Ich wurde zum Redakteur befördert, weil im Verlagsplan die Veröffentlichung mehrerer theoretischer Abhandlungen der Verlagsdirektorin, der Genossin ILCA MALINESCU, vorgesehen waren und ich für die Arbeit in diesem Bereich geeignet schien. Man verzichtete schließlich auf dieses Vorhaben und ich begann im rumänischen Kollektiv des Verlags in der Abteilung für gegenwartsbezogene Broschüren zu arbeiten. –

Hier lernte ich zum ersten Mal, die neue Wirklichkeit des Landes in ihrer ganzen Tiefe zu erfassen. Ich habe an der Erstellung zahlreicher Broschüren mitgewirkt, insbesondere solcher, die sich mit der Veränderung der Dörfer auseinandersetzten. Ich verfasste auch meine erste Arbeit, eine Broschüre für die weiterbildenden Abendkurse der Partei über die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse. –

Meine vorausgehende Ausbildung jedoch schränkte meine Leistungsfähigkeit in diesem Arbeitsbereich ein. Schwierigkeiten bereitete mir vor allem meine Sprache, weil mein akademisch-preziöser Duktus unvereinbar war mit den in agitatorischer Ausdrucksweise verfassten Arbeiten. Deshalb hatte man beschlossen, mich einem anderen Arbeitsbereich zuzuteilen. –

Aufgrund der Verlagsempfehlung kam ich in die Redaktion der Zeitschrift „Îndrumătorul Cultural“ [Kultureller Wegweiser]77Die 1949 gegründete Zeitschrift erschien auch in einer deutschen und ungarischen Ausgabe unter dem Titel Kultureller Wegweiser bzw. Müvelödes. 1956 wurde die deutsche Ausgabe in Volk und Kultur umbenannt. VuK-Redaktionsleiter waren bis 1986 – als die deutsche und ungarische Ausgabe eingestellt wurden – Heinrich Simonis (1949–1969), Franz Storch (1969–1982), Anna Bretz ab 1982. Die Redaktion war von mehreren Securitate-Mitarbeitern („Karl Fischer“, „Tatiana“, „Emilian“ u.a.) unterwandert. Zu den Redakteuren und Redakteurinnen der VuK gehörten u.a.: Gerhardt Eike Hügel, Nora Iuga, Corina Jiva, Ruth Lissai, Dieter Mehl, Charlotte Millitz, Brigitte Stephani. Ab 1986 sind die ungarischsprachigen und deutschsprachigen Beiträge als Beilage in der rumänischen Zeitschrift Cîntarea României abgedruckt worden. Ein Neustart der Volk und Kultur nach 1990 war zum Scheitern verurteilt.. Vom September 1949 bis Juni 1951 arbeitete ich ohne Unterbrechung in dieser Redaktion. –

Diese Arbeit bewirkte in mir eine tiefe Bewusstseinsveränderung und beeinflusste mein Sein. Bis dahin war ich voller konfuser Ideen und hatte Zweifel bezüglich der Ereignisse im Land, all dies wurde zerstreut durch eine permanente Konfrontation [Bl. 211] mit der Vergangenheit und den Reisen durch das Land, die mir die Redaktion monatlich für mindestens 10 Tage ermöglichte. Die Leute, über die ich in Reportagen schrieb, hatten – ohne ihr Zutun – die ganze in mir festsitzende idealistische Philosophie zerstäubt. –

Im Januar 1950 veröffentlichte ich meine erste literarische Arbeit: „Sămînţa răului“ [Der Samen des Bösen], ein Einakter, der einige Monate später in der Zeitschrift abgedruckt wurde. In jener Zeit begann auch meine Tätigkeit im Literaturkreis „D. Th. Neculuţă“, dessen Mitglied ich bis auf den heutigen Tag geblieben bin. –

Im Mai 1950 heiratete ich ERICA BENES, damals Studentin des Theaterinstituts, heute Schauspielerin am Jugendtheater78Rum. Teatrul Tineretului.. Im Juni 1950 erhielt ich meinen ersten, zweimonatigen schriftstellerischen Arbeitsurlaub, in dessen Verlauf ich ein Theaterstück in 4 Akten schrieb, in dem es um die Problematik der mitwohnenden Nationalitäten ging. Das Stück wurde wegen großer Mängel nicht angenommen. –

Ich gab mir Rechenschaft, dass ich im Hinblick auf das Beherrschen des literarischen Handwerks noch viel zu lernen habe und dass ich meine literarische Handfertigkeit verbessern könnte, wenn ich mich vor allem auf das Schreiben kurzer Stücke konzentrieren würde. Ausgehend von dieser notwendigen Erkenntnis schrieb ich vom September bis zum Sommer 1951 etliche kurze Bühnenstücke: „Azi ţara ta e casa ta“ [Heute ist das Land dein Zuhause] „Sonde de explorare“ [Bohrtürme] aus dem Leben der Erdölarbeiter, „Nu-s focurile“ [Keine Feuer], „Era să devin un duşman“ [Fast zum Feind geworden], „Zile de vară“ [Sommertage], „Livada cu merele de aur“ [Der Obstgarten mit den Goldäpfeln] aus dem Leben der Dörfer. Das beachtenswerteste von all diesen Stücken war „Printre zidurile cenuşii“ [Zwischen grauem Gemäuer], das in Heft Nr. 3 des „Caietul Literar M.A.I.“ [Literarisches Heft des Innenministeriums] erschienen ist und in dem es um die Lebensbedingungen in Doftana79Doftana war eines der berüchtigten politischen Gefängnisse aus der Zwischenkriegszeit. Hier waren zahlreiche Mitglieder der verbotenen Kommunistischen Partei eingekerkert, darunter auch der spätere Parteichef Nicolae Ceauşescu. In der Parteihagiografie wurde das Gefängnis als eine „Universität“ der verfolgten KP-Kader mystifiziert und verherrlicht. ging. –

Nach fast zwei Jahren verließ ich im Juni 1951 die Redaktion. Obwohl ich ein recht angespanntes Verhältnis zur Redaktionsleitung hatte – wegen des ziemlich aggressiven Tones des Gen. Iavai den Mitarbeitern gegenüber –, habe ich trotzdem sehr angenehme Erinnerungen an diese Zeit, denn ich fühlte mich in einen gesunden Boden verpflanzt, in dem ich Wurzeln schlug. –

Ich verließ die Redaktion, da mir bewusst wurde, dass ich mich künstlerisch entwickelt hatte und dass die Zeit gekommen war, nicht nur nichtssagende „literarische Kleinarbeit“, wie man in der Redaktion zu sagen pflegte, zu verfassen. – [Bl. 212]

Ich erhielt einen Vertrag für meine erste große Arbeit, das Drehbuch für den Film „Au înflorit livezile“ [Die Obstgärten erblühten], an dem ich vom September 1951 bis zum Januar 1952 arbeitete und das 1953 verfilmt wird. –

Leider hatte ich im Laufe einer Dokumentationsreise einen ziemlich schweren Unfall – eine Gehirnblutung, die eine unheilbare Krankheit verursachte, die epileptischen Anfällen ähnelt. Von Zeit zu Zeit falle ich in eine Art Halbschlaf, dann kann ich mich wohl fortbewegen und sprechen, weiß aber nicht, was mit mir geschieht.80Der kursiv hervorgehobene Teil wurde in der Abschrift mit einem Bleistift unterstrichen. Das gilt auch für die folgenden kenntlich gemachten Teile dieses Textes.

Im Februar d. J. erhielt ich vom Bukarester Filmstudio den Auftrag, in kürzester Zeit ein zweites Drehbuch zu schreiben, das bereits im Juni verfilmt werden soll. Nach einem zweimonatigen Aufenthalt in Sinaia, wo ich die erste Fassung fertigstellte, kam ich zurück, um die geforderten Nachbesserungen einzufügen, damit die Filmproduktion pünktlich beginnen kann. –

Das wäre der von mir in den letzten Jahren zurückgelegte Weg sowie die wichtigsten Arbeiten (hinzu kommen noch zahlreiche Übersetzungen, Stilisierungen, literarische Referate usw.) –

Die oben angeführten Angaben belegen deutlich die Prozesse, die in der verflossenen Zeit zur Erweiterung meines Bewusstseins beigetragen haben. Ich könnte mir keinen Menschen vorstellen, der etwas schreibt, woran er nicht glaubt.

Selbstverständlich gibt es noch einige Dinge, die mir noch nicht ganz klar geworden sind, so wie es einige Vorfälle in unserem Alltag gibt, mit denen ich nicht einverstanden sein kann. Ich glaube, der Preis für einige Erfolge ist zu hoch und fordert einen zu großen Einsatz an Menschen. –

Meine kulturelle Ausrichtung ist eine humanistische. Ich wurde im Geiste der allgemeinen Menschenliebe erzogen – ohne einen Unterschied zwischen Mensch und Mensch zu machen. Mir ist bewusst, dass diese Anschauung im Sinne der Diktatur des Proletariats falsch und verlogen ist. Ich fühle sie aber, sie lebt in mir als Zustand und es wäre sinnlos, dieses Gefühl vor mir und vor meinem Volk zu verbergen. –

Bukarest, 17. IV. 1952 (gez.) Ivan Denes

[Bl. 213]

ACNSAS, I 211772, vol. 1, ff. 211–213

[26. Mai 1952. Familienbeziehungen]

Familienbeziehungen81Dokument bestehend aus zwei maschinengeschriebenen Seiten.

Meine Ehefrau, Erica Denes, geborene Benes, ist die Tochter des Schriftsetzers Haim Benes, heute Bestarbeiter in der „Gutenberg“-Genossenschaft. –

Sie wurde am 23. Juli 1928 geboren. –

Nach ihrem Gymnasialabschluss – zuerst besuchte sie das jüdische und danach das französische Gymnasium in Bukarest – studierte sie vier Jahre lang Schauspielkunst. Im Frühjahr 1951 absolvierte sie das Theaterinstitut „Ion Luca Caragiale“. Im Herbst wurde sie als Schauspielerin im Bukarester Jugendtheater angestellt. –

Meine Frau ist beruflich sehr begabt. Ihre Lehrer und die Regisseure, mit denen sie bisher gearbeitet hat, haben ihr Talent in höchsten Tönen gelobt. –

Als ich sie vor vier Jahren kennengelernt habe, war sie politisch orientierungslos, was mit der religiösen Erziehung in ihrem Elternhaus zu tun hatte. Ich habe mich systematisch mit ihrer staatsbürgerlichen Erziehung beschäftigt und sie durch die Brandungen der Zeit begleitet. Heute kann man sie als eine gute Marxistin bezeichnen, die genau weiß, an welcher Stelle ihr Platz ist. An ihrer Arbeitsstelle beteiligt sie sich ziemlich regelmäßig an gemeinnützigen Tätigkeiten. – 

Meine Schwester Rita82Im Original falsch geschrieben: Ritta., verheiratete Molnar, aus Temeswar ist Bergbau-, Erdöl- und Metallurgie-Ingenieurin. Seit mehr als zwei Jahren arbeitet sie im Institut für Balneologie des Gesundheitsministeriums. Sie ist fortwährend dienstlich unterwegs und an der Auffindung neuer Heilquellen unseres Landes beteiligt. –

Ich hatte nie ein gutes Verhältnis zu ihr, was auf ein gegensätzliches Temperament zurückzuführen ist. In den letzten Jahren habe ich im Laufe ihrer Besuche in Bukarest, die ein bis zwei Tage dauerten, mit ihr niemals ein ernstes Gespräch geführt. Über ihre Tätigkeit oder ihre Anschauungen kann ich keinerlei ausführliche Angaben machen, weil mir diese nicht bekannt sind. – 83Bezüglich der Beziehungen von Ivan Denes zu seiner Schwester bemerkte der Securitate-Agent „Bunescu Constantin“ in einem Bericht, den er am 23. Juni 1958 seinem Führungsoffizier, Oberleutnant Gh. Duţu, übergeben hatte: „Ivan hat eine sehr schlechte Meinung von seiner Schwester. Mir ist klar, dass er sie wegen ihrer beruflichen Erfolge beneidet. Er will keinen ihrer verbuchten Erfolge anerkennen und ist der Meinung, ihren Aufstieg habe sie nur ihrer Dreistigkeit zu verdanken. Rita ihrerseits ist Ivan gegenüber auch irgendwie neidisch, denn dieser ist tatsächlich ein hochintelligenter und außergewöhnlich gebildeter Mensch. Rita mag ihn trotzdem, obwohl sie seine literarischen Werke als nicht besonders gelungen bewertet. Dennoch besucht sie alle Vorführungen der Dokumentarfilme, deren Drehbücher Ivan verfasst hat“ (ACNSAS, I 211772, vol. 1, Bl. 25–26, hier: Bl. 26). [Bl. 209]

Mein Vater Ignatie Denes hat sein ganzes Leben im Außenhandel gearbeitet. Über fünfundzwanzig Jahre lang war er in der anonymen Gesellschaft „Balcan Impex“ aus Temeswar tätig. Als die Gesellschaft 1948 geschlossen wurde, wurde er sofort nach Bukarest berufen und als Berater der staatlichen Handelsgesellschaft „Prodexport“ eingestellt, wo er dann bis zum 1. Januar 1952 tätig war. –

Als Techniker alten Typs verrichtete mein Vater seine Arbeit in den letzten Jahren mit der größtmöglichen Ernsthaftigkeit und trug dank seiner Erfahrungen und breit gefächerten Kenntnisse zu bedeutungsvollen Erfolgen und Leistungen unseres Staates bei. –

Seine Lebensanschauungen waren allerdings veraltet. Er war außerstande, den Sinn der umwälzenden Reformen zu verstehen, die in unserem Land durchgeführt wurden, deshalb fühlt er sich auch mit dem Regime seelisch nicht verbunden. So erklärt sich auch sein 1951 gestellter Ausreiseantrag nach Israel. Dieser Tatsache ist wahrscheinlich auch seine Entlassung aus dem Dienst am 1. Januar 1952 zuzuschreiben. Heute lebt er vom Verkauf von Kleidern, Möbeln, Teppichen, Schmuck, die sich noch in seinem Besitz befinden und die er wöchentlich auf dem Flohmarkt veräußert, sowie von dem Geld, das er von meiner Schwester und von mir bekommt. – 

Meine Mutter Elisabeta Denes ist eine sehr einfache Frau, die sich um die Hauswirtschaft und um uns kümmert. –

Damit, liebe Genossen, hoffe ich, dürften die persönlichen und autobiografischen Mitteilungen weitgehend erschöpft sein. –

Den anderen Forderungen kann ich leider nicht nachkommen, denn das wäre, wie man mir mitgeteilt hat, gleichbedeutend mit dem Anlegen einer Personalakte eines permanenten Mitarbeiters. Dies, wie man mir ebenfalls sagte, würde eine systematische Tätigkeit voraussetzen, verbunden mit fortwährend geplanten Aufträgen.

Diese Art der Tätigkeit ist unvereinbar mit meiner schöpferischen literarischen Tätigkeit. Wären diese beiden Arten der Tätigkeit anpassungsfähig, dann hätte ich längst einen meiner Ausbildung entsprechenden Dienst angenommen. –

Ich werde Ihnen dennoch, gemäß meiner Verpflichtungserklärung, in den kommenden Wochen jegliche Fälle aus dem Alltagsleben, auch solche, die von geringerem Interesse sind, zur Kenntnis bringen. –

Demnächst erhalten Sie Auskünfte von mir. –

26. Mai 1952              Mit kameradschaftlichen Grüßen,

I. Denes

[Bl. 210]

ACNSAS, I 211772, vol. 1, Bl. 209–210

William Totok, geb. am 21.04 1951 in Groß-Komlosch/Comloșu Mare (Rumänien); Studium der Germanistik und Rumänistik in Temeswar; Gründungsmitglied der „Aktionsgruppe Banat“ (1972–1975); politische Haft wegen „Verbreitung staatsfeindlicher Gedichte“ (1975–1976); lebt seit 1987 als freischaffender Schriftsteller und Publizist in Berlin. Er ist seit 1992 Mitglied des Redaktionsbeirates der „Halbjahresschrift“, seit 1994 Mitglied der Redaktion.


[1] Für die ersten Teile dieses Beitrags siehe die Druckfassungen: William Totok, Ambivalente Lebensläufe. Securitateoffiziere zwischen Verklärung und Sachlichkeit. In: Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik, 28. Jg., Heft 1–2, 2016, S. 61–82, und Studia Germanica Napocensia, Bd. 5, 2018: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Festschrift für Eginald Schlattner zum 85. Geburtstag. Hrsg. von Rudolf Gräf, Gabriella-Nóra Tar, Ioana Florea. Klausenburg: Universitätsverlag 2018, S. 19–46, sowie Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa, 29.–30. Jg., Bd. 1–2, 2017–2018, S. 128–145.

[2] Vgl. die 4 Bände der Personalakte von Stănescu, ACNSAS, R 48661, die Strafakte, ACNSAS, P 13978, sowie seine vom Auslandsgeheimdienst angelegte Akte, ACNSAS, SIE 39647.

[3] Vgl. die vom Auslandsgeheimdienst angelegte Akte, ACNSAS, SIE 10829, 5 Bde., den operativen Vorgang, ACNSAS, I 211772, 11 Bde., und die Strafakte, ACNSAS, P 13581.

[4] Vgl. dazu: William Totok: Episcopul, Hitler şi Securitatea. Procesul stalinist împotriva „spionilor Vaticanului“ din România [Der Bischof, Hitler und die Securitate. Der stalinistische Prozess gegen die „Spione des Vatikans“ in Rumänien]. Iaşi: Polirom 2008, S. 49–50, S. 124.

[5] Vgl. Verpflichtungserklärung vom 16. Februar 1952 (ACNSAS, R 48661, vol. 1, Bl. 6–7) und Bericht über den Rekrutierungsverlauf vom 17. Februar 1952, verfasst vom Securitate-Unterleutnant Grigore Pişleag (ebenda, Bl. 5).

[6] Vgl. Fişa personală [Personalbogen], ACNSAS, P 13978, Bl. 218v, sowie den Eintrag mit der Liste seiner Verbindungsoffiziere (ebenda, Bl. 2). Eine Kurzfassung seiner Biografie veröffentlichten auch Adrian Nicolae Petcu, Denisa Bodeanu: Contribuţii la întocmirea unui dicţionar al ofiţerilor de Securitate (problema culte-secte) [Beiträge zu einem Lexikon der Securitate-Offiziere – Bereich Kulte-Sekten]. In: Caietele C.N.S.A.S., 2. Jg., Nr. 1 (3), 2009, S. 56–58.

[7] Bericht vom 7. Januar 1954, unterzeichnet von Hauptmann Mihai Spiridon und Hauptmann Dumitru Badea (ACNSAS, R 48661, vol. 1, Bl. 3–4).

[8] Vgl. Georg Herbstritt: Die „Klausenburger Gruppe“. Wie aus liberalen Literaten siebenbürgische Separatisten werden sollten – ein Stasi-Dokument aus dem Jahre 1972 und seine rumänischen Ursprünge. In: Spiegelungen 4 (58) Heft 1, 2009, S. 40–47. Ders.: Entzweite Freunde. Rumänien, die Securitate und die DDR-Staatssicherheit 1950 bis 1989. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2016, S. 122, S. 295–297.

[9] Heinz Stănescu: Berichte. Bukarest: Literaturverlag 1967.

[10] Vgl. Dr. Heinz Stănescu – activitatea depusă în 1970 [Dr. Heinz Stănescu – Tätigkeit 1970], ACNSAS, R 48661, vol. 1, Bl. 9–12.

[11] Zur Vorgangsweise Stănescus als Securitate-Mitarbeiter siehe auch: Stefan Sienerth: Zielstrebig, leidenschaftlich, übereifrig. Zur Securitate-Akte des Literaturhistorikers Heinz Stănescu. In: Die Securitate in Siebenbürgen, herausgegeben von Joachim von Puttkamer, Stefan Sienerth und Ulrich A. Wien. Köln-Weimar-Wien: Böhlau Verlag 2014, S. 308–341.

[12] Vgl. ACNSAS, SIE 10829, vol. 1, Bl. 25v, 87.

[13] Verhaftungsbefehl vom 12. August 1958 (ACNSAS, P 13581, Bl. 3). Beschluss (ebenda, Bl. II). Vermerkte Gefängnisaufenthalte in: Fişa matricolă penală [Häftlingsmatrikel], abrufbar unter dem Stichwort „Ivan Denes“ auf der Internetseite des Instituts für die Untersuchung der Verbrechen des Kommunismus und des Gedenkens an das Rumänische Exil [rumänisch: Institutul de Investigare a Crimelor Comunismului şi Memoria Exilului Românesc, IICCMER], <https://www.iiccmer.ro/victime/fisele-matricole-penale/>, 15.2.2021.

[14] Verpflichtungserklärung vom 29. Juli 1964 (ACNSAS, SIE 10829, vol. 1, Bl. 90).

[15] ACNSAS, I 211772, vol. 7, Bl. 1–14, hier: Bl. 15.

[16] Über seine aggressive Tätigkeit als „Umerzieher“ siehe insbesondere die Memoiren des ehemaligen politischen Häftlings und späteren Redakteurs des Senders Radio Free Europe, Ion Ioanid: Închisoarea noastră cea de toate zilele [Unser tägliches Gefängnis]. Bukarest: Editura Albatros 1991, 2. Bd., S. 293–294.

[17] Vgl. Bericht vom 12. Juni 1969 (ACNSAS, SIE 10829, vol. 3, Bl. 266–267) und einen undatierten Bericht (ebenda, Bl. 446–450).

[18] Andrei Şerbulescu: Monarhia de drept dialectic. A doua versiune a memoriilor lui Belu Zilber. Prefaţă: G. Brătescu [Dialektische Rechtsmonarchie. Die zweite Fassung der Memoiren von Belu Zilber. Vorwort von G. Brătescu]. Bukarest: Humanitas 1991. Herbert (Belu) Zilber: Actor în procesul Pătrăşcanu. Prima versiune a memoriilor, ediţie îngijită de G. Brătescu [Beteiligter im Pătrăşcanu-Prozess. Urfassung der Memoiren, herausgegeben von G. Brătescu]. Bukarest: Humanitas 1997.

[19] Vgl. William Totok: Episcopul, Hitler şi Securitatea. Procesul stalinist împotriva „spionilor Vaticanului“ [Der Bischof, Hitler und die Securitate…], Iaşi: Polirom 2008, S. 75, S. 81.

[20] Vgl. Raport cu propuneri de demascare a lui „Ashaver“ prin redactarea unei cărţi de către sursa „GX-36“ [Bericht bezüglich der Vorschläge zur Demaskierung von „Ashaver“ in einem Buch, das unsere Quelle „GX-36“ schreiben wird] vom 9. August 1973 (ACNSAS, SIE 10829, vol. 5, Bl. 53–56). „Ashaver“ war der Deckname der Securitate für Richard Wurmbrand (Einzelheiten zu Wurmbrand in: ACNSAS, I 146678, 9 Bde.).

[21] Besoldung des in Deutschland, Codename „Orăştie“, mit nachrichtendienstlichen Aufgaben betrauten Securitate-Agenten „GX-36“ (alias Ivan Denes) vom 4. September 1972 (ACNSAS, SIE 10829, vol. 1, Bl. 422–423).

[22] Siehe beispielsweise den Analysebericht vom Januar 1973, in dem monatliche Kontakte mit Oberleutnant Ion Pescaru (möglicherweise ein Pseudonym) mit „GX-36“ (Codename von Denes) vorgeschlagen werden (ACNSAS, SIE 10829, vol. 2, Bl. 2–8).

[23] Raport, priveşte acţiuni de penetrare la „Meliţa“ prin informatorul „Kraus“ [Bericht zur Unterwanderungsaktion von „Meliţa“ durch den Informanten „Kraus“] vom 1. August 1976 (ACNSAS, SIE 10829, vol. 5, Bl. 497–501v). Sistem de legătură cu informatorul „Kraus“ pentru predarea-preluarea documentelor „Meliţa“ în Berlinul de Est [Verbindungsaufnahme mit dem Informanten „Kraus“, um den Austausch und die Übergabe von Dokumenten betreffend „Meliţa“ in Ost-Berlin durchzuführen], ebenda, Bl. 507–507v.

[24] Bericht vom 12. Februar 1977 über den Besuch von „Kraus“ aus West-Berlin – Deckname: „Babeni-Vest“ – in Rumänien, wo die Tätigkeit des Agenten „Kraus“ (d.i. Ivan Denes) von Oberst Ion Petrescu und dem Residenten „X-II“ analysiert wurde. „Kraus“ übergibt bei dieser Gelegenheit seinen Bericht bezüglich des politischen Programms von Radio Free Europe (ACNSAS, SIE 10829, vol. 2, Bl. 204).

[25] Vgl. ACNSAS, SIE 10829, vol. 5, Bl. 620–621.

[26] Ion Ioanid, a.a.O., S. 294.

[27] Mikroverfilmter, schwer lesbarer Bericht, viele Seiten sind lückenhaft und können nicht entziffert werden (ACNSAS, SIE 10829, vol. 2, Bl. 854–893).

[28] Raport cu propunere de închidere a dosarului personal „Konrad“ [Bericht zum Vorschlag der Schließung der Personalakte von „Konrad“] vom 8. Juli 1991 (ACNSAS, SIE 10829, vol. 2, Bl. 971).

[29] Siehe beispielsweise den Artikel: Er ist Jude – aber für Linke ein „Nazi“. Vermummte Links-Banditen überfallen unseren Chefredakteur. In: Deutschland-Magazin, Nr. 37, 2008, S. 1, S. 5. Im gleichen Blatt wird eine neue Publikation von Denes angekündigt (betitelt: Politisch unkorrekt) und den Interessenten ein Bestell-Coupon zur Verfügung gestellt (ebenda, S. 5).

[30] Siegerist ist der Verfasser eines fragwürdigen Kolportagebuches über die rumänische Revolution: Ceauşescu – Der rote Vampir. Hamburg: Wirtschafts- und Verbands-PR 1990.

[31] Ivan Denes überraschend gestorben. In: Junge Freiheit, 17. Januar 2011.

[32] Maschinengeschriebenes Dokument, Durchschlag, umfasst 4 Seiten.

[33] Rumänisch: Direcţia Generală a Securităţii Poporului, Direcţia 1, Serviciul 3.

[34] Der Absatz mit den Verwandten ist links mit zwei roten, vertikalen Linien markiert.

[35] Rumänische Arbeiterpartei (RAP), rum. Partidul Muncitoresc Român (P.M.R.).

[36] Um welche Institution es sich handelte, konnte nicht eruiert werden. Der Text enthält auch weitere nicht entschlüsselbare Abkürzungen. Diese wurden ohne nähere Angaben in der vom Verfasser benutzten Schreibweise in diese Übersetzung eingefügt.

[37] Gemeint sind die Anhänger der 1927 von Corneliu Zelea Codreanu gegründeten faschistischen Organisation Die Legion des Erzengels Michael (später auch unter dem Namen Eiserne Garde) und die Anhänger der von A. C. Cuza 1923 ins Leben gerufenen antisemitischen Liga der national-christlichen Verteidigung (Liga Apărării Naţional Creştine – L.A.N.C.).

[38] Gemeint ist die zionistische Organisation Brit HaNoar HaIvri al shem Joseph Trumpeldor, bekannt unter der rumänischen Bezeichnung Uniunea evreiască de tineret, Joseph Trumpeldor, und unter dem deutschen Namen Hebräischer Jugendbund Joseph Trumpeldor. Die Organisation ist auch unter dem abgekürzten Namen Betar oder Beitar bekannt.

[39] Der Abschnitt ist auf dem Blatt links mit einer senkrechten blauen Linie markiert.

[40] Wahrscheinlich wegen der unklaren Angabe ist der Abschnitt links mit einer blauen, senkrechten Linie markiert.

[41] Im Text falsch geschrieben: Glumenfeld. Einige falsch geschriebene Wörter wurden in dieser Übersetzung stillschweigend korrigiert.

[42] Athanasie Joja (1904–1972), Philologe und Jurist, KP-Mitglied seit 1935, Lagerhaft als Kommunist und Antifaschist in Tîrgu Jiu, politisch verurteilt. Parteifunktionär in der kommunistischen Zeit, Mitglied des ZK der RAP, Parlamentsabgeordneter, ab 1966 Vizepräsident der Akademie der Sozialistischen Republik Rumänien (SRR) – vgl. Florica Dobre (Hg.): Membrii C.C. al P.C.R. 1945–1989. Dicţionar [Die Mitglieder des ZK der RKP. 1945–1989. Lexikon], Consiliul Naţional pentru Studierea Arhivelor Securităţii, einleitende Studie von Nicoleta Ionescu-Gură. Bukarest: Editura Enciclopedică 2004, S. 346–347.

[43] Gemeint ist Grigore Preoteasa (1915–1957), kommunistischer Intellektueller, Mitglied des ZK der RAP und Außenminister (1955–1957). Parteimitglied aus der Zeit, als die KP verboten war, verhaftet und wegen seiner antifaschistischen und kommunistischen Tätigkeit wiederholt in verschiedenen Lagern interniert. Nach dem Sturz des faschistischen Militärregimes von Ion Antonescu am 23. August 1944 Chefredakteur der Tageszeitung România liberă [Freies Rumänien]. Er starb auf dem Weg nach Moskau bei einem Flugzeugabsturz. Unter den Überlebenden des Unfalls befand sich der spätere Parteichef Nicolae Ceauşescu (weitere Einzelheiten in Florica Dobre, a.a.O., S. 490).

[44] Asociaţia Generală a Inginerilor din România – A.G.I.R.

[45] Siguranţa (Sicherheit) war bis 1948 die Bezeichnung des rumänischen Geheimdienstes.

[46] Unterschiedliche Schreibweisen im Text: Stănciulescu und Stănculescu.

[47] Miliz war die Bezeichnung der rumänischen Polizei während der kommunistischen Zeit. Die alte Berufsbezeichnung Polizei wurde nach der Revolution von 1989 wieder eingeführt.

[48] Falsch abgetippter Name: Moli statt Mali.

[49] Constantin Z. („Piki“) Vasiliu (1882–1946) General, Kommandant der rumänischen Gendarmerie (1940–23. August 1944) und Unterstaatssekretär im Innenministerium (3. Januar 1942–23. August 1944). Als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt und am 1. Juni 1946 zusammen mit weiteren Mitgliedern der Antonescu-Regierung in Jilava hingerichtet.

[50] Dieser und der folgende Absatz sind links mit zwei roten und drei blauen, senkrechten Linien markiert.

[51] Landesverband der Studenten aus Rumänien, Uniunea Naţională a Studenţilor din România – U.N.S.R.

[52] Staatliches Unternehmen für Getreidehandel. Auch Comcereal.

[53] Prokommunistische Organisationen. Der Verband der Patrioten (Uniunea Patrioţilor – U.P.) beispielsweise wurde bereits 1942 gegründet und organisierte im Untergrund gegen den antisowjetischen Krieg gerichtete Aktionen (vgl. Ilarion Ţiu: Ofensiva comuniştilor [Offensive der Kommunisten]. In: Jurnalul Naţional, 6. Dezember 2005).

[54] Abkürzung des prokommunistischen Verbandes Fortschrittliche Jugend (Tineretul Progresist – T.P.).

[55] Demokratische Front der Akademiker, rum. Frontul Democrat Universitar – F.D.U. Es handelt sich um eine der zahlreichen Organisationen, die innerhalb der Nationaldemokratischen Front (Frontul Naţionaldemocrat – FND) tätig waren. Die Front war ein nach dem 23. August 1944 entstandener Zusammenschluss von prokommunistischen Organisationen: der RKP (PCR), der Sozialdemokratischen Partei (PSD), der Bauernfront (Frontul Plugarilor), der Sozialistischen Bauernpartei (Partidul Socialist Ţărănesc), dem Verband der Patrioten (Uniunea Patrioţilor – U.P.), der Bäuerlichen Volkspartei (Partidul Ţărănesc Popular), der Einheitlichen Arbeiterfront (Frontul Unic Muncitoresc – FUM), der Nationalen Jugendfront (Frontul Naţional al Tineretului), der Demokratischen Akademischen Jugend (Tineretul Democratic Universitar) – mehr zu diesen Vereinigungen in: Dinu C. Giurescu: Guvernarea Nicolae Rădescu [Die Regierungszeit Nicolae Rădescus]. Bukarest: Editura ALL 1996, S. 32. Einige dieser Organisationen haben ihre Namen geändert und tauchen aus diesem Grund häufig unter anderen oder sehr ähnlichen Bezeichnungen auf.

[56] Sorin Toma (1914, Bukarest – 2016, Tel Aviv), Sohn von Alexandru Toma (1875–1954). Chefredakteur des Zentralorgans der KP, Scînteia [Der Funke], 1947–1960. Sorin Toma ist der Verfasser eines gegen den Dichter Tudor Arghezi gerichteten, berüchtigten Schmähartikels, der in der Scînteia vom 5., 7., 9. und 10. Januar 1947 unter folgendem Titel erschienen ist: Poezia putrefacției sau putrefacția poeziei. Răsfoind volumele lui T. Arghezi [Die Poesie der Fäulnis oder die verfaulende Poesie. Beim Durchblättern der Gedichtbände von T. Arghezi]. Vgl. Sorin Toma: Privind înapoi. Amintirile unui fost ziarist comunist, redactor şef al Scînteii din 1947 pînă în 1960 [Rückblick. Erinnerungen eines ehemaligen kommunistischen Zeitungsschreibers, Chefredakteur der Scînteia von 1947 bis 1960]. Bukarest: Editura Compania 2004.

[57] Maschinengeschriebener Text. In der Akte befinden sich weitere Kopien des Dokuments, auch eine handschriftlich unterzeichnete Fassung (Bl. 100–102). Die abweichende Schreibweise seines Vornamens (Heintz-Heinz) wurde beibehalten.

[58] Rum. Partidul Naţional Ţărănesc – P.N.Ţ.

[59] Nicolae Lupu (1876–1947) und Grigore Iunian (1982–1939) spielten vorübergehend eine führende Rolle innerhalb der P.N.Ţ.

[60] Rum. Partidul Naţional Ţărănesc (P.N.Ţ.).

[61] Alexandru Nicolschi (1915–1992), Securitate-General, bekleidete bis 1961 wichtige Funktionen im Geheimdienstapparat.

[62] Gavrilă Birtaș (1902–?), tätig in der verbotenen KP, 1946 Siguranţa-Chef in Oradea, 1948 Securitate-Oberst und Leiter der Hauptabteilung 1, direkter Vorgesetzter von Heinz Stănescu.

[63] Das Dokument umfasst 8 schreibmaschinengeschriebene Seiten. Auf der ersten Seite ist vermerkt, dass es sich um einen Durchschlag handelt.

[64] Leonid Maximowitsch Leonow (1899–1994), sowjetischer Schriftsteller. Verfasser des Romans Русский лес [Der russische Wald], der 1957 mit dem Leninpreis ausgezeichnet wurde.

[65] Zentralorgan des 1922 gegründeten Verbandes der Kommunistischen Jugend (Uniunea Tineretului Comunist – UTC). Nachdem 1945 die Organisation Fortschrittliche Jugend (Tineretul Progresist, T.P.) gegründet wurde, erhielt das Blatt zeitweilig den Namen Tinereţea [Die Jugend]. In den jeweiligen Kreisen wurden damals Zeitungen mit ähnlich klingenden Namen herausgegeben, die alle der kommunistischen Partei nahestanden. Chefredakteur des Zentralorgans der Fortschrittlichen Jugend, Tinereţea, war Paul Cornea (vgl. Ce a fost – cum a fost. Paul Cornea de vorbă cu Daniel Cristea-Enache [Was war – wie es war. Paul Cornea im Gespräch mit Daniel Cristea-Enache]. Iaşi: Polirom/Cartea Românească 2013, S. 87ff.) 1948 wurde dann der Verband der Werktätigen Jugend – VdWJ (Uniunea Tineretului Muncitor – UTM) gegründet, der 1965 wieder in VKJ umbenannt wurde.

[66] Mirko Jivcovici, Angehöriger der rumänienserbischen Minderheit, geboren 1921 im Banat, Parteifunktionär im Temeswarer Regionalbüro, danach Tätigkeit im Bukarester Departement für Minderheitenfragen und im Staatsverlag. Er war einer der führenden Mitglieder der Slawischen Antifaschistischen Vereinigung, die schon 1945 verboten wurde, danach war er VKJ- und RKP-Funktionär. Er wurde zeitweilig als „Titoist“ verdächtigt, bewährte sich aber als loyaler Parteimann während der Verfolgung von mutmaßlichen und tatsächlichen Anhängern und Sympathisanten des jugoslawischen KP-Chefs Iosip Broz Tito. 1952 willigte er ein, als inoffizieller Mitarbeiter für die Securitate unter dem Decknamen „Văljan“ Informationen zu sammeln. Siehe dazu: Miodrag Milin, Andrei Milin: Sârbii din România. Documentar şi studii despre remodelarea identitară [Die Serben aus Rumänien. Dokumentation und Studien über die identitäre Umformung]. Einleitende Texte von Mihai Spăriosu und Bata Marianov. Nachwort von Josef Wolf. Târgovişte: Editura Cetatea de Scaun 2017, S. 119–121, S. 148–162, S. 181–183. Über die Tätigkeit rumänienserbischer Securitate-Leute siehe auch: William Totok: Ambivalente Lebensläufe. Securitate-Offiziere zwischen Verklärung und Sachlichkeit (3). In: Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa, 29.–30. Jg., Nr. 1–2, 2017–2018, S. 128–146.

[67] Ștefan Voitec (1900–1984), Sozialdemokrat, der 1948 den Zusammenschluss seiner Partei mit der KP mitgetragen hatte. Er bekleidete im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche einflussreiche Posten im zentralen Verwaltungsapparat sowie in der Partei. 1980 wurde er Mitglied der Akademie. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Großen Nationalversammlung (des Parlaments) spielte er 1974 eine zentrale Rolle bei der Investitur Nicolae Ceauşescus als Staatspräsident.

[68] Gemeint sind Anhänger der von Iuliu Maniu geführten Nationalen Bauernpartei (Partidul Naţional Ţărănesc – PNŢ).

[69] Titus Mocanu (geb. 1. November 1923, Brăila – gest. 26. April 2004, Köln), Ästhetiker, Universitätsprofessor, war Sekretär der Abteilung für Kunstkritik im Verband der Bildenden Künstler (Uniunea Artiștilor Plastici – UAP). Aus einem von der Securitate verfassten Personalbogen, der sich in einem kollektiven Operativen Vorgang befindet, in dem auch der Philosoph und Schriftsteller Lucian Blaga bearbeitet wurde, wird Mocanu als ein Mitglied der sogenannten Cerchisten angeführt. Als „Cerchisten“ wurde eine Schriftstellergruppe aus Hermannstadt bezeichnet, der Ion Negoiţescu, I. D. Sîrbu, Eugen Todoran, Ion Lungu, Ştefan Augustin Doinaş, Deliu Petroiu u.a. angehörten. Mocanu war mit der deutschsprachigen Übersetzerin, Journalistin und Autorin Elisabeth Axmann Mocanu (geb. 19. Juni 1926, Siret – gest. 21. April 2015, Köln) verheiratet. Siehe Ioana Diaconescu: Scriitori în arhivele Securităţii. Un filosof mistico-reacţionar: Lucian Blaga [Schriftsteller im Securitatearchiv. Ein mystisch-reaktionärer Philosoph: Lucian Blaga]. In: România Literară, Nr. 4, 2.2. 2007–8.2.2007, www.arhiva.romanialiterara.com/index.pl/scriitori_n_arhivele_securitii_un_filosof_mistico-reacionar_lucian_blaga?caut=lucian blaga, 12.2.2021) und der gleiche Text in dem von derselben Autorin verfassten Band: Scriitori în arhivele CNSAS [Schriftsteller im Archiv des Landesrates für das Studium der Securitate-Archive]. Bukarest: Fundaţia Academia Civică 2012, S. 21–30. Ausführlich über die „Cerchişti“ in: Ovid S. Crohmălniceanu, Klaus Heitmann: Cercul literar de la Sibiu şi influenţa catalictică a culturii germane [Der literarische Zirkel aus Hermannstadt und der katalytische Einfluss der deutschen Kultur]. Bukarest: Editura Universalia 2000.

[70] Lucrețiu Pătrășcanu (1900–1954), rumänischer Kommunist und Justizminister, Opfer des Stalinismus, unter Ceauşescu 1968 rehabilitiert. In Klausenburg hielt er 1946 eine Rede, in der er sinngemäß gesagt haben soll, er sei zuerst Rumäne und dann Kommunist. Diese kolportierte Aussage wurde als chauvinistischer Ausrutscher gedeutet und führte u.a. zu seiner späteren Verhaftung und Hinrichtung.

[71] Hier wurde etwas weggelassen, weil die Person, die das handschriftliche Manuskript abzuschreiben hatte, einige Wörter nicht entziffern konnte. Der maschinengeschriebene Text enthält auch andere fehlerhafte Stellen, die auf die Schwierigkeiten beim Entziffern zurückzuführen sind. Fehlerhafte Stellen wurden in dieser Übersetzung stillschweigend korrigiert und vervollständigt.

[72] Miron Constantinescu (geb. 1917, Chișinău – gest. 18 Juli 1974, Bukarest), linksgerichteter Soziologe, Marxist, Historiker, hochrangiger Funktionär der RAP/RKP, 1974 Vollmitglied der Rumänischen Akademie (vgl. Florin Poenaru: Miron Constantinescu. In: Alex Cistelecan, Andrei State (Hgg.): Plante exotice. Teoria şi practica marxiştilor români [Exotische Pflanzen. Theorie und Praxis rumänischer Marxisten]. Cluj-Napoca: Tact 2015, S. 231–287. Siehe auch: Alina Tudor, Dan Cătunaş: Amurgul ilegaliştilor. Plenara PMR din 9–13 iunie 1958 [Der Untergang der Illegalisten. Das RAP-Plenum vom 9.–13. Juni 1958], mit einem Nachwort von Florin Constantiniu. Bukarest: Editura Vremea 2000.

[73] Auslassungspunkte von dem Verfasser oder der Verfasserin der Abschrift eingefügt.

[74] Ioanichie Olteanu (1923–1997), cerchist, Redakteur mehrerer Publikationen: România viitoare Das zukünftige Rumänien, Tribuna nouă [Die neue Tribüne], Ardealul nou [Das neue Siebenbürgen], Lupta Ardealului [Der siebenbürgische Kampf] (bis 1949); in Bukarest Redakteur der Zeitschrift Contemporanul Der Zeitgenosse; in Klausenburg von 1957 bis 1969 Chefredakteur der Zeitschrift Tribuna [Die Tribüne]; Sekretär des Schriftstellerverbandes (1965–l969) und Chefredakteur der Zeitschrift Tomis (1965–l969), danach Direktor des Verlags Eminescu (1969–l972); ab 1972 Chefredakteur der Zeitschrift Viaţa Românească [Rumänisches Leben]. Vgl. Biografie Ioanichie Olteanu, http://www.poezie.ro/index.php/author/0036056/index.html, – 12.2.2021; Aurel Sasu: Dicţionarul Biografic al Literaturii Române – DBLR [Biografisches Lexikon der rumänischen Literatur], Bd. 2, M–Z. Pitești: Editura Paralela 45, 2006, S. 253–254; Iulian Boldea: Ioanichie Olteanu, în volum [Ioanichie Olteanu in einem Band]. In: Apostrof, XXIII. Jg., Nr. 10 (269) 2012.

[75] Tudor Vianu (1897/1898–1964), bedeutender Kritiker und Literaturhistoriker, Hochschullehrer, Philosoph, Ästhetiker und Komparatist, Verfasser von Memoiren und Dichter (vgl. DBLR, Bd. 2, M–Z, S. 806–808).

[76] Durchschlag, 3 maschinengeschriebene Seiten.

[77] Die 1949 gegründete Zeitschrift erschien auch in einer deutschen und ungarischen Ausgabe unter dem Titel Kultureller Wegweiser bzw. Müvelödes. 1956 wurde die deutsche Ausgabe in Volk und Kultur umbenannt. VuK-Redaktionsleiter waren bis 1986 – als die deutsche und ungarische Ausgabe eingestellt wurden – Heinrich Simonis (1949–1969), Franz Storch (1969–1982), Anna Bretz ab 1982. Die Redaktion war von mehreren Securitate-Mitarbeitern („Karl Fischer“, „Tatiana“, „Emilian“ u.a.) unterwandert. Zu den Redakteuren und Redakteurinnen der VuK gehörten u.a.: Gerhardt Eike Hügel, Nora Iuga, Corina Jiva, Ruth Lissai, Dieter Mehl, Charlotte Millitz, Brigitte Stephani. Ab 1986 sind die ungarischsprachigen und deutschsprachigen Beiträge als Beilage in der rumänischen Zeitschrift Cîntarea României abgedruckt worden. Ein Neustart der Volk und Kultur nach 1990 war zum Scheitern verurteilt.

[78] Rum. Teatrul Tineretului.

[79] Doftana war eines der berüchtigten politischen Gefängnisse aus der Zwischenkriegszeit. Hier waren zahlreiche Mitglieder der verbotenen Kommunistischen Partei eingekerkert, darunter auch der spätere Parteichef Nicolae Ceauşescu. In der Parteihagiografie wurde das Gefängnis als eine „Universität“ der verfolgten KP-Kader mystifiziert und verherrlicht.

[80] Der kursiv hervorgehobene Teil wurde in der Abschrift mit einem Bleistift unterstrichen. Das gilt auch für die folgenden kenntlich gemachten Teile dieses Textes.

[81] Dokument bestehend aus zwei maschinengeschriebenen Seiten.

[82] Im Original falsch geschrieben: Ritta.

[83] Bezüglich der Beziehungen von Ivan Denes zu seiner Schwester bemerkte der Securitate-Agent „Bunescu Constantin“ in einem Bericht, den er am 23. Juni 1958 seinem Führungsoffizier, Oberleutnant Gh. Duţu, übergeben hatte: „Ivan hat eine sehr schlechte Meinung von seiner Schwester. Mir ist klar, dass er sie wegen ihrer beruflichen Erfolge beneidet. Er will keinen ihrer verbuchten Erfolge anerkennen und ist der Meinung, ihren Aufstieg habe sie nur ihrer Dreistigkeit zu verdanken. Rita ihrerseits ist Ivan gegenüber auch irgendwie neidisch, denn dieser ist tatsächlich ein hochintelligenter und außergewöhnlich gebildeter Mensch. Rita mag ihn trotzdem, obwohl sie seine literarischen Werke als nicht besonders gelungen bewertet. Dennoch besucht sie alle Vorführungen der Dokumentarfilme, deren Drehbücher Ivan verfasst hat“ (ACNSAS, I 211772, vol. 1, Bl. 25–26, hier: Bl. 26).

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