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	<title>Themenschwerpunkt Archive - Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</title>
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	<title>Themenschwerpunkt Archive - Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</title>
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		<title>Akademische Kooperation, humanitäre Hilfe und Kulturgutschutz im zentraleuropäischen Beziehungsgeflecht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[IKGS-Admin_2]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 May 2025 09:45:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Themenschwerpunkt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Florian Kührer-Wielach, Institut für Kultur und Geschichte Südosteuropas, München Dr. Dr. hc Florian Kührer-Wielach ist seit 2015 Direktor des Institut für Kultur und Geschichte Südosteuropas. Zuvor hat er sich 2013 an der Universität Wien mit der Arbeit &#8222;Siebenbürgen ohne Siebenbürger? Zentralstaatliche Integration und politischer Regionalismus nach dem Ersten Weltkrieg&#8220; promoviert. Er ist Herausgeber der Halbjahresschrift [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/einfuehrung-akademische-kooperation-humanitaere-hilfe-und-kulturgutschutz-im-zentraleuropaeischen-beziehungsgeflecht/">Akademische Kooperation, humanitäre Hilfe und Kulturgutschutz im zentraleuropäischen Beziehungsgeflecht</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Florian Kührer-Wielach, Institut für Kultur und Geschichte Südosteuropas, München</p>



<p><strong>Dr. Dr. hc Florian Kührer-Wielach</strong> ist seit 2015 Direktor des Institut für Kultur und Geschichte Südosteuropas. Zuvor hat er sich 2013 an der Universität Wien mit der Arbeit &#8222;Siebenbürgen ohne Siebenbürger? Zentralstaatliche Integration und politischer Regionalismus nach dem Ersten Weltkrieg&#8220; promoviert. Er ist Herausgeber der <em>Halbjahresschrift</em> und der <em>Spiegelungen</em> sowie Mitglied in diversen Vereinen und Verbänden. Er hat zahlreiche Forschungsprojekte zu interkulturellen Beziehungen, Kulturerbe und den Herausforderungen im Zusammenhang mit kulturellen und wissenschaftlichen Netzwerken in Krisenzeiten durchgeführt.</p>



<p>Die Basis für das Symposium „Humanität und Humanities: Herausforderungen für Wissenschaft und Kultur im Zeichen von Krieg und Krisen – Kulturerbe, Netzwerke, Kommunikation“, das am 8.&nbsp;Mai 2023 an der Universität Wien stattgefunden hat und im vorliegenden Heft&nbsp;1+2 / 2024 der&nbsp;<em>Halbjahresschrift</em>&nbsp;dokumentiert wird,<sup data-fn="6fa0cd0f-31fc-418d-925a-0b10e0fbc658" class="fn"><a id="6fa0cd0f-31fc-418d-925a-0b10e0fbc658-link" href="#6fa0cd0f-31fc-418d-925a-0b10e0fbc658">1</a></sup>&nbsp;stellt der über Jahre hinweg gepflegte, intensive Austausch des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) mit der Nationalen Jurij-Fedkowytsch-Universität Czernowitz (ukr. Černivci) dar.<sup data-fn="0c41ef53-8f7e-499c-b4b1-bc1901d81f95" class="fn"><a id="0c41ef53-8f7e-499c-b4b1-bc1901d81f95-link" href="#0c41ef53-8f7e-499c-b4b1-bc1901d81f95">2</a></sup>&nbsp;Anlass für diese Tagung war jedoch der russische Angriffskrieg, der seit 2022 in intensivierter Form in der Ukraine wütet und seine massiven Auswirkungen auch in „Hinterland“, zu dem auch die Nordbukowina zählt, zeitigt. Bis zum Februar 2022 war der Austausch zwischen der Universität Czernowitz und dem IKGS vornehmlich der Wissenschaft gewidmet: Es wurden gemeinsam Konferenzen veranstaltet, Bücher herausgegeben und Projekte durchgeführt wie beispielsweise der Spiegelungen-Preis für Minimalprosa 2020, der für drei Sprachen – Deutsch, Rumänisch und Ukrainisch – vergeben wurde.<sup data-fn="51d75a60-a587-46e6-baa8-98401c78d077" class="fn"><a id="51d75a60-a587-46e6-baa8-98401c78d077-link" href="#51d75a60-a587-46e6-baa8-98401c78d077">3</a></sup>&nbsp;Die Anthologie&nbsp;<em>Mikrolithen: Jenseits von Celan / Microlite: Dincolo de Celan / Микролiти:&nbsp;потойбіч&nbsp;Целана</em>, die daraus entstanden ist, erblickte gleichsam als Kind des Krieges die Welt. Sie wurde im Frühjahr 2022 in der Ukraine gedruckt.<sup data-fn="9bffe6d9-e413-4ba8-bc08-5efbcf355137" class="fn"><a id="9bffe6d9-e413-4ba8-bc08-5efbcf355137-link" href="#9bffe6d9-e413-4ba8-bc08-5efbcf355137">4</a></sup></p>



<p>Mit dem Versuch einer „Vollinvasion“ der russischen Streitkräfte in die Ukraine am 24.2.2022 wurde der wissenschaftliche und kulturelle Austausch gleichsam über Nacht von einer humanitären Hilfsaktion ergänzt und überlagert. Dabei handelt sich jedoch nicht bloß um eine bilaterale Aktion zwischen dem IKGS und der Universität Czernowitz. Vielmehr entstand ein multilaterales, genuines Kooperationsprojekt, das als dynamisches Netzwerk funktioniert: zwischen Instituten und Personen, transnational, transregional, in verschiedenen Sprachen und über verschiedene Wegenetze, online und analog. Bald war, in Anlehnung an den Namen des an der Universität Czernowitz angesiedelten „Zentrum Gedankendach“, das sich bis dato vor allem dem kulturellen und wissenschaftlichen Austausch mit dem deutschsprachigen Raum widmete, die Bezeichnung „Netzwerk Gedankendach“ gefunden, um diesem „Kind des Krieges“ einen Namen zu geben.<sup data-fn="95deff05-cb7d-40c5-99b3-ba088f9c6b90" class="fn"><a id="95deff05-cb7d-40c5-99b3-ba088f9c6b90-link" href="#95deff05-cb7d-40c5-99b3-ba088f9c6b90">5</a></sup>&nbsp;Es steht exemplarisch und paradigmatisch für eine ganze Reihe von ähnlichen Kooperationen mit verschiedensten akademischen und kulturellen Institutionen, Organisationen und Akteursgruppen in der und für die Ukraine.</p>



<p>Neben der kontingenten Entstehung dieser tendenziell informellen, jedoch hocheffizienten Netzwerke, die auf bereits bestehenden wissenschaftlichen und kulturellen Beziehungen aufbauten, begannen auch die staatlichen Verwaltungen, gleichsam „top down“, die rasch und eigeninitiativ wachsenden „Graswurzeln“ im akademischen Milieu gezielt zu gießen und zu düngen: Förderschienen wurden aufgelegt, es wurde zu Hilfsaktionen ermutigt, und diese wurden auch weitgehend politisch flankiert.<sup data-fn="2b2c4a26-b7e5-4a76-8fac-d12d1da2537f" class="fn"><a id="2b2c4a26-b7e5-4a76-8fac-d12d1da2537f-link" href="#2b2c4a26-b7e5-4a76-8fac-d12d1da2537f">6</a></sup>&nbsp;Neben der Unterstützung für geflüchtete Kolleginnen aus der Ukraine rückte der Kulturgutschutz in den Mittelpunkt: So wurde die Organisation von Schutzmaterialien, insbesondere für die bildende Kunst, zu einem wichtigen Thema. Es entwickelte sich eine eigene Logistik, in der Transport und (Zwischen-)Lagerung eine zentrale Rolle spielen.<sup data-fn="2fd18c24-354d-4b33-8c11-c1038f8f4a85" class="fn"><a id="2fd18c24-354d-4b33-8c11-c1038f8f4a85-link" href="#2fd18c24-354d-4b33-8c11-c1038f8f4a85">7</a></sup>&nbsp;Wie im Bereich der humanitären Hilfe zeigt sich das Überschreiten von Grenzen als entscheidender Moment. Darum lohnt sich der forschende Blick auf den Grenzraum als Aktionszone. Auch in diesem Zusammenhang kann die Bukowina als Beispiel dienen: Die Grenze zwischen Rumänien und der Ukraine (bzw. der Sowjetunion) verläuft seit dem Zweiten Weltkrieg mitten durch das ehemalige habsburgische Kronland und teilt es in einen ukrainischen Norden und einen rumänischen Süden. Trotz Sowjetisierung auf der einen Seite und unter sozialistischen Vorzeichen fortgesetzter Rumänisierung auf der anderen Seite lebt bis heute eine rumänische Minderheit in der Nordbukowina und eine ukrainische Minderheit in der Südbukowina, was oft zu Spannungen zwischen den beiden „Kin States“ führt.<sup data-fn="3e1eb222-aa5a-4a10-a579-8ac597e0fbc6" class="fn"><a id="3e1eb222-aa5a-4a10-a579-8ac597e0fbc6-link" href="#3e1eb222-aa5a-4a10-a579-8ac597e0fbc6">8</a></sup>&nbsp;Seit der Fokus auf der Hilfe für die Ukraine liegt, erscheint es jedoch durchaus hilfreich, wenn die Sprachkenntnisse der jeweils „anderen“ gebraucht werden.<sup data-fn="b93c1ad7-9724-4789-b832-82ebac2ee94d" class="fn"><a id="b93c1ad7-9724-4789-b832-82ebac2ee94d-link" href="#b93c1ad7-9724-4789-b832-82ebac2ee94d">9</a></sup></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Innovation</strong></h2>



<p>Im Rahmen von Schutz- und Sicherungsmaßnahmen für Kulturgüter entwickelten sich zudem viele digitale Initiativen. Aus der Kooperation zwischen München und Czernowitz erwuchs 2022 ein entsprechendes Projekt mit dem Titel „Schutz von Kulturgut und Kulturerbe in der Bukowina: Sprachen, Konfessionen und Kulturen – Stadt und Land in Wechselwirkung“.<sup data-fn="9fd604e8-cd79-4dc0-98a2-a3275b6fd97e" class="fn"><a id="9fd604e8-cd79-4dc0-98a2-a3275b6fd97e-link" href="#9fd604e8-cd79-4dc0-98a2-a3275b6fd97e">10</a></sup>&nbsp;Ein zentrales Element der Maßnahme stellte die digitale Erfassung des Hauptgebäudekomplexes der Jurij-Fedkowytsch-Universität dar. Seit 1955 befinden sich der Campus und die wichtigsten Räumlichkeiten und Einrichtungen der Universität in der ehemaligen Residenz des orthodoxen Metropoliten für die Diözesen Bukowina und Dalmatien. Errichtet wurde die Residenz die in den Jahren 1864 bis 1882 nach den Plänen des tschechischen Architekten Josef Hlávka (1831–1908). Sie gilt als eklektizistisches Meisterwerk der Architektur des späten 19.&nbsp;Jahrhunderts und wurde 2011 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.</p>



<p>Das von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien über das Ukraine Art Aid Center geförderte Projekt widmete sich jedoch bewusst nicht nur diesem „großen“ Baudenkmal, sondern versuchte darüber hinaus, auf den Zusammenhang zwischen internationaler, regionaler und lokaler Vernetzung der Universität zu reagieren: Einerseits sollten materielles wie immaterielles Kulturerbe der Region auf der ganzen Welt digital zugänglich gemacht werden. Andererseits wurde auch die Sicherung des Universitätsmuseums und zweier landeskundlicher Museen, sowohl in Czernowitz wie in der mehrheitlich von Angehörigen der rumänischen Minderheit bewohnten Gemeinde Voloka unterstützt.</p>



<p>Als Partner für die Durchführung der digitalen Erfassung fungierte das auf Photogrammmetrie und Laserscanning im Kulturbereich spezialisierte Unternehmen Skeiron aus Lemberg (ukr. L’viv),<sup data-fn="0c05562e-0a94-46b2-8772-a62c2fe9b97f" class="fn"><a id="0c05562e-0a94-46b2-8772-a62c2fe9b97f-link" href="#0c05562e-0a94-46b2-8772-a62c2fe9b97f">11</a></sup>&nbsp;das unter Kriegsbedingungen mehrere Dutzend Kulturmonumente in der Ukraine dokumentiert hat und somit zumindest virtuell vor der Vernichtung schützt. Über die aufwändigen Digitalisate, auch über jenes der ehemaligen Metropolitenresidenz in Czernowitz, kann im Netz verfügt werden.<sup data-fn="cf0fc0b6-3581-43d7-9bb5-6880a49c96dc" class="fn"><a id="cf0fc0b6-3581-43d7-9bb5-6880a49c96dc-link" href="#cf0fc0b6-3581-43d7-9bb5-6880a49c96dc">12</a></sup></p>



<p>So lässt sich eine vielschichtige Konstellation beobachten: 1. die kriegsbedingt rasch steigende Bedeutung der Digital Humanities für den Kulturgutschutz; 2. die Bedeutung von Private-Public Partnerships, in dem Fall die Firma Skeiron; 3. die Lage der Kulturgutrettungsmaßnahmen an der Schnittstelle von wissenschaftlicher und humanitärer Kooperation; 4. die Durchsetzung des Open Source-Gedankens, da die Daten einer Allgemeinheit zur nichtkommerziellen Nutzung zur Verfügung stehen sollen; 5. deren Nutzen auch über den kriegsbedingten Zerstörungsfall hinaus, denn eine solche Digitalisierung ermöglicht minutiöse Rekonstruktionen, unabhängig davon, ob die Zerstörung kriegsbedingt ist oder von anderen Einflüssen verursacht wurde; 6. ein wachsendes Bewusstsein für die Bedeutung von Langzeitsicherung und, damit verbunden, erschwingliche wie datenschutzkonforme Speicheroptionen.</p>



<p>Wir beobachten also Innovationsschübe im und durch den Kulturgutschutz. Dabei geht es nicht nur um Technologie, sondern vor allem um ein „neues digitales Mindset“<sup data-fn="ff7be180-3d1c-4938-9bf2-1141eb306c11" class="fn"><a id="ff7be180-3d1c-4938-9bf2-1141eb306c11-link" href="#ff7be180-3d1c-4938-9bf2-1141eb306c11">13</a></sup>. Die Offenheit für digitale Maßnahmen wird größer, schon allein, weil ihre Sinnhaftigkeit im ukrainischen Fall tragischerweise sehr unmittelbar begreiflich wird.<sup data-fn="f28fad0a-00a0-4695-9eca-0ea6a4966200" class="fn"><a id="f28fad0a-00a0-4695-9eca-0ea6a4966200-link" href="#f28fad0a-00a0-4695-9eca-0ea6a4966200">14</a></sup></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das „und“ zwischen „Humanität“ und „Humanities“</strong></h2>



<p>Im Kontext des russischen Kriegs gegen die Ukraine ist deutlich zu bemerken, dass verschiedene Fächer der Geistes- und Sozialwissenschaften – im Gegensatz beispielsweise zur Covid-19-Pandemie 2020–2023 – sehr stark nachgefragt werden. Die Öffentlichkeit erhofft sich nicht nur Expertise, sondern auch so etwas wie die ‚Vorhersage‘ eines möglichst zufriedenstellenden und im Idealfall raschen Endes dieses Kriegs,<sup data-fn="e9ace06c-4df5-4468-94d6-7838e955dcbc" class="fn"><a id="e9ace06c-4df5-4468-94d6-7838e955dcbc-link" href="#e9ace06c-4df5-4468-94d6-7838e955dcbc">15</a></sup>&nbsp;was besonders in den sozialen Medien – mitunter wortreich und in wenig wissenschaftlichem Tonfall – wahrzunehmen ist, wenn die Feststellungen nicht den Erwartungen entsprechen, sondern lediglich den Forschungsstand wiedergeben. Dazu kommt, dass fachliche und emotionale Argumente bei dieser Thematik sehr schwierig voneinander zu trennen sind. Die zuweilen deutlich sichtbare, persönliche Betroffenheit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, zumal in einschlägigen Fachbereichen, muss in die Selbstreflexion miteinbezogen werden – das Wort „und“ zwischen „Humanität“ und „Humanities“ markiert diesen Moment. So können wir verschiedene, nicht immer trennscharf voneinander abzugrenzende Qualitäten des Interesses an der Ukraine beobachten, die sowohl für wissenschaftliches, kulturelle, politisches als auch für humanitäres Engagement gelten:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Persönliche Verbundenheit über Herkunft, Familie und Freunde;</li>



<li>eine kollegiale Verbundenheit über jene transnationalen Netzwerke in Wissenschaft und Kultur, die in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut wurden. Menschen und Institutionen realisieren seit Februar 2022 dieses emotionale Kapital positiver Erinnerungen und Erfahrungen in Benefizveranstaltungen oder Einzelspenden;</li>



<li>das Sentiment einer historischen Verbundenheit mit bestimmten Kulturgütern auf dem Boden der Ukraine, wie beispielsweise die gemeinsame galizische Geschichte mit Polen, besonders relevant ist oder für den deutschsprachigen Raum eine Verbundenheit zu den Emanationen deutscher Sprache und „Bindestrichkulturen“ in den westlichen Regionen der Ukraine empfunden wird.</li>
</ol>



<p>Diese Aspekte zeigen sich auch empirisch in der Korrespondenz des „Netzwerk Gedankendach“ mit Akteurinnen und Akteuren sowie Spenderinnen und Spendern der vergangenen 14&nbsp;Monate. Wir sehen also die Wirkung eines ideellen „Brandings“, das bereits vor den Kriegshandlungen existierte und nun zugunsten sehr dringender materieller Unterstützung aktiviert werden kann.<sup data-fn="3c265481-4566-4ae7-8ba7-38baee7327de" class="fn"><a id="3c265481-4566-4ae7-8ba7-38baee7327de-link" href="#3c265481-4566-4ae7-8ba7-38baee7327de">16</a></sup>&nbsp;Der „Stoff“, der das „Branding“ ermöglicht, ist wiederum aus Geschichte und Kultur gewebt, der seine Färbung oftmals bestimmten mythisch aufgeladenen Narrativen verdankt: Multikulturalität, das deutsch-jüdische Kulturerbe, Bollwerk gegen Osten etc. (Auch Förderanträge bauen zuweilen zumindest implizit auf solchen Narrativen auf.) Der Mythos mobilisiert also über Beziehungsebenen, die sich – in unserem Beispiel – zwischen Humanities und Humanität entfalten.<sup data-fn="61b4be26-308c-45a2-a457-785d95d02fde" class="fn"><a id="61b4be26-308c-45a2-a457-785d95d02fde-link" href="#61b4be26-308c-45a2-a457-785d95d02fde">17</a></sup></p>



<p>Diese – freilich nur vorläufigen – Beobachtungen im Themenfeld Kulturerbe – Netzwerke – Kommunikation dienen als Ausgangspunkt für weitergehende Überlegungen im Rahmen des Themenschwerpunkts „Humanität und Humanities“, der freilich nur einige Pflöcke einschlagen kann für eine noch zu intensivierende Diskussion über die Erkenntnisse und Konsequenzen, die der Krieg gegen die Ukraine für die Geisteswissenschaften mit sich bringt. In den Mittelpunkt rücken die Themen Kulturerbe und Kulturgutschutz sowie Selbstreflexion zwischen Analyse und Betroffenheit, Humanität und Humanities.</p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="6fa0cd0f-31fc-418d-925a-0b10e0fbc658">Alle Vorträge und die Podiumsdiskussion können auch unter &lt;https://zwischengrenzen.online/schwerpunkte/humanitaet-und-humanities/> nachgehört werden.  <a href="#6fa0cd0f-31fc-418d-925a-0b10e0fbc658-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="0c41ef53-8f7e-499c-b4b1-bc1901d81f95">Die Veranstaltung wurde vom Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München, der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, dem Research Center for the History of Transformations (RECET) und der Jurij-Fedkowytsch-Universität Černivci/Czernowitz organsiert. Besonderer Dank gilt der Dekanin der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, Prof. Dr. Christina Lutter, sowie ihrem umsichtigen und professionellen Dekanatsteam, dem Board of Directors von RECET – Founding Director Prof. Dr. Philipp Ther, Scientific Director apl. Prof. Dr. Jannis Panagiotidis und Managing Director Irena Remestwenski M. A. – sowie den Kolleginnen und Kollegen der Universität Černivci, Vizerektorin Prof. Dr. Tamara Marusyk, Dr. Oxana Matiychuk, Leiterin des an der Universität angesiedelten „Zentrums Gedankendach“, und Serhij Lukanjuk, Leiter des International Office der Universität, sowie den zahlreichen Kooperationspartnern in Österreich und Deutschland, die materiell, ideell und – besonders wichtig – multiplizierend unterstützt haben: Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien, Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa Oldenburg (BKGE), OeAD-Kooperationsbüro Lviv/Lemberg, Ukraine Office Austria (Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten), Netzwerk Kulturgutschutz Ukraine/Ukraine Art Aid Center (Deutsch-Ukrainische Gesellschaft für Wirtschaft und Wissenschaft e. V., Mainz/Berlin/Kiew) und Südosteuropa-Gesellschaft – Zweigstelle Wien. <a href="#0c41ef53-8f7e-499c-b4b1-bc1901d81f95-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="51d75a60-a587-46e6-baa8-98401c78d077">IKGS München: Spiegelungen-Preis für Minimalprosa 2020, &lt;https://spiegelungen.net/spiegelungen-preis-minimalprosa-2020>, 11.2.2025. <a href="#51d75a60-a587-46e6-baa8-98401c78d077-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="9bffe6d9-e413-4ba8-bc08-5efbcf355137">Enikő Dácz, Florian Kührer-Wielach, Oxana Matiychuk (Hgg.): Mikrolithen: Jenseits von Celan / Microlite: Dincolo de Celan / Микролiти: потойбіч Целана. München 2022. <a href="#9bffe6d9-e413-4ba8-bc08-5efbcf355137-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="95deff05-cb7d-40c5-99b3-ba088f9c6b90">Zur Chronologie der Hilfsaktion siehe &lt;www.ikgs.de/bukowinahilfe>, 11.2.2025. <a href="#95deff05-cb7d-40c5-99b3-ba088f9c6b90-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 5 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="2b2c4a26-b7e5-4a76-8fac-d12d1da2537f">Vgl. Die Beauftragte für Kultur und Medien: Unterstützung für die Ukraine, &lt;https://www.kulturstaatsministerin.de/DE/schwerpunkte/hilfsmassnahmen-ukraine/hilfsmassnahmen-ukraine_node.html>, 11.2.2025. <a href="#2b2c4a26-b7e5-4a76-8fac-d12d1da2537f-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 6 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="2fd18c24-354d-4b33-8c11-c1038f8f4a85">Vgl. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung: Bilaterale Unterstützungsleistungen der Bundesregierung für die Ukraine und Menschen aus der Ukraine, &lt;https://www.bundesregierung.de/resource/blob/975228/2201464/5f307970470d06878af4f84956613e84/liste-ukr-bilaterale-hilfe-data.pdf?download=1>, S. 13 und Florian Kührer-Wielach: Czernowitz 2022. Eine Sommerreise, &lt;https://zwischengrenzen.online/czernowitz-2022-eine-sommerreise/>, 11.2.2025. <a href="#2fd18c24-354d-4b33-8c11-c1038f8f4a85-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 7 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="3e1eb222-aa5a-4a10-a579-8ac597e0fbc6">Vgl. Sergiy Gerasymchuk: Die Ukraine und Rumänien: Partnerschaftliche Beziehungen statt historischer Spannungen. In: Ukraine-Analysen, Nr. 302, 3.7.2024, S. 6–9; Sabine von Löwis: Umstrittene postsowjetische Grenzen: Die Ukraine als Fallbeispiel. In: ZOiS Spotlight 2/2020, 15.1.2020, &lt;https://www.zois-berlin.de/4/umstrittene-postsowjetische-grenzen-die-ukraine-als-fallbeispiel>, 11.2.2025; Brigitte Mihok: Rumänien und seine Nachbarstaaten. In: OST-WEST. Europäische Perspektiven 3/2002, &lt;https://www.owep.de/artikel/306-rumaenien-und-seine-nachbarstaaten>, 11.2.2025; Cornel Ban: Rumäniens fragile Erfolge und der Aufstieg der extremen Rechten. In: derStandard.at – Eastblog, 30.12.2024, &lt;https://www.derstandard.de/story/3000000249858/rumaeniens-fragile-erfolge-und-der-aufstieg-der-extremen-rechten>, 11.2.2025. <a href="#3e1eb222-aa5a-4a10-a579-8ac597e0fbc6-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 8 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="b93c1ad7-9724-4789-b832-82ebac2ee94d">Vgl. Kührer-Wielach: Sommerreise. <a href="#b93c1ad7-9724-4789-b832-82ebac2ee94d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 9 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="9fd604e8-cd79-4dc0-98a2-a3275b6fd97e">IKGS München: Projekt „Schutz von Kulturgut und Kulturerbe in der Bukowina: Sprachen, Konfessionen und Kulturen – Stadt und Land in Wechselwirkung“, &lt;https://www.ikgs.de/kulturgutschutz-bukowina/>, 11.2.2025. <a href="#9fd604e8-cd79-4dc0-98a2-a3275b6fd97e-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 10 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="0c05562e-0a94-46b2-8772-a62c2fe9b97f">Skeiron: #SaveUkrainianHeritage, &lt;https://skeiron.com.ua>, 11.2.2025. <a href="#0c05562e-0a94-46b2-8772-a62c2fe9b97f-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 11 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="cf0fc0b6-3581-43d7-9bb5-6880a49c96dc">Skeiron – Nira App, &lt;https://skeiron.nira.app/a/A9tSo0ViTiWpVxHs62ZHQw/1>, 11.2.2025. <a href="#cf0fc0b6-3581-43d7-9bb5-6880a49c96dc-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 12 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="ff7be180-3d1c-4938-9bf2-1141eb306c11">Hans-Jörg Czech: Vorwort. In: ders., Kareen Kümpel, Rita Müller (Hgg.): Transformation. Strategien und Ideen zur Digitalisierung im Kulturbereich. Bielefeld: transcript 2021, S. 9. <a href="#ff7be180-3d1c-4938-9bf2-1141eb306c11-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 13 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="f28fad0a-00a0-4695-9eca-0ea6a4966200">Vgl. Österreichische Akademie der Wissenschaften: Wie man digitale Kunstwerke vor dem Krieg rettet, 9.5.2022, &lt;https://www.oeaw.ac.at/news/wie-man-digitale-kunstwerke-vor-dem-krieg-rettet>, 11.2.2025. <a href="#f28fad0a-00a0-4695-9eca-0ea6a4966200-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 14 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="e9ace06c-4df5-4468-94d6-7838e955dcbc">Bundesministerium für Bildung und Forschung: Die Hintergründe und Folgen des Ukraine-Kriegs analysieren – welchen Beitrag leisten die Geistes- und Sozialwissenschaften?, &lt;https://www.geistes-und-sozialwissenschaften-bmbf.de/de/hintergruende-ukraine-2552.html>, 11.2.2025. <a href="#e9ace06c-4df5-4468-94d6-7838e955dcbc-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 15 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="3c265481-4566-4ae7-8ba7-38baee7327de">Pars pro toto zum Thema „Kultur als Marke“: Steffen Höhne, Ralph Philipp Ziegler (Hgg.): „Kulturbranding?“ Konzepte und Perspektiven der Markenbildung im Kulturbereich. Leipzig: Universitätsverlag 2006 sowie die gleichnamigen Bände aus den Jahren 2009, 2011 und 2014. <a href="#3c265481-4566-4ae7-8ba7-38baee7327de-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 16 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="61b4be26-308c-45a2-a457-785d95d02fde">Vgl. Florian Kührer-Wielach: Von Bindestrichen und Trennlinien. Manfred Winkler und die Bukowina nach der Bukowina – exploratives Essay (in Vorbereitung). <a href="#61b4be26-308c-45a2-a457-785d95d02fde-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 17 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/einfuehrung-akademische-kooperation-humanitaere-hilfe-und-kulturgutschutz-im-zentraleuropaeischen-beziehungsgeflecht/">Akademische Kooperation, humanitäre Hilfe und Kulturgutschutz im zentraleuropäischen Beziehungsgeflecht</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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		<title>Was geht digital? Kulturgüterrettung im Angesicht des Krieges gegen die Ukraine</title>
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		<dc:creator><![CDATA[IKGS-Admin_2]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 May 2025 09:45:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Themenschwerpunkt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gudrun Wirtz, Bayerische Staatsbibliothek München Dr. Gudrun Wirtz ist seit 2006 Leiterin der Osteuropaabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB). Nach dem Studium der Slawischen und Romanischen Philologie in Freiburg, Bonn und Zagreb war sie an den Universitäten Bonn und Bamberg tätig und wurde 1996 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität promoviert. 2000 schloss sie das Bibliotheksreferendariat ab und [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/was-geht-digital-kulturgueterrettung-im-angesicht-des-krieges-gegen-die-ukraine/">Was geht digital? Kulturgüterrettung im Angesicht des Krieges gegen die Ukraine</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Gudrun Wirtz, Bayerische Staatsbibliothek München</p>



<p><strong>Dr. Gudrun Wirtz</strong> ist seit 2006 Leiterin der Osteuropaabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB). Nach dem Studium der Slawischen und Romanischen Philologie in Freiburg, Bonn und Zagreb war sie an den Universitäten Bonn und Bamberg tätig und wurde 1996 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität promoviert. 2000 schloss sie das Bibliotheksreferendariat ab und arbeitet seitdem an der BSB. Dort ist sie u.a. verantwortlich für den DFG-geförderten Fachinformationsdienst Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa. Darüber hinaus ist sie ist Mitglied in zahlreichen bibliothekarischen und wissenschaftlichen Gremien.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Einführung</h2>



<p>Angesichts eines brutalen Angriffskrieges, in dem Kriegsverbrechen wie Folter, Verschleppung, Vergewaltigung, Angriffe auf kritische Infrastruktur wie Energie- und Wasserversorgung, Ernährungswirtschaft und medizinische Versorgung an der Tagesordnung sind, Hunderttausende um ihr Überleben kämpfen und Millionen geflohen sind, mag es manch einem nebensächlich erscheinen, sich mit digitalen Möglichkeiten der Kulturgüterrettung zu beschäftigen. Doch auch Kulturgüter&nbsp;sind kritische Infrastrukturen demokratischer Staaten, also als&nbsp;Grundlage für das Funktionieren der Gesellschaft.<sup data-fn="c3e6029c-9167-42a9-a674-aba45297f709" class="fn"><a id="c3e6029c-9167-42a9-a674-aba45297f709-link" href="#c3e6029c-9167-42a9-a674-aba45297f709">1</a></sup>&nbsp;Ihre gezielte Zerstörung gilt nach der Haager Konvention als Kriegsverbrechen. Entscheidender aber ist etwas anderes: Kulturgutzerstörung ist Teil genozidaler Kriege. Sie zielt darauf ab, das kulturelle Erbe einer Gesellschaft zu vernichten und damit ihre Identität. Im Krieg Russlands gegen die Ukraine geschieht dies auf vielfältige Art und Weise:&nbsp;Zerstörung historischer Stätten und Gebäude, Plünderung und Diebstahl, Verbrennung von Büchern und Zerstörung von Schrifttum, Zerstörung von Kunstwerken sowie Verbot von traditionellen Bräuchen und Praktiken, darunter die ukrainische Sprache.&nbsp;Kulturgutzerstörung ist in diesem Krieg kein Kollateralschaden, sondern vom ersten Tag an strategisches Ziel, verbal lange vorbereitet und begleitet von Reden über die Nicht-Existenz einer eigenständigen ukrainischen Kultur, Geschichte und Sprache. Jede Aktivität also, die sich um den Erhalt von ukrainischem Kulturgut kümmert, richtet sich gegen den Genozid. Was aber haben wir unter diesen Umständen als ukrainisches Kulturgut zu betrachten? Ist es das, was auf nationalen und internationalen Listen des Kulturerbes Aufnahme gefunden hat? Reichen die bekannten Definitionen aus? Welche Methoden der Bewahrung sind praktikabel und welche Rolle spielt dabei Digitalisierung?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Materielles, immaterielles und digitales Kulturgut</h2>



<p>Kulturerbe&nbsp;und Kulturgut sind offene Begriffe. „Die Wertschätzung, aber auch das Vergessen und das&nbsp;Wiederentdecken von Kulturerbe ist unter anderem vom gesellschaftlichen, kulturellen und&nbsp;wissenschaftlichen Diskurs abhängig.“<sup data-fn="e782ddb4-d2ff-437d-8aa0-b368cff3136a" class="fn"><a id="e782ddb4-d2ff-437d-8aa0-b368cff3136a-link" href="#e782ddb4-d2ff-437d-8aa0-b368cff3136a">2</a></sup>&nbsp;Üblicherweise unterscheiden wir zwischen materiellem und immateriellem Kulturgut, d.&nbsp;h. Kulturgut mit einer physischen Existenz und Kulturgut, das sich im flüchtigen Moment manifestiert. Zum materiellen Kulturgut gehören Bau-, Kunst- oder geschichtliche Denkmäler religiöser oder weltlicher Art, archäologische Stätten, Gebäudegruppen, die als Ganzes von historischem oder künstlerischem Wert sind, Kunstwerke, Manuskripte, Bücher und andere Gegenstände von künstlerischem, historischem oder archäologischem Interesse. Außerdem zählen wissenschaftliche Sammlungen und bedeutende Sammlungen von Büchern, Archivalien oder Reproduktionen, sodann&nbsp;Baulichkeiten, die der Erhaltung oder Ausstellung des geschützten beweglichen Kulturgutes dienen&nbsp;(Museen, größere Bibliotheken, Archive, Bergungsorte), Denkmalorte, also Orte, die in beträchtlichem Umfang Kulturgut im obigen Sinne enthalten, dazu.&nbsp;&nbsp;</p>



<h3 class="wp-block-heading">Immaterielles und digitales Kulturgut</h3>



<p>Unter immateriellen&nbsp;Kulturgut versteht man kulturelle Ausdrucksformen, soziale Praktiken, handwerkliche Techniken sowie Wissen und Fertigkeiten, die in Gemeinschaften tradiert werden.&nbsp;Kulturgut hat sowohl eine lokale, eine regionale&nbsp;als auch eine nationale bzw. internationale Dimension, entsprechend gibt es verschiedene Verzeichnisse. Das deutsche Verzeichnis immateriellen Kulturguts umfasst 144 Einträge, darunter beispielsweise&nbsp;Flechthecken, Streuobstanbau, Kneippen, Orgelbau und Orgelmusik. Sieben davon haben es auf die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit geschafft, einige davon sind regionale, grenzüberschreitende Traditionen wie etwa der Blaudruck<sup data-fn="0db04ab3-fced-4e00-a9a1-fe24cdffc332" class="fn"><a id="0db04ab3-fced-4e00-a9a1-fe24cdffc332-link" href="#0db04ab3-fced-4e00-a9a1-fe24cdffc332">3</a></sup>&nbsp;oder die Falknerei.<sup data-fn="baa827a9-3903-4dd6-b914-aa55cfbc1b32" class="fn"><a id="baa827a9-3903-4dd6-b914-aa55cfbc1b32-link" href="#baa827a9-3903-4dd6-b914-aa55cfbc1b32">4</a></sup></p>



<p>Digitales Kulturgut wird üblicherweise dem immateriellen Kulturgut zugerechnet. Dabei hat man in erster Linie digitale Bildkunst, interaktive Installationen oder audiovisuelle Materialien im Blick, wie sie immer häufiger auch in Museen Eingang finden, mitunter aber zum Beispiel auch Computerspiele.<sup data-fn="d0783a3f-666f-4bdb-90e7-e19075901deb" class="fn"><a id="d0783a3f-666f-4bdb-90e7-e19075901deb-link" href="#d0783a3f-666f-4bdb-90e7-e19075901deb">5</a></sup>&nbsp;Allerdings ist die Kategorisierung digitalen Kulturguts als immateriell aus mehreren Gründen nicht adäquat: Digitale Kultur ist faktisch nicht immateriell, sie hat eine physische Existenz, sei es auf Festplatten, anderen Speichermedien oder in der Cloud. Diese physische Existenz kann durch Bomben, durch Viren oder auch durch Stromabschaltung vernichtet werden. Die landläufige Annahme, alles, was im Internet sei, sei irgendwie automatisch sicher, ist leider absolut falsch. Eine Besonderheit, die im Kriegskontext eine große Rolle spielt, ist zudem, dass einzig digitales Kulturgut – zumindest theoretisch – wirklich gerettet werden kann, denn Daten können „eins zu eins“ kopiert werden. In der Praxis ist dies freilich komplizierter, da Daten auch von Soft- und Hardware abhängen. Dennoch liegt hier, wenn es um Rettung geht, ein wesentlicher Vorteil gegenüber materiellem Kulturgut, von dem zweidimensionale oder im besten Fall dreidimensionale Abbilder<sup data-fn="2675100f-5e54-48b2-8bf7-0fbeb1fdcdc9" class="fn"><a id="2675100f-5e54-48b2-8bf7-0fbeb1fdcdc9-link" href="#2675100f-5e54-48b2-8bf7-0fbeb1fdcdc9">6</a></sup>&nbsp;oder Kopien gefertigt werden können, oder immateriellem Kulturgut, von dem eine einmalige Ausführung aufgezeichnet werden kann. Dass digitales Kulturgut nicht nur vor Ort, sondern auch aus der Ferne ganz ohne Zutun des Datenbesitzers kopiert werden kann, ist gerade im Notfall ein weiterer wesentlicher Unterschied zu materiellem und immateriellem Kulturgut. Allerdings gilt es hier im Regelfall rechtliche Beschränkungen zu beachten: Genauso wie Bücher sind Webseiten urheberrechtlich geschützt. Das heißt, dass sie zumindest nach deutscher Rechtsauslegung nicht ohne explizite Zustimmung des Rechteinhabers kopiert werden dürfen. In den USA ist die Rechtsauslegung, nach der auch das Internet Archive operiert, hingegen dergestalt, dass eine fehlende Ablehnung als rechtliche Grundlage für Kopien ausreicht.</p>



<p>Wichtig ist in jedem Fall, dass digitale Kopien aller Arten von Kulturgut mit Metadaten versehen werden müssen, um referenzierbar und für Rekonstruktionen nutzbar zu sein. Im Übrigen dient Digitalisierung im Kriegszusammenhang nicht nur der Dokumentation und Rettung, sie kann auch Grundlage für Strafverfolgung sein, denn, wie oben erwähnt, ist Kulturgutzerstörung ein Kriegsverbrechen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Digitale Projekte zur Kulturgutrettung</h2>



<p>Es gibt unterschiedlichste Projekte, die sich nach dem 24. Februar 2022 mit digitalen Mitteln der Sicherung von Kulturgut widmen. Dabei geht es meist um materielles Kulturgut:&nbsp;<em>Documenting Ukrainian Cultural Heritage&nbsp;</em>beispielsweise ist eine fotografische Not-Dokumentation kulturell bedeutsamer Bauwerke, konzipiert und durchgeführt von Foto-Marburg in Kooperation mit Fotograf*innen vor Ort.<sup data-fn="699df80d-ada1-473f-9937-cbd42ac2ab6c" class="fn"><a id="699df80d-ada1-473f-9937-cbd42ac2ab6c-link" href="#699df80d-ada1-473f-9937-cbd42ac2ab6c">7</a></sup>&nbsp;Das von UNESCO und Blue Shield Dänemark gelaunchte&nbsp;Crowdsourcing-Projekt&nbsp;<em>&nbsp;Backup Ukraine</em>&nbsp;nutzt&nbsp;eine im Gaming entstandene Technologie, mit der Privatpersonen vor Ort 3D-Scans von Monumenten, Gebäuden und Alltagsgegenständen herstellen, um diese ggf. für Rekonstruktionen wiederzuverwenden.<sup data-fn="731be6fe-bfdd-4821-a7c9-ca920ea51d2c" class="fn"><a id="731be6fe-bfdd-4821-a7c9-ca920ea51d2c-link" href="#731be6fe-bfdd-4821-a7c9-ca920ea51d2c">8</a></sup>&nbsp;Die Daten werden in einer Cloud gesichert.&nbsp;Der digitalen Sicherung ihres immateriellen Kulturguts hat sich die Ukraine seit ihrer Ratifizierung des entsprechenden UNESCO-Übereinkommens&nbsp;im Jahre 2008 verschrieben und zu diesem Zweck das&nbsp;<em>Ukrainian Center for Cultural Research</em>&nbsp;(UCCD) gegründet.<sup data-fn="f74cf73a-fa19-4fba-a57d-c0c0f7cf3e34" class="fn"><a id="f74cf73a-fa19-4fba-a57d-c0c0f7cf3e34-link" href="#f74cf73a-fa19-4fba-a57d-c0c0f7cf3e34">9</a></sup>&nbsp;Sehr viel breiter ist der Ansatz von&nbsp;<em>Documenting Ukraine</em>&nbsp;des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen in Wien<sup data-fn="eef55ceb-c2ca-4d60-8116-7dff93eb168d" class="fn"><a id="eef55ceb-c2ca-4d60-8116-7dff93eb168d-link" href="#eef55ceb-c2ca-4d60-8116-7dff93eb168d">10</a></sup>, das den Fokus auf den laufenden Krieg legt, aber dessen einzelne Projekte auch digitale Dokumentation von Kulturgut beinhalten. Beispiele für Digitalisierung ukrainischen Kulturguts gibt es selbstverständlich viele viele weitere, insbesondere in der Ukraine selbst auf lokaler, institutioneller und individueller Ebene. Es wird nach dem Krieg eine Herausforderung sein, all diese Initiativen zu verknüpfen, zusammenzuführen und auszuwerten.&nbsp;</p>



<p>Digitalisierung dient nicht nur der unmittelbaren Kulturgutrettung und -dokumentation, sondern, eng damit zusammenhängend, auch dem Monitoring der Zerstörung. Es gibt dazu mehrere laufende Projekte, darunter in erster Linie eine Datenbank des ukrainischen Kulturministeriums, darauf aufbauend die von Blue Shield Deutschland, der UNESCO und der Smithsonian Institutions.<sup data-fn="f3401fff-2dc3-456f-992f-75519c5acb52" class="fn"><a id="f3401fff-2dc3-456f-992f-75519c5acb52-link" href="#f3401fff-2dc3-456f-992f-75519c5acb52">11</a></sup>&nbsp;Wohl noch nie war es möglich, so aktuell zu dokumentieren und zu verifizieren, nicht zuletzt durch die teils KI-gestützte Auswertung sozialer Medien.</p>



<h2 class="wp-block-heading">SUCHO &#8211; Saving Ukrainian Cultural Heritage online</h2>



<p>Die genannten Beispiele machen zweierlei deutlich: Erstens, eine verlässliche digitale Sicherung sollte auf Servern außerhalb der Ukraine passieren. Zweitens gehören Webseiten, die oft einzigartiges Kulturgut dokumentieren – wie etwa die des UCCD – zu den zu schützenden Kulturgütern. Dies führt zu der Frage, ob nicht in einem genozidalen Krieg ein möglichst weit gefasster Kulturgutbegriff sinnvoll ist, der jede Art von digitaler Repräsentation von Kultur, auch Alltagskultur umfasst. Da heutzutage jede Institution, ob Kindergarten, Tanzschule oder Restaurant, über eigene Webseiten verfügt, ist die Schlussfolgerung naheliegend, dass auch solche Seiten zu bewahren sind, da sie die Kultur und kulturelle Eigenständigkeit der Ukraine dokumentieren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Webseitenarchivierung</h3>



<p>Dies jedenfalls ist der Ansatz des internationalen Freiwilligenprojekts&nbsp;<em>Saving Ukrainian Cultural Heritage online</em>(SUCHO). Es konstituierte sich in den ersten Kriegstagen, als&nbsp;Anna&nbsp;E.&nbsp;Kijas, Leiterin der Musikbibliothek der Tufts University,&nbsp;Quinn Dombrowski, Technologie-Beauftrage der Abteilung Literatur Kultur und Sprachen der Bibliothek der Stanford University und&nbsp;Sebastian Majstorović, damals&nbsp;IT-Consultant für Digital Humanities der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, sich auf Twitter zusammenfanden und beschlossen, gemeinsam Daten zu retten.&nbsp;Vorbild war die Initiative&nbsp;<em>Rogue Scientists Race to Save Climate Data from Trump</em>,&nbsp;die 2016 Daten der Environmental Protection Agency rettete.<sup data-fn="acb51674-6a3e-4747-8582-3e8bdc1d4495" class="fn"><a id="acb51674-6a3e-4747-8582-3e8bdc1d4495-link" href="#acb51674-6a3e-4747-8582-3e8bdc1d4495">12</a></sup>&nbsp;Innerhalb weniger Tage setzten die drei ein System auf, das Slack als Kommunikationsplattform, Google Spreadsheets zur Datenverwaltung und eine Webseite für Öffentlichkeitsarbeit und Dokumentation benutzte. Mehrfach am Tag wurden Einführungen gegeben, es entstand rasch eine Reihe von Tutorials und Guides. Die Zahl der freiwilligen Helfer*innen wuchs dank Aufrufen in den sozialen Medien und fachlichen Netzwerken sowie Mund-zu-Mund-Propaganda täglich um Hunderte und erreichte rasch 1.300 und schließlich 1.500 Menschen aus 38 Ländern. Rund um die Uhr konnte also gearbeitet werden. Die Freiwilligen brachten unterschiedlichste Voraussetzungen mit: Sprachkenntnisse, Erfahrung mit Metadaten, Archivierung oder einfach nur den Drang, angesichts des Schreckens zu handeln – für jeden gab es reichlich zu tun.</p>



<p>Erster Schritt war die Identifikation der zu archivierenden Webseiten. Sie basierte einerseits auf Meldungen der Freiwilligen (u.&nbsp;a. per Google-Formular), andererseits auf einer Auswertung von WikiData sowie kommerzieller und offener Zone Files, aus denen die Domains und wichtige Subdomains – zum Beispiel Bibliothekskataloge – kultureller Institutionen extrahiert wurden. Dabei fand eine Art Triage statt, die die militärische Bedrohungslage und Komplexität der Webseiten berücksichtigte. Zu diesem Zweck arbeiteten einige SUCHO-Freiwillige als „situation monitors“. Anfang März 2022, während des Angriffs auf Charkiw, hatte SUCHO-Gründer Majstorović&nbsp;gerade hundert Gigabyte Archivmaterial des Staatsarchivs archiviert, als wenige Stunden später dessen Webseite offline ging.</p>



<p>Für die eigentliche Archivierung kamen automatische, halbautomatische und händische Methoden zum Einsatz: Webcrawling, Scraping, manueller Download und APIs. Für einfache Webseiten wurde die Wayback-Machine genutzt, für komplexere Webseiten kamen die Tools von Webrecorder (Browsertrix) zum Einsatz, besonders komplexe Seiten wurden von besonders technikaffinen Freiwilligen gescraped oder manuell bearbeitet. Letzteres war z.&nbsp;B. bei Repositorien nötig, die in der Ukraine wie andernorts oft die Open Source Software DSpace nutzen, wobei die Konfiguration zu wünschen übriglässt, so dass die OEA-PHM-Endpoints oft nicht für automatische Datenextraktion zu gebrauchen sind. Archiviert wurde in den Formaten WARC und bei Bedarf WACZ. Das Internet Archive und Amazon stellten kostenlos Datenvolumen bereit, zahlreiche Freiwillige nutzen ihre eigenen Kapazitäten. Alles war „learning by doing“, denn Zeit, sich ausführlich über große Projektstrukturen Gedanken zu machen, gab es nicht. Wer sich die Archivierung nicht zutraute, betätigte sich andernorts: Freiwillige mit bibliothekarischen oder archivarischen Kenntnissen erarbeiteten Metadatenschemata, solche mit Sprachkenntnissen vergaben die Metadaten und übersetzten wo nötig, andere prüften die downgeloadeten Seiten auf Vollständigkeit.</p>



<p>Insgesamt hat SUCHO in wenigen Monaten 5.400 Webseiten archiviert, etwa 51 Terabyte an Daten. An der Bereinigung der Metadaten wird noch gearbeitet. Das inhaltliche Spektrum reicht von großen und kleinen Archiven, Bibliotheken und Museen samt ihrer Findmittel, ohne die sie nicht mehr nutzbar wären, über Repositorien, Digital Humanities- und Oral-History-Projekte, Ausgrabungsdokumentationen bis hin zu touristischen 3D-Touren durch Klöster, Kirchen oder Zoos.<sup data-fn="43547fc4-6367-48b3-a2c6-17a1578bf9c8" class="fn"><a id="43547fc4-6367-48b3-a2c6-17a1578bf9c8-link" href="#43547fc4-6367-48b3-a2c6-17a1578bf9c8">13</a></sup></p>



<h3 class="wp-block-heading">Meme-Sammlung</h3>



<p>Bereits im Mai 2022 schuf SUCHO die Infrastruktur für ein zweites Betätigungsfeld, nämlich die Sammlung von im Krieg entstehenden Memes. Dieses humoristische Internetphänomen, das vor allem in den sozialen Medien kursiert, spielt in der psychologischen Kriegsführung vom ersten Tag an eine erstaunliche Rolle. Man denke an die vier Bilder der prächtigen Kiewer Kathedralen des 10., 11. und 12. Jahrhunderts, die vier Bildern vom Moskauer Wald im 10., 11. und 12. Jahrhunderts gegenübergestellt wurden, oder an die Untergangsbilder des Kriegsschiffes&nbsp;<em>Moskva&nbsp;</em>mit „Ctrl. Z“<em>.&nbsp;</em>SUCHO kreierte eine nach verschiedenen Kriterien zu filternde „Meme-Wall“<sup data-fn="044b30cc-43f8-4d1a-a55c-1f76efe982c1" class="fn"><a id="044b30cc-43f8-4d1a-a55c-1f76efe982c1-link" href="#044b30cc-43f8-4d1a-a55c-1f76efe982c1">14</a></sup>, die mittlerweile&nbsp;mehr als 3.000 Einheiten aus westlichen wie ukrainischen Quellen enthält. Memes gehören zweifelsohne zum digitalen Kulturgut – in diesem Fall nicht nur der Ukraine, sondern der ganzen sich für den Krieg interessierenden Welt. Sie sind allerdings extrem flüchtig, weswegen ihre Sammlung, Beschreibung und Archivierung einen Akt der Kulturgutrettung darstellt. Die Forschung zu Memes hat bereits jetzt begonnen.<sup data-fn="1608812c-0281-4e06-8bfb-7abd06851577" class="fn"><a id="1608812c-0281-4e06-8bfb-7abd06851577-link" href="#1608812c-0281-4e06-8bfb-7abd06851577">15</a></sup>&nbsp;Die SUCHO-Sammlung stellt zweifelsohne eine sehr wichtige Quelle für sie dar.<sup data-fn="138b87d8-ba08-4048-b781-8913ad099549" class="fn"><a id="138b87d8-ba08-4048-b781-8913ad099549-link" href="#138b87d8-ba08-4048-b781-8913ad099549">16</a></sup>&nbsp;Im Übrigen entstehen mittlerweile auch andernorts Meme-Sammlungen zum Ukraine-Krieg, so gibt es z.&nbsp;B. seit 2023 das War Memes Museum unter https://warmemes.com.ua/.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Unterstützung von Digitalisierung</h3>



<p>SUCHO nahm einige Wochen nach Gründung Kontakt zu urkainischen Kultureinrichtungen auf, um mehr über die Bedarfe dort und Unterstützungsmöglichkeiten zu erfahren. Ergebnis war die Schaffung einer&nbsp;<em>SUCHO-Gallery: Exploring Ukrainian Cultural Heritage Online</em><sup data-fn="2cdc6b5a-8ecc-44fd-bd65-6b3654d80622" class="fn"><a id="2cdc6b5a-8ecc-44fd-bd65-6b3654d80622-link" href="#2cdc6b5a-8ecc-44fd-bd65-6b3654d80622">17</a></sup>, die dem Fundraising und dem Gebrauch ukrainischer Materialien für Bildungszwecke in- und außerhalb der Ukraine dient. Im August 2022 startete SUCHO dann eine zweite Phase, die unter dem Motto<strong>&nbsp;</strong>„Curate,&nbsp;Donate, Educate“ steht<strong>.&nbsp;</strong>Ziel ist es, ukrainische Kultureinrichtungen bei der digitalen Bewahrung des materiellen Erbes vor Ort zu unterstützen, primär durch die Lieferung von Generatoren und Digitalisierungsausrüstung direkt an die Einrichtungen, die sie benötigen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den befreiten Gebieten. Teil dieser zweiten Phase ist zudem die Organisation und Durchführung von Schulungsangeboten zur Digitalisierung. Zu diesem Zweck wurde das Projekt&nbsp;<em>Memory Savers</em>gegründet, das ukrainischen Studierenden Stipendien für Digitalisierungsschulungen gibt, damit diese dann die Digitalisierung in kleineren Institutionen, in denen das Know-How noch fehlt, unterstützen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Bayerische Staatsbibliothek und SUCHO</h2>



<p>Die Bayerische Staatsbibliothek (BSB), die die wohl größte Sammlung an Ukrainica in Deutschland beherbergt, brachte ihre Erfahrungen, Kompetenzen und Verbindungen auf verschiedensten Ebenen in SUCHO ein. Zunächst wurden in den ersten&nbsp;Märztagen&nbsp;2022 die Metadaten zu 1.300 einschlägigen ukrainischen Webseiten, die der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte&nbsp;<em>Fachinformationsdienst Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa</em><sup data-fn="a270e8da-0726-4d13-925a-37e03e396787" class="fn"><a id="a270e8da-0726-4d13-925a-37e03e396787-link" href="#a270e8da-0726-4d13-925a-37e03e396787">18</a></sup>&nbsp;und seine Vorgängerstrukturen in den vergangenen 20 Jahren gesammelt und über den Internetressourcen-Katalog&nbsp;<em>OstNet</em><sup data-fn="a8db91e1-8ab8-4844-8fe2-ddaace4befc9" class="fn"><a id="a8db91e1-8ab8-4844-8fe2-ddaace4befc9-link" href="#a8db91e1-8ab8-4844-8fe2-ddaace4befc9">19</a></sup>&nbsp;zur Verfügung gestellt hat, ausgespeichert und in die SUCHO-Infrastruktur zur Archivierung eingepflegt. Sodann beteiligten sich vier Mitarbeiter*innen des Münchner Digitalisierungszentrums und der Osteuropaabteilung an der Archivierung von ukrainischen Repositorien und elektronischen Zeitschriften. Über die Suchmaschine BASE<sup data-fn="2748ec75-7f2c-43c4-b970-927ef53d1d46" class="fn"><a id="2748ec75-7f2c-43c4-b970-927ef53d1d46-link" href="#2748ec75-7f2c-43c4-b970-927ef53d1d46">20</a></sup>&nbsp;wurden zu diesem Zweck die OAI-Endpunkte der Repositorien in Erfahrung gebracht. Schätzungsweise konnten so mehrere 10.000 E-Books, darunter viele originär elektronische, sowie eine unbekannte Zahl an Forschungsdaten gesichert werden. Weitere Mitarbeiter*innen der Osteuropaabteilung arbeiten zudem teilweise auch in ihrer Freizeit in den SUCHO-Sektionen Qualitätskontrolle, Übersetzung und Metadaten sowie bei den Memes mit. Von Beginn an hat sich der FID-Ost auch mit seinen Netzwerken für SUCHO engagiert und Kontakte zu anderen deutschen Institutionen und Initiativen aufgebaut. Im Mai 2022 stellte die BSB kurzfristig bei der DFG einen Zusatzantrag zur Förderung ihrer Aktivitäten zur Ukraine, darunter die Mitarbeit bei SUCHO. Der Antrag wurde bewilligt, so dass seit 2023 eine geflüchtete ukrainische Historikerin als BSB-Mitarbeiterin SUCHO unterstützen kann. Darüber hinaus engagiert sich die BSB für SUCHO weiterhin mit Öffentlichkeitsarbeit und Maßnahmen des Community-Building durch Vorträge, Webinare und öffentliche Veranstaltungen, etwa auf der Leipziger Buchmesse und dem Deutschen Bilbliothekskongress 2023.&nbsp;In Planung ist ein weiteres Projekt gemeinsam mit SUCHO: der Aufbau einer digitalen ukrainischen Auslandsbibliothek in Form eines Katalogs. Ziel ist es, Metadaten digital(isiert)er Ukrainica weltweit zusammenzuführen. Der Katalog soll einerseits der Beförderung ukrainistischer Forschung dienen, andererseits spätestens mit Kriegsende der Ukraine zur Integration in ihre eigene nationale digitale Bibliothek übergeben werden können. Allein die Bayerische Staatsbibliothek wird hier ca. 2.000 urheberrechtsfreie und weitere 1.000 urheberrechtsbehaftete Titel beitragen können, die allesamt entweder Teil des ukrainischen kulturellen Erbes sind oder aber von diesem handeln.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schlussbemerkungen</h2>



<p>SUCHO hat nicht nur den freiwillig Mitarbeitenden viele wertvolle Erkenntnisse beschert. Dazu gehört in erster Linie, dass Webseiten Kulturgut sind und dass letztlich fast jeder, der einen Computer und Internetanschluss besitzt, in der Lage ist, zu archivieren, was ihr/ihm wichtig ist, so dass persönliche Archive unter Umständen nicht weniger wertvoll sind als institutionelle.&nbsp;&nbsp;Gezeigt hat sich auch, dass Digitalisierung kein Luxus ist, sondern eine Notwendigkeit. Denn Not-Digitalisierung ist ein schwieriges Unterfangen. Die Anforderungen an den Vorgang sind zwar nicht wirklich hoch, aber es braucht Equipment, geschultes Personal, verständliche Best-Practices und vor allem Plattformen, auf die die Daten hochgeladen werden können, die möglichst im Ausland liegen. Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aber ist, dass nur offene Kultur sichere Kultur ist, Open Access und möglichst offene Lizenzen also keine Nebensächlichkeit sind, sondern eine Vorsichtsmaßnahme, damit im Zweifelsfall Daten von außen gerettet werden können. Dazu braucht es keinen Krieg, es reichen Naturkatastrophen oder Zensur. Denn: Kein Land der Welt hat ihr digitales Kulturgut umfassend gesichert.</p>



<p>SUCHO ist inzwischen mit einer Vielzahl von etablierten Institutionen und Initiativen, die dem Kulturgutschutz verpflichtet sind, vernetzt, gefragter Gesprächspartner internationaler und ukrainischer Organisationen und hat sogar international Nachahmer gefunden.<sup data-fn="a3da4796-723d-4d2f-8759-3d363a76b1b6" class="fn"><a id="a3da4796-723d-4d2f-8759-3d363a76b1b6-link" href="#a3da4796-723d-4d2f-8759-3d363a76b1b6">21</a></sup>&nbsp;2023 wurde SUCHO mit dem European Cultural Heritage Award ausgezeichnet.<sup data-fn="89566764-7ce6-452b-807a-4737987b8550" class="fn"><a id="89566764-7ce6-452b-807a-4737987b8550-link" href="#89566764-7ce6-452b-807a-4737987b8550">22</a></sup>&nbsp;Die gesammelten Erfahrungen werden hoffentlich sowohl für den Aufbau des Europäischen Kompetenzzentrums für Kulturerbe (4CH)<sup data-fn="d300b1c9-b123-42b9-969c-763263774af6" class="fn"><a id="d300b1c9-b123-42b9-969c-763263774af6-link" href="#d300b1c9-b123-42b9-969c-763263774af6">23</a></sup>&nbsp;als auch für nationale Webseitenarchivierungsvorhaben von Nutzen sein.&nbsp;</p>



<p>Was mit den archivierten Daten nach dem Krieg geschieht, hängt stark von Verlauf und Ausgang des Krieges ab. Entscheiden werden dies diejenigen, denen die Daten gehören – die Ukrainer. SUCHOs primäres Ziel war es, Daten zu retten und nach dem Krieg zum Wiederaufbau ukrainischer digitaler Infrastrukturen zur Verfügung stellen zu können. Die Hoffnung ist, dass dies nicht nötig sein wird.</p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="c3e6029c-9167-42a9-a674-aba45297f709">Darunter Archive, Bibliotheken und Museen, Rundfunk und Presse, vgl. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe<em>: </em>Kritis-Sektor Medien und Kultur, &lt;https://www.bbk.bund.de/DE/Themen/Kritische-Infrastrukturen/Sektoren-Branchen/Medien-Kultur/medien-kultur_node.html>, 24.9.2023. <a href="#c3e6029c-9167-42a9-a674-aba45297f709-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="e782ddb4-d2ff-437d-8aa0-b368cff3136a">Vgl.  Kulturerbe und Digitalisierung. Stellungnahme des Deutschen Kulturrats, März 2016, S. 1, &lt;https://www.kulturrat.de/positionen/kulturerbe-und-digitalisierung>, 1.9.2023. <a href="#e782ddb4-d2ff-437d-8aa0-b368cff3136a-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="0db04ab3-fced-4e00-a9a1-fe24cdffc332">Gemeinsame Nominierung mit Österreich, Tschechischer Republik, Slowakei und Ungarn, &lt;https://www.unesco.de/kultur-und-natur/immaterielles-kulturerbe/immaterielles-kulturerbe-deutschland/blaudruck>, 1.8.2023. <a href="#0db04ab3-fced-4e00-a9a1-fe24cdffc332-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="baa827a9-3903-4dd6-b914-aa55cfbc1b32">Durch 18 Staaten nominiert &lt;https://www.unesco.de/kultur-und-natur/immaterielles-kulturerbe/immaterielles-kulturerbe-weltweit/falknerei-als>, 10.3.2025. <a href="#baa827a9-3903-4dd6-b914-aa55cfbc1b32-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="d0783a3f-666f-4bdb-90e7-e19075901deb">Kulturerbe 2016, S. 2. <a href="#d0783a3f-666f-4bdb-90e7-e19075901deb-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 5 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="2675100f-5e54-48b2-8bf7-0fbeb1fdcdc9">Vgl. Sander Münster: Advancements in 3D Heritage Data Aggregation and Enrichment in Europe. Implications for Designing the Jena Experimental Repository for the DFG 3D Viewer. In: <em>Applied Sciences,</em> 2023, <em>13</em>(17), 9781, &lt;https://doi.org/10.3390/app13179781>, 10.3.2025. <a href="#2675100f-5e54-48b2-8bf7-0fbeb1fdcdc9-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 6 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="699df80d-ada1-473f-9937-cbd42ac2ab6c">Vgl. &lt;https://www.uni-marburg.de/de/aktuelles/news/2022/projekt-documenting-ukrainian-cultural-heritage-gestartet>, 24.9.2023. <a href="#699df80d-ada1-473f-9937-cbd42ac2ab6c-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 7 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="731be6fe-bfdd-4821-a7c9-ca920ea51d2c">Vgl. &lt;https://poly.cam/ukraine>, 24.9.2023. <a href="#731be6fe-bfdd-4821-a7c9-ca920ea51d2c-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 8 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="f74cf73a-fa19-4fba-a57d-c0c0f7cf3e34">Vgl. &lt;https://uccs.org.ua/>, 24.9.2023. <a href="#f74cf73a-fa19-4fba-a57d-c0c0f7cf3e34-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 9 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="eef55ceb-c2ca-4d60-8116-7dff93eb168d">Vgl. &lt;https://www.iwm.at/documenting-ukraine>, 24.9.2023.  <a href="#eef55ceb-c2ca-4d60-8116-7dff93eb168d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 10 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="f3401fff-2dc3-456f-992f-75519c5acb52">&lt;https://culturecrimes.mkip.gov.ua>; &lt;https://uaculture.org/culture-loss-en>; &lt;https://www.blue-shield.de/ukraine-monitor>; &lt;https://www.unesco.org/en/articles/damaged-cultural-sites-ukraine-verified-unesco>; &lt;https://hub.conflictobservatory.org/portal/apps/sites/#/home>, alle 24.9.2023. <a href="#f3401fff-2dc3-456f-992f-75519c5acb52-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 11 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="acb51674-6a3e-4747-8582-3e8bdc1d4495">Vgl. &lt;https://www.wired.com/2017/01/rogue-scientists-race-save-climate-data-trump/>, 10.3.2025. <a href="#acb51674-6a3e-4747-8582-3e8bdc1d4495-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 12 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="43547fc4-6367-48b3-a2c6-17a1578bf9c8">Die Daten sind u. a. hier einzusehen: &lt;https://www.sucho.org/archives>, 10.3.2025; &lt;https://registry.opendata.aws/sucho/>, 22.9.2023. <a href="#43547fc4-6367-48b3-a2c6-17a1578bf9c8-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 13 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="044b30cc-43f8-4d1a-a55c-1f76efe982c1">&lt;https://memes.sucho.org>, 24.9.2023. <a href="#044b30cc-43f8-4d1a-a55c-1f76efe982c1-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 14 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="1608812c-0281-4e06-8bfb-7abd06851577">Vgl. Joanna Nowotny, Julian Reidy: Memes – Formen und Folgen eines Internetphänomens. Bielefeld: transcript 2022. <a href="#1608812c-0281-4e06-8bfb-7abd06851577-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 15 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="138b87d8-ba08-4048-b781-8913ad099549">Vgl. Anna Rakityanskaya: The SUCHO Ukrainian War Memes Collection. In: Slavic &amp; East European Information Resources 24 (2023) H. 1, S. 53-70; s. auch die Meme-Ausstellung im Berlin Story Bunker 2022, &lt;https://www.berlinstory.de/meme-museum/>, 24.9.2023. <a href="#138b87d8-ba08-4048-b781-8913ad099549-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 16 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="2cdc6b5a-8ecc-44fd-bd65-6b3654d80622">&lt;https://gallery.sucho.org/>, zuletzt 30.8.2023. <a href="#2cdc6b5a-8ecc-44fd-bd65-6b3654d80622-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 17 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="a270e8da-0726-4d13-925a-37e03e396787">Mehr dazu unter &lt;https://www.osmikon.de/servicemenue/ueber-uns/fachinformationsdienst-ost-ostmittel-und-suedosteuropa>, 1.9.2023. <a href="#a270e8da-0726-4d13-925a-37e03e396787-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 18 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="a8db91e1-8ab8-4844-8fe2-ddaace4befc9">&lt;https://www.osmikon.de/servicemenue/ueber-uns/ueber-ostnet/>, 30.8.2023. <a href="#a8db91e1-8ab8-4844-8fe2-ddaace4befc9-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 19 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="2748ec75-7f2c-43c4-b970-927ef53d1d46">&lt;https://www.base-search.net/>, 30.8.2023. <a href="#2748ec75-7f2c-43c4-b970-927ef53d1d46-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 20 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="a3da4796-723d-4d2f-8759-3d363a76b1b6">Vgl. die Initiative zu Hong Kong, &lt;http://savehkonline.org/>, 22.9.2023. <a href="#a3da4796-723d-4d2f-8759-3d363a76b1b6-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 21 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="89566764-7ce6-452b-807a-4737987b8550">&lt;https://culture.ec.europa.eu/news/2023-european-heritage-awards-winners-announced>, 22.9.2023. <a href="#89566764-7ce6-452b-807a-4737987b8550-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 22 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="d300b1c9-b123-42b9-969c-763263774af6">Vgl. Andrea Boeri u.a.: <em>The 4CH project and enabling technologies for safeguarding the Cultural Heritage</em>. In: <em>TECHNE – Journal of Technology for Architecture and Environment</em> (2023) Nr. 25, S. 162–172. <a href="#d300b1c9-b123-42b9-969c-763263774af6-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 23 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/was-geht-digital-kulturgueterrettung-im-angesicht-des-krieges-gegen-die-ukraine/">Was geht digital? Kulturgüterrettung im Angesicht des Krieges gegen die Ukraine</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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		<title>Die Arbeit des Netzwerks Kulturgutschutz Ukraine / Ukraine Art Aid Center</title>
		<link>https://halbjahresschrift.de/die-arbeit-des-netzwerk-kulturgutschutz-ukraine-ukraine-art-aid-center/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[IKGS-Admin_2]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 May 2025 09:45:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Themenschwerpunkt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Olena Balun, Akademie der Bildende Künste München Dr. Olena Balun, geboren in Kyiw, lebt und arbeitet in Rosenheim und München. Nach dem Abschluss in Deutscher und Englischer Philologie an der Taras-Schewtschenko-Universität Kyiw 2004 hatte sie das Studium der Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München aufgenommen, wo sie anschließend über die ukrainische Avantgarde promovierte. Sie unterrichtete 2014-2016 [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Olena Balun, Akademie der Bildende Künste München</p>



<p><strong>Dr. Olena Balun</strong>, geboren in Kyiw, lebt und arbeitet in Rosenheim und München. Nach dem Abschluss in Deutscher und Englischer Philologie an der Taras-Schewtschenko-Universität Kyiw 2004 hatte sie das Studium der Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München aufgenommen, wo sie anschließend über die ukrainische Avantgarde promovierte. Sie unterrichtete 2014-2016 Kunstgeschichte am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Kunstgeschichte an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, arbeitete seit 2017 projektbezogen als Kuratorin, leitete 2021-2025 den Kunstverein Rosenheim. 2022-2024 war sie zunächst als Koordinatorin und später als Mitglied des Steuerungsteams im Ukraine Art Aid Center engagiert. Seit Oktober 2024 arbeitet sie als Kuratorin an der Akademie der Bildende Künste München.</p>



<p>Das Ukraine Art Aid Center (UAAC) ist ein internationales Hilfsnetzwerk mit einer Zentrale in Deutschland, das seit Anfang März 2022 Hilfe zur Rettung des ukrainischen Kulturerbes leistet. Im Netzwerk agieren zahlreiche Forschungsinstitute, Museen, Stiftungen, Fachverbände, Kunsthandel und Logistikunternehmen und viele weitere.<sup data-fn="15544e2d-c21f-4107-9256-42831a8d524f" class="fn"><a id="15544e2d-c21f-4107-9256-42831a8d524f-link" href="#15544e2d-c21f-4107-9256-42831a8d524f">1</a></sup>&nbsp;Geleitet wird es von einer fünfköpfigen Steuerungsgruppe.<sup data-fn="d711251c-04f9-46f4-b22e-b694fc052cea" class="fn"><a id="d711251c-04f9-46f4-b22e-b694fc052cea-link" href="#d711251c-04f9-46f4-b22e-b694fc052cea">2</a></sup>&nbsp;Das hauptamtliche Koordinations- und Logistikteam befasst sich vor allem mit Management, Kommunikation, Verwaltung von Projekten, Ankauf, Lagerung und Transport von notwendigen Hilfsgütern sowie Zollabfertigung.</p>



<p>Da das Netzwerk kein Verein ist, hat eine gemeinnützige Organisation, die Deutsch-Ukrainische Gesellschaft für Wirtschaft und Wissenschaft, als juristische Person die Abwicklung juristischer und finanzieller Anliegen übernommen. Von März bis Juni 2022 hat das UAAC auf Spendenbasis agiert. Höhere Beträge wurden u.&nbsp;a. von der Ernst von Siemens Kunststiftung und der Hasso Plattner Foundation für die Finanzierung der Koordination und Logistik sowie zum Ankauf einiger Hilfsgüter gestiftet. Die ersten Hilfstransporte beinhalteten vor allem Materialspenden von verschiedenen Museen. Sie wurden nach einem öffentlichen Aufruf von World Heritage Watch beim Kunsttransportunternehmen Brandl Fine Art und Tandem gesammelt und dort zur weiteren Beförderung in die Ukraine vorbereitet. Bei den Gütern handelte es sich vor allem um Verpackungsmaterialien, diverse Transportcontainer und Feuerschutz. Die Hilfsgüter wurden von ukrainischen Logistikunternehmen in die Koordinationszentren nach Kyiw und Lwiw/Lemberg transportiert, und von da aus von ukrainischen ehrenamtlichen Koordinatoren und Koordinatorinnen weiterverteilt. Die direkte Zusammenarbeit mit ukrainischer Logistik und Koordination war von Anfang an erfolgreich und effektiv. Alle ukrainischen Koordinatoren und Koordinatorinnen arbeiten entweder in Museen oder im Kulturgutschutz. Sie sind über die aktuelle Situation und deren Entwicklung vor Ort stets informiert, was eine schnelle Bedarfsermittlung und ein gezieltes Handeln ermöglicht.</p>



<p>Diese Herangehensweise war erfolgreich und überzeugend, was dazu führte, dass die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Claudia Roth mit Unterstützung des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte im östlichen Europa (BKGE) nach der Freigabe des Bundeshaushalts im Juli 2022 dem UAAC zunächst 1,5 Millionen Euro, und dann ab Oktober 2022 noch einmal denselben Betrag für den Kulturgutschutz der Ukraine zur Verfügung stellte. Das Geld wurde fristgerecht bis Ende Dezember 2022 ausgegeben.</p>



<p>Die Förderung durch die BKM hat die Größenordnung der Hilfsmaßnahmen verändert, der Ankauf größere Mengen sowie kostspieliger, spezieller Güter wurde möglich. Zudem wurde der Kreis der Institutionen, die unterstützt wurden, maßgeblich erweitert. Zu den zahlreichen Museen und Kirchen kamen Archive, Bibliotheken, einige Bildungsinstitutionen und Theater hinzu. Zu den Hilfsgütern, die in diesem Zuge erworben wurden, zählen unter anderem Geräte zur<strong> </strong>Klimakontrolle (Entfeuchter, Befeuchter, Hygrometer) und zur Stromversorgung<strong> </strong>(Powerstations und Generatoren – vier davon mit hoher Leistung bis zu 200 kW für Freilichtmuseen in Kyiw und Tschernihiw sowie Opernhäuser in Lwiw/Lemberg und Odessa), außerdem Arbeitskleidung, Baumaterialien, Werkzeug und Geräte zur Entladung der Hilfstransporte. Für einige Bibliotheken und Archive, darunter das Stadtarchiv in Tscherniwzi/Czernowitz und die Kyiwer Nationale Wernadsky-Bibliothek wurden feuerfeste Schränke angekauft.</p>



<p>Dank der Finanzierung konnte das Netzwerk schnell und effektiv auf Notsituationen reagieren. Die Raketenangriffe auf die Kyiwer Innenstadt im Oktober 2022 verursachten zahlreiche Schäden an sechs Museen, zwei Hauptgebäuden und der Bibliothek der Nationalen Taras-Schewtschenko-Universität sowie an mehreren Bauten der Nationalen Wissenschaftsakademie. Das UAAC konnte binnen weniger Tage LKWs mit Baumaterialien in die ukrainische Hauptstadt schicken.</p>



<p>Des Weiteren wurden mehrere Großprojekte<sup data-fn="712f1a50-ad66-4c8d-b8d9-932668cc2bfb" class="fn"><a id="712f1a50-ad66-4c8d-b8d9-932668cc2bfb-link" href="#712f1a50-ad66-4c8d-b8d9-932668cc2bfb">3</a></sup>&nbsp;durchgeführt, darunter Ertüchtigungs- und Digitalisierungsmaßnahmen. Ertüchtigt wurde vor allem die technische Ausstattung oder der bauliche Zustand einzelner Institutionen. Zahlreiche Museumsbauten, die nicht selten Baudenkmäler sind, waren bereits vor dem Krieg renovierungsbedürftig. Staatliche Finanzierung wurde ihnen zwar genehmigt, aber mit dem Kriegsbeginn wieder gestrichen. Im Rahmen der Ertüchtigungsarbeit konnte das UAAC das alte, marode Heizungssystem für das Museum für Westliche und Östliche Kunst in Odessa ersetzen und einen drohenden Wasserschaden im diesem historischen Bau verhindern. Am Goldenen Tor in Kyiw wurde der Feuerschutz erneuert. Museen der Kyiw-Petschersk-Lawra, die Teil des UNESCO-Welterbes sind, bekamen eine Solaranlage, die es möglich gemacht hat, den Betrieb der elektrischen Heizung trotz ständiger Bombardements der Infrastruktur im Winter aufrechtzuerhalten.</p>



<p>Projekte zur digitalen Sicherung der Kulturgüter und Denkmäler betrafen unterschiedliche Kulturinstitutionen. Es wurden Scanner, PCs, Laptops sowie Fotokameras für Bibliotheken und Archive an mehreren Standorten angekauft. Seit dem Sommer 2022 unterstützt das UAAC die Initiative SaveUkrainianHeritage des ukrainischen Unternehmens SKEIRON, das seit Kriegsbeginn Sammlungen, aber vor allem Baudenkmäler mittels 3D-Scan und Fotogrammetrie digitalisiert. In diesem Zusammenhang ist auch die Unterstützung des Projekts des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) zustande gekommen, in dessen Rahmen mehrere Gebäudekomplexe der Czernowitzer Nationalen Jurij-Fedkowytsch-Universität digital erfasst wurden, sowie als Teilprojekt in landeskundlichen Museen Czernowitz und Woloka eine Fotodokumentation der Bestände durchgeführt wurde.&nbsp;</p>



<p>Im Zeitraum von März 2022 bis Mai 2023 hat das UAAC ca. 270 Tonnen Hilfsgüter in die Ukraine geschickt (33 LKWs, 3 DB-Container via DB-Cargo, mehrere Busse). Damit wurden knapp 700 Institutionen beliefert, darunter Museen, Archive, Universitäten, Bibliotheken, Theater und zahlreiche Kirchen. Vom Januar bis Ende Juli 2023 hat das Netzwerk auf Spendenbasis agiert. Im August 2023 wurde wieder dank Vermittlung des BKGE die staatliche Finanzierung durch das Auswärtige Amt und das BKM fortgesetzt.</p>



<p><strong>Dr. Olena Balun</strong>, geboren in Kyiw, lebt und arbeitet in Rosenheim und München. Nach dem Abschluss in Deutscher und Englischer Philologie an der Taras-Schewtschenko-Universität Kyiw 2004 hatte sie das Studium der Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München aufgenommen, wo sie anschließend über die ukrainische Avantgarde promovierte. Sie unterrichtete 2014-2016 Kunstgeschichte am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Kunstgeschichte an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, arbeitete seit 2017 projektbezogen als Kuratorin, leitete 2021-2025 den Kunstverein Rosenheim. 2022–2024 war sie zunächst als Koordinatorin und später als Mitglied des Steuerungsteams im Ukraine Art Aid Center engagiert. Seit Oktober 2024 arbeitet sie als Kuratorin an der Akademie der Bildende Künste München.</p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="15544e2d-c21f-4107-9256-42831a8d524f">Beteiligte Organisationen und Sponsoren aus Deutschland seit März 2022 in zufälliger Reihenfolge: Deutscher Verband für Kunstgeschichte e.V., Deutsch–Ukrainische Gesellschaft für Wirtschaft und Wissenschaft e.V., Max–Liebermann–Gesellschaft Berlin e.V., Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa Oldenburg, Ernst von Siemens Kunststiftung, Hasso Plattner Foundation, Tandem Lagerhaus und Kraftverkehr Kunst GmbH, Brandl Fine Art, Schlien &amp; friends GmbH, Johnson Controls International plc, Stiftung KUNSTFORUM der Berliner Volksbank gGmbH, Nathan Fine Art, Landesfeuerwehrverband Rheinland-Pfalz, World Heritage Watch, Verband der Restauratoren e.V., ZEIT-Verlagsgruppe, Weng Fine Art, Kunsthandlung Julius Böhler, Kulturfonds Peter E. Eckes, European Heritage Volunteers, Staatsbibliothek Berlin, ICOM Schweiz, Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte in Winterthur, ALIPH Foundation, ICOM Österreich, OSZE Wien u.v.m. <a href="#15544e2d-c21f-4107-9256-42831a8d524f-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="d711251c-04f9-46f4-b22e-b694fc052cea">Dr. Olena Balun (freie Kuratorin), Prof. Dr. Kilian Heck (Universität Greifswald), Klaus Hillmann (Tandem Kunst), Prof. Dr. Matthias Müller (Universität Mainz), Dr. Johannes Nathan (Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin). <a href="#d711251c-04f9-46f4-b22e-b694fc052cea-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="712f1a50-ad66-4c8d-b8d9-932668cc2bfb">Projektträger in zufälliger Reihenfolge: Deutsches Dokumentationszentrum Bildarchiv Foto Marburg, Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München, Pilecki Institut Berlin, SKEIRON (Initiative SaveUkrainianHeritage), Museum für Westliche und Östliche Kunst Odesa, Kyiw-Petscherks-Lawra (Museumsareal des Höhlenklosters, UNESCO-Welterbestätte), Museenkomplex der Sophienkathedrale Kyiw (Denkmalstätte Goldenes Tor), Museum für Jüdische Geschichte und Kultur des Bukowina in Czernowitz, MOCA (NGO Museum of Contemporary Art Kyiw), Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa in Lüneburg, Technische Informationsbibliothek Hannover. <a href="#712f1a50-ad66-4c8d-b8d9-932668cc2bfb-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/die-arbeit-des-netzwerk-kulturgutschutz-ukraine-ukraine-art-aid-center/">Die Arbeit des Netzwerks Kulturgutschutz Ukraine / Ukraine Art Aid Center</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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		<title>Die Bedeutung von Übungen im Risikomanagement für Kulturgüter</title>
		<link>https://halbjahresschrift.de/die-bedeutung-von-uebungen-im-risikomanagement-fuer-kulturgueter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[IKGS-Admin_2]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 May 2025 09:45:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2024]]></category>
		<category><![CDATA[Themenschwerpunkt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://halbjahresschrift.de/?p=903</guid>

					<description><![CDATA[<p>Anna Kaiser, Zentrum für Kulturgüterschutz, Universität für Weiterbildung Krems Dr. Anna Kaiser&#160;ist Assistenzprofessorin für Kulturgüterschutz und Leiterin des gleichnamigen Zentrums an der Universität für Weiterbildung Krems sowie Milizoffizier im österreichischen Bundesheer und zur Zeit als Referentin für Assistenzeinsätze und Katastrophenhilfe, mit Schwerpunkt Kulturgüterschutz beordert. Sie ist Leiterin einer Reihe von EU-Projekten zum Thema Kulturgüterschutz, Klimawandel, [&#8230;]</p>
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<p>Anna Kaiser, Zentrum für Kulturgüterschutz, Universität für Weiterbildung Krems</p>



<p><strong>Dr. Anna Kaiser</strong>&nbsp;ist Assistenzprofessorin für Kulturgüterschutz und Leiterin des gleichnamigen Zentrums an der Universität für Weiterbildung Krems sowie Milizoffizier im österreichischen Bundesheer und zur Zeit als Referentin für Assistenzeinsätze und Katastrophenhilfe, mit Schwerpunkt Kulturgüterschutz beordert. Sie ist Leiterin einer Reihe von EU-Projekten zum Thema Kulturgüterschutz, Klimawandel, Erhaltung und nachhaltiger Nutzung des kulturellen Erbes.</p>



<p>Bedrohungen für kulturelles Erbe sind vielfältig und reichen von Vernachlässigung oder mangelnder Pflege bis hin zu Naturkatastrophen, oftmals als direkte Auswirkung des Klimawandels, die das kulturelle Erbe beschädigen und ganze Regionen destabilisieren (von menschlichem Leid gar nicht zu sprechen). Zu den Gefahren für Kulturgüter zählen auch Plünderung und illegaler Handel, mutwillige Zerstörungen und Vandalismus, interne Unruhen und bewaffnete Konflikte internationaler und nicht-internationaler Natur. Im Katastrophenmanagementzyklus ist Vorsorge und Vorbereitung auf etwaig eintretende Schadensereignisse ein wichtiger Punkt. Für Kulturgüter umschließt diese Vorbereitung die Beurteilung von Gefahren und Risiken, die Erstellung von Notfallplänen sowie die Ausbildung von Personal innerhalb der eigenen Institution wie auch von möglichen Helferinnen und Helfern im Notfall. Gerade die Zusammenarbeit zwischen Fachpersonal der kulturellen Seite und Einsatzkräften kann und sollte vorab geübt werden.<sup data-fn="61e00b1a-881d-4aa0-93df-cd072badc9a0" class="fn"><a id="61e00b1a-881d-4aa0-93df-cd072badc9a0-link" href="#61e00b1a-881d-4aa0-93df-cd072badc9a0">1</a></sup></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zusammenarbeit mit Einsatzkräften</strong></h2>



<p>Eine der Herausforderungen beim Schutz des kulturellen Erbes besteht darin, dass die verschiedenen Fachleute, die für einen erfolgreichen Schutz von beweglichem oder unbeweglichem Kulturgut maßgeblich sind, in der Regel nicht ständig zusammenarbeiten und daher oft nicht wissen, was die anderen an den Bemühungen beteiligten Parteien benötigen, um Kulturgut erfolgreich zu schützen. Die beiden Seiten, die für den Schutz des kulturellen Erbes benötigt werden, sind einerseits die Spezialistinnen und Spezialisten für das kulturelle Erbe selbst, zumeist zivile Expertinnen und Experten, die nur selten über Erfahrungen im Militär oder im Katastrophenmanagement verfügen, und andererseits das Militär, Feuerwehren, Zivilschutz oder andere &#8218;Blaulichtorganisationen&#8216;, die wiederum nur selten einen Hintergrund im Kulturbereich haben. Um im Ernstfall effektiv zusammenarbeiten zu können, müssen beide Seiten verstehen, wie die jeweils andere Seite arbeitet und was diese braucht, um die Zusammenarbeit erfolgreich zu gestalten. Tabletop-Übungen (Planspiele) und (großangelegte) Übungen mit Einsatzkräften sind ein effektives Mittel, um beide Seiten zusammenzubringen und ein gemeinsames Verständnis dafür zu entwickeln, wie die „andere Seite“ arbeitet und was sie benötigt, um Kulturerbe während oder unmittelbar nach einer Katastrophe erfolgreich zu schützen.</p>



<p>Alle Einsatzkräfte sind an eine hochkonzentrierte und straff organisierte Arbeitsweise gewöhnt (etwa in Stäben), die jemandem, der in diesem Bereich keine Ausbildung hat, zunächst recht fremd erscheinen mag. Da es unwahrscheinlich ist, dass die Einsatzkräfte ihre etablierten und gut funktionierenden Verfahren ändern, sind es die zivilen Expertinnen und Experten, welche zumindest wissen sollten, wie die Abläufe der Einsatzkräfte funktionieren und wie sie sich und ihr Wissen am besten in dieses System integrieren können, d. h. sie sollten ein entsprechendes Grundverständnis haben. Ein möglicher Weg, ein gemeinsames Verständnis zu erreichen, besteht darin, die zivilen Fachleute etwa mit den militärischen Entscheidungsprozessen und der Stabsarbeit vertraut zu machen, die in Österreich analog zum Staatlichen Krisen- und Katastrophenmanagement SKKM ablaufen. In Deutschland obliegt die Organisation des Krisenmanagements dem Bundesministerium des Innern und für Heimat.<sup data-fn="92dd6f2a-48a8-4816-8083-d01cf27a2eb0" class="fn"><a id="92dd6f2a-48a8-4816-8083-d01cf27a2eb0-link" href="#92dd6f2a-48a8-4816-8083-d01cf27a2eb0">2</a></sup></p>



<p>Zu diesem Zweck hat das Zentrum für Kulturgüterschutz der Universität für Weiterbildung Krems eine Reihe von Übungen initiiert, bei denen Fachleute aus dem kulturellen Bereich mit Einsatzkräften (Soldatinnen und Soldaten des Österreichischen Bundesheeres, Vertreterinnen und Vertreter des Katastrophenschutzes, der Feuerwehr und der Polizei) zusammenarbeiteten. Das Zielpublikum dieser Übungen war die zivile Seite, die ein grundlegendes Verständnis dafür erlangte, wie ein Krisenstab arbeitet und wie sie sich und ihr Wissen am besten in die operativen Abläufe integrieren kann. Die zivilen Expertinnen und Experten sollten befähigt werden, ihr Wissen über das betroffene kulturelle Erbe zur richtigen Zeit und auf die richtige Weise an die richtigen Personen weiterzugeben. Seitens der Einsatzkräfte wurde fundiertes Feedback zu den Übungen gegeben und damit wesentlich zur Weiterentwicklung und Anpassung derselben beigetragen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Cultural Heritage Rescue Teams</strong></h2>



<p>Handbücher und Abhandlungen darüber, wie man am besten mit verschiedenen Arten von betroffenen Materialien umgeht oder wie man einen Notfallplan für Kulturgüter erstellt, wurden von vielen Fachinstitutionen entwickelt und veröffentlicht und sind im Internet leicht zugänglich.<sup data-fn="1a1ad360-9721-4654-8965-cbf5dd89eaa7" class="fn"><a id="1a1ad360-9721-4654-8965-cbf5dd89eaa7-link" href="#1a1ad360-9721-4654-8965-cbf5dd89eaa7">3</a></sup>&nbsp;Es fehlt jedoch in den meisten Fällen (europaweit gesehen) das notwendige Bindeglied, das die Zusammenarbeit und den Wissenstransfer zwischen den beiden Seiten ermöglicht. Ein mögliches Bindeglied wurde in einem von der EU finanzierten Interreg Central Europe Projekt namens „ProteCHt2save“ entwickelt und getestet.<sup data-fn="bc45e21f-9b3f-45b1-a365-e618cdfa2bd2" class="fn"><a id="bc45e21f-9b3f-45b1-a365-e618cdfa2bd2-link" href="#bc45e21f-9b3f-45b1-a365-e618cdfa2bd2">4</a></sup>&nbsp;Sogenannte Cultural Heritage Rescue Teams (CHRTs) wären idealerweise eine Mischung aus Expertinnen und Experten der kulturellen Seite und Vertreterinnen und Vertretern der Einsatzkräfte, welche im jeweiligen Land im Fall der Fälle für Kulturgüterschutzaufgaben herangezogen werden können. Aber auch ein Team, das ausschließlich aus Kulturerbe-Expertinnen und -Experten besteht, könnte diese Aufgabe übernehmen, vorausgesetzt, sie verfügen über fundiertes Wissen zur Arbeitsweise von Einsatzkräften.&nbsp;</p>



<p>CHRTs ermöglichten eine schnelle Reaktion zum Schutz des kulturellen Erbes bei Naturkatastrophen und deren Folgen. Sie könnten entweder auf nationaler oder internationaler Ebene strukturiert werden. Eine nationale Zusammensetzung erleichtert möglicherweise die Finanzierung, aber besonders die Integration in ein bestehendes Katastrophenmanagement- und Reaktionssystem. Für die Aufnahme der Teammitglieder würden national festgelegte Standards gelten, die eine umfassende Ausbildung nach eben diesen Standards vereinfacht. Eine internationale Zusammensetzung hingegen könnte die qualifiziertesten und erfahrensten Personen aus den beteiligten Ländern einbeziehen; die Ausbildung des Teams selbst gestaltet sich in dieser Variante möglicherweise etwas komplexer. Ebenso können Sprache und unterschiedliche Ausrüstungsstandards eine Herausforderung darstellen. Auf organisatorischer Ebene sind sowohl für ein nationales wie auch ein internationales CHRT eine Teamleiterin bzw. ein Teamleiter, Logistikpersonal, Verbindungspersonal zu den einschlägigen staatlichen Einrichtungen und Einsatzkräften sowie verschiedene Fachleute – Archäloginnen und Archäologen, Bauingenieure, Konservatoren, Daten- und Informationsspezialisten usw. – vorzusehen. Das Team sollte über Fähigkeiten und Kenntnisse in der Dokumentation, Handhabung, Verpackung, dem Transport und der Lagerung aller Arten von Kulturgüter verfügen [10,11].</p>



<p>Zumindest die Teamleiterin / der Teamleiter und das Verbindungspersonal sollten in der Lage sein, eng mit den verschiedenen örtlichen Rettungsdiensten oder dem Militär zusammenzuarbeiten, was die Bedeutung von Schulungen und Übungen wie den unten Beschriebenen unterstreicht. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Ausrüstung, angefangen bei der persönlichen Schutzausrüstung der Teammitglieder (von Stiefeln und Helmen mit integrierter Beleuchtung über Handschuhe, Augen- und Gehörschutz, wasserdichte Jacken und Erste-Hilfe-Päckchen bis hin zu reflektierenden Sicherheitswesten mit dem CHRT-Logo und dem Namen des jeweiligen Teammitglieds) bis zu Kommunikations- und technischer Ausrüstung. Elementar sind zudem alle Arten von Material, das für die Dokumentation, die Handhabung, das Verpacken, den Transport und die Lagerung des betreffenden Kulturgutes benötigt wird. Die Ausbildungsprogramme für die CHRTs sollten Einzelschulungen, Teamschulungen, Spezialschulungen für die spezifischen Kompetenzen der Teammitglieder sowie jährliche Auffrischungsschulungen, Führungsschulungen und Schulungen vor internationalen Einsätzen umfassen.</p>



<p>In allen Szenarien sollte ein Home Base Operation Center in Betracht gezogen werden, welches das Einsatzteam mit Live-Unterstützung (Personal, Ausrüstung, Logistik) sowie diversen Fachexpertisen unterstützen kann. Auf nationaler Ebene könnte diese Unterstützung etwa durch bestehende Katastrophenmanagementsysteme geleistet werden, wenn das CHRT vollständig in diesen Apparat integriert ist.<sup data-fn="6e9fbc1e-869f-43e4-a441-9b71a3086eeb" class="fn"><a id="6e9fbc1e-869f-43e4-a441-9b71a3086eeb-link" href="#6e9fbc1e-869f-43e4-a441-9b71a3086eeb">5</a></sup>&nbsp;Unabhängig von der Ebene, auf der CHRTs implementiert und eingesetzt werden, kann nur durch die Zusammenarbeit aller Kulturerbe-Organisationen, Institutionen sowie relevanten Universitäten und Bildungseinrichtungen das Beste für den Schutz des Kulturerbes erreicht werden. Prototypen dieser CHRTs waren zur Erprobung an den hier beschriebenen Übungen beteiligt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kulturgüterschutzübungen</strong></h2>



<p>Die erste Übung war eine Tabletop-Übung (Planspiel) im Rahmen des postgradualen Masterstudiengangs „Kulturgüterschutz“ an der Universität für Weiterbildung Krems, die unter dem Namen „NEUNKIRCHEN“ läuft. Bei allen durchgeführten Übungen waren Einheiten und Verbände des Österreichischen Bundesheeres als Sparring-Partner für die Studierenden eingebunden, da das straffe Führungsverfahren sowie die im Detail festgelegte Stabsarbeit so besonders eindringlich dargestellt werden konnten. Die Studierenden hatten die Aufgabe, einen Bataillonsstab bei der Evakuierung der ca. 13.000 Einwohnerinnen und Einwohner zählenden Stadt Neunkirchen zu unterstützen. Im Planspiel mussten die Stadt und die umliegenden Bezirke aufgrund einer nuklearen Bedrohung, ausgehend von einem nahe gelegenen Kraftwerk, evakuiert werden. In derselben Region zeigten zur selben Zeit mehrere Museen in einer regionalen Sonderausstellung bedeutende Kunstwerke, die von den renommiertesten Museen weltweit geliehen worden waren. Aufgrund der allgemein unsicheren Rahmenlage mit Unruhen und Bedrohung für Kulturgüter beschloss die Landesregierung, die Museen in dem evakuierten Gebiet unter strengen Schutz zu stellen und so viele Top-Objekte wie möglich zu verbringen. Die Studierenden hatten die Aufgabe, angelehnt an den Bataillonsstab, welcher die Evakuierung der gesamten Region plante, die Kulturgüterschutzkomponenten der Evakuierung zu erarbeiten.</p>



<p>Die zweite Übung war eine Kombination aus einem Planspiel und einer real durchgeführten Übung. Die Übung war Teil des oben erwähnten Projekts ProteCHt2save und fand im Mai 2018 unter dem Namen „TRITOLIA“ statt. 16 Teilnehmer aus sechs Ländern nahmen an der dreitägigen Übung auf dem Katastrophenhilfsübungsplatz des österreichischen Bundesheeres teil, einer ehemaligen Munitionsfabrik aus der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie, die heute als realistisches, aber sicheres Übungsgelände zum Beispiel für urbane Such- und Rettungsmaßnahmen in Erdbebenszenarien genutzt wird. Dieses Mal war das Szenario ein Erdbeben, das den östlichen Teil Österreichs erschüttert und eine ehemalige Kaiserresidenz zerstört hatte, welche eine der wichtigsten Touristenattraktionen Österreichs und Teil des UNESCO-Welterbes ist. </p>



<p>Am ersten Tag der Übung planten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Einsatz von Expertinnen und Experten für Kulturgüterschutz, welche für den praktischen Teil der Übung in Rette- und Bergeteams der ABC-Abwehr des Österreichischen Bundesheeres eingebettet werden sollten. Dies geschah in beratender Zusammenarbeit mit den vom Ausbildungspersonal dargestellten Stabsoffizieren. Am zweiten und dritten Tag der Übung übernahmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schließlich die Rolle eben jener Fachleute, deren Einsatz sie am ersten Tag geplant hatten. Sie erkundeten das betroffene Gebiet und bargen die Kulturgüter vor Ort. Diese Mischung aus Tabletop-Training für die Planungskomponente, unmittelbar gefolgt von der praktischen Bergung von Kulturgütern und der Anwendung des eigenen Fachwissens über den richtigen Umgang mit Kulturgütern wurde sehr geschätzt.</p>



<p>Die dritte Übung (mit dem Namen „KOLOMANI“) fand im August 2018 statt und kombinierte erneut eine Tabletop-Übung für 24 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus zehn verschiedenen Ländern mit der Evakuierung von Teilen eines Museums aufgrund einer drohenden Naturkatastrophe. Dieses Mal fand die Übung in einer echten Touristenattraktion statt, dem UNESCO-Welterbe Stift Melk. Das Militärkommando Niederösterreich war Partner der Übung und unterstützte die Evakuierung des (fiktiven) Museums mit seinen Verbindungsoffizieren für militärischen Kulturgüterschutz. Da das Stift über einen eigenen funktionierenden Notfallplan für Kulturgüter verfügt, wurden die hochprioritären Objekte vom Museumspersonal (das während der Übung durch eine Mischung aus Stiftspersonal und Übungsteilnehmerinnen und -teilnehmern gestellt wurde) für die Evakuierung verpackt und zum Übergabepunkt gebracht, wo das Militär die Verantwortung für die Kunstgegenstände übernahm, bevor sie unter Polizeibegleitung zu einem sicheren Ort transportiert wurden. In diesem Fall befand sich der sichere Zufluchtsort in der nahe gelegenen Kaserne, da es sich um ein Katastrophen-Szenario handelte und nicht um einen bewaffneten Konflikt. In der Kaserne luden die Kulturgüterschutzoffiziere die Werke aus, registrierten sie und sicherten ihre Lagerung bis sie (im Szenario zu einem sehr viel späteren Zeitpunkt) wieder in das Kloster zurückgebracht werden konnten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Zusammenfassung</strong></h2>



<p>Alle drei Übungen waren so angelegt, dass ziviles Fachpersonal aus dem kulturellen Bereich, welches über keine Vorkenntnisse in der (militärischen) Stabsarbeit verfügte, einen ersten Eindruck davon bekam, wie der militärische Entscheidungs- und Führungsprozess funktioniert. Sie lernten auch, wie sie ihr Wissen am besten in ein sehr zielgerichtetes und hochentwickeltes Arbeitsverfahren integrieren können. Dieses Verständnis ist für eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Kulturgüterschutz unbedingt notwendig. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Übungen betonten in der Auswertung folgende drei wesentlichen Erkenntnisse:</p>



<p>1. Es ist von grundlegender Bedeutung, dieselbe Sprache zu sprechen (nicht im Sinne von Englisch oder Deutsch, sondern darauf bezogen, dass, wie oft auch in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen der Fall, Einsatzorganisationen und Kulturexpertinnen und Kulturexperten nicht nur unterschiedliche Termini verwenden und dieselben Wörter oft mit anderer Bedeutung hinterlegen, sondern sich auch in oftmals für die andere Seite ungewohnter Weise ausdrücken) und damit die Grundlage des gegenseitigen Verstehens und Zusammenarbeitens zu schaffen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer betonten, dass ihnen dies erst während der Übungsphase bewusst wurde, da sie die Notwendigkeit und die Implikationen in den vorbereitenden Vorlesungen vor der Teilnahme an den Übungen selbst nicht in voller Tragweite verstanden hatten.</p>



<p>2. Die Koordinierung zwischen der kulturellen Seite und der Seite der Einsatzkräfte ist von wesentlicher Bedeutung. Eine frühere Zusammenarbeit, z.&nbsp;B. bei Übungen, ist für eine erfolgreiche Koordinierung im Katastrophenfall von großem Nutzen. Die zivilen Expertinnen und Experten erklärten auch, dass es an ihnen liege, sich mit Arbeitsweisen und Verfahren der Einsatzkräfte vertraut zu machen, da diese ihre etablierten und eingespielten Verfahren nicht ändern würden. Auch das sei während der Übungen klar hervorgetreten.&nbsp;</p>



<p>3. Bei der Arbeit unter Zeitdruck und in emotional belastenden Situationen (die nicht vollständig simuliert werden konnten) war es von entscheidender Bedeutung, klar definierte Verantwortlichkeiten zu haben und nach einem festen Schema zu arbeiten.<sup data-fn="f00c6d77-d272-466f-a42d-ade3ad8aab67" class="fn"><a id="f00c6d77-d272-466f-a42d-ade3ad8aab67-link" href="#f00c6d77-d272-466f-a42d-ade3ad8aab67">6</a></sup></p>



<p>Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die erklärten Ziele der Übungen erreicht wurden – die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der kulturellen Seite bekamen ein erstes Verständnis für die Zusammenarbeit mit Einsatzkräften vermittelt. Den beteiligten Einsatzkräften wiederum konnte die Bedeutung von Kulturgüterschutz und vorbereitenden Maßnahmen vermittelt werden. Allen Beteiligten zeigte sich zudem der Wert von gemeinsamen Übungen als Teil des Risikomanagements für Kulturgüter.</p>



<p><strong>Dr. Anna Kaiser</strong>&nbsp;ist Assistenzprofessorin für Kulturgüterschutz und Leiterin des gleichnamigen Zentrums an der Universität für Weiterbildung Krems sowie Milizoffizier im österreichischen Bundesheer und zur Zeit als Referentin für Assistenzeinsätze und Katastrophenhilfe, mit Schwerpunkt Kulturgüterschutz beordert. Sie ist Leiterin einer Reihe von EU-Projekten zum Thema Kulturgüterschutz, Klimawandel, Erhaltung und nachhaltiger Nutzung des kulturellen Erbes.</p>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="61e00b1a-881d-4aa0-93df-cd072badc9a0">Alessandra Bonazza u. a.: Safeguarding Cultural Heritage from Natural and Man-Made Disasters. A Comparative Analysis of Risk Management in the EU. Luxembourg: Publications Office of the European Union 2018; Alessandra Bonazza u. a.: Safeguarding Cultural Heritage from Climate Change Related Hydrometeorological Hazards in Central Europe. In: IJDRR 2021, 63, &lt;https://doi.org/10.1016/j.ijdrr.2021>, 10.3.2025; Riccardo Cacciotti u. a.: Climate Change-Induced Disasters and Cultural Heritage. Optimizing Management Strategies in Central Europe. In: Climate Risk Management 2021, 32, &lt;https://doi.org/10.1016/j.crm.2021>, 10.3.2025; Karl Edlinger: Die völkerrechtliche Klassifizierung bewaffneter Konflikte. Konflikttypen, Abgrenzungen sowie Rechtsfolgen und deren Auswirkungen auf die Planung und Durchführung militärischer Operationen. Peter Lang: Frankfurt/Main u. a. 2016; 5. Münchner Fachgruppe für Präventive Konservierung (Hg.): Umgang mit Kunst und Kulturgut im Notfall, &lt;https://www.schloesser.bayern.de/deutsch/ueberuns/rz/service/Notfall-Broschuere_MFGPK_2017-11-07.pdf>, 15.9.2023. <a href="#61e00b1a-881d-4aa0-93df-cd072badc9a0-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="92dd6f2a-48a8-4816-8083-d01cf27a2eb0">Bundesministerium des Inneren und für Heimat: Organisation des Krisenmanagements, &lt;https://www.bmi.bund.de/DE/themen/bevoelkerungsschutz/krisenmanagement/organisation/krisenmanagement-organisation-node.html>, 14.2.2025. <a href="#92dd6f2a-48a8-4816-8083-d01cf27a2eb0-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="1a1ad360-9721-4654-8965-cbf5dd89eaa7">Aparna Tandon (Hg.): Endangered Heritage. Emergency Evacuation of Heritage Collections. Paris, Rome: UNESCO, ICCROM 2016; dies. (Hg.): Endangered Heritage. Emergency Evacuation of Heritage Collections. Paris, Rome: UNESCO, ICCROM 2016; dies. (Hg.): First Aid to Cultural Heritage in times of Crisis. Vol. I: Handbook for coordinated emergency preparedness and response to secure tangible and intangible heritage. Vol. II: Toolkit for coordinated emergency preparedness and response to secure tangible and intangible heritage. Rome, Amsterdam: ICCROM, Prince Claus Fund 2018; UNESCO and Ministerio de Cultura y Patrimonio (Hgg.): Manual for contingency procedures in historical archives in the event of natural disaster. General Guide for dealing with natural disasters. Paris, Quito: UNESCO, Ministerio de Cultura y Patrimonio del Ecuador 2017. <a href="#1a1ad360-9721-4654-8965-cbf5dd89eaa7-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="bc45e21f-9b3f-45b1-a365-e618cdfa2bd2">Interreg Central Europe Project „ProteCHt2save“, &lt;https://programme2014-20.interreg-central.eu/Content.Node/ProteCHt2save.html>, 15.9.2023. <a href="#bc45e21f-9b3f-45b1-a365-e618cdfa2bd2-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="6e9fbc1e-869f-43e4-a441-9b71a3086eeb">Kaiser, Guidelines; Anna Kaiser, Hannes Schramm: The Concept of Cultural Heritage Rescue Teams and its Potential for the Military. In: Georg Ebner, Günter Höfler, Julia Lechner (Hgg.): Protection of Cultural Heritage in Peace Operations. Vienna: Blue Helmet Forum Austria 2020, S. 113–130; vgl. dazu auch Proculther Project: Key Elements of a European Methodology to address the Protection of Cultural Heritage during Emergencies. Città di Castello (PG): LuoghInteriori 2021. <a href="#6e9fbc1e-869f-43e4-a441-9b71a3086eeb-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 5 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="f00c6d77-d272-466f-a42d-ade3ad8aab67">Hannes Schramm: Integration von zivilen Akteuren des Kulturgüterschutzes in einen Einsatzstab. Ein Planspiel zur Vermittlung von Kenntnissen zu Funktion und Verfahren. Master-These, Universität für Weiterbildung Krems 2019, S. 52f. <a href="#f00c6d77-d272-466f-a42d-ade3ad8aab67-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 6 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/15.1.0/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol><p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/die-bedeutung-von-uebungen-im-risikomanagement-fuer-kulturgueter/">Die Bedeutung von Übungen im Risikomanagement für Kulturgüter</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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