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	<title>Bulgarien Archive - Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</title>
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		<title>Bulgariens Rolle im deutschen Bündnissystem des Dreimächtepaktes 1941–1944</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Nov 2021 10:19:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2019–2020]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>PDF-Download Björn Opfer-Klinger, Leipzig Mit dem Beitritt zum Dreimächtepakt am 1.&#160;März 1941 trat die Königsdiktatur Bulgarien offen an der Seite der Achsenmächte in den Zweiten Weltkrieg ein. Sie reihte sich somit in das Bündnis zwischen Berlin und Rom sowie „kleineren“ Staaten wie Ungarn oder wenig später der Slowakei, Rumänien und Finnland ein. Allerdings nahm Bulgarien [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/bulgariens-rolle-im-dreimaechtepakt/">Bulgariens Rolle im deutschen Bündnissystem des Dreimächtepaktes 1941–1944</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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<p>PDF-Download</p>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p> Björn Opfer-Klinger, Leipzig </p>



<p>Mit dem Beitritt zum Dreimächtepakt am 1.&nbsp;März 1941 trat die Königsdiktatur Bulgarien offen an der Seite der Achsenmächte in den Zweiten Weltkrieg ein. Sie reihte sich somit in das Bündnis zwischen Berlin und Rom sowie „kleineren“ Staaten wie Ungarn oder wenig später der Slowakei, Rumänien und Finnland ein. Allerdings nahm Bulgarien eine gewisse Sonderrolle unter diesen, mit den Achsenmächten kollaborierenden Staaten ein. So wechselte Bulgarien 1944 wie zuvor Italien und Rumänien auf die Seite der Alliierten, und in der bulgarischen Erinnerungskultur zementierte sich nach dem Zweiten Weltkrieg das nationale Eigenbild als „Retter der bulgarischen Juden“ vor der deutschen Vernichtungspolitik. Nicht ohne Grund bezeichneten Historiker wie Hans-Joachim Hoppe Bulgarien als „Hitlers eigenwillige[n] Verbündete[n]“<sup class="modern-footnotes-footnote ">1</sup>. Bis heute gehen deshalb die Deutungen zum Charakter des bulgarischen Bündnisses mit den Achsenmächten auseinander. Erschwerend kommt hinzu, dass viele vertiefende Detailstudien, beispielsweise zu den zentralen politischen und gesellschaftlichen Akteuren, Organisationen und Behörden in Bulgarien in der Zarendiktatur von Boris&nbsp;III., nach wie vor ausstehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Bulgarien und Deutschland – seit dem Ersten Weltkrieg in Waffenbrüderschaft verbunden?</h2>



<p>Das Zarenreich Bulgarien zählte zu Beginn des Ersten Weltkrieges zu den ambitionierten, aufstrebenden Staaten Südosteuropas, mit dem Ziel, eine regionale Großmacht zu werden. Aus deutscher Perspektive hatte Bulgarien für die deutsche Außenpolitik zu dieser Zeit nur wenig Bedeutung. Der Fokus der deutschen Politik lag stärker auf Rumänien und Griechenland beziehungsweise in zunehmendem Maße auf dem jungtürkisch regierten Osmanischen Reich. In Bulgarien herrschte zwar mit Ferdinand&nbsp;I. von Sachsen-Coburg-Gotha eine deutsche Dynastie, jedoch bestand deswegen kein inniges Verhältnis zwischen Berlin und Sofia. Eine wachsende Zahl von Bulgaren studierte in Deutschland, insbesondere in Leipzig und Halle. Besonders in Technik und Agrarökonomie galt das Deutsche Reich als Vorbild. Trotzdem übten Frankreich und Russland eine viel größere kulturelle Anziehungskraft auf die bulgarischen Eliten aus.<sup class="modern-footnotes-footnote ">2</sup> Erst der Erste Weltkrieg führte zu einem Zweckbündnis zwischen dem Deutschen Reich und Bulgarien. 1915 drohte eine Niederlage des Osmanischen Reiches, das seit Herbst 1914 an der Seite Deutschlands und Österreich-Ungarns kämpfte. Um dieses zu stützen und damit die langfristigen Interessen im Nahen Osten zu schützen, benötigte das Deutsche Reich eine direkte Landverbindung durch Südosteuropa und somit die Unterstützung Bulgariens. In Sofia regierte zu dieser Zeit eine bürgerlich-liberale Regierungskoalition. Diese sah die Chance auf eine Revision der Friedensverträge von 1913 – nach dem verlorenen Zweiten Balkankrieg. Da ein Bündnis mit dem Deutschen Reich größeren Nutzen versprach, trat sie im Sommer 1915 auf Seite der Mittelmächte in den Krieg ein. Auch wenn in den folgenden drei Jahren intensiv die deutsch-bulgarische Waffenbrüderschaft propagiert wurde, blieb das gegenseitige Verhältnis ein reines Zweckbündnis. 1917/18 mehrten sich sogar auf bulgarischer Seite die Antipathien. Bulgarische Militärs und Politiker sahen sich zu wenig von Deutschland in den eigenen Expansionsinteressen, in der schwierigen Versorgungslage und in den Kämpfen an der Saloniki-Front unterstützt. Gegen Ende des Krieges richtete sich dieser Unmut sogar innerhalb Bulgariens gegen den Zaren Ferdinand selbst.<sup class="modern-footnotes-footnote ">3</sup> Nach der Niederlage 1918, der Abdankung Zar Ferdinands zugunsten seines Sohnes Boris und dem harten Frieden von Neuilly-sur-Seine erreichte das deutsch-bulgarische Verhältnis einen Tiefpunkt. Trotzdem emigrierten viele ehemalige bulgarische Führungskräfte, darunter Zar Ferdinand, aber auch Militärs wie der Oberbefehlshaber General Nikola Žekov, 1918/19 nach Deutschland, da sie fürchteten, als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt zu werden. Auf diese Weise blieben gegenseitige Kontakte im militärischen und rechtsnationalen Spektrum bestehen. Dies galt auch für die universitären Beziehungen. Zwar blieb Frankreich weiterhin das kulturelle Vorbild für die gesellschaftliche Oberschicht Bulgariens, jedoch stieg nun die Zahl bulgarischer Studenten an deutschen Universitäten an. Viele von ihnen sollten später während des Zweiten Weltkrieges wichtige Funktionen in ihrem Land einnehmen. Dazu zählten Ivan Bagrjanov und Aleksandăr Belev. <sup class="modern-footnotes-footnote ">4</sup>Beide spielten in der späteren Kollaborationspolitik Bulgariens eine nennenswerte Rolle. Seit Ende der 1920er-Jahre wurde die deutsche Studentenschaft immer deutlicher von der nationalsozialistischen Ideologie beeinflusst. Inwieweit sich dies auch auf die bulgarischen Gaststudenten und damit auf die spätere akademische Elite Bulgariens auswirkte, ist jedoch noch ein wissenschaftliches Desiderat.</p>



<p>Sicher ist, dass bereits früh persönliche Kontakte zwischen Akteuren der rechtsnationalistischen und faschistischen Organisationen in Bulgarien und Deutschland entstanden. Beispiele dafür waren Ivan Dočev und General Christo Lukov, Führer der Săjuz na Bălgarskite Nacionalni Legioni (Bund der nationalen bulgarischen Legionäre); aber auch die Gründer der faschistoiden Organisationen OtezPaisij (Vater Paisij<sup class="modern-footnotes-footnote ">5</sup>.) und Ratnici (Kämpfer), Asen Kantardžiev und Petăr Gabrovski, waren darunter.<sup class="modern-footnotes-footnote ">6</sup></p>



<p>Das Hauptaugenmerk der bulgarischen außenpolitischen Beziehungen richtete sich bis in die 1930er-Jahre dennoch überwiegend auf Frankreich, Großbritannien und Italien.<sup class="modern-footnotes-footnote ">7</sup> Dies änderte sich erst infolge der verheerenden Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, die Bulgarien in dramatische Schwierigkeiten stürzte. Gleichzeitig propagierte aber in Deutschland der 1931 gegründete und zunehmend einflussreiche industrielle Lobbyverband Mitteleuropäischer Wirtschaftstag das Ziel, möglichst ganz Südosteuropa zu einem wirtschaftlichen Ergänzungsraum für die Bedürfnisse der deutschen Industrie werden zu lassen. Auch wenn dabei die rohstoffreicheren Staaten Jugoslawien und Rumänien klar im Vordergrund standen, betraf diese Außenhandelspolitik auch Bulgarien. Dieses stand infolge seiner hohen Staatsverschuldung vor der Zahlungsunfähigkeit. Der 1932 abgeschlossene deutsch-bulgarische Handelsvertrag bot ihm die einzige realistische Chance, seinen Außenhandel wiederzubeleben. Dies lag nicht zuletzt an dem angewandten Clearing-Verfahren, welches ohne Devisenzahlungen auskam und den Wert der ausgetauschten Waren gegenseitig verrechnete.<sup class="modern-footnotes-footnote ">8</sup> Bis Ende der 1930er-Jahre entwickelte sich das Deutsche Reich zum mit Abstand wichtigsten Handelspartner und zahlte durch den devisenfreien Warenaustausch Bulgarien bessere Preise, als dieses auf dem Weltmarkt möglich gewesen wäre. 1939 wurden rund zwei Drittel des Im- und Exports mit Deutschland abgewickelt, was eine Verdreifachung gegenüber dem Jahr 1930 darstellte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">9</sup> Dabei entwickelte sich ein Ungleichgewicht: Die deutsche Wirtschaft importierte immer mehr südosteuropäische Rohstoffe und Agrargüter, ohne aber im gleichen Wert eigene Waren dorthin zu exportieren. Dadurch verschuldete sich das Deutsche Reich immer stärker gegenüber Bulgarien und den anderen südosteuropäischen Staaten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">10</sup></p>



<p>Die ökonomische Verflechtung der beiden Volkswirtschaften ging in den 1930er-Jahren mit der nun spürbaren Intensivierung der kulturellen Beziehungen beider Länder einher. Dies drückte sich in Gestalt einer rasch steigenden Zahl von Publikationen und Ausstellungen sowie in Austausch- und Kooperationsprogrammen aus.<sup class="modern-footnotes-footnote ">11</sup> Der langjährige deutsche Gesandte in Sofia, Eugen Rümelin, berichtete am 31.&nbsp;Mai 1938 zufrieden an das Auswärtige Amt, die prodeutschen Sympathien würden im Land spürbar zunehmen. Im Falle eines Konfliktes zwischen dem Deutschen Reich und anderen Mächten wäre, so Rümelin, mit einer wohlwollenden Neutralität Bulgariens zu rechnen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">12</sup></p>



<p>Zu dieser Zeit herrschte Zar Boris&nbsp;III. bereits rund drei Jahre in einer weitgehend autoritären Diktatur. Boris war 1918 infolge des Rücktritts und der Emigration seines Vaters Ferdinand auf den Thron gekommen. Als Herrscher blieb er lange Zeit ein eher zurückhaltender Monarch, der nicht offen in die Politik eingriff, auch wenn er im Hintergrund besonders im konservativen Spektrum vernetzt war und Einfluss ausübte. Dies zeigte sich beispielsweise während des Putsches vom 9.&nbsp;Juni 1923 gegen die agrarrevolutionäre Bauernbund-Regierung von Aleksandăr Stambolijski und der nachfolgenden rechtskonservativen Regierung unter Aleksandăr Cankov. Ein Teil der Putschisten von 1923 bildete die Organisation Sveno (Kettenglied). Diese forderte die Auflösung des parlamentarischen Parteiensystems und die Umgestaltung Bulgariens in einen Ständestaat nach Vorbild des faschistischen Italiens. Derartigen Vorstellungen war auch der Zar nicht abgeneigt. Boris&nbsp;III. heiratete 1930 die vierte Tochter des italienischen Königs Viktor Emanuel&nbsp;III., Giovanna von Savoyen. Später äußerte Boris, dass er in seiner Politik auf die Erfahrung des „großen Italiens“ zurückgreife, da der Faschismus „den richtigen Weg zur Rettung des Volkes“ aufzeige.<sup class="modern-footnotes-footnote ">13</sup> Inwieweit dies in erster Linie guten Beziehungen zu Italien diente oder wie stark wirklich der italienische Faschismus das politische Denken von Boris&nbsp;III. geprägt hat, ist noch nicht eindeutig aufgearbeitet.</p>



<p>Die in der Sveno organisierten Offiziere putschten am&nbsp;19. Mai 1934. Sie lösten das Parlament, alle Parteien und Gewerkschaften auf und bildeten eine Regierung aus Fachleuten und Offizieren. Auch die Autonomie der international gut vernetzten Universität von Sofia wurde weitgehend abgeschafft.<sup class="modern-footnotes-footnote ">14</sup> Die Verbindungen zwischen der Sveno und dem Königshof sind nicht umfassend erforscht. Sicher ist jedoch, dass die Sveno-Putschisten der Zarendiktatur den Weg ebneten. Am 22.&nbsp;Januar 1935 stürzten königstreue Offiziere wiederum die Sveno-Regierung. Fortan regierten königstreue Kabinette aus hohen Staatsbeamten und Offizieren. Boris&nbsp;III. war jedoch nicht stark genug, um eine offene Diktatur mit einer neuen autoritären Verfassung zu errichten. Auch wenn zur bulgarischen Gesellschaft der 1930er-Jahre noch viele Fragen offen sind, kann doch gesagt werden, dass die gesamtgesellschaftliche und innenpolitische Lage ähnlich labil war wie in den meisten Staaten Südosteuropas. Dies ermöglichte Zar Boris mittels einer geschickten Einbindung verschiedenster Strömungen in sein Herrschaftssystem, sich als nötiger Stabilitäts- und Ordnungsfaktor darzustellen. Die Situation der weitgehend völlig verarmten klein- und mittelbäuerlichen Landbevölkerung beziehungsweise der kleinen Gewerbetreibenden blieb prekär. Die Kommunisten verfügten zwar über keine Massenbasis, waren aber über die Komintern eng mit der Sowjetunion verbunden. Unterschwellig war stets unklar, inwieweit sich die in Bulgarien weit verbreiteten prorussischen Sympathien auch auf die Sowjetunion bezogen. Die anglo- und frankophilen Liberalen und Demokraten besaßen quantitativ nur wenig Rückhalt im Land, waren aber stark im urbanen Wirtschafts- und Gesellschaftsleben vertreten. Gleichzeitig gewann die zersplitterte und untereinander zerstrittene nationalistische und faschistoide Szene an Zulauf. All diese Kräfte, inklusive mit diesen einhergehenden außenpolitischen Präferenzen, musste das Zarenregime berücksichtigen und ihnen jeweils wechselweise ein Stück entgegenkommen. Entsprechend wurde im Oktober 1937 auf Basis eines überarbeiteten Wahlgesetzes ein neues Parlament gewählt. Dies ermöglichte nur gewählten Einzelpersonen den Einzug in die Nationalversammlung, der Săbranie. Politische Parteien blieben verboten, waren aber letztlich über Einzelkandidaten fast alle mehr oder weniger im Parlament vertreten, selbst die Kommunisten.</p>



<p>In seiner Realpolitik bewahrte Boris&nbsp;III. Distanz zu den maßgeblichen Vertretern der extremen Rechten wie General Christo Lukov, die eine totalitäre Massenpartei nach italienischem oder deutschem Vorbild anstrebten. Zwar wurde Lukov zunächst noch als Kriegsminister in die Regierung eingebunden, wurde aber entlassen, als er versuchte, zu sehr Einfluss auf Stellenbesetzungen der Regierung zu nehmen und in den Verdacht geriet, Gelder seines Ministeriums unterschlagen zu haben.<sup class="modern-footnotes-footnote ">15</sup> Boris stützte sich nach 1935 in erster Linie auf die bürgerlich-konservativen und gemäßigt nationalistischen Kräfte in den verschiedenen Sicherheitsorganen (Polizei, Geheimdienst), in der Staatsverwaltung und Teilen des Offizierskorps.<sup class="modern-footnotes-footnote ">16</sup> Nichtsdestotrotz stiegen nach und nach auch Mitglieder der faschistoiden Organisation der Ratnici unter dem Ökonomieprofessor Asen <em>Kantardžiev</em>in wichtige Positionen der Staatsbürokratie auf. Dies zeigte sich beispielsweise 1938, als es zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen jüdische Geschäfte in Sofia kam, bei denen die bulgarische Polizei nur äußerst zurückhaltend einschritt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">17</sup> Allerdings kam es anschließend zumindest teilweise zu einer strafrechtlichen Verfolgung der Gewalttäter.Esther Benbassa, AronRodrigue: Die Geschichte der sephardischen Juden. Bochum 2005, S.&nbsp;23<sup class="modern-footnotes-footnote ">18</sup></p>



<p>Von großer Bedeutung in dieser Herrschaftsstruktur war der unmittelbare Kreis von Beratern im Umfeld des Zaren. Viele dieser Vertrauten stammten aus dem rechtsnationalistischen oder dem ultraorthodoxen Milieu, wie beispielsweise sein Beichtvater Lulčo Lulčev und der Architekt Jordan Sevov.<sup class="modern-footnotes-footnote ">19</sup> Eine offenkundige Sympathie für den italienischen Faschismus oder den deutschen Nationalsozialismus lässt sich allerdings nicht eindeutig nachweisen. Auch seine Frau, Giovanna von Savoyen, zählte zu den einflussreichen Personen, galt aber auch nicht als Sympathisantin Mussolinis oder Hitlers.<sup class="modern-footnotes-footnote ">20</sup></p>



<p>Boris&nbsp;III. war ein Mensch, der tief von den schweren Niederlagen Bulgariens im Zweiten Balkankrieg und im Ersten Weltkrieg geprägt wurde, die seinen Vater um den Thron und 1919 monarchieskeptische Agrarrevolutionäre an die Regierung gebracht hatten. Er versuchte daher stets, große Abenteuer und Risiken zu vermeiden. Entsprechend war seine Innen-, vor allem aber seine Außenpolitik von einem beständigen Austarieren der Kräfteverhältnisse und einem Lavieren zwischen den Machtblöcken geprägt. Auch deswegen berief er 1935 den erfahrenen Diplomaten und Hofmarschall Georgi Kjosseivanov an die Spitze der Regierung, der sich besonders um ein gutes Verhältnis zu den Westmächten und den Nachbarstaaten Bulgariens bemühte.</p>



<p>Die immer engere Kooperation mit der deutschen Wirtschaft verbesserte langsam, aber bald spürbar die Situation größerer Bevölkerungskreise. Trotzdem war die Radikalisierung im rechten und linken Spektrum unübersehbar. Boris&nbsp;III. blieb darauf angewiesen, die inneren wirtschaftlichen Verhältnisse weiter zu stabilisieren, aber auch außenpolitisch Erfolge hinsichtlich der Revision der militärischen und territorialen Friedensbedingungen von 1919 zu erreichen. Nicht nur angesichts der engen Beziehungen der angrenzenden Staaten mit Frankreich und Großbritannien wurde klarer, dass eine solche territoriale Revision nur mit Unterstützung des Deutschen Reiches möglich war. Dieses testete selbst sehr erfolgreich die neuen internationalen Spielräume aus. Im März 1938 kam es zum „Anschluss“ Österreichs und in den darauffolgenden Monaten zur Zerschlagung der Tschechoslowakei. Es dürfte in Sofia registriert worden sein, dass im Windschatten dieser Politik auch Ungarn und Polen territorial profitierten. Gleichzeitig stieg die Bedeutung Deutschlands als Handelspartner. Entsprechend erweiterten sich die Handelsbeziehungen. Deutsche Wirtschaftsunternehmen begannen darüber hinaus, gezielt in die Modernisierung für sie wichtiger Wirtschaftszweige Bulgariens zu investieren.<sup class="modern-footnotes-footnote ">21</sup> Dies stabilisierte indirekt die Stellung des Zarenregimes. Darüber hinaus gelangen diesem aber auch eigene außenpolitische Erfolge. Dazu zählte der Abschluss des Abkommens von Saloniki vom 31.&nbsp;Juli 1938, worin Bulgarien eine nun offene Aufrüstung ermöglicht wurde. Im Gegenzug wurde ein Nichtangriffspakt mit den Nachbarstaaten geschlossen<sup class="modern-footnotes-footnote ">22</sup> Vorausgegangen war dem bereits im Januar 1937 ein Freundschaftsvertrag zwischen Bulgarien und Jugoslawien, welches sich zu diesem Zeitpunkt bereits wesentlich enger am Deutschen Reich orientierte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">23</sup> Andererseits wurden mit dem wachsenden deutschen Einfluss und der innenpolitischen Schwäche besonders Frankreichs in den 1930er-Jahren die außenpolitischen Spielräume für Bulgarien kleiner. Die deutsche Diplomatie drängte auf eine engere, auch außenpolitische Anlehnung an das Achsenbündnis. Dafür traten auch immer lauter die rechtsnationalen und faschistoiden Kräfte in Bulgarien ein. Die weiterhin starke bürgerlich-liberale Opposition forderte hingegen Distanz zu Deutschland und die Pflege guter Beziehungen zu den Westmächten. Die Appeasement-Politik der Westmächte hatte indes auch Auswirkung auf die bulgarische Innenpolitik. Die ungehinderte deutsche Expansionspolitik gegenüber der Tschechoslowakei und Litauen beziehungsweise der italienische Einmarsch in Albanien, gab auch den profaschistischen Kräften in Bulgarien Auftrieb. Hinzu kamen zusätzlich die Folgen des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes vom 23.&nbsp;August 1939, der in Bulgarien dazu führte, dass die dortigen Kommunisten eine wohlwollende Haltung gegenüber einer Annäherung an Deutschland einnahmen. Gleichzeitig beendete der Pakt die Isolation der UdSSR im Kreis der Großmächte. Fortan trat die Stalin-Regierung wesentlich bestimmter und energischer bei der Verfolgung der eigenen außenpolitischen Ziele auf.<sup class="modern-footnotes-footnote ">24</sup></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Bulgariens Politik zu Beginn des Zweiten Weltkrieges</strong></h2>



<p>Die Neuwahlen am 24.&nbsp;Dezember 1939 stärkten die prodeutschen Kräfte im Parlament. Dies führte am 15.&nbsp;Februar 1940 zur Ablösung des eher prowestlichen Ministerpräsidenten Georgi Kjosseivanov sowie zum Austausch vieler bulgarischer Gesandter, unter anderem in Athen und Moskau.<sup class="modern-footnotes-footnote ">25</sup> An seiner statt berief Boris&nbsp;III. den bisherigen Minister für Volksbildung, Bogdan Filov, der als deutschfreundlich bekannt war.<sup class="modern-footnotes-footnote ">26</sup> Der bisherige Transportminister und Führer der Ratnici, Petăr Gabrovski, erhielt nun unter Filov den wichtigen Posten des Innenministers. Damit nahm der ohnehin bereits starke Einfluss faschistoider Strömungen im Sicherheitsapparat weiter zu. Unter Gabrovski wurde im Innenministerium eine zunächst noch kleine Unterbehörde „Sektion für Judenfragen“ eingerichtet. Einige Monate später brachte er das nach Vorbild der deutschen Nürnberger Rassegesetze formulierte „Gesetz zum Schutz der Nation“ durch das Parlament.<sup class="modern-footnotes-footnote ">27</sup> Bulgarien begann sich damit innenpolitisch stärker nach deutschem Vorbild auszurichten.</p>



<p>Ein wichtiger Akteur in der Vorbereitung dieser Gesetzesmaßnahmen war Alexandăr Belev, der wie sein Protegé Gabrovski der faschistoiden Organisation der Ratnici angehörte und im Innenministerium das neue Amt des „Judenkommissars“ erhielt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">28</sup> Auch drei weitere Abteilungsleiter des Kommissariats waren Ratnici.<sup class="modern-footnotes-footnote ">29</sup> Eindeutig antisemitische Maßnahmen waren allerdings bereits unter der Regierung Kjosseivanov seit Ende 1939 initiiert worden, auch wenn diese sich zunächst noch ausschließlich gegen ausländische Juden in Bulgarien richteten, die sich vor der nationalsozialistischen Verfolgung nach Bulgarien geflüchtet hatten. Spätestens seit Anfang 1940 richteten sich antisemitische Maßnahmen auch gegen bulgarische Juden mit griechischen oder türkischen Wurzeln. Diese wurden nun über die Grenze nach Griechenland und in die Türkei abgeschoben oder zum Verlassen des Landes per Schiff gezwungen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">30</sup> Antisemitismus war in Bulgarien kein gesellschaftliches Massenphänomen, hatte aber seit dem Ersten Weltkrieg spürbar zugenommen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">31</sup> Auch in diesem Bereich kam es somit zu einer Annäherung zwischen dem Deutschen Reich und der Zarendiktatur.</p>



<p>Zu den klaren Leitlinien der bulgarischen Diplomatie zählte seit Beginn des Zweiten Weltkrieges, jedes außenpolitische Abenteuer in Gestalt einer Kriegsbeteiligung zu vermeiden. Weiterhin wurde ein gutes Verhältnis zu allen Großmächten gesucht. Trotzdem wuchs der Erfolgsdruck auf das Zarenregime, an der begonnenen Neuordnung vieler Grenzen zu partizipieren. Dieser Erwartungsdruck seitens der bulgarischen Nationalisten stieg, nachdem der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt und der Beginn des Zweiten Weltkrieges eine neue Dynamik hervorgerufen hatten. Die Pariser Friedensordnung zerbrach. Zum Brennpunkt in Südosteuropa entwickelte sich dabei Rumänien, welches zu den großen Gewinnern der territorialen Nachkriegsordnung von 1919/20 gehört hatte. Es hatte sich auf Kosten Ungarns (unter anderem Siebenbürgen, Banat), Russlands (Bessarabien) und Bulgariens (Süddobrudscha) beträchtlich vergrößert. Sämtliche Anrainerstaaten strebten seitdem nach einer Revision der Grenzen des damit entstandenen Großrumäniens. Aus Perspektive bulgarischer Nationalisten gehörte die „Heimholung“ der Süddobrudscha zu den Kernzielen der bulgarischen Außenpolitik. Bulgarische Flüchtlinge und Vertriebene aus der Süddobrudscha spielten in Bulgarien eine durchaus spürbare Rolle. Rumänien seinerseits verfolgte eine sehr repressive Politik gegenüber der großen bulgarischen Minderheit in der Dobrudscha.<sup class="modern-footnotes-footnote ">32</sup> Am Vorabend des Weltkrieges sondierte bereits die Regierung Kjosseivanov intensiv bei den verschiedenen Mächten deren Möglichkeiten, gegenüber Rumänien zu vermitteln – allerdings ohne Erfolg.<sup class="modern-footnotes-footnote ">33</sup> Erst nach Beginn des Krieges und der Aufteilung Polens zwischen dem Deutschen Reich und der UdSSR kam Bewegung auch in die territoriale Frage der Dobrudscha. Dies wurde gefördert durch das sowjetische Bestreben, den eigenen Einfluss an den türkischen Meerengen auszudehnen. Dies wiederum führte nunmehr erstmals zu Kompromissbereitschaft Rumäniens in der Dobrudscha-Frage, ohne aber in konkrete Ergebnisse zu münden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">34</sup></p>



<p>Eine konkrete Chance schien sich zu ergeben, als die Sowjetunion am 26.&nbsp;Juni 1940 Rumänien ein Ultimatum stellte, die Nordbukowina und Bessarabien abzutreten. Diese Maßnahme überraschte auch die deutsche Regierung unangenehm, die ihre dortigen wirtschaftlichen Interessen gefährdet sah.<sup class="modern-footnotes-footnote ">35</sup> Es entstand die Situation, dass für die bulgarische Regierung einerseits von sowjetischer Seite und über sie auch über die innenpolitische kommunistische Opposition die drängende Ermunterung kam, ihrerseits in der Dobrudscha-Frage fordernd aktiv zu werden. Es kursierten sogar Gerüchte, die Zurückhaltung der Regierung sei ein „Verrat“ an den dobrudschaner Bulgaren.<sup class="modern-footnotes-footnote ">36</sup> Gleichzeitig drängte das Deutsche Reich Sofia, Zurückhaltung zu üben.<sup class="modern-footnotes-footnote ">37</sup> Nachdem Rumänien sich gezwungen sah, am 28.&nbsp;Juni 1940 Bessarabien und die Nordbukowina an die Sowjetunion abzutreten, war dies automatisch auch ein Signal an die revisionistischen Kräfte in Ungarn in der Siebenbürgen- und Bulgarien in der Dobrudscha-Frage, die Schwäche Rumäniens zu nutzen. Das Deutsche Reich versuchte vermittelnd einzuwirken, um den eigenen Einfluss in der Region halten zu können. Auch Italien bemühte sich, als Akteur aufzutreten. Beide Achsenmächte schalteten sich damit als Vermittlerinnen ein. Es kam sowohl zu Verhandlungen Rumäniens mit Ungarn als auch mit Bulgarien. Im so genannten Zweiten Wiener Schiedsspruch musste Rumänien am 30.&nbsp;August 1940 der Abtretung großer Gebiete an Ungarn zustimmen. Im Vertrag von Craiova vom 7.&nbsp;September trat es das südliche Drittel der Dobrudscha an Bulgarien ab. Verbunden damit war ein bulgarisch-rumänischer Bevölkerungsaustausch. Bei der Gelegenheit wurde auch die Aussiedlung der Dobrudscha-Deutschen im Rahmen der Aktion „Heim ins Reich“ vereinbart.<sup class="modern-footnotes-footnote ">38</sup></p>



<p>Der deutsche Einfluss in Bulgarien nahm dadurch weiter zu. Weitere einschneidende Ereignisse waren bereits zuvor die Kapitulation Frankreichs am 22.&nbsp;Juni 1940, der Kriegseintritt Italiens auf der Seite Deutschlands und der Beginn der Luftschlacht über England als Vorbereitung für eine deutsche Invasion auf den britischen Inseln. Andererseits bemühte sich auch die Sowjetunion, ihren Einfluss in Bulgarien auszubauen, was auch den Kommunisten im Land Auftrieb gab.<sup class="modern-footnotes-footnote ">39</sup> Der außenpolitische Spielraum des vorsichtigen Boris&nbsp;III. wurde immer kleiner. So sehr sich teilweise die Zarendiktatur am italienisch-faschistischen Staatsmodell orientierte und sich außenwirtschaftspolitisch immer enger mit dem Deutschen Reich verbunden hatte, so war ihm doch nicht an einer Dominanz der prodeutschen, radikalnationalistischen und faschistoiden Kräfte gelegen. Auch wenn dies mit Quellen nach aktuellem Forschungsstand nicht eindeutig zu belegen ist, dürfte ihm die klägliche politische Rolle seines Schwiegervaters, des italienischen Königs Viktor Emanuel&nbsp;III., zusätzlich ein abschreckendes Beispiel gewesen sein. Boris&nbsp;III. selbst prägte den Ausspruch: „Meine Armee ist prodeutsch, meine Frau Italienerin, mein Volk prorussisch, und ich bin als einziger in diesem Land probulgarisch.“<sup class="modern-footnotes-footnote ">40</sup> Allerdings dürfte damit auch ein berechnendes Maß an Koketterie als zentrale vermittelnde Kraft in seinem Land verbunden gewesen sein.</p>



<p>Der ohnehin geschrumpfte außenpolitische Spielraum reduzierte sich zusätzlich, als am 28.&nbsp;Oktober 1940 italienisch-albanische Truppen Griechenland überfielen. Zehn Tage zuvor hatte Mussolini ein gemeinsames Vorgehen gegen Griechenland vorgeschlagen, was aber Boris&nbsp;III. abgelehnt hatte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">41</sup> Der Versuch Mussolinis, im Schatten des deutschen Eroberungskrieges den eigenen Machtbereich in Südosteuropa zu erweitern, hatte vielfältige Folgen. Aus deutscher Perspektive war für Südosteuropa die Rolle als Versorgungsraum für kriegswirtschaftlich unverzichtbare Rohstoffe vorgesehen. Die Balkanländer sollten eng an das Deutsche Reich gebunden werden. Angesichts der ungewissen Ambitionen der UdSSR in der Region besetzten deutsche Truppen am 12.&nbsp;Oktober 1940 die wichtigen rumänischen Erdölfelder bei Ploiești. Mit dem italienischen Überfall auf Griechenland drohte nun die ganze Region unmittelbar in den Krieg hineingezogen zu werden. Tatsächlich entsendete Großbritannien in Reaktion auf den italienischen Angriff Luftwaffeneinheiten der Royal Air Force nach Griechenland und später auch Bodentruppen nach Kreta und in die Region Athen. Die britische Luftwaffe kam damit in Reichweite der rumänischen Erdölfelder. Spätestens als der italienische Angriff Mitte November 1940 zum Stillstand kam und eine griechische Gegenoffensive begann, drohte ein Eingreifen der deutschen Wehrmacht. Dies wiederum widersprach sowjetischen Interessen, da dadurch deutsches Militär in die Nähe der türkischen Meerengen gekommen wäre. Diese sah aber die Stalin-Regierung als ihre eigene Einflusszone an.<sup class="modern-footnotes-footnote ">42</sup> Inwieweit Stalin wirklich 1940 glaubte, Bulgarien eng an sich binden zu können, ist umstritten. Viele sowjetische Akten zu diesem Thema sind weiterhin nicht zugänglich. Als sicher kann aber angenommen werden, dass der sowjetische Außenminister Vjačeslav Molotov derartige Ansprüche gegenüber Bulgarien in seinem Treffen mit dem deutschen Außenminister Joachim von Ribbentrop und Adolf Hitler am 12.&nbsp;November in Berlin als Druckmittel nutzte. Die deutsche Außenpolitik versuchte in dieser Zeit, eine Verschiebung der sowjetischen Expansionspolitik von Europa auf Südasien zu erreichen. Stalin beharrte jedoch auf Finnland als Einflussgebiet und umwarb gleichzeitig offen Bulgarien.</p>



<p>Boris&nbsp;III. war in dieser Situation bemüht, sich weiterhin alle Optionen offenzuhalten und nicht in ein festes Bündnis hineingezogen zu werden. Zu diesem Zeitpunkt hielt er durchaus noch einen britisch-deutschen Kompromissfrieden unter Vermittlung der USA für möglich. Dies hätte wieder ein größeres Mächtegleichgewicht in Europa und damit den Rahmen für eine Fortführung der bisherigen Pendelpolitik Bulgariens geschaffen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">43</sup> Ein solcher Frieden blieb jedoch aus, und die Spielräume verengten sich weiter, als Ende November 1940 erst Ungarn, dann auch Rumänien und die Slowakei dem Dreimächtepakt beitraten. Wenige Tage zuvor besuchte am 17./18.&nbsp;November Boris&nbsp;III. Hitler auf dem Berghof in Berchtesgaden. Zur selben Zeit bot Molotov dem bulgarischen Gesandten in Moskau eine Grenzgarantie sowie Unterstützung hinsichtlich bulgarischer territorialer Aspirationen gegenüber der Türkei (Ostthrakien), Griechenland (Westthrakien) und Jugoslawien (Makedonien) an.<sup class="modern-footnotes-footnote ">44</sup> Dieses Angebot wurde vom sowjetischen Gesandten in Sofia eine Woche später gegenüber Boris&nbsp;III. wiederholt. Bulgarien solle dafür im Rahmen eines gegenseitigen Beistandspaktes Teil der sowjetischen „Sicherheitszone“ werden, wobei die staatliche Souveränität Bulgariens gänzlich unangetastet bleiben sollte. Im Gegenzug für finanzielle und wirtschaftliche Hilfe sowie Unterstützung zur Erreichung territorialer Ausdehnung im türkischen Ostthrakien forderte die Sowjetunion jedoch das Recht zur Errichtung zweier Marinebasen in Varna und Burgas sowie eines Luftwaffenstützpunktes in Plovdiv.<sup class="modern-footnotes-footnote ">45</sup> Indirekt drängte die Sowjetunion damit Bulgarien zu einem offenen Konflikt mit der Türkei. Es ist zu vermuten, dass sie sich selbst damit einen Grund für eine Intervention an den Meerengen verschaffen wollte. Für die bulgarische Regierung und Zar Boris dürfte jedoch ohnehin die sowjetische Versicherung, die staatliche Souveränität Bulgariens zu garantieren, mit Blick auf das sowjetische Vorgehen gegen die baltischen Staaten im Juni 1940 beziehungsweise gegenüber Finnland wenig glaubhaft gewesen sein. Sie lehnten das sowjetische Angebot ab, betonten allerdings, dass Bulgarien weiterhin an engen und freundlichen Beziehungen zur UdSSR interessiert sei.<sup class="modern-footnotes-footnote ">46</sup> Die Sowjetunion übte weiterhin Druck auf Bulgarien aus, unterstützt von der dortigen kommunistischen innenpolitischen Opposition, und betonte dabei wiederholt die starke russische Sympathie gegenüber dem bulgarischen „Brudervolk“. Mehrfach warnte der sowjetische Gesandte im Dezember 1940 die bulgarische Regierung vor einem Beitritt zum Dreimächtepakt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">47</sup> Auch gegenüber dem Deutschen Reich betonte die Sowjetunion den Anspruch, Bulgarien als Teil einer sowjetischen Sicherheitszone am Schwarzen Meer einzubinden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">48</sup> Auch dieses Auftreten gegenüber Sofia dürfte in erster Linie Teil der Politik gegenüber dem Deutschen Reich gewesen sein und nicht der ernsthafte Glaube, die bulgarische Zarendiktatur würde dieses Angebot annehmen.</p>



<p>Mit Verweis auf den sowjetischen Druck gelang es der bulgarischen Regierung tatsächlich, sich zunächst noch einem Beitritt zum Dreimächtepakt zu entziehen. Ob sie damit guten Willen zeigen wollte oder ob es Teil der autoritären Ausrichtung des bulgarischen Staates war, ist nicht eindeutig zu sagen. Sicher ist, dass Ende 1940 die innere Umgestaltung des bulgarischen Staates nach Vorbild der Achsenmächte deutlich zunahm. Beispielsweise wurde am 29.&nbsp;Dezember 1940 ein Gesetz zur Gründung der staatlichen Jugendorganisation Brannik (Abwehr) verabschiedet. Die Brannik orientierte sich klar an der deutschen Hitlerjugend und der italienischen Balilla. Sie betrieb offene Propaganda gegen Kommunismus und westlichen Liberalismus. Innerhalb von drei Jahren stieg die Mitgliederzahl der Brannik auf rund 450.000.<sup class="modern-footnotes-footnote ">49</sup>Im Januar 1941 folgte dann die bereits erwähnte Einführung einer antijüdischen Gesetzgebung („Gesetz zum Schutz der Nation“).</p>



<p>Angesichts der militärischen Entwicklung auf dem griechisch-albanischen Kriegsschauplatz konnte sich die bulgarische Regierung zu diesem Zeitpunkt auch keine Illusion mehr machen, dass das Deutsche Reich nicht militärisch in Griechenland eingreifen würde. In Rumänien waren bereits Wehrmachteinheiten stationiert, und so musste Ende November 1940 die bulgarische Regierung das Durchmarschrecht für deutsche Truppen in Richtung Griechenland erteilen. Im Januar 1941 überschritten die ersten deutschen Einheiten die rumänisch-bulgarische Grenze.<sup class="modern-footnotes-footnote ">50</sup></p>



<p>Nach wie vor betonte die bulgarische Diplomatie gegenüber dem deutschen Gesandten die Gefahr eines militärischen Eingreifens der Türkei, sollte sich Bulgarien aktiv an die Seite der Achsenmächte stellen. Allerdings gelang wenig später unter deutscher Vermittlung am 19.&nbsp;Februar 1941 der Abschluss eines bulgarisch-türkischen Freundschaftsabkommens, wodurch die Gefahr einer Konfrontation mit dem Nachbarn gebannt wurde.<sup class="modern-footnotes-footnote ">51</sup> Spätestens als die deutsche Reichsregierung Bulgarien territoriale Zugewinne auf Kosten Griechenlands in Aussicht stellte, trat dieses schließlich am 1.&nbsp;März 1941 ebenfalls dem Dreimächtepakt bei. Umsonst hatte auch der britische Gesandte in Sofia, George Rendel, versucht, die bulgarische Regierung von diesem Schritt abzuhalten. Dabei kam auch die Möglichkeit britischer Bombenangriffe auf Sofia im Falle eines Einmarsches deutscher Truppen in Bulgarien zu Wort.<sup class="modern-footnotes-footnote ">52</sup> Schließlich verließ Rendel aber am 12.&nbsp;März 1941 ohne Erfolg Sofia. Eine offene Kriegserklärung Großbritanniens blieb jedoch noch aus.</p>



<p>Knapp zwei Wochen später ereignete sich ein Offiziersputsch in Belgrad, der die prodeutsche jugoslawische Regierung stürzte. Anstoß dazu gab die zwei Tage zuvor vollzogene Unterschrift zum Dreimächtepakt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">53</sup> Die neue Regierung unter General Dušan Simović erklärte den Beitritt für ungültig. Stattdessen schloss die Putschregierung am 5.&nbsp;April 1941 einen Freundschaftspakt mit der Sowjetunion ab. Zu dieser Zeit war bereits in Berlin der Entschluss gefasst worden, nicht nur in Griechenland, sondern auch in Jugoslawien militärisch einzugreifen. Bulgariens strategische Bedeutung wurde dadurch noch größer, ebenso seine Aussichten auf territoriale Gewinne. Nunmehr winkte nicht nur die Rückgewinnung des griechischen Westthrakien und damit der Zugang zum Ägäischen Meer, sondern auch des jugoslawischen Teils Makedoniens. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte die Innere Makedonische Revolutionäre Organisation (i.&nbsp;F.: IMRO) im bulgarischen Pirin-Gebirge de facto einen Staat im Staate errichtet und einen blutigen Guerillakrieg gegen Jugoslawien um Makedonien geführt. Dabei stand sie unter anderem in engem Kontakt zum faschistischen Italien und zu rechtsnationalistischen Kräften um den bereits erwähnten Politiker Aleksandăr Cankov. Im Frühjahr 1934 wurde sie zwar daraufhin von der prowestlichen bulgarischen Sveno-Regierung aufgelöst und verboten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">54</sup> Trotzdem gab es auch 1941 noch viele Anhänger und Sympathisanten der IMRO in Bulgarien, organisiert in verschiedenen Vereinen und Organisationen wie dem Makedonischen Wissenschaftlichen Institut, der Organisation Ilinden (Eliastag) oder der Makedonischen Frauenunion. Diese reihten sich in die große, wenn auch zersplitterte rechtsgerichtete Szene des Landes ein, auf die Boris&nbsp;III. Rücksicht nehmen musste. Bereits seitdem sich im Sommer 1940 eine Revision der bulgarischen Grenze gegenüber Rumänien abzeichnete, waren auch diese makedonischen Akteure in der Öffentlichkeit immer präsenter gewesen. Innenminister Gabrovski unternahm nichts dagegen, diese Stimmen zu unterdrücken und tolerierte eher wohlwollend derartige Manifestationen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">55</sup> Boris&nbsp;III. selbst hatte in einem Brief Hitler auf die makedonische Frage angesprochen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">56</sup>Auch danach sprachen bulgarische Regierungsmitglieder wie der bereits erwähnte Landwirtschaftsminister Ivan Bagrjanov oder Ministerpräsident Bogdan Filov das Thema bei ihren deutschen Gesprächspartnern wiederholt an.<sup class="modern-footnotes-footnote ">57</sup> Berlin reagierte auch deswegen zurückhaltend. Die Filov-Regierung betonte mehrfach, dass Bulgarien sich allein schon angesichts des schlechten Rüstungsstandes der bulgarischen Streitkräfte und der offensichtlich ablehnenden Haltung der Bevölkerung einem militärischen Engagement gegenüber nicht an Kriegshandlungen beteiligen könne. Solange Jugoslawien noch als Teil des deutschen Einflussbereiches galt, waren derartige diplomatische Vorstöße Bulgariens für die deutsche Führung kein Thema. Dies galt auch noch während der bulgarisch-deutschen Verhandlungen über den Beitritt zum Dreimächtepakt, bei denen Berlin Bulgarien lediglich eine territoriale Erweiterung auf Kosten Griechenlands in Aussicht stellte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">58</sup> Erst nach dem Putsch in Belgrad signalisierte Hitler dem bulgarischen Gesandten in Berlin, Petăr Draganov, dass nun auch die makedonische Frage Thema werden könnte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">59</sup></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Bulgariens Eintritt in den Zweiten Weltkrieg 1941 und seine Rolle als „deutscher Gendarm</strong> <strong>des Balkans“</strong></h2>



<p>Auch wenn sich Bulgarien nach dem Beitritt zum Dreimächtepakt mit keinem Land offiziell im Krieg befand, gilt dieser Schritt zu Recht als Eintreten in den Zweiten Weltkrieg. Am 6.&nbsp;April 1941 startete die deutsche Wehrmacht ihre Offensiven gegen Jugoslawien und Griechenland. Bulgarien bildete dabei für beide Feldzüge eine wichtige Ausgangsbasis für die deutschen Truppen.</p>



<p>Selbst jetzt war es allerdings der bulgarischen Regierung gelungen, anders als beispielsweise Ungarn, welches sich wenig später mit Truppen am Überfall auf die Sowjetunion beteiligte, nicht unmittelbar als militärischer Partner der Achsenmächte in direkten Kampfeinsätzen aktiv zu werden. Letztlich hatte das Deutsche Reich keinen weiteren Druck ausgeübt, da auch der deutsche Gesandte in Sofia, Herbert von Richthofen, und der deutsche Botschafter in Ankara, Franz von Papen, von einer unmittelbaren Beteiligung Bulgariens abgeraten hatten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">60</sup> Darüber hinaus hatte der deutsche Auslandsgeheimdienst bereits Ende Januar von einem großen Widerwillen unter der bulgarischen Bevölkerung gegen eine Kriegsbeteiligung berichtet.<sup class="modern-footnotes-footnote ">61</sup> Hinzu kamen die Bedenken, dass eine aktive Teilnahme bulgarischer Truppen am Feldzug gegen Jugoslawien in der Türkei als Bündnisfall der Balkanentente (Balkanpakt) angesehen werden könnte. Erst kurz vor der sich abzeichnenden Kapitulation Jugoslawiens brach Bulgarien am 15.&nbsp;April die diplomatischen Beziehungen zu Jugoslawien offiziell ab. Die Filov-Regierung bot von sich aus dem deutschen Oberkommando bulgarische Truppenverbände zur Sicherung des Hinterlandes in Makedonien und Westthrakien an. Auf diese Weise wollte sie ihre Ansprüche auf diese Gebiete sichern, wusste sie sich doch zumindest in Makedonien in Konkurrenz mit den Expansionsinteressen Italiens. Dies geschah aber auch aus innenpolitischem Druck. Die Nachricht, dass die für den bulgarischen Nationalismus wichtige Stadt Ohrid von italienischen Truppen besetzt worden war, führte zu spürbarem Unmut unter den rechtsgerichteten Kräften des Landes.<sup class="modern-footnotes-footnote ">62</sup> Aber erst am 17.&nbsp;April, dem Tag der jugoslawischen Kapitulation, gestattete Berlin den Einmarsch bulgarischer Truppen in den Ostteil der jugoslawischen Banschaft Skopje sowie in die griechischen Territorien östlich des Flusses Strymon (Struma) inklusive der griechischen Inseln Thasos und Samothrake. Eine Ausnahme bildete der Evros-Grenzstreifen an der griechisch-türkischen Grenze (Demotika-Gebiet), der unter deutscher Kontrolle verblieb, um eine Komplikation zwischen bulgarischen und türkischen Grenztruppen auszuschließen. Makedonien wurde am 25.&nbsp;April unter Italien und Bulgarien aufgeteilt. Bulgarien erhielt dabei letztlich auch Ohrid zugewiesen. Auch das rohstoffreiche Ljuboten-Massiv überließ das Deutsche Reich Bulgarien, wohl wissend, dass es auf diese Weise leichter den Zugriff auf die dortigen Molybdänerz-Vorkommen bekommen würde. Die makedonischen Städte Tetovo, Gostivar, Kićevo und Struga fielen allerdings an Italien. Als Ausgleich dafür durfte Bulgarien zusätzlich die altserbische Region Vranje-Pirot okkupieren. Nichtsdestotrotz blieb die Aufteilung Jugoslawiens in den Folgejahren ein dauerhafter Streitpunkt zwischen den Besatzungsmächten. Dies traf auch auf Griechenland zu, wo Bulgarien gern auch die Städte Thessaloniki (bg. Solun), Florina (bg. Lerin) und Edessa (bg. Voden) besetzt hätte, was ihm aber vorerst verweigert wurde.</p>



<p>Das Deutsche Reich sah diese Besetzung durch bulgarische Truppen offiziell als provisorisch an und verwies stets darauf, dass endgültige territoriale Regelungen erst nach dem Krieg getroffen werden sollten. Von der bulgarischen Regierung ließ sie sich jedoch im April 1941 zusichern, dass deutsche Firmen den bevorzugten Zugriff auf die Rohstoffvorkommen, besonders die Erzvorkommen, in den zuerkannten Gebieten bekommen würden. Daran hielten sich die bulgarischen Behörden auch; ansonsten begann die bulgarische Regierung jedoch, Fakten zu schaffen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">63</sup> Die Okkupationsgebiete auf dem Boden Griechenlands beziehungsweise Jugoslawiens wurden kurzerhand als Teile des bulgarischen Staates behandelt, indem Provinzverwaltungen eingerichtet und die bulgarische Gesetzgebung eingeführt wurden. Hinzu kam der Ausbau eines bulgarischen Schulsystems, verbunden mit umfangreichen Propagandaaktivitäten, um unter der dortigen slawischen Bevölkerung ein bulgarisches Nationalgefühl zu stärken beziehungsweise dessen Herausbildung zu fördern.<sup class="modern-footnotes-footnote ">64</sup> 1943 wurde in Skopje zudem eine bulgarische Universität gegründet. Der Plan einer zweiten Universität in Ohrid wurde aus finanziellen Gründen verworfen. Auch die bulgarische Staatsjugend Brannik und andere staatliche Institutionen wurden dort aktiv, ebenso nationalistische Organisationen wie die Ratnici, Otec Paisij und die Legionäre. Der Erfolg dieses Engagements war jedoch sehr gering.<sup class="modern-footnotes-footnote ">65</sup></p>



<p>Als weiterer wichtiger bulgarischer Akteur trat das bulgarisch-orthodoxe Exarchat auf, das in den besetzten beziehungsweise okkupierten makedonischen und thrakischen Gebieten eigene Eparchien errichtete. Allerdings blieb deren Einfluss nicht zuletzt wegen eines erheblichen Mangels an Priestern ebenfalls gering. Gravierender waren die Folgen der bulgarischen Nationalitätenpolitik, insbesondere nachdem in den okkupierten Gebieten im Juni 1942 ein neues bulgarisches Staatsbürgerschaftsgesetz eingeführt wurde. Die bulgarische Politik zielte dabei auf die Entfernung aller „volksfremden Elemente“ aus dem öffentlichen und wirtschaftlichen Leben der „neuen Territorien“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">66</sup> Diese Politik musste zwangsläufig auch zu Reibungen mit den Achsenmächten führen. Ähnlich wie der 1941 errichtete Unabhängige Staat Kroatien (Nezavisna Država Hrvatska) begann auch Bulgarien bereits früh mit gezielten Abschiebungen und Vertreibungen insbesondere der dortigen serbischen Bevölkerung. Dies betraf weit über 120.000 Serben, die in das deutsche Besatzungsgebiet Serbiens abgeschoben wurden. Weitere Zehntausende wurden in das italienische Besatzungsgebiet im westlichen Teil des besetzten Jugoslawiens vertrieben.<sup class="modern-footnotes-footnote ">67</sup> Letzteres belastete zusätzlich das stark unterkühlte italienisch-bulgarische Verhältnis, konkurrierten doch beide um Einfluss in Makedonien. Zwar wurde nach außen hin der Anschein eines harmonischen Bündnisses gewahrt, doch war dies als kaum mehr denn „oberflächlich“ zu bezeichnen. Aus einem Bericht des delegierten deutschen Ausbildungsstabes beim bulgarischen Oberkommando wurde beispielsweise am 3.&nbsp;August 1942 an das Oberkommando des Heeres (OKH) in Berlin gemeldet, dass in der bulgarischen Bevölkerung deutliche Abneigung gegenüber Italien spürbar sei und auch alle bulgarischen Offiziere, mit denen der Ausbildungsstab zu tun hatte, eher mit Verachtung über den italienischen Bündnispartner sprachen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">68</sup></p>



<p>Nicht minder repressiv trat Bulgarien in den besetzten griechischen Gebieten auf, die es am 9.&nbsp;Oktober 1942 offiziell als neue Provinz Belomorije annektierte. Dort verursachte die repressive Bulgarisierungspolitik gegenüber der griechischen Bevölkerung Zehntausende Todesopfer. Allein in den ersten fünf Monaten der bulgarischen Herrschaft in Westthrakien flohen mindestens 25.000 bis 30.000 Menschen in Richtung deutsches und italienisches Besatzungsgebiet.<sup class="modern-footnotes-footnote ">69</sup> Der Historiker Vaïos Kalogrias bezeichnete 2008 die bulgarische Okkupationsherrschaft in Westthrakien in seiner Dissertationsschrift als eines der „schrecklichsten Besatzungsregime in Südosteuropa während des Zweiten Weltkrieges“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">70</sup> Selbst ein deutscher Lagebericht beschrieb die dortige bulgarische Herrschaft als „ein nur mit balkanisch zu bezeichnendes Terrorregiment“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">71</sup> Dass dies wenig später zu einem ersten griechischen Aufstand führte, sorgte in Berlin und Rom nicht für Begeisterung.</p>



<p>Im Laufe des Krieges, insbesondere angesichts der zunehmenden Schwäche und schließlich des Ausscheidens Italiens im September 1943, wurden Bulgarien trotzdem weitere Gebiete zur Besatzung übertragen. Die Wehrmacht war froh über jede Einheit, die sie vom Balkan an andere Fronten abziehen konnte, was aber angesichts des längst angewachsenen lokalen Widerstandes nationalistischer oder kommunistischer Partisanen immer schwieriger wurde. Das Deutsche Reich benötigte einen Gendarmen, der in den eroberten Gebieten Jugoslawiens und Griechenlands für Sicherheit sorgte und die ungestörte Ausbeutung der dortigen kriegsnotwendigen Rohstoffe gewährleistete. Für die bulgarische Regierung bot dies die Chance, vielleicht doch noch das nationale Maximalprogramm eines Großbulgariens als regionale Hegemonialmacht zu erreichen.</p>



<p>Anfang Juli 1943 übernahmen bulgarische Truppen die militärische Sicherung des griechischen Zentralmakedoniens mit Ausnahme der Hafenstadt Thessaloniki und der Halbinseln von Chalkidike. Die unmittelbare Verwaltung blieb allerdings in deutschen Händen. Bedingung Bulgariens war, dass in diesen Gebieten sämtliche griechischen Polizeikräfte abzuziehen oder zu entwaffnen seien.<sup class="modern-footnotes-footnote ">72</sup> Neben dem Einsatz von Truppen Bulgariens wurden seit März 1943 im italienischen Besatzungsgebiet in Griechenland auch Freiwilligeneinheiten lokaler slawophoner Kollaborateure rekrutiert, die Ochrana (Wache, Schutz) genannt wurden. Teilweise waren unter ihnen auch ehemalige IMRO-Anhänger. Diese überwiegend aus der Region Kastoria stammenden Kollaborateure wurden zur Bekämpfung griechischer Partisaneneinheiten eingesetzt. Die rund 2.000 bis 3.000 Mann starken Ochrana-Milizen traten für eine langfristige Angliederung der zentralmakedonischen Region an das bulgarische Zarenreich ein.<sup class="modern-footnotes-footnote ">73</sup></p>



<p>In noch größerem Umfang wurde Bulgarien die Rolle als Gendarm in Serbien zugewiesen. Im Januar 1942 übernahm ein zusammengestelltes bulgarisches Unterstützungskorps im Umfang von über 20.000 Soldaten Sicherungsaufgaben in Zentralserbien (Kreise Niš, Leskovac, Kruševac, Zaječar und Morava-Gebiet). Dies ermöglichte der deutschen Wehrmacht den Abzug einer Infanteriedivision an die Ostfront. Auch hier wurden die bulgarischen Truppen der deutschen Besatzungsmacht unterstellt. Ebenso blieb die Okkupationsverwaltung in deutscher Hand.<sup class="modern-footnotes-footnote ">74</sup> Bis Mitte 1943 wurde der bulgarische Unterstützungseinsatz immer weiter nach West- und Nordserbien ausgedehnt, um deutsche Truppen abzulösen. Bulgarien wurde dadurch in Serbien mit rund 31.000 Soldaten zur wichtigsten militärischen Okkupationsmacht. Angesichts starker antibulgarischer Ressentiments in Serbien trug der Einsatz bulgarischen Militärs wahrscheinlich allerdings mit dazu bei, dass die dortige Partisanenbewegung noch größeren Zulauf erhielt.</p>



<p>Für die bulgarische Führung schienen diese Unterstützungseinsätze in erster Linie Vorteile zu haben. Sie konnte ihr Gewicht für eine spätere Neuordnung der ehemals jugoslawischen Territorien erhöhen. Ein anderer Vorteil war, dass es ihre Position stärkte, nicht aktiv am deutsch-sowjetischen Krieg teilzunehmen. Anders als den anderen deutschen Verbündeten gelang es Bulgarien, sich einer direkten militärischen Teilnahme an der Operation Barbarossa zu entziehen. Außer einigen kleineren Zusammenstößen bulgarischer Schiffe mit der sowjetischen Marine beschränkte sich die aktive Beteiligung auf die Entsendung eines bulgarischen Sanitätszugs zur Unterstützung der deutschen Wehrmacht in der Sowjetunion 1942.<sup class="modern-footnotes-footnote ">75</sup> Auch die Aufstellung einer Freiwilligenlegion ähnlich der spanischen „Blauen Division“ oder der französischen „Légion des volontaires français contre le bolchévisme“ wurde von der bulgarischen Regierung unterbunden. Laut der bulgarischen Zeitung <em>Trud</em> sollen sich bei der deutschen Gesandtschaft in Sofia für einen Einsatz an der Ostfront rund 1.500 Freiwillige aus den Reihen rechtsgerichteter Organisationen gemeldet haben.<sup class="modern-footnotes-footnote ">76</sup></p>



<p>Bulgarien nahm unter den Kollaborationsstaaten auf Seite der Achsenmächte eine ungewöhnliche Ausnahmestellung ein. So blieb auch nach Beginn des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion die sowjetische Gesandtschaft in Sofia bestehen. Auch ging auf Umwegen über die Türkei auf niedrigem Niveau der bulgarisch-sowjetische Warenaustausch weiter.<sup class="modern-footnotes-footnote ">77</sup> Bis heute ist nicht abschließend geklärt, warum das Deutsche Reich dies zuließ. Das Argument, die bulgarische Bevölkerung sei zu russophil eingestellt, um gegen die Sowjetunion die bulgarische Armee einsetzen zu können, kann nicht ausschlaggebend gewesen sein. Bereits im Ersten Weltkrieg waren 1916/17 bulgarische und russische Truppen aufeinandergestoßen. Wahrscheinlich ist hingegen, dass ein Vorteil darin gesehen wurde, mit der sowjetischen Gesandtschaft in Sofia einen direkten Gesprächskanal mit dem wichtigsten Kriegsgegner aufrechtzuerhalten. Inwieweit diese Möglichkeit genutzt und eine Rolle gespielt hat, ist noch nicht ausreichend erforscht. Dem Zarenregime von Boris&nbsp;III. brachte die Nichtteilnahme am Krieg gegen die Sowjetunion, bei gleichzeitigen territorialen Zugewinnen auf Kosten von Griechenland und Jugoslawien, 1941/42 vermutlich die höchsten Beliebtheitswerte seit 1935. Dazu trug auch bei, dass bulgarische Truppen nicht in Kämpfe mit den britischen und amerikanischen Streitkräften verwickelt wurden, obwohl Bulgarien nach der deutschen Kriegserklärung an die USA am 11.&nbsp;Dezember 1941 ebenso wie andere Mitglieder des Dreimächtepaktes den USA und Großbritannien nun den Krieg erklärten. Diese Situation trug sicherlich mit dazu bei, dass sich erst 1943 wirklich spürbarer bewaffneter Widerstand in Bulgarien selbst bildete. Hinzu kamen 1943/44 immer massivere Bombenangriffe der westlichen Alliierten gegen bulgarische Städte, gegen die die schwache bulgarische Flugabwehr und Luftwaffe nichts ausrichten konnten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">78</sup></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Innenpolitische und wirtschaftliche Entwicklung 1941</strong>–<strong>1943</strong></h2>



<p>Wie bereits erwähnt, profitierte das Zarenregime zunächst von der Tatsache, dass sich Bulgarien aus einem unmittelbaren Kampfeinsatz heraushalten konnte und sein Staatsgebiet 1940/41 um ein Drittel ohne direkte Kriegsbeteiligung vergrößern konnte. Die Tatsache, dass es zu keinem Konflikt mit der Türkei kam, beruhigte die Öffentlichkeit zusätzlich. Die rechtsgerichteten Kräfte verzeichneten spürbaren Zulauf. Beispielsweise vergrößerte sich der Bund der nationalen Legionäre unter Ivan Dočev von knapp 10.000 Mitgliedern im Jahre 1934 auf etwa 75.000 Anfang 1942. Die bürgerlich-liberalen Kräfte sahen sich vorerst marginalisiert. Die Kommunisten waren zum Stillhalten verdammt, solange die stalinistische Sowjetunion mit dem Deutschen Reich durch den „Freundschaftspakt“ formell verbündet war. Nach dem Krieg äußerte sich der oppositionelle Exiljournalist Wolfgang Bretholz, der vor 1933 das innenpolitische Ressort beim <em>Berliner Tageblatt</em> geleitet hatte und nach 1933 über verschiedene Exilstationen während des Krieges in Rumänien, Bulgarien und schließlich der Türkei lebte, rückblickend über die Stimmung in der bulgarischen Bevölkerung 1941:</p>



<p>Wir waren alle berauscht von der Idee, dass uns zum ersten Male in der Geschichte jene Gerechtigkeit zuteil wurde, die wir lange vergeblich gefordert hatten. Gewiss, mitunter regte sich in uns so etwas wie ein schlechtes Gewissen, weil wir unsere neuen Gebiete nicht erkämpft und erobert, sondern als Geschenk erhalten hatten, so etwas wie ein unheimliches Gefühl, dass es eines Tages aus dem schönen Traum ein grausames Erwachen geben könnte. Aber im Grunde waren wir doch alle, von den extremsten Nationalisten bis zu den Kommunisten, befriedigt über die Erfolge, die uns Hitlers ‚Neue Ordnung‘ auf dem Balkan gebracht hatte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">79</sup></p>



<p>Auch angesichts dieser vergleichsweise breiten Zustimmung achtete Boris&nbsp;III. weiter darauf, so gut es ging das innenpolitische Kräfteverhältnis möglichst ausgewogen zu erhalten. Zwar nahm der Einfluss der politischen Rechten weiter zu, doch wurde keiner der wichtigen Führer im rechten Lager, wie beispielsweise Aleksandăr Cankov, Ivan Dočev oder General Lukov, in ein öffentliches Amt berufen. Innenminister Petăr Gabrovski blieb hierbei eine Ausnahme. Auch wurde keine der neuen, an faschistischen Vorbildern orientierten Massenorganisationen wie der Brannik so weiterentwickelt, dass sie zu einem innenpolitischen Machtfaktor hätten werden können.</p>



<p>Eine Zäsur bildete der Überfall der Achsenmächte und ihrer Verbündeten auf die UdSSR. Auch wenn Bulgarien sich nicht an dem Krieg beteiligte und wie erwähnt die diplomatischen Beziehungen zu Moskau aufrechterhielt, begannen die bulgarischen Kommunisten im Sommer 1941 aktiven Widerstand zu organisieren. Dies beantwortete die Königsdiktatur mit einem repressiven Vorgehen gegen jegliche Form von Opposition. Das „Gesetz zum Schutze der Nation“ wurde im September 1941 weiter verschärft und in den darauffolgenden Monaten im großen Umfang Mitarbeiter aus der Staatsverwaltung entfernt, die im Verdacht standen, den Kommunisten oder anderen Oppositionskräften nahezustehen. Darüber hinaus begann eine Repressionswelle gegen linksgerichtete Zirkel mit Hunderten Verhaftungen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">80</sup> Eine zunehmende Zahl von politischen Vereinen wurde verboten.</p>



<p>Ein wesentlich größeres Problem entwickelte sich für die Königsdiktatur in der Wirtschaft. Nachdem 1939/40 immer mehr relevante Handelspartner entfallen waren, war das Land in weitgehende ökonomische Abhängigkeit zum Deutschen Reich geraten. Dies beinhaltete auch, dass sich Bulgarien immer umfassender auf die wirtschaftlichen Bedürfnisse des deutschen „Partners“ ausrichten musste. Damit ging die Umgestaltung der staatlichen Wirtschaftspolitik nach Vorbild Italiens und des Deutschen Reiches einher. So wurde bereits am 4.&nbsp;Mai 1940 das „Gesetz für die zivile Mobilmachung“ erlassen. Hinzu kam wenig später die Einrichtung einer staatlichen Außenhandelsdirektion.<sup class="modern-footnotes-footnote ">81</sup>Dieses ermöglichte es dem Staat, in erheblichem Umfang in das Wirtschaftsleben einzugreifen. Auch konnte fortan die Regierung nun bulgarische Staatsangehörige im Alter von 16 bis 70 Jahren für Einsätze in der Industrie oder der Landwirtschaft heranziehen. Löhne und Preise konnten nun reguliert sowie kriegswichtige Materialien und Rohstoffe der Verteilung durch den Staat unterworfen werden.</p>



<p>Diese Maßnahmen wurden allerdings auch immer notwendiger, um die Bedürfnisse der deutschen Kriegswirtschaft erfüllen zu können. Seit 1939 hatte das Deutsche Reich begonnen, immer bessere Handelsbedingungen für die deutsche Industrie durchzusetzen. Bulgarien musste dabei von Jahr zu Jahr größere Lieferverpflichtungen eingehen, während sich die deutschen Ausgleichszahlungen, beispielsweise in Form von landwirtschaftlichen Maschinen, oft zeitlich stark verzögerten. Allein zur Modernisierung der bulgarischen Streitkräfte wurde von Deutschland in größerem Maße Kriegsmaterial geliefert – in erster Linie aus tschechoslowakischen und französischen Beutebeständen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">82</sup> Der wirtschaftliche Handlungsspielraum engte sich dadurch für Bulgarien im Laufe des Krieges mehr und mehr ein. Dies betraf nicht nur den Zugriff auf Rohstoffe und landwirtschaftliche Produkte, sondern auch den schließlich vollständigen deutschen Zugriff auf die wichtigsten Bergwerke im bulgarisch okkupierten Makedonien. Der deutsche Historiker Markus Wien wertet Bulgarien für den Zeitraum ab 1940 zu Recht als einen deutschen Wirtschaftssatelliten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">83</sup> Dazu gehörte auch, dass der bulgarische Steuerzahler erhebliche Kosten des deutschen Militäreinsatzes gegen Griechenland bezahlen musste. Zusätzlich zu den rasch ansteigenden Aufrüstungskosten verdoppelten sich die bulgarischen Staatsausgaben 1941 gegenüber dem Vorjahr.<sup class="modern-footnotes-footnote ">84</sup></p>



<p>Schon bald machten sich gravierende Versorgungsengpässe in Bulgarien bemerkbar. Einher gingen diese mit wiederholten Missernten infolge großer Trockenheit, was wiederum 1942 Notschlachtungen beim Viehbestand zur Folge hatte. Die zunehmenden Einberufungen zum bulgarischen Militär ab 1941 verursachten darüber hinaus einen spürbaren Arbeitskräftemangel in mehreren Wirtschaftsbereichen. Trotzdem erklärte sich die bulgarische Regierung bereit, für das Deutsche Reich wiederholt Arbeitskräfte sowohl in Bulgarien als auch im okkupierten Westthrakien und Makedonien anwerben zu lassen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">85</sup> Bereits im November 1942 klagte die bulgarische Direktion der zivilen Mobilmachung über frappierende Engpässe in der Versorgung mit Eisen und Stahl. Dadurch wurde die Leistungsfähigkeit bulgarischer Betriebe und Gruben spürbar beeinträchtigt. Dies fiel letztlich wiederum negativ auf die deutschen Wünsche zurück, da die bulgarische Produktion infolge des Rohstoffmangels sank.<sup class="modern-footnotes-footnote ">86</sup> Umso rauer traten die deutschen Verhandlungsführer auf, die geradezu selbstverständlich voraussetzten, dass sich alle Verbündeten den deutschen Bedürfnissen im Kampf um den „Endsieg“ unterzuordnen hatten. Ende 1942 klagten deutsche Stellen anlässlich der sich in die Länge ziehenden wochenlangen Verhandlungen über einen neuen deutsch-bulgarischen Handelsvertrag. Verärgert meldeten sie nach Berlin, dass sich das Gefühl aufdränge, Bulgarien verfolge allein das Ziel, eine Vorratswirtschaft zu betreiben, um unter allen Umständen die Versorgung der eigenen Bevölkerung sicherzustellen, anstatt dem Deutschen Reich Zugeständnisse zu machen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">87</sup> Der wachsende Einsatz bulgarischer Truppen in den besetzten griechischen und jugoslawischen Gebieten, aber auch die Evakuierungen infolge der zunehmenden alliierten Bombenangriffe auf bulgarische Städte absorbierten 1943/44 den überwiegenden Teil der vorhandenen Transportkapazitäten. Derweil verschlechterte sich die Ernährungslage. Aber auch die Versorgungslage in vielen anderen Bereichen wurde immer dramatischer. Korruption und Schwarzmarkt verbreiteten sich spürbar. Dies trug sicherlich mit dazu bei, dass die bulgarische Regierung das Ansinnen Berlins nicht behinderte, im Zuge der Aktion „Heim ins Reich“ die kleine, erst seit den 1890er-Jahren in Bulgarien lebende deutsche Minderheit umzusiedeln. Die etwa 2.150 Personen große deutsche Bevölkerungsgruppe wurde 1943 im besetzten Polen angesiedelt.</p>



<p>Diese Zustände stärkten natürlich die Opposition in Bulgarien. Hinzu kam der wachsende bewaffnete Widerstand zunächst in den besetzten Gebieten, aber auch in Bulgarien selbst. Diesem Widerstand wurde mit immer größerer Härte und Brutalität begegnet, wobei es zu einer engen Zusammenarbeit mit dem deutschen Militär und Geheimdienst kam. In den besetzten thrakischen und jugoslawischen Gebieten, aber auch in Bulgarien wurden Konzentrations- und Internierungslager für mehrere Zehntausend Menschen eingerichtet.<sup class="modern-footnotes-footnote ">88</sup> Die Zahl der darin 1941 bis 1944 zu Tode Gekommenen ist nicht bekannt.</p>



<p>Druck kam zunächst aus den oppositionellen Militärkreisen, von Offizieren, die aus den Sveno-Strukturen der 1930er-Jahre stammten und teilweise im Kontakt zur sowjetischen Vertretung standen. Als schließlich Gerüchte über Putschvorbereitungen aufgedeckt wurden, musste sich Boris&nbsp;III. stärker an den deutschen Verbündeten anlehnen. Am 15.&nbsp;April 1942 wurden sechs von zehn Ministerposten neu besetzt und die Stationierung von mehr deutschem Militär in Bulgarien akzeptiert. Einer der führenden oppositionellen Generäle, General d.&nbsp;R. Vladimir Zamov, wurde am 1.&nbsp;Juni 1942 wegen Hochverrats hingerichtet. Befanden sich Ende 1941 weniger als 4.000 deutsche Soldaten auf bulgarischem Boden, stieg diese Zahl bis Sommer 1944 auf über 22.000.<sup class="modern-footnotes-footnote ">89</sup></p>



<p>Diese Militärpräsenz verhinderte aber nicht die langsame Zunahme des kommunistischen Widerstands, ja förderte diesen wahrscheinlich sogar eher. Über den Umfang der bulgarischen Partisanenbewegung gehen die Einschätzungen allerdings weit auseinander. In den 1960er-Jahren zitierte der ungarisch-schweizerische Militärhistoriker Péter Gosztony einen ehemaligen bulgarischen Generalstabsoffizier, der den kommunistischen Widerstand als kaum spürbar bewertete. Es seien kaum mehr als 1.500 bis 2.000 Partisanen aktiv gewesen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">90</sup> Demgegenüber sprach die sozialistische Historiografie für Anfang 1944 von 18.300 aktiven Partisanen und etwa 200.000 Verbindungsleuten und Helfern, was jedoch als weit übertrieben gewertet werden kann.<sup class="modern-footnotes-footnote ">91</sup> Der Schweizer Historiker Oliver Jens Schmitt bezifferte die Zahl für Sommer 1944 auf circa 10.000, schrieb ihnen aber erst in den letzten Monaten vor dem Putsch eine nennenswerte Bedeutung zu.<sup class="modern-footnotes-footnote ">92</sup> Unbestritten ist, dass spätestens 1943 der bewaffnete Widerstand in den bulgarisch besetzten Gebieten, aber auch in Bulgarien selbst, spürbar zunahm. Bei der Bekämpfung der Partisanen seitens der bulgarischen Armee kam es zu einer engen Kooperation mit dem deutschen Militär. In Gebieten mit größeren Partisanenaktivitäten wurden deutsch-bulgarische Spezialeinheiten gebildet. In einem deutschen Bericht im Juli 1943 wurde zum Auftrag dieser so genannten K-Trupps aus bulgarischen und deutschen Soldaten, aber auch lokalen Kollaborateuren aus den Besatzungsgebieten selbst, festgehalten:</p>



<p>[Die K-Trupps] haben die Aufgabe, in Zivil die Gegend systematisch nach dem Vorhandensein von Banden zu erforschen und dieselben in rücksichtslosestem Einsatz niederzukämpfen. Für die Zusammenarbeit mit den polizeilichen Einsatzorganen besteht Funkverbindung. Nach Überwältigung, beziehungsweise Niedermachung der Banden verschwinden diese K-Trupps nach Sicherstellung der gegnerischen Waffen, ohne eine Beerdigung der Gefallenen durchzuführen. KO verspricht sich von dieser Art des Einsatzes insbesondere eine starke psychologische Wirkung auf Einwohnerschaft und Banden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">93</sup></p>



<p>Bis zum Putsch im September 1944 erreichte der bewaffnete Widerstand keinen Umfang, der der bulgarischen Regierung wirklich hätte gefährlich werden können.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kollaboration durch Beteiligung am Holocaust?</strong></h2>



<p>Die Frage der bulgarischen Beteiligung am Holocaust ist bis heute ein höchst emotional aufgeladenes Thema in Bulgarien und sorgt immer noch für Verstimmungen mit Nordmazedonien. Bis heute lautet die offizielle Darstellung, dass Bulgarien durch den zu starken Druck und mit Blick auf die angeblich große deutsche Militärpräsenz im Land gezwungen gewesen sei, die jüdische Bevölkerung der bulgarisch besetzten Gebiete an das Deutsche Reich auszuliefern. Die jüdischen Bulgaren in Altbulgarien aber seien vom Zaren, der bulgarischen Regierung und durch Proteste der bulgarischen Bevölkerung vor dem Holocaust bewahrt worden.</p>



<p>Ganz ähnlich wie in Deutschland bildete die jüdische Religionsgemeinschaft in Bulgarien mit weniger als einem Prozent an der Gesamtbevölkerung eine kleine Minderheit. Allerdings war der Antisemitismus in Bulgarien nur schwach ausgeprägt und eher auf gesellschaftliche Eliten konzentriert. Es gab weder führende jüdische Politiker noch hohe jüdische Staatsbeamte oder Militärs.<sup class="modern-footnotes-footnote ">94</sup> Antisemitismus in der Öffentlichkeit war das erste Mal bei den bereits erwähnten gewalttätigen Ausschreitungen rechtsgerichteter Gruppen in Sofia 1938 erkennbar. Nachdem im Februar 1940 Petăr Gabrovski an die Spitze des Innenministeriums berufen worden war, begann auch eine immer offenere antisemitische Politik des Staates. Dabei ist im Einzelfall schwer einzuschätzen, ob diese Maßnahmen jeweils Konsens der politischen Elite der Zarendiktatur, ein Zugeständnis an die rechtsgerichteten Kräfte im Land oder eine Reaktion auf den immer größeren Einfluss des Deutschen Reiches waren.</p>



<p>Eine Tatsache ist, dass ab Januar 1941 die öffentliche Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung seitens der staatlichen Behörden spürbar zunahm.<sup class="modern-footnotes-footnote ">95</sup> Anfang 1942 wurden mehrere jüdische Vereinigungen und Organisationen verboten und ihr Eigentum beschlagnahmt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">96</sup> Ähnlich wie auch die anderen Dreimächtestaaten bereicherte sich das finanziell klamme Bulgarien an jüdischen Vermögenswerten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">97</sup> Zu dieser Zeit war im Deutschen Reich die endgültige und systematische Vernichtung der jüdischen Bevölkerung im deutschen Machtbereich und dem der Verbündeten beschlossen worden. Fakt ist, dass spätestens im Juni 1942 das Auswärtige Amt die bulgarische Regierung drängte, der Deportation aller bulgarischen Juden zuzustimmen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">98</sup> Sicher ist auch, dass nur zwei Monate später das bulgarische Innenministerium eine neue, 160 Mitarbeiter umfassende Unterbehörde, das „Kommissariat für jüdische Fragen“, einrichtete, deren Leitung von Alexandăr Belev übernommen wurde.<sup class="modern-footnotes-footnote ">99</sup> Entsprechende Unterabteilungen wurden in den „neuen Gebieten“ eingerichtet, etwa im September 1942 in Skopje. Auch in den von Bulgarien besetzten Gebieten wurden nun die dort lebenden Juden gezwungen, ihre Papiere gegen einen neuen, andersfarbigen „Judenpass“ umzutauschen. Waren Juden bislang als Religionsgruppe definiert worden, wurde nun von jüdischer „Abstammung“ gesprochen und somit nach deutschem Vorbild ethnisch ausgelegt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">100</sup> Auch durften dort Juden keine Ehen mit Nichtjuden eingehen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">101</sup> Von einem Widerstand seitens der bulgarischen Staatsverwaltung gegen die antijüdischen Maßnahmen kann, soweit die entsprechenden Akten ausgewertet wurden, keine Rede sein. Auch das Verhalten von Zar Boris, der auch weiterhin persönliche Kontakte zum Oberrabbiner von Sofia unterhielt, kann in der Frage der Judenpolitik seiner Regierung allenfalls als passiv bezeichnet werden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">102</sup> Die italienische Literaturwissenschaftlerin und Kulturjournalistin Cristina Siccardi behauptet zwar in ihrem Buch über Zarin Giovanna im Jahre 2001, dass diese sich bemüht habe, bulgarischen Juden mittels der Beschaffung italienischer Pässe eine Auswanderung nach Argentinien zu ermöglichen, führt jedoch keine Quellenbelege an.<sup class="modern-footnotes-footnote ">103</sup></p>



<p>Der deutsche Gesandte in Sofia, Adolf-Heinz Beckerle, berichtete am 14.&nbsp;Dezember 1942 nach Berlin, dass die bulgarischen Behörden insgesamt weniger energisch gegen die jüdische Bevölkerung vorgingen. Dies führte er darauf zurück, dass die bulgarische Bevölkerung im Allgemeinen dem „Kampf gegen das Judentum“ eher verständnislos gegenüberstünde.<sup class="modern-footnotes-footnote ">104</sup> Andererseits äußerte Zar Boris III.&nbsp;am 15.&nbsp;April 1943 in einem Gespräch mit den wichtigsten Oberhäuptern der bulgarisch-orthodoxen Kirche, dass die Juden ein „historisches Problem“ darstellten und ihrem „spekulativen Geist“ die „gegenwärtige Weltkatastrophe“ zu verdanken sei.<sup class="modern-footnotes-footnote ">105</sup> Im Januar 1943 entsandte die deutsche Regierung den Deportationsexperten Theodor Dannecker als „Berater“ für das bulgarische „Kommissariat für jüdische Fragen“ nach Sofia.<sup class="modern-footnotes-footnote ">106</sup> Gemeinsam mit Belev wurde in den darauf folgenden Wochen der Plan ausgearbeitet, zunächst die jüdische Bevölkerung aus den bulgarisch besetzten Gebieten zur „Ansiedlung“ ins deutsche Generalgouvernement Warschau zu deportieren. Insgesamt planten sie dabei mit zunächst 20.000 Juden, auch wenn Belev und seinen Mitarbeitern bewusst war, dass in den „neubulgarischen“ Territorien weniger als 12.000 Juden lebten. Die geplante Zahl von 20.000 sollte mit Juden aus Altbulgarien aufgefüllt werden. Mitte Februar 1943 gab die bulgarische Regierung dafür ihre Zustimmung.</p>



<p>Bereits kurz nach dem Einmarsch bulgarischer Truppen in Makedonien und Thrakien hatten sich alle Juden dort im Polizeiregister eintragen müssen. Anders als anderen Bevölkerungsgruppen wurde ihnen die bulgarische Staatsbürgerschaft verwehrt. Ein Jahr später mussten alle Juden ihre Häuser, Wohnungen, Geschäfte und Betriebe mit Davidsternen als jüdisch kennzeichnen. Ab September 1942 mussten Juden älter als zehn Jahre den gelben Davidstern kaufen und an der Kleidung tragen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">107</sup> Wien 2012, S.&nbsp;282f. Zunächst entzog die bulgarische Regierung durch immer größere Einschränkungen den makedonischen und thrakischen Juden endgültig ihre ökonomische Grundlage. So erlegte ihnen das bulgarische Finanzministerium eine Sondersteuer in Höhe von zwanzig Prozent ihres Besitzes auf. Wenig später wurden sämtliche jüdischen Handwerksläden zwangsweise geschlossen, jüdische Geschäftsleute gezwungen, ihren Besitz nichtjüdischen Bürgern zu verkaufen und ihr Vermögen auf festgelegte Banken einzuzahlen. Unmittelbar darauf sperrten die bulgarischen Behörden diese eingerichteten Konten, was einer Konfiszierung der Geldeinlagen gleichkam.<a href="#_ftn108">[108]</a> In der Nacht vom 3. zum 4.&nbsp;März 1943 begannen die bulgarischen Besatzungsbehörden mit der vorbereiteten Verhaftung der jüdischen Bevölkerung im besetzten Thrakien und deren anschließender Deportation in Richtung des bulgarischen Donauhafens Lom.<sup class="modern-footnotes-footnote ">108</sup> Ganz ähnlich verlief die Deportation in Vardar-Makedonien. In der Nacht vom 10. zum 11.&nbsp;März riegelte die bulgarische Polizei, unterstützt von Mitgliedern der staatlichen Brannik-Jugend in Skopje, Bitola und Štip, die jüdischen Wohnviertel ab.<sup class="modern-footnotes-footnote ">109</sup> Juden mit spanischer, italienischer oder albanischer Staatsbürgerschaft wurden abgeschoben. Soweit nicht einigen wenigen die Flucht gelang, wurden zwischen dem 22. und 29.&nbsp;März sämtliche internierten Juden nach Treblinka abtransportiert.<sup class="modern-footnotes-footnote ">110</sup> Das gleiche Schicksal erlitten die Juden in den bulgarisch besetzten serbischen Gebieten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">111</sup></p>



<p>In beiden Besatzungsgebieten gab es wenige Fälle, in denen Bulgaren, teilweise mit Erfolg, aktiv versuchten, Juden vor der Deportation zu retten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">112</sup> Zwischen März und August 1943 erfolgte darüber hinaus die Deportation der etwa 48.000 Juden aus dem deutsch besetzten Thessaloniki über die Vardar-Bahn. Zwar hatte die bulgarische Regierung 1941 die Kontrolle der Eisenbahn in den „Neuen Gebieten“ dem Deutschen Reich überlassen, unterstützte jedoch mit der Durchfahrtserlaubnis indirekt die Deportation der nordgriechischen Juden.Zur Deportation der jüdischen Bevölkerung von Thessaloniki siehe Georg Bossong: Die Sepharden. Geschichte und Kultur der spanischen Juden. München 20<sup class="modern-footnotes-footnote ">113</sup></p>



<p>Parallel zu den Deportationsmaßnahmen in den besetzten Gebieten wurde seitens des Kommissariats für jüdische Fragen auch die Internierung und Deportation mehrerer Tausend Juden aus Altbulgarien vorbereitet. Diese kamen aber nicht mehr zur Ausführung. Auftretende öffentliche Proteste im Land dürften ein Teilgrund gewesen sein.<sup class="modern-footnotes-footnote ">114</sup> Wie verbreitet die Ablehnung der antijüdischen Maßnahmen seit 1941 und der stattfindenden Internierungen und Deportationen in der Bevölkerung war, ist noch nicht abschließend erforscht. Bis heute ist jedoch im nationalen kollektiven Gedächtnis fest verankert, dass Bulgarien seine jüdische Bevölkerung vor der Vernichtung beschützt habe. Es ist jedoch zu vermuten, dass die sich 1943 abzeichnende Kriegswende zuungunsten der Achsenmächte für die Führungsriege um Zar Boris&nbsp;III. ein entscheidungsrelevantes Moment gewesen ist. Sehr bald nach Ende des Krieges wanderte der allergrößte Teil der Juden aus Bulgarien nach Israel aus. Die Gründe dafür waren in der Nachkriegszeit sicherlich vielfältig und reichten von antisozialistischer Haltung, der bedrückenden antisemitischen Stimmung der späten Stalin-Ära, in der sie teilweise als „Zionisten“ oder „Kosmopoliten“ drangsaliert wurden, und dem Willen, am Aufbau des neu gegründeten Staates Israel mitzuwirken. Es kann jedoch sehr wohl vermutet werden, dass die Erfahrungen einer drohenden Deportation durch das Zarenregime in die Hände der Deutschen bei vielen jüdischen Bulgaren erheblich dazu beigetragen haben, sich für eine Auswanderung zu entscheiden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die bulgarische Kollaboration nach dem Tod von Zar Boris&nbsp;III. bis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen am 5.&nbsp;September 1944</strong></h2>



<p>Ab Sommer 1943 begann die bulgarische Regierung allmählich, eine zurückhaltendere Politik gegenüber der deutschen Einflussnahme einzunehmen. Die Rückschläge auf dem nordafrikanischen und sowjetischen Kriegsschauplatz ließen vermuten, dass der Kriegsverlauf eine Wende erlebte. Hinzu kamen die immer größeren Versorgungsengpässe in Bulgarien selbst, die den innenpolitischen Druck auf die Regierung erhöhten. Die spürbaren Partisanenaktivitäten wurden mit Gegenterror beantwortet, was wiederum dem Widerstand Zulauf bescherte und die Situation zusätzlich verschärfte.</p>



<p>Gegenüber dem Deutschen Reich bestand im Sommer 1943 die Situation, dass dieses in einem Umfang von mittlerweile fast einer halben Milliarde Reichsmark im gegenseitigen Clearing-Verfahren gegenüber Bulgarien verschuldet war. Ob diese Schulden je eingelöst werden würden, wurde immer ungewisser. Bereits seit 1941 hatte Bulgarien akzeptiert, dass die aufgelaufenen Schulden in deutsche Kriegsanleihen umgewandelt wurden. Verlor das Deutsche Reich den Krieg, würden diese Kriegsanleihen wertlos sein.<sup class="modern-footnotes-footnote ">115</sup> Die bulgarische Regierung war daher immer weniger bereit, weitere einseitige Verkäufe zu akzeptieren und drängte darauf, dass die deutschen Clearing-Schulden in Waren eingelöst werden sollten. Als Druckmittel verschleppte die bulgarische Regierung bewusst sogar die Transferierung deutscher Überweisungen an die bulgarische Nationalbank, über die die eingesetzten Arbeiter der Organisation Todt in den wehrwirtschaftlich wichtigen Molybdänerzbergwerken in Makedonien bezahlt werden sollten. In den Bergwerksgruben mussten daraufhin Tausende Arbeitskräfte entlassen werden, und der Molybdänabbau geriet ins Stocken.<sup class="modern-footnotes-footnote ">116</sup></p>



<p>Im Sommer 1943 ereignete sich die deutsche Niederlage von Kursk, und alliierte Truppen landeten in Süditalien. Die deutsche Reichsregierung erhöhte den Druck auf Bulgarien, sich stärker militärisch zu engagieren. Bulgarien solle Truppen an die Ostfront entsenden. Am 3.&nbsp;Juni 1943 traf Boris III.&nbsp;Hitler in Berchtesgaden, verweigerte aber einen Kriegseintritt gegen die UdSSR. Wenig später stürzte Mussolini, und Italien wechselte die Fronten. Spätestens jetzt dürfte für die bulgarischen Regierungsvertreter klar gewesen sein, dass das Deutsche Reich den Krieg verlieren würde.</p>



<p>Zu einem tiefen Einschnitt kam es, als Boris&nbsp;III. am 28.&nbsp;August 1943 nach einer Wanderung im Rila-Gebirge starb. Ihm folgte als neuer Zar sein erst sechsjähriger Sohn Simeon. Es wurde ein vorläufiger Regentschaftsrat aus dem Bruder des verstorbenen Zaren, Fürst Kyrill, Ministerpräsident Filov und Kriegsminister Nikolai Michov eingesetzt. Der wichtigste Vertreter des prodeutschen Kurses, Innenminister Gabrovski, durfte wenige Tage das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen, wurde dann aber vom Regentschaftsrat entlassen. Zwar rückte mit dem Ratnici Dočo Christov ein neuer rechtsgerichteter und prodeutscher Innenminister nach, doch besaß dieser wesentlich geringeren politischen Einfluss. Im November 1943 wurde eine neue Regierung unter Dobri Božilov berufen. Der Regentschaftsrat und die neue Regierung führten die bereits begonnene distanzierte Politik gegenüber deutschen Wünschen fort, wagten es aber auch nicht, klare Wechselbereitschaft an die Alliierten zu zeigen. Stattdessen verlor die bulgarische Führung angesichts der großen wirtschaftlichen Probleme und der nun vehement geführten alliierten Bombenangriffe auf bulgarische Städte schnell ihren ohnehin geringen Rückhalt in der Bevölkerung. Als sich sowjetische Truppen Rumänien näherten, drängte die deutsche Regierung abermals, Bulgarien solle sich mehr engagieren. Zwar wurden daraufhin als Zugeständnis im bulgarischen Generalstab mehr jüngere, deutschfreundliche Offiziere befördert. Sowjetischer Druck, Konsulate in Ruse und Burgas eröffnen zu dürfen, führte aber zum Sturz der Regierung Božilov. An deren Stelle wurde am 1.&nbsp;Juni 1944 der frühere Landwirtschaftsminister Ivan Bagrjanov zum neuen Ministerpräsidenten berufen. Dieser wurde zwar von der Linksopposition nicht gänzlich abgelehnt, doch gelang es ihm nicht, eine Koalition aus bürgerlichen und linksgerichteten Kräften zu bilden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">117</sup> Das Kabinett Bagrjanov versuchte drei Wochen später, Kontakt zu den Westalliierten bezüglich möglicher Friedensbedingungen herzustellen. Diese forderten aber den sofortigen Bruch mit dem Deutschen Reich, die Internierung aller Deutschen in Bulgarien und den Rückzug aus allen besetzten Gebieten. Eine Zusage für militärischen Schutz gegen einen zu erwartenden sowjetischen Einmarsch wollten die Westalliierten nicht geben.<sup class="modern-footnotes-footnote ">118</sup> Die bulgarische Regierung konnte sich daraufhin zu keiner wirklichen Entscheidung durchringen. Weitere geheime Verhandlungsversuche brachten keine Ergebnisse. Als schließlich sowjetische Truppen nach Rumänien vorstießen und es in Bukarest am 23.&nbsp;August 1944 zu einem Staatsstreich kam, konnte sich auch das Kabinett Bagrjanov nicht mehr halten. Dem am 2.&nbsp;September nachfolgenden Kabinett unter Konstantin Muraviev war nur eine kurze Lebensdauer beschieden. Am 5.&nbsp;September erklärte die UdSSR Bulgarien den Krieg. Einen Tag später brach die Regierung Muraviev die Beziehungen zum Deutschen Reich ab. Am 8.&nbsp;September putschte ein Bündnis aus Offizieren, Kommunisten und anderen linksgerichteten Kräften, während gleichzeitig sowjetische Truppen in Bulgarien einmarschierten. Einen Tag später erklärten die Putschisten Deutschland den Krieg. Damit besiegelte der Versuch, als eigenwilliger Partner in einem pragmatischen Bündnis mit dem Deutschen Reich, bestmöglich vom Zweiten Weltkrieg zu profitieren, das Schicksal der Zarenherrschaft in Bulgarien. Als „Gendarm auf dem Balkan“ hatte sich die Königsdiktatur an der Ausbeutung und Unterdrückung des zerschlagenen Jugoslawiens und Griechenlands beteiligt. Über 11.000 Juden waren in den sicheren Tod geschickt worden.</p>



<p>Wie viele rechtsgerichtete Militärs und Politiker sich mit den deutschen Truppen absetzten und Zuflucht in Österreich oder dem Deutschen Reich suchten, ist bis heute nicht näher erforscht. Einer der führenden Politiker im Exil war Aleksandăr Cankov, der in Wien eine nationalbulgarische Exilregierung ausrief und sich bemühte, aus Auslandsbulgaren, insbesondere bulgarischen Auslandsstudenten, bulgarische Kampfeinheiten zur Unterstützung der deutschen Wehrmacht zu organisieren. Die Versuche kamen jedoch bis Kriegsende über erste Ansätze nicht hinaus. Cankov wurde schließlich von US-Truppen interniert und emigrierte wenig später nach Südamerika.<sup class="modern-footnotes-footnote ">119</sup></p>



<p>Bulgarien, das im Sommer 1944 ein wirtschaftlich darniederliegendes und gesellschaftlich tief zerrissenes Land war, schloss sich unter der Putschregierung den Alliierten an. Während der letzten Kriegsmonate beteiligten sich auf dem jugoslawischen und später auf dem ungarischen Kriegsschauplatz mehrere Hunderttausend bulgarische Soldaten an der Seite der sowjetischen Armeen im Kampf gegen die deutsche Wehrmacht. Bis Kriegsende wurden bei diesen Kämpfen fast 32.000 von ihnen getötet oder verwundet. Bei den Friedensverhandlungen zählte Bulgarien trotz des Seitenwechsels nicht zu den Siegermächten, konnte aufgrund dessen aber in den Pariser Friedenskonferenzen 1946 einen sehr milden Frieden abschließen.</p>



<p>Bis heute sind noch zahlreiche Fragen, unter anderem hinsichtlich der bulgarischen Zarendiktatur und deren Kollaboration mit den Achsenmächten sowie der Rolle wichtiger Akteure der gesellschaftlichen und politischen Eliten des Landes offen und harren tiefergehender Detailstudien.</p>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Dr. Björn Opfer-Klinger</strong> (geb. 1972) studierte in Göttingen und Wien Mittlere und Neuere Geschichte, Politikwissenschaft und Osteuropäische Geschichte. Er promovierte 2004 zur bulgarischen Besatzungsherrschaft in Vardar-Makedonien während des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Parallel arbeitete er bei verschiedenen Zeitungsund Buchverlagen in Sofia und Hildesheim sowie als Lehrbeauftragter an den Universitäten Göttingen und Dresden. Seit 2004 arbeitet er als Schulbuchredakteur im Bereich Geschichte gymnasiale Oberstufe / berufliche Bildung im Ernst Klett Verlag in Leipzig und ist freiberuflich als Dozent in der Erwachsenenbildung und als wissenschaftlicher Autor tätig.</p>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p><a href="#_ftnref1">[1]</a> Hans-Joachim Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter. Eine Fallstudie zur nationalsozialistischen Südosteuropapolitik. Stuttgart 1979.</p>



<p><a href="#_ftnref2">[2]</a> Oliver Stein: Die deutsch-bulgarischen Beziehungen seit 1878. In: Zeitschrift für Balkanologie 47 (2011) H.&nbsp;2, S.&nbsp;218–240, hier: S.&nbsp;222.</p>



<p><a href="#_ftnref3">[3]</a> Nikola Nedeff: Les opérations en Macédoine lʼépopée de Doïran 1915–1918 [Die Operationen in Makedonien, das Heldenepos von Doiran 1915–1918]. Sofia 1927, S.&nbsp;211–214; Stilijan Nojkov: Waffenhilfe des österreichisch-ungarischen Armeeoberkommandos für das bulgarische Heer nach dem Durchbruch der bulgarischen Verteidigungsfront in Makedonien. In: Miscellanea Bulgarica 12 (1998), S.&nbsp;55–58, hier: S.&nbsp;55.</p>



<p><a href="#_ftnref4">[4]</a> Zu Ivan Bagrjanov siehe: Tašo Tašev: Ministrite na Bălgarija 1879–1999 [Die Minister Bulgariens 1879–1999]. Sofija 1999, S.&nbsp;41f.; Michail Gruev: Pre orani slogove. Kolektivicazija i sozialna promjana v bălgarskija severozapad 40-Te–50-Te godini na XX vek [Kollektivierung und sozialer Wandel im bulgarischen Nordwesten in den 1940er- und 1950er-Jahren]. Sofija 2009, S.&nbsp;45.</p>



<p><a href="#_ftnref5">[5]</a> Paisij von Hilander (1722–1773) war ein bulgarisch-orthodoxer Mönch, Geschichtsschreiber und gilt als einer der ersten Verfechter der Bulgarischen Nationalen Wiedergeburt. Nach ihm benannte sich die 1927 gegründete nationalistische Organisation Allbulgarische Allianz Otez Paisij.</p>



<p><a href="#_ftnref6">[6]</a> Werner Haas: Europa will leben. Die nationale Erneuerungsbewegung in Wort und Bild. Berlin 1936, S.&nbsp;81–88; Nikolaj Poppetrov: Flucht aus der Demokratie. Autoritarismus und autoritäres Regime in Bulgarien 1919–1944. In: Erwin Oberländer (Hg.): Autoritäre Regime in Ostmittel- und Südosteuropa 1919–1944. Paderborn 2001, S.&nbsp;379–402.</p>



<p><a href="#_ftnref7">[7]</a> Die bulgarischen Beziehungen zum faschistischen Italien sind noch nicht Inhalt einer umfassenden Studie geworden. Zwar heiratete Zar Boris&nbsp;III. 1930 eine Tochter des italienischen Königs Viktor Emanuel&nbsp;III., doch blieb das Verhältnis zu Mussolini eher distanziert. Cristina Siccardi: Giovanna di Savoia. Dagli splendori della reggia alle amarezze dell&#8217;esilio [Johanna von Savoyen. Von der Pracht des Palastes zur Bitterkeit des Exils]. Milano 2001, S.&nbsp;177–180.</p>



<p><a href="#_ftnref8">[8]</a> Markus Wien: Markt und Modernisierung. Deutsch-bulgarische Wirtschaftsbeziehungen 1918–1944 in ihren konzeptionellen Grundlagen. München 2007, S.&nbsp;69.</p>



<p><a href="#_ftnref9">[9]</a> Andrey Piperow (Hg.): Deutsch-Bulgarische Handelskammer. Handbuch der bulgarischen Wirtschaft unter besonderer Berücksichtigung der deutsch-bulgarischen Handelsbeziehungen. Berlin 1942, S.&nbsp;243.</p>



<p><a href="#_ftnref10">[10]</a> Wien: Markt und Modernisierung, S.&nbsp;319–324.</p>



<p><a href="#_ftnref11">[11]</a> Krassimira Stoyanova: Bulgarian-German Relations. Tradition, Priorities and Perspectives. Sofia 1995, S.&nbsp;48–51; Antoaneta Rimpova: Geschichte und Kultur Bulgariens in der deutschen Literatur (1878–1944). In: Bulgarian Historical Review, 13 (1985), S.&nbsp;90–107, hier: S.&nbsp;100f.; Zvetana Todorova: Zur Frage der bulgarisch-deutschen kulturellen Beziehungen nach 1878. In: Bulgarian Historical Review, 11 (1983), S.&nbsp;85–88, hier: S.&nbsp;88.</p>



<p><a href="#_ftnref12">[12]</a> Politisches Archiv des Auswärtigen Amts (i.&nbsp;F.: PA AA), Pol IV. 632 R 103891, Rümelin an AA [Auswärtiges Amt] 31.5.1938.</p>



<p><a href="#_ftnref13">[13]</a> Das Zitat wurde von dem renommierten italienischen Kulturjournalisten Antonio Spinosa in seiner Biografie über den italienischen König Viktor Emanuel&nbsp;III. verwendet, ohne jedoch einen Quellennachweis anzufügen. Antonio Spinosa: Vittorio Emanuele&nbsp;III. Lʼastuzia di un re [Viktor Emanuel&nbsp;III. Die Raffiniertheit eines Königs]. Milano 1990, S.&nbsp;294.</p>



<p><a href="#_ftnref14">[14]</a> Ivan Ilčev et al.: University of Sofia St. Kliment Ohridski – The first 120 years. Translated by Maja Penčeva and Tsvetana Boteva-Wallace. Sofija 2008, S.&nbsp;106–112.</p>



<p><a href="#_ftnref15">[15]</a> Christo Nikolov Lukov (1888–1943) war Mitbegründer der 1933 ins Leben gerufenen extremistischen Union der Bulgarischen Nationalen Legionäre. Er vertrat einen radikalen Antisemitismus, Nationalismus und Antikommunismus und trat für eine enge außenpolitische Anlehnung an die faschistischen Achsenmächte ein. Als Kriegsminister war er an Planungen für potenzielle militärische Konflikte mit einem der Nachbarstaaten beteiligt. Während des Krieges sprach er sich für eine direkte Teilnahme bulgarischer Truppen an der Seite der Wehrmacht im Krieg gegen die UdSSR aus. Zeitweise tauchten 1942 in Sofia Gerüchte auf, er würde von deutscher Seite als „starker Mann“ gewertet, der notfalls neuer Regierungschef werden könnte, sollte Zar Boris&nbsp;III. eine zu antideutsche Politik betreiben. Rossitza Ivkova: Rettung und Mord in genozidalen Entscheidungsprozessen: Bulgarien 1941–1943. Bielefeld, Univ. Bielefeld, Diss., 2004, S.&nbsp;66f. Am 13.&nbsp;Februar 1943 fiel er einem Attentat zum Opfer. Nach der Jahrtausendwende wurde er von der rechtsextremen Szene Bulgariens „wiederentdeckt“. Seit 2003 veranstaltet die nationalistische Rechte des Landes den alljährlichen „Lukov-Marsch“ durch die Innenstadt von Sofia. Frank Stier: Der Lukov-Marsch und die bulgarischen Nationalisten. In: Telepolis 23.2.2017, &lt;https://www.heise.de/tp/features/Der-Lukov-Marsch-und-die-bulgarischen-Nationalisten-3633300.html&gt;, 8.11.2021.</p>



<p><a href="#_ftnref16">[16]</a> Michele Rallo: LʼEpoca delle Rivoluzioni Nazionali [Die Epoche der nationalen Revolutionen]. Vol. V: Bulgaria e Macedonia (1919–1945). Roma 2004, S.&nbsp;95.</p>



<p><a href="#_ftnref17">[17]</a> PA AA, R 103.284, Bericht des deutschen Gesandten in Sofia vom 9.12.1938; siehe auch: David Benwenisti: Die Rettung der bulgarischen Juden 1941–1944. Sofia 1988, S.&nbsp;5.</p>



<p><a href="#_ftnref18">[18]</a> Esther Benbassa, AronRodrigue: Die Geschichte der sephardischen Juden. Bochum 2005, S.&nbsp;232.</p>



<p><a href="#_ftnref19">[19]</a> Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S.&nbsp;41; Stephane Groueff: Crown of Thorns. The Reign of King Boris&nbsp;III. of Bulgaria 1918–1943. London 1987, S.&nbsp;255–259; Petko Mangačev: Zagadkite v upravlenieto na Zar Boris III v perioda 1. III. 1941 g.–28. VIII. 1943 g. [<a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/Die" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die</a> <a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/Geheimnisse" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geheimnisse</a> <a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/in" target="_blank" rel="noreferrer noopener">in</a> <a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/der" target="_blank" rel="noreferrer noopener">der</a> <a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/Herrschaft" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Herrschaft</a> <a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/von" target="_blank" rel="noreferrer noopener">von</a> <a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/Zar" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zar</a> <a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/Boris" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Boris</a>&nbsp;<a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/III" target="_blank" rel="noreferrer noopener">III</a>. <a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/in" target="_blank" rel="noreferrer noopener">in</a> <a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/der" target="_blank" rel="noreferrer noopener">der</a> <a href="https://de.pons.com/übersetzung/deutsch-bulgarisch/Zeit" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zeit</a> 1.3.1941–28.8.1943]. Sofija 2015, S.&nbsp;72–74.</p>



<p><a href="#_ftnref20">[20]</a> Archiv der Republik Wien (AdR) NPA 525 Liasse Bulgarien 4/I–5/I, Österr. Botschaft Sofia, Zl. 27/pol. 8.4.1935 und 22.2.1936. Siehe auch: Kirill P. Doreff: Bulgarien im südöstlichen Paktsystem. Limburg/Lahn 1941, S.&nbsp;87f.; Klaus Sohl: Die Kriegsvorbereitungen des deutschen Imperialismus in Bulgarien am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. In: Jahrbuch für Geschichte der UdSSR und der volksdemokratischen Länder Europas, Band 3. Berlin [Ost] 1959, S.&nbsp;91–119, hier: S.&nbsp;112.</p>



<p><a href="#_ftnref21">[21]</a> Wien: Markt und Modernisierung, S.&nbsp;171–260.</p>



<p><a href="#_ftnref22">[22]</a> Zeitschrift für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Vol. 8 (1938), S.&nbsp;788f., &lt;https://www.zaoerv.de/08_1938/vol8.cfm&gt;, 8.11.2021. Der deutsche Gesandte in Sofia, Eugen Rümelin, berichtete in diesem Zusammenhang von einer Ablehnung des Abkommen durch viele führende bulgarische Militärs. Nach deren Meinung konnte die bislang geheime Aufrüstung auch ohne das Abkommen fortgeführt werden, ohne den Schutz der demilitarisierten Zone an der Grenze zur Türkei und Griechenland aufzugeben. PA AA, Pol IV. 632 R 103891, Rümelin an AA 17.8.1938.</p>



<p><a href="#_ftnref23">[23]</a> Plamen S. Zvetkov: Kolektivna sirgurnost ili neutralitet. Srednite i malkite dăržavi v evropejskata politika oktomvri 1935–mart 1938 [Kollektive Sicherheit oder Neutralität. Mittlere und kleine Staaten in der europäischen Politik Oktober 1935–März 1938.] Sofija: Cheron Press 1999, S.&nbsp;117; Alberto Basciani: Un archeologo al servizio della monarchia bulgara. La parabola politica di Bogdan Filov (1940–1944) [Ein Archäologe im Dienste der bulgarischen Monarchie. Die politische Parabel des Bogdan Filov (1940–1944)]<em>.</em> In: Francesco Guida (Hg.): Intellettuali versus democrazia. I regimi authoritari nellʼEuropa sud-orientale (1933–1953) [Intellektuelle gegen Demokratie. Autoritäre Regime in Südosteuropa (1933–1953)]. Roma 2010, S.&nbsp;111–157.</p>



<p><a href="#_ftnref24">[24]</a> Claudia Weber: Der Pakt. Stalin, Hitler und die Geschichte einer mörderischen Allianz 1939–1941. München 2019, S.&nbsp;70.</p>



<p><a href="#_ftnref25">[25]</a> In der Wahl erlangten die Anhänger der Zarendiktatur 142 von 160 Sitzen. Stärkste Oppositionskraft blieben die zehn kommunistischen Abgeordneten. Dimităr Ch. Popov: Žestoki Vremena. Bălgarija 1914–2014. Tom 2: Ot Vremenna stabilnost kăm novi prevratnosti (1934–1944) [Grausame Zeiten. Bulgarien 1914–2014. Band 2: Von der zeitlichen Stabilität zu neuen Wendungen (1934–1944). Sofija 2016, S.&nbsp;155; Dieter Nohlen, Philip Stöver (Hgg.): Elections in Europe: A data handbook. Baden-Baden 2010, S.&nbsp;368f. Zum Gesandtenaustausch siehe: Dimităr Sirkov: Vănšnata politika na bălgarija 1938–1941 [Die Außenpolitik von Bulgarien 1938–1941]. Sofija 1979, S.&nbsp;206f.</p>



<p><a href="#_ftnref26">[26]</a> Erhard Forndran: Innen- und Außenpolitik unter nationalsozialistischer Bedrohung: Determinanten internationaler Beziehungen in historischen Fallstudien. Opladen 1977, S.&nbsp;171f.</p>



<p><a href="#_ftnref27">[27]</a> David S. Wyman, Charles H. Rosenzveig: The World Reacts to the Holocaust. London 1996, S.&nbsp;264; Ivkova: Rettung und Mord, S.&nbsp;37.</p>



<p><a href="#_ftnref28">[28]</a> Mariana Hausleitner u.&nbsp;a. (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945 (Quellensammlung), Band 13: Slowakei, Rumänien und Bulgarien. Berlin 2018, S.&nbsp;622.</p>



<p><a href="#_ftnref29">[29]</a> Dabei ist zu beachten, dass die Ratnici zu den energischsten Kritikern der Regierung aus dem rechten politischen Spektrum zählten. Es kann vermutet werden, dass dadurch versucht wurde, die Ratnici auf diese Weise in die Königsdiktatur des Zaren einzubinden, um sie zu neutralisieren. Andererseits entstand auf diese Weise eine Bastion antisemitischer Extremisten innerhalb der Staatsbürokratie. Frederick Chary: The Bulgarian Jews and the Final Solution 1940–1944. Pittsburgh 1972, S.&nbsp;56.</p>



<p><a href="#_ftnref30">[30]</a> Ana Karlsreiter: König Boris&nbsp;III. von Bulgarien und die bulgarische Außenpolitik 1938–1943. München, Univ. München, Diss., 2001, S.&nbsp;317; Iva Arakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben? Hilfe für verfolgte Juden in Bulgarien 1940–1944. Berlin 2016, S.&nbsp;22f. Zur Politik der Türkei hinsichtlich jüdischer Flüchtlinge aus Bulgarien siehe auch: Corry Guttstadt: Die Türkei, die Juden und der Holocaust. Berlin 2008, S.&nbsp;257–260.</p>



<p><a href="#_ftnref31">[31]</a> Stefan Troebst: Antisemitismus im „Land ohne Antisemitismus“: Staat, Titularnation und jüdische Minderheit in Bulgarien 1878–1993. In: Mariana Hausleitner, Monika Katz (Hgg.): Juden und Antisemitismus im östlichen Europa. Berlin 1995, S.&nbsp;109–125, hier: S.&nbsp;117.</p>



<p><a href="#_ftnref32">[32]</a> 1939 lebten etwa 366.000 Bulgaren in Rumänien; vgl. Hans-Joachim Hoppe: Die Balkanstaaten Rumänien, Jugoslawien, Bulgarien – Nationale Gegensätze und NS-Großraumpolitik. In: Erhard Forndran, Frank Golczewski, Dieter Riesenberger (Hgg.): Innen- und Außenpolitik unter nationalsozialistischer Bedrohung. Opladen 1977, S.&nbsp;161–175, hier: S.&nbsp;163; PA AA, Pol IV. 632 R 103891, Bericht der deutschen Außenstelle für den Außenhandel vom 17.11.1938. Siehe auch: Andrea Schmidt-Rösler: Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg: Die Grenzziehung in der Dobrudscha und im Banat und die Folgeprobleme. Frankfurt/M. 1994, S.&nbsp;112–160.</p>



<p><a href="#_ftnref33">[33]</a> PA AA, Pol IV. 632 R 103891, Bericht v. Weizsäcker, Berlin 18.1.1939 und Telegramm dt. Botschaft in Warschau vom 20.6.1939.</p>



<p><a href="#_ftnref34">[34]</a> Bundesarchiv Militärarchiv (i.&nbsp;F.: BA MA) RW 5/v. 353 Bericht der deutschen Gesandtschaft in Sofia vom 10.2.1940 und Bericht des deutschen Botschafters in Ankara vom 20.2.1940.</p>



<p><a href="#_ftnref35">[35]</a> Weber: Der Pakt, S.&nbsp;178f.</p>



<p><a href="#_ftnref36">[36]</a> Akten zur deutschen auswärtigen Politik (i.&nbsp;F.: ADAP), Serie D, Bd. 10, S.&nbsp;45, Bericht der deutschen Gesandtschaft in Sofia vom 29.6.1940.</p>



<p><a href="#_ftnref37">[37]</a> ADAP, Serie D, Bd. 10, S.&nbsp;32, Bericht des Leiters der politischen Abteilung im Auswärtigen Amt, Ernst Woermann, vom 27.6.1940.</p>



<p><a href="#_ftnref38">[38]</a> Schmidt-Rösler: Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg, S.&nbsp;164–168.</p>



<p><a href="#_ftnref39">[39]</a> Andrew Zapantis: Greek-Soviet Relations, 1917–1941. New York 1982, S.&nbsp;390f.</p>



<p><a href="#_ftnref40">[40]</a> Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S.&nbsp;44.</p>



<p><a href="#_ftnref41">[41]</a> MacGregor Knox: Mussolini Unleashed 1939–1941. Politics and Strategy in Fascist Italyʼs Last War. Cambridge 1986, S.&nbsp;218f.</p>



<p><a href="#_ftnref42">[42]</a> Heinz Höhne: Der Weg im Dunkeln. Die deutsche und russische Spionage. München 1985, S.&nbsp;335.</p>



<p><a href="#_ftnref43">[43]</a> Marin Pundeff: Two Documents on soviet-bulgarian relations in November 1940. In: Journal of Central European Affairs, Vol. XV (Januar 1956), S.&nbsp;367–378, hier: S.&nbsp;374.</p>



<p><a href="#_ftnref44">[44]</a> Andreas Hillgruber (Hg.): Staatsmänner und Diplomaten bei Hitler. Vertrauliche Aufzeichnungen über Unterredungen mit Vertretern des Auslandes. Band I. Frankfurt/M. 1967, S.&nbsp;363f.</p>



<p><a href="#_ftnref45">[45]</a> Voin Bojinov: Lʼentrîment de la Bulgarie dans la Seconde Guerre Mondiale et ses conséquences [Der Eintritt Bulgariens in den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen]. In: Études Historiques, Tom II, Sofia 1965, S.&nbsp;493–512, hier: S.&nbsp;500; Elisabeth Barker: British Policy in South-East Europe in the Second World War. London 1976, S.&nbsp;59; vgl. ferner Christian Hartmann: Halder. Generalstabschef Hitlers 1938–1942. Paderborn 1991, S.&nbsp;255.</p>



<p><a href="#_ftnref46">[46]</a> PA AA, R 29873, Telegramm des dt. Gesandten in Sofia Herbert Freiherr von Richthofen vom 30.11.1940 an das AA.</p>



<p><a href="#_ftnref47">[47]</a> PA AA, R 29873, Telegramm Richtofen vom 7.12.1940 an das AA bzw. Documents on German Foreign Policy (DGFP), Vol. XI, Dokumente Nr. 468 und 536.</p>



<p><a href="#_ftnref48">[48]</a> Weber: Der Pakt, S.&nbsp;196f.</p>



<p><a href="#_ftnref49">[49]</a> Nikolaj Poppetrov: Socialno naljavo, nacionalizmăt – napred: programni i organizacionni dokumenti na bălgarski avtoritaristki nacionalističeski formacii [Soziale Linke – Vorwärts: Programm- und Organisationsdokumente der bulgarischen autoritären nationalistischen Formationen]. Sofia 2009, S.&nbsp;805–848.</p>



<p><a href="#_ftnref50">[50]</a> ADAP, Serie D, Bd. 11, S.&nbsp;406 und S.&nbsp;496; Hillgruber (Hg.): Staatsmänner, Bd. I, Gespräch Draganov–Hitler vom 23.11.1940, S. 367; Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, Bd. 1. Frankfurt/M. 1965, S.&nbsp;995.</p>



<p><a href="#_ftnref51">[51]</a> Hillgruber (Hg.): Staatsmänner, Bd. I, S.&nbsp;362 und 415; PA AA, R 29.873, Telegramm Richthofen vom 26.2.1941 an das AA.</p>



<p><a href="#_ftnref52">[52]</a> Martin L. van Creveld: Hitlerʼs Strategy 1940–1941. Cambridge 1973, S.&nbsp;118.</p>



<p><a href="#_ftnref53">[53]</a> Sabrina P. Ramet, Sladjana Lazić: „The Collaborationist Regime of Milan Nedić“. In: Sabrina P. Ramet, Ola Listhaug (Hgg.): Serbia and the Serbs in World War Two. London 2011, S.&nbsp;17–43, hier: S.&nbsp;18.</p>



<p><a href="#_ftnref54">[54]</a> Stefan Troebst: Ivan Michajlov im türkischen und polnischen Exil (1934–1939/40). Fragmente zur politischen Biographie des Chefs der „Inneren Makedonischen Revolutionären Organisation“. In: Stefan Troebst: Das makedonische Jahrhundert. Von den Anfängen der nationalrevolutionären Bewegung zum Abkommen von Ohrid 1893–2001. Ausgewählte Aufsätze. München 2007, S.&nbsp;175–224, hier: S.&nbsp;182f.</p>



<p><a href="#_ftnref55">[55]</a> Nikolaj Genčev: Vănšnata politika na bălgarija 1938–1941 [Außenpolitik von Bulgarien 1938–1941]. Sofija 1998, S.&nbsp;149–152; Petăr Petrov (Red.): Makedonija. Istorija i političeska sădba. [Makedonien. Geschichte und politisches Schicksal.] Tom III. Sofija, Stara Zagora 1998, S.&nbsp;7.</p>



<p><a href="#_ftnref56">[56]</a> Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S.&nbsp;97–100.</p>



<p><a href="#_ftnref57">[57]</a> Dimităr Sirkov: Vanšnata politika na bălgarija, S.&nbsp;252; Marshall Lee Miller: Bulgaria during the Second World War. Stanford 1975, S.&nbsp;37.</p>



<p><a href="#_ftnref58">[58]</a> Miller: Bulgaria during the Second World War, S.&nbsp;45.</p>



<p><a href="#_ftnref59">[59]</a> ADAP, Serie D, Band 12/1, Dok. Nr. 216, S.&nbsp;306f.</p>



<p><a href="#_ftnref60">[60]</a> Karlsreiter: König Boris III. von Bulgarien, S.&nbsp;251; siehe auch Bogdan Filov: Dnevnik [Tagebuch] (Red. Ilčo Dimitrov). Sofija 1990, S.&nbsp;297, S.&nbsp;300.</p>



<p><a href="#_ftnref61">[61]</a> BA MA, Wi Ic 5,35 Stimmungsbericht vom 21.1.1941.</p>



<p><a href="#_ftnref62">[62]</a> Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S.&nbsp;121f.</p>



<p><a href="#_ftnref63">[63]</a> Vaïos Kalogrias: Makedonien 1941–1944. Okkupation, Widerstand, Kollaboration. Ruhpolding 2008, S.&nbsp;95f.</p>



<p><a href="#_ftnref64">[64]</a> Vanče Stojčev: Bugarskiot okupaciski sistem vo Makedonija 1941–1944 [Bulgarisches Besatzungssystem in Makedonien 1941–1944]. Skopje 1996, S.&nbsp;183; Rastislav Terzioski: Denacionalizatorskata dejnost na bugarskite kulturno-prosvetni institucii vo makedonija (skopska i bitolska okupaciona oblast) 1941–1944 [Denationalisierungsaktivitäten bulgarischer Kultur- und Bildungseinrichtungen in Makedonien (Skopioter und Bitolaer Besatzungsgebiet) 1941–1944]. Skopje 1974, S.&nbsp;56–60; siehe auch: Ivan Chadžijski: Vtoroto bălgarsko upravlenie văv Vardarska Makedonija (april 1941–septemvri 1944) [Die zweite bulgarische Verwaltung in Vardar Makedonien (April 1941–September 1944)]. Dupniza 2016.</p>



<p><a href="#_ftnref65">[65]</a> Ģorģi Malkovski: Profaštičkite i kolaboracionističkite organizacii i grupi vo makedonija 1941–1944 [Profaschistische und kolaboratistische Organisationen und Gruppen in Makedonien 1941–1944]. Skopje: Institut za Nacionalna Istorija 1995, S.&nbsp;58f., S.&nbsp;63ff; Stojčev: Burgaskiot okupaciski sistem, S.&nbsp;91–94.</p>



<p><a href="#_ftnref66">[66]</a> Poppetrov: Flucht aus der Demokratie, S.&nbsp;399.</p>



<p><a href="#_ftnref67">[67]</a> Elisabeth Barker: Macedonia its place in Balkan power politics. London 1950, S.&nbsp;79.</p>



<p><a href="#_ftnref68">[68]</a> BA MA, RH 31/II/ 1 Deutscher Ausbildungsstab bei d. kgl. bulg. Heeresleitung. 15.5.1941–1.2.1944, Bericht des dt. Ausbildungsstabes in Sofia an das OKH in Berlin vom 3.8.1942.</p>



<p><a href="#_ftnref69">[69]</a> Rainer Eckert: Vom „Fall Marita“ zur „wirtschaftlichen Sonderaktion“. Die deutsche Besatzungspolitik in Griechenland vom 6.&nbsp;April 1941 bis zur Kriegswende im Februar/März 1943. Frankfurt/M. 1992, S.&nbsp;72.</p>



<p><a href="#_ftnref70">[70]</a> Kalogrias: Makedonien 1941–1944, S.&nbsp;96.</p>



<p><a href="#_ftnref71">[71]</a> Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S.&nbsp;126.</p>



<p><a href="#_ftnref72">[72]</a> Kalogrias: Makedonien 1941–1944, S.&nbsp;111f.</p>



<p><a href="#_ftnref73">[73]</a> Kalogrias: Makedonien 1941–1944, S.&nbsp;117–127. Siehe zur Ochrana auch Dobrin Mičev: Bălgarskoto nacionalna delo v jugozapadna Makedonija (1941–1944 g.) [Bulgarisches nationales Wirken in Südwestmakedonien (1941–1944)], &lt;http://www.promacedonia.org/mpr/ohrana.html&gt;, 8.11.2021.</p>



<p><a href="#_ftnref74">[74]</a> Boro Mitrovski, Venceslav Glišić, Tomo Ristovski: Das Bulgarische Heer in Jugoslawien 1941–1945. Beograd 1971, S.&nbsp;52–63.</p>



<p><a href="#_ftnref75">[75]</a> Oleg Beyda: ,Wehrmacht Eastern Toursʻ: Bulgarian Officers on the German-Soviet Front, 1941–1942. In: The Journal of Slavic Military Studies, 33 (2020) H.&nbsp;1, S.&nbsp;136–161.</p>



<p><a href="#_ftnref76">[76]</a> Georgi Markov: Zar Boris III: Po-dobre čeren chljab, otkolkoto černi zabradki [Zar Boris&nbsp;III.: Besser Schwarzbrot als schwarze Kopftücher]. In: bg-Voice.-com, 6.2.2014, ˂https://bg-voice.com/po-dobre_cheren_hlyab_otkolkoto_cherni_zabradki/˃, 8.11.2021.</p>



<p><a href="#_ftnref77">[77]</a> BA MA, Wi IC 5,23, Bericht des deutschen Wirtschaftsoffiziers in Sofia vom 31.12.1941.</p>



<p><a href="#_ftnref78">[78]</a> Marin Kalonkin: Bălgarija văv vtorata svetovhna vojna 1939–1945 godina [Bulgarien im Zweiten Weltkrieg 1939–1945]. Sofija 2010, S.&nbsp;90–93.</p>



<p><a href="#_ftnref79">[79]</a> Wolfgang Bretholz: Ich sah sie stürzen. Wien 1955, S.&nbsp;46.</p>



<p><a href="#_ftnref80">[80]</a> BA MA, RW 29/77, Lagebericht des deutschen Konsulats in Sofia vom 30.9.1941.</p>



<p><a href="#_ftnref81">[81]</a> Otto Schulmeister: Werdende Großraumwirtschaft. Die Phasen ihrer Entwicklung in Südosteuropa. Berlin 1943, S.&nbsp;171f.</p>



<p><a href="#_ftnref82">[82]</a> Bereits seit Sommer 1940 förderte das Deutsche Reich die Aufrüstung der bulgarischen Streitkräfte. Dazu zählten spezielle Ausbildungskurse in Deutschland, die Entsendung von Militärberatern nach Bulgarien und der Auf- bzw. Ausbau der bulgarischen Panzertruppen und der Luftwaffe. Popov: Žestoki Vremena, S.&nbsp;155; Björn Opfer: Die bulgarische Wiederaufrüstung 1923–1944. In: Zeitschrift für Heereskunde Nr. 407, Januar/März 2003, S.&nbsp;10–16.</p>



<p><a href="#_ftnref83">[83]</a> Wien: Markt und Modernisierung, S.&nbsp;305–308.</p>



<p><a href="#_ftnref84">[84]</a> Götz Aly: Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus. Frankfurt/M. 2005, S.&nbsp;258f.</p>



<p><a href="#_ftnref85">[85]</a> BA MA, RW 29/86 Lageberichte W. O. [Wehrwirtschaftsoffizier] Sofia 4.6.41–28.2.1942, W. O. Sofia Lagebericht 31.8.1941, RW 29/87 WO Lageberichte 1.11.41–31.12.42, Lagebericht W.&nbsp;O. Sofia 28.2.1942, RW 29/77, Bericht des deutschen Wirtschaftsoffiziers vom 31.10.1942 und RW 29/80 Kriegstagebuch W.&nbsp;O. Sofia 1.4. –30.6.1943, Lagebericht Nr. 21 W.&nbsp;O. Sofia 30.4.1943.</p>



<p><a href="#_ftnref86">[86]</a> BA MA, RW 29/78 Kriegstagebuch Wehrwirtschaftsoffizier (W. O.) Sofia 1.10.–31.12.42, Tagebucheintrag vom 12.11.1942.</p>



<p><a href="#_ftnref87">[87]</a> BA MA, RW 29/78 Kriegstagebuch Wehrwirtschaftsoffizier (W. O.) Sofia 1.10.–31.12.42, Tagebucheintrag vom 30.11.1942.</p>



<p><a href="#_ftnref88">[88]</a> Stojčev: Burgaskiot okupaciski sistem, S.&nbsp;199, S.&nbsp;205f.</p>



<p><a href="#_ftnref89">[89]</a> Rumen Nikolov: Njakoi aspekti na bălgarsko-germanskite voennoikonomičeski otnošenija prez perioda maj–dekemvri 1942 godina [Einige Aspekte der bulgarisch-deutschen militärisch-wirtschaftlichen Beziehungen im Zeitraum Mai–Dezember 1942]. In: Voennoistoričeski Sbornik [Militärhistorischer Sammelband] 1986, H.&nbsp;4, S.&nbsp;159–171, hier: S.&nbsp;166.</p>



<p><a href="#_ftnref90">[90]</a> Péter Gosztony: Der Krieg zwischen Bulgarien und Deutschland 1944/45. In: Wehrwissenschaftliche Rundschau 1967, H.&nbsp;4, S.&nbsp;22–38, hier: S.&nbsp;25.</p>



<p><a href="#_ftnref91">[91]</a> Eberhard Wolfgramm: Bemerkungen zur bulgarischen Partisanenbewegung. In: Jahrbuch für Geschichte der UdSSR und der volksdemokratischen Länder Europas, Band 8. Berlin [Ost] 1964, S.&nbsp;505–524, hier: S.&nbsp;516.</p>



<p><a href="#_ftnref92">[92]</a> Oliver Jens Schmitt: Der Balkan im 20.&nbsp;Jahrhundert. Eine postimperiale Geschichte. Stuttgart 2019, S.&nbsp;155.</p>



<p><a href="#_ftnref93">[93]</a> BA MA, RW 29/81 Kriegstagebuch W.&nbsp;O. Sofia 1.7.–30.9.1943, Aktennotiz Wehrwirtschaftsoffizier (W.&nbsp;O.) Sofia 15.7.1943.</p>



<p><a href="#_ftnref94">[94]</a> Benbassa, Rodrigue: Die Geschichte der sephardischen Juden, S.&nbsp;157; Jan Rychlík: Zweierlei Politik gegenüber der Minderheit: Verfolgung und Rettung bulgarischer Juden 1940–1944. In: Wolfgang Benz, Juliane Wetzel (Hgg.): Solidarität und Hilfe für Juden während der NS-Zeit, Regionalstudien 4. Berlin 2004, S.&nbsp;61–98, hier: S.&nbsp;63.</p>



<p><a href="#_ftnref95">[95]</a> Ana Luleva: Die Zwangsarbeit in Bulgarien 1941–1944. In: Alexander von Plato, Almuth Leh, Christoph Thonfeld (Hgg.): Hitlers Sklaven. Lebensgeschichtliche Analysen zur Zwangsarbeit im internationalen Vergleich. Wien 2008, S.&nbsp;171–183, hier: S.&nbsp;172f. Siehe auch: Nedo Nedev: Zar Boris&nbsp;III. Dvorezăt i tajnijat kabinet [Zar Boris&nbsp;III. Königshof und Geheimkabinett]. Plovdiv 2009, S.&nbsp;372–380.</p>



<p><a href="#_ftnref96">[96]</a> BA MA, RW 29/77 Anlagen zum Kriegstagebuch für die Zeit vom 8.5.41 bis 30.9.42, Wehrwirtschaftsoffizier (W. O.) Sofia, Lagebericht Nr. 6 W.&nbsp;O. Sofia 31.1.1942.</p>



<p><a href="#_ftnref97">[97]</a> Aly: Hitlers Volksstaat, S.&nbsp;261.</p>



<p><a href="#_ftnref98">[98]</a> Hans-Joachim Hoppe: Bulgarien. In: Wolfgang Benz (Hg.): Dimensionen des Völkermords. Die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. München 1991, S.&nbsp;282.</p>



<p><a href="#_ftnref99">[99]</a> Paul Mojzes: Balkan Genocides: Holocaust and Ethnic Cleansing in the Twentieth Century. Plymouth 2011, S.&nbsp;102.</p>



<p><a href="#_ftnref100">[100]</a> Chary: The Bulgarian Jews and the Final Solution 1940–1944, S.&nbsp;54f.</p>



<p><a href="#_ftnref101">[101]</a> Aleksandar Matkowski: Destruction of Macedonian Jewry. Skopje 1982, S.&nbsp;219.</p>



<p><a href="#_ftnref102">[102]</a> Miller: Bulgaria during the Second World War, S.&nbsp;104.</p>



<p><a href="#_ftnref103">[103]</a> Siccardi: Giovanna di Savoia, S.&nbsp;185ff.</p>



<p><a href="#_ftnref104">[104]</a> Arakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben?, S.&nbsp;34.</p>



<p><a href="#_ftnref105">[105]</a> Ivkova: Rettung und Mord, S. 68.</p>



<p><a href="#_ftnref106">[106]</a> Claudia Steur: Theodor Dannecker. Ein Funktionär der „Endlösung“. Essen 1996, S.&nbsp;97f.</p>



<p><a href="#_ftnref107">[107]</a> Kristina Birri-Tomovska: Jews of Yugoslavia 1918–1941. A History of Macedonian Sephards. Wien 2012, S.&nbsp;282f.</p>



<p><a href="#_ftnref108">[108]</a> Aleksandar Matkovski: The Destruction of Macedonian Jewry in 1943. In: Yad Vashem Studies III. Jerusalem 1959, S.&nbsp;203–258, hier: S.&nbsp;214f.</p>



<p><a href="#_ftnref109">[109]</a> Martin Gilbert: The Routledge Atlas of the Holocaust. Routledge, London, New York ³2002, S.&nbsp;150f.</p>



<p><a href="#_ftnref110">[110]</a> Zu den Vorgängen der Deportation siehe Ivan Stoilov Hadžijski: Sădbata na evrejskoto naselenie v Belomorska Trakija, Vardarska Makedonia i Jugozapadna Bălgarija prez 1941–1944 [Das Schicksal der jüdischen Bevölkerung in Thrakien am Weißen Meer, in Vardarmakedonien und im Südwesten Bulgariens in den Jahren 1941–1944]. Dupnica 2004; sowie die doppelbändige Quellensammlung Deportiraneto na evreite ot Vardarska Makedonija, Belomorska Trakija i Pirot, mart 1943 g. Dokumenti ot bălgarskite archivi. Tom 1–2 [Die Deportation der Juden aus Vardarmakedonien, Weißmeerthrakien und Pirot, März 1943. Dokumente aus den bulgarischen Archiven], hgg. von Nadja Danova und Rumen Avramov. Sofija 2013; sowie die Auszüge von Zeitzeugenberichten auf der Homepage der jüdischen Gemeinde von Bitola, &lt;http://www.jewishcommunitybitola.mk/bitola/40-bitola/59-bitola.html?start=2&gt;, 8.11.2021.</p>



<p><a href="#_ftnref111">[111]</a> Der in Österreich eingetragene Verein „Zentrum zur Erforschung und Dokumentation jüdischen Lebens in Ost- und Mitteleuropa“ veröffentlichte auf Basis von Zeitzeugen und Zeitzeugnissen auf seiner Plattform Centropa einen Dokumentarfilm über die Deportation der makedonischen Juden 1943 („Bulgarien und der Holocaust“), &lt;<a href="http://www.centropa.org/de/centropa-cinema/history-bulgarian-jewry-during-holocaust" target="_blank" rel="noreferrer noopener">http://www.centropa.org/de/centropa-cinema/history-bulgarian-jewry-during-holocaust</a>&gt;, 8.11.2021.</p>



<p><a href="#_ftnref112">[112]</a> David Koen et al. (Hgg.): Borbata na bălgarskija narod za zaštita i spasjavane na evreite v Bălgaria po vreme na vtorata svetovna vojna 1941–1944. Dokumenti i Materiali [Der Kampf des bulgarischen Volkes um Verteidigung und Rettung der Juden in Bulgarien in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Dokumente und Materialien]. Sofija 1978, Dokument 120, S.&nbsp;203.</p>



<p><a href="#_ftnref113">[113]</a> Arakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben?, S.&nbsp;73f., S.&nbsp;144–159.</p>



<p><a href="#_ftnref114">[114]</a> Zur Deportation der jüdischen Bevölkerung von Thessaloniki siehe Georg Bossong: Die Sepharden. Geschichte und Kultur der spanischen Juden. München 2008, S.&nbsp;111; Erhard Roy Wiehn: Juden in Thessaloniki. Konstanz 2001, S.&nbsp;29.</p>



<p><a href="#_ftnref115">[115]</a> Arakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben?, S.&nbsp;130–143.</p>



<p><a href="#_ftnref116">[116]</a> Aly: Hitlers Volksstaat, S. 259.</p>



<p><a href="#_ftnref117">[117]</a> BA MA, RW 29/81 Kriegstagebuch W.&nbsp;O. Sofia 1.7.–30.9.1943, Überblick über die wehrwirtschaftliche Lage Bulgariens und die Tätigkeit des Deutschen Wehrwirtschaftsoffiziers Sofia im III.&nbsp;Quartal 1943 sowie Aktennotiz W.&nbsp;O. Sofia 30.9.1943.</p>



<p><a href="#_ftnref118">[118]</a> Daniel Vačkov: Pătjat na komunističeskata partija kăm vlastta (1939–1944) [Der Weg der Kommunistischen Partei zur Macht (1939–1944)]. In: Ivajlo Znepolski (Hg.): Istorija na Narodna Republika Bălgarija: Režimăt i obstestvoto. [Geschichte der Volksrepublik Bulgarien: Regime und der Gesellschaft]. Sofija 2009, S.&nbsp;91–130, hier: S.&nbsp;96f.</p>



<p><a href="#_ftnref119">[119]</a> Mitrovski: Das bulgarische Heer, S. 229f.</p>



<p><a href="#_ftnref120">[120]</a> Zur Rolle von Aleksandăr Cankov in den letzten Kriegsmonaten siehe Nedju Nedev: Aleksandăr Cankov: Legiona. Ratnik. Pravitelstvo văv Viena. Smărt v Aržentina [Aleksandar Cankov: Legionär. Kämpfer. Regierung in Wien. Tod in Argentinien]. Plovdiv 2015.</p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hans-Joachim Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter. Eine Fallstudie zur nationalsozialistischen Südosteuropapolitik. Stuttgart 1979.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Oliver Stein: Die deutsch-bulgarischen Beziehungen seit 1878. In: Zeitschrift für Balkanologie 47 (2011) H.&nbsp;2, S.&nbsp;218–240, hier: S.&nbsp;222.</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nikola Nedeff: Les opérations en Macédoine lʼépopée de Doïran 1915–1918 [Die Operationen in Makedonien, das Heldenepos von Doiran 1915–1918]. Sofia 1927, S.&nbsp;211–214; Stilijan Nojkov: Waffenhilfe des österreichisch-ungarischen Armeeoberkommandos für das bulgarische Heer nach dem Durchbruch der bulgarischen Verteidigungsfront in Makedonien. In: Miscellanea Bulgarica 12 (1998), S.&nbsp;55–58, hier: S.&nbsp;55.</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zu Ivan Bagrjanov siehe: Tašo Tašev: Ministrite na Bălgarija 1879–1999 [Die Minister Bulgariens 1879–1999]. Sofija 1999, S.&nbsp;41f.; Michail Gruev: Pre orani slogove. Kolektivicazija i sozialna promjana v bălgarskija severozapad 40-Te–50-Te godini na XX vek [Kollektivierung und sozialer Wandel im bulgarischen Nordwesten in den 1940er- und 1950er-Jahren]. Sofija 2009, S.&nbsp;45.</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Paisij von Hilander (1722–1773) war ein bulgarisch-orthodoxer Mönch, Geschichtsschreiber und gilt als einer der ersten Verfechter der Bulgarischen Nationalen Wiedergeburt. Nach ihm benannte sich die 1927 gegründete nationalistische Organisation Allbulgarische Allianz Otez Paisij</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Werner Haas: Europa will leben. Die nationale Erneuerungsbewegung in Wort und Bild. Berlin 1936, S.&nbsp;81–88; Nikolaj Poppetrov: Flucht aus der Demokratie. Autoritarismus und autoritäres Regime in Bulgarien 1919–1944. In: Erwin Oberländer (Hg.): Autoritäre Regime in Ostmittel- und Südosteuropa 1919–1944. Paderborn 2001, S.&nbsp;379–402.</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die bulgarischen Beziehungen zum faschistischen Italien sind noch nicht Inhalt einer umfassenden Studie geworden. Zwar heiratete Zar Boris&nbsp;III. 1930 eine Tochter des italienischen Königs Viktor Emanuel&nbsp;III., doch blieb das Verhältnis zu Mussolini eher distanziert. Cristina Siccardi: Giovanna di Savoia. Dagli splendori della reggia alle amarezze dell’esilio [Johanna von Savoyen. Von der Pracht des Palastes zur Bitterkeit des Exils]. Milano 2001, S.&nbsp;177–180.</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Markus Wien: Markt und Modernisierung. Deutsch-bulgarische Wirtschaftsbeziehungen 1918–1944 in ihren konzeptionellen Grundlagen. München 2007, S.&nbsp;69.</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Andrey Piperow (Hg.): Deutsch-Bulgarische Handelskammer. Handbuch der bulgarischen Wirtschaft unter besonderer Berücksichtigung der deutsch-bulgarischen Handelsbeziehungen. Berlin 1942, S.&nbsp;243.</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wien: Markt und Modernisierung, S.&nbsp;319–324.</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Krassimira Stoyanova: Bulgarian-German Relations. Tradition, Priorities and Perspectives. Sofia 1995, S.&nbsp;48–51; Antoaneta Rimpova: Geschichte und Kultur Bulgariens in der deutschen Literatur (1878–1944). In: Bulgarian Historical Review, 13 (1985), S.&nbsp;90–107, hier: S.&nbsp;100f.; Zvetana Todorova: Zur Frage der bulgarisch-deutschen kulturellen Beziehungen nach 1878. In: Bulgarian Historical Review, 11 (1983), S.&nbsp;85–88, hier: S.&nbsp;88.</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Politisches Archiv des Auswärtigen Amts (i.&nbsp;F.: PA AA), Pol IV. 632 R 103891, Rümelin an AA [Auswärtiges Amt] 31.5.1938.</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das Zitat wurde von dem renommierten italienischen Kulturjournalisten Antonio Spinosa in seiner Biografie über den italienischen König Viktor Emanuel&nbsp;III. verwendet, ohne jedoch einen Quellennachweis anzufügen. Antonio Spinosa: Vittorio Emanuele&nbsp;III. Lʼastuzia di un re [Viktor Emanuel&nbsp;III. Die Raffiniertheit eines Königs]. Milano 1990, S.&nbsp;294.</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ivan Ilčev et al.: University of Sofia St. Kliment Ohridski – The first 120 years. Translated by Maja Penčeva and Tsvetana Boteva-Wallace. Sofija 2008, S.&nbsp;106–112.</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Christo Nikolov Lukov (1888–1943) war Mitbegründer der 1933 ins Leben gerufenen extremistischen Union der Bulgarischen Nationalen Legionäre. Er vertrat einen radikalen Antisemitismus, Nationalismus und Antikommunismus und trat für eine enge außenpolitische Anlehnung an die faschistischen Achsenmächte ein. Als Kriegsminister war er an Planungen für potenzielle militärische Konflikte mit einem der Nachbarstaaten beteiligt. Während des Krieges sprach er sich für eine direkte Teilnahme bulgarischer Truppen an der Seite der Wehrmacht im Krieg gegen die UdSSR aus. Zeitweise tauchten 1942 in Sofia Gerüchte auf, er würde von deutscher Seite als „starker Mann“ gewertet, der notfalls neuer Regierungschef werden könnte, sollte Zar Boris&nbsp;III. eine zu antideutsche Politik betreiben. Rossitza Ivkova: Rettung und Mord in genozidalen Entscheidungsprozessen: Bulgarien 1941–1943. Bielefeld, Univ. Bielefeld, Diss., 2004, S.&nbsp;66f. Am 13.&nbsp;Februar 1943 fiel er einem Attentat zum Opfer. Nach der Jahrtausendwende wurde er von der rechtsextremen Szene Bulgariens „wiederentdeckt“. Seit 2003 veranstaltet die nationalistische Rechte des Landes den alljährlichen „Lukov-Marsch“ durch die Innenstadt von Sofia. Frank Stier: Der Lukov-Marsch und die bulgarischen Nationalisten. In: Telepolis 23.2.2017, &lt;https://www.heise.de/tp/features/Der-Lukov-Marsch-und-die-bulgarischen-Nationalisten-3633300.html&gt;, 8.11.2021.</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Michele Rallo: LʼEpoca delle Rivoluzioni Nazionali [Die Epoche der nationalen Revolutionen]. Vol. V: Bulgaria e Macedonia (1919–1945). Roma 2004, S.&nbsp;95.</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;PA AA, R 103.284, Bericht des deutschen Gesandten in Sofia vom 9.12.1938; siehe auch: DavidBenwenisti: Die Rettung der bulgarischen Juden 1941–1944. Sofia 1988, S.&nbsp;5.</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;2.</div><div>19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S.&nbsp;41; Stephane Groueff: Crown of Thorns. The Reign of King Boris&nbsp;III. of Bulgaria 1918–1943. London 1987, S.&nbsp;255–259; Petko Mangačev: Zagadkite v upravlenieto na Zar Boris III v perioda 1. III. 1941 g.–28. VIII. 1943 g. [<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/Die" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die</a>&nbsp;<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/Geheimnisse" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geheimnisse</a>&nbsp;<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/in" target="_blank" rel="noreferrer noopener">in</a>&nbsp;<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/der" target="_blank" rel="noreferrer noopener">der</a>&nbsp;<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/Herrschaft" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Herrschaft</a>&nbsp;<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/von" target="_blank" rel="noreferrer noopener">von</a>&nbsp;<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/Zar" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zar</a>&nbsp;<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/Boris" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Boris</a>&nbsp;<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/III" target="_blank" rel="noreferrer noopener">III</a>.&nbsp;<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/in" target="_blank" rel="noreferrer noopener">in</a>&nbsp;<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/der" target="_blank" rel="noreferrer noopener">der</a>&nbsp;<a href="https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/deutsch-bulgarisch/Zeit" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zeit</a>&nbsp;1.3.1941–28.8.1943]. Sofija 2015, S.&nbsp;72–74.</div><div>20&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Archiv der Republik Wien (AdR) NPA 525 Liasse Bulgarien 4/I–5/I, Österr. Botschaft Sofia, Zl. 27/pol. 8.4.1935 und 22.2.1936. Siehe auch: Kirill P. Doreff: Bulgarien im südöstlichen Paktsystem. Limburg/Lahn 1941, S.&nbsp;87f.; Klaus Sohl: Die Kriegsvorbereitungen des deutschen Imperialismus in Bulgarien am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. In: Jahrbuch für Geschichte der UdSSR und der volksdemokratischen Länder Europas, Band 3. Berlin [Ost] 1959, S.&nbsp;91–119, hier: S.&nbsp;112.</div><div>21&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wien: Markt und Modernisierung, S.&nbsp;171–260.</div><div>22&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;.Zeitschrift für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Vol. 8 (1938), S.&nbsp;788f., &lt;https://www.zaoerv.de/08_1938/vol8.cfm&gt;, 8.11.2021. Der deutsche Gesandte in Sofia, Eugen Rümelin, berichtete in diesem Zusammenhang von einer Ablehnung des Abkommen durch viele führende bulgarische Militärs. Nach deren Meinung konnte die bislang geheime Aufrüstung auch ohne das Abkommen fortgeführt werden, ohne den Schutz der demilitarisierten Zone an der Grenze zur Türkei und Griechenland aufzugeben. PA AA, Pol IV. 632 R 103891, Rümelin an AA 17.8.1938.</div><div>23&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Plamen S. Zvetkov: Kolektivna sirgurnost ili neutralitet. Srednite i malkite dăržavi v evropejskata politika oktomvri 1935–mart 1938 [Kollektive Sicherheit oder Neutralität. Mittlere und kleine Staaten in der europäischen Politik Oktober 1935–März 1938.] Sofija: Cheron Press 1999, S. 117; Alberto Basciani: Un archeologo al servizio della monarchia bulgara. La parabola politica di Bogdan Filov (1940–1944) [Ein Archäologe im Dienste der bulgarischen Monarchie. Die politische Parabel des Bogdan Filov (1940–1944)]. In: Francesco Guida (Hg.): Intellettuali versus democrazia. I regimi authoritari nellʼEuropa sud-orientale (1933–1953) [Intellektuelle gegen Demokratie. Autoritäre Regime in Südosteuropa (1933–1953)]. Roma 2010, S. 111–157.</div><div>24&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Claudia Weber: Der Pakt. Stalin, Hitler und die Geschichte einer mörderischen Allianz 1939–1941. München 2019, S.&nbsp;70.</div><div>25&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;In der Wahl erlangten die Anhänger der Zarendiktatur 142 von 160 Sitzen. Stärkste Oppositionskraft blieben die zehn kommunistischen Abgeordneten. Dimităr Ch. Popov: Žestoki Vremena. Bălgarija 1914–2014. Tom 2: Ot Vremenna stabilnost kăm novi prevratnosti (1934–1944) [Grausame Zeiten. Bulgarien 1914–2014. Band 2: Von der zeitlichen Stabilität zu neuen Wendungen (1934–1944). Sofija 2016, S. 155; Dieter Nohlen, Philip Stöver (Hgg.): Elections in Europe: A data handbook. Baden-Baden 2010, S. 368f. Zum Gesandtenaustausch siehe: Dimităr Sirkov: Vănšnata politika na bălgarija 1938–1941 [Die Außenpolitik von Bulgarien 1938–1941]. Sofija 1979, S. 206f.</div><div>26&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Erhard Forndran: Innen- und Außenpolitik unter nationalsozialistischer Bedrohung: Determinanten internationaler Beziehungen in historischen Fallstudien. Opladen 1977, S.&nbsp;171f.</div><div>27&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;David S. Wyman, Charles H. Rosenzveig: The World Reacts to the Holocaust. London 1996, S.&nbsp;264; Ivkova: Rettung und Mord, S.&nbsp;37.</div><div>28&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Mariana Hausleitner u.&nbsp;a. (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945 (Quellensammlung), Band 13: Slowakei, Rumänien und Bulgarien. Berlin 2018, S.&nbsp;622.</div><div>29&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dabei ist zu beachten, dass die Ratnici zu den energischsten Kritikern der Regierung aus dem rechten politischen Spektrum zählten. Es kann vermutet werden, dass dadurch versucht wurde, die Ratnici auf diese Weise in die Königsdiktatur des Zaren einzubinden, um sie zu neutralisieren. Andererseits entstand auf diese Weise eine Bastion antisemitischer Extremisten innerhalb der Staatsbürokratie. FrederickChary: The Bulgarian Jews and the Final Solution 1940–1944. Pittsburgh 1972, S.&nbsp;56.</div><div>30&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ana Karlsreiter: König Boris&nbsp;III. von Bulgarien und die bulgarische Außenpolitik 1938–1943. München, Univ. München, Diss., 2001, S.&nbsp;317; IvaArakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben? Hilfe für verfolgte Juden in Bulgarien 1940–1944. Berlin 2016, S.&nbsp;22f. Zur Politik der Türkei hinsichtlich jüdischer Flüchtlinge aus Bulgarien siehe auch: CorryGuttstadt: Die Türkei, die Juden und der Holocaust. Berlin 2008, S.&nbsp;257–260.</div><div>31&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Stefan Troebst: Antisemitismus im „Land ohne Antisemitismus“: Staat, Titularnation und jüdische Minderheit in Bulgarien 1878–1993. In: Mariana Hausleitner, Monika Katz (Hgg.): Juden und Antisemitismus im östlichen Europa. Berlin 1995, S.&nbsp;109–125, hier: S.&nbsp;117.</div><div>32&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;1939 lebten etwa 366.000 Bulgaren in Rumänien; vgl. Hans-Joachim Hoppe: Die Balkanstaaten Rumänien, Jugoslawien, Bulgarien – Nationale Gegensätze und NS-Großraumpolitik. In: Erhard Forndran, Frank Golczewski, Dieter Riesenberger (Hgg.): Innen- und Außenpolitik unter nationalsozialistischer Bedrohung. Opladen 1977, S.&nbsp;161–175, hier: S.&nbsp;163; PA AA, Pol IV. 632 R 103891, Bericht der deutschen Außenstelle für den Außenhandel vom 17.11.1938. Siehe auch: Andrea Schmidt-Rösler: Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg: Die Grenzziehung in der Dobrudscha und im Banat und die Folgeprobleme. Frankfurt/M. 1994, S.&nbsp;112–160.</div><div>33&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;PA AA, Pol IV. 632 R 103891, Bericht v. Weizsäcker, Berlin 18.1.1939 und Telegramm dt. Botschaft in Warschau vom 20.6.1939.</div><div>34&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bundesarchiv Militärarchiv (i.&nbsp;F.: BA MA) RW 5/v. 353 Bericht der deutschen Gesandtschaft in Sofia vom 10.2.1940 und Bericht des deutschen Botschafters in Ankara vom 20.2.1940.</div><div>35&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Weber: Der Pakt, S.&nbsp;178f.</div><div>36&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Akten zur deutschen auswärtigen Politik (i.&nbsp;F.: ADAP), Serie D, Bd. 10, S.&nbsp;45, Bericht der deutschen Gesandtschaft in Sofia vom 29.6.1940.</div><div>37&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;ADAP, Serie D, Bd. 10, S.&nbsp;32, Bericht des Leiters der politischen Abteilung im Auswärtigen Amt, Ernst Woermann, vom 27.6.1940.</div><div>38&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Schmidt-Rösler: Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg, S.&nbsp;164–168.</div><div>39&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Andrew Zapantis: Greek-Soviet Relations, 1917–1941. New York 1982, S.&nbsp;390f.</div><div>40&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S.&nbsp;44.</div><div>41&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;MacGregor Knox: Mussolini Unleashed 1939–1941. Politics and Strategy in Fascist Italyʼs Last War. Cambridge 1986, S.&nbsp;218f.</div><div>42&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Heinz Höhne: Der Weg im Dunkeln. Die deutsche und russische Spionage. München 1985, S.&nbsp;335.</div><div>43&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Marin Pundeff: Two Documents on soviet-bulgarian relations in November 1940. In: Journal of Central European Affairs, Vol. XV (Januar 1956), S.&nbsp;367–378, hier: S.&nbsp;374.</div><div>44&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Andreas Hillgruber (Hg.): Staatsmänner und Diplomaten bei Hitler. Vertrauliche Aufzeichnungen über Unterredungen mit Vertretern des Auslandes. Band I. Frankfurt/M. 1967, S.&nbsp;363f.</div><div>45&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Voin Bojinov: Lʼentrîment de la Bulgarie dans la Seconde Guerre Mondiale et ses conséquences [Der Eintritt Bulgariens in den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen]. In: Études Historiques, Tom II, Sofia 1965, S.&nbsp;493–512, hier: S.&nbsp;500; Elisabeth Barker: British Policy in South-East Europe in the Second World War. London 1976, S.&nbsp;59; vgl. ferner Christian Hartmann: Halder. Generalstabschef Hitlers 1938–1942. Paderborn 1991, S.&nbsp;255.</div><div>46&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;PA AA, R 29873, Telegramm des dt. Gesandten in Sofia Herbert Freiherr von Richthofen vom 30.11.1940 an das AA.</div><div>47&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;PA AA, R 29873, Telegramm Richtofen vom 7.12.1940 an das AA bzw. Documents on German Foreign Policy (DGFP), Vol. XI, Dokumente Nr. 468 und 536.</div><div>48&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Weber: Der Pakt, S.&nbsp;196f.</div><div>49&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nikolaj Poppetrov: Socialno naljavo, nacionalizmăt – napred: programni i organizacionni dokumenti na bălgarski avtoritaristki nacionalističeski formacii [Soziale Linke – Vorwärts: Programm- und Organisationsdokumente der bulgarischen autoritären nationalistischen Formationen]. Sofia 2009, S.&nbsp;805–848. </div><div>50&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;ADAP, Serie D, Bd. 11, S.&nbsp;406 und S.&nbsp;496; Hillgruber (Hg.): Staatsmänner, Bd. I, Gespräch Draganov–Hitler vom 23.11.1940, S. 367; Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, Bd. 1. Frankfurt/M. 1965, S.&nbsp;995.</div><div>51&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hillgruber (Hg.): Staatsmänner, Bd. I, S.&nbsp;362 und 415; PA AA, R 29.873, Telegramm Richthofen vom 26.2.1941 an das AA.</div><div>52&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Martin L. van Creveld: Hitlerʼs Strategy 1940–1941. Cambridge 1973, S.&nbsp;118.</div><div>53&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sabrina P. Ramet, Sladjana Lazić: „The Collaborationist Regime of Milan Nedić“. In: Sabrina P. Ramet, Ola Listhaug (Hgg.): Serbia and the Serbs in World War Two. London 2011, S.&nbsp;17–43, hier: S.&nbsp;18.</div><div>54&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Stefan Troebst: Ivan Michajlov im türkischen und polnischen Exil (1934–1939/40). Fragmente zur politischen Biographie des Chefs der „Inneren Makedonischen Revolutionären Organisation“. In: Stefan Troebst: Das makedonische Jahrhundert. Von den Anfängen der nationalrevolutionären Bewegung zum Abkommen von Ohrid 1893–2001. Ausgewählte Aufsätze. München 2007, S.&nbsp;175–224, hier: S.&nbsp;182f.</div><div>55&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nikolaj Genčev: Vănšnata politika na bălgarija 1938–1941 [Außenpolitik von Bulgarien 1938–1941]. Sofija 1998, S.&nbsp;149–152; Petăr Petrov (Red.): Makedonija. Istorija i političeska sădba. [Makedonien. Geschichte und politisches Schicksal.] Tom III. Sofija, Stara Zagora 1998, S.&nbsp;7.</div><div>56&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S.&nbsp;97–100. </div><div>57&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dimităr Sirkov: Vanšnata politika na bălgarija, S.&nbsp;252; Marshall Lee Miller: Bulgaria during the Second World War. Stanford 1975, S.&nbsp;37.</div><div>58&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Miller: Bulgaria during the Second World War, S.&nbsp;45.</div><div>59&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;DAP, Serie D, Band 12/1, Dok. Nr. 216, S.&nbsp;306f.</div><div>60&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Karlsreiter: König Boris III. von Bulgarien, S.&nbsp;251; siehe auch Bogdan Filov: Dnevnik [Tagebuch] (Red. Ilčo Dimitrov). Sofija 1990, S.&nbsp;297, S.&nbsp;300.</div><div>61&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;BA MA, Wi Ic 5,35 Stimmungsbericht vom 21.1.1941.</div><div>62&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S.&nbsp;121f.</div><div>63&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vaïos Kalogrias: Makedonien 1941–1944. Okkupation, Widerstand, Kollaboration. Ruhpolding 2008, S.&nbsp;95f.</div><div>64&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vanče Stojčev: Bugarskiot okupaciski sistem vo Makedonija 1941–1944 [Bulgarisches Besatzungssystem in Makedonien 1941–1944]. Skopje 1996, S.&nbsp;183; Rastislav Terzioski: Denacionalizatorskata dejnost na bugarskite kulturno-prosvetni institucii vo makedonija (skopska i bitolska okupaciona oblast) 1941–1944 [Denationalisierungsaktivitäten bulgarischer Kultur- und Bildungseinrichtungen in Makedonien (Skopioter und Bitolaer Besatzungsgebiet) 1941–1944]. Skopje 1974, S.&nbsp;56–60; siehe auch: Ivan Chadžijski: Vtoroto bălgarsko upravlenie văv Vardarska Makedonija (april 1941–septemvri 1944) [Die zweite bulgarische Verwaltung in Vardar Makedonien (April 1941–September 1944)]. Dupniza 2016.</div><div>65&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ģorģi Malkovski: Profaštičkite i kolaboracionističkite organizacii i grupi vo makedonija 1941–1944 [Profaschistische und kolaboratistische Organisationen und Gruppen in Makedonien 1941–1944]. Skopje: Institut za Nacionalna Istorija 1995, S.&nbsp;58f., S.&nbsp;63ff; Stojčev: Burgaskiot okupaciski sistem, S.&nbsp;91–94.</div><div>66&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Poppetrov: Flucht aus der Demokratie, S.&nbsp;399.</div><div>67&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Elisabeth Barker: Macedonia its place in Balkan power politics. London 1950, S.&nbsp;79.</div><div>68&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;BA MA, RH 31/II/ 1 Deutscher Ausbildungsstab bei d. kgl. bulg. Heeresleitung. 15.5.1941–1.2.1944, Bericht des dt. Ausbildungsstabes in Sofia an das OKH in Berlin vom 3.8.1942.</div><div>69&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Rainer Eckert: Vom „Fall Marita“ zur „wirtschaftlichen Sonderaktion“. Die deutsche Besatzungspolitik in Griechenland vom 6.&nbsp;April 1941 bis zur Kriegswende im Februar/März 1943. Frankfurt/M. 1992, S.&nbsp;72.</div><div>70&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kalogrias: Makedonien 1941–1944, S.&nbsp;96.</div><div>71&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hoppe: Bulgarien – Hitlers eigenwilliger Verbündeter, S.&nbsp;126.</div><div>72&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kalogrias: Makedonien 1941–1944, S.&nbsp;111f.</div><div>73&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kalogrias: Makedonien 1941–1944, S.&nbsp;117–127. Siehe zur Ochrana auch Dobrin Mičev: Bălgarskoto nacionalna delo v jugozapadna Makedonija (1941–1944 g.) [Bulgarisches nationales Wirken in Südwestmakedonien (1941–1944)], &lt;http://www.promacedonia.org/mpr/ohrana.html&gt;, 8.11.2021.</div><div>74&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Boro Mitrovski, Venceslav Glišić, Tomo Ristovski: Das Bulgarische Heer in Jugoslawien 1941–1945. Beograd 1971, S.&nbsp;52–63.</div><div>75&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Oleg Beyda: ,Wehrmacht Eastern Toursʻ: Bulgarian Officers on the German-Soviet Front, 1941–1942. In: The Journal of Slavic Military Studies, 33 (2020) H.&nbsp;1, S.&nbsp;136–161.</div><div>76&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Georgi Markov: Zar Boris III: Po-dobre čeren chljab, otkolkoto černi zabradki [Zar Boris&nbsp;III.: Besser Schwarzbrot als schwarze Kopftücher]. In: bg-Voice.-com, 6.2.2014, ˂https://bg-voice.com/po-dobre_cheren_hlyab_otkolkoto_cherni_zabradki/˃, 8.11.2021.</div><div>77&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;BA MA, Wi IC 5,23, Bericht des deutschen Wirtschaftsoffiziers in Sofia vom 31.12.1941.</div><div>78&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Marin Kalonkin: Bălgarija văv vtorata svetovhna vojna 1939–1945 godina [Bulgarien im Zweiten Weltkrieg 1939–1945]. Sofija 2010, S.&nbsp;90–93.</div><div>79&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wolfgang Bretholz: Ich sah sie stürzen. Wien 1955, S.&nbsp;46.</div><div>80&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;BA MA, RW 29/77, Lagebericht des deutschen Konsulats in Sofia vom 30.9.1941.</div><div>81&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Otto Schulmeister: Werdende Großraumwirtschaft. Die Phasen ihrer Entwicklung in Südosteuropa. Berlin 1943, S.&nbsp;171f. </div><div>82&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bereits seit Sommer 1940 förderte das Deutsche Reich die Aufrüstung der bulgarischen Streitkräfte. Dazu zählten spezielle Ausbildungskurse in Deutschland, die Entsendung von Militärberatern nach Bulgarien und der Auf- bzw. Ausbau der bulgarischen Panzertruppen und der Luftwaffe. Popov: Žestoki Vremena, S.&nbsp;155; Björn Opfer: Die bulgarische Wiederaufrüstung 1923–1944. In: Zeitschrift für Heereskunde Nr. 407, Januar/März 2003, S.&nbsp;10–16.</div><div>83&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wien: Markt und Modernisierung, S.&nbsp;305–308.</div><div>84&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Götz Aly: Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus. Frankfurt/M. 2005, S.&nbsp;258f.</div><div>85&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;BA MA, RW 29/86 Lageberichte W. O. [Wehrwirtschaftsoffizier] Sofia 4.6.41–28.2.1942, W. O. Sofia Lagebericht 31.8.1941, RW 29/87 WO Lageberichte 1.11.41–31.12.42, Lagebericht W.&nbsp;O. Sofia 28.2.1942, RW 29/77, Bericht des deutschen Wirtschaftsoffiziers vom 31.10.1942 und RW 29/80 Kriegstagebuch W.&nbsp;O. Sofia 1.4. –30.6.1943, Lagebericht Nr. 21 W.&nbsp;O. Sofia 30.4.1943.</div><div>86&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;BA MA, RW 29/78 Kriegstagebuch Wehrwirtschaftsoffizier (W. O.) Sofia 1.10.–31.12.42, Tagebucheintrag vom 12.11.1942.</div><div>87&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;BA MA, RW 29/78 Kriegstagebuch Wehrwirtschaftsoffizier (W. O.) Sofia 1.10.–31.12.42, Tagebucheintrag vom 30.11.1942.</div><div>88&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Stojčev: Burgaskiot okupaciski sistem, S.&nbsp;199, S.&nbsp;205f.</div><div>89&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Rumen Nikolov: Njakoi aspekti na bălgarsko-germanskite voennoikonomičeski otnošenija prez perioda maj–dekemvri 1942 godina [Einige Aspekte der bulgarisch-deutschen militärisch-wirtschaftlichen Beziehungen im Zeitraum Mai–Dezember 1942]. In: Voennoistoričeski Sbornik [Militärhistorischer Sammelband] 1986, H.&nbsp;4, S.&nbsp;159–171, hier: S.&nbsp;166.</div><div>90&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Péter Gosztony: Der Krieg zwischen Bulgarien und Deutschland 1944/45. In: Wehrwissenschaftliche Rundschau 1967, H.&nbsp;4, S.&nbsp;22–38, hier: S.&nbsp;25.</div><div>91&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eberhard Wolfgramm: Bemerkungen zur bulgarischen Partisanenbewegung. In: Jahrbuch für Geschichte der UdSSR und der volksdemokratischen Länder Europas, Band 8. Berlin [Ost] 1964, S.&nbsp;505–524, hier: S.&nbsp;516.</div><div>92&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Oliver Jens Schmitt: Der Balkan im 20.&nbsp;Jahrhundert. Eine postimperiale Geschichte. Stuttgart 2019, S.&nbsp;155.</div><div>93&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;BA MA, RW 29/81 Kriegstagebuch W.&nbsp;O. Sofia 1.7.–30.9.1943, Aktennotiz Wehrwirtschaftsoffizier (W.&nbsp;O.) Sofia 15.7.1943.</div><div>94&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Benbassa, Rodrigue: Die Geschichte der sephardischen Juden, S.&nbsp;157; JanRychlík: Zweierlei Politik gegenüber der Minderheit: Verfolgung und Rettung bulgarischer Juden 1940–1944. In: Wolfgang Benz, Juliane Wetzel (Hgg.): Solidarität und Hilfe für Juden während der NS-Zeit, Regionalstudien 4. Berlin 2004, S.&nbsp;61–98, hier: S.&nbsp;63.</div><div>95&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ana Luleva: Die Zwangsarbeit in Bulgarien 1941–1944. In: Alexander von Plato, Almuth Leh, Christoph Thonfeld (Hgg.): Hitlers Sklaven. Lebensgeschichtliche Analysen zur Zwangsarbeit im internationalen Vergleich. Wien 2008, S.&nbsp;171–183, hier: S.&nbsp;172f. Siehe auch: Nedo Nedev: Zar Boris&nbsp;III. Dvorezăt i tajnijat kabinet [Zar Boris&nbsp;III. Königshof und Geheimkabinett]. Plovdiv 2009, S.&nbsp;372–380.</div><div>96&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;BA MA, RW 29/77 Anlagen zum Kriegstagebuch für die Zeit vom 8.5.41 bis 30.9.42, Wehrwirtschaftsoffizier (W. O.) Sofia, Lagebericht Nr. 6 W.&nbsp;O. Sofia 31.1.1942.</div><div>97&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Aly: Hitlers Volksstaat, S.&nbsp;261.</div><div>98&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hans-Joachim Hoppe: Bulgarien. In: Wolfgang Benz (Hg.): Dimensionen des Völkermords. Die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. München 1991, S.&nbsp;282.</div><div>99&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Paul Mojzes: Balkan Genocides: Holocaust and Ethnic Cleansing in the Twentieth Century. Plymouth 2011, S.&nbsp;102.</div><div>100&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Chary: The Bulgarian Jews and the Final Solution 1940–1944, S.&nbsp;54f.</div><div>101&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Aleksandar Matkowski: Destruction of Macedonian Jewry. Skopje 1982, S.&nbsp;219.</div><div>102&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Miller: Bulgaria during the Second World War, S.&nbsp;104.</div><div>103&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siccardi: Giovanna di Savoia, S.&nbsp;185ff.</div><div>104&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Arakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben?, S.&nbsp;34.</div><div>105&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ivkova: Rettung und Mord, S. 68.</div><div>106&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Claudia Steur: Theodor Dannecker. Ein Funktionär der „Endlösung“. Essen 1996, S.&nbsp;97f.</div><div>107&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kristina Birri-Tomovska: Jews of Yugoslavia 1918–1941. A History of Macedonian Sephards.</div><div>108&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Martin Gilbert: The Routledge Atlas of the Holocaust. Routledge, London, New York ³2002, S.&nbsp;150f.</div><div>109&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zu den Vorgängen der Deportation siehe Ivan Stoilov Hadžijski: Sădbata na evrejskoto naselenie v Belomorska Trakija, Vardarska Makedonia i Jugozapadna Bălgarija prez 1941–1944 [Das Schicksal der jüdischen Bevölkerung in Thrakien am Weißen Meer, in Vardarmakedonien und im Südwesten Bulgariens in den Jahren 1941–1944]. Dupnica 2004; sowie die doppelbändige Quellensammlung Deportiraneto na evreite ot Vardarska Makedonija, Belomorska Trakija i Pirot, mart 1943 g. Dokumenti ot bălgarskite archivi. Tom 1–2 [Die Deportation der Juden aus Vardarmakedonien, Weißmeerthrakien und Pirot, März 1943. Dokumente aus den bulgarischen Archiven], hgg. von Nadja Danova und Rumen Avramov. Sofija 2013; sowie die Auszüge von Zeitzeugenberichten auf der Homepage der jüdischen Gemeinde von Bitola, &lt;http://www.jewishcommunitybitola.mk/bitola/40-bitola/59-bitola.html?start=2&gt;, 8.11.2021.</div><div>110&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der in Österreich eingetragene Verein „Zentrum zur Erforschung und Dokumentation jüdischen Lebens in Ost- und Mitteleuropa“ veröffentlichte auf Basis von Zeitzeugen und Zeitzeugnissen auf seiner Plattform Centropa einen Dokumentarfilm über die Deportation der makedonischen Juden 1943 („Bulgarien und der Holocaust“), &lt;<a href="http://www.centropa.org/de/centropa-cinema/history-bulgarian-jewry-during-holocaust" target="_blank" rel="noreferrer noopener">http://www.centropa.org/de/centropa-cinema/history-bulgarian-jewry-during-holocaust</a>&gt;, 8.11.2021.</div><div>111&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;David Koen et al. (Hgg.): Borbata na bălgarskija narod za zaštita i spasjavane na evreite v Bălgaria po vreme na vtorata svetovna vojna 1941–1944. Dokumenti i Materiali [Der Kampf des bulgarischen Volkes um Verteidigung und Rettung der Juden in Bulgarien in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Dokumente und Materialien]. Sofija 1978, Dokument 120, S.&nbsp;203.</div><div>112&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Arakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben?, S.&nbsp;73f., S.&nbsp;144–159.</div><div>113&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;08, S.&nbsp;111; Erhard Roy Wiehn: Juden in Thessaloniki. Konstanz 2001, S.&nbsp;29.</div><div>114&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Arakchiyska: Kann ein Mensch dabei untätig bleiben?, S.&nbsp;130–143.</div><div>115&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Aly: Hitlers Volksstaat, S. 259.</div><div>116&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;BA MA, RW 29/81 Kriegstagebuch W.&nbsp;O. Sofia 1.7.–30.9.1943, Überblick über die wehrwirtschaftliche Lage Bulgariens und die Tätigkeit des Deutschen Wehrwirtschaftsoffiziers Sofia im III.&nbsp;Quartal 1943 sowie Aktennotiz W.&nbsp;O. Sofia 30.9.1943.</div><div>117&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Daniel Vačkov: Pătjat na komunističeskata partija kăm vlastta (1939–1944) [Der Weg der Kommunistischen Partei zur Macht (1939–1944)]. In: Ivajlo Znepolski (Hg.): Istorija na Narodna Republika Bălgarija: Režimăt i obstestvoto. [Geschichte der Volksrepublik Bulgarien: Regime und der Gesellschaft]. Sofija 2009, S.&nbsp;91–130, hier: S.&nbsp;96f.</div><div>118&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Mitrovski: Das bulgarische Heer, S. 229f.</div><div>119&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zur Rolle von Aleksandăr Cankov in den letzten Kriegsmonaten siehe Nedju Nedev: Aleksandăr Cankov: Legiona. Ratnik. Pravitelstvo văv Viena. Smărt v Aržentina [Aleksandar Cankov: Legionär. Kämpfer. Regierung in Wien. Tod in Argentinien]. Plovdiv 2015.</div><p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/bulgariens-rolle-im-dreimaechtepakt/">Bulgariens Rolle im deutschen Bündnissystem des Dreimächtepaktes 1941–1944</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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		<title>Der lange Schatten des Friedensvertrages von Neuilly-sur-Seine mit Bulgarien 1919</title>
		<link>https://halbjahresschrift.de/friedensvertrag-neuilly-sur-seine-bulgarien/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[IKGS-Admin_2]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 May 2020 09:40:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2017–2018]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[1919]]></category>
		<category><![CDATA[Bulgarien]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Neuilly-sur-Seine]]></category>
		<category><![CDATA[Versailles]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://halbjahresschrift.de/?p=117</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Vertrag von Neuilly-sur-Seine vom 27. November 1919 war für die damaligen bulgarischen Eliten das unerwartete Ende der nationalen Vision einer „Vereinigung aller Bulgaren“. In drei Kriegen, dem Ersten und dem Zweiten Balkankrieg 1912/13 und dem Ersten Weltkrieg versuchte die bulgarische Staatsführung das Land zu einer regionalen Hegemonialmacht aufsteigen zu lassen. Die damaligen Kriegs-, Flucht- und Vertreibungserfahrungen lebten und leben bis heute nach, nicht nur in der bulgarischen Gesellschaft.<br />
Angesichts des Vertrauens in die Friedensformel des US-Präsidenten Woodrow Wilson einer Neuordnung auf Basis des „Selbstbestimmungsrechts der Völker“ erwarteten die bulgarischen Eliten 1919 unter territorialem Aspekt einen milden Frieden. Ähnlich wie in Deutschland und Ungarn war dann aber der Schock über die letztendlichen Friedensbedingungen gravierend. Der Frieden rief ein tiefes nationales Trauma hervor. Der Vertrag von Neuilly wurde damals als angeblicher „Schand-“ und „Diktatfrieden“ gewertet, was für eine wachsende nationalistische und rechtsgerichtete Szene in Bulgarien auch heute noch gilt. Dies lag und liegt auch an der fehlenden Aufarbeitung seit 1919.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p><u><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2020/07/HJS_2017_2018_Björn_Opfer-Klinger.pdf" target="_blank" aria-label="undefined (opens in a new tab)" rel="noreferrer noopener">PDF-Download</a></u></p>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p>Björn Opfer-Klinger, Leipzig</p>



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<p>Nachdem die Geschichtswissenschaft in den vergangenen Jahren intensiv das hundertjährige Erbe des Ersten Weltkrieges beschäftigt hat, jährt sich nun auch zum 100. Male die Pariser Friedensordnung. Lange Zeit hätte kaum jemand gedacht, dass uns diese viel länger und viel folgenschwerer begleiten würde, als die improvisierte Ordnung des Potsdamer Abkommens von 1945. Und doch holen uns seit einiger Zeit die Folgen der Friedensschlüsse von 1919/20 wieder ein, sei es in Ostmitteleuropa, auf dem Balkan, im Nahen Osten oder im Kaukasus. Entsprechend mannigfaltig ist die Auswahl neuerer wissenschaftlicher Studien und Überblicksdarstellungen. Erwähnt seien an dieser Stelle allein <em>Die große Illusion</em> des Marburger Historikers Eckart Conze<sup class="modern-footnotes-footnote ">1</sup>, die ins Deutsche übersetzte Abhandlung von Margaret MacMillan‘s <em>Peacemaker. Six Months that Changed the World</em><sup class="modern-footnotes-footnote ">2</sup> und <em>Der überforderte Frieden</em> des Freiburger Historikers Jörn Leonhard.<sup class="modern-footnotes-footnote ">3</sup></p>



<p>Trotz der wachsenden Zahl an wissenschaftlichen Veranstaltungen und Publikationen sowie medialer Wissenssendungen bleibt der Fokus noch immer selektiv auf den angeblichen „Schand-“ und „Diktatfrieden“ von Versailles fokussiert. Selbst die unter deutscher Federführung im Frühjahr 1918 diktierten Friedensschlüsse von Brest-Litowsk mit Sowjetrussland (3. März 1918) und von Bukarest mit Rumänien (7. Mai 1918) sind weitgehend vergessene oder verdrängte Stiefkinder der deutschen Erinnerungskultur. Es ist sicherlich kein Zufall, dass gerade in einer Zeit, in der Nationalismus und Rechtspopulismus in vielen Ländern Europas eine erschreckende Renaissance erleben, auch dort wieder verstärkt an das Erbe der Pariser Friedensordnung erinnert wird. Dazu zählt der ungarische Staat unter den nationalkonservativ-rechtspopulistischen Regierungen von Viktor Orbán ebenso wie die neoosmanische Außen- und Kulturpolitik der Türkei der Ära Recep Tayyip Erdoğan. Ein weiteres Beispiel stellt die Erinnerung an den hier näher zu beleuchtenden Frieden von Neuilly-sur-Seine mit Bulgarien dar, wo ebenfalls ein gesellschaftlicher Rechtsruck unübersehbar ist. Erst vor wenigen Jahren begrüßten bulgarische „Fußballfans“ anlässlich eines Freundschaftsspiels die serbische Nationalmannschaft mit einem Banner mit der Aufschrift „Wir haben Neuilly nicht vergessen“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">4</sup> In kleinerem Rahmen ereignen sich in Bulgarien zu jedem Jahrestag des Friedensvertrages von Neuilly am 27.&nbsp;November Demonstrationen und Fackelumzüge seitens bulgarischer Nationalisten. Letztes Jahr beispielsweise wieder in Blagoevgrad.V<sup class="modern-footnotes-footnote ">5</sup> Gleichzeitig ähneln der Inhalt des Vertrages von Neuilly-sur-Seine einerseits und dessen politische und gesellschaftliche Folgen andererseits erheblich jenen Entwicklungen in Deutschland nach dem Versailler Vertrag 1919.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vom Berliner Kongress 1878 zu den Balkankriegen 1912/13</h2>



<p>Der südliche Teil des Balkanraumes gehörte bereits seit der Jahrhundertwende infolge der Machtrivalitäten der Großmächte und dem gesellschaftlichen Wandel im Zuge des Nationalismus zu den großen Krisenherden Europas. Es war darüber hinaus eine Region, die in hohem Maße durch ethnopolitische Gewalt sowie von Flucht- und Vertreibungsprozessen geprägt war. Ein wichtiger Akteur war dabei das auf dem Berliner Kongress von 1878 entstandene bulgarische Fürstentum, das als ein Kompromiss zu dem eigentlich von Russland geplanten Großbulgarien unter russischer Vorherrschaft ins Leben gerufen wurde. Dieses junge Fürstentum erlebte seit Beginn des 20.&nbsp;Jahrhunderts einen spürbaren wirtschaftlichen Aufschwung und erlangte 1908 seine endgültige Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich. Der aus dem deutschen Adelsgeschlecht Sachsen-Coburg-Gotha stammende Fürst Ferdinand betitelte sich fortan als Zar von Bulgarien. Unter den nationalen Eliten Bulgariens, sowohl im Militär als auch in den meisten politischen Parteien, entwickelte sich die Überzeugung, dass Bulgarien eine zentrale Rolle als regionale Hegemonialmacht zukomme. Ähnlich wie Wilhelm&nbsp;II. in Deutschland, erschien Zar Ferdinand&nbsp;I. in vielerlei Hinsicht als plakativer Ausdruck derartiger Vorstellungen. Ferdinand wurde von vielen zeitgenössischen Beobachtern einerseits als gewiefter Taktiker, andererseits als äußerst eitel und wankelmütig charakterisiert. Ganz im Stile des romantisch-verklärten Historismus des Fin-de-Siècle steigerte er sich besonders zu Beginn des Ersten Balkankrieges im Herbst 1912, als bulgarische Truppen siegreich in Richtung Istanbul vordrangen, in das Selbstbild eines neuen orthodoxen Imperators von Byzanz hinein.<sup class="modern-footnotes-footnote ">6</sup></p>



<p>Als nationales Ideal galt vielen jener bereits erwähnte, mittelalterliche Großbulgarische Staat, der während der Orientkrise 1877/78 eine Kernforderung des russischen Diktatfrieden von San Stefano gegenüber dem Osmanischen Reiches darstellte, dann jedoch auf Druck der anderen Großmächte nicht zustande kam. Ein Vergleich zur Megali Idea des griechischen Nationalismus oder zum Traum deutscher Chauvinisten vom „Platz an der Sonne“ seit den 1890er-Jahren liegt dabei nahe.</p>



<p>Neben den Hegemonieträumen radikaler bulgarischer Nationalisten spielte auch eine Nationalbewegung eine wichtige Rolle, die in den 1890er-Jahren im osmanischen Makedonien entstanden war und sich im Laufe der Jahre immer mehr in Richtung des bulgarischen Nationalismus entwickelte, die Innere Makedonische Revolutionäre Organisation (IMRO, bulg. Vnatrešna Makedonska Revolucionerna Organizacija, VMRO). Diese bekämpfte mit bewaffneten Guerillaverbänden den Osmanischen Staat, aber auch rivalisierende Nationalbewegungen wie jene der Griechen oder Serben. Nicht zuletzt infolge der wachsenden, einflussreichen Diaspora südslawischer Auswanderer und Flüchtlinge aus Makedonien in Bulgarien, gewann auch die IMRO im bulgarischen Staat und Gesellschaft erheblichen Einfluss. Dies sollte auch eine Rolle bei der Umsetzung des Friedens von Neuilly 1919 spielen.</p>



<p>Im Jahre 1912 war Bulgarien im Vergleich zu Serbien, Montenegro und Griechenland das bevölkerungsreichste und militärisch mit Abstand stärkste Land in Südosteuropa. Entsprechend bedeutsam war seine Rolle im Ersten Balkankrieg (Oktober 1912–Mai 1913). Die bulgarische Armee drängte erfolgreich in Ostthrakien<sup class="modern-footnotes-footnote ">7</sup> die Hauptmacht der osmanischen Streitmacht bis vor die Tore Istanbuls zurück. Entsprechend hoch waren die bulgarischen Verluste, während die serbischen, griechischen und montenegrinischen Truppen in Makedonien und Albanien relativ schnell große Gebiete erobern konnten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">8</sup> Letztlich wurde das Osmanische Reich nahezu gänzlich aus seinen letzten europäischen Territorialbesitzungen verdrängt. Als die bulgarische Regierung jedoch in den nachfolgenden Friedensgesprächen ihre Maximalforderungen nicht durchsetzen konnte, entschloss sich die bulgarische Führung Ende Juni 1913 zu einem Überraschungsschlag gegen die Partner von gestern. Dieser Zweite Balkankrieg mündete nach wenigen Wochen in einer militärischen Katastrophe Bulgariens, die am 10.<strong>&nbsp;</strong>August 1913 im Frieden von Bukarest besiegelt wurde. Diese als ein erstes nationales Trauma empfundene Niederlage bewirkte zusätzliche Verbitterung dadurch, dass überraschend auch der nördliche Nachbar Rumänien in den Zweiten Balkankrieg eingetreten war und die fruchtbare, mehrheitlich von bulgarischer Bevölkerung besiedelte südliche Dobrudscha (rum. Dobrogea, bulg. Dobrudža) mit ihren urbanen Zentren Dobrič (rum. Bazargic) und Silistra annektierte. Diese Region sollte für fast zwei Jahrzehnte ein Brennpunkt zwischen beiden Staaten bleiben. Auch in Ostthrakien, dessen Zentrum die Stadt Edirne (bulg. Odrin) bildete, musste die bulgarische Regierung wichtige Gebiete wieder an den verhassten türkischen Nachbarn zurückgegeben. Schien eben noch die regionale Führungsrolle greifbar nahe, glaubten sich bulgarische Nationalisten um die verdiente Befreiung und Annexion „bulgarischer“ Gebiete vom „türkischen Joch“ betrogen. Dieses Trauma wurde in allen Staaten des südlichen Balkans, darunter auch Bulgarien, über Generationen dadurch wachgehalten, dass die Balkankriege 1912/13 für Hunderttausende Menschen zum Gewalt-, Flucht- und Vertreibungserlebnis wurden. Viele Muslime mussten unter Druck der neuen christlichen Herrschenden Serbiens, Montenegros, Griechenlands und Bulgariens nach Anatolien fliehen, wo sie einen wichtigen Nährboden für die jungtürkische<sup class="modern-footnotes-footnote ">9</sup> Genozidpolitik ab 1915 unter anderem gegen die christlich-armenische Bevölkerung bildeten. Ebenso mussten aber auch viele Anhänger der bulgarisch-orthodoxen Kirche aus den von Serbien, Griechenland und Rumänien annektierten Gebieten nach Bulgarien fliehen. Aber auch bulgarische Akteure übten ihrerseits gegen „unerwünschte“ Bevölkerungsgruppen wie den Anhängern des griechischen Patriachats oder Muslimen Gewalt aus. All dies sollte in den Friedensverhandlungen von Neuilly-sur-Seine 1919 und Lausanne 1923 eine Rolle spielen.</p>



<p>Der südliche Balkan hatte nach dem Bukarester Frieden 1913 keine Chance zur Ruhe zu kommen. Sowohl Bulgarien als auch Serbien und Griechenland begannen ihre 1913 hinzugewonnenen Gebiete in oft repressiver Form in ihrem Sinne zu nationalisieren. Darüber hinaus eröffnete die IMRO von Bulgarien aus Guerillaangriffe gegen serbische und griechische Einrichtungen in Makedonien.</p>



<p>Aber auch im serbisch-albanischen Grenzraum entstand ein dauerhaft schwelender Konfliktraum. All dies geschah parallel zu den Versuchen der miteinander um Einfluss rivalisierenden Großmächte, wieder die Regie über die politische Neuordnung Südosteuropas zu übernehmen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Bulgarien im Ersten Weltkrieg</h2>



<p>Es sollte nicht einmal mehr ein Jahr nach dem Bukarester Frieden vergehen, als am 28. Juli 1914 die österreichisch-ungarische Kriegserklärung an Serbien zu dem Funken wurde, der das Pulverfass Europa zur Explosion brachte.</p>



<p>Das nach dem Desaster von 1913 in Sofia an die Regierung gekommene Kabinett unter dem liberalen Politiker Vasil Radoslavov hielt zunächst an der Neutralität Bulgariens fest. Einerseits steckte das Land in großen wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten, andererseits war lange Zeit nicht abschätzbar, welche der beiden großen Kriegsparteien wahrscheinlich die Oberhand gewinnen würde. Dies änderte nichts an dem Guerillakrieg der IMRO gegen Serbien, der insgeheim aus Kreisen der bulgarischen Militärführung und verschiedener Parteien unterstützt sowie finanziell von Österreich-Ungarn gefördert wurde. Ziel dieser Partisanenaktivitäten, die von der bulgarischen Regierung mitunter begrüßt, nicht jedoch kontrolliert wurden, waren insbesondere seit Kriegsbeginn serbische Nachschub- und Kommunikationslinien in Makedonien. Das im Norden gegen Österreich-Ungarn kämpfende Serbien, das keinen eigenen Hafen als Zugang zum Weltmarkt besaß, war lebensnotwendig auf Nachschub über den griechischen Hafen Saloniki angewiesen. Die von dort nach Belgrad führende Bahnlinie gehörte zu den wichtigsten Zielen der IMRO. An ihrer größten Operation beteiligten sich mehr als 1.500 Bewaffnete. Diese Erfahrungen sollten maßgeblich dazu beitragen, dass 1919 die serbische Delegation in Neuilly nachdrücklich strategisch wichtige, westbulgarische Gebietsabtretungen einforderte.</p>



<p>Im November 1914 trat das mittlerweile vom ultranationalistischen Flügel der Jungtürken regierte Osmanische Reich auf Seite der Mittelmächte in den Krieg ein. Dies erhöhte für beide Kriegsparteien den Wert Bulgariens. Entsprechend überboten sich bald die Diplomaten der verschiedenen kriegführenden Mächte mit territorialen Versprechungen, sollte sich Bulgarien für die eine oder andere Seite entscheiden. Beide boten eine Teilrevision der Bukarester Friedensordnung an. So wurde von beiden Kriegsparteien eine Neuverteilung makedonischer Gebiete auf Kosten Serbiens ins Spiel gebracht. Die Entente hielt dazu nicht einmal Rücksprache mit ihrem serbischen Verbündeten, allerdings stellte sie auch vielmehr den Teil Ostthrakiens in Aussicht, der bereits im Ersten Balkankrieg als neue bulgarische Ostgrenze diskutiert worden war (sogenannte Enez-Midye-Linie).<sup class="modern-footnotes-footnote ">10</sup> Den Ausschlag gaben die Erfolge der Mittelmächte gegenüber Russland im Sommer 1915 und die sich abzeichnende Niederlage der Ententemächte an der Meerenge von Gallipoli.</p>



<p>Als die Mittelmächte einen gemeinsamen Großangriff gegen Serbien vorbereiteten, erklärten sich Zar Ferdinand<strong>&nbsp;</strong>I. und die Regierung von Vasil Radoslavov zu einer Militärkonvention bereit. Sie ließen sich von den Mittelmächten erhebliche territoriale Zugewinne auf Kosten Serbiens zusagen und darüber hinaus das Versprechen geben, bei einem etwaigen Kriegseintritt Griechenlands oder Rumäniens von diesen ebenfalls territoriale Abtretungen zu erhalten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">11</sup> In der nachfolgenden Offensive im Herbst 1915 eroberten und besetzten bulgarische Truppen große Teile Südserbiens östlich des Flusses Morava, im Südostkosovo und in Ostalbanien sowie die 1913 unter Belgrader Herrschaft gefallenen Teile Makedoniens. Die Schmach des Zweiten Balkankrieges schien revidiert zu sein und doch zeigte sich bald, dass die Erwartungen der bulgarischen Führung nur teilweise aufgingen. Die Hoffnung, in einem schnellen Feldzug an der Seite der Mittelmächte seine alten Expansionsziele doch noch zu erreichen ohne anschließend weiter aktiv in den Krieg involviert zu sein, erfüllte sich nicht. Die Ententemächte intervenierten militärisch in dem eigentlich neutralen Griechenland und errichteten entlang der serbisch-griechischen Grenze eine neue Front. Auch wenn diese „Orientfront“ verhältnismäßig ruhig blieb, war Bulgarien gezwungen, bis Kriegsende unter immer größeren Mobilisierungsanstrengungen weiterzukämpfen.</p>



<p>Lange Zeit blieben der bulgarische Zarenhof, die Militärführung und die Regierung Radoslavov durchaus optimistisch. Im Spätsommer 1916 besetzten bulgarische Truppen Teile von Nordostgriechenland, und als wenig später Rumänien an der Seite der Entente in den Krieg eintrat, konnte Bulgarien nicht nur die 1913 verlorene Süddobrudscha zurückerobern, sondern fast die gesamte Dobrudscha bis zum Donaudelta besetzen. Das ersehnte Großbulgarien schien zum Greifen nahe. Manche Ultrachauvinisten träumten sogar nach den Revolutionen in Russland im Jahr 1917 und dessen sich abzeichnenden Ausscheiden aus dem Krieg von einer „bulgarischen Monroe-Doktrin“. Diese sollte neben den bereits eroberten Gebieten auch ein Protektorat über Albanien sowie die zusätzliche Okkupation der griechischen Hafenmetropole Saloniki und Teile Ostthrakiens umfassen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">12</sup></p>



<p>Mit diesen oder ähnlichen Zielen fuhren die bulgarischen Delegierten zu den Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen mit Sowjetrussland sowie später zu den Friedensverhandlungen mit Rumänien. Zunächst hatte die bolschewistische Forderung nach einem Frieden ohne Annexionen und Kontributionen vom 9.&nbsp;November 1917 eine kurze Zeit in Sofia noch geradezu Panik hervorgerufen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">13</sup> Es stellte sich jedoch bald heraus, dass auch die Mittelmächte gar nicht daran dachten, auf ihre weitreichenden Expansionsziele in Osteuropa zu verzichten. Bestärkt fühlte sich die bulgarische Führung zudem durch die 14 Punkte des US-Präsidenten Woodrow Wilson, die dieser am 8.&nbsp;Januar 1918 in Reaktion auf die bolschewistischen Friedensvisionen verkündete. In Punkt&nbsp;11 forderte Wilson zwar einerseits die komplette Räumung der besetzten Gebiete in Serbien, Montenegro, Griechenland und Rumänien, andererseits sprach er sich aber für eine territoriale Neuregelung auf Basis der „freundschaftlichen Übereinkunft nach den bestehenden geschichtlichen Richtlinien der Zugehörigkeit und der Nationalität“ aus. Die bulgarische Regierung sah sich dahingehend gut gerüstet, hatte sie doch keinen Zweifel daran, die historische und ethnische Zugehörigkeit der angestrebten Gebiete zur bulgarischen Nation ohne Probleme nachweisen zu können. Ähnlich wie andere Staaten hatte auch Bulgarien frühzeitig damit begonnen, linguistische, ökonomische, ethnographische und historische „Beweise“ für die früher oder später stattfindenden Friedensverhandlungen zu sammeln.<sup class="modern-footnotes-footnote ">14</sup> Hinzu kam der Umstand, dass sich Bulgarien mit den USA nicht im Kriegszustand befand und dort durchaus spürbar von Lobbygruppen der bulgarischen Diaspora in Amerika unterstützt wurde.</p>



<p>An den Friedensverhandlungen mit Sowjetrussland, die in den harten Diktatfrieden von Brest-Litovsk vom 3.&nbsp;März 1918 mündeten, hatte Bulgarien letztlich nur einen marginalen Anteil und verfolgte auch keine wesentlichen Ziele gegenüber Russland. Eine viel größere Bedeutung wurde hingegen den Verhandlungen mit Rumänien in Bukarest beigemessen. Der ebenfalls harte Siegfrieden (Vorfriede von Buftea vom 5.&nbsp;März, Friedensvertrag von Bukarest vom 7.&nbsp;Mai 1918) wurde als großer Erfolg für die „bulgarische Sache“ bejubelt, auch wenn die Frage nach der Zukunft der Dobrudscha bis wenige Tage vor dem Ausscheiden Bulgariens aus dem Krieg nicht abschließend geklärt wurde und ein spürbarer Reibungspunkt zwischen den vier Verbündeten blieb.<sup class="modern-footnotes-footnote ">15</sup> Auch kam es 1918 mit der jungtürkischen Regierung zu immer größeren Streitigkeiten um die Nachkriegsordnung. Im Gegenzug dafür, dass die bulgarischen Annexionsziele in Rumänien (die gesamte Dobrudscha), Griechenland (Ostmakedonien mit der Hafenstadt Kavala) und Serbien (Makedonien und Moravien) akzeptiert werden würden, pochte die jungtürkische Regierung auf Abtretungen westthrakischer Gebiete.<sup class="modern-footnotes-footnote ">16</sup></p>



<p>Indessen zeichnete sich jedoch im Spätsommer 1918 ab, dass sich das Kriegsglück zuungunsten der Mittelmächte gedreht hatte. Auch Bulgarien war mit seinen Kräften am Ende. Im Laufe des Krieges war nahezu jeder diensttaugliche Mann zwischen 19 und 50 Jahren zum Militär eingezogen worden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">17</sup> Von den rund 850.000 mobilisierten Männern überlebten mehr als 100.000 den Krieg nicht. Hinzu kam die noch größere Zahl an Toten unter der Gesamtbevölkerung infolge der Spanischen Grippe und anderer Epidemien.<sup class="modern-footnotes-footnote ">18</sup> Dem wirtschaftlichen Druck, den die alliierte Handelsblockade verstärkte, der zunehmenden Not, besonders der Soldatenfamilien, und der wachsenden Zahl an Desertionen unter den eigenen Soldaten hatte die bulgarische Regierung nichts entgegenzusetzen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">19</sup> Am 21.&nbsp;Juni 1918 musste das Kabinett Radoslavov abtreten. An seiner Stelle übernahm der Führer der Demokratischen Partei Aleksandăr Malinov die Regierungsbildung, doch auch ihm fehlten der Wille und die Unterstützung für einen Austritt aus der Kriegskoalition.</p>



<p>Am 15.&nbsp;September 1918 startete die alliierte Orientarmee an der Saloniki-Front ihre letzte große Offensive, die bereits nach wenigen Tagen zum Durchbruch führte. Nachdem Entente-Einheiten bereits die bulgarische Grenze überschritten hatten, musste eine bulgarische Delegation am 29.&nbsp;September einen Waffenstillstand unterzeichnen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">20</sup> Bulgarien schied damit aus dem Krieg aus. Der Weg in Richtung Istanbul, Rumänien und Ungarn war nun für die Truppen der Entente offen, was innerhalb weniger Wochen zur Kapitulation des Osmanischen Reiches (Waffenstillstand von Moudros am 30.&nbsp;Oktober) und letztlich auch Österreich-Ungarns (Waffenstillstand von Villa Giusti am 3.&nbsp;November bzw. ungarisch-serbische Militärkonvention vom 13.&nbsp;November) führte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Waffenstillstands- und Friedensbedingungen 1918/19 und der politische Umbruch in Bulgarien</h2>



<p>Die bulgarische Regierung stimmte in den Waffenstillstandsbedingungen zu, unverzüglich ihre Truppen hinter die Grenzen von 1915 zurückzuziehen. Sämtliche Kriegsgefangenen und während des Krieges aus den besetzten Gebieten deportierten Zivilisten waren augenblicklich auf freien Fuß zu setzen und alle Militärangehörigen und Diplomaten der verbündeten Mächte des Landes zu verweisen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">21</sup> In vier Geheimklauseln musste Bulgarien darüber hinaus die Verpflichtung eingehen, sämtliche bulgarische Verkehrswege für alliierte Truppen freizugeben sowie einer Stationierung alliierter Einheiten an strategisch wichtigen Punkten in Bulgarien zuzustimmen. Die bulgarischen Häfen mussten sowohl für alliierte als auch für neutrale Schiffe geöffnet werden. Letzteres betraf die US-Marine. Weitere Auswirkungen hatte schließlich auch der deutsche Waffenstillstand von Compiègne vom 11.&nbsp;November 1918, in dem das Deutsche Reich die Annullierung der Friedensverträge von Brest-Litowsk und Bukarest akzeptierte, was gleichzeitig von den Siegermächten auch in Hinblick auf die anderen Mitunterzeichner der Verträge als gültig angesehen wurde, also auch für Bulgarien. Konkret bedeutete dies, dass die Dobrudscha nun wieder als Teil des Staatsterritoriums Rumäniens gewertet wurde. Ursprünglich war Bulgarien nach dem Waffenstillstand erlaubt worden, zunächst noch drei Divisionen zur Absicherung seiner Ostgrenze in der Dobrudscha stationiert zu belassen. Der Grund dafür lag darin, dass das Oberkommando der alliierten Orientarmee mit Blick auf den Bukarester Frieden von 1918 und das Ausscheiden Rumäniens aus dem Krieg diese Region zunächst noch als integralen Bestandteil des bulgarischen Staates ansah.<sup class="modern-footnotes-footnote ">22</sup></p>



<p>Zu diesem Zeitpunkt befand sich Bulgarien in einem tiefgreifenden Umbruchprozess. Noch während der Krieg andauerte, waren Teile der meuternden bulgarischen Truppen von der zusammenbrechenden Saloniki-Front in Richtung Sofia marschiert. Die Ereignisse lassen sich durchaus mit der Situation in Deutschland im Umfeld der Matrosenaufstände in Wilhelmshaven und Kiel vergleichen. Das Eingreifen des wichtigsten bulgarischen Oppositionsführers, Aleksandăr Stambolijski, beruhigte dann allerdings bald die Situation. Stambolijski war Anführer der Bulgarischen Nationalen Bauernunion (Bălgarski Zemedelski Naroden Sajuz) und hatte die meiste Zeit des Krieges als politischer Gefangener im Gefängnis verbracht. Er und seine Parteikollegen vertraten teilweise agrarrevolutionäre und antikapitalistische Ziele, hegten aber meist wenig Sympathie für die Kommunisten, die ihren Rückhalt in den Städten hatten. Dies sollte ein knappes Jahr später ein wichtiger Grund dafür sein, warum Stambolijski für die Siegermächte im Laufe der Friedensverhandlungen zu einem wichtigen Stabilitätsgaranten im Nachkriegsbulgarien wurde.</p>



<p>Am 3.<strong>&nbsp;</strong>Oktober dankte schließlich Zar Ferdinand ab und zog sich nach Ende des Krieges auf den Stammsitz seiner Familie in das fränkische Coburg zurück. An seiner Stelle bestieg sein erst 24jähriger Sohn als Boris<strong>&nbsp;</strong>III. den Zarenthron, der fortan lange Zeit eine sehr zurückhaltende Politik betrieb. Dies trug sicherlich dazu bei, dass sich, abgesehen von den Kommunisten, kein existenzgefährdender Unmut gegen die Monarchie in Bulgarien etablierte. Zwei Wochen später bildete sich ein Regierungsbündnis aus allen wichtigen bisherigen Oppositionsparteien, sowohl des bürgerlichen Spektrums als auch der Bauernunion und der gemäßigten Sozialdemokratischen Partei.</p>



<p>Zu diesem Zeitpunkt waren bereits, wie im Waffenstillstand von Saloniki vereinbart, zentrale strategische Punkte des Landes von italienischen, französischen und britischen Truppen besetzt worden, die zu der alliierten Donauarmee (Armée du Danube) gehörten. Auch dies trug wahrscheinlich mit dazu bei, dass die Meuterei vieler Frontsoldaten nicht zu einem Revolutionsversuch wie in Deutschland führte.</p>



<p>Die Verhandlungen über die Friedensbedingungen für das besiegte Bulgarien waren von den gleichen Rahmenbedingungen geprägt, die, mal mehr, mal weniger, auch die Verhandlungen über die Bedingungen für Deutschland, Österreich, Ungarn und das Osmanische Reich prägten. Alle beteiligten Staaten, egal ob Verlierer oder Gewinner, waren, mit Ausnahme der Hauptgläubigernation USA, hoch verschuldet. Die Umstellung der Kriegs- auf Zivilwirtschaft brachte große Probleme mit sich. Gleichzeitig war, dies wird in unserer heutigen Zeit oft vergessen, der Krieg 1918 längst nicht vorbei, sondern ging oft nahtlos in blutige Bürgerkriege, Revolutionen und Gegenrevolutionen über und betraf nahezu den gesamten Ostteil des Kontinents von Finnland bis Anatolien. Hinzu kam eine weit verbreitete paramilitärische Gewalt durch Guerilla- und Freikorpsbewegungen, die beispielsweise das im Dezember 1918 ausgerufene südslawische Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (S.H.S.-Staat), das nunmehr die Interessen Serbiens vertrat, belasteten. Im Mai 1919 begann der bewaffnete Widerstand der türkischen Nationalbewegung u.<strong>&nbsp;</strong>a. gegen die griechischen und französischen Besatzungstruppen, was wiederum Einfluss auf die Friedensverhandlungen in Paris hatte. Nach wie vor befanden sich französische, britische, italienische und US-amerikanische Truppen in Besatzungs- oder Kampfeinsätzen, sei es im Rahmen des Russischen Bürgerkrieges oder im Kampf gegen die türkische Nationalbewegung. In der jeweiligen kriegsmüden Heimat wurden hingegen die Stimmen, die eine Rückkehr der Soldaten forderten, immer lauter. Die Friedensverhandlungen standen daher unter einem zunehmenden Erfolgsdruck.</p>



<p>Gleichzeitig zeigte sich in den Verhandlungsrunden in Paris, dass sich die Siegermächte alles andere als einig waren und je nach Verhandlungsgegenstand ganz unterschiedliche Interessen verfolgten. Während beispielsweise für Frankreich oft sicherheitspolitische Ziele im Vordergrund standen, sah sich das innenpolitisch zunehmend instabile Italien mit dem jungen S.H.S.-Staat bzw. mit Griechenland in Konkurrenz um Einfluss im Adria- und westlichen Balkanraum. Die britische Delegation verfolgte nachdrücklich wirtschaftliche, aber auch strategische Ziele zur Stabilisierung ihrer Position im östlichen Mittelmeer und Westasien. Demgegenüber stand US-Präsident Woodrow Wilson unter erheblichem Druck der republikanischen Opposition und verschiedener nationaler sowie ökonomischer Lobbygruppen, aber auch der aggressiven „Red Scare“-Stimmung. Gemessen an seinen Schlagworten des Selbstbestimmungsrechtes der Völker und einer „gerechten“ neuen Weltordnung mit Gründung des Völkerbundes, dem die Verliererstaaten zunächst nicht beitreten durften, sah sich Wilson unter den „Großen Vier“ im Laufe der Verhandlungen immer stärker isoliert.</p>



<p>An den Beratungen der am 15. Januar 1919 eröffneten Pariser Friedenskonferenzen beteiligten sich insgesamt 32 Staaten. Die Verhandlungen über die Vertragsbedingungen gegenüber den Verliererstaaten wurden parallel durchgeführt und bestanden aus einer Vielzahl von Arbeitsgruppen. Die wichtigsten Entscheidungen wurden allerdings unter den „Großen Vier“, den Staats- bzw. Regierungschefs Frankreichs, Großbritanniens, Italiens und den USA, gefällt. Vertreter der Verliererstaaten wurde zu den Beratungen gar nicht oder allenfalls nur punktuell schriftlich einbezogen. Bulgarien hatte dabei aus Sicht der Siegermächte als kleiner Staat die niedrigste Priorität. Allerdings verzögerten sich die Verhandlungen hinsichtlich Ungarns und des Osmanischen Reiches durch die dortigen innenpolitischen Krisen. Dies führte dazu, dass der Fall Bulgarien vorgezogen wurde. Nach dem Friedensschluss mit dem Deutschen Reich und parallel zu den Verhandlungen über die Zukunft Österreichs, wurde Bulgarien am 9. Juli aufgefordert, eine Delegation an die Seine zu entsenden. In ihr waren die führenden Politiker der an der bulgarischen Regierung beteiligten Parteien vertreten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">23</sup> Da jedoch viele Fragen hinsichtlich der Friedensbedingungen zwischen den Siegerstaaten nach wie vor ungeklärt waren, saßen die bulgarischen Abgesandten unter Leitung des damaligen Ministerpräsidenten und gleichzeitigen Außenministers Teodor Teodorov in ihrem Quartier im Pariser Vorort Neuilly fest. Unter Polizeiüberwachung, Zensur ihrer Post und ohne Möglichkeit nach Paris hineinzufahren, mussten dort die Bulgaren noch über zwei Monate weitgehend unbeachtet ausharren.<sup class="modern-footnotes-footnote ">24</sup></p>



<p>Bei den wenigen Gelegenheiten sich zu äußern bzw. in ihren Kontakten zur französischen Presse betonte die bulgarische Delegationsleitung, es habe in Bulgarien einen klaren politischen Bruch gegeben. Die Verantwortlichen für den Kriegseintritt Bulgariens auf Seite der Mittelmächte, als die in erster Linie Zar Ferdinand<strong>&nbsp;</strong>I. und die führenden Politiker der damaligen Regierung um Vasil Radoslavov dargestellt wurden, hätten abgedankt und seien teilweise außer Landes geflohen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">25</sup> Die nunmehr regierenden Kräfte seien überzeugte Demokraten und würden alles dafür tun, sich des Vertrauens, so es ihnen geschenkt werden würde, würdig zu erweisen. Auch wurde betont, dass ohnehin viele Bulgaren während des ganzen Krieges in Wahrheit mit der Entente sympathisiert hätten. Als Beleg für diese Behauptung wurde auf die elf bulgarischen Generäle und über 100 Offiziere verwiesen, die sich 1914 freiwillig zum Dienst in der russischen Armee gemeldet hätten. Selbst die wachsende Zahl an Deserteuren in den bulgarischen Fronttruppen in den Jahren 1917/18 wurde als Beweis der Sympathie für die Entente herangezogen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">26</sup></p>



<p>Auch die harten Friedensbedingungen gegenüber dem Deutschen Reich im Versailler Vertrag vom 28.<strong>&nbsp;</strong>Juni und gegenüber der Republik Österreich im Vertrag von Saint-Germain am 10.<strong>&nbsp;</strong>September erschütterte die bulgarische Delegation nicht in der Überzeugung, dass Bulgarien einen „gerechteren“ Frieden mit gemäßigten Bedingungen erhalten werde. Diese Haltung beruhte auf vielerlei Gründen. Einerseits besaß Bulgarien durchaus ihm wohlgesonnene Fürsprecher auf Seiten der Siegermächte, in erster Linie in den USA. Andererseits vertrauten viele darauf, dass die neuen Grenzen auf der Grundlage des Selbstbestimmungsrechts der Völker gezogen werden würden. Dies würde, so die Erwartung, nicht zuletzt mit Blick auf Makedonien, Thrakien und die Süddobrudscha, zu Entscheidungen zugunsten Bulgariens führen. Dass das Selbstbestimmungsrecht der Völker nicht unbedingt die wichtigste Leitlinie der Grenzregelungen bildete, hätten der bulgarischen Delegation allerdings bereits die Regelungen in den Friedensverträgen von Versailles und Saint-Germain zeigen müssen. Zwar spielte das Selbstbestimmungsrecht sehr wohl eine wichtige Rolle in den Arbeitsgruppen der Konferenz, allerdings taten sich die daran beteiligten Diplomaten, Politiker und „Experten“ schwer mit der Definition, was unter Völkern, konkret dem bulgarischen Volk, verstanden werden sollte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">27</sup> Das in West- und Mitteleuropa wichtige Kriterium der Sprache half nur bedingt weiter. Identitäten in Südosteuropa waren, nicht zuletzt durch die Herrschaftspraxis des Osmanischen Reiches, erheblich von der Religionszugehörigkeit geprägt. Abgesehen davon war ein großer Teil der Bevölkerung mehrsprachig, und es wäre nur schwer prüfbar gewesen, was jeweils als die primäre „Muttersprache“ zu verstehen sei, von dem individuellen Staatszugehörigkeitsbekenntnis ganz zu schweigen. Waren bulgarischsprechende Muslime in Thrakien als Bulgaren anzusehen, griechischsprachige Anhänger der bulgarisch-orthodoxen Kirchen aber nicht? Das Ergebnis sollte ganz und gar nicht den optimistischen Erwartungen der bulgarischen Delegation und Öffentlichkeit entsprechen.</p>



<p>Als am 19.<strong>&nbsp;</strong>September der bulgarischen Abordnung die zusammengestellten Friedensbedingungen vorgelegt wurden, wirkte dies wie ein Schock. Die bulgarische Presse zeigte sich entsetzt, es kam zu vielfältigen offenen Protesten und Regierungschef Teodorov verweigerte entrüstet seine Unterschrift. Zu diesem Zeitpunkt war allerdings auch klar, dass er nicht mehr lange Regierungschef sein würde. Infolge der Instabilität der Regierungskoalition war es am 17.<strong>&nbsp;</strong>August zu Neuwahlen gekommen, in denen einerseits die Bauernunion mit über 27<strong>&nbsp;</strong>% klar stärkste Partei wurde, allerdings diesmal die sogenannten „Engsozialisten“ (Kommunisten) mit 18,5<strong>&nbsp;</strong>% zur zweitstärksten politischen Kraft aufstiegen. Die sozialdemokratischen „Breitsozialisten“ erlangten mit 13<strong>&nbsp;</strong>% Platz 3. Bulgarien erlebte somit während der Friedensverhandlungen einen deutlichen Linksruck, was angesichts der revolutionären Unruhen und Bürgerkriege in Ost- und Ostmitteleuropa unter den Siegermächten natürlich Beunruhigung hervorrief. Am 10.<strong>&nbsp;</strong>Oktober bildete der Führer der Bauernunion Stambolijski eine Koalitionsregierung mit kleineren gemäßigten bürgerlich-liberalen Parteien, womit er sich als Stabilitätsgarant gegenüber den Siegermächten präsentierte. An deren Haltung zu den Friedensbedingungen änderte dies jedoch nichts. Delegationsführer Teodorov versuchte in dieser Situation noch einmal nachdrücklich die Hauptschuld am bulgarischen Kriegseintritt dem Ex-Zaren Ferdinand zuzuschreiben und die damalige Oppositionshaltung der nun regierenden Parteien zu betonen, ohne damit aber Gehör zu finden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">28</sup> Am 3.<strong>&nbsp;</strong>November wurde der bulgarischen Delegation mitgeteilt, dass man sich auf keinerlei weitere Diskussionen einlasse. Teodorov, der keine Regierungsverantwortung mehr zu tragen hatte und mittlerweile in die Rolle des Oppositionspolitikers gewechselt war, blieb bei seiner Weigerung, seine Unterschrift unter den Vertrag zu setzen. Diese Bürde übernahm nun der neue Ministerpräsident Aleksandăr Stambolijski. Letztlich hatte er, ebenso wie Deutsche und Österreicher vor ihm bzw. Ungarn und Osmanen nach ihm, keine Wahl.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Vertragsunterzeichnung in Neuilly-sur-Seine am 27.&nbsp;November 1919</h2>



<p>Am Vormittag des 27.<strong>&nbsp;</strong>November unterschrieb Ministerpräsident Stambolijski im Rahmen einer kurzen Zeremonie im Rathaus von Neuilly unter den Augen der Vertreter der Siegermächte Großbritannien, Frankreich, Italien, den USA, der vier Dominions Australien, Neuseeland, Kanada und Südafrika sowie Japans, Belgiens, Chinas, Kubas, Griechenlands, des Hedschas, Polens, Portugals, Siams und der Tschechoslowakei den Friedensvertrag.<sup class="modern-footnotes-footnote ">29</sup></p>



<p>Die kanadische Historikerin Margaret MacMillan beschrieb diesen Akt treffend wie folgt: „Am 27.&nbsp;November 1919 fand im alten Rathaus von Neuilly eine schlichte Zeremonie statt. Auf der Treppe standen Wachen mit aufgepflanztem Bajonett Spalier, und eine neugierige Zuschauermenge wartete auf die Ankunft der Bulgaren. Stambolijski erschien allein, bleich und beklommen. Es wirkte, wie ein Amerikaner<sup class="modern-footnotes-footnote ">30</sup> mitleidig anmerkte, „als wäre ein Laufbursche zu einer Besprechung mit dem Vorstand gerufen worden.“ Der als Vertreter seines Landes anwesende griechische Ministerpräsident Eleftherios Venizelos „bemühte sich, nicht zu zufrieden auszusehen“. Der französische Ministerpräsident Georges Clemenceau, der von einem mit grünem Filz bespannten Tisch aus die Zeremonie leitete, brachte sie schnell über die Bühne. Athen beging das Ereignis mit einem Feiertag und einem Te Deum, während in Sofia trübselige Resignation herrschte.“<sup class="modern-footnotes-footnote ">31</sup></p>



<h2 class="wp-block-heading">Die territorialen Bestimmungen des Friedensvertrags</h2>



<p>Begleitet von großen Protesten ratifizierte das bulgarische Parlament am 5.&nbsp;Januar 1920 den Vertrag. Dieser glich im Aufbau und in seinen wesentlichen Inhalten den Verträgen von Versailles und von Saint-Germain und entsprach den damals üblichen Vertragsmustern.<sup class="modern-footnotes-footnote ">32</sup> Allerdings beinhaltete der Vertrag von Neuilly, ähnlich wie auch die anderen Pariser Vorortverträge der Jahre 1919/20, eine bis dahin ungewöhnlich hohe Zahl gemischter, nach traditioneller Kategorisierung unüblicher Vertragsklauseln.<sup class="modern-footnotes-footnote ">33</sup></p>



<p>Infolge der geschilderten, völlig abweichenden Erwartungen der bulgarischen Regierung und Öffentlichkeit gestaltete sich die Festlegung der neuen Grenzen Bulgariens als der psychologisch sicherlich härteste Teil der Verhandlungen. Vergeblich hatte die bulgarische Delegation in Neuilly im Sinne der Wilsonschen Visionen vorgeschlagen, die zukünftige territoriale Zugehörigkeit Makedoniens, Thrakiens und der Süddobrudscha mittels Volksabstimmungen zu ermitteln. Teilweise konnte sie dabei auf die Bestimmungen des Versailler Vertrages hinsichtlich durchzuführender Volksabstimmungen in Schleswig, Oberschlesien, Ost- und Westpreußen bzw. im Saargebiet, respektive auf den Vertrag von Saint-Germain hinsichtlich der Grenzziehung zu Ungarn und dem S.H.S.-Staat Bezug nehmen. Alternativ schlug sie die Bildung eines makedonischen Staates unter Völkerbundmandat vor, der allerdings aus der Perspektive Bulgariens quasi ein zweiter bulgarischer Staat gewesen wäre. All diese Optionen wurden in den Arbeitsgruppen nicht ernsthaft diskutiert.<sup class="modern-footnotes-footnote ">34</sup> Erschwerend kam hinzu, dass sich die US-Diplomatie, die zumindest teilweise als Fürsprecher bulgarischer Ansprüche auftrat, desillusioniert durch die Maximalforderungen der anderen großen Siegermächte, seit Spätsommer 1919 in den europäischen Streitfragen immer weniger Elan an den Tag legte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">35</sup> Allein die italienische Regierung unterstützte ansonsten punktuell, aus Rivalitätsgründen gegenüber dem südslawischen Staat und gegenüber Griechenland, bulgarische Positionen.</p>



<p>Völkerrechtlich war klar, dass Bulgarien auf die 1915 eroberten Gebiete Serbiens keinen Anspruch erheben konnte. Trotzdem hatte die Idee des Selbstbestimmungsrechts der Völker bei nicht wenigen bulgarischen Diplomaten und Politikern die Hoffnung hervorgerufen, doch noch die Zukunft des 1913 zu Serbien gekommenen Teils Makedoniens offen zu diskutieren. Auch seitens der USA wurde dies nicht grundsätzlich verweigert, jedoch sperrten sich sowohl Frankreich als auch Großbritannien gegen diese Idee. Zu groß schien die Gefahr, dass bei einer Infragestellung der Grenzen von 1913 eine Reihe alter Konflikte erneut aufbrechen könnten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">36</sup></p>



<p>In der Frage der Grenzziehung zwischen Bulgarien und dem neu gegründeten S.H.S.-Staat bestand zwischen den Diplomaten der Großmächte erheblicher Dissens. Während die französischen, britischen und japanischen Vertreter geneigt waren, den serbischen Forderungen entgegenzukommen, traten ihre italienischen und US-amerikanischen Kollegen für eine Beibehaltung der Grenze von 1915 ein.<sup class="modern-footnotes-footnote ">37</sup></p>



<p>Dennoch erhob der S.H.S.-Staat territoriale Ansprüche gegen Bulgarien. Die südslawischen Delegierten forderten an vier Stellen der Grenze größere Abtretungen altbulgarischen Gebietes. Argumentiert wurde mit sicherheitspolitischen Gründen. Die Angriffe bulgarischer Guerillaverbände 1914/15 gegen die für das damalige Serbien militärisch und wirtschaftlich überlebenswichtige Eisenbahnlinie im Vardartal und der Angriff Bulgariens im Oktober 1915 hätten ihrer Meinung nach die Notwendigkeit gezeigt, die Verteidigungsmöglichkeit gegenüber Bulgarien zu verbessern. Darin wurden sie von der britischen und französischen Diplomatie unterstützt, auch wenn mittlerweile durch die Vereinigung mit Montenegro, Kroatien und Dalmatien der südslawische Staat über mehrere Häfen an der Adria und damit Zugang zum Mittelmeer verfügte und die besagte Eisenbahnlinie an Bedeutung verloren hatte. Durch eine Abtretung der geforderten Gebiete wäre hingegen Bulgarien einem Angriff des westlich Nachbarn schutzlos ausgeliefert gewesen, da es alle strategisch wichtigen Pässe im Grenzgebirge verloren hätte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">38</sup> Den südslawischen Forderungen stand energischer Widerspruch der italienischen Diplomaten gegenüber, so dass der S.H.S.-Staat seine Ansprüche zwar nicht gänzlich aufgeben, aber doch spürbar reduzieren musste.<sup class="modern-footnotes-footnote ">39</sup> Letztendlich wurde in dieser territorialen Frage eine internationale Kommission gebildet, an der britische, bulgarische, französische, japanische und serbische Delegierte beteiligt waren. Gemäß §&nbsp;29 des Friedensvertrages musste Bulgarien letztendlich vier kleinere Gebiete am Fluss Timok und rund um die Städte Strumica, Bosilegrad und Caribrod mit insgesamt etwa 64.500 Einwohnern an den S.H.S.-Staat abtreten. Dass in diesem Gebiet eine überwiegend bulgarische bzw. teilweise walachische Bevölkerung lebte, blieb unberücksichtigt. Ähnlich wie auch aus anderen Gebieten wanderten in den 1920er-Jahren Tausende aus den „Westlichen Randgebieten“ nach Bulgarien bzw. teilweise von dort nach Übersee aus.</p>



<p>Gegenüber Griechenland musste Bulgarien letztlich vollständig auf das gesamte, 1912/13 unter hohen Verlusten eroberte Westthrakien<sup class="modern-footnotes-footnote ">40</sup> verzichten. Die Bedeutung dieses Gebietes lag für Bulgarien weniger in der angestrebten „Befreiung unterdrückter Bulgaren“, da dort zu einem erheblichen Teil verschiedensprachige Muslime lebten, die sich kaum als ethnische Bulgaren empfanden. Ohnehin waren die Interessen der muslimischen Bevölkerungsgruppe in Thrakien auf der Friedenskonferenz kein Thema. Ganz generell gestaltete sich die Frage der ethnischen Struktur der Region für die Siegermächte als sehr kompliziert, da es aufgrund der gravierenden Flucht- und Vertreibungsprozesse infolge der beiden Balkankriege keinerlei verlässliche Bevölkerungszahlen gab. Allerdings war Thrakien für Bulgarien auch weniger aus ethnisch-nationalen Gründen von großer Bedeutung, sondern wegen seiner fruchtbaren Böden und vor allem als Küstenregion. Mittels des dortigen Hafens Dedeagaç, dem heutigen Alexandroupoli, hätte die bulgarische Wirtschaft perspektivisch direkten Zugang zu den Märkten des Nahen Ostens erlangt. Die bulgarische Regierung verwies darüber hinaus darauf, dass die Großmächte 1913 die Angliederung Westthrakiens an Bulgarien als rechtmäßig anerkannt, ja sogar selbst 1915 eine zusätzliche territoriale Erweiterung nach Ostthrakien (Enez-Midye-Linie) als Preis für einen Kriegseintritt auf ihrer Seite angeboten hätten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">41</sup></p>



<p>In den Verhandlungen wurde die Thrakien-Frage nicht separat behandelt, sondern war für die Siegermächte auch mit den parallel laufenden Diskussionen um die Zukunft der türkischen Meerenge von Gallipoli verbunden. Dies machte den Verhandlungsgegenstand noch komplexer. Ohnehin waren sich die Großmächte auch in Bezug auf Thrakien uneinig. Großbritannien und Frankreich verfolgten selbst weitreichende Interessen im zerfallenden Osmanischen Reich und waren daher an einem guten Verhältnis zu Griechenland interessiert, weswegen sie dessen Forderung nach einer Angliederung ganz Thrakiens mit Ausnahme eines kleinen Gebietsstreifens westlich von Istanbul unterstützten. Wieder einmal waren es die USA und Italien, die sich deutlicher hinter Bulgarien stellten, zumindest hinsichtlich der Forderung nach einem eigenen Hafen an der Ägäisküste. Allerdings gab Italien seine probulgarische Haltung auf, nachdem es am 29.<em>&nbsp;</em>Juli 1919 mit Griechenland einen Interessensausgleich bezüglich der jeweiligen Einflussgebiete im Ägäisraum erreicht hatte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">42</sup></p>



<p>Angesichts dieser Situation bemühte sich die US-Diplomatie im Laufe des August um einen letzten Alternativvorschlag. Darin schlug diese vor, die überwiegend von griechischer Bevölkerung besiedelten Gebiete um İskeçe (griech. Xanthi) Griechenland zuzuschlagen. Die ihrer Ansicht nach größtenteils von Bulgaren bewohnten Gebiete rund um den Hafen Dedeagaç könnten hingegen, zusammen mit der Eisenbahnlinie entlang des Marica-Flusses bis zur Stadt Edirne, in einen internationalen Kleinstaat unter Völkerbundmandat umgewandelt werden, um so Bulgarien einen Ägäiszugang ermöglichen zu können. Dieser Vorschlag wurde zumindest von Frankreich durchaus positiv aufgenommen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">43</sup> Tatsächlich wurde Anfang September 1919 beschlossen, zunächst die 1913 zu Bulgarien gekommenen thrakischen Gebiete vorläufig einer internationalen Verwaltung zu unterstellen („Thrace Interalliée“). Zur endgültigen Festlegung der Grenze wurde eine internationale Kommission aus britischen, französischen und japanischen Abgesandten gebildet. Bulgarien musste sich verpflichten, die von der Kommission festgelegte Grenzziehung zu akzeptieren, während die Siegermächte im Friedensvertrag vage einen wirtschaftlichen Zugang zur Ägäis garantierten (Art.&nbsp;27 und 48).<sup class="modern-footnotes-footnote ">44</sup> Besprochen wurde ferner, dass Bulgarien das Recht erhalten sollte, unter vergünstigten Bedingungen (Transitrecht, Nutzung von Telefon- und Telegraphenverbindungen etc.) die westthrakischen Häfen nutzen zu können. Konkretisiert werden sollte dies später in bilateralen Abkommen, die jedoch nicht zustande kamen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">45</sup> Letztendlich wurde ein Jahr nach dem Neuilly-Vertrag im Frieden von Sèvres mit dem Osmanischen Reich dann doch nahezu ganz Thrakien bis kurz vor Istanbul Griechenland zugeschlagen, ohne dass hinsichtlich der festgeschriebenen Garantien für Bulgarien etwas Konkretes passiert wäre.</p>



<p>Lange Zeit offen blieb die Frage, ob nicht auch die Zukunft der Süddobrudscha auf der Friedenskonferenz diskutiert werden sollte. Noch am 10.&nbsp;November 1918, ein Tag vor dem Ende des Krieges, war Rumänien mit einer Kriegserklärung an das Deutsche Reich abermals offiziell in den Krieg eingetreten. Nach dem 11.&nbsp;November 1918 zog Bulgarien auf Anweisung der Siegermächte seine Truppen, wenig später auch seine Verwaltung aus der Dobrudscha ab. Damit entstand teilweise ein Sicherheitsvakuum, da sich die zunächst einrückenden alliierten französisch-italienischen Besatzungsverbände auf die größeren Ortschaften konzentrierten. Dies wurde insofern zum Problem, als bulgarische Einheiten bei ihrem Abzug Teile ihrer Waffen- und Munitionsbestände der lokalen bulgarischen Bevölkerung überließen, was die Herausbildung einer probulgarischen Guerilla begünstigte. Zusätzlich angeheizt wurde dies durch die diskriminierenden Maßnahmen der zurückkehrenden rumänischen Behörden. Schon nach kurzer Zeit begannen diese in der Dobrudscha mit der Einberufung Wehrpflichtiger, was unter anderem mit dem militärischen Vorgehen Rumäniens gegen die im April 1919 etablierte ungarische Räterepublik zusammenhing (Ungarisch-Rumänischer Krieg von April bis August 1919). Darüber hinaus belegte die rumänische Regierung die bulgarische und türkische Bevölkerung in der Dobrudscha mit höheren Steuern und zwang dieser wiederholte repressive Requirierungen auf. Zwar protestierten dagegen die Ententemächte, was jedoch die rumänische Regierung ignorierte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">46</sup></p>



<p>Trotzdem gestatteten die Siegermächte im Mai 1919 Rumänien, wieder selbst die militärische Kontrolle über die Norddobrudscha zu übernehmen. Hinsichtlich des kleineren Südteils, der bis 1913 Bestandteil des bulgarischen Staates gewesen war, existierten unterschiedliche Ansichten. Vorerst blieb die Süddobrudscha noch von italienischen und französischen Einheiten besetzt, wobei Italien eine eher probulgarische, Frankreich hingegen eine deutlich prorumänische Haltung einnahm.<sup class="modern-footnotes-footnote ">47</sup></p>



<p>Dass die Dobrudscha in der Anfangsphase der Pariser Friedensverhandlungen zu einem Thema wurde, ist unter anderem auf die Aktivitäten bulgarischer Auslandsorganisationen in den USA und in der Schweiz zurückzuführen. Die US-amerikanische und die italienische Delegationen griffen das Thema auf und versuchten im März 1919, die rumänische Gesandtschaft zu Zugeständnissen in der Dobrudscha-Frage zu bewegen, und sprachen sich teilweise für eine Überprüfung der ethnografischen Gegebenheiten aus, was letztlich auf die alte Grenzziehung von 1878 hinausgelaufen wäre.<sup class="modern-footnotes-footnote ">48</sup>. Die Idee eines rumänischen Entgegenkommen zugunsten Bulgariens in der Dobrudscha mit größeren Zugeständnissen in der Frage der Aufteilung des ungarischen Banats auszugleichen, scheiterte allerdings am Einspruch des S.H.S.-Staates und der mangelnden Begeisterung Rumäniens.<sup class="modern-footnotes-footnote ">49</sup> Rumänien verweigerte ohnehin jede Diskussion über eine Veränderung der Grenze, da der Frieden von Bukarest vom Mai 1918 als annulliert angesehen wurde und aus rumänischer Perspektive Bulgarien keinerlei rechtliche Ansprüche besaß. Letztlich schuf Frankreich Fakten, da es noch vor dem Friedensschluss die Rückkehr rumänischer Militär- und Zivilverwaltungsstrukturen in der gesamten Dobrudscha ermöglichte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">50</sup> Am 3.&nbsp;September 1919 einigten sich die Siegermächte darauf, an der 1913 gezogenen und beim Kriegseintritt Bulgariens gültigen Grenze festzuhalten und diese somit im Friedensvertrag unberücksichtigt zu lassen.</p>



<p>Zusammengefasst kann man zu den territorialen Bestimmungen festhalten, dass Bulgarien einen Teil seiner Eroberungen aus dem Ersten Balkankrieg 1912/13 behalten durfte und vergleichsweise glimpfliche Bedingungen akzeptieren musste, vergleicht man die Bestimmungen mit den anderen Pariser Vorortverträgen mit Österreich, Ungarn und dem Osmanischen Reich. Die territorialen Veränderungen wurden letztlich vor allem deswegen als Schmach empfunden, weil damit Bulgarien mit seinen rund 4,8&nbsp;Millionen Einwohnern in der Gesamtregion drastisch an Bedeutung verlor und nun faktisch als Kleinstaat wahrgenommen wurde. Besonders groß war die Verbitterung gegenüber dem südlich gelegenen Griechenland, das kaum aktiv am Weltkrieg beteiligt gewesen war, nun aber zu den großen Gewinnern zählte. Nach den Friedensverträgen von Neuilly-sur-Seine und Sèvres sah es so aus, als würde fast das gesamte Ägäische Meer zu einem griechischen Binnenmeer werden. Im Westen existierte nun ein großer südslawischer Staat mit ca. 12,6&nbsp;Millionen Einwohnern, in dem Serbien den vorherrschenden Ton angab, während im Norden Großrumänien mit rund 18&nbsp;Millionen Einwohnern gegründet worden war.<sup class="modern-footnotes-footnote ">51</sup></p>



<p>Weiteres Unbehagen wurde dadurch hervorgerufen, dass Bulgarien in den Artikeln 49–57 einen umfassenden Schutz für ethnische oder religiöser Bevölkerungsgruppen garantieren musste, im Gegenzug jedoch weder Griechenland noch der S.H.S.-Staat oder Rumänien Schutzgarantien für die bulgarischen Minderheiten auf ihrem Staatsterritorium abgaben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die militärischen Bestimmungen des Friedensvertrags</h2>



<p>War bereits durch das neue Größenverhältnis an Bevölkerung und Staatsgebiet gegenüber den Nachbarstaaten Bulgarien drastisch in eine Unterlegenheitsposition versetzt worden, so wurde dieses Benachteiligungsgefühl zusätzlich durch militärische Auflagen verstärkt. Die einstige große Militärmacht Bulgarien wurde, ganz ähnlich wie das deutsche Heer, auf eine kleine, unbedeutende Verteidigungsstreitmacht reduziert. Die Wehrpflicht wurde durch den Friedensvertrag abgeschafft. Das bulgarische Heer hatte auf maximal 20.000 Soldaten und Offiziere zu schrumpfen. Um die Existenz eines „Schattenheeres“ ausgebildeter Kader zu verhindern wurde festgeschrieben, dass Offiziere wenigstens bis zu ihrem 40.&nbsp;Lebensjahr sowie Unteroffiziere und Mannschaften mindestens 12 Jahre hintereinander dienen sollten. Erst dann durften Militärangehörige durch neue Freiwillige ersetzt werden. Schwere Waffen wie großkalibrige Artillerie, Giftgas, gepanzerte Fahrzeuge, U-Boote und jegliche Form von Luftstreitkräften (Flugzeuge, Zeppeline) wurden verboten. Mögliche andere bewaffnete Einrichtungen wie Gendarmerie und Polizei waren nur in einem Umfang von maximal 10.000 Leichtbewaffneten erlaubt. Eine Vermehrung war fortan nur im Zusammenhang mit einer entsprechenden Zunahme der Bevölkerungszahl gestattet. Sowohl Beamten und Angestellten als auch Mitarbeitern der Eisenbahn wurde jegliche Teilnahme an militärischen Übungen verboten. Es wurde Bulgarien erlaubt, ein bewaffnetes Grenzwachkorps aufzubauen, welches jedoch auf 3.000 Angehörige beschränkt bleiben musste. Jegliche Form militärischer Ausbildungsmöglichkeiten an Schulen, Universitäten, Vereinen oder anderen Organisationen wurde untersagt. Artikel 79 legte fest, dass die Erzeugung von Waffen, Munition und Kriegsmaterial fortan maximal in einer einzigen Fabrik in Bulgarien stattfinden dürfe. Die Einfuhr von Waffen, Munition und anderem Kriegsgerät war künftig nicht erlaubt.</p>



<p>Auch im Bereich der maritimen Rüstung wurden erhebliche Beschränkungen auferlegt. Zum Schutz der Donau und der Küste wurden Bulgarien insgesamt sechs Motorboote und vier Torpedoboote ohne Torpedos bis maximal 100 t Tonnage und mit lediglich leichter Armierung zugestanden.</p>



<p>Zur Überwachung der militärischen Bestimmungen des Friedensvertrages wurden ähnlich wie in Deutschland interalliierte Überwachungsausschüsse eingerichtet, die jederzeit Militäranlagen und -einrichtungen auf Einhaltung der Vertragsbestimmungen inspizieren durften und aus dem bulgarischen Staatshaushalt zu finanzieren waren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Reparationszahlungen</h2>



<p>Der Erste Weltkrieg hatte nicht nur weit über zehn Millionen Menschenleben gekostet, er hatte auch immense volkswirtschaftliche Ressourcen verschlungen. Die Verliererstaaten sollten diese Kosten abbezahlen. Zur Legitimierung dieser gewaltigen Reparationen und Kontributionen mussten bereits das Deutsche Reich in Versailles und Österreich in Saint Germain unterschreiben, die Alleinschuld für den Krieg zu tragen. Ähnlich wendeten die Siegermächte diese Praxis auch gegenüber Bulgarien an. In Artikel 121 heißt es im Vertrag von Neuilly-sur-Seine: „Bulgarien erkennt an, dass es durch den Anschluss an den Angriffskrieg, den Deutschland und Österreich-Ungarn gegen die alliierten und assoziierten Mächte eröffnet haben, diesen letzteren Verluste und Opfer aller Art verursacht hat, für die es volle Wiedergutmachung sicherstellen sollte. Andererseits erkennen die alliierten und assoziierten Regierungen an, dass die Hilfsmittel Bulgariens nicht ausreichen, um ihm die Verwirklichung dieser vollen Wiedergutmachung zu gestatten. Bulgarien verpflichtet sich demnach zur Zahlung und die alliierten und assoziierten Mächte verpflichten sich zur Annahme eines Betrages von zwei Milliarden zweihundertfünfzig Millionen (2.250.000.000) Franken in Gold als jener Entschädigung, die Bulgarien zu übernehmen imstande ist.“<sup class="modern-footnotes-footnote ">52</sup> Bulgarien wurde damit in gleicher Weise wie Deutschland und Österreich als Kriegsschuldiger behandelt. Der einzige Unterschied bestand darin, dass im Vertrag von Neuilly-sur-Seine eine konkrete Entschädigungssumme festgeschrieben wurde. Diese Summe sollte zuzüglich Zinsen vom Jahre 1920 an in Raten über 37 Jahre gestreckt abgezahlt werden. Bereits seit Beginn der Friedensverhandlungen in Paris hatte die US-Regierung darauf gedrängt, den Verliererstaaten eine konkrete Gesamtsumme zu benennen, da dies ihrer Meinung nach eine Grundvoraussetzung für eine baldige finanzielle und damit auch wirtschaftliche Stabilisierung Europas darstelle. Mit diesem Standpunkt konnten sich die US-Diplomaten erst in den Verhandlungen über die Bedingungen gegenüber Bulgarien durchsetzen. In den Gesprächen über die Friedensbedingungen gegenüber Deutschland und Österreich verweigerten sich die französischen und britischen Delegierten einer definitiven Festlegung der zu entrichtenden Kriegsentschädigung.<sup class="modern-footnotes-footnote ">53</sup></p>



<p>Neu an den Pariser Friedensverträgen und damit auch am Neuilly-Vertrag war der Ansatz, dass zugleich auch sämtliche vermögensrechtlichen Ansprüche von einzelnen Staatsangehörigen aus den Siegerstaaten mit geregelt werden sollten. So verpflichtete sich der bulgarische Staat nicht nur zu Reparationszahlungen an die Siegermächte, sondern auch zur Erstattung von entstandenen Schäden an Privatpersonen. In diesem Zusammenhang behielten sich die Regierungen der Siegerstaaten das Recht vor, bulgarisches Eigentum auf ihrem Staatsgebiet einzuziehen, um eventuelle Entschädigungsansprüche ihrer Staatsbürger ausgleichen zu können. Konkret bedeutete dies, dass Eigentum von Bulgaren in den Siegerstaaten beschlagnahmt und veräußert werden konnte. Der daraus erzielte Erlös sollte auf ein Reparationskonto gezahlt werden, um daraus etwaige zivile Ansprüche begleichen zu können, wobei Naturalrestitutionen Vorrang vor Geldentschädigungen haben sollten (Art.&nbsp;177).</p>



<p>Diese Regelung sollte später zu einem langen juristischen Streit zwischen Griechenland und Bulgarien führen. Das Königreich Griechenland war offiziell bis zum 27.&nbsp;Juni 1917 neutral geblieben. Es hatte sich jedoch zuvor in Saloniki im Oktober 1916 unter dem Politiker Eleftherios Venizelos eine republikanische Gegenregierung gebildet, die eigene Truppen aufgestellt und Bulgarien den Krieg erklärt hatte. Im Mai 1916 war die bulgarische Armee bei Kämpfen gegen die britisch-französische Orientarmee an einigen Stellen auf griechisches Staatsterritorium vorgedrungen. Auf diese Weise waren bereits ab diesem Zeitpunkt Personen- und Sachschäden und somit Ansprüche griechischer Staatsbürger gegenüber Bulgarien entstanden. Mit Verweis darauf begann der griechische Staat unmittelbar nach Kriegsende sowohl in Gebieten, die zum Zeitpunkt des bulgarischen Kriegseintritts bereits zu Griechenland gehört hatten (die 1913 von Griechenland annektierten Gebiete Makedoniens), als auch in den 1919 im Vertrag von Neuilly mit Bulgarien und 1920 im Vertrag von Sèvres mit dem Osmanischen Reich hinzugewonnenen Gebieten (Thrakien) das Eigentum dort lebender Bulgaren zu beschlagnahmen. Bulgarien wandte sich in dieser Frage später an das Völkerbundgericht, wo schließlich nach einem langjährigen Streit ein Kompromiss gefunden werden konnte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">54</sup></p>



<p>Eine zusätzliche Besonderheit stellte der Neuilly-Vertrag in Bezug auf die Reparationen dar. Der bulgarische Staat wurde rückwirkend verpflichtet, Teile der osmanischen Staatsschulden gegenüber den Siegermächten zu übernehmen (Art.&nbsp;134–135). Dabei wurden die Höhe der Staatsschulden des Osmanischen Reiches zu Beginn des Ersten Balkankrieges am 17.&nbsp;Oktober 1912 zugrunde gelegt und anteilig auf die nach 1912 von Bulgarien annektierten ehemals osmanischen Territorien umgerechnet.<sup class="modern-footnotes-footnote ">55</sup> Dies waren in erster Linie Forderungen der damaligen Hauptgläubigernationen wie Frankreich oder Belgien.</p>



<p>Neben den finanziellen Zahlungsverpflichtungen musste Bulgarien allerdings auch er­heb­liche Sachleistungen an jene Staaten zahlen, die unter der bulgarischen Kriegsbeteiligung unmittelbar in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt wurden dabei Bulgarien unter den Verlierernationen sogar die höchsten Reparationen auferlegt. Allein an den S.H.S.-Staat sollten jedes Jahr 50.000&nbsp;t Kohle, aber auch Eisenbahnausrüstung und große Stückzahlen Vieh übergeben werden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">56</sup></p>



<p>Neben den Reparationsverpflichtungen musste der bulgarische Staat ähnlich wie auch die anderen Verliererstaaten zusichern, im Handelsverkehr allen Siegermächten Vorzugsbedingungen (Meistbegünstigungsklauseln) zu garantieren (Art.&nbsp;147–151). Dies betraf auch die Fischerei- und Schifffahrtsrechte in bulgarischen Gewässern (Art.&nbsp;152–153).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Bestrafung bulgarischer Kriegsverbrecher</h2>



<p>Die Auslieferung bzw. Aburteilung von Kriegsverbrechern gehörte zu den alliierten Kernforderungen in den Friedensverträgen von Versailles und später auch von Sèvres und war auch im Neuilly-Vertrag enthalten. Dies bedeutete einen eklatanten Bruch einer langen europäischen Tradition einer gegenseitigen Amnestiezusicherung („Oblivionsklausel“). In den mehr als vier Jahren des „totalen Kriegs“ hatte die Propaganda die Bevölkerung in einem Maße ideologisiert und die Verliererseite als „Verbrecher“ kriminalisiert, dass die Regierungen der Siegermächte die Bestrafung der Kriegsverbrechen auf Basis der Haager Landkriegsordnung einfordern musste.<sup class="modern-footnotes-footnote ">57</sup> Natürlich war die Aufarbeitung eigener Kriegsverbrechen nicht vorgesehen. Verschiedene betroffene Siegerstaaten meldeten konkrete Ansprüche zur juristischen Ahndung von Kriegsverbrechen an. Die ursprüngliche Forderung, die Verliererstaaten sollten die benannten Personen ausliefern, damit diese dann von Gerichten in den Siegerstaaten abgeurteilt werden konnten, ließ sich aber nicht durchsetzen. Letztlich übernahmen die Verliererstaaten in kleinem Rahmen die Anklage einer kleinen Zahl der Beschuldigten. Dies geschah im deutschen Fall vor dem deutschen Reichsgericht in Leipzig in den Jahren 1921–1927 bzw. seitens der osmanischen Regierung in den Istanbuler Prozessen 1919–1920.<sup class="modern-footnotes-footnote ">58</sup> Allerdings wurden stets nur wenige Anklagen erhoben, noch viel weniger Verurteilungen ausgesprochen und davon nur ein kleiner Teil auch durchgesetzt. In ganz ähnlicher Weise war dies auch in Bulgarien der Fall. Auch der Friedensvertrag von Neuilly-sur-Seine sah die juristische Verfolgung der bulgarischen Kriegsverbrechen vor (Art.&nbsp;118–120). So hatten sich verschiedene bulgarische Truppenteile, Besatzungsorgane und Einzelpersonen einer Reihe schwerer Kriegsverbrechen in den von ihnen besetzten Gebieten Rumäniens, Griechenlands und insbesondere Serbiens schuldig gemacht. Allein die Belgrader Regierung legte während der Friedensverhandlungen eine Liste von über 1.660 angeblicher Kriegsverbrecher vor, die seit Kriegsende auf dem Gebiet Bulgariens lebten. Dabei verwies sie unter anderem auf ein Massaker an 120 serbischen Kriegsgefangenen am 26.&nbsp;Oktober 1915 in der Nähe der Stadt Štip sowie auf die Ermordung mehrerer Tausend Serben in der Umgebung der serbischen Stadt Surdulica.<sup class="modern-footnotes-footnote ">59</sup> Im Zentrum dieses Ansinnens standen 216 wichtige Aktivisten der IMRO.<sup class="modern-footnotes-footnote ">60</sup> An oberster Stelle befanden sich die beiden führenden Köpfe der IMRO Todor Aleksandrov und Aleksandăr Protogerov. Gut mit den höchsten Militärkreisen vernetzt, gehörten sie zu den Drahtziehern, die ab 1915 viele IMRO-Funktionäre an Schaltstellen der bulgarischen Besatzungsverwaltung in Makedonien und Moravien platziert hatten. Protogerov zählte darüber hinaus 1917/18 als eine Art „Wirtschaftsdiktator“ zu den zentralen Akteuren der bulgarischen Regierung.<sup class="modern-footnotes-footnote ">61</sup> Diese paramilitärische Guerillaorganisation begann sich 1919 in Bulgarien zu reorganisieren und wurde nicht ohne Grund als unmittelbare Bedrohung für den S.H.S.-Staat angesehen.</p>



<p>Aber auch die bulgarischen Kriegsverbrechen in der besetzten Dobrudscha wurden von der rumänischen Regierung in den Friedensverhandlungen eingebracht. Im Mai und Juni 1919 bildete sich zu dieser Frage im rumänischen Konstanza (rum. Constanța) eine rumänisch-französische Untersuchungskommission. Diese sammelte und dokumentierte Fälle von Massakern an der rumänischen Zivilbevölkerung, der Ermordung rumänischer Kriegsgefangener sowie der Zerstörung rumänischer Denkmäler und staatlicher Einrichtungen durch bulgarische Truppen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">62</sup></p>



<p>Tatsächlich bemühte sich die Regierung Stambolijski darum, die in ihren Augen Verantwortlichen für den Kriegseintritt und den Charakter der Kriegsführung juristisch zu belangen. Zu diesem Zweck verabschiedete die Regierung der Bauernunion am 22.&nbsp;November 1919 eigens ein „Gesetz zur Verurteilung der Schuldigen an der nationalen Katastrophe“. Allerdings drängte sich sehr bald die Vermutung auf, dass weniger die ehrliche Auseinandersetzung mit den begangenen bulgarischen Kriegsverbrechen, als vielmehr eine innenpolitische Machtsicherung der Bauernunion im Vordergrund der Bemühungen standen. Die meisten Gesuchten flohen für die Zeitdauer der Stambolijski-Regierung ins Ausland. Dazu zählten beispielsweise der 1915 amtierende Ministerpräsident Vasil Radoslavov und der damalige Generalstabschef der bulgarischen Armee Nikola Žekov. Da sich Radoslavov bereits Ende 1918 nach Deutschland geflüchtet hatte, verurteilte ihn ein bulgarisches Gericht 1922 in Abwesenheit als Kriegsverbrecher zum Tode. Auch Nikola Žekov setzte sich zunächst nach Deutschland ab, kehrte aber 1921 nach Bulgarien zurück, stellte sich der Anklage und wurde zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt. Nach dem Rechtsputsch gegen die Stambolijski-Regierung 1923 wurde er allerdings amnestiert. Auch Radoslavov, der 1929 nach Bulgarien zurückkehrte, profitierte von einer Amnestie. Sowohl Todor Aleksandrov als auch Aleksandăr Protogerov wurden am 4. November 1919 inhaftiert. Ihnen gelang jedoch bereits wenige Tage später die Flucht aus dem Gefängnis, und beide tauchten unter.<sup class="modern-footnotes-footnote ">63</sup> Die auf lokaler Ebene Verantwortlichen für die in Neuilly benannten Kriegsverbrechen in Serbien und in der Dobrudscha wurden nicht belangt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">64</sup> Nach dem blutigen Ende der Bauernunion-Herrschaft endete in Bulgarien ohnehin die Bereitschaft, Kriegsverbrecher unter Anklage zu stellen. Zwar drängte besonders die Belgrader Regierung noch lange darauf, Bulgarien wegen dessen Kriegsverbrechen vor dem Völkerbund anzuklagen, doch blieb dies ohne nennenswerte Konsequenzen. Bis heute ist die kritische Aufarbeitung der verübten Verbrechen und Gräuel im Ersten Weltkrieg ein Desiderat in der bulgarischen Wissenschaft geblieben.</p>



<p>Der Sieg der türkischen Nationalbewegung im Befreiungskrieg mündete am 24.&nbsp;Juli 1923 in den Vertrag von Lausanne, der Teile der Friedensordnung von 1919/20 in der Region wieder revidierte. Neben den Siegermächten des Weltkrieges wurde dazu unter anderem auch Bulgarien eingeladen. Als Anrainerstaat sollte es dem neuen Meerengenstatut zustimmen. Ein weiterer Grund war, dass weiterhin die ungeklärte Frage des im Neuilly-Vertrag zugesicherten wirtschaftlichen Zugangs zur Ägäis im Raume stand und abermals verhandelt werden sollte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">65</sup>Letztlich gab es zu diesem Punkt aber doch keine konkrete Vereinbarung. Nichtsdestotrotz wurde die Thrakische Frage neu verhandelt und führte dazu, dass das Osmanische Reich, welches sich bald in die Republik Türkei wandeln sollte, Ostthrakien zurückerhielt. Als Grenze zwischen dem weiterhin griechischen Westthrakien und dem wieder türkischen Ostthrakien wurde wie bereits 1913 der Fluss Meriç Nehri<em> </em>(griech. Enos, bulg. Marica) festgelegt. Die Hoffnungen in Bulgarien, ebenfalls von territorialen Änderungen in Thrakien profitieren zu können, erfüllten sich nicht. Um allerdings eine erneute militärische Konfrontation in Thrakien zu verhindern und damit eine Blockade der wirtschaftlich wichtigen Meerengen zu vermeiden, wurde auf Druck der Großmächte eine 30&nbsp;km breite entmilitarisierte Pufferzone entlang der griechisch-türkischen bzw. türkisch-bulgarischen Grenze vereinbart.<sup class="modern-footnotes-footnote ">66</sup></p>



<h2 class="wp-block-heading">„Bevölkerungsaustausch“: Zum Umgang mit den nationalen Minderheiten</h2>



<p>Die gravierendsten Ergebnisse der Lausanner Verhandlungen drückten sich in der Frage des Umgangs mit nationalen Minderheiten aus. Die Pariser Friedensordnung 1919/20 und der Völkerbund beinhalteten auch neue Wege, um zukünftig Nationalitätenkonflikte, die leicht in internationale Kriege ausufern konnten, zu verhindern. Hintergrund waren verschiedene irredentistische Nationalbewegungen vor dem Ersten Weltkrieg, aber auch die 1918/19 zunehmende Zahl von Pogromen gegen Minderheiten in Osteuropa, insbesondere gegen die jüdische Bevölkerung in der Ukraine und in Polen. Zu den ersten Schritten zählten Minderheitenschutzverträge, die Polen, das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, die Tschechoslowakei und (Groß)rumänien in bilateraler Form mit den Verliererstaaten unterzeichnen mussten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">67</sup> In den Jahren 1920–1922 kamen weitere Minderheitenschutzverträge, unter anderem in Bezug auf Finnland und Litauen, hinzu. Zu den nachdrücklichsten Verfechtern dieser Minderheitenschutzverträge zählten die USA, wohingegen Frankreich eine deutlich ablehnende Position einnahm, während die britische Haltung eher auf einen vermittelnden Kompromiss abzielte. Allerdings verfolgten im Zweifelsfall sowohl die französischen als auch die britischen Diplomaten eigene strategische Sicherheitsinteressen, anstelle eines objektiven Minderheitenschutzes. Beispielsweise unterstützte im Laufe der unterschiedlichen Verhandlungen 1919–1923 Großbritannien deutlich spürbar die Position des als Verbündeter in der Region wichtigen Griechenlands gegenüber Bulgarien. Alle von den Minderheitenschutzbestimmungen betroffenen Staaten lehnten diese ab und sahen sie als Eingriff in ihre teilweise gerade erst errungene Souveränität. Dieser Unmut wurde zusätzlich dadurch geschürt, dass die Siegermächte keinen Moment daran dachten, ähnliche Minderheitenschutzverpflichtungen einzuführen.</p>



<p>Auch Bulgarien wurde im Friedensvertrag von Neuilly-sur-Seine zur Unterzeichnung von Minderheitenschutzbestimmungen verpflichtet, wobei es in erster Linie um die Beziehungen zu Griechenland ging. Der österreichische Historiker Philipp Ther verwies in seiner 2011 erschienen Studie zur dunklen Seite der Nationalstaaten zu Recht darauf, dass der Neuilly-Vertrag im Unterschied zu den vorangegangenen Friedensverträgen von Versailles und Saint Germain bereits eine deutliche Radikalisierung des internationalen Umgangs der Mächte in der Frage nationaler Minderheiten beinhaltete.<sup class="modern-footnotes-footnote ">68</sup> Im Neuilly-Vertrag ging es nicht mehr allein um den Schutz von nationalen Minderheiten, sondern auch um deren Reduzierung. Der darin begonnene Prozess gipfelte schließlich in den Vereinbarungen von Lausanne von 1923, auf die noch zu sprechen kommen wird.</p>



<p>Die bulgarische Regierung garantierte in Artikel&nbsp;56 des Neuilly-Vertrages: „Bulgarien verpflichtet sich, die Verfügungen anzuerkennen, die von den alliierten und assoziierten Hauptmächten betreffend der gegenseitigen und freiwilligen Auswanderung von Personen, die rassischen Minderheiten angehören, für zweckmäßig befunden werden.“ Flankiert wurde diese Bestimmung mit der bilateralen „Konvention über die gegenseitige Emigration“, die Bulgarien und Griechenland parallel zum Friedensvertrag unterzeichneten. Diese Konvention sollte die freiwillige Auswanderung der ethnischen, religiösen und sprachlichen Minderheiten aus Bulgarien nach Griechenland bzw. aus Griechenland nach Bulgarien erleichtern.<sup class="modern-footnotes-footnote ">69</sup> Vor allem die griechische Regierung hatte, aus Angst vor zukünftigen nationalen Ansprüchen Bulgariens auf nordgriechische Gebiete, ein großes Interesse an einem Bevölkerungsaustausch. Allerdings zeigte sich bald das Problem, dass weder die vergleichsweise wohlhabende griechisch-orthodoxe bzw. griechischsprachige Minderheit an der bulgarischen Schwarzmeerküste, noch die südslawische bzw. bulgarisch-orthodoxe Bevölkerung ‚freudig‘ ihre Heimat verlassen wollten. Es kann daher durchaus bezweifelt werden, dass das Nationalgefühl der jeweiligen Bevölkerung so deutlich ausgeprägt war, wie es die nationale Geschichtsschreibung immer wieder behauptete. Oft scheinen lokale oder soziale Identifikationsformen wesentlich stärker gewesen zu sein, als die einer imaginierten Nation.<sup class="modern-footnotes-footnote ">70</sup> Die Zahl der freiwilligen Auswanderer blieb jedenfalls bis 1923 weit hinter den Erwartungen zurück.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Vertrag von Lausanne 1923</h2>



<p>Es waren letztlich die Ereignisse im Zuge der griechischen Invasion in Kleinasien und dem erfolgreichen Widerstand der türkischen Nationalbewegung, die in die Vertreibung Hunderttausender Menschen und den Vertrag von Lausanne mündete. Mittlerweile hatte sich bei vielen Diplomaten und anderen einflussreichen Gruppen die Ansicht durchgesetzt, nur „rassisch reine“ Nationalstaaten könnten stabile Staaten sein. Diese Ansicht erlebt heute, ein Jahrhundert später, im Zeichen eines anwachsenden konservativen Rechtspopulismus eine Renaissance.</p>



<p>Nennenswerte Minderheiten einer Nation in einem Nachbarstaat sollten, so die Ansicht der im Juni 1923 in Lausanne vertretenden Diplomaten, möglichst durch Bevölkerungsaustausch beseitigt werden. Für die betroffene Bevölkerung war keine Freiwilligkeit mehr vorgesehen. Hatten bereits die Kriege seit 1912 mit ihren Vertreibungs- und Fluchtbewegungen zu gravierenden Veränderungen der ethnischen und religiösen Bevölkerungsstruktur der Großregion geführt, bedeutete der Vertrag von Lausanne einen tiefen völkerrechtlichen Einschnitt in der Frage des Umgangs mit Minderheiten.</p>



<p>Dies betraf auch Bulgarien. Bereits in den Jahren nach den Balkankriegen hatten Zehntausende Griechen bzw. Anhänger des griechischen Patriachats Bulgarien verlassen und wurden vom griechischen Staat in den 1912/13 eroberten makedonischen Gebieten angesiedelt. Im Gegenzug verließen geschätzt 20.000 Bulgaren bzw. Anhänger des bulgarisch-orthodoxen Exarchats Griechenland in Richtung Bulgarien. Teilweise basierten diese Wanderungen auf gezielter Vertreibung.</p>



<p>Nachdem nun infolge des vereinbarten Bevölkerungsaustausches zwischen Griechenland und der Türkei Hunderttausende „Griechen“ nach Nordgriechenland bzw. „Türken“ nach Kleinasien und Ostthrakien kamen, schürte dies vor Ort große Konflikte. Die meist verarmten und mittellosen Deportierten erwarteten in den Regionen, in die sie gebracht wurden, Unterstützung in Form von Landzuteilung oder Arbeitsplätzen und Unterkünften. Die durch staatliche Politik herbeigeführte Misere erhöhte den Druck unter anderem auf die dortige südslawische Bevölkerung. Bald stieg die Flüchtlingszahl in Richtung Bulgarien. Der Völkerbund entsandte 1925 eine Kommission in die betroffenen thrakischen Gebiete. Das Ergebnis war, dass der Völkerbund empfahl, die im Friedensvertrag von Neuilly-sur-Seine angeregte „Auswanderung“ nachdrücklicher durchzuführen, was letztlich einen Freibrief für Vertreibung bedeutete.<sup class="modern-footnotes-footnote ">71</sup> Die letztendliche Anzahl der infolge dieser Politik bis 1931 Migrierten ist umstritten, doch kann davon ausgegangen werden, dass es sich um rund 100.000 Bulgaren und etwa halb so viele Griechen handelte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">72</sup> Eine Entschädigung der Zwangsmigrierten fand in der Regel nicht statt, wozu ohnehin das von großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten gebeutelte Griechenland oder gar das infolge des Krieges und den Reparationsverpflichtungen des Neuilly-Vertrages praktisch verarmte Bulgarien nicht in der Lage gewesen wären. Entsprechend groß waren unter den Zwangsmigrierten die Verbitterung und die Bereitschaft, sich revisionistischen Bewegungen anzuschließen. Es verblieb auch weiterhin eine slawische Minderheit in Griechenland („Slawphonoi“), die vom griechischen Staat jedoch fortan nicht mehr als nationale, sondern nur als sprachliche Minderheit anerkannt wurde.<sup class="modern-footnotes-footnote ">73</sup> Es versteht sich von selbst, dass die umstrittenen Zahlen zahlreiche Propagandamöglichkeiten für nationalistische Geschichtsschreibung boten und bis in die Gegenwart bieten.</p>



<p>Parallel zu den griechisch-bulgarischen Vereinbarungen zur wechselseitigen Bevölkerungsmigration schlossen zwei Jahre nach dem Lausanner Vertrag Bulgarien und die Türkei am 18.&nbsp;Oktober 1925 den bilateralen Friedens- und Freundschaftsvertrag von Angora (türk. Ankara) ab.<sup class="modern-footnotes-footnote ">74</sup> Darin wurde eine Entschädigung für die seit 1912 vertriebenen und geflohenen Bulgaren aus Ostthrakien und Kleinasien geregelt, die allerdings anschließend von der türkischen Regierung nicht ausbezahlt wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Neue Spannungen als Resultat des Friedensvertrags</h2>



<p>Das Nachkriegseuropa war geprägt von großen gesellschaftlichen Spannungen, schweren wirtschaftlichen Krisen und paramilitärischer Gewalt. Viele Menschen in den Verliererstaaten forderten eine Revision des „Schandfriedens“ von Paris. Bulgarien bildete dabei keine Ausnahme.</p>



<p>Das Land lag wirtschaftlich am Boden. Es fehlte an Saatgut und Vieh, in dem kleinen Industriesektor an Rohstoffen und Kohle für den Transporte und als Brennmaterial. Viele Kaufleute hatten ihre Kontakte zu Außenhandelspartnern verloren. Überall schnellten die Preise nach oben, während der Staat hoch verschuldet war. Selbst bei größten Anstrengungen war die Stambolijski-Regierung nicht in der Lage, die hohen Reparationsverpflichtungen zu erfüllen, geschweige denn der Wirtschaft zu helfen. Bereits 1923 sahen sich die Siegermächte gezwungen, die im Neuilly-Vertrag festgeschriebenen 2,25&nbsp;Milliarden Goldfranken auf 550&nbsp;Millionen zu senken. 1931 wurde die zu zahlende Summe für das mittlerweile extrem verschuldete Bulgarien auf 171,6&nbsp;Millionen Goldfranken reduziert. 1932 musste ganz auf die restlichen Zahlungen verzichtet werden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">75</sup></p>



<p>Besonders im Offizierskorps, von dem nun ein großer Teil arbeitslos geworden war, waren viele enttäuscht und offen für revisionistische, radikale Organisationen. Bestätigt wurden sie dabei insbesondere von der bürgerlichen Presse, die nach 1919 die Ansicht verbreitete, dass Bulgarien letztlich nur infolge falscher Versprechungen zur Aufgabe verleitet worden sei. Damit spielte sie auf die ideellen Ankündigungen von US-Präsident Wilson im Laufe des Jahres 1918 hinsichtlich eines Friedens ohne Annexionen und Reparationen sowie die Berücksichtigung des Selbstbestimmungsrechts der Völker an. Dass Bulgarien auf militärischer Ebene eindeutig besiegt wurde, blieb dabei unerwähnt – es war eine Kapitulation, kein Entgegenkommen Bulgariens infolge unlauterer Versprechungen. Entgegen dieser Tatsachen beförderten viele konservativ-bürgerliche Zeitungen den Mythos, ähnlich der deutschen „Dolchstoßlüge“, das Heer sei angeblich „im Felde unbesiegt“ geblieben.<sup class="modern-footnotes-footnote ">76</sup> Schuld an der Schmach seien vor allem die Streiks und Meutereien linksgerichteter Vaterlandsverräter gewesen. Einen Kontrapunkt dazu verfolgten lediglich die der Bauernunion nahestehenden Zeitungen, die im Sinne der Außenpolitik der Regierung Stambolijski für eine Verständigung mit den Nachbarstaaten und damit für eine unumgängliche Akzeptanz der Friedensbedingungen eintraten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">77</sup></p>



<p>Ein erhebliches Problem stellte die Versorgung der rasant wachsenden Zahl von Flüchtlingen dar. Bereits 1913–1915 waren viele Bulgaren, die infolge der Balkankriege aus den Nachbarländern geflüchtet oder vertrieben worden waren, ins Land gekommen. In den Jahren nach Kriegsende schnellte die Zahl der Vertriebenen und Flüchtlinge aus den angrenzenden Regionen abermals nach oben, wobei die Schätzungen über die Gesamtzahl weit auseinandergehen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">78</sup> Viele suchten angesichts der Zustände im verarmten Bulgarien in den darauf folgenden Jahren ihr Heil als unerwünschte Migranten in Übersee.<sup class="modern-footnotes-footnote ">79</sup> Allerdings mussten zur gleichen Zeit auch mehrere Zehntausend Griechen das Land verlassen, überwiegend aus der Schwarzmeerregion. Hinzu kam die freiwillige oder erzwungene Abwanderung von rund 230.000 Türken, Tartaren und muslimischen Bulgaren in Richtung Türkei im Laufe der 1920er- und 1930er-Jahre. Ein weiterer Schub bulgarischer Auswanderung aus Thrakien nach Bulgarien erfolgte nach einem zweiten bulgarisch-griechischen Bevölkerungsaustauschabkommen 1927 (Mollov-Kaphantaris-Abkommen). Ähnlich vielen anderen Regionen in Südosteuropa veränderte sich die ethnische Struktur Bulgariens erheblich. Schätzungen gehen davon aus, dass Ende der 1920er-Jahre mindestens 5&nbsp;% der bulgarischen Bevölkerung einen Flucht- oder Vertreibungshintergrund besaßen. Der Staat war nur punktuell in der Lage, die Flüchtlinge zu versorgen und deren Integration zu fördern. Teilweise wurden sie in Häusern und auf Höfen untergebracht, die zuvor Griechen oder Muslimen gehört hatten, die ihrerseits in die Nachbarländer hatten gehen müssen. Mittels radikaler Reformen löste die Stambolijski-Regierung große Ländereien der Klöster auf und versuchte darüber kleinere Landparzellen für die Zugewanderten zu schaffen. Dies alles konnte jedoch nicht verhindern, dass Zehntausende jahrelang in Elendsquartieren am Rande der größeren Städte lebten und den harten Konkurrenzkampf auf dem schwachen Arbeitsmarkt verschärften. Die sozialen Spannungen nahmen zu, es kam zu Streiks und gewalttätigen Protesten. Gleichzeitig bildeten die Vertriebenen und Flüchtlinge ein willkommenes Rekrutierungspotential für extremistische Organisationen wie die IMRO in deren Guerillakampf gegen die Nachbarstaaten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">80</sup> Aber auch die Kommunisten gewannen deutlich an Zulauf. Alte bürgerliche Kräfte wurden durch die sozialen und gesellschaftlichen Veränderungen und die spürbare Politisierung der kleinbäuerlichen Landbevölkerung tief verunsichert und öffneten sich ihrerseits für radikale, revisionistische Bewegungen. In ihren Reihen und seitens der IMRO bildeten sich auch die stärksten revisionistischen Kräfte, die mit der zunehmend autoritär agierenden Bauernunionregierung einen gemeinsamen Feind fanden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">81</sup> Im Juni 1923 kam es schließlich zu einem Putsch, in dessen Verlauf Ministerpräsident Stambolijski in die Hände der IMRO fiel. Diese töten ihn und schlugen seine Hand ab, mit der er den „Schandfrieden“ von Neuilly unterzeichnet hatte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">82</sup> Insgesamt starben bei dem Umsturz im Frühsommer 1923 schätzungsweise 20.000 Menschen. Allerdings sollte es auch dem anschließend gebildeten Regierungsblock „Demokratische Allianz“ (Demokratičeski sgovor) unter dem autoritären Politiker Aleksandăr Cankov nicht gelingen, nennenswerte Revisionen des Friedensvertrages zu erreichen. Erst zur Amtszeit der nachfolgenden demokratischeren Regierung unter dem makedonischstämmigen Andrej Ljapčev gelang es, revisionistische Fortschritte zu erzielen. 1927 verließ die Interalliierte Kontrollkommission, die die Einhaltung der Rüstungsbegrenzung überwacht hatte, das Land.</p>



<p>Außenpolitisch hatte Bulgarien bis zum Putsch 1923 eine ambitionierte Aussöhnungspolitik zurückgelegt. Zwar scheiterten ebenso die Bemühungen, die militärischen Restriktionen des Neuilly-Vertrages dahingegen zu lockern, dass Bulgarien der Aufbau eines Milizsystems erlaubt sei, wie die wiederholten Vorstöße, doch noch den im Vertrag zugesicherten Zugang zur Ägäis zu erhalten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">83</sup> Belohnt wurde die Aussöhnungsbereitschaft jedoch ähnlich wie die Österreichs im Jahr 1920 mit einer frühen Aufnahme in den Völkerbund. Auch gegenüber dem S.H.S.-Staat gelang zunächst eine Aussöhnung, da die Regierung der Bauernunion bereit war, gegen die autonome Stellung der IMRO in Bulgarien vorzugehen. Die IMRO hatte sich 1919 reorganisiert und startete im Februar 1920 von Südwestbulgarien aus wieder Guerillaangriffe über die Grenze hinweg gegen Einrichtungen des südslawischen Staates. Gleichzeitig entstanden ähnliche Organisationen, die in Thrakien einen Kleinkrieg gegen Griechenland und im Grenzgebiet zur Süddobrudscha gegen Rumänien initiierten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">84</sup> Als Ministerpräsident Stambolijski dann aber im März 1923 eine konkrete Kooperation in der Guerillabekämpfung mit der Belgrader Regierung unterzeichnete (Abkommen von Niš), war für die revisionistischen und rechtsnationalen Kreise in Bulgarien das Maß voll. Der „Erfüllungspolitiker“ wurde, wie bereits beschrieben, gestürzt und ermordet. Anschließend verhinderten die gefestigte Stellung der IMRO, die quasi im Südwesten des Landes einen Staat im Staate errichtete, sowie der innenpolitische „weiße Terror“ der rechtskonservativen Regierung Cankov eine Fortsetzung der Aussöhnungspolitik. Zwar versuchte die nachfolgende Regierung Andrej Ljapčevs ab 1926, die festgefahrene außenpolitische Situation wieder zu entkrampfen, hatte jedoch nur wenige Erfolge, auch weil die IMRO jeden zaghaften Annäherungsversuch an Belgrad sofort durch Terror zu torpedieren versuchte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">85</sup> Hinzu kam, dass die zwar kleinen, aber zahlreichen nationalkonservativen Organisationen in Bulgarien bzw. im Ausland immer wieder durch Aktionen und Publikationen eine Revision des Neuilly-Friedens einforderten. Zum zehnten Jahrestag des Friedensvertrages im Jahr 1929 kam es in zahlreichen bulgarischen Städten zu Protestkundgebungen, organisiert von rechtsnationalen und rechtsradikalen Organisationen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">86</sup>. Erschwerend kam hinzu, dass der S.H.S.-Staat seinerseits die bulgarische Minderheit in den 1919 annektierten „Westlichen Randgebieten“ nicht als ethnische Minderheit anerkannte und als Teil des serbischen Volkes deklarierte, wodurch diese beispielsweise keinen muttersprachlichen Unterricht oder eigene Organisationen zugestanden bekamen. Dies war zusätzlich Wasser auf den Mühlen der Revisionisten in Bulgarien.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Problematische Nachwirkungen des Neuilly-Friedens bis in die Gegenwart</h2>



<p>Es sollte noch bis 1937 dauern, bis zur Zeit der Königsdiktatur von Boris III., bis Bulgarien in einem Vertrag mit dem Königreich Jugoslawien offiziell auf jegliche Ansprüche gegenüber Makedonien verzichtete. Am 31.&nbsp;Juli 1938 unterzeichnete die bulgarische Regierung einen Nichtangriffspakt mit seinen Nachbarstaaten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">87</sup> Im Gegenzug wurden die im Frieden von Neuilly festgelegten Rüstungsbeschränkungen für Bulgarien aufgehoben. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich aber bereits sowohl Bulgarien, als auch Jugoslawien und Rumänien in einer wachsenden wirtschaftlichen Abhängigkeit vom deutschen NS-Staat. In den Jahren 1940/41 wurde schließlich die ganze Region in den Zweiten Weltkrieg hineingezogen, da das Deutschen Reich ohne die südosteuropäischen Rohstoffe keinen Krieg gegen die UdSSR führen konnte, was 1941 de facto zur gewaltsamen Revision des Friedensvertrages von Neuilly führte.</p>



<p>Nach 1944 wurde Bulgarien bald in den sowjetisch dominierten Ostblock eingebunden, während Griechenland und die Türkei Teil des rivalisierenden Westblocks wurden. Jugoslawien entwickelte sich zwar zu einem sozialistischen Land, grenzte sich aber als blockfreier Staat von der UdSSR ab und förderte bewusst die Herausbildung eines eigenständigen, vom bulgarischen Nationalismus unabhängigen makedonischen Identitätsgefühls. Verbunden war dies mit einem repressiven Vorgehen gegen jegliche Form von bulgarischem Nationalismus in der Teilrepublik. Demgegenüber erlebte im sozialistischen Bulgarien seit den 1960er-Jahren der bulgarische Nationalismus eine neue Renaissance, der sich zunächst gegen die Idee einer „makedonischen Nation“ und später, in den 1980er-Jahren, gegen die türkisch-muslimische Bevölkerung richtete.<sup class="modern-footnotes-footnote ">88</sup> Auch die Bulgarische Kommunistische Partei (Bălgarska Komunističeska Partija, BKP) war dabei bemüht, die vielen Nachkommen der Flüchtlinge aus den 1919 verlorenen Gebieten für sich zu gewinnen, so dass es auch für sie opportun war, den „ungerechten“ Frieden von Neuilly nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.</p>



<p>Anders als beispielsweise in Deutschland ist das Jahr 1945 in vielen Staaten nicht die wichtigste Zäsur der eigenen Nation im 20.&nbsp;Jahrhundert im kollektiven Gedächtnis geblieben. Dazu zählen auch viele ost- und südosteuropäische Staaten. Dies trifft auch auf Bulgarien zu, wo der „Schandfrieden“ von Neuilly bereits kurz nach der halbherzigen politischen Wende im Jahr 1989/90 wieder Thema in den Medien wurde. Organisationen, die sich als Vertreter der thrakischen und makedonischen Flüchtlinge und Vertriebene definierten, wurden neu gegründet. Dazu zählte die ursprünglich im Dezember 1918 im türkischen Edirne gegründete Dachorganisation thrakischer Vertriebenenverbände, die sogenannte Union der Thrakischen Verbände (Săjuz na Trakijskite Družestva v Bălgarija). Dieser bis heute aktive Verband nimmt für sich in Anspruch, die Interessen von angeblich 1,5&nbsp;Millionen Nachkommen der infolge des Friedens von Neuilly-sur-Seine aus dem türkischen Ost- und dem griechischen Westthrakien Geflüchteten und Vertriebenen zu vertreten.</p>



<p>Eine andere Kulturorganisation war die im Dezember 1990 gegründete Kulturorganisation IMRO-Bund der makedonischen Vereine (VMRO-Săjuz na makedonskite Družestva), die sich von vornherein auch als politische Partei definierte, allerdings diesen Schritt organisatorisch erst 1999 vollzog. Sie beansprucht für sich, direkter Nachfolger der 1893 gegründeten Befreiungsorganisation IMRO zu sein und die Interessen der makedonischen Flüchtlinge in Bulgarien zu vertreten. Heute besteht diese rechtskonservative, christlich-orthodoxe, nationalistische Partei unter der Bezeichnung IMRO – Bulgarische Nationale Bewegung überproportional aus geisteswissenschaftlichen Akademikern (Historikern, Juristen) und aktiven oder ehemaligen Mitgliedern des Sicherheitsapparates (Polizisten, ehemalige Militärs).<sup class="modern-footnotes-footnote ">89</sup> Als kleine, aber medial präsente Gruppierung war sie wiederholt maßgeblich an der Organisation von Protestkundgebungen und Fackelumzügen zum Jahrestag des Friedens von Neuilly am 27.&nbsp;November beteiligt. Mittels Bildungsveranstaltungen für Jugendliche bemüht sie sich, die Erinnerung an den bis heute anhaltenden „versklavenden“ Charakter des Friedensvertrages von 1919 wach zu halten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">90</sup> Prägnanter Weise existiert seit 1990 auch im benachbarten Makedonien eine rechtskonservative Partei, die für sich in Anspruch nimmt, alleinige Nachfolgeorganisation der früheren Befreiungsbewegung IMRO zu sein, die Innere Makedonische Revolutionäre Organisation – Demokratische Partei für Makedonische Nationale Einheit (Vnatrešna Makedonska Revolucionerna Organizacija-Demokratska Partija za Makedonsko Nacionalno Edinstvo, VMRO-DPMNE), die immer wieder als Sammelbecken christlich-konservativer und makedonisch-nationalistischer Kräfte die makedonische Regierung stellte und sich klar von Bulgarien abgrenzt.</p>



<p>Diese und andere Organisationen und Bewegungen sowie eine nach Ende des kommunistischen Regimes sehr unkritische „Wiederentdeckung“ des bulgarischen Zarenreiches ließ eine neue Erinnerungskultur an den Frieden von 1919 und die „verlorenen Gebiete“ entstehen. Hierbei fokussierte sich die bulgarische Politik bzw. die Aufmerksamkeit nationalistischer Kreise in Bulgarien weniger auf die Türkei<sup class="modern-footnotes-footnote ">91</sup>, Griechenland oder Rumänien<sup class="modern-footnotes-footnote ">92</sup> als vielmehr auf die „Westlichen Randgebiete“ und Makedonien. Angesichts der deutlichen Zunahme eines offenen Nationalismus gerieten bald schon die bulgarischen Minderheiten im benachbarten Jugoslawien, dem heutigen Serbien, und dem 1991 unabhängig gewordenen Makedonien zunehmend in den Fokus der bulgarischen Außenpolitik. Bereits während der konservativen Regierung von Ljuben Berov (1992–1994) begannen bulgarische Politiker und Diplomaten vermehrt die „Westlichen Randgebiete“ im angrenzenden Jugoslawien zu besuchen und die angeblich massiven Verletzungen der Menschen- und Bürgerrechte an der dortigen bulgarischen Minderheit gegenüber der UNO anzuklagen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">93</sup> Ende der 1990er-Jahre gründete die staatliche Agentur der Bulgaren im Ausland eigene Kultur- und Informationszentren in der dortigen Stadt Dimitrovgrad (1919 Caribrod) und Bosilegrad, die zur Pflege bulgarischer Kultur in den „verlorenen Gebieten“ beitragen sollen. Anders als im Jugoslawien der Zwischenkriegszeit hatte das titoistische Jugoslawien der bulgarischen Bevölkerung die Rechte als eigenständige Minderheit zugestanden. Diese wurden allerdings Ende der 1980er-Jahre, wie auch gegenüber anderen Minderheiten, reduziert oder gänzlich aufgehoben. Für bulgarische Nationalisten war dies eine willkommene Situation, an die in ihren Augen ungerechte Friedensordnung von 1919 zu erinnern.</p>



<p>War der bulgarische Nationalismus bereits in den 1990er-Jahren offen präsent und ebenso im so genannten „roten“ als auch im „blauen“ Lager stark vertreten gewesen, erhielt er zusätzliche Impulse durch die Rückkehr des 1946 als Kind ins Exil gegangenen Zaren Simeon II. nach Bulgarien. Unter dem bürgerlichen Namen Simeon Borissov Sakskoburggotski gewann er 2001 mit seiner heterogenen Sammelbewegung „Nationale Bewegung für Stabilität und Fortschritt“ die Parlamentswahl. Indirekt förderte die damit verbundene Rückerinnerung an die Zarenzeit auch eine Stärkung nationalistischer Organisationen wie der Koalition Ataka des Rechtspolitikers Volen Siderov, die 2005 mit fast 9&nbsp;% der Wählerstimmen ins Parlament einzog. Rechtsextreme Nationalisten sind seitdem eine feste Größe im politischen Leben Bulgariens. Dazu gehörte und gehört auch ein beständiger Verweis auf die Ungerechtigkeit des „Schandfriedens“ von Neuilly-sur-Seine. Beispielsweise versuchten zum Jahrestag der Unterzeichnung des Friedensvertrages am 27. November 2010 mehrere Busse mit ca.&nbsp;500 Ataka-Anhängern nach Bosilegrad in Serbien zu gelangen. Dort planten sie gegen die „Unterdrückung“ der Bulgaren in den „Westlichen Randgebieten“ zu demonstrieren.<sup class="modern-footnotes-footnote ">94</sup> Auch das Europaparlament, in dem ebenfalls zunehmend bulgarische Nationalisten vertreten sind, wurde seit dem EU-Beitritt Bulgariens immer wieder als Plattform genutzt, um auf die infolge des Neuilly-Vertrages „unterdrückten“ Bulgaren im ehemaligen Jugoslawien hinzuweisen. Allgemein ist in Bulgarien die Zahl der nationalkonservativen und nationalistischen Intellektuellen gestiegen. Ein Beispiel dafür ist der Mediziner Grigor Velev, u. a. seit 2004 Vorsitzender der nationalistischen „Assoziation der Bulgaren in der Welt“ (Asoziazija na bălgarite po sveta), der offen die Rückgabe der in Neuilly verlorenen „westlichen Gebiete“ fordert und dies als Grundvoraussetzung für einen EU-Beitritt Serbiens ansieht.<sup class="modern-footnotes-footnote ">95</sup></p>



<p>Seit November 2014 unterstützte die rechtspopulistische „Patriotische Front“ die zweite Regierung Bojko Borissovs. Seit Frühjahr 2017 ist das ultranationalistische Wahlbündnis „Vereinigte Patrioten“ unmittelbar an der Regierung beteiligt. Dort besetzen deren Vertreter im dritten Kabinett von Bojko Borissov unter anderem die Ministerposten für Verteidigung, Kultur und Wirtschaft. Es wird daher spannend sein zu sehen, welchen Charakter die Erinnerungsveranstaltungen in Bulgarien zum 100.&nbsp;Jahrestag des Friedens von Neuilly-sur-Seine im Jahre 2019 haben werden.</p>



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<p><strong>Dr. Björn Opfer-Klinger</strong> (geb. 1972) studierte in Göttingen und Wien Mittlere und Neuere Geschichte, Politikwissenschaft und Osteuropäische Geschichte. Er promovierte 2004 zur bulgarischen Besatzungsherrschaft in Vardar-Makedonien während des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Parallel arbeitete er bei verschiedenen Zeitungs- und Buchverlagen in Sofia und Hildesheim sowie als Lehrbeauftragter an den Universitäten Göttingen und Dresden. Seit 2004 arbeitet er als Schulbuchredakteur im Bereich Geschichte gymnasiale Oberstufe / berufliche Bildung im Ernst Klett Verlag in Leipzig und ist freiberuflich als Dozent in der Erwachsenenbildung und als wissenschaftlicher Autor tätig.</p>



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<p><a href="#_ftnref1"><sup>[1]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Eckart Conze: Die große Illusion. Versailles 1919 und die Neuordnung der Welt. München: Siedler Verlag 2018.</p>



<p><a href="#_ftnref2"><sup>[2]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Margaret MacMillan: Die Friedensmacher. Wie der Versailler Vertrag die Welt veränderte. Berlin: Propyläen 2015.</p>



<p><a href="#_ftnref3"><sup>[3]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Jörn Leonhard: Der überforderte Frieden. Versailles und die Welt 1918–1923. München: C. H. Beck 2018.</p>



<p><a href="#_ftnref4"><sup>[4]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Valentin Spiridonov: Der Friedensvertrag von Neuilly-sur-Seine aus bulgarischer Sicht. In: Harald Gröller, Harald Heppner (Hgg.): Die Pariser Vororte-Verträge im Spiegel der Öffentlichkeit. Wien: LIT Verlag 2013, S.&nbsp;101–114,<br>hier: S.&nbsp;114.</p>



<p><a href="#_ftnref5"><sup>[5]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Văzglasite „Dolu Nyoj!“ Oteknaha v Sandanski. [Schreie „Nieder Neuilly!“ erschallten in Sandanski] 27.11.2018, &lt;http://infomreja.bg/vyzglasite-dolu-nyoj-oteknaha-v-sandanski-58833.html&gt; bzw. &lt;http://www.blagoevgrad.utre.bg/2018/11/26/521280-vuzglasite_dolu_nyoy_oteknaha_v_sandanski&gt;, 3.1.2019.</p>



<p><a href="#_ftnref6"><sup>[6]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Hans Roger Madol: Ferdinand von Bulgarien. Der Traum von Byzanz. Berlin: Universitas Deutsche Verlags-Aktiengesellschaft 1931, S.&nbsp;140; Stephan Constant: Foxy Ferdinand, 1861–1949. Tsar of Bulgaria. London: Sidgwick and Jackson1979, S.&nbsp;259, S.&nbsp;286.</p>



<p><a href="#_ftnref7"><sup>[7]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Unter Ostthrakien wird geographisch in etwa der heutige europäische Teil der Türkei verstanden.</p>



<p><a href="#_ftnref8"><sup>[8]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Makedonien war damals kein klar definiertes Gebiet. Anfang des 20.&nbsp;Jahrhunderts wurde mit dem Begriff jene drei osmanischen Provinzen verbunden, in denen auf Druck der Großmächte nach 1903 Reformen zugunsten der christlichen Bevölkerung durchgeführt werden sollten: Selânik (Saloniki), Manastır (Bitola) und Üsküb (Skopje). Die entsprach in etwa dem heutigen Nordgriechenland, einem kleinen Teil Ostalbaniens, der heutigen Republik Mazedonien sowie dem heutigen Südwestbulgarien. Siehe dazu Henry Robert Wilkinson: Maps and Politics. A Review of the Ethnographic Cartography of Macedonia. Liverpool: University Press 1951; Fikret Adanır: Die Makedonische Frage. Ihre Entstehung und Entwicklung bis 1908. Wiesbaden: Franz Steiner Verlag 1979.</p>



<p><a href="#_ftnref9"><sup>[9]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Jungtürken zählten zunächst zu den vielen, Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Reformbewegungen im orientalischen Raum, ähnlich den Jungägyptern oder Jungafghanen. 1908 erreichten sie mittels einer Revolution die Wiedereinführung der Reformverfassung von 1876 und somit die Umwandlung des Osmanischen Reiches in eine konstitutionelle Monarchie. Während des Ersten Balkankrieges 1912/13 putschten sich allerdings jungtürkische Offiziere an die Macht, die türkisch-nationalistische bzw. turko-rassistische Vorstellungen vertraten und 1915 eine genozidale Politik gegenüber verschiedenen christlichen Bevölkerungsgruppen innerhalb des Osmanischen Reiches verfolgten.</p>



<p><a href="#_ftnref10"><sup>[10]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ostthrakien sollte auf der Linie von der Hafenstadt Enez an der Ägäisküste bis zum kleinen Ort Midye am Schwarzen Meer (dem heutigen Kıyıköy) geteilt werden. Siehe unter anderem Ivan Ilčev: Great Britain and Bulgaria‘s Entry into the First World War (1914–1915). In: Bulgarian Historical Review 1982/4, S.&nbsp;29–48, hier: S.&nbsp;36, sowie Diplomatičeski Dokumenti po namesta na Bălgarija v Evropejskata Vojna [Diplomatische Dokument über die Einmischung Bulgariens in den Europäischen Krieg]. Tom I., Sofija 1920, S.&nbsp;327, S.&nbsp;494.</p>



<p><a href="#_ftnref11"><sup>[11]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Militärkonvention vom 6. September 1915, abgedruckt in Helmuth K. G. Ronnefarth (Hg.): Konferenzen und Verträge. Vertrags-Ploetz. Teil III, Würzburg: A.G. Ploetz Verlag 1958, S.&nbsp;405.</p>



<p><a href="#_ftnref12"><sup>[12]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Borislav Chernev: Twilight of Empire. The Brest-Litovsk Conference and the Remaking of East-Central Europe, 1917–1918. Toronto: University of Toronto Press 2017, S.&nbsp;161–163.</p>



<p><a href="#_ftnref13"><sup>[13]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Gerhard Ritter: Staatskunst und Kriegshandwerk. Das Problem des „Militarismus“ in Deutschland. Bd.&nbsp;IV, München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag 1968, S.&nbsp;112.</p>



<p><a href="#_ftnref14"><sup>[14]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Chernev: Twilight of Empire, S.&nbsp;14.</p>



<p><a href="#_ftnref15"><sup>[15]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe dazu: Elke Bornemann: Der Frieden von Bukarest 1918. Frankfurt am Main: P.I.E. Dez 1978; Björn Opfer-Klinger: Eine kleine Region spaltet den Vierbund – Die Dobrudscha als Konfliktregion im 1.&nbsp;Weltkrieg. In: Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik 23 (2014) H.&nbsp;1–2, S.&nbsp;38–63; Stefan Minkov: Der Rumänienfeldzug und die Dobrudscha-Frage 1916–1918 im Kontext des Verhältnisses zwischen Bulgarien und dem Osmanischen Reich. In: Gundula Gahlen, Deniza Petrova, Oliver Stein (Hgg.): Die unbekannte Front. Der Erste Weltkrieg in Rumänien. Frankfurt am Main: Campus Verlag 2018, S.&nbsp;405–430.</p>



<p><a href="#_ftnref16"><sup>[16]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wolfdieter Bihl: Zur Dobrudža-Frage im Ersten Weltkrieg. In: Miscellanea Bulgarica 12 (1998), S.&nbsp;39–54, hier: S.&nbsp;46.</p>



<p><a href="#_ftnref17"><sup>[17]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Georgi Markov: Goljamata vojna i bălgarskata straža meždu sredna Evropa i Orienta 1916–1919 [Der Erste Weltkrieg und die bulgarische Wache zwischen Mitteleuropa und dem Orient 1916–1919]. Sofija 2006, S.&nbsp;383.</p>



<p><a href="#_ftnref18"><sup>[18]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Valentin Spiridonov: Der Friedensvertrag von Neuilly-sur-Seine aus bulgarischer Sicht. In: Gröller, Heppner (Hgg.): Die Pariser Vororte-Verträge, S.&nbsp;101–114, hier: S.&nbsp;103f.</p>



<p><a href="#_ftnref19"><sup>[19]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Snezhana Dimitrova: Hunger, Diseases, and Bulgarian Women’s Revolts (1916–1918). In: Wolfgang Höpken, Wim van Meurs (Hgg.): The First World War and the Balkans: Historic Event, Experience, Memory / Der Erste Weltkrieg auf dem Balkan: Ereignis, Erfahrung und Erinnerung. Berlin: Peter Lang 2018, S.&nbsp;116–161, hier: S.&nbsp;133–136.</p>



<p><a href="#_ftnref20"><sup>[20]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Cočo V. Bilkarski: Ot San Stefano do Pariš (1878–1947 g.) [Von San Stefano nach Paris (1878–1947)] Sofija 2009, Dok. No.&nbsp;20, S.&nbsp;140f.</p>



<p><a href="#_ftnref21"><sup>[21]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe dazu Snezhana Dimitrova: Bulgarian Prisoners of War and Prisoners of War in Bulgaria (1915–1918): Law, Practices and Everyday Life. In: Mustafa Daş, u.&nbsp;a.: First World War Centenary. Symposium Papers Book. Izmir 2015, S.&nbsp;443–463.</p>



<p><a href="#_ftnref22"><sup>[22]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Andrea Schmidt-Rösler: Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg. Die Grenzziehung in der Dobrudscha und im Banat und die Folgeprobleme. Frankfurt am Main: Peter Lang 1994, S.&nbsp;40.</p>



<p><a href="#_ftnref23"><sup>[23]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Edson James Drake: Bulgaria at the Paris Peace Conference. Washington: Georgetown University 1967, S. 210; siehe auch: Jordan Ivanoff: Les Bulgares devant le Congrès de la paix. Documents historiques, ethnographiques et diplomatiques, avec quarter cartes en couleurs [Die Bulgaren vor dem Friedenkongress. Historische, ethnographische und diplomatische Urkunden, mit vier Farblandkarten]. Berne: P. Haupt. 1919.</p>



<p><a href="#_ftnref24"><sup>[24]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; MacMillan: Die Friedensmacher, S.&nbsp;199.</p>



<p><a href="#_ftnref25"><sup>[25]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Josef L. Kunz: Die Revision der Pariser Friedensverträge. Eine völkerrechtliche Untersuchung. Wien: Springer 1932, S.&nbsp;26.</p>



<p><a href="#_ftnref26"><sup>[26]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Robert Gerwarth: Die Besiegten. Das blutige Erbe des Ersten Weltkriegs. München: Siedler Verlag 2017, S.&nbsp;268. Siehe auch den Brief von Ministerpräsidenten Teodorov, den dieser am 2. September 1919 an die Siegermächte richtete. Cočo Biljarski (Hg.): Nojskijat pogrom i terorăt nad bălgarite. Sbornik ot dokumenti i materiali [Das Neuilly-Pogrom und Terror gegen die Bulgaren. Sammelband von Dokumenten und Materialien]. Sofija 2009, S.&nbsp;38.</p>



<p><a href="#_ftnref27"><sup>[27]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; MacMillan: Die Friedensmacher, S.&nbsp;193.</p>



<p><a href="#_ftnref28"><sup>[28]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Léon Savadjian: La Bulgarie à la Conférence de la Paix [Bulgarien auf der Friedenskonferenz von Paris]. Paris: Édition de la „Revue des Balkans“ 1919, S.&nbsp;8–24.</p>



<p><a href="#_ftnref29"><sup>[29]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; The Times. Correspondent Reporting from Sofia. Zusammengestellt von Kostadin Pandev und Valentin Alexandrov. Sofia: Sofia Press 1983, S.&nbsp;174.</p>



<p><a href="#_ftnref30"><sup>[30]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Gemeint ist der kanadischstämmige Geograph Isaiah Bowman, der 1919 von der US-Regierung als Experte in die US-Delegation während der Friedenskonferenzen berufen worden war und der später seine Erinnerung niederschrieb. Edward Mandell House, Charles Seymour (Hgg.): Isaiah Bowman: Constantinople and the Balkans. In: What really happened at Paris: The story of the peace conference 1918–1919. By American delegates. New York: Charles Scribner’s Sons 1921, S.&nbsp;140–175, hier: S.&nbsp;163f.</p>



<p><a href="#_ftnref31"><sup>[31]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; MacMillan: Die Friedensmacher, S.&nbsp;199f.</p>



<p><a href="#_ftnref32"><sup>[32]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Andreas Zimmer: Friedensverträge im Völkerrecht. Koblenz: Siegfried Bublies Verlag 1989, S.&nbsp;5–7.</p>



<p><a href="#_ftnref33"><sup>[33]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Roland Banken: Die Friedensverträge von Sèvres 1920 und Lausanne 1923. Münster: LIT Verlag 2013, S.&nbsp;170.</p>



<p><a href="#_ftnref34"><sup>[34]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Spiridonov: Der Friedensvertrag von Neuilly-sur-Seine, S.&nbsp;105f.</p>



<p><a href="#_ftnref35"><sup>[35]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; MacMillan: Die Friedensmacher, S.&nbsp;198.</p>



<p><a href="#_ftnref36"><sup>[36]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ebenda. S.&nbsp;197.</p>



<p><a href="#_ftnref37"><sup>[37]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Drake: Bulgaria at the Paris Peace Conference, S.&nbsp;235–242.</p>



<p><a href="#_ftnref38"><sup>[38]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Georgi Genoff: Das Schicksal Bulgariens. Sein Kampf gegen das Friedensdiktat von Neuilly. Berlin: Heymann 1940, S.&nbsp;33f.</p>



<p><a href="#_ftnref39"><sup>[39]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; MacMillan: Die Friedensmacher, S.&nbsp;198.</p>



<p><a href="#_ftnref40"><sup>[40]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Unter Westthrakien ist an dieser Stelle jene osmanische Region an der Ägäisküste zu verstehen, die infolge der Balkankriege 1913 an Bulgarien fiel („Ägäisthrakien“).</p>



<p><a href="#_ftnref41"><sup>[41]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Paris Peace Conference (Hg.): Conditions of Peace with Bulgaria. Observations of the Bulgarian Delegation on the Conference of Peace with Bulgaria. Paris: Imprimerie H. Elias 1919, S.&nbsp;48–50.</p>



<p><a href="#_ftnref42"><sup>[42]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Roland Banken: Die Verträge von Sèvres 1920 und Lausanne 1923. Münster: LIT Verlag 2014, S.&nbsp;210f.</p>



<p><a href="#_ftnref43"><sup>[43]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Paul C. Helmreich: From Paris to Sèvres. The Partition of the Ottoman Empire at the Peace Conference of 1919–20. Ohio: Ohio State University Press 1974, S.&nbsp;155–157; Edson James Drake: Bulgaria at the Paris Peace Conference: A Diplomatic History of the Treaty at Neuilly-sur-Seine. Georgetown University 1967 (Dissertation), S.&nbsp;149–157; Nicholas Petsalis-Diomidis: Greece at the Paris Peace Conference 1919. Thessaloniki: Institute for Balkan Studies 1978, S.&nbsp;269–273.</p>



<p><a href="#_ftnref44"><sup>[44]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Drake: Bulgaria at the Paris Peace Conference, S.&nbsp;156–158; Petsalis-Diomidis: Greece at the Paris Peace Conference, S.&nbsp;286–289.</p>



<p><a href="#_ftnref45"><sup>[45]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Banken: Die Verträge von Sèvres 1920 und Lausanne 1923, S.&nbsp;214.</p>



<p><a href="#_ftnref46"><sup>[46]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Schmidt-Rösler: Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg, S.&nbsp;61–66.</p>



<p><a href="#_ftnref47"><sup>[47]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ebenda, S.&nbsp;52–55.</p>



<p><a href="#_ftnref48"><sup>[48]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ebenda, S.&nbsp;84f.</p>



<p><a href="#_ftnref49"><sup>[49]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Margaret MacMillan: Die Friedensmacher, S.&nbsp;193.</p>



<p><a href="#_ftnref50"><sup>[50]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Sherman David Spector: Romania at the Paris Peace Conference. A Study of the Diplomacy of Ioan I. C. Bratianu. New York: Bookman Associates 1962, S.&nbsp;72.</p>



<p><a href="#_ftnref51"><sup>[51]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vor den Balkankriegen umfasste Bulgarien 96.346 km² mit knapp 4,34 Millionen Einwohnern. 1920 waren es 103.146 km² mit 4,85 Millionen Einwohner. Valentin Spiridonov: Der Friedensvertrag von Neuilly-sur-Seine aus bulgarischer Sicht. In: Gröller, Heppner (Hgg.): Die Pariser Vororte-Verträge, S.&nbsp;101–114, hier: S.&nbsp;109.</p>



<p><a href="#_ftnref52"><sup>[52]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &lt;http://www.versailler-vertrag.de/neuilly/8.htm&gt;, 3.1.2019.</p>



<p><a href="#_ftnref53"><sup>[53]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Friedrich Glose: Der griechisch-bulgarische Streit vor dem Völkerbundsgerichtshof. Ein Beitrag zur Auslegung des Vertrags von Neuilly (Teil 9, Abschnitt V, Anhang §&nbsp;4). Münster: Helios-Verlag 1928, S.&nbsp;13.</p>



<p><a href="#_ftnref54"><sup>[54]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Friedrich Glose: Der griechisch-bulgarische Streit, S.&nbsp;73–78.</p>



<p><a href="#_ftnref55"><sup>[55]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Banken: Die Verträge von Sèvres 1920 und Lausanne 1923, S.&nbsp;313f.</p>



<p><a href="#_ftnref56"><sup>[56]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Gerwarth: Die Besiegten, S.&nbsp;268.</p>



<p><a href="#_ftnref57"><sup>[57]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Conze: Die große Illusion, S.&nbsp;383f.</p>



<p><a href="#_ftnref58"><sup>[58]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zu den Istanbuler Prozessen siehe Conze: Die große Illusion, S.&nbsp;405f.</p>



<p><a href="#_ftnref59"><sup>[59]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Mark Lewis: Birth of the New Justice. The Internationalization of Crime and Punishment, 1919–1950. Oxford: Oxford University Press 2014, S.&nbsp;66; Milovan Pissari: Bulgarian Crimes against Civilians in Occupied Serbia during the First World War. In: Balcanica. Institute for Balkan Studies 44 (2013), S.&nbsp;357–390; Andrej Mitrović, Serbia’s Great War, 1914–1918. West Lafayette, Indiana: Purdue University Press 2007, S.&nbsp;222f; siehe auch: Report of the International Commission (1919); Album des crimes bulgares. Annexes aux documents relatifs aux violations des conventions de la Haye et du droit international en général, commises de 1915–1918 par les Bulgares en Serbie occupée [Album der bulgarischen Verbrechen. Anhänge zu Dokumenten über von den Bulgaren im besetzten Serbien zwischen 1915 und 1918 verübte Verstöße gegen die Haager Konventionen und das Völkerrecht im Allgemeinen]. Paris: Imprimerie Yougoslavia<em> </em>1919.</p>



<p><a href="#_ftnref60"><sup>[60]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Rodolphe Archibald Reiss: The Comitadji Question in Southern Serbia. London: Hazell, Watson &amp; Viney, ld. 1924, S.&nbsp;41.</p>



<p><a href="#_ftnref61"><sup>[61]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bulgarien sah sich ab 1916 gezwungen, ähnlich wie auch andere Krieg führende Staaten, seine Wirtschaft zu zentralisieren und zu militarisieren. General Protogerov wurde Leiter der eingerichteten obersten Wirtschaftsbehörde. Dabei nutzte er diese Position auch, um IMRO-Funktionäre in zentrale wirtschaftliche Positionen einzusetzen. John Lampe: The Bulgarian Economy in the Twentieth Century. London: Palgrave Macmillan 1986, S.&nbsp;43f., und Liljana Veleva: BRSDP (Obedinena) i usilijata za dăržavno regulirane na ikonomikata v bălgaeija prez Părvata Svetovna Vojna [VRSDR (vereinigte) und ihre Anstrengungen zur staatlichen Regulierung der Wirtschaft in Bulgarien während des Ersten Weltkrieges]. In: Voennoistoričeski Sbornik 1997/4, S.&nbsp;39–54, hier: S.&nbsp;44.</p>



<p><a href="#_ftnref62"><sup>[62]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Schmidt-Rösler: Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg, S.&nbsp;34, Anm.&nbsp;82.</p>



<p><a href="#_ftnref63"><sup>[63]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Nedju Nedev: Tri dăržavni prevrata ili Kimon Georgiev i negovoto vreme [Drei Staatsstreiche oder Kimon Georgiev und seine Zeit]. Sofija 2007, S.&nbsp;93.</p>



<p><a href="#_ftnref64"><sup>[64]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Spiridonov: Der Friedensvertrag von Neuilly-sur-Seine, S.&nbsp;111.</p>



<p><a href="#_ftnref65"><sup>[65]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Yanis Yanoulopoulos: The Conference of Lausanne 1922–1923. London: Birkbeck College 1974, S.&nbsp;34.</p>



<p><a href="#_ftnref66"><sup>[66]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Banken: Die Verträge von Sèvres 1920 und Lausanne 1923, S.&nbsp;528–530.</p>



<p><a href="#_ftnref67"><sup>[67]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Verträge und die entsprechenden vorausgegangenen Verhandlungen sind abgedruckt in Harold W.&nbsp;V.&nbsp;Temperley (Hg.): A History of the Peace Conference of Paris. Vol. V. London: Oxford University Press 1921, S.&nbsp;112–149, S.&nbsp;432–470.</p>



<p><a href="#_ftnref68"><sup>[68]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Philipp Ther: Die dunkle Seite der Nationalstaaten. „Ethnische Säuberungen“ im modernen Europa. Göttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht 2011, S.&nbsp;91.</p>



<p><a href="#_ftnref69"><sup>[69]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ebenda, S.&nbsp;92.</p>



<p><a href="#_ftnref70"><sup>[70]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. Teodora Dragostinova: Navigating Nationality in the Emigration of Minorities between Bulgaria and Greece, 1919–1941. In: East European Politics and Society 23 (2009), S.&nbsp;185–212.</p>



<p><a href="#_ftnref71"><sup>[71]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Stelios Nestor: Greek Macedonia and the Convention of Neuilly. In: Balkan Studies 3 (1962), S.&nbsp;169–184, hier: S.&nbsp;181.</p>



<p><a href="#_ftnref72"><sup>[72]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Stephan S.&nbsp;Ladas: Exchange of Minorities. Bulgaria, Greece and Turkey Turkey. New York: The Macmillan Company 1932, S.&nbsp;122f.</p>



<p><a href="#_ftnref73"><sup>[73]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ther: Die dunkle Seite der Nationalstaaten, S.&nbsp;94f.</p>



<p><a href="#_ftnref74"><sup>[74]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Biljarski: Nojskijat pogrom i terorăt nad bălgarite, S.&nbsp;227–234.</p>



<p><a href="#_ftnref75"><sup>[75]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Heinz Willemsen: Neuilly-sur-Seine, Friede von (1919). In: Edgar Hösch, Karl Nehring, Holm Sundhaussen (Hgg.): Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Köln: UTB 2004, S.&nbsp;479.</p>



<p><a href="#_ftnref76"><sup>[76]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Spiridonov: Der Friedensvertrag von Neuilly-sur-Seine, S.&nbsp;110.</p>



<p><a href="#_ftnref77"><sup>[77]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Mariana Yaveska: Der Friedensvertrag zwischen Bulgarien und Griechenland von 1919 und die bulgarische Presse. In: Gröller, Heppner (Hgg.): Die Pariser Vororte-Verträge, S.&nbsp;91–100, hier: S.&nbsp;97; Valentin Spiridonov: Der Friedensvertrag von Neuilly-sur-Seine aus bulgarischer Sicht. In: ebenda, S.&nbsp;104f.</p>



<p><a href="#_ftnref78"><sup>[78]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Markus Wien: Markt und Modernisierung. Deutsch-bulgarische Wirtschaftsbeziehungen 1918–1944 in ihren konzeptionellen Grundlagen. München: De Gruyter Oldenbourg 2007, S.&nbsp;32; Christian Geiselmann: Politisches Leben in der bulgarischen Dorfgesellschaft 1919–1944 am Beispiel der Memoiren des Stefan Rajkov Canev aus Văglevci, veröffentlicht in der Reihe Digitale Osteuropa-Bibliothek Geschichte, erstellt am 16.6.2002, letzte Änderung 12.6.2003, &lt;https://epub.ub.uni-muenchen.de/542/1/geiselmann-dorfgesellschaft.pdf&gt;, 3.1.2019. Zur regionalen Herkunft der Flüchtlinge und Vertriebenen aus den Anrainerstaaten siehe auch Teodora Dragostinova: Competing Priorities, Ambiguous Loyalities. Challenges of Socioeconomic Adaptation and National Inclusion of the Interwar Bulgarian Refuges. In: Nationalities Papers 34 (2006), S.&nbsp;549–574, hier: S.&nbsp;553.</p>



<p><a href="#_ftnref79"><sup>[79]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Leonhard: Der überforderte Frieden, S.&nbsp;1071.</p>



<p><a href="#_ftnref80"><sup>[80]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Gerwarth: Die Besiegten, S.&nbsp;269.</p>



<p><a href="#_ftnref81"><sup>[81]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zum Verhältnis zwischen der Bauernunion unter Aleksandăr Stambolijski und der IMRO siehe den Quellenband von Cočo Biljarski: BZNS, Aleksandăr Stambolijski i VMRO. [BZNS, Aleksandăr Stambolijski und die IMRO]. Sofija 2009.</p>



<p><a href="#_ftnref82"><sup>[82]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Newman: Paramilitärische Gewalt auf dem Balkan, S.&nbsp;236.</p>



<p><a href="#_ftnref83"><sup>[83]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Bauernbundregierung hatte bereits 1919 eine eigene paramilitärische Parteimiliz, die sogenannte Orangen Garde, gegründet. Stambolijski versuchte in erster Linie diese bewaffnete Parteitruppe von den Siegermächten anerkannt zu bekommen. John D. Bell: Peasants in Power. Alexander Stamboliski and the Bulgarian Agrarian National Union 1899–1923. Princeton: Princeton University Press 1977, S.&nbsp;149.</p>



<p><a href="#_ftnref84"><sup>[84]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe dazu Ivan Filčev: Trakijskata organisazija v Bălgarija [Thrakische Organisationen in Bulgarien]. Sofija 1999; Ljubomir Slatev: Vătrešnata dobrudžanska revoljuzionna organisazija (VDRO) 1923–1940 [Innere Dobrudschaner Revolutionäre Organisation (VDRO)]. Russe 2008.</p>



<p><a href="#_ftnref85"><sup>[85]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vojn Božinov: Zemnoto kălbo ne prestava da se vărti, ako nie i da spim. Pazkaz za života na Andrej Ljapčev [Die Erde hört nicht auf sich zu drehen, auch wenn ich nicht schlafe. Der Lebensweg von Andrej Ljapčev]. Sofija 2005, S.&nbsp;134–138.</p>



<p><a href="#_ftnref86"><sup>[86]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Josef L. Kunz: Die Revision der Pariser Friedensverträge. Eine völkerrechtliche Untersuchung. Wien: Springer 1932, S.&nbsp;33.</p>



<p><a href="#_ftnref87"><sup>[87]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Biljarski: Nojskijat pogrom i terorăt nad bălgarite [Das Neuilly-Pogrom und Terror gegen die Bulgaren], S.&nbsp;267.</p>



<p><a href="#_ftnref88"><sup>[88]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ulrich Büchsenschütz schätzt, dass etwa ein Viertel bis ein Drittel der heutigen bulgarischen Bevölkerung Nachkommen der Flüchtlinge und Vertriebenen aus Makedonien, Rumänien und Thrazien der Jahre 1912–1924. Vgl. Ulrich Büchsenschütz: Nationalismus und Demokratie in Bulgarien seit 1989. In: Egbert Jahn (Hg.): Nationalismus im spät- und postkommunistischen Europa. Bd. 2, Baden-Baden: Nomos 2009, S.&nbsp;570–598, hier: S.&nbsp;573f.</p>



<p><a href="#_ftnref89"><sup>[89]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Cas Mudde: Rascist Extremism in Central and Eastern Europe. New York: Routledge 2005, S.&nbsp;4.</p>



<p><a href="#_ftnref90"><sup>[90]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Spiridonov: Der Friedensvertrag von Neuilly-sur-Seine, S.&nbsp;113.</p>



<p><a href="#_ftnref91"><sup>[91]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bis heute sind die Vereinbarungen des Friedens- und Freundschaftsvertrages von Angora (Ankara) von der Türkei nicht umgesetzt. 1983 hatte der bulgarische Staat die Höhe der ausstehenden Forderungen auf 10 Milliarden US-Dollar beziffert. Die bulgarische Regierung erreichte 2008, dass diese offene Frage vom EU-Parlament mit in die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei aufgenommen wurde. 2010 gab die die bulgarische Regierung bekannt, dass sie gegen einen EU-Beitritt der Türkei ihr Veto einlegen werde, so lange die ausstehenden Entschädigungszahlungen nicht erfolgt sind. Der Minister für die im Ausland lebenden Bulgaren, Božidar Dimitrow, bezifferte in diesem Zusammenhang die Entschädigungssumme sogar auf 20 Milliarden Euro. Mediapool.bg, 5.1.2010, &lt;https://www.mediapool.bg/bozhidar-dimitrov-ochakva-20-mlrd-ot-turtsiya-pod-zaplaha-ot-veto-za-es-news160387.html&gt;, 2.1.2019.</p>



<p><a href="#_ftnref92"><sup>[92]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Am 7. September 1940 war es unter deutschen und italienischen Druck zum bulgarisch-rumänischen Vertrag von Craiova gekommen, in dem Rumänien die Süddobrudscha wieder an Bulgarien abgetreten hatte. Damit kam der bulgarische militante Irredentismus gegenüber Rumänien zum Erliegen. Zwar existiert bis heute in extremen rechtsnationalistischen Spektrum Bulgariens der nationale Mythos, dass die „goldene Dobrudscha“ als „Wiege“ des frühmittelalterlichen Bulgarentum und als „Kornkammer des bulgarischen Volkes“ gänzlich an Bulgarien „zurückkehren“ solle, doch vertreten dies nur kleine Splittergruppen. Klaus Roth: Die Dobrudscha und die bulgarisch-rumänischen Nachbarschaftsbeziehungen. In: Wilfried Heller, Josef Sallanz (Hgg.): Die Dobrudscha. Ein neuer Grenzraum der Europäischen Union, München: Peter Lang 2009, S.&nbsp;189–198, hier: S.&nbsp;191.</p>



<p><a href="#_ftnref93"><sup>[93]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Report der UNO über die Lage der bulgarischen Minderheit in den Ehemaligen Bulgarischen Westgebiete vom 29 September 1994, &lt;https://web.archive.org/web/20071212011434/http://www.un.int/bulgaria/Official_Reports/Human_Rights/National_Minority/49-455.htm&gt;, 2.1.2019.</p>



<p><a href="#_ftnref94"><sup>[94]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Goran Miletić: Slučaj Bosilegrad [Der Fall Bosilegrad]. 28.11.2010, &lt;http://goranmiletic.com/slucaj-bosilegrad/&gt;, 2.1.2019.</p>



<p><a href="#_ftnref95"><sup>[95]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Interview in der Wochenzeitschrift Životăt Dnes Ausgabe 4.–10.2.2014, &lt;http://www.celokupnabulgaria.eu/?p=7326&gt;, 2.1.2019.</p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eckart Conze: Die große Illusion. Versailles 1919 und die Neuordnung der Welt. München: Siedler Verlag 2018.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Margaret MacMillan: Die Friedensmacher. Wie der Versailler Vertrag die Welt veränderte. Berlin: Propyläen 2015.</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Jörn Leonhard: Der überforderte Frieden. Versailles und die Welt 1918–1923. München: C. H. Beck 2018.</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Valentin Spiridonov: Der Friedensvertrag von Neuilly-sur-Seine aus bulgarischer Sicht. In: Harald Gröller, Harald Heppner (Hgg.): Die Pariser Vororte-Verträge im Spiegel der Öffentlichkeit. Wien: LIT Verlag 2013, S.&nbsp;101–114, hier: S.&nbsp;114.</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;ăzglasite „Dolu Nyoj!“ Oteknaha v Sandanski. [Schreie „Nieder Neuilly!“ erschallten in Sandanski] 27.11.2018, &lt;http://infomreja.bg/vyzglasite-dolu-nyoj-oteknaha-v-sandanski-58833.html&gt; bzw. &lt;http://www.blagoevgrad.utre.bg/2018/11/26/521280-vuzglasite_dolu_nyoy_oteknaha_v_sandanski&gt;, 3.1.2019.</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hans Roger Madol: Ferdinand von Bulgarien. Der Traum von Byzanz. Berlin: Universitas Deutsche Verlags-Aktiengesellschaft 1931, S.&nbsp;140; Stephan Constant: Foxy Ferdinand, 1861–1949. Tsar of Bulgaria. London: Sidgwick and Jackson1979, S.&nbsp;259, S.&nbsp;286.</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Unter Ostthrakien wird geographisch in etwa der heutige europäische Teil der Türkei verstanden.</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Makedonien war damals kein klar definiertes Gebiet. Anfang des 20.&nbsp;Jahrhunderts wurde mit dem Begriff jene drei osmanischen Provinzen verbunden, in denen auf Druck der Großmächte nach 1903 Reformen zugunsten der christlichen Bevölkerung durchgeführt werden sollten: Selânik (Saloniki), Manastır (Bitola) und Üsküb (Skopje). Die entsprach in etwa dem heutigen Nordgriechenland, einem kleinen Teil Ostalbaniens, der heutigen Republik Mazedonien sowie dem heutigen Südwestbulgarien. Siehe dazu Henry Robert Wilkinson: Maps and Politics. A Review of the Ethnographic Cartography of Macedonia. Liverpool: University Press 1951; Fikret Adanır: Die Makedonische Frage. Ihre Entstehung und Entwicklung bis 1908. Wiesbaden: Franz Steiner Verlag 1979.</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Jungtürken zählten zunächst zu den vielen, Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Reformbewegungen im orientalischen Raum, ähnlich den Jungägyptern oder Jungafghanen. 1908 erreichten sie mittels einer Revolution die Wiedereinführung der Reformverfassung von 1876 und somit die Umwandlung des Osmanischen Reiches in eine konstitutionelle Monarchie. Während des Ersten Balkankrieges 1912/13 putschten sich allerdings jungtürkische Offiziere an die Macht, die türkisch-nationalistische bzw. turko-rassistische Vorstellungen vertraten und 1915 eine genozidale Politik gegenüber verschiedenen christlichen Bevölkerungsgruppen innerhalb des Osmanischen Reiches verfolgten.</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ostthrakien sollte auf der Linie von der Hafenstadt Enez an der Ägäisküste bis zum kleinen Ort Midye am Schwarzen Meer (dem heutigen Kıyıköy) geteilt werden. Siehe unter anderem Ivan Ilčev: Great Britain and Bulgaria‘s Entry into the First World War (1914–1915). In: Bulgarian Historical Review 1982/4, S.&nbsp;29–48, hier: S.&nbsp;36, sowie Diplomatičeski Dokumenti po namesta na Bălgarija v Evropejskata Vojna [Diplomatische Dokument über die Einmischung Bulgariens in den Europäischen Krieg]. Tom I., Sofija 1920, S.&nbsp;327, S.&nbsp;494.</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Militärkonvention vom 6. September 1915, abgedruckt in Helmuth K. G. Ronnefarth (Hg.): Konferenzen und Verträge. Vertrags-Ploetz. Teil III, Würzburg: A.G. Ploetz Verlag 1958, S.&nbsp;405.</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Borislav Chernev: Twilight of Empire. The Brest-Litovsk Conference and the Remaking of East-Central Europe, 1917–1918. Toronto: University of Toronto Press 2017, S.&nbsp;161–163.</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gerhard Ritter: Staatskunst und Kriegshandwerk. Das Problem des „Militarismus“ in Deutschland. Bd.&nbsp;IV, München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag 1968, S.&nbsp;112.</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Chernev: Twilight of Empire, S.&nbsp;14.</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe dazu: Elke Bornemann: Der Frieden von Bukarest 1918. Frankfurt am Main: P.I.E. Dez 1978; Björn Opfer-Klinger: Eine kleine Region spaltet den Vierbund – Die Dobrudscha als Konfliktregion im 1.&nbsp;Weltkrieg. In: Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik 23 (2014) H.&nbsp;1–2, S.&nbsp;38–63; Stefan Minkov: Der Rumänienfeldzug und die Dobrudscha-Frage 1916–1918 im Kontext des Verhältnisses zwischen Bulgarien und dem Osmanischen Reich. In: Gundula Gahlen, Deniza Petrova, Oliver Stein (Hgg.): Die unbekannte Front. Der Erste Weltkrieg in Rumänien. Frankfurt am Main: Campus Verlag 2018, S.&nbsp;405–430.</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wolfdieter Bihl: Zur Dobrudža-Frage im Ersten Weltkrieg. In: Miscellanea Bulgarica 12 (1998), S.&nbsp;39–54, hier: S.&nbsp;46.</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Georgi Markov: Goljamata vojna i bălgarskata straža meždu sredna Evropa i Orienta 1916–1919 [Der Erste Weltkrieg und die bulgarische Wache zwischen Mitteleuropa und dem Orient 1916–1919]. Sofija 2006, S.&nbsp;383.</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Valentin Spiridonov: Der Friedensvertrag von Neuilly-sur-Seine aus bulgarischer Sicht. In: Gröller, Heppner (Hgg.): Die Pariser Vororte-Verträge, S.&nbsp;101–114, hier: S.&nbsp;103f.</div><div>19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Snezhana Dimitrova: Hunger, Diseases, and Bulgarian Women’s Revolts (1916–1918). In: Wolfgang Höpken, Wim van Meurs (Hgg.): The First World War and the Balkans: Historic Event, Experience, Memory / Der Erste Weltkrieg auf dem Balkan: Ereignis, Erfahrung und Erinnerung. Berlin: Peter Lang 2018, S.&nbsp;116–161, hier: S.&nbsp;133–136.</div><div>20&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Cočo V. Bilkarski: Ot San Stefano do Pariš (1878–1947 g.) [Von San Stefano nach Paris (1878–1947)] Sofija 2009, Dok. No.&nbsp;20, S.&nbsp;140f.</div><div>21&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe dazu Snezhana Dimitrova: Bulgarian Prisoners of War and Prisoners of War in Bulgaria (1915–1918): Law, Practices and Everyday Life. In: Mustafa Daş, u.&nbsp;a.: First World War Centenary. Symposium Papers Book. Izmir 2015, S.&nbsp;443–463.</div><div>22&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Andrea Schmidt-Rösler: Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg. Die Grenzziehung in der Dobrudscha und im Banat und die Folgeprobleme. Frankfurt am Main: Peter Lang 1994, S.&nbsp;40.</div><div>23&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Edson James Drake: Bulgaria at the Paris Peace Conference. Washington: Georgetown University 1967, S. 210; siehe auch: Jordan Ivanoff: Les Bulgares devant le Congrès de la paix. Documents historiques, ethnographiques et diplomatiques, avec quarter cartes en couleurs [Die Bulgaren vor dem Friedenkongress. Historische, ethnographische und diplomatische Urkunden, mit vier Farblandkarten]. Berne: P. Haupt. 1919.</div><div>24&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;MacMillan: Die Friedensmacher, S.&nbsp;199.</div><div>25&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Josef L. Kunz: Die Revision der Pariser Friedensverträge. Eine völkerrechtliche Untersuchung. Wien: Springer 1932, S.&nbsp;26.</div><div>26&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Robert Gerwarth: Die Besiegten. Das blutige Erbe des Ersten Weltkriegs. München: Siedler Verlag 2017, S.&nbsp;268. Siehe auch den Brief von Ministerpräsidenten Teodorov, den dieser am 2. September 1919 an die Siegermächte richtete. Cočo Biljarski (Hg.): Nojskijat pogrom i terorăt nad bălgarite. Sbornik ot dokumenti i materiali [Das Neuilly-Pogrom und Terror gegen die Bulgaren. Sammelband von Dokumenten und Materialien]. Sofija 2009, S.&nbsp;38.</div><div>27&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;MacMillan: Die Friedensmacher, S.&nbsp;193.</div><div>28&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Léon Savadjian: La Bulgarie à la Conférence de la Paix [Bulgarien auf der Friedenskonferenz von Paris]. Paris: Édition de la „Revue des Balkans“ 1919, S.&nbsp;8–24.</div><div>29&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;The Times. Correspondent Reporting from Sofia. Zusammengestellt von Kostadin Pandev und Valentin Alexandrov. Sofia: Sofia Press 1983, S.&nbsp;174.</div><div>30&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gemeint ist der kanadischstämmige Geograph Isaiah Bowman, der 1919 von der US-Regierung als Experte in die US-Delegation während der Friedenskonferenzen berufen worden war und der später seine Erinnerung niederschrieb. Edward Mandell House, Charles Seymour (Hgg.): Isaiah Bowman: Constantinople and the Balkans. In: What really happened at Paris: The story of the peace conference 1918–1919. By American delegates. New York: Charles Scribner’s Sons 1921, S.&nbsp;140–175, hier: S.&nbsp;163f.</div><div>31&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;MacMillan: Die Friedensmacher, S.&nbsp;199f.</div><div>32&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Andreas Zimmer: Friedensverträge im Völkerrecht. Koblenz: Siegfried Bublies Verlag 1989, S.&nbsp;5–7.</div><div>33&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Roland Banken: Die Friedensverträge von Sèvres 1920 und Lausanne 1923. Münster: LIT Verlag 2013, S.&nbsp;170.</div><div>34&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Spiridonov: Der Friedensvertrag von Neuilly-sur-Seine, S.&nbsp;105f.</div><div>35&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;MacMillan: Die Friedensmacher, S.&nbsp;198.</div><div>36&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ebenda. S.&nbsp;197.</div><div>37&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Drake: Bulgaria at the Paris Peace Conference, S.&nbsp;235–242.</div><div>38&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Georgi Genoff: Das Schicksal Bulgariens. Sein Kampf gegen das Friedensdiktat von Neuilly. Berlin: Heymann 1940, S.&nbsp;33f.</div><div>39&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;MacMillan: Die Friedensmacher, S.&nbsp;198.</div><div>40&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Unter Westthrakien ist an dieser Stelle jene osmanische Region an der Ägäisküste zu verstehen, die infolge der Balkankriege 1913 an Bulgarien fiel („Ägäisthrakien“).</div><div>41&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Paris Peace Conference (Hg.): Conditions of Peace with Bulgaria. Observations of the Bulgarian Delegation on the Conference of Peace with Bulgaria. Paris: Imprimerie H. Elias 1919, S.&nbsp;48–50.</div><div>42&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Roland Banken: Die Verträge von Sèvres 1920 und Lausanne 1923. Münster: LIT Verlag 2014, S.&nbsp;210f.</div><div>43&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Paul C. Helmreich: From Paris to Sèvres. The Partition of the Ottoman Empire at the Peace Conference of 1919–20. Ohio: Ohio State University Press 1974, S.&nbsp;155–157; Edson James Drake: Bulgaria at the Paris Peace Conference: A Diplomatic History of the Treaty at Neuilly-sur-Seine. Georgetown University 1967 (Dissertation), S.&nbsp;149–157; Nicholas Petsalis-Diomidis: Greece at the Paris Peace Conference 1919. Thessaloniki: Institute for Balkan Studies 1978, S.&nbsp;269–273.</div><div>44&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Drake: Bulgaria at the Paris Peace Conference, S.&nbsp;156–158; Petsalis-Diomidis: Greece at the Paris Peace Conference, S.&nbsp;286–289.</div><div>45&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Banken: Die Verträge von Sèvres 1920 und Lausanne 1923, S.&nbsp;214.</div><div>46&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Schmidt-Rösler: Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg, S.&nbsp;61–66.</div><div>47&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ebenda, S.&nbsp;52–55.</div><div>48&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ebenda, S.&nbsp;84f</div><div>49&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Margaret MacMillan: Die Friedensmacher, S.&nbsp;193.</div><div>50&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sherman David Spector: Romania at the Paris Peace Conference. A Study of the Diplomacy of Ioan I. C. Bratianu. New York: Bookman Associates 1962, S.&nbsp;72.</div><div>51&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vor den Balkankriegen umfasste Bulgarien 96.346 km² mit knapp 4,34 Millionen Einwohnern. 1920 waren es 103.146 km² mit 4,85 Millionen Einwohner. Valentin Spiridonov: Der Friedensvertrag von Neuilly-sur-Seine aus bulgarischer Sicht. In: Gröller, Heppner (Hgg.): Die Pariser Vororte-Verträge, S.&nbsp;101–114, hier: S.&nbsp;109.</div><div>52&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&lt;http://www.versailler-vertrag.de/neuilly/8.htm&gt;, 3.1.2019.</div><div>53&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Friedrich Glose: Der griechisch-bulgarische Streit vor dem Völkerbundsgerichtshof. Ein Beitrag zur Auslegung des Vertrags von Neuilly (Teil 9, Abschnitt V, Anhang §&nbsp;4). Münster: Helios-Verlag 1928, S.&nbsp;13.</div><div>54&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Friedrich Glose: Der griechisch-bulgarische Streit, S.&nbsp;73–78.</div><div>55&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Banken: Die Verträge von Sèvres 1920 und Lausanne 1923, S.&nbsp;313f.</div><div>56&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gerwarth: Die Besiegten, S.&nbsp;268.</div><div>57&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Conze: Die große Illusion, S.&nbsp;383f.</div><div>58&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zu den Istanbuler Prozessen siehe Conze: Die große Illusion, S.&nbsp;405f.</div><div>59&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Mark Lewis: Birth of the New Justice. The Internationalization of Crime and Punishment, 1919–1950. Oxford: Oxford University Press 2014, S.&nbsp;66; Milovan Pissari: Bulgarian Crimes against Civilians in Occupied Serbia during the First World War. In: Balcanica. Institute for Balkan Studies 44 (2013), S.&nbsp;357–390; Andrej Mitrović, Serbia’s Great War, 1914–1918. West Lafayette, Indiana: Purdue University Press 2007, S.&nbsp;222f; siehe auch: Report of the International Commission (1919); Album des crimes bulgares. Annexes aux documents relatifs aux violations des conventions de la Haye et du droit international en général, commises de 1915–1918 par les Bulgares en Serbie occupée [Album der bulgarischen Verbrechen. Anhänge zu Dokumenten über von den Bulgaren im besetzten Serbien zwischen 1915 und 1918 verübte Verstöße gegen die Haager Konventionen und das Völkerrecht im Allgemeinen]. Paris: Imprimerie Yougoslavia1919.</div><div>60&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Rodolphe Archibald Reiss: The Comitadji Question in Southern Serbia. London: Hazell, Watson &amp; Viney, ld. 1924, S.&nbsp;41.</div><div>61&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bulgarien sah sich ab 1916 gezwungen, ähnlich wie auch andere Krieg führende Staaten, seine Wirtschaft zu zentralisieren und zu militarisieren. General Protogerov wurde Leiter der eingerichteten obersten Wirtschaftsbehörde. Dabei nutzte er diese Position auch, um IMRO-Funktionäre in zentrale wirtschaftliche Positionen einzusetzen. John Lampe: The Bulgarian Economy in the Twentieth Century. London: Palgrave Macmillan 1986, S.&nbsp;43f., und Liljana Veleva: BRSDP (Obedinena) i usilijata za dăržavno regulirane na ikonomikata v bălgaeija prez Părvata Svetovna Vojna [VRSDR (vereinigte) und ihre Anstrengungen zur staatlichen Regulierung der Wirtschaft in Bulgarien während des Ersten Weltkrieges]. In: Voennoistoričeski Sbornik 1997/4, S.&nbsp;39–54, hier: S.&nbsp;44.</div><div>62&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Schmidt-Rösler: Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg, S.&nbsp;34, Anm.&nbsp;82.</div><div>63&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nedju Nedev: Tri dăržavni prevrata ili Kimon Georgiev i negovoto vreme [Drei Staatsstreiche oder Kimon Georgiev und seine Zeit]. Sofija 2007, S.&nbsp;93.</div><div>64&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Spiridonov: Der Friedensvertrag von Neuilly-sur-Seine, S.&nbsp;111.</div><div>65&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Yanis Yanoulopoulos: The Conference of Lausanne 1922–1923. London: Birkbeck College 1974, S.&nbsp;34. </div><div>66&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Banken: Die Verträge von Sèvres 1920 und Lausanne 1923, S.&nbsp;528–530.</div><div>67&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Verträge und die entsprechenden vorausgegangenen Verhandlungen sind abgedruckt in Harold W.&nbsp;V.&nbsp;Temperley (Hg.): A History of the Peace Conference of Paris. Vol. V. London: Oxford University Press 1921, S.&nbsp;112–149, S.&nbsp;432–470.</div><div>68&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Philipp Ther: Die dunkle Seite der Nationalstaaten. „Ethnische Säuberungen“ im modernen Europa. Göttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht 2011, S.&nbsp;91.</div><div>69&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ebenda, S.&nbsp;92.</div><div>70&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Teodora Dragostinova: Navigating Nationality in the Emigration of Minorities between Bulgaria and Greece, 1919–1941. In: East European Politics and Society 23 (2009), S.&nbsp;185–212.</div><div>71&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Stelios Nestor: Greek Macedonia and the Convention of Neuilly. In: Balkan Studies 3 (1962), S.&nbsp;169–184, hier: S.&nbsp;181.</div><div>72&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Stephan S.&nbsp;Ladas: Exchange of Minorities. Bulgaria, Greece and Turkey Turkey. New York: The Macmillan Company 1932, S.&nbsp;122f.</div><div>73&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ther: Die dunkle Seite der Nationalstaaten, S.&nbsp;94f.</div><div>74&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Biljarski: Nojskijat pogrom i terorăt nad bălgarite, S.&nbsp;227–234.</div><div>75&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Heinz Willemsen: Neuilly-sur-Seine, Friede von (1919). In: Edgar Hösch, Karl Nehring, Holm Sundhaussen (Hgg.): Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Köln: UTB 2004, S.&nbsp;479.</div><div>76&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Spiridonov: Der Friedensvertrag von Neuilly-sur-Seine, S.&nbsp;110.</div><div>77&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Mariana Yaveska: Der Friedensvertrag zwischen Bulgarien und Griechenland von 1919 und die bulgarische Presse. In: Gröller, Heppner (Hgg.): Die Pariser Vororte-Verträge, S.&nbsp;91–100, hier: S.&nbsp;97; Valentin Spiridonov: Der Friedensvertrag von Neuilly-sur-Seine aus bulgarischer Sicht. In: ebenda, S.&nbsp;104f.</div><div>78&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Markus Wien: Markt und Modernisierung. Deutsch-bulgarische Wirtschaftsbeziehungen 1918–1944 in ihren konzeptionellen Grundlagen. München: De Gruyter Oldenbourg 2007, S.&nbsp;32; Christian Geiselmann: Politisches Leben in der bulgarischen Dorfgesellschaft 1919–1944 am Beispiel der Memoiren des Stefan Rajkov Canev aus Văglevci, veröffentlicht in der Reihe Digitale Osteuropa-Bibliothek Geschichte, erstellt am 16.6.2002, letzte Änderung 12.6.2003, &lt;https://epub.ub.uni-muenchen.de/542/1/geiselmann-dorfgesellschaft.pdf&gt;, 3.1.2019. Zur regionalen Herkunft der Flüchtlinge und Vertriebenen aus den Anrainerstaaten siehe auch Teodora Dragostinova: Competing Priorities, Ambiguous Loyalities. Challenges of Socioeconomic Adaptation and National Inclusion of the Interwar Bulgarian Refuges. In: Nationalities Papers 34 (2006), S.&nbsp;549–574, hier: S.&nbsp;553.</div><div>79&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Leonhard: Der überforderte Frieden, S.&nbsp;1071.</div><div>80&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gerwarth: Die Besiegten, S.&nbsp;269.</div><div>81&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zum Verhältnis zwischen der Bauernunion unter Aleksandăr Stambolijski und der IMRO siehe den Quellenband von Cočo Biljarski: BZNS, Aleksandăr Stambolijski i VMRO. [BZNS, Aleksandăr Stambolijski und die IMRO]. Sofija 2009.</div><div>82&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Newman: Paramilitärische Gewalt auf dem Balkan, S.&nbsp;236.</div><div>83&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Bauernbundregierung hatte bereits 1919 eine eigene paramilitärische Parteimiliz, die sogenannte Orangen Garde, gegründet. Stambolijski versuchte in erster Linie diese bewaffnete Parteitruppe von den Siegermächten anerkannt zu bekommen. John D. Bell: Peasants in Power. Alexander Stamboliski and the Bulgarian Agrarian National Union 1899–1923. Princeton: Princeton University Press 1977, S.&nbsp;149.</div><div>84&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe dazu Ivan Filčev: Trakijskata organisazija v Bălgarija [Thrakische Organisationen in Bulgarien]. Sofija 1999; Ljubomir Slatev: Vătrešnata dobrudžanska revoljuzionna organisazija (VDRO) 1923–1940 [Innere Dobrudschaner Revolutionäre Organisation (VDRO)]. Russe 2008. </div><div>85&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vojn Božinov: Zemnoto kălbo ne prestava da se vărti, ako nie i da spim. Pazkaz za života na Andrej Ljapčev [Die Erde hört nicht auf sich zu drehen, auch wenn ich nicht schlafe. Der Lebensweg von Andrej Ljapčev]. Sofija 2005, S.&nbsp;134–138.</div><div>86&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Josef L. Kunz: Die Revision der Pariser Friedensverträge. Eine völkerrechtliche Untersuchung. Wien: Springer 1932, S.&nbsp;33</div><div>87&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Biljarski: Nojskijat pogrom i terorăt nad bălgarite [Das Neuilly-Pogrom und Terror gegen die Bulgaren], S.&nbsp;267.</div><div>88&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ulrich Büchsenschütz schätzt, dass etwa ein Viertel bis ein Drittel der heutigen bulgarischen Bevölkerung Nachkommen der Flüchtlinge und Vertriebenen aus Makedonien, Rumänien und Thrazien der Jahre 1912–1924. Vgl. Ulrich Büchsenschütz: Nationalismus und Demokratie in Bulgarien seit 1989. In: Egbert Jahn (Hg.): Nationalismus im spät- und postkommunistischen Europa. Bd. 2, Baden-Baden: Nomos 2009, S.&nbsp;570–598, hier: S.&nbsp;573f.</div><div>89&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Cas Mudde: Rascist Extremism in Central and Eastern Europe. New York: Routledge 2005, S.&nbsp;4.</div><div>90&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Spiridonov: Der Friedensvertrag von Neuilly-sur-Seine, S.&nbsp;113.</div><div>91&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bis heute sind die Vereinbarungen des Friedens- und Freundschaftsvertrages von Angora (Ankara) von der Türkei nicht umgesetzt. 1983 hatte der bulgarische Staat die Höhe der ausstehenden Forderungen auf 10 Milliarden US-Dollar beziffert. Die bulgarische Regierung erreichte 2008, dass diese offene Frage vom EU-Parlament mit in die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei aufgenommen wurde. 2010 gab die die bulgarische Regierung bekannt, dass sie gegen einen EU-Beitritt der Türkei ihr Veto einlegen werde, so lange die ausstehenden Entschädigungszahlungen nicht erfolgt sind. Der Minister für die im Ausland lebenden Bulgaren, Božidar Dimitrow, bezifferte in diesem Zusammenhang die Entschädigungssumme sogar auf 20 Milliarden Euro. Mediapool.bg, 5.1.2010, &lt;https://www.mediapool.bg/bozhidar-dimitrov-ochakva-20-mlrd-ot-turtsiya-pod-zaplaha-ot-veto-za-es-news160387.html&gt;, 2.1.2019.</div><div>92&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Am 7. September 1940 war es unter deutschen und italienischen Druck zum bulgarisch-rumänischen Vertrag von Craiova gekommen, in dem Rumänien die Süddobrudscha wieder an Bulgarien abgetreten hatte. Damit kam der bulgarische militante Irredentismus gegenüber Rumänien zum Erliegen. Zwar existiert bis heute in extremen rechtsnationalistischen Spektrum Bulgariens der nationale Mythos, dass die „goldene Dobrudscha“ als „Wiege“ des frühmittelalterlichen Bulgarentum und als „Kornkammer des bulgarischen Volkes“ gänzlich an Bulgarien „zurückkehren“ solle, doch vertreten dies nur kleine Splittergruppen. Klaus Roth: Die Dobrudscha und die bulgarisch-rumänischen Nachbarschaftsbeziehungen. In: Wilfried Heller, Josef Sallanz (Hgg.): Die Dobrudscha. Ein neuer Grenzraum der Europäischen Union, München: Peter Lang 2009, S.&nbsp;189–198, hier: S.&nbsp;191.</div><div>93&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Report der UNO über die Lage der bulgarischen Minderheit in den Ehemaligen Bulgarischen Westgebiete vom 29 September 1994, &lt;https://web.archive.org/web/20071212011434/http://www.un.int/bulgaria/Official_Reports/Human_Rights/National_Minority/49-455.htm&gt;, 2.1.2019.</div><div>94&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Goran Miletić: Slučaj Bosilegrad [Der Fall Bosilegrad]. 28.11.2010, &lt;http://goranmiletic.com/slucaj-bosilegrad/&gt;, 2.1.2019.</div><div>95&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Interview in der Wochenzeitschrift Životăt Dnes Ausgabe 4.–10.2.2014, &lt;http://www.celokupnabulgaria.eu/?p=7326&gt;, 2.1.2019.</div><p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/friedensvertrag-neuilly-sur-seine-bulgarien/">Der lange Schatten des Friedensvertrages von Neuilly-sur-Seine mit Bulgarien 1919</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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		<title>Zivilgesellschaft und Vereinswesen  in Südosteuropa</title>
		<link>https://halbjahresschrift.de/zivilgesellschaft-vereinswesen-suedosteuropa/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[IKGS-Admin_2]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 May 2020 09:34:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2017–2018]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bulgarien]]></category>
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		<category><![CDATA[Osmanisches Reich]]></category>
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		<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Beitrag diskutiert die Bedeutung von Zivilgesellschaft und Vereinswesen im heutigen Südosteuropa. Vor dem historischen Hintergrund der zivilgesellschaftlichen Entwicklung im westlichen Europa, die eng mit dem Aufkommen eines Bürgertums seit dem Mittelalter und dessen Streben nach Gemeinwohl verbunden ist, widmet sich der Autor der spezifischen Situation in Südosteuropa und dessen Erbe zweiter imperialer Strukturen. Während in den habsburgischen Gebieten rasch Vereine gegründet wurden, waren Gesellschaften unter osmanischer Herrschaft meist von inoffiziellen Netzwerken, Verwandtschafts- und Freundschaftsbeziehungen und Klientelismus geprägt. Die auch heute noch nachrangige Bedeutung von Vereinszusammenschlüssen in Südosteuropa erklärt sich aus den Folgen der postkommunistischen Transformation, die zu einem Rückzug ins Privatleben und die Wahrnehmung des Staates als ständigen Feind führte. Aus diesem Grund verschwammen in vielen Gesellschaften Südosteuropas die Grenzen zwischen politischer Klasse, Zivilgesellschaft und Privatleben, wie sich in zahlreichen EU-Berichten widerspiegelt. In seinen abschließenden Überlegungen werden die Massenproteste der rumänischen Bevölkerung gegen die Regierung jedoch als ein optimistisches Beispiel für eine wachsende Zivilgesellschaft genannt.</p>
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<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p>Klaus Roth, Ludwig-Maximilians-Universität München</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<h2 class="wp-block-heading">Zur Genese des Konzepts von „Zivilgesellschaft“</h2>



<p>Der Begriff „Zivilgesellschaft“ hat in den letzten drei Jahrzehnten erhebliche Bedeutung erlangt. Unmittelbar nach der politischen Wende 1989 wurde „Zivilgesellschaft“ bzw. „civil society“ vor allem im Kontext der postsozialistischen Transformation zu einem Schlüsselbegriff von nahezu magischer Bedeutung und Kraft – und von ebenso vielen Missverständnissen und Enttäuschungen. Letztere rührten vor allem daher, dass der Begriff bzw. das Ziel seiner Realisierung fast völlig undifferenziert angewendet wurde – auf das westliche Europa ebenso wie auf alle jene Länder, die aus dem kollabierten Sowjetblock hervorgingen – von Estland bis nach Bulgarien.<sup class="modern-footnotes-footnote ">1</sup></p>



<p>Zivilgesellschaft, seltener auch Bürgergesellschaft genannt, ist ein Konzept, das auf einer in der europäischen Geschichte der letzten sechs bis sieben Jahrhunderte entstandenen, wichtigen Dreiteilung von Staat und Gesellschaft beruht. Beinhaltete die ältere Struktur die Zweiteilung der Gesellschaft zwischen der Herrschaft bzw. dem Staat einerseits und den Beherrschten andererseits, also den Individuen bzw. Familien- und Verwandtschaftsgruppen, so formierte sich, beginnend im Spätmittelalter, zwischen Adel und Volk im wachsenden Stadtbürgertum eine dritte Kraft, die über die folgenden Jahrhunderte immer mehr Geltung und Macht gewann: die Bürgergesellschaft. Eine ihrer wesentlichen Grundlagen und Forderungen war es, an Stelle der partikularen Interessen der traditionellen, oftmals sehr mächtigen Netzwerke von Familien, Verwandtschaften, Freundschaften und Klientele den Sinn der Bürger für das Gemeinwohl<em> </em>(engl. „common weal“, frz. „bien public“) aktiv zu entwickeln. Eine wesentliche Voraussetzung hierfür war, die Vorherrschaft des privaten Vertrauens<em> </em>zugunsten der Entwicklung und Stärkung des anonymen oder institutionellen Vertrauens zu brechen, was Anthony Giddens<sup class="modern-footnotes-footnote ">2</sup> als ein zentrales Merkmal der Moderne ausgemacht hat. Zu den gesellschaftlichen und geistigen Grundlagen der Zivilgesellschaft schrieb der französische Historiker und Politiker Alexis de Tocqueville (1805–1859), der 1826 in den USA die kommunale Selbstverwaltung und die Kirchen als Orte bürgerlichen Engagements beobachtet hatte, hier lernten die Bürger jene „habits of the heart“, die die Grundlage einer Zivilgesellschaft seien. War der Träger der Zivilgesellschaft anfangs in erster Linie das mächtig gewordene Bürgertum, so gesellten sich im 18.&nbsp;Jahrhundert – mit der Aufklärung – auch Teile des Adels hinzu, seit der zweiten Hälfte des 19.&nbsp;Jahrhunderts dann auch Teile der „Arbeiterklasse“ und weiterer Sozialschichten.</p>



<p>Zivilgesellschaft meint damit, in Anlehnung an Jürgen Habermas, in fast normativer Weise das liberale Projekt einer Gesellschaft, in der sozial kompetente, in freiwilligen Vereinigungen organisierte Bürger gleichberechtigt und über eine staatlich nicht reglementierte Öffentlichkeit auf friedlichem und kommunikativem Wege ihre Interessen aushandeln und so zur demokratischen Legitimation politischen Handelns beitragen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">3</sup> Zivilgesellschaft wurde, in diesem Sinne verstanden, zu einem zentralen Konzept der Transformationstheorie.</p>



<p>In jüngster Zeit ist Zivilgesellschaft aber auch als eine historisch-analytische Kategorie in die Diskussion eingeführt worden, vornehmlich um jenen säkularen Wandel zu beschreiben, den die europäischen Gesellschaften seit dem späten 18.&nbsp;Jahrhundert durchlaufen haben. Diese Einordnung der Zivilgesellschaft unterscheidet sich von dem Verständnis der Zivilgesellschaft im Rahmen der Transformationstheorie dadurch, dass sie weniger normativ ist. Sie fragt nicht nach der Verwirklichung gesetzter Standards, sondern nach den historischen Ausprägungen von Zivilgesellschaft in den unterschiedlichen historischen und kulturellen Kontexten. – Diese beiden Ansätze waren und sind überaus wichtig für die Einordnung dessen, was sich im östlichen Europa nach der Wende von 1989 und mit der Zuwendung zum „Westen“ und zur EU entwickelte.</p>



<p>Ein zentrales Element der Zivilgesellschaft war – und ist – das Engagement der Bürger, etwa in Form von freiwilligen und ehrenamtlichen Tätigkeiten. Die sozial und politisch wichtigste Ausdrucksform waren und sind jene freiwilligen Zusammenschlüsse (Vereinigungen) von Bürgern, die weder staatliche noch individuell-private Aufgaben und Ziele haben, also die Vereine, Zünfte, Klubs, Selbstverwaltungen, Kirchen, nicht-staatlichen Institutionen etc. Es sind dies alles Begriffe, für die es in den unterschiedlichen „westlichen“ Sprachen fast immer genaue Entsprechungen gibt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">4</sup></p>



<h2 class="wp-block-heading">Historische Grundlagen</h2>



<p>Die ersten Vereine dieser Art entstanden bereits im frühen 15.&nbsp;Jahrhundert in England, und in den folgenden Jahrhunderten erfolgten Vereinsgründungen im gesamten westlichen Europa, später dann auch in Nordamerika. Nicht nur die Zahl der Vereine wurde – und ist – sehr hoch, auch die Fülle der Vereinszwecke, -ziele und -interessen ist nahezu unbegrenzt: Vereine umfassen nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche. Grundbedingung für Vereine ist im Sinne des Konzepts von Zivilgesellschaft, dass sie Ziele verfolgen, die nicht-staatlich, nicht-privat und nicht-gewinnorientiert sind. Der Soziologe Walther Müller-Jentsch hat die Vielfalt der Vereine in drei Gruppen gegliedert: 1. Selbstzweck-Vereine, die die (Freizeit-)Aktivitäten ihrer Mitglieder pflegen; 2. ideelle Vereine, die externe (z.&nbsp;B. gemeinnützige und weltanschauliche) Ziele verfolgen; und 3. Selbst-/Fremdhilfe-Vereine, die sich z.&nbsp;B. um Hilfsbedürftige kümmern.<sup class="modern-footnotes-footnote ">5</sup></p>



<p>Schon früh wurden auch in der Habsburger Monarchie<em> </em>Vereine gegründet. Eine starke Ausweitung der Quantität und auch der gesellschaftlichen Bedeutung brachten im 18.&nbsp;Jahrhundert die Ideen der Aufklärung, die die Entwicklung eines lebendigen Vereinslebens in diesem Raum förderten – bis hinein in die Vojvodina, ins Banat und nach Siebenbürgen, also bis an die äußeren Grenzen des Reiches. In Siebenbürgen waren bereits in der Frühen Neuzeit die „Nachbarschaften“ als Unterstützungsgemeinschaften überaus wichtig und hatte die Freiwilligentätigkeit ganz erhebliche Bedeutung, wie der Soziologe Anton Sterbling aufgezeigt hat.<sup class="modern-footnotes-footnote ">6</sup> Damit existierten bereits frühzeitig vielfältige Formen der Selbstorganisation, auch wenn sie noch nicht als Vereinsleben avant la lettre bezeichnet werden kann.</p>



<p>Folgten die Gesellschaften des Habsburger Reiches dem westlichen Paradigma, so lässt sich für die „Europäische Türkei “, also für die fünf Jahrhunderte unter osmanischer Herrschaft stehenden Länder in Südosteuropa, zur Entwicklung von Zivilgesellschaft und Vereinen kaum Ähnliches sagen. Erste zivilgesellschaftliche Ansätze zeigten sich erst in der Periode des Befreiungskampfs im 19.&nbsp;Jahrhundert. Zu konstatieren ist für alle Territorien des Osmanischen Reichs vielmehr das weitestgehende Fehlen von Zivilgesellschaft, insbesondere eines Vereinswesens. Das Osmanische Reich war in seinem Staatsaufbau und seinem grundlegenden Konzept vom Verhältnis zwischen Herrscher und Beherrschten völlig anders strukturiert als die Länder des westlichen Europa. Seine Grundlage war, nach dem Modell des Cäsaropapismus<em> </em>des vorausgegangenen Byzantinischen Reichs, sogar die völlige Vereinigung von weltlicher und geistlicher Macht in der Person des Herrschers. Er war also zugleich Sultan und Kalif und stand seinen Untertanen – über seine regionalen und lokalen Verwalter – unmittelbar gegenüber; sogar die Zünfte (türk. esnaf), die man als Vereinigungen sehen könnte, waren sehr eng mit dem Sultan verbunden, also letztlich Organe des Staates.</p>



<p>Im späten 17. und frühen 18.&nbsp;Jahrhundert erfolgte die „Rückeroberung“ von osmanisch beherrschten Gebieten im Zuge der sogenannten Türkenkriege, die zu einer Ausweitung des habsburgischen Einflussbereichs insbesondere auf dem Gebiet Ungarns führte. In den im Machtbereich der Hohen Pforte verbliebenen Teilen Südosteuropas zeichnete sich ab dem frühen 19.&nbsp;Jahrhundert eine politische und wirtschaftliche Schwächung der osmanischen Herrschaft durch Befreiungskämpfe und durch das Streben nach Bildung neuer Nationalstaaten ab. Schon während der Befreiungskämpfe kam es zur Formierung von ersten Vereinen, die sich aktiv für die nationale Befreiung und für Volksbildung einsetzten. Nach der Niederlage der Osmanen im Russisch-Osmanischen Krieg (1877–78), der sich vor allem auf dem Gebiet des heutigen Bulgarien abspielte, und den Nationsbildungen wurde die Abwendung von allem Osmanischen und die Übernahme der westlichen Moderne zum zentralen politischen Anliegen aller jungen Nationen im Südosten Europas. Eines der wichtigen Ziele war dabei die Entwicklung von Zivilgesellschaft, insbesondere die Gründung von Vereinen. Sehr hilfreich für dieses Streben war der Einfluss der auf Bestreben der europäischen Großmächte installierten Fürsten und Könige (in Griechenland, Bulgarien und Rumänien waren es Vertreter deutscher Adelshäuser).</p>



<p>Die angestrebte und begonnene „Europäisierung“ trug in der Tat sehr viel zur äußeren Modernisierung der Städte und der noch kleinen neuen bürgerlichen Schichten bei, eine Entwicklung, die weithin als „Fassadenmodernisierung“<sup class="modern-footnotes-footnote ">7</sup> bekannt und kritisiert wurde. Sie erreichte nämlich nirgendwo im gesamten nach-osmanischen Südosteuropa die große Masse der ländlichen Bevölkerung – jene 80 Prozent, die auch weiterhin für Jahrzehnte in ihrer traditionellen patriarchalen Kultur verharrten<sup class="modern-footnotes-footnote ">8</sup> und in deren Weltsicht der Staat die „feindliche Macht“ war und blieb – und es weitgehend bis heute noch ist.<sup class="modern-footnotes-footnote ">9</sup> Sicherheit und Vertrauen wurden – angesichts des auch nach der Gründung des Nationalstaats unverändert „feindlichen Staates“ – allein in den sozialen Bereichen der Vertrautheit und des persönlichen Vertrauens gesucht: Private Netzwerke, Verwandtschaft, Familie, Freundschaft sowie klientelistische Abhängigkeiten blieben die zentralen Referenzpunkte sozialer Beziehungen und Werte – und dies weithin bis heute.<sup class="modern-footnotes-footnote ">10</sup></p>



<p>Allein in der langsam wachsenden städtisch-bürgerlichen Schicht kam es zur Gründung zweckgerichteter Vereine. In Bulgarien konzentrierte sich dies weitgehend auf das hauptstädtische Milieu, aber – wie Wolfgang Höpken bemerkte – bereits Anfang der 1880er-Jahre waren in allen südosteuropäischen Staaten rechtliche Voraussetzungen eines mehr oder weniger freien Vereinswesens gegeben, und es entfaltete sich eine den mitteleuropäischen Vorbildern folgende Vereinskultur. So waren Mitte der 1920er-Jahre in Sofia, das damals knapp über 200.000 Einwohner zählte, 669 Vereine verzeichnet, wobei es sich vor allem um Kultur-, Bildungs- und Wohltätigkeitsvereine handelte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">11</sup> Sie erreichten aber nie jene breite gesellschaftliche Bedeutung wie in Mittel- und Westeuropa.</p>



<p>Besondere Aufmerksamkeit verdient die Situation in Rumänien, das erst nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Friedensvertrag vom Trianon (1920) Siebenbürgen zugeschlagen erhielt. Zumindest bis Kriegsende 1945 und dem Beginn der kommunistischen Herrschaft unterschieden sich die verschiedenen Gebiete, aus denen sich „Großrumänien“ nach 1918/1920 zusammensetzte, in ihrem historischen Erbe und ihrer Entwicklung, gerade auch im Bereich der Zivilgesellschaft: Waren die einst habsburgischen Gebiete (sowohl die vormals ungarländischen Regionen Siebenbürgen, Banat und Partium wie auch die cisleithanische Bukowina) durch das eher mitteleuropäische Paradigma von Gesellschaft und Herrschaft geprägt, so waren im übrigen Teil des Landes die Folgen der langen Zugehörigkeit zum osmanischen Paradigma (bzw. im ebenfalls 1918/1920 angeschlossenen Bessarabien: zum Zarenreich) unübersehbar. Es standen sich in Hinsicht auf die zivilgesellschaftliche Entwicklung somit sehr unterschiedliche Traditionen gegenüber.</p>



<p>Auch wenn bereits die „großrumänischen“, später die kommunistischen Regierungen auf die Angleichung der Unterschiede hinarbeiteten, etwa durch Umsiedlungen, und auch das postsozialistische Rumänien versucht, die Disparitäten auszugleichen, so zog sich doch – und zieht sich bis heute – eine „Phantomgrenze“ durch das Land;<sup class="modern-footnotes-footnote ">12</sup> eine Grenze, die fast alle Bereiche der Gesellschaft und der Alltagskultur betrifft, von der Religion und heutigen Wahlergebnissen bis hin zu so fundamentalen Alltagsdingen wie die Verbreitung von Wasserhähnen, denn auch „die Entscheidung, das eigene Haus an die Wasserversorgung anzuschließen, verweist ja auf viel allgemeinere Fragen danach, wie das eigene Zuhause bewohnt und gestaltet wird.“<sup class="modern-footnotes-footnote ">13</sup></p>



<p>Analog dürfte die Situation im Nachbarland Serbien sein, das bis heute – aufgrund seiner einstigen Zugehörigkeit zu zwei Imperien – ein kulturell zweigeteiltes Land ist. In den übrigen Ländern der Balkanhalbinsel blieb die Dominanz des osmanischen Erbes weitgehend erhalten, insbesondere auch in Hinsicht auf das Thema der Zivilgesellschaft und des Vereinswesens.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die kommunistische Periode und ihre Folgen bis heute</h2>



<p>Von nachhaltiger Bedeutung für die (verzögerte) Herausbildung einer Zivilgesellschaft waren jene 45 Jahre, die den größten Teil der Balkanhalbinsel vom Westen und dessen gesellschaftlicher Entwicklung entfernten: Die in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzende und 1989 zu Ende gehende Periode des Staatssozialismus hatte für alle betroffenen Länder gerade in diesem wichtigen Bereich der gesellschaftlichen Entwicklung verheerende Auswirkungen, deren gravierende Folgen bis in die Gegenwart hinein spürbar sind. Nach der Machtergreifung der Kommunisten begann – auf der Basis der kommunistischen Ideologie – ein fast unerbittlicher Kampf gegen den „Klassenfeind“, vor allem die „Bourgeoisie“ und ihre bürgerliche Kultur. Tausende Vertreter des Bürgertums wurden liquidiert oder verließen ihr Land. Für die zivilgesellschaftliche Entwicklung im östlichen Europa bedeutete dies eine Katastrophe, da alle vorhandenen zivilgesellschaftlichen Strukturen zerschlagen, alle Vereine sowie alle Freiwilligkeitsaktivitäten verboten wurden. An ihre Stelle traten zentral von der kommunistischen Partei bzw. vom Staat gelenkte „Vereinigungen“ und Organisationen, die ideologisch gleichgeschaltet waren und selten auf Freiwilligkeit basierten, allenfalls auf einer vom Staat eingeforderten bzw. angeordneten „Freiwilligkeit“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">14</sup> Zivilgesellschaftliche Initiativen und Aktivitäten wurden, wenn sie denn überhaupt möglich waren, in den Untergrund oder ins Privatleben verdrängt. Die einzigen Institutionen, die eine gewisse Ausnahme bildeten, wiewohl sie unter ständiger Überwachung standen, waren die Kirchen.</p>



<p>Der Zusammenbruch des kommunistischen Herrschaftssystems Ende 1989 kam für fast alle Menschen in Ost und West überraschend.<sup class="modern-footnotes-footnote ">15</sup>Und überraschend schnell wurden nach dieser politischen Wende dann auch – unter der Ägide des „siegreichen Westens“ – die Ziele des nun bevorstehenden Prozesses der „Transition“ oder „Transformation“ definiert. An seinem Ende stand stets das westeuropäische, häufig auch das US-amerikanische Modell. Umgehend einzuleiten sei, so die Vorgabe, der Aufbau 1. von parlamentarischen Demokratien, 2. einer Marktwirtschaft auf neoliberal-kapitalistischer Basis, 3. eines Rechtsstaats nach Vorbild der EU-Staaten und der USA („rule of law“) – sowie 4. von Zivilgesellschaften, wobei die „civil society“<em> </em>US-amerikanischer Prägung mit ihren NGOs (Non-Governmental Organizations) als wichtiges Leitbild dienen sollte.</p>



<p>Die Errichtung von „vibrant civil societies“,<sup class="modern-footnotes-footnote ">16</sup> also von „pulsierenden Zivilgesellschaften“ wurde unmittelbar nach der Wende in den 1990er-Jahren ein Ziel von höchster Priorität. In kürzester Zeit kam es in allen postsozialistischen Ländern zu unzähligen Gründungen von NGOs jeglicher Art – und es standen für dieses als prioritär formulierte Ziel auch große Mengen an Fördermitteln aus dem „Westen“ bereit, insbesondere für Projekte mit zivilgesellschaftlicher Signifikanz.<sup class="modern-footnotes-footnote ">17</sup> Aufschlussreich für deren sehr begrenzten Erfolg ist der kritische Text des Anthropologen Steven Sampson über seine Tätigkeit als Berater in Albanien.<sup class="modern-footnotes-footnote ">18</sup> Um das Jahr 2000 gab es in Bulgarien mit seinen damals 7,5 Millionen Einwohnern etwa 27.000 NGOs; in Rumänien waren es 1999 laut Experten 25.200 NGOs und zudem noch etwa 4.000 Gewerkschaften. Die Zahlen sind nach dem Jahr 2000 deutlich gesunken, vor allem aber nach dem EU-Beitritt der beiden Länder 2007.</p>



<p>Feststellen können wir, dass die Bereitschaft zur Überwindung des kommunistischen Erbes und zur Anpassung an die neuen, von außen einströmenden wirtschaftlichen, politischen, rechtlichen und sozialen Realitäten in den 1990er-Jahren sehr groß war. Zu den großen Hoffnungen und Erwartungen gehörte gewiss auch die rasche Errichtung zivilgesellschaftlicher Strukturen, wobei in den gebildeten Schichten „Zivilgesellschaft“ als „Gesellschaft mündiger Bürger“ zu einem fast magischen Wort wurde. Ihr wurde die Kraft zugesprochen, die Folgen von Jahrzehnten sozialistischen Totalitarismus zu überwinden und Gegenkräfte zu aktivieren, Anomie zu beseitigen, die parlamentarische Demokratie zu verankern, die Kräfte des Marktes freizusetzen, die Familie zu stärken, republikanische Tugenden und Werte zu wecken und viele weitere positive Entwicklungen anstoßen zu können.</p>



<p>Übersehen darf man dabei nicht, dass die nahezu euphorische Hinwendung zur Zivilgesellschaft als politisches Ziel im östlichen Europa – ausgehend von Polen und Ungarn – bereits um die Mitte der 1980er-Jahre begonnen hatte und dass der Begriff nach der Wende vollends ins Zentrum des gesellschaftlichen Diskurses geriet – und dann vor allem auch ins Zentrum der politischen und wirtschaftlichen Fördermaßnahmen der USA und der EU. Dieses Aufgreifen und die positive Wertbesetzung des Begriffs bereits vor der Wende waren für den Westen überraschend und können als eine der Paradoxien der Transformation gelten: Nicht nur, dass der Begriff der Zivilgesellschaft damals aus dem westlichen Diskurs weitgehend verschwunden war. Auch die Sache an sich steckte dort in einer Krise.</p>



<p>Einflussreiche Soziologen hatten bereits in den 1980er-Jahren eine Krise der Zivilgesellschaft diagnostiziert: Zivilgesellschaft benötige zu ihrem Funktionieren, wie Richard Sennett betonte, ganz essenziell die Öffentlichkeit und das öffentliche Leben – und beides sei durch die „Tyrannei der Intimität“<sup class="modern-footnotes-footnote ">19</sup>, durch den massenhaften Rückzug ins Private akut gefährdet. Ähnlich skeptisch äußerte sich auch Robert Putnam,<sup class="modern-footnotes-footnote ">20</sup> und Jean Elshtain beklagte einen „loss of civil society“, eine „emptiness, and kind of evacuation of civic spaces“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">21</sup></p>



<p>Noch heftigere Kritik kam in der Modernisierungs- und Entwicklungsdebatte um die ehemaligen Ostblockstaaten auf, in der die Zivilgesellschaft als „westliches Produkt“ hinterfragt und sogar der Vorwurf des „Modell-Imperialismus“ erhoben wurde. Besonders Francis Fukuyamas Buch vom „Ende der Geschichte“<sup class="modern-footnotes-footnote ">22</sup>, dem zufolge nach dem Fall des Sowjetimperiums die Menschheit durch die weltweite Verbreitung westlich-liberaler, zivilgesellschaftlicher Demokratie als finaler Form humanen Regierens den Endpunkt ihrer ideologischen Entwicklung erreicht habe, wurde als „westlicher Triumphalismus“ kritisiert. Außerhalb Europas und der USA wurde betont, dass Demokratie und Zivilgesellschaft auf Wertprämissen des Westens<em> </em>beruhten, die mit den eigenen Traditionen weithin unvereinbar seien. Zivilgesellschaft könne also nicht universalisiert und globalisiert werden – eine Behauptung, die etwa durch die neuere Entwicklung in Teilen der arabischen Welt bestätigt zu werden scheint.</p>



<p>Die Gesellschaften des östlichen Europa beteiligten sich an dieser Debatte über Universalität der Zivilgesellschaft erst mit einiger Verspätung, als der Begriff mit der demokratischen Wende in diesen Ländern seine Hochkonjunktur bereits überschritten hatte. Westlicher Triumphalismus und östliche Wende-Euphorie waren inzwischen abgeklungen, und angesichts der immer deutlicher bemerkbaren massiven Transformationsprobleme regten sich nun Zweifel, ob die mehr als zweihundertjährige <em>westliche</em> Erfahrung mit Zivilgesellschaft unmittelbar auf die Länder vor allem des <em>südöstlichen</em> Europa übertragbar sei, ob die zahllosen westlichen Programme zum Aufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen wirklich ihr Ziel erreichten, und ob es, wie der Osteuropa-Kenner Richard Swartz pointiert formulierte, wirklich ausreiche, nur „die Spielregeln zu verändern, und die Osteuropäer würden sich sofort verhalten wie Adam Smiths <em>homo oeconomicus</em> und sich zugleich an der Wahlurne wie ein vernünftiger Bürger aufführen. Eher schon <em>mimen</em> sie dieses Verhalten, so als wäre es eine Mode, die bei nächster Gelegenheit von einer neuen abgelöst wird.“<sup class="modern-footnotes-footnote ">23</sup></p>



<p>Ist also der Aufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen im östlichen Europa nur Mimikry, opportunistische Anpassung an die Vorgaben „von oben“ – wobei dieses „oben“ die westlichen Geldgeber wie auch die politischen Eliten sein mögen? Und können solche Fragen und Aussagen überhaupt für das ganze östliche Europa – von Tallinn bis Sofia – in gleicher Weise formuliert werden?</p>



<p>Angesichts der Tatsache, dass die meisten europäischen postsozialistischen Länder inzwischen EU-Mitglieder sind, haben diese Fragen noch größeres Gewicht erhalten. So ist es nicht verwunderlich, dass Zivilgesellschaft weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Diskurse ist, die in Konferenzen und Publikationen ihren Niederschlag finden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">24</sup> Der Diskurs wurde dabei immer weniger normativ-politisch und immer mehr historisch-soziologisch geführt, und die Fragestellungen waren zunehmend an der so­zialen Realität orientiert und bezogen die historischen und kulturellen Dimensionen ein.</p>



<p>Nach bald drei Jahrzehnten Erfahrungen mit dem Aufbau von zivilgesellschaftlichen Strukturen ist heute viel Ernüchterung, aber auch Nüchternheit zu konstatieren. Die Entwicklung von „vibrant civil societies“ ist bei weitem nicht in dem erwarteten Maße eingetreten, wobei allerdings die Situation in den Ländern Südosteuropas weit kritischer beurteilt wird als die in den Ländern des östlichen Mitteleuropa. Schon 1999 hat der Historiker Holm Sundhaussen auf die „historisch bedingte Schwäche der Zivilgesellschaft“ in Südosteuropa verwiesen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">25</sup></p>



<p>Konzentrieren wir uns auf die EU-Staaten Südosteuropas, so scheint eine ganze Reihe von Faktoren für den geringen Erfolg der Bemühungen der EU und der USA verantwortlich zu sein. Einige dieser in der Fachliteratur, den Medien und den „Fortschrittsberichten“ der EU angeführten Faktoren seien kurz angesprochen. Vorausgeschickt sei dabei, dass nach Meinung jener Fachleute, Diplomaten und Politiker, die sich mit der Region besser auskennen, die Transformation der postsozialistischen Länder in den oben angeführten vier Bereichen nur sehr bescheidene Fortschritte gemacht hat:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Der Aufbau parlamentarischer Demokratien<em> </em>ist, wenn wir den Kennern der Region folgen, nur formal gelungen, also in den äußeren Formen und Formalien. Sie sind realiter, so der Schweizer Politologe Nicolas Hayoz, nur Quasi-Demokratien,<sup class="modern-footnotes-footnote ">26</sup> die in Wirklichkeit nach klientelistischen Prinzipien funktionieren und in allen Bereichen ein ungewöhnlich hohes Maß an Korruption aufweisen.</li><li>In Hinsicht auf die Entwicklung von Rechtsstaatlichkeit<em> </em>nach dem Vorbild der „alten“ EU-Staaten stellen die Fortschrittsberichte seit Jahren unverändert enorme Defizite fest. Das aktuellste und schockierendste Beispiel ist wohl der Versuch der rumänischen Parlamentarier, ein Gesetz zu beschließen, das nahezu alle wegen Amtsmissbrauch verurteilten Amtsträger straffrei stellen soll; es hat landesweite Massenproteste ausgelöst.</li><li>Auch beim Aufbau einer Marktwirtschaft<em> </em>nach neoliberal-kapitalistischen Prinzipien werden erhebliche Mängel festgestellt. So hat eine bulgarische Ökonomin vor einigen Jahren in einer Fernsehdiskussion – trocken-sachlich – festgestellt, dass die Wirtschaft ihres Landes realiter eine „Kartellwirtschaft“ sei. Wettbewerb werde hauptsächlich von im Land tätigen ausländischen Firmen angestoßen.</li></ul>



<p>Eine Zivilgesellschaft und ein „normales“ Vereinswesen auszubauen ist unter diesen Rah­menbedingungen sehr schwierig. Zusätzlich – und grundlegend – erschwert werden solche Bemühungen durch die Entwicklung, die das Alltagsleben, die Alltagskultur, in den Gesellschaften genommen hat, verstärkt durch die Folgen der Transformation:</p>



<p>Als erster Punkt sei hier die in allen südosteuropäischen Gesellschaften unübersehbare Dominanz von Familie und Verwandtschaft, von Freunden, Kollegen und Nachbarn in allen Sozialbeziehungen angeführt. Bei den in riesiger Zahl gegründeten NGOs stellte sich bald heraus, dass es fast durchweg fiktive „Vereine“ waren, bei denen es allein darum ging, für einen Kreis von Verwandten, Freunden oder Kollegen mit aufgeblasenen Projektanträgen Gelder einzuwerben. Die in den Anträgen formulierten Ziele oder gar das Gemeinwohl waren dabei in der Regel beliebig oder irrelevant.</p>



<p>Widersprachen diese zahlreichen „NGOs“ der Definition von „Verein“ darin, dass sie eigentlich nur private Interessen verfolgten, so mehrte sich nach dem EU-Beitritt die Zahl solcher „Vereine“, die die andere Grenze überschritten, nämlich jene zum <em>Staat</em> und seinen Repräsentanten. Gemeint sind die – nach dem EU-Beitritt – auftauchenden „PONGOs“ und „GONGOs“ – Politically Owned NGOs und Government Owned NGOs. Stefan Barth, Geschäftsführer einer in Südosteuropa tätigen Stiftung, stimmt in seiner Masterarbeit<sup class="modern-footnotes-footnote ">27</sup> mit den Ergebnissen des Sofioter Center for the Study of Democracy überein<em>,</em> dass der Wunsch der EU-Kommission nach Einbindung der Zivilgesellschaft und die zur Verfügung gestellten Finanzierungsinstrumente zur Entstehung solcher „Pseudo-NGOs“ von Politikern oder gar von Regierungen geführt haben. Kritisch sieht dies auch Sonja Schüler, die umfassend über NGOs in Bulgarien und Rumänien gearbeitet hat.<sup class="modern-footnotes-footnote ">28</sup> Die Entstehung und das Wachstum dieser künstlichen Zivilgesellschaft aus „<em>Quasi</em>-Nicht-Regierungsorganisationen“ hat selbstverstärkende Wirkung. Sie stehen in Konkurrenz zu den Organisationen der unabhängigen Zivilgesellschaft, weil PONGOs und GONGOs speziell für die EU-förderfähigen Themenfelder gegründet wurden und durch ihre politischen Beziehungen und ihren Zugang zu Informationen potenter sind.<sup class="modern-footnotes-footnote ">29</sup> Auch die Beiträger des Bandes <em>Civil Society in Central and Eastern Europe: Challenges and Opportunities</em> beklagen, dass das System missbraucht werde: „[P]ublic officials established specific CSOs in order to be able to receive EU funds“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">30</sup></p>



<p>Die Grundidee von Vereinen und Zivilgesellschaft als zwischen Staat und Privat stehendem „dritten Sektor“ wird von ihnen ebenso ad absurdum geführt wie von den o.&nbsp;g. „privaten“ Vereinen. Kenner der realen Situation in Bulgarien und Rumänien bestätigen daher zu Recht die Auffassung von einer Mimikry der Zivilgesellschaft. Es ist eine Mimikry, die wesentlich von der Unkenntnis der realen Situation vor Ort in der Brüsseler Bürokratie unterstützt wird.</p>



<p>Interessant ist in diesem Zusammenhang allerdings die Tatsache, dass – abgesehen von einigen Sport- und Wandervereinen – die NGOs im Bereich des Naturschutzes eine Ausnahme bilden; ein wichtiger Grund wird von Fachleuten darin gesehen, dass diese aus Protestbewegungen hervorgegangenen Vereine die einzigen mit einer Vorgeschichte in der Spätphase des Sozialismus seien und deswegen als vertrauenswürdig gelten: Aufgeführt werden können beispielsweise die Massenproteste in Ruse (in den 1980er-Jahren) gegen die Giftwolken, die von dem Chemiewerk im rumänischen Giurgiu vom Wind über die Donau geblasen wurden und massenhaft schwerste Gesundheitsschäden verursachten. Die Naturschutz-NGOs sind heute die aktivsten, wie Sonja Schüler beobachtet hat, in Bulgarien wie auch in Rumänien, wo beispielsweise Massenproteste gegen die Goldgewinnung in Roșia Montană stattfanden. In den letzten Jahren haben in Rumänien Proteste gegen Machtmissbrauch, Korruption und illegale Eingriffe in die Unabhängigkeit von Justiz und Presse starke Proteste gegen die aus Sozialisten und Liberalen gebildete Regierung ausgelöst. In diesem Kontext bliebe noch zu untersuchen, welche Rolle die Rückkoppelung der vielen in wohlhabenderen EU-Staaten tätigen rumänischen Arbeitsmigranten in ihre rumänische Heimat spielen.</p>



<p>Fragen wir nach den Gründen der problematischen Entwicklung der Zivilgesellschaft und des Vereinslebens, so lassen sich vor allem zwei gravierende Faktoren ausmachen: Zum einen ist der sehr spezifische und problematische Verlauf der Transformation zu nennen, der dafür sorgte, dass die vielfältigen und unübersichtlichen Prozesse des politischen, sozialen und vor allem wirtschaftlichen Wandels in allen postsozialistischen Gesellschaften eine große Mehrheit aus Verlierern und eine geringe Zahl von Gewinnern hervorbrachten. Eine erhebliche Zahl der Abgehängten, der Verlierer dieser unkontrollierten Transformation, hat ihr Heimatland verlassen und ihr Auskommen in den westeuropäischen Ländern oder den USA gesucht.</p>



<p>Wichtiger noch scheint ein intrinsischer Grund zu sein, der sehr tief in den Gesellschaften des einstmals osmanischen Teils der Balkanhalbinsel verankert ist: Alle Gesellschaften sind – aufgrund der Erfahrung von fünf Jahrhunderten Fremdherrschaft – nicht nur gekennzeichnet durch ihre Sicht auf den Staat als „feindliche Macht“, sondern vor allem durch die nahezu völlige Dominanz des privaten Vertrauens, eines Vertrauens, das eben nur die „vertrauten“ und aus Erfahrung „vertrauenswürdigen“ Menschen einschließt, also primär die Familie und die Verwandtschaft, gute Freunde, Nachbarn und Kollegen. Das anonyme, institutionelle Vertrauen, nach Anthony Giddens ein zentrales Kennzeichen moderner Gesellschaften, ist in diesen Gesellschaften (und solchen mit ähnlicher historischer Erfahrung) sehr schwach ausgeprägt. Der Sozialanthropologe Christian Giordano bezeichnet diese durch ihre historische Erfahrung geformten Gesellschaften daher als „Gesellschaften des öffentlichen Misstrauens“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">31</sup> Bulgarien und Rumänien befinden sich, wie die Autoren des Bandes <em>Civil Society in Central and Eastern Europe</em> betonen, in der Gruppe der Länder mit einem „low level of institutional trust“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">32</sup></p>



<p>Soziales Vertrauen – über die Familie und die engen Freunde hinaus – ist jedoch die wichtigste Basis der Zivilgesellschaft und damit auch die von Vereinen. Angesichts dieser Tatsache ist es nicht überraschend, dass die Gesellschaften und besonders die Eliten Südosteuropas eine sehr große Neigung zu jenen Beziehungen haben, die unmittelbar auf privatem Vertrauen gründen, also zu Freundschaften sowie zu klientelistischen Beziehungen und Netzwerken. Die Macht eben dieser Beziehungen hat im Jahre 2015 die Hochschulwoche der Südosteuropa-Gesellschaft zum „Klientelismus in Südosteuropa“<sup class="modern-footnotes-footnote ">33</sup> überaus deutlich vor Augen geführt, etwa auch die Tatsache, dass Vereine, die über den engen Kreis der Freunde, Verwandten und Klientel-Netzwerke hinausgehen, es prinzipiell schwer haben, eine Basis des Vertrauens aufzubauen.</p>



<p>Die bisher genannten dominanten gesellschaftlichen Bedingungen verbinden sich auf recht „natürliche“ Weise mit einer zweiten Eigenschaft, die sich aus der Dominanz des personalen Vertrauens ergibt. In allen Gesellschaften des eben beschriebenen Typs werden informelle Beziehungen zwischen Menschen deutlich bevorzugt, formelle Beziehungen hingegen eher vermieden oder offen abgelehnt. Die beiden schon erwähnten Kenner des östlichen und südöstlichen Europa, Christian Giordano und Nicolas Hayoz, haben diesem sehr wichtigen Aspekt den umfangreichen Sammelband <em>Informality in Eastern Europe</em> gewidmet.<sup class="modern-footnotes-footnote ">34</sup></p>



<p>Vereine aber benötigen für ihr Funktionieren ein gewisses Maß an Formalität, nicht nur in ihrer (schriftlichen) Satzung, sondern auch in den Umgangsformen, in der Beachtung von Regeln usw., gerade auch im Falle von Konflikten. Das Vorhandensein von festen Satzungen und Normen wie auch die Verpflichtung auf den Vereinszweck und damit auf das jeweils definierte „Gemeinwohl“ schafft klare Verantwortungen wie auch Zwänge. Für die rumänischen NGOs beschreibt Fanny Sbaraglia hingegen ein hohes Maß an Informalität auf allen Ebenen, inklusive Klatsch und Ausgrenzungen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">35</sup> Die Dominanz informeller Verhaltensweisen aber befördert jene von Richard Sennett als Gefahr für die Zivilgesellschaft beschriebene Personalisierung aller Beziehungen, die bereits erwähnte „Tyrannei der Intimität“. Hinzugefügt sei, dass auch die gesamte politische Elite in Südosteuropa einen Stil der Informalität pflegt, wie Katerina Gehl und der Autor dieses Beitrags am Beispiel Bulgariens aufgezeigt haben.<sup class="modern-footnotes-footnote ">36</sup> Hierzu fügt sich die oben erwähnte Tatsache, dass die Grenzen zwischen politischer Klasse, Zivilgesellschaft und Privatleben oft sehr verschwommen sind.</p>



<p>Abschließen möchte ich mit dem aktuellen Beispiel einer Delegation von Sportfunktionären aus Frankreich, Belgien, Österreich und anderen „westlichen“ Ländern, die 2017 eine Erkundungsreise durch mehrere südosteuropäische Länder (Bulgarien, Griechenland, Moldau, Mazedonien, Rumänien u.&nbsp;a.) machte. Sie wollte im Rahmen eines EU-Projekts für den Bereich „Traditional Sports and Games“ Kontakte zu Vereinen und Verbänden aufbauen. Grundlage war die Überzeugung, dass diese traditionellen Sportarten und Spiele nur dann eine Chance des Überlebens haben, wenn sie von festen Strukturen wie Vereinen und Verbänden getragen würden. Dr.&nbsp;Petăr Petrov<sup class="modern-footnotes-footnote ">37</sup>, der sich durch seine Forschungen mit diesen Sportarten bestens auskennt, war gebeten worden, die Gruppe als Experte zu begleiten, zu führen und auch zu beraten.</p>



<p>Das Ergebnis war für die Sportfunktionäre überraschend, nicht aber für den Kenner der Region. Vereine und Verbände, die für eine EU-Förderung als Partner hätten agieren können, waren fast nirgends anzutreffen. Stattdessen fanden die Sportfunktionäre in allen Ländern nur informelle Gruppen mit kurzfristiger Zielsetzung, Planung und Gewinnorientierung vor, wobei die Organisation dieser Gruppen fast ausschließlich auf verwandtschaftlichen, freundschaftlichen und/oder ethnischen Loyalitäten beruhte. Aufschlussreich war dabei der Sonderfall Mazedonien, wo vor 20 Jahren ein Nationalverband mit 16 Vereinen für das traditionelle Ringen gegründet worden war. Seine oberen Funktionäre nutzten ihre Position dazu, Gelder in jene Vereine fließen zu lassen, in denen ihre Freunde und Verwandten im Vorstand saßen, und bei Wettbewerben eben diese Vereine zu bevorzugen. Als vor einem Jahr die benachteiligten Vereine die (ethnisch-mazedonischen) Vorstände des Verbands abwählten, wurde ein (ethnisch) albanischer Funktionär an die Spitze gewählt, der nun – neben verwandtschaftlichen und freundschaftlichen – auch ethnische Loyalitäten in den Vordergrund rückte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Conclusio</h2>



<p>Aus meinen Ausführungen sollte hervorgegangen sein, dass es sich bei Vereinswesen und Zivilgesellschaft in Südosteuropa um ein sehr grundlegendes, für die künftige Entwicklung der Länder wichtiges Themenfeld handelt. Es ist ein Themenbereich, der besonders von Außenstehenden (wie etwa westlichen Politikern, Funktionären und Beamten) ein hohes Maß an Kenntnis der Verfasstheit, der sozialen Normen und Werte der Gesellschaften verlangt. Die Tatsache aber, dass die „Fortschrittsberichte“ der EU seit Jahren gerade in diesem Bereich kaum Fortschritte vermelden können, in manchen Fällen sogar dezent Rückschritte andeuten müssen, zeigt, dass dieses Wissen um die tieferen historischen und sozio-kulturellen Gründe kaum offen vermittelt wird. Weit größere Bedeutung als die „Fortschrittsberichte“ der EU haben für die gesellschaftliche Entwicklung der betroffenen Länder die Reaktionen der Bevölkerungen, etwa die Massenproteste gegen die politische Klasse in Rumänien.</p>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Klaus Roth</strong>, geboren 1939 in Hamburg, studierte an den Universitäten Hamburg, Freiburg im Breisgau und Aberdeen sowie an der Indiana University Anglistik, Geografie und Slawistik. Nach einer dreijährigen Tätigkeit als Gymnasiallehrer wurde er 1975 an der Universität Freiburg promoviert. Er war zunächst als Assistent an der Westfälischen Friedrich-Wilhelms-Universität Münster beschäftigt, ehe er 1982 einen Lehrstuhl für Volkskunde an der Ludwig-Maximilians-Universität München übernahm, den er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2004 innehatte. Zu seinen wissenschaftlichen Schwerpunkten in Forschung und Lehre zählen unter anderem Erzählforschung, Volkskunde Südosteuropas und interkulturelle Kommunikation. Neben zahlreichen Ehrenämtern in wissenschaftlichen Institutionen ist er Herausgeber der Münchner Beiträge zur Interkulturellen Kommunikation und der Zeitschrift <em>Ethnologia Balkanica</em>.</p>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p><a href="#_ftnref1"><sup>[1]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zur Thematik der Zivilgesellschaft im östlichen Europa siehe Jörg Hackmann, Klaus Roth (Hgg.): Zivilgesellschaft im östlichen und südöstlichen Europa in Geschichte und Gegenwart. München: R.&nbsp;Oldenbourg Verlag 2011.</p>



<p><a href="#_ftnref2"><sup>[2]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Anthony Giddens: The Consequences of Modernity. Stanford: Stanford University Press 1990, S.&nbsp;79–111.</p>



<p><a href="#_ftnref3"><sup>[3]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. Jürgen Habermas: Faktizität und Geltung. Frankfurt: Suhrkamp 1992, S.&nbsp;435–451; siehe auch John Keane: Democracy and Civil Society. London: Verso 1988, S.&nbsp;14.</p>



<p><a href="#_ftnref4"><sup>[4]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zum Beispiel engl. „clubs“, „associations“, „guilds“, „corporations“, „non-governmental organizations“; frz. „associations“, „sociétés“, „clubs“, „unions“.</p>



<p><a href="#_ftnref5"><sup>[5]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Walther Müller-Jentsch: Der Verein – ein blinder Fleck der Organisationssoziologie. In: Berliner Journal für Soziologie 18 (2008) H.&nbsp;3, S.&nbsp;476–502.</p>



<p><a href="#_ftnref6"><sup>[6]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Anton Sterbling: Zivilgesellschaftliche Unterentwicklung und ihre Gründe. Der Fall Rumänien und Bulgarien. In: Institut für Donauraum und Mitteleuropa (Hg.): Unbezahlt, aber unbezahlbar. Vom Mehrwert der Freiwilligenarbeit in Europa. Wien: Institut für Donauraum und Mitteleuropa 2011, S.&nbsp;18–20.</p>



<p><a href="#_ftnref7"><sup>[7]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. dazu u.&nbsp;a. Klaus Roth: Wie „europäisch“ ist Südosteuropa? Zum Problem des kulturellen Wandels auf der Balkanhalbinsel. In: Nils-Arvid Bringéus u.&nbsp;a. (Hgg.): Wandel der Volkskultur in Europa. Münster: coppenrath Verlag 1988, S.&nbsp;219–231, hier: S.&nbsp;224–229.</p>



<p><a href="#_ftnref8"><sup>[8]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe Ulf Brunnbauer, Wolfgang Höpken (Hgg.): Transformationsprobleme Bulgariens im 19. und 20.&nbsp;Jahrhundert. München: Kubon und Sagner 2007.</p>



<p><a href="#_ftnref9"><sup>[9]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Jutta Lauth Bacas: Nationale Identität und Wahrnehmung von Europa in Griechenland: Ansichten aus einem „alten“ südosteuropäischen Mitgliedsland. In: Klaus Roth (Hg.): Europäisierung von unten? Beobachtungen zur EU-Integration Südosteuropas. München: forost Arbeitspapiere 2008, S.&nbsp;27–41.</p>



<p><a href="#_ftnref10"><sup>[10]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. Klaus Roth, Ioannis Zelepos (Hgg.): Klientelismus in Südosteuropa. 54. Internationale Hochschulwoche der Südosteuropa-Gesellschaft in Tutzing 5.–9. Oktober 2015. Frankfurt am Main: Peter Lang Verlag 2018.</p>



<p><a href="#_ftnref11"><sup>[11]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wolfgang Höpken: Stadt und Zivilgesellschaft in Südosteuropa: Anmerkungen aus historischer Perspektive. In: Anton Sterbling (Hg.): Zivilgesellschaftliche Entwicklungen in Südosteuropa. München: Verlag Otto Sagner 2009, S.&nbsp;111–156, hier: S.&nbsp;116f.</p>



<p><a href="#_ftnref12"><sup>[12]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zum Thema „Phantomgrenze“ siehe: Hannes Grandits u.&nbsp;a.: Phantomgrenzen im östlichen Europa. Eine wissenschaftliche Positionierung. In: dies. (Hgg.): Phantomgrenzen. Räume und Akteure in der Zeit neu denken. Göttingen: Wallstein Verlag 2015, S.&nbsp;13–56, hier: S.&nbsp;18.</p>



<p><a href="#_ftnref13"><sup>[13]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe Béatrice von Hirschhausen u.&nbsp;a.: Phantomgrenzen zwischen Erfahrungsräumen und Erwartungshorizonten. Konzeptionelle Reflexionen an einem empirischen Beispiel. In: ebenda, S.&nbsp;84–106, hier: S.&nbsp;86. Zahlen und Karten zum Vereinswesen liegen leider nicht vor, etwa aktuelle Vergleichsstudien zum Vereinswesen in den verschiedenen Regionen Rumäniens.</p>



<p><a href="#_ftnref14"><sup>[14]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Das bekannteste Beispiel ist der „freiwillige“, realiter aber pflichtmäßige Arbeitseinsatz am Samstag, in Bulgarien der „săbotnik“ nach dem sowjetischen Vorbild des „subotnik“.</p>



<p><a href="#_ftnref15"><sup>[15]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe hierzu den Band von Alexei Yurchak: Everything Was Forever, Until It Was No More. The Last Soviet Generation. Princeton: Princeton University Press 2005.</p>



<p><a href="#_ftnref16"><sup>[16]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. u.&nbsp;a. Jocelyn Viterna, Emily Clough, Killian Clarke: Reclaiming the „Third Sector“ from „Civil Society“. A New Agenda for Development Studies. In: Sociology of Development 1 (2015) H.&nbsp;1, S.&nbsp;173–207.</p>



<p><a href="#_ftnref17"><sup>[17]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe Steven Sampson: Jenseits der Transition: Elitekonfigurationen auf dem Balkan neu gedacht. In: Christopher Hann (Hg.): Postsozialismus. Transformationsprozesse in Europa und Asien aus ethnologischer Perspektive. Frankfurt am Main: Campus Verlag 2002, S.&nbsp;425–452.</p>



<p><a href="#_ftnref18"><sup>[18]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Steven Sampson: The social life of projects. Importing civil society to Albania. In: Chris Hann, Elizabeth Dunn (Hgg.): Civil Society. Challenging Western Models. London, New York: Routledge 2005, S.&nbsp;119–139.</p>



<p><a href="#_ftnref19"><sup>[19]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Richard Sennett: Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität. Frankfurt am Main:<br>S.&nbsp;Fischer 1983.</p>



<p><a href="#_ftnref20"><sup>[20]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Robert Putnam: Bowling Alone. America’s Declining Social Capital. In: Journal of Democracy 6 (1995) H.&nbsp;1,<br>S.&nbsp;65–78.</p>



<p><a href="#_ftnref21"><sup>[21]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Jean B.&nbsp;Elshtain: Democracy on Trial. New York: BasicBooks 1995, S.&nbsp;5.</p>



<p><a href="#_ftnref22"><sup>[22]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Francis Fukuyama: Das Ende der Geschichte. Wo stehen wir? München: Kindler Verlag 1992.</p>



<p><a href="#_ftnref23"><sup>[23]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Richard Swartz: Leidensticket nach Westen. Die Osteuropäer vor der Integration. In: Süddeutsche Zeitung, 10.2.2003, S.&nbsp;3. Hervorhebungen im Original.</p>



<p><a href="#_ftnref24"><sup>[24]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe z.&nbsp;B. Sterbling: Zivilgesellschaftliche Entwicklungen in Südosteuropa.</p>



<p><a href="#_ftnref25"><sup>[25]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Holm Sundhaussen: Europa balcanica. Der Balkan als historischer Raum Europas. In: Geschichte und Gesellschaft 25 (1999), S.&nbsp;626–653, hier: S. 652.</p>



<p><a href="#_ftnref26"><sup>[26]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Nicolas Hayoz: Das Syndrom der Machtkultur in Osteuropa. In: Nicole Gallina, Katerina Gehl (Hgg.): Kultur der politischen Eliten in Osteuropa. Wien, Zürich: LIT Verlag 2016, S.&nbsp;55–71.</p>



<p><a href="#_ftnref27"><sup>[27]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Stefan Barth: Low Trust Societies and European Funding Policies in Situations of Transformation in Southeastern Europe. „Why is participation of civil society actors in postcommunist countries constrained?“ Heidelberg 2014.</p>



<p><a href="#_ftnref28"><sup>[28]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Sonja Schüler: Zivilgesellschaftliche Entwicklungen in Bulgarien am Beispiel Umweltschutz. In: Sterbling (Hg.): Zivilgesellschaftliche Entwicklungen in Südosteuropa, S.&nbsp;285–300.</p>



<p><a href="#_ftnref29"><sup>[29]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe Sonja Schüler: „Was für ein Angebot können Sie uns machen, das wir nicht ablehnen können?“ Politische Wahrnehmungen und Wahrnehmungen des Politischen in der Balkanregion am Beispiel Bulgariens. In: Gallina, Gehl (Hgg.): Kultur der politischen Eliten in Osteuropa, S.&nbsp;111–132, hier: S.&nbsp;118.</p>



<p><a href="#_ftnref30"><sup>[30]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Peter Vandor u.&nbsp;a. (Hgg.): Civil Society in Central and Eastern Europe. Challenges and Opportunities. Wien: ERSTE Stiftung 2017.</p>



<p><a href="#_ftnref31"><sup>[31]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Christian Giordano: Privates Vertrauen und informelle Netzwerke. Zur Organisationskultur in Gesellschaften des öffentlichen Misstrauens. Südosteuropa im Blickpunkt. In: Klaus Roth (Hg.): Soziale Netzwerke und soziales Vertrauen in den Transformationsländern. Ethnologische und soziologische Untersuchungen. Zürich, Berlin: LIT Verlag 2007, S.&nbsp;21–49.</p>



<p><a href="#_ftnref32"><sup>[32]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe Vandor u.&nbsp;a. (Hgg. ): Civil Society in Central and Eastern Europe.</p>



<p><a href="#_ftnref33"><sup>[33]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe Roth, Zelepos (Hgg.): Klientelismus in Südosteuropa.</p>



<p><a href="#_ftnref34"><sup>[34]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Christian Giordano, Nicolas Hayoz (Hgg.): Informality in Eastern Europe. Structures, Political Cultures and Social Practices. Bern, Berlin: Peter Lang Verlag 2013.</p>



<p><a href="#_ftnref35"><sup>[35]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Fanny Sbaraglia: „They are with the Others“. From Gossip to Stigmatization, Romanian Civil Society through an Informal Perspective. In: Giordano, Hayoz (Hgg.): Informality, S.&nbsp;279–296.</p>



<p><a href="#_ftnref36"><sup>[36]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Katerina Gehl, Klaus Roth: The Everyday Culture of Informality in Post-Socialist Bulgarian Politics. In: Giordano, Hayoz (Hgg.): Informality, S.&nbsp;197–221.</p>



<p><a href="#_ftnref37"><sup>[37]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Dr. Petrov ist Associate Professor am Institut für Ethnologie und Folkloristik der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften in Sofia. Für seine detaillierten Auskünfte möchte ich ihm herzlich danken.</p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zur Thematik der Zivilgesellschaft im östlichen Europa siehe Jörg Hackmann, Klaus Roth (Hgg.): Zivilgesellschaft im östlichen und südöstlichen Europa in Geschichte und Gegenwart. München: R.&nbsp;Oldenbourg Verlag 2011.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Anthony Giddens: The Consequences of Modernity. Stanford: Stanford University Press 1990, S.&nbsp;79–111.</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Jürgen Habermas: Faktizität und Geltung. Frankfurt: Suhrkamp 1992, S.&nbsp;435–451; siehe auch John Keane: Democracy and Civil Society. London: Verso 1988, S.&nbsp;14.</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zum Beispiel engl. „clubs“, „associations“, „guilds“, „corporations“, „non-governmental organizations“; frz. „associations“, „sociétés“, „clubs“, „unions“.</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Walther Müller-Jentsch: Der Verein – ein blinder Fleck der Organisationssoziologie. In: Berliner Journal für Soziologie 18 (2008) H.&nbsp;3, S.&nbsp;476–502.</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Anton Sterbling: Zivilgesellschaftliche Unterentwicklung und ihre Gründe. Der Fall Rumänien und Bulgarien. In: Institut für Donauraum und Mitteleuropa (Hg.): Unbezahlt, aber unbezahlbar. Vom Mehrwert der Freiwilligenarbeit in Europa. Wien: Institut für Donauraum und Mitteleuropa 2011, S.&nbsp;18–20.</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. dazu u.&nbsp;a. Klaus Roth: Wie „europäisch“ ist Südosteuropa? Zum Problem des kulturellen Wandels auf der Balkanhalbinsel. In: Nils-Arvid Bringéus u.&nbsp;a. (Hgg.): Wandel der Volkskultur in Europa. Münster: coppenrath Verlag 1988, S.&nbsp;219–231, hier: S.&nbsp;224–229.</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe Ulf Brunnbauer, Wolfgang Höpken (Hgg.): Transformationsprobleme Bulgariens im 19. und 20.&nbsp;Jahrhundert. München: Kubon und Sagner 2007.</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Jutta Lauth Bacas: Nationale Identität und Wahrnehmung von Europa in Griechenland: Ansichten aus einem „alten“ südosteuropäischen Mitgliedsland. In: Klaus Roth (Hg.): Europäisierung von unten? Beobachtungen zur EU-Integration Südosteuropas. München: forost Arbeitspapiere 2008, S.&nbsp;27–41.</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Klaus Roth, Ioannis Zelepos (Hgg.): Klientelismus in Südosteuropa. 54. Internationale Hochschulwoche der Südosteuropa-Gesellschaft in Tutzing 5.–9. Oktober 2015. Frankfurt am Main: Peter Lang Verlag 2018.</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wolfgang Höpken: Stadt und Zivilgesellschaft in Südosteuropa: Anmerkungen aus historischer Perspektive. In: Anton Sterbling (Hg.): Zivilgesellschaftliche Entwicklungen in Südosteuropa. München: Verlag Otto Sagner 2009, S.&nbsp;111–156, hier: S.&nbsp;116f.</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zum Thema „Phantomgrenze“ siehe: Hannes Grandits u.&nbsp;a.: Phantomgrenzen im östlichen Europa. Eine wissenschaftliche Positionierung. In: dies. (Hgg.): Phantomgrenzen. Räume und Akteure in der Zeit neu denken. Göttingen: Wallstein Verlag 2015, S.&nbsp;13–56, hier: S.&nbsp;18.</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe Béatrice von Hirschhausen u.&nbsp;a.: Phantomgrenzen zwischen Erfahrungsräumen und Erwartungshorizonten. Konzeptionelle Reflexionen an einem empirischen Beispiel. In: ebenda, S.&nbsp;84–106, hier: S.&nbsp;86. Zahlen und Karten zum Vereinswesen liegen leider nicht vor, etwa aktuelle Vergleichsstudien zum Vereinswesen in den verschiedenen Regionen Rumäniens.</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das bekannteste Beispiel ist der „freiwillige“, realiter aber pflichtmäßige Arbeitseinsatz am Samstag, in Bulgarien der „săbotnik“ nach dem sowjetischen Vorbild des „subotnik“.</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe hierzu den Band von Alexei Yurchak: Everything Was Forever, Until It Was No More. The Last Soviet Generation. Princeton: Princeton University Press 2005. </div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. u.&nbsp;a. Jocelyn Viterna, Emily Clough, Killian Clarke: Reclaiming the „Third Sector“ from „Civil Society“. A New Agenda for Development Studies. In: Sociology of Development 1 (2015) H.&nbsp;1, S.&nbsp;173–207.</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe Steven Sampson: Jenseits der Transition: Elitekonfigurationen auf dem Balkan neu gedacht. In: Christopher Hann (Hg.): Postsozialismus. Transformationsprozesse in Europa und Asien aus ethnologischer Perspektive. Frankfurt am Main: Campus Verlag 2002, S.&nbsp;425–452.</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Steven Sampson: The social life of projects. Importing civil society to Albania. In: Chris Hann, Elizabeth Dunn (Hgg.): Civil Society. Challenging Western Models. London, New York: Routledge 2005, S.&nbsp;119–139.</div><div>19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Richard Sennett: Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität. Frankfurt am Main:<br>S.&nbsp;Fischer 1983.</div><div>20&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Robert Putnam: Bowling Alone. America’s Declining Social Capital. In: Journal of Democracy 6 (1995) H.&nbsp;1, S.&nbsp;65–78.</div><div>21&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Jean B.&nbsp;Elshtain: Democracy on Trial. New York: BasicBooks 1995, S.&nbsp;5.</div><div>22&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Francis Fukuyama: Das Ende der Geschichte. Wo stehen wir? München: Kindler Verlag 1992.</div><div>23&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Richard Swartz: Leidensticket nach Westen. Die Osteuropäer vor der Integration. In: Süddeutsche Zeitung, 10.2.2003, S.&nbsp;3. Hervorhebungen im Original.</div><div>24&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe z.&nbsp;B. Sterbling: Zivilgesellschaftliche Entwicklungen in Südosteuropa.</div><div>25&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Holm Sundhaussen: Europa balcanica. Der Balkan als historischer Raum Europas. In: Geschichte und Gesellschaft 25 (1999), S.&nbsp;626–653, hier: S. 652.</div><div>26&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nicolas Hayoz: Das Syndrom der Machtkultur in Osteuropa. In: Nicole Gallina, Katerina Gehl (Hgg.): Kultur der politischen Eliten in Osteuropa. Wien, Zürich: LIT Verlag 2016, S.&nbsp;55–71.</div><div>27&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Stefan Barth: Low Trust Societies and European Funding Policies in Situations of Transformation in Southeastern Europe. „Why is participation of civil society actors in postcommunist countries constrained?“ Heidelberg 2014.</div><div>28&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sonja Schüler: Zivilgesellschaftliche Entwicklungen in Bulgarien am Beispiel Umweltschutz. In: Sterbling (Hg.): Zivilgesellschaftliche Entwicklungen in Südosteuropa, S.&nbsp;285–300.</div><div>29&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe Sonja Schüler: „Was für ein Angebot können Sie uns machen, das wir nicht ablehnen können?“ Politische Wahrnehmungen und Wahrnehmungen des Politischen in der Balkanregion am Beispiel Bulgariens. In: Gallina, Gehl (Hgg.): Kultur der politischen Eliten in Osteuropa, S.&nbsp;111–132, hier: S.&nbsp;118.</div><div>30&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Peter Vandor u.&nbsp;a. (Hgg.): Civil Society in Central and Eastern Europe. Challenges and Opportunities. Wien: ERSTE Stiftung 2017.</div><div>31&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Christian Giordano: Privates Vertrauen und informelle Netzwerke. Zur Organisationskultur in Gesellschaften des öffentlichen Misstrauens. Südosteuropa im Blickpunkt. In: Klaus Roth (Hg.): Soziale Netzwerke und soziales Vertrauen in den Transformationsländern. Ethnologische und soziologische Untersuchungen. Zürich, Berlin: LIT Verlag 2007, S.&nbsp;21–49.</div><div>32&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe Vandor u.&nbsp;a. (Hgg. ): Civil Society in Central and Eastern Europe.</div><div>33&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe Roth, Zelepos (Hgg.): Klientelismus in Südosteuropa.</div><div>34&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Christian Giordano, Nicolas Hayoz (Hgg.): Informality in Eastern Europe. Structures, Political Cultures and Social Practices. Bern, Berlin: Peter Lang Verlag 2013.</div><div>35&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Fanny Sbaraglia: „They are with the Others“. From Gossip to Stigmatization, Romanian Civil Society through an Informal Perspective. In: Giordano, Hayoz (Hgg.): Informality, S.&nbsp;279–296.</div><div>36&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Katerina Gehl, Klaus Roth: The Everyday Culture of Informality in Post-Socialist Bulgarian Politics. In: Giordano, Hayoz (Hgg.): Informality, S.&nbsp;197–221.</div><div>37&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dr. Petrov ist Associate Professor am Institut für Ethnologie und Folkloristik der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften in Sofia. Für seine detaillierten Auskünfte möchte ich ihm herzlich danken.</div><p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/zivilgesellschaft-vereinswesen-suedosteuropa/">Zivilgesellschaft und Vereinswesen  in Südosteuropa</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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