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	<title>Kommunismus Archive - Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</title>
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	<title>Kommunismus Archive - Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</title>
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		<title>Ambivalente Lebensläufe. Securitate-Offiziere zwischen Verklärung und Sachlichkeit (3)</title>
		<link>https://halbjahresschrift.de/ambivalente-lebenslaufe-3/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[IKGS-Admin_2]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Jun 2020 15:44:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2017–2018]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[CNSAS]]></category>
		<category><![CDATA[Geheimdienstakten]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Securitate]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Mittelpunkt des 3. Teils der Studie „Ambivalente Lebensläufe“ steht die rumänienserbische Securitateoffizierin Vida Nedici, um die sich verschiedene, aus der Gefängnisfolklore entnommene Legenden ranken. Ihre Biografie wird hier mit belegbaren Tatsachen, Ereignissen und Archivdokumenten rekonstriert und ergibt ein schillerndes Bild einer Person, die der Securitate diente und dennoch zu deren Opfer wurde. Teil 1 erschien in der Halbjahresschrift 2016, Heft Nr. 1 und 2, S. 61–82; Teil 2 in Rudolf Gräf, Gabriella-Nóra Tar, Ioana Florea (Hgg.): „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Festschrift für Eginald Schlattner zum 85. Geburtstag. Studia Germanica Napocensia, Bd. 5. Klausenburg: Universitätsverlag 2018, S. 19–46.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/ambivalente-lebenslaufe-3/">Ambivalente Lebensläufe. Securitate-Offiziere zwischen Verklärung und Sachlichkeit (3)</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><u><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2020/07/HJS_2017_2018_William_Totok.pdf" target="_blank" aria-label="undefined (opens in a new tab)" rel="noreferrer noopener">PDF-Download</a></u></p>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p>William Totok, Berlin</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<h2 class="wp-block-heading">4. Securitate vs. Securitate<sup class="modern-footnotes-footnote ">1</sup></h2>



<p>In den Erinnerungen ehemaliger politischer Häftlinge und in verschiedenen Abhandlungen zur kommunistischen Vergangenheit Rumäniens finden sich häufig Hinweise auf eine sadistische Mitarbeiterin der Securitate, von der behauptet wird, sie habe in den 1950er-Jahren in der Temeswarer Dienststelle der Geheimpolizei gearbeitet. In einigen dieser Schriften wird Vidosa (auch: Vidoșa/Vida) Nedici, Leutnant der Securitate, denn von ihr ist die Rede, auch namentlich erwähnt. Ihr wurde systematisch unterstellt, sie habe ihr sadistisches Naturell an den Häftlingen ausgelebt. Aus der Gefängnisfolklore aufgeschnappte Berichte von einer grausamen, rumänienserbischen Securitate-Offizierin, die während der Verhöre den Gefangenen mit einem Bleistift auf die Hoden schlägt, fanden somit auch Eingang in die Memoirenliteratur. Sämtliche Verfasser jedoch berichten nur über Erlebnisse Dritter, die ihnen vom Hörensagen zu Ohren gekommen waren. Ohne diese Geschichte auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, wurde sie sogar in ein Nachschlagewerk aufgenommen, das der Bukarester Humanitas-Verlag im Jahr 2001 unter dem Titel <em>Schwarzes Lexikon</em> veröffentlichte und das Anspruch auf Objektivität und Seriosität erhebt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">2</sup> Dieses von Doina Jela erarbeitete Lexikon fußt allerdings auf zweifelhaften Quellen, enthält haufenweise Unterstellungen, und es wimmelt von Sachfehlern.</p>



<p>Die Mär von der perversen Ermittlerin, die sich lustvoll an den Schmerzen der gemarterten Gefangenen ergötzt, könnte allerdings sogar aus den Desinformationslaboratorien der Securitate stammen. Diese These ließe sich wiederum aus Verhörprotokollen ableiten, jedoch nicht eindeutig belegen. Aus mindestens einem Protokoll,<sup class="modern-footnotes-footnote ">3</sup> in dem die Aussagen zu einem früheren Kollegen von Vida Nedici, dem rumänienserbischen Unterleutnant Sava Bugarschi, zusammengefasst sind, könnte man schließen, dass die Securitate-Ermittler, die sich mit der Identifizierung und Inkriminierung der erfundenen und realen Tito-Spione beschäftigten, die Geschichte von der sadistischen und brutalen Offizierin erfunden haben, in der Absicht, ein dämonisches, amoralisches und verurteilungswürdiges Porträt einer perversen und verbrecherischen Landesverräterin zu fabrizieren. Das erwähnte Protokoll fußt übrigens auf einer maschinengeschriebenen Kopie der Aussagen, die der inhaftierte Legionär Nicolae Ighișan<sup class="modern-footnotes-footnote ">4</sup> im September 1950 gemacht hatte, also zu einem Zeitpunkt, als die Ermittlungen und Vorbereitungen zu weiteren Gerichtsverfahren gegen ehemalige rumänienserbische Geheimdienstoffiziere in vollem Gange waren.</p>



<p>Die Ermittler ignorierten dabei die Tatsache, dass Vida Nedici bei der geschilderten Begegnung Ighișans mit Securitate-Leutnant Bugarschi als Daktylografin tätig war und keineswegs als zuständige Beamtin für strafrechtliche Untersuchungen.</p>



<p>Im August 1949 wurde sie übrigens nach Bukarest versetzt. Fakt ist, dass die Schauerlegende von der lüsternen Serbin bereits Anfang der 1950er-Jahre hinter den Gefängnismauern kolportiert und weiter verbreitet wurde.<sup class="modern-footnotes-footnote ">5</sup></p>



<p>Aus ihren zahlreichen Erklärungen, die sie in Securitate-Gewahrsam 1950 handschriftlich verfasst hatte und die den Ermittlungsbeamten als Vorlagen für maschinengeschriebene Geständnisse dienten,<sup class="modern-footnotes-footnote ">6</sup> die Vidosa Nedici zum Unterzeichnen vorgelegt wurden, geht hervor, dass sie 1924 in einer rumänienserbischen Familie in der Banater Ortschaft Becicherecul Mic (dt. Kleinbetschkerek)<sup class="modern-footnotes-footnote ">7</sup> geboren wurde. Wie zahlreiche andere Serben aus Rumänien sympathisierte auch sie 1943 mit der Partisanenbewegung Titos.</p>



<p>Den Verbänden hatten sich übrigens mehr als 2.000 Serben aus Rumänien angeschlossen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">8</sup> Darunter befanden sich auch einige, die 1948, nach der Kollision zwischen Stalin und Tito, in Rumänien zu Titoisten, jugoslawischen Agenten und Vaterlandsverrätern, gestempelt wurden und schweren Verfolgungen ausgesetzt waren. Viele der Freiwilligen schlossen sich dem kommunistischen Jugendverband oder der kommunistischen Partei Jugoslawiens an. Einige arbeiteten auch für den sich im Aufbau befindlichen jugoslawischen Geheimdienst und setzten ihre nachrichtendienstliche Tätigkeit nach ihrer Rückkehr ins Banat fort. Mehrere Rumänienserben, die als jugoslawische Geheimdienstleute tätig waren, wurden ab 1945 aufgrund ihrer kommunistischen Überzeugungen in die rumänischen Nachrichtendienste eingereiht, aus denen 1948 die Securitate entstand.</p>



<p>Unter den Rumänienserben gab es allerdings auch Anhänger der Tschetniks, der ultranationalistischen und pro-monarchistischen Organisation, die im Unterschied zu den Tito-Partisanen gegensätzliche politische und ideologische Ziele verfolgten und aus diesem Grund sogar mit den deutschen Besatzern kollaborierten, um die „Kommunisten Titos zu bekämpfen“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">9</sup> 1946 wurde der Tschetnik-Führer Draža Mihailović zum Tode verurteilt. Einige seiner rumänienserbischen Anhänger teilten das gleiche Los.</p>



<p>Vida Nedici absolvierte in dieser Zeit das Gymnasium (in Rumänien: Lyzeum) und wurde 1946 Mitglied der Rumänischen Kommunistischen Partei.<sup class="modern-footnotes-footnote ">10</sup> Als Schreibkraft und Absolventin eines Kurses für zukünftige Parteikader arbeitete sie zuerst in der Temeswarer (rum. Timișoara) regionalen Parteizentrale und wirkte in den offiziell agierenden rumänienserbischen Organisationen mit. Das Verbot der Antifaschistischen Slawischen Front<sup class="modern-footnotes-footnote ">11</sup> im Mai 1945 beruhte auf dem Vorwurf, pro-jugoslawische Aktivisten hätten die Absicht gehabt, jene Teile Rumäniens an Jugoslawien anzuschließen, die zum Großteil von Angehörigen der serbischen Minderheit besiedelt waren. Es gab allerdings tatsächlich Vorbereitungen – in Jugoslawien und in Rumänien – einen Anschluss der Ortschaften aus der Donauklamm (rum. Clisura Dunării) zu verwirklichen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">12</sup> In der Propagandasprache des Bukarester Regimes wurden die Abspaltungsversuche verzerrt und als eine von feindlichen, faschistischen Kräften eingefädelte Unternehmung dargestellt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Als eine Etappe in der Operation zur Besetzung unseres Landes, planten die titoistischen Banditen, einen Teil des Banates an sich zu reißen und begannen zu diesem Zweck mit Hilfe ihrer Agenten die Losung von der ‚Vereinigung des Banates mit Jugoslawien‘ zu verbreiten.<sup class="modern-footnotes-footnote ">13</sup></p></blockquote>



<p>Im Juli 1947 wurde Vida Nedici als Daktylografin der Temeswarer Dienstelle der Geheimpolizei Siguranța zugeteilt und im Dezember 1948, also fünf Monate nach der offiziellen Gründung der Nachfolgeorganisation Securitate, in die Zentrale nach Bukarest versetzt.</p>



<p>Nach dem offenen Ausbruch des Konflikts mit Tito und der Veröffentlichung der Resolution des Informationsbüros der Kommunistischen und Arbeiterparteien (abgekürzt: Kominform) über die Lage in der Kommunistischen Partei Jugoslawiens<sup class="modern-footnotes-footnote ">14</sup> vom 28. Juni 1948,<sup class="modern-footnotes-footnote ">15</sup> eröffnete die Securitate ihre Jagd auf angebliche und tatsächliche Tito-Sympathisanten und jugoslawische Agenten. Zahlreiche Banater Serben, darunter auch viele rumänienserbische Securitate-Offiziere,<sup class="modern-footnotes-footnote ">16</sup> wurden verhaftet, oft unter fadenscheinigen Anschuldigungen vor Gericht gestellt und in mehreren Prozessen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.</p>



<p>Unter den Verhafteten befand sich auch Vida Nedici, die zusammen mit elf weiteren Personen in einem von propagandistischem Getöse begleiteten Prozess verurteilt wurde. Folgende Personen wurden im ersten Spionage- und Hochverratsprozess, der am 1. August 1950 vor einem Bukarester Militärgericht begann,<sup class="modern-footnotes-footnote ">17</sup> zu unterschiedlichen Strafen verurteilt:<sup class="modern-footnotes-footnote ">18</sup></p>



<ol class="wp-block-list"><li>Miloș Todorov, verhaftet am 27.4.1950, Arzt, Parlamentsabgeordneter, lebenslange Zwangsarbeit;</li><li>Boșco Lațici, 16.7.1949, Lehrer, jugoslawischer Staatsbürger, Angestellter der jugoslawischen Botschaft in Bukarest, stellvertretender Presseattaché, zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt;</li><li>Nicola Medici, 16.7.1949, jugoslawischer Staatsbürger und Botschaftsmitarbeiter, Unterleutnant des jugoslawischen Geheimdienstes UDB-a, drei Jahre Gefängnis;</li><li>Milorad Adamov, 28.8.1948, jugoslawischer Staatsbürger, Mühlendirektor in Kikinda (Jugoslawien), 25 Jahre Gefängnis;</li><li>Djuro Basler, 26.11.1949, jugoslawischer Staatsangehöriger, Ingenieur, Todesstrafe, hingerichtet am 28.10.1950;</li><li>Jiva Petrov, 23.11.1948, Mechaniker, Traktorist, 15 Jahre Gefängnis;</li><li>Angelco Peiovici, 14.5.1949, Lehrer, 25 Jahre Gefängnis;</li><li>Bojidar (Boja) Stanoievici, 27.3.1950, Mechaniker, lebenslange Zwangsarbeit;</li><li>Miladin Silin, 9.11.1949, Lehrer, 25 Jahre Zwangsarbeit;</li><li>Svetomir Radosavlievici, 10.3.1950, Schlosser, Mechaniker, zwölf Jahre Gefängnis;</li><li>Nicola Milutinovici, 17.6.1950, Beamter der Temeswarer Konsumgenossenschaft, Todesstrafe, hingerichtet am 28.10.1950;</li><li>Vidosa Nedici, 15.6.1950, Beamtin (eigentlich Mitarbeiterin der Securitate – Anm. d. Verf.), Todesstrafe, umgewandelt in lebenslange Zwangsarbeit.<sup class="modern-footnotes-footnote ">19</sup></li></ol>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-full is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2020/06/vidosa.jpg" alt="Vidosa Nedici (Quelle: ACNSAS, P 1143, vol. 12, Bl. 335)" class="wp-image-286" width="586" height="432" srcset="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2020/06/vidosa.jpg 781w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2020/06/vidosa-300x221.jpg 300w, https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2020/06/vidosa-768x566.jpg 768w" sizes="(max-width: 586px) 100vw, 586px" /><figcaption>Vidosa Nedici (Quelle: ACNSAS, P 1143, vol. 12, Bl. 335)</figcaption></figure></div>



<p>Während der Gerichtsverhandlung legte Vida Nedici ein umfassendes Geständnis ab. So auch die anderen Angeklagten, die nach der Urteilsverkündung Berufung einlegten. Vida Nedici verzichtete auf eine derartige Eingabe. Nedici wurde, im Unterschied zu den beiden Mitangeklagten Milutinovici und Basler, die hingerichtet wurden,<sup class="modern-footnotes-footnote ">20</sup> begnadigt und die Todesstrafe in lebenslange Zwangsarbeit umgewandelt.</p>



<p>Nach Stalins Tod 1953 bahnte sich eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Jugoslawien und den anderen Ostblockländern an. 1955 begnadigte die Bukarester Führung alle, die als Tito-Spione verurteilt worden waren, so auch Vida Nedici. Womit sie sich nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis beschäftigte, ist nicht belegt. Bekannt ist nur, dass sie irgendwann nach ihrer Haftentlassung Rumänien verließ und 2009 in einer Belgrader Wohnung lebte. In einem Interview beteuerte sie, niemals irgendjemanden gefoltert zu haben.<sup class="modern-footnotes-footnote ">21</sup></p>



<h2 class="wp-block-heading">Erklärung der Beschuldigten Vidosa Nedici vom 4. Juli 1950<sup class="modern-footnotes-footnote ">22</sup></h2>



<p><br>Unterzeichnete Nedici Vidosa, geboren am 4. Mai 1924 in der Gemeinde Becicherecul Mic, Kreis Timiș Torontal, besitze die rumänische Staatsbürgerschaft serbischer Nationalität, Tochter von Radivoi (verstorben) und Cristina, von Beruf Beamtin des Innenministeriums, Absolventin von IV Lyzealklassen, spreche Serbisch und Rumänisch, mangelhaft Russisch und Deutsch, letzter Wohnort in Bukarest, Dr. Listerstraße, Nr. 5, erkläre Folgendes:</p>



<p>Politisch habe ich mich früher nicht betätigt, seit 1943 unterstützte ich aktiv die Antifaschistische Bewegung der Partisanen, und 1946 wurde ich Mitglied der RKP, Aufnahmepromotion 1. Mai in Temeswar. Danach, im September 1946, besuchte ich einen 10-tägigen Kaderausbildungslehrgang, wurde als Beamtin des regionalen Eisenbahnamtes (C.F.R.<sup class="modern-footnotes-footnote ">23</sup>.) eingestellt, arbeitete im Sekretariat; nach der Reorganisierung der regionalen Parteileitungen im März 1947 war ich in der Kaderabteilung der RKP-Kreisleitung Temeswar tätig.</p>



<p>Zum damaligen Zeitpunkt wohnte ich bei Liubița Marcovici in Temeswar, Ungureanustraße Nr. 14, die damals Aktivistin der Slawischen Organisation aus Temeswar war.</p>



<p>Im Haus von Liubița Marcovici verkehrten viele Serben, sowohl aus der FVRJ<sup class="modern-footnotes-footnote ">24</sup> als auch von der Botschaft der FVRJ aus Bukarest – und im Allgemeinen Serben aus Rumänien, darunter auch Bojidar Stanoievici.<sup class="modern-footnotes-footnote ">25</sup> Nachdem ich mit diesem im Oktober oder November 1946 mehrere Male gesprochen habe, schlug er mir vor, Informantin der O.Z.N.-a<sup class="modern-footnotes-footnote ">26</sup> zu werden.</p>



<p>Ich habe den Vorschlag von Bojidar Stanoievici angenommen. Nachdem ich seinen Vorschlag akzeptiert hatte, bestellte mich Bojidar Stanoievici einige Tage später zu einem Treffen in der Nähe des Temeswarer elektrischen Wasserkraftwerks am Ufer des Begakanals, wo uns Dușco Iovanovici, Sekretär der Bukarester Botschaft der FVRJ, erwartete.</p>



<p>Eine weitere Begegnung mit Dușco Iovanovici hatte ich am nächsten Tag, an der gleichen Stelle; er sprach über die nachrichtendienstliche Arbeit der O.Z.N.-a, für die ich mich verpflichtet hatte zu arbeiten.</p>



<p>Nach den Zusammenkünften mit Dușco Iovanovici diktierte mir Boja eine Verpflichtungserklärung zur Mitarbeit in der O.Z.N.-a, die ich unterschrieb, und seinem Ansuchen entsprechend überreichte ich ihm etwas später – als meinem übergeordneten Verbindungsmann – auch meine Autobiografie. Von diesem Zeitpunkt an, also dem Datum meiner Anwerbung bis im Mai 1947, als ich als Beamtin in der Temeswarer Regional- und Kreisleitung der RKP tätig war, lieferte ich Boja Stanoievici Berichte mit verschiedenen Informationen, die ich von den Genossen gesammelt hatte, sowie Kopien der monatlichen Rechenschaftsberichte der regionalen Kreisparteileitung aus Temeswar. Die Berichte unterzeichnete ich mit dem Decknamen „Lipa“.</p>



<p>Wohl im Mai 1947 bestellte mich Boja Stanoievici zu einer Begegnung in das Haus von Todorovici Milan aus Temeswar II, wo ich Dușco Iovanovici und Milutinovici Nicola angetroffen habe und wo man mir mitteilte, dass ab nun mein zukünftiger, übergeordneter Verbindungsmann Milutinovici Nicola sein werde, dem ich dann später die gesammelten Informationen übermittelt habe.</p>



<p>Im Juli 1947 wurde ich dienstlich in die Regionalabteilung der Temeswarer Siguranța versetzt, von dort habe ich folgende Informationen übermittelt:</p>



<p>In der Zeit, als ich in der Abteilung 1 arbeitete, lieferte ich verschiedene Informationen, die ich von meinen Kollegen sammelte. Während meiner Tätigkeit als Daktylografin der Temeswarer Regionaldirektion der Securitate habe ich die auf Durchschlagpapier angefertigten Kopien der wöchentlichen Berichte weitergegeben, die an die Bukarester Generaldirektion der Volkssicherheit<sup class="modern-footnotes-footnote ">27</sup> geschickt wurden.</p>



<p>Als Daktylografin der Mobilen Brigade der Temeswarer Regionaldirektion der Securitate lieferte ich Berichte über die Grenzübergänge, die ich als besonders wichtig einstufte.</p>



<p>Damals schrieb ich auf der Schreibmaschine auch die Berichte des stellvertretenden Leiters der Regionaldirektion der Securitate aus Temeswar, die an die Generaldirektion der Securitate nach Bukarest gingen; die meisten davon vervielfältigte ich mit Kohlepapier und übergab sie danach Milutinovici Nicola.</p>



<p>Die Informationen, die ich nicht auf Kohlepapier schreiben und wegschaffen konnte, lernte ich auswendig und diktierte sie meinem übergeordneten Verbindungsmann. In der Zeitspanne als ich mit Milutinovici in Verbindung stand, trug ich den Decknamen „Zina“. Die ganze Zeit über, in der ich in Verbindung zu Milutinovici stand, kam dieser zu mir nach Hause, in die Onițiu-Str. 5, wo ich ihm die gesammelten Informationen übergab. Unser Erkennungszeichen war der Satz „Das Wohnungsfenster ist geöffnet“, worauf er ein Tito gewidmetes Lied pfiff.</p>



<p>Milutinovici forderte mich auf, ihm die Namen der anglo-amerikanischen Informanten zu beschaffen, die der Temeswarer Regionaldirektion der Securitate bekannt sind, was mir aber nicht gelungen ist. Nach der Veröffentlichung der Resolution des Kominformbüros solidarisierte ich mich zum Schein mit den Kollegen aus der Temeswarer Regionaldirektion der Securitate, in Wirklichkeit aber blieb meine Einstellung bezüglich der Haltung des ZK der KPJ<sup class="modern-footnotes-footnote ">28</sup> unverändert, und wie bis dahin lieferte ich auch weiterhin Informationen.</p>



<p>Nach der Ankunft der Emigranten aus der FVRJ in der RVR<sup class="modern-footnotes-footnote ">29</sup> erteilte mir der Direktor der Temeswarer Regionaldirektion der Volkssicherheit den Auftrag, mich mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen; darüber informierte ich auch Milutinovici Nicola.</p>



<p>Im Oktober 1948, als Bojidar Stanoievici zusammen mit einer Gruppe von Serben verhaftet wurde, setzte ich mich mit ihm in Verbindung, da mir bekannt war, dass er für die UDB-a<sup class="modern-footnotes-footnote ">30</sup> gearbeitet hatte. Damals befand er sich in der Zelle Nr.&nbsp;2 des Arrestes der Regionaldirektion der Volkssicherheit aus Temeswar. Mit dem Einverständnis des Untersuchungsbeamten von Boja habe ich diesen mit Lebensmitteln und Zigaretten versorgt.</p>



<p>Etwa einen Monat nach seiner Inhaftnahme entwarf ich zusammen mit Bojidar Stanoievici einen Plan seiner Flucht aus dem Arrest der Regionaldirektion der Volkssicherheit aus Temeswar. Laut diesem Plan sollte ich diesen in den Raum des diensthabenden Offiziers bringen. Zusammen sollten wir dann über den Zaun springen und in die FVRJ fliehen. Diesen Plan teilte ich auch meinem Verbindungsmann Milutinovici mit, der durch mich das Einverständnis von Boja, der sein übergeordneter Verbindungsmann war, einholen ließ. Milutinovici fragte mich nach den Fluchtmöglichkeiten und wollte wissen, ob Boja im Stande sei, zu Fuß zu gehen, und ob er Motorrad fahren könne. Wir vereinbarten als Auslöser für den Fluchttermin einen Telefonanruf von Milutinovici. Da mich Milutinovici nicht angerufen hatte, wurde der Ausbruch nicht durchgeführt. Wie der Grenzübertritt organisiert worden war, entzieht sich meiner Kenntnis, ebenso auch der Grund, warum keine Flucht über die Grenze stattgefunden hatte.</p>



<p>Weil davon ausgegangen werden konnte, dass die Generaldirektion der Volkssicherheit die Überstellung von Boja Stanoievici nach Bukarest anordnen könnte, erörterte ich dies auch mit Boja. Falls dies geschehen würde, wollten wir ihn aus dem Zug entführen. Um dies durchzuführen, kauften wir Schlafpulver, das er selber seinen Bewachern verabreichen sollte, vorausgesetzt er befände sich mit diesen allein in einem Zugabteil. Die anschließende Entführung aus dem Zug sollte dann mit Hilfe anderer Personen abgewickelt werden. Da ich in jenem Zeitraum häufig von Temeswar nach Bukarest reiste, hatte ich alles mit Bugarschi Sava, Offizier der Temeswarer Regionaldirektion der Volkssicherheit, besprochen. Im Falle meiner Abwesenheit sollte dieser das Schlafpulver Boja übergeben und die dem Vorhaben entsprechenden Bewacher benennen. Eine Überstellung von Boja an die Generaldirektion der Volkssicherheit nach Bukarest wurde jedoch nicht angeordnet. Ich habe mich mit Bugarschi abgesprochen, weil ich wusste, dass er den Standpunkt des ZK der KPJ vertrat.</p>



<p>Im Dezember 1948 wurde ich nach Bukarest bestellt, um in der Bukarester Generaldirektion der Volkssicherheit zu arbeiten und fuhr damals mehrere Male nach Temeswar, wo ich Milutinovici die gesammelten Informationen über die Emigranten übergab, während wir auf den Straßen spazierten. Es handelte sich um Informationen über kürzlich in der RVR eingetroffene Emigranten aus der FVRJ.</p>



<p>Da meine Versetzung nach Bukarest in die Generaldirektion der Volkssicherheit fortbestand, sagte mir Milutinovici, dass ich in Zukunft einen Bukarester Verbindungsmann haben werde, gleichzeitig teilte er mir das Kennwort und den Treffpunkt mit. Dies geschah, so glaube ich, im Februar 1949. Treffpunkt war die Vasile-Lascăr-Straße 100, wo ich jeden Morgen um 7 Uhr erscheinen musste; auf die Codefrage „Bist du aus Belgrad gekommen?“ sollte ich mit „Nein, ich bin aus Moskau gekommen“ antworten.</p>



<p>In der Zeit, als Milutinovici mein übergeordneter Verbindungsmann war, erhielt ich von diesem als Wohnhilfe monatlich zwischen 1000 und 1500 Lei.</p>



<p>Am festgelegten Ort und mit Hilfe der festgesetzten Parole traf ich den Genossen Baldjici Voia, Botschaftsbeamter der FVRJ, mit dem ich einen Begegnungstermin in der Armenească-Straße festlegte und von wo er mich in einem Wagen in eine Wohnung brachte, die sich rechts vom Generalissimus-Stalin-Platz befindet.</p>



<p>Ich glaube, dass in dieser Wohnung jemand von der Botschaft der FVRJ einquartiert war, denn an den Wänden erblickte ich ein Bild von Tito. Seither übermittelte ich die Informationen an eine Person, deren Namen und deren Funktion mir nicht bekannt waren und die mir Baldjici vorgestellt hatte. Ich erinnere mich, dass dieser Fremde, dessen Namen ich nicht in Erfahrung bringen konnte und der mich in der erwähnten Wohnung erwartet hatte, mir sagte, er sei aus Belgrad gekommen. Diese Person habe ich lediglich 4–5 Mal, immer in der Wohnung, getroffen. Den Gesprächen, die ich mit ihm führte, entnahm ich, dass er nicht in der besagten Wohnung lebte. Dieser Person übergab ich Informationen über die neu eingetroffenen Emigranten und besprach mit ihm gleichzeitig auch die Situation von Boja Stanoievici; bei dieser Gelegenheit erfuhr ich auch die Decknamen von Boja, „Mrgud“, und von Milutinovici, „Costea“. In den Gesprächen über Boja, die ich mit dieser Person führte, wurde mir gesagt, ich möge, um keinen Verdacht zu erregen, mich nicht mehr um Boja kümmern; gleichzeitig wurde ich auf die Tatsache aufmerksam gemacht, in Bugarschi Sava kein Vertrauen zu haben. Im Laufe einer der Begegnungen versprach er mir, einige Geschenke aus der FVRJ zu schicken; die Geschenke bestanden in zwei mit Volkstrachtmotiven bestickten, handgefertigten Blusen, die ich im Sommer 1949 von Bogdanovici Dobrița erhielt.</p>



<p>Weil dieser Unbekannte und Baldjici Voia in die FVRJ zurückkehren sollten, bestimmte einer von ihnen einen neuen Termin und Treffpunkt für die bevorstehende Kontaktaufnahme zu einem neuen Verbindungsmann.</p>



<p>Ich kam zum vereinbarten Zeit- und Treffpunkt, wo sich auch Bogdanovici Dobrița eingefunden hatte, der mich in seinem Wagen in seine links von der Fliegerstatue<sup class="modern-footnotes-footnote ">31</sup> gelegene Wohnung brachte. Hier erwartete mich Rafai Drago, dem ich vorgestellt wurde und dem ich anschließend mitteilte, wer die neu in der RVR angekommenen Emigranten sind. Am Anfang traf ich Rafai Drago in der Wohnung von Bogdanovici, später nur in dem von Bogdanovici gelenkten Wagen, mit dem er durch verschiedene dunkle Bukarester Straßen fuhr; dabei hielt er ab und zu, wenn ich Rafai Drago meine Informationen diktierte, die er in der Dunkelheit aufschrieb.</p>



<p>Da wir nicht immer zu den festgelegten Terminen erscheinen konnten, gab uns Rafai Drago seine Telefonnummer, 1.20.38; wenn ich ihn anrief, benutzte ich das Kennwort „Ilie“ und bestellte ihn in die Botschaft. In solchen Fällen rief ich ihn um 4 Uhr nachmittags an, was so viel bedeutete, als dass wir uns noch am gleichen Tag um 22:30 Uhr an der vorher vereinbarten Stelle treffen sollten.</p>



<p>In der Zeitspanne von April 1949 – April 1950, in der ich mich mit Rafai Drago traf, trug ich den Decknamen „Teo“.</p>



<p>Während der ersten Begegnungen mit Rafai Drago unterrichtete mich dieser kurz über die innere und äußere Lage der FVRJ. Bei diesen Gelegenheiten gab er mir die Anweisung, in jeder Konstellation die „Tito-Clique“ zu entlarven, die Zeitung <em>Scânteia</em> und andere ideologische Schriften zu lesen, Artikel für die Wandzeitung zu verfassen und in den Sitzungen das Wort zu ergreifen. Gleichzeitig sagte er mir, ich möge untertauchen, sobald ich bemerken sollte, dass man mich überwache.</p>



<p>Im August 1949, als ich definitiv nach Bukarest in die Generaldirektion der Volkssicherheit versetzt wurde und dort als Übersetzerin bei den Verhören von Medici Nicola und Boșco Lațici, Beamte der Bukarest Botschaft der FVRJ, dabei war, habe ich den Erstgenannten ermuntert, nichts zu gestehen, da auch Lațici Boșco nichts ausgesagt hatte.</p>



<p>Als der Ermittlungsbeamte nicht anwesend war, habe ich ihm Essen zugesteckt. Über den Fortgang dieser Ermittlung habe ich auch mit Rafai Drago gesprochen.</p>



<p>Im November 1949 wurde ich von meinem Cousin Milutin Isac aus Cenadul Mare<sup class="modern-footnotes-footnote ">32</sup> besucht, der zusammen mit einigen Bauern nach Bukarest gekommen war, um Knoblauch zu verkaufen. Ich habe diese Gelegenheit genutzt, um ihn zu fragen, ob er einen Grenzübertritt in der Nähe von Vălcani, Kreis Timiș Torontal, wo seine Schwiegereltern eine Ackerfläche besaßen, organisieren könnte, worauf er mir antwortete, dies sei sehr schwierig, aber er werde sich erkundigen, ob es irgendwelche Möglichkeiten gebe. Während der darauffolgenden Begegnung unterrichtete ich Rafai Drago, der von mir wissen wollte, ob er sich auf ihn [den Cousin – Anm. d. Verf.] verlassen könne; er bekam von mir seine Anschrift und den Erkennungscode – „was macht Vladimir“ –, den ich mit Milutin Isac festgelegt hatte. Ein Grenzübertritt, dachte ich, käme für Boja Stanoievici in Frage. Milutin schrieb ich einen Brief und verlangte von ihm einige unausgefüllte Ausweispapiere und Geburtsurkunden, die jene Personen benötigt hätten, weil sie die Absicht hatten, über die Grenze in die FVRJ zu gelangen, und zwar Boja und Milutinovici Nicola. Die Ausweise und Urkunden stammen aus dem Rathaus von Cenadul Mare, wo er [Milutin Isac – Anm. d. Verf.] als Beamter tätig war.</p>



<p>Am 7. Januar 1950 fuhr ich nach Temeswar, wo mich Boja Stanoievici erwartete, nachdem ich ihm zuvor geschrieben hatte, dass ich anlässlich der Feiertage nach Temeswar käme. Bei dieser Gelegenheit sagte er mir, dass auch Bugarschi Sava mit mir sprechen wolle, dabei versicherte er mir, ich könne mit diesem offen sprechen. Bugarschi erwartete mich im Hause seiner Eltern in der Straße Vlad de la Marina 1. Dieser fragte mich, ob ich etwas über seine Situation innerhalb der Bukarester Generaldirektion der Volkssicherheit erfahren habe; gleichzeitig sagte er mir, ich möge Paulevici Slobodan, Emigrant aus der FVRJ, mitteilen, falls er von unseren Behörden befragt werde, möge er erklären, dass Bugarschi nur bis zum 6. März 1945 in Rumänien nachrichtendienstlich tätig gewesen sei. Nachdem ich mich von Bugarschi getrennt hatte, traf ich erneut Boja, der mir sagte, er sei in Bukarest gewesen, wo er eine Begegnung mit Bogdanovici Rafai von der Bukarester Botschaft der FVRJ hatte und mit diesem über seine Situation gesprochen habe.</p>



<p>Am 8. Januar 1950 telefonierte ich mit Milutin Isac und bestellte ihn nach Becicherec. Während dieser Begegnung erhielt ich die von ihm verlangten notwendigen Ausweise und Geburtsurkunden, die für die bestimmt waren, die die Absicht hatten, die Grenze zu überschreiten. Als ich am 8. Januar 1950 wieder zurück nach Temeswar fuhr, traf ich Boja Stanoievici, dem ich bei dieser Gelegenheit Einzelheiten über meine Tätigkeit mitteilte sowie Informationen über verhaftete Serben zukommen ließ, gegen die die Generaldirektion der Volkssicherheit ermittelte.</p>



<p>Damals sagte ich ihm auch, dass mein Cousin aus Cenadul Mare ihren Grenzübertritt organisiert.</p>



<p>Während meiner letzten Begegnung mit Rafai Drago im April 1950 sagte mir dieser, er ginge zurück in die FVRJ, teile mir aber das Codewort mit, für die Kontaktaufnahme mit der neuen Verbindungsperson an der vereinbarten Stelle und an dem abgemachten Datum. Die Kontaktaufnahme zum neuen Verbindungsmann sollte vor dem Lebensmittelladen in der Nähe der Militärhochschule in Cotroceni abends zwischen 9 und 10 Uhr an jedem ersten Sonntag des Monats zustande kommen; der Erkennungssatz lautete „Wo ist der Carol-Park?“, worauf ich mit dem Satz antworten sollte: „Ich weiß, wo der Carol-Park ist“ […].</p>



<p>Ebenfalls im April 1950, als ich zu Ostern in Temeswar war, traf ich mich mit Milutinovici Nicola, dem ich mitteilte, Boja Stanoievici und Bugarschi bei der Generaldirektion der Volkssicherheit in Bukarest gesehen zu haben; [ich erzählte ihm] über die menschenfreundliche Behandlung der Gefangenen und sagte ihm, keine Verbindungsperson mehr zu haben. Ich sagte ihm auch, dass man wahrscheinlich auch Boja Stanoievici und Bugarschi Sava vor Gericht stellen werde.</p>



<p>Anfang Juni 1950 kam Olga Martinov zu mir und ich bat sie, ohne zusätzliche Erklärungen Milutin Isac mitzuteilen, dass unsere Absprache in Bezug auf Vladimir gültig sei. Das Codewort „Vladimir“ stand für Grenzübertritt.</p>



<p>Anfang 1949 übergab mir Olga Martinov aus Temeswar VI, Mihnea-Vodă-Str. 31, einen Brief, den sie von Sapunghin Danița aus Cenadul Mare, Kreis Timiș Torontal, erhalten hatte. Da ich den Brief nicht entziffern konnte, übergab ich ihn meinem Verbindungsmann Milutinovici Nicola; dieser mahnte zur Vorsicht und riet mir, in Zukunft keine Briefe entgegenzunehmen, da es sich um Provokationen handeln könnte, was ich meinerseits dann auch Martinov Olga empfohlen habe. Ich kenne weder den Inhalt noch den Absender des Briefes, da ich ihn nicht entziffern konnte.</p>



<p>Während meiner Tätigkeit als Beschafferin von Informationen, beginnend mit dem Tag meiner Anwerbung bis April 1950, als ich keine Verbindungsperson mehr hatte, schöpfte ich alle meine Arbeitskollegen ab, die mir dabei unwissentlich behilflich waren.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Das ist meine Erklärung, die ich abgebe, aufrecht erhalte und eigenhändig unterzeichne.</p><p>(gez.) Vidosa Nedici, Bukarest, 4. Juli 1950.</p><p>ACNSAS, P 1143, vol. 1, Bl. 376–381.</p></blockquote>



<p><em>Fortsetzung folgt</em></p>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>William Totok</strong>, geb. am 21.04 1951 in Groß-Komlosch/Comloșu Mare (Rumänien); Studium der Germanistik und Rumänistik in Temeswar; Gründungsmitglied der „Aktionsgruppe Banat“ (1972–1975); politische Haft wegen „Verbreitung staatsfeindlicher Gedichte“ (1975–1976); lebt seit 1987 als freischaffender Schriftsteller und Publizist in Berlin. Er ist seit 1992 Mitglied des Redaktionsbeirates, seit 1994 Mitglied der Redaktion.</p>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p><a href="#_ftnref1"><sup>[1]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Für die ersten drei Kapital dieses Beitrags siehe die Druckfassungen: William Totok: Ambivalente Lebensläufe. Securitateoffiziere zwischen Verklärung und Sachlichkeit. In: Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik, 28 (2016) H.&nbsp;1–2, S. 61–82; vgl. auch: Studia Germanica Napocensia, Bd. 5: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ In: Rudolf Gräf, Gabriella-Nóra Tar, Ioana Florea (Hgg.): Festschrift für Eginald Schlattner zum 85. Geburtstag. Klausenburg: Universitätsverlag 2018, S.&nbsp;19–46.</p>



<p><a href="#_ftnref2"><sup>[2]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. Doina Jela: Lexiconul negru. Unelte ale represiunii comuniste [Schwarzes Lexikon. Werkzeuge der kommunistischen Repression]. Bukarest: Humanitas Verlag 2001, S. 57f., S.&nbsp;134, S.&nbsp;191f. Einen ebenfalls irreführenden Hinweis auf Nedici enthält ein vom Landesinstitut für das Studium des Totalitarismus herausgegebenes Nachschlagewerk. Ohne weitere Einzelheiten zu nennen, ist darin ein Foto von Nedici veröffentlicht, unter dem folgender Text steht: „Vida (Vidosava) Nedici (geb. 1923) [sic!], bekannt für ihre groben Ermittlungsmethoden. Verhaftet 1950 wegen Spionage.“ Vgl. Florian Banu, Flori Bălănescu, Cristian Troncotă: Anchetator [Ermittler]. In: Octavian Roske (Hg.): România 1945–1989. Enciclopedia regimului comunist. Represiunea A–E [Rumänien 1945–1989. Enzyklopädie des kommunistischen Regimes. Repression A–E]. București: Institutul Național pentru Studiul Totalitarismului 2011, S.&nbsp;80–88, hier: S.&nbsp;83.</p>



<p><a href="#_ftnref3"><sup>[3]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. Erklärung von Nicolae Ighișan vom 11. September 1950, ACNSAS, P 1143, vol.&nbsp;13, Bl.&nbsp;99–101.</p>



<p><a href="#_ftnref4"><sup>[4]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Einzelheiten zur politischen Biografie Ighișans in: William Totok, Elena Irina Macovei: Între mit și bagatelizare. Despre reconsiderarea critică a trecutului, Ion Gavrilă Ogoranu și rezistența armată anticomunistă din România [Zwischen Mythos und Verharmlosung. Über die kritische Vergangenheitsbewältigung, Ion Gavrilă Ogoranu und den bewaffneten, antikommunistischen Widerstand in Rumänien]. Iași: Polirom 2016, S.&nbsp;273, S.&nbsp;286f., S.&nbsp;289, S.&nbsp;291.</p>



<p><a href="#_ftnref5"><sup>[5]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. dazu die Schilderungen aus der Haft in den Memoiren von Nestor Chioreanu: Morminte vii [Lebende Gräber]. Vorwort und herausgegeben von Marius Cristian. Iași: Institutul European 1992, S.&nbsp;119–123.</p>



<p><a href="#_ftnref6"><sup>[6]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe die Erklärung vom 4. Juli 1950, deren Wortlaut wir im Anhang vollständig veröffentlichen (ACNSAS, P 001143, Bl.&nbsp;376–381).</p>



<p><a href="#_ftnref7"><sup>[7]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Gemeinde im rumänischen Banat, im heutigen Kreis Temesch (rum. Timiș), nordwestlich von Temeswar; dt. Kleinbetschkerek, serb. Мали Бечкерек/Mali Bečkerek, ung. Kisbecskerek.</p>



<p><a href="#_ftnref8"><sup>[8]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. Miodrag Milin, Andrei Milin: Sârbii din România. Documentar și studii despre remodelarea identitară [Die Serben aus Rumänien. Dokumentation und Studien über die identitäre Umformung]. Einleitende Texte von Mihai Spăriosu und Bata Marianov. Nachwort von Josef Wolf. Târgoviște: Editura Cetatea de Scaun 2017, S.&nbsp;25.</p>



<p><a href="#_ftnref9"><sup>[9]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe Phyllis Auty: Tito. Staatsmann aus dem Widerstand. Übersetzt aus dem Englischen von Josef Trimmel. Vorwort von Ernst Fischer: Erinnerung und Bekenntnis. München, Gütersloh, Wien: C. Bertelsmann Verlag 1972, S.&nbsp;228f.</p>



<p><a href="#_ftnref10"><sup>[10]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Kommunistische Partei Rumäniens (KPR); bis 1944, danach Rumänische Kommunistische Partei (RKP), 1948 in Rumänische Arbeiterpartei (RAP) umbenannt, 1965 erneut Rumänische Kommunistische Partei (RKP), 1989 aufgelöst.</p>



<p><a href="#_ftnref11"><sup>[11]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Auch gegen die Deutsche Antihitleristische Organisation (DAO) wurde damals seitens der rumänischen Behörden der paradoxe Vorwurf erhoben, eine nationalistische Tarnorganisation zu sein. Im Sommer 1945 erfolgte das Verbot der DAO, die offiziell Ende August 1944 gegründet wurde und aus den während der Militärdiktatur Antonescus im Untergrund tätigen Zellen linksgerichteter rumäniendeutscher Antifaschisten hervorgegangen war. (Vgl. William Marin: Kurze Geschichte der Banater Deutschen. Mit besonderer Berücksichtigung ihrer Beziehungen zur rumänischen Bevölkerung und ihrer Einstellung zur Vereinigung von 1918. Temeswar: Facla Verlag 1980, S.&nbsp;182–184, S.&nbsp;191; Hannelore Baier: Die Deutschen in Rumänien in den Jahren 1945 bis 1948. In: Mariana Hausleitner (Hg.): Vom Faschismus zum Stalinismus. Deutsche und andere Minderheiten in Ostmittel- und Südosteuropa 1941–1953. München: IKGS Verlag 2008, S.&nbsp;173–180, hier: S.&nbsp;173).</p>



<p><a href="#_ftnref12"><sup>[12]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. Milin: Sârbii din România, S.&nbsp;32f. Siehe auch die Erklärung von Miloș Todorov vom 16. Mai 1950, in der vom Verbot der Front die Rede ist, aus der sofort die Nachfolgeorganisation, der Demokratische Slawische Kulturverband aus Rumänien, hervorgegangen war (ACNSAS, P 1143, vol.&nbsp;1, Bl.&nbsp;35–39). Todorov war 1946 und 1948 Abgeordneter im rumänischen Parlament und wurde 1950 zusammen mit elf Angeklagten (darunter befand sich auch Vidosa Nedici) in einem spektakulären Schauprozess als Spion und Hochverräter zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt.</p>



<p><a href="#_ftnref13"><sup>[13]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zamfir Brumaru: Procesul grupului de spioni și trădători în slujba serviciului de spionaj al clicii fasciste a lui Tito [Prozess der Gruppe von Spionen und Verrätern im Dienst der Spionage der faschistischen Tito-Clique]. In: Scânteia, 19. Jg. vom 2. August 1950, S.&nbsp;1, S.&nbsp;3. Die Zeitung war das Zentralorgan der Rumänischen Arbeiterpartei (RAP). [Übersetzung durch den Autor.]</p>



<p><a href="#_ftnref14"><sup>[14]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Der hohe rumänische Parteifunktionär Leonte Răutu kommentierte die Resolution in einem im stalinistischen Sprachduktus verfassten Artikel, siehe Leonte Răutu: Despre rezoluția Biroului Informativ asupra situației din Partidul Comunist din Iugoslavia [Über die Resolution des Informationsbüros bezüglich der Lage in der Kommunistischen Partei Jugoslawiens]. In: Scânteia, 17. Jg. Nr. 1158, 1. Juli 1948, S.&nbsp;1, S.&nbsp;4, S.&nbsp;6.</p>



<p><a href="#_ftnref15"><sup>[15]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Eine zweite Jugoslawien-Resolution folgte im November 1949 und wurde den Kominform-Mitgliedern von der rumänischen Parteiführung unter dem Titel „Die Kommunistische Partei Jugoslawiens in der Gewalt von Mördern und Spionen“ vorgestellt. Siehe: „Partidul Comunist din Iugoslavia în mâiinile unor asasini și spioni. Raport prezentat la Consfătuirea Biroului Informativ al partidelor comuniste care a avut loc în a doua jumătate a lunii Noembrie 1949“. In: Gheorghe Gheorghiu-Dej: Articole și cuvântări [Artikel und Reden]. București: Editura Partidului Muncitoresc Român 1951, S.&nbsp;349–366. (Der Text ist ursprünglich in der Zeitung Scânteia vom 6. Dezember 1949, S.&nbsp;3f., erschienen.)</p>



<p><a href="#_ftnref16"><sup>[16]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zum Beispiel Leutnant Dobrivoi Stanoev (auch Stanoiev), Leutnant Sava Bugarschi, Unterleutnant Gheorghe Stoicovici, Oberfeldwebel Victor (Vitomir) Dobrici, Unterleutnant Sava Jivoinov, Unterleutnant Jiva Dimitrovici (vgl. Protokoll vom 15. Oktober 1950 mit den Securitate-Leuten, die der Spionage verdächtigt wurden, unterzeichnet vom Securitate-Ermittler, Hauptmann Adrian Cociu, ACNSAS, P 1143, vol.&nbsp;13. Bl.&nbsp;2–5), Chef der Polizei aus Oravița und ab 1949 stellvertretender Leiter der Regionaldirektion der Securitate aus Iași, Aurel Ceia (vgl. undatiertes, maschinengeschriebenes Referat mit den Einzelheiten über die Spionagetätigkeit mehrerer Securitate-Offiziere, verfasst von Hauptmann Adrian Cociu, ebenda, Bl.&nbsp;14–18). Siehe auch die 3 Seiten der maschinengeschriebenen Erklärung von Bojidar (Boja) Stanoievici vom 24. Juni 1950 bezüglich der „Securitateleute serbischer Nationalität“ (ACNSAS, P 1143, vol.&nbsp;14, Bl.&nbsp;318–320).</p>



<p><a href="#_ftnref17"><sup>[17]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zum Prozessauftakt wurden alle zwölf Angeklagten auf Seite 1 in der Parteizeitung Scânteia vom 1. August 1950 namentlich erwähnt, des Hochverrats und der Spionage für die „faschistische Titoclique aus Belgrad“ bezichtigt.</p>



<p><a href="#_ftnref18"><sup>[18]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Urteil Nr. 1118/1950, ACNSAS, P 1143, vol.&nbsp;4, Bl.&nbsp;113–138. Für weitere Einzelheiten zu den Beschuldigungen siehe auch: Einleitendes Referat des Militärstaatsanwalts, Major Nicolae Popescu, fertiggestellt am 10. Juli 1950, ebenda, Bl.&nbsp;2–34.</p>



<p><a href="#_ftnref19"><sup>[19]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Begnadigungsdekret vom 24. Oktober 1950. In: Auszug aus dem Urteil (ACNSAS, P 1143, vol.&nbsp;15, Bl.&nbsp;66).</p>



<p><a href="#_ftnref20"><sup>[20]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vollstreckung der Todesstrafe, Protokoll vom 28. Oktober 1950 (ACNSAS, P 1143, vol.&nbsp;15, Bl.&nbsp;32f.).</p>



<p><a href="#_ftnref21"><sup>[21]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Andrei Udișteanu: Femei de pază la porțile „Gulagului“ românesc [Wächterinnen an den Pforten des rumänischen „Gulag“]. In: Evenimentul zilei, 1. Juni 2009, http://evz.ro/femei-de-paza-la-portile-gulagului-romanesc-853115.html, 26.10.2019.</p>



<p><a href="#_ftnref22"><sup>[22]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Offenbar von Securitate-Mitarbeitern verfasste, maschinengeschriebene Erklärung, die auf teilweise verzerrt zusammengesetzten Auszügen fußt, die sich in den Darstellungen befinden, die Nedici nach ihrer Verhaftung handschriftlich aufgesetzt hatte. Ihre handschriftlichen Erklärungen befinden sich im 12. Band der Strafakte der „Tito-Spione“ (ACNSAS, P 1143, vol.&nbsp;12), die insgesamt 25 Ordner umfasst. Übersetzung des Verfassers.</p>



<p><a href="#_ftnref23"><sup>[23]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Rum. Căile Ferate Române, abgekürzt: C.F.R. – rumänische Eisenbahnverkehrsbetriebe.</p>



<p><a href="#_ftnref24"><sup>[24]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lautete der Landesname zunächst Demokratisches Föderatives Jugoslawien. Die Föderative Volksrepublik Jugoslawien (FVRJ) bestand von 1946 bis 1963, danach in Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien (SFRJ) umbenannt, 1991 in Teilrepubliken zerfallen.</p>



<p><a href="#_ftnref25"><sup>[25]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bojidar (Boja) Stanoevici (auch Stanoievici geschrieben), geb. am 8. Oktober 1922 in Divici, Kreis Caraș, Schlosser im Temeswarer Eisenbahnwerk, aktiv in den in der Nachkriegszeit gegründeten slawischen Organisationen, Leiter der aus rumänienserbischen Freiwilligen zusammengesetzten Brigade „Jarco Despotovici“, die 1947 am Bau der Eisenbahnlinie šamac–Sarajevo teilgenommen hatte. (Jarco Despotovici war ein im Untergrund tätiger, rumänienserbischer Kommunist, der 1944 von einem Unterstützer der ultranationalistischen groß-serbischen Tschetnik-Bewegung unter Draža Mihailović ermordet wurde. Nach dem 23. August 1944 in Rumänien und in Jugoslawien als Märtyrerheld der kommunistischen Bewegung verehrt.) Boja war Mitarbeiter des jugoslawischen Geheimdienstes und koordinierte in Rumänien ein ausgedehntes Agentennetz, dem auch Vida Nedici angehörte. 1948 wurde er wegen nationalistischer Umtriebe vorübergehend festgenommen und von der Securitate als IM angeworben. Am 27. März 1950 wurde er erneut verhaftet und zusammen mit elf weiteren Personen – darunter auch Nedici – der Spionage bezichtigt und zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt; 1955 begnadigt. (Siehe Erklärung von Stanoevici vom 12. Mai 1950, in: ACNSAS, P 1143, vol.&nbsp;1, Bl.&nbsp;234–240; sein Geständnis vom 1. August 1950, ebenda, vol.&nbsp;4, Bl.&nbsp;52–55v, sowie die Fußnoten in Ionuț Nistor: Procesul titoismului în România, 1950, [Der Prozess des Titoismus in Rumänien, 1950]. Iași: Editura Universității „Alexandru Ioan Cuza” 2015, S.&nbsp;58–59). Stanoievici wurde während der Untersuchungshaft schwer misshandelt, was sogar in den Akten vermerkt ist (ACNSAS, P 1143, vol.&nbsp;12, Bl.&nbsp;260v, Bl.&nbsp;298).</p>



<p><a href="#_ftnref26"><sup>[26]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Odjeljenje za zaštitu naroda (Abteilung für Volksschutz – serb. Одељење за заштиту народа) war zwischen 1944 und 1946 der offizielle Name der jugoslawischen Geheimpolizei. Nach ihrer Auflösung 1946 erhielt sie den Namen Uprava državne bezbednosti [Behörde der staatlichen Sicherheit], abgekürzt: UDB-a, serb. Управа државне безбедности. Parallel zur UDB-a entstand der Militärgeheimdienst Kontraobaveštajna služba, abgekürzt KOS (nach 1955 Organ bezbednosti, OB). Die OZN-a und UDB-a wurde von Aleksandar Ranković (1909–1983) geleitet. Ranković war jugoslawischer Innenminister und ab 1963 Vizepräsident Jugoslawiens und galt als potenzieller Nachfolger Josip Broz Titos (1892–1980). Nach der Absetzung von Ranković 1966 erhielt die UDB-a den Namen Služba državne bezbednosti [Staatssicherheitsdienst], abgekürzt: SDB.</p>



<p><a href="#_ftnref27"><sup>[27]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Das war die erste offizielle Bezeichnung des Ende August 1948 gegründeten kommunistischen Staatssicherheitsdienstes – Direcția Generală a Securității Poporului, abgekürzt: D.G.S.P. 1950 umbenannt in Direcția Generală a Securității Statului (D.G.S.S.), Generaldirektion der Staatssicherheit.</p>



<p><a href="#_ftnref28"><sup>[28]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Kommunistische Partei Jugoslawiens (KPJ), 1919 gegründet, organisierte während des letzten Weltkriegs die Partisanenbewegung und die Volksbefreiungsarmee, 1952 umbenannt in Bund der Kommunisten Jugoslawiens (BdKJ) – serb. Савез комуниста Југославије. Von 1937 bis 1980 war Tito Parteichef.</p>



<p><a href="#_ftnref29"><sup>[29]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Rumänische Volksrepublik, RVR, rum. Republica Populară Română, RPR. Von 1965 bis 1989 Republica Socialistă România, RSR, Sozialistische Republik Rumänien, SRR.</p>



<p><a href="#_ftnref30"><sup>[30]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Uprava državne bezbednosti [Behörde der staatlichen Sicherheit].</p>



<p><a href="#_ftnref31"><sup>[31]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Rum. statuia (monumentul) aviatorilor, Fliegerdenkmal in Bukarest.</p>



<p><a href="#_ftnref32"><sup>[32]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Dt. Tschanad (früher auch: Raitzisch-Tschanad oder Groß-Tschanad), ung. Csanád (auch: Nagycsanád oder Rácz-Csanád), serb. Чaнaд.</p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Für die ersten drei Kapital dieses Beitrags siehe die Druckfassungen: William Totok: Ambivalente Lebensläufe. Securitateoffiziere zwischen Verklärung und Sachlichkeit. In: Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik, 28 (2016) H.&nbsp;1–2, S. 61–82; vgl. auch: Studia Germanica Napocensia, Bd. 5: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ In: Rudolf Gräf, Gabriella-Nóra Tar, Ioana Florea (Hgg.): Festschrift für Eginald Schlattner zum 85. Geburtstag. Klausenburg: Universitätsverlag 2018, S.&nbsp;19–46.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Doina Jela: Lexiconul negru. Unelte ale represiunii comuniste [Schwarzes Lexikon. Werkzeuge der kommunistischen Repression]. Bukarest: Humanitas Verlag 2001, S. 57f., S.&nbsp;134, S.&nbsp;191f. Einen ebenfalls irreführenden Hinweis auf Nedici enthält ein vom Landesinstitut für das Studium des Totalitarismus herausgegebenes Nachschlagewerk. Ohne weitere Einzelheiten zu nennen, ist darin ein Foto von Nedici veröffentlicht, unter dem folgender Text steht: „Vida (Vidosava) Nedici (geb. 1923) [sic!], bekannt für ihre groben Ermittlungsmethoden. Verhaftet 1950 wegen Spionage.“ Vgl. Florian Banu, Flori Bălănescu, Cristian Troncotă: Anchetator [Ermittler]. In: Octavian Roske (Hg.): România 1945–1989. Enciclopedia regimului comunist. Represiunea A–E [Rumänien 1945–1989. Enzyklopädie des kommunistischen Regimes. Repression A–E]. București: Institutul Național pentru Studiul Totalitarismului 2011, S.&nbsp;80–88, hier: S.&nbsp;83.</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Erklärung von Nicolae Ighișan vom 11. September 1950, ACNSAS, P 1143, vol.&nbsp;13, Bl.&nbsp;99–101.</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Einzelheiten zur politischen Biografie Ighișans in: William Totok, Elena Irina Macovei: Între mit și bagatelizare. Despre reconsiderarea critică a trecutului, Ion Gavrilă Ogoranu și rezistența armată anticomunistă din România [Zwischen Mythos und Verharmlosung. Über die kritische Vergangenheitsbewältigung, Ion Gavrilă Ogoranu und den bewaffneten, antikommunistischen Widerstand in Rumänien]. Iași: Polirom 2016, S.&nbsp;273, S.&nbsp;286f., S.&nbsp;289, S.&nbsp;291.</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. dazu die Schilderungen aus der Haft in den Memoiren von Nestor Chioreanu: Morminte vii [Lebende Gräber]. Vorwort und herausgegeben von Marius Cristian. Iași: Institutul European 1992, S.&nbsp;119–123.</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe die Erklärung vom 4. Juli 1950, deren Wortlaut wir im Anhang vollständig veröffentlichen (ACNSAS, P 001143, Bl.&nbsp;376–381).</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gemeinde im rumänischen Banat, im heutigen Kreis Temesch (rum. Timiș), nordwestlich von Temeswar; dt. Kleinbetschkerek, serb. Мали Бечкерек/Mali Bečkerek, ung. Kisbecskerek.</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Miodrag Milin, Andrei Milin: Sârbii din România. Documentar și studii despre remodelarea identitară [Die Serben aus Rumänien. Dokumentation und Studien über die identitäre Umformung]. Einleitende Texte von Mihai Spăriosu und Bata Marianov. Nachwort von Josef Wolf. Târgoviște: Editura Cetatea de Scaun 2017, S.&nbsp;25.</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe Phyllis Auty: Tito. Staatsmann aus dem Widerstand. Übersetzt aus dem Englischen von Josef Trimmel. Vorwort von Ernst Fischer: Erinnerung und Bekenntnis. München, Gütersloh, Wien: C. Bertelsmann Verlag 1972, S.&nbsp;228f.</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kommunistische Partei Rumäniens (KPR); bis 1944, danach Rumänische Kommunistische Partei (RKP), 1948 in Rumänische Arbeiterpartei (RAP) umbenannt, 1965 erneut Rumänische Kommunistische Partei (RKP), 1989 aufgelöst.</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Auch gegen die Deutsche Antihitleristische Organisation (DAO) wurde damals seitens der rumänischen Behörden der paradoxe Vorwurf erhoben, eine nationalistische Tarnorganisation zu sein. Im Sommer 1945 erfolgte das Verbot der DAO, die offiziell Ende August 1944 gegründet wurde und aus den während der Militärdiktatur Antonescus im Untergrund tätigen Zellen linksgerichteter rumäniendeutscher Antifaschisten hervorgegangen war. (Vgl. William Marin: Kurze Geschichte der Banater Deutschen. Mit besonderer Berücksichtigung ihrer Beziehungen zur rumänischen Bevölkerung und ihrer Einstellung zur Vereinigung von 1918. Temeswar: Facla Verlag 1980, S.&nbsp;182–184, S.&nbsp;191; Hannelore Baier: Die Deutschen in Rumänien in den Jahren 1945 bis 1948. In: Mariana Hausleitner (Hg.): Vom Faschismus zum Stalinismus. Deutsche und andere Minderheiten in Ostmittel- und Südosteuropa 1941–1953. München: IKGS Verlag 2008, S.&nbsp;173–180, hier: S.&nbsp;173).</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Milin: Sârbii din România, S.&nbsp;32f. Siehe auch die Erklärung von Miloș Todorov vom 16. Mai 1950, in der vom Verbot der Front die Rede ist, aus der sofort die Nachfolgeorganisation, der Demokratische Slawische Kulturverband aus Rumänien, hervorgegangen war (ACNSAS, P 1143, vol.&nbsp;1, Bl.&nbsp;35–39). Todorov war 1946 und 1948 Abgeordneter im rumänischen Parlament und wurde 1950 zusammen mit elf Angeklagten (darunter befand sich auch Vidosa Nedici) in einem spektakulären Schauprozess als Spion und Hochverräter zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt.</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zamfir Brumaru: Procesul grupului de spioni și trădători în slujba serviciului de spionaj al clicii fasciste a lui Tito [Prozess der Gruppe von Spionen und Verrätern im Dienst der Spionage der faschistischen Tito-Clique]. In: Scânteia, 19. Jg. vom 2. August 1950, S.&nbsp;1, S.&nbsp;3. Die Zeitung war das Zentralorgan der Rumänischen Arbeiterpartei (RAP). [Übersetzung durch den Autor.]</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der hohe rumänische Parteifunktionär Leonte Răutu kommentierte die Resolution in einem im stalinistischen Sprachduktus verfassten Artikel, siehe Leonte Răutu: Despre rezoluția Biroului Informativ asupra situației din Partidul Comunist din Iugoslavia [Über die Resolution des Informationsbüros bezüglich der Lage in der Kommunistischen Partei Jugoslawiens]. In: Scânteia, 17. Jg. Nr. 1158, 1. Juli 1948, S.&nbsp;1, S.&nbsp;4, S.&nbsp;6.</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eine zweite Jugoslawien-Resolution folgte im November 1949 und wurde den Kominform-Mitgliedern von der rumänischen Parteiführung unter dem Titel „Die Kommunistische Partei Jugoslawiens in der Gewalt von Mördern und Spionen“ vorgestellt. Siehe: „Partidul Comunist din Iugoslavia în mâiinile unor asasini și spioni. Raport prezentat la Consfătuirea Biroului Informativ al partidelor comuniste care a avut loc în a doua jumătate a lunii Noembrie 1949“. In: Gheorghe Gheorghiu-Dej: Articole și cuvântări [Artikel und Reden]. București: Editura Partidului Muncitoresc Român 1951, S.&nbsp;349–366. (Der Text ist ursprünglich in der Zeitung Scânteia vom 6. Dezember 1949, S.&nbsp;3f., erschienen.)</div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zum Beispiel Leutnant Dobrivoi Stanoev (auch Stanoiev), Leutnant Sava Bugarschi, Unterleutnant Gheorghe Stoicovici, Oberfeldwebel Victor (Vitomir) Dobrici, Unterleutnant Sava Jivoinov, Unterleutnant Jiva Dimitrovici (vgl. Protokoll vom 15. Oktober 1950 mit den Securitate-Leuten, die der Spionage verdächtigt wurden, unterzeichnet vom Securitate-Ermittler, Hauptmann Adrian Cociu, ACNSAS, P 1143, vol.&nbsp;13. Bl.&nbsp;2–5), Chef der Polizei aus Oravița und ab 1949 stellvertretender Leiter der Regionaldirektion der Securitate aus Iași, Aurel Ceia (vgl. undatiertes, maschinengeschriebenes Referat mit den Einzelheiten über die Spionagetätigkeit mehrerer Securitate-Offiziere, verfasst von Hauptmann Adrian Cociu, ebenda, Bl.&nbsp;14–18). Siehe auch die 3 Seiten der maschinengeschriebenen Erklärung von Bojidar (Boja) Stanoievici vom 24. Juni 1950 bezüglich der „Securitateleute serbischer Nationalität“ (ACNSAS, P 1143, vol.&nbsp;14, Bl.&nbsp;318–320).</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zum Prozessauftakt wurden alle zwölf Angeklagten auf Seite 1 in der Parteizeitung Scânteia vom 1. August 1950 namentlich erwähnt, des Hochverrats und der Spionage für die „faschistische Titoclique aus Belgrad“ bezichtigt.</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Urteil Nr. 1118/1950, ACNSAS, P 1143, vol.&nbsp;4, Bl.&nbsp;113–138. Für weitere Einzelheiten zu den Beschuldigungen siehe auch: Einleitendes Referat des Militärstaatsanwalts, Major Nicolae Popescu, fertiggestellt am 10. Juli 1950, ebenda, Bl.&nbsp;2–34.</div><div>19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Begnadigungsdekret vom 24. Oktober 1950. In: Auszug aus dem Urteil (ACNSAS, P 1143, vol.&nbsp;15, Bl.&nbsp;66).</div><div>20&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vollstreckung der Todesstrafe, Protokoll vom 28. Oktober 1950 (ACNSAS, P 1143, vol.&nbsp;15, Bl.&nbsp;32f.).</div><div>21&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Andrei Udișteanu: Femei de pază la porțile „Gulagului“ românesc [Wächterinnen an den Pforten des rumänischen „Gulag“]. In: Evenimentul zilei, 1. Juni 2009, http://evz.ro/femei-de-paza-la-portile-gulagului-romanesc-853115.html, 26.10.2019.</div><div>22&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Offenbar von Securitate-Mitarbeitern verfasste, maschinengeschriebene Erklärung, die auf teilweise verzerrt zusammengesetzten Auszügen fußt, die sich in den Darstellungen befinden, die Nedici nach ihrer Verhaftung handschriftlich aufgesetzt hatte. Ihre handschriftlichen Erklärungen befinden sich im 12. Band der Strafakte der „Tito-Spione“ (ACNSAS, P 1143, vol.&nbsp;12), die insgesamt 25 Ordner umfasst. Übersetzung des Verfassers.</div><div>23&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Rum. Căile Ferate Române, abgekürzt: C.F.R. – rumänische Eisenbahnverkehrsbetriebe</div><div>24&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lautete der Landesname zunächst Demokratisches Föderatives Jugoslawien. Die Föderative Volksrepublik Jugoslawien (FVRJ) bestand von 1946 bis 1963, danach in Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien (SFRJ) umbenannt, 1991 in Teilrepubliken zerfallen.</div><div>25&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Bojidar (Boja) Stanoevici (auch Stanoievici geschrieben), geb. am 8. Oktober 1922 in Divici, Kreis Caraș, Schlosser im Temeswarer Eisenbahnwerk, aktiv in den in der Nachkriegszeit gegründeten slawischen Organisationen, Leiter der aus rumänienserbischen Freiwilligen zusammengesetzten Brigade „Jarco Despotovici“, die 1947 am Bau der Eisenbahnlinie šamac–Sarajevo teilgenommen hatte. (Jarco Despotovici war ein im Untergrund tätiger, rumänienserbischer Kommunist, der 1944 von einem Unterstützer der ultranationalistischen groß-serbischen Tschetnik-Bewegung unter Draža Mihailović ermordet wurde. Nach dem 23. August 1944 in Rumänien und in Jugoslawien als Märtyrerheld der kommunistischen Bewegung verehrt.) Boja war Mitarbeiter des jugoslawischen Geheimdienstes und koordinierte in Rumänien ein ausgedehntes Agentennetz, dem auch Vida Nedici angehörte. 1948 wurde er wegen nationalistischer Umtriebe vorübergehend festgenommen und von der Securitate als IM angeworben. Am 27. März 1950 wurde er erneut verhaftet und zusammen mit elf weiteren Personen – darunter auch Nedici – der Spionage bezichtigt und zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt; 1955 begnadigt. (Siehe Erklärung von Stanoevici vom 12. Mai 1950, in: ACNSAS, P 1143, vol.&nbsp;1, Bl.&nbsp;234–240; sein Geständnis vom 1. August 1950, ebenda, vol.&nbsp;4, Bl.&nbsp;52–55v, sowie die Fußnoten in Ionuț Nistor: Procesul titoismului în România, 1950, [Der Prozess des Titoismus in Rumänien, 1950]. Iași: Editura Universității „Alexandru Ioan Cuza” 2015, S.&nbsp;58–59). Stanoievici wurde während der Untersuchungshaft schwer misshandelt, was sogar in den Akten vermerkt ist (ACNSAS, P 1143, vol.&nbsp;12, Bl.&nbsp;260v, Bl.&nbsp;298).</div><div>26&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Odjeljenje za zaštitu naroda (Abteilung für Volksschutz – serb. Одељење за заштиту народа) war zwischen 1944 und 1946 der offizielle Name der jugoslawischen Geheimpolizei. Nach ihrer Auflösung 1946 erhielt sie den Namen Uprava državne bezbednosti [Behörde der staatlichen Sicherheit], abgekürzt: UDB-a, serb. Управа државне безбедности. Parallel zur UDB-a entstand der Militärgeheimdienst Kontraobaveštajna služba, abgekürzt KOS (nach 1955 Organ bezbednosti, OB). Die OZN-a und UDB-a wurde von Aleksandar Ranković (1909–1983) geleitet. Ranković war jugoslawischer Innenminister und ab 1963 Vizepräsident Jugoslawiens und galt als potenzieller Nachfolger Josip Broz Titos (1892–1980). Nach der Absetzung von Ranković 1966 erhielt die UDB-a den Namen Služba državne bezbednosti [Staatssicherheitsdienst], abgekürzt: SDB.</div><div>27&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das war die erste offizielle Bezeichnung des Ende August 1948 gegründeten kommunistischen Staatssicherheitsdienstes – Direcția Generală a Securității Poporului, abgekürzt: D.G.S.P. 1950 umbenannt in Direcția Generală a Securității Statului (D.G.S.S.), Generaldirektion der Staatssicherheit.</div><div>28&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kommunistische Partei Jugoslawiens (KPJ), 1919 gegründet, organisierte während des letzten Weltkriegs die Partisanenbewegung und die Volksbefreiungsarmee, 1952 umbenannt in Bund der Kommunisten Jugoslawiens (BdKJ) – serb. Савез комуниста Југославије. Von 1937 bis 1980 war Tito Parteichef.</div><div>29&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Rumänische Volksrepublik, RVR, rum. Republica Populară Română, RPR. Von 1965 bis 1989 Republica Socialistă România, RSR, Sozialistische Republik Rumänien, SRR.</div><div>30&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Uprava državne bezbednosti [Behörde der staatlichen Sicherheit].</div><div>31&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Rum. statuia (monumentul) aviatorilor, Fliegerdenkmal in Bukarest.</div><div>32&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dt. Tschanad (früher auch: Raitzisch-Tschanad oder Groß-Tschanad), ung. Csanád (auch: Nagycsanád oder Rácz-Csanád), serb. Чaнaд.</div><p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/ambivalente-lebenslaufe-3/">Ambivalente Lebensläufe. Securitate-Offiziere zwischen Verklärung und Sachlichkeit (3)</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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		<title>Zivilgesellschaft und Vereinswesen  in Südosteuropa</title>
		<link>https://halbjahresschrift.de/zivilgesellschaft-vereinswesen-suedosteuropa/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[IKGS-Admin_2]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 May 2020 09:34:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 2017–2018]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Osmanisches Reich]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Beitrag diskutiert die Bedeutung von Zivilgesellschaft und Vereinswesen im heutigen Südosteuropa. Vor dem historischen Hintergrund der zivilgesellschaftlichen Entwicklung im westlichen Europa, die eng mit dem Aufkommen eines Bürgertums seit dem Mittelalter und dessen Streben nach Gemeinwohl verbunden ist, widmet sich der Autor der spezifischen Situation in Südosteuropa und dessen Erbe zweiter imperialer Strukturen. Während in den habsburgischen Gebieten rasch Vereine gegründet wurden, waren Gesellschaften unter osmanischer Herrschaft meist von inoffiziellen Netzwerken, Verwandtschafts- und Freundschaftsbeziehungen und Klientelismus geprägt. Die auch heute noch nachrangige Bedeutung von Vereinszusammenschlüssen in Südosteuropa erklärt sich aus den Folgen der postkommunistischen Transformation, die zu einem Rückzug ins Privatleben und die Wahrnehmung des Staates als ständigen Feind führte. Aus diesem Grund verschwammen in vielen Gesellschaften Südosteuropas die Grenzen zwischen politischer Klasse, Zivilgesellschaft und Privatleben, wie sich in zahlreichen EU-Berichten widerspiegelt. In seinen abschließenden Überlegungen werden die Massenproteste der rumänischen Bevölkerung gegen die Regierung jedoch als ein optimistisches Beispiel für eine wachsende Zivilgesellschaft genannt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/zivilgesellschaft-vereinswesen-suedosteuropa/">Zivilgesellschaft und Vereinswesen  in Südosteuropa</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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<p><u><a href="https://halbjahresschrift.de/wp-content/uploads/2020/07/HJS_2017_2018_Klaus_Roth.pdf" target="_blank" aria-label="undefined (opens in a new tab)" rel="noreferrer noopener">PDF-Download</a></u></p>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p>Klaus Roth, Ludwig-Maximilians-Universität München</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<h2 class="wp-block-heading">Zur Genese des Konzepts von „Zivilgesellschaft“</h2>



<p>Der Begriff „Zivilgesellschaft“ hat in den letzten drei Jahrzehnten erhebliche Bedeutung erlangt. Unmittelbar nach der politischen Wende 1989 wurde „Zivilgesellschaft“ bzw. „civil society“ vor allem im Kontext der postsozialistischen Transformation zu einem Schlüsselbegriff von nahezu magischer Bedeutung und Kraft – und von ebenso vielen Missverständnissen und Enttäuschungen. Letztere rührten vor allem daher, dass der Begriff bzw. das Ziel seiner Realisierung fast völlig undifferenziert angewendet wurde – auf das westliche Europa ebenso wie auf alle jene Länder, die aus dem kollabierten Sowjetblock hervorgingen – von Estland bis nach Bulgarien.<sup class="modern-footnotes-footnote ">1</sup></p>



<p>Zivilgesellschaft, seltener auch Bürgergesellschaft genannt, ist ein Konzept, das auf einer in der europäischen Geschichte der letzten sechs bis sieben Jahrhunderte entstandenen, wichtigen Dreiteilung von Staat und Gesellschaft beruht. Beinhaltete die ältere Struktur die Zweiteilung der Gesellschaft zwischen der Herrschaft bzw. dem Staat einerseits und den Beherrschten andererseits, also den Individuen bzw. Familien- und Verwandtschaftsgruppen, so formierte sich, beginnend im Spätmittelalter, zwischen Adel und Volk im wachsenden Stadtbürgertum eine dritte Kraft, die über die folgenden Jahrhunderte immer mehr Geltung und Macht gewann: die Bürgergesellschaft. Eine ihrer wesentlichen Grundlagen und Forderungen war es, an Stelle der partikularen Interessen der traditionellen, oftmals sehr mächtigen Netzwerke von Familien, Verwandtschaften, Freundschaften und Klientele den Sinn der Bürger für das Gemeinwohl<em> </em>(engl. „common weal“, frz. „bien public“) aktiv zu entwickeln. Eine wesentliche Voraussetzung hierfür war, die Vorherrschaft des privaten Vertrauens<em> </em>zugunsten der Entwicklung und Stärkung des anonymen oder institutionellen Vertrauens zu brechen, was Anthony Giddens<sup class="modern-footnotes-footnote ">2</sup> als ein zentrales Merkmal der Moderne ausgemacht hat. Zu den gesellschaftlichen und geistigen Grundlagen der Zivilgesellschaft schrieb der französische Historiker und Politiker Alexis de Tocqueville (1805–1859), der 1826 in den USA die kommunale Selbstverwaltung und die Kirchen als Orte bürgerlichen Engagements beobachtet hatte, hier lernten die Bürger jene „habits of the heart“, die die Grundlage einer Zivilgesellschaft seien. War der Träger der Zivilgesellschaft anfangs in erster Linie das mächtig gewordene Bürgertum, so gesellten sich im 18.&nbsp;Jahrhundert – mit der Aufklärung – auch Teile des Adels hinzu, seit der zweiten Hälfte des 19.&nbsp;Jahrhunderts dann auch Teile der „Arbeiterklasse“ und weiterer Sozialschichten.</p>



<p>Zivilgesellschaft meint damit, in Anlehnung an Jürgen Habermas, in fast normativer Weise das liberale Projekt einer Gesellschaft, in der sozial kompetente, in freiwilligen Vereinigungen organisierte Bürger gleichberechtigt und über eine staatlich nicht reglementierte Öffentlichkeit auf friedlichem und kommunikativem Wege ihre Interessen aushandeln und so zur demokratischen Legitimation politischen Handelns beitragen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">3</sup> Zivilgesellschaft wurde, in diesem Sinne verstanden, zu einem zentralen Konzept der Transformationstheorie.</p>



<p>In jüngster Zeit ist Zivilgesellschaft aber auch als eine historisch-analytische Kategorie in die Diskussion eingeführt worden, vornehmlich um jenen säkularen Wandel zu beschreiben, den die europäischen Gesellschaften seit dem späten 18.&nbsp;Jahrhundert durchlaufen haben. Diese Einordnung der Zivilgesellschaft unterscheidet sich von dem Verständnis der Zivilgesellschaft im Rahmen der Transformationstheorie dadurch, dass sie weniger normativ ist. Sie fragt nicht nach der Verwirklichung gesetzter Standards, sondern nach den historischen Ausprägungen von Zivilgesellschaft in den unterschiedlichen historischen und kulturellen Kontexten. – Diese beiden Ansätze waren und sind überaus wichtig für die Einordnung dessen, was sich im östlichen Europa nach der Wende von 1989 und mit der Zuwendung zum „Westen“ und zur EU entwickelte.</p>



<p>Ein zentrales Element der Zivilgesellschaft war – und ist – das Engagement der Bürger, etwa in Form von freiwilligen und ehrenamtlichen Tätigkeiten. Die sozial und politisch wichtigste Ausdrucksform waren und sind jene freiwilligen Zusammenschlüsse (Vereinigungen) von Bürgern, die weder staatliche noch individuell-private Aufgaben und Ziele haben, also die Vereine, Zünfte, Klubs, Selbstverwaltungen, Kirchen, nicht-staatlichen Institutionen etc. Es sind dies alles Begriffe, für die es in den unterschiedlichen „westlichen“ Sprachen fast immer genaue Entsprechungen gibt.<sup class="modern-footnotes-footnote ">4</sup></p>



<h2 class="wp-block-heading">Historische Grundlagen</h2>



<p>Die ersten Vereine dieser Art entstanden bereits im frühen 15.&nbsp;Jahrhundert in England, und in den folgenden Jahrhunderten erfolgten Vereinsgründungen im gesamten westlichen Europa, später dann auch in Nordamerika. Nicht nur die Zahl der Vereine wurde – und ist – sehr hoch, auch die Fülle der Vereinszwecke, -ziele und -interessen ist nahezu unbegrenzt: Vereine umfassen nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche. Grundbedingung für Vereine ist im Sinne des Konzepts von Zivilgesellschaft, dass sie Ziele verfolgen, die nicht-staatlich, nicht-privat und nicht-gewinnorientiert sind. Der Soziologe Walther Müller-Jentsch hat die Vielfalt der Vereine in drei Gruppen gegliedert: 1. Selbstzweck-Vereine, die die (Freizeit-)Aktivitäten ihrer Mitglieder pflegen; 2. ideelle Vereine, die externe (z.&nbsp;B. gemeinnützige und weltanschauliche) Ziele verfolgen; und 3. Selbst-/Fremdhilfe-Vereine, die sich z.&nbsp;B. um Hilfsbedürftige kümmern.<sup class="modern-footnotes-footnote ">5</sup></p>



<p>Schon früh wurden auch in der Habsburger Monarchie<em> </em>Vereine gegründet. Eine starke Ausweitung der Quantität und auch der gesellschaftlichen Bedeutung brachten im 18.&nbsp;Jahrhundert die Ideen der Aufklärung, die die Entwicklung eines lebendigen Vereinslebens in diesem Raum förderten – bis hinein in die Vojvodina, ins Banat und nach Siebenbürgen, also bis an die äußeren Grenzen des Reiches. In Siebenbürgen waren bereits in der Frühen Neuzeit die „Nachbarschaften“ als Unterstützungsgemeinschaften überaus wichtig und hatte die Freiwilligentätigkeit ganz erhebliche Bedeutung, wie der Soziologe Anton Sterbling aufgezeigt hat.<sup class="modern-footnotes-footnote ">6</sup> Damit existierten bereits frühzeitig vielfältige Formen der Selbstorganisation, auch wenn sie noch nicht als Vereinsleben avant la lettre bezeichnet werden kann.</p>



<p>Folgten die Gesellschaften des Habsburger Reiches dem westlichen Paradigma, so lässt sich für die „Europäische Türkei “, also für die fünf Jahrhunderte unter osmanischer Herrschaft stehenden Länder in Südosteuropa, zur Entwicklung von Zivilgesellschaft und Vereinen kaum Ähnliches sagen. Erste zivilgesellschaftliche Ansätze zeigten sich erst in der Periode des Befreiungskampfs im 19.&nbsp;Jahrhundert. Zu konstatieren ist für alle Territorien des Osmanischen Reichs vielmehr das weitestgehende Fehlen von Zivilgesellschaft, insbesondere eines Vereinswesens. Das Osmanische Reich war in seinem Staatsaufbau und seinem grundlegenden Konzept vom Verhältnis zwischen Herrscher und Beherrschten völlig anders strukturiert als die Länder des westlichen Europa. Seine Grundlage war, nach dem Modell des Cäsaropapismus<em> </em>des vorausgegangenen Byzantinischen Reichs, sogar die völlige Vereinigung von weltlicher und geistlicher Macht in der Person des Herrschers. Er war also zugleich Sultan und Kalif und stand seinen Untertanen – über seine regionalen und lokalen Verwalter – unmittelbar gegenüber; sogar die Zünfte (türk. esnaf), die man als Vereinigungen sehen könnte, waren sehr eng mit dem Sultan verbunden, also letztlich Organe des Staates.</p>



<p>Im späten 17. und frühen 18.&nbsp;Jahrhundert erfolgte die „Rückeroberung“ von osmanisch beherrschten Gebieten im Zuge der sogenannten Türkenkriege, die zu einer Ausweitung des habsburgischen Einflussbereichs insbesondere auf dem Gebiet Ungarns führte. In den im Machtbereich der Hohen Pforte verbliebenen Teilen Südosteuropas zeichnete sich ab dem frühen 19.&nbsp;Jahrhundert eine politische und wirtschaftliche Schwächung der osmanischen Herrschaft durch Befreiungskämpfe und durch das Streben nach Bildung neuer Nationalstaaten ab. Schon während der Befreiungskämpfe kam es zur Formierung von ersten Vereinen, die sich aktiv für die nationale Befreiung und für Volksbildung einsetzten. Nach der Niederlage der Osmanen im Russisch-Osmanischen Krieg (1877–78), der sich vor allem auf dem Gebiet des heutigen Bulgarien abspielte, und den Nationsbildungen wurde die Abwendung von allem Osmanischen und die Übernahme der westlichen Moderne zum zentralen politischen Anliegen aller jungen Nationen im Südosten Europas. Eines der wichtigen Ziele war dabei die Entwicklung von Zivilgesellschaft, insbesondere die Gründung von Vereinen. Sehr hilfreich für dieses Streben war der Einfluss der auf Bestreben der europäischen Großmächte installierten Fürsten und Könige (in Griechenland, Bulgarien und Rumänien waren es Vertreter deutscher Adelshäuser).</p>



<p>Die angestrebte und begonnene „Europäisierung“ trug in der Tat sehr viel zur äußeren Modernisierung der Städte und der noch kleinen neuen bürgerlichen Schichten bei, eine Entwicklung, die weithin als „Fassadenmodernisierung“<sup class="modern-footnotes-footnote ">7</sup> bekannt und kritisiert wurde. Sie erreichte nämlich nirgendwo im gesamten nach-osmanischen Südosteuropa die große Masse der ländlichen Bevölkerung – jene 80 Prozent, die auch weiterhin für Jahrzehnte in ihrer traditionellen patriarchalen Kultur verharrten<sup class="modern-footnotes-footnote ">8</sup> und in deren Weltsicht der Staat die „feindliche Macht“ war und blieb – und es weitgehend bis heute noch ist.<sup class="modern-footnotes-footnote ">9</sup> Sicherheit und Vertrauen wurden – angesichts des auch nach der Gründung des Nationalstaats unverändert „feindlichen Staates“ – allein in den sozialen Bereichen der Vertrautheit und des persönlichen Vertrauens gesucht: Private Netzwerke, Verwandtschaft, Familie, Freundschaft sowie klientelistische Abhängigkeiten blieben die zentralen Referenzpunkte sozialer Beziehungen und Werte – und dies weithin bis heute.<sup class="modern-footnotes-footnote ">10</sup></p>



<p>Allein in der langsam wachsenden städtisch-bürgerlichen Schicht kam es zur Gründung zweckgerichteter Vereine. In Bulgarien konzentrierte sich dies weitgehend auf das hauptstädtische Milieu, aber – wie Wolfgang Höpken bemerkte – bereits Anfang der 1880er-Jahre waren in allen südosteuropäischen Staaten rechtliche Voraussetzungen eines mehr oder weniger freien Vereinswesens gegeben, und es entfaltete sich eine den mitteleuropäischen Vorbildern folgende Vereinskultur. So waren Mitte der 1920er-Jahre in Sofia, das damals knapp über 200.000 Einwohner zählte, 669 Vereine verzeichnet, wobei es sich vor allem um Kultur-, Bildungs- und Wohltätigkeitsvereine handelte.<sup class="modern-footnotes-footnote ">11</sup> Sie erreichten aber nie jene breite gesellschaftliche Bedeutung wie in Mittel- und Westeuropa.</p>



<p>Besondere Aufmerksamkeit verdient die Situation in Rumänien, das erst nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Friedensvertrag vom Trianon (1920) Siebenbürgen zugeschlagen erhielt. Zumindest bis Kriegsende 1945 und dem Beginn der kommunistischen Herrschaft unterschieden sich die verschiedenen Gebiete, aus denen sich „Großrumänien“ nach 1918/1920 zusammensetzte, in ihrem historischen Erbe und ihrer Entwicklung, gerade auch im Bereich der Zivilgesellschaft: Waren die einst habsburgischen Gebiete (sowohl die vormals ungarländischen Regionen Siebenbürgen, Banat und Partium wie auch die cisleithanische Bukowina) durch das eher mitteleuropäische Paradigma von Gesellschaft und Herrschaft geprägt, so waren im übrigen Teil des Landes die Folgen der langen Zugehörigkeit zum osmanischen Paradigma (bzw. im ebenfalls 1918/1920 angeschlossenen Bessarabien: zum Zarenreich) unübersehbar. Es standen sich in Hinsicht auf die zivilgesellschaftliche Entwicklung somit sehr unterschiedliche Traditionen gegenüber.</p>



<p>Auch wenn bereits die „großrumänischen“, später die kommunistischen Regierungen auf die Angleichung der Unterschiede hinarbeiteten, etwa durch Umsiedlungen, und auch das postsozialistische Rumänien versucht, die Disparitäten auszugleichen, so zog sich doch – und zieht sich bis heute – eine „Phantomgrenze“ durch das Land;<sup class="modern-footnotes-footnote ">12</sup> eine Grenze, die fast alle Bereiche der Gesellschaft und der Alltagskultur betrifft, von der Religion und heutigen Wahlergebnissen bis hin zu so fundamentalen Alltagsdingen wie die Verbreitung von Wasserhähnen, denn auch „die Entscheidung, das eigene Haus an die Wasserversorgung anzuschließen, verweist ja auf viel allgemeinere Fragen danach, wie das eigene Zuhause bewohnt und gestaltet wird.“<sup class="modern-footnotes-footnote ">13</sup></p>



<p>Analog dürfte die Situation im Nachbarland Serbien sein, das bis heute – aufgrund seiner einstigen Zugehörigkeit zu zwei Imperien – ein kulturell zweigeteiltes Land ist. In den übrigen Ländern der Balkanhalbinsel blieb die Dominanz des osmanischen Erbes weitgehend erhalten, insbesondere auch in Hinsicht auf das Thema der Zivilgesellschaft und des Vereinswesens.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die kommunistische Periode und ihre Folgen bis heute</h2>



<p>Von nachhaltiger Bedeutung für die (verzögerte) Herausbildung einer Zivilgesellschaft waren jene 45 Jahre, die den größten Teil der Balkanhalbinsel vom Westen und dessen gesellschaftlicher Entwicklung entfernten: Die in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzende und 1989 zu Ende gehende Periode des Staatssozialismus hatte für alle betroffenen Länder gerade in diesem wichtigen Bereich der gesellschaftlichen Entwicklung verheerende Auswirkungen, deren gravierende Folgen bis in die Gegenwart hinein spürbar sind. Nach der Machtergreifung der Kommunisten begann – auf der Basis der kommunistischen Ideologie – ein fast unerbittlicher Kampf gegen den „Klassenfeind“, vor allem die „Bourgeoisie“ und ihre bürgerliche Kultur. Tausende Vertreter des Bürgertums wurden liquidiert oder verließen ihr Land. Für die zivilgesellschaftliche Entwicklung im östlichen Europa bedeutete dies eine Katastrophe, da alle vorhandenen zivilgesellschaftlichen Strukturen zerschlagen, alle Vereine sowie alle Freiwilligkeitsaktivitäten verboten wurden. An ihre Stelle traten zentral von der kommunistischen Partei bzw. vom Staat gelenkte „Vereinigungen“ und Organisationen, die ideologisch gleichgeschaltet waren und selten auf Freiwilligkeit basierten, allenfalls auf einer vom Staat eingeforderten bzw. angeordneten „Freiwilligkeit“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">14</sup> Zivilgesellschaftliche Initiativen und Aktivitäten wurden, wenn sie denn überhaupt möglich waren, in den Untergrund oder ins Privatleben verdrängt. Die einzigen Institutionen, die eine gewisse Ausnahme bildeten, wiewohl sie unter ständiger Überwachung standen, waren die Kirchen.</p>



<p>Der Zusammenbruch des kommunistischen Herrschaftssystems Ende 1989 kam für fast alle Menschen in Ost und West überraschend.<sup class="modern-footnotes-footnote ">15</sup>Und überraschend schnell wurden nach dieser politischen Wende dann auch – unter der Ägide des „siegreichen Westens“ – die Ziele des nun bevorstehenden Prozesses der „Transition“ oder „Transformation“ definiert. An seinem Ende stand stets das westeuropäische, häufig auch das US-amerikanische Modell. Umgehend einzuleiten sei, so die Vorgabe, der Aufbau 1. von parlamentarischen Demokratien, 2. einer Marktwirtschaft auf neoliberal-kapitalistischer Basis, 3. eines Rechtsstaats nach Vorbild der EU-Staaten und der USA („rule of law“) – sowie 4. von Zivilgesellschaften, wobei die „civil society“<em> </em>US-amerikanischer Prägung mit ihren NGOs (Non-Governmental Organizations) als wichtiges Leitbild dienen sollte.</p>



<p>Die Errichtung von „vibrant civil societies“,<sup class="modern-footnotes-footnote ">16</sup> also von „pulsierenden Zivilgesellschaften“ wurde unmittelbar nach der Wende in den 1990er-Jahren ein Ziel von höchster Priorität. In kürzester Zeit kam es in allen postsozialistischen Ländern zu unzähligen Gründungen von NGOs jeglicher Art – und es standen für dieses als prioritär formulierte Ziel auch große Mengen an Fördermitteln aus dem „Westen“ bereit, insbesondere für Projekte mit zivilgesellschaftlicher Signifikanz.<sup class="modern-footnotes-footnote ">17</sup> Aufschlussreich für deren sehr begrenzten Erfolg ist der kritische Text des Anthropologen Steven Sampson über seine Tätigkeit als Berater in Albanien.<sup class="modern-footnotes-footnote ">18</sup> Um das Jahr 2000 gab es in Bulgarien mit seinen damals 7,5 Millionen Einwohnern etwa 27.000 NGOs; in Rumänien waren es 1999 laut Experten 25.200 NGOs und zudem noch etwa 4.000 Gewerkschaften. Die Zahlen sind nach dem Jahr 2000 deutlich gesunken, vor allem aber nach dem EU-Beitritt der beiden Länder 2007.</p>



<p>Feststellen können wir, dass die Bereitschaft zur Überwindung des kommunistischen Erbes und zur Anpassung an die neuen, von außen einströmenden wirtschaftlichen, politischen, rechtlichen und sozialen Realitäten in den 1990er-Jahren sehr groß war. Zu den großen Hoffnungen und Erwartungen gehörte gewiss auch die rasche Errichtung zivilgesellschaftlicher Strukturen, wobei in den gebildeten Schichten „Zivilgesellschaft“ als „Gesellschaft mündiger Bürger“ zu einem fast magischen Wort wurde. Ihr wurde die Kraft zugesprochen, die Folgen von Jahrzehnten sozialistischen Totalitarismus zu überwinden und Gegenkräfte zu aktivieren, Anomie zu beseitigen, die parlamentarische Demokratie zu verankern, die Kräfte des Marktes freizusetzen, die Familie zu stärken, republikanische Tugenden und Werte zu wecken und viele weitere positive Entwicklungen anstoßen zu können.</p>



<p>Übersehen darf man dabei nicht, dass die nahezu euphorische Hinwendung zur Zivilgesellschaft als politisches Ziel im östlichen Europa – ausgehend von Polen und Ungarn – bereits um die Mitte der 1980er-Jahre begonnen hatte und dass der Begriff nach der Wende vollends ins Zentrum des gesellschaftlichen Diskurses geriet – und dann vor allem auch ins Zentrum der politischen und wirtschaftlichen Fördermaßnahmen der USA und der EU. Dieses Aufgreifen und die positive Wertbesetzung des Begriffs bereits vor der Wende waren für den Westen überraschend und können als eine der Paradoxien der Transformation gelten: Nicht nur, dass der Begriff der Zivilgesellschaft damals aus dem westlichen Diskurs weitgehend verschwunden war. Auch die Sache an sich steckte dort in einer Krise.</p>



<p>Einflussreiche Soziologen hatten bereits in den 1980er-Jahren eine Krise der Zivilgesellschaft diagnostiziert: Zivilgesellschaft benötige zu ihrem Funktionieren, wie Richard Sennett betonte, ganz essenziell die Öffentlichkeit und das öffentliche Leben – und beides sei durch die „Tyrannei der Intimität“<sup class="modern-footnotes-footnote ">19</sup>, durch den massenhaften Rückzug ins Private akut gefährdet. Ähnlich skeptisch äußerte sich auch Robert Putnam,<sup class="modern-footnotes-footnote ">20</sup> und Jean Elshtain beklagte einen „loss of civil society“, eine „emptiness, and kind of evacuation of civic spaces“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">21</sup></p>



<p>Noch heftigere Kritik kam in der Modernisierungs- und Entwicklungsdebatte um die ehemaligen Ostblockstaaten auf, in der die Zivilgesellschaft als „westliches Produkt“ hinterfragt und sogar der Vorwurf des „Modell-Imperialismus“ erhoben wurde. Besonders Francis Fukuyamas Buch vom „Ende der Geschichte“<sup class="modern-footnotes-footnote ">22</sup>, dem zufolge nach dem Fall des Sowjetimperiums die Menschheit durch die weltweite Verbreitung westlich-liberaler, zivilgesellschaftlicher Demokratie als finaler Form humanen Regierens den Endpunkt ihrer ideologischen Entwicklung erreicht habe, wurde als „westlicher Triumphalismus“ kritisiert. Außerhalb Europas und der USA wurde betont, dass Demokratie und Zivilgesellschaft auf Wertprämissen des Westens<em> </em>beruhten, die mit den eigenen Traditionen weithin unvereinbar seien. Zivilgesellschaft könne also nicht universalisiert und globalisiert werden – eine Behauptung, die etwa durch die neuere Entwicklung in Teilen der arabischen Welt bestätigt zu werden scheint.</p>



<p>Die Gesellschaften des östlichen Europa beteiligten sich an dieser Debatte über Universalität der Zivilgesellschaft erst mit einiger Verspätung, als der Begriff mit der demokratischen Wende in diesen Ländern seine Hochkonjunktur bereits überschritten hatte. Westlicher Triumphalismus und östliche Wende-Euphorie waren inzwischen abgeklungen, und angesichts der immer deutlicher bemerkbaren massiven Transformationsprobleme regten sich nun Zweifel, ob die mehr als zweihundertjährige <em>westliche</em> Erfahrung mit Zivilgesellschaft unmittelbar auf die Länder vor allem des <em>südöstlichen</em> Europa übertragbar sei, ob die zahllosen westlichen Programme zum Aufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen wirklich ihr Ziel erreichten, und ob es, wie der Osteuropa-Kenner Richard Swartz pointiert formulierte, wirklich ausreiche, nur „die Spielregeln zu verändern, und die Osteuropäer würden sich sofort verhalten wie Adam Smiths <em>homo oeconomicus</em> und sich zugleich an der Wahlurne wie ein vernünftiger Bürger aufführen. Eher schon <em>mimen</em> sie dieses Verhalten, so als wäre es eine Mode, die bei nächster Gelegenheit von einer neuen abgelöst wird.“<sup class="modern-footnotes-footnote ">23</sup></p>



<p>Ist also der Aufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen im östlichen Europa nur Mimikry, opportunistische Anpassung an die Vorgaben „von oben“ – wobei dieses „oben“ die westlichen Geldgeber wie auch die politischen Eliten sein mögen? Und können solche Fragen und Aussagen überhaupt für das ganze östliche Europa – von Tallinn bis Sofia – in gleicher Weise formuliert werden?</p>



<p>Angesichts der Tatsache, dass die meisten europäischen postsozialistischen Länder inzwischen EU-Mitglieder sind, haben diese Fragen noch größeres Gewicht erhalten. So ist es nicht verwunderlich, dass Zivilgesellschaft weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Diskurse ist, die in Konferenzen und Publikationen ihren Niederschlag finden.<sup class="modern-footnotes-footnote ">24</sup> Der Diskurs wurde dabei immer weniger normativ-politisch und immer mehr historisch-soziologisch geführt, und die Fragestellungen waren zunehmend an der so­zialen Realität orientiert und bezogen die historischen und kulturellen Dimensionen ein.</p>



<p>Nach bald drei Jahrzehnten Erfahrungen mit dem Aufbau von zivilgesellschaftlichen Strukturen ist heute viel Ernüchterung, aber auch Nüchternheit zu konstatieren. Die Entwicklung von „vibrant civil societies“ ist bei weitem nicht in dem erwarteten Maße eingetreten, wobei allerdings die Situation in den Ländern Südosteuropas weit kritischer beurteilt wird als die in den Ländern des östlichen Mitteleuropa. Schon 1999 hat der Historiker Holm Sundhaussen auf die „historisch bedingte Schwäche der Zivilgesellschaft“ in Südosteuropa verwiesen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">25</sup></p>



<p>Konzentrieren wir uns auf die EU-Staaten Südosteuropas, so scheint eine ganze Reihe von Faktoren für den geringen Erfolg der Bemühungen der EU und der USA verantwortlich zu sein. Einige dieser in der Fachliteratur, den Medien und den „Fortschrittsberichten“ der EU angeführten Faktoren seien kurz angesprochen. Vorausgeschickt sei dabei, dass nach Meinung jener Fachleute, Diplomaten und Politiker, die sich mit der Region besser auskennen, die Transformation der postsozialistischen Länder in den oben angeführten vier Bereichen nur sehr bescheidene Fortschritte gemacht hat:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Der Aufbau parlamentarischer Demokratien<em> </em>ist, wenn wir den Kennern der Region folgen, nur formal gelungen, also in den äußeren Formen und Formalien. Sie sind realiter, so der Schweizer Politologe Nicolas Hayoz, nur Quasi-Demokratien,<sup class="modern-footnotes-footnote ">26</sup> die in Wirklichkeit nach klientelistischen Prinzipien funktionieren und in allen Bereichen ein ungewöhnlich hohes Maß an Korruption aufweisen.</li><li>In Hinsicht auf die Entwicklung von Rechtsstaatlichkeit<em> </em>nach dem Vorbild der „alten“ EU-Staaten stellen die Fortschrittsberichte seit Jahren unverändert enorme Defizite fest. Das aktuellste und schockierendste Beispiel ist wohl der Versuch der rumänischen Parlamentarier, ein Gesetz zu beschließen, das nahezu alle wegen Amtsmissbrauch verurteilten Amtsträger straffrei stellen soll; es hat landesweite Massenproteste ausgelöst.</li><li>Auch beim Aufbau einer Marktwirtschaft<em> </em>nach neoliberal-kapitalistischen Prinzipien werden erhebliche Mängel festgestellt. So hat eine bulgarische Ökonomin vor einigen Jahren in einer Fernsehdiskussion – trocken-sachlich – festgestellt, dass die Wirtschaft ihres Landes realiter eine „Kartellwirtschaft“ sei. Wettbewerb werde hauptsächlich von im Land tätigen ausländischen Firmen angestoßen.</li></ul>



<p>Eine Zivilgesellschaft und ein „normales“ Vereinswesen auszubauen ist unter diesen Rah­menbedingungen sehr schwierig. Zusätzlich – und grundlegend – erschwert werden solche Bemühungen durch die Entwicklung, die das Alltagsleben, die Alltagskultur, in den Gesellschaften genommen hat, verstärkt durch die Folgen der Transformation:</p>



<p>Als erster Punkt sei hier die in allen südosteuropäischen Gesellschaften unübersehbare Dominanz von Familie und Verwandtschaft, von Freunden, Kollegen und Nachbarn in allen Sozialbeziehungen angeführt. Bei den in riesiger Zahl gegründeten NGOs stellte sich bald heraus, dass es fast durchweg fiktive „Vereine“ waren, bei denen es allein darum ging, für einen Kreis von Verwandten, Freunden oder Kollegen mit aufgeblasenen Projektanträgen Gelder einzuwerben. Die in den Anträgen formulierten Ziele oder gar das Gemeinwohl waren dabei in der Regel beliebig oder irrelevant.</p>



<p>Widersprachen diese zahlreichen „NGOs“ der Definition von „Verein“ darin, dass sie eigentlich nur private Interessen verfolgten, so mehrte sich nach dem EU-Beitritt die Zahl solcher „Vereine“, die die andere Grenze überschritten, nämlich jene zum <em>Staat</em> und seinen Repräsentanten. Gemeint sind die – nach dem EU-Beitritt – auftauchenden „PONGOs“ und „GONGOs“ – Politically Owned NGOs und Government Owned NGOs. Stefan Barth, Geschäftsführer einer in Südosteuropa tätigen Stiftung, stimmt in seiner Masterarbeit<sup class="modern-footnotes-footnote ">27</sup> mit den Ergebnissen des Sofioter Center for the Study of Democracy überein<em>,</em> dass der Wunsch der EU-Kommission nach Einbindung der Zivilgesellschaft und die zur Verfügung gestellten Finanzierungsinstrumente zur Entstehung solcher „Pseudo-NGOs“ von Politikern oder gar von Regierungen geführt haben. Kritisch sieht dies auch Sonja Schüler, die umfassend über NGOs in Bulgarien und Rumänien gearbeitet hat.<sup class="modern-footnotes-footnote ">28</sup> Die Entstehung und das Wachstum dieser künstlichen Zivilgesellschaft aus „<em>Quasi</em>-Nicht-Regierungsorganisationen“ hat selbstverstärkende Wirkung. Sie stehen in Konkurrenz zu den Organisationen der unabhängigen Zivilgesellschaft, weil PONGOs und GONGOs speziell für die EU-förderfähigen Themenfelder gegründet wurden und durch ihre politischen Beziehungen und ihren Zugang zu Informationen potenter sind.<sup class="modern-footnotes-footnote ">29</sup> Auch die Beiträger des Bandes <em>Civil Society in Central and Eastern Europe: Challenges and Opportunities</em> beklagen, dass das System missbraucht werde: „[P]ublic officials established specific CSOs in order to be able to receive EU funds“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">30</sup></p>



<p>Die Grundidee von Vereinen und Zivilgesellschaft als zwischen Staat und Privat stehendem „dritten Sektor“ wird von ihnen ebenso ad absurdum geführt wie von den o.&nbsp;g. „privaten“ Vereinen. Kenner der realen Situation in Bulgarien und Rumänien bestätigen daher zu Recht die Auffassung von einer Mimikry der Zivilgesellschaft. Es ist eine Mimikry, die wesentlich von der Unkenntnis der realen Situation vor Ort in der Brüsseler Bürokratie unterstützt wird.</p>



<p>Interessant ist in diesem Zusammenhang allerdings die Tatsache, dass – abgesehen von einigen Sport- und Wandervereinen – die NGOs im Bereich des Naturschutzes eine Ausnahme bilden; ein wichtiger Grund wird von Fachleuten darin gesehen, dass diese aus Protestbewegungen hervorgegangenen Vereine die einzigen mit einer Vorgeschichte in der Spätphase des Sozialismus seien und deswegen als vertrauenswürdig gelten: Aufgeführt werden können beispielsweise die Massenproteste in Ruse (in den 1980er-Jahren) gegen die Giftwolken, die von dem Chemiewerk im rumänischen Giurgiu vom Wind über die Donau geblasen wurden und massenhaft schwerste Gesundheitsschäden verursachten. Die Naturschutz-NGOs sind heute die aktivsten, wie Sonja Schüler beobachtet hat, in Bulgarien wie auch in Rumänien, wo beispielsweise Massenproteste gegen die Goldgewinnung in Roșia Montană stattfanden. In den letzten Jahren haben in Rumänien Proteste gegen Machtmissbrauch, Korruption und illegale Eingriffe in die Unabhängigkeit von Justiz und Presse starke Proteste gegen die aus Sozialisten und Liberalen gebildete Regierung ausgelöst. In diesem Kontext bliebe noch zu untersuchen, welche Rolle die Rückkoppelung der vielen in wohlhabenderen EU-Staaten tätigen rumänischen Arbeitsmigranten in ihre rumänische Heimat spielen.</p>



<p>Fragen wir nach den Gründen der problematischen Entwicklung der Zivilgesellschaft und des Vereinslebens, so lassen sich vor allem zwei gravierende Faktoren ausmachen: Zum einen ist der sehr spezifische und problematische Verlauf der Transformation zu nennen, der dafür sorgte, dass die vielfältigen und unübersichtlichen Prozesse des politischen, sozialen und vor allem wirtschaftlichen Wandels in allen postsozialistischen Gesellschaften eine große Mehrheit aus Verlierern und eine geringe Zahl von Gewinnern hervorbrachten. Eine erhebliche Zahl der Abgehängten, der Verlierer dieser unkontrollierten Transformation, hat ihr Heimatland verlassen und ihr Auskommen in den westeuropäischen Ländern oder den USA gesucht.</p>



<p>Wichtiger noch scheint ein intrinsischer Grund zu sein, der sehr tief in den Gesellschaften des einstmals osmanischen Teils der Balkanhalbinsel verankert ist: Alle Gesellschaften sind – aufgrund der Erfahrung von fünf Jahrhunderten Fremdherrschaft – nicht nur gekennzeichnet durch ihre Sicht auf den Staat als „feindliche Macht“, sondern vor allem durch die nahezu völlige Dominanz des privaten Vertrauens, eines Vertrauens, das eben nur die „vertrauten“ und aus Erfahrung „vertrauenswürdigen“ Menschen einschließt, also primär die Familie und die Verwandtschaft, gute Freunde, Nachbarn und Kollegen. Das anonyme, institutionelle Vertrauen, nach Anthony Giddens ein zentrales Kennzeichen moderner Gesellschaften, ist in diesen Gesellschaften (und solchen mit ähnlicher historischer Erfahrung) sehr schwach ausgeprägt. Der Sozialanthropologe Christian Giordano bezeichnet diese durch ihre historische Erfahrung geformten Gesellschaften daher als „Gesellschaften des öffentlichen Misstrauens“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">31</sup> Bulgarien und Rumänien befinden sich, wie die Autoren des Bandes <em>Civil Society in Central and Eastern Europe</em> betonen, in der Gruppe der Länder mit einem „low level of institutional trust“.<sup class="modern-footnotes-footnote ">32</sup></p>



<p>Soziales Vertrauen – über die Familie und die engen Freunde hinaus – ist jedoch die wichtigste Basis der Zivilgesellschaft und damit auch die von Vereinen. Angesichts dieser Tatsache ist es nicht überraschend, dass die Gesellschaften und besonders die Eliten Südosteuropas eine sehr große Neigung zu jenen Beziehungen haben, die unmittelbar auf privatem Vertrauen gründen, also zu Freundschaften sowie zu klientelistischen Beziehungen und Netzwerken. Die Macht eben dieser Beziehungen hat im Jahre 2015 die Hochschulwoche der Südosteuropa-Gesellschaft zum „Klientelismus in Südosteuropa“<sup class="modern-footnotes-footnote ">33</sup> überaus deutlich vor Augen geführt, etwa auch die Tatsache, dass Vereine, die über den engen Kreis der Freunde, Verwandten und Klientel-Netzwerke hinausgehen, es prinzipiell schwer haben, eine Basis des Vertrauens aufzubauen.</p>



<p>Die bisher genannten dominanten gesellschaftlichen Bedingungen verbinden sich auf recht „natürliche“ Weise mit einer zweiten Eigenschaft, die sich aus der Dominanz des personalen Vertrauens ergibt. In allen Gesellschaften des eben beschriebenen Typs werden informelle Beziehungen zwischen Menschen deutlich bevorzugt, formelle Beziehungen hingegen eher vermieden oder offen abgelehnt. Die beiden schon erwähnten Kenner des östlichen und südöstlichen Europa, Christian Giordano und Nicolas Hayoz, haben diesem sehr wichtigen Aspekt den umfangreichen Sammelband <em>Informality in Eastern Europe</em> gewidmet.<sup class="modern-footnotes-footnote ">34</sup></p>



<p>Vereine aber benötigen für ihr Funktionieren ein gewisses Maß an Formalität, nicht nur in ihrer (schriftlichen) Satzung, sondern auch in den Umgangsformen, in der Beachtung von Regeln usw., gerade auch im Falle von Konflikten. Das Vorhandensein von festen Satzungen und Normen wie auch die Verpflichtung auf den Vereinszweck und damit auf das jeweils definierte „Gemeinwohl“ schafft klare Verantwortungen wie auch Zwänge. Für die rumänischen NGOs beschreibt Fanny Sbaraglia hingegen ein hohes Maß an Informalität auf allen Ebenen, inklusive Klatsch und Ausgrenzungen.<sup class="modern-footnotes-footnote ">35</sup> Die Dominanz informeller Verhaltensweisen aber befördert jene von Richard Sennett als Gefahr für die Zivilgesellschaft beschriebene Personalisierung aller Beziehungen, die bereits erwähnte „Tyrannei der Intimität“. Hinzugefügt sei, dass auch die gesamte politische Elite in Südosteuropa einen Stil der Informalität pflegt, wie Katerina Gehl und der Autor dieses Beitrags am Beispiel Bulgariens aufgezeigt haben.<sup class="modern-footnotes-footnote ">36</sup> Hierzu fügt sich die oben erwähnte Tatsache, dass die Grenzen zwischen politischer Klasse, Zivilgesellschaft und Privatleben oft sehr verschwommen sind.</p>



<p>Abschließen möchte ich mit dem aktuellen Beispiel einer Delegation von Sportfunktionären aus Frankreich, Belgien, Österreich und anderen „westlichen“ Ländern, die 2017 eine Erkundungsreise durch mehrere südosteuropäische Länder (Bulgarien, Griechenland, Moldau, Mazedonien, Rumänien u.&nbsp;a.) machte. Sie wollte im Rahmen eines EU-Projekts für den Bereich „Traditional Sports and Games“ Kontakte zu Vereinen und Verbänden aufbauen. Grundlage war die Überzeugung, dass diese traditionellen Sportarten und Spiele nur dann eine Chance des Überlebens haben, wenn sie von festen Strukturen wie Vereinen und Verbänden getragen würden. Dr.&nbsp;Petăr Petrov<sup class="modern-footnotes-footnote ">37</sup>, der sich durch seine Forschungen mit diesen Sportarten bestens auskennt, war gebeten worden, die Gruppe als Experte zu begleiten, zu führen und auch zu beraten.</p>



<p>Das Ergebnis war für die Sportfunktionäre überraschend, nicht aber für den Kenner der Region. Vereine und Verbände, die für eine EU-Förderung als Partner hätten agieren können, waren fast nirgends anzutreffen. Stattdessen fanden die Sportfunktionäre in allen Ländern nur informelle Gruppen mit kurzfristiger Zielsetzung, Planung und Gewinnorientierung vor, wobei die Organisation dieser Gruppen fast ausschließlich auf verwandtschaftlichen, freundschaftlichen und/oder ethnischen Loyalitäten beruhte. Aufschlussreich war dabei der Sonderfall Mazedonien, wo vor 20 Jahren ein Nationalverband mit 16 Vereinen für das traditionelle Ringen gegründet worden war. Seine oberen Funktionäre nutzten ihre Position dazu, Gelder in jene Vereine fließen zu lassen, in denen ihre Freunde und Verwandten im Vorstand saßen, und bei Wettbewerben eben diese Vereine zu bevorzugen. Als vor einem Jahr die benachteiligten Vereine die (ethnisch-mazedonischen) Vorstände des Verbands abwählten, wurde ein (ethnisch) albanischer Funktionär an die Spitze gewählt, der nun – neben verwandtschaftlichen und freundschaftlichen – auch ethnische Loyalitäten in den Vordergrund rückte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Conclusio</h2>



<p>Aus meinen Ausführungen sollte hervorgegangen sein, dass es sich bei Vereinswesen und Zivilgesellschaft in Südosteuropa um ein sehr grundlegendes, für die künftige Entwicklung der Länder wichtiges Themenfeld handelt. Es ist ein Themenbereich, der besonders von Außenstehenden (wie etwa westlichen Politikern, Funktionären und Beamten) ein hohes Maß an Kenntnis der Verfasstheit, der sozialen Normen und Werte der Gesellschaften verlangt. Die Tatsache aber, dass die „Fortschrittsberichte“ der EU seit Jahren gerade in diesem Bereich kaum Fortschritte vermelden können, in manchen Fällen sogar dezent Rückschritte andeuten müssen, zeigt, dass dieses Wissen um die tieferen historischen und sozio-kulturellen Gründe kaum offen vermittelt wird. Weit größere Bedeutung als die „Fortschrittsberichte“ der EU haben für die gesellschaftliche Entwicklung der betroffenen Länder die Reaktionen der Bevölkerungen, etwa die Massenproteste gegen die politische Klasse in Rumänien.</p>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p><strong>Klaus Roth</strong>, geboren 1939 in Hamburg, studierte an den Universitäten Hamburg, Freiburg im Breisgau und Aberdeen sowie an der Indiana University Anglistik, Geografie und Slawistik. Nach einer dreijährigen Tätigkeit als Gymnasiallehrer wurde er 1975 an der Universität Freiburg promoviert. Er war zunächst als Assistent an der Westfälischen Friedrich-Wilhelms-Universität Münster beschäftigt, ehe er 1982 einen Lehrstuhl für Volkskunde an der Ludwig-Maximilians-Universität München übernahm, den er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2004 innehatte. Zu seinen wissenschaftlichen Schwerpunkten in Forschung und Lehre zählen unter anderem Erzählforschung, Volkskunde Südosteuropas und interkulturelle Kommunikation. Neben zahlreichen Ehrenämtern in wissenschaftlichen Institutionen ist er Herausgeber der Münchner Beiträge zur Interkulturellen Kommunikation und der Zeitschrift <em>Ethnologia Balkanica</em>.</p>



<div style="height:50px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p><a href="#_ftnref1"><sup>[1]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zur Thematik der Zivilgesellschaft im östlichen Europa siehe Jörg Hackmann, Klaus Roth (Hgg.): Zivilgesellschaft im östlichen und südöstlichen Europa in Geschichte und Gegenwart. München: R.&nbsp;Oldenbourg Verlag 2011.</p>



<p><a href="#_ftnref2"><sup>[2]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Anthony Giddens: The Consequences of Modernity. Stanford: Stanford University Press 1990, S.&nbsp;79–111.</p>



<p><a href="#_ftnref3"><sup>[3]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. Jürgen Habermas: Faktizität und Geltung. Frankfurt: Suhrkamp 1992, S.&nbsp;435–451; siehe auch John Keane: Democracy and Civil Society. London: Verso 1988, S.&nbsp;14.</p>



<p><a href="#_ftnref4"><sup>[4]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zum Beispiel engl. „clubs“, „associations“, „guilds“, „corporations“, „non-governmental organizations“; frz. „associations“, „sociétés“, „clubs“, „unions“.</p>



<p><a href="#_ftnref5"><sup>[5]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Walther Müller-Jentsch: Der Verein – ein blinder Fleck der Organisationssoziologie. In: Berliner Journal für Soziologie 18 (2008) H.&nbsp;3, S.&nbsp;476–502.</p>



<p><a href="#_ftnref6"><sup>[6]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Anton Sterbling: Zivilgesellschaftliche Unterentwicklung und ihre Gründe. Der Fall Rumänien und Bulgarien. In: Institut für Donauraum und Mitteleuropa (Hg.): Unbezahlt, aber unbezahlbar. Vom Mehrwert der Freiwilligenarbeit in Europa. Wien: Institut für Donauraum und Mitteleuropa 2011, S.&nbsp;18–20.</p>



<p><a href="#_ftnref7"><sup>[7]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. dazu u.&nbsp;a. Klaus Roth: Wie „europäisch“ ist Südosteuropa? Zum Problem des kulturellen Wandels auf der Balkanhalbinsel. In: Nils-Arvid Bringéus u.&nbsp;a. (Hgg.): Wandel der Volkskultur in Europa. Münster: coppenrath Verlag 1988, S.&nbsp;219–231, hier: S.&nbsp;224–229.</p>



<p><a href="#_ftnref8"><sup>[8]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe Ulf Brunnbauer, Wolfgang Höpken (Hgg.): Transformationsprobleme Bulgariens im 19. und 20.&nbsp;Jahrhundert. München: Kubon und Sagner 2007.</p>



<p><a href="#_ftnref9"><sup>[9]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Jutta Lauth Bacas: Nationale Identität und Wahrnehmung von Europa in Griechenland: Ansichten aus einem „alten“ südosteuropäischen Mitgliedsland. In: Klaus Roth (Hg.): Europäisierung von unten? Beobachtungen zur EU-Integration Südosteuropas. München: forost Arbeitspapiere 2008, S.&nbsp;27–41.</p>



<p><a href="#_ftnref10"><sup>[10]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. Klaus Roth, Ioannis Zelepos (Hgg.): Klientelismus in Südosteuropa. 54. Internationale Hochschulwoche der Südosteuropa-Gesellschaft in Tutzing 5.–9. Oktober 2015. Frankfurt am Main: Peter Lang Verlag 2018.</p>



<p><a href="#_ftnref11"><sup>[11]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wolfgang Höpken: Stadt und Zivilgesellschaft in Südosteuropa: Anmerkungen aus historischer Perspektive. In: Anton Sterbling (Hg.): Zivilgesellschaftliche Entwicklungen in Südosteuropa. München: Verlag Otto Sagner 2009, S.&nbsp;111–156, hier: S.&nbsp;116f.</p>



<p><a href="#_ftnref12"><sup>[12]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zum Thema „Phantomgrenze“ siehe: Hannes Grandits u.&nbsp;a.: Phantomgrenzen im östlichen Europa. Eine wissenschaftliche Positionierung. In: dies. (Hgg.): Phantomgrenzen. Räume und Akteure in der Zeit neu denken. Göttingen: Wallstein Verlag 2015, S.&nbsp;13–56, hier: S.&nbsp;18.</p>



<p><a href="#_ftnref13"><sup>[13]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe Béatrice von Hirschhausen u.&nbsp;a.: Phantomgrenzen zwischen Erfahrungsräumen und Erwartungshorizonten. Konzeptionelle Reflexionen an einem empirischen Beispiel. In: ebenda, S.&nbsp;84–106, hier: S.&nbsp;86. Zahlen und Karten zum Vereinswesen liegen leider nicht vor, etwa aktuelle Vergleichsstudien zum Vereinswesen in den verschiedenen Regionen Rumäniens.</p>



<p><a href="#_ftnref14"><sup>[14]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Das bekannteste Beispiel ist der „freiwillige“, realiter aber pflichtmäßige Arbeitseinsatz am Samstag, in Bulgarien der „săbotnik“ nach dem sowjetischen Vorbild des „subotnik“.</p>



<p><a href="#_ftnref15"><sup>[15]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe hierzu den Band von Alexei Yurchak: Everything Was Forever, Until It Was No More. The Last Soviet Generation. Princeton: Princeton University Press 2005.</p>



<p><a href="#_ftnref16"><sup>[16]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. u.&nbsp;a. Jocelyn Viterna, Emily Clough, Killian Clarke: Reclaiming the „Third Sector“ from „Civil Society“. A New Agenda for Development Studies. In: Sociology of Development 1 (2015) H.&nbsp;1, S.&nbsp;173–207.</p>



<p><a href="#_ftnref17"><sup>[17]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe Steven Sampson: Jenseits der Transition: Elitekonfigurationen auf dem Balkan neu gedacht. In: Christopher Hann (Hg.): Postsozialismus. Transformationsprozesse in Europa und Asien aus ethnologischer Perspektive. Frankfurt am Main: Campus Verlag 2002, S.&nbsp;425–452.</p>



<p><a href="#_ftnref18"><sup>[18]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Steven Sampson: The social life of projects. Importing civil society to Albania. In: Chris Hann, Elizabeth Dunn (Hgg.): Civil Society. Challenging Western Models. London, New York: Routledge 2005, S.&nbsp;119–139.</p>



<p><a href="#_ftnref19"><sup>[19]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Richard Sennett: Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität. Frankfurt am Main:<br>S.&nbsp;Fischer 1983.</p>



<p><a href="#_ftnref20"><sup>[20]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Robert Putnam: Bowling Alone. America’s Declining Social Capital. In: Journal of Democracy 6 (1995) H.&nbsp;1,<br>S.&nbsp;65–78.</p>



<p><a href="#_ftnref21"><sup>[21]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Jean B.&nbsp;Elshtain: Democracy on Trial. New York: BasicBooks 1995, S.&nbsp;5.</p>



<p><a href="#_ftnref22"><sup>[22]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Francis Fukuyama: Das Ende der Geschichte. Wo stehen wir? München: Kindler Verlag 1992.</p>



<p><a href="#_ftnref23"><sup>[23]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Richard Swartz: Leidensticket nach Westen. Die Osteuropäer vor der Integration. In: Süddeutsche Zeitung, 10.2.2003, S.&nbsp;3. Hervorhebungen im Original.</p>



<p><a href="#_ftnref24"><sup>[24]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe z.&nbsp;B. Sterbling: Zivilgesellschaftliche Entwicklungen in Südosteuropa.</p>



<p><a href="#_ftnref25"><sup>[25]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Holm Sundhaussen: Europa balcanica. Der Balkan als historischer Raum Europas. In: Geschichte und Gesellschaft 25 (1999), S.&nbsp;626–653, hier: S. 652.</p>



<p><a href="#_ftnref26"><sup>[26]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Nicolas Hayoz: Das Syndrom der Machtkultur in Osteuropa. In: Nicole Gallina, Katerina Gehl (Hgg.): Kultur der politischen Eliten in Osteuropa. Wien, Zürich: LIT Verlag 2016, S.&nbsp;55–71.</p>



<p><a href="#_ftnref27"><sup>[27]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Stefan Barth: Low Trust Societies and European Funding Policies in Situations of Transformation in Southeastern Europe. „Why is participation of civil society actors in postcommunist countries constrained?“ Heidelberg 2014.</p>



<p><a href="#_ftnref28"><sup>[28]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Sonja Schüler: Zivilgesellschaftliche Entwicklungen in Bulgarien am Beispiel Umweltschutz. In: Sterbling (Hg.): Zivilgesellschaftliche Entwicklungen in Südosteuropa, S.&nbsp;285–300.</p>



<p><a href="#_ftnref29"><sup>[29]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe Sonja Schüler: „Was für ein Angebot können Sie uns machen, das wir nicht ablehnen können?“ Politische Wahrnehmungen und Wahrnehmungen des Politischen in der Balkanregion am Beispiel Bulgariens. In: Gallina, Gehl (Hgg.): Kultur der politischen Eliten in Osteuropa, S.&nbsp;111–132, hier: S.&nbsp;118.</p>



<p><a href="#_ftnref30"><sup>[30]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Peter Vandor u.&nbsp;a. (Hgg.): Civil Society in Central and Eastern Europe. Challenges and Opportunities. Wien: ERSTE Stiftung 2017.</p>



<p><a href="#_ftnref31"><sup>[31]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Christian Giordano: Privates Vertrauen und informelle Netzwerke. Zur Organisationskultur in Gesellschaften des öffentlichen Misstrauens. Südosteuropa im Blickpunkt. In: Klaus Roth (Hg.): Soziale Netzwerke und soziales Vertrauen in den Transformationsländern. Ethnologische und soziologische Untersuchungen. Zürich, Berlin: LIT Verlag 2007, S.&nbsp;21–49.</p>



<p><a href="#_ftnref32"><sup>[32]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe Vandor u.&nbsp;a. (Hgg. ): Civil Society in Central and Eastern Europe.</p>



<p><a href="#_ftnref33"><sup>[33]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Siehe Roth, Zelepos (Hgg.): Klientelismus in Südosteuropa.</p>



<p><a href="#_ftnref34"><sup>[34]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Christian Giordano, Nicolas Hayoz (Hgg.): Informality in Eastern Europe. Structures, Political Cultures and Social Practices. Bern, Berlin: Peter Lang Verlag 2013.</p>



<p><a href="#_ftnref35"><sup>[35]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Fanny Sbaraglia: „They are with the Others“. From Gossip to Stigmatization, Romanian Civil Society through an Informal Perspective. In: Giordano, Hayoz (Hgg.): Informality, S.&nbsp;279–296.</p>



<p><a href="#_ftnref36"><sup>[36]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Katerina Gehl, Klaus Roth: The Everyday Culture of Informality in Post-Socialist Bulgarian Politics. In: Giordano, Hayoz (Hgg.): Informality, S.&nbsp;197–221.</p>



<p><a href="#_ftnref37"><sup>[37]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Dr. Petrov ist Associate Professor am Institut für Ethnologie und Folkloristik der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften in Sofia. Für seine detaillierten Auskünfte möchte ich ihm herzlich danken.</p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zur Thematik der Zivilgesellschaft im östlichen Europa siehe Jörg Hackmann, Klaus Roth (Hgg.): Zivilgesellschaft im östlichen und südöstlichen Europa in Geschichte und Gegenwart. München: R.&nbsp;Oldenbourg Verlag 2011.</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Anthony Giddens: The Consequences of Modernity. Stanford: Stanford University Press 1990, S.&nbsp;79–111.</div><div>3&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Jürgen Habermas: Faktizität und Geltung. Frankfurt: Suhrkamp 1992, S.&nbsp;435–451; siehe auch John Keane: Democracy and Civil Society. London: Verso 1988, S.&nbsp;14.</div><div>4&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zum Beispiel engl. „clubs“, „associations“, „guilds“, „corporations“, „non-governmental organizations“; frz. „associations“, „sociétés“, „clubs“, „unions“.</div><div>5&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Walther Müller-Jentsch: Der Verein – ein blinder Fleck der Organisationssoziologie. In: Berliner Journal für Soziologie 18 (2008) H.&nbsp;3, S.&nbsp;476–502.</div><div>6&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Anton Sterbling: Zivilgesellschaftliche Unterentwicklung und ihre Gründe. Der Fall Rumänien und Bulgarien. In: Institut für Donauraum und Mitteleuropa (Hg.): Unbezahlt, aber unbezahlbar. Vom Mehrwert der Freiwilligenarbeit in Europa. Wien: Institut für Donauraum und Mitteleuropa 2011, S.&nbsp;18–20.</div><div>7&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. dazu u.&nbsp;a. Klaus Roth: Wie „europäisch“ ist Südosteuropa? Zum Problem des kulturellen Wandels auf der Balkanhalbinsel. In: Nils-Arvid Bringéus u.&nbsp;a. (Hgg.): Wandel der Volkskultur in Europa. Münster: coppenrath Verlag 1988, S.&nbsp;219–231, hier: S.&nbsp;224–229.</div><div>8&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe Ulf Brunnbauer, Wolfgang Höpken (Hgg.): Transformationsprobleme Bulgariens im 19. und 20.&nbsp;Jahrhundert. München: Kubon und Sagner 2007.</div><div>9&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Jutta Lauth Bacas: Nationale Identität und Wahrnehmung von Europa in Griechenland: Ansichten aus einem „alten“ südosteuropäischen Mitgliedsland. In: Klaus Roth (Hg.): Europäisierung von unten? Beobachtungen zur EU-Integration Südosteuropas. München: forost Arbeitspapiere 2008, S.&nbsp;27–41.</div><div>10&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. Klaus Roth, Ioannis Zelepos (Hgg.): Klientelismus in Südosteuropa. 54. Internationale Hochschulwoche der Südosteuropa-Gesellschaft in Tutzing 5.–9. Oktober 2015. Frankfurt am Main: Peter Lang Verlag 2018.</div><div>11&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wolfgang Höpken: Stadt und Zivilgesellschaft in Südosteuropa: Anmerkungen aus historischer Perspektive. In: Anton Sterbling (Hg.): Zivilgesellschaftliche Entwicklungen in Südosteuropa. München: Verlag Otto Sagner 2009, S.&nbsp;111–156, hier: S.&nbsp;116f.</div><div>12&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zum Thema „Phantomgrenze“ siehe: Hannes Grandits u.&nbsp;a.: Phantomgrenzen im östlichen Europa. Eine wissenschaftliche Positionierung. In: dies. (Hgg.): Phantomgrenzen. Räume und Akteure in der Zeit neu denken. Göttingen: Wallstein Verlag 2015, S.&nbsp;13–56, hier: S.&nbsp;18.</div><div>13&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe Béatrice von Hirschhausen u.&nbsp;a.: Phantomgrenzen zwischen Erfahrungsräumen und Erwartungshorizonten. Konzeptionelle Reflexionen an einem empirischen Beispiel. In: ebenda, S.&nbsp;84–106, hier: S.&nbsp;86. Zahlen und Karten zum Vereinswesen liegen leider nicht vor, etwa aktuelle Vergleichsstudien zum Vereinswesen in den verschiedenen Regionen Rumäniens.</div><div>14&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das bekannteste Beispiel ist der „freiwillige“, realiter aber pflichtmäßige Arbeitseinsatz am Samstag, in Bulgarien der „săbotnik“ nach dem sowjetischen Vorbild des „subotnik“.</div><div>15&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe hierzu den Band von Alexei Yurchak: Everything Was Forever, Until It Was No More. The Last Soviet Generation. Princeton: Princeton University Press 2005. </div><div>16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vgl. u.&nbsp;a. Jocelyn Viterna, Emily Clough, Killian Clarke: Reclaiming the „Third Sector“ from „Civil Society“. A New Agenda for Development Studies. In: Sociology of Development 1 (2015) H.&nbsp;1, S.&nbsp;173–207.</div><div>17&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe Steven Sampson: Jenseits der Transition: Elitekonfigurationen auf dem Balkan neu gedacht. In: Christopher Hann (Hg.): Postsozialismus. Transformationsprozesse in Europa und Asien aus ethnologischer Perspektive. Frankfurt am Main: Campus Verlag 2002, S.&nbsp;425–452.</div><div>18&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Steven Sampson: The social life of projects. Importing civil society to Albania. In: Chris Hann, Elizabeth Dunn (Hgg.): Civil Society. Challenging Western Models. London, New York: Routledge 2005, S.&nbsp;119–139.</div><div>19&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Richard Sennett: Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität. Frankfurt am Main:<br>S.&nbsp;Fischer 1983.</div><div>20&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Robert Putnam: Bowling Alone. America’s Declining Social Capital. In: Journal of Democracy 6 (1995) H.&nbsp;1, S.&nbsp;65–78.</div><div>21&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Jean B.&nbsp;Elshtain: Democracy on Trial. New York: BasicBooks 1995, S.&nbsp;5.</div><div>22&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Francis Fukuyama: Das Ende der Geschichte. Wo stehen wir? München: Kindler Verlag 1992.</div><div>23&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Richard Swartz: Leidensticket nach Westen. Die Osteuropäer vor der Integration. In: Süddeutsche Zeitung, 10.2.2003, S.&nbsp;3. Hervorhebungen im Original.</div><div>24&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe z.&nbsp;B. Sterbling: Zivilgesellschaftliche Entwicklungen in Südosteuropa.</div><div>25&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Holm Sundhaussen: Europa balcanica. Der Balkan als historischer Raum Europas. In: Geschichte und Gesellschaft 25 (1999), S.&nbsp;626–653, hier: S. 652.</div><div>26&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nicolas Hayoz: Das Syndrom der Machtkultur in Osteuropa. In: Nicole Gallina, Katerina Gehl (Hgg.): Kultur der politischen Eliten in Osteuropa. Wien, Zürich: LIT Verlag 2016, S.&nbsp;55–71.</div><div>27&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Stefan Barth: Low Trust Societies and European Funding Policies in Situations of Transformation in Southeastern Europe. „Why is participation of civil society actors in postcommunist countries constrained?“ Heidelberg 2014.</div><div>28&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sonja Schüler: Zivilgesellschaftliche Entwicklungen in Bulgarien am Beispiel Umweltschutz. In: Sterbling (Hg.): Zivilgesellschaftliche Entwicklungen in Südosteuropa, S.&nbsp;285–300.</div><div>29&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe Sonja Schüler: „Was für ein Angebot können Sie uns machen, das wir nicht ablehnen können?“ Politische Wahrnehmungen und Wahrnehmungen des Politischen in der Balkanregion am Beispiel Bulgariens. In: Gallina, Gehl (Hgg.): Kultur der politischen Eliten in Osteuropa, S.&nbsp;111–132, hier: S.&nbsp;118.</div><div>30&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Peter Vandor u.&nbsp;a. (Hgg.): Civil Society in Central and Eastern Europe. Challenges and Opportunities. Wien: ERSTE Stiftung 2017.</div><div>31&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Christian Giordano: Privates Vertrauen und informelle Netzwerke. Zur Organisationskultur in Gesellschaften des öffentlichen Misstrauens. Südosteuropa im Blickpunkt. In: Klaus Roth (Hg.): Soziale Netzwerke und soziales Vertrauen in den Transformationsländern. Ethnologische und soziologische Untersuchungen. Zürich, Berlin: LIT Verlag 2007, S.&nbsp;21–49.</div><div>32&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe Vandor u.&nbsp;a. (Hgg. ): Civil Society in Central and Eastern Europe.</div><div>33&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siehe Roth, Zelepos (Hgg.): Klientelismus in Südosteuropa.</div><div>34&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Christian Giordano, Nicolas Hayoz (Hgg.): Informality in Eastern Europe. Structures, Political Cultures and Social Practices. Bern, Berlin: Peter Lang Verlag 2013.</div><div>35&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Fanny Sbaraglia: „They are with the Others“. From Gossip to Stigmatization, Romanian Civil Society through an Informal Perspective. In: Giordano, Hayoz (Hgg.): Informality, S.&nbsp;279–296.</div><div>36&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Katerina Gehl, Klaus Roth: The Everyday Culture of Informality in Post-Socialist Bulgarian Politics. In: Giordano, Hayoz (Hgg.): Informality, S.&nbsp;197–221.</div><div>37&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dr. Petrov ist Associate Professor am Institut für Ethnologie und Folkloristik der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften in Sofia. Für seine detaillierten Auskünfte möchte ich ihm herzlich danken.</div><p>Der Beitrag <a href="https://halbjahresschrift.de/zivilgesellschaft-vereinswesen-suedosteuropa/">Zivilgesellschaft und Vereinswesen  in Südosteuropa</a> erschien zuerst auf <a href="https://halbjahresschrift.de">Halbjahresschrift für Geschichte und Zeitgeschehen in Zentral- und Südosteuropa</a>.</p>
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